Nächtliches Licht, Lärm und Wohnumfeld · Kapitel 8 von 20 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten

Dieses Kapitel fasst zusammen, was klinische und epidemiologische Studien, Leitlinien und Tierversuche zu nächtlichem Licht, Bildschirmlicht, Verkehrs- und Fluglärm, Grünflächen und Wohnort in Bezug auf die Spermienqualität zeigen. Grundlage sind die Abstracts, in einzelnen Fällen Volltexte, der 183 Quellen aus den Recherchen in zwölf Sprachen (alle Quellen der Datei synthese.json). Volltexte der meisten Einzelstudien wurden nicht ausgewertet. Aussagen zu Stärken und Schwächen sind Einordnungen auf Grundlage der im Abstract beschriebenen Methodik und der von den Autoren genannten Einschränkungen. Das Kapitel enthält keine Therapie- und keine Verhaltensempfehlung. Wo Tierversuche oder Studien Substanzen mit schützender Wirkung berichten, geschieht das ausschließlich als experimenteller Befund.

Überblick über die Evidenzlage

Die Datenlage ist je nach Exposition sehr unterschiedlich dicht. Für Lärm gibt es am Menschen wenige Arbeiten zur Spermienqualität im engeren Sinn: zwei koreanische Studien [s114, s143], eine dänische Registerstudie zur Diagnose Infertilität [s56] und Auswertungen zu Testosteron [s146]. Dem steht eine größere Zahl von Tierversuchen mit Schallpegeln von 90 bis 120 dB gegenüber. Für nächtliches Außenlicht existiert genau eine Studie am Menschen mit Spermienparametern als Ergebnis [s58]. Bildschirmlicht ist nur über Fragebögen und Korrelationen erfasst [s116]. Grünflächen sind dagegen in den letzten Jahren gut untersucht, fast ausschließlich in China und überwiegend an Spermabank- oder Klinikpopulationen. Fluglärm wurde in keiner der gefundenen Studien als Exposition mit Spermienqualität als Ergebnis untersucht; die Suchen in allen zwölf Sprachräumen ergaben dazu keinen einzigen Treffer.

Es gibt keine randomisierte kontrollierte Studie, die eine dieser Expositionen am Menschen verändert und die Spermienqualität misst. Die einzige gefundene randomisierte Studie am Menschen ist eine Cross-over-Studie mit 17 jungen Männern zu blau angereichertem Tageslicht nach Schlafrestriktion; ihr Ergebnis betrifft Speichelhormone, keine Spermien [s129]. Alle übrigen Humanstudien sind Beobachtungsstudien: Querschnitt, retrospektive Kohorte, Fall-Kontroll-Vergleich oder Registerauswertung. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Studienpopulationen sind meist Spender oder Männer in Kinderwunschbehandlung und nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.

Die Darstellung ist nach Expositionen gegliedert. Innerhalb jedes Abschnitts stehen zuerst die Humanstudien, dann Übersichten, dann Tierversuche. Schichtarbeit, zirkadiane Störung und Schlaf werden in einem eigenen Abschnitt behandelt, weil sie in der Literatur häufig als Stellvertreter für Licht in der Nacht benutzt werden, Licht aber von Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung nicht trennen.

Lärm: Studien am Menschen

Choe et al. 2020, PLoS One (Seoul) [s114]. Retrospektive Kohortenstudie an einem einzelnen Fertilitätszentrum mit 1.972 Männern, die 2016 bis 2018 eine Samenanalyse hatten. Die Nachtlärmbelastung stammte aus halbjährlichen Messungen des nationalen koreanischen Lärminformationssystems und wurde per empirischem Bayes-Kriging auf die geocodierte Wohnadresse übertragen. Ausgewertet wurden Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Vitalität, normale Morphologie, gesamte bewegliche Spermienzahl sowie Oligozoospermie, Asthenozoospermie und schwere Teratozoospermie mit multivariabler Regression und generalisierten additiven Modellen. Die mittlere Nachtlärmbelastung lag bei 58,3 ± 2,2 Leq. Die Prävalenz betrug 3,3 % für Oligozoospermie, 14,0 % für Asthenozoospermie und 10,1 % für schwere Teratozoospermie. Das höchste Quartil der Nachtlärmbelastung war gegenüber dem niedrigsten mit einer Odds Ratio (OR) von 3,5 für Oligozoospermie verbunden (95-%-Konfidenzintervall 1,18 bis 10,17). Im additiven Modell stieg das Risiko für Oligozoospermie ab etwa 55 Leq dB. Für schwere Teratozoospermie lag die OR im dritten Quartil bei 0,57 (0,33 bis 0,98), also in Gegenrichtung; im vierten Quartil ging sie in Richtung des Nullwerts (OR 1), war also nicht mehr verringert. Stärken sind die behördlich gemessenen Lärmdaten und der Bezug auf den Nachtlärm. Schwächen: eine einzelne Klinik, interpolierte Messwerte ohne Innenraum- oder Schlafzimmerbezug, bei nur 3,3 % Oligozoospermie ein sehr weites Konfidenzintervall und ein nicht monotones Muster bei der Teratozoospermie. Die Autoren schreiben selbst, dass Studien mit genauerer Lärmmessung nötig seien.

Min und Min 2017, Environmental Pollution (Korea) [s143]. Populationsbasierte Kohortenstudie auf Basis der Stichprobenkohorte des nationalen Krankenversicherungsdienstes (2002 bis 2013) mit 206.492 Männern von 20 bis 59 Jahren ohne angeborene Fehlbildungen und acht Jahren Nachbeobachtung. Tages- und Nachtlärm der Jahre 2002 bis 2005 wurden über Geoinformationssysteme dem Verwaltungsbezirk zugeordnet; Ergebnis war die Diagnose männliche Infertilität nach ICD-10 N46. Adjustiert wurde unter anderem für Alter, Einkommen, Wohngebiet, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Blutzucker, BMI, Vorerkrankungen und Feinstaub. 3.293 Männer (1,6 %) erhielten eine Diagnose. Für Schritte von 1 dB bestand kein Zusammenhang, wohl aber eine nichtlineare Beziehung über die Quartile von Tages- und Nachtbelastung. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation war die adjustierte OR für Infertilität bei Nachtlärm von mindestens 55 dB mit 1,14 erhöht (1,05 bis 1,23). Schwächen: Das Ergebnis ist eine Abrechnungsdiagnose, keine Samenanalyse; der Lärm wurde nur auf Bezirksebene zugeordnet, was zu erheblicher Fehlklassifikation führt; wer keinen Arzt aufsucht, ist nicht erfasst; Restconfounding durch Wohnlage und Sozialstatus ist wahrscheinlich.

Sørensen et al. 2024, BMJ (Dänemark) [s56]. Landesweite prospektive Registerkohorte mit 526.056 Männern und 377.850 Frauen von 30 bis 45 Jahren mit weniger als zwei Kindern, die 2000 bis 2017 in Dänemark lebten. Langjährige Wohnexposition gegenüber Straßenverkehrslärm (Lden an der am stärksten betroffenen Fassade) und Feinstaub PM2,5; Ergebnis war die erstmalige Infertilitätsdiagnose im Patientenregister. Es traten 16.172 Fälle bei Männern und 22.672 bei Frauen auf, bei mittlerer Nachbeobachtung von 4,3 beziehungsweise 4,2 Jahren. PM2,5 (5-Jahres-Mittel) war bei Männern stark assoziiert: Hazard Ratio (HR) 1,24 (1,18 bis 1,30) bei 30 bis 36,9 Jahren und 1,24 (1,15 bis 1,33) bei 37 bis 45 Jahren je Interquartilsabstand von 2,9 µg/m³, adjustiert unter anderem für Straßenverkehrslärm; bei Frauen bestand kein Zusammenhang mit PM2,5. Straßenverkehrslärm war bei Frauen von 35 bis 45 Jahren mit einer HR von 1,14 (1,10 bis 1,18) je Interquartilsabstand von 10,2 dB verbunden. Bei Männern lag die HR für Straßenverkehrslärm bei 37 bis 45 Jahren bei 1,06 (1,02 bis 1,11) und bei 30 bis 36,9 Jahren bei 0,93 (0,91 bis 0,96), also unter 1. Die Richtung ist bei Männern nicht einheitlich; die Autoren formulieren den Lärmeffekt bei Männern nur als potenziell und verlangen Bestätigung. Schwächen: Registerdiagnose statt Samenanalyse, kurze mittlere Nachbeobachtung von rund vier Jahren.

Christensen et al. 2017, Environment International (Dänemark) [s142]. Auswertung der Dänischen Nationalen Geburtskohorte mit 65.201 Müttern und selbstberichteter Zeit bis zur Schwangerschaft; Straßenverkehrslärm für alle früheren Wohnadressen modelliert, adjustiert für Alter, Einkommen, Bildung und Stickoxide. Je 10 dB mehr war das Risiko für eine Zeit bis zur Schwangerschaft von 6 bis 12 Monaten um 8 % erhöht (95-%-Konfidenzintervall 1,03 bis 1,12), für 12 Monate und mehr nicht signifikant (OR 1,04; 0,99 bis 1,09). Die Studie betrifft die Paarfekundität über die Lärmexposition der Mutter, nicht die Spermienqualität; die Autoren schließen nur auf einen möglichen kleinen Einfluss auf Subfekundität. Die Schwangerschaftsdauer wurde erst im Nachhinein erinnert.

Dzhambov 2016, Arhiv za higijenu rada i toksikologiju (NHANES 1999 bis 2004) [s146]. Querschnittsstudie an erwerbstätigen Männern (voll adjustiertes Modell n = 414); Arbeitslärm nach Berufskategorien oder selbstberichtet, Gesamt- und freies Testosteron. Im voll adjustierten Modell war das dritte Quartil der Lärmbelastung mit niedrigerem Gesamttestosteron (-58,32 ng/dl; -111,22 bis -5,42) und freiem Testosteron (-1,58 ng/dl; -2,98 bis -0,18) verbunden. Die Chance für Hypogonadismus (Gesamttestosteron unter 300 ng/dl) stieg je Interquartilsabstand nicht signifikant an (OR 1,24; 0,64 bis 2,39). Selbstberichteter Lärm senkte das Testosteron bei Männern ab 37 Jahren um -87,55 ng/dl (-158,35 bis -16,74). Stärker betroffen waren in Subgruppen jüngere Männer, solche mit niedrigerem Einkommen, normalgewichtige, mit besserem Gehör und ohne Gehörschutz. Die Autoren fassen zusammen, dass die Zusammenhänge nur in einigen Subgruppen auftraten und nichtlinear waren. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie ohne Samenparameter, und der Effekt zeigt sich nur im dritten Quartil.

Sheiner et al. 2002, Journal of Occupational and Environmental Medicine [s178]. Vergleichsstudie in einer Fertilitätsklinik mit 202 Patienten (106 Fälle männlicher Infertilität, 66 Kontrollen mit weiblicher Ursache, 30 kombiniert). Männliche Infertilität war mit Tätigkeit in Industrie und Bauwesen verbunden (78,6 % gegenüber 58,3 %; p = 0,044). Die Fälle arbeiteten häufiger in Schichten (OR 3,12; 1,19 bis 8,13), berichteten körperliche Anstrengung (OR 3,35; 1,44 bis 7,80) und waren stärker Lärm ausgesetzt (OR 3,84; 1,63 bis 9,14). In der multiplen Regression blieben Industrie- und Bauberufe (adjustierte OR 2,2; 1,2 bis 2,7) und kognitive Erschöpfung (adjustierte OR 1,8; 1,03 bis 4,6) unabhängige Faktoren, Lärm nicht. Lärm, Schichtarbeit, Rauchen und körperliche Belastung sind eng gekoppelt; die Kontrollgruppe ist selektiert. Ein im Abstract für Schweißen genannter Wert ist in sich widersprüchlich (Punktschätzer außerhalb seines eigenen Konfidenzintervalls) und wird deshalb nicht ausgewertet.

Berufliche Mischexposition in Russland, der Türkei und dem Iran. Zwei Querschnittsstudien aus Kasan [s162, s161] untersuchten 318 Beschäftigte im Maschinen- beziehungsweise Flugzeugbau mit 148 Beschäftigten in Hilfsberufen als Vergleich, mit Fragebogen und Hormonen. Im Flugzeugbau lagen die Lärmpegel 4 bis 29 dBA über dem Grenzwert, daneben Vibration, Hitze und Chemikalien; die exponierte Gruppe hatte niedrigeres Testosteron und höheres LH und FSH, bei 25 % der Beschäftigten wich mindestens ein Hormon ab. Eine eigene Effektgröße für Lärm wird nicht berichtet, Spermienanalysen fehlen [s161, s162]. Mohammadi et al. 2021 [s111] untersuchten 162 Beschäftigte eines Automobilzulieferers mit gemessenem Lärm und Ganzkörpervibration: Nur 49 % hatten Testosteron im Normbereich; die niedrigsten Mittelwerte lagen in der Gruppe mit Vibration über 1,93 m/s² und Lärm über 92,69 dB; die Korrelation von Lärm und Testosteron betrug R = -0,201 (p = 0,013); in der logistischen Regression hatte die Vibration den größten Effekt. Eine Folgearbeit mit 80 Beschäftigten und maschinellem Lernen nannte als wichtigste Prädiktoren für freies Testosteron das Magnetfeld, das Alter und die Feuchtkugeltemperatur, Lärm nicht an erster Stelle [s32]; eine Fläche unter der Kurve von 0,99 bei 80 Personen spricht für Überanpassung. Fragebogenstudien an Beschäftigten in einem Zementwerk (70 gegenüber 70 Männern) [s138] und an Kernbohr-Bedienern (75 gegenüber 75) [s139] nennen Lärm nur als allgemeines Risiko, trennen ihn nicht und enthalten keine Samenwerte; sie sind als Beleg für eine Lärmwirkung auf Spermien ungeeignet. Auch eine türkische Studie an Mautstellen-Beschäftigten (38 gegenüber 35 Büroangestellten) betrifft Dieselabgase, nicht Lärm [s175]. Eine marokkanische Beschreibung von 3.025 Patienten nennt als häufigsten Risikofaktor die berufliche Exposition, weist Lärm aber nicht gesondert aus [s36].

Übersichten zu Lärm. Ristovska et al. 2014 [s158] schlossen 14 epidemiologische Studien zu beruflichem und neun zu umweltbezogenem Lärm ein; es gab einige Belege für Zusammenhänge mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburt, nicht mit Spermien. Clark et al. 2020 [s115] bewerteten mit GRADE die Evidenz zu Umgebungslärm im Auftrag des britischen Umweltministeriums; die meiste Evidenz wurde als niedrige Qualität eingestuft; männliche Spermienqualität wird im Abstract nicht genannt. Meyer et al. 1989 [s180] ist ein kurzer historischer Beitrag zu Lärm, elektromagnetischen Feldern und Reproduktion ohne Zahlen. Krzastek et al. 2020 [s119] behandeln Umwelttoxine einschließlich Luft- und Lärmbelastung ohne Zahlen zu Lärm und betonen, dass Kausalität schwer festzustellen bleibt. Fesenko et al. 2023 [s83] schreiben, Studien zum Einfluss von Betriebslärm und Vibration auf die männliche Reproduktion seien wenig zahlreich; sie zitieren eine Arbeit, nach der Betriebslärm mit geringerer Spermienbeweglichkeit und mehr DNA-Schäden zusammenhing (p = 0,005 und p = 0,02), aus zweiter Hand und ohne eigene Bewertung. Zemlyanova et al. 2025 [s46] werteten 160 Berichte aus; die Lärmaussagen stützen sich auf wenige Einzelquellen. Ramezanifar et al. 2023 [s77] fanden in 57 Artikeln, davon sechs zu physikalischen Faktoren, Hinweise auf Wirkungen von Lärm, Hitze und Hochfrequenzstrahlung auf das Fortpflanzungssystem, im Abstract ohne Zahlen.

Fluglärm. Eine gezielte Suche mit englischen, deutschen, französischen, italienischen, portugiesischen, spanischen, chinesischen, japanischen, koreanischen, russischen, arabischen und türkischen Begriffen ergab keine Studie, die Fluglärm als Exposition und Spermienqualität oder männliche Fertilität als Ergebnis untersucht. In den Übersichten erscheint Fluglärm nur im Zusammenhang mit anderen Endpunkten, etwa Krebs [s115]. Diese Evidenzlücke ist eindeutig; sie sagt nichts über die Existenz oder das Fehlen eines Effekts.

Lärm: Tierversuche

Alle folgenden Arbeiten sind Tierversuche. Die Schallpegel von 90 bis 120 dB, teils mehrere Stunden täglich, liegen weit über dem, was die Wohnbevölkerung typischerweise erreicht; sie entsprechen eher Arbeitslärm oder Maschinenlärm. Gruppen sind meist klein, Abstracts nennen oft keine Zahlen.

Metaanalyse. Dzhambov und Dimitrova 2015 [s154] fassten sieben Nagerstudien zusammen (Quality-effects-Modell). Gepooltes Hedges' g für das Serumtestosteron: -2,41 (-3,28 bis -1,54), also ein sehr großer Effekt. Die Expositionsdauer erklärte einen signifikanten Teil der Varianz (Q(1) = 3,95; p = 0,047). Die Heterogenität war erheblich (I² = 82 %), es bestand Publikationsbias (p = 0,016). Nach Einfügen zweier angenommener fehlender Studien sank der Effekt auf g = -1,53 (-3,01 bis -0,05). Die Autoren schließen auf eine Testosteronsenkung bei männlichen Nagern unter chronischer Beschallung von rund 100 dB und fordern Humanstudien.

Einzelstudien an Ratten und Mäusen.

  • Jalali et al. 2012 [s168]: 20 adulte männliche Wistar-Ratten, Lärm 90 bis 120 dB, 300 bis 350 Hz, 12 Stunden täglich über 50 Tage. Die Gewichte von Hoden, Nebenhoden, Samenbläschen und ventraler Prostata waren signifikant geringer (p < 0,05), die Spermienkonzentration unterschied sich (p < 0,05). Je Gruppe nur zehn Tiere, nur eine Dosis.
  • Farzadinia et al. 2016 [s147]: 40 Ratten, Kontrolle sowie 95, 105 und 115 dB über 60 Tage. Bei 115 dB sanken Testosteron, Durchmesser der Hodenkanälchen und Dicke des Keimepithels, ACTH und Cortisol stiegen, der Anteil des Interstitialgewebes nahm zu. Ein Effekt zeigte sich nur bei der höchsten Stufe.
  • Swami et al. 2007 [s177]: Albinoratten, 100 dB für 1 oder 3 Stunden (akut) und täglich 1 Stunde über 60 und 90 Tage (chronisch). Serumtestosteron deutlich reduziert, dauerhafte histologische Veränderungen, verklumpte tote Spermien. Anpassung nur auf Hormonebene, strukturelle Veränderungen blieben.
  • Saha et al. 2018 [s137]: 100 dB, 6 Stunden täglich über 10 Tage; Stimulation der Zirbeldrüse, Leydig-Zell-Funktionsstörung mit Testosteronabfall und Unterdrückung der akzessorischen Drüsen. Arecolin kehrte die Veränderungen im Alleinversuch um, schützte aber bei Lärm nicht.
  • Jalali et al. 2013 [s166]: pränatale und postnatale Beschallung; in der Lärmgruppe mehr atrophische Hodenkanälchen und gestörtes Interstitium bei Nachkommen. Die Autoren sehen verstärkte Apoptose und gebremste Spermatogenese; die Hoden der nicht beschallten Gruppe wuchsen größer.
  • Fathollahi et al. 2013 [s164] und Saki et al. 2013 [s167]: je 40 Ratten, Lärm von 19:00 bis 07:00 Uhr über 50 Tage; FSH und LH wichen von der Kontrolle ab, Testosteron sank in der unbehandelten Lärmgruppe (p < 0,001 beziehungsweise p < 0,05); die Fertilisationsfähigkeit unterschied sich (p = 0,001). Die Gruppenbeschriftung stimmt zwischen beiden Veröffentlichungen nicht überein, was auf Mehrfachverwertung eines ähnlichen Experiments hindeutet. Zusätzlich getestete Vitamine und Honig hoben einzelne Werte an [s164, s167]. Hemadi et al. 2013 [s165] (24 Ratten, 50 Tage): Apoptose (p = 0,003) und Nekrose (p = 0,001) erhöht, Vitalität vermindert (p = 0,003).
  • Masruri et al. 2022 [s88]: 20 Wistar-Ratten (je 5), 105 dBA im 4-kHz-Oktavband, 8 Stunden täglich über 30 Tage, allein oder mit Bleiacetat (4 mg/kg). Das Hodengewicht war in allen Versuchsgruppen signifikant geringer (p < 0,0001); Ödem, Degeneration und Atrophie der Hodenkanälchen, bei Kombination stärker.
  • Pirami et al. 2022 [s91]: 64 Ratten in 8 Gruppen, Lärm von 100 dB und/oder Vibration von 1 m/s² jede Nacht von 23:00 bis 07:00 Uhr über 50 Nächte. Unter Lärm und unter Lärm plus Vibration sanken LH, Testosteron, Geburtenzahl und Geburtsgewicht (p < 0,05); Vibration allein senkte Testosteron, Geburtenzahl und Geburtsgewicht.
  • Li et al. 2023 [s69]: Kombination von Lärm und Kohlenmonoxid erzeugte mehr Hodenschaden, schlechtere Samenqualität, mehr oxidativen Stress und Apoptose als jeder Faktor allein; der P53-Signalweg war beteiligt. Pterostilben milderte die Schäden im Rattenmodell. Zahlen fehlen im Abstract.
  • Bijani et al. 2024 [s47]: Wistar-Ratten, 100 dB über 14 Tage (8 Stunden täglich) und/oder Skrotalhyperthermie; Marker für oxidativen Stress, Apoptose und Entzündung (TNF-alpha, IL-6) im Hodengewebe erhöht; Betanin wirkte im Modell schützend. Keine Samenparameter.
  • Jiang et al. 2025 [s28]: Mäuse über zwei Monate unter mehreren ungünstigen Reizen (Lärm, Temperatur, Gedränge): geringerer Hodenindex, gestörte Blut-Hoden-Schranke, Spermienanomalien, Störung der mitochondrialen Dynamik (MFN2, DRP1). Lärm ist nicht isoliert.
  • Abdollahi et al. 2021 [s101]: 40 Mäuse in fünf Gruppen zu je acht (Kontrolle, Licht 1.000 lx, Lärm 100 dB(A), Vibration, Mikrowelle), 8 Stunden täglich, 5 Tage pro Woche über 2 Wochen. Kontrolle: progressive Beweglichkeit 64,76 ± 0,89 %, Lärmgruppe 31,41 ± 1,28 %. Die Autoren deuten die Regressionskoeffizienten fälschlich als Chancenverhältnis; es sind Mittelwertdifferenzen. Eine weitere Arbeit derselben Gruppe an 40 Ratten (Hitze von 36 °C und psychischer Stress durch Stroboskoplicht, Lärm und Käfigkippen) fand die niedrigsten Werte in der Kombination (Spermienzahl 17,22 ± 4,22 × 10⁶/ml, Beweglichkeit 42,63 ± 12,95 %), Lärm und Licht nur als Teil eines Stressbündels [s100].
  • Tanyeri und Yüce 2019 (Fırat Üniversitesi Sağlık Bilimleri Veteriner Dergisi, türkisch: Ratlarda Farklı Şiddetlerdeki Gürültünün Oksidatif Stres Parametreleri ve Sperm Kalitesi Üzerine Etkisi, deutsch: Wirkung von Lärm unterschiedlicher Intensität auf oxidative Stressparameter und Spermienqualität bei Ratten) [s130]: 28 Wistar-Albino-Ratten, Kontrolle sowie 60, 80 und 100 dB bei 8.000 Hz, 12 Stunden jede Nacht über 60 Nächte. Bei hohem Lärm stiegen Malondialdehyd, Katalase, Glutathionperoxidase und der Anteil abnormer Spermien; bei niedrigem und mittlerem Lärm stiegen Katalase und Glutathionperoxidase ebenfalls. Zahlenwerte fehlen im Abstract.
  • Şentürk et al. 2023 (Gümüşhane Üniversitesi Sağlık Bilimleri Dergisi; Effect of White Noise and Light Exposure on Some Enzymes in Rat Testicular Tissue) [s66]: 18 Ratten, je 6; weißes Rauschen mit 90 dB für 60 Minuten täglich über 14 Tage allein oder mit 24 Stunden Dauerlicht an jedem zweiten Tag. Carboanhydrase 0,12 ± 0,005 (Kontrolle), 0,107 ± 0,004 (Lärm), 0,095 ± 0,004 EU/mg Protein (Lärm plus Licht); Katalase +32,87 % beziehungsweise +52,74 %; Glutathionperoxidase +25,28 % beziehungsweise +36,78 %. Nur Enzymaktivitäten, keine Spermienparameter, keine p-Werte im abgerufenen Text, kein Licht-Einzelarm.
  • Sato et al. 1982 (Nippon Eiseigaku Zasshi) [s181]: Wistar-Ratten, breitbandiges Rauschen mit 100 dB(C). Die Geburtenraten sanken bei Weibchen, die während Kopulation und Trächtigkeit exponiert waren; ein getrennter Effekt auf Männchen oder Samenparameter wird nicht beschrieben, Zahlen fehlen.
  • Günther 1976, Andrologia (deutschsprachig) [s182]: 21 männliche Meerschweinchen, 110 dB, 3 bis 5 Stunden täglich über 22 bis 31 Tage. Die Histologie zeigte keine Spermatogenesestörung. In der Lärmgruppe fanden sich 8,2 % Tubuli ohne vollständige Spermatogenese, in der Kontrollgruppe 9,9 % spermienfreie Tubuli. Der Autor führt das negative Ergebnis auf Mängel der Anordnung zurück (maximal 31 Tage bei einer Spermatogenesedauer von etwa 40 Tagen). Dies ist der einzige gefundene deutschsprachige Originalbeitrag zum Thema und ein Negativbefund.

Nächtliches Licht und Bildschirmlicht: Studien am Menschen

Tian et al. 2024, Environmental Pollution (China) [s58]. Retrospektive Kohortenstudie an 1.991 Samenspender-Kandidaten (mittleres Alter 24,98 ± 4,78 Jahre, BMI 22,13 ± 2,60 kg/m², Schlafdauer 7,66 ± 1,07 Stunden). Die Außenlichtexposition in der Nacht (ALAN) am Wohnort lag zwischen 0 und 100 nW/cm²/sr (Satellitendaten). Ausgewertet wurden multivariable lineare Regression und restringierte kubische Splines für chronische (0 bis 90 Tage vor der Spende) und akute Exposition (0 bis 9 Tage). Je 100 Einheiten mehr chronisches ALAN änderte sich die Linearität der Spermienbewegung (LIN) um -0,043, die kurvilineare Geschwindigkeit (VCL) um -5,523, der Anteil nichtprogressiv beweglicher Spermien um -3,873 und die Gesamtbeweglichkeit um -4,740. Die im Abstract gedruckten Konfidenzintervalle sind fehlerhaft gesetzt (untere Grenzen ohne Minuszeichen); sie wurden am Original-Abstract geprüft und werden hier deshalb nicht wiedergegeben. Ähnliche Zusammenhänge zeigte die akute Exposition; der Effekt war bei Männern unter 25 Jahren besonders ausgeprägt. Dies ist die einzige gefundene Humanstudie mit ALAN als Exposition und Spermienparametern als Ergebnis. Als Ergebnisse nennt der Abstract nur Beweglichkeits- und Bewegungsparameter, nicht Konzentration oder Gesamtzahl. Schwächen: Außenlicht per Satellit sagt wenig über Schlafzimmerlicht, Vorhänge, Schichtarbeit oder Bildschirmnutzung; die Spender sind jung und selektiert; eine Adjustierung für Lärm, Luftqualität oder Grün wird im Abstract nicht erwähnt.

Li et al. 2025, Environmental Research (China, national) [s31]. Nationale Kohorte mit 14.239.365 Paaren aus 31 Provinzen (2014 bis 2020). Grün über den NDVI in 1.000-m-Puffern, Nachtlicht (NTL) aus dem VIIRS-Day-Night-Band-Satelliten, beide an der Wohnadresse; Fekundität als Zeit bis zur Schwangerschaft (Accelerated-Failure-Time-Modelle). Je Interquartilsabstand mehr jährlicher NDVI lag das Zeitverhältnis bei 0,9881 (0,9862 bis 0,9901), also kürzere Zeit bis zur Schwangerschaft; je Interquartilsabstand mehr jährliches Nachtlicht bei 1,0340 (1,0326 bis 1,0354), also längere Zeit. Die Zusammenhänge waren bei älteren, übergewichtigen und weniger gebildeten Personen, in städtischen Regionen und bei schlechteren Umweltbedingungen stärker. Es handelt sich um eine Paarfekundität, bei der weibliche und männliche Faktoren vermischt sind; die Effekte sind klein (rund 3,4 % längere Zeit je Interquartilsabstand Nachtlicht) und werden durch die Stichprobengröße signifikant; Satelliten-Nachtlicht korreliert mit Urbanität und Sozialstatus.

Hassan et al. 2020, Experimental and Therapeutic Medicine (Qena, Ägypten) [s117]. Querschnitts- und Fall-Kontroll-Vergleich in einer Universitätsklinik von Dezember 2015 bis März 2016 (Winter, um saisonale Melatoninschwankungen zu vermeiden) mit 50 Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT; Laborbeschäftigte, 34 mit nächtlichem Licht durch Nachtschicht, 16 ohne) und 50 fertilen Kontrollen mit gleicher Tätigkeit (19 mit, 31 ohne nächtliche Lichtexposition). Das Schichtsystem war ein Sieben-Tage-Zyklus mit Tag-, Abend- und Nachtschicht (00:00 bis 08:00 Uhr), die Expositionsdauer laut Text 1 Jahr und 4 Monate. Das Alter (31,56 ± 5,36 gegenüber 31,94 ± 5,19 Jahre) war vergleichbar; Rauchen und chronischer Alkoholkonsum waren Ausschlusskriterien. Samen und Blut wurden um 21:00 Uhr gewonnen, Melatonin per ELISA gemessen. Serum-Melatonin: iOAT 11,01 ± 10,99 ng/l gegenüber Kontrollen 19,51 ± 16,82 ng/l (p = 0,0004); im Seminalplasma 4,84 ± 4,06 gegenüber 6,96 ± 6,35 ng/l (p = 0,01). Bei iOAT-Patienten mit nächtlichem Licht lag das Serum-Melatonin bei 4,54 ± 1,48 ng/l, ohne Licht bei 24,77 ± 9,65 ng/l (p < 0,0001); im Seminalplasma 3,36 ± 2,94 gegenüber 7,34 ± 5,29 ng/l (p = 0,02). Bei den Kontrollen betrugen die Werte mit Nachtlicht 5,83 ± 1,76 (Serum) und 3,85 ± 1,45 ng/l (Seminalplasma), ohne Licht 27,89 ± 16,40 und 8,86 ± 7,40 ng/l. Samenparameter bei iOAT mit gegenüber ohne nächtliches Licht: Konzentration 3,30 ± 1,87 gegenüber 11,97 ± 1,25 Mio/ml (p < 0,0001), Beweglichkeit 18,29 ± 13,09 % gegenüber 27,81 ± 16,43 % (p = 0,04), abnorme Formen 59,62 ± 17,97 % gegenüber 46,62 ± 23,45 % (p = 0,04). Das Serum-Melatonin korrelierte bei allen iOAT-Patienten positiv mit der Beweglichkeit (r = 0,614; p < 0,0001). Stärken: direkte Biomarker, beide Gruppen mit derselben Arbeit und Beleuchtung. Schwächen: kleine Untergruppen (16 nicht exponierte iOAT-Patienten); die Exposition ist an Nachtarbeit gekoppelt, sodass Schlaf, Stress und Essensrhythmus nicht getrennt sind; die Lichtstärke wurde nicht gemessen; die nicht exponierte iOAT-Gruppe zeigt eine auffällig enge Verteilung der Konzentration (11,97 ± 1,25 Mio/ml); zwischen Text (59,26) und Tabelle (59,62) weicht ein Wert ab. Die Schlussfolgerung der Autoren, Dunkelheit und Schlaf in der Nacht könnten die Samenparameter verbessern, geht über die Korrelationsdaten hinaus.

Zhou et al. 2026, Schlafzimmerlicht und Pubertätsbeginn bei Kindern (Anhui) [s20]. Prospektive Studie ab September 2022 an 886 Kindern von 6 bis 10 Jahren; das Schlafzimmerlicht wurde in zwei Nächten minütlich mit einem tragbaren Messgerät erfasst, Brustentwicklung (Mädchen) und Hodenvolumen (Jungen) alle sechs Monate über zwei Jahre. In der höchsten Expositionsgruppe begann die Pubertät bei Jungen 3,84 Monate früher (Zeitverhältnis 0,96; 0,95 bis 0,98) und bei Mädchen 4,12 Monate früher (0,96; 0,94 bis 0,98). Je 30 Minuten mehr Licht von mindestens 3 lx stieg das Risiko früherer Hodenentwicklung um 9 % (HR 1,09; 1,02 bis 1,16), der Thelarche bei Mädchen um 12 % (1,12; 1,07 bis 1,16). Licht nach dem Zubettgehen wirkte stärker als Licht vor dem Aufwachen. Die Studie misst individuell statt per Satellit, ihr Endpunkt ist aber der Pubertätsbeginn, nicht die Spermienqualität; sie ist nicht auf erwachsene Männer übertragbar.

Bhambhvani et al. 2026, European Urology Focus (NHANES 2011 bis 2014) [s03]. Querschnittsstudie an 2.209 Männern (Median Alter 45 Jahre, Testosteron 434 ng/dl, helle Lichtexposition 21,4 Minuten pro Tag). Helles Licht über 2.000 Lux wurde mit Handgelenk-Sensoren über 7 bis 9 Tage gemessen, das Testosteron morgens bestimmt; adjustiert wurde unter anderem für Alter, BMI, Aktivität, Diabetes, Vitamin D und die gesamte Lichtmenge. Je 10 Minuten helles Licht stieg das Testosteron um 15,16 ng/dl (p = 0,008); am Nachmittag war der Zusammenhang am stärksten (16,72 ng/dl; p = 0,006), morgens und abends nicht signifikant; bei geringer Basisexposition war er stärker. Wichtig für die Einordnung: Die Studie betrifft Tageslicht, nicht Nachtlicht, enthält keinen Samenparameter, und umgekehrte Kausalität ist möglich. Sie zeigt, dass Licht nicht pauschal als schädlich gelten kann.

Faraut et al. 2019, Frontiers in Neuroscience [s129]. Randomisierte Cross-over-Studie mit 17 jungen Männern: zwei Nächte mit je drei Stunden Schlaf, danach blaues Licht (viermal 30 Minuten bei 100 Lux) oder nicht. Nach Schlafrestriktion sanken Morgen-Cortisol, Morgen-Testosteron und Nachmittags-Alpha-Amylase im Speichel; nach der blauen Lichtexposition waren die Werte weitgehend wiederhergestellt. Zahlen nennt der Abstract nicht; es gibt keinen Samenparameter.

Bildschirmnutzung, Geräte und Sitzen. Green et al. 2020, Chronobiology International [s116]: 116 Männer in Fertilitätsabklärung, Fragebogen zur Bildschirmnutzung und zum Schlaf. Smartphone- und Tablet-Nutzung am Abend und nach dem Zubettgehen korrelierten negativ mit der Spermienbeweglichkeit (-0,392 beziehungsweise -0,369; p < 0,05), der progressiven Beweglichkeit (-0,322 beziehungsweise -0,299) und der Konzentration (-0,169) und positiv mit dem Anteil unbeweglicher Spermien (0,382 beziehungsweise 0,344). Schlafdauer korrelierte positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (0,249; 0,233) und negativ mit dem Samen-pH (-0,349). Der Abstract nennt weder Adjustierung noch Konfidenzintervalle; Bildschirmzeit ist mit Schlafmangel, Stress, Haltung, Wärme und Elektromagnetik vermengt. Gaskins et al. 2015, British Journal of Sports Medicine [s156]: 189 Männer von 18 bis 22 Jahren; Männer im höchsten Quartil der Fernsehzeit (mehr als 20 Stunden pro Woche) hatten eine um 44 % niedrigere Konzentration als im niedrigsten (0 Stunden; 95-%-Konfidenzintervall 15 bis 63 %; p-Trend 0,05 für die Konzentration und 0,06 für die Gesamtzahl); Männer im höchsten Quartil der körperlichen Aktivität (mindestens 15 Stunden pro Woche) hatten eine um 73 % höhere Konzentration (15 bis 160 %). Beweglichkeit und Morphologie waren nicht signifikant assoziiert. Fernsehzeit ist ein Marker für Bewegungsmangel und Wärme, nicht für Licht. Sterling et al. 2024, Revista Internacional de Andrología [s57]: 156 Männer einer Klinik in Jamaika; Laptopnutzung von 2 bis 5 Stunden täglich war mit einer 16-fach höheren Chance für niedriges Samenvolumen verbunden (adjustierte OR 15,9; 2,5 bis 103,3; p = 0,004), kein signifikanter Zusammenhang mit der gesamten beweglichen Spermienzahl (Trend bei hoher Nutzung p = 0,052); die Autoren denken an drahtlose Geräte und Wärme, nicht an Licht, das Konfidenzintervall ist sehr weit. Chen et al. 2022, Environmental Pollution [s84]: 1.454 Männer von 22 bis 45 Jahren, als Spender gescreent, Fragebogen, wiederholte Proben; die Gesamtdauer der Gerätenutzung war invers mit progressiver und Gesamtbeweglichkeit assoziiert, die Dauer von Handy- und Computernutzung mit Konzentration, progressiver und Gesamtbeweglichkeit; je Stunde Telefonieren sanken die Konzentration um -8,0 % (-15,2 bis -0,2) und die Gesamtzahl um -12,7 % (-21,3 bis -3,1). Die Studie zielt auf Funkstrahlung, nicht auf Licht, die Autoren sprechen von einem bescheidenen Effekt. Zhang S. et al. 2022, Hangzhou [s97]: Querschnitt an 1.634 Männern; die tägliche Nutzungsdauer unterschied die Gruppen im Anteil progressiv beweglicher Spermien (p = 0,004), nach Adjustierung für Alter und BMI blieb ein negativer Effekt der Nutzungsdauer auf die Beweglichkeit, nicht der Gesprächsdauer; Effektgrößen fehlen im Abstract. Kim et al. 2021 [s109]: Metaanalyse mit 18 Studien und 4.280 Proben; Mobiltelefonexposition war mit verminderter Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration assoziiert, ohne Zeit-Dosis-Zusammenhang; gepoolte Zahlen stehen nicht im Abstract. Xiang et al. 2025 [s42]: Mendelsche Randomisierung mit genetischen Varianten für die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen; kein Zusammenhang mit SHBG, Gesamttestosteron, abnormen Spermienparametern, erektiler Dysfunktion oder Hodenfunktionsstörung, die Nullbefunde waren in allen Verfahren konsistent; die Autoren halten einen direkten kausalen Einfluss für unwahrscheinlich. Sterpi et al. 2025, Andrology [s38]: systematische Übersicht zu Sitzzeiten mit 16 Beobachtungsstudien und 13.509 Männern; zwölf Studien fanden keine Konzentrationsunterschiede, drei (eine Klinikstudie, zwei an Gesunden) eine Abnahme bei längerer Fernsehzeit beziehungsweise sitzender Haltung; zwei von drei Studien zur DNA-Fragmentierung fanden höhere Indizes bei längerem Sitzen; die Autoren sprechen von einem schwachen, inkonsistenten Zusammenhang. Kavoussi und Kavoussi 2025 [s30]: Übersicht zu Handys und Laptops; die Datenlage sei widersprüchlich. Lin et al. 2026 [s08]: 508 Teilnehmer; sitzende Lebensweise, Rauchen, starker Alkohol- und Kaffeekonsum waren mit erhöhter Prävalenz niedriger Samenqualität verbunden, die Mendelsche Randomisierung stützte einen Zusammenhang mit genetischen Aspekten der Samenqualität; sitzende Lebensweise ist nur ein grobes Näherungsmaß für Bildschirmzeit. Zum Bildschirmlicht am Abend selbst fand sich in den chinesischen, japanischen und koreanischen Quellen keine Studie. Ein japanischer Symposiumsbeitrag erwähnt Smartphones nur als Lichtquelle am Abend und äußert Vermutungen, keine Messwerte [s89].

Hochfrequenz-Studien als Nachbarthema. Die genannten Arbeiten zu Telefonieren, Headset und Laptops betreffen in erster Linie Funkstrahlung und Wärme. Sie werden hier aufgeführt, weil Geräte- und Bildschirmzeit in der Literatur oft als Ersatzmaß für Bildschirmlicht benutzt wird. Ein Zusammenhang mit Licht lässt sich aus ihnen nicht ableiten.

Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten

Liu 2024 [s51] argumentiert, künstliches Licht in der Nacht sei auf nie dagewesene Niveaus gestiegen, das Fortpflanzungssystem sei eng mit Stoffwechsel und zirkadianem System verknüpft und beide würden schon durch niedrige Lichtmengen gestört; die reproduktionsbezogenen Wirkungen der Lichtverschmutzung seien weitgehend unbeachtet. Der Beitrag enthält keine eigenen Daten. Gubin et al. 2026 [s06] vertreten in einer Übersicht mit Hypothesencharakter, dass Kunstlicht in der Nacht, zu wenig Tageslicht und unregelmäßige Hell-Dunkel-Muster Melatoninsignal, Uhrengene und neuroendokrine Rhythmen stören und unter anderem die Spermienqualität beeinflussen könnten; sie räumen ein, direkte Kausalbelege am Menschen seien für mehrere Endpunkte begrenzt. Behi Shahreza et al. 2026 [s01] beschreiben, dass Kunstlicht in der Nacht Melatonin unterdrücke und oxidativen Stress erhöhe; im Labor der assistierten Reproduktion erzeuge Licht reaktive Sauerstoffspezies. Alekseeva et al. 2024 (Experimentelle und klinische Urologie; Роль циркадных ритмов в функционировании мужской репродуктивной системы, deutsch: Die Rolle der zirkadianen Rhythmen im Funktionieren des männlichen Fortpflanzungssystems) [s61] nennen Lichtverschmutzung ein häufiges Stadtproblem und zitieren aus Sekundärquellen Zahlen, die Testosteron und Erektionsfunktion betreffen, nicht Spermienparameter: In der TriNetX-Datenbank war Testosteronmangel häufiger bei Männern mit zirkadianen Störungen (OR 2,63; Konfidenzintervall nicht berichtet). Die Autoren halten fest, die Hauptmasse der Studien betreffe Tiermodelle. Bukhtiyarov et al. 2016 (Medizin der Arbeit und industrielle Ökologie; Нарушения репродуктивного здоровья у работников ночных смен (обзор литературы), deutsch: Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Beschäftigten in Nachtschichten) [s152] behandeln fast ausschließlich Frauen und enthalten keine Daten zur Spermienqualität; die Behauptung, das blaue Licht von Bildschirmen hemme die Melatoninbildung lange, wird in den gelesenen Passagen nicht mit Zahlen belegt. Karabulut und Oria 2025 [s29] beschreiben das Licht-Dunkel-Muster als wichtigsten äußeren Zeitgeber, dessen Störung die Fruchtbarkeit beider Geschlechter beeinträchtigen könne. Ulusu 2026 [s16] zählt Lärm, künstliches Licht in der Nacht, elektromagnetische Felder und Wärmestress zu den nichtchemischen Stressoren mit schädlichen oder nützlichen Wirkungen je nach Intensität, Dauer und Zeitpunkt. Wang und Tao 2022 (chinesischsprachig) [s94] beschreiben, dass Kunstlicht bei Nacht den zirkadianen Rhythmus und die Melatoninsekretion beeinflussen könne. He M.-C. et al. 2025 [s27] fassen die zirkadiane Regulation der Testosteronsynthese über die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden- und -Nebennieren-Achse zusammen; He M. et al. 2023 [s68] halten fest, dass Störungen der Uhrengenexpression die Spermatogenese deutlich schädigen und die Mechanismen weitgehend unklar sind; Ning et al. 2025 [s33] beschreiben die Regulation der Testosteronsynthese durch Uhrengene und ihre Rolle bei Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion und männlicher Infertilität. Li 2022 [s86] und Fusco et al. 2021 [s106] schreiben, zirkadiane Störungen könnten die Spermienqualität verschlechtern, die Forschung zu Licht sei spärlich beziehungsweise die Evidenz wegen Heterogenität niedrig.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp
  6. Schichtarbeit und zirkadiane Störung und Grünflächen
  7. Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten
  9. Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche bis Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe
  10. Leitlinien und Konsensdokumente und Zusammenfassende Bewertung der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Russisch
  14. Arabisch und Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle