Nächtliches Licht, Lärm und Wohnumfeld · Kapitel 7 von 20 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region

Studien zum Wohnort bündeln Grün, Licht, Lärm, Luftqualität, Verkehr und Sozialstatus. Nur wenige zerlegen den Wohnort in diese Anteile; die meisten beschreiben Unterschiede zwischen Regionen, Städten oder Stadtbezirken und führen sie auf Luftschadstoffe oder Klima zurück. Lärm und Licht kommen in dieser Gruppe praktisch nicht vor.

Nassan et al. (2018): Wohnentfernung zu Hauptstraßen und Samenqualität, Massachusetts, USA [s136]. Titel: „Residential distance to major roadways and semen quality, sperm DNA integrity, chromosomal disomy, and serum reproductive hormones among men attending a fertility clinic“ (International Journal of Hygiene and Environmental Health). Design und Population: Kohortenstudie an 797 Männern des Fertilitätszentrums des Massachusetts General Hospital (2000 bis 2015) mit 1.238 Samenproben, davon 389 Proben für die DNA-Integrität, 101 für Disomie und 405 Serumproben. Exposition: Wohnentfernung zu Hauptstraßen (Median 111 m; Interquartilsabstand 37 bis 248 m). Ergebnisse: Kein Zusammenhang mit Samenparametern, Spermien-DNA-Integrität, Chromosomen-Disomie oder Hormonen. Prozentuale Änderung je 500 m Mehrabstand: Volumen −1,0 % (95-%-KI −6,3 bis 4,5), Konzentration 4,3 % (−5,8 bis 15,7), Gesamtzahl 3,1 % (−7,2 bis 14,5), Gesamtbeweglichkeit 1,1 % (−1,2 bis 3,4), normale Morphologie 0,1 % (−0,3 bis 0,5). Einordnung: ein sauberer Nullbefund; die Entfernung zur Straße steht für verkehrsbedingte Luftschadstoffe und Lärm zugleich, ohne diese zu trennen. Schwächen: Klinikpopulation, keine Lärmmessung; die Konfidenzintervalle sind weit und schließen sowohl kleine Schäden als auch kleine Vorteile ein.

Wesselink et al. (2020): Nähe zu Hauptstraßen und Fekundabilität, PRESTO [s126]. Titel: „Residential proximity to major roads and fecundability in a preconception cohort“ (Environmental Epidemiology). Population: 7.342 US-amerikanische und 1.448 kanadische Frauen. Ergebnisse: Fekundabilitätsverhältnis bei Wohnort unter 50 m gegenüber mindestens 400 m von der nächsten Hauptstraße: USA 0,88 (95-%-KI 0,80 bis 0,98), Kanada 0,93 (0,74 bis 1,16). Einordnung: Frauen im Kinderwunsch, kein Samenparameter; Lärm und Abgase sind nicht getrennt.

Yu et al. (2022): verkehrsbedingter Feinstaub und Samenqualität, Guangzhou, China [s96]. Titel: „Impacts of traffic-related particulate matter pollution on semen quality: A retrospective cohort study relying on the random forest model in a megacity of South China“ (Science of the Total Environment). Design und Population: retrospektive Kohorte von 1.310 Samenspendern mit 4.912 Proben (2019); Random-Forest-Modell mit Meteorologie, Landnutzung und Verkehrsvariablen. Ergebnisse (0- bis 90-Tage-Fenster): niedrigere Konzentration mit PM10 (β −0,21; 95-%-KI −0,35 bis −0,07), niedrigere Gesamtzahl mit PM2,5 (−0,19; −0,35 bis −0,02) und PM10 (−0,19; −0,33 bis −0,05); PM2,5 und PM10 verminderten die Konzentration vor allem im späten Fenster (0 bis 37 Tage); Alkohol und ein im Abstract nicht erläuterter Faktor („PBF“) modifizierten die Zusammenhänge mit der Beweglichkeit; PM1 zeigte keine signifikanten Zusammenhänge. Einordnung: Verkehr erscheint hier nur über Feinstaub; Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht.

Zhou N. et al. (2014): Luftverschmutzung und Samenqualität, Stadt und Land in Chongqing, China [s159]. Titel: „Air pollution and decreased semen quality: a comparative study of Chongqing urban and rural areas“ (Environmental Pollution). Design und Population: vergleichende Querschnittsstudie an 1.346 Freiwilligen. Ergebnisse: Das Stadtgebiet war höher belastet (PM10, SO₂, NO₂), und die ländlichen Bewohner hatten bessere Morphologie und CASA-Beweglichkeitsparameter; höhere Konzentrationen waren negativ mit normaler Morphologie (p < 0,001) und kinetischen Parametern assoziiert. Die Autoren führen die schlechtere Samenqualität städtischer Männer auf höhere Schadstoffkonzentrationen zurück. Schwächen: Der Wohnort bündelt viele Faktoren (Beruf, Lebensstil, Lärm, Licht, Grün), die der Abstract nicht aufschlüsselt; Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.

Rahban et al. (2025): räumliche Muster der Samenqualität junger Männer, Schweiz [s34]. Titel: „Exploring geographical differences in semen quality of young men using spatial dependence analysis“ (Human Reproduction). Design und Population: Querschnittsstudie an 2.677 Männern von 18 bis 22 Jahren bei der Militärmusterung (2005 bis 2018); Getis-Ord-Gi*-Statistik mit 25 km räumlichem Lag. Ergebnisse: Die Samenparameter sind in der Schweiz nicht zufällig verteilt (Hotspots und Coldspots); ein dauerhaft niedriger Cluster liegt in der Westzentralschweiz. Die Landnutzung (500 m um den Wohnort) unterschied sich: Futter- und Feldfrüchte machten im Coldspot 52,0 % der Landnutzung aus, im Hotspot 28,3 % und im nichtsignifikanten Cluster 30,1 %; der mittlere Anteil bebauter Flächen lag im Coldspot niedriger (32,6 %) als im Hotspot (53,3 %). Einordnung: Der niedrigste Cluster liegt in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend mit weniger Bebauung; das ist kein einfacher Befund „Stadt schlecht, Land gut“. Mögliche Ursachen (zum Beispiel Pflanzenschutzmittel) sind im Abstract nicht untersucht. Schwächen: Querschnitt, begrenzte Fallzahl für die Einzelanalysen, wie die Autoren schreiben.

Gao et al. (2007): Samenqualität in einer repräsentativen Stichprobe gesunder chinesischer Männer [s176]. Titel: „Semen quality in a residential, geographic and age representative sample of healthy Chinese men“ (Human Reproduction). Population: 1.191 gesunde Männer von 20 bis 60 Jahren aus sechs Provinzen (2000 bis 2002). Ergebnisse (Mediane, 5. bis 95. Perzentil): Volumen 2,3 ml (1,0 bis 4,5), Konzentration 65 × 10⁶/ml (20 bis 150), Gesamtzahl 154 × 10⁶ (29 bis 421), progressive Beweglichkeit 46 % (29 bis 66), normale Morphologie 39 % (23 bis 76). Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit waren wichtige Determinanten. Einordnung: Die Studie belegt regionale Unterschiede, nennt aber keine Wohnumweltfaktoren.

Menashe-Oren und Sánchez-Páez (2023): männliche Fertilität und Binnenmigration, Subsahara-Afrika [s72]. Titel: „Male Fertility and Internal Migration in Rural and Urban Sub-Saharan Africa“ (European Journal of Population). Design: demografische Analyse von 67 Demographic and Health Surveys in 30 Ländern. Ergebnisse: Die abgeschlossene Kinderzahl städtischer Männer sank schneller als die ländlicher Männer; Männer, die vom Land in die Stadt zogen, hatten niedrigere Fertilität als ländliche Nichtmigranten; Männer, die von Stadt zu Stadt zogen, hatten noch niedrigere Fertilität als städtische Nichtmigranten. Einordnung: soziale und demografische „Fertilität“ (Kinderzahl), nicht Samenqualität; nur als Beleg für einen Stadt-Land-Gradienten auf Bevölkerungsebene aufgeführt, der durch Verhütung, Heiratsmuster und viele soziale Faktoren bestimmt wird.

Pridgen et al. (2026): Deprivation des Wohnviertels und Samenqualität, Georgia, USA [s14]. Titel: „The impact of neighborhood socioeconomic status and racial composition on semen quality“ (AJOG Global Reports). Design und Population: retrospektive Kohorte von 2.198 Männern (2015 bis 2024); Area Deprivation Index (ADI) aus geokodierten Adressen. Ergebnisse: Mittlerer ADI 67,1 ± 19,9; mittlere gesamte bewegliche Spermienzahl (TMSC) 71,3 Millionen. Inverser Zusammenhang zwischen ADI und TMSC (B = −0,403; p < 0,001), also etwa 4 Millionen bewegliche Spermien weniger je 10 ADI-Punkte. Schwarze Männer hatten die höchsten ADI-Werte und waren im am stärksten deprivierten Quartil überrepräsentiert, das die niedrigste TMSC hatte. Einordnung: Der Wohnort wirkt auch als sozialer Kontext; Lärm-, Licht- und Grünwirkungen können daher mit dem Sozialstatus des Wohnumfeldes vermengt sein. Schwächen: retrospektive Klinikkohorte; Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht.

Mai et al. (2023): Wohnumwelt- und Berufsfaktoren und Samenqualität, China [s71]. Titel: „Association of living environmental and occupational factors with semen quality in chinese men: a cross-sectional study“ (Scientific Reports). Design und Population: Querschnittsstudie an 465 Männern (BMI 18,5 bis 28,5; Alter 25 bis 45 Jahre). Ergebnisse: Wohnen nahe einer Hochspannungsleitung (283,4 gegenüber 219,8 × 10⁶/ml Konzentration; Cohen d 0,116; p = 0,030; welcher Wert zur exponierten Gruppe gehört, steht im Abstract nicht) und nahe einem Umspannwerk (309,1 gegenüber 222,4; p = 0,015); Renovierung in den letzten sechs Monaten (194,2 gegenüber 261,0; p = 0,025); Wohnen nahe einem Chemiewerk betraf den Samen-pH; Computernutzung betraf progressive Beweglichkeit (36,0 % gegenüber 28,1 %; p = 0,006) und Gesamtbeweglichkeit (57,0 % gegenüber 41,0 %; p = 0,009). Adjustiert war die Hochspannungsleitung ein Risikofaktor für die Spermienkonzentration (OR 4,03; 95-%-KI 1,15 bis 14,18). Schwächen: Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht; der Abstract nennt sehr kleine Effektstärken (Cohen d von 0,033 bis 0,181) bei vielen geprüften Faktoren, erwähnt keine Korrektur für multiples Testen, und die Gruppenzuordnung der Mittelwerte bleibt unklar; das Konfidenzintervall der OR ist sehr weit.

Wang N. et al. (2022): Einflussfaktoren der Samenqualität bei fertilen Männern [s93]. Titel: „Study on Influencing Factors of Semen Quality in Fertile Men“ (Faktorenanalyse; Autorengruppe in Peking). Design: Beobachtungsstudie an fertilen Männern; die Fallzahl nennt der Abstract nicht. Ergebnisse: Die Samenqualität hing mit Karenzzeit, Alter beim ersten Samenerguss und Koitusfrequenz zusammen; in der Gruppe mit hoher Samenqualität waren Rauchen, Alkohol und Wohnort korreliert, wobei Männer aus ländlichen Gebieten die bessere Samenqualität hatten. Schwächen: nur Korrelationen, Wohnort sehr grob erfasst, keine Fallzahl und keine Konfidenzintervalle im Abstract.

Dai X.-C. et al. (2023): Trend der Samenqualität in Wenzhou, China [s65]. Titel: „Will male semen quality improve with environmental quality?“ Design und Population: retrospektive Trendanalyse an 22.962 infertilen Männern (2014 bis 2019; 82,0 % Arbeiter; 52,6 % mit Haushaltsregistrierung in Wenzhou; 77,5 % mit abnormer Samenqualität). Ergebnisse: Männer über 40 Jahre, Arbeiter und Männer mit Wenzhou-Registrierung hatten signifikant schlechtere Samenqualität (alle p < 0,05). Von 2014 bis 2019 stiegen progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Volumen linear (p = 0,021; 0,030; 0,005), die normale Morphologie sank (p = 0,046). Die Autoren verbinden dies mit besserer Umweltqualität. Schwächen: Zeitreihe ohne individuelle Exposition, kein kausaler Schluss möglich; Klinikpatienten.

Kleshchev et al. (2021): Umweltbelastung und Samenqualität junger Männer in Westsibirien, Russland [s110]. Titel: „Impaired semen quality, an increase of sperm morphological defects and DNA fragmentation associated with environmental pollution in urban population of young men from Western Siberia, Russia“ (PLoS One). Design und Population: Querschnitt in zwei Städten gleichen Klimas, Kemerowo (stärkere Feinstaubbelastung; n = 258) und Nowosibirsk (n = 278); Morphologie nach Diff-Quik-Färbung, DNA-Fragmentierung mittels SCSA. Ergebnisse (nur Abstract): Einwohner von Kemerowo hatten niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit, höhere DNA-Fragmentierung und schlechtere Morphologie mit mehr Kopfdefekten (birnenförmig, verlängert, rund, abnormes Akrosom, vakuolisiertes Chromatin), asymmetrischem Halsansatz und überschüssigem Zytoplasma; der Wohnort veränderte die Beziehungen zwischen konventionellen Samenparametern, Morphologie und DNA-Fragmentierung. Der Abstract nennt keine Effektgrößen. Stärken: standardisierte Methodik, zwei Städte mit gleichem Klima. Schwächen: zwei Städte als Expositionsmarker, keine individuellen Messungen; Störgrößen wie Rauchen sind aus dem Abstract nicht ersichtlich.

Osadchuk et al. (2016): Spermatogenese und Hormonstatus junger Männer in Kemerowo [s153] und Osadchuk et al. (2012): Hormonprofil und Spermienqualität in Jakutsk [s169]. Titel: „Исследование показателей сперматогенеза и гормонального статуса у молодых мужчин западной Сибири“ (Untersuchung der Spermatogenese-Parameter und des Hormonstatus bei jungen Männern Westsibiriens) und „Гормональный профиль и качество спермы у мужчин Восточной Сибири“ (Hormonprofil und Spermienqualität bei Männern Ostsibiriens). Kemerowo [s153]: 111 Freiwillige (18 bis 25 Jahre) aus einer Region mit hoher anthropogener Umweltbelastung; Spermatogenesestörungen bei 51,4 %, Asthenozoospermie 21,6 %, Oligoasthenoteratozoospermie 14,4 %, weitere 6,3 % mit gleichzeitig verminderter Beweglichkeit und normaler Morphologie (nach WHO 2010); LH, FSH, Testosteron, Estradiol, Inhibin B und Prolaktin unterschieden sich nicht zwischen Männern mit Spermatogenesedefiziten und Normospermen; die Autoren vermuten eine durch Umweltfaktoren verminderte Zahl oder Funktion der Sertoli-Zellen. Schwächen: keine Vergleichsstadt in dieser Arbeit, Umweltfaktoren nicht gemessen. Jakutsk [s169]: Querschnitt bei 145 Freiwilligen (mittleres Alter 24,1 Jahre), ständige Einwohner von Jakutsk, Vergleich mit WHO-Referenzwerten 2001; mittlere Spermienkonzentration 34,69 Millionen/ml, 39,6 % insgesamt bewegliche Spermien, 4,3 % Azoospermie, 27,0 % Oligozoospermie, 68,1 % Asthenozoospermie; keine Unterschiede zwischen jakutischen und slawischen Männern bei anthropometrischen, hormonellen oder Spermienwerten (Körpergröße und Ejakulatvolumen waren bei Slawen höher). Die Autoren schließen auf eine hohe Häufigkeit suboptimaler Spermienqualität im Vergleich zu anderen russischen Regionen und europäischen Ländern. Eine Prüfung von Lichtexposition oder Lärm enthält die Arbeit nicht (die Region hat extreme Jahreszeitenunterschiede des Tageslichts, was die Autoren im Abstract nicht diskutieren; Anmerkung der Bearbeitung).

Kuznetsova et al. (2010): Bewertung der männlichen reproduktiven Gesundheit der Jugend im Kusbass, Russland [s172]. Titel: „Оценка мужского репродуктивного здоровья молодежи Кузбасса“ (Experimentelle und klinische Urologie). Beim Vergleich zweier Gruppen im Abstand von sieben Jahren (2002 gegenüber 2009) sank die Spermienkonzentration im Ejakulat um 22 % und die „fertile“ Spermienkonzentration um 43 %; die Konzentration im Kusbass sei 1,5- bis 2-mal niedriger als in den USA, Frankreich, Lettland und Finnland; sexuell übertragbare Infektionen in der Vorgeschichte bei 62,5 % der untersuchten jungen Männer. Schwächen: Zusammensetzung der beiden Gruppen und Adjustierung sind im Abstract nicht beschrieben; sexuell übertragbare Infektionen werden selbst als sehr häufig genannt.

Kolesnikova et al. (2016): Samenqualität und antioxidative Abwehr bei Männern verschiedener Regionen Sibiriens [s150]. Titel: „[Sperm quality and features of the antioxidant defense system in men living in various regions of Siberia]“ (Urologiia). Vergleich von Männern in Irkutsk, Ulan-Ude und Nowosibirsk: Männer aus Irkutsk hatten eine um 34,4 % beziehungsweise 23,6 % höhere Spermienzahl (Millionen pro ml) als Männer aus Nowosibirsk beziehungsweise Ulan-Ude und um 44 % beziehungsweise 38 % höhere Alpha-Tocopherol-Konzentrationen als Männer aus Ulan-Ude beziehungsweise Nowosibirsk; die Autoren sehen Wohnort und ökologisch-geografische Lage als Einflussfaktoren, ohne einzelne Umweltfaktoren zu benennen. Die Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

Latyshevskaya et al. (2015): Risiken für die reproduktive Gesundheit von Männern in einer industriellen Großstadt, Wolgograd [s157]. Titel: „Эколого-гигиенические риски нарушений репродуктивного здоровья мужчин, проживающих в крупном промышленном городе“ (Ökologisch-hygienische Risiken von Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Männern in einer industriellen Großstadt; Wolgograder wissenschaftlich-medizinisches Journal). Design: Querschnittsvergleich von Stadtbezirken Wolgograds; als „Bezirke ökologischer Spannung“ gelten Kirowski, Krasnoarmeiski und Dserschinski, als relativ günstig der Zentralbezirk und Woroschilowski; Hauptindikator der Belastung ist der Grad der Luftverschmutzung; untersucht wurden mehr als 1.600 Männer (Volltext, kurzer Bericht). Ergebnisse: In den belasteten Bezirken entsprach das Ejakulat nur in 8,3 % der Fälle den Normwerten, in der Vergleichsgruppe in 26,5 %; pathologische Morphologie 71,1 % gegenüber 26,3 % (Kopf- und Halsanomalien mit p < 0,01); in den günstigen Bezirken lag die Spermienzahl bei M = 77,8 Millionen/ml und unterschied sich signifikant (p < 0,01) von den belasteten Bezirken. Zusätzlich berichten die Autoren über 110 Metallarbeiter (30 bis 45 Jahre, 10 bis 15 Jahre Betriebszugehörigkeit) mit einem Hormonstatus im Normbereich bei 27,2 % gegenüber 88,2 % der Vergleichsgruppe und einem normgerechten Ejakulat bei 5,5 % gegenüber 23,5 % (p < 0,05). Stärken: große Stichprobe; das Spermiogramm als schnell reagierender Indikator. Schwächen: nur eine Zusammenfassung ohne Methodik, Konfidenzintervalle oder Adjustierung; die Bezirkszuordnung ersetzt eine Individualexposition; Alter, Beruf, Rauchen und Selektion der Untersuchten sind nicht beschrieben. Kein Lärm- oder Lichtbezug.

Kuzmicheva et al. (2024): Luftverschmutzung und Fertilität von Männern im Gebiet Rostow, Russland [s60]. Titel: „Загрязненность атмосферы как фактор ухудшения фертильности мужчин, проживающих в Ростовской области“ (Luftverschmutzung als Faktor der Verschlechterung der Fertilität von Männern im Gebiet Rostow). Design: Vergleich von 400 Spermiogrammen (je 200 aus 2011 und 2021) von Männern zwischen 20 und 40 Jahren, ausgewertet in einem Zentrum für assistierte Reproduktion, dazu eine Literaturdiskussion zu Formaldehyd. Ergebnisse (Tabelle): normales Ejakulat 66 % (2011) gegenüber 47 % (2021); Konzentration unter der Norm 12,5 % gegenüber 29 %; Beweglichkeit unter der Norm 22,5 % gegenüber 19 %; Morphologie unter der Norm 21,5 % gegenüber 34,5 %; fehlende Spermien 1,5 % gegenüber 1 %. Die Autoren geben an, dass mehr als 1,5 Millionen Einwohner in Städten mit hoher oder sehr hoher Luftbelastung leben. Schwächen: keine Verknüpfung der Spermiogramme mit individuellen oder lokalen Schadstoffmessungen; Stichproben aus einem Reproduktionszentrum (Selektion); im Text wird erwähnt, dass die WHO-Referenzgrenze für die Konzentration von 20 auf 15 Millionen/ml gesenkt wurde, ohne dass klar wird, welche Grenze für welches Jahr galt; kein statistischer Test berichtet. Der Zusammenhang zur Luftverschmutzung bleibt eine Vermutung.

Berdugo et al. (2009): Samenparameter fertiler Männer aus zwei südamerikanischen Populationen [s173]. Titel: „[Semen parameters in fertile men from two South American populations]“ (Archivos Españoles de Urología; spanischsprachig). Retrospektive Vergleichsstudie fertiler Männer aus Medellín (Kolumbien) und Petrópolis (Brasilien): Männer aus Medellín hatten ein signifikant niedrigeres Volumen (p < 0,0001), Männer aus Petrópolis einen signifikant niedrigeren Prozentsatz an Gesamtbeweglichkeit (p < 0,0001); die Konzentration unterschied sich nicht (p > 0,05). Die Autoren vermuten geografische Variation, mit offenen Ursachen. Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

Najafpour et al. (2020): Staubbelastung und Samenqualität infertiler Männer, Kermanschah, Iran [s124]. Titel: „The effect of air dust pollution on semen quality and sperm parameters among infertile men in west of Iran“. Design und Population: deskriptiv-analytische Studie an 850 infertilen Männern (2011 bis 2015); vierjähriger Mittelwert der Staubpartikel an der Wohnadresse. Ergebnisse: Die Staubbelastung war negativ mit Morphologie und Konzentration korreliert; die progressive Beweglichkeit war weniger empfindlich; Effektgrößen fehlen im Abstract. Schwächen: ausschließlich Infertilitätspatienten, keine Vergleichsgruppe.

Jahreszeit, Temperatur und Tageslichtdauer. Drei klinische Auswertungen verknüpfen Samenparameter mit dem Klima. Kabukçu et al. (2020) [s118], „Do seasonal variations in ambient temperature, humidity and daylight duration affect semen parameters? A retrospective analysis over eight years“ (Andrologia, Denizli): retrospektive Auswertung von 6.116 Samenproben einer Universitätsklinik über acht Jahre, verknüpft mit Temperatur, relativer Feuchte, Tageslichtdauer und dem Geburtenregister der Provinz. Es zeigten sich Unterschiede zwischen den Monaten bei Konzentration (p < 0,0001), Gesamtzahl (p < 0,0001), progressiv beweglicher Gesamtzahl (p < 0,0001) und normaler Morphologie (p = 0,028); Konzentration und Gesamtzahl waren im Juli und August niedriger als im Dezember, Mai und Juni; die progressiv bewegliche Zahl war im Oktober um 23,6 % niedriger als im Mai; Temperatur und Temperatur-Feuchte-Index korrelierten negativ mit den Samenparametern. Zwischen monatlichen Geburten und Konzentration bestand kein Zusammenhang (rs = 0,199; p = 0,083). Die Tageslichtdauer wird im Abstract nicht als Einflussfaktor hervorgehoben; die Autoren schließen, erhöhte Außentemperatur könne ein schädlicher Faktor sein. Schwächen: Klinikpatienten, Mehrfachvergleiche, Licht nicht von Temperatur getrennt. Afşin und Nursal (2022) [s90], „Diyarbakır'da Hava Sıcaklığının Sperm Parametrelerine Etkisi: Altı Yıllık Analiz“ (Der Einfluss der Lufttemperatur auf die Spermienparameter in Diyarbakır: eine Analyse über sechs Jahre; Van Tıp Dergisi): retrospektive Auswertung der Samenanalysen von 7.318 Männern mit Infertilitätsverdacht, wobei die Umweltexposition auf die drei Monate vor der Samengewinnung bezogen wurde. Die mittlere Lufttemperatur war umgekehrt mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiv beweglicher Gesamtzahl verbunden; bei Temperaturen unter 15 °C waren diese Werte höher als darüber; die progressiv bewegliche Gesamtzahl war bei weniger als 8 Stunden Sonnenscheindauer höher als bei mehr als 8 Stunden; Konzentration und Gesamtzahl waren bei relativer Feuchte über 50 % höher als darunter; für PM10 (unter 40 gegenüber über 40 µg/m³) fand sich kein signifikanter Unterschied. Das ist einer der wenigen Datensätze der Region, der Sonnenscheindauer erfasst, aber der Abstract berichtet keine Effektgrößen. Pakmanesh et al. (2024) [s53], „Impact of Season Variation on Semen Quality: A Comprehensive Retrospective Analysis of Data from 2948 Men over 10 Years“ (Kerman, Iran, mit Literaturvergleich): Das Volumen war im Sommer höher (p = 0,04), die Beweglichkeit im Frühling höher und im Winter niedriger (p = 0,03), die normale Morphologie im Winter besser (p = 0,03); die Autoren führen dies auf die Photoperiode zurück, der Abstract wertet jedoch keine Photoperioden-Variable gesondert aus (Anmerkung der Bearbeitung). Die drei Studien sind widersprüchlich in den Jahreszeiten mit den besten Werten, was für Klima- und Populationsunterschiede spricht; eine Wirkung der Tageslichtdauer lässt sich daraus nicht ableiten.

Aliakbari et al. (2021): Infertilität bei Männern und Risikofaktoren, vier Provinzen des Iran [s102]. Titel: „A survey on infertility in men and its relation to risk factors in selected provinces of Iran“. Design und Population: Querschnitt im Rahmen eines nationalen Projekts (Daten von 2007), 2.293 interviewte Männer von 25 bis 60 Jahren; 2.076 verheiratet, 78 infertil (3,75 % aktuelle primäre und sekundäre Infertilität). Ergebnis: Die Infertilität war in städtischen Gebieten signifikant häufiger als in ländlichen (p < 0,003); klinisch wurde sie auf 2 % geschätzt. Einordnung: die einzige Stadt-Land-Aussage dieser Art unter den Quellen, aber ohne Konfidenzintervall und ohne Spermiogramm (Selbstangabe zur Infertilität).

Oguri et al. (2026): Protokoll der N-SEED-Studie, Japan [s13]. Titel: „Integrating Sperm Microscopy, Environmental Exposures, and Lifestyle Factors for Male Fertility Analysis: Protocol for the Nippon Semen and Environmental Exposure Database (N-SEED) Cross-Sectional Study“ (Protokoll einer multizentrischen Querschnittsstudie). Gruppe 1 (Soll 25) dient der Qualitätskontrolle des Spermien-DNA-Fragmentierungsindex, Gruppe 2 (Soll 100 gesunde Freiwillige) liefert Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung und Schlaf sowie Blut- und Urinproben. Zwischen 18. Januar und 21. Februar 2026 wurden 124 Teilnehmer rekrutiert; Ergebnisse werden bis März 2028 erwartet. Licht, Lärm und Grün werden im Abstract nicht als Expositionen benannt. Einordnung: kein Befund, nur ein laufendes Vorhaben.

Zusammenschau Wohnort. Regionale Unterschiede der Samenqualität sind belegt [s34, s176, s173, s150], werden aber selten in Lärm-, Licht- und Grünanteile zerlegt. Verkehrsnähe allein zeigt in einer US-Studie keinen Zusammenhang [s136]; Feinstaubstudien zeigen Verschlechterungen [s96, s159, s05, s110, s157]; ein Schweizer Muster hat die niedrigsten Werte in landwirtschaftlich geprägter Region [s34]; sozioökonomische Deprivation ist ein starker Wohnortfaktor [s14]. Der Befund „Land besser als Stadt“ [s159, s93, s102] ist mit Luftverschmutzung verflochten. Eine Wirkung von Lärm, Licht oder Verkehrsnähe auf die Samenqualität lässt sich aus den Wohnortstudien nicht trennen.

Bildschirme, Geräte, Fernsehen und Sitzen

Die Studien dieser Gruppe betreffen überwiegend Hochfrequenzstrahlung von Mobiltelefonen, Wärme am Hoden, Nutzungsdauer oder Bewegungsmangel, nicht das Licht des Bildschirms. Zum Bildschirmlicht am Abend liegt nur die Fragebogenstudie [s116] aus dem Abschnitt zu nächtlichem Licht vor. Die folgenden Arbeiten sind aufgeführt, weil Geräte- und Bildschirmzeit in der Literatur häufig als Ersatzmaß für Lichtexposition herangezogen wird.

Chen et al. (2022): Nutzung elektronischer Geräte und Spermienqualität bei gesunden Männern, China [s84]. Titel: „Association between electronic device usage and sperm quality parameters in healthy men screened as potential sperm donors“ (Environmental Pollution). Design und Population: Fragebogenstudie an 1.454 Männern von 22 bis 45 Jahren, die als Spender gescreent wurden; wiederholte Proben; lineare gemischte Modelle. Ergebnisse: Nach Adjustierung waren die Gesamtdauer der Gerätenutzung mit niedrigerer progressiver und Gesamtbeweglichkeit sowie die Dauer von Handy- und Computernutzung mit Konzentration, progressiver und Gesamtbeweglichkeit invers assoziiert (alle p < 0,05); Handy- oder Computernutzung allein zeigte keinen signifikanten Zusammenhang. Je zusätzlicher Stunde Telefonieren sanken die Konzentration im Mittel um 8,0 % (95-%-KI −15,2 bis −0,2) und die Gesamtzahl um 12,7 % (−21,3 bis −3,1). Bei Headset-Nutzung hing die tägliche Gesprächszeit mit niedrigerer Beweglichkeit zusammen (p für Interaktion < 0,05). Die Autoren sprechen von einem „bescheidenen“ Effekt. Schwächen: Selbstauskunft, Spenderkollektiv; unklar, ob Strahlung, Haltung, Sitzdauer oder Schlaf wirken. Die Studie zielt auf Funkstrahlung, nicht auf Licht.

Zhang S. et al. (2022): Mobiltelefon-Nutzung und Samenparameter, Hangzhou, China [s97]. Titel: „Effects of mobile phone use on semen parameters: a cross-sectional study of 1634 men in China“. Design und Population: Querschnitt an 1.634 Männern einer reproduktionsendokrinologischen Abteilung (ein Corrigendum wurde nicht ausgewertet). Ergebnisse: Tägliche Nutzungsdauer beziehungsweise Gesprächsdauer unterschieden die Gruppen im Anteil progressiv beweglicher (p = 0,004 beziehungsweise 0,007), schnell progressiv beweglicher (0,012 beziehungsweise 0,006) und gesamtbeweglicher Spermien (0,004 beziehungsweise 0,046). Nach Adjustierung für Alter und BMI hatte die tägliche Nutzungsdauer einen negativen Effekt auf die Beweglichkeit, die Gesprächsdauer nicht. Schwächen: Effektgrößen mit Konfidenzintervallen fehlen im Abstract; Selbstangaben; Klinikkollektiv.

Sterling et al. (2024): Laptop- und Tablet-Nutzung und gesamte bewegliche Spermienzahl, Jamaika [s57]. Titel: „Laptop and tablet use and their influence on total motile sperm count parameters: are laptops linked to infertility in Jamaican men?“ (Revista Internacional de Andrología). Design und Population: Querschnittsstudie an 156 Männern einer Fertilitätsklinik in Jamaika. Ergebnisse: 64 % nutzten Laptops, 36 % Tablets. Die Zeit am Laptop hing mit der Dauer des Kinderwunsches zusammen (p = 0,015). Männer mit Laptopnutzung von 2 bis 5 Stunden täglich hatten eine etwa 16-fach höhere Chance für niedriges Samenvolumen (adjustierte OR 15,9; 95-%-KI 2,5 bis 103,3; p = 0,004). Kein signifikanter Zusammenhang mit der gesamten beweglichen Spermienzahl, aber ein Trend bei hoher Laptopnutzung (p = 0,052). Schwächen: sehr weites Konfidenzintervall (2,5 bis 103,3), kleine Stichprobe, Klinikpopulation; Laptops stehen hier für Wärme und Funk (drahtlose Geräte), nicht für Bildschirmlicht.

Gaskins et al. (2015): körperliche Aktivität und Fernsehen in Bezug auf die Samenqualität junger Männer, Rochester Young Men's Study, USA [s156]. Titel: „Physical activity and television watching in relation to semen quality in young men“ (British Journal of Sports Medicine). Design und Population: Querschnittsanalyse an 189 Männern von 18 bis 22 Jahren (2009 bis 2010). Methodik: Wochenstunden moderater und intensiver Aktivität sowie Fernseh-, Video- und DVD-Konsum der letzten drei Monate per Fragebogen; Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Gesamtzahl. Ergebnisse: Die Fernsehzeit war invers mit Konzentration und Gesamtzahl assoziiert (p für Trend 0,05 beziehungsweise 0,06); Männer im höchsten Quartil (mehr als 20 Stunden pro Woche) hatten eine um 44 % niedrigere Konzentration als im niedrigsten Quartil (0 Stunden; 95-%-KI 15 bis 63 %). Körperliche Aktivität: Im höchsten Quartil (mindestens 15 Stunden pro Woche) war die Konzentration um 73 % höher (95-%-KI 15 bis 160 %) als im niedrigsten (weniger als 5 Stunden). Beweglichkeit und Morphologie waren nicht signifikant assoziiert. Stärken: junge, gesunde Männer, multivariable Adjustierung, getrennte Betrachtung von Aktivität und Fernsehzeit. Schwächen: p für Trend im Grenzbereich (0,05 und 0,06); Fernsehzeit ist ein Marker für Bewegungsmangel, Ernährung und Wärme am Hoden, nicht für Licht; einmalige Probe je Mann; Selbstangaben.

Xiang et al. (2025): Dauer der Mobiltelefon-Nutzung und männliche Fertilität, Mendelsche Randomisierung [s42]. Titel: „Mobile phone usage duration and male fertility: A two-sample Mendelian randomization analysis“. Design: Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit genetischen Varianten für die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen; Fallzahlen im Abstract nicht angegeben. Ergebnisse: Die genetische Veranlagung zu längerer Nutzung war nicht mit SHBG, Gesamttestosteron, abnormen Spermienparametern, erektiler Dysfunktion oder Hodenfunktionsstörung assoziiert; die Nullbefunde waren in allen Verfahren konsistent. Die Autoren halten einen direkten kausalen Einfluss für unwahrscheinlich, fordern aber eine präzisere Expositionsmessung. Einordnung: Die Mendelsche Randomisierung ist weniger anfällig für Störgrößen als Beobachtungsstudien, aber die genetischen Instrumente erfassen die Nutzungsdauer nur grob; sie betrifft Funkstrahlung, nicht Licht.

Lin et al. (2026): Lebensstil und Samenqualität, Querschnitt und Mendelsche Randomisierung [s08]. Titel: „The influence of unhealthy lifestyle on semen quality: results from a cross-sectional study and Mendelian randomization analysis“ (Annals of Medicine and Surgery). Design und Population: 508 Teilnehmer, sechs Lebensstilfaktoren, ergänzend Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung für sieben Faktoren. Ergebnisse: Sitzende Lebensweise, Rauchen, starker Alkoholkonsum und starker Kaffeekonsum waren mit erhöhter Prävalenz niedriger Samenqualität verbunden (p < 0,05); die Mendelsche Randomisierung stützte einen Zusammenhang mit genetischen Aspekten der Samenqualität (unter anderem WFDC3, PATE1, CFAP45, SPEF1, CREM). Einordnung: Sitzende Lebensweise ist nur ein grobes Näherungsmaß für Bildschirmzeit; der Abstract stellt diesen Bezug nicht her; Effektgrößen mit Konfidenzintervallen fehlen im Abstract.

Mai H. et al. (2023): Ernährung, Lebensstil und Samenqualität, Guangzhou, China [s70]. Titel: „Association of diet and lifestyle factors with semen quality in male partners of Chinese couples preparing for pregnancy“. Design und Population: Beobachtungsstudie an 466 Männern einer Präkonzeptionssprechstunde. Ergebnisse: Ausreichender Schlaf ging mit besserer progressiver Beweglichkeit (35,4 % ± 18,2 % gegenüber 40,2 % ± 16,3 %; p = 0,024) und Gesamtbeweglichkeit (52,7 % gegenüber 61,5 %; p = 0,013) einher; im Regressionsmodell betrug die OR 0,47 (95-%-KI 0,24 bis 0,95; p = 0,034) für die Gesamtbeweglichkeit. Die Richtungen weiterer Odds Ratios (Würzmittel-Behälter, Milch, Eier) sind im Abstract uneinheitlich dargestellt. Schwächen: viele geprüfte Faktoren, Selbstangaben, Klinikkollektiv; die Zuordnung der Mittelwerte zu den Schlafgruppen ist im Abstract nicht eindeutig ausgewiesen.

Schlaf und Lebensstil (angrenzend)

Schlaf wird als möglicher Begleit- oder Zwischenfaktor aufgeführt. Keine dieser Studien misst einen Weg von nächtlichem Licht über Schlaf zur Spermienqualität.

Zhou R. et al. (2025): Schlafqualität und Samenparameter bei Männern aus Paaren mit Kinderwunsch, Wuhan, China [s45]. Titel: „Association of male sleep quality with semen parameters and pregnancy outcomes in infertile couple“ (Autorengruppe in Wuhan). Design und Population: Querschnitts- und Beobachtungsstudie an 727 männlichen Partnern infertiler Paare; Pittsburgh Sleep Quality Index; 75,1 % mit schlechtem Schlaf. Ergebnisse: Schlechter Schlaf ging mit niedrigerer Konzentration (β −1,39; 95-%-KI −2,11 bis −0,67; p < 0,001), niedrigerer progressiver Beweglichkeit (−1,25; −1,61 bis −0,88; p < 0,001) und geringerer Gesamtbeweglichkeit einher, nicht mit Hormonen. Für die klinische Schwangerschaft nennt der Abstract eine OR von 4,67 (3,08 bis 7,09; p < 0,0001) bei „geringerer Wahrscheinlichkeit“; die Referenzkategorie wird nicht erläutert, die Angabe ist mit Vorsicht zu lesen (Annahme der Bearbeitung: umgekehrte Kodierung). Schwächen: Querschnitt, Selbstauskunft, Klinikkollektiv; ein sehr hoher Anteil schlechter Schläfer (75,1 %) lässt die Trennschärfe der Kategorisierung fraglich erscheinen.

Zhang W. et al. (2025): obstruktive Schlafapnoe und männliche Reproduktionsfunktion, Hefei, China [s44]. Titel: „Association between obstructive sleep apnea and male reproductive function: a cross-sectional study with stratified analysis“. Design und Population: Querschnittsstudie mit Schichtung an 108 Männern mit obstruktiver Schlafapnoe (20 bis 40 Jahre, Polysomnographie) und 84 Kontrollen. Ergebnisse: Bei Schlafapnoe waren Konzentration (90,0 gegenüber 129,3 × 10⁶/ml), Gesamtbeweglichkeit (68,6 % gegenüber 71,0 %), progressive Beweglichkeit (63,8 % gegenüber 66,6 %) und Testosteron (13,1 gegenüber 21,8 nmol/l) niedriger (alle p < 0,01), außerdem Gewicht und BMI höher. Der Apnoe-Hypopnoe-Index war unabhängig mit niedrigerer Konzentration (β −0,393), Gesamtbeweglichkeit (−0,640) und progressiver Beweglichkeit (−0,623) verbunden (alle p < 0,001). Schwächen: kleine Stichprobe, BMI als starker Störfaktor; Schlafapnoe ist eine Erkrankung und kein Maß für Licht oder Lärm.

Liu Y. et al. (2026): Kaffee, Bewegung, Schlaf und Samenqualität, China [s09]. Titel: „Sleep as a Mediator: Decoding the Complex Relationship Between Coffee, Exercise, and Semen quality“. Design und Population: Querschnittliche Beobachtungsstudie an 3.302 Männern (Fragebogen und urologische Untersuchung), Mediationsmodelle. Ergebnisse (ohne Zahlen im Abstract): Kein Kaffeekonsum war positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit verbunden, körperliche Aktivität mit dem Volumen; Einschlafzeit und Schlafdauer vermittelten Teile der Zusammenhänge. Schwächen: Zahlen fehlen im Abstract; Mediationsanalyse im Querschnitt setzt eine zeitliche Ordnung voraus, die nicht gesichert ist.

Lu et al. (2024): Schlafmerkmale und männliche Fertilität, Mendelsche Randomisierung [s52]. Titel: „Association of sleep traits with male fertility: a two-sample Mendelian randomization study“ (Frontiers in Genetics). Design: Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit acht Schlafmerkmalen und drei Fertilitätsmaßen. Ergebnisse: Der genetisch vorhergesagte Chronotyp war „suggestiv“ mit bioverfügbarem Testosteron assoziiert (IVW-OR 1,07; 95-%-KI 1,04 bis 1,12; p = 0,0002); für die übrigen Schlafmerkmale gab es keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit männlicher Fertilität. Einordnung: Das stützt eine einfache Kausalkette von Schlaf zu Samenqualität nicht; der Chronotyp-Befund betrifft Testosteron, nicht Spermien.

Rahimi et al. (2025): Score gesunder Lebensweise und Infertilität bei iranischen Männern [s35] und Shafie und Janani (2026): demografische Merkmale, Lebensstil und Spermiogramm, Lorestan [s15]. Titel: „Relationship between healthy lifestyle score and infertility in Iranian men: a population-based case-control study“ und „Assessment of Associations Between Demographic Characteristics, Lifestyle Factors, and Sperm Quality Among Men Presenting With Infertility Complaints“. Rahimi [s35]: bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 300 infertilen und 300 fertilen Männern; ein Score gesunder Lebensweise, der unter anderem die Schlafqualität enthielt. Höchste gegenüber niedrigster Kategorie: OR 0,56 (95-%-KI 0,35 bis 0,89), adjustiert 0,55 (0,34 bis 0,90); niedriger psychischer Distress OR 0,49 (0,34 bis 0,71); bei Normalgewichtigen adjustiert 0,30 (0,12 bis 0,74). Einzelne Lebensstilfaktoren, darunter die Schlafqualität, waren bis auf den Distress nicht signifikant. Shafie [s15]: Querschnitt an 200 Männern in der Provinz Lorestan; 84,5 % lebten in Städten; Alter und Heiratsalter waren mit schlechterer Morphologie verbunden (p = 0,004 beziehungsweise p = 0,022); der Wohnort wurde im Abstract nicht ausgewertet.

Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Die folgende Tabelle ordnet die Humanstudien nach Exposition und trennt, ob Samenparameter oder nur Ersatzendpunkte (Diagnosen, Hormone, Fekundität) untersucht wurden.

ExpositionHumanstudien mit SamenparameternErsatzendpunkteRichtungWichtigste Einschränkung
Straßen- und Umgebungslärmeine Klinikkohorte (Korea) [s114]Diagnose Infertilität [s143, s56]; Testosteron [s146]; Zeit bis zur Schwangerschaft [s142]uneinheitlich; beim Mann kein einheitlicher Lärmeffekt [s56]Bezirks- oder interpolierte Schätzung, Diagnosen statt Samenanalyse
Fluglärmkeinekeinenicht beurteilbarkeine Studie
Nächtliches Außenlichteine Spenderstudie (China) [s58]Zeit bis zur Schwangerschaft (Paar) [s31]Beweglichkeits- und Bewegungsparameter niedrigerSatellit am Wohnort, nicht repliziert
Licht in der Nacht im Schichtbetriebeine kleine Studie (Ägypten) [s117]Melatoninniedrigere Melatonin- und Samenwerte bei Nachtlichtsehr kleine Untergruppen, Lichtstärke nicht gemessen
Bildschirmlicht am Abendeine Fragebogenstudie [s116]keineschwache bis mäßige negative Korrelationennicht adjustiert, Schlaf und Wärme vermengt
Schichtarbeit, Social Jetlagmehrere Studien [s120, s18, s105, s74]Fekundität [s18]; Hormone [s62, s148]uneinheitlich; Metaanalyse nicht signifikant [s41]Schichtarbeit ist kein Lichtmaß
Wohngrün (NDVI)viele Studien aus China [s113, s49, s50, s48, s43, s04, s05], eine aus Korea [s104]Fekundität [s31, s79]; Hormone [s112]kleine positive Zusammenhänge; Korea fast neutralSpender- und Klinikkollektive, überlappende Daten, Konfundierung
Verkehrsnäheeine US-Klinikkohorte [s136]Fekundität (Frauen) [s126]Nullbefund bei Samenparameternkeine Trennung von Lärm und Abgasen
Stadt gegenüber Land, Regionmehrere Studien [s159, s34, s110, s157, s93]Infertilitätsprävalenz [s102]Land etwas besser, aber mit Luftverschmutzung verflochten; Schweiz gegenläufig [s34]Wohnort bündelt viele Faktoren

Drei Muster fallen über alle Gruppen hinweg auf. Erstens sind die Effekte, soweit Konfidenzintervalle berichtet werden, klein, und sehr große Stichproben machen kleinste Unterschiede signifikant [s31]. Zweitens widersprechen sich mehrere Befunde innerhalb derselben Exposition (Schichtarbeit [s120, s18 gegenüber s74], Lärm beim Mann [s56], Grün in Korea gegenüber China [s104 gegenüber s113]). Drittens beruhen die meisten Studien auf Spendern oder Männern in Kinderwunschkliniken; die Ergebnisse gelten nicht ohne Weiteres für die Allgemeinbevölkerung. Eine Beobachtungsstudie, die Lärm, Licht, Grün und Luftschadstoffe gemeinsam modelliert und Samenparameter mit individuell gemessener Exposition verknüpft, liegt nicht vor. Aus den berichteten Beobachtungen folgt keine Aussage über Ursache und Wirkung und keine Handlungsempfehlung.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp
  6. Schichtarbeit und zirkadiane Störung und Grünflächen
  7. Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten
  9. Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche bis Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe
  10. Leitlinien und Konsensdokumente und Zusammenfassende Bewertung der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Russisch
  14. Arabisch und Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle