# Nächtliches Licht (Lichtverschmutzung, Bildschirmlicht), Verkehrs- und Fluglärm, Grünflächen, Wohnort und die Spermienqualität: eine Gesamtstudie der Literatur

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/licht-laerm-umwelt.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 64.019 Wörter, 183 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage ist dünn und uneinheitlich. Zu Grünflächen am Wohnort gibt es mehrere, überwiegend chinesische Studien mit kleinen günstigen Zusammenhängen. Zu nächtlichem Außenlicht existiert nur eine Studie mit Spermienwerten, zu Lärm wenige widersprüchliche, zu Fluglärm keine. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nirgends belegt, die Gewissheit liegt höchstens bei niedrig. Gelesen wurden überwiegend Zusammenfassungen, keine Volltexte.

## Häufige Fragen

### Beeinträchtigt nächtliches Licht die Spermienqualität?

Das lässt sich nicht sagen. Am Menschen gibt es genau eine Studie mit Spermienwerten: Bei 1.991 chinesischen Samenspender-Kandidaten ging mehr Außenlicht aus Satellitendaten mit geringerer Beweglichkeit einher. Die Gewissheit ist sehr niedrig, ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt. Tierversuche widersprechen sich: Manche zeigen Hodenschäden unter Dauerlicht, andere höhere Spermienzahlen.

### Schadet Verkehrslärm den Spermien?

Die wenigen Studien sind uneinheitlich. Nachtlärm ab 55 Dezibel hing in einer koreanischen Versichertenkohorte mit einer Infertilitätsdiagnose zusammen (Odds Ratio 1,14). In Dänemark war die Richtung je nach Altersgruppe unterschiedlich. Die Gewissheit ist sehr niedrig. Tierversuche mit 90 bis 120 Dezibel zeigen überwiegend Hodenschäden, solche Pegel kommen in Wohngebieten aber nicht vor.

### Gibt es Studien zu Fluglärm und Spermienqualität?

Nein. In allen drei Teilrecherchen, die zwölf Sprachen abdeckten, wurde keine einzige Studie gefunden, die Fluglärm und Spermienqualität oder männliche Fruchtbarkeit untersucht. Die Evidenzstärke ist daher keine, die Gewissheit nicht bewertbar. Ob sich Fluglärm von Straßenverkehrslärm unterscheidet, ist offen. Das Fehlen einer Studie in dieser Auswertung beweist allerdings nicht, dass es keine gibt.

### Verbessern Grünflächen am Wohnort die Spermienqualität?

Zehn Studien, fast alle aus China, finden kleine günstige Zusammenhänge zwischen Vegetationsdichte und einzelnen Samenwerten, etwa 1,68 Prozent höhere Konzentration in einer Studie mit 28.089 Männern. Eine koreanische Studie mit 5.886 Männern findet fast nichts. Mehrere Auswertungen teilen Datenquellen. Die Gewissheit ist niedrig, ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

### Schaden Smartphone und Bildschirm am Abend den Spermien?

Das ist nicht geklärt. Bildschirmlicht wurde als Licht nie sauber untersucht. Vorhanden sind Fragebogenkorrelationen bei 116 Männern, Studien zu Fernsehzeit und Sitzen sowie Studien zur Funkstrahlung von Mobiltelefonen. Eine Mendelsche Randomisierung fand keinen ursächlichen Effekt der Nutzungsdauer. Die Gewissheit ist sehr niedrig, weil Nutzungsdauer auch für Wärme, Sitzen und Schlafmangel steht.

### Verringert Schichtarbeit die Spermienzahl?

Das Bild ist gemischt. Wechselschicht ging in zwei großen chinesischen Datensätzen mit niedrigerer Spermienzahl bzw. Konzentration einher, eine Metaanalyse über acht Studien fand keinen statistisch belegten Unterschied, eine weitere Studie sogar höhere Konzentrationen. Schichtarbeit ist zudem kein Lichtmaß, denn Schlaf, Stress und Ernährung ändern sich mit. Die Gewissheit ist niedrig.

### Was sagen Leitlinien zu Lärm, Nachtlicht und Grünflächen?

Nichts. Die eingesehenen Leitlinien, die AUA/ASRM-Leitlinie, das EAU-Kapitel und die französische CNGOF-Leitlinie, enthalten keine Aussage zu Lärm, Nachtlicht oder Grünflächen. Für drei weitere Fachgesellschaften war kein Leitlinientext erreichbar. Die Datenlage trägt derzeit keine Leitlinienaussage. Die Studie ersetzt keine ärztliche Beurteilung und gibt keine Therapie- oder Verhaltensempfehlung.

### Wie verlässlich ist die Studienlage insgesamt?

Begrenzt. Die Gesamtstudie stützt sich auf 183 Quellen, gelesen wurden fast nur die Zusammenfassungen. Es dominieren Spenderkollektive und Kinderwunschkliniken, Expositionen stammen aus Satelliten- oder Bezirksdaten, die Effekte sind klein. Keine Studie modelliert Lärm, Licht und Grün gemeinsam. Die Gewissheit erreicht für keine Frage mehr als die Stufe niedrig.

*Stand 4. Oktober 2026*

## Kurzfassung

Diese Studie fragt, ob Licht in der Nacht (Außenbeleuchtung, Schlafzimmerlicht, Bildschirme), Verkehrs- und Fluglärm, Grünflächen und der Wohnort mit der Qualität der Spermien zusammenhängen. Sie stützt sich auf 183 Quellen aus den Jahren 1976 bis 2026, die in zwölf Sprachen gesucht wurden: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Gelesen wurden fast ausschließlich die Zusammenfassungen (Abstracts), nicht die Volltexte. Alle Aussagen gelten deshalb unter diesem Vorbehalt. Als Maßstab für die Samenwerte dienen die Referenzwerte des WHO-Handbuchs von 2021, etwa 16 Millionen Spermien je Milliliter und 42 Prozent Gesamtbeweglichkeit als untere 5. Perzentile fruchtbarer Männer; sie sind ausdrücklich keine Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar.

Das wichtigste Ergebnis ist eine Ungleichverteilung der Forschung. Am besten untersucht sind Grünflächen am Wohnort. Zehn Studien, fast alle aus China und überwiegend an Spermabanken und Kinderwunschkliniken, finden kleine günstige Zusammenhänge zwischen Vegetationsdichte und einzelnen Samenwerten, zum Beispiel eine um 1,68 Prozent höhere Spermienkonzentration je Interquartilsabstand Grün in einer Studie mit 28.089 Männern [s50]. Eine koreanische Studie mit 5.886 Männern findet dagegen fast nichts [s104]. Mehrere der chinesischen Auswertungen teilen Datenquellen und sind keine unabhängigen Bestätigungen.

Beim Außenlicht in der Nacht gibt es am Menschen genau eine Studie mit Spermienwerten als Ergebnis: 1.991 chinesische Samenspender-Kandidaten, bei denen mehr Außenlicht aus Satellitendaten mit geringerer Beweglichkeit einherging [s58]. Dazu kommen eine Paarstudie mit 14.239.365 Paaren und winzigen Effekten [s31], eine Studie mit 886 Kindern, in der helleres Schlafzimmerlicht mit einem früheren Pubertätsbeginn einherging, aber nichts über Spermien aussagt [s20], eine kleine ägyptische Studie mit Melatonin- und Spermienwerten bei Schichtarbeitern [s117] und Fragebogenkorrelationen zu Bildschirmen [s116]. Bildschirmlicht als Licht wurde nie sauber untersucht; die meisten Studien zu Geräten betreffen Funkstrahlung oder Sitzzeit. Die Tierversuche widersprechen sich: Manche Ratten und Mäuse zeigen unter Dauerlicht Schäden an den Hoden, andere sogar höhere Spermienzahlen.

Für Lärm gibt es zwei koreanische Studien, eine dänische Registerstudie und eine Auswertung zu Testosteron, deren Ergebnisse uneinheitlich sind [s143, s114, s56, s146]. Die Tierversuche arbeiten mit 90 bis 120 Dezibel und zeigen überwiegend Hodenschäden, doch mit starker Heterogenität und nachgewiesenem Publikationsbias [s154]. Zu Fluglärm wurde in keiner der drei Teilrecherchen eine einzige Studie gefunden.

Schichtarbeit, die oft stellvertretend für Licht in der Nacht herangezogen wird, liefert ein gemischtes Bild: niedrigere Konzentrationen bei Wechselschicht in zwei großen chinesischen Kohorten [s120, s18], eine Metaanalyse ohne statistisch belegten Unterschied [s41] und eine Studie mit gegenläufigem Befund [s74]. Zum Wohnort zeigen sich regionale Unterschiede der Samenqualität, die sich aber kaum in Lärm, Licht und Grün zerlegen lassen und stark mit Luftverschmutzung und sozialer Lage verflochten sind [s159, s14, s34].

Die drei Leitlinien, die wir einsehen konnten, enthalten keine Aussage zu Lärm, Nachtlicht oder Grünflächen [s54, s183, s55]. Nirgends ist ein ursächlicher Zusammenhang belegt. Die Evidenzeinstufungen sind eigene qualitative Urteile, kein förmliches GRADE-Verfahren; für keine Frage erreicht die Gewissheit mehr als die Stufe „niedrig“. Die Studie gibt keine Therapie- und keine Verhaltensempfehlung.

## Das Wichtigste in Kürze

Die Einstufungen unter jedem Punkt sind eigene, qualitative Urteile auf Grundlage der gelesenen Abstracts, kein förmliches GRADE-Verfahren. „Evidenzstärke“ beschreibt Menge, Art und Übereinstimmung der Studien. „Gewissheit“ beschreibt, wie sicher sich daraus ein ursächlicher Schluss für Männer im Alltag ziehen ließe. Das Verfahren steht im Abschnitt zur Methodik.

1. **Grünflächen am Wohnort hängen in Ostasien mit etwas besseren Samenwerten zusammen.** Spenderkollektive und Kliniken in China zeigen übereinstimmend kleine positive Zusammenhänge: bei 9.142 Spendern 0,32 Prozent mehr normal geformte Spermien je Interquartilsabstand Grün [s113], bei 33.184 Spendern höhere Spermienzahl und Beweglichkeit [s49], bei 28.089 Klinikpatienten 1,68 Prozent höhere Konzentration [s50], dazu [s48, s43, s04, s05]. Die koreanische Studie mit 5.886 Männern findet fast nur Nullbefunde [s104]. *Evidenzstärke:* mäßig. *Gewissheit:* niedrig, denn die Effekte sind klein, mehrere Datenquellen überlappen, und der Vegetationsindex steht auch für Luftqualität, Stadtlage und Sozialstatus.

2. **Grün scheint die Wirkung von Luftschadstoffen abzumildern, ist aber kein eigener Haupteffekt.** Bei 26.997 Spendern hing Ozon mit abnormen Samenwerten zusammen (Odds Ratio 1,716 für abnorme Gesamtzahl je Interquartilsabstand), in grünen Gebieten schwächer [s23]. Ähnliche Muster berichten [s04, s05, s49]. *Evidenzstärke:* schwach bis mäßig. *Gewissheit:* niedrig.

3. **Zu Licht in der Nacht am Wohnort existiert genau eine Spermienstudie am Menschen.** Bei 1.991 Samenspender-Kandidaten sank die Gesamtbeweglichkeit um 4,74 Prozentpunkte (95-%-Konfidenzintervall 0,63 bis 8,85) je 100 Einheiten Außenlicht aus Satellitendaten [s58]. Die Paarstudie mit 14.239.365 Paaren findet eine um 3,4 Prozent längere Zeit bis zur Schwangerschaft je Interquartilsabstand Nachtlicht, ohne den männlichen Anteil abzugrenzen [s31]. *Evidenzstärke:* sehr schwach. *Gewissheit:* sehr niedrig.

4. **Bildschirmlicht wurde als Licht nie sauber untersucht.** Es gibt Fragebogenkorrelationen bei 116 Männern in Kinderwunschabklärung [s116], Studien zu Fernsehzeit und Sitzen [s156, s38] und Studien zu Funkstrahlung von Mobiltelefonen [s84, s109, s42]. Eine Mendelsche Randomisierung findet keinen ursächlichen Effekt der Nutzungsdauer [s42]. *Evidenzstärke:* sehr schwach. *Gewissheit:* sehr niedrig.

5. **Helles Licht am Tag ist kein Schadfaktor.** In einer US-Stichprobe mit 2.209 Männern ging mehr helles Licht über 2.000 Lux mit höherem Testosteron einher (15,16 ng/dl je 10 Minuten) [s03]. Licht ist demnach nicht pauschal ungünstig; Zeitpunkt und Intensität zählen. *Evidenzstärke:* schwach (Querschnitt, kein Samenwert). *Gewissheit:* sehr niedrig.

6. **Die Tierversuche zu Licht widersprechen sich.** Dauerlicht senkte bei Ratten die Dicke des Keimepithels um 26,3 Prozent und das Testosteron um 51,4 Prozent [s99, s82], dynamische Rhythmusstörung und Blaulicht schadeten ebenfalls [s10, s78]. Dagegen erhöhten verlängertes oder dauerndes Licht in anderen Versuchen Spermienzahlen und Hormone [s163, s123, s174]. *Evidenzstärke:* mäßig in der Menge, uneinheitlich in der Richtung. *Gewissheit* für den Menschen: sehr niedrig. Die drei russischen Wolgograder Arbeiten beruhen auf demselben Tierversuch [s81, s82, s99].

7. **Schichtarbeit und zirkadiane Störung: gemischtes Bild.** Wechselschicht ging in zwei großen chinesischen Datensätzen mit niedrigerer Spermienzahl bzw. Konzentration einher (Odds Ratio 1,26 [s120]; Konzentration minus 10,77 Prozent und Hazard Ratio 0,84 für Schwangerschaft binnen eines Jahres [s18]). Eine Metaanalyse über acht Studien findet keinen statistisch belegten Unterschied [s41], eine Studie aus einem Fertilitätszentrum sogar höhere Konzentrationen [s74]. Schichtarbeit ist zudem kein Lichtmaß. *Evidenzstärke:* schwach bis mäßig. *Gewissheit:* niedrig.

8. **Lärm beim Menschen: wenige, uneinheitliche Studien.** Nachts mindestens 55 Dezibel hingen in einer koreanischen Versichertenkohorte mit 206.492 Männern mit einer Infertilitätsdiagnose zusammen (Odds Ratio 1,14) [s143]; in einer Seouler Klinikstudie war das höchste Nachtlärmquartil mit 3,5-fach erhöhter Chance für Oligozoospermie verbunden, bei sehr weitem Konfidenzintervall (1,18 bis 10,17) [s114]. In Dänemark war Verkehrslärm bei Männern von 37 bis 45 Jahren mit einer Hazard Ratio von 1,06 verbunden, bei jüngeren Männern lag sie unter 1 (0,93) [s56]. *Evidenzstärke:* schwach. *Gewissheit:* sehr niedrig.

9. **Lärm im Tierversuch: überwiegend Hodenschäden bei Pegeln von 90 bis 120 Dezibel.** Die Metaanalyse von Nagerstudien findet einen gepoolten Effekt auf das Testosteron von minus 2,41, der nach Korrektur für fehlende Studien auf minus 1,53 sinkt, bei hoher Heterogenität und Publikationsbias [s154]. Ein älterer Versuch an Meerschweinchen zeigte keine Störung [s182]. Derart hohe Pegel kommen in Wohngebieten nicht vor. *Evidenzstärke:* mäßig in der Menge. *Gewissheit* für den Menschen: sehr niedrig.

10. **Zu Fluglärm und Spermienqualität wurde keine einzige Studie gefunden.** Das gilt für alle drei Teilrecherchen (westeuropäische Sprachen, Ostasien, Russisch/Arabisch/Türkisch). *Evidenzstärke:* keine. *Gewissheit:* nicht bewertbar.

11. **Wohnort: regionale Unterschiede sind belegt, Ursachen bleiben offen.** Die Samenqualität junger Schweizer ist räumlich nicht zufällig verteilt, der niedrigste Cluster liegt in einer landwirtschaftlich geprägten Region [s34]. Eine US-Studie findet bei Straßennähe einen sauberen Nullbefund [s136], eine andere weniger bewegliche Spermien in sozial benachteiligten Wohngebieten [s14]. Der stärkste Einzelbefund der dänischen Studie betrifft Feinstaub (Hazard Ratio 1,24), nicht Lärm [s56]. *Evidenzstärke:* schwach. *Gewissheit:* niedrig.

12. **Die Leitlinien schweigen.** Die AUA/ASRM-Leitlinie [s54], das EAU-Kapitel [s183] und die französische CNGOF-Leitlinie [s55] enthalten keine Aussage zu Lärm, Nachtlicht oder Grünflächen. Die Datenlage trägt derzeit keine Leitlinienaussage.

13. **Die Grenzen der Literatur sind überall dieselben.** Es dominieren Spenderkollektive und Kinderwunschkliniken, Expositionen aus Satelliten- oder Bezirksdaten, kleine Effekte und Beobachtungsdesigns. Keine Studie modelliert Lärm, Licht und Grün gemeinsam. Nirgends ist ein ursächlicher Zusammenhang belegt.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Aufbau

Dieses Kapitel eröffnet die Gesamtstudie. Es fasst die Ergebnisse zusammen, beschreibt das Vorgehen und liefert das Hintergrundwissen, das zum Lesen der Einzelbefunde nötig ist. Die Fragestellung lautet: Gibt es in der Fachliteratur Belege, dass nächtliches Licht (Außenbeleuchtung, Schlafzimmerlicht, Bildschirmlicht), Straßen-, Schienen- und Fluglärm, Grünflächen in der Wohnumgebung oder der Wohnort selbst (Stadt und Land, Region, soziale Lage) die Spermienqualität verändern? „Spermienqualität“ meint die klassischen Samenparameter (Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Form, Vitalität), teils auch die DNA-Fragmentierung. Wo eine Studie nur eine Diagnose („Infertilität“), den Testosteronspiegel oder die Zeit bis zur Schwangerschaft eines Paares misst, steht das ausdrücklich dabei.

### Recherche in drei Sprachgruppen

Die Recherche lief am 4. Oktober 2026 in drei parallelen Teilen. Teil A suchte auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch, Teil B auf Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Teil C auf Russisch, Arabisch und Türkisch. Hauptwerkzeuge waren die Europe-PMC-Schnittstelle und die E-utilities der NCBI; die PubMed-Webseite war vorgabegemäß gesperrt. Ergänzend wurden je nach Sprachraum genutzt: HAL (Frankreich) und Dialnet (Spanien), J-STAGE und CiNii (Japan), CyberLeninka (Russland), TR Dizin, DergiPark und Crossref (Türkei), e-Marefa (arabischsprachiger Raum) sowie die Leitlinienseiten von AUA/ASRM, EAU, ESHRE, AWMF und der Società Italiana di Andrologia.

Die Teilrecherchen meldeten Zugangsgrenzen offen. Cairn, SciELO und LILACS lieferten Zugriffssperren. CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed und DBpia waren nicht oder nicht sinnvoll durchsuchbar. eLIBRARY.ru und Mandumah ließen sich nicht nutzen. Die AWMF-Suchmaske und das ESHRE-Verzeichnis lieferten keine Leitlinientexte zum Thema. Es ist also möglich, dass in diesen Beständen einschlägige Arbeiten liegen, die wir nicht sahen; vor allem Dissertationen und landessprachliche Fachartikel ohne Aufnahme in PubMed können fehlen.

### Auswahl, Zusammenführung und Zusammensetzung

Aufgenommen wurden Quellen mit abgerufenem Titel und Abstract, die eine der Expositionen oder einen eng verwandten Stellvertreter berühren: Schichtarbeit, Schlaf und Chronotyp als Maße zirkadianer Störung, Gerätenutzung, Fernsehzeit sowie Luftschadstoffe, soweit sie Grün, Stadt und Land oder Verkehr mituntersuchen. Studien, die ausschließlich die Hochfrequenzstrahlung von Mobiltelefonen betreffen, wurden bewusst nicht gesammelt, weil dies ein anderes Thema ist; wenige Arbeiten dazu stehen als Nachbarthema in der Liste. Vorveröffentlichungen ohne Begutachtung, Leserbriefe und Berichtigungen blieben außen vor. Studien aus dem Iran gehören sprachlich zum persischen Raum und standen nicht im Auftrag. Sie wurden aufgenommen, weil sie die meisten tierexperimentellen Lärmstudien liefern, und sind in der Quellenliste als „angrenzend“ markiert.

Die drei Teilrecherchen lieferten 94, 58 und 66 Einträge, zusammen 218. Nach Zusammenführung von Doppelfunden bleiben 183 Quellen, durchnummeriert von s01 bis s183 und nach Jahr absteigend geordnet; 35 Einträge kamen in zwei Teilrecherchen vor. Von den 183 Quellen haben 144 eine PubMed-Kennung, 39 nicht (vor allem russische, türkische und japanische Beiträge, Abschlussarbeiten und Leitlinien). Die Erscheinungsjahre reichen von 1976 bis 2026; 128 Quellen sind 2020 oder jünger, 83 sind 2023 oder jünger. Bei der Sprache tragen 173 Quellen die Kennung Englisch, denn auch viele persische, russische und türkische Arbeiten haben einen englischen Abstract; ein Original in Italienisch, Portugiesisch oder Koreanisch fand sich nicht. Nach grober Zählung der Designangaben sind etwa 54 Quellen Tierversuche, rund 43 Übersichten oder Metaanalysen, 19 als Kohortenstudien bezeichnet und drei Leitlinien; der Rest sind Querschnitt-, Fall-Kontroll-, Vergleichs- und andere Beobachtungsstudien. Bei 53 Quellen ist in der Datenerfassung keine Fallzahl vermerkt, meist weil der Abstract sie nicht nennt. Diese Zählungen beruhen auf Schlagwörtern und sind als „rund“ zu lesen.

### Was gelesen wurde und wie Zahlen geprüft wurden

Für alle 183 Quellen wurde mindestens der Abstract abgerufen und gelesen. Volltexte wurden nur in Einzelfällen ausgewertet: die Texte der Leitlinien von AUA/ASRM und EAU sowie mehrere russische, türkische und englische Arbeiten, die frei zugänglich waren. Das hat Folgen. Kovariaten, Sensitivitätsanalysen und Details der Expositionsmodelle stehen oft nur im Volltext; ein fehlender Wert in dieser Studie heißt deshalb „im Abstract nicht berichtet“. Die Abstracts selbst enthalten gelegentlich Fehler, die offen benannt werden: ein unmögliches Konfidenzintervall beim Schweißer-Risiko in einer Studie von 2002 [s178], vertauschte Vorzeichen der Konfidenzgrenzen bei der Nachtlichtstudie [s58], eine unklare Kodierung beim Schlafindex einer Wuhaner Klinikstudie [s45], abweichende Werte zwischen Text und Tabelle bei der ägyptischen Melatoninstudie [s117] und eine nicht angegebene Einheit bei den Effektschätzern der chinesischen Mehrzentrenstudie [s49].

Zahlen wurden aus den Teilberichten nur übernommen, wenn die Studie in der Quellenliste steht. Die zentralen Zahlen dieses Kapitels wurden zusätzlich über Europe PMC gegen die Originalabstracts geprüft, nämlich bei der dänischen Registerstudie [s56], der koreanischen Versichertenstudie [s143], der Seouler Nachtlärmstudie [s114], der Nachtlichtstudie [s58], der Paarstudie zu Grün und Nachtlicht [s31], der Kohortenstudie zur Wechselschicht [s18] und der Ozonstudie [s23]. Alle geprüften Zahlen stimmten mit den Abstracts überein.

Angaben, die nicht aus der Quellenliste stammen, werden im Text namentlich genannt und nicht mit einer Quellen-Nummer versehen. Das betrifft das WHO-Handbuch zur Samenuntersuchung (Referenzwerte der sechsten Ausgabe von 2021), die WHO-Lärmleitlinien von 2018 sowie wenige Hintergrundangaben zur Spermatogenese und zum Lichtweg im Auge. Sie stammen aus gezielt abgerufenen Übersichtsarbeiten, die nicht Teil der Studienrecherche sind; die Nachweise stehen am Ende des Hintergrundabschnitts. Wo eine Zahl in keiner der abgerufenen Quellen stand, wurde sie nicht ergänzt.

### Einstufung der Evidenz

Jeder Kernbefund erhält zwei Einstufungen. Die **Evidenzstärke** (keine, sehr schwach, schwach, mäßig, stark) fasst zusammen, wie viele voneinander unabhängige Studien vorliegen, welches Design sie haben, wie die Exposition gemessen wurde, ob die Richtungen übereinstimmen und wie groß die Effekte sind. Die **Gewissheit** (nicht bewertbar, sehr niedrig, niedrig, mäßig, hoch) beschreibt, wie sicher aus diesen Studien ein ursächlicher Schluss für Männer im Alltag ableitbar wäre. Sie berücksichtigt zusätzlich Störfaktoren, Selektion, die Übertragbarkeit von Tierversuchen und die Möglichkeit, dass Studien dieselben Daten nutzen. Beides sind qualitative Urteile der Bearbeitung auf Basis der Abstracts, angelehnt an die Logik von GRADE, aber ohne dessen förmliches Verfahren. Für keine der untersuchten Fragen erreicht die Gewissheit die Stufe „mäßig“ oder „hoch“, und die Evidenzstärke erreicht nirgends die Stufe „stark“.

### Grenzen

Fünf Grenzen prägen alle Ergebnisse. Erstens beruht die Studie auf Abstracts. Zweitens sind veröffentlichte Studien nicht die Gesamtheit aller durchgeführten; ein Publikationsbias ist für die Tierversuche zu Lärm sogar nachgewiesen [s154]. Drittens überlappen Datenquellen: Chinesische Spermabanken in Guangdong, Sichuan und Hubei sowie die Kohorte PREBIC in Chongqing werden von mehreren Gruppen ausgewertet [s113, s50, s43, s05, s18], und mehrere russische und iranische Tierarbeiten sind erkennbar Mehrfachverwertungen desselben Versuchs [s81, s82, s99, s164, s167]. Viertens sind die Untersuchten selten die Allgemeinbevölkerung: Spender sind junge, gesunde, ausgewählte Männer, Klinikpatienten suchen Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch. Fünftens werden Expositionen aus Satellitenbildern, Messnetzen oder Bezirksdaten auf Adressen übertragen; wo sich ein Mann tatsächlich aufhält, wie er schläft und ob das Schlafzimmer zur Straße zeigt, bleibt unbekannt.

Hinzu kommt, dass „Wohnort“ ein Bündel aus Luft, Lärm, Licht, Grün, Verkehr und sozialer Lage ist, das sich in Beobachtungsstudien kaum auftrennen lässt. Die vorliegende Studie ist außerdem weder eine Metaanalyse noch Primärforschung, sondern eine geordnete Darstellung der gefundenen Literatur ohne eigene statistische Zusammenfassung.

### Schreibweisen

Zahlen stehen in deutscher Schreibweise mit Dezimalkomma und Punkt als Tausendertrenner. „Konfidenzintervall“ steht für das 95-%-Intervall, wenn nicht anders angegeben. Originaltitel nicht englischer und nicht deutscher Quellen bleiben im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern. Die Nummern in eckigen Klammern verweisen auf das Quellenverzeichnis der Gesamtstudie.


## Hintergrund

### Biologie: Hoden, Hormone und der Tag-Nacht-Rhythmus

**Ein Zeitfenster von Wochen.** Die Bildung reifer Spermien dauert Wochen bis Monate. Die Studien rechnen mit einem Fenster von 74 Tagen für die Spermatogenese des Menschen (so in einer 2026 erschienenen Studie zu Luftschadstoffen und Insemination in *Paediatric and Perinatal Epidemiology*, PMID 42551848, die als Hintergrundquelle abgerufen wurde); die ostasiatischen Spenderstudien mitteln ihre Exposition über 0 bis 90 Tage vor der Probe und unterteilen dieses Fenster teils in Abschnitte, etwa 0 bis 37 und 34 bis 77 Tage [s49] oder 70 bis 90 Tage als Phase der Spermienentwicklung [s23, s43]. Für Tiere gelten kürzere Zyklen: beim Meerschweinchen rund 40 Tage [s182], bei der Maus rund 35 Tage [s135]. Das hat eine praktische Folge für jede Studie. Eine Samenprobe von heute spiegelt Einflüsse der letzten Monate, und ein veränderter Hell-Dunkel-Rhythmus zeigt sich im Experiment erst nach Wochen: In Mäuseversuchen mit wiederholter Umkehr des Lichtzyklus war die Spermienzahl ab etwa der sechsten Woche signifikant niedriger [s144].

**Zwei Aufgaben des Hodens.** Der Hoden bildet Spermien und das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Die Spermienbildung findet in den Hodenkanälchen statt, im sogenannten Keimepithel, mit den Vorstufen Spermatogonien und Spermatiden und den stützenden Sertoli-Zellen; das Testosteron entsteht in den Leydig-Zellen des Zwischengewebes (Interstitium). Gesteuert wird beides über die Achse aus Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse und Hoden, in die auch die Nebennierenachse eingreift [s27]. Die hormonellen Signale heißen GnRH, LH und FSH [s21, s81]; für die Testosteronbildung werden in Tierstudien die Eiweiße StAR und CYP11A1 gemessen [s127, s135]. Eine Barriere zwischen Blut und Keimzellen, die Blut-Hoden-Schranke, schützt die Spermienentwicklung und kann in Tiermodellen durch Stressoren geschädigt werden [s28]. Diese Begriffe tauchen in den Einzelstudien immer wieder auf, ohne dass die Studien sie erklären.

**Die innere Uhr.** Nahezu alle Körperfunktionen folgen einem Tagesrhythmus, den ein Netz von Uhrengenen erzeugt und das Licht-Dunkel-Muster als wichtigster äußerer Zeitgeber einstellt [s29]. Das männliche Fortpflanzungssystem hat eigene Uhren. Übersichtsarbeiten beschreiben rhythmische Schwankungen von Samenwerten und Vorgängen der Spermatogenese und berichten, dass gestörte Uhrengene die Samenbildung in Versuchen merklich schädigen; die Mechanismen gelten als weitgehend unklar, diskutiert werden Gonadenhormone, Retinsäure-Signale, homologe Rekombination und der Chromatoid-Körper [s68, s27, s33]. Selbst die Probenentnahme folgt einem Rhythmus: In 33.430 Spermabankproben lagen die meisten Parameter zwischen 11 und 15 Uhr im Optimum, und jede Stunde früher oder später als 11 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung verbunden [s87]. Das Testosteron folgt bei Männern weitgehend dem Schlaf-Wach-Rhythmus, nicht der Zahl der Nachtschichten [s148]; die EAU-Leitlinie verlangt deshalb Blutentnahmen am Morgen und weist darauf hin, dass dies für Nachtschichtarbeiter nicht passen könnte [s183].

**Vom Licht zum Hormon.** Der Weg des Lichts zur inneren Uhr führt nicht über das Sehen, sondern über besondere Netzhautzellen mit dem Pigment Melanopsin, die an die zentrale Uhr im Gehirn melden; kurzwelliges („blaues“) Licht, wie es Leuchtdioden-Bildschirme reich enthalten, regt diese Zellen besonders an (so in einem 2026 in *Cureus* erschienenen Überblick zum Abendlicht von Bildschirmen, PMID 42524168, als Hintergrundquelle abgerufen). Das Hormon Melatonin der Zirbeldrüse (Epiphyse) markiert die Nacht und wird durch Licht unterdrückt. Eine Übersichtsarbeit argumentiert, dass Stoffwechsel und innere Uhr, mit denen das Fortpflanzungssystem eng verknüpft sei, schon durch geringe Lichtmengen gestört werden können; menschliche Studien hätten die für die Melatoninunterdrückung zuständigen Photorezeptoren inzwischen benannt [s51]. Dass die Zirbeldrüse in der Hodenphysiologie eine Rolle spielt, zeigen Tierversuche: Nach Entfernung der Epiphyse verloren die Tagesrhythmen der Spermatogenese bei Ratten ihre Bindung an den Licht-Dunkel-Zyklus [s170], und Ratten ohne Zirbeldrüse hatten geringere Beweglichkeit und Dichte der Spermien [s40]. Beim Menschen sind die Daten dünn: Eine kleine ägyptische Studie fand bei Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie niedrigeres Melatonin im Blut und im Seminalplasma als bei fertilen Kontrollen, am niedrigsten bei Nachtlichtexposition [s117].

**Vorgeschlagene Mechanismen.** Die Studien nennen vor allem drei Wege, die Hypothesen bleiben: oxidativer Stress und Zelltod im Hodengewebe [s10, s01], Schäden am Erbgut der Spermien, etwa über das Eiweiß CREB1 und die Reparatur durch homologe Rekombination [s22], sowie veränderte Mitochondrien-DNA [s07]. Bei Mäusen konnten Dauerlicht der Väter und eine veränderte Ausstattung der Spermien mit kleinen Ribonukleinsäuren (microRNAs) sogar Gedächtnisstörungen bei männlichen Nachkommen auslösen [s24]. Für Lärm werden Stresshormone angeführt: In einem Rattenversuch stiegen bei 115 Dezibel ACTH und Cortisol, das Testosteron fiel [s147]; in anderen Versuchen war eine Anregung der Zirbeldrüse der vermutete Weg [s137]. Bei Grünflächen werden indirekte Wege diskutiert, etwa über die Luftqualität: In einer Studie vermittelten Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid einen Teil des Zusammenhangs [s48]; für die Fekundität erklärten Stress, Depression und Aktivität höchstens fünf Prozent [s79]. Alle diese Mechanismen stammen überwiegend aus Zell- und Tierversuchen, meist mit starken Reizen wie 12-stündiger Umkehr des Lichtzyklus oder Dauerlicht. Sie zeigen, was biologisch möglich ist, nicht, was im Alltag geschieht.

### Definitionen und Messgrößen der Exposition

**Licht in der Nacht.** Der Fachbegriff lautet „artificial light at night“ (ALAN), kurz Lichtverschmutzung. Die Studien messen ihn auf sehr verschiedene Weise, und das erschwert jeden Vergleich. Außenlicht am Wohnort wird aus Satellitendaten abgeleitet, entweder als Strahldichte in Nanowatt je Quadratzentimeter und Steradiant, wobei die Nachtlichtstudie mit Werten von 0 bis 100 arbeitet [s58], oder als Nachtlichtindex des Satelliteninstruments „Visible and Infrared Imaging Suite Day Night Band“ [s31]. Innenraumlicht wird nur selten gemessen: Bei Kindern erfasste ein tragbarer Lichtmesser das Schlafzimmerlicht im Minutenabstand an zwei Nächten, ausgewertet wurde die Dauer ab 3 Lux [s20]. Helles Licht am Tag wurde mit Handgelenk-Sensoren als Zeit über 2.000 Lux bestimmt [s03]. In Tierversuchen liegen die Reize weit auseinander: Dauerlicht mit 300 Lux [s99], zusätzliches Nachtlicht mit 350 bis 500 Lux [s141], Blaulicht mit 450 bis 470 Nanometern bei 0,03 Mikrowatt je Quadratzentimeter [s78] oder eine alle zwei Tage wiederholte Umkehr des Zyklus [s144]. In einem Rattenversuch zu „schwachem Nachtlicht“ (dLAN) nennt der Abstract die Stärke nicht [s21].

**Bildschirmlicht.** Gemeint ist das Licht von Smartphones, Tablets, Fernsehern und Computern am Abend und in der Nacht. Es ist kurzwellig reich, regt aber nur dann die innere Uhr an, wenn es tatsächlich die Netzhaut erreicht; die Übersichtsarbeit zu Bildschirmen weist selbst darauf hin, dass Bildschirmzeit nicht der Lichtdosis an der Netzhaut entspricht und dass Zusammenhänge mit schlechtem Schlaf auch spätes Zubettgehen, geistige Erregung und Inhalte widerspiegeln können (*Cureus* 2026, PMID 42524168). In den Spermienstudien ist Bildschirmlicht nie gemessen. Statt Licht erfassen sie Fragebogenangaben zu Nutzungsstunden [s116, s84], Fernsehzeit als Maß für Sitzen [s156, s38] oder genetisch vorhergesagte Nutzungsdauer [s42]. Dabei vermischen sich Licht, Funkstrahlung, Wärme am Körper, Bewegungsmangel und Schlafmangel; bei der Studie aus Jamaika stehen Laptops nach Einschätzung der Teilrecherche für Wärme und drahtlose Geräte, nicht für Licht [s57].

**Schichtarbeit als Stellvertreter.** Schichtarbeit, Chronotyp („Abendtyp“, „Morgentyp“), Schlafqualität und der „Social Jetlag“ (Abweichung zwischen Schlafzeiten an Arbeits- und freien Tagen, im Fragebogen erfasst [s120, s07]) werden oft als Maße zirkadianer Störung oder nächtlichen Lichts benutzt. Sie trennen Licht aber nicht von Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung. In dieser Studie werden sie deshalb getrennt dargestellt und als Näherung gekennzeichnet.

**Lärm.** Der Schalldruckpegel wird in Dezibel gemessen. Die Studien verwenden verschiedene Bewertungen und Mittelungen: dB(A) und dB(C) als verschiedene Frequenzbewertungen des Pegels (ein älterer japanischer Rattenversuch arbeitet mit 100 dB(C) [s181]), den äquivalenten Dauerschallpegel Leq für Nachtmessungen [s114] und den Pegel Lden, das in Europa gebräuchliche Maß für die Belastung über den ganzen Tag; die dänische Studie bezieht ihn auf die am stärksten betroffene Fassade der Wohnung [s56]. Wegen der unterschiedlichen Skalen lassen sich Werte aus Korea (Nachtlärm, mittlere Belastung 58,3 Leq [s114]) und Dänemark (Lden) nicht unmittelbar vergleichen. Straßen-, Schienen- und Fluglärm haben unterschiedliche Pegelverläufe; für Fluglärm gibt es zur Spermienqualität keine Studie. Die WHO-Lärmleitlinien für Europa von 2018 wurden nach dem Auftrag der Parma-Erklärung von 2010 mit dem GRADE-Verfahren erarbeitet (*Int J Environ Res Public Health* 2018, PMID 29677170). Laut einer Zusammenfassung in *Noise and Health* 2026 (PMID 42446322) empfehlen sie höchstens 53 Dezibel Lden für Straßenverkehrslärm, 54 für Schienenlärm und 45 für Fluglärm, vor allem begründet mit der Belästigung; die EU-Umgebungslärmrichtlinie nennt 55 Dezibel Lden aus Verkehrsquellen als Schwelle erheblicher Gesundheitsrisiken, um Lärmaktionsplanung zu priorisieren. Für die Spermienqualität sind das keine Grenzwerte, denn die Leitlinien stützen sich auf andere Gesundheitsfolgen. Einen vergleichbaren WHO-Richtwert für nächtliches Licht oder für Grünflächen haben wir in den abgerufenen Quellen nicht gefunden.

**Grünflächen.** Fast alle Studien messen Grün mit dem Normalisierten Differenz-Vegetationsindex (NDVI), einer aus Satellitenbildern berechneten Kennzahl der Pflanzendichte, gemittelt in Pufferzonen um die Wohnadresse (Radien von 250 bis 2.000 Meter [s43, s50]); eine Studie verwendet zusätzlich einen bodenangepassten Index (SAVI) [s48], eine andere Gehzeitzonen von 15 Minuten [s04]. Effekte werden meist je Interquartilsabstand angegeben, also je Anstieg von der unteren zur oberen Viertelgrenze der Verteilung. NDVI misst, wie viel Pflanzen von oben sichtbar sind, nicht, ob jemand Zugang zu Grünflächen hat, sie nutzt oder sich dort erholt.

**Wohnort und Sozialraum.** „Wohnort“ erscheint als Stadt gegen Land [s159, s93], als Region [s34, s176, s173], als Abstand zu Hauptstraßen [s136] oder als Index der Benachteiligung eines Wohngebiets (Area Deprivation Index, ADI) [s14]. Ein Wohnort vereint Luft, Lärm, Licht, Grün, Verkehr und die soziale Lage der Nachbarschaft.

**Paar- und Fruchtbarkeitsmaße.** Einige Studien messen nicht den Samen, sondern die Zeit bis zur Schwangerschaft. Die Fekundabilität ist die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis je Zyklus und wird als Verhältnis (Fekundabilitätsverhältnis über 1 bedeutet höhere Wahrscheinlichkeit) oder als Zeitverhältnis (über 1 bedeutet längere Zeit) berichtet [s79, s31]. Solche Maße enthalten immer auch den Anteil der Frau [s142, s31, s79, s126]. Gemeinsam mit Registerdiagnosen („Infertilität“) sind sie grobe Endpunkte. Wichtig für das Lesen der Zahlen: Odds Ratio (Chancenverhältnis) und Hazard Ratio (Ereignisratenverhältnis) von 1 bedeuten keinen Unterschied; Werte wie 1,14 oder 0,84 beschreiben kleine Verschiebungen.

### Spermienqualität und die WHO-Referenzwerte von 2021

Die Qualität des Samens wird im Labor nach dem WHO-Handbuch untersucht. Das erste Handbuch erschien 1980; die sechste Ausgabe kam im Juli 2021 heraus (*Life* 2021, PMID 34947899). Gemessen werden das Volumen des Ejakulats, die Spermienkonzentration (Millionen je Milliliter), die Gesamtzahl je Ejakulat, die Beweglichkeit (gesamt, progressiv, nicht progressiv, unbeweglich), die Vitalität (Anteil lebender Spermien) und die Form (Morphologie, der Anteil normal geformter Spermien; beurteilt werden Defekte in allen Teilen der Spermien, vom Kopf bis zum Flagellum). Computergestützte Bewegungsanalysen (CASA) liefern Geschwindigkeits- und Bahnmaße wie VCL, VAP, VSL, LIN, STR, WOB, ALH und BCF [s58, s43]. Die Kombination aus Beweglichkeit und Zahl ergibt die gesamte bewegliche Spermienzahl (TMSC) [s14, s114, s57]. Die DNA-Fragmentierung, in russischen Studien mit der SCSA-Methode gemessen [s110], zählt zu den erweiterten Untersuchungen. Gebräuchliche Befundbezeichnungen sind Oligozoospermie (niedrige Konzentration), Asthenozoospermie (verminderte Beweglichkeit) und Teratozoospermie (hoher Anteil abnormer Formen).

Die Referenzwerte der sechsten Ausgabe beruhen auf der 5. Perzentile der Samenwerte von Männern, deren Partnerinnen innerhalb von zwölf Monaten auf natürlichem Weg schwanger wurden. Die folgende Tabelle gibt die Werte nach der Zusammenstellung von Boitrelle et al. 2021 in *Life* (PMID 34947899) wieder; die Konzentration steht dort in der abgerufenen Tabelle nicht und wird aus der Zusammenstellung von Campbell et al. 2021 in *Andrology* (PMID 33528873) übernommen.

| Parameter | WHO 2010 (5. Ausgabe) | WHO 2021 (6. Ausgabe) |
|---|---|---|
| Volumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Konzentration (Mio./ml) | in der abgerufenen Tabelle nicht enthalten | 16 |
| Gesamtzahl (Mio. je Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normale Formen (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |

*In Klammern das 95-%-Konfidenzintervall der Perzentile. Quellen: Boitrelle et al. 2021 (Tabelle 2), Campbell et al. 2021.*

Drei Einschränkungen gehören zu diesen Zahlen. Erstens sind es keine Grenzen zwischen fruchtbar und unfruchtbar. Die sechste Ausgabe rückt ausdrücklich von starren Referenzgrenzen ab und spricht von „decision limits“ (Entscheidungsgrenzen), für die sie aber weder für die Basis- noch für die erweiterten Parameter Werte vorschlägt; die 5. Perzentile reichten allein nicht aus, um männliche Infertilität zu diagnostizieren (*Life* 2021, PMID 34947899). Auch ein Übersichtsartikel in *Reproductive BioMedicine Online* hält fest, dass die Bereiche und Grenzen missverstanden wurden, als seien sie scharfe Trennlinien zwischen Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit (PMID 35989166). Zweitens ist die Bezugsgruppe klein und uneinheitlich: Sie umfasst 3.589 fruchtbare Männer (1.800 aus der fünften Ausgabe und 1.789 neue), die Zahl der Herkunftsländer wird mit zwölf (Campbell, fünf Kontinente) beziehungsweise 13 (Boitrelle, sechs Kontinente) angegeben, und eine statistische Neubewertung kommt zu dem Schluss, dass die zusammengeführten Daten nicht aus derselben Bevölkerung stammen und die Voraussetzungen für gemeinsame Referenzbereiche nicht erfüllt seien (*Human Reproduction* 2022, PMID 35849333). Drittens unterscheiden sich die 5. Perzentile der sechsten Ausgabe laut Boitrelle nicht wesentlich von denen von 2010; wer ältere Studien liest, begegnet deshalb denselben Größenordnungen. In dieser Studie dienen die Tabellenwerte nur als Orientierung für das Lesen von Befunden; wo Studien eigene Schwellen verwenden (zum Beispiel weniger als 120 Millionen Spermien je Ejakulat als „niedrige Spermienzahl“ in einer chinesischen Studie [s120]), wird das genannt.

**Weitere Einflüsse auf Samenwerte.** Samenwerte schwanken ohnehin. Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit gelten als wichtige Bestimmungsgrößen [s176]; jahreszeitliche Muster wurden mehrfach berichtet, so niedrigere Konzentrationen im Juli und August [s118], ein negativer Zusammenhang mit der Lufttemperatur [s90] und abweichende Muster bei Volumen, Beweglichkeit und Form [s53]; die Tageszeit der Probe verändert die Befunde [s87]. Jeder dieser Faktoren kann in einer Studie, die ihn nicht berücksichtigt, einen Zusammenhang mit Lärm, Licht oder Grün vortäuschen oder verdecken. Etwa jedes achte Paar im Fortpflanzungsalter ist von Infertilität betroffen, in rund 20 Prozent der Fälle allein durch männliche Ursachen, in weiteren 30 Prozent mitverursacht (*Life* 2021, PMID 34947899); die WHO beziffert die Prävalenz im Westpazifik mit 23,2 und weltweit mit 17,5 Prozent [s37].

### Geschichte der Forschungsfrage

**Frühe Arbeiten: Betrieb und Tierversuch.** Die Frage, ob Lärm die männliche Fruchtbarkeit stört, ist alt und begann in der Arbeitsmedizin und im Tierversuch. Der deutschsprachige Beitrag von 1976 setzte 21 Meerschweinchen täglich drei bis fünf Stunden 110 Dezibel aus und fand histologisch keine Störung der Spermatogenese; der Autor führte das auf Mängel des Versuchsaufbaus zurück und zitierte ältere Befunde zu Industriearbeitern mit geringerer Kinderzahl [s182]. Ein japanischer Rattenversuch von 1982 mit 100 dB(C) fand weniger Geburten bei exponierten Weibchen, beschrieb aber keine getrennte Wirkung auf die Männchen oder ihre Spermien [s181]. Eine kurze Übersicht von 1989 stellte Lärm und elektromagnetische Felder nebeneinander und formulierte vor allem Forschungsfragen [s180], und eine französische Übersicht von 1998 behandelte chemische, physikalische und Lebensstilfaktoren sowie regionale Unterschiede der Spermatogenese [s179]. 2002 fand eine Klinikstudie mit 202 Patienten für Lärm eine Odds Ratio von 3,84 (1,63 bis 9,14); im Mehrfaktorenmodell blieben aber nur Industrie- und Bauberufe und kognitive Erschöpfung unabhängige Risikofaktoren [s178].

**2007 bis 2016: Tierserien, Regionen und erste Metaanalysen.** Ab 2007 nahmen die Tierstudien zu, zunächst mit Ratten bei 100 Dezibel [s177], dann in einer Serie aus dem Iran mit Lärm von 90 bis 120 Dezibel über 50 Tage [s168, s164, s165, s166, s167]. Parallel zeigte eine Stichprobe von 1.191 gesunden Chinesen aus sechs Provinzen, dass Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit die Samenwerte bestimmen [s176], und ein Vergleich zweier südamerikanischer Städte fand regionale Unterschiede [s173]. Zu Licht erschienen Tierversuche mit Dauerlicht (die Spermatogenese wurde dabei sogar stimuliert [s163]) und Untersuchungen zur Rolle der Zirbeldrüse [s170]. 2014 bündelte eine systematische Übersicht 14 berufsbezogene und neun umweltbezogene Lärmstudien und betraf überwiegend Schwangerschaftsausgänge wie Geburtsgewicht und Frühgeburt, nicht Spermien [s158]. Ein Stadt-Land-Vergleich in Chongqing führte die schlechtere Samenqualität in der Stadt auf Luftschadstoffe zurück [s159]. 2015 fasste die Metaanalyse von Nagerstudien den Lärmeffekt auf das Testosteron zusammen [s154], während eine US-Studie mit 189 jungen Männern den Fernsehkonsum als Gegenstück zur körperlichen Aktivität untersuchte [s156]. 2016 wertete eine Studie die NHANES-Daten zu Arbeitslärm und Testosteron aus [s146].

**2017 bis 2020: Register, Kliniken, zirkadiane Störung.** 2017 erschienen die koreanische Versichertenstudie [s143] und die dänische Auswertung zur Zeit bis zur Schwangerschaft [s142], 2018 die Studie zum Abstand von Hauptstraßen [s136]. 2019 berichtete ein Cross-over-Versuch mit 17 jungen Männern, dass blau angereichertes Tageslicht Hormonveränderungen nach Schlafrestriktion weitgehend wiederherstellte [s129]. 2020 brachte mehrere Studien zugleich: die Seouler Nachtlärmstudie [s114], die Hybridstudie zur zirkadianen Desynchronisation bei Mensch und Maus [s120], die Fragebogenstudie zu abendlichen Medienbildschirmen [s116] und die ägyptische Melatoninstudie mit Nachtlicht [s117]. Der britische GRADE-Bericht zu Umgebungslärm und Gesundheit stufte die meiste Evidenz als niedrige Qualität ein und nennt männliche Spermienqualität im Abstract nicht [s115].

**2021 bis 2026: Wohnumwelt und Satellitendaten.** Seit 2021 verschiebt sich der Schwerpunkt von Betrieb und Tierversuch zur Wohnumwelt. Eine Studie aus Guangdong mit 9.142 Spendern eröffnete die Reihe der Grünflächenstudien [s113]; es folgten fünf weitere chinesische Auswertungen bis 2026 [s49, s50, s48, s43, s04]. Die Frage nach Licht erhielt Daten, als 2024 die Nachtlichtstudie mit Satellitenwerten erschien [s58], im selben Jahr die dänische Registerstudie zu Lärm und Feinstaub [s56] und ein Meinungsbeitrag, der Lichtverschmutzung als übersehenen Hodenfaktor beschrieb [s51]. 2025 folgte die Paarstudie mit 14.239.365 Paaren [s31], 2026 die prospektive Kohorte zur Wechselschicht [s18], eine Studie zu Schlafzimmerlicht und Pubertätsbeginn bei 886 Kindern [s20] und die Hypothese einer „zirkadianen Lichthygiene“ als Einflussgröße auf Fruchtbarkeits- und Geburtentrends [s06]. Die Autoren dieser Hypothese räumen selbst ein, dass direkte Belege für ursächliche Wirkungen beim Menschen für mehrere Endpunkte begrenzt bleiben.

**Die Leitlinien.** Die Leitlinien spiegeln diese Entwicklung bisher nicht. Die AUA/ASRM-Leitlinie (2020, geändert 2024) stellt fest, dass Lebensstilfaktoren sehr schwer zu untersuchen seien, und hält fest, dass für Schlaf, Sport, Hitze und weitere Faktoren keine systematische Übersicht die Einschlusskriterien erfüllte; Lärm, Nachtlicht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen als Faktoren nicht vor [s54]. Das EAU-Kapitel nennt Umweltverschmutzung, oxidativen Stress und Lebensstil allgemein, aber weder Lärm noch Licht noch Grün [s183]. Die französische Leitlinie behandelt die „Prävention von Umweltexpositionen“ als eines von fünf Themen; ihr Abstract nennt Ernährung, Bewegung, Rauchverzicht und Alkohol, jedoch weder Lärm noch Licht [s55]. Für ESHRE, AWMF und die italienische Gesellschaft für Andrologie war kein durchsuchbarer Leitlinientext erreichbar; die Aussage „es gibt keine“ ist für diese drei nicht bewiesen.

### Warum Lärm, Licht, Grün und Wohnort zusammen betrachtet werden

Die vier Themen werden in einer Studie behandelt, weil sie am selben Ort wirken und in Beobachtungsstudien kaum zu trennen sind. Ein städtisches Wohnviertel kann mehr Außenbeleuchtung, mehr Verkehrslärm, mehr Luftschadstoffe, weniger Vegetation und oft eine andere soziale Lage haben als ein ländliches. Die Studien liefern dafür Anhaltspunkte, aber keine saubere Zerlegung. In der Studie mit 14 Millionen Paaren waren die Zusammenhänge von Grün und Nachtlicht in städtischen Regionen und bei schlechteren Umweltbedingungen stärker [s31]. In Chongqing hatte das Stadtgebiet höhere Luftbelastung und die schlechtere Samenqualität [s159]. In Georgia hing die Benachteiligung eines Wohngebiets mit weniger beweglichen Spermien zusammen, und die Teilrecherche weist darauf hin, dass Lärm-, Licht- und Grünwirkungen mit dem Sozialstatus vermengt sein können [s14]. In der Schweiz lag der niedrigste Cluster nicht in der Stadt, sondern in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend mit weniger Bebauung [s34]; das ist kein einfaches Muster von „Stadt schlecht, Land gut“. In Subsahara-Afrika hatten Männer, die in die Stadt zogen, weniger Kinder als ländliche Nichtmigranten, doch das ist Bevölkerungsdemografie, nicht Samenqualität [s72].

Nur wenige Studien rechnen mehrere Einflüsse gleichzeitig. Die dänische Studie bereinigt den Feinstaubeffekt um Lärm [s56], die koreanische Versichertenstudie den Lärmeffekt um Feinstaub [s143], und mehrere chinesische Grünstudien prüfen Wechselwirkungen mit Luftschadstoffen [s49, s04, s23, s05]. Eine Studie, die Lärm, Licht und Grün gemeinsam modelliert, wurde in keinem der durchsuchten Sprachräume gefunden. Die weiteren Kapitel der Gesamtstudie behandeln deshalb jede Exposition einzeln und beschreiben jeweils, welche Störfaktoren die Studien berücksichtigen.

### Nachweise der Hintergrundquellen

Die folgenden Arbeiten wurden gezielt über Europe PMC abgerufen, um Hintergrundangaben dieses Kapitels zu belegen. Sie sind nicht Teil der 183 nummerierten Quellen der Studie.

- Boitrelle et al. 2021: The Sixth Edition of the WHO Manual for Human Semen Analysis: A Critical Review and SWOT Analysis. *Life (Basel)*, PMID 34947899 (Volltext PMC8706130, Tabelle 2 und Text zur Referenzpopulation).
- Campbell et al. 2021: Distribution of semen examination results 2020 – A follow up of data collated for the WHO semen analysis manual 2010. *Andrology*, PMID 33528873 (Konzentration 16 Millionen je Milliliter).
- Paffoni et al. 2022: The statistical foundation of the reference population for semen analysis included in the sixth edition of the WHO manual: a critical reappraisal of the evidence. *Human Reproduction* 2022, PMID 35849333.
- Björndahl 2022: A paradigmatic shift in the care of male factor infertility: how can the recommendations for basic semen examination in the sixth edition of the WHO manual and the ISO 23162:2021 standard help? *Reproductive BioMedicine Online* 2022, PMID 35989166.
- Development of the WHO Environmental Noise Guidelines for the European Region: An Introduction. *Int J Environ Res Public Health* 2018, PMID 29677170.
- Tranquillity as a Determinant of Health: A Synthesis of Exposure Surrogates and Operationalization for Environmental Epidemiology. *Noise Health* 2026, PMID 42446322 (Volltext PMC13399564; Lden-Werte der WHO-Lärmleitlinien 2018 und der EU-Richtlinie).
- Critical Windows of Air Pollution Exposure During Spermatogenesis and Intrauterine Insemination Outcomes. *Paediatr Perinat Epidemiol* 2026, PMID 42551848 (74-Tage-Fenster).
- Evening Light-Emitting Diode Screen Exposure, Melanopsin-Mediated Circadian Disruption, and Optical Filtration for Sleep Hygiene: A Narrative Review in the Indian Context. *Cureus* 2026, PMID 42524168 (Lichtweg über Melanopsin-Zellen).

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Dieser Abschnitt stellt jede aufgefundene Metaanalyse, systematische Übersicht, jeden Umbrella-Review, jede narrative Übersicht und jede Leitlinie einzeln vor, soweit sie für das Thema (nächtliches Licht, Lärm, Grünflächen, Wohnort und Spermienqualität) einschlägig ist oder erkennbar als Hintergrund dient. Zwei Vorbemerkungen gelten für alle Einträge. Erstens beruhen die Angaben auf den abgerufenen Zusammenfassungen (Abstracts) und, wo ausdrücklich vermerkt, auf Volltexten; Aussagen zu Stärken und Schwächen sind Einordnungen aus der beschriebenen Methodik, keine Volltextbewertung. Zweitens zeigt sich bereits auf der Ebene der Zusammenfassungen ein auffälliger Befund: Keine einzige Metaanalyse hat Lärm, nächtliches Außenlicht, Bildschirmlicht oder Wohngrün in Bezug auf Samenparameter beim Menschen mit einem gepoolten Schätzer untersucht. Die gepoolten Schätzer betreffen stattdessen Nachbarthemen (Schichtarbeit, Schlafstörungen, Mobiltelefone, Luftschadstoffe) oder Tierversuche.

### Metaanalysen mit gepoolten Schätzern

**Majdi et al. (2026): Feinstaub, Stickstoffdioxid, Bisphenol A und Phthalate sowie Fruchtbarkeitsmaße [s11].** Titel: „Association between Particulate Matter (PM₂.₅), Nitrogen Dioxide (NO₂), Bisphenol A (BPA), and Phthalates and Infertility Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis“. *Design:* systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 (PROSPERO CRD420251066799). Durchsucht wurden PubMed, Scopus, Web of Science und Embase von Januar 2008 bis Dezember 2024; zwei Gutachter sichteten 2.478 Treffer unabhängig, die Qualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala (Schwelle mindestens 7) und dem Instrument ROBINS-I V2 (2024) bewertet. *Population:* 38 Studien, als „hochwertig“ eingestuft, zusammen n = 55.620. *Exposition und Endpunkte:* Außenluftmessungen oder Biomarker; Endpunkte waren Samenqualität, ovarielle Reserve, Eizellausbeute, klinische Schwangerschaftsrate und Zeit bis zur Schwangerschaft. *Methodik:* Random-Effects-Modelle (R-Paket metafor), Subgruppen, Heterogenität (I²), Publikationsbias (Trichterdiagramme, Egger-Test). *Ergebnisse:* PM₂.₅ je 10 µg/m³ senkte die Spermienkonzentration um 5,5 Millionen/ml (95-%-Konfidenzintervall −6,05 bis −5,11; p < 0,001; I² = 72 %). NO₂ je 10 ppb senkte die Beweglichkeit um 4,3 Prozentpunkte (−4,52 bis −4,11; p < 0,001; I² = 65 %). Für die weibliche Seite nennt der Abstract: BPA und Anti-Müller-Hormon, standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) −0,42 (−0,46 bis −0,37; I² = 69 %); Phthalate und Antralfollikelzahl −0,38 (−0,42 bis −0,33; I² = 67 %); PM₂.₅ und Eizellausbeute −0,33 (−0,38 bis −0,28; I² = 62 %); BPA und klinische Schwangerschaftsrate OR 0,83 (0,81 bis 0,85; p = 0,001; I² = 58 %). Für die Zeit bis zur Schwangerschaft zeigte sich kein signifikanter Effekt (SMD 0,10; −0,09 bis 0,29; p = 0,30; I² = 85 %). Die Autoren schreiben, die hohe Heterogenität sei in Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen untersucht worden (Variabilität nach Region und Expositionsdauer), ohne dass sich an der Gesamtaussage etwas geändert habe. *Stärken:* zwei unabhängige Gutachter, registriertes Protokoll, Qualitätsfilter, Prüfung auf Publikationsbias. *Schwächen:* Die Arbeit betrifft Luftschadstoffe und Chemikalien, nicht Lärm, Licht oder Grün; sie ist hier relevant, weil Luftschadstoffe in den Grünflächen- und Wohnortstudien als Störgröße und als Mediator auftreten. Die Konfidenzintervalle sind bei einer Heterogenität von 65 bis 72 % auffallend schmal; die Arbeit liegt nur als Abstract vor, Einzelstudien und Zahlen sind nicht nachprüfbar, und die Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Die im Abstract behauptete Dosisabhängigkeit wird dort nicht durch eine beschriebene Dosis-Wirkungs-Analyse belegt (Einordnung der Bearbeitung).

**Viramgami et al. (2025): Nachtschichtarbeit und männliche Reproduktionsfunktion [s41].** Titel: „Study on the association between night shift work and reproductive functions among male workers: a systematic review and meta-analysis“. *Design:* systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 (PROSPERO CRD42022379770); Suche in PubMed, Scopus und EMBASE. *Population:* Studien, die männliche Reproduktionsparameter (Samenprofil, Testosteron, FSH, LH) zwischen Nachtschichtarbeitern und Nichtschichtarbeitern verglichen; acht Studien aus 6.397 gesichteten Treffern. *Methodik:* Heterogenität (I² und Cochran-Q-Test), Verzerrungsrisiko mit der Newcastle-Ottawa-Skala und Trichterdiagrammen, Sensitivitätsanalysen. *Ergebnisse:* gepoolte mittlere Differenz der Spermienzahl −18,38 × 10⁶ (95-%-KI −59,82 bis 23,07; n = 3 Studien; I² = 85,12 %); Serumtestosteron +15 ng/dl (−19,3 bis 49,39; n = 5 Studien; I² = 63 %). Die Autoren formulieren, Schichtarbeiter hätten niedrigere Spermienzahlen, aber geringfügig höheres Testosteron; beide Konfidenzintervalle schließen jedoch null ein, sodass statistisch kein belegter Unterschied vorliegt. Die meisten Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko bei Teilnehmerauswahl, Vergleichbarkeit der Gruppen und Expositionsmessung. *Stärken:* registriertes Protokoll, getrennte Betrachtung von Samenparametern und Hormonen. *Schwächen:* nur drei Studien für die Spermienzahl, sehr hohe Heterogenität; Schichtarbeit ist kein Lichtmaß (Schlaf, Stress, Ernährung und Bewegung sind vermengt); die Definition „Nachtschicht“ ist nicht einheitlich. *Einordnung:* Die einzige Metaanalyse zu Schichtarbeit liefert keinen belastbaren gepoolten Effekt; sie steht in Kontrast zu einzelnen Studien im Abschnitt „Beobachtungsstudien“.

**Zhong et al. (2022): Schlafstörungen und zirkadiane Veränderungen bei männlicher Reproduktionsgesundheit [s98].** Titel: „Effects of Sleep Disorders and Circadian Rhythm Changes on Male Reproductive Health: A Systematic Review and Meta-analysis“. *Design:* systematische Übersicht mit Metaanalyse; Suche in PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science und Scopus von Beginn der Datenbanken bis 24. Februar 2022; Auswertung mit RevMan 5.4, Publikationsbias mit Stata 16. *Ergebnisse (gepoolte mittlere Differenzen mit 95-%-KI):* Schlafstörungen waren mit geringerer Gesamtspermienzahl (−27,91; −37,82 bis −18,01; p < 0,001), geringerer Konzentration (−5,16; −9,67 bis −0,65; p = 0,02), geringerer progressiver Beweglichkeit (−2,94; −5,28 bis −0,59; p = 0,01) und geringerer normaler Morphologie (−0,52; −0,80 bis −0,24; p < 0,001) verbunden. Kein Zusammenhang bestand mit Samenvolumen und Reproduktionshormonen. Eine ergänzende bioinformatische Auswertung zeigte, dass die Uhrengene PER1, PER2, CRY2, NR1D1 und NPAS2 bei Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie herunterreguliert waren. Die Autoren verweisen auf begrenzte Zahl und Qualität der Studien. *Schwächen:* Der Abstract nennt weder die Zahl der eingeschlossenen Studien noch die Heterogenität (I²) noch die Einheiten der Mittelwertdifferenzen; Schlafstörung ist nicht gleich Lichtexposition, ein Weg von nächtlichem Licht über Schlaf zur Spermienqualität wird nicht untersucht. *Einordnung:* Die Arbeit ist die Metaanalyse mit den deutlichsten Effekten im Umfeld des Themas; sie betrifft aber Schlafstörungen (verschiedener Definition), nicht Licht, und die Deutung als „zirkadian“ beruht auf der Hypothese der Autoren.

**Kim et al. (2021): Mobiltelefon-Nutzung und Spermienqualität, Metaanalyse [s109].** Titel: „Effects of mobile phone usage on sperm quality - No time-dependent relationship on usage: A systematic review and updated meta-analysis“ (Autorengruppe aus Korea). *Design:* systematische Übersicht mit aktualisierter Metaanalyse nach PRISMA; Endpunkte Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration. *Population:* 18 Studien mit zusammen 4.280 Proben (In-vitro- und In-vivo-Studien). *Exposition:* Hochfrequenzstrahlung (RF-EMW) von Mobiltelefonen. *Ergebnisse:* Die Exposition war mit verminderter Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration verbunden; die Abnahme der Spermienqualität wurde auch bei steigender Nutzungsdauer nicht signifikant größer, es fand sich also kein Zeit-Dosis-Zusammenhang. Der Befund war in experimentellen In-vitro- wie in beobachtenden In-vivo-Studien gleich. Die Autoren halten fest, die In-vivo-Daten zeigten eine Schädlichkeit der Mobiltelefon-Nutzung für die Spermienqualität, und fordern Studien zu neueren Geräten. *Schwächen:* Gepoolte Zahlen stehen nicht im Abstract; ohne Dosisbezug ist die kausale Deutung schwerer zu stützen (Einordnung der Bearbeitung); In-vitro-Bestrahlung ist mit dem Tragen eines Telefons am Körper nicht gleichzusetzen. *Einordnung:* Die Arbeit betrifft Funkstrahlung, nicht das Licht des Bildschirms; sie ist nur aufgeführt, weil „Gerätenutzung“ in der Literatur häufig mit „Bildschirmlicht“ gleichgesetzt wird.

**Dzhambov und Dimitrova (2015): chronische Lärmbelastung und Testosteron bei Nagern, Metaanalyse und Metaregression [s154].** Titel: „Chronic noise exposure and testosterone deficiency -- meta-analysis and meta-regression of experimental studies in rodents“. *Design:* systematische Übersicht mit Metaanalyse von Tierversuchen; Suche in MEDLINE, EMBASE und im Internet; sieben Studien. *Methodik:* „Quality-effects“-Modell zur Berechnung eines gepoolten Hedges' g; Metaregression. *Ergebnisse:* gepooltes Hedges' g = −2,41 (95-%-KI −3,28 bis −1,54), also ein sehr großer Effekt auf das Serumtestosteron. Die Gesamtdauer der Exposition erklärte einen signifikanten Anteil der Varianz zwischen den Studien (Q(1) = 3,95; p = 0,047). Die Heterogenität war erheblich (I² = 82 %), außerdem bestand Publikationsbias (p = 0,016). Nach Einfügen zweier zuvor als fehlend angenommener Studien sank der gepoolte Effekt auf g = −1,53 (−3,01 bis −0,05). Die Autoren schließen, chronischer Lärm von etwa 100 dB senke das Serumtestosteron männlicher Nager signifikant, und fordern Humanstudien. *Stärken:* transparente Zusammenfassung verstreuter Tierdaten, Prüfung auf Publikationsbias, Sensitivitätsanalyse. *Schwächen:* nur sieben Studien; I² = 82 %; nachgewiesener Publikationsbias; nach der Korrektur reicht das Intervall fast bis null (−0,05); Pegel um 100 dB entsprechen keiner Wohnumgebung; Testosteron ist kein Samenparameter; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist offen. *Einordnung:* die einzige Metaanalyse im Themenfeld Lärm; sie zeigt die Richtung im Tierversuch, aber keine Humandaten.

**Fathi Najafi et al. (2015): Luftverschmutzung und Spermienqualität, Metaanalyse [s155].** Titel: „Air pollution and quality of sperm: a meta-analysis“ (Autorengruppe aus dem Iran). *Design:* Metaanalyse; Suche in Medline, PubMed, Scopus, Google Scholar, Cochrane Library und Elsevier für 1978 bis 2013; zunächst wurden 76 Artikel ausgewählt (ökologische Korrelationsstudien, Kohorten-, retrospektive, Querschnitt- und Fall-Kontroll-Studien), 11 Artikel gingen in die Metaanalyse ein. *Methodik:* Extraktion von Mittelwert und Standardabweichung der Spermienparameter; die Konfidenzintervalle der gepoolten Mittelwerte wurden mit denen von Standardparametern verglichen. *Ergebnisse (gepoolte Mittelwerte ± Intervall):* Volumen 2,68 ± 0,32 ml, Konzentration 62,1 ± 15,88 Millionen/ml, Beweglichkeit 39,4 ± 5,52 %, Morphologie 23,91 ± 13,43 %, Gesamtzahl 49,53 ± 11,08. Die Autoren schließen, Luftverschmutzung senke die Beweglichkeit, habe aber auf die übrigen Parameter keinen Einfluss. *Schwächen (Bewertung aus dem Recherchebericht, hier übernommen):* Es werden Intervalle gepoolter Mittelwerte mit Normwerten verglichen, nicht exponierte mit nicht exponierten Männern; ein Effektschätzer im üblichen Sinn fehlt, daher ist die Schlussfolgerung so nicht belegt. Die sehr unterschiedlichen Designs und die Zahl von nur 11 aus 76 Artikeln begrenzen die Aussage zusätzlich. *Einordnung:* Hintergrund zur Luftbelastung, kein Beleg zu Lärm, Licht oder Grün.

### Systematische Übersichten und Umbrella-Review ohne Pooling

**Wang Q.-H. et al. (2026): Umbrella-Review zu Risikofaktoren männlicher Infertilität [s17].** Titel: „Current risk factors for male infertility and semen parameters: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses“. *Design:* Umbrella-Review; Suche in Web of Science, MEDLINE und Embase von Januar 2000 bis Februar 2025; Endpunkte waren Infertilität, Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit. *Umfang:* 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen; nach GRADE wurden 136 (54,6 %) als „sehr niedrig“, 59 (23,7 %) als „niedrig“ und 54 (21,7 %) als „moderat“ eingestuft. *Befunde:* Mit verminderter Samenqualität werden Adipositas, Schlafstörungen und Rauchen sowie Schadstoffe und mehrere Verbindungen (Schwefelkohlenstoff, Organophosphate, Blei), bestimmte Medikamente und einzelne Virusinfektionen genannt; körperliche Bewegung, Nussverzehr und ein gesundes Ernährungsmuster werden als möglicherweise gegenläufig geführt. Die Autoren betonen, dass einigen Befunden die Prüfung der Kausalität fehlt. *Einordnung:* Lärm, nächtliches Licht und Grünflächen kommen im Abstract nicht vor; über mehr als die Hälfte aller Effektgrößen urteilt GRADE „sehr niedrig“. Das ist ein wichtiger Kontext: Selbst für die bekannten Risikofaktoren ist die Evidenz überwiegend schwach, und für die hier untersuchten Expositionen gibt es keine eingeschlossene Übersicht. *Schwächen:* Es handelt sich um eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen; überlappende Primärstudien sind möglich; Einzelheiten der Auswertung liegen im Abstract nicht vor.

**Sterpi et al. (2025): „The sitting men“, Sitzzeiten und Samenparameter [s38].** Titel: „The sitting men: A systematic review of spare and working time exposure to sedentariness in relation to semen parameters“. *Design:* systematische Übersicht nach PRISMA; Embase und PubMed bis Mai 2023, nur englischsprachige Beobachtungsstudien im Volltext. *Population:* 16 Beobachtungsstudien (6 an gesunden Männern, 10 an Männern aus Fertilitätskliniken) mit zusammen 13.509 Männern (9.877 gesunde, 3.632 Klinikmänner). *Ergebnisse:* Beim Volumen fand sich in den sechs Studien an gesunden Männern kein Zusammenhang; bei Klinikmännern überwiegend ebenfalls keiner (eine Studie mit Abnahme, eine mit höherem Volumen). Zwölf Studien fanden keine Unterschiede der Konzentration; eine Klinikstudie und zwei Studien an Gesunden fanden mit zunehmender Fernsehzeit oder sitzender Haltung in der Freizeit eine Abnahme. Die Gesamtzahl war ähnlich, mit einer Ausnahme bei Klinikmännern mit mehr Fernsehzeit. Bei der Beweglichkeit gab es in keiner Studie signifikante Unterschiede; unter den Studien zur Morphologie fand eine weniger normale Formen bei mehr als drei Stunden Fernsehen täglich. Drei Klinikstudien untersuchten die DNA-Fragmentierung; zwei davon fanden höhere Indizes bei längerem Sitzen. Fazit der Autoren: schwacher, aber inkonsistenter Zusammenhang zwischen Freizeitsitzen und Konzentration. *Schwächen:* kein Pooling, heterogene Expositionsmaße; Fernsehzeit steht für Bewegungsmangel, Wärme und Ernährung, nicht für Licht. Der Abstract trennt nicht zwischen Fernsehen und anderem Sitzen.

**Caetano et al. (2021): Schlaf und weibliche wie männliche Reproduktionsfunktion [s103].** Titel: „Impact of sleep on female and male reproductive functions: a systematic review“. *Design:* systematische Übersicht nach PRISMA; PubMed und Embase vom 1. Januar 2000 bis 8. Juni 2020. *Umfang:* 33 Studien, davon zehn zur Ovarfunktion, zwölf zur Spermienfunktion, fünf zur natürlichen Fertilität und sechs zu IVF-Ergebnissen. *Befund:* Fertilität beider Geschlechter und IVF-Ergebnisse könnten durch kurze Schlafdauer, Abendtyp oder Schicht- und Nachtarbeit beeinflusst werden; die Ergebnisse seien wegen heterogener Methoden kaum vergleichbar. *Schwächen:* kein Pooling; Zahlen zu den zwölf Spermienstudien nennt der Abstract nicht. *Einordnung:* Die Arbeit stützt die Frage, ob zirkadiane Faktoren relevant sind, ist aber ein Hinweis auf Forschungsbedarf und kein Wirksamkeitsnachweis.

**He M. et al. (2023): Uhrengene und Spermatogenese, systematische Übersicht [s68].** Titel: „An update on the role and potential mechanisms of clock genes regulating spermatogenesis: A systematic review of human and animal experimental studies“ (Human- und Tierstudien). Der Abstract nennt keine Studienzahl und keine Effektschätzer. Die Autoren fassen zusammen, dass es rhythmische Schwankungen von Samenparametern und einigen physiologischen Ereignissen der Spermatogenese gibt, dass die Störung der Uhrengenexpression (durch Mutationen oder Umweltveränderungen) die Spermatogenese deutlich schädigt, dass die Mechanismen aber weitgehend unklar sind; als mögliche Beteiligte nennen sie Gonadenhormone, den Retinsäure-Signalweg, die homologe Rekombination und den Chromatoid-Körper. *Einordnung:* mechanistische Hintergrundarbeit ohne Zahlen und ohne Aussage zu Licht im Wohnumfeld.

**Ramezanifar et al. (2023): berufliche physikalische und chemische Risikofaktoren [s77].** Titel: „Occupational Exposure to Physical and Chemical Risk Factors: A Systematic Review of Reproductive Pathophysiological Effects in Women and Men“ (Autorengruppe aus dem Iran). *Design:* systematische Übersicht nach PRISMA 2020 (Google Scholar, PubMed, Scopus, Web of Science; Studien von 2000 bis 2021). *Umfang:* 57 Artikel (34 Feldstudien, 23 klinische Studien); 43 behandelten chemische, sechs physikalische und acht physikochemische Einflüsse. *Befund:* Physikalische Faktoren (Lärm, Hitze, Hochfrequenzstrahlung) und chemische Stoffe hätten pathophysiologische Wirkungen auf das menschliche Fortpflanzungssystem. *Schwächen:* Nur sechs Studien betreffen physikalische Faktoren, Lärm ist nur eine davon; Zahlen und Studienqualität stehen nicht im Abstract; Frauen und Männer sind in einer Auswertung vermischt. Die Empfehlung der Autoren zu technischen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ist eine Autorenmeinung und wird hier nicht weitergegeben.

**Clark et al. (2020): Umgebungslärm und Gesundheit für das britische Umweltministerium [s115].** Titel: „Evidence for Environmental Noise Effects on Health for the United Kingdom Policy Context: A Systematic Review of the Effects of Environmental Noise on Mental Health, Wellbeing, Quality of Life, Cancer, Dementia, Birth, Reproductive Outcomes, and Cognition“. *Design:* im Auftrag des britischen Umweltministeriums (Defra) erstellte systematische Übersicht mit GRADE, die den Wissensstand nach den Übersichten zu den WHO-Lärmleitlinien fortschreibt (Veröffentlichungen von Mitte 2015 bis März 2019; für Krebs und Demenz ab Januar 2014). *Befunde:* Die meiste Evidenz wurde als „niedrige Qualität“ statt zuvor „sehr niedrige Qualität“ eingestuft; es gibt niedrige Evidenz für schädliche Wirkungen von Straßenverkehrslärm auf Medikamentengebrauch und Depression und Angst sowie von Straßen-, Flug- und Schienenlärm auf einige Krebsendpunkte. Viele Schlussfolgerungen der WHO-Übersichten blieben unverändert, begrenzt durch geringe Studienzahlen. *Einordnung:* Männliche Spermienqualität wird im Abstract nicht genannt. Die Arbeit zeigt, dass selbst für gut untersuchte Lärmendpunkte die Evidenz als „niedrig“ eingestuft wird; für die männliche Fortpflanzung liegt hier nichts vor. Fluglärm erscheint nur im Zusammenhang mit Krebsendpunkten.

**Ristovska et al. (2014): Fortpflanzungsergebnisse und Lärm [s158].** Titel: „Reproductive outcomes associated with noise exposure - a systematic review of the literature“. *Design:* systematische Übersicht; Web of Science, PubMed und Embase für 1970 bis Juni 2014 sowie Hinweise von Fachkollegen; eingeschlossen 14 epidemiologische Studien zu beruflichem und neun zu umweltbezogenem Lärm. *Befunde:* Es gab Hinweise auf Zusammenhänge zwischen beruflichem Lärm und niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt und geringer Größe für das Gestationsalter, allein oder zusammen mit anderen beruflichen Risiken; fünf von sechs epidemiologischen Studien, darunter die beiden größten, fanden signifikante Zusammenhänge zwischen niedrigerem Geburtsgewicht und höherem Lärm. Zu anderen Endpunkten gab es wenige Studien; Designprobleme könnten in einigen Studien zu Verzerrungen geführt haben. Die Autoren verweisen auf Evidenz aus Tierversuchen und nur wenige Humanstudien mit suggestiven Zusammenhängen, besonders für das Geburtsgewicht. *Einordnung:* Die Übersicht betrifft Schwangerschaftsausgänge (also vor allem Frauen), nicht die Samenqualität; sie bestätigt, dass Humandaten zu Lärm und männlicher Fortpflanzung schon 2014 als spärlich beschrieben wurden.

**Behra et al. (2026): Lebensstil und Samenparameter in ländlichen und städtischen Bevölkerungen von Chhattisgarh [s02].** Titel: „Lifestyle Factors and Semen Parameters in Rural and Urban Populations of Chhattisgarh: A Systematic Review“ (Indien). *Design:* systematische Übersicht mit vier Berichten zu zwei Studien, zusammen 295 Teilnehmer. *Befunde:* Rauchen, hohe Mobiltelefonnutzung (über sechs Stunden täglich) und Agrochemikalien zeigten ungünstige Zusammenhänge; keine der Studien habe den Wohnort klassifiziert, sodass ein direkter Stadt-Land-Vergleich nicht möglich war. Die Autoren stufen die Evidenz als „sehr niedrige Sicherheit“ ein. *Einordnung:* ein offenes Beispiel dafür, dass die Frage nach Stadt und Land in der Literatur oft nicht beantwortbar ist; mit zwei Primärstudien trägt die Arbeit nichts zur Beurteilung von Lärm, Licht oder Grün bei.

**Osipov (2023): berufliche psychoorganisatorische Belastungen des Vaters und Fortpflanzungsstörungen [s76].** Titel: „Exposition paternelle à des facteurs de risque professionnels d'ordre psycho-organisationnel et troubles de la reproduction“ (Väterliche Exposition gegenüber psychoorganisatorischen beruflichen Risikofaktoren und Fortpflanzungsstörungen). *Design:* Abschlussarbeit (Mémoire, HAL/DUMAS) mit systematischer Literaturübersicht, 24 von 502 Treffern eingeschlossen. *Befund laut Abstract:* Schicht- oder Wechselarbeit sei mit Veränderungen der Sekretion von Steroidhormonen, Cortisol und Testosteron assoziiert; Arbeitsstress und Burn-out schienen mit veränderten Spermienparametern verbunden; die methodische Qualität der erfassten Studien sei oft begrenzt. *Schwächen:* Abschlussarbeit, keine Begutachtung im Sinn einer Fachzeitschrift; keine Zahlen im Abstract.

**Ould Hamouda et al. (2016): Spermienanomalien und berufliches Umfeld [s151].** Titel: „Association entre anomalies spermatiques et environnement professionnel chez les hommes consultant pour infertilité de couple“ (Zusammenhang zwischen Spermienanomalien und beruflichem Umfeld bei Männern, die wegen Paarinfertilität konsultieren; englischer Titel laut Datenbank: Association between sperm abnormalities and occupational environment among male consulting for couple infertility; französischsprachig, Journal de gynécologie, obstétrique et biologie de la reproduction). *Design:* Übersicht über 13 Fall-Kontroll-Studien aus PubMed mit 61 bis 2.619 Teilnehmern und großer methodischer Heterogenität, besonders bei der Erfassung der Exposition. *Befunde:* Berufe mit signifikantem Zusammenhang zu veränderten Spermienparametern waren Arbeiter, Maler, Landwirte, Schweißer, Klempner und Techniker; bei den Expositionen fanden sich signifikante Ergebnisse für Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung; keine der Studien fand einen Zusammenhang mit Pestiziden. *Einordnung:* Lärm wird im Abstract nicht erwähnt.

**Deng et al. (2018): Schichtarbeit und Männergesundheit [s133].** Titel: „The Relationship Between Shift Work and Men's Health“. *Design:* narrative Übersicht zu Schichtarbeit und Schichtarbeits-Schlafstörung (SWSD) in Bezug auf allgemeine und urologische Gesundheit. *Befunde:* Die aktuelle Evidenz stütze Zusammenhänge zwischen nicht standardisierter Schichtarbeit und mehr hypogonadalen Symptomen, schlechteren Samenparametern und verminderter Fertilität (daneben Symptome der unteren Harnwege und Prostatakrebs); diese Zusammenhänge seien bei SWSD verstärkt, die bis zu 20 % der Schichtarbeiter betrifft. Maßnahmen gegen Schläfrigkeit (geplante Nickerchen, zeitlich gesteuerte Lichtexposition, Melatonin, Schlafmittel) seien begrenzt und ohne starke Evidenz. Die Arbeit wird in der Literaturliste der AUA/ASRM-Leitlinie geführt (siehe unten). *Schwächen:* narrative Übersicht ohne systematische Suche; wenige Studien zur männlichen Urologie, wie die Autoren selbst einräumen.

### Narrative Übersichten und Hypothesenpapiere

Die folgenden Übersichten enthalten keine eigenen Daten. Sie sind für das Verständnis der Argumentationslinien wichtig (Licht, Melatonin, zirkadiane Gene, Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse), liefern aber keine Risikoschätzer.

**Zirkadiane und Lichtübersichten.** *Gubin et al. (2026) [s06]*, „The Circadian-Light-Hygiene Hypothesis: A Potential Modulator of Fertility and Birthrate Trends“ (Biology; Erstautor in Tjumen, Russland): Hypothesenpapier, nach dem künstliches Licht in der Nacht, zu wenig Tageslicht und unregelmäßige Licht-Dunkel-Muster Melatoninsignal, zirkadiane Genregulation und neuroendokrine Rhythmen stören und unter anderem die Spermienqualität beeinflussen könnten; Urbanisierung, Bildschirmnutzung und Schichtarbeit verstärkten dies. Die Autoren räumen selbst ein, dass direkte Kausalbelege am Menschen für mehrere Endpunkte begrenzt sind. Der Abstract nennt keine Zahlen. *Liu (2024) [s51]*, „Light pollution: time to consider testicular effects“ (Frontiers in Toxicology): Die Übersicht argumentiert, die Zunahme künstlichen Lichts in der Nacht sei beispiellos, das Fortpflanzungssystem eng mit Stoffwechsel und zirkadianem System verknüpft, und beide könnten schon durch geringe Lichtmengen gestört werden; Humanstudien hätten die für Melatoninunterdrückung und zirkadiane Neueinstellung zuständigen Photorezeptoren identifiziert. Die Schlussfolgerung ist die Forderung, testikuläre Wirkungen der Lichtverschmutzung zu untersuchen; es ist ein Meinungs- und Mechanismenbeitrag. *Behi Shahreza et al. (2026) [s01]*, „Visible light, oxidative stress, and reproduction: The protective role of melatonin“ (Autorengruppe aus dem Iran): Übersicht zu Melatonin, nach der Licht in der Nacht Melatonin unterdrücke, oxidativen Stress erhöhe und so Spermien- und Eizellqualität beeinträchtige; im Labor der assistierten Reproduktion erzeuge Licht reaktive Sauerstoffspezies. Ohne Zahlen. *Wang und Tao (2022) [s94]*, „[Progress in researches on the effect of artificial light at night on infertility]“ (Fortschritte der Forschung zur Wirkung von Kunstlicht bei Nacht auf Infertilität; chinesischsprachig, Chinese Journal of Preventive Medicine): Kunstlicht bei Nacht könne den zirkadianen Rhythmus und die Melatoninsekretion beeinflussen, und regelmäßige Rhythmen und ausreichend Melatonin seien der Fortpflanzung zuträglich. *Karabulut und Oria (2025) [s29]*, „The effects of circadian rhythm on reproductive functions“ (Zygote): Das Licht-Dunkel-Muster sei der wichtigste äußere Zeitgeber, Störungen könnten die Fruchtbarkeit beider Geschlechter beeinträchtigen, unter anderem die Spermienbildung. *Li (2022) [s86]*, „The potential impacts of circadian rhythm disturbances on male fertility“: Nachtschicht, Schlafmangel und schlechte Schlafqualität beeinträchtigten nach vielen Studien die Spermienqualität; die Forschung zu Licht, Körpertemperatur und zirkadianen beziehungsweise zirkannualen Rhythmen sei vergleichsweise spärlich, die Spermienindizes und Studiendesigns seien uneinheitlich, die Schlussfolgerungen vorläufig inkonsistent. *Fusco et al. (2021) [s106]*, „Impact of Circadian Desynchrony on Spermatogenesis: A Mini Review“: Knock-out oder Knock-down von Uhrengenen sei bei Tier und Mensch mit Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeitswege verbunden, Verkürzung der Schlafdauer oder veränderte Schlafarchitektur könne Sexualhormone und Samenparameter beim Menschen beeinflussen; die Evidenz bleibe wegen der Studienheterogenität niedrig. *Ulusu (2026) [s16]*, „Non-chemical, chemical, and biochemical, endocrine disruptors: biphasic health effects and pathophysiological insights“ (Frontiers in Endocrinology; Istanbul): zählt elektromagnetische Felder, Lärm, künstliches Licht in der Nacht und Wärmestress zu den nichtchemischen Stressoren, deren Wirkungen von Intensität, Dauer und Zeitpunkt abhingen und schädlich oder nützlich sein könnten. Ohne Zahlen im Abstract.

**Übersichten zu Uhrengenen und Hormonachse.** *He M.-C. et al. (2025) [s27]*, „[Circadian and non-circadian regulation of the male reproductive system and reproductive damage: advances in the role and mechanisms of clock genes]“ (Zirkadiane und nichtzirkadiane Regulation des männlichen Fortpflanzungssystems und Fortpflanzungsschäden: Fortschritte zur Rolle und zu den Mechanismen der Uhrengene; chinesisch, Acta Physiologica Sinica, englischer Abstract): Doppelrolle der Uhrengene (zirkadiane Regulation der Testosteronsynthese über die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden- und die Nebennierenachse; nichtzirkadiane Regulation der Spermatogenese) und mögliche Mechanismen der Schädigung durch zirkadiane Störung. *Ning et al. (2025) [s33]*: Übersicht zur Regulation der Testosteronsynthese durch Uhrengene und zu deren Rolle bei spät beginnendem Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion, männlicher Infertilität und Prostatakrebs. *Alekseeva et al. (2024) [s61]*, „Роль циркадных ритмов в функционировании мужской репродуктивной системы“ (Die Rolle der zirkadianen Rhythmen im Funktionieren des männlichen Fortpflanzungssystems; Experimentelle und klinische Urologie): narrative Übersicht (Suche in PubMed, Scopus und eLibrary, fünf Jahre), die schwaches Kunstlicht von Bildschirmen, Straßenbeleuchtung und dauerhaft eingeschaltetes Licht im Haus als Störer der Melatoninsynthese anführt. Berichtet werden Zahlen aus Sekundärquellen: In der TriNetX-Datenbank (Männer 40 bis 70 Jahre) war Testosteronmangel häufiger bei obstruktiver Schlafapnoe (OR 1,66), Schlaflosigkeit (OR 1,74) und zirkadianen Störungen (OR 2,63); bei 754 Männern lag der IIEF-EF-Wert bei nächtlich Arbeitenden mit Schlafstörung im Mittel 2,8 Punkte niedriger als ohne Schlafstörung; in einer Studie mit 2.571 Teilnehmern, von denen 24,1 % in Schichten arbeiteten, war der qADAM-Wert bei Schichtarbeitern um 1,12 Punkte, in der Untergruppe mit Schichtarbeits-Schlafstörung um 5,47 Punkte (p < 0,01) niedriger, das Testosteron im Mittel um 100,4 ng/dl (p < 0,01). Konfidenzintervalle stehen im Text nicht; die meisten Zahlen betreffen Testosteron und Erektionsfunktion, nicht Spermienparameter, und die Übersicht ist nicht systematisch. *Bukhtiyarov et al. (2016) [s152]*, „Нарушения репродуктивного здоровья у работников ночных смен (обзор литературы)“ (Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Beschäftigten in Nachtschichten; Übersicht): behandelt in den gelesenen Passagen fast nur Frauen; zu Männern nennt der Text lediglich ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko bei langer Schichtarbeit und keine Spermiendaten; die Behauptung, das blaue Licht von Laptops, Tablets und Smartphones hemme die Melatoninbildung lange, wird in den gelesenen Passagen nicht mit Zahlen belegt. Die Arbeit zeigt vor allem die Forschungslücke zu Männern und Nachtarbeit.

**Übersichten zu Umwelt, Lebensstil und Beruf.** *Krzastek et al. (2020) [s119]*, „Impact of environmental toxin exposure on male fertility potential“ (Translational Andrology and Urology): behandelt unter anderem Pestizide, endokrine Disruptoren, Schwermetalle, Erdgas und Öl, nichtionisierende Strahlung, Luft- und Lärmverschmutzung sowie Lebensstilfaktoren; die Feststellung von Kausalität und des Anteils idiopathischer Infertilität, der Umwelttoxinen zuzuschreiben ist, bleibe schwer. Lärm ist nur eine von vielen Expositionen, und der Abstract nennt dazu keine Zahlen. *Köhn und Schuppe (2016) [s149]*, „Umweltfaktoren und männliche Fertilität“ (Der Urologe, Ausgabe A) und *Schuppe und Köhn (2022) [s92]*, „Umweltfaktoren, Lebensstil und männliche Fertilität“ (Urologie; englischer Titel laut Datenbank: Impact of lifestyle and environmental factors on male reproductive health): Die beiden deutschsprachigen Übersichten betonen, dass chemische und physikalische Umwelt- und Berufsfaktoren die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können, dass die Datenlage zu einzelnen exogenen Faktoren begrenzt und die Übertragbarkeit von Tier- und In-vitro-Daten schwierig ist und dass Expositionsrisiken in der andrologischen Anamnese erfasst werden sollten; Lärm und Licht werden im Abstract nicht genannt. *Methorst et al. (2023) [s73]*, „Infertilité masculine, environnement et mode de vie“ (Männliche Infertilität, Umwelt und Lebensstil; Progrès en Urologie): nennen einen quantitativen und qualitativen Rückgang der Spermienparameter seit den 1970er-Jahren und führen verringerte Schlafzeit, Bewegungsmangel, Ernährung, Tabak, Drogen und Anabolika als Lebensstilfaktoren mit „nachgewiesenem Einfluss“ auf das Spermiogramm an. *Bendayan et al. (2018) [s132]*, „Toxiques, mode de vie, environnement : quels impacts sur la fertilité masculine ?“ (Giftstoffe, Lebensstil, Umwelt: welche Auswirkungen auf die männliche Fertilität?): nennen Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährung, elektromagnetische Wellen und Höhe. *Lamothe et al. (2018) [s134]*, „Qualité du sperme et fertilité : rôle de l’environnement et de la santé“ (Spermienqualität und Fruchtbarkeit: Rolle von Umwelt und Gesundheit; Annales d'endocrinologie): diskutieren epigenetische Veränderungen und Adipositas. *Bujan (1998) [s179]*, „Environnement et spermatogenèse“ (Umwelt und Spermatogenese): behandelt chemische, physikalische und Lebensstilfaktoren sowie regionale Unterschiede. *García Pallás et al. (2021) [s107]*, „Factores ambientales y hábitos de vida que afectan a la fertilidad masculina“ (Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten, die die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen; spanisch, Revista Sanitaria de Investigación): Der Abstract besagt nur, dass eine Übersicht zum Zusammenhang männlicher Infertilität mit Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten erstellt wurde. *Meyer et al. (1989) [s180]*, „Effects of noise and electromagnetic fields on reproductive outcomes“ (Environmental Health Perspectives): kurze Übersichtsarbeit ohne Zahlen im Abstract, mit Überlegungen zu Mechanismen, zur Expositionserfassung und zu Forschungsvorschlägen; ein historischer Beleg, dass die Frage seit Jahrzehnten besteht. *Fesenko et al. (2023) [s83]*, „Влияние вредных производственных физических факторов на репродуктивное здоровье работников-мужчин“ (Einfluss schädlicher physikalischer Produktionsfaktoren auf die reproduktive Gesundheit männlicher Beschäftigter; Medizin der Arbeit und industrielle Ökologie): narrative Übersicht (Volltext gelesen); zu Lärm schreiben die Autoren, Studien zu Betriebslärm und Vibration seien „wenig zahlreich“, solche zu Ultra- und Infraschall „Einzelfälle“; sie zitieren aus zweiter Hand einen Zusammenhang zwischen Betriebslärm und geringerer Spermienbeweglichkeit sowie mehr DNA-Schäden (p = 0,005 und p = 0,02) und eine Arbeit, in der die niedrigsten Testosteronwerte in der Gruppe mit Lärm über 92,69 dBA auftraten (p = 0,001); die beiden letzten Zahlen entsprechen der iranischen Querschnittsstudie an Beschäftigten eines Automobilzulieferers (siehe Abschnitt „Beobachtungsstudien“). Keine systematische Suche, keine Bewertung der Studienqualität. *Zemlyanova et al. (2025) [s46]*, „Гигиенические аспекты воздействия химических и физических факторов среды обитания на репродуктивное здоровье мужчин фертильного возраста (обзор литературы)“ (Hygienische Aspekte der Wirkung chemischer und physikalischer Umweltfaktoren auf die reproduktive Gesundheit von Männern im fertilen Alter; Hygiene und Sanitärwesen): Übersicht über 160 Berichte; zu Lärm schreiben die Autoren, Urbanisierung, Infrastruktur und Verkehr erhöhten die Lärmbelastung, chronischer Lärm führe zu einem Ungleichgewicht von Cortisol und Testosteron, zu Hodenfunktionsstörung und gestörter Spermatogenese (Verweis auf eine einzelne Quelle) und verändere zirkadiane Rhythmen; sie betonen selbst, dass Lebensstil, Gewohnheiten, Infektionen und chronische Krankheiten die Zuordnung eines wahren Einflusses erschweren. Die Lärmaussagen stützen sich auf wenige Einzelquellen, Effektgrößen fehlen. *Osadchuk und Osadchuk (2020) [s125]*, „[Эпидемиологические исследования мужского репродуктивного потенциала: качество спермы как маркер репродуктивного здоровья]“ (Epidemiologische Studien des männlichen reproduktiven Potenzials: Spermienqualität als Marker der reproduktiven Gesundheit; Urologiia): Wohnregion und Ethnizität seien wichtige Determinanten des männlichen reproduktiven Potenzials; keine Zahlen im Abstract. *Skerrett-Byrne et al. (2025) [s37]*, Übersicht zur Westpazifik-Region: Die Weltgesundheitsorganisation weise für den Westpazifik die höchste Infertilitätsprävalenz mit 23,2 % aus (global 17,5 %); die Autoren nennen erhebliche Lücken der regionalen Evidenz; zu Licht, Lärm oder Grün steht im Abstract nichts. *Kavoussi und Kavoussi (2025) [s30]*, „Do mobile phones and laptop computers really impact sperm?“ (Arab Journal of Urology): Die Datenlage sei widersprüchlich, und ob Laptops und Handys die männliche Fertilität schädigen, bleibe „diskutabel“; Licht wird im Abstract nicht behandelt, es geht um Strahlung und Wärme. Die Bemerkung der Autoren, vorsichtige Männer könnten solche Expositionen verringern, ist eine Autorenmeinung und wird hier nicht als Empfehlung übernommen.

### Leitlinien und Konsensdokumente

**AUA/ASRM-Leitlinie „Diagnosis and Treatment of Infertility in Men“ (Schlegel et al., 2020, geändert 2024; Volltext durchsucht) [s54].** Das Kapitel zum Lebensstil stellt fest, dass Lebensstilfaktoren „sehr schwer zu untersuchen“ seien (fehlende Kontrollen, Erinnerungsverzerrung) und nur wenige ein signifikantes Risiko darstellten. Genannt werden Ernährung, Rauchen, Stress, Mobiltelefone (niedrige Qualität, kein Effekt), anabole Steroide, Koffein, Alkohol und Bewegung. Wörtlich steht dort: „No systematic reviews met inclusion criteria for the following risk factors: recreational drug use, sleep, sports/exercise, heat exposure, type of underwear, or anatomic abnormalities of genitalia.“ Lärm, nächtliches Licht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen im Text nicht als Faktoren vor (Volltextsuche ohne Treffer für noise, night, circadian, laptop, screen, television, rural). Außenluftverschmutzung ist in der Zusammenfassungstabelle mit „Evidence inconclusive“ geführt. Eine Empfehlung zu Lärm, Licht, Grünflächen oder Wohnort gibt es nicht.

**EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Webfassung, abgerufen am 4. Oktober 2026) [s183].** Das Kapitel nennt idiopathische männliche Infertilität als möglicherweise mit mehreren nicht identifizierten Faktoren verknüpft, darunter endokrine Störungen durch Umweltverschmutzung, oxidativer Stress und DNA-Schäden sowie genetische und epigenetische Abweichungen; in der Anamnese sollen Lebensstil und Exposition gegenüber Umwelttoxinen erfragt werden. Zu Lärm, Licht, Grünflächen, Wohnort oder Schichtarbeit enthält das Kapitel keine Aussage. Im Kapitel zum Hypogonadismus steht, dass die Testosteronmessung am Morgen (7 bis 10 Uhr, nüchtern) erfolgen soll und dieses Zeitfenster für Nachtschichtarbeiter eventuell nicht geeignet sei, da der Tagesrhythmus der Testosteronsekretion primär durch das Schlafmuster bestimmt werde; das ist eine Messanweisung, kein Fertilitätsbefund.

**Leitlinie des französischen Kollegiums der Gynäkologen und Geburtshelfer (CNGOF 2022, publiziert 2024; Sonigo et al.) [s55].** Titel: „Prise en charge de première intention du couple infertile : mise à jour des RPC 2010 du CNGOF“ (Erstmaßnahmen beim infertilen Paar: Aktualisierung der Leitlinien von 2010 des CNGOF; englischer Titel laut Datenbank: First-line management of infertile couple. Guidelines for clinical practice of the French College of Obstetricians and Gynecologists 2022). GRADE-Leitlinie mit 28 PICO-Fragen, darunter ein Thema zur Prävention von Umweltexpositionen. Im Abstract genannt sind für den Mann Spermiogramm, Spermazytogramm und Spermakultur als Ersttests sowie Aussagen zu Ernährung, Bewegung, Rauchen, Cannabis und Alkohol; zu Lärm, Licht, Grün oder Wohnort enthält der Abstract nichts.

**Weitere Leitliniensuche.** Die Webseiten von ESHRE, AWMF und der Società Italiana di Andrologia lieferten nur Übersichten, keinen durchsuchbaren Leitlinientext zum Thema; eine Cochrane-Suche über PubMed ergab keine einschlägige Übersicht. Die Aussage, dass es dort keine Empfehlung gibt, beruht daher auf fehlender Auffindbarkeit und ist nicht bewiesen.

**Zusammenfassung des Abschnitts.** Gepoolte Schätzer existieren für Schichtarbeit (nicht signifikant) [s41], für Schlafstörungen (signifikant, aber ohne Angabe von Studienzahl und Heterogenität im Abstract) [s98], für Mobiltelefone (ohne Dosisbezug) [s109], für Luftschadstoffe [s11, s155] und für Lärm im Rattenversuch [s154]. Für Lärm, nächtliches Außenlicht, Bildschirmlicht und Wohngrün in Bezug auf Samenparameter beim Menschen fehlen Metaanalysen und systematische Übersichten vollständig; der Umbrella-Review [s17] enthält diese Faktoren nicht, und die Leitlinien [s54, s183, s55] geben keine Empfehlung.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

Dieser Abschnitt beschreibt die beobachtenden Studien am Menschen (Kohorten-, Querschnitt-, Fall-Kontroll- und ökologische Studien) nach Exposition geordnet: Lärm, nächtliches Licht und Chronotyp, Schichtarbeit und zirkadiane Störung, Grünflächen, Wohnort, Bildschirme und Geräte sowie Schlaf. Reine Tierversuche gehören nicht in diesen Abschnitt; bei Mischstudien (Mensch und Maus) wird der Humanarm ausführlich, der Tierarm kurz dargestellt. Alle Studien dieses Abschnitts zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Mehrere beruhen auf Spendern oder Männern in Kinderwunschkliniken und sind nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Die Zahlen stammen aus den Abstracts beziehungsweise, wo vermerkt, aus Volltexten. Die Ausdrücke „Stärken“ und „Schwächen“ geben die Einordnung der Bearbeitung wieder, soweit nicht ausdrücklich als Aussage der Autoren gekennzeichnet.

### Lärm

Für Lärm als Wohnumweltfaktor gibt es beim Menschen nur wenige Studien zu Spermienparametern im engeren Sinn: eine koreanische Klinikkohorte, eine koreanische Versichertenkohorte (Diagnose Infertilität) und eine dänische Registerkohorte (ebenfalls Diagnose). Dazu kommen eine Auswertung zu Testosteron, mehrere Berufsstudien mit Mischexposition und eine Studie zur Zeit bis zur Schwangerschaft bei Müttern.

**Choe et al. (2020): nächtlicher Umgebungslärm und Samenqualität, Seoul, Korea [s114].** Titel: „Nighttime environmental noise and semen quality: A single fertility center cohort study“ (PLoS One). *Design:* retrospektive Kohortenstudie an einem einzelnen Fertilitätszentrum. *Population:* 1.972 Männer mit Samenanalyse in den Jahren 2016 bis 2018. *Exposition:* halbjährliche Nachtlärmmessungen des nationalen koreanischen Lärminformationssystems (NNIS), per empirischem Bayes-Kriging auf die geokodierte Wohnadresse jedes Patienten übertragen. *Endpunkte:* Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Vitalität, normale Morphologie, gesamte bewegliche Spermienzahl sowie Oligozoospermie, Asthenozoospermie und schwere Teratozoospermie; multivariable Regression und generalisierte additive Modelle. *Ergebnisse:* Die mittlere Nachtlärmbelastung betrug 58,3 ± 2,2 Leq; die Prävalenz lag bei 3,3 % für Oligozoospermie, 14,0 % für Asthenozoospermie und 10,1 % für schwere Teratozoospermie. Das höchste Quartil des Nachtlärms war mit einem 3,5-fach erhöhten Chancenverhältnis für Oligozoospermie verbunden (OR; 95-%-KI 1,18 bis 10,17) gegenüber dem niedrigsten Quartil. Im dritten Quartil lag die OR für schwere Teratozoospermie bei 0,57 (0,33 bis 0,98), im vierten Quartil ging sie „gegen null“, war also nicht mehr verringert. Im additiven Modell stieg das Risiko für Oligozoospermie ab etwa 55 dB Leq. *Stärken:* behördlich gemessene Lärmdaten, Bezug auf den Nachtlärm (relevant für Schlafstörung), flexible Modellierung. *Schwächen:* ein einzelnes Zentrum mit Patienten in Fertilitätsabklärung; Lärm nur aus halbjährlichen Messungen interpoliert, keine Angabe zu Innenraumlärm, Schlafzimmerlage oder Schlafverhalten; sehr weites Konfidenzintervall der zentralen OR (1,18 bis 10,17), weil nur 3,3 % eine Oligozoospermie hatten; gegenläufiges, nicht monotones Muster bei schwerer Teratozoospermie (OR 0,57 im dritten Quartil). Die Autoren sprechen selbst nur von einem „potenziellen“ Einfluss und erwarten Studien mit genauerer Lärmmessung. *Einordnung:* Die Studie ist neben der Versichertenkohorte die einzige, die eine Samenanalyse mit gemessenem Umgebungslärm verknüpft; eine Bestätigung aus anderen Regionen fehlt.

**Min und Min (2017): Umgebungslärm und Diagnose männliche Infertilität, Korea [s143].** Titel: „Exposure to environmental noise and risk for male infertility: A population-based cohort study“ (Environmental Pollution). *Design:* populationsbasierte Kohortenstudie mit der Stichprobenkohorte des nationalen Krankenversicherungsdienstes (National Sample Cohort 2002 bis 2013). *Population:* 206.492 Männer im Alter von 20 bis 59 Jahren ohne angeborene Fehlbildungen, Nachbeobachtung über acht Jahre (2006 bis 2013). *Exposition:* Tages- und Nachtlärm der Jahre 2002 bis 2005 aus dem NNIS, per Geoinformationssystem auf Verwaltungsbezirke übertragen und den Personen zugeordnet. *Endpunkt:* männliche Infertilität nach ICD-10 N46 (Abrechnungsdiagnose). Adjustiert wurde unter anderem für Alter, Einkommen, Wohngebiet, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Blutzucker, BMI, Vorerkrankungen und Feinstaub. *Ergebnisse:* 3.293 Männer (1,6 %) erhielten eine Infertilitätsdiagnose. Für Zunahmen um 1 dB gab es keinen Zusammenhang, wohl aber eine nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehung über die Quartile der Tages- und Nachtbelastung. Nach WHO-Kriterien war die adjustierte OR für Infertilität bei Nachtlärm von mindestens 55 dB mit 1,14 erhöht (95-%-KI 1,05 bis 1,23). Die Autoren schließen auf eine Rolle langfristiger Lärmbelastung in der Entstehung männlicher Infertilität. *Stärken:* sehr große Stichprobe, Exposition vor der Diagnose, Adjustierung für Feinstaub. *Schwächen:* Das Ergebnis ist eine Abrechnungsdiagnose, keine Samenanalyse; Lärm wurde nur auf Bezirksebene zugeordnet (erhebliche Expositionsfehlklassifikation); wer keinen Arzt aufsucht, wird nicht erfasst; kein Zusammenhang pro Dezibel; Restkonfundierung (Wohnlage, Sozialstatus) ist wahrscheinlich. Zu dieser Studie existiert ein Leserbrief, dessen Inhalt hier nicht ausgewertet wurde. *Einordnung:* Die beiden koreanischen Studien weisen in dieselbe Richtung und nennen dieselbe Größenordnung (etwa 55 dB nachts), sind aber methodisch verwandt (dasselbe Messnetz) und stellen keine unabhängige Bestätigung dar.

**Sørensen et al. (2024): Straßenverkehrslärm, Luftverschmutzung und Infertilität bei Männern und Frauen, Dänemark [s56].** Titel: „Long term exposure to road traffic noise and air pollution and risk of infertility in men and women: nationwide Danish cohort study“ (BMJ). *Design:* landesweite prospektive Kohortenstudie. *Population:* 526.056 Männer und 377.850 Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren, verheiratet oder zusammenlebend, mit weniger als zwei Kindern, wohnhaft in Dänemark zwischen 2000 und 2017. *Exposition:* langjährige Wohnexposition gegenüber Straßenverkehrslärm (Lden, am stärksten betroffene Fassade) und PM₂,₅. *Endpunkt:* erstmalige Infertilitätsdiagnose im dänischen Patientenregister. *Ergebnisse:* Infertilität wurde bei 16.172 Männern und 22.672 Frauen diagnostiziert, bei einer mittleren Nachbeobachtung von 4,3 beziehungsweise 4,2 Jahren. Das Fünf-Jahres-Mittel von PM₂,₅ war bei Männern stark assoziiert: Hazard Ratio (HR) 1,24 (95-%-KI 1,18 bis 1,30) bei 30- bis 36,9-Jährigen und 1,24 (1,15 bis 1,33) bei 37- bis 45-Jährigen je Interquartilsabstand (2,9 µg/m³), adjustiert für soziodemografische Variablen und Straßenverkehrslärm; bei Frauen bestand kein Zusammenhang mit PM₂,₅. Straßenverkehrslärm war bei Frauen von 35 bis 45 Jahren mit HR 1,14 (1,10 bis 1,18) je Interquartilsabstand (10,2 dB) des Fünf-Jahres-Mittels verbunden, nicht bei jüngeren Frauen (30 bis 34,9 Jahre). Bei Männern lag die HR für Straßenverkehrslärm in der Altersgruppe 37 bis 45 bei 1,06 (1,02 bis 1,11), in der Altersgruppe 30 bis 36,9 Jahre aber bei 0,93 (0,91 bis 0,96), also unter 1. Die Autoren folgern, Lärm sei mit höherem Infertilitätsrisiko bei Frauen über 35 und „potenziell“ bei Männern über 37 Jahren verbunden. *Stärken:* sehr große, landesweite Registerkohorte, prospektive Anlage, gemeinsame Betrachtung von Lärm und Feinstaub, Auswertung nach Geschlecht und Altersgruppen. *Schwächen:* Registerdiagnose (im Wesentlichen Fälle mit Behandlungsbedarf im Krankenhaussystem), keine Samenanalyse; kurze mittlere Nachbeobachtung von rund vier Jahren; die Richtung beim Mann ist uneinheitlich (HR 1,06 bei den Älteren, 0,93 bei den Jüngeren; beide Intervalle schließen 1 nicht ein); der Lärmeffekt beim Mann ist klein im Vergleich zum Feinstaubeffekt. *Einordnung:* Die Studie spricht eher für Luftschadstoffe als für Lärm als Faktor der männlichen Infertilität, mit gegenläufigem Muster bei jungen Männern; ein einheitlicher Lärmeffekt beim Mann lässt sich daraus nicht ableiten.

**Christensen et al. (2017): Straßenverkehrslärm vor der Konzeption und Zeit bis zur Schwangerschaft, Dänemark [s142].** Titel: „Exposure to residential road traffic noise prior to conception and time to pregnancy“ (Danish National Birth Cohort; Environment International). *Design:* Auswertung der Dänischen Nationalen Geburtskohorte. *Population:* 65.201 Mütter mit selbstberichteter Zeit bis zur Schwangerschaft (TTP, computergestütztes Telefoninterview). *Exposition:* modellierter Straßenverkehrslärm an allen früheren Wohnadressen, als zeitgewichtetes Mittel für den jeweiligen TTP-Zeitraum. Logistische und ordinale logistische Regression, adjustiert für Alter bei Konzeption, Haushaltseinkommen, Bildung und Luftverschmutzung (NOx). *Ergebnisse:* Ein Anstieg um 10 dB war mit einem um 8 % erhöhten Risiko für eine TTP von 6 bis 12 Monaten verbunden (95-%-KI 1,03 bis 1,12); für eine TTP von mindestens 12 Monaten war der Zusammenhang nicht signifikant (OR 1,04; 0,99 bis 1,09). Als binäres Ergebnis war ein Anstieg um 10 dB mit einem um 5 % erhöhten Risiko einer TTP von mindestens 6 Monaten verbunden (1,01 bis 1,08); beim Grenzwert 12 Monate zeigte sich kein Zusammenhang. *Stärken:* große Stichprobe, modellierte Lärmexposition über frühere Adressen. *Schwächen:* Die Schwangerschaftsdauer wurde erst im Nachhinein erinnert; keine Angaben zum männlichen Partner; die Lärmexposition ist die der Mutter am Wohnort. Die Autoren schließen nur auf einen möglichen „kleinen Einfluss auf Subfekundität“. *Einordnung:* Paar-Endpunkt Fekundität, nicht Spermienqualität; als Hintergrund aufgeführt.

**Dzhambov (2016): Arbeitslärm und Serumtestosteron bei Männern, NHANES 1999 bis 2004, USA [s146].** Titel: „Workplace noise exposure and serum testosterone in men enrolled in the 1999-2004 National Health and Nutrition Examination Survey“ (Arhiv za higijenu rada i toksikologiju). *Design:* Querschnittsstudie. *Population:* erwerbstätige Männer von 16 bis über 85 Jahren (voll adjustiertes Modell n = 414). *Exposition:* Lärm entweder nach O*NET-Berufskategorien oder selbstberichtet. *Endpunkte:* Gesamt- (TT) und freies Testosteron (FT); lineare Regression mit zunehmender Adjustierung. *Ergebnisse:* Im voll adjustierten Modell war das dritte Quartil der O*NET-Lärmbelastung mit niedrigerem TT und FT verbunden: −58,32 ng/dl (95-%-KI −111,22 bis −5,42) beziehungsweise −1,58 ng/dl (−2,98 bis −0,18). Die Chance für Hypogonadismus (TT < 300 ng/dl) stieg je Interquartilsabstand nicht signifikant an (OR 1,24; 0,64 bis 2,39). Selbstberichteter lauter Lärm senkte TT bei allen Männern (n = 214) nicht signifikant, bei Männern ab 37 Jahren aber um −87,55 ng/dl (−158,35 bis −16,74). In Subgruppen waren jüngere Männer, solche mit niedrigerem Einkommen, normalgewichtige, mit besserem Gehör und ohne Gehörschutz stärker betroffen. Die Autoren fassen zusammen, Lärm sei nur in einigen Subgruppen mit niedrigerem TT und FT verbunden gewesen, und die Zusammenhänge seien nichtlinear. *Stärken:* repräsentative Stichprobe der US-Bevölkerung, gemessene Hormone. *Schwächen:* kein Samenparameter; Lärmklassifikation nach Beruf oder Selbstangabe; Querschnitt; der Effekt tritt nur im dritten Quartil auf (kein klarer Dosis-Wirkungs-Verlauf); kleine Stichprobe. *Einordnung:* Hormonbefund, kein Fertilitätsbefund; er trägt zur Frage bei, ob Lärm beim Menschen überhaupt auf die Hormonachse wirkt, und liefert eine uneinheitliche Antwort.

**Sheiner et al. (2002): männliche Infertilität und beruflicher psychischer Stress, [s178].** Titel: „Potential association between male infertility and occupational psychological stress“ (Journal of Occupational and Environmental Medicine). *Design:* Vergleichsstudie mit Fall-Kontroll-Charakter in einer Fertilitätsklinik. *Population:* 202 aufeinanderfolgende Patienten; 106 mit männlichem Infertilitätsproblem (Fälle), 66 wegen weiblicher Infertilität (Kontrollen), 30 mit kombiniertem Problem. *Ergebnisse:* Männliche Infertilität war mit einer Tätigkeit in Industrie und Bauwesen verbunden (78,6 % gegenüber 58,3 %; p = 0,044). Diese Patienten waren niedriger gebildet (im Mittel 12,1 gegenüber 13,4 Jahre; p = 0,021), rauchten tendenziell mehr (OR 2,53; 95-%-KI 1,08 bis 5,98), arbeiteten häufiger in Schichten (OR 3,12; 1,19 bis 8,13), berichteten körperliche Anstrengung (OR 3,35; 1,44 bis 7,80) und waren stärker Lärm ausgesetzt (OR 3,84; 1,63 bis 9,14). Für Schweißen nennt der Abstract „OR = 4,40“ mit einem Konfidenzintervall „1,11 bis 1,76“, das den Punktschätzer nicht einschließt; der Wert ist offensichtlich fehlerhaft gedruckt und wird hier nicht ausgewertet. Männliche Infertilität war außerdem mit höheren Werten in allen vier Burn-out-Maßen verbunden (größte Differenz bei kognitiver Erschöpfung: im Mittel 2,9 gegenüber 2,1; p < 0,001). In der multiplen logistischen Regression blieben Industrie- und Bauberufe (adjustierte OR 2,2; 1,2 bis 2,7) und kognitive Erschöpfung (adjustierte OR 1,8; 1,03 bis 4,6) unabhängige Risikofaktoren. *Stärken:* gleichzeitige Erfassung mehrerer Arbeitsbelastungen und von Burn-out-Maßen. *Schwächen:* Kontrollen sind Männer aus Paaren mit weiblicher Infertilität (Selektion); Lärm, Schichtarbeit, Rauchen und körperliche Belastung sind eng gekoppelt, sodass Lärm nicht isoliert wird; im multiplen Modell erscheint Lärm nicht mehr als unabhängiger Faktor; Selbstauskunft; Druckfehler im Abstract; die Zielgröße ist die Zuordnung zur Fallgruppe, keine Samenanalyse. *Einordnung:* historische Studie, in der Lärm nur im Einzelvergleich auffällt.

**Mohammadi et al. (2021): Ganzkörpervibration und Lärm und Sexualhormone bei Beschäftigten, Iran [s111].** Titel: „Relationship between occupational exposure to whole-body vibration and noise with sex hormone levels: An empirical assessment in an automobile parts manufacturing plant“ (Autorengruppe aus dem Iran). *Design:* Querschnitt an 162 Beschäftigten eines Automobilzulieferers. *Exposition:* Lärm und Ganzkörpervibration (WBV) als zeitgewichtete Mittelwerte gemessen. *Ergebnisse:* Nur 49 % der Männer hatten Testosteron im Normbereich. Das niedrigste mittlere Testosteron fand sich in der Gruppe mit WBV über 1,93 m/s² und Lärm über 92,69 dB; signifikant war nur der Unterschied zwischen den drei Lärmgruppen (p = 0,001). Die Korrelation zwischen Lärm und Testosteron betrug R = −0,201 (p = 0,013); in der logistischen Regression hatte die Vibration den größten Effekt. Die Blutentnahme erfolgte nüchtern zwischen 7 und 9 Uhr. *Schwächen:* Spermienwerte fehlen; Lärm und Vibration sind eng gekoppelt; die Korrelation ist schwach. *Einordnung:* Hormonbefund bei Mischexposition am Arbeitsplatz.

**Mohammadi et al. (2025): berufliche Exposition und Fertilitätsindikatoren, maschinelles Lernen, Iran [s32].** Titel: „Analyzing the impact of occupational exposures on male fertility indicators: A machine learning approach“. *Design:* Querschnitt an 80 Beschäftigten mit fünf Modellen des maschinellen Lernens. *Ergebnisse:* Wichtigste Prädiktoren für freies Testosteron waren nach SHAP-Analyse Magnetfeld (0,339), Alter (0,244) und Feuchtkugeltemperatur (0,138); XGBoost und Random Forest erreichten eine AUC von 0,99. *Schwächen:* Eine AUC von 0,99 bei 80 Personen spricht für Überanpassung; Lärm wird nicht als führender Prädiktor genannt; keine Spermienparameter. *Einordnung:* für Lärm nicht aussagekräftig.

**Sitdikova et al. (2014): Risikofaktoren im Maschinenbau, Russland [s162] und Flugzeugbau [s161].** Titel: „Факторы риска для репродуктивного здоровья мужчин трудоспособного возраста“ (Risikofaktoren für die reproduktive Gesundheit von Männern im erwerbsfähigen Alter; Praktische Medizin, Kasan) und „Гигиенические аспекты профилактики нарушения репродуктивного здоровья у работников авиастроения“ (Hygienische Aspekte der Vorbeugung reproduktiver Gesundheitsstörungen bei Beschäftigten im Flugzeugbau). *Maschinenbau [s162]:* Fragebogen bei 318 Beschäftigten, Kontrollgruppe 148 Männer ohne dauernde Belastung; Testosteron, LH und FSH per ELISA; 5,6 % der Fragebögen unbrauchbar. Der Anteil der Raucher mit Hormonabweichungen betrug 27,3 % gegenüber 17,6 % bei Nichtrauchern. Die Autoren führen Lärm und Vibration gemeinsam mit Chemikalien, Kühlschmierstoffen, Alkohol, Rauchen und psychischer Belastung als „nachweislich beeinflussende“ Faktoren an, nennen aber für Lärm keine eigene Effektgröße; der berichtete χ²-Wert für Lärm (χ² = 122; p < 0,00001) beschreibt nur Unterschiede der Expositionshäufigkeit zwischen Dienstaltersgruppen. Psychoemotionale Belastung korrelierte mit Fehlgeburten der Ehefrauen (r = 0,53; p < 0,02) und mit LH (r = −0,30; p < 0,04). *Flugzeugbau [s161]:* 318 Fragebögen, Hormonanalyse bei 291 Beschäftigten der Hauptberufe gegenüber 148 in Hilfsberufen. Arbeitsplatzmessungen ergaben Überschreitungen der Lärmgrenzwerte um 4 bis 29 dBA, der lokalen Vibration um 3 bis 12 dB und der Wärmestrahlung (1,17 bis 13,69 Grenzwerte) sowie Überschreitungen bei Mineralölaerosolen, Benzo(a)pyren, Epichlorhydrin und Stickstoffdioxid. In der exponierten Gruppe fanden sich niedrigere Testosteronwerte und höhere LH- und FSH-Werte; bei 25 % der Beschäftigten wich mindestens ein Hormon ab (17 % ein, 6 % zwei, 2 % alle drei); kritisch sei eine Betriebszugehörigkeit von 10 bis 19 Jahren (signifikant niedrigeres Testosteron). Bei Beschäftigten mit lokaler Vibration von 114 ± 1,7 dB und einem Schalldruckpegel von 87,7 ± 4,5 dBA zeigten 21 % Hormonabweichungen. *Schwächen beider Berichte:* Lärm, Vibration, Hitze und Chemikalien sind untrennbar vermischt; die 21-%-Angabe hat keinen Vergleichswert ohne Lärm; es fehlen Spermienanalysen; Querschnitt; die Studie im Flugzeugbau betrifft den Arbeitsplatz, nicht Fluglärm im Wohnumfeld.

**Guven et al. (2008): Mautstellen-Beschäftigte an Autobahnen, Türkei [s175].** Titel: „Alterations in semen parameters of toll collectors working at motorways: does diesel exposure induce detrimental effects on semen?“ (Andrologia). *Design:* Querschnittsvergleich von 38 Mautstellen-Beschäftigten und 35 Büroangestellten (Kontrolle); Ausschluss bei Varikozele und chronischen Krankheiten; kein Unterschied beim Rauchen. *Ergebnisse:* verminderte Beweglichkeit bei 8 und niedrige Spermienzahl bei 7 Männern der Studiengruppe (ein Mann mit beidem), in der Kontrollgruppe bei 2 beziehungsweise 1; Unterschiede für abnorme Spermien (p = 0,002), Beweglichkeit (p = 0,003) und normale Morphologie (p = 0,001). *Einordnung:* Die untersuchte Exposition ist Dieselabgas; Verkehrslärm an der Mautstelle wurde weder gemessen noch ausgewertet. *Schwächen:* kleine Fallzahl, keine Expositionsmessung. Die Studie gehört eher zu den Luftschadstoffen und ist als Randbefund zum Thema Verkehr aufgeführt.

**Kanbur und Eyüboğlu (2018): Zementarbeiter [s138] und Kernbohr-Bediener [s139], Türkei.** Titel: „A Research on the Reproductive Health of Male Workers in the Cement Industry“ (Van Tıp Dergisi) und „A Survey on Reproductive Health Situations of Male Individuals Working as Core Boring Operators“ (Zeynep Kamil Tıp Bülteni). *Design:* Fragebogenstudien (Chi-Quadrat) an 70 verheirateten Männern im Zementwerk gegenüber 70 im Büro beziehungsweise an 75 Kernbohr-Bedienern im Bergbau- und Bausektor der Marmararegion gegenüber 75 Büroangestellten. Der Abstract der Zementstudie nennt Lärm, Staub und Temperatur als bekannte Risikofaktoren, trennt sie aber nicht; statistisch auffällig waren Angaben zu Fehlbildungen, mütterlicher Geburtshistorie, Schwangerschaftsdauer und Frühgeburten der Partnerin. In der Kernbohr-Studie waren niedrige Kinderzahl, Totgeburten und Schwangerschaftsdauern der Partnerinnen auffällig (p < 0,05). *Schwächen:* keine Lärmmessung, keine Samenwerte; beide Studien sind als Beleg für eine Lärmwirkung auf Spermien ungeeignet (Einordnung aus dem Recherchebericht, hier übernommen).

**Rochdi et al. (2025): Epidemiologie und berufliche Risikofaktoren, Ostmarokko [s36].** Titel: „Epidemiology and occupational risk factors of male infertility based on 3,025 patients in Eastern Morocco during 2021-2023: a cohort study“ (Obstetrics & Gynecology Science). *Design:* Beschreibung von 3.025 Patienten eines Fertilitätszentrums (September 2021 bis Juli 2023), WHO-Kriterien 2021. *Ergebnisse:* Häufigster Risikofaktor war „occupational exposure“, gefolgt von Varikozele; Rauchen 24,29 %, Alkohol 12,49 %, Hitzeexposition 30,08 %; Spermiogramm-Anomalien in 78,71 %; Oligozoospermie 29,07 %, Asthenozoospermie 24,68 %, Azoospermie 17,56 %. *Schwächen:* Lärm wird im Abstract nicht gesondert ausgewiesen; es gibt keine Vergleichsgruppe ohne Berufsexposition. *Einordnung:* deskriptiv; für Lärm ohne Aussage.

**Fluglärm.** In keiner der aufgefundenen Studien wurde Fluglärm als Exposition und Spermienqualität oder männliche Fertilität als Endpunkt untersucht. Treffer zu Flughäfen betrafen andere Themen (Röntgenkontrollen von Tiersamen, Meerestiere und Sonar); zwei japanische Arbeiten zu Fluglärm rund um Militärflugplätze betrafen Geburtsgewicht und Verhalten von Vorschulkindern (nur Titel gesehen) und wurden nicht aufgenommen. Fluglärm erscheint in den Übersichten nur im Zusammenhang mit Krebsendpunkten [s115]. Die Evidenzlücke ist eindeutig; die Studie von Sitdikova im Flugzeugbau [s161] betrifft Beschäftigte in der Flugzeugproduktion, nicht Anwohner von Flughäfen.

**Zusammenschau Lärm.** Die beiden koreanischen Studien weisen bei Nachtlärm um 55 dB in dieselbe Richtung (OR 1,14 für die Diagnose Infertilität in der Versichertenkohorte [s143]; 3,5-fach erhöhte Chance für Oligozoospermie im höchsten Quartil bei sehr weitem Konfidenzintervall in der Klinikkohorte [s114]). Die dänische Registerstudie findet beim Mann keinen einheitlichen Lärmeffekt (HR 1,06 bei 37- bis 45-Jährigen, 0,93 bei 30- bis 36,9-Jährigen) [s56], der NHANES-Auswertung zufolge ist Testosteron nur in Subgruppen und nichtlinear niedriger [s146]. Die Berufsstudien mit Mischexposition [s111, s161, s162, s178] erlauben keine Trennung des Lärms. Aus den Humandaten lässt sich daher weder ein belegter noch ein ausgeschlossener Lärmeffekt auf die Samenqualität ableiten; die Evidenz ist dünn, uneinheitlich und überwiegend auf Diagnosen oder Hormone statt auf Samenparameter gestützt.

### Nächtliches Licht und Chronotyp

Für nächtliches Licht im engeren Sinn (Lichtverschmutzung, Außenbeleuchtung, Licht im Schlafzimmer) gibt es beim Menschen genau eine Studie mit Samenparametern als Endpunkt und objektiv geschätzter Lichtexposition [s58], eine große Studie zur Fekundität von Paaren [s31], eine kleine ägyptische Studie mit Melatonin- und Samenwerten [s117], eine Fragebogenstudie zu Bildschirmlicht am Abend [s116] sowie Studien an Kindern und zu Tageslicht. Studien zu Schichtarbeit und Chronotyp stehen im folgenden Abschnitt, weil sie Licht nicht von Schlaf, Stress und anderen Faktoren trennen.

**Tian et al. (2024): Außenlicht in der Nacht und Spermienqualität, China [s58].** Titel: „Outdoor artificial light at night and male sperm quality: A retrospective cohort study in China“ (Environmental Pollution; Autorengruppe an der West China School of Public Health, Sichuan). *Design:* retrospektive Kohortenstudie. *Population:* 1.991 Samenspender-Kandidaten einer Samenbank; mittleres Alter 24,98 Jahre (SD 4,78), BMI 22,13 kg/m² (SD 2,60), mittlere Schlafdauer 7,66 Stunden pro Tag (SD 1,07). *Exposition:* Außenlicht in der Nacht (ALAN, outdoor artificial light at night) am Wohnort im Bereich von 0 bis 100 nW/cm²/sr (Satellitendaten); chronische Exposition (0 bis 90 Tage vor der Spende) und akute Exposition (0 bis 9 Tage). *Methodik:* multivariate lineare Regression und restringierte kubische Spline-Modelle. *Ergebnisse (je 100 Einheiten nW/cm²/sr mehr chronisches ALAN):* Linearität (LIN) −0,043, kurvilineare Geschwindigkeit (VCL) −5,523, Rate nichtprogressiv beweglicher Spermien (NP) −3,873, Gesamtbeweglichkeit −4,740. Die im Abstract gedruckten Konfidenzintervalle lauten „0,073, −0,014“ (LIN), „9,100, −1,946“ (VCL), „4,926, −2,748“ (NP) und „8,853, −0,628“ (Beweglichkeit); die unteren Grenzen stehen dort ohne Minuszeichen, offenbar ein Satzfehler, sodass die Intervalle in der gedruckten Form nicht lesbar sind (bei Annahme fehlender Minuszeichen ergäbe sich zum Beispiel für die Gesamtbeweglichkeit ein Intervall von −8,853 bis −0,628; das ist eine Annahme, keine Angabe der Autoren). Ähnliche Zusammenhänge zeigte die akute Exposition. Die stärksten Effekte fanden sich bei Männern unter 25 Jahren. *Stärken:* die einzige aufgefundene Humanstudie mit ALAN als Exposition und Spermienparametern als Ergebnis; große Stichprobe; Expositionsfenster entsprechend der Spermatogenese. *Schwächen:* Außenlicht per Satellit am Wohnort sagt wenig über Licht im Schlafzimmer, Vorhänge, Schichtarbeit oder Bildschirmnutzung; Spender sind eine selektierte junge, gesunde Gruppe; im Abstract werden nur Beweglichkeits- und Bewegungsparameter genannt, nicht Konzentration oder Gesamtzahl; Verwechslung mit Merkmalen der Wohngegend (Verkehr, Luft, Lärm, geringeres Grün) ist möglich, und der Abstract nennt keine Adjustierung für Lärm oder Grün. *Einordnung:* Es handelt sich um die einzige Studie dieser Art, und sie ist nicht repliziert; die Effekte betreffen Bewegungsparameter der Spermien.

**Li et al. (2025): Grün, Nachtlicht und Fekundität von Paaren, China [s31].** Titel: „Greenness, nighttime light, and couple fecundability: A national cohort study between 2014 and 2020“ (Environmental Research). *Design:* nationale Kohortenstudie. *Population:* 14.239.365 Paare aus 31 Provinzen. *Exposition:* Grünflächenexposition über den NDVI in 1.000-m-Puffern; Nachtlicht (NTL) aus dem Day/Night Band des Satelliten VIIRS; beide am Wohnort. *Endpunkt:* Fekundität als Zeit bis zur Schwangerschaft in Zyklen (Accelerated-Failure-Time-Modelle). *Ergebnisse:* Je Interquartilsabstand mehr jährlicher NDVI betrug das Zeitverhältnis 0,9881 (95-%-KI 0,9862 bis 0,9901), die Zeit bis zur Schwangerschaft war also kürzer; je Interquartilsabstand mehr jährliches Nachtlicht betrug es 1,0340 (1,0326 bis 1,0354), die Zeit war also länger. Die Zusammenhänge waren bei älteren, übergewichtigen und niedriger gebildeten Teilnehmern, in städtischen Regionen und in Gebieten mit schlechteren Umweltbedingungen stärker. *Stärken:* extrem große Stichprobe, Paar-Endpunkt Fekundität. *Schwächen:* Es geht um die Paarfekundität; weibliche und männliche Faktoren sind nicht trennbar und Spermienqualität wurde nicht gemessen. Die Effekte sind sehr klein (3,4 % längere Zeit bis zur Schwangerschaft je Interquartilsabstand Nachtlicht, 1,2 % kürzere je Interquartilsabstand NDVI) und werden durch die Stichprobengröße statistisch signifikant; Satelliten-Nachtlicht und Grün hängen mit Urbanität und Sozialstatus zusammen, unbeobachtete Störgrößen sind möglich. *Einordnung:* Die Studie stützt die Gegenläufigkeit von Grün und Nachtlicht auf Paarebene, sagt aber nichts über die männliche Samenqualität.

**Hassan et al. (2020): Melatonin bei idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie und nächtliche Lichtexposition, Ägypten [s117].** Titel: „Men with idiopathic oligoasthenoteratozoospermia exhibit lower serum and seminal plasma melatonin levels: Comparative effect of night-light exposure with fertile males“ (Experimental and Therapeutic Medicine; Qena; Volltext gelesen). *Design:* Querschnitt mit Fall-Kontroll-Vergleich in einer Universitätsklinik (Dezember 2015 bis März 2016, im Winter, um saisonale Melatoninschwankungen zu vermeiden). *Population:* 50 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT; Laborbeschäftigte, davon 34 mit nächtlichem Licht durch Nachtschicht und 16 ohne) und 50 fertile Kontrollen mit gleicher Tätigkeit (19 mit, 31 ohne nächtliche Lichtexposition). Schichtsystem: Siebentage-Zyklus aus Tag-, Abend- und Nachtschicht (0 bis 8 Uhr), Expositionsdauer laut Text 1 Jahr und 4 Monate. Alter (iOAT 31,56 ± 5,36 gegenüber 31,94 ± 5,19 Jahre) und BMI waren vergleichbar; Rauchen und chronischer Alkoholkonsum waren Ausschlusskriterien. Samen und Blut wurden um 21 Uhr gewonnen, Melatonin mit ELISA gemessen, Samenanalyse nach WHO 2010. *Ergebnisse (Mittelwert ± SD):* Serum-Melatonin bei iOAT 11,01 ± 10,99 ng/l gegenüber Kontrollen 19,51 ± 16,82 ng/l (p = 0,0004); im Seminalplasma 4,84 ± 4,06 gegenüber 6,96 ± 6,35 ng/l (p = 0,01). Bei iOAT-Patienten mit nächtlichem Licht lag das Serum-Melatonin bei 4,54 ± 1,48 ng/l, ohne Licht bei 24,77 ± 9,65 ng/l (p < 0,0001); im Seminalplasma 3,36 ± 2,94 gegenüber 7,34 ± 5,29 ng/l (p = 0,02). Bei den Kontrollen: mit nächtlichem Licht 5,83 ± 1,76 (Serum) und 3,85 ± 1,45 ng/l (Seminalplasma), ohne Licht 27,89 ± 16,40 und 8,86 ± 7,40 ng/l (p < 0,0001 beziehungsweise p = 0,0006). Samenparameter bei iOAT-Patienten mit gegenüber ohne nächtliches Licht: Konzentration 3,30 ± 1,87 gegenüber 11,97 ± 1,25 Millionen/ml (p < 0,0001); Beweglichkeit 18,29 ± 13,09 % gegenüber 27,81 ± 16,43 % (p = 0,04); abnorme Formen 59,62 ± 17,97 % gegenüber 46,62 ± 23,45 % (p = 0,04). Das Serum-Melatonin korrelierte bei allen iOAT-Patienten positiv mit der Beweglichkeit (r = 0,614; p < 0,0001); im nicht exponierten iOAT-Teil korrelierten Serum- und Seminalplasma-Melatonin (r = 0,753; im Abstract p < 0,001, im Volltext p = 0,0008). Bei den Kontrollen gab es keine signifikanten Korrelationen. *Stärken:* die einzige aufgefundene Humanstudie mit der Lichtexposition als expliziter Variable und Messung von Melatonin im Blut und im Seminalplasma; beide Gruppen hatten dieselbe Arbeit mit gleicher Beleuchtung. *Schwächen:* sehr kleine Untergruppen (16 nicht exponierte iOAT-Patienten); die Exposition ist an Nachtarbeit gekoppelt (Schlaf, Stress und Essensrhythmus nicht getrennt); die Lichtstärke wurde nicht gemessen; für die fertilen Kontrollen gibt es keinen Samenparameter-Vergleich nach Lichtexposition; die „nicht exponierte“ iOAT-Gruppe zeigt eine Konzentration von 11,97 ± 1,25 Millionen/ml bei einem angegebenen Bereich von 10 bis 14, also eine auffällig enge Verteilung; zwischen Text (59,26) und Tabelle (59,62) weicht ein Wert für die abnormen Formen ab; die Probenentnahme um 21 Uhr ist mit Befunden zu Tageszeitschwankungen von Samenparametern nicht vergleichbar. Die Schlussfolgerung der Autoren, Dunkelheit und Schlaf in der Nacht könnten die Samenparameter verbessern, geht über die Querschnittsdaten hinaus und wird hier nicht übernommen. *Einordnung:* Kausalität lässt sich nicht ableiten; der Befund passt zur Melatoninhypothese, ist aber klein und nicht repliziert.

**Green et al. (2020): Licht von Mediengeräten am Abend und Spermienqualität [s116].** Titel: „Exposure by males to light emitted from media devices at night is linked with decline of sperm quality and correlated with sleep quality measures“ (Chronobiology International). *Design:* Querschnitts- und Korrelationsstudie. *Population:* 116 Männer in Fertilitätsabklärung. *Methodik:* Samenparameter (Volumen, pH, Konzentration, Beweglichkeit, Gesamtzahl) und Fragebogen zu Bildschirmnutzung und Schlaf. *Ergebnisse (Korrelationskoeffizienten):* Smartphone- und Tablet-Nutzung am Abend und nach dem Zubettgehen korrelierten negativ mit der Spermienbeweglichkeit (−0,392 beziehungsweise −0,369; p < 0,05), der progressiven Beweglichkeit (−0,322 beziehungsweise −0,299; p < 0,05) und der Konzentration (−0,169; p < 0,05) und positiv mit dem Anteil unbeweglicher Spermien (0,382 beziehungsweise 0,344). Die Schlafdauer korrelierte positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (0,249; 0,233; p < 0,05) und negativ mit dem Samen-pH (−0,349). Subjektive Schläfrigkeit korrelierte negativ mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (−0,264; p < 0,05) und mit der Zahl beweglicher Spermien (−0,173; p < 0,05). *Stärken:* gezielte Frage nach Abend- und Nachtlicht von Geräten bei gleichzeitiger Erfassung von Schlafmaßen. *Schwächen:* nur 116 Männer in Fertilitätsabklärung; ungeprüfte Fragebogenangaben; der Abstract nennt weder Adjustierung noch Konfidenzintervalle; Bildschirmzeit ist mit Schlafmangel, Stress, Körperhaltung, Wärme und elektromagnetischer Strahlung vermengt, Licht ist nicht isoliert; die Autoren fordern weitere Forschung zur Kausalität. *Einordnung:* Es handelt sich um die einzige Humanstudie zu Bildschirmlicht am Abend; ihre Korrelationen sind schwach bis mäßig und nicht adjustiert.

**Bhambhvani et al. (2026): helles Licht am Tag und Serumtestosteron, NHANES 2011 bis 2014, USA [s03].** Titel: „Bright Light Exposure Is Positively Associated with Serum Testosterone in Adult Men: A National Cross-sectional Analysis“ (European Urology Focus). *Design:* Querschnittsstudie, gewichtete multivariable lineare Regression. *Population:* 2.209 Männer (Median: Alter 45 Jahre, Testosteron 434 ng/dl, helle Lichtexposition 21,4 Minuten pro Tag). *Exposition:* helles Licht (über 2.000 Lux), mit Handgelenk-Beschleunigungsmessern mit Umgebungslichtsensor über 7 bis 9 Tage gemessen. *Endpunkt:* morgendliches Serumtestosteron; Adjustierung für Alter, Bildung, Einkommen, BMI, Aktivität, Diabetes, Vitamin D, Ernährung und gesamte tägliche Lichtmenge. *Ergebnisse:* β = 15,16 ng/dl je 10 Minuten hellen Lichts (p = 0,008); der Zusammenhang war nachmittags am stärksten (β = 16,72; p = 0,006), morgens und abends nicht signifikant; negative Interaktion mit der gesamten Tageslichtmenge (β = −0,14 je 10.000 Lux; p = 0,041), also stärker bei geringer Basisexposition. *Stärken:* objektive Lichtmessung, nationale Stichprobe. *Schwächen:* Querschnitt, umgekehrte Kausalität möglich (wer fitter ist, geht mehr nach draußen); die 2.000-Lux-Schwelle unterscheidet nicht zwischen hellem Innenraum und Sonne; kein Samenparameter. *Einordnung:* Die Studie betrifft Tageslicht, nicht Nachtlicht, und zeigt, dass „Licht“ nicht pauschal mit Nachteilen verbunden ist; der Befund betrifft Testosteron, nicht die Samenqualität.

**Zhou Y. et al. (2026): Schlafzimmerlicht und Pubertätsbeginn bei Kindern, China [s20].** Titel: „Brighter Bedroom Light at Night Predicts Risk for Earlier Pubertal Onset: A 2-Year Longitudinal Study“. *Design und Population:* prospektive Studie in Tianchang (Provinz Anhui) ab September 2022 an 886 Jungen und Mädchen von 6 bis 10 Jahren. *Exposition:* Schlafzimmerlicht in der Nacht, mit tragbarem Beleuchtungsstärkemesser im Minutenabstand an zwei Nächten gemessen; Brustentwicklung bei Mädchen und Hodenvolumen bei Jungen alle sechs Monate über zwei Jahre. *Ergebnisse:* In der höchsten Expositionsgruppe begann die Pubertät bei Jungen 3,84 Monate früher (Zeitverhältnis 0,96; 95-%-KI 0,95 bis 0,98) und bei Mädchen 4,12 Monate früher (0,96; 0,94 bis 0,98). Je 30 Minuten mehr Licht von mindestens 3 lx stieg das Risiko früherer Hodenentwicklung bei Jungen um 9 % (HR 1,09; 1,02 bis 1,16) und früherer Brustentwicklung bei Mädchen um 12 % (HR 1,12; 1,07 bis 1,16); Licht nach dem Zubettgehen wirkte stärker als Licht vor dem Aufwachen. *Stärken:* individuelle Lichtmessung statt Satellitenschätzung, prospektives Design. *Schwächen:* Zielgröße ist der Pubertätsbeginn, nicht die Spermienqualität; nur zwei Messnächte; Kinder sind nicht auf erwachsene Männer übertragbar. *Einordnung:* Die Studie ist die einzige mit gemessenem Schlafzimmerlicht und einem Fortpflanzungsmaß, aber nicht zur Samenqualität.

**Gica et al. (2023): Chronotyp und Samenqualität in einer Infertilitätsklinik [s67].** Titel: „Evening type negatively affects semen quality by deteriorating sperm morphology: Results from an infertility clinic“ (European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology). *Design:* Querschnitt; 314 Patienten einer Infertilitätsklinik; Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ); morgendliche Samenanalyse und Testosteron. *Verteilung:* 21 Abendtypen, 187 intermediäre Typen, 106 Morgentypen. *Ergebnisse:* Kein Unterschied der MEQ-Werte zwischen niedriger und normaler Spermienkonzentration (p = 0,884); positive Korrelation zwischen normaler Morphologie und MEQ-Wert (r = 0,13; p < 0,05); negative Korrelation zwischen Stunden im Bett und Spermienkonzentration (r = −0,13; p < 0,05); im allgemeinen linearen Modell hatten Varikozele und MEQ-Wert einen signifikanten Effekt auf die normale Morphologie. *Schwächen:* sehr kleine Korrelationen, nur 21 Abendtypen, Klinikkollektiv, keine Konfidenzintervalle; der Titel („verschlechtert die Morphologie“) geht über die Korrelation von r = 0,13 hinaus. *Einordnung:* Chronotyp ist kein Lichtmaß; die Studie ist ein schwacher Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Abendtyp und Morphologie.

**Faraut et al. (2019): blau angereichertes Licht am Tag nach Schlafrestriktion, Humanexperiment [s129].** Titel: „Daytime Exposure to Blue-Enriched Light Counters the Effects of Sleep Restriction on Cortisol, Testosterone, Alpha-Amylase and Executive Processes“ (Frontiers in Neuroscience). Dies ist keine Beobachtungs-, sondern eine randomisierte Cross-over-Studie; sie wird hier wegen des Humanbezugs aufgeführt. *Design und Population:* 17 junge Männer, zwei Nächte mit je drei Stunden Schlaf, danach blaues Licht (viermal 30 Minuten bei 100 Lux) oder nicht. *Ergebnisse (ohne Zahlen im Abstract):* Nach Schlafrestriktion sanken Morgen-Cortisol, Morgen-Testosteron und Nachmittags-Alpha-Amylase im Speichel; nach der Exposition gegenüber blauem Licht waren die Werte weitgehend wiederhergestellt. *Schwächen:* kleine Stichprobe, Speichelhormone, kein Samenparameter. *Einordnung:* Hinweis, dass Licht am Tag Hormone beeinflussen kann; keine Aussage zu Spermien.

**Mischstudien mit kleinem Humananteil.** Zwei Arbeiten verbinden Tierversuche mit menschlichen Proben und sind deshalb hier nur kurz genannt. *Zhu W. et al. (2026) [s22]*: Mausmodell (wöchentliche Zwölf-Stunden-Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus über acht Wochen), humane Spermienproben (n = 40) und Zellkultur; CREB1-mRNA war bei Patienten mit hohem Spermien-DNA-Schaden niedriger als in der Kontrollgruppe; die Humanstichprobe ist klein und nur korrelativ, Zahlenwerte nennt der Abstract nicht. *Zou et al. (2026) [s24]*: Mäuse unter Dauerlicht, Spermien-microRNAs bei Maus und Mensch (in menschlichen Spermien wurde miR-92a-3p als hochreguliert gefunden und validiert); betrifft die Weitergabe an Nachkommen im Mausmodell, nicht die Spermienqualität im engeren Sinn; wie die menschlichen Proben gewonnen wurden, nennt der Abstract nicht.

**Zusammenschau nächtliches Licht.** Beim Menschen gibt es zu Außenlicht und Samenparametern genau eine Studie mit Effekten auf Bewegungsparameter bei jungen Spendern [s58], eine Paarstudie mit sehr kleinem Effekt [s31], eine kleine ägyptische Melatoninstudie mit starken, aber unsicheren Unterschieden bei nächtlicher Lichtexposition im Schichtbetrieb [s117] und schwache Korrelationen für Geräte am Abend [s116]. Gemessenes Licht im Schlafzimmer wurde nur bei Kindern und mit Pubertätsbeginn als Endpunkt untersucht [s20]; Tageslicht zeigt in einer US-Stichprobe einen positiven Zusammenhang mit Testosteron [s03]. Eine Studie, die Außenlicht, Lärm, Grün und Luftschadstoffe gemeinsam modelliert, fehlt.

### Schichtarbeit und zirkadiane Störung

Schichtarbeit, Social Jetlag und Chronotyp werden häufig als Stellvertreter für „Licht in der Nacht“ und zirkadiane Störung benutzt. Sie trennen Licht aber nicht von Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung. Die Studien sind deshalb getrennt und mit dieser Einschränkung dargestellt.

**Liu K. et al. (2020): zirkadiane Desynchronisation und männliches Fortpflanzungssystem, China [s120].** Titel: „Adverse effects of circadian desynchrony on the male reproductive system: an epidemiological and experimental study“ (Human Reproduction). *Design:* Hybridstudie aus drei Teilen. (i) Querschnitt an 1.346 chinesischen Männern (2007) zu arbeitsbedingter Desynchronisation (Wechselschicht und feste Schicht gegenüber keiner Schichtarbeit), 17 Samen- und Hormonmarker. (ii) Kohorte von 796 chinesischen Studierenden (2013 und 2014) zu nichtarbeitsbedingter Desynchronisation zwischen Schultagen und freien Tagen (Munich Chronotype Questionnaire), 14 Marker, Vergleich der beiden Jahre. (iii) Validierung der übereinstimmend gefundenen Größe im Mausmodell (C57BL/6J, Photoperiodenverschiebung). *Ergebnisse:* Die Spermienzahl war bei Wechselschichtarbeitern niedriger; sie hatten gegenüber Nichtschichtarbeitern ein höheres Risiko für niedrige Spermienzahl (definiert als weniger als 120 × 10⁶ pro Ejakulat; OR 1,26; 95-%-KI 1,05 bis 1,52). In der Studierendenkohorte war jede Stunde zirkadianer Desynchronisation mit 1,16-fach höheren Odds für niedrige Spermienzahl verbunden (1,02 bis 1,31); bei Männern, die die Desynchronisation von 2013 auf 2014 verringerten, stieg die Spermienzahl. Im Mausmodell fiel die Spermienzahl bei Desynchronisation und erholte sich nach deren Wegfall; in den Samenkanälchen stieg die Apoptose, Markergene von Zellen nach dem Spermatozytenstadium wurden herunterreguliert, am stärksten angereichert war der Signalweg der homologen Rekombination. *Stärken:* drei Evidenzebenen, replizierter Befund (Wechselschicht und Studierende), Erholung nach Wegfall der Exposition. *Schwächen:* Beobachtungsdaten beim Menschen; die Autoren nennen selbst Unterschiede der Expositionsform und der Speziesempfindlichkeit im Tiermodell; Schichtarbeit und Chronotyp sind keine Lichtmessung; eine einzige Studienregion. *Einordnung:* eine der am besten abgesicherten Humanbeobachtungen zu zirkadianer Störung und Spermienzahl, mit kleiner Effektgröße.

**Wang et al. (2026): Wechselschichtarbeit bei Männern und Fekundität, PREBIC-Kohorte, China [s18].** Titel: „Rotating shiftwork in men is linked to decreased fecundity, attributable primarily to sperm concentration and vitality: 24-month follow-up in 3425 males of PREBIC cohort“ (Andrology). *Design:* prospektive Kohortenstudie mit bis zu 24 Monaten Nachbeobachtung oder bis zur Konzeption. *Population:* 3.425 Männer; Arbeitstypen Wechselschicht, feste Tagarbeit, feste Schichtarbeit; sieben Samenparameter; Schwangerschaftsstatus alle drei Monate. *Methodik:* Cox-Regression für das Hazard einer Schwangerschaft binnen ein oder zwei Jahren, lineare Regression für Samenparameter, Mediationsanalyse. *Ergebnisse:* Wechselschichtarbeiter hatten gegenüber festen Tagarbeitern ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 95-%-KI 0,70 bis 0,99; p = 0,04) und ein um 14 % niedrigeres innerhalb von zwei Jahren (HR 0,86; 0,74 bis 1,01; p = 0,06). Von den sieben Parametern waren Konzentration (β = −10,77 %; −18,89 bis −2,55; p = 0,01), Gesamtzahl (−11,63 %; −21,25 bis −2,02; p = 0,02) und Vitalität (−3,86 %; −7,00 bis −0,72; p = 0,02) bei Wechselschichtarbeitern niedriger. Zwischen festen Tag- und festen Schichtarbeitern gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Konzentration erklärte 33,46 % beziehungsweise 31,12 % des Zusammenhangs zwischen Wechselschicht und Fekundität nach einem beziehungsweise zwei Jahren, die Vitalität 30,79 % beziehungsweise 23,59 %. *Stärken:* prospektiv, große Stichprobe, Trennung von Wechsel- und Dauerschicht, Mediationsanalyse. *Schwächen:* Das Zwei-Jahres-Ergebnis überschreitet knapp die Signifikanzgrenze (p = 0,06); der Arbeitstyp ist selbstberichtet; Selektion in eine Kohorte von Paaren mit Kinderwunsch; Schichtarbeit enthält viele Begleitfaktoren (Schlaf, Ernährung, Stress); dieselbe Arbeitsgruppe wie [s120] und [s108]. *Einordnung:* Der Befund liegt bei Wechselschicht, nicht bei fester Schicht, was eher für die Wechselhaftigkeit (Störung der Rhythmik) als für Nachtarbeit allein spricht; das ist eine Deutung der Bearbeitung.

**Demirkol et al. (2021): Schichtarbeit und Schlafqualität in einer Infertilitätsklinik, Kahramanmaraş, Türkei [s105].** Titel: „Evaluation of the effect of shift working and sleep quality on semen parameters in men attending infertility clinic“ (Andrologia). *Design:* Vergleichsstudie (Querschnitt) in einer Infertilitätsklinik; 104 Schichtarbeiter und 116 Nichtschichtarbeiter; Samenparameter, DASS-21 (Depression, Angst, Stress) und Pittsburgh Sleep Quality Index. *Ergebnisse:* Bei Schichtarbeitern waren Oligozoospermie häufiger (p = 0,006), die Schlafqualität schlechter (p = 0,039) und der Anteil normaler Morphologie niedriger (p = 0,036). Die Schlafdauer korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration, die Einschlaflatenz negativ mit der Gesamtzahl. Im adjustierten Modell (Alter, Gesamttestosteron, DASS-21-Stress, Rauchen, Varikozele) war Schichtarbeit mit Oligozoospermie verbunden (OR 2,11; 95-%-KI 1,03 bis 4,34), ebenso der PSQI-Wert (OR 1,18; 1,01 bis 1,39). *Stärken:* Adjustierung für wichtige Störgrößen, Schlafqualität als zweiter Faktor. *Schwächen:* Klinikpatienten (Selektion), Querschnitt, Selbstangaben zum Schlaf; die Art der Schicht und die Lichtexposition in der Nacht wurden nicht gemessen; das Konfidenzintervall der Schichtarbeit ist breit, und das des PSQI liegt mit 1,01 nahe 1.

**Boeri et al. (2025): oxidativer Stress und Samenqualität bei Nacht- und Tagschichtarbeitern [s26].** Titel: „Oxidative Stress and Semen Quality Among Night- and Day-Shift Workers: A Cross-Sectional Study“ (Antioxidants). *Design:* retrospektive Querschnittsanalyse von 96 weißen europäischen Männern von 18 bis 45 Jahren an einem akademischen Zentrum; zusätzlich eine Unterstichprobe von 40 Patienten (je 20) mit dreimonatiger Gabe eines Antioxidans-Präparats. *Ergebnisse:* Nachtschichtarbeiter hatten einen höheren oxidativen Stress (Median d-ROMs 340 gegenüber 280 U.CARR; p = 0,01) und mehr Männer oberhalb der Schwelle (74,4 % gegenüber 24,4 %; p = 0,01); Nachtarbeit war ein unabhängiger Prädiktor (OR 2,1; p = 0,001), adjustiert für Alter und Rauchen. In der Unterstichprobe sank der oxidative Stress in beiden Gruppen (mittlere Änderung −58,5 gegenüber −15,4 U.CARR; p = 0,001); Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie verbesserten sich im Nachtschichtarm stärker. *Schwächen:* sehr kleine Stichprobe, einzelnes Zentrum, retrospektive Anlage; die Unterstichprobe ist weder randomisiert noch verblindet, die Interventionsdaten werden hier nur als Beobachtung berichtet und sind keine Aussage zur Wirksamkeit einer Behandlung; der Abstract nennt für den Ausgangsvergleich keine Samenparameter, nur den oxidativen Stress.

**Bracci et al. (2023): Pregnenolon und Testosteron bei männlichen Schichtarbeitern [s62].** Titel: „Alterations in Pregnenolone and Testosterone Levels in Male Shift Workers“ (International Journal of Environmental Research and Public Health). Vergleich von Schicht- und Tagarbeitern, Blutentnahme zu Beginn der Frühschicht: niedrigere Serumspiegel von Pregnenolon und Gesamttestosteron bei Schichtarbeitern. Der Abstract nennt keine Zahlen und keine Gruppengrößen; Querschnitt, Kausalität offen; kein Samenparameter.

**Jensen et al. (2016): Tagesrhythmen von Cortisol, Melatonin und Testosteron nach 2, 4 und 7 Nachtschichten bei Polizisten [s148].** Titel: „Changes in the diurnal rhythms of cortisol, melatonin, and testosterone after 2, 4, and 7 consecutive night shifts in male police officers“ (Chronobiology International). *Design:* Feldstudie, 73 Polizisten, Speichelproben alle vier Stunden. *Ergebnisse:* Die Amplitude des Melatoninrhythmus nahm um 4,9 % pro Tag ab (95-%-KI 1,4 bis 8,2 % pro Tag; p = 0,006); die Cortisolphase verzögerte sich um 33 Minuten pro Tag (18 bis 48 Minuten; p ≤ 0,001). Der Testosteronrhythmus zeigte keinen Effekt der Zahl der Nachtschichten und folgte vollständig dem Schlaf-Wach-Rhythmus. Nach Erholungstagen gab es keine Rhythmusunterschiede. *Einordnung:* Kein Samenparameter; die Studie zeigt, dass Melatonin und Cortisol auf Nachtschichten reagieren, Testosteron aber dem Schlaf folgt.

**Mínguez-Alarcón et al. (2023): berufliche Faktoren und Hodenfunktion in einem Fertilitätszentrum, EARTH-Studie, USA [s74].** Titel: „Occupational factors and markers of testicular function among men attending a fertility center“ (Human Reproduction). *Design:* Beobachtungsstudie mit 377 Männern (männliche Partner in Paaren mit Kinderwunschbehandlung), eingeschrieben in die EARTH-Studie zwischen 2005 und 2019; Alter im Median 36 Jahre, 87 % weiß; selbstberichtete Angaben zu Heben schwerer Gegenstände, üblicher Schicht und körperlicher Anstrengung aus einem Fragebogen; Samenanalyse nach WHO-Richtlinien (im Mittel zwei Proben je Mann); lineare Regression, adjustiert unter anderem für Alter, BMI, Bildung, ethnische Zugehörigkeit, Rauchen und Karenzzeit. *Ergebnisse:* 12 % berichteten häufiges Heben schwerer Gegenstände, 6 % schwere körperliche Anstrengung und 9 % Abend- oder Wechselschicht. Wer häufig schwere Gegenstände hob, hatte 46 % höhere Konzentration (p = 0,01) und 44 % höhere Gesamtzahl (p = 0,01); ähnliche Ergebnisse (also höhere Konzentration und Gesamtzahl) fanden sich bei Männern in Wechselschicht gegenüber Tagschicht. Wechsel- oder Abendschicht war außerdem mit 24 % höherem Testosteron (p = 0,04) und 45 % höherem Östradiol (p = 0,01) verbunden. Für Volumen, Gesamtbeweglichkeit, normale Morphologie, FSH und LH gab es keine Zusammenhänge. *Einordnung:* ein gegenläufiger Befund zu [s120] und [s18]. *Schwächen:* Selektion (Paare in Kinderwunschbehandlung), Selbstangaben, nur 9 % Schichtarbeiter, keine Trennung nach Art der Schicht; die Autoren weisen selbst auf eingeschränkte Verallgemeinerbarkeit hin.

**He M. et al. (2026): Social Jetlag und mitochondriale DNA im Samen, China [s07].** Titel: „Circadian Disruption Is Associated with Elevated Whole-Semen mtDNA Copy Number and Implicates CRY1 as a Candidate Regulator in Humans and Mice“ (International Journal of Molecular Sciences). *Design:* Auswertung von 441 Männern der Kohorte „Male Reproductive Health in Chongqing College Students“; Social Jetlag als Maß der zirkadianen Störung; Kopienzahl der mitochondrialen DNA im Gesamtsamen (mtDNAcn) als Biomarker; ergänzend Mausmodelle (Phasenverschiebung des Lichtzyklus, Cry1-Knockout, Re-Expression von Cry1 im Hoden). *Ergebnisse:* Social Jetlag war mit höherer mtDNAcn assoziiert (1,29-fach; p = 0,026); im Mausmodell stieg die mtDNAcn 1,33-fach (p = 0,010). CRY1 zeigte unter den Uhrengenen den stärksten Zusammenhang (p = 0,048). Cry1-Knockout erhöhte die mtDNAcn 2,18-fach (p < 0,001); die Re-Expression im Hoden senkte sie wieder in Richtung Wildtyp. *Einordnung:* mtDNAcn ist ein neuartiger Biomarker; der Abstract verknüpft ihn mit Fertilität, ohne klinische Endpunkte zu nennen; der CRY1-Befund liegt knapp an der Signifikanzgrenze (p = 0,048). Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht.

**He M. et al. (2021): Rotationsschichtarbeit und Gesamtfruchtbarkeitsrate in Europa, ökologische Studie [s108].** Titel: „The prevalence of male rotating shift work correlates with reduced total fertility rate: an ecological study of 54,734 reproductive-aged males in 35 European countries between 2000 and 2015“ (Autorengruppe aus China). *Design:* ökologische Länderstudie mit Daten der Europäischen Erhebung zu Arbeitsbedingungen (2000 bis 2015): 54.734 Männer und 52.457 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren aus 35 Ländern; Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) der Weltbank; gemischtes lineares Modell. *Ergebnisse:* Die mittlere Prävalenz der Rotationsschichtarbeit sank von 15,6 % (2000) auf 9,8 % (2010) und stieg bis 2015 auf 11,1 %; die TFR stieg von 1,45 auf 1,60 und sank dann auf 1,56. Zehn Prozentpunkte mehr Rotationsschichtarbeit waren mit 0,114 niedrigerer TFR verbunden (95-%-KI −0,167 bis −0,061; p < 0,001); nach Adjustierung β = −0,088 (−0,160 bis −0,015; p = 0,020). Dauerhafte Schichtarbeit (β = −0,011; −0,094 bis 0,073; p = 0,801) und geteilte Schichten (0,357; −0,171 bis 0,884; p = 0,189) zeigten keinen Zusammenhang. *Schwächen:* ökologischer Fehlschluss möglich; die TFR hängt von vielen sozialen Faktoren ab und ist kein Samenparameter; die Studie betrifft Europa, stammt aber von einer chinesischen Arbeitsgruppe. *Einordnung:* Hintergrund auf Bevölkerungsebene, kein Beleg auf Individualebene.

**Liu et al. (2022): Tagesrhythmus der Samenqualität, Spermabank [s87].** Titel: „Diurnal rhythm of human semen quality: analysis of large-scale human sperm bank data and timing-controlled laboratory study“ (Human Reproduction). *Design und Population:* Analyse von 33.430 Samenproben einer Spermabank (Probenabgabe zwischen 8 und 17 Uhr) und Laborstudie (36 Proben von sechs Freiwilligen). *Ergebnisse:* Die Samenparameter schwankten im Tagesverlauf (alle p < 0,001); die meisten Parameter erreichten ihr Optimum zwischen 11 und 15 Uhr; jede Stunde früher oder später als 11 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung verbunden. *Einordnung:* Dies ist keine Expositionsstudie; sie ist methodisch wichtig, weil der Zeitpunkt der Probenabgabe Befunde verändert und Studien mit unterschiedlicher Entnahmezeit nur eingeschränkt vergleichbar sind (Auswertung der Bearbeitung).

**Ortiz et al. (2010): 5-Hydroxyindolessigsäure im Urin und Spermienqualität [s171].** Titel: „The correlation between urinary 5-hydroxyindoleacetic acid and sperm quality in infertile men and rotating shift workers“ (Reproductive Biology and Endocrinology). *Design:* Vergleichsstudie mit 40 Männern; das Serotonin-Abbauprodukt 5-HIAA im Urin korrelierte negativ mit Spermienkonzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, Morphologie und Vitalität; in einer Untergruppe von 20 Nachtschichtarbeitern waren die 5-HIAA-Werte bei zehn kürzlich bewiesenen Vätern niedriger als bei zehn infertilen Männern. *Einordnung:* zu klein für belastbare Aussagen; Schichtarbeit ist nur ein Rekrutierungsmerkmal.

**Mitsui et al. (2020): berufliches Umfeld der Eltern und Kryptorchismus, Japan Environment and Children's Study [s121].** Titel: „Effect of the occupational environment of parents on cryptorchidism“. *Design:* Kohortenanalyse; 51.316 neugeborene Jungen, Kryptorchismus bei 305 (0,59 %). Untersucht wurden 14 Berufskategorien der Eltern sowie die Arbeitsumgebung der Mutter in der Schwangerschaft einschließlich Nachtschichtarbeit. *Ergebnisse:* Die multivariate Analyse der Berufskategorien zeigte keinen signifikanten Einfluss; ein gesondertes Ergebnis zur Nachtschichtarbeit nennt der Abstract nicht. Geburtsmaße, Gestationsalter, Alter der Mutter und Rauchen in der Schwangerschaft waren mit Kryptorchismus verbunden. Die Autoren weisen darauf hin, dass leichte und vorübergehende Fälle unterschätzt sein können. *Einordnung:* kein Samenparameter; Nullbefund für Berufskategorien.

**Zusammenschau Schichtarbeit und zirkadiane Störung.** Zwei große Datensätze mit Samenparametern derselben Arbeitsgruppe [s120, s18] sprechen für niedrigere Spermienzahlen beziehungsweise Konzentrationen bei Wechselschicht; die Metaanalyse findet keinen statistisch belegten Unterschied [s41]; die EARTH-Studie findet das Gegenteil [s74]; die türkische Klinikstudie findet mehr Oligozoospermie bei Schichtarbeit mit knapp über 1 liegenden Odds [s105]. Die Evidenz ist uneinheitlich, und Schichtarbeit ist kein Lichtmaß.

### Grünflächen

Grünflächen sind der am besten untersuchte Faktor des Themenfeldes, allerdings fast ausschließlich in China und überwiegend an Samenbank- oder Kinderwunschkollektiven. Die Exposition wird fast immer über den Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) in Pufferzonen um die Wohnadresse aus Satellitenbildern erfasst; die Samenparameter werden mit dem Expositionsfenster der 90 Tage vor der Probe verknüpft, das etwa einem Spermatogenesezyklus entspricht. Die Auswertung erfolgt meist mit linearen gemischten Modellen, weil von einer Person mehrere Proben vorliegen, und die Effektgrößen gelten je Anstieg um den Interquartilsabstand (IQR) des NDVI. Der NDVI misst Vegetation von oben, nicht Zugang, Nutzung oder Erholungswert von Grünflächen. Mehrere der folgenden Datensätze überlappen (Samenbanken in Guangdong, Sichuan, Hubei, Kohorte PREBIC in Chongqing) und sind keine unabhängigen Bestätigungen.

**Yang et al. (2021): Wohngrün und Samenqualität, Guangdong, China [s113].** Titel: „Association of exposure to residential greenness with semen quality: A retrospective longitudinal study of sperm donation volunteers in Guangdong province, China“ (Ecotoxicology and Environmental Safety). *Design:* retrospektive Längsschnittstudie an Spendern der Samenbank der Provinz Guangdong (2016 bis 2019). *Population:* 9.142 Spender mit 38.682 Samenuntersuchungen. *Exposition:* mittlerer täglicher NDVI in einem 400-m-Puffer, gemittelt über die 0 bis 90 Tage vor jeder Probe. *Methodik:* lineare gemischte Modelle. *Ergebnisse (je Interquartilsabstand mehr Grün):* Volumen +0,034 ml (95-%-KI 0,005 bis 0,063), Gesamtspermienzahl +4,06 × 10⁶ (0,76 bis 7,37), normale Formen +0,32 % (0,22 bis 0,41); ähnliche Trends über die Expositionsquartile (p für Trend < 0,05 außer beim Volumen). Der Zusammenhang war bei 18- bis 25-Jährigen für Volumen und Gesamtzahl stärker, für normale Formen bei Männern ab 26 Jahren; für Konzentration, Gesamtzahl und normale Formen in der kühlen Jahreszeit stärker, für das Volumen in der warmen. *Stärken:* sehr viele Proben, Messwiederholungen, Berücksichtigung des Spermatogenesefensters. *Schwächen:* retrospektiv, Spenderkollektiv (jung, nicht repräsentativ); Expositionsschätzung nur über die Wohnadresse ohne Angabe zur tatsächlichen Aufenthaltsdauer im Grünen; NDVI schließt Luftqualität, Lärm und Sozialstatus nicht aus; die Effektgrößen sind klein (0,034 ml Volumen; 0,32 Prozent normale Formen); die Autoren nennen selbst, dass Kausalität und Mechanismen offen sind.

**Dai T. et al. (2024): Wohngrün und Spermienqualität, sechs Regionen Chinas [s49].** Titel: „Beneficial effect of residential greenness on sperm quality and the role of air pollution: A multicenter population-based study“ (Science of the Total Environment; Autorengruppe in Shantou und Guangzhou). *Design:* multizentrische bevölkerungsbasierte Studie. *Population:* 78.742 Proben von 33.184 Spendern aus sechs Regionen (2014 bis 2020). *Exposition:* NDVI über die gesamte Spermatogenese (0 bis 90 Tage) und zwei Teilfenster (0 bis 37 und 34 bis 77 Tage); zeitgleiche Luftschadstoffe (PM1, PM2,5, O3) mit einem raumzeitlichen Deep-Learning-Modell. *Methodik:* lineare gemischte Modelle, Effektmodifikation durch Luftverschmutzung. *Ergebnisse (je Interquartilsabstand NDVI über die gesamte Spermatogenese):* Spermienzahl +0,0122 (95-%-KI 0,0007 bis 0,0237), progressive Beweglichkeit +0,0162 (0,0045 bis 0,0280), Gesamtbeweglichkeit +0,0147 (0,0014 bis 0,0281). Die Ergebnisse blieben bei zusätzlicher Adjustierung für PM1, PM2,5 oder O3 ähnlich; die günstigen Effekte waren bei höheren PM1- und PM2,5- und niedrigeren O3-Konzentrationen ausgeprägter (alle p für Interaktion < 0,05). Positive Effekte auf die Beweglichkeit zeigten sich im frühen, auf die Zahl im späten Spermatogenesefenster. *Stärken:* sehr große Stichprobe, mehrere Regionen, Fenster der Spermatogenese betrachtet. *Schwächen:* Der Abstract nennt die Einheit der Effektschätzer nicht, sodass die Größenordnung (etwa 0,01) nicht einzuordnen ist; Spender, Wohnadresse als Expositionsmaß; viele Wechselwirkungstests erhöhen die Zahl der Tests; keine Kausalität.

**Liang et al. (2024): Wohngrün und Samenqualität, Hubei, China [s50].** Titel: „Exposure to residential green space and semen quality among Chinese men“ (Ecotoxicology and Environmental Safety). *Design und Population:* Kohorte von 28.089 erwachsenen Männern einer Infertilitätsklinik in Hubei (2014 bis 2020). *Exposition:* NDVI in Pufferzonen von 250, 500 und 1.000 m. *Methodik:* multivariate lineare Regression, adjustiert für individuelle Merkmale und Jahreszeit; Subgruppenanalysen. *Ergebnisse:* Ein Interquartilsabstand von 0,243 NDVI im 1.000-m-Puffer war mit +1,68 % Spermienkonzentration (95-%-KI 0,31 bis 3,06 %), +0,43 % progressiver Beweglichkeit (0,08 bis 0,79 %) und +0,50 % Gesamtbeweglichkeit (0,14 bis 0,87 %) verbunden. Die Zusammenhänge waren über die Puffergrößen hinweg konsistent und im Fenster 70 bis 90 Tage vor der Probe, bei Männern ab 40 Jahren und bei geringerer Bildung stärker. *Schwächen:* Klinikpatienten (Selektion), Querschnittscharakter der Probenerhebung; Effekte von Zehntelprozentpunkten sind klinisch schwer zu bewerten.

**Dai X. et al. (2024): Wohngrün und Samenqualität, Zhejiang, China [s48].** Titel: „Association between residential greenness exposure and semen quality: A retrospective study in China“ (Environment International). *Design und Population:* retrospektive Studie an 10.273 Männern, deren Partnerinnen 2015 bis 2021 eine assistierte Reproduktionsbehandlung hatten; mittleres Alter 33,1 Jahre (SD 5,2). *Exposition:* NDVI und soil-adjusted vegetation index (SAVI) in Puffern von 300, 400, 800 und 1.000 m, 0 bis 90 Tage vor der Probe; Luftschadstoffe. *Methodik:* lineares gemischtes Modell, Mediationsanalyse für Luftschadstoffe und BMI. *Ergebnisse:* Die progressive Beweglichkeit war mit NDVI (400 m) positiv assoziiert (β 1,744; 95-%-KI 0,834 bis 2,655) und mit SAVI (400 m) (1,484; 0,591 bis 2,377); NO₂ und CO vermittelten einen Teil des Zusammenhangs; Sensitivitätsanalysen ergaben ähnliche Ergebnisse. Zu dieser Arbeit liegt eine Berichtigung (Corrigendum, Environment International 2025) vor, deren Inhalt im abgerufenen Eintrag nicht ausgeführt ist und hier nicht ausgewertet wurde. *Schwächen:* Männer in Kinderwunschbehandlung; nur ein Parameter (progressive Beweglichkeit) mit Effekt; Mediationsanalysen setzen eine zeitliche und kausale Ordnung voraus, die in dieser Datenlage nicht gesichert ist.

**Zeng et al. (2025): Wohngrün und Spermienkinematik, Sichuan, China [s43].** Titel: „The association between greenspace exposure and sperm quality: A retrospective cohort study focusing on sperm kinematics and the influence of buffer settings“ (Environmental Research). *Design und Population:* retrospektive Längsschnittstudie, 5.025 Messungen von 1.674 Spendern der Samenbank Sichuan (Juni 2019 bis Dezember 2021). *Exposition:* NDVI in Puffern von 250, 500, 1.000 und 2.000 m. *Methodik:* lineare gemischte Modelle und restringierte kubische Splines (vier Knoten); computergestützte Bewegungsanalyse (CASA) für konventionelle und kinematische Parameter. *Ergebnisse:* Für die konventionellen Parameter fand sich ein nichtlinearer Zusammenhang zwischen NDVI (500 m) und progressiver Beweglichkeit (p nichtlinear = 0,018). Kinematik (NDVI 500 m, prozentuale Änderung mit 95-%-KI): VCL 1,81 (0,72 bis 2,91), VAP 2,57 (1,46 bis 3,70), VSL 3,37 (2,11 bis 4,66), LIN 1,51 (0,82 bis 2,21), STR 0,83 (0,44 bis 1,23), WOB 0,69 (0,35 bis 1,04), BCF 1,82 (0,97 bis 2,68); nichtlinear für LIN (p = 0,011), STR (0,015), WOB (0,012) und ALH (p < 0,001). Kleine Puffer zeigten stärkere nichtlineare Beziehungen für konventionelle Parameter, große für die Kinematik; das Fenster 70 bis 90 Tage vor der Ejakulation zeigte stabile lineare Zusammenhänge. PM2,5 und PM10 verstärkten den positiven Effekt auf die Kinematik bei allen Maßstäben. *Schwächen:* Spender, Wohnadresse als Expositionsmaß; die kinematischen Parameter sind untereinander korreliert; der Abstract nennt keine Korrektur für multiples Testen und keine Bezugsgröße der prozentualen Änderung; die Abhängigkeit von der Puffergröße zeigt, dass das Ergebnis vom Expositionsmodell abhängt.

**Zhu et al. (2026): Ozon und Wohngrün, landesweit China [s23].** Titel: „Residential greenness mitigates the adverse effects of ambient ozone exposure on sperm quality: A nationwide study in China“ (Ecotoxicology and Environmental Safety). *Design und Population:* landesweite Querschnittsstudie an 26.997 Samenspendern aus 33 Provinzen (2019 bis 2022). *Exposition:* O₃ und NDVI per inverser Distanzgewichtung über 0 bis 90 Tage und Teilfenster; binäre und kontinuierliche Modelle, additive Interaktion. *Ergebnisse:* Je Interquartilsabstand (34,46 µg/m³) Ozon stieg die Chance für abnormes Volumen auf OR 1,592 (95-%-KI 1,409 bis 1,799), für abnorme progressive Beweglichkeit auf 1,478 (1,344 bis 1,626), für abnorme Konzentration auf 1,568 (1,402 bis 1,755) und für abnorme Gesamtzahl auf 1,716 (1,547 bis 1,903). Kontinuierlich betrugen die β-Werte −0,004 (Volumen), −0,002 (progressive Beweglichkeit), −0,005 (Konzentration) und −0,009 (Gesamtzahl). Hohes Ozon bei niedrigem NDVI hatte das höchste Risiko; die additive Interaktion war antagonistisch für progressive Beweglichkeit und Gesamtzahl; am stärksten waren die Zusammenhänge 70 bis 90 Tage vor der Probe. *Schwächen:* Querschnitt, interpolierte Exposition, selektierte Spender; die Studie betrifft vor allem Ozon, Grün tritt als Modifikator auf, nicht als eigener Haupteffekt.

**Dai T. et al. (2026): Innen- und Außenluft und Wohngrün, zwei Provinzen Chinas [s04].** Titel: „Linking joint exposures to indoor and outdoor air pollution and residential greenness with male sperm quality: Based on human sperm banks from two provinces in China“ (Journal of Hazardous Materials). *Design und Population:* 2.280 Samenproben aus zwei Samenbanken auf Provinzebene (lineare gemischte Modelle). *Exposition:* Außenluftschadstoffe und Grün über eine Fußweg-Isochrone von 15 Minuten, Innenraumbelastung über einen Indoor-Air-Pollution-Index (IAP). *Ergebnisse (ohne Zahlenwerte im Abstract):* Kurzzeitige Innen- oder Außenluftbelastung war mit niedrigerer Spermienzahl, progressiver Spermienzahl und Gesamtzahl beweglicher Spermien verbunden, der IAP zusätzlich mit niedrigerer Konzentration. Grün war positiv mit Spermienzahl, progressiver Beweglichkeit und Zahl beweglicher Spermien assoziiert und milderte die Schadstoffeffekte auf Spermienzahl und bewegliche Zahl; langfristig waren PM10 und PM2,5 mit schlechterer Qualität verbunden; mehrere Schadstoffe vermittelten die Beziehung zwischen Grün und Samenqualität deutlich. *Schwächen:* Zahlenwerte fehlen im Abstract; kleinere Stichprobe als andere Arbeiten; der Innenraumindex ist ein abgeleiteter Wert.

**Feng et al. (2026): PM2,5, Grün und Samenqualität, PREBIC-Kohorte, Chongqing [s05].** Titel: „Adverse associations of ambient fine particulate matter & components with semen quality and the mitigating role of residential greenness: Evidence from the PREBIC study in China“ (Environmental Pollution). *Design und Population:* klinikbasierte prospektive Kohorte, 3.770 Männer mit 4.847 Samenuntersuchungen (2018 bis 2023); Samenanalyse nach WHO-Handbuch, 5. Auflage. *Exposition:* PM2,5 und Bestandteile (Sulfat, Nitrat, Ammonium, organische Substanz, Ruß) sowie NDVI, jeweils 0 bis 90 Tage vor der Probe. *Methodik:* lineare gemischte Modelle mit Interaktionsterm. *Ergebnisse:* Je Interquartilsabstand PM2,5 sank die progressive Beweglichkeit um 2,0 % (95-%-KI −3,7 bis −0,3) und die Gesamtspermienzahl um 0,108 Millionen (−0,160 bis −0,056). Höhere Grünbelastung war mit höherer Gesamtspermienzahl verbunden; signifikante Wechselwirkungen zwischen Grün und PM2,5 beziehungsweise Sulfat für progressive und Gesamtbeweglichkeit zeigten, dass Grün die Schäden milderte, besonders bei niedrigerem Sulfat. Die Zusammenhänge variierten nach Alter, BMI, Bildung, Lebensstil und Jahreszeit. *Schwächen:* Klinikpopulation; Grün zeigt im Abstract nur für die Gesamtzahl einen Haupteffekt, ansonsten wirkt es als Modifikator.

**Yang L. et al. (2026): PM2,5-Bestandteile und Samenqualität, Changsha, China [s19].** Titel: „Exposure to ambient PM2.5 constituents and semen quality in a retrospective cohort study: Windows of susceptibility and modification by greenness“. *Design und Population:* retrospektive Kohortenstudie an 6.670 Männern von Paaren mit assistierter Reproduktion in Changsha. *Methodik:* PM2,5-Bestandteile (Nitrat, Sulfat, Ammonium, organische Substanz, Ruß) per Machine-Learning-Modell; lineare gemischte Modelle über Entwicklungsfenster der Spermatogenese; Effektmodifikation durch Grün. *Ergebnisse (ohne Effektschätzer im Abstract):* Bestandteile von PM2,5 hingen mit niedrigerer Konzentration, Zahl und Beweglichkeit und mit mehr Immobilität zusammen; Ruß, Sulfat und organische Substanz waren konsistent mit sinkender Spermienzahl verbunden, am stärksten im Spermatogenesefenster. Höhere Grünbelastung war mit besserer Samenqualität verbunden; über den gesamten Zyklus waren die Zusammenhänge von PM2,5 und Bestandteilen mit erhöhter nichtprogressiver Beweglichkeit bei Männern in grünärmeren Gebieten ausgeprägter (p für Interaktion < 0,05). *Schwächen:* Zahlenwerte fehlen im Abstract; Klinikpopulation.

**Choe et al. (2021): Landnutzung und Samenqualität, Raum Seoul, Korea [s104].** Titel: „Land use and semen quality: A fertility center cohort study“ (PLoS One). *Design und Population:* Kohortenstudie an 5.886 Männern eines Fertilitätszentrums im Großraum Seoul (Samenanalysen 2016 bis 2018), überwiegend Büro-, Verwaltungs- und Dienstleistungsberufe. *Exposition:* Abstand zu Süßwasser, Küste und Hauptstraßen sowie NDVI (Grün im Wohnumfeld). *Endpunkte:* sechs standardisierte Samenindikatoren (Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Vitalität, normale Morphologie, gesamte bewegliche Zahl). *Ergebnisse:* Lineare Zusammenhänge zwischen Umgebungsmerkmalen und Samenqualität waren überwiegend nicht erkennbar; Ausnahme war NDVI im 500-m-Radius mit Vitalität (β 0,05; 95-%-KI 0,01 bis 0,09). Das zweite Distanzquartil zu Süßwasser ging mit niedrigerer progressiver Beweglichkeit einher (β −0,10; −0,17 bis −0,03), das zweite Distanzquartil zu Hauptstraßen mit höherer Vitalität (0,08; 0,01 bis 0,15), das zweite NDVI-Quartil mit höherer gesamter beweglicher Zahl (0,09; 0,01 bis 0,17). Im Mehrfaktorenmodell blieb NDVI mit Vitalität positiv (0,03; 0,00 bis 0,06). *Stärken:* einheitliche Klinik, mehrere Umweltmerkmale gemeinsam modelliert. *Schwächen:* Männer mit Kinderwunsch und teils bekannter Infertilität; Effekte sehr klein, mehrere Quartilsvergleiche ohne klare Dosis-Wirkung, daher Gefahr zufälliger Befunde; die Autoren sprechen selbst nur von „potenziellen Hinweisen“. *Einordnung:* ein weitgehend neutrales Ergebnis, das als Gegengewicht zu den chinesischen Studien zählt; es ist der einzige nichtchinesische Datensatz mit Samenparametern zu Grün unter den aufgefundenen Studien.

**Willis et al. (2023): Wohngrün und Fekundabilität, PRESTO, Nordamerika [s79].** Titel: „Associations between Residential Greenspace and Fecundability in a North American Preconception Cohort Study“ (Environmental Health Perspectives). *Design und Population:* prospektive Präkonzeptionskohorte (PRESTO), 8.563 Frauen (2013 bis 2019); NDVI in Puffern von 50, 100, 250 und 500 m. *Ergebnisse:* Höchstes (mindestens 0,8) gegenüber niedrigstem (unter 0,2) NDVI innerhalb von 50 m: Fekundabilitätsverhältnis 1,33 (95-%-KI 1,06 bis 1,67) für das jährliche Maximum, 1,19 (1,00 bis 1,41) für das saisonale Maximum, 0,98 (0,73 bis 1,30) für das saisonale Mittel; die Beziehung war nichtlinear; Stress, Depression und Aktivität erklärten höchstens 5 % der Mediation. *Einordnung:* Endpunkt ist die Fekundabilität weiblicher Teilnehmerinnen, nicht die Spermienqualität; die Abhängigkeit vom Expositionsmaß (jährliches Maximum gegenüber saisonalem Mittel) zeigt, wie sehr das Ergebnis von der NDVI-Definition abhängt.

**Wei et al. (2021): Feinstaub, Wohngrün und Androgene, Henan Rural Cohort, China [s112].** Titel: „Long-term exposure to particulate matter and residential greenness in relation to androgen and progesterone levels among rural Chinese adults“ (Querschnittsanalyse der Basiserhebung der Henan Rural Cohort). *Population:* 6.017 Personen. *Ergebnis:* Bei Männern war ein NDVI-Anstieg um 0,1 Einheiten mit 0,310 ng/ml höherem Serumtestosteron verbunden. *Einordnung:* Hormonbefund, kein Samenparameter; körperliche Aktivität wurde in dieser Studie als Teilvermittler untersucht.

**Wang et al. (2022): Ozon und Wohngrün und Sexualhormone bei ländlichen Erwachsenen, China [s95].** Titel: „Ambient ozone exposure combined with residential greenness in relation to serum sex hormone levels in Chinese rural adults“ (Querschnitt, 6.211 Personen; Environmental Research). *Ergebnis:* Langfristig höheres Ozon war bei Männern und Frauen negativ mit 17-Hydroxyprogesteron, Testosteron und Androstendion assoziiert; die Abschwächung durch höheres Grün wird im Abstract nur für die Androgene bei Frauen beschrieben. *Einordnung:* kein Samenparameter; für Männer wird kein mildernder Grüneffekt berichtet.

**Zusammenschau Grünflächen.** Die chinesischen Studien stimmen in der Richtung überein: Mehr Grün in Wohnnähe geht mit etwas besseren Samenparametern einher [s113, s49, s50, s48, s43, s04, s05, s19]. Welche Parameter betroffen sind, unterscheidet sich: Volumen, Gesamtzahl und normale Formen [s113], Zahl und Beweglichkeit [s49], Konzentration und Beweglichkeit [s50], nur progressive Beweglichkeit [s48], Kinematik [s43]. Das Fenster 70 bis 90 Tage vor der Probe wird mehrfach als besonders relevant genannt [s50, s43, s23]. Die Effekte liegen je Interquartilsabstand im Bereich von Zehntelprozent bis wenigen Prozent. Die koreanische Studie findet fast nichts [s104]; auf Paarebene zeigen zwei sehr große Datensätze kleine Effekte [s31, s79]. Mehrere Arbeiten sehen Hinweise, dass Grün Effekte von Feinstaub und Ozon mildert [s49, s04, s05, s23, s19]; als mögliche Pfade nennen die Abstracts Luftschadstoffe [s48, s04]. Gemeinsame Grenzen: Wohnadresse statt tatsächlicher Aufenthaltsorte, Selektion von Spendern und Kinderwunschpatienten, viele Endpunkte und Puffer, überlappende Datenquellen, Konfundierung durch Luftqualität, Lärm, Sozialstatus und Stadtlage. Eine Studie zu Grün und Samenparametern außerhalb Ostasiens fehlt; die Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.

### Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region

Studien zum Wohnort bündeln Grün, Licht, Lärm, Luftqualität, Verkehr und Sozialstatus. Nur wenige zerlegen den Wohnort in diese Anteile; die meisten beschreiben Unterschiede zwischen Regionen, Städten oder Stadtbezirken und führen sie auf Luftschadstoffe oder Klima zurück. Lärm und Licht kommen in dieser Gruppe praktisch nicht vor.

**Nassan et al. (2018): Wohnentfernung zu Hauptstraßen und Samenqualität, Massachusetts, USA [s136].** Titel: „Residential distance to major roadways and semen quality, sperm DNA integrity, chromosomal disomy, and serum reproductive hormones among men attending a fertility clinic“ (International Journal of Hygiene and Environmental Health). *Design und Population:* Kohortenstudie an 797 Männern des Fertilitätszentrums des Massachusetts General Hospital (2000 bis 2015) mit 1.238 Samenproben, davon 389 Proben für die DNA-Integrität, 101 für Disomie und 405 Serumproben. *Exposition:* Wohnentfernung zu Hauptstraßen (Median 111 m; Interquartilsabstand 37 bis 248 m). *Ergebnisse:* Kein Zusammenhang mit Samenparametern, Spermien-DNA-Integrität, Chromosomen-Disomie oder Hormonen. Prozentuale Änderung je 500 m Mehrabstand: Volumen −1,0 % (95-%-KI −6,3 bis 4,5), Konzentration 4,3 % (−5,8 bis 15,7), Gesamtzahl 3,1 % (−7,2 bis 14,5), Gesamtbeweglichkeit 1,1 % (−1,2 bis 3,4), normale Morphologie 0,1 % (−0,3 bis 0,5). *Einordnung:* ein sauberer Nullbefund; die Entfernung zur Straße steht für verkehrsbedingte Luftschadstoffe und Lärm zugleich, ohne diese zu trennen. *Schwächen:* Klinikpopulation, keine Lärmmessung; die Konfidenzintervalle sind weit und schließen sowohl kleine Schäden als auch kleine Vorteile ein.

**Wesselink et al. (2020): Nähe zu Hauptstraßen und Fekundabilität, PRESTO [s126].** Titel: „Residential proximity to major roads and fecundability in a preconception cohort“ (Environmental Epidemiology). *Population:* 7.342 US-amerikanische und 1.448 kanadische Frauen. *Ergebnisse:* Fekundabilitätsverhältnis bei Wohnort unter 50 m gegenüber mindestens 400 m von der nächsten Hauptstraße: USA 0,88 (95-%-KI 0,80 bis 0,98), Kanada 0,93 (0,74 bis 1,16). *Einordnung:* Frauen im Kinderwunsch, kein Samenparameter; Lärm und Abgase sind nicht getrennt.

**Yu et al. (2022): verkehrsbedingter Feinstaub und Samenqualität, Guangzhou, China [s96].** Titel: „Impacts of traffic-related particulate matter pollution on semen quality: A retrospective cohort study relying on the random forest model in a megacity of South China“ (Science of the Total Environment). *Design und Population:* retrospektive Kohorte von 1.310 Samenspendern mit 4.912 Proben (2019); Random-Forest-Modell mit Meteorologie, Landnutzung und Verkehrsvariablen. *Ergebnisse (0- bis 90-Tage-Fenster):* niedrigere Konzentration mit PM10 (β −0,21; 95-%-KI −0,35 bis −0,07), niedrigere Gesamtzahl mit PM2,5 (−0,19; −0,35 bis −0,02) und PM10 (−0,19; −0,33 bis −0,05); PM2,5 und PM10 verminderten die Konzentration vor allem im späten Fenster (0 bis 37 Tage); Alkohol und ein im Abstract nicht erläuterter Faktor („PBF“) modifizierten die Zusammenhänge mit der Beweglichkeit; PM1 zeigte keine signifikanten Zusammenhänge. *Einordnung:* Verkehr erscheint hier nur über Feinstaub; Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht.

**Zhou N. et al. (2014): Luftverschmutzung und Samenqualität, Stadt und Land in Chongqing, China [s159].** Titel: „Air pollution and decreased semen quality: a comparative study of Chongqing urban and rural areas“ (Environmental Pollution). *Design und Population:* vergleichende Querschnittsstudie an 1.346 Freiwilligen. *Ergebnisse:* Das Stadtgebiet war höher belastet (PM10, SO₂, NO₂), und die ländlichen Bewohner hatten bessere Morphologie und CASA-Beweglichkeitsparameter; höhere Konzentrationen waren negativ mit normaler Morphologie (p < 0,001) und kinetischen Parametern assoziiert. Die Autoren führen die schlechtere Samenqualität städtischer Männer auf höhere Schadstoffkonzentrationen zurück. *Schwächen:* Der Wohnort bündelt viele Faktoren (Beruf, Lebensstil, Lärm, Licht, Grün), die der Abstract nicht aufschlüsselt; Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.

**Rahban et al. (2025): räumliche Muster der Samenqualität junger Männer, Schweiz [s34].** Titel: „Exploring geographical differences in semen quality of young men using spatial dependence analysis“ (Human Reproduction). *Design und Population:* Querschnittsstudie an 2.677 Männern von 18 bis 22 Jahren bei der Militärmusterung (2005 bis 2018); Getis-Ord-Gi*-Statistik mit 25 km räumlichem Lag. *Ergebnisse:* Die Samenparameter sind in der Schweiz nicht zufällig verteilt (Hotspots und Coldspots); ein dauerhaft niedriger Cluster liegt in der Westzentralschweiz. Die Landnutzung (500 m um den Wohnort) unterschied sich: Futter- und Feldfrüchte machten im Coldspot 52,0 % der Landnutzung aus, im Hotspot 28,3 % und im nichtsignifikanten Cluster 30,1 %; der mittlere Anteil bebauter Flächen lag im Coldspot niedriger (32,6 %) als im Hotspot (53,3 %). *Einordnung:* Der niedrigste Cluster liegt in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend mit weniger Bebauung; das ist kein einfacher Befund „Stadt schlecht, Land gut“. Mögliche Ursachen (zum Beispiel Pflanzenschutzmittel) sind im Abstract nicht untersucht. *Schwächen:* Querschnitt, begrenzte Fallzahl für die Einzelanalysen, wie die Autoren schreiben.

**Gao et al. (2007): Samenqualität in einer repräsentativen Stichprobe gesunder chinesischer Männer [s176].** Titel: „Semen quality in a residential, geographic and age representative sample of healthy Chinese men“ (Human Reproduction). *Population:* 1.191 gesunde Männer von 20 bis 60 Jahren aus sechs Provinzen (2000 bis 2002). *Ergebnisse (Mediane, 5. bis 95. Perzentil):* Volumen 2,3 ml (1,0 bis 4,5), Konzentration 65 × 10⁶/ml (20 bis 150), Gesamtzahl 154 × 10⁶ (29 bis 421), progressive Beweglichkeit 46 % (29 bis 66), normale Morphologie 39 % (23 bis 76). Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit waren wichtige Determinanten. *Einordnung:* Die Studie belegt regionale Unterschiede, nennt aber keine Wohnumweltfaktoren.

**Menashe-Oren und Sánchez-Páez (2023): männliche Fertilität und Binnenmigration, Subsahara-Afrika [s72].** Titel: „Male Fertility and Internal Migration in Rural and Urban Sub-Saharan Africa“ (European Journal of Population). *Design:* demografische Analyse von 67 Demographic and Health Surveys in 30 Ländern. *Ergebnisse:* Die abgeschlossene Kinderzahl städtischer Männer sank schneller als die ländlicher Männer; Männer, die vom Land in die Stadt zogen, hatten niedrigere Fertilität als ländliche Nichtmigranten; Männer, die von Stadt zu Stadt zogen, hatten noch niedrigere Fertilität als städtische Nichtmigranten. *Einordnung:* soziale und demografische „Fertilität“ (Kinderzahl), nicht Samenqualität; nur als Beleg für einen Stadt-Land-Gradienten auf Bevölkerungsebene aufgeführt, der durch Verhütung, Heiratsmuster und viele soziale Faktoren bestimmt wird.

**Pridgen et al. (2026): Deprivation des Wohnviertels und Samenqualität, Georgia, USA [s14].** Titel: „The impact of neighborhood socioeconomic status and racial composition on semen quality“ (AJOG Global Reports). *Design und Population:* retrospektive Kohorte von 2.198 Männern (2015 bis 2024); Area Deprivation Index (ADI) aus geokodierten Adressen. *Ergebnisse:* Mittlerer ADI 67,1 ± 19,9; mittlere gesamte bewegliche Spermienzahl (TMSC) 71,3 Millionen. Inverser Zusammenhang zwischen ADI und TMSC (B = −0,403; p < 0,001), also etwa 4 Millionen bewegliche Spermien weniger je 10 ADI-Punkte. Schwarze Männer hatten die höchsten ADI-Werte und waren im am stärksten deprivierten Quartil überrepräsentiert, das die niedrigste TMSC hatte. *Einordnung:* Der Wohnort wirkt auch als sozialer Kontext; Lärm-, Licht- und Grünwirkungen können daher mit dem Sozialstatus des Wohnumfeldes vermengt sein. *Schwächen:* retrospektive Klinikkohorte; Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht.

**Mai et al. (2023): Wohnumwelt- und Berufsfaktoren und Samenqualität, China [s71].** Titel: „Association of living environmental and occupational factors with semen quality in chinese men: a cross-sectional study“ (Scientific Reports). *Design und Population:* Querschnittsstudie an 465 Männern (BMI 18,5 bis 28,5; Alter 25 bis 45 Jahre). *Ergebnisse:* Wohnen nahe einer Hochspannungsleitung (283,4 gegenüber 219,8 × 10⁶/ml Konzentration; Cohen d 0,116; p = 0,030; welcher Wert zur exponierten Gruppe gehört, steht im Abstract nicht) und nahe einem Umspannwerk (309,1 gegenüber 222,4; p = 0,015); Renovierung in den letzten sechs Monaten (194,2 gegenüber 261,0; p = 0,025); Wohnen nahe einem Chemiewerk betraf den Samen-pH; Computernutzung betraf progressive Beweglichkeit (36,0 % gegenüber 28,1 %; p = 0,006) und Gesamtbeweglichkeit (57,0 % gegenüber 41,0 %; p = 0,009). Adjustiert war die Hochspannungsleitung ein Risikofaktor für die Spermienkonzentration (OR 4,03; 95-%-KI 1,15 bis 14,18). *Schwächen:* Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht; der Abstract nennt sehr kleine Effektstärken (Cohen d von 0,033 bis 0,181) bei vielen geprüften Faktoren, erwähnt keine Korrektur für multiples Testen, und die Gruppenzuordnung der Mittelwerte bleibt unklar; das Konfidenzintervall der OR ist sehr weit.

**Wang N. et al. (2022): Einflussfaktoren der Samenqualität bei fertilen Männern [s93].** Titel: „Study on Influencing Factors of Semen Quality in Fertile Men“ (Faktorenanalyse; Autorengruppe in Peking). *Design:* Beobachtungsstudie an fertilen Männern; die Fallzahl nennt der Abstract nicht. *Ergebnisse:* Die Samenqualität hing mit Karenzzeit, Alter beim ersten Samenerguss und Koitusfrequenz zusammen; in der Gruppe mit hoher Samenqualität waren Rauchen, Alkohol und Wohnort korreliert, wobei Männer aus ländlichen Gebieten die bessere Samenqualität hatten. *Schwächen:* nur Korrelationen, Wohnort sehr grob erfasst, keine Fallzahl und keine Konfidenzintervalle im Abstract.

**Dai X.-C. et al. (2023): Trend der Samenqualität in Wenzhou, China [s65].** Titel: „Will male semen quality improve with environmental quality?“ *Design und Population:* retrospektive Trendanalyse an 22.962 infertilen Männern (2014 bis 2019; 82,0 % Arbeiter; 52,6 % mit Haushaltsregistrierung in Wenzhou; 77,5 % mit abnormer Samenqualität). *Ergebnisse:* Männer über 40 Jahre, Arbeiter und Männer mit Wenzhou-Registrierung hatten signifikant schlechtere Samenqualität (alle p < 0,05). Von 2014 bis 2019 stiegen progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Volumen linear (p = 0,021; 0,030; 0,005), die normale Morphologie sank (p = 0,046). Die Autoren verbinden dies mit besserer Umweltqualität. *Schwächen:* Zeitreihe ohne individuelle Exposition, kein kausaler Schluss möglich; Klinikpatienten.

**Kleshchev et al. (2021): Umweltbelastung und Samenqualität junger Männer in Westsibirien, Russland [s110].** Titel: „Impaired semen quality, an increase of sperm morphological defects and DNA fragmentation associated with environmental pollution in urban population of young men from Western Siberia, Russia“ (PLoS One). *Design und Population:* Querschnitt in zwei Städten gleichen Klimas, Kemerowo (stärkere Feinstaubbelastung; n = 258) und Nowosibirsk (n = 278); Morphologie nach Diff-Quik-Färbung, DNA-Fragmentierung mittels SCSA. *Ergebnisse (nur Abstract):* Einwohner von Kemerowo hatten niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit, höhere DNA-Fragmentierung und schlechtere Morphologie mit mehr Kopfdefekten (birnenförmig, verlängert, rund, abnormes Akrosom, vakuolisiertes Chromatin), asymmetrischem Halsansatz und überschüssigem Zytoplasma; der Wohnort veränderte die Beziehungen zwischen konventionellen Samenparametern, Morphologie und DNA-Fragmentierung. Der Abstract nennt keine Effektgrößen. *Stärken:* standardisierte Methodik, zwei Städte mit gleichem Klima. *Schwächen:* zwei Städte als Expositionsmarker, keine individuellen Messungen; Störgrößen wie Rauchen sind aus dem Abstract nicht ersichtlich.

**Osadchuk et al. (2016): Spermatogenese und Hormonstatus junger Männer in Kemerowo [s153] und Osadchuk et al. (2012): Hormonprofil und Spermienqualität in Jakutsk [s169].** Titel: „Исследование показателей сперматогенеза и гормонального статуса у молодых мужчин западной Сибири“ (Untersuchung der Spermatogenese-Parameter und des Hormonstatus bei jungen Männern Westsibiriens) und „Гормональный профиль и качество спермы у мужчин Восточной Сибири“ (Hormonprofil und Spermienqualität bei Männern Ostsibiriens). *Kemerowo [s153]:* 111 Freiwillige (18 bis 25 Jahre) aus einer Region mit hoher anthropogener Umweltbelastung; Spermatogenesestörungen bei 51,4 %, Asthenozoospermie 21,6 %, Oligoasthenoteratozoospermie 14,4 %, weitere 6,3 % mit gleichzeitig verminderter Beweglichkeit und normaler Morphologie (nach WHO 2010); LH, FSH, Testosteron, Estradiol, Inhibin B und Prolaktin unterschieden sich nicht zwischen Männern mit Spermatogenesedefiziten und Normospermen; die Autoren vermuten eine durch Umweltfaktoren verminderte Zahl oder Funktion der Sertoli-Zellen. Schwächen: keine Vergleichsstadt in dieser Arbeit, Umweltfaktoren nicht gemessen. *Jakutsk [s169]:* Querschnitt bei 145 Freiwilligen (mittleres Alter 24,1 Jahre), ständige Einwohner von Jakutsk, Vergleich mit WHO-Referenzwerten 2001; mittlere Spermienkonzentration 34,69 Millionen/ml, 39,6 % insgesamt bewegliche Spermien, 4,3 % Azoospermie, 27,0 % Oligozoospermie, 68,1 % Asthenozoospermie; keine Unterschiede zwischen jakutischen und slawischen Männern bei anthropometrischen, hormonellen oder Spermienwerten (Körpergröße und Ejakulatvolumen waren bei Slawen höher). Die Autoren schließen auf eine hohe Häufigkeit suboptimaler Spermienqualität im Vergleich zu anderen russischen Regionen und europäischen Ländern. Eine Prüfung von Lichtexposition oder Lärm enthält die Arbeit nicht (die Region hat extreme Jahreszeitenunterschiede des Tageslichts, was die Autoren im Abstract nicht diskutieren; Anmerkung der Bearbeitung).

**Kuznetsova et al. (2010): Bewertung der männlichen reproduktiven Gesundheit der Jugend im Kusbass, Russland [s172].** Titel: „Оценка мужского репродуктивного здоровья молодежи Кузбасса“ (Experimentelle und klinische Urologie). Beim Vergleich zweier Gruppen im Abstand von sieben Jahren (2002 gegenüber 2009) sank die Spermienkonzentration im Ejakulat um 22 % und die „fertile“ Spermienkonzentration um 43 %; die Konzentration im Kusbass sei 1,5- bis 2-mal niedriger als in den USA, Frankreich, Lettland und Finnland; sexuell übertragbare Infektionen in der Vorgeschichte bei 62,5 % der untersuchten jungen Männer. *Schwächen:* Zusammensetzung der beiden Gruppen und Adjustierung sind im Abstract nicht beschrieben; sexuell übertragbare Infektionen werden selbst als sehr häufig genannt.

**Kolesnikova et al. (2016): Samenqualität und antioxidative Abwehr bei Männern verschiedener Regionen Sibiriens [s150].** Titel: „[Sperm quality and features of the antioxidant defense system in men living in various regions of Siberia]“ (Urologiia). Vergleich von Männern in Irkutsk, Ulan-Ude und Nowosibirsk: Männer aus Irkutsk hatten eine um 34,4 % beziehungsweise 23,6 % höhere Spermienzahl (Millionen pro ml) als Männer aus Nowosibirsk beziehungsweise Ulan-Ude und um 44 % beziehungsweise 38 % höhere Alpha-Tocopherol-Konzentrationen als Männer aus Ulan-Ude beziehungsweise Nowosibirsk; die Autoren sehen Wohnort und ökologisch-geografische Lage als Einflussfaktoren, ohne einzelne Umweltfaktoren zu benennen. Die Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

**Latyshevskaya et al. (2015): Risiken für die reproduktive Gesundheit von Männern in einer industriellen Großstadt, Wolgograd [s157].** Titel: „Эколого-гигиенические риски нарушений репродуктивного здоровья мужчин, проживающих в крупном промышленном городе“ (Ökologisch-hygienische Risiken von Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Männern in einer industriellen Großstadt; Wolgograder wissenschaftlich-medizinisches Journal). *Design:* Querschnittsvergleich von Stadtbezirken Wolgograds; als „Bezirke ökologischer Spannung“ gelten Kirowski, Krasnoarmeiski und Dserschinski, als relativ günstig der Zentralbezirk und Woroschilowski; Hauptindikator der Belastung ist der Grad der Luftverschmutzung; untersucht wurden mehr als 1.600 Männer (Volltext, kurzer Bericht). *Ergebnisse:* In den belasteten Bezirken entsprach das Ejakulat nur in 8,3 % der Fälle den Normwerten, in der Vergleichsgruppe in 26,5 %; pathologische Morphologie 71,1 % gegenüber 26,3 % (Kopf- und Halsanomalien mit p < 0,01); in den günstigen Bezirken lag die Spermienzahl bei M = 77,8 Millionen/ml und unterschied sich signifikant (p < 0,01) von den belasteten Bezirken. Zusätzlich berichten die Autoren über 110 Metallarbeiter (30 bis 45 Jahre, 10 bis 15 Jahre Betriebszugehörigkeit) mit einem Hormonstatus im Normbereich bei 27,2 % gegenüber 88,2 % der Vergleichsgruppe und einem normgerechten Ejakulat bei 5,5 % gegenüber 23,5 % (p < 0,05). *Stärken:* große Stichprobe; das Spermiogramm als schnell reagierender Indikator. *Schwächen:* nur eine Zusammenfassung ohne Methodik, Konfidenzintervalle oder Adjustierung; die Bezirkszuordnung ersetzt eine Individualexposition; Alter, Beruf, Rauchen und Selektion der Untersuchten sind nicht beschrieben. Kein Lärm- oder Lichtbezug.

**Kuzmicheva et al. (2024): Luftverschmutzung und Fertilität von Männern im Gebiet Rostow, Russland [s60].** Titel: „Загрязненность атмосферы как фактор ухудшения фертильности мужчин, проживающих в Ростовской области“ (Luftverschmutzung als Faktor der Verschlechterung der Fertilität von Männern im Gebiet Rostow). *Design:* Vergleich von 400 Spermiogrammen (je 200 aus 2011 und 2021) von Männern zwischen 20 und 40 Jahren, ausgewertet in einem Zentrum für assistierte Reproduktion, dazu eine Literaturdiskussion zu Formaldehyd. *Ergebnisse (Tabelle):* normales Ejakulat 66 % (2011) gegenüber 47 % (2021); Konzentration unter der Norm 12,5 % gegenüber 29 %; Beweglichkeit unter der Norm 22,5 % gegenüber 19 %; Morphologie unter der Norm 21,5 % gegenüber 34,5 %; fehlende Spermien 1,5 % gegenüber 1 %. Die Autoren geben an, dass mehr als 1,5 Millionen Einwohner in Städten mit hoher oder sehr hoher Luftbelastung leben. *Schwächen:* keine Verknüpfung der Spermiogramme mit individuellen oder lokalen Schadstoffmessungen; Stichproben aus einem Reproduktionszentrum (Selektion); im Text wird erwähnt, dass die WHO-Referenzgrenze für die Konzentration von 20 auf 15 Millionen/ml gesenkt wurde, ohne dass klar wird, welche Grenze für welches Jahr galt; kein statistischer Test berichtet. Der Zusammenhang zur Luftverschmutzung bleibt eine Vermutung.

**Berdugo et al. (2009): Samenparameter fertiler Männer aus zwei südamerikanischen Populationen [s173].** Titel: „[Semen parameters in fertile men from two South American populations]“ (Archivos Españoles de Urología; spanischsprachig). Retrospektive Vergleichsstudie fertiler Männer aus Medellín (Kolumbien) und Petrópolis (Brasilien): Männer aus Medellín hatten ein signifikant niedrigeres Volumen (p < 0,0001), Männer aus Petrópolis einen signifikant niedrigeren Prozentsatz an Gesamtbeweglichkeit (p < 0,0001); die Konzentration unterschied sich nicht (p > 0,05). Die Autoren vermuten geografische Variation, mit offenen Ursachen. Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

**Najafpour et al. (2020): Staubbelastung und Samenqualität infertiler Männer, Kermanschah, Iran [s124].** Titel: „The effect of air dust pollution on semen quality and sperm parameters among infertile men in west of Iran“. *Design und Population:* deskriptiv-analytische Studie an 850 infertilen Männern (2011 bis 2015); vierjähriger Mittelwert der Staubpartikel an der Wohnadresse. *Ergebnisse:* Die Staubbelastung war negativ mit Morphologie und Konzentration korreliert; die progressive Beweglichkeit war weniger empfindlich; Effektgrößen fehlen im Abstract. *Schwächen:* ausschließlich Infertilitätspatienten, keine Vergleichsgruppe.

**Jahreszeit, Temperatur und Tageslichtdauer.** Drei klinische Auswertungen verknüpfen Samenparameter mit dem Klima. *Kabukçu et al. (2020) [s118]*, „Do seasonal variations in ambient temperature, humidity and daylight duration affect semen parameters? A retrospective analysis over eight years“ (Andrologia, Denizli): retrospektive Auswertung von 6.116 Samenproben einer Universitätsklinik über acht Jahre, verknüpft mit Temperatur, relativer Feuchte, Tageslichtdauer und dem Geburtenregister der Provinz. Es zeigten sich Unterschiede zwischen den Monaten bei Konzentration (p < 0,0001), Gesamtzahl (p < 0,0001), progressiv beweglicher Gesamtzahl (p < 0,0001) und normaler Morphologie (p = 0,028); Konzentration und Gesamtzahl waren im Juli und August niedriger als im Dezember, Mai und Juni; die progressiv bewegliche Zahl war im Oktober um 23,6 % niedriger als im Mai; Temperatur und Temperatur-Feuchte-Index korrelierten negativ mit den Samenparametern. Zwischen monatlichen Geburten und Konzentration bestand kein Zusammenhang (rs = 0,199; p = 0,083). Die Tageslichtdauer wird im Abstract nicht als Einflussfaktor hervorgehoben; die Autoren schließen, erhöhte Außentemperatur könne ein schädlicher Faktor sein. Schwächen: Klinikpatienten, Mehrfachvergleiche, Licht nicht von Temperatur getrennt. *Afşin und Nursal (2022) [s90]*, „Diyarbakır'da Hava Sıcaklığının Sperm Parametrelerine Etkisi: Altı Yıllık Analiz“ (Der Einfluss der Lufttemperatur auf die Spermienparameter in Diyarbakır: eine Analyse über sechs Jahre; Van Tıp Dergisi): retrospektive Auswertung der Samenanalysen von 7.318 Männern mit Infertilitätsverdacht, wobei die Umweltexposition auf die drei Monate vor der Samengewinnung bezogen wurde. Die mittlere Lufttemperatur war umgekehrt mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiv beweglicher Gesamtzahl verbunden; bei Temperaturen unter 15 °C waren diese Werte höher als darüber; die progressiv bewegliche Gesamtzahl war bei weniger als 8 Stunden Sonnenscheindauer höher als bei mehr als 8 Stunden; Konzentration und Gesamtzahl waren bei relativer Feuchte über 50 % höher als darunter; für PM10 (unter 40 gegenüber über 40 µg/m³) fand sich kein signifikanter Unterschied. Das ist einer der wenigen Datensätze der Region, der Sonnenscheindauer erfasst, aber der Abstract berichtet keine Effektgrößen. *Pakmanesh et al. (2024) [s53]*, „Impact of Season Variation on Semen Quality: A Comprehensive Retrospective Analysis of Data from 2948 Men over 10 Years“ (Kerman, Iran, mit Literaturvergleich): Das Volumen war im Sommer höher (p = 0,04), die Beweglichkeit im Frühling höher und im Winter niedriger (p = 0,03), die normale Morphologie im Winter besser (p = 0,03); die Autoren führen dies auf die Photoperiode zurück, der Abstract wertet jedoch keine Photoperioden-Variable gesondert aus (Anmerkung der Bearbeitung). Die drei Studien sind widersprüchlich in den Jahreszeiten mit den besten Werten, was für Klima- und Populationsunterschiede spricht; eine Wirkung der Tageslichtdauer lässt sich daraus nicht ableiten.

**Aliakbari et al. (2021): Infertilität bei Männern und Risikofaktoren, vier Provinzen des Iran [s102].** Titel: „A survey on infertility in men and its relation to risk factors in selected provinces of Iran“. *Design und Population:* Querschnitt im Rahmen eines nationalen Projekts (Daten von 2007), 2.293 interviewte Männer von 25 bis 60 Jahren; 2.076 verheiratet, 78 infertil (3,75 % aktuelle primäre und sekundäre Infertilität). *Ergebnis:* Die Infertilität war in städtischen Gebieten signifikant häufiger als in ländlichen (p < 0,003); klinisch wurde sie auf 2 % geschätzt. *Einordnung:* die einzige Stadt-Land-Aussage dieser Art unter den Quellen, aber ohne Konfidenzintervall und ohne Spermiogramm (Selbstangabe zur Infertilität).

**Oguri et al. (2026): Protokoll der N-SEED-Studie, Japan [s13].** Titel: „Integrating Sperm Microscopy, Environmental Exposures, and Lifestyle Factors for Male Fertility Analysis: Protocol for the Nippon Semen and Environmental Exposure Database (N-SEED) Cross-Sectional Study“ (Protokoll einer multizentrischen Querschnittsstudie). Gruppe 1 (Soll 25) dient der Qualitätskontrolle des Spermien-DNA-Fragmentierungsindex, Gruppe 2 (Soll 100 gesunde Freiwillige) liefert Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung und Schlaf sowie Blut- und Urinproben. Zwischen 18. Januar und 21. Februar 2026 wurden 124 Teilnehmer rekrutiert; Ergebnisse werden bis März 2028 erwartet. Licht, Lärm und Grün werden im Abstract nicht als Expositionen benannt. *Einordnung:* kein Befund, nur ein laufendes Vorhaben.

**Zusammenschau Wohnort.** Regionale Unterschiede der Samenqualität sind belegt [s34, s176, s173, s150], werden aber selten in Lärm-, Licht- und Grünanteile zerlegt. Verkehrsnähe allein zeigt in einer US-Studie keinen Zusammenhang [s136]; Feinstaubstudien zeigen Verschlechterungen [s96, s159, s05, s110, s157]; ein Schweizer Muster hat die niedrigsten Werte in landwirtschaftlich geprägter Region [s34]; sozioökonomische Deprivation ist ein starker Wohnortfaktor [s14]. Der Befund „Land besser als Stadt“ [s159, s93, s102] ist mit Luftverschmutzung verflochten. Eine Wirkung von Lärm, Licht oder Verkehrsnähe auf die Samenqualität lässt sich aus den Wohnortstudien nicht trennen.

### Bildschirme, Geräte, Fernsehen und Sitzen

Die Studien dieser Gruppe betreffen überwiegend Hochfrequenzstrahlung von Mobiltelefonen, Wärme am Hoden, Nutzungsdauer oder Bewegungsmangel, nicht das Licht des Bildschirms. Zum Bildschirmlicht am Abend liegt nur die Fragebogenstudie [s116] aus dem Abschnitt zu nächtlichem Licht vor. Die folgenden Arbeiten sind aufgeführt, weil Geräte- und Bildschirmzeit in der Literatur häufig als Ersatzmaß für Lichtexposition herangezogen wird.

**Chen et al. (2022): Nutzung elektronischer Geräte und Spermienqualität bei gesunden Männern, China [s84].** Titel: „Association between electronic device usage and sperm quality parameters in healthy men screened as potential sperm donors“ (Environmental Pollution). *Design und Population:* Fragebogenstudie an 1.454 Männern von 22 bis 45 Jahren, die als Spender gescreent wurden; wiederholte Proben; lineare gemischte Modelle. *Ergebnisse:* Nach Adjustierung waren die Gesamtdauer der Gerätenutzung mit niedrigerer progressiver und Gesamtbeweglichkeit sowie die Dauer von Handy- und Computernutzung mit Konzentration, progressiver und Gesamtbeweglichkeit invers assoziiert (alle p < 0,05); Handy- oder Computernutzung allein zeigte keinen signifikanten Zusammenhang. Je zusätzlicher Stunde Telefonieren sanken die Konzentration im Mittel um 8,0 % (95-%-KI −15,2 bis −0,2) und die Gesamtzahl um 12,7 % (−21,3 bis −3,1). Bei Headset-Nutzung hing die tägliche Gesprächszeit mit niedrigerer Beweglichkeit zusammen (p für Interaktion < 0,05). Die Autoren sprechen von einem „bescheidenen“ Effekt. *Schwächen:* Selbstauskunft, Spenderkollektiv; unklar, ob Strahlung, Haltung, Sitzdauer oder Schlaf wirken. Die Studie zielt auf Funkstrahlung, nicht auf Licht.

**Zhang S. et al. (2022): Mobiltelefon-Nutzung und Samenparameter, Hangzhou, China [s97].** Titel: „Effects of mobile phone use on semen parameters: a cross-sectional study of 1634 men in China“. *Design und Population:* Querschnitt an 1.634 Männern einer reproduktionsendokrinologischen Abteilung (ein Corrigendum wurde nicht ausgewertet). *Ergebnisse:* Tägliche Nutzungsdauer beziehungsweise Gesprächsdauer unterschieden die Gruppen im Anteil progressiv beweglicher (p = 0,004 beziehungsweise 0,007), schnell progressiv beweglicher (0,012 beziehungsweise 0,006) und gesamtbeweglicher Spermien (0,004 beziehungsweise 0,046). Nach Adjustierung für Alter und BMI hatte die tägliche Nutzungsdauer einen negativen Effekt auf die Beweglichkeit, die Gesprächsdauer nicht. *Schwächen:* Effektgrößen mit Konfidenzintervallen fehlen im Abstract; Selbstangaben; Klinikkollektiv.

**Sterling et al. (2024): Laptop- und Tablet-Nutzung und gesamte bewegliche Spermienzahl, Jamaika [s57].** Titel: „Laptop and tablet use and their influence on total motile sperm count parameters: are laptops linked to infertility in Jamaican men?“ (Revista Internacional de Andrología). *Design und Population:* Querschnittsstudie an 156 Männern einer Fertilitätsklinik in Jamaika. *Ergebnisse:* 64 % nutzten Laptops, 36 % Tablets. Die Zeit am Laptop hing mit der Dauer des Kinderwunsches zusammen (p = 0,015). Männer mit Laptopnutzung von 2 bis 5 Stunden täglich hatten eine etwa 16-fach höhere Chance für niedriges Samenvolumen (adjustierte OR 15,9; 95-%-KI 2,5 bis 103,3; p = 0,004). Kein signifikanter Zusammenhang mit der gesamten beweglichen Spermienzahl, aber ein Trend bei hoher Laptopnutzung (p = 0,052). *Schwächen:* sehr weites Konfidenzintervall (2,5 bis 103,3), kleine Stichprobe, Klinikpopulation; Laptops stehen hier für Wärme und Funk (drahtlose Geräte), nicht für Bildschirmlicht.

**Gaskins et al. (2015): körperliche Aktivität und Fernsehen in Bezug auf die Samenqualität junger Männer, Rochester Young Men's Study, USA [s156].** Titel: „Physical activity and television watching in relation to semen quality in young men“ (British Journal of Sports Medicine). *Design und Population:* Querschnittsanalyse an 189 Männern von 18 bis 22 Jahren (2009 bis 2010). *Methodik:* Wochenstunden moderater und intensiver Aktivität sowie Fernseh-, Video- und DVD-Konsum der letzten drei Monate per Fragebogen; Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Gesamtzahl. *Ergebnisse:* Die Fernsehzeit war invers mit Konzentration und Gesamtzahl assoziiert (p für Trend 0,05 beziehungsweise 0,06); Männer im höchsten Quartil (mehr als 20 Stunden pro Woche) hatten eine um 44 % niedrigere Konzentration als im niedrigsten Quartil (0 Stunden; 95-%-KI 15 bis 63 %). Körperliche Aktivität: Im höchsten Quartil (mindestens 15 Stunden pro Woche) war die Konzentration um 73 % höher (95-%-KI 15 bis 160 %) als im niedrigsten (weniger als 5 Stunden). Beweglichkeit und Morphologie waren nicht signifikant assoziiert. *Stärken:* junge, gesunde Männer, multivariable Adjustierung, getrennte Betrachtung von Aktivität und Fernsehzeit. *Schwächen:* p für Trend im Grenzbereich (0,05 und 0,06); Fernsehzeit ist ein Marker für Bewegungsmangel, Ernährung und Wärme am Hoden, nicht für Licht; einmalige Probe je Mann; Selbstangaben.

**Xiang et al. (2025): Dauer der Mobiltelefon-Nutzung und männliche Fertilität, Mendelsche Randomisierung [s42].** Titel: „Mobile phone usage duration and male fertility: A two-sample Mendelian randomization analysis“. *Design:* Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit genetischen Varianten für die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen; Fallzahlen im Abstract nicht angegeben. *Ergebnisse:* Die genetische Veranlagung zu längerer Nutzung war nicht mit SHBG, Gesamttestosteron, abnormen Spermienparametern, erektiler Dysfunktion oder Hodenfunktionsstörung assoziiert; die Nullbefunde waren in allen Verfahren konsistent. Die Autoren halten einen direkten kausalen Einfluss für unwahrscheinlich, fordern aber eine präzisere Expositionsmessung. *Einordnung:* Die Mendelsche Randomisierung ist weniger anfällig für Störgrößen als Beobachtungsstudien, aber die genetischen Instrumente erfassen die Nutzungsdauer nur grob; sie betrifft Funkstrahlung, nicht Licht.

**Lin et al. (2026): Lebensstil und Samenqualität, Querschnitt und Mendelsche Randomisierung [s08].** Titel: „The influence of unhealthy lifestyle on semen quality: results from a cross-sectional study and Mendelian randomization analysis“ (Annals of Medicine and Surgery). *Design und Population:* 508 Teilnehmer, sechs Lebensstilfaktoren, ergänzend Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung für sieben Faktoren. *Ergebnisse:* Sitzende Lebensweise, Rauchen, starker Alkoholkonsum und starker Kaffeekonsum waren mit erhöhter Prävalenz niedriger Samenqualität verbunden (p < 0,05); die Mendelsche Randomisierung stützte einen Zusammenhang mit genetischen Aspekten der Samenqualität (unter anderem WFDC3, PATE1, CFAP45, SPEF1, CREM). *Einordnung:* Sitzende Lebensweise ist nur ein grobes Näherungsmaß für Bildschirmzeit; der Abstract stellt diesen Bezug nicht her; Effektgrößen mit Konfidenzintervallen fehlen im Abstract.

**Mai H. et al. (2023): Ernährung, Lebensstil und Samenqualität, Guangzhou, China [s70].** Titel: „Association of diet and lifestyle factors with semen quality in male partners of Chinese couples preparing for pregnancy“. *Design und Population:* Beobachtungsstudie an 466 Männern einer Präkonzeptionssprechstunde. *Ergebnisse:* Ausreichender Schlaf ging mit besserer progressiver Beweglichkeit (35,4 % ± 18,2 % gegenüber 40,2 % ± 16,3 %; p = 0,024) und Gesamtbeweglichkeit (52,7 % gegenüber 61,5 %; p = 0,013) einher; im Regressionsmodell betrug die OR 0,47 (95-%-KI 0,24 bis 0,95; p = 0,034) für die Gesamtbeweglichkeit. Die Richtungen weiterer Odds Ratios (Würzmittel-Behälter, Milch, Eier) sind im Abstract uneinheitlich dargestellt. *Schwächen:* viele geprüfte Faktoren, Selbstangaben, Klinikkollektiv; die Zuordnung der Mittelwerte zu den Schlafgruppen ist im Abstract nicht eindeutig ausgewiesen.

### Schlaf und Lebensstil (angrenzend)

Schlaf wird als möglicher Begleit- oder Zwischenfaktor aufgeführt. Keine dieser Studien misst einen Weg von nächtlichem Licht über Schlaf zur Spermienqualität.

**Zhou R. et al. (2025): Schlafqualität und Samenparameter bei Männern aus Paaren mit Kinderwunsch, Wuhan, China [s45].** Titel: „Association of male sleep quality with semen parameters and pregnancy outcomes in infertile couple“ (Autorengruppe in Wuhan). *Design und Population:* Querschnitts- und Beobachtungsstudie an 727 männlichen Partnern infertiler Paare; Pittsburgh Sleep Quality Index; 75,1 % mit schlechtem Schlaf. *Ergebnisse:* Schlechter Schlaf ging mit niedrigerer Konzentration (β −1,39; 95-%-KI −2,11 bis −0,67; p < 0,001), niedrigerer progressiver Beweglichkeit (−1,25; −1,61 bis −0,88; p < 0,001) und geringerer Gesamtbeweglichkeit einher, nicht mit Hormonen. Für die klinische Schwangerschaft nennt der Abstract eine OR von 4,67 (3,08 bis 7,09; p < 0,0001) bei „geringerer Wahrscheinlichkeit“; die Referenzkategorie wird nicht erläutert, die Angabe ist mit Vorsicht zu lesen (Annahme der Bearbeitung: umgekehrte Kodierung). *Schwächen:* Querschnitt, Selbstauskunft, Klinikkollektiv; ein sehr hoher Anteil schlechter Schläfer (75,1 %) lässt die Trennschärfe der Kategorisierung fraglich erscheinen.

**Zhang W. et al. (2025): obstruktive Schlafapnoe und männliche Reproduktionsfunktion, Hefei, China [s44].** Titel: „Association between obstructive sleep apnea and male reproductive function: a cross-sectional study with stratified analysis“. *Design und Population:* Querschnittsstudie mit Schichtung an 108 Männern mit obstruktiver Schlafapnoe (20 bis 40 Jahre, Polysomnographie) und 84 Kontrollen. *Ergebnisse:* Bei Schlafapnoe waren Konzentration (90,0 gegenüber 129,3 × 10⁶/ml), Gesamtbeweglichkeit (68,6 % gegenüber 71,0 %), progressive Beweglichkeit (63,8 % gegenüber 66,6 %) und Testosteron (13,1 gegenüber 21,8 nmol/l) niedriger (alle p < 0,01), außerdem Gewicht und BMI höher. Der Apnoe-Hypopnoe-Index war unabhängig mit niedrigerer Konzentration (β −0,393), Gesamtbeweglichkeit (−0,640) und progressiver Beweglichkeit (−0,623) verbunden (alle p < 0,001). *Schwächen:* kleine Stichprobe, BMI als starker Störfaktor; Schlafapnoe ist eine Erkrankung und kein Maß für Licht oder Lärm.

**Liu Y. et al. (2026): Kaffee, Bewegung, Schlaf und Samenqualität, China [s09].** Titel: „Sleep as a Mediator: Decoding the Complex Relationship Between Coffee, Exercise, and Semen quality“. *Design und Population:* Querschnittliche Beobachtungsstudie an 3.302 Männern (Fragebogen und urologische Untersuchung), Mediationsmodelle. *Ergebnisse (ohne Zahlen im Abstract):* Kein Kaffeekonsum war positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit verbunden, körperliche Aktivität mit dem Volumen; Einschlafzeit und Schlafdauer vermittelten Teile der Zusammenhänge. *Schwächen:* Zahlen fehlen im Abstract; Mediationsanalyse im Querschnitt setzt eine zeitliche Ordnung voraus, die nicht gesichert ist.

**Lu et al. (2024): Schlafmerkmale und männliche Fertilität, Mendelsche Randomisierung [s52].** Titel: „Association of sleep traits with male fertility: a two-sample Mendelian randomization study“ (Frontiers in Genetics). *Design:* Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit acht Schlafmerkmalen und drei Fertilitätsmaßen. *Ergebnisse:* Der genetisch vorhergesagte Chronotyp war „suggestiv“ mit bioverfügbarem Testosteron assoziiert (IVW-OR 1,07; 95-%-KI 1,04 bis 1,12; p = 0,0002); für die übrigen Schlafmerkmale gab es keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit männlicher Fertilität. *Einordnung:* Das stützt eine einfache Kausalkette von Schlaf zu Samenqualität nicht; der Chronotyp-Befund betrifft Testosteron, nicht Spermien.

**Rahimi et al. (2025): Score gesunder Lebensweise und Infertilität bei iranischen Männern [s35] und Shafie und Janani (2026): demografische Merkmale, Lebensstil und Spermiogramm, Lorestan [s15].** Titel: „Relationship between healthy lifestyle score and infertility in Iranian men: a population-based case-control study“ und „Assessment of Associations Between Demographic Characteristics, Lifestyle Factors, and Sperm Quality Among Men Presenting With Infertility Complaints“. *Rahimi [s35]:* bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 300 infertilen und 300 fertilen Männern; ein Score gesunder Lebensweise, der unter anderem die Schlafqualität enthielt. Höchste gegenüber niedrigster Kategorie: OR 0,56 (95-%-KI 0,35 bis 0,89), adjustiert 0,55 (0,34 bis 0,90); niedriger psychischer Distress OR 0,49 (0,34 bis 0,71); bei Normalgewichtigen adjustiert 0,30 (0,12 bis 0,74). Einzelne Lebensstilfaktoren, darunter die Schlafqualität, waren bis auf den Distress nicht signifikant. *Shafie [s15]:* Querschnitt an 200 Männern in der Provinz Lorestan; 84,5 % lebten in Städten; Alter und Heiratsalter waren mit schlechterer Morphologie verbunden (p = 0,004 beziehungsweise p = 0,022); der Wohnort wurde im Abstract nicht ausgewertet.

### Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Die folgende Tabelle ordnet die Humanstudien nach Exposition und trennt, ob Samenparameter oder nur Ersatzendpunkte (Diagnosen, Hormone, Fekundität) untersucht wurden.

| Exposition | Humanstudien mit Samenparametern | Ersatzendpunkte | Richtung | Wichtigste Einschränkung |
|---|---|---|---|---|
| Straßen- und Umgebungslärm | eine Klinikkohorte (Korea) [s114] | Diagnose Infertilität [s143, s56]; Testosteron [s146]; Zeit bis zur Schwangerschaft [s142] | uneinheitlich; beim Mann kein einheitlicher Lärmeffekt [s56] | Bezirks- oder interpolierte Schätzung, Diagnosen statt Samenanalyse |
| Fluglärm | keine | keine | nicht beurteilbar | keine Studie |
| Nächtliches Außenlicht | eine Spenderstudie (China) [s58] | Zeit bis zur Schwangerschaft (Paar) [s31] | Beweglichkeits- und Bewegungsparameter niedriger | Satellit am Wohnort, nicht repliziert |
| Licht in der Nacht im Schichtbetrieb | eine kleine Studie (Ägypten) [s117] | Melatonin | niedrigere Melatonin- und Samenwerte bei Nachtlicht | sehr kleine Untergruppen, Lichtstärke nicht gemessen |
| Bildschirmlicht am Abend | eine Fragebogenstudie [s116] | keine | schwache bis mäßige negative Korrelationen | nicht adjustiert, Schlaf und Wärme vermengt |
| Schichtarbeit, Social Jetlag | mehrere Studien [s120, s18, s105, s74] | Fekundität [s18]; Hormone [s62, s148] | uneinheitlich; Metaanalyse nicht signifikant [s41] | Schichtarbeit ist kein Lichtmaß |
| Wohngrün (NDVI) | viele Studien aus China [s113, s49, s50, s48, s43, s04, s05], eine aus Korea [s104] | Fekundität [s31, s79]; Hormone [s112] | kleine positive Zusammenhänge; Korea fast neutral | Spender- und Klinikkollektive, überlappende Daten, Konfundierung |
| Verkehrsnähe | eine US-Klinikkohorte [s136] | Fekundität (Frauen) [s126] | Nullbefund bei Samenparametern | keine Trennung von Lärm und Abgasen |
| Stadt gegenüber Land, Region | mehrere Studien [s159, s34, s110, s157, s93] | Infertilitätsprävalenz [s102] | Land etwas besser, aber mit Luftverschmutzung verflochten; Schweiz gegenläufig [s34] | Wohnort bündelt viele Faktoren |

Drei Muster fallen über alle Gruppen hinweg auf. Erstens sind die Effekte, soweit Konfidenzintervalle berichtet werden, klein, und sehr große Stichproben machen kleinste Unterschiede signifikant [s31]. Zweitens widersprechen sich mehrere Befunde innerhalb derselben Exposition (Schichtarbeit [s120, s18 gegenüber s74], Lärm beim Mann [s56], Grün in Korea gegenüber China [s104 gegenüber s113]). Drittens beruhen die meisten Studien auf Spendern oder Männern in Kinderwunschkliniken; die Ergebnisse gelten nicht ohne Weiteres für die Allgemeinbevölkerung. Eine Beobachtungsstudie, die Lärm, Licht, Grün und Luftschadstoffe gemeinsam modelliert und Samenparameter mit individuell gemessener Exposition verknüpft, liegt nicht vor. Aus den berichteten Beobachtungen folgt keine Aussage über Ursache und Wirkung und keine Handlungsempfehlung.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Dieses Kapitel fasst zusammen, was klinische und epidemiologische Studien, Leitlinien und Tierversuche zu nächtlichem Licht, Bildschirmlicht, Verkehrs- und Fluglärm, Grünflächen und Wohnort in Bezug auf die Spermienqualität zeigen. Grundlage sind die Abstracts, in einzelnen Fällen Volltexte, der 183 Quellen aus den Recherchen in zwölf Sprachen (alle Quellen der Datei synthese.json). Volltexte der meisten Einzelstudien wurden nicht ausgewertet. Aussagen zu Stärken und Schwächen sind Einordnungen auf Grundlage der im Abstract beschriebenen Methodik und der von den Autoren genannten Einschränkungen. Das Kapitel enthält keine Therapie- und keine Verhaltensempfehlung. Wo Tierversuche oder Studien Substanzen mit schützender Wirkung berichten, geschieht das ausschließlich als experimenteller Befund.

### Überblick über die Evidenzlage

Die Datenlage ist je nach Exposition sehr unterschiedlich dicht. Für Lärm gibt es am Menschen wenige Arbeiten zur Spermienqualität im engeren Sinn: zwei koreanische Studien [s114, s143], eine dänische Registerstudie zur Diagnose Infertilität [s56] und Auswertungen zu Testosteron [s146]. Dem steht eine größere Zahl von Tierversuchen mit Schallpegeln von 90 bis 120 dB gegenüber. Für nächtliches Außenlicht existiert genau eine Studie am Menschen mit Spermienparametern als Ergebnis [s58]. Bildschirmlicht ist nur über Fragebögen und Korrelationen erfasst [s116]. Grünflächen sind dagegen in den letzten Jahren gut untersucht, fast ausschließlich in China und überwiegend an Spermabank- oder Klinikpopulationen. Fluglärm wurde in keiner der gefundenen Studien als Exposition mit Spermienqualität als Ergebnis untersucht; die Suchen in allen zwölf Sprachräumen ergaben dazu keinen einzigen Treffer.

Es gibt keine randomisierte kontrollierte Studie, die eine dieser Expositionen am Menschen verändert und die Spermienqualität misst. Die einzige gefundene randomisierte Studie am Menschen ist eine Cross-over-Studie mit 17 jungen Männern zu blau angereichertem Tageslicht nach Schlafrestriktion; ihr Ergebnis betrifft Speichelhormone, keine Spermien [s129]. Alle übrigen Humanstudien sind Beobachtungsstudien: Querschnitt, retrospektive Kohorte, Fall-Kontroll-Vergleich oder Registerauswertung. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Studienpopulationen sind meist Spender oder Männer in Kinderwunschbehandlung und nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.

Die Darstellung ist nach Expositionen gegliedert. Innerhalb jedes Abschnitts stehen zuerst die Humanstudien, dann Übersichten, dann Tierversuche. Schichtarbeit, zirkadiane Störung und Schlaf werden in einem eigenen Abschnitt behandelt, weil sie in der Literatur häufig als Stellvertreter für Licht in der Nacht benutzt werden, Licht aber von Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung nicht trennen.

### Lärm: Studien am Menschen

**Choe et al. 2020, PLoS One (Seoul) [s114].** Retrospektive Kohortenstudie an einem einzelnen Fertilitätszentrum mit 1.972 Männern, die 2016 bis 2018 eine Samenanalyse hatten. Die Nachtlärmbelastung stammte aus halbjährlichen Messungen des nationalen koreanischen Lärminformationssystems und wurde per empirischem Bayes-Kriging auf die geocodierte Wohnadresse übertragen. Ausgewertet wurden Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Vitalität, normale Morphologie, gesamte bewegliche Spermienzahl sowie Oligozoospermie, Asthenozoospermie und schwere Teratozoospermie mit multivariabler Regression und generalisierten additiven Modellen. Die mittlere Nachtlärmbelastung lag bei 58,3 ± 2,2 Leq. Die Prävalenz betrug 3,3 % für Oligozoospermie, 14,0 % für Asthenozoospermie und 10,1 % für schwere Teratozoospermie. Das höchste Quartil der Nachtlärmbelastung war gegenüber dem niedrigsten mit einer Odds Ratio (OR) von 3,5 für Oligozoospermie verbunden (95-%-Konfidenzintervall 1,18 bis 10,17). Im additiven Modell stieg das Risiko für Oligozoospermie ab etwa 55 Leq dB. Für schwere Teratozoospermie lag die OR im dritten Quartil bei 0,57 (0,33 bis 0,98), also in Gegenrichtung; im vierten Quartil ging sie in Richtung des Nullwerts (OR 1), war also nicht mehr verringert. Stärken sind die behördlich gemessenen Lärmdaten und der Bezug auf den Nachtlärm. Schwächen: eine einzelne Klinik, interpolierte Messwerte ohne Innenraum- oder Schlafzimmerbezug, bei nur 3,3 % Oligozoospermie ein sehr weites Konfidenzintervall und ein nicht monotones Muster bei der Teratozoospermie. Die Autoren schreiben selbst, dass Studien mit genauerer Lärmmessung nötig seien.

**Min und Min 2017, Environmental Pollution (Korea) [s143].** Populationsbasierte Kohortenstudie auf Basis der Stichprobenkohorte des nationalen Krankenversicherungsdienstes (2002 bis 2013) mit 206.492 Männern von 20 bis 59 Jahren ohne angeborene Fehlbildungen und acht Jahren Nachbeobachtung. Tages- und Nachtlärm der Jahre 2002 bis 2005 wurden über Geoinformationssysteme dem Verwaltungsbezirk zugeordnet; Ergebnis war die Diagnose männliche Infertilität nach ICD-10 N46. Adjustiert wurde unter anderem für Alter, Einkommen, Wohngebiet, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Blutzucker, BMI, Vorerkrankungen und Feinstaub. 3.293 Männer (1,6 %) erhielten eine Diagnose. Für Schritte von 1 dB bestand kein Zusammenhang, wohl aber eine nichtlineare Beziehung über die Quartile von Tages- und Nachtbelastung. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation war die adjustierte OR für Infertilität bei Nachtlärm von mindestens 55 dB mit 1,14 erhöht (1,05 bis 1,23). Schwächen: Das Ergebnis ist eine Abrechnungsdiagnose, keine Samenanalyse; der Lärm wurde nur auf Bezirksebene zugeordnet, was zu erheblicher Fehlklassifikation führt; wer keinen Arzt aufsucht, ist nicht erfasst; Restconfounding durch Wohnlage und Sozialstatus ist wahrscheinlich.

**Sørensen et al. 2024, BMJ (Dänemark) [s56].** Landesweite prospektive Registerkohorte mit 526.056 Männern und 377.850 Frauen von 30 bis 45 Jahren mit weniger als zwei Kindern, die 2000 bis 2017 in Dänemark lebten. Langjährige Wohnexposition gegenüber Straßenverkehrslärm (Lden an der am stärksten betroffenen Fassade) und Feinstaub PM2,5; Ergebnis war die erstmalige Infertilitätsdiagnose im Patientenregister. Es traten 16.172 Fälle bei Männern und 22.672 bei Frauen auf, bei mittlerer Nachbeobachtung von 4,3 beziehungsweise 4,2 Jahren. PM2,5 (5-Jahres-Mittel) war bei Männern stark assoziiert: Hazard Ratio (HR) 1,24 (1,18 bis 1,30) bei 30 bis 36,9 Jahren und 1,24 (1,15 bis 1,33) bei 37 bis 45 Jahren je Interquartilsabstand von 2,9 µg/m³, adjustiert unter anderem für Straßenverkehrslärm; bei Frauen bestand kein Zusammenhang mit PM2,5. Straßenverkehrslärm war bei Frauen von 35 bis 45 Jahren mit einer HR von 1,14 (1,10 bis 1,18) je Interquartilsabstand von 10,2 dB verbunden. Bei Männern lag die HR für Straßenverkehrslärm bei 37 bis 45 Jahren bei 1,06 (1,02 bis 1,11) und bei 30 bis 36,9 Jahren bei 0,93 (0,91 bis 0,96), also unter 1. Die Richtung ist bei Männern nicht einheitlich; die Autoren formulieren den Lärmeffekt bei Männern nur als potenziell und verlangen Bestätigung. Schwächen: Registerdiagnose statt Samenanalyse, kurze mittlere Nachbeobachtung von rund vier Jahren.

**Christensen et al. 2017, Environment International (Dänemark) [s142].** Auswertung der Dänischen Nationalen Geburtskohorte mit 65.201 Müttern und selbstberichteter Zeit bis zur Schwangerschaft; Straßenverkehrslärm für alle früheren Wohnadressen modelliert, adjustiert für Alter, Einkommen, Bildung und Stickoxide. Je 10 dB mehr war das Risiko für eine Zeit bis zur Schwangerschaft von 6 bis 12 Monaten um 8 % erhöht (95-%-Konfidenzintervall 1,03 bis 1,12), für 12 Monate und mehr nicht signifikant (OR 1,04; 0,99 bis 1,09). Die Studie betrifft die Paarfekundität über die Lärmexposition der Mutter, nicht die Spermienqualität; die Autoren schließen nur auf einen möglichen kleinen Einfluss auf Subfekundität. Die Schwangerschaftsdauer wurde erst im Nachhinein erinnert.

**Dzhambov 2016, Arhiv za higijenu rada i toksikologiju (NHANES 1999 bis 2004) [s146].** Querschnittsstudie an erwerbstätigen Männern (voll adjustiertes Modell n = 414); Arbeitslärm nach Berufskategorien oder selbstberichtet, Gesamt- und freies Testosteron. Im voll adjustierten Modell war das dritte Quartil der Lärmbelastung mit niedrigerem Gesamttestosteron (-58,32 ng/dl; -111,22 bis -5,42) und freiem Testosteron (-1,58 ng/dl; -2,98 bis -0,18) verbunden. Die Chance für Hypogonadismus (Gesamttestosteron unter 300 ng/dl) stieg je Interquartilsabstand nicht signifikant an (OR 1,24; 0,64 bis 2,39). Selbstberichteter Lärm senkte das Testosteron bei Männern ab 37 Jahren um -87,55 ng/dl (-158,35 bis -16,74). Stärker betroffen waren in Subgruppen jüngere Männer, solche mit niedrigerem Einkommen, normalgewichtige, mit besserem Gehör und ohne Gehörschutz. Die Autoren fassen zusammen, dass die Zusammenhänge nur in einigen Subgruppen auftraten und nichtlinear waren. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie ohne Samenparameter, und der Effekt zeigt sich nur im dritten Quartil.

**Sheiner et al. 2002, Journal of Occupational and Environmental Medicine [s178].** Vergleichsstudie in einer Fertilitätsklinik mit 202 Patienten (106 Fälle männlicher Infertilität, 66 Kontrollen mit weiblicher Ursache, 30 kombiniert). Männliche Infertilität war mit Tätigkeit in Industrie und Bauwesen verbunden (78,6 % gegenüber 58,3 %; p = 0,044). Die Fälle arbeiteten häufiger in Schichten (OR 3,12; 1,19 bis 8,13), berichteten körperliche Anstrengung (OR 3,35; 1,44 bis 7,80) und waren stärker Lärm ausgesetzt (OR 3,84; 1,63 bis 9,14). In der multiplen Regression blieben Industrie- und Bauberufe (adjustierte OR 2,2; 1,2 bis 2,7) und kognitive Erschöpfung (adjustierte OR 1,8; 1,03 bis 4,6) unabhängige Faktoren, Lärm nicht. Lärm, Schichtarbeit, Rauchen und körperliche Belastung sind eng gekoppelt; die Kontrollgruppe ist selektiert. Ein im Abstract für Schweißen genannter Wert ist in sich widersprüchlich (Punktschätzer außerhalb seines eigenen Konfidenzintervalls) und wird deshalb nicht ausgewertet.

**Berufliche Mischexposition in Russland, der Türkei und dem Iran.** Zwei Querschnittsstudien aus Kasan [s162, s161] untersuchten 318 Beschäftigte im Maschinen- beziehungsweise Flugzeugbau mit 148 Beschäftigten in Hilfsberufen als Vergleich, mit Fragebogen und Hormonen. Im Flugzeugbau lagen die Lärmpegel 4 bis 29 dBA über dem Grenzwert, daneben Vibration, Hitze und Chemikalien; die exponierte Gruppe hatte niedrigeres Testosteron und höheres LH und FSH, bei 25 % der Beschäftigten wich mindestens ein Hormon ab. Eine eigene Effektgröße für Lärm wird nicht berichtet, Spermienanalysen fehlen [s161, s162]. Mohammadi et al. 2021 [s111] untersuchten 162 Beschäftigte eines Automobilzulieferers mit gemessenem Lärm und Ganzkörpervibration: Nur 49 % hatten Testosteron im Normbereich; die niedrigsten Mittelwerte lagen in der Gruppe mit Vibration über 1,93 m/s² und Lärm über 92,69 dB; die Korrelation von Lärm und Testosteron betrug R = -0,201 (p = 0,013); in der logistischen Regression hatte die Vibration den größten Effekt. Eine Folgearbeit mit 80 Beschäftigten und maschinellem Lernen nannte als wichtigste Prädiktoren für freies Testosteron das Magnetfeld, das Alter und die Feuchtkugeltemperatur, Lärm nicht an erster Stelle [s32]; eine Fläche unter der Kurve von 0,99 bei 80 Personen spricht für Überanpassung. Fragebogenstudien an Beschäftigten in einem Zementwerk (70 gegenüber 70 Männern) [s138] und an Kernbohr-Bedienern (75 gegenüber 75) [s139] nennen Lärm nur als allgemeines Risiko, trennen ihn nicht und enthalten keine Samenwerte; sie sind als Beleg für eine Lärmwirkung auf Spermien ungeeignet. Auch eine türkische Studie an Mautstellen-Beschäftigten (38 gegenüber 35 Büroangestellten) betrifft Dieselabgase, nicht Lärm [s175]. Eine marokkanische Beschreibung von 3.025 Patienten nennt als häufigsten Risikofaktor die berufliche Exposition, weist Lärm aber nicht gesondert aus [s36].

**Übersichten zu Lärm.** Ristovska et al. 2014 [s158] schlossen 14 epidemiologische Studien zu beruflichem und neun zu umweltbezogenem Lärm ein; es gab einige Belege für Zusammenhänge mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburt, nicht mit Spermien. Clark et al. 2020 [s115] bewerteten mit GRADE die Evidenz zu Umgebungslärm im Auftrag des britischen Umweltministeriums; die meiste Evidenz wurde als niedrige Qualität eingestuft; männliche Spermienqualität wird im Abstract nicht genannt. Meyer et al. 1989 [s180] ist ein kurzer historischer Beitrag zu Lärm, elektromagnetischen Feldern und Reproduktion ohne Zahlen. Krzastek et al. 2020 [s119] behandeln Umwelttoxine einschließlich Luft- und Lärmbelastung ohne Zahlen zu Lärm und betonen, dass Kausalität schwer festzustellen bleibt. Fesenko et al. 2023 [s83] schreiben, Studien zum Einfluss von Betriebslärm und Vibration auf die männliche Reproduktion seien wenig zahlreich; sie zitieren eine Arbeit, nach der Betriebslärm mit geringerer Spermienbeweglichkeit und mehr DNA-Schäden zusammenhing (p = 0,005 und p = 0,02), aus zweiter Hand und ohne eigene Bewertung. Zemlyanova et al. 2025 [s46] werteten 160 Berichte aus; die Lärmaussagen stützen sich auf wenige Einzelquellen. Ramezanifar et al. 2023 [s77] fanden in 57 Artikeln, davon sechs zu physikalischen Faktoren, Hinweise auf Wirkungen von Lärm, Hitze und Hochfrequenzstrahlung auf das Fortpflanzungssystem, im Abstract ohne Zahlen.

**Fluglärm.** Eine gezielte Suche mit englischen, deutschen, französischen, italienischen, portugiesischen, spanischen, chinesischen, japanischen, koreanischen, russischen, arabischen und türkischen Begriffen ergab keine Studie, die Fluglärm als Exposition und Spermienqualität oder männliche Fertilität als Ergebnis untersucht. In den Übersichten erscheint Fluglärm nur im Zusammenhang mit anderen Endpunkten, etwa Krebs [s115]. Diese Evidenzlücke ist eindeutig; sie sagt nichts über die Existenz oder das Fehlen eines Effekts.

### Lärm: Tierversuche

Alle folgenden Arbeiten sind Tierversuche. Die Schallpegel von 90 bis 120 dB, teils mehrere Stunden täglich, liegen weit über dem, was die Wohnbevölkerung typischerweise erreicht; sie entsprechen eher Arbeitslärm oder Maschinenlärm. Gruppen sind meist klein, Abstracts nennen oft keine Zahlen.

**Metaanalyse.** Dzhambov und Dimitrova 2015 [s154] fassten sieben Nagerstudien zusammen (Quality-effects-Modell). Gepooltes Hedges' g für das Serumtestosteron: -2,41 (-3,28 bis -1,54), also ein sehr großer Effekt. Die Expositionsdauer erklärte einen signifikanten Teil der Varianz (Q(1) = 3,95; p = 0,047). Die Heterogenität war erheblich (I² = 82 %), es bestand Publikationsbias (p = 0,016). Nach Einfügen zweier angenommener fehlender Studien sank der Effekt auf g = -1,53 (-3,01 bis -0,05). Die Autoren schließen auf eine Testosteronsenkung bei männlichen Nagern unter chronischer Beschallung von rund 100 dB und fordern Humanstudien.

**Einzelstudien an Ratten und Mäusen.**

- Jalali et al. 2012 [s168]: 20 adulte männliche Wistar-Ratten, Lärm 90 bis 120 dB, 300 bis 350 Hz, 12 Stunden täglich über 50 Tage. Die Gewichte von Hoden, Nebenhoden, Samenbläschen und ventraler Prostata waren signifikant geringer (p < 0,05), die Spermienkonzentration unterschied sich (p < 0,05). Je Gruppe nur zehn Tiere, nur eine Dosis.
- Farzadinia et al. 2016 [s147]: 40 Ratten, Kontrolle sowie 95, 105 und 115 dB über 60 Tage. Bei 115 dB sanken Testosteron, Durchmesser der Hodenkanälchen und Dicke des Keimepithels, ACTH und Cortisol stiegen, der Anteil des Interstitialgewebes nahm zu. Ein Effekt zeigte sich nur bei der höchsten Stufe.
- Swami et al. 2007 [s177]: Albinoratten, 100 dB für 1 oder 3 Stunden (akut) und täglich 1 Stunde über 60 und 90 Tage (chronisch). Serumtestosteron deutlich reduziert, dauerhafte histologische Veränderungen, verklumpte tote Spermien. Anpassung nur auf Hormonebene, strukturelle Veränderungen blieben.
- Saha et al. 2018 [s137]: 100 dB, 6 Stunden täglich über 10 Tage; Stimulation der Zirbeldrüse, Leydig-Zell-Funktionsstörung mit Testosteronabfall und Unterdrückung der akzessorischen Drüsen. Arecolin kehrte die Veränderungen im Alleinversuch um, schützte aber bei Lärm nicht.
- Jalali et al. 2013 [s166]: pränatale und postnatale Beschallung; in der Lärmgruppe mehr atrophische Hodenkanälchen und gestörtes Interstitium bei Nachkommen. Die Autoren sehen verstärkte Apoptose und gebremste Spermatogenese; die Hoden der nicht beschallten Gruppe wuchsen größer.
- Fathollahi et al. 2013 [s164] und Saki et al. 2013 [s167]: je 40 Ratten, Lärm von 19:00 bis 07:00 Uhr über 50 Tage; FSH und LH wichen von der Kontrolle ab, Testosteron sank in der unbehandelten Lärmgruppe (p < 0,001 beziehungsweise p < 0,05); die Fertilisationsfähigkeit unterschied sich (p = 0,001). Die Gruppenbeschriftung stimmt zwischen beiden Veröffentlichungen nicht überein, was auf Mehrfachverwertung eines ähnlichen Experiments hindeutet. Zusätzlich getestete Vitamine und Honig hoben einzelne Werte an [s164, s167]. Hemadi et al. 2013 [s165] (24 Ratten, 50 Tage): Apoptose (p = 0,003) und Nekrose (p = 0,001) erhöht, Vitalität vermindert (p = 0,003).
- Masruri et al. 2022 [s88]: 20 Wistar-Ratten (je 5), 105 dBA im 4-kHz-Oktavband, 8 Stunden täglich über 30 Tage, allein oder mit Bleiacetat (4 mg/kg). Das Hodengewicht war in allen Versuchsgruppen signifikant geringer (p < 0,0001); Ödem, Degeneration und Atrophie der Hodenkanälchen, bei Kombination stärker.
- Pirami et al. 2022 [s91]: 64 Ratten in 8 Gruppen, Lärm von 100 dB und/oder Vibration von 1 m/s² jede Nacht von 23:00 bis 07:00 Uhr über 50 Nächte. Unter Lärm und unter Lärm plus Vibration sanken LH, Testosteron, Geburtenzahl und Geburtsgewicht (p < 0,05); Vibration allein senkte Testosteron, Geburtenzahl und Geburtsgewicht.
- Li et al. 2023 [s69]: Kombination von Lärm und Kohlenmonoxid erzeugte mehr Hodenschaden, schlechtere Samenqualität, mehr oxidativen Stress und Apoptose als jeder Faktor allein; der P53-Signalweg war beteiligt. Pterostilben milderte die Schäden im Rattenmodell. Zahlen fehlen im Abstract.
- Bijani et al. 2024 [s47]: Wistar-Ratten, 100 dB über 14 Tage (8 Stunden täglich) und/oder Skrotalhyperthermie; Marker für oxidativen Stress, Apoptose und Entzündung (TNF-alpha, IL-6) im Hodengewebe erhöht; Betanin wirkte im Modell schützend. Keine Samenparameter.
- Jiang et al. 2025 [s28]: Mäuse über zwei Monate unter mehreren ungünstigen Reizen (Lärm, Temperatur, Gedränge): geringerer Hodenindex, gestörte Blut-Hoden-Schranke, Spermienanomalien, Störung der mitochondrialen Dynamik (MFN2, DRP1). Lärm ist nicht isoliert.
- Abdollahi et al. 2021 [s101]: 40 Mäuse in fünf Gruppen zu je acht (Kontrolle, Licht 1.000 lx, Lärm 100 dB(A), Vibration, Mikrowelle), 8 Stunden täglich, 5 Tage pro Woche über 2 Wochen. Kontrolle: progressive Beweglichkeit 64,76 ± 0,89 %, Lärmgruppe 31,41 ± 1,28 %. Die Autoren deuten die Regressionskoeffizienten fälschlich als Chancenverhältnis; es sind Mittelwertdifferenzen. Eine weitere Arbeit derselben Gruppe an 40 Ratten (Hitze von 36 °C und psychischer Stress durch Stroboskoplicht, Lärm und Käfigkippen) fand die niedrigsten Werte in der Kombination (Spermienzahl 17,22 ± 4,22 × 10⁶/ml, Beweglichkeit 42,63 ± 12,95 %), Lärm und Licht nur als Teil eines Stressbündels [s100].
- Tanyeri und Yüce 2019 (Fırat Üniversitesi Sağlık Bilimleri Veteriner Dergisi, türkisch: Ratlarda Farklı Şiddetlerdeki Gürültünün Oksidatif Stres Parametreleri ve Sperm Kalitesi Üzerine Etkisi, deutsch: Wirkung von Lärm unterschiedlicher Intensität auf oxidative Stressparameter und Spermienqualität bei Ratten) [s130]: 28 Wistar-Albino-Ratten, Kontrolle sowie 60, 80 und 100 dB bei 8.000 Hz, 12 Stunden jede Nacht über 60 Nächte. Bei hohem Lärm stiegen Malondialdehyd, Katalase, Glutathionperoxidase und der Anteil abnormer Spermien; bei niedrigem und mittlerem Lärm stiegen Katalase und Glutathionperoxidase ebenfalls. Zahlenwerte fehlen im Abstract.
- Şentürk et al. 2023 (Gümüşhane Üniversitesi Sağlık Bilimleri Dergisi; Effect of White Noise and Light Exposure on Some Enzymes in Rat Testicular Tissue) [s66]: 18 Ratten, je 6; weißes Rauschen mit 90 dB für 60 Minuten täglich über 14 Tage allein oder mit 24 Stunden Dauerlicht an jedem zweiten Tag. Carboanhydrase 0,12 ± 0,005 (Kontrolle), 0,107 ± 0,004 (Lärm), 0,095 ± 0,004 EU/mg Protein (Lärm plus Licht); Katalase +32,87 % beziehungsweise +52,74 %; Glutathionperoxidase +25,28 % beziehungsweise +36,78 %. Nur Enzymaktivitäten, keine Spermienparameter, keine p-Werte im abgerufenen Text, kein Licht-Einzelarm.
- Sato et al. 1982 (Nippon Eiseigaku Zasshi) [s181]: Wistar-Ratten, breitbandiges Rauschen mit 100 dB(C). Die Geburtenraten sanken bei Weibchen, die während Kopulation und Trächtigkeit exponiert waren; ein getrennter Effekt auf Männchen oder Samenparameter wird nicht beschrieben, Zahlen fehlen.
- Günther 1976, Andrologia (deutschsprachig) [s182]: 21 männliche Meerschweinchen, 110 dB, 3 bis 5 Stunden täglich über 22 bis 31 Tage. Die Histologie zeigte keine Spermatogenesestörung. In der Lärmgruppe fanden sich 8,2 % Tubuli ohne vollständige Spermatogenese, in der Kontrollgruppe 9,9 % spermienfreie Tubuli. Der Autor führt das negative Ergebnis auf Mängel der Anordnung zurück (maximal 31 Tage bei einer Spermatogenesedauer von etwa 40 Tagen). Dies ist der einzige gefundene deutschsprachige Originalbeitrag zum Thema und ein Negativbefund.

### Nächtliches Licht und Bildschirmlicht: Studien am Menschen

**Tian et al. 2024, Environmental Pollution (China) [s58].** Retrospektive Kohortenstudie an 1.991 Samenspender-Kandidaten (mittleres Alter 24,98 ± 4,78 Jahre, BMI 22,13 ± 2,60 kg/m², Schlafdauer 7,66 ± 1,07 Stunden). Die Außenlichtexposition in der Nacht (ALAN) am Wohnort lag zwischen 0 und 100 nW/cm²/sr (Satellitendaten). Ausgewertet wurden multivariable lineare Regression und restringierte kubische Splines für chronische (0 bis 90 Tage vor der Spende) und akute Exposition (0 bis 9 Tage). Je 100 Einheiten mehr chronisches ALAN änderte sich die Linearität der Spermienbewegung (LIN) um -0,043, die kurvilineare Geschwindigkeit (VCL) um -5,523, der Anteil nichtprogressiv beweglicher Spermien um -3,873 und die Gesamtbeweglichkeit um -4,740. Die im Abstract gedruckten Konfidenzintervalle sind fehlerhaft gesetzt (untere Grenzen ohne Minuszeichen); sie wurden am Original-Abstract geprüft und werden hier deshalb nicht wiedergegeben. Ähnliche Zusammenhänge zeigte die akute Exposition; der Effekt war bei Männern unter 25 Jahren besonders ausgeprägt. Dies ist die einzige gefundene Humanstudie mit ALAN als Exposition und Spermienparametern als Ergebnis. Als Ergebnisse nennt der Abstract nur Beweglichkeits- und Bewegungsparameter, nicht Konzentration oder Gesamtzahl. Schwächen: Außenlicht per Satellit sagt wenig über Schlafzimmerlicht, Vorhänge, Schichtarbeit oder Bildschirmnutzung; die Spender sind jung und selektiert; eine Adjustierung für Lärm, Luftqualität oder Grün wird im Abstract nicht erwähnt.

**Li et al. 2025, Environmental Research (China, national) [s31].** Nationale Kohorte mit 14.239.365 Paaren aus 31 Provinzen (2014 bis 2020). Grün über den NDVI in 1.000-m-Puffern, Nachtlicht (NTL) aus dem VIIRS-Day-Night-Band-Satelliten, beide an der Wohnadresse; Fekundität als Zeit bis zur Schwangerschaft (Accelerated-Failure-Time-Modelle). Je Interquartilsabstand mehr jährlicher NDVI lag das Zeitverhältnis bei 0,9881 (0,9862 bis 0,9901), also kürzere Zeit bis zur Schwangerschaft; je Interquartilsabstand mehr jährliches Nachtlicht bei 1,0340 (1,0326 bis 1,0354), also längere Zeit. Die Zusammenhänge waren bei älteren, übergewichtigen und weniger gebildeten Personen, in städtischen Regionen und bei schlechteren Umweltbedingungen stärker. Es handelt sich um eine Paarfekundität, bei der weibliche und männliche Faktoren vermischt sind; die Effekte sind klein (rund 3,4 % längere Zeit je Interquartilsabstand Nachtlicht) und werden durch die Stichprobengröße signifikant; Satelliten-Nachtlicht korreliert mit Urbanität und Sozialstatus.

**Hassan et al. 2020, Experimental and Therapeutic Medicine (Qena, Ägypten) [s117].** Querschnitts- und Fall-Kontroll-Vergleich in einer Universitätsklinik von Dezember 2015 bis März 2016 (Winter, um saisonale Melatoninschwankungen zu vermeiden) mit 50 Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT; Laborbeschäftigte, 34 mit nächtlichem Licht durch Nachtschicht, 16 ohne) und 50 fertilen Kontrollen mit gleicher Tätigkeit (19 mit, 31 ohne nächtliche Lichtexposition). Das Schichtsystem war ein Sieben-Tage-Zyklus mit Tag-, Abend- und Nachtschicht (00:00 bis 08:00 Uhr), die Expositionsdauer laut Text 1 Jahr und 4 Monate. Das Alter (31,56 ± 5,36 gegenüber 31,94 ± 5,19 Jahre) war vergleichbar; Rauchen und chronischer Alkoholkonsum waren Ausschlusskriterien. Samen und Blut wurden um 21:00 Uhr gewonnen, Melatonin per ELISA gemessen. Serum-Melatonin: iOAT 11,01 ± 10,99 ng/l gegenüber Kontrollen 19,51 ± 16,82 ng/l (p = 0,0004); im Seminalplasma 4,84 ± 4,06 gegenüber 6,96 ± 6,35 ng/l (p = 0,01). Bei iOAT-Patienten mit nächtlichem Licht lag das Serum-Melatonin bei 4,54 ± 1,48 ng/l, ohne Licht bei 24,77 ± 9,65 ng/l (p < 0,0001); im Seminalplasma 3,36 ± 2,94 gegenüber 7,34 ± 5,29 ng/l (p = 0,02). Bei den Kontrollen betrugen die Werte mit Nachtlicht 5,83 ± 1,76 (Serum) und 3,85 ± 1,45 ng/l (Seminalplasma), ohne Licht 27,89 ± 16,40 und 8,86 ± 7,40 ng/l. Samenparameter bei iOAT mit gegenüber ohne nächtliches Licht: Konzentration 3,30 ± 1,87 gegenüber 11,97 ± 1,25 Mio/ml (p < 0,0001), Beweglichkeit 18,29 ± 13,09 % gegenüber 27,81 ± 16,43 % (p = 0,04), abnorme Formen 59,62 ± 17,97 % gegenüber 46,62 ± 23,45 % (p = 0,04). Das Serum-Melatonin korrelierte bei allen iOAT-Patienten positiv mit der Beweglichkeit (r = 0,614; p < 0,0001). Stärken: direkte Biomarker, beide Gruppen mit derselben Arbeit und Beleuchtung. Schwächen: kleine Untergruppen (16 nicht exponierte iOAT-Patienten); die Exposition ist an Nachtarbeit gekoppelt, sodass Schlaf, Stress und Essensrhythmus nicht getrennt sind; die Lichtstärke wurde nicht gemessen; die nicht exponierte iOAT-Gruppe zeigt eine auffällig enge Verteilung der Konzentration (11,97 ± 1,25 Mio/ml); zwischen Text (59,26) und Tabelle (59,62) weicht ein Wert ab. Die Schlussfolgerung der Autoren, Dunkelheit und Schlaf in der Nacht könnten die Samenparameter verbessern, geht über die Korrelationsdaten hinaus.

**Zhou et al. 2026, Schlafzimmerlicht und Pubertätsbeginn bei Kindern (Anhui) [s20].** Prospektive Studie ab September 2022 an 886 Kindern von 6 bis 10 Jahren; das Schlafzimmerlicht wurde in zwei Nächten minütlich mit einem tragbaren Messgerät erfasst, Brustentwicklung (Mädchen) und Hodenvolumen (Jungen) alle sechs Monate über zwei Jahre. In der höchsten Expositionsgruppe begann die Pubertät bei Jungen 3,84 Monate früher (Zeitverhältnis 0,96; 0,95 bis 0,98) und bei Mädchen 4,12 Monate früher (0,96; 0,94 bis 0,98). Je 30 Minuten mehr Licht von mindestens 3 lx stieg das Risiko früherer Hodenentwicklung um 9 % (HR 1,09; 1,02 bis 1,16), der Thelarche bei Mädchen um 12 % (1,12; 1,07 bis 1,16). Licht nach dem Zubettgehen wirkte stärker als Licht vor dem Aufwachen. Die Studie misst individuell statt per Satellit, ihr Endpunkt ist aber der Pubertätsbeginn, nicht die Spermienqualität; sie ist nicht auf erwachsene Männer übertragbar.

**Bhambhvani et al. 2026, European Urology Focus (NHANES 2011 bis 2014) [s03].** Querschnittsstudie an 2.209 Männern (Median Alter 45 Jahre, Testosteron 434 ng/dl, helle Lichtexposition 21,4 Minuten pro Tag). Helles Licht über 2.000 Lux wurde mit Handgelenk-Sensoren über 7 bis 9 Tage gemessen, das Testosteron morgens bestimmt; adjustiert wurde unter anderem für Alter, BMI, Aktivität, Diabetes, Vitamin D und die gesamte Lichtmenge. Je 10 Minuten helles Licht stieg das Testosteron um 15,16 ng/dl (p = 0,008); am Nachmittag war der Zusammenhang am stärksten (16,72 ng/dl; p = 0,006), morgens und abends nicht signifikant; bei geringer Basisexposition war er stärker. Wichtig für die Einordnung: Die Studie betrifft Tageslicht, nicht Nachtlicht, enthält keinen Samenparameter, und umgekehrte Kausalität ist möglich. Sie zeigt, dass Licht nicht pauschal als schädlich gelten kann.

**Faraut et al. 2019, Frontiers in Neuroscience [s129].** Randomisierte Cross-over-Studie mit 17 jungen Männern: zwei Nächte mit je drei Stunden Schlaf, danach blaues Licht (viermal 30 Minuten bei 100 Lux) oder nicht. Nach Schlafrestriktion sanken Morgen-Cortisol, Morgen-Testosteron und Nachmittags-Alpha-Amylase im Speichel; nach der blauen Lichtexposition waren die Werte weitgehend wiederhergestellt. Zahlen nennt der Abstract nicht; es gibt keinen Samenparameter.

**Bildschirmnutzung, Geräte und Sitzen.** Green et al. 2020, Chronobiology International [s116]: 116 Männer in Fertilitätsabklärung, Fragebogen zur Bildschirmnutzung und zum Schlaf. Smartphone- und Tablet-Nutzung am Abend und nach dem Zubettgehen korrelierten negativ mit der Spermienbeweglichkeit (-0,392 beziehungsweise -0,369; p < 0,05), der progressiven Beweglichkeit (-0,322 beziehungsweise -0,299) und der Konzentration (-0,169) und positiv mit dem Anteil unbeweglicher Spermien (0,382 beziehungsweise 0,344). Schlafdauer korrelierte positiv mit Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (0,249; 0,233) und negativ mit dem Samen-pH (-0,349). Der Abstract nennt weder Adjustierung noch Konfidenzintervalle; Bildschirmzeit ist mit Schlafmangel, Stress, Haltung, Wärme und Elektromagnetik vermengt. Gaskins et al. 2015, British Journal of Sports Medicine [s156]: 189 Männer von 18 bis 22 Jahren; Männer im höchsten Quartil der Fernsehzeit (mehr als 20 Stunden pro Woche) hatten eine um 44 % niedrigere Konzentration als im niedrigsten (0 Stunden; 95-%-Konfidenzintervall 15 bis 63 %; p-Trend 0,05 für die Konzentration und 0,06 für die Gesamtzahl); Männer im höchsten Quartil der körperlichen Aktivität (mindestens 15 Stunden pro Woche) hatten eine um 73 % höhere Konzentration (15 bis 160 %). Beweglichkeit und Morphologie waren nicht signifikant assoziiert. Fernsehzeit ist ein Marker für Bewegungsmangel und Wärme, nicht für Licht. Sterling et al. 2024, Revista Internacional de Andrología [s57]: 156 Männer einer Klinik in Jamaika; Laptopnutzung von 2 bis 5 Stunden täglich war mit einer 16-fach höheren Chance für niedriges Samenvolumen verbunden (adjustierte OR 15,9; 2,5 bis 103,3; p = 0,004), kein signifikanter Zusammenhang mit der gesamten beweglichen Spermienzahl (Trend bei hoher Nutzung p = 0,052); die Autoren denken an drahtlose Geräte und Wärme, nicht an Licht, das Konfidenzintervall ist sehr weit. Chen et al. 2022, Environmental Pollution [s84]: 1.454 Männer von 22 bis 45 Jahren, als Spender gescreent, Fragebogen, wiederholte Proben; die Gesamtdauer der Gerätenutzung war invers mit progressiver und Gesamtbeweglichkeit assoziiert, die Dauer von Handy- und Computernutzung mit Konzentration, progressiver und Gesamtbeweglichkeit; je Stunde Telefonieren sanken die Konzentration um -8,0 % (-15,2 bis -0,2) und die Gesamtzahl um -12,7 % (-21,3 bis -3,1). Die Studie zielt auf Funkstrahlung, nicht auf Licht, die Autoren sprechen von einem bescheidenen Effekt. Zhang S. et al. 2022, Hangzhou [s97]: Querschnitt an 1.634 Männern; die tägliche Nutzungsdauer unterschied die Gruppen im Anteil progressiv beweglicher Spermien (p = 0,004), nach Adjustierung für Alter und BMI blieb ein negativer Effekt der Nutzungsdauer auf die Beweglichkeit, nicht der Gesprächsdauer; Effektgrößen fehlen im Abstract. Kim et al. 2021 [s109]: Metaanalyse mit 18 Studien und 4.280 Proben; Mobiltelefonexposition war mit verminderter Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration assoziiert, ohne Zeit-Dosis-Zusammenhang; gepoolte Zahlen stehen nicht im Abstract. Xiang et al. 2025 [s42]: Mendelsche Randomisierung mit genetischen Varianten für die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen; kein Zusammenhang mit SHBG, Gesamttestosteron, abnormen Spermienparametern, erektiler Dysfunktion oder Hodenfunktionsstörung, die Nullbefunde waren in allen Verfahren konsistent; die Autoren halten einen direkten kausalen Einfluss für unwahrscheinlich. Sterpi et al. 2025, Andrology [s38]: systematische Übersicht zu Sitzzeiten mit 16 Beobachtungsstudien und 13.509 Männern; zwölf Studien fanden keine Konzentrationsunterschiede, drei (eine Klinikstudie, zwei an Gesunden) eine Abnahme bei längerer Fernsehzeit beziehungsweise sitzender Haltung; zwei von drei Studien zur DNA-Fragmentierung fanden höhere Indizes bei längerem Sitzen; die Autoren sprechen von einem schwachen, inkonsistenten Zusammenhang. Kavoussi und Kavoussi 2025 [s30]: Übersicht zu Handys und Laptops; die Datenlage sei widersprüchlich. Lin et al. 2026 [s08]: 508 Teilnehmer; sitzende Lebensweise, Rauchen, starker Alkohol- und Kaffeekonsum waren mit erhöhter Prävalenz niedriger Samenqualität verbunden, die Mendelsche Randomisierung stützte einen Zusammenhang mit genetischen Aspekten der Samenqualität; sitzende Lebensweise ist nur ein grobes Näherungsmaß für Bildschirmzeit. Zum Bildschirmlicht am Abend selbst fand sich in den chinesischen, japanischen und koreanischen Quellen keine Studie. Ein japanischer Symposiumsbeitrag erwähnt Smartphones nur als Lichtquelle am Abend und äußert Vermutungen, keine Messwerte [s89].

**Hochfrequenz-Studien als Nachbarthema.** Die genannten Arbeiten zu Telefonieren, Headset und Laptops betreffen in erster Linie Funkstrahlung und Wärme. Sie werden hier aufgeführt, weil Geräte- und Bildschirmzeit in der Literatur oft als Ersatzmaß für Bildschirmlicht benutzt wird. Ein Zusammenhang mit Licht lässt sich aus ihnen nicht ableiten.

### Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten

Liu 2024 [s51] argumentiert, künstliches Licht in der Nacht sei auf nie dagewesene Niveaus gestiegen, das Fortpflanzungssystem sei eng mit Stoffwechsel und zirkadianem System verknüpft und beide würden schon durch niedrige Lichtmengen gestört; die reproduktionsbezogenen Wirkungen der Lichtverschmutzung seien weitgehend unbeachtet. Der Beitrag enthält keine eigenen Daten. Gubin et al. 2026 [s06] vertreten in einer Übersicht mit Hypothesencharakter, dass Kunstlicht in der Nacht, zu wenig Tageslicht und unregelmäßige Hell-Dunkel-Muster Melatoninsignal, Uhrengene und neuroendokrine Rhythmen stören und unter anderem die Spermienqualität beeinflussen könnten; sie räumen ein, direkte Kausalbelege am Menschen seien für mehrere Endpunkte begrenzt. Behi Shahreza et al. 2026 [s01] beschreiben, dass Kunstlicht in der Nacht Melatonin unterdrücke und oxidativen Stress erhöhe; im Labor der assistierten Reproduktion erzeuge Licht reaktive Sauerstoffspezies. Alekseeva et al. 2024 (Experimentelle und klinische Urologie; Роль циркадных ритмов в функционировании мужской репродуктивной системы, deutsch: Die Rolle der zirkadianen Rhythmen im Funktionieren des männlichen Fortpflanzungssystems) [s61] nennen Lichtverschmutzung ein häufiges Stadtproblem und zitieren aus Sekundärquellen Zahlen, die Testosteron und Erektionsfunktion betreffen, nicht Spermienparameter: In der TriNetX-Datenbank war Testosteronmangel häufiger bei Männern mit zirkadianen Störungen (OR 2,63; Konfidenzintervall nicht berichtet). Die Autoren halten fest, die Hauptmasse der Studien betreffe Tiermodelle. Bukhtiyarov et al. 2016 (Medizin der Arbeit und industrielle Ökologie; Нарушения репродуктивного здоровья у работников ночных смен (обзор литературы), deutsch: Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Beschäftigten in Nachtschichten) [s152] behandeln fast ausschließlich Frauen und enthalten keine Daten zur Spermienqualität; die Behauptung, das blaue Licht von Bildschirmen hemme die Melatoninbildung lange, wird in den gelesenen Passagen nicht mit Zahlen belegt. Karabulut und Oria 2025 [s29] beschreiben das Licht-Dunkel-Muster als wichtigsten äußeren Zeitgeber, dessen Störung die Fruchtbarkeit beider Geschlechter beeinträchtigen könne. Ulusu 2026 [s16] zählt Lärm, künstliches Licht in der Nacht, elektromagnetische Felder und Wärmestress zu den nichtchemischen Stressoren mit schädlichen oder nützlichen Wirkungen je nach Intensität, Dauer und Zeitpunkt. Wang und Tao 2022 (chinesischsprachig) [s94] beschreiben, dass Kunstlicht bei Nacht den zirkadianen Rhythmus und die Melatoninsekretion beeinflussen könne. He M.-C. et al. 2025 [s27] fassen die zirkadiane Regulation der Testosteronsynthese über die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden- und -Nebennieren-Achse zusammen; He M. et al. 2023 [s68] halten fest, dass Störungen der Uhrengenexpression die Spermatogenese deutlich schädigen und die Mechanismen weitgehend unklar sind; Ning et al. 2025 [s33] beschreiben die Regulation der Testosteronsynthese durch Uhrengene und ihre Rolle bei Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion und männlicher Infertilität. Li 2022 [s86] und Fusco et al. 2021 [s106] schreiben, zirkadiane Störungen könnten die Spermienqualität verschlechtern, die Forschung zu Licht sei spärlich beziehungsweise die Evidenz wegen Heterogenität niedrig.

### Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche

Die Tierversuche sind uneinheitlich. Die Protokolle reichen von Dauerlicht über verschobene und umgekehrte Hell-Dunkel-Zyklen, verkürzte und verlängerte Photoperioden bis zu farbigem Licht und sind mit Außenlicht im Wohnumfeld kaum vergleichbar.

**Dauerlicht und verlängerte Lichtphasen.**

- Biswas et al. 2013 [s163]: Dauerlicht über 70 Tage bei männlichen Ratten führte zu höheren Gewichten von Hoden und Geschlechtsanhangsdrüsen, höheren Serumspiegeln von FSH, LH und Testosteron und gesteigerter Spermatogenese, also zu einer gesteigerten Gonadenfunktion.
- Moustafa 2020, International Journal of Endocrinology [s123]: Sprague-Dawley-Ratten, 20 Stunden Licht und 4 Stunden Dunkelheit oder 4 zu 20 über 12 Wochen. Spermienzahl und Beweglichkeit waren nur durch verlängertes Licht erhöht, der Anteil abnormer Spermien sank unter verlängertem Licht und verlängerter Dunkelheit; FSH, LH, Testosteron und Prolaktin stiegen, Östradiol fiel; die antioxidative Kapazität verbesserte sich, Uhrengene (PER1-2, CRY1-2, BMAL1, CLOCK, Rev-Erb-alpha) waren verändert. Die Autoren deuten dies als Anpassung an chronische zirkadiane Störung.
- Arabischsprachige Mausstudie 2009 (Journal of King Abdulaziz University: Science; دراسة مقارنة على تأثير الفترة الضوئية على مناسل ذكور الفئران : وزن الجسم، و الخصية، و مميزات الحيوانات المنوية, deutsch: Vergleichende Studie zum Einfluss der Photoperiode auf die Gonaden männlicher Mäuse: Körper- und Hodengewicht und Spermienmerkmale) [s174]: je 36 Mäuse in Dauerdunkel, Dauerlicht und 12:12. Spermienzahl im Dauerdunkel 0,002 × 10⁷/ml, in der Kontrolle 1,29 × 10⁷/ml, im Dauerlicht 1,54 × 10⁷/ml; relatives Hodengewicht im Dauerdunkel niedriger, im Dauerlicht höher; Beweglichkeit signifikant vermindert (p < 0,05). Die Statistik ist im Abstract nur teilweise beschrieben.
- Zlobina et al. 2018 (Journal of New Medical Technologies; Морфологическая оценка функциональных изменений семенников под влиянием светового десинхроноза в эксперименте, deutsch: Morphologische Bewertung funktioneller Veränderungen der Hoden unter dem Einfluss einer Lichtdesynchronose im Experiment) [s141]: 48 Ratten in vier Gruppen zu je 12, Kontrolle bei natürlichem Licht, drei Gruppen mit zusätzlichem Kunstlicht in der Nacht (350 bis 500 lx) für 1, 10 oder 21 Tage. Mediane der Spermatiden: 76 (Kontrolle), 74 (1 Tag), 72 (10 Tage), 59,5 (21 Tage); Spermatogonien 87, 93, 91, 77; Sertoli-Zellen 28, 26, 26, 25; Leydig-Zellen 29, 28, 26, 24; Dicke des Keimepithels 0,057, 0,052, 0,05, 0,049. Die Prozentangaben im Text lassen sich nicht eindeutig aus den Tabellenwerten herleiten, p-Werte erscheinen als 0,00, die Kontrolle erhielt natürliches statt streng kontrolliertes Licht; es gab keine Spermienanalyse.
- Krasnova und Chekanova 2018 [s140] (3 Gruppen zu je 12 Ratten; 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit; nach 10 Tagen weniger Spermatiden und kleinerer Tubulusdurchmesser, mehr Sertoli-Zellen, nach 21 Tagen weiterer Rückgang), Krasnova et al. 2019 [s131] (zwei Gruppen zu je 12, 12 Stunden Licht und 10 Stunden Dunkelheit, ähnliche Befunde): beide ohne Zahlenwerte im abgerufenen Text, Beiträge in Nachwuchs- und Konferenzzeitschriften.
- Kondakova et al. 2022 (Zeitschrift der Wolgograder Medizinischen Universität; Морфофункциональные изменения семенников крыс при преждевременном старении, вызванном темновой депривацией, deutsch: Morphofunktionelle Veränderungen der Rattenhoden bei vorzeitiger Alterung durch Dunkelheitsentzug) [s99], Kondakova et al. 2023 zu den Leydig-Zellen [s82] und zu den Sertoli-Zellen [s81]: derselbe Tierversuch mit 66 Ratten (negative Kontrolle n = 24, 30 Tage 24-Stunden-Licht mit 300 lx n = 26, Melatoningruppe n = 16). Dicke des Keimepithels -26,3 % (p < 0,001), Spermatogeneseindex -6,25 %, Serumtestosteron -51,4 % (p < 0,001), Fläche der Leydig-Zellen -26,9 %, Kernfläche -21,7 %, Klotho im Serum -41,4 %, Corticosteron +24,28 %; FSH 2,4-fach höher (p < 0,05), Zahl der Sertoli-Zellen -5,4 %, Zellfläche -12,4 %. Nach 14 Tagen Melatonin stieg das Testosteron auf das 1,97-Fache, das Keimepithel erholte sich teilweise, Zellfläche und Kernfläche der Leydig-Zellen nahmen um 14,95 % beziehungsweise 20,72 % zu. Es handelt sich nicht um unabhängige Replikationen.
- Maulood et al. 2026 [s12]: 10 Wochen Dauerlicht und/oder Pinealektomie bei Ratten führten zu Störung des Keimepithels, Zellablösung, Tubulusnekrose und verminderter spermatogener Aktivität, am stärksten im kombinierten Modell; Melatonin und Ramelteon besserten die Gewebearchitektur im Modell. Zahlen fehlen im Abstract.
- Arabischsprachige Hamsterstudie 2020 (Journal der Northern Border University; تأثير هرمون الميلاتونين المفرز ذاتيا تحت تأثير الإضاءة المتناوبة و المكثفة على أنسجة الخصية لدى ذكور الهامستر, deutsch: Wirkung des selbst sezernierten Melatonins unter wechselnder und intensiver Beleuchtung auf das Hodengewebe männlicher Hamster) [s128]: lange intensive Beleuchtung beeinflusste Körpergewicht, Fortpflanzungssystem und Gewebestruktur, kurze Phasen führten zu Hodenatrophie; Gruppengrößen und Zahlen fehlen im Abstract.
- Aizikov et al. 2014 (Wissenschaftliche Berichte der Staatlichen Universität Petrosawodsk; Влияние различных режимов освещения на репродуктивную активность и темпы физиологического развития потомства крыс, deutsch: Einfluss verschiedener Beleuchtungsregime auf die Fortpflanzungsaktivität und das Entwicklungstempo der Nachkommen von Ratten) [s160]: Trächtigkeiten pro Weibchen 0,75 (Standardlicht), 0,68 (natürliches Licht), 0,61 (Dauerlicht); Welpensterblichkeit 6,2 %, 23,3 % und 15,7 % (p < 0,01). Männliche Jungtiere reagierten weniger empfindlich als weibliche; Spermienparameter wurden nicht erhoben.

**Verschobene, umgekehrte und verkürzte Zyklen.**

- Liu et al. 2026, Life Sciences [s10]: drei Gruppen männlicher Ratten, normaler 12:12-Zyklus, fest umgekehrter Zyklus und dynamisch alternierender Licht-Dunkel-Dunkel-Licht-Zyklus. Nur der dynamische Zyklus führte zu deutlich geringerem Hodenindex, niedrigerem Serumtestosteron und verminderter Spermienbeweglichkeit, mit oxidativem Stress (NOX4/5 hoch, HO-1 und SOD niedrig) und Apoptose (Bax/Bcl-2, gespaltene Caspase-3, TUNEL). Der Schaden war bei dynamischer Störung größer als bei fester Umkehr. Zahlen fehlen im Abstract.
- Liu et al. 2020 [s120]: Im Mausmodell (C57BL/6J, Photoperiodenverschiebung) sank die Spermienzahl bei Desynchronisation und erholte sich nach deren Aufhebung; erhöhte Apoptose in den Samenkanälchen, herunterregulierte Markergene der Keimzellstadien.
- Zhu W. et al. 2026 [s22]: Wöchentliche 12-Stunden-Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus über 8 Wochen führte bei C57BL/6J-Mäusen zu deutlichen Spermien-DNA-Schäden; betroffen war der Reparaturweg der homologen Rekombination. CREB1-mRNA war bei 40 Patienten mit hohem DNA-Schaden niedriger als in der Kontrollgruppe; im Zellmodell erhöhte der Knockdown von Creb1 Doppelstrangbrüche und senkte BRCA1, MRE11 und RAD51. Mechanistische Studie, die humane Stichprobe ist klein und korrelativ.
- Zou et al. 2026 [s24]: Männliche Mäuse unter Dauerlicht; ihre männlichen, nicht weiblichen Nachkommen zeigten Gedächtnisstörungen und gestörte synaptische Plastizität; die Spermien-miRNA-Profile änderten sich, in menschlichen Spermien wurde eine Hochregulierung von miR-92a-3p gefunden; die Injektion von Spermien-Kleinst-RNA oder synthetischem miR-92a-3p/miR-25-3p in Zygoten reproduzierte die Beeinträchtigung. Das betrifft die epigenetische Weitergabe, nicht die Spermienqualität im engeren Sinn.
- Xu et al. 2020 [s127]: verkürzte Hell-Dunkel-Zyklen (4 h Licht, 4 h Dunkel) über 5 oder 10 Wochen bei Mäusen; geringere Fertilität, niedrigere Spermienkonzentration und -beweglichkeit, kleinere Hoden, kleinere Würfe; Genipin milderte die Schäden und normalisierte Testosteron und seine Vorstufen im Modell.
- He et al. 2026 [s07]: Social Jetlag war bei 441 Männern mit höherer mtDNA-Kopienzahl im Gesamtsamen assoziiert (1,29-fach; p = 0,026), im Mausmodell der Phasenverschiebung stieg sie 1,33-fach (p = 0,010); CRY1 zeigte unter den Uhrengenen den stärksten Zusammenhang (p = 0,048); Cry1-Knockout erhöhte die Kopienzahl 2,18-fach (p < 0,001).
- Miura et al., vier japanische Kongressabstracts ohne Zahlenwerte: 2017 [s144] (C57BL/6J-Mäuse, Hell-Dunkel-Verschiebung alle zwei Tage um 12 Stunden über 1, 3, 9 oder 12 Wochen: Spermienzahl in Hoden und Cauda epididymidis ab etwa sechs Wochen signifikant niedriger, ebenso die Beweglichkeit; der Testosteronanstieg mit der Geschlechtsreife blieb aus), 2018 [s135] (StAR und P450scc in der ersten Woche vermindert, Zinkkonzentration im Hoden gesenkt, ZIP14 erhöht; die Autoren vermuten eine Entkopplung spermatogenesebezogener Faktoren als Hypothese), 2020 [s122] (Bestätigung der Befunde nach sechs Wochen) und 2022 [s89] (Übersicht der eigenen Daten mit Vermutungen zu Smartphones). Es sind keine begutachteten Vollpublikationen. Yasuo 2024 [s59]: chronischer Jetlag bei Mäusen, Beitrag zum Stoffwechsel, nicht zu Spermien.
- Travicic et al. 2025 [s39]: juvenile und peripubertale männliche Ratten (Postnataltag 21 bis 49) unter einem Regime aus zwei Tagen Dauerlicht, zwei Tagen Dauerdunkel und drei Tagen 14:10; gestörte Verhaltensrhythmen, vermindertes Melatonin, abgeschwächte Reifungsgene der Leydig-Zellen, niedrigeres Testosteron, veränderte Gene der Spermatiden-Differenzierung (Tnp1, Prm2), weniger elongierte Spermatiden im Stadium VII.
- Hassan et al. 2022 [s85]: Mäuse bei kurzem Tag (6:18) und langem Tag (18:6) über fünf Wochen ab der Vorpubertät; in den Placebo-Gruppen sanken Spermienqualität und -menge, Testosteron, Corticosteron, antioxidative Kapazität und Melatonin; Seidensericin glich die Werte an die Kontrolle an. Kurz- und Langtag gehen hier gleichgerichtet in Richtung Schädigung, anders als bei Moustafa [s123]. Derin et al. 2023 (Projektbericht; Transgenerational effect of maternal circadian rhythm change during pregnancy and lactation periods on behavior, gonadal DNA methylation and transcriptome in the adult male offspring rat) [s75]: Spermienbeweglichkeit der erwachsenen männlichen Nachkommen sank nur in der Langtag-Schwangerschaftsgruppe; StAR, CYP11A1, HSD17B3 und AR in Leydig-Zellen verminderten sich besonders in den Kurztag-Gruppen; Testosteron blieb unverändert; keine Zahlen im Abstract.

**Blaues und farbiges Licht, Pubertät.**

- Uğurlu et al. 2023, Frontiers in Endocrinology [s78]: 18 männliche Sprague-Dawley-Ratten (je 6), Kontrolle (12:12), blaues Licht 6 Stunden (BL-6) und 12 Stunden (BL-12) (450 bis 470 nm, 0,03 µW/cm²). Mediane Tage des Pubertätseintritts 38, 30 und 28 (p = 0,001); FSH, LH und Testosteron waren ähnlich; Hodenlänge und -gewicht waren in den Blaulichtgruppen kleiner (p = 0,03; 0,04), die Glutathionperoxidase höher; mit längerer Exposition nahmen Unterdrückung der Spermatogenese, Gefäßerweiterung und Ödem zu. Sehr kleine Gruppen.
- Chekani Azar und Sabuncuoğlu Çoban 2023, Scientific Reports [s63]: 40 männliche Sprague-Dawley-Ratten ab 21 Tagen Alter, 14 Wochen blaues oder weißes LED-Licht gegenüber Leuchtstoffröhre, teils mit Nesfatin-1. Weißes LED: höheres Hodengewicht; Blau-LED: niedrigeres Serum-Melatonin und deutlich geringere Spermienbeweglichkeit (p < 0,0001); beide LED-Farben mit negativen histopathologischen Veränderungen. Der Vergleich ist nicht Dunkelheit gegen Licht.
- Acisu et al. 2025, Acta Veterinaria Hungarica [s25]: 56 männliche Ratten in 7 Gruppen zu je 8, 63 Tage Licht unterschiedlicher Wellenlänge. Malondialdehyd (nmol/ml): Orange 2,77, Rot 4,27, Gelb 5,14, Grün 5,56, Violett 7,07, Blau 7,52, Weiß 8,59 (p < 0,001); niedrigste Spermienbeweglichkeit bei Blau (29,16 ± 11,40 %), Violett (56,25 %), Grün (62,50 %) und Weiß (69,58 %). Die Autoren schließen, violettes und blaues Licht wirkten sich negativ aus. Eine neutrale Kontrollgruppe mit 12:12 ist im Abstract nicht ausgewiesen.
- Zhou et al. 2026, Molecular and Cellular Endocrinology [s21]: schwaches Nachtlicht (dLAN) ab Postnataltag 21 bei männlichen und weiblichen Ratten; bei Männchen verfrühte sich die Präputialtrennung, obwohl Testosteron paradox abnahm und Leydig-Zell-Gene (Star, Hsd17b3) herunterreguliert waren; Kiss1, GnRH, Gpr54, Leptin und LH stiegen. Die Autoren sprechen von funktioneller Entkopplung der Achse. Keine Samenparameter.
- Acisu et al. 2025 zur Pinealektomie (Pinealektomi Uygulanmış Erkek Sıçanlarda Spermatolojik Parametrelerin Değerlendirilmesi, deutsch: Bewertung der Spermienparameter bei männlichen Ratten nach Pinealektomie) [s40]: 36 Ratten, je 12 in Kontrolle, Schein-Operation und Pinealektomie; Beweglichkeit und Dichte nach Pinealektomie am niedrigsten (p < 0,001). Der Abstract widerspricht sich bei der DNA-Fragmentierung. Ein Modell für Melatoninmangel, keine Lichtexposition.
- Slesareva et al. 2012 (Uljanowsker medizinisch-biologisches Journal; Регуляция суточного ритма течения сперматогенеза у белых крыс, deutsch: Regulation des Tagesrhythmus des Ablaufs der Spermatogenese bei weißen Ratten) [s170]: 204 Ratten unter 12:12-Licht (90 intakt, 90 epiphysektomiert, 24 mit Hodendenervierung); für jede Stufe der Spermatogenese ließ sich ein Tagesrhythmus nachweisen (Perioden 21,5; 24; 24 und 23 Stunden); die Epiphysektomie hob die Rhythmen auf, die Denervierung ließ sie bei verminderter Amplitude bestehen. Untersucht wurde keine Lichtexposition, die Studie zeigt aber die Rolle der Zirbeldrüse.
- Closs et al. 2023, Science of the Total Environment (Medaka, ein Fisch) [s64]: Kunstlicht in der Nacht hemmte die Rangordnung der Männchen nicht, Dauerlicht hob sie auf; bei Kunstlicht in der Nacht befruchteten untergeordnete Männchen weit weniger Eier und hatten schlechtere Spermienqualität als dominante, Sexualsteroide und Gonadotropine unterschieden sich nicht. Nicht auf Säuger übertragbar.
- Abdollahi et al. 2021 [s101]: Lichtgruppe mit 1.000 lx über 8 Stunden täglich in zwei Wochen: normale Morphologie 45,50 ± 2,15 % gegenüber 72,56 ± 1,52 % in der Kontrolle, progressive Beweglichkeit 60,67 ± 0,77 % gegenüber 64,76 ± 0,89 %, Spermienzahl 4,12 ± 0,79 × 10⁶/ml gegenüber 4,51 ± 0,22. Der Abstract nennt keine Tageszeit der Lichtgabe, sodass offen bleibt, ob es Nachtlicht war.

### Schichtarbeit, zirkadiane Desynchronisation und Schlaf als Stellvertreter für Licht in der Nacht

Schichtarbeit trennt Licht nicht von Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung. Die folgenden Studien sind deshalb nur eingeschränkt auf die Frage nach nächtlichem Licht übertragbar.

**Liu et al. 2020, Human Reproduction [s120].** Hybridstudie: (i) Querschnitt an 1.346 chinesischen Männern (2007) zu arbeitsbedingter Desynchronisation (Wechselschicht und Dauerschicht gegen keine Schichtarbeit), (ii) Kohorte von 796 chinesischen Studierenden (2013 bis 2014) zu nichtarbeitsbedingter Desynchronisation zwischen Schul- und freien Tagen (Munich Chronotype Questionnaire), (iii) Validierung im Mausmodell. Unter 17 Samen- und Hormonmarkern war die Spermienzahl bei Wechselschichtarbeitern niedriger; das Risiko einer niedrigen Spermienzahl (unter 120 × 10⁶ pro Ejakulat) lag bei OR 1,26 (1,05 bis 1,52) gegenüber Nichtschichtarbeitern. Bei den Studierenden war jede Stunde zirkadianer Desynchronisation mit einer 1,16-fachen Chance auf niedrige Spermienzahl verbunden (1,02 bis 1,31); bei Männern, die die Desynchronisation von 2013 auf 2014 verringerten, stieg die Spermienzahl. Stärken: drei Evidenzebenen, repliziert in zwei Populationen, Erholung nach Wegfall der Exposition. Schwächen: Beobachtungsdaten, Schichtarbeit ist kein Lichtmaß, eine Studienregion; die Autoren nennen Unterschiede der Expositionsform und der Speziesempfindlichkeit im Tiermodell.

**Wang et al. 2026, Andrology (PREBIC) [s18].** Prospektive Kohorte mit 3.425 Männern, 24 Monate Nachbeobachtung, Arbeitstyp (Wechselschicht, feste Tagarbeit, feste Schichtarbeit), sieben Samenparameter, Cox- und lineare Regression, Mediationsanalyse. Wechselschichtarbeiter hatten gegenüber festen Tagarbeitern eine um 16 % niedrigere Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 0,70 bis 0,99; p = 0,04) und eine um 14 % niedrigere innerhalb von zwei Jahren (HR 0,86; 0,74 bis 1,01; p = 0,06). Niedriger waren Spermienkonzentration (-10,77 %; -18,89 bis -2,55; p = 0,01), Gesamtzahl (-11,63 %; -21,25 bis -2,02; p = 0,02) und Vitalität (-3,86 %; -7,00 bis -0,72; p = 0,02). Zwischen festen Tag- und festen Schichtarbeitern gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Konzentration vermittelte 33,46 % beziehungsweise 31,12 %, die Vitalität 30,79 % beziehungsweise 23,59 % des Zusammenhangs mit der Fekundität. Der Zwei-Jahres-Effekt verfehlt knapp die Signifikanz; der Arbeitstyp ist selbstberichtet; die Kohorte besteht aus Paaren mit Kinderwunsch.

**Demirkol et al. 2021, Andrologia (Türkei) [s105].** Vergleich in einer Infertilitätsklinik, 104 Schichtarbeiter und 116 Nichtschichtarbeiter. Bei Schichtarbeitern waren Oligozoospermie häufiger (p = 0,006), die Schlafqualität schlechter (p = 0,039) und der Anteil normaler Morphologie niedriger (p = 0,036). Schlafdauer korrelierte positiv mit der Konzentration, die Einschlaflatenz negativ mit der Gesamtzahl. Adjustiert für Alter, Gesamttestosteron, Stress, Rauchen und Varikozele war Schichtarbeit mit hohem PSQI mit Oligozoospermie assoziiert (OR 2,11; 1,03 bis 4,34), ebenso der PSQI-Wert (OR 1,18; 1,01 bis 1,39). Klinikpopulation, Selbstangaben zum Schlaf, die Konfidenzintervalle liegen nahe 1; die Lichtexposition in der Nacht wurde nicht gemessen.

**Gica et al. 2023 [s67].** 314 Patienten einer Infertilitätsklinik (21 Abendtypen, 187 intermediäre, 106 Morgentypen). Kein Unterschied der Chronotyp-Werte zwischen niedriger und normaler Konzentration (p = 0,884); positive Korrelation zwischen normaler Morphologie und MEQ-Wert (r = 0,13; p < 0,05); negative Korrelation zwischen Stunden im Bett und Konzentration (r = -0,13; p < 0,05). Sehr kleine Korrelationen, nur 21 Abendtypen.

**Boeri et al. 2025, Antioxidants [s26].** Retrospektive Querschnittsanalyse an 96 weißen europäischen Männern von 18 bis 45 Jahren. Nachtschichtarbeiter hatten höheren oxidativen Stress (Median d-ROMs 340 gegen 280 U.CARR; p = 0,01), mehr Männer oberhalb der Schwelle (74,4 % gegen 24,4 %) und einen unabhängigen Prädiktor Nachtarbeit (OR 2,1; p = 0,001), adjustiert für Alter und Rauchen. In einer nicht randomisierten, nicht verblindeten Unterstichprobe von 40 Männern sank der oxidative Stress nach dreimonatiger Gabe eines Antioxidans-Präparats in beiden Gruppen (mittlere Änderung -58,5 gegen -15,4 U.CARR); das wird hier nur als Beobachtung berichtet und stellt keine Aussage zur Behandlung dar. Für den Ausgangsvergleich nennt der Abstract keine Samenparameter.

**Mínguez-Alarcón et al. 2023, Human Reproduction (EARTH-Studie) [s74].** 377 Männer eines Fertilitätszentrums, 9 % mit Abend- oder Wechselschicht. Für Wechsel- und Abendschicht berichtet der Abstract ähnliche Ergebnisse wie beim häufigen Heben schwerer Gegenstände, dort mit 46 % höherer Konzentration und 44 % höherer Gesamtzahl (je p = 0,01) sowie 24 % höherem Testosteron (p = 0,04). Das ist ein gegenläufiger Befund zu den Studien von Liu und Wang [s120, s18]; die Gruppe der Schichtarbeiter ist klein, die Teilnehmer sind Paare in Kinderwunschbehandlung.

**Hormone und Rhythmen bei Schichtarbeitern.** Bracci et al. 2023 [s62]: niedrigere Serumspiegel von Pregnenolon und Gesamttestosteron bei Schicht- gegenüber Tagarbeitern, ohne Zahlen im Abstract. Jensen et al. 2016, Chronobiology International [s148]: 73 Polizisten, Speichelproben alle vier Stunden; die Amplitude des Melatoninrhythmus nahm um 4,9 % pro Tag ab (1,4 bis 8,2 %), die Cortisolphase verzögerte sich um 33 Minuten pro Tag (18 bis 48 Minuten); der Testosteronrhythmus zeigte keinen Effekt der Zahl der Nachtschichten und folgte dem Schlaf-Wach-Rhythmus; nach Erholungstagen gab es keine Rhythmusunterschiede. Ortiz et al. 2010 [s171]: 40 Männer, das Serotonin-Abbauprodukt 5-HIAA im Urin korrelierte negativ mit Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, Morphologie und Vitalität; die Untergruppe der Nachtschichtarbeiter ist zu klein für belastbare Aussagen. Osipov 2023 (Abschlussarbeit, Frankreich) [s76]: systematische Übersicht mit 24 von 502 Treffern; Schicht- oder Wechselarbeit sei mit Veränderungen von Cortisol und Testosteron assoziiert, die methodische Qualität sei oft begrenzt. Alekseeva et al. 2024 [s61] nennen aus Sekundärquellen, dass bei 2.571 Teilnehmern 24,1 % in Schichten arbeiteten und das Testosteron bei Schichtarbeitern im Mittel 100,4 ng/dl niedriger war (p < 0,01).

**Übersichten.** Viramgami et al. 2025, Endocrine [s41]: systematische Übersicht mit Metaanalyse, acht Studien aus 6.397 Treffern; gepoolte mittlere Differenz der Spermienzahl -18,38 × 10⁶ (-59,82 bis 23,07; n = 3; I² = 85,12 %), Serumtestosteron +15 ng/dl (-19,3 bis 49,39; n = 5; I² = 63 %). Beide Konfidenzintervalle schließen null ein; die meisten Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Deng et al. 2018 [s133]: Übersicht, nach der die Evidenz Zusammenhänge zwischen nicht standardisierter Schichtarbeit, hypogonadalen Symptomen, schlechteren Samenparametern und verminderter Fertilität stütze; Gegenmaßnahmen gegen Schläfrigkeit hätten keine starke Evidenz. Caetano et al. 2021 [s103]: 33 Studien (zehn zur Ovarfunktion, zwölf zur Spermienfunktion, fünf zur natürlichen Fertilität, sechs zu IVF); kurze Schlafdauer, Abendtyp oder Schicht- und Nachtarbeit könnten die Fertilität beeinflussen, die Ergebnisse seien wegen heterogener Methoden kaum vergleichbar. Zhong et al. 2022, Frontiers in Physiology [s98]: Metaanalyse zu Schlafstörungen; geringere Gesamtspermienzahl (mittlere Differenz -27,91; -37,82 bis -18,01), geringere Konzentration (-5,16; -9,67 bis -0,65), geringere progressive Beweglichkeit (-2,94; -5,28 bis -0,59) und geringere normale Morphologie (-0,52; -0,80 bis -0,24), kein Zusammenhang mit Volumen und Hormonen; die Einheiten stehen im Abstract nicht, und die Autoren verweisen auf begrenzte Zahl und Qualität der Studien. Lu et al. 2024, Frontiers in Genetics [s52]: Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit acht Schlafmerkmalen und drei Fertilitätsmaßen; der genetisch vorhergesagte Chronotyp war suggestiv mit bioverfügbarem Testosteron assoziiert (IVW-OR 1,07; 1,04 bis 1,12), für die übrigen Merkmale kein Hinweis auf eine kausale Beziehung zur männlichen Fertilität. Liu et al. 2022, Human Reproduction [s87]: 33.430 Samenproben einer Spermabank; die Parameter schwankten im Tagesverlauf (alle p < 0,001), die meisten erreichten ihr Optimum zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, jede Stunde früher oder später als 11:00 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung verbunden. Das ist methodisch relevant, weil der Probenzeitpunkt Befunde verändert. He et al. 2021 [s108]: ökologische Studie mit 54.734 Männern und 52.457 Frauen aus 35 europäischen Ländern; zehn Prozentpunkte mehr Rotationsschichtarbeit waren mit einer um 0,114 niedrigeren Gesamtfruchtbarkeitsrate verbunden (-0,167 bis -0,061), nach Adjustierung -0,088 (-0,160 bis -0,015); dauerhafte Schichtarbeit zeigte keinen Zusammenhang; ökologischer Fehlschluss möglich.

**Schlaf in Querschnittsstudien.** Zhou R. et al. 2025 [s45]: 727 männliche Partner infertiler Paare; 75,1 % mit schlechtem Schlaf; niedrigere Konzentration (beta -1,39; -2,11 bis -0,67), niedrigere progressive Beweglichkeit (-1,25; -1,61 bis -0,88) und geringere Gesamtbeweglichkeit, keine Hormonunterschiede. Für die klinische Schwangerschaft nennt der Abstract ein OR von 4,67 (3,08 bis 7,09) bei einer geringeren Wahrscheinlichkeit; die Referenzkategorie wird nicht erläutert, die Angabe ist mit Vorsicht zu lesen. Zhang W. et al. 2025 [s44]: 108 Männer mit obstruktiver Schlafapnoe und 84 Kontrollen; Konzentration 90,0 gegenüber 129,3 × 10⁶/ml, Gesamtbeweglichkeit 68,6 % gegenüber 71,0 %, progressive Beweglichkeit 63,8 % gegenüber 66,6 %, Testosteron 13,1 gegenüber 21,8 nmol/l (alle p < 0,01); der BMI ist ein starker Störfaktor. Mai H. et al. 2023 [s70]: 466 Männer; ausreichender Schlaf ging mit besserer progressiver Beweglichkeit (p = 0,024) und Gesamtbeweglichkeit (p = 0,013) einher. Liu Y. et al. 2026 [s09]: 3.302 Männer; Einschlafzeit und Schlafdauer vermittelten Teile der Zusammenhänge von Kaffeekonsum und Aktivität mit Beweglichkeit und Volumen; Zahlen fehlen. Rahimi et al. 2025 [s35]: 300 infertile Männer und 300 fertile Kontrollen aus dem Iran; ein Score gesunder Lebensweise war mit einer OR von 0,56 (0,35 bis 0,89) für Infertilität verbunden, adjustiert 0,55 (0,34 bis 0,90), niedriger psychischer Distress mit 0,49 (0,34 bis 0,71); einzelne Faktoren einschließlich Schlafqualität waren bis auf den Distress nicht signifikant.

**Jahreszeit und Tageslichtdauer.** Kabukçu et al. 2020, Andrologia [s118]: 6.116 Samenproben über acht Jahre; Unterschiede zwischen Monaten bei Konzentration, Gesamtzahl und progressiv beweglicher Gesamtzahl (p < 0,0001), Konzentration und Gesamtzahl im Juli und August niedriger als im Dezember, Mai und Juni; Temperatur und Temperatur-Feuchte-Index korrelierten negativ mit den Parametern; die Tageslichtdauer wird als Einflussfaktor nicht hervorgehoben. Afşin und Nursal 2022 (Van Tıp Dergisi; Diyarbakır'da Hava Sıcaklığının Sperm Parametrelerine Etkisi: Altı Yıllık Analiz, deutsch: Der Einfluss der Lufttemperatur auf die Spermienparameter in Diyarbakır) [s90]: 7.318 Männer; die Lufttemperatur war umgekehrt mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiv beweglicher Gesamtzahl verbunden; die progressiv bewegliche Gesamtzahl war bei weniger als 8 Stunden Sonnenscheindauer höher als bei mehr; Effektgrößen fehlen. Pakmanesh et al. 2024 [s53]: 2.948 Männer in Kerman über zehn Jahre; Volumen im Sommer höher (p = 0,04), Beweglichkeit im Frühling höher und im Winter niedriger (p = 0,03), Morphologie im Winter besser (p = 0,03); die Autoren verweisen auf die Photoperiode, werten sie aber nicht gesondert aus. Licht ist in diesen Studien nicht von Temperatur getrennt.

**Schlafentzug im Tierversuch.** Choi et al. 2016, Korea [s145]: Schlafentzug über 4 (SD4) oder 7 Tage (SD7), je 10 Ratten pro Gruppe; die Beweglichkeit war in SD7 signifikant geringer (p = 0,018), Corticosteron höher (SD4 p = 0,033; SD7 p = 0,002), Testosteron niedriger (SD4 p = 0,001; SD7 p < 0,001), teils mit Atrophie der Samenkanälchen; übrige Bewegungsparameter und Spermienzahlen unterschieden sich nicht signifikant. Zhang W. et al. 2023 [s80]: 22 Ratten; 96 Stunden Schlafentzug senkten die Beweglichkeit (24,33 ± 10,93 gegenüber 48,20 ± 8,55; p < 0,001), die normalen Formen (9,68 ± 2,77 gegenüber 26,21 ± 14,60; p < 0,01) und das Testosteron (1,53 ± 0,55 gegenüber 4,44 ± 0,56; p < 0,001); nach sieben Tagen Erholungsschlaf waren Beweglichkeit und Testosteron (3,70 ± 0,53; p < 0,05 gegenüber nach dem Schlafentzug) besser, aber niedriger als in der Kontrolle.

### Grünflächen

Alle gefundenen Studien zu Grün und Samenqualität stammen mit einer Ausnahme aus Ostasien, die meisten aus China und überwiegend aus Spermabanken oder Kinderwunschkliniken. Die Exposition wird fast immer über den Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) in Pufferzonen um die Wohnadresse erfasst, bezogen auf die 90 Tage vor der Samenabgabe. Das ist ein Maß für Vegetation von oben, nicht für Zugang, Nutzung oder Erholungswert. Mehrere Arbeiten werten überlappende Datenquellen aus (Samenbanken in Guangdong, Sichuan, Hubei; Kohorte PREBIC in Chongqing); sie sind keine unabhängigen Bestätigungen.

**Yang et al. 2021, Ecotoxicology and Environmental Safety (Guangdong) [s113].** 9.142 Spender mit 38.682 Samenuntersuchungen (2016 bis 2019), mittlerer täglicher NDVI im 400-m-Puffer über 0 bis 90 Tage, lineare gemischte Modelle. Je Interquartilsabstand mehr Grün: Volumen +0,034 ml (0,005 bis 0,063), Gesamtspermienzahl +4,06 × 10⁶ (0,76 bis 7,37), normale Formen +0,32 % (0,22 bis 0,41). Der Zusammenhang war bei 18- bis 25-Jährigen für Volumen und Gesamtzahl stärker, für normale Formen bei 26 Jahren und älter; für Konzentration, Gesamtzahl und normale Formen in der kühlen Jahreszeit stärker. Die Effekte sind klein; NDVI schließt Luftqualität, Lärm und Sozialstatus nicht aus.

**Dai et al. 2024, Science of the Total Environment (sechs Regionen) [s49].** 78.742 Proben von 33.184 Spendern (2014 bis 2020), NDVI über 0 bis 90 Tage sowie Teilfenster, Luftschadstoffe PM1, PM2,5 und Ozon mit einem Deep-Learning-Modell. Je Interquartilsabstand NDVI: Spermienzahl +0,0122 (0,0007 bis 0,0237), progressive Beweglichkeit +0,0162 (0,0045 bis 0,0280), Gesamtbeweglichkeit +0,0147 (0,0014 bis 0,0281); ähnlich nach Adjustierung für Schadstoffe. Die Schutzwirkung war bei hohem PM1 und PM2,5 und niedrigem Ozon stärker (alle p für Interaktion < 0,05). Die Einheit der Schätzer nennt der Abstract nicht.

**Liang et al. 2024 (Hubei) [s50].** 28.089 Männer einer Infertilitätsklinik (2014 bis 2020), NDVI in 250-, 500- und 1.000-m-Puffern. Ein Interquartilsabstand von 0,243 NDVI im 1.000-m-Puffer war mit +1,68 % Konzentration (0,31 bis 3,06), +0,43 % progressiver Beweglichkeit (0,08 bis 0,79) und +0,50 % Gesamtbeweglichkeit (0,14 bis 0,87) verbunden; konsistent über Puffergrößen, stärker bei 70 bis 90 Lag-Tagen, bei Männern ab 40 Jahren oder mit geringerer Bildung.

**Dai et al. 2024, Environment International (Zhejiang) [s48].** 10.273 Männer, deren Partnerinnen 2015 bis 2021 eine assistierte Reproduktion hatten (Alter 33,1 ± 5,2 Jahre), NDVI und bodenangepasster Vegetationsindex (SAVI) in vier Puffergrößen. Die progressive Beweglichkeit war mit NDVI (400 m) positiv assoziiert (beta 1,744; 0,834 bis 2,655), ebenso mit SAVI (1,484; 0,591 bis 2,377); NO2 und CO vermittelten einen Teil des Zusammenhangs. Nur ein Parameter zeigt einen Effekt. Zu dieser Arbeit liegt ein Corrigendum vor, dessen Inhalt hier nicht ausgewertet wurde.

**Zeng et al. 2025, Environmental Research (Sichuan) [s43].** 5.025 Messungen von 1.674 Spendern, NDVI in vier Puffern, lineare gemischte und kubische Splinemodelle für konventionelle und kinematische Parameter. NDVI (500 m), prozentuale Änderung: VCL 1,81 (0,72 bis 2,91), VAP 2,57 (1,46 bis 3,70), VSL 3,37 (2,11 bis 4,66), LIN 1,51 (0,82 bis 2,21), STR 0,83 (0,44 bis 1,23), WOB 0,69 (0,35 bis 1,04), BCF 1,82 (0,97 bis 2,68). Nichtlineare Zusammenhänge mit progressiver Beweglichkeit (p = 0,018) und LIN, STR, WOB, ALH. Kleine Puffer zeigten stärkere nichtlineare Muster für konventionelle, große für kinematische Parameter; das Fenster 70 bis 90 Tage war stabil positiv; PM2,5 und PM10 verstärkten den Effekt.

**Weitere Studien.** Zhu et al. 2026 [s23]: 26.997 Spender aus 33 Provinzen; je Interquartilsabstand Ozon (34,46 µg/m³) lag die OR für abnormales Volumen bei 1,592 (1,409 bis 1,799), für progressive Beweglichkeit 1,478 (1,344 bis 1,626), Konzentration 1,568 (1,402 bis 1,755) und Gesamtzahl 1,716 (1,547 bis 1,903); hohes Ozon bei niedrigem NDVI hatte das höchste Risiko; Grün ist hier Modifikator, nicht Haupteffekt. Dai et al. 2026 [s04]: 2.280 Samenproben aus zwei Spermabanken; Grün war positiv mit Spermienzahl, progressiver Beweglichkeit und der Zahl beweglicher Spermien assoziiert und milderte Luftschadstoffeffekte; keine Effektgrößen im Abstract. Feng et al. 2026, PREBIC Chongqing [s05]: 3.770 Männer mit 4.847 Untersuchungen; je Interquartilsabstand PM2,5 sank die progressive Beweglichkeit um 2,0 % (-3,7 bis -0,3), die Gesamtspermienzahl um 0,108 Millionen (-0,160 bis -0,056); Grün war mit höherer Gesamtzahl assoziiert und milderte Schäden. Yang L. et al. 2026, Changsha [s19]: 6.670 Männer; höhere Grünbelastung war mit besserer Samenqualität verbunden, die Schadstoffeffekte waren in grünärmeren Gebieten ausgeprägter; keine Effektschätzer im Abstract. Choe et al. 2021, PLoS One (Seoul) [s104]: 5.886 Männer eines Fertilitätszentrums; lineare Zusammenhänge zwischen Umgebungsmerkmalen und Samenqualität waren überwiegend nicht erkennbar; Ausnahme NDVI innerhalb 500 m und Vitalität (beta 0,05; 0,01 bis 0,09); zweites Quartil der Distanz zu Süßwasser: geringere progressive Beweglichkeit (beta -0,10; -0,17 bis -0,03); zweites Quartil der Distanz zu Hauptstraßen: höhere Vitalität (0,08; 0,01 bis 0,15); im Mehrfaktorenmodell blieb NDVI mit Vitalität positiv (0,03; 0,00 bis 0,06). Das ist ein weitgehend neutrales Ergebnis, die Autoren sprechen von potenziellen Hinweisen. Willis et al. 2023, Environmental Health Perspectives [s79]: 8.563 Frauen in der Kohorte PRESTO; höchstes gegenüber niedrigstem NDVI innerhalb von 50 m: Fekundabilitätsverhältnis 1,33 (1,06 bis 1,67) für das jährliche Maximum, 1,19 (1,00 bis 1,41) für das saisonale Maximum, 0,98 (0,73 bis 1,30) für das saisonale Mittel; Endpunkt ist die weibliche Fekundität. Hormone: Wei et al. 2021 [s112] (Henan Rural Cohort, 6.017 Personen): ein NDVI-Anstieg um 0,1 war bei Männern mit 0,310 ng/ml höherem Serumtestosteron verbunden; Wang et al. 2022 [s95] (6.211 Personen): langfristig höheres Ozon war mit niedrigerem Testosteron bei Männern und Frauen verbunden, die Abschwächung durch Grün wird im Abstract nur für Frauen berichtet.

**Zusammenschau.** Die chinesischen Studien stimmen in der Richtung überein, die betroffenen Parameter unterscheiden sich aber (Volumen, Gesamtzahl, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Morphologie, Kinematik). Die Effekte liegen je Interquartilsabstand im Bereich von Zehntelprozent bis wenigen Prozent. Eine Studie mit Samenparametern außerhalb Ostasiens fehlt. Gemeinsame Schwächen sind Spenderkollektive oder Klinikpatienten, die Wohnadresse statt tatsächlicher Aufenthaltsorte, Konfundierung durch Luftqualität, Lärm, Sozialstatus und Stadtlage, viele Endpunkte und Puffer sowie überlappende Datenquellen.

### Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe

**Verkehr und Straßennähe.** Nassan et al. 2018, International Journal of Hygiene and Environmental Health [s136]: 797 Männer eines Fertilitätszentrums in Massachusetts, 1.238 Samenproben; der mediane Abstand zu Hauptstraßen betrug 111 m. Es fand sich kein Zusammenhang mit Samenparametern, Spermien-DNA-Integrität, Chromosomen-Disomie oder Hormonen; prozentuale Änderung je 500 m Mehrabstand: Volumen -1,0 % (-6,3 bis 4,5), Konzentration 4,3 % (-5,8 bis 15,7), Gesamtzahl 3,1 % (-7,2 bis 14,5), Gesamtbeweglichkeit 1,1 % (-1,2 bis 3,4), normale Morphologie 0,1 % (-0,3 bis 0,5). Das ist ein sauberer Nullbefund; das Maß steht für verkehrsbedingte Luftschadstoffe, nicht für Lärm. Wesselink et al. 2020 [s126]: 7.342 US-amerikanische und 1.448 kanadische Frauen; Fekundabilitätsverhältnis bei Wohnort unter 50 m gegenüber mindestens 400 m von der nächsten Hauptstraße 0,88 (0,80 bis 0,98) in den USA und 0,93 (0,74 bis 1,16) in Kanada. Yu et al. 2022 [s96]: 1.310 Samenspender in Guangzhou, 4.912 Proben; Konzentration sank mit PM10 (beta -0,21; -0,35 bis -0,07), die Gesamtzahl mit PM2,5 (-0,19; -0,35 bis -0,02) und PM10 (-0,19; -0,33 bis -0,05), kein Zusammenhang mit PM1; Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht.

**Stadt und Land.** Zhou et al. 2014, Chongqing [s159]: 1.346 Freiwillige; das Stadtgebiet hatte höhere Belastung durch PM10, SO2 und NO2 und eine schlechtere Samenqualität (Morphologie, CASA-Parameter); die Konzentrationen waren negativ mit normaler Morphologie assoziiert (p < 0,001). Lärm, Licht und Grün wurden nicht getrennt erfasst. Wang N. et al. 2022 [s93]: Faktorenanalyse bei fertilen Männern; Männer aus ländlichen Gebieten hatten bessere Samenqualität, der Wohnort ist nur grob erfasst. Dai X.-C. et al. 2023, Wenzhou [s65]: 22.962 infertile Männer; Männer über 40 Jahre, Arbeiter und Männer mit Haushaltsregistrierung in Wenzhou hatten signifikant schlechtere Samenqualität; von 2014 bis 2019 stiegen progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Volumen, die normale Morphologie sank (p = 0,046). Rahban et al. 2025, Human Reproduction (Schweiz) [s34]: 2.677 Männer von 18 bis 22 Jahren bei der Musterung; die Samenparameter sind räumlich nicht zufällig verteilt; der niedrigste Cluster lag in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend mit weniger Bebauung (Futter- und Feldfrüchte 52,0 % der Landnutzung im Coldspot gegenüber 28,3 % im Hotspot; bebaute Flächen 32,6 % gegenüber 53,3 %). Das ist kein einfacher Stadt-schlecht-Land-gut-Befund; mögliche Ursachen wurden nicht untersucht. Gao et al. 2007 [s176]: 1.191 gesunde Männer aus sechs chinesischen Provinzen; Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit waren wichtige Determinanten; Wohnumweltfaktoren werden nicht genannt. Berdugo et al. 2009 [s173]: Männer aus Medellín hatten ein signifikant niedrigeres Volumen, Männer aus Petrópolis eine niedrigere Gesamtbeweglichkeit, die Konzentration unterschied sich nicht. Kolesnikova et al. 2016 [s150]: Männer aus Irkutsk hatten eine um 34,4 % beziehungsweise 23,6 % höhere Spermienzahl als Männer aus Nowosibirsk beziehungsweise Ulan-Ude. Menashe-Oren und Sánchez-Páez 2023 [s72]: 67 Erhebungen in 30 Ländern; die abgeschlossene Kinderzahl städtischer Männer sank schneller als die ländlicher, das ist demografische Fertilität, nicht Samenqualität. Behra et al. 2026 [s02]: systematische Übersicht mit vier Berichten zu zwei Studien und 295 Teilnehmern; keine der Studien klassifizierte den Wohnort, sodass ein direkter Stadt-Land-Vergleich nicht möglich war; die Evidenz wird als sehr niedrig eingestuft. Aliakbari et al. 2021 [s102]: 2.293 Männer in vier iranischen Provinzen; Infertilität war in städtischen Gebieten signifikant häufiger als in ländlichen (p < 0,003), ohne Konfidenzintervall und ohne Spermiogramm.

**Sozialer Kontext des Wohnorts.** Pridgen et al. 2026, AJOG Global Reports [s14]: 2.198 Männer in Georgia (USA); der Area Deprivation Index war invers mit der gesamten beweglichen Spermienzahl assoziiert (B = -0,403; p < 0,001), das sind etwa 4 Millionen bewegliche Spermien weniger je 10 Indexpunkte. Der Wohnort wirkt auch als sozialer Kontext; Lärm-, Licht- und Grünwirkungen können damit vermengt sein. Mai 2023, Scientific Reports [s71]: 465 Männer; Wohnen nahe Hochspannungsleitung und Umspannwerk, Renovierung und Computernutzung zeigten Unterschiede; adjustiert war die Hochspannungsleitung ein Risikofaktor für die Spermienkonzentration (OR 4,03; 1,15 bis 14,18); Lärm, Licht und Grün wurden nicht untersucht, sehr kleine Effektstärken, keine Korrektur für multiples Testen im Abstract.

**Russische Wohnortstudien.** Die russischen Studien messen Luftverschmutzung oder Industrienähe, nicht Lärm und Licht. Latyshevskaya et al. 2015 (Wolgograder wissenschaftlich-medizinisches Journal; Эколого-гигиенические риски нарушений репродуктивного здоровья мужчин, проживающих в крупном промышленном городе, deutsch: Ökologisch-hygienische Risiken von Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Männern in einer industriellen Großstadt) [s157]: mehr als 1.600 Männer; in den belasteten Bezirken entsprach das Ejakulat nur in 8,3 % der Fälle den Normwerten, in der Vergleichsgruppe in 26,5 %; pathologische Morphologie 71,1 % gegenüber 26,3 %; nur eine Zusammenfassung ohne Methodik oder Adjustierung. Kuzmicheva et al. 2024 (Загрязненность атмосферы как фактор ухудшения фертильности мужчин, проживающих в Ростовской области, deutsch: Luftverschmutzung als Faktor der Verschlechterung der Fertilität von Männern im Gebiet Rostow) [s60]: je 200 Spermiogramme aus 2011 und 2021; normales Ejakulat 66 % gegenüber 47 %, Konzentration unter Norm 12,5 % gegenüber 29 %, Morphologie unter Norm 21,5 % gegenüber 34,5 %; keine Verknüpfung mit Schadstoffmessungen, kein statistischer Test. Osadchuk et al. 2012 (Jakutsk) [s169]: 145 Freiwillige, mittlere Konzentration 34,69 Mio/ml, 4,3 % Azoospermie, 27,0 % Oligozoospermie; keine Prüfung von Licht oder Lärm. Osadchuk et al. 2016 (Kemerowo) [s153]: 111 Freiwillige; Spermatogenesestörungen bei 51,4 %. Kleshchev et al. 2021, PLoS One [s110]: Kemerowo (n = 258, stärkere Feinstaubbelastung) gegenüber Nowosibirsk (n = 278); in Kemerowo niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit, höhere DNA-Fragmentierung und schlechtere Morphologie; zwei Städte als Expositionsmarker. Kuznetsova et al. 2010 (Kusbass) [s172]: Sinken der Konzentration im Ejakulat um 22 % und der fertilen Spermien um 43 % zwischen 2002 und 2009; sexuell übertragbare Infektionen in der Vorgeschichte bei 62,5 %. Osadchuk und Osadchuk 2020 [s125]: Wohnregion und Ethnizität seien wichtige Determinanten. Weitere iranische und türkische Arbeiten zu Staub und Feinstaub: Najafpour et al. 2020 [s124] (850 infertile Männer; Staubbelastung negativ mit Morphologie und Konzentration korreliert), Fathi Najafi et al. 2015 [s155] (Metaanalyse mit 11 Studien; der Schluss, Luftverschmutzung senke die Beweglichkeit, ist durch den Vergleich gepoolter Mittelwerte mit Normwerten nicht belegt), Majdi et al. 2026 [s11] (38 Studien, n = 55.620; je 10 µg/m³ PM2,5 -5,5 Mio/ml Konzentration, -6,05 bis -5,11; je 10 ppb NO2 -4,3 Prozentpunkte Beweglichkeit, -4,52 bis -4,11; die Intervalle sind bei einer Heterogenität von I² = 72 % beziehungsweise 65 % auffallend schmal, die Zahlen wurden am Original-Abstract bestätigt), Shafie und Janani 2026 [s15] (200 Männer, 84,5 % in Städten; der Wohnort wurde nicht ausgewertet).

**Allgemeine Übersichten und Protokolle.** Köhn und Schuppe 2016 [s149] und Schuppe und Köhn 2022 (Der Urologe) [s92] betonen, dass Umwelt- und Berufsfaktoren die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können, die Datenlage zu einzelnen Faktoren begrenzt und die Übertragbarkeit von Tier- und In-vitro-Daten schwierig ist; Lärm und Licht werden im Abstract nicht genannt. Methorst et al. 2023 [s73] führen verringerte Schlafzeit, Bewegungsmangel, Ernährung, Tabak und weitere Faktoren als Lebensstiländerungen mit nachgewiesenem Einfluss an; Bendayan et al. 2018 [s132] nennen Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährung, elektromagnetische Wellen und Höhe; Lamothe et al. 2018 [s134] diskutieren epigenetische Veränderungen und Adipositas; Ould Hamouda et al. 2016 [s151] werteten 13 Fall-Kontroll-Studien aus, Lärm wird im Abstract nicht erwähnt; Bujan 1998 [s179] behandelt chemische, physikalische und Lebensstilfaktoren; García Pallás 2021 [s107] ist eine spanischsprachige Übersicht ohne verwertbare Zahlen. Wang Q.-H. et al. 2026 [s17]: Umbrella-Review mit 43 Studien, 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen; nach GRADE 136 (54,6 %) sehr niedrig, 59 (23,7 %) niedrig, 54 (21,7 %) moderat; Lärm, Licht und Grünflächen kommen im Abstract nicht vor. Skerrett-Byrne et al. 2025 [s37]: Übersicht zum Westpazifik; die Weltgesundheitsorganisation weise dort mit 23,2 % die höchste Infertilitätsprävalenz aus (global 17,5 %), zu Licht, Lärm oder Grün steht nichts im Abstract. Oguri et al. 2026 [s13]: Protokoll der N-SEED-Studie in Japan (124 rekrutierte Teilnehmer, Ergebnisse bis März 2028 erwartet); Licht, Lärm und Grün werden nicht als Expositionen benannt. Mitsui et al. 2020 [s121]: 51.316 neugeborene Jungen, Kryptorchismus bei 305 (0,59 %); die Berufskategorien der Eltern zeigten keinen signifikanten Einfluss, ein gesondertes Ergebnis zur Nachtschichtarbeit nennt der Abstract nicht.

### Leitlinien und Konsensdokumente

**AUA/ASRM-Leitlinie Diagnosis and Treatment of Infertility in Men (2020, geändert 2024) [s54].** Das Volltext-PDF wurde durchsucht. Das Kapitel zum Lebensstil stellt fest, dass Lebensstilfaktoren sehr schwer zu untersuchen seien (fehlende Kontrollen, Erinnerungsverzerrung) und nur wenige ein signifikantes Risiko darstellten. Genannt werden Ernährung (niedrige Evidenzqualität für einen geringen Zusammenhang), Rauchen (niedrige Qualität, kleine Wirkung auf Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie), Stress (niedrige Qualität, kleine Abnahme der progressiven Beweglichkeit), Mobiltelefone (niedrige Qualität, kein Effekt), anabole Steroide, Koffein, Alkohol und Bewegung. Wörtlich: "No systematic reviews met inclusion criteria for the following risk factors: recreational drug use, sleep, sports/exercise, heat exposure, type of underwear, or anatomic abnormalities of genitalia." Lärm, Licht in der Nacht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen im Text nicht als Faktoren vor; die Volltextsuche nach noise, night, circadian, laptop, screen, television und rural ergab keine Treffer. Das Wort shift erscheint nur in der Literaturangabe zur Übersicht von Deng et al. 2018 zur Schichtarbeit [s133]. Zur Außenluftverschmutzung enthält die Zusammenfassungstabelle den Eintrag Evidence inconclusive; im Text heißt es, für Benzophenone, Bisphenol A, chlorierte antimikrobielle Stoffe, Parabene und Luftverschmutzung sei die Evidenz nicht aussagekräftig. Die Leitlinie enthält keine Empfehlung zu Lärm, Licht, Grünflächen oder Wohnort.

**EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility [s183].** Die Webfassung wurde am 4. Oktober 2026 abgerufen. Der Text führt idiopathische männliche Infertilität auf mehrere bisher nicht identifizierte pathologische Faktoren zurück, darunter endokrine Störungen durch Umweltverschmutzung, oxidativen Stress und DNA-Schäden sowie genetische und epigenetische Abweichungen; oxidativer Stress sei häufig mit schlechtem Lebensstil und Umweltexposition verbunden. In der Anamnese sollen Lebensstil und die Exposition gegenüber Umwelttoxinen erfragt werden. Zu Lärm, Licht, Grünflächen, Wohnort oder Schichtarbeit enthält das Kapitel keine Aussage (Textsuche ohne Treffer für noise, night, shift, green, circadian, sleep). Im Kapitel zum Hypogonadismus der Gesamtleitlinie steht, dass die Testosteronmessung am Morgen (07:00 bis 10:00 Uhr, nüchtern) erfolgen soll; dieses Zeitlimit sei für Nachtschichtarbeiter eventuell nicht geeignet, da der Tagesrhythmus der Testosteronsekretion vor allem vom Schlafmuster bestimmt werde. Das ist eine Messanweisung, kein Fertilitätsbefund.

**CNGOF 2022 (Collège National des Gynécologues et Obstétriciens Français), Erstmaßnahmen bei infertilem Paar, publiziert 2024 [s55].** Leitlinie nach GRADE mit 28 PICO-Fragen, darunter ein Thema zur Prävention von Umweltexpositionen. Im Abstract genannt sind Spermiogramm, Spermazytogramm und Spermakultur als Ersttests beim Mann sowie mediterrane Ernährung, körperliche Aktivität, Verzicht auf Rauchen und Cannabis und Alkohol unter fünf Gläsern pro Woche. Zu Lärm, Licht, Grün oder Wohnort enthält der Abstract nichts.

**Nicht auffindbare Leitlinientexte.** ESHRE, die AWMF (Deutschland) und die Società Italiana di Andrologia waren zwar erreichbar, lieferten aber nur Verzeichnisse oder Suchmasken ohne durchsuchbaren Leitlinientext zu diesem Thema. Die Aussage, es gebe dort keine Empfehlung zu Lärm, Licht oder Grünflächen, ist damit nicht bewiesen, sondern beruht auf der fehlenden Auffindbarkeit. Auch eine PubMed-Suche nach Cochrane-Übersichten zu männlicher Infertilität und Lärm, Licht, Schichtarbeit, Grünflächen, Umwelt oder Lebensstil lieferte keine einschlägige Übersicht.

### Zusammenfassende Bewertung der Studienlage

Humanstudien sind selten, überwiegend retrospektiv und beobachtend. Für Lärm weisen zwei koreanische Studien um 55 dB Nachtlärm in dieselbe Richtung [s114, s143], die dänische Registerstudie bei Männern nicht einheitlich [s56]. Für nächtliches Außenlicht gibt es eine einzige Spermienstudie [s58]. Grünflächen zeigen in China übereinstimmend kleine positive Zusammenhänge, außerhalb Chinas ist die Datenlage weitgehend neutral [s104]. Für Schichtarbeit sind die Ergebnisse widersprüchlich [s18, s41, s74]. Keine der in Leitlinien oder Konsensdokumenten gefundenen Quellen gibt Empfehlungen zu diesen Expositionen [s54, s183, s55].

## Mechanismen und biologische Plausibilität

### Wie die Einstufung gemeint ist

Die Einstufung in bewiesen, plausibel und spekulativ bezieht sich auf einzelne Glieder möglicher Wirkketten, nicht auf die Gesamtfrage, ob Alltagsexpositionen die Spermienqualität beim Menschen verschlechtern. Als bewiesen gilt hier ein Teilschritt, der in kontrollierten Experimenten oder durch direkte Messung gezeigt wurde und in mehr als einer Arbeit wiederkehrt. Als plausibel gilt ein Teilschritt, für den es Hinweise aus Tier- oder Zellversuchen und einzelne Beobachtungen am Menschen gibt, aber keine replizierte Bestätigung. Als spekulativ gilt eine Verbindung, die in Übersichten oder Hypothesenpapieren behauptet wird, ohne dass Daten sie stützen. Wichtig: Kein Glied der Kette ist am Menschen unter Alltagsbedingungen (Streulicht im Schlafzimmer, Straßenlärm im Wohnumfeld, Grün im Umkreis der Wohnung) experimentell geprüft.

### Die zeitliche Grundlage: Spermatogenese und Expositionsfenster

Die Studien am Menschen beziehen die Exposition fast durchweg auf die 90 Tage vor der Samenabgabe, weil die Spermienbildung diesen Zeitraum umfasst [s58, s113, s49, s50, s43]. In mehreren Arbeiten ist das Fenster 70 bis 90 Tage vor der Probe besonders ausgeprägt [s50, s43, s23]; bei Dai et al. zeigten sich Effekte auf die Beweglichkeit im frühen und auf die Spermienzahl im späten Fenster der Spermatogenese [s49]. Beim Mausmodell der Lichtverschiebung (Spermatogenesezyklus der Maus etwa 35 Tage) traten die Befunde ab etwa der sechsten Woche auf [s144, s135]. Der Zeitverlauf ist damit biologisch stimmig, sagt aber nichts über die Art des Auslösers.

### Bewiesen (als Teilschritte, überwiegend im Tier)

**Die Zirbeldrüse und das Melatoninsystem sind an der Rhythmik der Spermatogenese beteiligt.** Bei 204 Ratten ließ sich für jede Stufe der Spermatogenese ein Tagesrhythmus nachweisen; die Epiphysektomie hob die Rhythmen auf und führte zu Verschiebungen gegenüber dem Licht-Dunkel-Zyklus, die Denervierung des Hodens ließ sie bei verminderter Amplitude bestehen [s170]. Nach Pinealektomie waren Beweglichkeit und Spermiendichte von Ratten am niedrigsten (p < 0,001) [s40], und Dauerlicht wie Pinealektomie schädigten das Keimepithel [s12]. Das stützt die biologische Möglichkeit, dass Veränderungen des Licht-Dunkel-Musters die Spermatogenese erreichen können. Es beweist nicht, dass Streulicht in Wohnräumen diese Pfade im Menschen belastet.

**Zirkadiane Uhrengene wirken im Hoden und in der Hormonsynthese.** Übersichten halten fest, dass Störungen der Uhrengenexpression die Spermatogenese deutlich schädigen [s68] und die Testosteronsynthese zirkadian geregelt wird [s27, s33]. Im Mausmodell erhöhte der Cry1-Knockout die mtDNA-Kopienzahl im Samen 2,18-fach, die Re-Expression im Hoden senkte sie wieder [s07]. Die Mechanismen im Einzelnen bleiben weitgehend unklar [s68].

**Chronische Lärm- und Schlafentzugsbelastung ändert bei Nagern die Stressachse und das Testosteron.** In der Metaanalyse der Nagerstudien lag das gepoolte Hedges' g des Serumtestosterons bei -2,41 (-3,28 bis -1,54), bei erheblicher Heterogenität (I² = 82 %) und Publikationsbias; nach Korrektur -1,53 (-3,01 bis -0,05) [s154]. Bei 115 dB stiegen ACTH und Cortisol, Testosteron sank [s147]; unter Dauerlicht stieg das Corticosteron um 24,28 % bei einem Testosteronabfall von 51,4 % [s82]; nach Schlafentzug über vier und sieben Tage war das Corticosteron höher und das Testosteron niedriger [s145]. Dieser Teilschritt ist im Tierversuch gut belegt, aber an hohe Reizstärken gebunden (etwa 100 dB) und von der Publikationslage verzerrt.

**Oxidativer Stress und Apoptose sind in Hodengewebe unter Lärm, Lichtstörung und kombinierten Belastungen nachweisbar.** Beispiele sind der dynamische Lichtzyklus mit NOX4/5, HO-1, SOD, Bax/Bcl-2, Caspase-3 und TUNEL [s10], Lärm mit Kohlenmonoxid mit dem P53-Signalweg [s69], Lärm und Skrotalhyperthermie mit TNF-alpha und IL-6 [s47], Lärm bei 100 dB mit Malondialdehyd [s130], verschiedene Lichtfarben mit Malondialdehyd von 2,77 bis 8,59 nmol/ml [s25], Apoptose und Nekrose nach 50 Tagen Lärm [s165]. Beim Menschen bestätigt der erhöhte oxidative Stress bei Nachtschichtarbeitern (d-ROMs 340 gegen 280 U.CARR) den Befund in einer kleinen Stichprobe von 96 Männern [s26]. Die Richtung ist im Tier konsistent; der Beitrag zur Spermienqualität des Menschen unter Alltagsbedingungen ist nicht gemessen.

### Plausibel

**Nächtliches Licht senkt Melatonin, und Melatonin hängt mit der Spermienbeweglichkeit zusammen.** In der ägyptischen Studie lag das Serum-Melatonin bei iOAT-Patienten mit nächtlichem Licht bei 4,54 ng/l, ohne Licht bei 24,77 ng/l; das Serum-Melatonin korrelierte mit der Beweglichkeit (r = 0,614) [s117]. Blaues LED-Licht senkte im Rattenversuch das Serum-Melatonin und die Beweglichkeit (p < 0,0001) [s63], Fehlregime senkten Melatonin auch bei Mäusen und jungen Ratten [s85, s39]. Melatonin wurde auch im Seminalplasma gemessen [s117]; eine Übersicht beschreibt den Zusammenhang von Licht, oxidativem Stress und reaktiven Sauerstoffspezies [s01]. Gegen eine einfache Lesart sprechen die kleinen Gruppen, die fehlende Lichtmessung und die Kopplung der Exposition an Nachtarbeit [s117], ferner die Beobachtung, dass der Testosteronrhythmus bei Nachtschichten dem Schlaf-Wach-Rhythmus folgt, nicht den Nachtschichten selbst [s148].

**Zirkadiane Desynchronisation vermindert die Spermienzahl, und dies ist teilweise reversibel.** Die Kombination aus Wechselschicht (OR 1,26), Studierenden mit sozialem Jetlag (OR 1,16 je Stunde), steigender Spermienzahl nach Verringerung der Desynchronisation und Erholung im Mausmodell macht eine Wirkung wahrscheinlicher [s120]; eine große prospektive Kohorte findet bei Wechselschicht niedrigere Konzentration und Vitalität [s18]. Dagegen zeigt die Metaanalyse keinen statistisch belegten Unterschied [s41], und die EARTH-Studie fand das Gegenteil [s74]. Außerdem ist Desynchronisation durch Schichtarbeit nicht gleichzusetzen mit Streulicht.

**Entkopplung der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse.** Bei Ratten unter schwachem Nachtlicht verfrühte sich die Pubertät, obwohl Testosteron und Leydig-Zell-Gene herunterreguliert waren, während Kiss1, GnRH, Gpr54, Leptin und LH stiegen [s21]. Beim Kind verschob höhere Schlafzimmerbeleuchtung den Pubertätsbeginn nach vorn (Zeitverhältnis 0,96; Hodenentwicklung HR 1,09 je 30 Minuten Licht ab 3 lx) [s20], und blaues Licht verfrühte die Pubertät im Rattenversuch (Mediantag 28 bis 30 gegenüber 38) [s78]. Das ist ein Hinweis auf eine lichtempfindliche Achse, betrifft aber die Pubertät und nicht die Spermienqualität des Erwachsenen.

**Störung der DNA-Reparatur und der Leydig-Zell-Reifung.** Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus führte bei Mäusen zu Spermien-DNA-Schäden mit Beteiligung des CREB1-BRCA1-Wegs der homologen Rekombination, wobei das Zellmodell die Regulation von BRCA1 durch CREB1 bestätigte und 40 humane Proben einen niedrigeren CREB1-Spiegel bei hohem DNA-Schaden zeigten [s22]. Beim Dauerlicht der Ratte waren Leydig-Zell-Fläche und Klotho vermindert [s82], unter dem unregelmäßigen Lichtregime junger Ratten waren die Reifungsgene der Leydig-Zellen abgeschwächt [s39]. Die Stichprobe am Menschen ist klein und korrelativ.

**Blut-Hoden-Schranke und mitochondriale Dynamik unter Mehrfachstress.** Bei Mäusen unter Lärm, Temperaturreizen und Gedränge waren die Blut-Hoden-Schranke und die mitochondriale Dynamik (MFN2, DRP1) gestört; im Zellmodell senkte Corticosteron Tight-Junction-Proteine und steigerte ROS [s28]. Lärm ist darin nicht isoliert, und der Weg über Corticosteron ist ein Zellmodell.

**Spermien-miRNA und epigenetische Weitergabe.** Dauerlicht beim Vater veränderte bei Mäusen die Spermien-miRNA-Profile und löste bei männlichen Nachkommen Gedächtnisstörungen aus; in menschlichen Spermien wurde miR-92a-3p hochreguliert gefunden [s24]. Das betrifft die Weitergabe, nicht die Spermienqualität im engeren Sinn; Herkunft und Zahl der menschlichen Proben nennt der Abstract nicht.

**Grün als Modifikator von Luftschadstoffwirkungen.** Mehrere Studien finden, dass Grün Schäden durch Feinstaub, Sulfat oder Ozon mildert [s49, s05, s23, s04, s19], und in einer Studie vermittelten NO2 und CO einen Teil des Grün-Effekts auf die progressive Beweglichkeit [s48]. Der Hormonbefund (NDVI +0,1 mit +0,310 ng/ml Testosteron) kommt aus einer ländlichen Kohorte [s112]. Bei der weiblichen Fekundität erklärten Stress, Depression und Aktivität höchstens 5 % der Wirkung des Grüns [s79]. Ein eigener biologischer Weg vom Grün zur Spermienqualität ist nicht gezeigt; die Beobachtungen sind mit Luftqualität, Lärm, Sozialstatus und Stadtlage konfundiert.

### Spekulativ

**Bildschirmlicht am Abend als Ursache schlechterer Spermienqualität.** Die einzige Korrelationsstudie (116 Männer) kann Licht nicht von Schlafmangel, Stress, Haltung, Wärme und Elektromagnetik trennen [s116]. Die Behauptung, das blaue Licht von Laptops und Smartphones hemme die Melatoninbildung lange, wird in einer russischen Übersicht ohne Zahlen aufgestellt [s152]; ein japanischer Beitrag äußert Vermutungen zu Smartphones, keine Messwerte [s89]. Hypothesenpapiere vertreten, Bildschirmnutzung verstärke die Wirkung zirkadianer Störungen [s06, s51]. Die Mendelsche Randomisierung zur Nutzungsdauer von Mobiltelefonen fand keinen kausalen Einfluss [s42], doch misst sie Nutzungsdauer, nicht Licht.

**Streulicht und Straßenbeleuchtung im Schlafzimmer von Erwachsenen.** Die einzige Studie nutzt Satellitenwerte am Wohnort [s58]. Eine Messung der Beleuchtungsstärke im Schlafzimmer liegt nur bei Kindern vor [s20]; bei erwachsenen Männern mit Samenparametern fehlt sie.

**Lärm im Wohnumfeld im Bereich um 55 dB als Ursache.** Die Tierbefunde stammen von 90 bis 120 dB [s154, s168, s147]; bei 60 und 80 dB stiegen nur Katalase und Glutathionperoxidase [s130]. Die Humandaten arbeiten mit Bezirks- oder interpolierten Adresswerten [s143, s114] und zeigen bei Männern gegenläufige Muster [s56, s114]. Eine russische Übersicht beschreibt, chronischer Lärm führe zu einem Ungleichgewicht von Cortisol und Testosteron und verändere zirkadiane Rhythmen, gestützt auf eine einzelne Quelle [s46]. Eine Störung des Schlafs durch Lärm wurde in keiner der Spermienstudien gemessen.

**Fluglärm.** Es gibt keine Studie, und damit auch keine Daten zu einem spezifischen Mechanismus.

**Grünflächen als direkt wirksamer Faktor.** Die Effekte sind klein, sehr unterschiedlich nach Puffergröße [s43, s50, s48] und verschwinden in der nichtchinesischen Studie weitgehend [s104]. Ein spezifischer biologischer Weg (Erholung, Bewegung, geringere Luftbelastung) wurde nicht nachgewiesen.

### Widersprüche in den Tierdaten

Die Tierversuche zeigen, dass das Ergebnis von Modell, Dauer und Alter abhängt. Dauerlicht über 70 Tage steigerte bei Ratten Gewichte, Hormone und Spermatogenese [s163]; ein 20-stündiger Lichttag steigerte Spermienzahl und Beweglichkeit [s123]; in der arabischsprachigen Mausstudie lag die Spermienzahl im Dauerlicht höher als in der Kontrolle (1,54 gegenüber 1,29 × 10⁷/ml) [s174]. Dagegen sanken in russischen Rattenstudien mit Dauerlicht Testosteron und Keimepithel [s99, s82, s141], und bei Mäusen schädigten sowohl kurzer als auch langer Lichttag [s85]. Bei verlängertem Licht verbesserte sich die antioxidative Kapazität im Hoden [s123]; bei Lärm mit Dauerlicht stiegen dagegen die Aktivitäten von Katalase und Glutathionperoxidase, ohne dass Spermienparameter erhoben wurden [s66]. Die Autoren der Studie mit verlängertem Licht deuten ihre Befunde als Anpassung an chronische zirkadiane Störung [s123]. Ulusu beschreibt für nichtchemische Stressoren allgemein biphasische Wirkungen, abhängig von Intensität, Dauer und Zeitpunkt [s16]. Für den Menschen heißt das: Aus einem einzelnen Tierversuch lässt sich weder die Richtung noch die Größe eines Effekts ableiten.

### Übersichtstabelle der Evidenz je Exposition

| Exposition | Humandaten zu Spermienparametern | Tierdaten | Mechanistische Stützung | Gesamteinstufung |
|---|---|---|---|---|
| Nachtlärm, Verkehrslärm | zwei koreanische Studien [s114, s143], dänische Registerstudie mit uneinheitlicher Richtung bei Männern [s56] | viele Studien bei 90 bis 120 dB, Metaanalyse mit Publikationsbias [s154], ein Negativbefund bei Meerschweinchen [s182] | Stressachse, oxidativer Stress im Tier [s147, s130] | dünn, Mechanismus nur bei hohen Pegeln gezeigt |
| Fluglärm | keine Studie | keine Studie | keine | Evidenzlücke |
| Nächtliches Außenlicht | eine Studie, nur Beweglichkeitsparameter [s58]; Paarfekundität [s31] | uneinheitlich: Schädigung [s99, s10] und Steigerung [s163, s123, s174] | Melatonin, Zirbeldrüse, Uhrengene | dünn und widersprüchlich |
| Bildschirmlicht | nur Korrelationen [s116] und Proxy-Studien (Fernsehen, Sitzen, Geräte) [s156, s38] | Blaulicht-Studien [s63, s25, s78] | Melatoninunterdrückung vermutet | spekulativ |
| Schichtarbeit, zirkadiane Störung (Stellvertreter) | gemischt [s120, s18, s41, s74] | konsistent schädigend bei Lichtumkehr [s10, s22, s127, s144] | Uhrengene, DNA-Reparatur | plausibel, aber kein Lichtmaß |
| Grünflächen | viele chinesische Studien mit kleinen positiven Effekten [s113, s49, s50, s43]; Seoul fast neutral [s104] | keine | Milderung von Luftschadstoffen | plausibel als Zusammenhang, Kausalität offen |
| Wohnort (Stadt und Land, Verkehrsnähe) | Unterschiede, mit Luftverschmutzung vermengt [s159, s136, s96, s14] | nicht anwendbar | Luftschadstoffe, Sozialstatus | nicht auf Licht oder Lärm zerlegbar |


## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

### Allgemeine Vorbemerkung

Eine belastbare Dosis-Wirkungs-Kurve für die Spermienqualität liegt für keine der betrachteten Expositionen vor. Die Studien verwenden unterschiedliche Maße (Quartile, Interquartilsabstände, Schwellenwerte, Pufferradien), unterschiedliche Endpunkte (Diagnose, Samenparameter, Hormone, Fekundität) und unterschiedliche Populationen. Die Tabellen stellen deshalb nebeneinander, was die jeweilige Studie als Expositionsmaß und als Effekt berichtet. Ein Vergleich der Zahlen zwischen Zeilen ist nicht zulässig, wenn Einheit oder Endpunkt verschieden sind. Alle Angaben stammen aus den Abstracts; Konfidenzintervalle stehen in Klammern, wo sie berichtet wurden.

### Lärm: Dosis und Verlauf beim Menschen

| Studie | Expositionsmaß | Berichteter Effekt | Verlauf |
|---|---|---|---|
| Min und Min 2017 [s143] | Nachtlärm unter und ab 55 dB; Quartile von Tages- und Nachtlärm; je 1 dB | Infertilitätsdiagnose, OR 1,14 (1,05 bis 1,23) bei Nachtlärm von mindestens 55 dB | kein Zusammenhang je 1 dB, nichtlinear über Quartile |
| Choe et al. 2020 [s114] | Nachtlärm in Quartilen, mittlere Belastung 58,3 ± 2,2 Leq | Oligozoospermie, 4. gegenüber 1. Quartil OR 3,5 (1,18 bis 10,17); schwere Teratozoospermie, 3. Quartil OR 0,57 (0,33 bis 0,98) | im additiven Modell Anstieg des Oligozoospermie-Risikos ab etwa 55 Leq dB; nicht monoton bei Teratozoospermie |
| Sørensen et al. 2024 [s56] | Straßenverkehrslärm, 5-Jahres-Mittel, je 10,2 dB (Interquartilsabstand) | Männer 37 bis 45 Jahre HR 1,06 (1,02 bis 1,11); Männer 30 bis 36,9 Jahre HR 0,93 (0,91 bis 0,96); Frauen 35 bis 45 Jahre HR 1,14 (1,10 bis 1,18) | richtungsabhängig vom Alter |
| Dzhambov 2016 [s146] | Arbeitslärm nach Berufskategorie in Quartilen | Gesamttestosteron im 3. Quartil -58,32 ng/dl (-111,22 bis -5,42); Hypogonadismus je Interquartilsabstand OR 1,24 (0,64 bis 2,39) | Effekt nur im 3. Quartil, nichtlinear |
| Christensen et al. 2017 [s142] | Straßenverkehrslärm, je 10 dB | Zeit bis zur Schwangerschaft 6 bis 12 Monate: 8 % höheres Risiko (1,03 bis 1,12); 12 Monate und mehr: OR 1,04 (0,99 bis 1,09) | schwellenabhängig, nur eine Kategorie signifikant |
| Nassan et al. 2018 [s136] | Abstand zur Hauptstraße, je 500 m | Konzentration 4,3 % (-5,8 bis 15,7); Gesamtbeweglichkeit 1,1 % (-1,2 bis 3,4) | kein Zusammenhang |

Die beiden koreanischen Studien nennen als Schwelle 55 dB beziehungsweise 55 Leq dB beim Nachtlärm. Beide arbeiten mit Bezirks- oder interpolierten Adresswerten; die Schwelle ist ein statistischer Befund aus Quartilsmodellen und generalisierten additiven Modellen, kein biologisch bestimmter Grenzwert [s143, s114]. Die dänischen Registerdaten zeigen, dass die Richtung bei Männern vom Alter abhängt [s56].

### Lärm: Dosis und Dauer im Tierversuch

| Studie | Pegel und Dauer | Befund |
|---|---|---|
| Farzadinia et al. 2016 [s147] | 95, 105 und 115 dB, 60 Tage (40 Ratten) | Testosteron, Keimepithel und Tubulusdurchmesser nur bei 115 dB vermindert; ACTH und Cortisol erhöht |
| Tanyeri und Yüce 2019 [s130] | 60, 80 und 100 dB bei 8.000 Hz, 12 Stunden nachts, 60 Nächte (28 Ratten) | bei 100 dB Anstieg von Malondialdehyd, Katalase, Glutathionperoxidase und abnormen Spermien; bei 60 und 80 dB nur Anstieg von Katalase und Glutathionperoxidase |
| Swami et al. 2007 [s177] | 100 dB, 1 und 3 Stunden (akut), 1 Stunde täglich über 60 und 90 Tage | Testosteron deutlich reduziert; strukturelle Veränderungen blieben bestehen, die Anpassung betraf nur die Hormonebene |
| Masruri et al. 2022 [s88] | 105 dBA, 8 Stunden täglich, 30 Tage (je 5 Tiere) | Hodengewicht vermindert (p < 0,0001), stärker mit Blei |
| Jalali et al. 2012 [s168] | 90 bis 120 dB, 12 Stunden täglich, 50 Tage | Gewichte von Hoden und Nebenhoden vermindert (p < 0,05) |
| Günther 1976 [s182] | 110 dB, 3 bis 5 Stunden täglich, 22 bis 31 Tage (Meerschweinchen) | keine Spermatogenesestörung (8,2 % unvollständige Tubuli gegenüber 9,9 % spermienfreier Tubuli in der Kontrolle) |
| Dzhambov und Dimitrova 2015 [s154] | rund 100 dB, sieben Nagerstudien | gepooltes g -2,41; die Expositionsdauer erklärte einen signifikanten Anteil der Varianz (p = 0,047); nach Korrektur um fehlende Studien g -1,53 |

Der Pegel, ab dem im Tier ein Effekt sichtbar wird, liegt bei 100 bis 115 dB und damit weit über typischen Wohnumgebungspegeln. Die Dauer spielt eine Rolle; ein Versuch mit 22 bis 31 Tagen Dauer, kürzer als eine Spermatogenese des Meerschweinchens von etwa 40 Tagen, blieb ohne Befund [s182].

### Nachtlicht und Lichtprotokolle: Dosis, Dauer und Zeitpunkt

| Studie | Maß der Exposition | Berichteter Effekt | Population |
|---|---|---|---|
| Tian et al. 2024 [s58] | je 100 nW/cm²/sr mehr chronisches ALAN (0 bis 90 Tage) | Gesamtbeweglichkeit -4,740; nichtprogressive Beweglichkeit -3,873; VCL -5,523; LIN -0,043; ähnlich bei akuter Exposition (0 bis 9 Tage) | 1.991 Spenderkandidaten |
| Li et al. 2025 [s31] | je Interquartilsabstand jährliches Nachtlicht | Zeitverhältnis bis zur Schwangerschaft 1,0340 (1,0326 bis 1,0354) | 14.239.365 Paare |
| Zhou et al. 2026 [s20] | höchste gegenüber niedrigster Lichtgruppe im Schlafzimmer; je 30 Minuten Licht von mindestens 3 lx | Pubertät 3,84 Monate früher (Jungen), HR Hodenentwicklung 1,09 (1,02 bis 1,16) | 886 Kinder |
| Bhambhvani et al. 2026 [s03] | je 10 Minuten helles Licht über 2.000 Lux | Testosteron +15,16 ng/dl; nachmittags +16,72 ng/dl | 2.209 Männer |
| Gaskins et al. 2015 [s156] | Fernsehzeit über 20 Stunden pro Woche gegenüber 0 Stunden | Konzentration 44 % niedriger (15 bis 63 %) | 189 Männer |
| Hassan et al. 2020 [s117] | Nachtschicht mit Licht gegenüber ohne (iOAT) | Serum-Melatonin 4,54 gegenüber 24,77 ng/l; Konzentration 3,30 gegenüber 11,97 Mio/ml | 34 gegenüber 16 Männer |

Die Studien zur Dosis bei Tieren:

| Studie | Protokoll | Befund |
|---|---|---|
| Zlobina et al. 2018 [s141] | Kunstlicht nachts (350 bis 500 lx) für 1, 10 oder 21 Tage | Mediane Spermatiden 76 (Kontrolle), 74, 72, 59,5; Keimepitheldicke 0,057, 0,052, 0,05, 0,049; deutlichster Rückgang nach 21 Tagen |
| Kondakova et al. 2023 [s82] | Dauerlicht 300 lx, 30 Tage | Testosteron -51,4 %, Corticosteron +24,28 % |
| Uğurlu et al. 2023 [s78] | Blaulicht 6 oder 12 Stunden täglich | Pubertätsmediantag 30 und 28 gegenüber 38; Spermatogenese zunehmend unterdrückt mit längerer Exposition |
| Moustafa 2020 [s123] | 20:4 und 4:20 über 12 Wochen | erhöhte Spermienzahl nur bei verlängertem Licht |
| Biswas et al. 2013 [s163] | Dauerlicht 70 Tage | höhere Hormone, Gewichte und Spermatogenese |
| Miura et al. 2017 [s144] | Verschiebung alle zwei Tage um 12 Stunden, 1, 3, 9 oder 12 Wochen | Spermienzahl ab etwa 6 Wochen niedriger und bis Woche 12 geblieben |
| Acisu et al. 2025 [s25] | farbiges Licht, 63 Tage | Spermienbeweglichkeit bei Blau 29,16 %, Violett 56,25 %, Grün 62,50 %, Weiß 69,58 % |
| Abdollahi et al. 2021 [s101] | 1.000 lx, 8 Stunden täglich, 2 Wochen | normale Morphologie 45,50 % gegenüber 72,56 % in der Kontrolle |

Die Dauer ist der am besten erkennbare Dosisparameter: Bei Nachtlicht von 350 bis 500 lx zeigte sich der Rückgang vor allem nach 21 Tagen, bei der Mauslichtverschiebung ab etwa sechs Wochen, was zur Dauer der Spermatogenese passt [s141, s144]. Eine Abstufung nach Beleuchtungsstärke im Bereich realer Wohnumgebungen (wenige Lux) liegt im Tierversuch nicht vor; die Studien am Menschen verwenden Satellitenmaße in nW/cm²/sr, die sich nicht in Lux umrechnen lassen [s58, s31]. Das Spektrum spielt in der einzigen Studie mit sieben Farben eine Rolle: Blau und Violett hatten die niedrigsten Beweglichkeitswerte und hohe Malondialdehydwerte, Weiß hatte den höchsten Malondialdehydwert (8,59 nmol/ml), Orange den niedrigsten (2,77) [s25].

### Grünflächen: Puffer, Zeitfenster, Nichtlinearität

| Studie | Puffer und Fenster | Effekt je Interquartilsabstand (95-%-Konfidenzintervall) | Population |
|---|---|---|---|
| Yang et al. 2021 [s113] | 400 m, 0 bis 90 Tage | Volumen +0,034 ml (0,005 bis 0,063); Gesamtzahl +4,06 × 10⁶ (0,76 bis 7,37); normale Formen +0,32 % (0,22 bis 0,41) | 9.142 Spender, 38.682 Proben |
| Liang et al. 2024 [s50] | 250, 500, 1.000 m; Interquartilsabstand 0,243 NDVI bei 1.000 m | Konzentration +1,68 % (0,31 bis 3,06); progressive Beweglichkeit +0,43 % (0,08 bis 0,79); Gesamtbeweglichkeit +0,50 % (0,14 bis 0,87) | 28.089 Klinikmänner |
| Dai et al. 2024 [s49] | 0 bis 90 Tage und Teilfenster | Spermienzahl +0,0122 (0,0007 bis 0,0237); progressive Beweglichkeit +0,0162 (0,0045 bis 0,0280) | 33.184 Spender |
| Dai et al. 2024 [s48] | 300, 400, 800, 1.000 m | progressive Beweglichkeit beta 1,744 (0,834 bis 2,655) bei NDVI 400 m | 10.273 Männer in ART-Paaren |
| Zeng et al. 2025 [s43] | 250, 500, 1.000, 2.000 m; Fenster 70 bis 90 Tage | VSL +3,37 % (2,11 bis 4,66), VAP +2,57 % (1,46 bis 3,70) bei NDVI 500 m | 1.674 Spender |
| Choe et al. 2021 [s104] | NDVI innerhalb 500 m | Vitalität beta 0,05 (0,01 bis 0,09); im Mehrfaktorenmodell 0,03 (0,00 bis 0,06) | 5.886 Männer, Seoul |
| Li et al. 2025 [s31] | NDVI 1.000 m, jährlich | Zeitverhältnis bis zur Schwangerschaft 0,9881 (0,9862 bis 0,9901) | 14.239.365 Paare |
| Willis et al. 2023 [s79] | NDVI in 50 m; höchstes gegenüber niedrigstem | Fekundabilitätsverhältnis 1,33 (1,06 bis 1,67), jährliches Maximum | 8.563 Frauen |

Zur Form der Beziehung ist festzuhalten: Zeng et al. fanden nichtlineare Zusammenhänge mit der progressiven Beweglichkeit (p nichtlinear = 0,018) sowie mit LIN, STR, WOB und ALH, wobei kleine Puffer stärkere nichtlineare Muster für konventionelle, große für kinematische Parameter zeigten [s43]. Bei Choe et al. war nur das zweite NDVI-Quartil mit einer höheren Zahl beweglicher Spermien verbunden (beta 0,09; 0,01 bis 0,17), nicht die höheren Quartile [s104]; auch Willis et al. berichten Nichtlinearität [s79]. Liang et al. fanden konsistente Effekte über die Puffergrößen [s50]. Wegen unterschiedlicher Einheiten (Prozent, Absolutwerte, standardisierte beta) lassen sich die Studien nicht zu einer gemeinsamen Dosis-Wirkungs-Kurve zusammenführen.

Zeitfenster: Das Fenster 70 bis 90 Tage vor der Probe zeigte die stärksten Zusammenhänge bei Liang et al., Zeng et al. und Zhu et al. [s50, s43, s23]; Dai et al. fanden Effekte auf die Beweglichkeit im frühen und auf die Spermienzahl im späten Fenster [s49]. Bei Tian et al. wirkte die chronische Exposition (0 bis 90 Tage) wie die akute (0 bis 9 Tage) [s58].

### Subgruppen

| Subgruppe | Befund | Studie |
|---|---|---|
| Alter, jung | Effekt von ALAN besonders ausgeprägt unter 25 Jahren | [s58] |
| Alter, jung gegenüber älter | Grün: Volumen und Gesamtzahl bei 18 bis 25 Jahren stärker, normale Formen ab 26 Jahren | [s113] |
| Alter, älter und Bildung | Grün: Zusammenhänge bei Männern ab 40 Jahren oder mit niedrigerer Bildung ausgeprägter | [s50] |
| Alter, älter, Gewicht, Bildung, Stadt | Nachtlicht und Grün bei Paaren: Zusammenhänge stärker bei älteren, übergewichtigen, weniger gebildeten Personen, in städtischen Regionen | [s31] |
| Alter bei Männern | Straßenverkehrslärm: HR 1,06 bei 37 bis 45 Jahren, HR 0,93 bei 30 bis 36,9 Jahren | [s56] |
| Alter und Geschlecht | Straßenverkehrslärm bei Frauen nur ab 35 Jahren (HR 1,14), PM2,5 nur bei Männern | [s56] |
| Alter bei Arbeitslärm | Testosteron bei selbstberichtetem Lärm vor allem ab 37 Jahren (-87,55 ng/dl); in Subgruppen auch jüngere, niedrigeres Einkommen, normalgewichtig, besseres Gehör, ohne Gehörschutz | [s146] |
| Jahreszeit | Grün: Konzentration, Gesamtzahl und normale Formen in der kühlen Jahreszeit stärker | [s113] |
| Luftbelastung | Grün: stärkere Wirkung bei hohem PM1 und PM2,5 und niedrigem Ozon; Ozon-Effekt am höchsten bei niedrigem NDVI | [s49, s23] |
| Mehrere Einflussgrößen | PM2,5-Effekte nach Alter, BMI, Bildung, Lebensstil und Jahreszeit unterschiedlich | [s05] |
| Basisexposition | Helles Tageslicht: Zusammenhang mit Testosteron bei geringer Basisexposition stärker | [s03] |
| Geschlecht der Nachkommen | Dauerlicht der Väter: Gedächtnisstörung bei männlichen, nicht weiblichen Nachkommen (Maus) | [s24] |
| Lebensphase | Pubertierende Ratten besonders empfindlich für Lichtstörungen (Autoren) | [s39] |
| Dominanzstatus (Fisch) | bei nächtlichem Licht schlechtere Spermienqualität und Befruchtung nur bei untergeordneten Männchen | [s64] |
| Arbeitstyp | Wechselschicht: niedrigere Konzentration und Vitalität; feste Tag- gegen feste Schichtarbeit ohne Unterschied | [s18] |
| Schlafstörung bei Schichtarbeit | Schichtarbeit mit hohem PSQI: Oligozoospermie OR 2,11 (1,03 bis 4,34) | [s105] |

Die Subgruppenanalysen sind meist explorativ, und der Abstract nennt in der Regel keine Korrektur für multiples Testen. Dass junge Männer in mehreren Auswertungen stärker betroffen erscheinen [s58, s113, s146] und ältere in anderen [s50, s31, s56], zeigt, dass sich aus den Befunden keine einheitliche Risikogruppe ableiten lässt.

### Reversibilität und Erholung

| Studie | Modell | Befund zur Rückbildung |
|---|---|---|
| Liu et al. 2020 [s120] | Mensch (796 Studierende) und Maus | bei Männern, die die Desynchronisation von 2013 auf 2014 verringerten, stieg die Spermienzahl; bei Mäusen erholte sich die Spermienzahl nach Wegfall der Desynchronisation |
| Zhang W. et al. 2023 [s80] | Ratte, Schlafentzug 96 Stunden | nach 7 Tagen Erholungsschlaf Beweglichkeit und Testosteron (3,70 ± 0,53 gegenüber 1,53 ± 0,55 nach Schlafentzug) besser, aber niedriger als in der Kontrolle (4,44 ± 0,56) |
| Jensen et al. 2016 [s148] | 73 Polizisten, Nachtschichten | nach Erholungstagen keine Rhythmusunterschiede mehr; Testosteronrhythmus folgte dem Schlaf-Wach-Rhythmus |
| Swami et al. 2007 [s177] | Ratte, chronischer Lärm von 100 dB | Anpassung nur auf Hormonebene, strukturelle Veränderungen von Hoden und Morphologie blieben |
| Kondakova et al. 2022, 2023 [s99, s82, s81] | Ratte, 30 Tage Dauerlicht, danach 14 Tage Melatonin | Testosteron stieg auf das 1,97-Fache, Keimepithel teilweise wiederhergestellt; Klotho 28,4 % unter der negativen Kontrolle (nicht signifikant); Sertoli-Zellfläche und Kernfläche blieben 9,4 % beziehungsweise 10,9 % unter der negativen Kontrolle |
| Xu et al. 2020 [s127] | Maus, verkürzter Zyklus, Genipin | Schäden gemildert, Testosteron normalisiert; experimenteller Befund |
| Maulood et al. 2026 [s12] | Ratte, Dauerlicht und Pinealektomie, danach Melatonin oder Ramelteon | Gewebearchitektur im Modell gebessert |
| Hassan et al. 2022 [s85] | Maus, kurzer und langer Tag, Seidensericin | Werte an die Kontrolle angeglichen; experimenteller Befund |
| Günther 1976 [s182] | Meerschweinchen | negatives Ergebnis, mit Erholungszeit nach der Beschallung als möglicher Einflussgröße diskutiert |
| Boeri et al. 2025 [s26] | 40 Männer, nicht randomisiert | oxidativer Stress sank in beiden Gruppen; nur Beobachtung, keine Aussage zur Behandlung |

Die Daten zur Rückbildung stammen überwiegend aus Tierversuchen mit hochdosierten Reizen; die Substanzen in den Tabellenzeilen sind experimentelle Befunde und keine Empfehlungen. Beim Menschen gibt es zur Reversibilität nur die Beobachtung in der Studierendenkohorte [s120], einen Rhythmusbefund nach Erholungstagen [s148] und die nicht randomisierte Unterstichprobe [s26]. Keine Humanstudie hat geprüft, ob eine Verminderung von Nachtlicht, Lärm oder die Erhöhung der Grünfläche die Spermienqualität verbessert.

### Offene Fragen und Grenzen

- Es fehlen Interventionsstudien am Menschen für alle genannten Expositionen; die einzige randomisierte Studie betrifft Speichelhormone [s129].
- Die Expositionsmaße sind grob: Satellitendaten für Licht [s58, s31], Bezirks- oder Kriging-Werte für Lärm [s143, s114], NDVI in Puffern für Grün [s113, s50, s43]. Innenraumlicht, Schlafzimmerlärm und tatsächliche Aufenthaltsorte sind nicht erfasst.
- Die Studien an Spendern und Kinderwunschpatienten sind nicht repräsentativ; mehrere chinesische Arbeiten nutzen überlappende Datenquellen [s113, s49, s50, s43, s05].
- Wohnort bündelt Licht, Lärm, Luft, Grün und Sozialstatus; Studien, die Lärm, Licht und Grün gemeinsam modellieren, wurden nicht gefunden. Die Seoul-Studie berücksichtigt mehrere Umweltmerkmale gleichzeitig, kommt aber überwiegend zu Nullbefunden [s104].
- Bei Millionenstichproben werden kleinste Unterschiede signifikant [s31]; die Effektgrößen der Grünstudien liegen im Bereich von Zehntelprozent bis wenigen Prozent [s50, s113].
- In der Literatur zu Fluglärm gibt es keine Studie, in den Leitlinien keine Empfehlung zu den untersuchten Expositionen [s54, s183, s55].
- Nach den bisherigen Daten lässt sich weder ein sicheres Risiko noch ein sicherer Schutz für den einzelnen Mann ableiten. Das Kapitel enthält keine Empfehlung zu Verhalten oder Behandlung.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Gliederung folgt der Sprache und Herkunftsregion der Fachliteratur, so wie sie in den Recherchen sichtbar wurde. Das ist nicht deckungsgleich mit der Publikationssprache: Ein großer Teil der Arbeiten aus China, Korea, Iran, Ägypten oder der Türkei erschien auf Englisch in internationalen Zeitschriften. Wo diese Arbeiten eine erkennbare regionale Forschungslinie bilden, stehen sie im Abschnitt der Herkunftsregion; die englischsprachigen Einzelstudien und die Übersichten zu Land und Region stehen im ersten Abschnitt. Das Bild, das sich ergibt, ist ungleich: Zu Grünflächen gibt es viele, aber fast nur chinesische Studien; zu nächtlichem Außenlicht beim Menschen gibt es eine einzige Spermienstudie; zu Lärm gibt es sehr wenige Humanstudien und keine einzige zu Fluglärm; zu Bildschirmlicht fehlen direkte Studien. Alle Zahlen stammen aus Abstracts, bei einigen Arbeiten aus abgerufenen Volltexten; Volltexte der meisten Einzelstudien wurden nicht ausgewertet. Aus keiner der Arbeiten folgt eine Ursache-Wirkung-Aussage für den Menschen, und die Studien enthalten keine Empfehlung, die hier weitergegeben würde.

### Englisch

Die englischsprachige Literatur trägt fast die gesamte Evidenz mit Zahlen. Sie wurde über die Europe-PMC-Schnittstelle und die NCBI-E-utilities erschlossen, weil die PubMed-Webseite gesperrt war; Europe PMC lieferte bei komplexen Feldabfragen zeitweise Fehlermeldungen des Suchdienstes (HTTP 503), die E-utilities arbeiteten mit Ratenbegrenzung von drei Anfragen pro Sekunde. Für alle 94 Quellen der Teilrecherche zu den europäischen Sprachen wurde mindestens der Abstract gelesen, für die Leitlinien von AUA/ASRM und EAU der Text selbst. Die wichtigsten Zeitschriften sind PLoS One, Environmental Pollution, Environment International, Environmental Research, Human Reproduction, Andrology, Chronobiology International und BMJ.

**Register und Kohorten ohne Samenanalyse.** Die größte einzelne Datenbasis ist das dänische Registersystem. Sørensen und Kollegen werteten 2024 im BMJ 526.056 Männer und 377.850 Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren mit weniger als zwei Kindern aus, die zwischen 2000 und 2017 in Dänemark lebten; erfasst wurde die erstmalige Infertilitätsdiagnose im Patientenregister (16.172 Männer, 22.672 Frauen, mittlere Nachbeobachtung etwa 4 Jahre). Beim Feinstaub PM2,5 lag die Hazard Ratio bei Männern je Interquartilsabstand (2,9 µg/m³) bei 1,24 (95-%-Konfidenzintervall 1,18 bis 1,30) in der Altersgruppe 30 bis 36,9 Jahre und 1,24 (1,15 bis 1,33) bei 37 bis 45 Jahren. Für Straßenverkehrslärm je 10,2 dB ergab sich bei Männern von 37 bis 45 Jahren 1,06 (1,02 bis 1,11), bei Männern von 30 bis 36,9 Jahren dagegen 0,93 (0,91 bis 0,96), also eine Richtung unterhalb von 1; bei Frauen von 35 bis 45 Jahren lag sie bei 1,14 (1,10 bis 1,18). Die Autoren selbst nennen den Lärmeffekt bei Männern nur "potentiell". Das Ergebnis ist die Registerdiagnose, keine Samenanalyse [s56]. Aus der Dänischen Nationalen Geburtskohorte stammt eine Auswertung mit 65.201 Müttern: Je 10 dB mehr Straßenverkehrslärm am Wohnort stieg das Risiko einer Zeit bis zur Schwangerschaft von 6 bis 12 Monaten um 8 % (1,03 bis 1,12); für 12 Monate und länger war der Zusammenhang nicht signifikant (OR 1,04; 0,99 bis 1,09). Das betrifft das Paar-Ergebnis und die Lärmexposition der Mutter, nicht Spermien [s142].

**US-Datensätze mit Hormonen und Lebensstil.** Aus der nationalen US-Erhebung NHANES stammen zwei Querschnittsstudien. Dzhambov (2016) wertete erwerbstätige Männer aus 1999 bis 2004 aus (voll adjustiertes Modell n = 414): Im dritten Quartil der berufsbezogenen Lärmbelastung lag das Gesamttestosteron um 58,32 ng/dl niedriger (95-%-KI -111,22 bis -5,42), das Hypogonadismus-Risiko je Interquartilsabstand war nicht signifikant (OR 1,24; 0,64 bis 2,39); es gab keinen klaren Verlauf über alle Quartile hinweg, kein Samenparameter wurde erhoben [s146]. Bhambhvani und Kollegen (2026) untersuchten mit NHANES 2011 bis 2014 an 2.209 Männern helles Licht über 2.000 Lux (gemessen am Handgelenk) und fanden je 10 Minuten mehr einen um 15,16 ng/dl höheren morgendlichen Testosteronspiegel (p = 0,008), am stärksten am Nachmittag. Das ist Tageslicht, nicht Nachtlicht; es zeigt, dass "Licht" nicht pauschal als Schaden gelesen werden darf, und eine umgekehrte Ursache (wer fitter ist, geht mehr hinaus) ist nicht auszuschließen [s03]. In der Rochester Young Men's Study (189 Männer, 18 bis 22 Jahre) war Fernsehzeit invers mit der Spermienkonzentration verbunden: Im höchsten Quartil (mehr als 20 Stunden pro Woche) lag die Konzentration um 44 % niedriger als im niedrigsten (95-%-KI 15 bis 63 %), bei einem p-Trend von 0,05; Fernsehzeit steht dabei für Bewegungsmangel und Sitzen, nicht für Licht [s156]. Eine systematische Übersicht zu Sitzzeiten (16 Studien, 13.509 Männer) fand nur einen schwachen, inkonsistenten Zusammenhang mit der Konzentration [s38].

**Fertilitätszentren und Kinderwunschkohorten.** Die EARTH-Studie aus Boston (377 Männer eines Fertilitätszentrums, 9 % mit Abend- oder Wechselschicht) fand bei Schichtarbeitern eher höhere Werte als bei Tagarbeitern, etwa 24 % höheres Testosteron (p = 0,04); das ist ein Gegenbefund zu den chinesischen Schichtarbeitsstudien, mit Selektion und kleiner Schichtgruppe [s74]. Am Massachusetts General Hospital zeigte sich bei 797 Männern kein Zusammenhang zwischen dem Wohnabstand zu Hauptstraßen (Median 111 m) und Samenparametern; je 500 m mehr Abstand lag die Konzentrationsänderung bei 4,3 % (-5,8 bis 15,7). Die Autoren deuten diesen Nullbefund als Maß für Abgase, nicht für Lärm [s136]. In Georgia (USA) war ein höherer Area Deprivation Index mit weniger beweglichen Spermien verbunden (2.198 Männer; etwa 4 Millionen weniger je 10 Indexpunkte; Schwarze Männer im am stärksten deprivierten Quartil überrepräsentiert); das zeigt, wie stark der Wohnort auch sozialen Kontext trägt [s14]. In Jamaika hatten Männer mit 2 bis 5 Stunden Laptopnutzung eine etwa 16-fach höhere Chance auf niedriges Samenvolumen (OR 15,9; 2,5 bis 103,3); das Intervall ist extrem weit, und gemeint sind Wärme und Funk, nicht Licht [s57]. Die PRESTO-Kohorte (Nordamerika, 8.563 Frauen) zeigt für das Wohngrün eine bis zu 1,33-fach höhere Fekundabilität (1,06 bis 1,67), und der Wohnabstand unter 50 m zu einer Hauptstraße ging bei Frauen mit niedrigerer Fekundabilität einher (USA 0,88; 0,80 bis 0,98) [s79, s126]; beide Arbeiten betreffen die Frau, nicht den Samen.

**Experimentelle Arbeiten.** Zum Lärm gibt es englischsprachige Tierversuche mit Pegeln von 90 bis 120 dB, die kaum einer Wohnumgebung entsprechen. Eine Metaanalyse von sieben Nagerstudien fand ein gepooltes Hedges' g von -2,41 für das Serumtestosteron (-3,28 bis -1,54), mit starker Heterogenität (I² = 82 %) und nachgewiesenem Publikationsbias; nach Korrektur um zwei angenommene fehlende Studien sank der Wert auf -1,53 (-3,01 bis -0,05) [s154]. Zu Licht ist das Bild uneinheitlich: Dauerlicht über 70 Tage erhöhte bei Ratten Hodengewicht und Hormone, die Autoren sprechen von stimulierter Spermatogenese [s163]; verlängerte Licht- oder Dunkelphasen über zwölf Wochen steigerten Spermienzahl und Beweglichkeit nur unter verlängertem Licht, während der Anteil abnormer Spermien in beiden Fällen sank [s123]. Ein dynamisch wechselnder Licht-Dunkel-Zyklus dagegen senkte Hodenindex, Testosteron und Beweglichkeit deutlich, stärker als feste Umkehr [s10]; ein Störprotokoll bei jungen Ratten verminderte Reifungsgene und elongierte Spermatiden [s39]; blaues LED-Licht verminderte bei Ratten Melatonin und die Beweglichkeit (p < 0,0001) [s63]. Beim Fisch Medaka führte Nachtlicht zu schlechterer Spermienqualität und geringerem Befruchtungserfolg untergeordneter Männchen [s64]. Eine Studie mit 40 Mäusen verglich Licht, Lärm, Vibration und Mikrowelle über zwei Wochen und fand bei Lärm die größte Zunahme unbeweglicher Spermien und bei Licht die größte Abnahme normaler Formen; die Uhrzeit der Lichtgabe nennt der Abstract nicht [s101].

**Übersichten und Leitlinien.** Die AUA/ASRM-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der männlichen Infertilität (2020, geändert 2024) wurde im Volltext durchsucht. Das Kapitel zum Lebensstil hält fest, dass Lebensstilfaktoren sehr schwer zu untersuchen seien und nur wenige ein signifikantes Risiko darstellten; genannt werden Ernährung, Rauchen, Stress, Mobiltelefone (niedrige Qualität, kein Effekt), Alkohol und anderes. Für Schlaf, Sport, Hitze, Unterwäsche und Freizeitdrogen heißt es sinngemäß, keine systematische Übersicht habe die Einschlusskriterien erfüllt. Lärm, Licht in der Nacht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen als Faktoren nicht vor; "shift" taucht nur in der Literaturliste auf (Übersicht zur Schichtarbeit). Zur Außenluft steht in der Tabelle "Evidence inconclusive". Eine Empfehlung zu den hier behandelten Themen enthält die Leitlinie nicht [s54]. Das EAU-Kapitel zur männlichen Infertilität nennt Umweltverschmutzung, oxidativen Stress und DNA-Schäden als mögliche Faktoren der idiopathischen Infertilität und verlangt in der Anamnese die Frage nach Umwelttoxinen; zu Lärm, Licht, Grünflächen, Wohnort oder Schichtarbeit steht dort nichts. Im Hypogonadismus-Kapitel der Gesamtleitlinie steht nur eine Messanweisung: Die morgendliche Testosteronmessung sei für Nachtschichtarbeiter eventuell ungeeignet, weil der Tagesgang vom Schlafmuster getrieben werde [s183]. Das britische Umweltministerium ließ 2020 eine GRADE-Übersicht zu Umgebungslärm und Gesundheit anfertigen; sie stufte die meiste Evidenz als niedrig ein und nennt Samenqualität nicht [s115]. Die Übersicht von Ristovska und Kollegen (14 Studien zu Berufslärm, neun zu Umweltlärm) betrifft überwiegend Schwangerschaftsausgänge [s158]. Eine Umbrella-Review mit 43 Studien und 67 Risikofaktoren stufte 54,6 % der 249 Effektgrößen nach GRADE als "sehr niedrig" ein; Lärm, Licht und Grünflächen kommen in ihrem Abstract nicht vor [s17].

**Lücken und Erreichbarkeit.** Fluglärm wurde in keiner einzigen gefundenen Studie zur Spermienqualität untersucht; Treffer zu "airport" betrafen Tiersamen oder Wale. Eine Studie außerhalb Ostasiens mit Samenparametern und Grünflächen fehlt unter den gefundenen Quellen. Cochrane lieferte beim Direktabruf nur ein dynamisches Gerüst; eine PubMed-Suche nach Cochrane-Übersichten ergab nichts zum Thema. Die englische Literatur ist damit gut erreichbar, aber inhaltlich dünn, wo es um Lärm im Wohnumfeld und Nachtlicht geht.

### Deutsch

Im deutschsprachigen Raum gibt es zum Kernthema keine moderne Originalstudie, die Lärm, Nachtlicht, Bildschirmlicht oder Grünflächen mit Spermienparametern verknüpft. Gefunden wurde eine einzige deutschsprachige Originalarbeit zum Thema Lärm, und sie ist ein Tierversuch mit negativem Ergebnis: Günther (1976) untersuchte in der Zeitschrift Andrologia (Titel sinngemäß: tierexperimentelle Untersuchungen zur Wirkung von Lärmstress auf die männliche Fertilität) 21 männliche Meerschweinchen, die 3 bis 5 Stunden täglich über 22 bis 31 Tage einem Pegel von 110 dB ausgesetzt waren. Die Histologie zeigte keine Störung der Spermatogenese: In der Lärmgruppe fanden sich 8,2 % Tubuli contorti ohne vollständige Spermatogenese, in der Kontrollgruppe sogar 9,9 % spermienfreie Tubuli. Der Autor führt das Negativergebnis selbst auf Mängel der Versuchsanordnung zurück, vor allem auf die Dauer von höchstens 31 Tagen bei einer Spermatogenesedauer von etwa 40 Tagen beim Meerschweinchen und auf eine kurze Beschallung gegenüber einer vier- bis fünfmal längeren Erholungszeit. Im Abstract werden zudem ältere Befunde zu Arbeitern mit Industrielärm und geringerer Nachkommenzahl zitiert [[s182]]. Ein weiterer Beitrag zu männlichen Fertilitätsstörungen durch Berufsstress (Medizinische Monatsschrift, 1973) hat keinen Abstract und wurde nicht aufgenommen.

Die deutschsprachigen Übersichten behandeln Umwelt- und Berufsfaktoren allgemein. Köhn und Schuppe (2016) sowie Schuppe und Köhn (2022), beide im Urologen, betonen, dass chemische und physikalische Umwelt- und Berufsfaktoren die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können, dass die Datenlage zu einzelnen exogenen Faktoren begrenzt und die Übertragbarkeit von Tier- und In-vitro-Daten schwierig ist und dass Expositionsrisiken in der andrologischen Anamnese erfasst werden sollten. Lärm und Licht nennen die Abstracts nicht [[s92, s149]].

Als regionale Kohorte im deutschsprachigen Raum ist die Schweiz zu nennen, auch wenn die Arbeit auf Englisch erschien. Rahban und Kollegen (2025, Human Reproduction) werteten 2.677 Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren bei der Militärmusterung (2005 bis 2018) räumlich aus. Die Samenparameter waren nicht zufällig verteilt, es gab Hotspots und Coldspots und einen dauerhaft niedrigen Cluster in der Westzentralschweiz. Im Umkreis von 500 m um den Wohnort machten Futter- und Feldfrüchte im Coldspot 52,0 % der Landnutzung aus, im Hotspot 28,3 % und im nicht signifikanten Cluster 30,1 %; der mittlere Anteil bebauter Flächen lag im Coldspot niedriger (32,6 %) als im Hotspot (53,3 %). Der niedrigste Cluster lag also in einer landwirtschaftlich geprägten, weniger bebauten Gegend; das ist kein einfacher Stadt-schlecht-Land-gut-Befund. Mögliche Ursachen, etwa Pflanzenschutzmittel, wurden im Abstract nicht untersucht, und die Autoren nennen die begrenzte Fallzahl für Einzelanalysen als Schwäche [[s34]]. Licht, Lärm und Grün wurden in dieser Studie nicht einzeln modelliert.

Leitlinien: Eine durchsuchbare Leitlinie der AWMF zu Lärm, Licht oder Grünflächen wurde nicht gefunden. Die Seite des Leitlinienregisters war erreichbar, ihre Suchmaske arbeitet jedoch per Skript und lieferte ohne Browser keine Trefferliste; die Aussage "es gibt keine" ist damit nicht bewiesen, sie beruht auf fehlender Auffindbarkeit [[s54]]. Die Leitlinien von EAU und AUA/ASRM enthalten ebenfalls keine Empfehlung zu diesen Themen (siehe den englischen Abschnitt); die ESHRE-Seite lieferte nur ein Verzeichnis ohne Leitlinientext. Fluglärm und Samenqualität: keine Studie, auch keine deutschsprachige. Die Datenbanken (Europe PMC, NCBI) waren erreichbar; deutschsprachige Zeitschriftenliteratur, die nicht in PubMed indexiert ist, wurde damit nur über Stichworte erfasst und kann fehlen.

### Französisch

Auch der französische Sprachraum liefert zu Lärm, Nachtlicht und Grünflächen keine Originalstudie, wohl aber mehrere Übersichten und eine nationale Leitlinie. Methorst und Kollegen (2023, Progrès en Urologie) nennen einen quantitativen und qualitativen Rückgang der Spermienparameter seit den 1970er Jahren und führen verringerte Schlafzeit, Bewegungsmangel, Ernährung, Tabak, Drogen und Anabolika als Lebensstiländerungen mit "nachgewiesenem Einfluss" auf das Spermiogramm an [[s73]]. Bendayan und Kollegen (2018, aus der Reproduktionsmedizin des Krankenhauses Poissy) behandeln Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährung, elektromagnetische Wellen und Höhenlage [[s132]]; Lamothe und Kollegen (2018, auch über das Archiv HAL abrufbar) diskutieren epigenetische Veränderungen und Adipositas [[s134]]. Ould Hamouda und Kollegen (2016) werteten 13 Fall-Kontroll-Studien mit 61 bis 2.619 Teilnehmern aus: Signifikante berufsbezogene Zusammenhänge zeigten Arbeiter, Maler, Landwirte, Schweißer, Klempner und Techniker, bei den Expositionen Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung; Lärm erwähnt der Abstract nicht [[s151]]. Bujan (1998) behandelt chemische, physikalische und Lebensstilfaktoren sowie regionale Unterschiede [[s179]].

Eine Abschlussarbeit aus dem HAL-Archiv (Osipov 2023, systematische Übersicht, 24 von 502 Treffern) berichtet laut Abstract, Schicht- oder Wechselarbeit sei mit veränderter Sekretion von Steroidhormonen, Cortisol und Testosteron verbunden und Arbeitsstress und Burn-out schienen mit veränderten Spermienparametern einherzugehen; die methodische Qualität der erfassten Studien sei oft begrenzt. Das ist ein Abstract einer Graduierungsarbeit, kein begutachteter Beitrag [[s76]].

Die Leitlinie des französischen Kollegiums der Gynäkologen und Geburtshelfer (CNGOF 2022, publiziert 2024) behandelt die Erstmaßnahmen beim infertilen Paar nach GRADE mit 28 PICO-Fragen, darunter ein Thema "Prävention von Umweltexpositionen". Im Abstract genannt sind Spermiogramm, Spermazytogramm und Spermakultur als Ersttests beim Mann sowie Lebensstilthemen wie Ernährung, Bewegung, Rauchen, Cannabis und Alkohol; zu Lärm, Licht, Grün oder Wohnort enthält der Abstract nichts. Konkrete Empfehlungen dieser Leitlinie werden hier nicht wiedergegeben [[s55]]. Erreichbarkeit: Das Archiv HAL ist über eine Programmierschnittstelle zugänglich (Titel, Abstracts und Metadaten), die Plattform Cairn lieferte eine Zugriffssperre (HTTP 403). Französischsprachige Zeitschriftenliteratur, die nur dort liegt, ist deshalb nur über die PubMed-Indexierung erfasst.

### Italienisch

Zu Lärm, Licht, Grünflächen und Wohnort fand sich keine italienischsprachige Originalarbeit. Die PubMed-Suche mit Sprachfilter Italienisch lieferte nur allgemeine andrologische Beiträge ohne Bezug zu diesen Expositionen, und die Seite der Società Italiana di Andrologia war zwar erreichbar, enthielt aber keinen auffindbaren Leitlinientext oder Literaturlisten zum Thema. Es gibt keine italienische Leitlinie, die hier ausgewertet werden konnte; ob es keine gibt, ist damit nicht bewiesen.

Italienische Einrichtungen sind dennoch an englischsprachigen Arbeiten beteiligt, die das Umfeld des Themas betreffen. Aus Mailand stammt die systematische Übersicht "The sitting men" (Sterpi et al. 2025, Andrology) mit 16 Beobachtungsstudien und 13.509 Männern (9.877 gesunde, 3.632 aus Kliniken): Beim Volumen fand sich in den sechs Studien an Gesunden kein Zusammenhang, zwölf Studien fanden keine Konzentrationsunterschiede, und die Autoren fassen einen schwachen und inkonsistenten Zusammenhang zwischen Sitzen in der Freizeit und Konzentration zusammen [[s38]]. Ebenfalls aus Mailand (Urologie, Policlinico) kommt eine Querschnittsanalyse an 96 Männern: Nachtschichtarbeiter hatten einen höheren oxidativen Stress (Median d-ROMs 340 gegenüber 280 U.CARR; p = 0,01), und Nachtarbeit blieb ein unabhängiger Prädiktor (OR 2,1; p = 0,001); der Abstract nennt für den Ausgangsvergleich keine Samenparameter, und die kleine Kohorte stammt aus einem einzelnen Zentrum [[s26]]. Eine Mini-Übersicht aus Caserta und Neapel zur zirkadianen Desynchronisation (Fusco et al. 2021) bewertet die Evidenz wegen Heterogenität als niedrig [[s106]]; aus Ancona stammt eine Studie, die bei männlichen Schichtarbeitern niedrigere Pregnenolon- und Gesamttestosteronwerte fand, ohne dass der Abstract Zahlen oder Gruppengrößen nennt [[s62]]. Eigene italienische Kohorten oder Register zum Thema wurden nicht gefunden.

### Portugiesisch

Der portugiesische Sprachraum ist in der Recherche praktisch unsichtbar. Eine PubMed-Suche mit Sprachfilter Portugiesisch und Kombinationen aus Sperma, Umwelt, Lärm, Licht oder Berufsbegriffen lieferte keinen einschlägigen Treffer. Die beiden Datenbanken, in denen portugiesischsprachige Zeitschriften vor allem liegen, waren nicht erreichbar: SciELO und das LILACS-Portal lieferten eine Zugriffssperre (HTTP 403, Sicherheitsabfrage). Das ist eine Recherchegrenze und kein Beleg dafür, dass es keine brasilianische oder portugiesische Literatur gibt; dort indexierte Arbeiten können fehlen. Eigene Kohorten, Register oder Leitlinien aus Brasilien oder Portugal zu Lärm, Nachtlicht, Grün oder Wohnort wurden nicht gefunden. Der einzige Bezug zum portugiesischsprachigen Raum ist ein Vergleich fertiler Männer aus Medellín (Kolumbien) und Petrópolis (Brasilien), der auf Spanisch erschien und im spanischen Abschnitt beschrieben ist [[s173]].

### Spanisch

Im spanischsprachigen Raum wurden zwei einschlägige Arbeiten gefunden, keine davon zu Lärm, Licht oder Grün. Berdugo und Kollegen (2009, Archivos Españoles de Urología) verglichen Samenparameter fertiler Männer aus Medellín (Kolumbien) und Petrópolis (Brasilien): Männer aus Medellín hatten ein signifikant niedrigeres Volumen (p < 0,0001), Männer aus Petrópolis einen signifikant niedrigeren Prozentsatz an Gesamtbeweglichkeit (p < 0,0001); die Konzentration unterschied sich nicht (p > 0,05). Die Autoren vermuten geografische Variation, die Ursachen bleiben offen, und Wohnumweltfaktoren wurden nicht gemessen [[s173]]. Dazu kommt ein Übersichtsartikel "Factores ambientales y hábitos de vida que afectan a la fertilidad masculina" (Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten, die die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen; Revista Sanitaria de Investigación, 2021), der über Dialnet gefunden wurde; sein Abstract besagt nur, dass eine Übersicht zum Zusammenhang männlicher Infertilität mit Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten erstellt wurde [[s107]]. Eine Dialnet-Suche zu Lärm, Nachtlicht und Grünflächen lieferte keine einschlägigen Arbeiten. Dialnet war als HTML-Seite erreichbar, einzelne Artikelseiten enthalten keinen Abstract. Spanische oder lateinamerikanische Kohorten, Register oder Leitlinien zu den Themen wurden nicht gefunden; es gibt kaum eigene Literatur, und das ist ein Befund über die Literaturlage, kein Beleg für fehlende Wirkung.


### Chinesisch

China liefert die mit Abstand größte Zahl an Quellen: 44 der 58 Quellen der ostasiatischen Teilrecherche stammen aus Festlandchina. Fast alles erschien auf Englisch in internationalen Zeitschriften; chinesischsprachig gefunden wurden nur eine Übersicht von Wang und Tao 2022 (Datenbankeintrag mit englischer Kurzfassung) und ein Beitrag von He und Kollegen in der Acta Physiologica Sinica (2025, mit englischem Abstract) [[s27, s94]]. Typisch sind große Datensätze aus Samenbanken einzelner Provinzen (Guangdong, Sichuan, Hubei, Zhejiang) und aus Kinderwunschkliniken, verknüpft mit Satellitendaten für Vegetation (NDVI) und Nachtlicht sowie mit Luftschadstoffmodellen. Die Arbeitsgruppen sind überschaubar, und mehrere werten überlappende Datenquellen aus; es sind deshalb keine unabhängigen Bestätigungen, sondern Ergebnisse derselben Probenbestände. Spender sind junge, ausgewählte Männer, Kliniken betreuen Paare mit Behandlungswunsch; beide Gruppen sind nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.

**Grünflächen** sind das am besten belegte Thema. Yang und Kollegen (2021) werteten 38.682 Samenuntersuchungen von 9.142 Spendern der Samenbank Guangdong aus (2016 bis 2019): Je Interquartilsabstand mehr NDVI im 400-m-Puffer stieg das Volumen um 0,034 ml (95-%-Konfidenzintervall 0,005 bis 0,063), die Gesamtspermienzahl um 4,06 × 10⁶ (0,76 bis 7,37) und der Anteil normaler Formen um 0,32 % (0,22 bis 0,41) [[s113]]. Dai und Kollegen (2024) kamen in sechs Regionen mit 78.742 Proben von 33.184 Spendern (2014 bis 2020) zu positiven Zusammenhängen mit Spermienzahl, progressiver und Gesamtbeweglichkeit; die Einheit der Schätzer nennt der Abstract nicht, die Größenordnung liegt bei 0,01, und der Nutzen des Grüns war bei höherer Feinstaubbelastung stärker [[s49]]. In Hubei (28.089 Männer einer Infertilitätsklinik) gingen 0,243 NDVI mehr im 1.000-m-Puffer mit +1,68 % Konzentration (0,31 bis 3,06), +0,43 % progressiver Beweglichkeit und +0,50 % Gesamtbeweglichkeit einher, am deutlichsten 70 bis 90 Tage vor der Probe [[s50]]. In Zhejiang (10.273 Männer, deren Partnerinnen eine assistierte Reproduktion hatten) war nur die progressive Beweglichkeit mit NDVI assoziiert (β 1,744; 0,834 bis 2,655), NO₂ und CO vermittelten einen Teil; zu dieser Arbeit liegt eine Berichtigung vor, deren Inhalt nicht ausgewertet wurde [[s48]]. In Sichuan (5.025 Messungen von 1.674 Spendern) betrafen die Zusammenhänge vor allem die Kinematik, etwa VSL +3,37 % (2,11 bis 4,66) je NDVI im 500-m-Puffer, teils nichtlinear [[s43]]. Zwei weitere Arbeiten sehen Grün vor allem als Modifikator: Landesweit (26.997 Spender aus 33 Provinzen) erhöhte Ozon je Interquartilsabstand die Odds für abnorme Parameter (Gesamtzahl 1,716; 1,547 bis 1,903), mit dem höchsten Risiko bei niedrigem NDVI [[s23]]; in Chongqing milderte mehr Grün die Wirkung von PM2,5 auf die Beweglichkeit [[s05]]; ähnliche Muster zeigen die Arbeiten aus zwei Provinzen und aus Changsha, deren Abstracts keine Zahlenwerte nennen [[s04, s19]]. Die Effekte liegen pro Interquartilsabstand zwischen Zehntelprozent und wenigen Prozent; Grün wird über die Wohnadresse erfasst, nicht über tatsächliche Aufenthaltsorte, und mit Luftqualität, Lärm und Sozialstatus sind die Befunde vermengt. Zwei Auswertungen der Henan Rural Cohort betreffen Hormone: Bei Männern war ein um 0,1 höherer NDVI mit 0,310 ng/ml mehr Serumtestosteron verbunden (6.017 Personen), und Langzeit-Ozon hing negativ mit Testosteron zusammen [[s95, s112]]. Eine Leitlinie, die Grünflächen behandelt, wurde im chinesischen Raum nicht gefunden.

**Nächtliches Licht.** Die einzige Humanstudie mit Spermienparametern und nächtlichem Außenlicht stammt aus China: Tian und Kollegen (2024) untersuchten 1.991 Spenderkandidaten (mittleres Alter 24,98 Jahre) mit Satelliten-Außenlicht am Wohnort von 0 bis 100 nW/cm²/sr. Je 100 Einheiten mehr chronisches Außenlicht lagen Linearität bei -0,043, die Kurvilineare Geschwindigkeit bei -5,523, die nichtprogressive Beweglichkeit bei -3,873 und die Gesamtbeweglichkeit bei -4,740; stärker war der Effekt bei Männern unter 25 Jahren. Die im Abstract gedruckten Konfidenzintervalle haben ein vertauschtes Vorzeichen und wurden nicht übernommen; Konzentration und Gesamtzahl werden im Abstract nicht berichtet, und Außenlicht am Wohnort sagt wenig über Schlafzimmerlicht, Vorhänge, Schichtarbeit oder Bildschirmnutzung [[s58]]. Die nationale Paarstudie mit 14.239.365 Paaren aus 31 Provinzen (2014 bis 2020) fand mit mehr Nachtlicht längere Zeiten bis zur Schwangerschaft (Zeitverhältnis 1,0340; 1,0326 bis 1,0354 je Interquartilsabstand) und mit mehr Grün kürzere (0,9881); die Effekte sind sehr klein, und der männliche Anteil ist nicht abgrenzbar [[s31]]. Bei Kindern fand eine prospektive Studie in Tianchang mit individueller Messung des Schlafzimmerlichts bei 886 Kindern von 6 bis 10 Jahren einen früheren Pubertätsbeginn bei mehr Licht (in der höchsten Gruppe bei Jungen 3,84 Monate früher; je 30 Minuten Licht von mindestens 3 lx HR 1,09; 1,02 bis 1,16); das betrifft den Pubertätsbeginn, nicht die Samenqualität [[s20]].

**Zirkadiane Störung und Schichtarbeit.** Eine Gruppe der Army Medical University in Chongqing hat die konsistenteste Linie: Liu und Kollegen (2020, Human Reproduction) fanden bei 1.346 Männern eine niedrigere Spermienzahl bei Wechselschichtarbeit (OR 1,26 für niedrige Zahl; 1,05 bis 1,52), bei 796 Studierenden eine 1,16-fache Chance je Stunde zirkadianer Desynchronisation (1,02 bis 1,31) und im Mausmodell einen Rückgang mit Erholung nach Wegfall [[s120]]. Die prospektive PREBIC-Kohorte (3.425 Männer) zeigte bei Wechselschicht eine um 16 % niedrigere Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 0,70 bis 0,99), niedrigere Konzentration (-10,77 %), Gesamtzahl (-11,63 %) und Vitalität (-3,86 %) [[s18]]. In einer Kohorte von 441 Studierenden war Social Jetlag mit höherer mitochondrialer DNA im Samen verbunden (1,29-fach; p = 0,026) [[s07]]; eine ökologische Studie der Gruppe mit Daten aus 35 europäischen Ländern verband zehn Prozentpunkte mehr Rotationsschichtarbeit mit 0,114 niedrigerer Gesamtfruchtbarkeitsrate [[s108]]. Die Tierversuche arbeiten mit starken Reizen: Ein dynamisch wechselnder Zyklus bei Ratten, eine wöchentliche Zwölf-Stunden-Umkehr bei Mäusen über 8 Wochen mit Spermien-DNA-Schäden, Dauerlicht bei Mäusevätern mit Gedächtnisstörungen der männlichen Nachkommen, verkürzte Hell-Dunkel-Zyklen mit geringerer Fertilität und schwaches Nachtlicht bei jungen Ratten mit verfrühter Pubertät bei sinkendem Testosteron [[s10, s21, s22, s24, s127]]. Übersichten zur zirkadianen Regulation der Testosteronsynthese und der Spermatogenese ergänzen das mechanistisch [[s27, s33, s68]].

**Lärm, Bildschirm, Wohnort.** Lärm wird in China fast nur im Tiermodell untersucht: Bei Ratten ging die kombinierte Belastung mit Lärm und Kohlenmonoxid mit mehr Hodenschaden, mehr oxidativem Stress und mehr Apoptose einher als jeder Faktor allein; bei Mäusen mit mehreren gleichzeitigen Stressoren (unter anderem Lärm, Temperatur, Enge) lässt sich ein eigener Lärmeffekt nicht ablesen [[s28, s69]]. Zu Bildschirmgeräten betreffen die Studien überwiegend Funkstrahlung und Nutzungsdauer: Bei 1.454 Samenspendern waren die Gesamtnutzungsdauer mit niedrigerer Beweglichkeit und jede Stunde Telefonieren mit -8,0 % Konzentration und -12,7 % Gesamtzahl assoziiert, die Autoren sprechen von einem bescheidenen Effekt; in Hangzhou (1.634 Männer) senkte die tägliche Nutzungsdauer die Beweglichkeit [[s84, s97]]. Bildschirmlicht am Abend wurde in China nicht untersucht. Beim Wohnort zeigt Chongqing mit 1.346 Freiwilligen ein belasteteres Stadtgebiet mit schlechterer Morphologie und Kinetik [[s159]]; in Guangzhou waren Feinstaub und Samenqualität verbunden (1.310 Spender, 4.912 Proben; PM10 und Konzentration β -0,21) [[s96]]; in Wenzhou (22.962 infertile Männer, 82,0 % Arbeiter) war die Samenqualität bei über 40-Jährigen und Arbeitern schlechter [[s65]]. Gao und Kollegen (2007) zeigten schon in 1.191 gesunden Männern aus sechs Provinzen, dass Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit wichtige Determinanten sind, ohne Wohnumweltfaktoren zu nennen [[s176]]. Eine westpazifische Übersicht nennt die höchste Infertilitätsprävalenz mit 23,2 % (global 17,5 %) und erhebliche Evidenzlücken [[s37]].

**Erreichbarkeit.** Europe PMC war voll nutzbar und indexiert viele chinesische Zeitschriften (unter anderem Asian Journal of Andrology, Zhonghua Nan Ke Xue, Wei Sheng Yan Jiu, Sheng Li Xue Bao); Suchen mit Journalfiltern ergaben außer den aufgenommenen Arbeiten nichts Weiteres. CNKI lieferte Zertifikatsfehler oder keine Trefferliste im HTML, Wanfang baut die Seite per Skript auf und lieferte keine Treffer. Chinesische Dissertationen und landessprachliche Artikel, die nicht in PubMed stehen, sind damit nicht durchsucht. Taiwan und Hongkong lieferten mit Affiliationsfilter keine einschlägige Studie.

### Japanisch

Japan trägt nur wenig bei, und fast nichts davon betrifft den Menschen. Eine humane Studie zu Licht, Lärm oder Grünflächen und Samenqualität aus Japan wurde in PubMed, J-STAGE und CiNii nicht gefunden. Die Beiträge sind Tierexperimente, Kongressabstracts und ein laufendes Protokoll.

Die älteste Arbeit ist ein Rattenversuch von Sato und Kollegen (1982, Nippon Eiseigaku Zasshi, über J-STAGE mit englischem Abstract): Neun Wochen alte Wistar-Ratten wurden breitbandigem Rauschen mit 100 dB(C) ausgesetzt, Kontrollen 40 dB(A). Die Geburtsraten sanken bei Weibchen, die während Paarung und Trächtigkeit exponiert waren, und die Zahl der Nachkommen je Gruppe nahm ab, nicht aber die Wurfgröße; Zahlenwerte und p-Werte fehlen, ein getrennter Effekt auf männliche Tiere oder Samenparameter wird nicht beschrieben [[s181]].

Die einzige Gruppe mit direktem Bezug zu Licht und männlicher Fortpflanzung sind vier Kongressabstracts der Japanischen Gesellschaft für Toxikologie (2017 bis 2022, Autoren aus einem nationalen Institut für Arbeitsschutz und einer Pharmazie-Fakultät). Männliche C57BL/6J-Mäuse wurden mit einer Hell-Dunkel-Verschiebung (alle zwei Tage zwölf Stunden Umkehr) über 1 bis 12 Wochen behandelt: Spermienzahl in Hoden und Cauda epididymidis sowie die Beweglichkeit waren ab etwa der sechsten Woche signifikant niedriger, und der Testosteronanstieg mit der Geschlechtsreife blieb aus, während LH, FSH und GnRH sich nicht signifikant änderten. Eine Mechanismusanalyse fand schon nach einer Woche weniger StAR- und P450scc-mRNA und weniger Zink im Hoden; die Autoren deuten das als Hypothese. Ein Symposiumsbeitrag von 2022 nennt "Licht" einen möglichen Faktor der Unfruchtbarkeit und Smartphones als Abendlichtquelle; das sind Vermutungen, keine gemessenen Befunde. Alle vier sind Kongressbeiträge ohne Zahlenwerte, Gruppenstärken oder p-Werte, und die harte Umkehr entspricht eher Schichtarbeit als Streulicht im Wohnumfeld [[s89, s122, s135, s144]]. Hinzu kommt ein Symposiumsbeitrag von 2024 über chronischen Jetlag bei Mäusen, der den Stoffwechsel betrifft, nicht Spermien [[s59]].

Weitere japanische Quellen sind das Studienprotokoll N-SEED (multizentrische Querschnittsstudie; Gruppe 1 mit Sollstärke 25 zur Qualitätskontrolle der DNA-Fragmentierung, Gruppe 2 mit Sollstärke 100 gesunden Freiwilligen mit Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung und Schlaf; 124 Teilnehmer zwischen 18. Januar und 21. Februar 2026 rekrutiert, Ergebnisse bis März 2028 erwartet; Licht, Lärm und Grün sind keine benannten Expositionen) [[s13]] und die Japan Environment and Children's Study mit 51.316 neugeborenen Jungen, von denen 305 (0,59 %) einen Kryptorchismus hatten; die Berufskategorien der Eltern zeigten keinen signifikanten Einfluss [[s121]]. Nur als Metadaten ohne abrufbaren Abstract sichtbar und deshalb nicht aufgenommen sind ein Kongressbeitrag zu Berufsanamnesen von Kinderwunschpatienten (2002), ein Übersichtsbeitrag zur Frage männlicher Unfruchtbarkeit und Umweltfaktoren (2022) und ein Beitrag von 1998 zu Samenbefunden und Umweltschadstoffen. Zwei ältere Arbeiten zu Fluglärm bei Okinawa betrafen Geburtsgewicht und Vorschulkinder und wurden nicht aufgenommen.

Erreichbarkeit: J-STAGE (Webseite und Schnittstelle) und CiNii Research waren nutzbar, setzen aber UTF-8-kodierte japanische Suchbegriffe voraus; ein erster Versuch über die Windows-Shell lieferte einen Fehler. Die Trefferzahlen waren groß und überwiegend themenfremd (Nutztiere, Fische, Pflanzen, Kongressverzeichnisse), etwa 151 Treffer für Spermien und Lärm, 149 für Spermien und nächtliches Licht, 60 für Spermien und Grünflächen. In CiNii waren es für Spermien und nächtliches Licht nur 2 Treffer, für Samen und Lärm 0; die japanischen Kongressabstracts im Wortlaut gibt nur CiNii wieder. Eine japanische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden.

### Koreanisch

Korea ist das einzige der drei ostasiatischen Länder mit humanen Lärmstudien, weil das Nationale Lärminformationssystem (NNIS) und nationale Versicherungsdaten vorliegen. Alle koreanischen Studien der Recherche sind englischsprachig; koreanischsprachige Quellen waren nicht erreichbar.

Die größte Kohorte ist die Stichprobenkohorte des Krankenversicherungsdienstes. Min und Min (2017) beobachteten 206.492 Männer von 20 bis 59 Jahren über acht Jahre (2006 bis 2013), mit Lärm der Jahre 2002 bis 2005, dem Verwaltungsbezirk zugeordnet. 3.293 Männer (1,6 %) erhielten die Abrechnungsdiagnose männliche Infertilität nach ICD-10 N46. Für 1-dB-Schritte gab es keinen Zusammenhang, wohl aber ein nichtlineares Muster über die Quartile; bei Nachtlärm von mindestens 55 dB lag die adjustierte OR bei 1,14 (1,05 bis 1,23), adjustiert unter anderem für Feinstaub. Schwächen: Das Ergebnis ist keine Samenanalyse, der Lärm ist nur auf Bezirksebene bekannt, und wer keinen Arzt aufsucht, fehlt. Zu der Studie existiert ein Leserbrief, dessen Inhalt nicht ausgewertet wurde [[s143]]. Choe und Kollegen (2020) untersuchten 1.972 Männer eines Seouler Fertilitätszentrums (2016 bis 2018) mit halbjährlichen Lärmmessungen, per Kriging auf die Wohnadresse übertragen (mittlerer Nachtlärm 58,3 ± 2,2 Leq). Das höchste Quartil hatte eine OR von 3,5 für Oligozoospermie (1,18 bis 10,17), die nur bei 3,3 % der Männer vorlag, im additiven Modell stieg das Risiko ab etwa 55 Leq dB; zugleich war die OR für schwere Teratozoospermie im dritten Quartil 0,57 (0,33 bis 0,98), also in Gegenrichtung. Die Autoren sprechen nur von einem potenziellen Einfluss und fordern genauere Lärmmessungen [[s114]]. Beide Studien weisen um 55 dB Nachtlärm in dieselbe Richtung, sind aber unterschiedlich bemessen (Diagnose gegenüber Samenparametern) und haben jeweils grobe Expositionsschätzungen. Fluglärm wurde auch in Korea nicht untersucht.

Aus derselben Seouler Gruppe stammt die Landnutzungsstudie mit 5.886 Männern (2016 bis 2018): Lineare Zusammenhänge zwischen Umgebungsmerkmalen (Abstand zu Süßwasser, Küste, Hauptstraßen, NDVI) und Samenqualität waren überwiegend nicht erkennbar; Ausnahme war NDVI im 500-m-Radius und Vitalität (β 0,05; 0,01 bis 0,09). Die Autoren sprechen nur von potenziellen Hinweisen, und es ist das einzige koreanische Grünflächenergebnis, ein weitgehend neutrales im Vergleich zu den chinesischen Studien [[s104]]. Weitere koreanische Beiträge: eine Metaanalyse zu Mobiltelefonen mit 18 Studien und 4.280 Proben (verminderte Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration, ohne Zeit-Dosis-Beziehung) [[s109]] und ein Rattenversuch zu Schlafentzug über 4 oder 7 Tage mit je 10 Tieren pro Gruppe (geringere Beweglichkeit nach 7 Tagen, niedrigeres Testosteron) [[s145]].

Erreichbarkeit: Die offene Schnittstelle von KCI verlangt einen Schlüssel, eine Suchadresse lieferte eine ungefilterte, themenfremde Liste; KoreaMed lieferte "0 results" auch für den Kontrollbegriff "sperm" und ist damit technisch nicht auswertbar; DBpia lief zweimal in eine Zeitüberschreitung. Koreanische Dissertationen und landessprachliche Artikel, die nicht in PubMed stehen, sind deshalb nicht erfasst, und eine koreanische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden.


### Russisch

Der russische Sprachraum hat eine eigene Tradition der Hygiene- und Arbeitsmedizin. Fragen nach Lärm und Licht werden dort überwiegend als Berufsbelastung ("производственные факторы") und über den Begriff der Desynchronose (Störung der inneren Rhythmen) behandelt. Typisch sind Querschnittsstudien an Beschäftigten einzelner Branchen mit Hormonstatus statt Spermiogramm, kurze histologische Tierstudien in teils nachrangigen Zeitschriften und Nachwuchsforen, Wohnortstudien mit Stadtbezirken oder Regionen und Übersichten, die westliche Studien referieren. Methodisch fallen sehr kurze Berichte, Mediane ohne Konfidenzintervalle, p-Werte als "0,00" und selten eine Verblindung auf. Die Volltexte waren über CyberLeninka zugänglich, dessen Webseitensuche skriptgesteuert ist, dessen interne Suchschnittstelle aber mit kyrillischen Begriffen funktionierte; eLIBRARY.ru lieferte nur eine Fehlseite ("недостаточно прав …", nicht genügend Rechte oder abgelaufene Sitzung). Artikel mit eLIBRARY-Kennung erscheinen deshalb nur über Verweise in CyberLeninka; einschlägige Arbeiten können fehlen.

**Übersichten.** Fesenko und Kollegen (2023, Medizin der Arbeit und industrielle Ökologie, Izmerov-Institut Moskau) schreiben in ihrer Übersicht über schädliche physikalische Produktionsfaktoren (Titel: "Влияние вредных производственных физических факторов на репродуктивное здоровье работников-мужчин", Einfluss schädlicher physikalischer Produktionsfaktoren auf die reproduktive Gesundheit männlicher Beschäftigter), Studien zum Einfluss von Betriebslärm und Vibration auf die männliche Reproduktion seien "немногочисленны" (wenig zahlreich), solche zu Ultra- und Infraschall "единичны" (Einzelfälle). Die genannten Zahlen (niedrigste Testosteronwerte bei Lärm über 92,69 dBA; nur 49 % der Männer eines Automobilzulieferers mit Hormonwerten im Normbereich) entsprechen denen der iranischen Studie von Mohammadi und sind damit Zahlen aus zweiter Hand [[s83, s111]]. Alekseeva und Kollegen (2024, Experimentelle und klinische Urologie; "Роль циркадных ритмов в функционировании мужской репродуктивной системы", Die Rolle der zirkadianen Rhythmen im Funktionieren des männlichen Fortpflanzungssystems) nennen Lichtverschmutzung als häufiges Stadtproblem und führen schwaches Kunstlicht von Bildschirmen, Straßenbeleuchtung und dauerhaft eingeschaltetes Licht im Haus als Störer der Melatoninsynthese an. Die Zahlen sind Sekundärquellen entnommen und betreffen Testosteron und Erektionsfunktion, nicht Spermienparameter (etwa Testosteronmangel in einer Datenbank bei zirkadianen Störungen OR 2,63, ohne Konfidenzintervall); die Autoren halten fest, dass die Hauptmasse der Studien Tiermodelle betreffe [[s61]]. Bukhtiyarov und Kollegen (2016, "Нарушения репродуктивного здоровья у работников ночных смен", Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Beschäftigten in Nachtschichten) behandeln fast nur Frauen und enthalten keine Daten zur Spermienqualität; sie zeigen vor allem die russische Forschungslücke zu Männern und Nachtarbeit [[s152]]. Zemlyanova und Kollegen (2025, Hygiene und Sanitärwesen) werteten 160 Berichte aus und schreiben, chronischer Lärm könne ein Ungleichgewicht von Cortisol und Testosteron und eine gestörte Spermatogenese bewirken, stützen sich aber auf wenige Einzelquellen [[s46]]. Gubin und Kollegen (Tjumen, 2026) formulieren die "Circadian-Light-Hygiene Hypothesis" mit dem Eingeständnis, direkte Kausalbelege am Menschen seien für mehrere Endpunkte begrenzt [[s06]]. Osadchuk und Osadchuk (2020, Urologiia) halten Wohnregion und Ethnizität für wichtige Determinanten des männlichen reproduktiven Potenzials [[s125]].

**Tierversuche zu Dauerlicht und Desynchronose.** Zlobina und Kollegen (2018, Journal of New Medical Technologies; "Морфологическая оценка функциональных изменений семенников под влиянием светового десинхроноза в эксперименте", Morphologische Bewertung funktioneller Veränderungen der Hoden unter dem Einfluss einer Lichtdesynchronose im Experiment) setzten 48 männliche Ratten in vier Gruppen zu je 12 zusätzlichem Kunstlicht in der Nacht (350 bis 500 lx) für 1, 10 oder 21 Tage aus. Die Mediane der Spermatiden lagen bei 76 in der Kontrolle und 59,5 nach 21 Tagen; im Text berichten die Autoren nach 21 Tagen eine Abnahme der Spermatogonien um 11,5 %, der Spermatiden um 21,7 % und der Sertoli-Zellen um 13,5 %. Die Prozentangaben lassen sich nicht eindeutig aus den Tabellenmedianen herleiten, die Kontrolle erhielt natürliches Licht statt eines strengen 12:12-Zyklus, und es gab keine Spermienanalyse [[s141]]. Zwei Beiträge in Nachwuchsforen (3 bzw. 2 Gruppen zu je 12 Ratten; 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit bzw. 12 Stunden Licht und 10 Stunden Dunkelheit) berichten verbal weniger Spermatiden und dünneres Keimepithel, aber mehr Sertoli-Zellen, ohne Zahlenwerte im abgerufenen Text [[s131, s140]]. Eine Wolgograder Serie nutzt 24 Stunden Kunstlicht mit 300 lx über 30 Tage als Modell vorzeitiger Alterung ("Dunkelheitsentzug") bei 66 Ratten (24 Kontrollen, 26 Dauerlicht, 16 mit anschließendem Melatonin): Das Keimepithel war um 26,3 % dünner (p < 0,001), das Serumtestosteron um 51,4 % niedriger (p < 0,001), das Corticosteron um 24,28 % höher, das FSH 2,4-fach höher und Klotho im Serum erniedrigt. Die drei Arbeiten beruhen auf demselben Tierversuch und sind keine unabhängigen Replikationen; es gibt nur Histologie und Hormone, keine Spermien, und Dauerlicht ist ein extremes Modell [[s81, s82, s99]]. Slesareva und Kollegen (2012, 204 Ratten) fanden einen Tagesrhythmus für jede Stufe der Spermatogenese, der nach Entfernung der Zirbeldrüse aufgehoben war; das ist ein Mechanismusbeleg, keine Lichtexposition [[s170]]. Aizikov und Kollegen (2014) fanden bei Nachkommen unter Dauerlicht keine signifikante Abweichung der Hodenabstiegszeit von der Norm (Standardlicht im Mittel 38 Tage), aber eine höhere Welpensterblichkeit (6,2 % bei Standardlicht, 15,7 % bei Dauerlicht), ohne Spermienparameter [[s160]].

**Berufslärm.** Sitdikova und Kollegen (2014, Praktische Medizin, Kasan) untersuchten 318 Beschäftigte des Maschinenbaus gegenüber 148 Männern ohne dauernde Belastung und im Flugzeugbau 291 Beschäftigte gegenüber 148 in Hilfsberufen. Im Flugzeugbau überschritten die Lärmpegel die Grenzwerte um 4 bis 29 dBA, es kamen Vibration, Wärmestrahlung und Chemikalien hinzu; 25 % der Beschäftigten zeigten eine Abweichung in mindestens einem Hormon, mit niedrigeren Testosteron- und höheren LH- und FSH-Werten. Die Belastungen sind untrennbar vermischt, es gibt keine Spermienanalyse, und für Lärm wird keine eigene Effektgröße genannt [[s161, s162]].

**Wohnort und Regionen.** Die russischen Wohnortstudien messen Luftverschmutzung oder Industrienähe, nicht Lärm oder Licht. Latyshevskaya und Kollegen (2015) verglichen in Wolgograd mehr als 1.600 Männer aus Bezirken mit hoher gegenüber geringer Luftbelastung: Das Ejakulat entsprach nur in 8,3 % gegenüber 26,5 % den Normwerten, die pathologische Morphologie betrug 71,1 % gegenüber 26,3 %; es liegt nur eine Zusammenfassung ohne Methodik, Konfidenzintervalle oder Adjustierung vor [[s157]]. Kuzmicheva und Kollegen (2024) verglichen 400 Spermiogramme aus dem Gebiet Rostow (je 200 aus 2011 und 2021): normales Ejakulat 66 % gegenüber 47 %; ohne Verknüpfung mit Schadstoffmessungen, kein Test berichtet [[s60]]. Osadchuk und Kollegen untersuchten 145 Männer in Jakutsk (mittlere Konzentration 34,69 Mio/ml; 68,1 % Asthenozoospermie; keine Unterschiede zwischen jakutischen und slawischen Männern) und 111 Männer in Kemerowo (Spermatogenesestörungen bei 51,4 %), beide mit WHO-Methoden, aber ohne Messung von Umweltfaktoren, und ohne Vergleichsstadt in der Kemerowoer Arbeit [[s153, s169]]. Kuznetsova und Kollegen (2010) berichten einen Rückgang der Konzentration um 22 % zwischen 2002 und 2009 bei jungen Männern im Kusbass; Gruppenzusammensetzung und Adjustierung fehlen im Abstract [[s172]]. Kleshchev und Kollegen (2021, PLoS One) verglichen zwei Städte gleichen Klimas, Kemerowo mit stärkerer Feinstaubbelastung (n = 258) und Nowosibirsk (n = 278): In Kemerowo waren Spermienzahl und Beweglichkeit niedriger, DNA-Fragmentierung und Kopfdefekte höher, ohne dass der Abstract Effektgrößen nennt [[s110]]. Kolesnikova und Kollegen (2016, Urologiia) fanden bei Männern aus Irkutsk eine um 34,4 % bzw. 23,6 % höhere Spermienzahl als bei Männern aus Nowosibirsk bzw. Ulan-Ude und sehen Wohnort und ökologisch-geografische Lage als Einflussfaktoren, ohne einzelne Faktoren zu benennen [[s150]].

Grünflächen, Wohnumfeldlärm und Fluglärm wurden in russischsprachigen Quellen nicht untersucht; CyberLeninka-Suchen zu Stadtgrün und Reproduktion lieferten städtebauliche und landwirtschaftliche Treffer ohne Bezug zur Spermienqualität. Die großen Wohnortkohorten von Osadchuk und Kollegen (Nowosibirsk, Kemerowo, Jakutsk) sind methodisch am stärksten, aber nicht auf Licht oder Lärm ausgelegt. Eine russische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden.


### Arabisch

Im arabischen Raum gibt es genau eine menschliche Studie zu nächtlichem Licht, mehrere Tierversuche aus Ägypten, dem Irak und Saudi-Arabien und eine Beschreibung aus Marokko. Die auffindbaren Studien stammen überwiegend aus Ägypten und dem Irak und erschienen auf Englisch; zwei Arbeiten wurden ausschließlich auf Arabisch veröffentlicht und über die Datenbank e-Marefa gefunden. Die Suche musste mit mehreren Begriffsvarianten geführt werden (zum Beispiel "الفترة الضوئية" für Photoperiode und "الإضاءة" für Beleuchtung). In den Titellisten dominieren Nutz- und Haustiere (Samenqualität bei Schafen, Ziegen, Hähnen), und Lärmtitel betreffen überwiegend Städtebau und Recht (Lärmschutzgesetz, Lärmkarten), nicht Gesundheit. Kohorten, Register oder Leitlinien zum Thema wurden im arabischen Raum nicht gefunden.

**Die menschliche Studie.** Hassan und Kollegen (2020, Experimental and Therapeutic Medicine, Qena, Ägypten) verglichen in einer Universitätsklinik 50 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT) und 50 fertile Kontrollen. Alle waren Laborbeschäftigte; in der iOAT-Gruppe waren 34 durch Nachtschicht (00:00 bis 08:00 Uhr im 7-Tage-Zyklus) nächtlichem Licht ausgesetzt und 16 nicht, bei den Kontrollen 19 gegenüber 31. Raucher und chronischer Alkoholkonsum waren ausgeschlossen, die Erhebung lief im Winter, um saisonale Melatoninschwankungen zu vermeiden. Das Serum-Melatonin lag bei iOAT bei 11,01 ± 10,99 ng/l gegenüber 19,51 ± 16,82 ng/l bei den Kontrollen (p = 0,0004); bei iOAT-Männern mit nächtlichem Licht bei 4,54 ± 1,48 gegenüber 24,77 ± 9,65 ng/l ohne Licht (p < 0,0001), im Seminalplasma 3,36 ± 2,94 gegenüber 7,34 ± 5,29 ng/l (p = 0,02). Auch bei den Kontrollen lagen die Werte mit Nachtlicht deutlich niedriger. Bei den iOAT-Männern waren mit gegenüber ohne nächtliches Licht die Konzentration 3,30 ± 1,87 gegenüber 11,97 ± 1,25 Mio/ml (p < 0,0001), die Beweglichkeit 18,29 gegenüber 27,81 % (p = 0,04) und die abnormen Formen 59,62 gegenüber 46,62 % (p = 0,04). Das Serum-Melatonin korrelierte bei allen iOAT-Patienten positiv mit der Beweglichkeit (r = 0,614; p < 0,0001). Stärken: Licht ist eine explizite Variable, und beide Gruppen hatten dieselbe Arbeit mit gleicher Beleuchtung. Schwächen: Die Untergruppen sind klein (16 nicht exponierte iOAT-Patienten); die Exposition ist an Nachtarbeit gekoppelt, sodass Schlaf, Stress und Essensrhythmus nicht getrennt sind; die Lichtstärke wurde nicht gemessen; für die fertilen Kontrollen fehlt ein Vergleich der Samenparameter; die enge Streuung der Konzentration in der nicht exponierten Gruppe ist auffällig, und zwischen Text und Tabelle weichen einzelne Werte ab (59,26 gegenüber 59,62 für abnorme Formen; p-Wert der Korrelation im Text 0,0008, im Abstract kleiner als 0,001). Kausalität lässt sich nicht ableiten [[s117]].

**Tierversuche aus Ägypten, dem Irak und Saudi-Arabien.** Moustafa (2020, Zagazig) hielt Sprague-Dawley-Ratten über zwölf Wochen bei 20 Stunden Licht und 4 Stunden Dunkelheit oder umgekehrt: Spermienzahl und Beweglichkeit waren nur unter verlängertem Licht erhöht, der Anteil abnormer Spermien sank in beiden Gruppen, und die Hormone FSH, LH, Testosteron und Prolaktin stiegen. Die Autoren deuten dies als Anpassung an chronische zirkadiane Störung; der Befund steht im Widerspruch zu den russischen Dauerlichtstudien und zeigt, dass das Ergebnis von Modell und Dauer abhängt [[s123]]. Hassan und Kollegen (2022, Alexandria) fanden bei Mäusen unter kurzem Tag (6 Stunden Licht) und langem Tag (18 Stunden Licht) über fünf Wochen gleichgerichtet eine Abnahme von Spermienqualität, Testosteron und Melatonin, ohne Zahlen im Abstract; hier wirken beide Richtungen schädlich, anders als bei Moustafa [[s85]]. Maulood und Kollegen (2026, Erbil, Irak) fanden nach 10 Wochen Dauerlicht und/oder Pinealektomie bei Ratten Störungen des Keimepithels und verminderte spermatogene Aktivität, am stärksten im kombinierten Modell; der Abstract nennt keine Zahlen [[s12]]. Eine arabischsprachige Studie aus Saudi-Arabien (Journal of King Abdulaziz University: Science, 2009; „دراسة مقارنة على تأثير الفترة الضوئية على مناسل ذكور الفئران : وزن الجسم، و الخصية، و مميزات الحيوانات المنوية“, Vergleichende Studie zum Einfluss der Photoperiode auf die Gonaden männlicher Mäuse: Körper- und Hodengewicht und Spermienmerkmale) verglich je 36 Mäuse bei Dauerdunkel, Dauerlicht und 12:12: Im Dauerdunkel war die Spermienzahl extrem niedrig (0,002 × 10⁷/ml gegenüber 1,29 × 10⁷/ml in der Kontrolle), im Dauerlicht höher (1,54 × 10⁷/ml); wie bei Moustafa erhöhte Dauerlicht die Spermienzahl. Die Statistik ist im Abstract nur teilweise beschrieben, und ein Wert im Original ist typografisch beschädigt und als 0,00694 gelesen [[s174]]. Eine zweite arabischsprachige Arbeit (Journal der Northern Border University, 2020; „تأثير هرمون الميلاتونين المفرز ذاتيا تحت تأثير الإضاءة المتناوبة و المكثفة على أنسجة الخصية لدى ذكور الهامستر“, Wirkung des selbst sezernierten Melatonins unter wechselnder und intensiver Beleuchtung auf das Hodengewebe männlicher Hamster) beschreibt histologisch Veränderungen unter langer intensiver Beleuchtung und Hodenatrophie unter kurzen Phasen; Gruppengrößen und Zahlen fehlen, und die englische Übersetzung des Abstracts ist holprig [[s128]]. Die einheitliche Aussage "Licht schadet" gibt diese Literatur nicht her.

**Marokko und Iran.** Rochdi und Kollegen (2025, Oujda) beschrieben 3.025 Patienten eines Fertilitätszentrums in Ostmarokko (2021 bis 2023): Häufigster Risikofaktor war die berufliche Exposition, gefolgt von Varikozele; Hitzeexposition 30,08 %, Rauchen 24,29 %; Spermiogrammanomalien in 78,71 %. Lärm wird nicht gesondert ausgewiesen, und es gibt keine Vergleichsgruppe ohne Berufsexposition; Quellen aus dem Maghreb sind sonst meist französisch- oder englischsprachig [[s36]]. Eine Übersicht aus dem Iran (2026) führt an, nächtliches Kunstlicht unterdrücke Melatonin und erhöhe oxidativen Stress; der Abstract nennt keine Zahlen [[s01]].

Persisch ist nicht Teil der zwölf Sprachräume. Weil iranische Gruppen aber bei den englischsprachigen Suchen die meisten Lärm-Treffer lieferten und die einzige Tierevidenz zu Lärm aus der Region bilden, seien sie hier als Nachbarregion benannt. Die Gruppe in Ahwas (Wistar-Ratten, Lärm von 90 bis 130 dB, 50 Tage) und Folgearbeiten fanden verminderte Gewichte von Hoden, Nebenhoden und Samenbläschen (20 Ratten, 90 bis 120 dB, 12 Stunden täglich), mit gesenkten Hormonen und Fertilisationsfähigkeit; die Gruppenbeschriftungen stimmen zwischen zwei Veröffentlichungen nicht überein, was auf Mehrfachverwertung ähnlicher Experimente hindeutet [[s164, s165, s166, s167, s168]]. Bei 40 Ratten sank das Testosteron erst bei 115 dB [[s147]], bei 20 Ratten waren die Hodengewichte unter 105 dBA verringert, am stärksten mit Blei [[s88]]; bei 64 Ratten senkten Lärm von 100 dB und Vibration LH und Testosteron [[s91]]. Eine Mäusestudie mit je acht Tieren pro Gruppe verglich Licht (1.000 lx), Lärm (100 dB(A)), Vibration und Mikrowelle über zwei Wochen; mit Lärm lag die progressive Beweglichkeit bei 31,41 % gegenüber 64,76 % in der Kontrolle, mit Licht die normale Morphologie bei 45,50 % gegenüber 72,56 %; die Deutung der Koeffizienten als "Chance um das 33,35-Fache" ist statistisch falsch [[s101]]. Bei 162 Beschäftigten eines Automobilzulieferers lag das Testosteron nur bei 49 % im Normbereich, mit schwacher negativer Korrelation zu Lärm (R = -0,201; p = 0,013) und größerem Effekt der Vibration in der Regression; Spermienwerte fehlen [[s111]]. Zum Wohnort fand eine interviewbasierte Erhebung an 2.293 Männern in vier Provinzen (Daten von 2007) Infertilität in städtischen Gebieten signifikant häufiger als in ländlichen (p < 0,003; 78 Männer infertil), ohne Konfidenzintervall und ohne Spermiogramm [[s102]]. Eine systematische Übersicht zur Luftverschmutzung (38 Studien, 55.620 Männer) berichtet sehr schmale Konfidenzintervalle bei hoher Heterogenität und ist nur als Abstract ausgewertet [[s11]].

**Erreichbarkeit.** e-Marefa war für Suche, Metadaten und Abstracts frei erreichbar; Volltexte gibt es nur für Abonnenten. Mandumah leitete auf eine Anmeldeseite weiter, die algerische Plattform ASJP lieferte bei der getesteten Adresse einen Fehler (HTTP 404), und die kommerzielle Arab World Research Source wurde nicht abgefragt. In Europe PMC lieferten arabische Suchbegriffe keine Treffer. Arabischsprachige Originalarbeiten zum Thema sind in e-Marefa selten und betreffen Tiermodelle; Studien zu Grünflächen, Wohnumfeldlärm und Fluglärm fehlen im arabischen Raum vollständig.


### Türkisch

Die türkische Literatur zum Thema ist klein. Sie besteht aus wenigen klinischen Auswertungen großer Probenserien aus Universitätskliniken, einigen Tierversuchen zu Licht und Lärm an Veterinär- und Medizinfakultäten und aus Berufsstudien ohne Lärmmessung. Sieben der Quellen wurden über TR Dizin beziehungsweise DergiPark gefunden, die übrigen über Europe PMC. Viele türkische Zeitschriften (Van Tıp Dergisi, Zeynep Kamil Tıp Bülteni, Fırat Üniversitesi Sağlık Bilimleri Veteriner Dergisi) sind dort mit zweisprachigen Abstracts erfasst, aber nicht über PubMed. In den türkischen und iranischen Treffern überwog die elektromagnetische Strahlung (Mobiltelefone, Laptops, WLAN) als "Umweltfaktor"; sie betrifft Funkfelder, nicht Licht, und wurde bewusst nicht aufgenommen.

**Menschen: Schichtarbeit, Chronotyp, Jahreszeit.** Demirkol und Kollegen (2021, Andrologia, Kahramanmaraş) verglichen in einer Infertilitätsklinik 104 Schichtarbeiter mit 116 Nichtschichtarbeitern: Bei Schichtarbeitern waren Oligozoospermie (p = 0,006) und schlechte Schlafqualität (p = 0,039) häufiger und der Anteil normaler Morphologie niedriger (p = 0,036). Im adjustierten Modell (Alter, Testosteron, Stress, Rauchen, Varikozele) war Schichtarbeit mit Oligozoospermie verbunden (OR 2,11; 1,03 bis 4,34), der Schlafqualitätswert ebenfalls (OR 1,18; 1,01 bis 1,39). Die Art der Schicht und die Lichtexposition in der Nacht wurden nicht gemessen, das Konfidenzintervall ist breit [[s105]]. Gica und Kollegen (2023, Konya) untersuchten 314 Patienten einer Infertilitätsklinik (21 Abendtypen, 187 intermediäre, 106 Morgentypen): Die normale Morphologie korrelierte schwach positiv mit dem Morgenwert des Chronotyp-Fragebogens (r = 0,13; p < 0,05), die Zeit im Bett negativ mit der Konzentration (r = -0,13); die Korrelationen sind sehr klein, Konfidenzintervalle fehlen [[s67]]. Kabukçu und Kollegen (2020, Denizli) werteten 6.116 Samenproben aus acht Jahren zusammen mit Temperatur, Feuchte und Tageslichtdauer aus: Konzentration und Gesamtzahl waren im Juli und August niedriger als im Dezember, Mai und Juni, und Temperatur und Temperatur-Feuchte-Index korrelierten negativ mit den Samenparametern; die Tageslichtdauer wird im Abstract nicht als Einflussfaktor hervorgehoben, und Licht ist nicht von Temperatur getrennt [[s118]]. Afşin und Nursal (2022, Diyarbakır; „Diyarbakır'da Hava Sıcaklığının Sperm Parametrelerine Etkisi: Altı Yıllık Analiz“, Der Einfluss der Lufttemperatur auf die Spermienparameter in Diyarbakır: eine Analyse über sechs Jahre) werteten 7.318 Männer mit Verdacht auf Infertilität aus: Die Lufttemperatur der drei Monate vor der Probe war umgekehrt mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiv beweglicher Gesamtzahl verbunden; die progressiv bewegliche Gesamtzahl war bei weniger als 8 Stunden Sonnenscheindauer höher als bei mehr; für PM10 (unter 40 gegenüber über 40 µg/m³) fand sich kein Unterschied. Der Abstract nennt keine Effektgrößen [[s90]]. Zu Lärm im Wohnumfeld, Fluglärm und Grünflächen gibt es in der Türkei keine Studie.

**Tierversuche zu Licht.** Uğurlu und Kollegen (2023, Ankara) setzten 18 männliche Sprague-Dawley-Ratten (je sechs pro Gruppe) blauem Licht über 6 oder 12 Stunden aus (450 bis 470 nm, 0,03 µW/cm²): Der Pubertätseintritt lag im Median bei Tag 38 in der Kontrolle, Tag 30 und Tag 28 in den Blaulichtgruppen (p = 0,001); die Hormone waren ähnlich, Hodenlänge und -gewicht kleiner, und die Spermatogenese wurde mit längerer Bestrahlung zunehmend unterdrückt. Die Gruppen sind sehr klein, und die Bestrahlungsstärke ist nicht mit Bildschirmlicht gleichzusetzen [[s78]]. Acisu und Kollegen (2025, Acta Veterinaria Hungarica, Elazığ) hielten 56 Ratten über 63 Tage in sieben Gruppen unter Licht unterschiedlicher Wellenlänge: Die niedrigste Spermienbeweglichkeit zeigte blaues Licht (29,16 ± 11,40 %), gefolgt von Violett (56,25 %), Grün (62,50 %) und Weiß (69,58 %; p < 0,001); das Malondialdehyd war bei Orange am niedrigsten (2,77) und bei Weiß am höchsten (8,59). Eine neutrale 12:12-Weißlicht-Kontrolle ist im Abstract nicht ausgewiesen [[s25]]. Şentürk und Kollegen (2023, Gümüşhane) fanden bei 18 Ratten nach 14 Tagen weißem Rauschen von 90 dB für 60 Minuten täglich, mit und ohne zusätzliches Dauerlicht an jedem zweiten Tag, niedrigere Carboanhydrase (-10,83 % bzw. -20,83 %) und höhere Katalase (+32,87 % bzw. +52,74 %) im Hodenhomogenat; es wurden keine Spermienparameter bestimmt, p-Werte fehlen im abgerufenen Text, und Lärm und Licht sind nicht getrennt verglichen [[s66]]. Derin und Kollegen (2023, TÜBİTAK-Projektbericht) variierten die Photoperiode der Muttertiere und fanden bei erwachsenen Söhnen verminderte Leydig-Zell-Gene bei unverändertem Testosteron; es ist ein Projektbericht ohne Zahlen im Abstract [[s75]]. Eine Arbeit zur Pinealektomie (Acisu und Kollegen 2025) modelliert Melatoninmangel, nicht Lichtexposition, und enthält im Abstract einen inneren Widerspruch zur Gruppe mit der höchsten DNA-Fragmentierung [[s40]]. Übersichten von Karabulut und Oria (2025, Zygote) und Ulusu (2026, Istanbul) zählen Licht in der Nacht und Lärm zu Stressoren mit schädlicher oder nützlicher Wirkung je nach Intensität, Dauer und Zeitpunkt, ohne Zahlen [[s16, s29]].

**Tierversuch zu Lärm und Berufsstudien.** Tanyeri und Yüce (2019, Fırat Üniversitesi; „Ratlarda Farklı Şiddetlerdeki Gürültünün Oksidatif Stres Parametreleri ve Sperm Kalitesi Üzerine Etkisi“, Wirkung von Lärm unterschiedlicher Intensität auf oxidative Stressparameter und Spermienqualität bei Ratten) hielten 28 männliche Wistar-Albino-Ratten über 60 Nächte jeweils 12 Stunden bei 60, 80 oder 100 dB (8.000 Hz) im Vergleich zur Kontrolle. Bei hohem Lärm stiegen Malondialdehyd und der Anteil abnormer Spermien, bei niedrigem und mittlerem Lärm stiegen Katalase und Glutathionperoxidase ebenfalls; Zahlen nennt der Abstract nicht. Es ist die einzige türkische Lärmstudie mit direkter Spermienbeurteilung [[s130]]. Guven und Kollegen (2008, Düzce) verglichen 38 Mautstellen-Beschäftigte an Autobahnen mit 35 Büroangestellten: Verminderte Beweglichkeit lag bei 8 und niedrige Spermienzahl bei 7 Männern der Studiengruppe vor (Kontrollgruppe 2 bzw. 1), mit Unterschieden bei abnormer Spermienzahl (p = 0,002), Beweglichkeit (p = 0,003) und normaler Morphologie (p = 0,001). Die Exposition ist Dieselabgas; Verkehrslärm an der Mautstelle wurde weder gemessen noch ausgewertet [[s175]]. Zwei Fragebogenstudien (Zementwerk: 70 Männer gegenüber 70 im Büro; Kernbohrung: 75 gegenüber 75) nennen Lärm nur als allgemeines Risiko, enthalten keine Messungen und keine Samenwerte und eignen sich als Beleg für eine Lärmwirkung auf Spermien nicht [[s138, s139]].

**Erreichbarkeit.** Die Webseite von TR Dizin lieferte HTTP 403, die Suchschnittstelle gab aber JSON mit türkischen und englischen Abstracts zurück und war nutzbar. DergiPark-Artikelseiten und PDF-Volltexte waren erreichbar, die Suche ist durch eine Roboterprüfung blockiert. Crossref lieferte für türkische Titel nur Metadaten, OpenAlex antwortete mit einer Ratenbegrenzung (HTTP 429). Eine türkische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden; die Literatur ist klein, die Studien sind überwiegend Tierversuche oder Klinikauswertungen mit Mischexposition.

# Kapitel 05: Einordnung der Evidenz, Lücken und Quellenverzeichnis

Dieses Kapitel fasst zusammen, wo sich die Studien zu nächtlichem Licht, Bildschirmlicht, Verkehrs- und Fluglärm, Grünflächen und Wohnort widersprechen, wie belastbar die Evidenz insgesamt ist, was noch niemand untersucht hat und was sich daraus für die Lektüre der Studienlage ergibt. Alle Zahlen stammen aus den Abstracts bzw. Berichten, die in den Rechercheunterlagen ausgewertet wurden; Volltexte der Einzelstudien wurden nicht gelesen. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen des Quellenverzeichnisses am Ende des Kapitels. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beurteilung.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zu diesem Thema ist nicht nur dünn, sie ist an mehreren Stellen auch in sich widersprüchlich. Widersprüche sind dabei nicht automatisch ein Zeichen für fehlerhafte Studien. Sie entstehen häufig, weil Studien unter derselben Überschrift („Licht“, „Lärm“, „Wohnort“) Verschiedenes messen. Die folgenden acht Konstellationen sind die auffälligsten. Zu jeder werden die Befunde mit ihren Zahlen gegenübergestellt und die Erklärungen genannt, die sich aus den Studiendesigns oder aus den Aussagen der Autoren ergeben. Wo eine Erklärung nur eine naheliegende Deutung ist und von keiner Studie geprüft wurde, steht das ausdrücklich dabei.

### Dauerlicht schädigt, steigert oder verändert nichts: Tierversuche in beide Richtungen

Mehrere Tierversuche mit Dauerlicht berichten Schäden an Hoden und Hormonen. In einer Wolgograder Serie wurden 66 männliche Ratten untersucht (24 Tiere als negative Kontrolle mit Zwölfstundenzyklus, 26 als positive Kontrolle mit 30 Tagen 24-Stunden-Kunstlicht bei 300 lx, 16 mit anschließender Melatoningabe). Nach den 30 Tagen war die Dicke des Keimepithels um 26,3 % verringert (p < 0,001) [s99]; das Serumtestosteron lag um 51,4 % niedriger, das Corticosteron um 24,28 % höher, und das Klotho-Protein im Serum war um 41,4 % vermindert [s82]. Die Zahl der Sertoli-Zellen sank um 5,4 %, ihre Fläche um 12,4 %, und das FSH im Serum war 2,4-fach höher [s81]. In einem weiteren Versuch mit 48 Ratten (je 12 pro Gruppe) und zusätzlichem Nachtlicht von 350 bis 500 lx über 1, 10 oder 21 Tage lag der Median der Spermatiden in der Kontrolle bei 76 und nach 21 Tagen bei 59,5, nach einem bzw. zehn Tagen dagegen bei 74 und 72, also praktisch unverändert [s141]. Eine irakische Studie fand nach zehn Wochen Dauerlicht Störungen des Keimepithels, Zellablösung und Tubulusnekrose [s12]. Auch in einem ägyptischen Mausversuch gingen sowohl ein kurzer (6:18) als auch ein langer Tag (18:6) mit schlechterer Spermienqualität, niedrigerem Testosteron und niedrigerem Melatonin einher [s85].

Dem stehen Versuche gegenüber, in denen verlängertes Licht die Fortpflanzungsparameter verbesserte. Bei Ratten erhöhte Dauerlicht über 70 Tage die Gewichte von Hoden und Geschlechtsanhangsdrüsen sowie die Serumspiegel von FSH, LH und Testosteron; die Spermatogenese wurde nach den Autoren stimuliert [s163]. Bei Sprague-Dawley-Ratten mit 20 Stunden Licht und 4 Stunden Dunkelheit über zwölf Wochen stiegen Spermienzahl und Beweglichkeit, der Anteil abnormer Spermien sank, sowohl unter verlängertem Licht als auch unter verlängerter Dunkelheit [s123]. In einer arabischsprachigen Mausstudie mit je 36 Tieren pro Gruppe lag die Spermienzahl im Dauerlicht bei 1,54 × 10⁷/ml gegenüber 1,29 × 10⁷/ml in der Kontrolle (12:12), im Dauerdunkel dagegen bei nur 0,002 × 10⁷/ml [s174]. In diesem Versuch hat also die Dunkelheit, nicht das Licht, die Spermienzahl nahezu aufgehoben.

Zwischen diesen Polen liegen Versuche, die weder reines Dauerlicht noch reine Dunkelheit prüfen. Bei Ratten schädigte ein dynamisch wechselnder Licht-Dunkel-Dunkel-Licht-Zyklus Hodenindex, Testosteron und Beweglichkeit deutlich, ein fest invertierter Zyklus dagegen weniger [s10]. Bei Mäusen mit Hell-Dunkel-Verschiebung alle zwei Tage war die Spermienzahl in Kongressabstracts ab etwa der sechsten Woche signifikant niedriger [s144, s122]; sehr kurze Hell-Dunkel-Zyklen (4 h/4 h) senkten Fertilität, Konzentration und Beweglichkeit [s127].

Mögliche Erklärungen, soweit sie sich aus den Studien ableiten lassen:

- **Art der Störung.** Dauerlicht, verlängerte Lichtphasen, Verschiebung und schneller Wechsel sind biologisch unterschiedliche Eingriffe. Der Vergleich in [s10] spricht dafür, dass die Unvorhersehbarkeit des Wechsels mehr schadet als eine feste Umkehr.
- **Dauer der Beobachtung.** In [s141] zeigt sich ein Effekt erst nach 21 Tagen, in den Mausabstracts ab etwa sechs Wochen [s144]. Die Autoren von [s123] deuten ihre Befunde als Anpassung an eine chronische zirkadiane Störung. Ob Kurzzeitversuche Anpassung und Langzeitversuche Erschöpfung zeigen, ist eine Deutung, die keine der Studien direkt geprüft hat.
- **Messgröße.** Die russischen Serien messen überwiegend Histologie und Hormone, nicht Spermien [s99, s82, s81, s141]; die ägyptischen und saudischen Versuche zählen Spermien [s123, s174]. Ein Hoden kann histologisch verändert sein, ohne dass die Spermienzahl im Ejakulat bzw. Nebenhoden sofort sinkt.
- **Modellunterschiede.** Lichtstärke (300 lx, 350 bis 500 lx, 1.000 lx), Photoperiode, Tierstamm, Tierzahl und Kontrollbedingung unterscheiden sich. In [s141] erhielt die Kontrolle natürliches Licht und keinen streng kontrollierten Zwölfstundenzyklus.
- **Keine unabhängigen Wiederholungen.** Die drei Wolgograder Arbeiten [s99, s82, s81] beruhen auf demselben Tierversuch. Sie zählen als ein Experiment, nicht als drei.

Für die Frage nach Licht in der Wohnumgebung des Menschen ist dieser Widerspruch zudem von begrenzter Bedeutung: Dauerlicht mit 300 lx über 30 Tage oder eine Umkehr des Zyklus alle zwei Tage sind keine Modelle für Straßenbeleuchtung oder Bildschirmlicht am Abend.

### Schichtarbeit: erniedrigte Spermienzahlen, kein belegter Unterschied, höhere Werte

Schichtarbeit dient in der Literatur oft als Stellvertreter für Licht in der Nacht und zirkadiane Störung, ist aber kein Lichtmaß. In China war die Spermienzahl bei Wechselschichtarbeitern niedriger; das Risiko einer niedrigen Spermienzahl (unter 120 × 10⁶ pro Ejakulat) lag bei OR 1,26 (95-%-KI 1,05 bis 1,52), und bei Studierenden stieg die Chance je Stunde zirkadianer Desynchronisation auf 1,16 (1,02 bis 1,31) [s120]. In der Kohorte mit 3.425 Männern senkte Wechselschicht die Konzentration um 10,77 % (−18,89 bis −2,55), die Gesamtzahl um 11,63 % (−21,25 bis −2,02) und die Vitalität um 3,86 % (−7,00 bis −0,72), und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft innerhalb eines Jahres war mit HR 0,84 (0,70 bis 0,99) niedriger, innerhalb von zwei Jahren mit HR 0,86 (0,74 bis 1,01; p = 0,06) nicht mehr signifikant [s18]. In einer türkischen Klinikstudie war Schichtarbeit mit Oligozoospermie verbunden (OR 2,11; 1,03 bis 4,34) [s105].

Die Metaanalyse über acht Studien findet dagegen keinen statistisch belegten Unterschied: Spermienzahl −18,38 × 10⁶ (−59,82 bis 23,07; drei Studien; I² = 85,12 %), Serumtestosteron +15 ng/dl (−19,3 bis 49,39; fünf Studien; I² = 63 %); die meisten Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko [s41]. In der EARTH-Studie mit 377 Männern, von denen 9 % Abend- oder Wechselschicht berichteten, lagen nach dem Abstract Konzentration und Gesamtzahl sogar höher als bei Tagarbeitern (Hinweis: der Abstract nennt „ähnliche Ergebnisse“ wie beim häufigen Heben schwerer Gegenstände, dort +46 % bzw. +44 %), ebenso Testosteron (+24 %) und Östradiol (+45 %) [s74]. Ein ökologischer Befund aus 35 europäischen Ländern verbindet zehn Prozentpunkte mehr Rotationsschichtarbeit mit einer um 0,114 niedrigeren Gesamtfruchtbarkeitsrate [s108].

Mögliche Erklärungen:

- **Schichttyp.** In [s18] unterschieden sich feste Tagarbeiter und feste Schichtarbeiter nicht; nur die rotierende Schicht war auffällig. Wer Wechsel-, Dauer- und Abendschicht zusammenfasst, mischt unterschiedliche Belastungen. Die Metaanalyse [s41] konnte das mit drei bzw. fünf Studien je Endpunkt kaum auflösen.
- **Kollektiv und Selektion.** [s74] stammt aus einem Fertilitätszentrum und umfasst nur 9 % Schichtarbeiter; die Kohorte [s18] besteht aus Paaren mit Kinderwunsch. Beides sind selektierte Gruppen.
- **Heterogenität.** Die Metaanalyse [s41] zeigt mit I² von 85,12 % und 63 % große Unterschiede zwischen den Studien; das gepoolte Konfidenzintervall ist entsprechend breit.
- **Abhängige Datensätze.** [s120], [s18] und [s108] stammen aus derselben Chongqinger Forschungsgruppe. Dass drei Arbeiten dieselbe Richtung zeigen, ist daher keine dreifache unabhängige Bestätigung.
- **Schichtarbeit ist mehr als Licht.** Schlaf, Stress, Ernährung und Bewegung ändern sich mit. Ein Zusammenhang mit Schichtarbeit sagt nichts darüber, welcher dieser Teile wirkt.

### Lärm beim Menschen: erhöhtes Risiko, kein Zusammenhang, gegenläufige Muster

Die wenigen Humanstudien zu Lärm weisen nicht in dieselbe Richtung. In Korea war Nachtlärm von mindestens 55 dB mit einem erhöhten Chancenverhältnis für die Diagnose männliche Infertilität verbunden (OR 1,14; 1,05 bis 1,23), bei 206.492 Männern; je 1 dB gab es dagegen keinen Zusammenhang, nur ein nichtlineares Muster über Quartile [s143]. In einer Seouler Klinikkohorte (1.972 Männer) hatte das höchste Nachtlärmquartil ein 3,5-fach erhöhtes Chancenverhältnis für Oligozoospermie (1,18 bis 10,17), im dritten Quartil lag die OR für schwere Teratozoospermie jedoch bei 0,57 (0,33 bis 0,98) [s114]. In Dänemark war Straßenverkehrslärm bei Männern von 37 bis 45 Jahren mit HR 1,06 (1,02 bis 1,11) verbunden, bei Männern von 30 bis 36,9 Jahren dagegen mit HR 0,93 (0,91 bis 0,96) [s56]. Bei Frauen von 35 bis 45 Jahren betrug die HR 1,14 (1,10 bis 1,18) [s56]. Beim Arbeitslärm zeigte sich in einer US-Stichprobe nur im dritten Quartil ein niedrigeres Gesamttestosteron (−58,32 ng/dl; −111,22 bis −5,42), der Zusammenhang mit Hypogonadismus war nicht signifikant (OR 1,24; 0,64 bis 2,39) [s146]. In der Studie von Sheiner und Kollegen war Lärm in der Einzelbetrachtung mit männlicher Infertilität verbunden (OR 3,84; 1,63 bis 9,14), im multiplen Modell blieben aber nur Industrie- und Bauberufe sowie kognitive Erschöpfung unabhängige Faktoren [s178]. Ein deutschsprachiger Tierversuch von 1976 mit 21 Meerschweinchen (110 dB, 22 bis 31 Tage) fand keine Spermatogenesestörung, was der Autor auf Mängel der Versuchsanordnung zurückführt [s182]. Dagegen ergab die Metaanalyse von Nagerstudien eine große Testosteronsenkung (Hedges' g −2,41; −3,28 bis −1,54) [s154].

Mögliche Erklärungen:

- **Nichtlinearität und Schwellen.** Mehrere Studien finden keinen Effekt je Dezibel, aber ein Muster über Quartile oder ab einer Schwelle [s143, s114, s146]. Lineare und quartilsbasierte Auswertungen führen zu unterschiedlichen Aussagen.
- **Alter.** In [s56] kehrt sich die Richtung zwischen den beiden Altersgruppen um. Das könnte ein echter Alterseffekt sein oder Ausdruck von Zufall und unterschiedlicher Diagnosehäufigkeit; die Autoren selbst formulieren den Lärmeffekt bei Männern nur als potenziell.
- **Messgröße.** Eine Abrechnungsdiagnose [s143], eine Registerdiagnose [s56], eine Samenanalyse [s114] und ein Hormonwert [s146] erfassen verschiedene Dinge.
- **Expositionsmaß.** Lärm wurde auf Bezirksebene [s143], aus halbjährlichen, interpolierten Messungen [s114] oder nach Berufskategorie [s146] zugeordnet. Das erzeugt Fehlklassifikation, die Effekte verwischen oder erzeugen kann.
- **Kopplung mit anderen Belastungen.** Im Beruf treten Lärm, Schichtarbeit, Rauchen, Hitze und körperliche Belastung gemeinsam auf [s178]; im Wohnumfeld hängen Lärm, Luft, Licht und Sozialstatus zusammen.
- **Dosis im Tierversuch.** Die Nager erhielten rund 90 bis 120 dB, teils zwölf Stunden täglich [s168, s154]. Das ist mit Wohnumfeldlärm nicht vergleichbar. Zudem zeigt die Metaanalyse erhebliche Heterogenität (I² = 82 %) und Publikationsbias (p = 0,016); nach Einfügen zweier fehlender Studien sank der Effekt auf g = −1,53 (−3,01 bis −0,05) [s154].

### Grünflächen: überwiegend positiv, aber je Studie andere Parameter, ein neutrales Kollektiv und ein unerwartetes Schweizer Muster

Die Grünstudien sind das am dichtesten belegte Feld, und die Richtung ist in China weitgehend einheitlich. Je Interquartilsabstand mehr Grün (NDVI) stiegen in Guangdong Volumen (+0,034 ml), Gesamtspermienzahl (+4,06 × 10⁶) und der Anteil normaler Formen (+0,32 %) [s113]; in sechs Regionen Chinas Spermienzahl, progressive und Gesamtbeweglichkeit, wobei der Abstract die Einheit der Schätzer nicht nennt [s49]; in Hubei Konzentration (+1,68 %), progressive Beweglichkeit (+0,43 %) und Gesamtbeweglichkeit (+0,50 %) [s50]; in Zhejiang nur die progressive Beweglichkeit [s48]; in Sichuan sieben kinematische Größen zwischen +0,69 % und +3,37 % [s43]. Welche Parameter betroffen sind, ist von Studie zu Studie verschieden. Eine koreanische Klinikstudie mit 5.886 Männern fand dagegen überwiegend keine linearen Zusammenhänge; Ausnahmen waren NDVI innerhalb von 500 m und Vitalität (β 0,05; 0,01 bis 0,09) sowie einzelne Quartilsvergleiche, darunter ein Muster mit niedrigerer progressiver Beweglichkeit im zweiten Quartil des Abstands zu Süßwasser (β −0,10; −0,17 bis −0,03) [s104]. In einer Schweizer Stichprobe junger Männer (2.677) lag der dauerhaft niedrigste Cluster der Samenqualität in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend mit weniger Bebauung (Futter- und Feldfrüchte 52,0 % der Landnutzung gegenüber 28,3 % im Hotspot; bebaute Fläche 32,6 % gegenüber 53,3 %) [s34].

Selbst innerhalb einer Studie hängt das Ergebnis vom Maß ab: Bei der Fekundität in Nordamerika lag das Fekundabilitätsverhältnis für das jährliche NDVI-Maximum bei 1,33 (1,06 bis 1,67), für das saisonale Mittel bei 0,98 (0,73 bis 1,30) [s79]. Bei den Hormonen sank Testosteron bei Männern mit Ozon, aber die Abschwächung durch Grün wird im Abstract nur für Frauen berichtet [s95]; in einer anderen Auswertung der Henan Rural Cohort ging ein NDVI-Anstieg um 0,1 Einheiten mit 0,310 ng/ml höherem Serumtestosteron bei Männern einher [s112]. Und in mehreren Arbeiten wirkt Grün weniger als Haupteffekt denn als Modifikator der Luftschadstoffwirkung [s23, s05, s04, s19]; die Schutzwirkung war nach [s49] bei hohem PM1 und PM2,5 stärker, nach [s23] bestand für Ozon und NDVI ein antagonistisches Muster.

Mögliche Erklärungen:

- **Kollektive.** Die positiven Studien nutzen Spenderkollektive (junge, gesunde Männer) oder Infertilitätskliniken in China, die koreanische Studie ein einzelnes Kinderwunschzentrum, die Schweizer Studie Männer bei der Musterung. Die Zusammensetzung der Gruppen und der Wohngegenden ist verschieden.
- **Expositionsmaß.** NDVI misst Vegetation von oben, nicht Zugang, Nutzung oder Erholungswert. Das Ergebnis hängt von der Puffergröße ab: In [s43] zeigten kleine Puffer stärkere nichtlineare Muster für konventionelle, große Puffer für kinematische Parameter.
- **Auswahl der Zielgröße.** Studien prüfen viele Parameter, Puffer und Zeitfenster. Dass jeweils ein anderer Parameter signifikant wird, ist mit kleinen echten Effekten vereinbar, aber auch mit zufälligen Treffern bei vielen Tests; der Abstract von [s43] nennt keine Korrektur für multiples Testen.
- **Luftqualität und Sozialstatus.** Grün, Luftschadstoffe, Lärm, Licht und sozioökonomische Lage hängen im Wohnumfeld zusammen. Nach [s48] vermittelten NO2 und CO einen Teil des Zusammenhangs; nach [s14] ist auch die Nachbarschaftsdeprivation ein starker Wohnortfaktor.
- **Gleiche Datenquellen.** Mehrere chinesische Arbeiten nutzen überlappende Spenderbanken oder dieselbe Kohorte [s113, s43, s50, s05]. Übereinstimmung ist dort keine unabhängige Bestätigung.
- **Landwirtschaftlich geprägte Gegend.** Für den Schweizer Befund [s34] wurde keine Ursache geprüft; im Abstract wird keine untersucht. Die Studie zeigt aber, dass „weniger Bebauung“ nicht gleichbedeutend mit „besseren Werten“ sein muss.

### Tageslicht und Nachtlicht, Pubertät und Erwachsenenalter: dieselbe Größe „Licht“, entgegengesetzte Vorzeichen

Helles Licht ist nicht pauschal ungünstig. In der NHANES-Auswertung mit 2.209 Männern war helles Licht (über 2.000 lx) mit höherem Serumtestosteron verbunden: +15,16 ng/dl je zehn Minuten pro Tag (p = 0,008), am Nachmittag +16,72 ng/dl (p = 0,006), stärker bei geringer Basisexposition [s03]. Nächtliches Außenlicht dagegen war bei 1.991 Samenspender-Kandidaten mit niedrigerer Gesamtbeweglichkeit (−4,740 je 100 nW/cm²/sr; −8,853 bis −0,628) und niedrigerer nichtprogressiver Beweglichkeit verbunden [s58]. Bei 14.239.365 Paaren verlängerte mehr Nachtlicht die Zeit bis zur Schwangerschaft (Zeitverhältnis 1,0340; 1,0326 bis 1,0354) [s31]. Bei Kindern in Anhui begann die Pubertät in der höchsten Schlafzimmerlicht-Gruppe 3,84 Monate (Jungen) bzw. 4,12 Monate (Mädchen) früher; je 30 Minuten mehr Licht ab 3 lx stieg die Hazard Ratio für frühere Hodenentwicklung auf 1,09 (1,02 bis 1,16) [s20]. Im Rattenversuch verfrühte blaues Licht den Pubertätseintritt (Mediantag 38 in der Kontrolle, 30 nach sechs, 28 nach zwölf Stunden), während mit zunehmender Expositionsdauer die Spermatogenese zunehmend unterdrückt wurde [s78]; schwaches Nachtlicht verfrühte die Präputialtrennung, obwohl Testosteron sank [s21].

Mögliche Erklärungen:

- **Tageszeit, Intensität, Spektrum.** [s03] misst helles Licht am Tag, [s58] künstliches Außenlicht bei Nacht, [s20] Licht im Schlafzimmer. Das sind unterschiedliche Expositionen. Dass Licht tagsüber und nachts verschieden wirken kann, ist eine Annahme aus der Chronobiologie, die diese Studien nicht prüfen.
- **Querschnitt und umgekehrte Kausalität.** [s03] ist eine Querschnittsstudie; wer fitter ist, hält sich vielleicht mehr draußen auf. Zudem unterscheidet die 2.000-lx-Schwelle nicht zwischen hellem Innenraum und Sonne.
- **Entwicklungsphase.** Pubertät, junges Erwachsenenalter und höheres Alter sind verschiedene Zeitfenster. Der Befund beschleunigter Pubertät [s20, s78, s21] sagt nichts über die Samenqualität im Erwachsenenalter.
- **Expositionsmaß.** Satellit am Wohnort [s58, s31] gegenüber persönlicher Messung im Schlafzimmer an nur zwei Nächten [s20] gegenüber Handgelenksensor [s03].
- **Paarebene.** [s31] misst die Fekundität des Paares; der Beitrag des Mannes ist nicht abtrennbar, und die Effekte sind mit einem Zeitverhältnis von 1,034 klein und werden erst durch die Stichprobengröße signifikant.

Hinzu kommt der Befund der Lichtfarbe im Rattenversuch: Beim Malondialdehyd lagen Orange (2,77 nmol/ml) und Rot (4,27) deutlich unter Violett (7,07), Blau (7,52) und Weiß (8,59), bei der Beweglichkeit hatte Blau mit 29,16 % den niedrigsten Wert [s25]. Weißes LED-Licht erhöhte dagegen das Hodengewicht, blaues senkte Melatonin und Beweglichkeit [s63]. Ein Vergleich von Lichtfarben ist kein Vergleich von Licht mit Dunkelheit.

### Bildschirm- und Mobilgeräte: Zusammenhänge, kein Dosisbezug und ein genetischer Nullbefund

Die Studien zu Bildschirm- und Mobilgeräten messen überwiegend nicht das Licht. Je Stunde Telefonieren sanken Konzentration um 8,0 % (−15,2 bis −0,2) und Gesamtzahl um 12,7 % (−21,3 bis −3,1) bei Spenderkandidaten [s84]; eine zweite chinesische Querschnittsstudie fand schwache negative Zusammenhänge der Nutzungsdauer mit der Beweglichkeit [s97]. Die Metaanalyse mit 18 Studien und 4.280 Proben fand verminderte Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration, aber keinen Zeit-Dosis-Zusammenhang [s109]. Die Mendelsche Randomisierung fand für genetisch bedingte Nutzungsdauer keinen Zusammenhang mit abnormen Spermienparametern, Testosteron oder Hodenfunktionsstörung [s42]. Die AUA/ASRM-Leitlinie beschreibt für Mobiltelefone „niedrige Qualität, kein Effekt“ [s54]. Unter den Studien zum Bildschirmlicht im engeren Sinn ist die Korrelationsstudie bei 116 Männern zu nennen: Smartphone- und Tabletnutzung am Abend und nach dem Zubettgehen korrelierten negativ mit der Spermienbeweglichkeit (−0,392 bzw. −0,369) [s116]. Für Fernsehzeit über 20 Stunden pro Woche zeigte sich eine um 44 % niedrigere Konzentration (15 bis 63 %), bei p-Trend 0,05 [s156], während eine Übersicht über 16 Studien zum Sitzen den Zusammenhang als schwach und inkonsistent einstuft [s38]. Die Laptop-Studie aus Jamaika berichtet eine adjustierte OR von 15,9 (2,5 bis 103,3) für niedriges Samenvolumen bei zwei bis fünf Stunden Laptopnutzung, aber keinen signifikanten Zusammenhang mit der gesamten beweglichen Spermienzahl [s57].

Mögliche Erklärung: Die Studien verwenden Stellvertretergrößen. Nutzungsdauer steht für Hochfrequenzfelder, Wärme, Sitzen, Schlafmangel oder Lebensstil, nicht für das Licht des Bildschirms. Mit Headset-Nutzung war in [s84] der Zusammenhang zwischen Telefonierzeit und Beweglichkeit stärker, was eher auf andere Mechanismen als Licht deutet. Das Konfidenzintervall in [s57] ist extrem weit. Dass die genetisch gestützte Analyse keinen Effekt zeigt [s42], die Beobachtungsstudien aber schwache Zusammenhänge, ist mit Störgrößen in den Beobachtungsstudien vereinbar, ebenso mit einer zu groben Expositionsmessung in der genetischen Analyse, wie deren Autoren selbst anmerken.

### Stadt und Land: ländlich besser, ländlich schlechter, Verkehrsnähe ohne Effekt

Zwei chinesische Studien fanden bei Männern aus ländlichen Gebieten eine bessere Samenqualität [s159, s93]. In Chongqing war das Stadtgebiet stärker belastet (PM10, SO2, NO2), und diese Schadstoffe waren signifikant mit weniger normalen Formen verbunden (p < 0,001) [s159]. In Wenzhou hatten Arbeiter und Männer über 40 Jahre signifikant schlechtere Samenqualität [s65]. Im Iran war Infertilität in städtischen Gebieten signifikant häufiger als in ländlichen (p < 0,003), ohne Spermiogramm [s102]. Die Schweizer Studie lieferte den umgekehrten Befund: Der niedrigste Cluster lag in einer ländlichen, landwirtschaftlich geprägten Region [s34]. In Subsahara-Afrika sank die abgeschlossene Kinderzahl städtischer Männer schneller als die ländlicher [s72]. Dass Wohnen nahe einer Hauptstraße nicht mit veränderten Samenwerten einhergeht, zeigte eine US-Studie mit 797 Männern: Je 500 m Mehrabstand änderten sich Konzentration um 4,3 % (−5,8 bis 15,7) und Gesamtzahl um 3,1 % (−7,2 bis 14,5), beides statistisch unauffällig [s136]; bei Frauen war ein Wohnort unter 50 m an einer Hauptstraße in den USA mit einem Fekundabilitätsverhältnis von 0,88 (0,80 bis 0,98) verbunden, in Kanada mit 0,93 (0,74 bis 1,16) [s126]. In Georgia (USA) sank die gesamte bewegliche Spermienzahl mit steigender Nachbarschaftsdeprivation (B = −0,403; p < 0,001) [s14].

Mögliche Erklärungen: „Wohnort“ bündelt Luft, Lärm, Licht, Grün, Verkehr, Beruf und Sozialstatus. Die chinesischen Stadt-Land-Unterschiede werden von den Autoren auf Schadstoffe zurückgeführt [s159]; in der Schweiz kommt eher eine Belastung durch die Landwirtschaft in Betracht, was der Abstract aber nicht untersucht [s34]. Die Verkehrsnähe misst nach den Autoren von [s136] eher verkehrsbedingte Luftschadstoffe als Lärm. Die Deprivationsstudie [s14] weist darauf hin, dass der Wohnort auch sozialer Kontext ist; Zusammenhänge mit Lärm, Licht und Grün können damit vermengt sein. Auf Bevölkerungsebene kommen Unterschiede der Kinderzahl [s72] durch soziale und demografische Vorgänge zustande, nicht nur durch die Samenqualität.

### Zeitreihen: sinkend, steigend, gemischt

Zeitliche Vergleiche gehen ebenfalls in verschiedene Richtungen. In Rostow sank der Anteil normaler Ejakulate von 66 % (2011) auf 47 % (2021), je 200 Proben [s60]; im Kusbass sank die Spermienkonzentration zwischen 2002 und 2009 um 22 % [s172]. In Wenzhou stiegen von 2014 bis 2019 progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Volumen linear, während die normale Morphologie sank (p = 0,046) [s65]. Die Autoren der russischen Arbeit führen die Veränderung auf Luftverschmutzung zurück, ohne sie mit individuellen Messungen zu verknüpfen [s60]; die Wenzhouer Autoren verbinden den Anstieg mit besserer Umweltqualität, ebenfalls ohne individuelle Exposition [s65]. Das ist jeweils eine Deutung. Zusammensetzung der Proben, Selektion in Reproduktionszentren und wechselnde Referenzgrenzen sind als Störgrößen nicht ausgeschlossen; in [s60] bleibt unklar, welche WHO-Grenze für welches Jahr galt.

### Was die Widersprüche gemeinsam zeigen

Fast alle Widersprüche lassen sich auf vier Ursachen zurückführen. Erstens messen die Studien unter derselben Überschrift Verschiedenes (Dauerlicht, Schichtarbeit, Satellitenlicht, Schlafzimmerlicht, Nutzungsdauer). Zweitens sind die Zielgrößen verschieden (Diagnose, Samenparameter, Hormon, Fekundität des Paares, Pubertätsbeginn). Drittens unterscheiden sich die Kollektive und deren Selektion. Viertens sind die Effekte klein, sodass Zufall, Störgrößen und Auswertungsentscheidungen leicht die Richtung kippen können. Ein Widerspruch zwischen zwei Studien ist deshalb meist kein Grund, eine der beiden zu verwerfen, aber auch kein Beleg für eine versteckte Wirkung.

## Limitationen der Evidenz

### Informationsbasis dieser Auswertung

Die Aussagen dieses Kapitels beruhen auf Abstracts, nicht auf Volltexten. Für alle drei Recherchegruppen gilt, dass Kovariaten, Modellvarianten und Sensitivitätsanalysen oft nur im Volltext stehen; ein fehlender Wert ist deshalb nicht „nicht berichtet“, sondern nur „nicht abrufbar“. Nur die beiden Leitlinien AUA/ASRM und EAU wurden im Volltext bzw. als Kapiteltext durchsucht [s54, s183]. Mehrere Abstracts nennen keine Zahlen, etwa zu Hell-Dunkel-Verschiebung bei Mäusen [s144, s135, s122, s89], zu Innen- und Außenluft [s04], zu PM2,5-Bestandteilen [s19], zu zirkadianer Störung und Spermien-DNA-Schäden [s22], zu Lärm und Kohlenmonoxid [s69] oder zu den Rattenversuchen mit wechselnden Lichtprotokollen [s10]. Vier der japanischen Beiträge sind Kongress- bzw. Symposiumsabstracts, keine begutachteten Vollpublikationen [s144, s135, s122, s89]. Preprints, Leserbriefe und Berichtigungen wurden nicht ausgewertet; für die Zhejiang-Studie [s48] besteht eine Berichtigung (Corrigendum, PMID 40157846), deren Inhalt im abgerufenen Eintrag nicht ausgeführt ist.

### Fehler und Unklarheiten in den Abstracts selbst

Mehrere Abstracts enthalten Angaben, die sich nicht ohne Weiteres übernehmen lassen:

- Bei [s58], der einzigen Humanstudie mit Spermienparametern und Außenlicht, sind die Konfidenzintervalle mit vertauschten bzw. fehlenden Vorzeichen gedruckt („0,073, −0,014“). Hier und im Text dieses Kapitels sind die Intervalle unter der Annahme eines Satzfehlers mit negativen Grenzen gelesen (zum Beispiel −8,853 bis −0,628 für die Gesamtbeweglichkeit); das ist eine Annahme und keine Angabe der Autoren.
- Bei [s178] steht für Schweißen eine OR von 4,40 mit einem Konfidenzintervall von 1,11 bis 1,76, das den Punktschätzer nicht einschließt; der Wert wurde nicht ausgewertet.
- Bei [s45] nennt der Abstract für die klinische Schwangerschaft ein OR von 4,67 (3,08 bis 7,09) bei „geringerer Wahrscheinlichkeit“, ohne die Referenzkategorie zu erklären. Eine Deutung ist nur unter Annahme einer umgekehrten Kodierung möglich; sie wurde hier nicht verwendet.
- Bei [s117] weichen Text und Tabelle voneinander ab (abnorme Formen 59,26 gegenüber 59,62; p = 0,0008 im Text gegenüber p < 0,001 im Abstract), die „nicht exponierte“ iOAT-Gruppe zeigt eine auffällig enge Verteilung der Konzentration (11,97 ± 1,25 Mio/ml), und die Lichtstärke wurde nicht gemessen.
- Bei [s141] lassen sich die Prozentangaben im Text nicht eindeutig aus den Tabellenmedianen herleiten (Spermatiden Tag 1: Tabelle 74 gegen 76, Text −7,9 %), und p-Werte werden als „0,00“ berichtet. Bei [s40] widerspricht sich der Abstract bei der Gruppe mit der höchsten DNA-Fragmentierung.
- Bei [s71] bleibt offen, welcher der beiden Mittelwerte zur exponierten Gruppe gehört; die Effektstärken sind sehr klein (Cohen d 0,033 bis 0,181), und eine Korrektur für multiples Testen wird nicht erwähnt.
- Bei [s101] deuten die Autoren Regressionskoeffizienten als „Chance um das 33,35-Fache“, was bei Mittelwertunterschieden nicht zutrifft. Bei [s11] sind die Konfidenzintervalle für die Heterogenität (I² = 72 % bzw. 65 %) auffallend schmal; da nur der Abstract geprüft wurde, ist die Zahl nicht überprüfbar und mit Vorsicht zu lesen. Der Abstract wurde für dieses Kapitel erneut abgerufen; die Zahlen (PM2,5: −5,5 Mio/ml; −6,05 bis −5,11; NO2: −4,3 Prozentpunkte; −4,52 bis −4,11) stehen dort so, ihre Plausibilität bleibt eine Einschätzung.
- Bei mehreren Abstracts fehlt die Einheit der Effektschätzer (etwa [s49], [s98]; in [s43] ist die Bezugsgröße der Prozentwerte nicht genannt). Die Diagramme der Synthese tragen diese Einschränkung in der Achsenbeschriftung.

### Studienpopulationen: Spender, Klinikkollektive und geografische Schieflage

Die meisten Samenstudien stammen aus zwei Quellen: Samenspenderbanken (junge, gesunde, selektierte Männer) und Kinderwunsch- bzw. Infertilitätskliniken. Beide Gruppen sind nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Spender haben ein enges Alters- und Gesundheitsprofil [s58, s113]; Klinikmänner kommen mit einem Kinderwunsch und teils bekannter Infertilität [s114, s104, s50]. Die Evidenz zu Grünflächen stammt fast ausschließlich aus Ostasien, überwiegend aus China; die einzige nichtchinesische Studie mit Samenparametern ist das koreanische Kollektiv [s104]. Der Schwerpunkt Chinas ist in den Rechercheberichten deutlich: In der chinesisch-japanisch-koreanischen Recherche stammten 44 von 58 Quellen aus Festlandchina. Die Schweizer Musterungsstichprobe [s34] ist eine der wenigen Ausnahmen von Spender- und Klinikkollektiven, ihre Fallzahl für Einzelanalysen ist nach den Autoren begrenzt. Dazu kommt eine zeitliche Konzentration: 46 der 183 Quellen des Verzeichnisses stammen aus 2025 und 2026, Langzeitbeobachtung und Replikation sind entsprechend selten.

### Expositionsmessung

Die Exposition wird fast nie am Menschen gemessen. Außenlicht wird per Satellit der Wohnadresse zugeordnet [s58, s31], Lärm auf Bezirksebene [s143] oder aus halbjährlichen, interpolierten Messungen [s114], Grün als NDVI in Pufferzonen um die Wohnadresse [s113, s50, s43]. Aufenthaltsorte, Arbeitsplatz, Innenraumlicht, Vorhänge, Schlafzimmerlage, Bildschirmnutzung und Gehörschutz bleiben unberücksichtigt. Der NDVI misst Vegetation von oben, nicht Zugang, Nutzung oder Erholungswert von Grünflächen. In der einzigen Studie mit Nachtlicht und Melatonin war die nächtliche Lichtexposition nicht quantifiziert (keine Lux- oder Zeitangaben) und an Nachtschichtarbeit gekoppelt [s117]. Individuelle Lichtmessung gab es nur bei Kindern, und dort an zwei Nächten [s20], sowie bei den Handgelenksensoren für Tageslicht [s03]. Die Zuordnung zu einem Zeitfenster (0 bis 90 Tage vor der Probe) berücksichtigt zwar die Dauer der Spermatogenese, aber nicht die tatsächlichen Aufenthaltsorte in diesem Zeitraum. Fehlklassifikation der Exposition verschiebt Effekte in nicht vorhersagbarer Richtung, meist in Richtung eines geringeren, kann aber auch Scheinzusammenhänge erzeugen.

### Zielgrößen

Viele Studien messen nicht die Samenqualität. Zielgrößen sind Registerdiagnosen der Infertilität [s143, s56], die Zeit bis zur Schwangerschaft des Paares [s31, s142, s79, s126], die Gesamtfruchtbarkeitsrate eines Landes [s108], Serumtestosteron [s03, s146], Pubertätsbeginn [s20, s78] oder ein Biomarker wie die mitochondriale DNA im Samen [s07]. Fekundität ist ein Paarmaß; der männliche Anteil ist nicht abtrennbar. In mehreren dieser Studien sind die untersuchten Personen Frauen bzw. Mütter, nicht Männer [s142, s79, s126]. Auch die Samenparameter selbst schwanken: Nach einer Auswertung von 33.430 Samenproben waren die meisten Parameter zwischen 11:00 und 15:00 Uhr am besten, und jede Stunde früher oder später als 11:00 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung verbunden [s87]. Jahreszeit und Temperatur verändern Konzentration und Gesamtzahl [s118, s90, s53]; Region, Alter, Karenzzeit und Jahreszeit sind wichtige Determinanten [s176]. Wer Samenwerte verschiedener Studien vergleicht, vergleicht daher auch Entnahmezeitpunkt, Jahreszeit und Methodik (WHO-Handbuch 2010 bzw. 5. Auflage, SCSA bei DNA-Fragmentierung).

### Störgrößen und Mischexposition

Wohnumgebung und Beruf bündeln Belastungen. Lärm, Luftschadstoffe, Licht, Grün, Verkehr und Sozialstatus hängen zusammen [s14, s159]. In einigen Studien wurde für Feinstaub adjustiert [s143, s56] oder die Luftqualität gleichzeitig modelliert [s49, s43], in anderen nicht oder im Abstract nicht erwähnt [s58]. Im Beruf treten Lärm, Vibration, Hitze, Chemikalien und Schichtarbeit gemeinsam auf, so dass kein Studienergebnis Lärm isoliert [s162, s161, s111, s178]. Bei Schichtarbeit sind Licht, Schlafmangel, Stress, Ernährung und Bewegung vermengt [s120, s18]. Verwandte Befunde zeigen dieselbe Schwierigkeit: Schlafstörungen mit niedrigerer Gesamtspermienzahl, Konzentration, progressiver Beweglichkeit und normaler Morphologie [s98], obstruktive Schlafapnoe mit niedrigerer Konzentration und Testosteron bei zugleich höherem BMI [s44]. Die Mendelsche Randomisierung zu Schlafmerkmalen fand dagegen nur für den Chronotyp einen suggestiven Zusammenhang mit bioverfügbarem Testosteron (IVW-OR 1,07; 1,04 bis 1,12) und sonst keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit männlicher Fertilität [s52]. Eine einfache Kausalkette „Licht, Schlaf, Samenqualität“ ist damit nicht belegt.

### Statistik: kleine Effekte, große Stichproben, weite Intervalle

Die Effekte sind klein. Bei Millionen Paaren genügt ein Zeitverhältnis von 1,034 oder 0,988 für statistische Signifikanz [s31]; für Grün liegen die Effekte pro Interquartilsabstand im Bereich von Zehntelprozent bis wenigen Prozent [s113, s50]. Dem steht die natürliche Streuung gegenüber: In einer Stichprobe gesunder chinesischer Männer lag die mediane Konzentration bei 65 × 10⁶/ml (5. bis 95. Perzentil: 20 bis 150) und die Gesamtzahl bei 154 × 10⁶ (29 bis 421) [s176]. Ein Effekt von 4,06 × 10⁶ Spermien insgesamt [s113] ist gegenüber dieser Streuung klein. Umgekehrt haben kleine Studien sehr weite Intervalle: OR 3,5 mit Intervall 1,18 bis 10,17 bei 3,3 % Oligozoospermie [s114], OR 15,9 mit Intervall 2,5 bis 103,3 [s57], Subgruppen von 16 Männern [s117]. Zahlreiche Studien prüfen viele Parameter, Puffer, Zeitfenster und Untergruppen, ohne dass im Abstract ein Umgang mit multiplem Testen erkennbar ist [s43, s104, s71]. Ein p-Trend von 0,05 bzw. 0,06 [s156] und ein p-Wert von 0,06 für den Zwei-Jahres-Effekt [s18] liegen im Grenzbereich. Und: Nicht signifikante Ergebnisse (etwa [s136], [s41]) sind kein Beleg für die Abwesenheit eines Effekts, sondern häufig Ausdruck zu geringer Aussagekraft.

### Überlappende Datensätze und Mehrfachverwertung

Mehrere Studien teilen Datenquellen. Die Spendergruppen aus Guangdong, Sichuan, Hubei und die PREBIC-Kohorte in Chongqing werden von mehreren Arbeiten ausgewertet [s113, s43, s50, s05, s18]; die Rechercheberichte weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies keine unabhängigen Bestätigungen sind. Die Chongqinger Gruppe zu zirkadianer Störung und Schichtarbeit liefert [s120, s108, s18, s07]. Die drei Wolgograder Arbeiten zu Dauerlicht [s99, s82, s81] beruhen auf demselben Tierversuch. Die iranische Gruppe aus Ahwas zu Lärm [s168, s164, s167, s165, s166] benutzt einen eng verwandten Versuchsaufbau, und die Beschriftung der Gruppen stimmt zwischen zwei Veröffentlichungen nicht überein, was auf Mehrfachverwertung desselben oder eines ähnlichen Experiments hindeutet (Anmerkung der Recherche). Wo „zehn Studien“ gezählt werden, sind es also oft weniger unabhängige Datensätze.

### Tierversuche

Die Tierversuche arbeiten mit starken Reizen: Schallpegel von 90 bis 130 dB, teils zwölf Stunden täglich [s168, s147, s88]; Dauerlicht mit 300 lx über 30 Tage [s99]; Umkehr des Lichtzyklus alle zwei Tage oder wöchentlich [s144, s22]. Die Gruppen sind klein (je 5 Tiere bei [s88], je 6 bei [s78], acht Mäuse je Gruppe bei [s101]). Die Metaanalyse der Nagerstudien zu Lärm zeigt Heterogenität (I² = 82 %) und Publikationsbias [s154]. Tierarten, Stämme, Expositionsdauern und Zielgrößen sind nicht vereinheitlicht. Die Mechanismen (Zirbeldrüse und Melatonin, Leydig-Zell-Funktion, oxidativer Stress, Apoptose, Uhrengene, Spermien-DNA-Reparatur) sind in Tiermodellen und Zellversuchen beschrieben [s10, s22, s170, s68], aber nicht am Menschen belegt. Schutzstoffe in Tierversuchen (zum Beispiel Betanin, Pterostilben, Melatonin, Genipin, Sericin) werden hier nur als experimentelle Befunde berichtet [s47, s69, s82, s127, s85].

### Grenzen der Literatursuche

Die Recherche war von technischen Zugangsgrenzen betroffen. Nicht durchsucht werden konnten Cairn, SciELO und LILACS (Zugriffssperren), CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed und DBpia (nicht erreichbar oder nicht abfragbar), eLIBRARY.ru und Mandumah (kein Zugang). Die portugiesischsprachige Literatur ist daher nur über die PubMed-Indexierung erfasst, die chinesische, japanische und koreanische Fachliteratur außerhalb von PubMed gar nicht systematisch. Die Trefferlisten aus Europe PMC und CyberLeninka wurden nach Stichwörtern gefiltert, nicht jedes Ergebnis wurde gelesen. Die Aussage, es gebe keine Leitlinie zu Lärm, Licht oder Grün, ist für ESHRE, AWMF und die Società Italiana di Andrologia nicht bewiesen, sondern beruht darauf, dass kein Leitlinientext auffindbar war. Eine PubMed-Suche nach Cochrane-Übersichten lieferte keine zum Thema. Das Fehlen einer Studie in dieser Auswertung ist deshalb kein Beweis, dass sie nicht existiert.

### Leitlinien, Übersichten und die Bewertung der Evidenz

Keine der erreichbaren Leitlinien behandelt die Faktoren. Die AUA/ASRM-Leitlinie bezeichnet Lebensstilfaktoren als „sehr schwer zu untersuchen“, nennt zu Schlaf, Sport, Hitze und weiteren Faktoren „no systematic reviews met inclusion criteria“ und führt Außenluftverschmutzung mit „Evidence inconclusive“; Lärm, Licht in der Nacht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen als Faktoren nicht vor [s54]. Das EAU-Kapitel zur männlichen Infertilität erwähnt Umwelttoxine, oxidativen Stress und die Anamnese von Lebensstil und Umweltexposition, enthält aber keine Aussage zu Lärm, Licht, Grün, Wohnort oder Schichtarbeit [s183]. Die französische CNGOF-Leitlinie nennt in ihrem Abstract nichts zu den Faktoren [s55]. Der Umbrella-Review über 43 Studien und 67 Risikofaktoren stufte nach GRADE 136 von 249 Effektgrößen (54,6 %) als „sehr niedrig“, 59 (23,7 %) als „niedrig“ und 54 (21,7 %) als „moderat“ ein; Lärm, Licht und Grünflächen kommen im Abstract nicht vor [s17]. Für Lärm und Gesundheit insgesamt bewertet die britische Übersicht die meiste Evidenz als niedrige Qualität, wobei Spermienqualität im Abstract nicht genannt wird [s115]. Zu Schichtarbeit beschreibt die Übersicht von Deng und Kollegen, dass die Maßnahmen gegen Schläfrigkeit nur begrenzte Evidenz haben [s133]; die Übersicht zu Schlaf und Fertilität spricht von „kaum vergleichbaren“ Ergebnissen wegen heterogener Methoden [s103].

## Offene Forschungsfragen

Die Literatur lässt eine Reihe von Fragen offen, die sich aus den beschriebenen Lücken ergeben. Es handelt sich um Fragen an die Forschung, nicht um Empfehlungen.

**1. Fluglärm.** Keine einzige gefundene Studie untersucht Fluglärm als Exposition und Spermienqualität oder männliche Fertilität als Ergebnis, weder in den englisch-, deutsch-, französisch-, italienisch-, portugiesisch- und spanischsprachigen Suchen noch in den ostasiatischen, russischen, arabischen und türkischen. Fluglärm kommt nur als eine von mehreren Lärmquellen bei Krebsendpunkten vor [s115]. Offen ist, ob Fluglärm sich von Straßenverkehrslärm unterscheidet, etwa durch Spitzenpegel, Nachtflugzeiten oder Tonhöhe, und ob Flughafenumgebungen mit Registerdaten untersuchbar wären.

**2. Lärm im Schlafzimmer statt im Bezirk.** Die vorhandenen Humanstudien ordnen Lärm Bezirken oder Adressen zu [s143, s114, s56]. Unbekannt ist, ob Innenraumpegel, Schlafzimmerlage oder Schallschutz die Zusammenhänge verändern. Auch die Frage nach nichtlinearen Schwellen (ab etwa 55 dB nachts in zwei koreanischen Studien) wartet auf Bestätigung außerhalb Koreas [s143, s114].

**3. Persönlich gemessenes Licht bei erwachsenen Männern mit Samenparametern.** Für Erwachsene gibt es eine Studie zu Außenlicht per Satellit mit Spermienparametern [s58] und eine Studie ohne gemessene Lichtstärke [s117]. Persönliche Messungen von Schlafzimmerlicht liegen nur bei Kindern in Bezug auf die Pubertät vor [s20]; Handgelenksensoren wurden nur für Tageslicht und Testosteron genutzt [s03]. Ob Licht im Schlafzimmer, Licht beim Einschlafen oder Außenlicht den relevanten Teil der Exposition ausmacht, ist offen. Dazu gehört die Frage nach Spektrum und Intensität; Hinweise auf Farbabhängigkeit stammen nur aus Rattenversuchen [s25, s63, s78].

**4. Bildschirmlicht getrennt von Hochfrequenzfeldern, Wärme und Sitzen.** Die Studien zu Geräten messen Nutzungsdauer. Offen ist, ob das abendliche Licht selbst eine Rolle spielt. Die einzige Studie mit gezielter Frage nach Abend- und Nachtlicht von Geräten ist eine Korrelationsstudie mit 116 Männern ohne erkennbare Adjustierung im Abstract [s116].

**5. Gemeinsame Modellierung von Licht, Lärm, Grün, Luft und Sozialstatus.** In den gefundenen Studien wurden Lärm, Licht und Grün nie gemeinsam modelliert; die koreanische Landnutzungsstudie [s104] kommt dem am nächsten, betrachtet aber Abstand zu Wasser, Küste, Straße und NDVI statt Lärm und Licht. Ob Lärm und Licht einen Teil des Grüneffekts erklären, oder ob Grün Lärm und Licht abschwächt, ist offen. Ebenso offen ist, ob die in mehreren Studien beobachtete Wirkungsmodifikation von Grün bei Feinstaub und Ozon [s49, s23, s05] ein stabiler Befund ist.

**6. Grün außerhalb Ostasiens und jenseits des NDVI.** Es fehlen Studien mit Samenparametern in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Südasien, mit Ausnahme der koreanischen Studie [s104]. Offen ist außerdem, ob Zugang zu Grünflächen, Nutzung, Aufenthaltsdauer oder bloße Sichtbarkeit der Vegetation zählt. Als Vermittler sind in den Abstracts Luftschadstoffe genannt [s48, s04]; körperliche Aktivität wurde nur in einer Hormonstudie als Teilvermittler gemessen [s112]. Ob Grün tatsächlich Feinstaub abmildert, ist damit weder belegt noch widerlegt.

**7. Entwicklungsfenster.** Die Befunde zu früherer Pubertät unter Licht [s20, s78, s21] und zu gestörter Reifung der Leydig-Zellen in peripubertären Ratten [s39] werfen die Frage auf, ob Licht in Kindheit und Jugend später die Samenqualität verändert. Prospektive Studien mit Folgeuntersuchung bis ins Erwachsenenalter fehlen. Gleiches gilt für die Frage nach sensiblen Fenstern in der Schwangerschaft, wofür nur Tiermodelle vorliegen [s75].

**8. Weitergabe an die Nachkommen.** In Mäusen führte väterliches Dauerlicht bei männlichen Nachkommen zu Gedächtnisstörungen; in menschlichen Spermien wurde eine Hochregulierung von miR-92a-3p gefunden und validiert, ohne dass der Abstract nennt, wie die menschlichen Proben gewonnen wurden [s24]. Ob dies am Menschen eine Bedeutung hat, ist offen.

**9. Melatonin als Vermittler.** Die Hypothese, dass Nachtlicht über niedrigeres Melatonin in Blut und Seminalplasma wirkt, stützt sich beim Menschen auf eine einzige kleine Studie mit 100 Männern [s117], die nur Korrelationen zeigt; nach Einschätzung der Recherche geht die Schlussfolgerung der Autoren über die Korrelationsdaten hinaus. Ob Melatoninwerte im Seminalplasma ein sinnvoller Marker wären, ist ungeklärt. Das Gleiche gilt für das Zusammenspiel von Melatonin, Cortisol und Testosteron bei Schichtarbeit, wo etwa der Testosteronrhythmus nach Nachtschichten vollständig dem Schlaf-Wach-Rhythmus folgte [s148].

**10. Trennung von Licht, Schlaf und Arbeitszeit.** Schichtarbeit, Social Jetlag, Chronotyp und Schlafqualität werden als Stellvertreter für Nachtlicht benutzt [s120, s18, s07, s67, s105]. Offen ist, welcher Anteil auf Licht, Schlafmangel, Stress, Ernährung oder Arbeitszeitpunkt zurückgeht. Der Rhythmus der Samenqualität im Tagesverlauf [s87] legt außerdem nahe, dass Zeitpunkt der Probe und Chronotyp in Studien zu Schichtarbeit besser erfasst werden müssten.

**11. Unabhängige Bestätigung und Replikation.** Für nächtliches Außenlicht [s58], die Melatoninstudie [s117], die koreanische Nachtlärmstudie mit Samenparametern [s114] und das Schweizer Muster [s34] gibt es keine unabhängige Wiederholung. Für Grün und Schichtarbeit sind viele Arbeiten datenabhängig. Gebraucht würden Replikationen mit anderen Datenquellen, vorab festgelegten Hypothesen und Zielgrößen und, wo möglich, nichtklinische Populationen. Die Kohorte N-SEED in Japan, deren Protokoll veröffentlicht ist, erhebt Lebensstil, Ernährung und Schlaf bei gesunden Freiwilligen; Licht, Lärm und Grün werden im Abstract nicht als Expositionen genannt, die Ergebnisse werden bis März 2028 erwartet [s13].

**12. Kausalität.** Keine der Humanstudien erlaubt einen Kausalschluss. Methoden wie Mendelsche Randomisierung [s52, s42], natürliche Experimente (etwa Veränderungen einer Lichtumgebung, Flughafeninbetriebnahmen) oder Studien, die denselben Mann vor und nach einer Änderung der Wohnumgebung betrachten, wären Wege, über Korrelationen hinauszukommen. Ein Hinweis in dieser Richtung ist, dass bei Männern, die ihre zirkadiane Desynchronisation von 2013 auf 2014 verringerten, die Spermienzahl stieg [s120]; er stammt aus einer Beobachtungsstudie.

**13. Leitlinien und Anamnese.** Offen ist, ob und wann eine Aufnahme von Lärm-, Licht- oder Grünexposition in die andrologische Anamnese sinnvoll wäre. Die deutschsprachigen Übersichten betonen, dass Expositionsrisiken in der Anamnese erfasst werden sollen [s149, s92], ohne Lärm oder Licht im Abstract zu nennen. Eine Entscheidung darüber setzt belastbarere Evidenz voraus, als sie derzeit vorliegt.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt enthält keine Therapieempfehlung, keine Verhaltensanweisung und keinen Diagnoseersatz. Er beschreibt, was die Studienlage hergibt und was nicht, damit einzelne Schlagzeilen und Studienberichte eingeordnet werden können.

**Wie belastbar ist das Bild?** Die Evidenz ist je nach Thema sehr unterschiedlich dicht. Am besten belegt sind Zusammenhänge zwischen Wohngrün und einzelnen Samenparametern in China, mit kleinen Effekten [s113, s49, s50, s43]. Für Schichtarbeit und zirkadiane Störung gibt es mehrere Humanstudien, aber widersprüchliche Ergebnisse [s120, s18, s41, s74]. Für Nachtlärm liegen zwei koreanische Studien in gleicher Richtung vor [s143, s114], dazu eine dänische Registerstudie mit gegenläufigem Muster bei Männern [s56]. Für nächtliches Außenlicht und Spermienparameter gibt es genau eine Humanstudie [s58]. Für Bildschirmlicht am Abend gibt es nur Korrelationen aus einer kleinen Studie [s116], für Fluglärm keine einzige. Keine der Studien erlaubt einen Kausalschluss. Die Evidenzbewertung des Umbrella-Reviews, nach der mehr als die Hälfte der Effektgrößen aus Studien zu Risikofaktoren als „sehr niedrig“ eingestuft wurde [s17], passt zu diesem Bild.

**Die Größenordnung der Effekte.** Wo Effekte beziffert sind, sind sie klein gegenüber der natürlichen Streuung zwischen Männern. Die mediane Konzentration in einer Stichprobe gesunder Männer lag bei 65 × 10⁶/ml (5. bis 95. Perzentil: 20 bis 150) [s176]; die Grünstudien berichten Unterschiede von 0,034 ml Volumen, 4,06 × 10⁶ Spermien insgesamt, 0,32 Prozent normaler Formen oder 1,68 % Konzentration je Interquartilsabstand NDVI [s113, s50]. Bei sehr großen Stichproben werden auch winzige Unterschiede signifikant, etwa ein Zeitverhältnis von 1,034 bei 14.239.365 Paaren [s31]. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang ist nicht dasselbe wie ein für den Einzelnen bedeutsamer Unterschied, und Populationszusammenhänge lassen sich nicht auf einzelne Personen übertragen.

**Ein einzelner Samenbefund und der Wohnort.** Samenwerte schwanken mit der Tageszeit der Probe [s87], mit der Jahreszeit und Temperatur [s118, s90, s53], mit Alter und Karenzzeit [s176]. Ein einzelner auffälliger oder unauffälliger Wert lässt sich daher aus den vorliegenden Studien nicht auf Licht, Lärm, Grün oder Wohnort zurückführen. Die Studien beschreiben Gruppenunterschiede in Spenderkollektiven, Kliniken oder Registern, keine Ursachen im Einzelfall.

**Was die Studien nicht zeigen.** Sie zeigen nicht, dass Licht, Lärm oder Wohnort die Spermienqualität eines bestimmten Mannes verändern. Sie zeigen auch nicht, dass sie es nicht tun. Dass die Evidenz dünn ist, ist weder eine Entwarnung noch ein Alarm. Mehrere Befunde, die in den Medien leicht verkürzt würden, sind in den Studien eingeschränkt:

- „Nachtlicht senkt die Spermienqualität“: Gemeint ist eine retrospektive Analyse bei 1.991 jungen Samenspender-Kandidaten mit Satellitenlicht am Wohnort und Auswirkungen auf Beweglichkeitsparameter; Konzentration oder Gesamtzahl nennt der Abstract nicht [s58].
- „Lärm macht unfruchtbar“: In Korea war nächtlicher Umgebungslärm von mindestens 55 dB mit einer um 14 % erhöhten Chance für eine Infertilitätsdiagnose verbunden (OR 1,14), bei Zuordnung auf Bezirksebene und ohne Zusammenhang je Dezibel [s143]. Die Tierversuche mit 90 bis 120 dB entsprechen keiner Wohnumgebung.
- „Mehr Grün bedeutet bessere Spermien“: Gemeint sind kleine Zusammenhänge mit einzelnen Parametern in chinesischen Spender- und Klinikkollektiven; eine koreanische Studie fand fast nichts [s104], und Kausalität ist offen.
- „Bildschirmlicht schadet“: Die Studien messen meist Nutzungsdauer, nicht Licht; die genetisch gestützte Analyse fand keinen Zusammenhang [s42], und die Leitlinie nennt für Mobiltelefone „niedrige Qualität, kein Effekt“ [s54].
- „Städte schaden, das Land nützt“: Der Wohnort bündelt viele Faktoren; die Schweizer Studie fand das niedrigste Cluster in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend [s34].
- „Tageslicht ist gut, weil es Testosteron erhöht“: Die NHANES-Auswertung ist eine Querschnittsstudie ohne Samenparameter; umgekehrte Kausalität ist möglich [s03].

**Was die Leitlinien sagen.** Die AUA/ASRM-Leitlinie nennt Lebensstilfaktoren „sehr schwer zu untersuchen“; zu Lärm, Licht in der Nacht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort enthält sie keine Aussage und keine Empfehlung [s54]. Das EAU-Kapitel nennt Umweltexposition und Lebensstil allgemein als mögliche Faktoren der idiopathischen Infertilität und sieht in der Anamnese die Frage nach Lebensstil und Umwelttoxinen vor; zu Lärm, Licht, Grün oder Schichtarbeit findet sich nichts [s183]. In der EAU-Leitlinie steht außerdem ein Hinweis, der mit Fertilität nur mittelbar zu tun hat: Die Testosteronmessung am Morgen sei für Nachtschichtarbeiter eventuell nicht geeignet, weil der Tagesrhythmus der Testosteronsekretion vor allem vom Schlafmuster abhängt [s183]. Das ist eine Messanweisung, kein Befund zur Spermienqualität. Die französische Leitlinie [s55] und die deutschsprachigen Übersichten [s149, s92] betonen allgemein, dass Umwelt- und Berufsfaktoren in der Anamnese eine Rolle spielen können, ohne Lärm oder Licht zu nennen.

**Schutzstoffe und Interventionen.** In den Tierversuchen wurden Stoffe wie Melatonin, Betanin, Pterostilben, Genipin, Sericin und Nesfatin-1 getestet [s82, s47, s69, s127, s85, s63]; bei Menschen gab es nur eine kleine, nicht randomisierte Beobachtung mit einem Antioxidans-Präparat bei Nachtschichtarbeitern [s26]. Das sind experimentelle bzw. beobachtende Befunde. Sie sind keine Aussage über Wirksamkeit oder Sicherheit beim Menschen.

**Wohin mit Fragen zur eigenen Situation?** Die Beurteilung eines Samenbefunds, die Abklärung unerfüllten Kinderwunsches und alle Entscheidungen zu Untersuchung oder Behandlung gehören in die ärztliche, andrologische bzw. reproduktionsmedizinische Betreuung. Die Ergebnisse dieses Kapitels können dort höchstens als Hintergrundinformation dienen, welche Umwelt- und Arbeitsfaktoren in der Forschung diskutiert werden, und wie unsicher die Datenlage ist.

**Lesehilfe für neue Studien.** Wer eine neue Studie zum Thema einordnen will, kann anhand der Widersprüche und Limitationen dieses Kapitels fragen: Was wurde genau gemessen (Licht, Schichtarbeit, Nutzungsdauer)? Wie wurde die Exposition erfasst (Satellit, Bezirk, persönliche Messung)? Welche Zielgröße (Diagnose, Samenparameter, Hormon, Fekundität des Paares)? Welches Kollektiv (Spender, Klinik, Register)? Wie groß und wie breit ist das Konfidenzintervall? Wurde für Luftqualität, Lärm, Grün und Sozialstatus adjustiert? Gibt es eine unabhängige Wiederholung? Ein Treffer in nur einer dieser Fragen genügt nicht für eine belastbare Aussage.

## Glossar

**ALAN (Artificial Light at Night):** künstliches Licht in der Nacht, hier meist als Außenlicht am Wohnort aus Satellitendaten (Einheit nW/cm²/sr).

**dLAN (dim light at night):** schwaches Licht in der Nacht, in Tierversuchen verwendet.

**Asthenozoospermie:** verminderte Spermienbeweglichkeit gemäß WHO-Referenzwerten.

**BCF (Beat-Cross Frequency):** Schlagfrequenz des Spermienkopfes bei der computergestützten Bewegungsanalyse.

**CASA (Computer-Assisted Sperm Analysis):** computergestützte Messung der Spermienbewegung. Typische Größen: VCL (kurvilineare Geschwindigkeit), VAP (Durchschnittsgeschwindigkeit des gemittelten Pfades), VSL (geradlinige Geschwindigkeit), LIN (Linearität), STR (Geradlinigkeit), WOB (Wackeln), ALH (seitliche Kopfauslenkung) und BCF.

**Chronotyp:** individuelle Tageszeitpräferenz (Morgen- oder Abendtyp). Erfasst z. B. mit dem Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ).

**Desynchronose (russ. десинхроноз):** Störung der Abstimmung zwischen innerer Uhr und äußeren Zeitgebern; in russischen Arbeiten das Modell für Dauer- oder Nachtlicht.

**Dunkelheitsentzug (Dauerlicht):** Tiermodell mit 24 Stunden Licht, in den Wolgograder Arbeiten als Alterungsmodell verwendet.

**EARTH-Studie:** Environment and Reproductive Health Study, Kohorte von Männern eines Fertilitätszentrums.

**Fekundabilität / Fekundität:** Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus (Fekundabilität) bzw. Zeit bis zur Schwangerschaft (Fekundität). Ein Fekundabilitätsverhältnis über 1 bedeutet höhere Wahrscheinlichkeit pro Zyklus; ein Zeitverhältnis über 1 eine längere Zeit bis zur Schwangerschaft. Es sind Paarmaße.

**Flagellum:** die Geißel (der Fortsatz) der Samenzelle, die für die Beweglichkeit sorgt. Bei der Spermienmorphologie ist die Form von Kopf, Mittelstück und Flagellum von Bedeutung.

**Hazard Ratio (HR):** Verhältnis der Ereignisraten zweier Gruppen im Zeitverlauf; unter 1 bedeutet geringere Rate des Ereignisses. Bei der Schwangerschaft ist ein Wert unter 1 eine geringere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit, bei der Infertilitätsdiagnose ein Wert über 1 ein höheres Risiko.

**Hedges' g:** standardisierte Effektgröße, Mittelwertdifferenz geteilt durch die gepoolte Standardabweichung (mit Korrektur für kleine Stichproben). Negative Werte bedeuten niedrigere Werte in der exponierten Gruppe.

**Heterogenität (I²):** Anteil der Streuung zwischen Studien in einer Metaanalyse, der nicht durch Zufall zu erklären ist. Werte von 63 % bis 85 % in dieser Auswertung sind hoch.

**iOAT (idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie):** gleichzeitig verminderte Konzentration, verminderte Beweglichkeit und erhöhter Anteil abnormer Formen ohne bekannte Ursache.

**Interquartilsabstand (IQR):** Abstand zwischen dem 25. und 75. Perzentil einer Verteilung. In vielen Studien ist der Effekt „je IQR-Anstieg“ der Exposition angegeben.

**Konfidenzintervall (95-%-KI):** Bereich, der den wahren Wert unter den Annahmen des Modells mit 95 % Sicherheit einschließt; ein Intervall, das 1 (bei Verhältnissen) bzw. 0 (bei Differenzen) einschließt, gilt als statistisch nicht signifikant.

**Leq / Lden:** Äquivalenter Dauerschallpegel (Leq) bzw. Tag-Abend-Nacht-Pegel (Lden) in Dezibel; Maße der Lärmbelastung. Lden gewichtet Abend- und Nachtstunden zusätzlich.

**Leydig-Zellen / Sertoli-Zellen:** Zellen des Hodens. Leydig-Zellen bilden Testosteron; Sertoli-Zellen stützen und steuern die Samenzellbildung.

**Melatonin:** Hormon der Zirbeldrüse, dessen Ausschüttung nachts ansteigt und durch Licht unterdrückt werden kann.

**Mendelsche Randomisierung:** Methode, die genetische Varianten als Stellvertreter einer Exposition nutzt, um Störgrößen und umgekehrte Kausalität zu verringern.

**NDVI (Normalized Difference Vegetation Index):** Vegetationsindex aus Satellitenbildern; hohe Werte stehen für dichte grüne Vegetation. Er sagt nichts über Zugänglichkeit oder Nutzung von Grünflächen.

**Nichtprogressive Beweglichkeit:** Spermien, die sich bewegen, aber nicht vorwärts.

**Odds Ratio (OR):** Chancenverhältnis; ein Wert über 1 bedeutet höhere Chance für das Ereignis in der exponierten Gruppe, bei breitem Konfidenzintervall mit geringer Sicherheit.

**Oligozoospermie:** verminderte Spermienkonzentration gemäß WHO-Referenzwerten.

**Photoperiode:** Verhältnis von Licht- zu Dunkelphase pro Tag (zum Beispiel 12:12).

**PREBIC:** Kohorte in Chongqing (China) zu männlicher Reproduktionsgesundheit.

**PSQI (Pittsburgh Sleep Quality Index):** Fragebogen zur Schlafqualität.

**Querschnittsstudie:** Studie, in der Exposition und Ergebnis zum selben Zeitpunkt erfasst werden; sie zeigt Zusammenhänge, aber keine zeitliche Reihenfolge.

**Social Jetlag:** Abweichung zwischen der Schlafzeit an Arbeits- bzw. Schultagen und freien Tagen.

**SCSA (Sperm Chromatin Structure Assay):** Test der DNA-Fragmentierung der Spermien.

**Spermatogenese:** Bildung der Samenzellen im Hoden. Die Humanstudien werten die Exposition meist im Fenster von 0 bis 90 Tagen vor der Probe aus, das als Dauer der Spermatogenese angesetzt wird; mehrere Studien fanden die stärksten Zusammenhänge 70 bis 90 Tage vor der Probe [s50, s43, s23].

**TMSC (Total Motile Sperm Count):** gesamte Zahl beweglicher Spermien im Ejakulat.

**Teratozoospermie:** erhöhter Anteil morphologisch abnormer Spermien.

**TTP (Time to Pregnancy):** Zeit bis zur Schwangerschaft.

**Vitalität:** Anteil lebender Spermien im Ejakulat.

**WHO-Handbuch:** Referenzwerke für die Samenanalyse (Ausgaben 2010 bzw. 5. Auflage); die Referenzgrenzen wurden zwischen den Ausgaben angepasst.

## Quellenverzeichnis

Das Verzeichnis führt alle 183 Quellen der Synthese in der Reihenfolge ihrer Kennung auf (neueste zuerst). Bei Quellen, deren Originaltitel nicht englisch oder deutsch ist, steht die deutsche Übersetzung in Klammern. Bei einigen Quellen in französischer, deutscher und spanischer Sprache liegt der Titel in den Rechercheunterlagen nur in der englischen Übersetzung der Datenbank vor; er steht dann in eckigen Klammern, gefolgt von der deutschen Übersetzung. Quellen ohne PMID und DOI sind mit der Internetadresse des Fundorts angegeben. Die Jahresangabe „o. J.“ bedeutet, dass die Quelle kein Veröffentlichungsjahr nennt.

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