Die Begriffe sind so erklärt, wie sie in diesem Kapitel und in den zitierten Studien verwendet werden. Sie ersetzen kein Lehrbuch.
Akrosom. Kappenartige Struktur am Kopf der Samenzelle mit Enzymen, die für das Eindringen in die Eizelle nötig sind. Der Akrosomalindex ist ein in einer Pilotstudie verwendetes Maß [s111].
Androgenresistenz. Verminderte Wirkung von Testosteron am Zielgewebe trotz normaler Hormonspiegel; bei Sichelzellkrankheit als mögliche periphere Ursache des Hypogonadismus vorgeschlagen [s106].
Anämie. Verminderung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) im Blut. Ursachen sind unter anderem Eisenmangel, Hämolyse (vorzeitiger Abbau roter Blutkörperchen), Knochenmarkversagen und erbliche Hämoglobinstörungen.
Aderlass (Phlebotomie). Blutentnahme zur Senkung des Körpereisens. In diesem Kapitel nur als Studieninhalt erwähnt.
Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.
Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat. Bei 17,6 Prozent der auf Spermatogenese untersuchten Männer in der gepoolten Auswertung berichtet [s05].
Chelattherapie (Eisenchelation). Behandlung mit Wirkstoffen, die Eisen im Körper binden und dessen Ausscheidung fördern (Deferoxamin, früher Desferrioxamin, Deferasirox, Deferipron). Wird hier nur als Studieninhalt genannt.
Deferasirox, Deferipron, Deferoxamin (Desferrioxamin). Eisenbindende Wirkstoffe; Deferipron und Deferasirox werden als oral gegeben beschrieben, Deferoxamin als subkutan gegeben [s182, s02].
DNA-Fragmentierung (SDF, Spermien-DNA-Fragmentierung). Anteil der Spermien mit Brüchen im Erbgut; gemessen mit Verfahren wie SCSA (Sperm Chromatin Structure Assay) oder TUNEL [s190, s172].
Ejakulat, Samenprobe, Spermiogramm. Das Spermiogramm beschreibt Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Form der Spermien im Ejakulat nach WHO-Methodik [s27].
Expression of Concern (Sorgfaltsmitteilung). Hinweis einer Zeitschrift, dass die Zuverlässigkeit einer veröffentlichten Arbeit zweifelhaft sein könnte, ohne dass sie zurückgezogen wurde. Zur Arbeit [s176] besteht eine solche Mitteilung aus dem Jahr 2023.
Ferritin. Eisenspeicherprotein; das Serumferritin dient als indirekter Marker der Eisenvorräte, steigt aber auch bei Entzündung und Lebererkrankung.
Ferroptose. Eine durch Eisen und Fettperoxidation vermittelte Form des Zelltods; in Tier- und Zellstudien als Mechanismus der Hodenschädigung beschrieben [s80, s71].
Flagellum. Der bewegliche Geißelfaden der Samenzelle, der den Vortrieb erzeugt. Seine Struktur und Beweglichkeit gehören zur Spermienmorphologie und Spermienbeweglichkeit; Auffälligkeiten des Flagellums sind eine Form der Teratozoospermie.
FSH, LH (Gonadotropine). Follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon der Hypophyse. FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen und die Spermienbildung, LH auf die Leydig-Zellen und die Testosteronbildung.
GnRH. Gonadotropin-Releasing-Hormon aus dem Hypothalamus, das die Ausschüttung von LH und FSH steuert; im GnRH-Test wird die Hypophysenantwort geprüft.
Gynäkomastie. Vergrößerung der männlichen Brustdrüse; als Nebenwirkung unter Testosteronersatz bei 43,1 Prozent von 95 Männern berichtet [s102].
Hämochromatose, hereditäre. Erbliche Eisenüberladung. Die häufigste Form ist HFE-assoziiert (meist C282Y, auch H63D). Seltene Formen betreffen HJV, HAMP, TFR2 und SLC40A1; die juvenile Form (HJV, Typ 2A) tritt früh auf [s92, s56, s104].
Hämosiderose, Siderose. Ablagerung von Eisen in Geweben; transfusionsbedingt bei wiederholten Bluttransfusionen.
Hämoglobinopathie. Erbliche Störung des roten Blutfarbstoffs, etwa Thalassämie oder Sichelzellkrankheit.
HbS, HbSS, Sichelzellmerkmal. HbS ist die Sichelzell-Variante des Hämoglobins. HbSS (homozygot) bedeutet Sichelzellkrankheit; das Sichelzellmerkmal (heterozygot) ist der Trägerstatus [s203].
HCG (humanes Choriongonadotropin). Hormon, das am Hoden wie LH wirkt; in Hormonprüfungen und Studienbehandlungen verwendet [s215, s200].
Hepcidin (HAMP). Leberhormon, das die Eisenaufnahme und -freigabe reguliert [s34].
Hydroxyurea (Hydroxycarbamid, Hydroxyharnstoff). Zellteilungshemmendes Medikament, bei Sichelzellkrankheit und myeloproliferativen Erkrankungen verwendet; in diesem Kapitel wegen seiner Wirkung auf die Spermienzahl besprochen [s50].
Hypogonadismus. Unterfunktion der Keimdrüsen mit verminderter Testosteronbildung und/oder Samenbildung. Er ist eine endokrine Diagnose und nicht gleichbedeutend mit Unfruchtbarkeit. Primär (testikulär) bedeutet, dass der Hoden die Ursache ist, mit erhöhten Gonadotropinen (hypergonadotrop); sekundär (zentral, hypogonadotrop) bedeutet, dass Hypothalamus oder Hypophyse zu wenig LH und FSH bilden. Kompensierter Hypogonadismus heißt: normales Testosteron bei erhöhtem LH [s88]. Late-Onset-Hypogonadismus ist der Testosteronmangel im höheren Lebensalter [s48].
ICET-A. Internationales Netzwerk zu endokrinen Komplikationen bei Thalassämie (International Network on Endocrine Complications in Thalassemia), mit Zentren in Italien und in arabischen Ländern [s103].
ICSI. Intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Eine einzelne Samenzelle wird in die Eizelle eingebracht.
IIEF. Fragebogen zur erektilen Funktion (International Index of Erectile Function) [s17].
Interquartilbereich. Spanne, in der die mittleren 50 Prozent der Messwerte liegen; kein Konfidenzintervall.
Inzidenzratenverhältnis, Odds Ratio, Hazard Ratio. Verhältniszahlen für Häufigkeiten bzw. Wahrscheinlichkeiten in zwei Gruppen. Ein Wert über 1 bedeutet eine höhere Häufigkeit in der betrachteten Gruppe; das Konfidenzintervall zeigt die Unsicherheit.
Konfidenzintervall (95 Prozent). Wertebereich, der den wahren Wert mit der angegebenen Sicherheit einschließt, wenn die Studie sich beliebig oft wiederholen ließe; ein breites Intervall bedeutet große Unsicherheit.
Leydig-Zellen. Zellen im Hoden, die Testosteron bilden. Sertoli-Zellen. Stützzellen im Hoden, die die Samenbildung unterstützen und Inhibin B bilden [s31].
Lipidperoxidation, Malondialdehyd (MDA). Oxidative Schädigung von Fetten; MDA ist ein Messwert dafür [s185, s192].
**LIC (Leber-Eisenkonzentration), T2*, R2-MRT.** Magnetresonanzverfahren, mit denen sich der Eisengehalt von Leber, Herz, Hypophyse und Hoden messen lässt; T2*-Werte sind bei Eisenablagerung niedriger [s108, s116, s30].
Mendelsche Randomisierung (MR). Statistisches Verfahren, das genetische Varianten als Stellvertreter für eine Exposition nutzt, um Störgrößen zu verringern [s08].
Morphologie (Spermien). Form der Samenzelle, einschließlich Kopf, Mittelstück und Flagellum. Teratozoospermie heißt: hoher Anteil von Spermien mit abnormer Form.
NTDT, TDT. Nicht transfusionsabhängige beziehungsweise transfusionsabhängige Thalassämie (non-transfusion-dependent / transfusion-dependent thalassemia) [s28].
Oligozoospermie, Oligoasthenozoospermie. Verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration plus verminderte Beweglichkeit.
Oxidativer Stress. Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffverbindungen und Schutzsystemen (Antioxidanzien); beschädigt Zellen und Spermien-DNA [s185].
Priapismus. Schmerzhafte, anhaltende Erektion ohne sexuelle Erregung. Ischämischer (Low-Flow-)Priapismus ist die Form mit gestörtem Blutabfluss; stotternder Priapismus bezeichnet wiederkehrende Episoden [s131].
Pubertät, Tanner-Stadien. Die Tanner-Stadien (1 bis 5) beschreiben die körperliche Pubertätsentwicklung.
Randomisierte kontrollierte Studie. Studie, in der Teilnehmende zufällig Gruppen zugeteilt werden; die stärkste Studienform für Wirkungsfragen.
ROC-Kurve, AUC. Maß für die Trennschärfe eines Tests; 0,5 bedeutet keine Trennung, 1,0 vollständige.
SMD (standardisierte mittlere Differenz). Unterschied zweier Gruppen in Standardabweichungen, in Metaanalysen für Messgrößen mit verschiedenen Einheiten genutzt [s10].
Spermatogonien. Stammzellen der Samenbildung im Hoden; ihre Zahl pro Hodenkanälchen-Querschnitt wurde an Gewebe von Jungen gemessen [s67].
Splenektomie. Operative Entfernung der Milz.
Thalassämie. Erbliche Störung der Hämoglobinbildung mit chronischer Anämie. Beta-Thalassaemia major ist die schwere, transfusionsabhängige Form, Thalassaemia intermedia eine mildere, Thalassaemia minor der Trägerzustand; Alpha-Thalassämie betrifft die Alpha-Globinketten (HbH-Krankheit ist ihre mittelschwere Form) [s21].
Testosteron. Männliches Geschlechtshormon aus den Leydig-Zellen. Das freie Testosteron ist der nicht an Eiweiß (SHBG) gebundene Anteil [s213].
Transferrinsättigung. Anteil des Transporteiweißes Transferrin, der Eisen trägt; bei Hämochromatose erhöht.
Prozentangaben. In diesem Kapitel bedeutet „Prozent“ immer den Anteil der in der jeweiligen Studie untersuchten Personen, nicht einer Allgemeinbevölkerung.