Nächtliches Licht, Lärm und Wohnumfeld · Kapitel 5 von 20 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp

Dieser Abschnitt beschreibt die beobachtenden Studien am Menschen (Kohorten-, Querschnitt-, Fall-Kontroll- und ökologische Studien) nach Exposition geordnet: Lärm, nächtliches Licht und Chronotyp, Schichtarbeit und zirkadiane Störung, Grünflächen, Wohnort, Bildschirme und Geräte sowie Schlaf. Reine Tierversuche gehören nicht in diesen Abschnitt; bei Mischstudien (Mensch und Maus) wird der Humanarm ausführlich, der Tierarm kurz dargestellt. Alle Studien dieses Abschnitts zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Mehrere beruhen auf Spendern oder Männern in Kinderwunschkliniken und sind nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Die Zahlen stammen aus den Abstracts beziehungsweise, wo vermerkt, aus Volltexten. Die Ausdrücke „Stärken“ und „Schwächen“ geben die Einordnung der Bearbeitung wieder, soweit nicht ausdrücklich als Aussage der Autoren gekennzeichnet.

Lärm

Für Lärm als Wohnumweltfaktor gibt es beim Menschen nur wenige Studien zu Spermienparametern im engeren Sinn: eine koreanische Klinikkohorte, eine koreanische Versichertenkohorte (Diagnose Infertilität) und eine dänische Registerkohorte (ebenfalls Diagnose). Dazu kommen eine Auswertung zu Testosteron, mehrere Berufsstudien mit Mischexposition und eine Studie zur Zeit bis zur Schwangerschaft bei Müttern.

Choe et al. (2020): nächtlicher Umgebungslärm und Samenqualität, Seoul, Korea [s114]. Titel: „Nighttime environmental noise and semen quality: A single fertility center cohort study“ (PLoS One). Design: retrospektive Kohortenstudie an einem einzelnen Fertilitätszentrum. Population: 1.972 Männer mit Samenanalyse in den Jahren 2016 bis 2018. Exposition: halbjährliche Nachtlärmmessungen des nationalen koreanischen Lärminformationssystems (NNIS), per empirischem Bayes-Kriging auf die geokodierte Wohnadresse jedes Patienten übertragen. Endpunkte: Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Vitalität, normale Morphologie, gesamte bewegliche Spermienzahl sowie Oligozoospermie, Asthenozoospermie und schwere Teratozoospermie; multivariable Regression und generalisierte additive Modelle. Ergebnisse: Die mittlere Nachtlärmbelastung betrug 58,3 ± 2,2 Leq; die Prävalenz lag bei 3,3 % für Oligozoospermie, 14,0 % für Asthenozoospermie und 10,1 % für schwere Teratozoospermie. Das höchste Quartil des Nachtlärms war mit einem 3,5-fach erhöhten Chancenverhältnis für Oligozoospermie verbunden (OR; 95-%-KI 1,18 bis 10,17) gegenüber dem niedrigsten Quartil. Im dritten Quartil lag die OR für schwere Teratozoospermie bei 0,57 (0,33 bis 0,98), im vierten Quartil ging sie „gegen null“, war also nicht mehr verringert. Im additiven Modell stieg das Risiko für Oligozoospermie ab etwa 55 dB Leq. Stärken: behördlich gemessene Lärmdaten, Bezug auf den Nachtlärm (relevant für Schlafstörung), flexible Modellierung. Schwächen: ein einzelnes Zentrum mit Patienten in Fertilitätsabklärung; Lärm nur aus halbjährlichen Messungen interpoliert, keine Angabe zu Innenraumlärm, Schlafzimmerlage oder Schlafverhalten; sehr weites Konfidenzintervall der zentralen OR (1,18 bis 10,17), weil nur 3,3 % eine Oligozoospermie hatten; gegenläufiges, nicht monotones Muster bei schwerer Teratozoospermie (OR 0,57 im dritten Quartil). Die Autoren sprechen selbst nur von einem „potenziellen“ Einfluss und erwarten Studien mit genauerer Lärmmessung. Einordnung: Die Studie ist neben der Versichertenkohorte die einzige, die eine Samenanalyse mit gemessenem Umgebungslärm verknüpft; eine Bestätigung aus anderen Regionen fehlt.

Min und Min (2017): Umgebungslärm und Diagnose männliche Infertilität, Korea [s143]. Titel: „Exposure to environmental noise and risk for male infertility: A population-based cohort study“ (Environmental Pollution). Design: populationsbasierte Kohortenstudie mit der Stichprobenkohorte des nationalen Krankenversicherungsdienstes (National Sample Cohort 2002 bis 2013). Population: 206.492 Männer im Alter von 20 bis 59 Jahren ohne angeborene Fehlbildungen, Nachbeobachtung über acht Jahre (2006 bis 2013). Exposition: Tages- und Nachtlärm der Jahre 2002 bis 2005 aus dem NNIS, per Geoinformationssystem auf Verwaltungsbezirke übertragen und den Personen zugeordnet. Endpunkt: männliche Infertilität nach ICD-10 N46 (Abrechnungsdiagnose). Adjustiert wurde unter anderem für Alter, Einkommen, Wohngebiet, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Blutzucker, BMI, Vorerkrankungen und Feinstaub. Ergebnisse: 3.293 Männer (1,6 %) erhielten eine Infertilitätsdiagnose. Für Zunahmen um 1 dB gab es keinen Zusammenhang, wohl aber eine nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehung über die Quartile der Tages- und Nachtbelastung. Nach WHO-Kriterien war die adjustierte OR für Infertilität bei Nachtlärm von mindestens 55 dB mit 1,14 erhöht (95-%-KI 1,05 bis 1,23). Die Autoren schließen auf eine Rolle langfristiger Lärmbelastung in der Entstehung männlicher Infertilität. Stärken: sehr große Stichprobe, Exposition vor der Diagnose, Adjustierung für Feinstaub. Schwächen: Das Ergebnis ist eine Abrechnungsdiagnose, keine Samenanalyse; Lärm wurde nur auf Bezirksebene zugeordnet (erhebliche Expositionsfehlklassifikation); wer keinen Arzt aufsucht, wird nicht erfasst; kein Zusammenhang pro Dezibel; Restkonfundierung (Wohnlage, Sozialstatus) ist wahrscheinlich. Zu dieser Studie existiert ein Leserbrief, dessen Inhalt hier nicht ausgewertet wurde. Einordnung: Die beiden koreanischen Studien weisen in dieselbe Richtung und nennen dieselbe Größenordnung (etwa 55 dB nachts), sind aber methodisch verwandt (dasselbe Messnetz) und stellen keine unabhängige Bestätigung dar.

Sørensen et al. (2024): Straßenverkehrslärm, Luftverschmutzung und Infertilität bei Männern und Frauen, Dänemark [s56]. Titel: „Long term exposure to road traffic noise and air pollution and risk of infertility in men and women: nationwide Danish cohort study“ (BMJ). Design: landesweite prospektive Kohortenstudie. Population: 526.056 Männer und 377.850 Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren, verheiratet oder zusammenlebend, mit weniger als zwei Kindern, wohnhaft in Dänemark zwischen 2000 und 2017. Exposition: langjährige Wohnexposition gegenüber Straßenverkehrslärm (Lden, am stärksten betroffene Fassade) und PM₂,₅. Endpunkt: erstmalige Infertilitätsdiagnose im dänischen Patientenregister. Ergebnisse: Infertilität wurde bei 16.172 Männern und 22.672 Frauen diagnostiziert, bei einer mittleren Nachbeobachtung von 4,3 beziehungsweise 4,2 Jahren. Das Fünf-Jahres-Mittel von PM₂,₅ war bei Männern stark assoziiert: Hazard Ratio (HR) 1,24 (95-%-KI 1,18 bis 1,30) bei 30- bis 36,9-Jährigen und 1,24 (1,15 bis 1,33) bei 37- bis 45-Jährigen je Interquartilsabstand (2,9 µg/m³), adjustiert für soziodemografische Variablen und Straßenverkehrslärm; bei Frauen bestand kein Zusammenhang mit PM₂,₅. Straßenverkehrslärm war bei Frauen von 35 bis 45 Jahren mit HR 1,14 (1,10 bis 1,18) je Interquartilsabstand (10,2 dB) des Fünf-Jahres-Mittels verbunden, nicht bei jüngeren Frauen (30 bis 34,9 Jahre). Bei Männern lag die HR für Straßenverkehrslärm in der Altersgruppe 37 bis 45 bei 1,06 (1,02 bis 1,11), in der Altersgruppe 30 bis 36,9 Jahre aber bei 0,93 (0,91 bis 0,96), also unter 1. Die Autoren folgern, Lärm sei mit höherem Infertilitätsrisiko bei Frauen über 35 und „potenziell“ bei Männern über 37 Jahren verbunden. Stärken: sehr große, landesweite Registerkohorte, prospektive Anlage, gemeinsame Betrachtung von Lärm und Feinstaub, Auswertung nach Geschlecht und Altersgruppen. Schwächen: Registerdiagnose (im Wesentlichen Fälle mit Behandlungsbedarf im Krankenhaussystem), keine Samenanalyse; kurze mittlere Nachbeobachtung von rund vier Jahren; die Richtung beim Mann ist uneinheitlich (HR 1,06 bei den Älteren, 0,93 bei den Jüngeren; beide Intervalle schließen 1 nicht ein); der Lärmeffekt beim Mann ist klein im Vergleich zum Feinstaubeffekt. Einordnung: Die Studie spricht eher für Luftschadstoffe als für Lärm als Faktor der männlichen Infertilität, mit gegenläufigem Muster bei jungen Männern; ein einheitlicher Lärmeffekt beim Mann lässt sich daraus nicht ableiten.

Christensen et al. (2017): Straßenverkehrslärm vor der Konzeption und Zeit bis zur Schwangerschaft, Dänemark [s142]. Titel: „Exposure to residential road traffic noise prior to conception and time to pregnancy“ (Danish National Birth Cohort; Environment International). Design: Auswertung der Dänischen Nationalen Geburtskohorte. Population: 65.201 Mütter mit selbstberichteter Zeit bis zur Schwangerschaft (TTP, computergestütztes Telefoninterview). Exposition: modellierter Straßenverkehrslärm an allen früheren Wohnadressen, als zeitgewichtetes Mittel für den jeweiligen TTP-Zeitraum. Logistische und ordinale logistische Regression, adjustiert für Alter bei Konzeption, Haushaltseinkommen, Bildung und Luftverschmutzung (NOx). Ergebnisse: Ein Anstieg um 10 dB war mit einem um 8 % erhöhten Risiko für eine TTP von 6 bis 12 Monaten verbunden (95-%-KI 1,03 bis 1,12); für eine TTP von mindestens 12 Monaten war der Zusammenhang nicht signifikant (OR 1,04; 0,99 bis 1,09). Als binäres Ergebnis war ein Anstieg um 10 dB mit einem um 5 % erhöhten Risiko einer TTP von mindestens 6 Monaten verbunden (1,01 bis 1,08); beim Grenzwert 12 Monate zeigte sich kein Zusammenhang. Stärken: große Stichprobe, modellierte Lärmexposition über frühere Adressen. Schwächen: Die Schwangerschaftsdauer wurde erst im Nachhinein erinnert; keine Angaben zum männlichen Partner; die Lärmexposition ist die der Mutter am Wohnort. Die Autoren schließen nur auf einen möglichen „kleinen Einfluss auf Subfekundität“. Einordnung: Paar-Endpunkt Fekundität, nicht Spermienqualität; als Hintergrund aufgeführt.

Dzhambov (2016): Arbeitslärm und Serumtestosteron bei Männern, NHANES 1999 bis 2004, USA [s146]. Titel: „Workplace noise exposure and serum testosterone in men enrolled in the 1999-2004 National Health and Nutrition Examination Survey“ (Arhiv za higijenu rada i toksikologiju). Design: Querschnittsstudie. Population: erwerbstätige Männer von 16 bis über 85 Jahren (voll adjustiertes Modell n = 414). Exposition: Lärm entweder nach O*NET-Berufskategorien oder selbstberichtet. Endpunkte: Gesamt- (TT) und freies Testosteron (FT); lineare Regression mit zunehmender Adjustierung. Ergebnisse: Im voll adjustierten Modell war das dritte Quartil der O*NET-Lärmbelastung mit niedrigerem TT und FT verbunden: −58,32 ng/dl (95-%-KI −111,22 bis −5,42) beziehungsweise −1,58 ng/dl (−2,98 bis −0,18). Die Chance für Hypogonadismus (TT < 300 ng/dl) stieg je Interquartilsabstand nicht signifikant an (OR 1,24; 0,64 bis 2,39). Selbstberichteter lauter Lärm senkte TT bei allen Männern (n = 214) nicht signifikant, bei Männern ab 37 Jahren aber um −87,55 ng/dl (−158,35 bis −16,74). In Subgruppen waren jüngere Männer, solche mit niedrigerem Einkommen, normalgewichtige, mit besserem Gehör und ohne Gehörschutz stärker betroffen. Die Autoren fassen zusammen, Lärm sei nur in einigen Subgruppen mit niedrigerem TT und FT verbunden gewesen, und die Zusammenhänge seien nichtlinear. Stärken: repräsentative Stichprobe der US-Bevölkerung, gemessene Hormone. Schwächen: kein Samenparameter; Lärmklassifikation nach Beruf oder Selbstangabe; Querschnitt; der Effekt tritt nur im dritten Quartil auf (kein klarer Dosis-Wirkungs-Verlauf); kleine Stichprobe. Einordnung: Hormonbefund, kein Fertilitätsbefund; er trägt zur Frage bei, ob Lärm beim Menschen überhaupt auf die Hormonachse wirkt, und liefert eine uneinheitliche Antwort.

Sheiner et al. (2002): männliche Infertilität und beruflicher psychischer Stress, [s178]. Titel: „Potential association between male infertility and occupational psychological stress“ (Journal of Occupational and Environmental Medicine). Design: Vergleichsstudie mit Fall-Kontroll-Charakter in einer Fertilitätsklinik. Population: 202 aufeinanderfolgende Patienten; 106 mit männlichem Infertilitätsproblem (Fälle), 66 wegen weiblicher Infertilität (Kontrollen), 30 mit kombiniertem Problem. Ergebnisse: Männliche Infertilität war mit einer Tätigkeit in Industrie und Bauwesen verbunden (78,6 % gegenüber 58,3 %; p = 0,044). Diese Patienten waren niedriger gebildet (im Mittel 12,1 gegenüber 13,4 Jahre; p = 0,021), rauchten tendenziell mehr (OR 2,53; 95-%-KI 1,08 bis 5,98), arbeiteten häufiger in Schichten (OR 3,12; 1,19 bis 8,13), berichteten körperliche Anstrengung (OR 3,35; 1,44 bis 7,80) und waren stärker Lärm ausgesetzt (OR 3,84; 1,63 bis 9,14). Für Schweißen nennt der Abstract „OR = 4,40“ mit einem Konfidenzintervall „1,11 bis 1,76“, das den Punktschätzer nicht einschließt; der Wert ist offensichtlich fehlerhaft gedruckt und wird hier nicht ausgewertet. Männliche Infertilität war außerdem mit höheren Werten in allen vier Burn-out-Maßen verbunden (größte Differenz bei kognitiver Erschöpfung: im Mittel 2,9 gegenüber 2,1; p < 0,001). In der multiplen logistischen Regression blieben Industrie- und Bauberufe (adjustierte OR 2,2; 1,2 bis 2,7) und kognitive Erschöpfung (adjustierte OR 1,8; 1,03 bis 4,6) unabhängige Risikofaktoren. Stärken: gleichzeitige Erfassung mehrerer Arbeitsbelastungen und von Burn-out-Maßen. Schwächen: Kontrollen sind Männer aus Paaren mit weiblicher Infertilität (Selektion); Lärm, Schichtarbeit, Rauchen und körperliche Belastung sind eng gekoppelt, sodass Lärm nicht isoliert wird; im multiplen Modell erscheint Lärm nicht mehr als unabhängiger Faktor; Selbstauskunft; Druckfehler im Abstract; die Zielgröße ist die Zuordnung zur Fallgruppe, keine Samenanalyse. Einordnung: historische Studie, in der Lärm nur im Einzelvergleich auffällt.

Mohammadi et al. (2021): Ganzkörpervibration und Lärm und Sexualhormone bei Beschäftigten, Iran [s111]. Titel: „Relationship between occupational exposure to whole-body vibration and noise with sex hormone levels: An empirical assessment in an automobile parts manufacturing plant“ (Autorengruppe aus dem Iran). Design: Querschnitt an 162 Beschäftigten eines Automobilzulieferers. Exposition: Lärm und Ganzkörpervibration (WBV) als zeitgewichtete Mittelwerte gemessen. Ergebnisse: Nur 49 % der Männer hatten Testosteron im Normbereich. Das niedrigste mittlere Testosteron fand sich in der Gruppe mit WBV über 1,93 m/s² und Lärm über 92,69 dB; signifikant war nur der Unterschied zwischen den drei Lärmgruppen (p = 0,001). Die Korrelation zwischen Lärm und Testosteron betrug R = −0,201 (p = 0,013); in der logistischen Regression hatte die Vibration den größten Effekt. Die Blutentnahme erfolgte nüchtern zwischen 7 und 9 Uhr. Schwächen: Spermienwerte fehlen; Lärm und Vibration sind eng gekoppelt; die Korrelation ist schwach. Einordnung: Hormonbefund bei Mischexposition am Arbeitsplatz.

Mohammadi et al. (2025): berufliche Exposition und Fertilitätsindikatoren, maschinelles Lernen, Iran [s32]. Titel: „Analyzing the impact of occupational exposures on male fertility indicators: A machine learning approach“. Design: Querschnitt an 80 Beschäftigten mit fünf Modellen des maschinellen Lernens. Ergebnisse: Wichtigste Prädiktoren für freies Testosteron waren nach SHAP-Analyse Magnetfeld (0,339), Alter (0,244) und Feuchtkugeltemperatur (0,138); XGBoost und Random Forest erreichten eine AUC von 0,99. Schwächen: Eine AUC von 0,99 bei 80 Personen spricht für Überanpassung; Lärm wird nicht als führender Prädiktor genannt; keine Spermienparameter. Einordnung: für Lärm nicht aussagekräftig.

Sitdikova et al. (2014): Risikofaktoren im Maschinenbau, Russland [s162] und Flugzeugbau [s161]. Titel: „Факторы риска для репродуктивного здоровья мужчин трудоспособного возраста“ (Risikofaktoren für die reproduktive Gesundheit von Männern im erwerbsfähigen Alter; Praktische Medizin, Kasan) und „Гигиенические аспекты профилактики нарушения репродуктивного здоровья у работников авиастроения“ (Hygienische Aspekte der Vorbeugung reproduktiver Gesundheitsstörungen bei Beschäftigten im Flugzeugbau). Maschinenbau [s162]: Fragebogen bei 318 Beschäftigten, Kontrollgruppe 148 Männer ohne dauernde Belastung; Testosteron, LH und FSH per ELISA; 5,6 % der Fragebögen unbrauchbar. Der Anteil der Raucher mit Hormonabweichungen betrug 27,3 % gegenüber 17,6 % bei Nichtrauchern. Die Autoren führen Lärm und Vibration gemeinsam mit Chemikalien, Kühlschmierstoffen, Alkohol, Rauchen und psychischer Belastung als „nachweislich beeinflussende“ Faktoren an, nennen aber für Lärm keine eigene Effektgröße; der berichtete χ²-Wert für Lärm (χ² = 122; p < 0,00001) beschreibt nur Unterschiede der Expositionshäufigkeit zwischen Dienstaltersgruppen. Psychoemotionale Belastung korrelierte mit Fehlgeburten der Ehefrauen (r = 0,53; p < 0,02) und mit LH (r = −0,30; p < 0,04). Flugzeugbau [s161]: 318 Fragebögen, Hormonanalyse bei 291 Beschäftigten der Hauptberufe gegenüber 148 in Hilfsberufen. Arbeitsplatzmessungen ergaben Überschreitungen der Lärmgrenzwerte um 4 bis 29 dBA, der lokalen Vibration um 3 bis 12 dB und der Wärmestrahlung (1,17 bis 13,69 Grenzwerte) sowie Überschreitungen bei Mineralölaerosolen, Benzo(a)pyren, Epichlorhydrin und Stickstoffdioxid. In der exponierten Gruppe fanden sich niedrigere Testosteronwerte und höhere LH- und FSH-Werte; bei 25 % der Beschäftigten wich mindestens ein Hormon ab (17 % ein, 6 % zwei, 2 % alle drei); kritisch sei eine Betriebszugehörigkeit von 10 bis 19 Jahren (signifikant niedrigeres Testosteron). Bei Beschäftigten mit lokaler Vibration von 114 ± 1,7 dB und einem Schalldruckpegel von 87,7 ± 4,5 dBA zeigten 21 % Hormonabweichungen. Schwächen beider Berichte: Lärm, Vibration, Hitze und Chemikalien sind untrennbar vermischt; die 21-%-Angabe hat keinen Vergleichswert ohne Lärm; es fehlen Spermienanalysen; Querschnitt; die Studie im Flugzeugbau betrifft den Arbeitsplatz, nicht Fluglärm im Wohnumfeld.

Guven et al. (2008): Mautstellen-Beschäftigte an Autobahnen, Türkei [s175]. Titel: „Alterations in semen parameters of toll collectors working at motorways: does diesel exposure induce detrimental effects on semen?“ (Andrologia). Design: Querschnittsvergleich von 38 Mautstellen-Beschäftigten und 35 Büroangestellten (Kontrolle); Ausschluss bei Varikozele und chronischen Krankheiten; kein Unterschied beim Rauchen. Ergebnisse: verminderte Beweglichkeit bei 8 und niedrige Spermienzahl bei 7 Männern der Studiengruppe (ein Mann mit beidem), in der Kontrollgruppe bei 2 beziehungsweise 1; Unterschiede für abnorme Spermien (p = 0,002), Beweglichkeit (p = 0,003) und normale Morphologie (p = 0,001). Einordnung: Die untersuchte Exposition ist Dieselabgas; Verkehrslärm an der Mautstelle wurde weder gemessen noch ausgewertet. Schwächen: kleine Fallzahl, keine Expositionsmessung. Die Studie gehört eher zu den Luftschadstoffen und ist als Randbefund zum Thema Verkehr aufgeführt.

Kanbur und Eyüboğlu (2018): Zementarbeiter [s138] und Kernbohr-Bediener [s139], Türkei. Titel: „A Research on the Reproductive Health of Male Workers in the Cement Industry“ (Van Tıp Dergisi) und „A Survey on Reproductive Health Situations of Male Individuals Working as Core Boring Operators“ (Zeynep Kamil Tıp Bülteni). Design: Fragebogenstudien (Chi-Quadrat) an 70 verheirateten Männern im Zementwerk gegenüber 70 im Büro beziehungsweise an 75 Kernbohr-Bedienern im Bergbau- und Bausektor der Marmararegion gegenüber 75 Büroangestellten. Der Abstract der Zementstudie nennt Lärm, Staub und Temperatur als bekannte Risikofaktoren, trennt sie aber nicht; statistisch auffällig waren Angaben zu Fehlbildungen, mütterlicher Geburtshistorie, Schwangerschaftsdauer und Frühgeburten der Partnerin. In der Kernbohr-Studie waren niedrige Kinderzahl, Totgeburten und Schwangerschaftsdauern der Partnerinnen auffällig (p < 0,05). Schwächen: keine Lärmmessung, keine Samenwerte; beide Studien sind als Beleg für eine Lärmwirkung auf Spermien ungeeignet (Einordnung aus dem Recherchebericht, hier übernommen).

Rochdi et al. (2025): Epidemiologie und berufliche Risikofaktoren, Ostmarokko [s36]. Titel: „Epidemiology and occupational risk factors of male infertility based on 3,025 patients in Eastern Morocco during 2021-2023: a cohort study“ (Obstetrics & Gynecology Science). Design: Beschreibung von 3.025 Patienten eines Fertilitätszentrums (September 2021 bis Juli 2023), WHO-Kriterien 2021. Ergebnisse: Häufigster Risikofaktor war „occupational exposure“, gefolgt von Varikozele; Rauchen 24,29 %, Alkohol 12,49 %, Hitzeexposition 30,08 %; Spermiogramm-Anomalien in 78,71 %; Oligozoospermie 29,07 %, Asthenozoospermie 24,68 %, Azoospermie 17,56 %. Schwächen: Lärm wird im Abstract nicht gesondert ausgewiesen; es gibt keine Vergleichsgruppe ohne Berufsexposition. Einordnung: deskriptiv; für Lärm ohne Aussage.

Fluglärm. In keiner der aufgefundenen Studien wurde Fluglärm als Exposition und Spermienqualität oder männliche Fertilität als Endpunkt untersucht. Treffer zu Flughäfen betrafen andere Themen (Röntgenkontrollen von Tiersamen, Meerestiere und Sonar); zwei japanische Arbeiten zu Fluglärm rund um Militärflugplätze betrafen Geburtsgewicht und Verhalten von Vorschulkindern (nur Titel gesehen) und wurden nicht aufgenommen. Fluglärm erscheint in den Übersichten nur im Zusammenhang mit Krebsendpunkten [s115]. Die Evidenzlücke ist eindeutig; die Studie von Sitdikova im Flugzeugbau [s161] betrifft Beschäftigte in der Flugzeugproduktion, nicht Anwohner von Flughäfen.

Zusammenschau Lärm. Die beiden koreanischen Studien weisen bei Nachtlärm um 55 dB in dieselbe Richtung (OR 1,14 für die Diagnose Infertilität in der Versichertenkohorte [s143]; 3,5-fach erhöhte Chance für Oligozoospermie im höchsten Quartil bei sehr weitem Konfidenzintervall in der Klinikkohorte [s114]). Die dänische Registerstudie findet beim Mann keinen einheitlichen Lärmeffekt (HR 1,06 bei 37- bis 45-Jährigen, 0,93 bei 30- bis 36,9-Jährigen) [s56], der NHANES-Auswertung zufolge ist Testosteron nur in Subgruppen und nichtlinear niedriger [s146]. Die Berufsstudien mit Mischexposition [s111, s161, s162, s178] erlauben keine Trennung des Lärms. Aus den Humandaten lässt sich daher weder ein belegter noch ein ausgeschlossener Lärmeffekt auf die Samenqualität ableiten; die Evidenz ist dünn, uneinheitlich und überwiegend auf Diagnosen oder Hormone statt auf Samenparameter gestützt.

Nächtliches Licht und Chronotyp

Für nächtliches Licht im engeren Sinn (Lichtverschmutzung, Außenbeleuchtung, Licht im Schlafzimmer) gibt es beim Menschen genau eine Studie mit Samenparametern als Endpunkt und objektiv geschätzter Lichtexposition [s58], eine große Studie zur Fekundität von Paaren [s31], eine kleine ägyptische Studie mit Melatonin- und Samenwerten [s117], eine Fragebogenstudie zu Bildschirmlicht am Abend [s116] sowie Studien an Kindern und zu Tageslicht. Studien zu Schichtarbeit und Chronotyp stehen im folgenden Abschnitt, weil sie Licht nicht von Schlaf, Stress und anderen Faktoren trennen.

Tian et al. (2024): Außenlicht in der Nacht und Spermienqualität, China [s58]. Titel: „Outdoor artificial light at night and male sperm quality: A retrospective cohort study in China“ (Environmental Pollution; Autorengruppe an der West China School of Public Health, Sichuan). Design: retrospektive Kohortenstudie. Population: 1.991 Samenspender-Kandidaten einer Samenbank; mittleres Alter 24,98 Jahre (SD 4,78), BMI 22,13 kg/m² (SD 2,60), mittlere Schlafdauer 7,66 Stunden pro Tag (SD 1,07). Exposition: Außenlicht in der Nacht (ALAN, outdoor artificial light at night) am Wohnort im Bereich von 0 bis 100 nW/cm²/sr (Satellitendaten); chronische Exposition (0 bis 90 Tage vor der Spende) und akute Exposition (0 bis 9 Tage). Methodik: multivariate lineare Regression und restringierte kubische Spline-Modelle. Ergebnisse (je 100 Einheiten nW/cm²/sr mehr chronisches ALAN): Linearität (LIN) −0,043, kurvilineare Geschwindigkeit (VCL) −5,523, Rate nichtprogressiv beweglicher Spermien (NP) −3,873, Gesamtbeweglichkeit −4,740. Die im Abstract gedruckten Konfidenzintervalle lauten „0,073, −0,014“ (LIN), „9,100, −1,946“ (VCL), „4,926, −2,748“ (NP) und „8,853, −0,628“ (Beweglichkeit); die unteren Grenzen stehen dort ohne Minuszeichen, offenbar ein Satzfehler, sodass die Intervalle in der gedruckten Form nicht lesbar sind (bei Annahme fehlender Minuszeichen ergäbe sich zum Beispiel für die Gesamtbeweglichkeit ein Intervall von −8,853 bis −0,628; das ist eine Annahme, keine Angabe der Autoren). Ähnliche Zusammenhänge zeigte die akute Exposition. Die stärksten Effekte fanden sich bei Männern unter 25 Jahren. Stärken: die einzige aufgefundene Humanstudie mit ALAN als Exposition und Spermienparametern als Ergebnis; große Stichprobe; Expositionsfenster entsprechend der Spermatogenese. Schwächen: Außenlicht per Satellit am Wohnort sagt wenig über Licht im Schlafzimmer, Vorhänge, Schichtarbeit oder Bildschirmnutzung; Spender sind eine selektierte junge, gesunde Gruppe; im Abstract werden nur Beweglichkeits- und Bewegungsparameter genannt, nicht Konzentration oder Gesamtzahl; Verwechslung mit Merkmalen der Wohngegend (Verkehr, Luft, Lärm, geringeres Grün) ist möglich, und der Abstract nennt keine Adjustierung für Lärm oder Grün. Einordnung: Es handelt sich um die einzige Studie dieser Art, und sie ist nicht repliziert; die Effekte betreffen Bewegungsparameter der Spermien.

Li et al. (2025): Grün, Nachtlicht und Fekundität von Paaren, China [s31]. Titel: „Greenness, nighttime light, and couple fecundability: A national cohort study between 2014 and 2020“ (Environmental Research). Design: nationale Kohortenstudie. Population: 14.239.365 Paare aus 31 Provinzen. Exposition: Grünflächenexposition über den NDVI in 1.000-m-Puffern; Nachtlicht (NTL) aus dem Day/Night Band des Satelliten VIIRS; beide am Wohnort. Endpunkt: Fekundität als Zeit bis zur Schwangerschaft in Zyklen (Accelerated-Failure-Time-Modelle). Ergebnisse: Je Interquartilsabstand mehr jährlicher NDVI betrug das Zeitverhältnis 0,9881 (95-%-KI 0,9862 bis 0,9901), die Zeit bis zur Schwangerschaft war also kürzer; je Interquartilsabstand mehr jährliches Nachtlicht betrug es 1,0340 (1,0326 bis 1,0354), die Zeit war also länger. Die Zusammenhänge waren bei älteren, übergewichtigen und niedriger gebildeten Teilnehmern, in städtischen Regionen und in Gebieten mit schlechteren Umweltbedingungen stärker. Stärken: extrem große Stichprobe, Paar-Endpunkt Fekundität. Schwächen: Es geht um die Paarfekundität; weibliche und männliche Faktoren sind nicht trennbar und Spermienqualität wurde nicht gemessen. Die Effekte sind sehr klein (3,4 % längere Zeit bis zur Schwangerschaft je Interquartilsabstand Nachtlicht, 1,2 % kürzere je Interquartilsabstand NDVI) und werden durch die Stichprobengröße statistisch signifikant; Satelliten-Nachtlicht und Grün hängen mit Urbanität und Sozialstatus zusammen, unbeobachtete Störgrößen sind möglich. Einordnung: Die Studie stützt die Gegenläufigkeit von Grün und Nachtlicht auf Paarebene, sagt aber nichts über die männliche Samenqualität.

Hassan et al. (2020): Melatonin bei idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie und nächtliche Lichtexposition, Ägypten [s117]. Titel: „Men with idiopathic oligoasthenoteratozoospermia exhibit lower serum and seminal plasma melatonin levels: Comparative effect of night-light exposure with fertile males“ (Experimental and Therapeutic Medicine; Qena; Volltext gelesen). Design: Querschnitt mit Fall-Kontroll-Vergleich in einer Universitätsklinik (Dezember 2015 bis März 2016, im Winter, um saisonale Melatoninschwankungen zu vermeiden). Population: 50 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT; Laborbeschäftigte, davon 34 mit nächtlichem Licht durch Nachtschicht und 16 ohne) und 50 fertile Kontrollen mit gleicher Tätigkeit (19 mit, 31 ohne nächtliche Lichtexposition). Schichtsystem: Siebentage-Zyklus aus Tag-, Abend- und Nachtschicht (0 bis 8 Uhr), Expositionsdauer laut Text 1 Jahr und 4 Monate. Alter (iOAT 31,56 ± 5,36 gegenüber 31,94 ± 5,19 Jahre) und BMI waren vergleichbar; Rauchen und chronischer Alkoholkonsum waren Ausschlusskriterien. Samen und Blut wurden um 21 Uhr gewonnen, Melatonin mit ELISA gemessen, Samenanalyse nach WHO 2010. Ergebnisse (Mittelwert ± SD): Serum-Melatonin bei iOAT 11,01 ± 10,99 ng/l gegenüber Kontrollen 19,51 ± 16,82 ng/l (p = 0,0004); im Seminalplasma 4,84 ± 4,06 gegenüber 6,96 ± 6,35 ng/l (p = 0,01). Bei iOAT-Patienten mit nächtlichem Licht lag das Serum-Melatonin bei 4,54 ± 1,48 ng/l, ohne Licht bei 24,77 ± 9,65 ng/l (p < 0,0001); im Seminalplasma 3,36 ± 2,94 gegenüber 7,34 ± 5,29 ng/l (p = 0,02). Bei den Kontrollen: mit nächtlichem Licht 5,83 ± 1,76 (Serum) und 3,85 ± 1,45 ng/l (Seminalplasma), ohne Licht 27,89 ± 16,40 und 8,86 ± 7,40 ng/l (p < 0,0001 beziehungsweise p = 0,0006). Samenparameter bei iOAT-Patienten mit gegenüber ohne nächtliches Licht: Konzentration 3,30 ± 1,87 gegenüber 11,97 ± 1,25 Millionen/ml (p < 0,0001); Beweglichkeit 18,29 ± 13,09 % gegenüber 27,81 ± 16,43 % (p = 0,04); abnorme Formen 59,62 ± 17,97 % gegenüber 46,62 ± 23,45 % (p = 0,04). Das Serum-Melatonin korrelierte bei allen iOAT-Patienten positiv mit der Beweglichkeit (r = 0,614; p < 0,0001); im nicht exponierten iOAT-Teil korrelierten Serum- und Seminalplasma-Melatonin (r = 0,753; im Abstract p < 0,001, im Volltext p = 0,0008). Bei den Kontrollen gab es keine signifikanten Korrelationen. Stärken: die einzige aufgefundene Humanstudie mit der Lichtexposition als expliziter Variable und Messung von Melatonin im Blut und im Seminalplasma; beide Gruppen hatten dieselbe Arbeit mit gleicher Beleuchtung. Schwächen: sehr kleine Untergruppen (16 nicht exponierte iOAT-Patienten); die Exposition ist an Nachtarbeit gekoppelt (Schlaf, Stress und Essensrhythmus nicht getrennt); die Lichtstärke wurde nicht gemessen; für die fertilen Kontrollen gibt es keinen Samenparameter-Vergleich nach Lichtexposition; die „nicht exponierte“ iOAT-Gruppe zeigt eine Konzentration von 11,97 ± 1,25 Millionen/ml bei einem angegebenen Bereich von 10 bis 14, also eine auffällig enge Verteilung; zwischen Text (59,26) und Tabelle (59,62) weicht ein Wert für die abnormen Formen ab; die Probenentnahme um 21 Uhr ist mit Befunden zu Tageszeitschwankungen von Samenparametern nicht vergleichbar. Die Schlussfolgerung der Autoren, Dunkelheit und Schlaf in der Nacht könnten die Samenparameter verbessern, geht über die Querschnittsdaten hinaus und wird hier nicht übernommen. Einordnung: Kausalität lässt sich nicht ableiten; der Befund passt zur Melatoninhypothese, ist aber klein und nicht repliziert.

Green et al. (2020): Licht von Mediengeräten am Abend und Spermienqualität [s116]. Titel: „Exposure by males to light emitted from media devices at night is linked with decline of sperm quality and correlated with sleep quality measures“ (Chronobiology International). Design: Querschnitts- und Korrelationsstudie. Population: 116 Männer in Fertilitätsabklärung. Methodik: Samenparameter (Volumen, pH, Konzentration, Beweglichkeit, Gesamtzahl) und Fragebogen zu Bildschirmnutzung und Schlaf. Ergebnisse (Korrelationskoeffizienten): Smartphone- und Tablet-Nutzung am Abend und nach dem Zubettgehen korrelierten negativ mit der Spermienbeweglichkeit (−0,392 beziehungsweise −0,369; p < 0,05), der progressiven Beweglichkeit (−0,322 beziehungsweise −0,299; p < 0,05) und der Konzentration (−0,169; p < 0,05) und positiv mit dem Anteil unbeweglicher Spermien (0,382 beziehungsweise 0,344). Die Schlafdauer korrelierte positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (0,249; 0,233; p < 0,05) und negativ mit dem Samen-pH (−0,349). Subjektive Schläfrigkeit korrelierte negativ mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (−0,264; p < 0,05) und mit der Zahl beweglicher Spermien (−0,173; p < 0,05). Stärken: gezielte Frage nach Abend- und Nachtlicht von Geräten bei gleichzeitiger Erfassung von Schlafmaßen. Schwächen: nur 116 Männer in Fertilitätsabklärung; ungeprüfte Fragebogenangaben; der Abstract nennt weder Adjustierung noch Konfidenzintervalle; Bildschirmzeit ist mit Schlafmangel, Stress, Körperhaltung, Wärme und elektromagnetischer Strahlung vermengt, Licht ist nicht isoliert; die Autoren fordern weitere Forschung zur Kausalität. Einordnung: Es handelt sich um die einzige Humanstudie zu Bildschirmlicht am Abend; ihre Korrelationen sind schwach bis mäßig und nicht adjustiert.

Bhambhvani et al. (2026): helles Licht am Tag und Serumtestosteron, NHANES 2011 bis 2014, USA [s03]. Titel: „Bright Light Exposure Is Positively Associated with Serum Testosterone in Adult Men: A National Cross-sectional Analysis“ (European Urology Focus). Design: Querschnittsstudie, gewichtete multivariable lineare Regression. Population: 2.209 Männer (Median: Alter 45 Jahre, Testosteron 434 ng/dl, helle Lichtexposition 21,4 Minuten pro Tag). Exposition: helles Licht (über 2.000 Lux), mit Handgelenk-Beschleunigungsmessern mit Umgebungslichtsensor über 7 bis 9 Tage gemessen. Endpunkt: morgendliches Serumtestosteron; Adjustierung für Alter, Bildung, Einkommen, BMI, Aktivität, Diabetes, Vitamin D, Ernährung und gesamte tägliche Lichtmenge. Ergebnisse: β = 15,16 ng/dl je 10 Minuten hellen Lichts (p = 0,008); der Zusammenhang war nachmittags am stärksten (β = 16,72; p = 0,006), morgens und abends nicht signifikant; negative Interaktion mit der gesamten Tageslichtmenge (β = −0,14 je 10.000 Lux; p = 0,041), also stärker bei geringer Basisexposition. Stärken: objektive Lichtmessung, nationale Stichprobe. Schwächen: Querschnitt, umgekehrte Kausalität möglich (wer fitter ist, geht mehr nach draußen); die 2.000-Lux-Schwelle unterscheidet nicht zwischen hellem Innenraum und Sonne; kein Samenparameter. Einordnung: Die Studie betrifft Tageslicht, nicht Nachtlicht, und zeigt, dass „Licht“ nicht pauschal mit Nachteilen verbunden ist; der Befund betrifft Testosteron, nicht die Samenqualität.

Zhou Y. et al. (2026): Schlafzimmerlicht und Pubertätsbeginn bei Kindern, China [s20]. Titel: „Brighter Bedroom Light at Night Predicts Risk for Earlier Pubertal Onset: A 2-Year Longitudinal Study“. Design und Population: prospektive Studie in Tianchang (Provinz Anhui) ab September 2022 an 886 Jungen und Mädchen von 6 bis 10 Jahren. Exposition: Schlafzimmerlicht in der Nacht, mit tragbarem Beleuchtungsstärkemesser im Minutenabstand an zwei Nächten gemessen; Brustentwicklung bei Mädchen und Hodenvolumen bei Jungen alle sechs Monate über zwei Jahre. Ergebnisse: In der höchsten Expositionsgruppe begann die Pubertät bei Jungen 3,84 Monate früher (Zeitverhältnis 0,96; 95-%-KI 0,95 bis 0,98) und bei Mädchen 4,12 Monate früher (0,96; 0,94 bis 0,98). Je 30 Minuten mehr Licht von mindestens 3 lx stieg das Risiko früherer Hodenentwicklung bei Jungen um 9 % (HR 1,09; 1,02 bis 1,16) und früherer Brustentwicklung bei Mädchen um 12 % (HR 1,12; 1,07 bis 1,16); Licht nach dem Zubettgehen wirkte stärker als Licht vor dem Aufwachen. Stärken: individuelle Lichtmessung statt Satellitenschätzung, prospektives Design. Schwächen: Zielgröße ist der Pubertätsbeginn, nicht die Spermienqualität; nur zwei Messnächte; Kinder sind nicht auf erwachsene Männer übertragbar. Einordnung: Die Studie ist die einzige mit gemessenem Schlafzimmerlicht und einem Fortpflanzungsmaß, aber nicht zur Samenqualität.

Gica et al. (2023): Chronotyp und Samenqualität in einer Infertilitätsklinik [s67]. Titel: „Evening type negatively affects semen quality by deteriorating sperm morphology: Results from an infertility clinic“ (European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology). Design: Querschnitt; 314 Patienten einer Infertilitätsklinik; Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ); morgendliche Samenanalyse und Testosteron. Verteilung: 21 Abendtypen, 187 intermediäre Typen, 106 Morgentypen. Ergebnisse: Kein Unterschied der MEQ-Werte zwischen niedriger und normaler Spermienkonzentration (p = 0,884); positive Korrelation zwischen normaler Morphologie und MEQ-Wert (r = 0,13; p < 0,05); negative Korrelation zwischen Stunden im Bett und Spermienkonzentration (r = −0,13; p < 0,05); im allgemeinen linearen Modell hatten Varikozele und MEQ-Wert einen signifikanten Effekt auf die normale Morphologie. Schwächen: sehr kleine Korrelationen, nur 21 Abendtypen, Klinikkollektiv, keine Konfidenzintervalle; der Titel („verschlechtert die Morphologie“) geht über die Korrelation von r = 0,13 hinaus. Einordnung: Chronotyp ist kein Lichtmaß; die Studie ist ein schwacher Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Abendtyp und Morphologie.

Faraut et al. (2019): blau angereichertes Licht am Tag nach Schlafrestriktion, Humanexperiment [s129]. Titel: „Daytime Exposure to Blue-Enriched Light Counters the Effects of Sleep Restriction on Cortisol, Testosterone, Alpha-Amylase and Executive Processes“ (Frontiers in Neuroscience). Dies ist keine Beobachtungs-, sondern eine randomisierte Cross-over-Studie; sie wird hier wegen des Humanbezugs aufgeführt. Design und Population: 17 junge Männer, zwei Nächte mit je drei Stunden Schlaf, danach blaues Licht (viermal 30 Minuten bei 100 Lux) oder nicht. Ergebnisse (ohne Zahlen im Abstract): Nach Schlafrestriktion sanken Morgen-Cortisol, Morgen-Testosteron und Nachmittags-Alpha-Amylase im Speichel; nach der Exposition gegenüber blauem Licht waren die Werte weitgehend wiederhergestellt. Schwächen: kleine Stichprobe, Speichelhormone, kein Samenparameter. Einordnung: Hinweis, dass Licht am Tag Hormone beeinflussen kann; keine Aussage zu Spermien.

Mischstudien mit kleinem Humananteil. Zwei Arbeiten verbinden Tierversuche mit menschlichen Proben und sind deshalb hier nur kurz genannt. Zhu W. et al. (2026) [s22]: Mausmodell (wöchentliche Zwölf-Stunden-Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus über acht Wochen), humane Spermienproben (n = 40) und Zellkultur; CREB1-mRNA war bei Patienten mit hohem Spermien-DNA-Schaden niedriger als in der Kontrollgruppe; die Humanstichprobe ist klein und nur korrelativ, Zahlenwerte nennt der Abstract nicht. Zou et al. (2026) [s24]: Mäuse unter Dauerlicht, Spermien-microRNAs bei Maus und Mensch (in menschlichen Spermien wurde miR-92a-3p als hochreguliert gefunden und validiert); betrifft die Weitergabe an Nachkommen im Mausmodell, nicht die Spermienqualität im engeren Sinn; wie die menschlichen Proben gewonnen wurden, nennt der Abstract nicht.

Zusammenschau nächtliches Licht. Beim Menschen gibt es zu Außenlicht und Samenparametern genau eine Studie mit Effekten auf Bewegungsparameter bei jungen Spendern [s58], eine Paarstudie mit sehr kleinem Effekt [s31], eine kleine ägyptische Melatoninstudie mit starken, aber unsicheren Unterschieden bei nächtlicher Lichtexposition im Schichtbetrieb [s117] und schwache Korrelationen für Geräte am Abend [s116]. Gemessenes Licht im Schlafzimmer wurde nur bei Kindern und mit Pubertätsbeginn als Endpunkt untersucht [s20]; Tageslicht zeigt in einer US-Stichprobe einen positiven Zusammenhang mit Testosteron [s03]. Eine Studie, die Außenlicht, Lärm, Grün und Luftschadstoffe gemeinsam modelliert, fehlt.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp
  6. Schichtarbeit und zirkadiane Störung und Grünflächen
  7. Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten
  9. Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche bis Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe
  10. Leitlinien und Konsensdokumente und Zusammenfassende Bewertung der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Russisch
  14. Arabisch und Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle