Eisenüberladung, Anämie, Thalassämie und Sichelzellkrankheit · Kapitel 12 von 19 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Englisch bis Koreanisch

Dieses Kapitel ordnet die Literatur nach der Sprache, in der sie erschienen oder gesucht worden ist. Es beantwortet vier Fragen: Wer hat zu dem Thema eigene Kohorten, Register oder Leitlinien vorgelegt? In welchen Fachzeitschriften steht es? Welche regionalen Besonderheiten prägen die Daten? Und wie weit waren die Datenbanken des jeweiligen Sprachraums überhaupt erreichbar? Die Ergebnisse stammen aus drei getrennten Recherchesträngen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch; Chinesisch, Japanisch und Koreanisch; Russisch, Arabisch und Türkisch), die am 5. Oktober 2026 abgeschlossen wurden.

Vorab drei Hinweise, die für alle zwölf Abschnitte gelten. Erstens beruhen fast alle Angaben auf Zusammenfassungen (Abstracts); Volltexte wurden nur in Ausnahmefällen gelesen. Wo eine Zahl in einer Zusammenfassung fehlt, etwa ein Konfidenzintervall, wird sie nicht ergänzt. Zweitens ist die Sprache einer Zeitschrift kein Hinweis auf die Herkunft der Patienten: Ein großer Teil der Studien aus Ländern mit anderen Landessprachen erschien auf Englisch. Drittens sind die berichteten Häufigkeiten eines Hypogonadismus zwischen den Regionen nicht vergleichbar. Sie hängen von Alter, Definition, Geschlechtermischung, Auswahl der Patienten und Behandlungsära ab. Die folgenden Abschnitte stellen deshalb keine Rangfolge der Regionen auf. Hypogonadismus ist zudem eine hormonelle Diagnose und nicht gleichbedeutend mit Unfruchtbarkeit.

Englisch

Praktisch die gesamte auswertbare Primärliteratur ist englisch publiziert, auch dort, wo die Forschenden aus Ländern mit anderer Landessprache stammen. Das gilt für Italien (Ferrara), Frankreich (Paris), Deutschland und die nordischen Länder sowie für Österreich, Deutschland und die Schweiz gemeinsam [s06, s27, s67, s173]. Geografisch kommen die Daten aus zwei Quellen: aus Regionen mit hoher Krankheitslast, etwa Iran, Irak, Pakistan, Bangladesch, Indonesien, Indien, Nigeria, Kamerun, der Türkei, Brasilien, Taiwan und China, und aus spezialisierten Zentren in Westeuropa und Nordamerika. Eine eigene "englische" Literatur im Sinne einer Region gibt es daher kaum; der englische Raum ist vor allem das gemeinsame Gefäß für alle anderen.

Übersichten und quantitative Zusammenführungen. Die einzige quantitative Zusammenführung für Eisenüberladungserkrankungen insgesamt ist die systematische Übersicht von Carlomagno und Mitarbeitern in Human Reproduction Update (2026, Suche bis Mai 2025). Sie fasst Thalassämien, hereditäre Hämochromatose und transfusionsabhängige Anämien zusammen und wertet 1201 Männer aus: Hypogonadismus bei 47,0 Prozent; unter den Männern mit beurteilter Spermatogenese hatten 17,6 Prozent eine Azoospermie und 37,5 Prozent andere Samenanomalien. Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße stehen in der Zusammenfassung nicht, und die eingeschlossenen Studien sind überwiegend Querschnitte und Fallserien. Die Autoren halten fest, dass die Evidenz für eine Umkehr bereits eingetretener Fortpflanzungsstörungen durch Eisenkontrolle begrenzt ist [s05]. Für die Sichelzellkrankheit gibt es eine Metaanalyse zu Hydroxyurea mit vier Studien zu Samenparametern: Die Spermienkonzentration lag unter Behandlung im Mittel um 15,48 Millionen pro Milliliter niedriger (95-Prozent-Konfidenzintervall -20,69 bis -10,26), nach Absetzen um 20,09 Millionen pro Milliliter (-38,78 bis -1,40); die Gesamtspermienzahl sank um 105,87 Millionen (-140,61 bis -71,13) beziehungsweise nach Absetzen um 53,05 Millionen (-104,96 bis -1,14) [s50]. Verglichen wurde dabei mit dem Ausgangswert, nicht mit unbehandelten Kontrollen, und die Ausgangswerte waren krankheitsbedingt bereits auffällig. Hinzu kommen eine PRISMA-Übersicht zu Männern mit Sichelzellkrankheit, die die Evidenz als begrenzt einstuft [s11], eine systematische Übersicht zu Hydroxyurea bei Sichelzellkrankheit und myeloproliferativen Erkrankungen mit acht Studien und 161 Patienten [s40] sowie mehrere narrative Übersichten, die dieselben Primärstudien zusammenfassen und deshalb keine unabhängige Bestätigung liefern [s47, s49, s66, s74, s75, s90, s120, s122, s138, s140].

Kohorten und Register zur Thalassämie. Das am dichtesten dokumentierte Netzwerk ist ICET-A, ein internationales Netzwerk zu endokrinen Komplikationen der Thalassämie mit Zentren in Italien und in arabischen Ländern. Seine Umfrage in 10 von 16 angeschriebenen Zentren erfasste 966 erwachsene Männer; 240 lebten in Ehe oder Partnerschaft, 184 von ihnen hatten Kinder, davon 150 durch natürliche Zeugung, 23 nach Auslösung der Spermatogenese mit Gonadotropinen und 8 mit ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) [s103]. Ein Register-Brief aus Muscat, Doha und Ferrara führt 424 Männer (96, 56 und 272) mit Pubertätsstörungen bei 42,7, 43 und 34,9 Prozent [s119]. Das Zentrum Ferrara allein beschreibt 273 Patienten in drei Geburtskohorten; die vollständige Pubertätsentwicklung stieg von 31 über 44 auf 63 Prozent, sekundärer Hypogonadismus fand sich bei 24 Prozent der über 21-Jährigen [s173]. Weitere Querschnitte stammen aus Bangladesch (94 Patienten, Hypogonadismus 35,11 Prozent, Frauen und Männer gemischt) [s59], Pakistan (120 Patienten) [s89], Indonesien (60 Männer, davon 31 mit Hypogonadismus) [s43] und Teheran (213 Paare, 228 spontane Schwangerschaften mit 86,6 Prozent erfolgreichem Ausgang) [s99]. Eine große Serie mit 168 Männern und 84 Kontrollen und einer Hypogonadismus-Häufigkeit von 76,2 Prozent trägt eine Sorgfaltsmitteilung der Zeitschrift (Expression of Concern, PubMed-Kennung 36626343, 2023); ihre Ergebnisse sind nur mit Vorbehalt zu lesen [s176]. Für Spermiogramme gibt es kleine Studien mit Kontrollen [s108, s172, s185, s190] und eine Pilotstudie mit sieben Tagen Abstand zu einer Transfusion bei zehn Männern [s150].

Kohorten und Register zur Sichelzellkrankheit. Das größte Register ist das Sickle Cell Disease Implementation Consortium der USA: 884 Männer und 1224 Frauen; selbstberichtete Unfruchtbarkeit bei 16,9 Prozent der Männer, gegenüber 12 Prozent in der Allgemeinbevölkerung nach Angabe der Quelle, ohne Unterschiede nach Genotyp oder Hydroxyurea [s62]. Die REACH-Studie in Subsahara-Afrika (310 Jungen, 296 Mädchen) fand unter Hydroxyurea verzögerte Pubertät bei 25 bis 30 Prozent der Kinder mit allmählichem Fortschritt [s04]. In Kano, Nigeria, hatten 32,6 Prozent von 500 Männern mit Sichelzellkrankheit Priapismus gegenüber 2 Prozent von 250 Männern ohne die Krankheit [s95]. Die einzige randomisierte, doppelblinde Studie mit Samenparametern als Nebenbefund ist eine nigerianische Machbarkeitsstudie mit 64 Männern; sie prüfte Tadalafil zusätzlich zu Hydroxyurea gegen Priapismus-Ereignisse (Inzidenzratenverhältnis 0,8; Konfidenzintervall 0,3 bis 1,9) und berichtet nebenbei, dass Spermienkonzentration, Beweglichkeit und Morphologie unter Hydroxyurea sanken und sich nach drei Monaten ohne Hydroxyurea erholten [s25]. Eine Studie aus Chhattisgarh, Indien, schließt trotz widersprüchlicher Zusammenfassung auf fehlende Fortpflanzungsstörungen und steht damit gegen praktisch alle anderen Quellen [s77]. Zum Sichelzellmerkmal liegt nur ein Negativbefund vor [s203].

Hämochromatose. Die Literatur besteht überwiegend aus Fallberichten und kleinen Serien. Die größte detaillierte Auswertung (McDermott und Walsh 2005, Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism) fand niedriges Testosteron mit niedrigem LH und FSH bei 9 von 141 getesteten Männern (6,4 Prozent) [s183]. Ältere Serien berichten Häufigkeiten von 10 bis 100 Prozent, was die Autoren auf frühere Diagnose zurückführen [s183]. Ein randomisierter Vergleich liegt nur für 50 Männer mit dysmetabolischer Eisenüberladung ohne genetische Hämochromatose vor; Aderlass verbesserte dort keinen Hormonwert signifikant [s158]. Vier Fall-Kontroll-Studien zu HFE-Varianten bei infertilen Männern fanden überwiegend keinen Zusammenhang [s154, s165, s166, s181].

Leitlinien und Cochrane. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (Sexual and Reproductive Health) enthält keinen eigenen Abschnitt zu Hämoglobinopathien und Fertilität; sie nennt die Sichelzellkrankheit unter den Ursachen des primären Hypogonadismus, die Hämochromatose und die transfusionsbedingte Eisenüberladung unter den Ursachen des hypogonadotropen Hypogonadismus und führt im Priapismus-Kapitel die Sichelzellkrankheit als Hauptursache bei Kindern an [s07]. Die AUA/ASRM-Leitlinie zur männlichen Infertilität erwähnt die Hämochromatose als infiltrative Hypophysenerkrankung; Thalassämie, Sichelzellkrankheit, transfusionsbedingte Eisenüberladung und Hydroxyurea kommen im abgerufenen Text nicht vor [s39]. Die Cochrane-Übersicht zu Hydroxyurea bei Sichelzellkrankheit (2017 mit 8 randomisierten Studien und 899 Teilnehmern, 2022 mit 9 Studien und 1104 Teilnehmern) hält die Evidenz zu Langzeitrisiken einschließlich Fertilität für unzureichend [s126, s76]. Die höchste Evidenzstufe beantwortet die Frage also nicht.

Zeitschriften. Die Daten verteilen sich auf andrologische und urologische Titel (Andrology, Asian Journal of Andrology, World Journal of Men's Health, Fertility and Sterility, Human Reproduction), hämatologische (Blood, Haematologica, Pediatric Blood and Cancer, Hemoglobin) und endokrinologische Titel (Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, Frontiers in Endocrinology). Die Arbeiten um De Sanctis und das ICET-A-Netzwerk erscheinen auffällig oft in Acta Bio-Medica [s103, s109], im Mediterranean Journal of Hematology and Infectious Diseases [s129] und in Pediatric Endocrinology Reviews [s172, s173].

Erreichbarkeit. Europe PMC (REST-Schnittstelle) und die E-utilities des NCBI waren erreichbar und trugen die Recherche. Die PubMed-Webseite war laut Auftrag gesperrt; in einem Teilstrang antwortete sie bei einem Verbindungstest dennoch, die Trefferzahl wurde aber dynamisch nachgeladen und war nicht auslesbar. Die Cochrane-Webseite lieferte nur die Suchoberfläche, die Abfrage lief deshalb über PubMed. Die Seiten der EAU und der AUA waren als Volltext lesbar. Beim AWMF-Leitlinienregister und bei der ESHRE antwortete nur das Gerüst einer Anwendung; ob dort einschlägige Texte stehen, bleibt offen. Google Scholar antwortete mit 403.

Lücken. Es gibt keine prospektive Kohorte mit Fertilitätsendpunkt (Zeit bis zur Schwangerschaft, Lebendgeburt) für eine der vier Krankheitsgruppen, keine Metaanalyse der Samenparameter bei Thalassämie und keine kontrollierte Studie zur Wirkung des Eisenentzugs auf die Samenqualität bei Hämochromatose. Für Eisenmangelanämie liegen zwei kleine einarmige Interventionsstudien mit Vorher-Nachher-Vergleich vor (25 und 11 Männer), die Placeboeffekte nicht ausschließen [s115, s141].

Deutsch

Aus dem deutschsprachigen Raum fand die Recherche genau eine deutschsprachige Primärpublikation mit Zusammenfassung: einen Fallbericht in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2000). Ein 24-jähriger Vater von zwei Kindern litt unter Libidoverlust und Impotenz; Testosteron, FSH und LH waren deutlich erniedrigt, später kam ein Diabetes hinzu. Das Ferritin lag bei 4010 µg/l, die Transferrinsättigung bei 85 Prozent, der Leber-Eisengehalt bei 27.900 µg/g Trockengewicht, eine HFE-Mutation fehlte, es handelte sich also um eine Nicht-HFE-Form. Nach Aderlass sank das Ferritin; Libido und Subfertilität besserten sich unter Testosterongabe [s196]. Das ist eine Einzelbeobachtung ohne Kontrolle und keine Aussage über Häufigkeiten. Eine weitere deutschsprachige Arbeit, ein Beitrag in der Zeitschrift Der Hautarzt von 1976 mit dem englischen MEDLINE-Titel "Hemochromatosis and fertility disorders" (Hämochromatose und Fruchtbarkeitsstörungen), war nur als Titel ohne Zusammenfassung zu finden und wurde nicht ausgewertet. Sonst waren deutschsprachige Treffer in Europe PMC Lehrbuchkapitel und Kongressbände ohne verwertbare Aussage.

Die übrige Literatur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist englisch publiziert. Eine retrospektive Mehrzentrenstudie in zehn Krankenhäusern in Österreich, Deutschland und der Schweiz (2012 bis 2020) erfasste 140 Personen mit Thalassämie oder Sichelzellkrankheit (Median 16,5 Jahre). Eine verzögerte Pubertät hatten 14,7 Prozent bei Thalassämie (Männer 21,1 Prozent) und 13,2 Prozent bei Sichelzellkrankheit (Männer 20,8 Prozent); abweichende Wachstumsverläufe fanden sich bei 32,5 beziehungsweise 18,7 Prozent. Bei Thalassämie war erhöhtes Ferritin mit Wachstumsverzögerung assoziiert. Tanner-Stadien fehlten in 80,7 Prozent der Akten, was die Pubertätsangaben stark einschränkt [s06]. Es ist die einzige gefundene Studie aus dem deutschsprachigen Raum mit Hämoglobinopathie-Patienten und Pubertätsendpunkten. Die zweite Arbeit mit deutscher Beteiligung ist eine histologische Studie aus den Fertilitätserhaltprogrammen Androprotect und Nordfertil: In den Hodenbiopsien von 29 Jungen mit Sichelzellkrankheit (2,8 bis 15,1 Jahre; 19 aus Androprotect, 10 aus Nordfertil) lagen bei 17 von 29 die Spermatogonienzahlen pro Hodenkanälchenquerschnitt unter den Referenzwerten gesunder Jungen, bei vier fehlten Spermatogonien ganz. Ein früherer Hydroxyurea-Beginn ging mit niedrigeren Werten einher, doch weisen die Autoren selbst darauf hin, dass die Korrelation keine Ursache beweist; nur drei Patienten waren nicht exponiert [s67]. Der Recherchebericht ordnet die Programme Zentren in Münster und am Karolinska Institutet zu.

Eine Übersicht über Hämochromatose und männliche Fortpflanzung, die in englischer, französischer und deutscher Sprache in PubMed/Medline bis September 2016 suchte und 34 Arbeiten einschloss, stützt sich überwiegend auf Fallberichte; sie nennt den hypogonadotropen Hypogonadismus eine klassische Komplikation, deren Häufigkeit durch frühere Diagnose vermutlich abnimmt [s121]. Zwei Fallberichte aus Nachbarsprachen ergänzen das Bild: ein niederländischer (36-Jähriger mit Ejakulationsversagen, Ferritin 5468 µg/l, homozygote C282Y-Mutation, nach Aderlass kein Normalwert von LH und FSH, Schwangerschaft der Partnerin im dritten IVF-Zyklus nach Gonadotropingabe) [s179] und ein norwegischer (28-Jähriger mit zentralem Hypogonadismus, LH und Testosteron nach drei Jahren Aderlass normalisiert) [s199]. Beide gehören nicht zu den angefragten Sprachräumen.

Leitlinien und Register: Es wurde keine deutschsprachige Leitlinie ausgewertet. Das AWMF-Leitlinienregister antwortete zwar, lieferte per Skript aber nur das Gerüst einer Anwendung, weil die Suchergebnisse dynamisch geladen werden; ob dort einschlägige Leitlinien stehen, ist unbekannt (eine Abrufgrenze, kein Befund). Ein deutschsprachiges Register zur Thalassämie oder Sichelzellkrankheit mit Fertilitätsendpunkten wurde nicht gefunden. Insgesamt ist die eigene deutschsprachige Literatur zum Thema praktisch nicht vorhanden; deutsche, österreichische und Schweizer Daten erscheinen auf Englisch.

Französisch

Französischsprachige Zeitschriftenartikel mit Fertilitätsbezug sind selten. Was vorliegt, betrifft überwiegend Priapismus und Sexualfunktion bei Sichelzellkrankheit in französischsprachigen Ländern und Regionen, dazu Hochschulschriften aus der Datenbank HAL und einzelne Fallberichte.

Priapismus und Erektionsfunktion. Eine Fall-Kontroll-Studie aus dem Senegal (Progrès en Urologie, 2022) untersuchte 191 Patienten mit homozygoter Sichelzellkrankheit (mittleres Alter 27,1 ± 7,1 Jahre); Priapismus bestand bei 43,5 Prozent, 77 beantworteten den Fragebogen IIEF-15. Die Gruppen ohne und mit intermittierendem Priapismus erreichten bessere Erektions- und Orgasmuswerte als die Gruppe mit akutem Priapismus [s70]. Eine Befragung aus Martinique (Progrès en Urologie, 2012) mit 68 Patienten fand Priapismus bei 37,3 Prozent und dasselbe Muster, mit längeren und häufigeren Episoden bei niedrigerem Erektionswert [s153]. Eine senegalesische Aktenauswertung (Médecine Tropicale, 2010) betraf 22 Patienten mit ischämischem Priapismus (mittleres Alter 19,5 ± 9,9 Jahre); bei 9 von 13 Patienten über 16 Jahren (69,2 Prozent) bestand später eine erektile Dysfunktion, die mit der Dauer des Priapismus zusammenhing, nicht mit dem Sichelzell-Phänotyp [s159]. Alle drei Studien messen die Erektion, nicht die Spermatogenese.

Thalassämie. Aus HAL stammen zwei Hochschulschriften (Mémoire). Die erste, "Développement pubertaire des patients thalassémiques dépendants des transfusions à l'ère de la chélation orale par déférasirox" (Pubertätsentwicklung transfusionsabhängiger Thalassämie-Patienten in der Ära der oralen Chelation mit Deferasirox), wertet das nationale Register NaThalY aus: 50 Patienten; Pubertätsstörung oder Hypogonadismus bei 11 (22 Prozent), davon 7 einfache Pubertätsverzögerungen; mediane Deferasirox-Dauer vor der Pubertät 7 Jahre; Pubertätsbeginn bei Jungen median 13,5 Jahre. Nach der Schlussfolgerung der Arbeit waren Pubertätsstörungen unter Deferasirox seltener als zuvor unter Deferoxamin berichtet [s63]; das ist die Deutung der Arbeit, kein kontrollierter Vergleich. Die zweite, "État de santé des enfants béta-thalassémiques en France à l'ère de la chélation orale" (Gesundheitszustand von Kindern mit Beta-Thalassämie in Frankreich in der Ära der oralen Chelation; 237 Patienten), vermerkt, dass zu späteren Folgen für Pubertät, Wachstum und Fertilität weitere Studien nötig seien [s69]. Eine Marseiller Studie zu Gesundheitszustand und Lebensqualität erwachsener Beta-Thalassämie-Patienten (43 von 64 Patienten) fand den hypogonadotropen Hypogonadismus mit 41,9 Prozent als häufigste endokrine Störung [s51]. Ob der Anteil sich auf beide Geschlechter bezieht, geht aus dem Recherchebericht nicht hervor.

Sichelzellkrankheit in Frankreich und Frankophonie. Die größte Serie zur Samenqualität stammt vom Fertilitätszentrum Tenon in Paris (2012 bis 2023): 121 Männer mit Sichelzellkrankheit, 117 mit erfolgreicher Samenabgabe, verglichen mit 107 gesunden Samenspendern. Bei Männern ohne Hydroxyurea waren alle Samenparameter gegenüber den Spendern vermindert; 9 Männer hatten eine Azoospermie und 45 eine Oligozoospermie (Spender: 11 mit Oligozoospermie). Der Hydroxyurea-Effekt war wegen kleiner Gruppen nicht nachweisbar. Beim Fertilitätserhalt wurden im Mittel 1,96 Gewinnungen je Patient mit 8,7 Strohhalmen eingefroren; 7 Patienten nutzten ihre Proben, daraus entstanden 2 Geburten [s27]. Die Studie ist englisch publiziert. Dasselbe gilt für eine Studie aus Kamerun (Archives de Pédiatrie, 2023; 64 Kinder von 8 bis 18 Jahren): verzögerte Pubertät bei 10 Prozent der Jungen und 27,3 Prozent der Mädchen, das Anti-Müller-Hormon war bei Jungen höher als bei Kontrollen (45,9 gegenüber 17,65 ng/ml) [s58]. Eine Kurzübersicht in den Annales d'Endocrinologie (2010) behandelt den Fertilitätserhalt vor der Pubertät und nennt die Sichelzellanämie als Indikation für die Stammzelltransplantation [s161].

Hämochromatose. Ein französischsprachiger Fallbericht in der Acta Clinica Belgica (1993) beschreibt die Assoziation von genetischer Hämochromatose und gemischter Gonadendysgenesie; die Zusammenfassung enthält keine Zahlen [s211]. Eine Studie aus der Region Saguenay-Lac-Saint-Jean in Québec schätzte die Prävalenz der hereditären Hämochromatose auf 0,014 und die Heterozygotenfrequenz auf 0,21; Träger hatten tendenziell mehr Kinder, ohne statistische Signifikanz [s209].

Leitlinien, Erreichbarkeit. Eine französischsprachige Leitlinie ist unter den ausgewerteten Quellen nicht vertreten. Die HAL-Programmierschnittstelle war erreichbar, lieferte aber sehr wenige Treffer. Cairn.info leitete weiter und antwortete dann mit 403; damit bleiben französischsprachige Zeitschriftenartikel möglicherweise unentdeckt. Selbst bei gezielten Suchen mit französischen Begriffen blieben nach Ausschluss fachfremder Treffer null bis wenige Arbeiten übrig.

Italienisch

Italien ist in der englischsprachigen Literatur stark vertreten, vor allem durch das Zentrum Ferrara und das ICET-A-Netzwerk um De Sanctis; italienischsprachige Primärstudien fanden sich dagegen nur zwei.

Italienischsprachige Arbeiten. Eine Studie in der Minerva Endocrinologica (1989) untersuchte 16 Männer mit idiopathischer Hämochromatose (13 unbehandelt, 14 mit Zirrhose). Zehn Männer mit Libido- und Potenzverlust (Gruppe A) hatten gegenüber Kontrollen deutlich niedrigeres Testosteron, niedrigere basale Gonadotropine und geringere hypophysäre Antworten; bei 9 von ihnen bestand Hodenhypotrophie, bei 8 ein hypogonadotroper Hypogonadismus, bei einem ein primäres Hodenversagen. Von den 6 Männern mit normaler Sexualfunktion (Gruppe B) zeigten 2 eine Überreaktion von LH und FSH auf GnRH, was auf ein frühes primäres Hodenversagen hindeute. Die Autoren sahen die hypothalamisch-hypophysäre Dysfunktion als weitaus häufigste Ursache des Hodenversagens [s214]. Die zweite Arbeit (Minerva Stomatologica, 2003) betrifft 122 Beta-Thalassämie-Patienten aus Cagliari und den Zusammenhang von Hypogonadismus mit Zahnfehlstellung (Odds Ratio 4,5; Konfidenzintervall 1,5 bis 13); die Fertilität selbst wurde nicht untersucht [s189].

Ferrara und ICET-A (englisch publiziert). Aus Ferrara stammen die langen Verlaufsdaten: 273 Patienten mit Thalassaemia major in drei Geburtskohorten (1954 bis 1964, 1965 bis 1974, 1975 bis 2001), bei denen die vollständige Pubertätsentwicklung der Männer von 31 über 44 auf 63 Prozent zunahm; Ferritin um 2000 ng/ml ging mit Hypogonadismus einher, hohes Ferritin, schlechte Therapietreue gegenüber Desferrioxamin und früher Transfusionsbeginn waren Risikofaktoren [s173]. Samenstudien aus dem Kreis um De Sanctis fanden bei 28 Patienten mit Thalassaemia major oder intermedia eine höhere Spermien-DNA-Schädigung als bei Spenderkontrollen (TUNEL 18,5 gegenüber 11,4 Prozent) [s172], während bei 12 langfristig mit Desferrioxamin behandelten jungen Erwachsenen Männer mit auffälligen Samenwerten ein niedrigeres Ferritin hatten als Männer mit normalen (543 gegenüber 1276 ng/ml) [s171]. Der zweite Befund läuft dem Ferritin-Zusammenhang einer taiwanischen Studie entgegen [s108]; beide Datensätze sind klein und querschnittlich, die Kausalität bleibt offen. In einer Umfrage und einem Register des Netzwerks (siehe Abschnitt Englisch) hatten 76,6 Prozent der 240 Männer in Partnerschaft Kinder [s103, s119]. Weitere italienische Erstautoren-Affiliationen (laut Europe PMC) tragen kleinere Studien bei: Neapel (22 Erwachsene mit transfusionsabhängiger Thalassämie und Hypogonadismus, 31 ohne, dazu eine Kontrollgruppe mit nicht thalassämischem hypogonadotropem Hypogonadismus; FSH und LH waren bei den Thalassämie-Patienten höher, die Autoren sprechen von einem gemischten Hypogonadismus) [s15], Siena (Ferritin und Transferrin im Seminalplasma korrelierten mit Lipidperoxidation und einem Ferroptose-Marker) [s46], Calabrien (10 Patienten mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie, erhöhtes Malondialdehyd im Seminalplasma) [s185] und Pavia (24 Männer mit hypogonadotropem Hypogonadismus unter Gonadotropinen; beim Wechsel auf Depot-Testosteron nahmen Hodenvolumen und Spermienzahl deutlich ab; unkontrollierte Serie, keine Empfehlung) [s200].

Leitlinien, Zeitschriften, Erreichbarkeit. Eine italienische Leitlinie ist unter den Quellen nicht vertreten. Die Seite der Società Italiana di Andrologia war unter der versuchten Adresse nicht erreichbar (keine Verbindung); die Adresse wurde nicht weiter geprüft. Die italienischsprachigen Zeitschriften Minerva Endocrinologica und Minerva Stomatologica sind die einzigen nachgewiesenen Orte italienischsprachiger Primärpublikation.

Portugiesisch

Portugiesischsprachige Primärpublikationen waren über Europe PMC nicht auffindbar; die Datenbanken, in denen sie zu erwarten wären, waren gesperrt. Die Suche in SciELO (search.scielo.org) und in LILACS über das Portal BVS (pesquisa.bvsalud.org) endete jeweils mit 403 durch eine Schutzabfrage; die Metadaten-Schnittstelle articlemeta.scielo.org antwortete zwar, bot ohne Suchfunktion aber keinen thematischen Zugang. Eine vollständige Ausschöpfung der portugiesischsprachigen Literatur ist daher nicht gelungen, und das Fehlen von Treffern ist hier ausdrücklich keine Aussage, dass es nichts gibt.

Brasilianische Forschung erscheint in den gefundenen Quellen auf Englisch. Aus Bahia stammt eine Studie an 33 erwachsenen Männern mit Sichelzellkrankheit: 33 Prozent hatten Priapismus in der Vorgeschichte, bei 15 von 33 (45,5 Prozent) bestand nach dem Fragebogen IIEF-5 eine mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion; die Fläche unter der Kurve lag für den Erection Hardness Score bei 0,85, für eine Einzelfrage der MMAS bei 0,82 und für das Erektometer bei 0,90 [s17]. Eine Querschnittsstudie von der Staatlichen Universität Feira de Santana (Bahia; Affiliation des Erstautors laut Europe PMC) an 34 Männern mit Sichelzellkrankheit (Median 33 Jahre) fand Eugonadismus bei 67,5 Prozent, kompensierten Hypogonadismus bei 26,4 Prozent, sekundären bei 5,88 Prozent und keinen primären [s88]. Eine Arbeit mit Erstautor-Affiliation Uberaba (Brasilien) an Männern mit homozygoter Sichelzellkrankheit (18 bis 39 Jahre) fand ähnliche basale LH-, FSH- und Testosteronwerte wie bei Kontrollen, aber eine höhere LH-Antwort nach GnRH; die Autoren deuten dies als Hinweis auf eine periphere Ursache, wahrscheinlich Androgenresistenz. Die Patientenzahl steht in der Zusammenfassung nicht [s106]. Zusammen mit den Befunden anderer Studien, die primäres Hodenversagen als Hauptursache [s74] oder eine zentrale Ursache [s151] angeben, bleibt die Herkunft des Hypogonadismus bei Sichelzellkrankheit in der Literatur uneinheitlich belegt.

Eine Verbindung zum portugiesischen Sprachraum ganz anderer Art: Die Zeitschrift Hematology, Transfusion and Cell Therapy, die einen englischsprachigen Querschnitt aus Bangladesch (94 Patienten mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie, Hypogonadismus 35,11 Prozent, Ferritin bei Hypogonadismus 3572,59 gegenüber 2174,79 ng/ml bei Eugonadismus) veröffentlichte, erscheint laut Katalog der National Library of Medicine in Rio de Janeiro bei Elsevier Editora [s59]. Die Studie selbst stammt nicht aus Brasilien. Eigene brasilianische oder portugiesische Kohorten zu Thalassämie, Hämochromatose und Fertilität fanden sich nicht; Leitlinien in portugiesischer Sprache wurden nicht gefunden.

Spanisch

Die spanischsprachige Literatur ist in den durchsuchten Verzeichnissen nahezu leer. Europe PMC lieferte zwei spanischsprachige Treffer von 1987 ohne Zusammenfassung (Medicina Clínica, Medicina Buenos Aires), die nicht aufgenommen wurden, und eine Übersicht zur hereditären Hämochromatose aus Acta Gastroenterológica Latinoamericana (2023), deren Zusammenfassung keine Aussage zur Fertilität enthält. Die einzige aufgenommene spanischsprachige Quelle ist die Übersicht "Priapismo y anemia de células falciformes: una revisión de la literatura" (Priapismus und Sichelzellanämie: eine Literaturübersicht) aus Kolumbien (Urología Colombiana, 2013): Priapismus sei die häufigste hämatologisch verursachte Form (bis zu 40 Prozent), die Erektionsstörung die wichtigste Folge, und es bestehe kein Konsens über die Behandlung [s143]. Sie enthält keine eigenen Daten und keine Aussage zur Spermatogenese.

Dialnet war erreichbar und lieferte Trefferlisten als HTML mit Zusammenfassungen auf den Artikelseiten, darunter Fallberichte zur Hämochromatose; für Thalassämie und Fertilität gab es keine Treffer. Die spanische Hämatologie-Gesellschaft (SEHH) tritt nur mit Kongressbänden in Erscheinung, deren Zusammenfassungen nicht gesichtet wurden. Die in Abschnitt Portugiesisch genannten gesperrten Portale (SciELO, LILACS) konnten auch für die spanischsprachige Suche nicht genutzt werden. Spanischsprachige Leitlinien, Register oder Kohorten zum Thema wurden nicht gefunden. Das ist ein tatsächlicher Befund der Recherche, wegen der begrenzten Schnittstellen aber kein Beweis der Abwesenheit.

Chinesisch

Die chinesischsprachige Literatur ist in diesem Themenfeld dünn und ein Stück weit unzugänglich. Von den aufgenommenen Arbeiten erschienen nur vier in chinesischsprachigen Zeitschriften, alle mit englischem Abstract: eine Registerstudie in Zhonghua Gan Zang Bing Za Zhi [s56], eine Übersicht in Zhongguo Dang Dai Er Ke Za Zhi [s20] und zwei Beiträge in Zhonghua Nan Ke Xue (National Journal of Andrology) [s48, s71]. Die Volltexte wurden nicht gelesen; die Titel liegen in den abgerufenen Datensätzen nur in englischer Übersetzung vor. Alles Übrige ist englisch in internationalen Zeitschriften erschienen. Der Raum umfasst das Festland, Hongkong und Taiwan; Hongkong und Taiwan stellen die längste klinische Tradition (1989 bis 2026).

Thalassämie, Hormone und Hoden. Die Studie mit dem unmittelbarsten Bezug stammt aus Taiwan: Bei 21 Männern mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie und 5 gesunden Kontrollen waren die MRT-T2-Werte des Hodens niedriger als bei den Kontrollen (P = 0,027) und korrelierten mit dem Ferritin (R² = 0,258; P = 0,008). Bei Patienten ohne hypogonadotropen Hypogonadismus und mit spontaner Spermatogenese waren Spermienkonzentration (P = 0,037) und Anteil normal geformter Spermien (P = 0,001) niedriger und die Spermien-DNA-Fragmentierung höher (P = 0,009; Korrelation mit Ferritin R² = 0,48). Es ist nach dem Recherchebericht die einzige ostasiatische Studie mit Spermiogramm und Hoden-MRT; sie hat eine winzige Kontrollgruppe und schließt gerade die am schwersten Betroffenen ohne spontane Spermatogenese aus [s108]. Eine nationale taiwanische Versicherungskohorte (588 nicht transfusionsbehandelte Männer mit Thalassämie, 2337 Vergleichspersonen) fand 12 beziehungsweise 10 Fälle organischer erektiler Dysfunktion (2,81 gegenüber 0,59 pro 1000 Personenjahre) und ein adjustiertes Hazard Ratio von 4,56 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,88 bis 11,1); die Studie hat nur 22 Ereignisse, beruht auf Abrechnungsdiagnosen, und die meisten Patienten waren nach den Autoren Anlageträger oder gering symptomatisch [s135]. Weitere taiwanische Studien beschreiben bei 29 Patienten mit Thalassaemia major ab 15 Jahren einen hypogonadotropen Hypogonadismus bei 72 Prozent und ausbleibende Pubertät bei 5 von 11 Männern, mit einer statistisch instabilen Odds Ratio von 28,50 für den Phänotyp beta0/beta0 [s188], bei 44 Erwachsenen mit transfusionsabhängiger Thalassämie Hypogonadismus bei 38,6 Prozent, davon 10 Männer (43,5 Prozent der Männer), ohne signifikanten Zusammenhang mit dem Transfusionsintervall (P = 1,0) oder mit Ferritin ab 2247,2 pmol/l (6 Männer, P = 0,680) [s09], und bei 29 Erwachsenen eine positive Korrelation von Testosteron mit der Knochendichte [s100]. Der Vergleich von Deferipron und Desferrioxamin in Bezug auf Endokrinopathien (Taiwan, 2006) nennt in der abgerufenen Zusammenfassung keine Ergebnisse [s182]. Aus Hongkong stammt die älteste Serie: Von 11 Männern erreichten nur 3 die volle Pubertät; sechs präpubertäre Patienten blieben unter Chelattherapie trotz sinkenden Ferritins (von 11.910 auf 1.303 pmol/l im Median) ohne Pubertätsfortschritt [s215]. Eine Hongkonger Querschnittsstudie an 109 Patienten mit nicht transfusionsabhängiger Thalassämie fand bei sechs Männern niedriges Testosteron und bei zwei Patienten (4 Prozent) eine Hypophysen-Eisenüberladung [s28].

Kinderkohorten aus Südchina. In Guangxi, wo Thalassämie häufig ist, ermöglicht das große Patientenkollektive: Bei 389 Kindern und Jugendlichen mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie (236 männlich) hatten 9,26 Prozent insgesamt Hypogonadismus, bei den über 13-Jährigen 70,6 Prozent (36 von 51) und bei den männlichen 74,2 Prozent (23 von 31); Hypogonadismus war hier eine Einflussgröße im Modell der Knochendichte, kein Hauptendpunkt [s36]. Bei 200 Kindern von 3 bis 12 Jahren mit alpha-Thalassämie lag die Rate bei 84,0 Prozent; die Definition über niedriges Testosteron ohne pubertätsspezifische Referenzwerte bei überwiegend präpubertären Kindern macht diese Zahl mit Erwachsenenkohorten unvergleichbar [s124]. In Hainan waren unter 13.856 infertilen Personen (beide Geschlechter) 3458 (24,96 Prozent) Thalassämie-Träger, wobei die alpha-Thalassämie-Trägerschaft in der infertilen Gruppe gegenüber der Bevölkerung im reproduktiven Alter erhöht war; eine Aufschlüsselung nach Geschlecht fehlt, und eine Kausalaussage ist nicht möglich [s37]. In Guizhou wurden 4481 Paare gescreent (1314 Träger, 14,66 Prozent); das Thema ist dort die Risikoabschätzung für Nachkommen, nicht die männliche Zeugungsfähigkeit [s54]. Eine chinesischsprachige Übersicht zu Wachstum und endokriner Funktion bei Kindern mit transfusionsabhängiger Thalassämie nennt Hypogonadismus unter den Folgen der Eisenüberladung, ohne Zahlen [s20].

Hämochromatose: Nicht-HFE-Formen. In China dominiert eine andere Genetik als in Nordeuropa. Aus dem China-Register stammt eine Analyse von 32 Patienten mit primärer Eisenüberladung (23 Männer): Nicht-HFE-Varianten fanden sich bei 31 von 32 (97 Prozent); Hypogonadismus bestand nach dem Volltext bei 9 Patienten, in der HJV-Gruppe bei 5 von 8 (62,5 Prozent), in der SLC40A1-Gruppe bei 3 von 6 und in der Gruppe ohne pathogene Variante bei keinem [s92]. Eine zweite Auswertung desselben Registers (37 Fälle, davon 10 mit HJV-Mutation) berichtet Hypogonadismus bei 6 von 10, ohne Aufschlüsselung nach Geschlecht (7 Männer, 3 Frauen); wegen möglicher Patientenüberschneidung dürfen beide Auswertungen nicht addiert werden [s56]. Eine systematische Übersicht mit 132 HJV-Fällen aus 57 Arbeiten fand Hypogonadismus bei Kaukasiern häufiger als bei Ostasiaten (P = 0,0093) und bei Homozygoten mit Missense-Mutationen häufiger (72,55 Prozent) als bei Nonsense-Mutationen (35,71 Prozent) [s104]. Sechs Patienten aus Peking (5 Männer) mit endokriner Beteiligung (Ferritin im Mittel 4508,8 ng/ml; Hypophyse bei 5 von 6) [s91] und zwei Einzelfälle, ein 34-jähriger Chinese mit juveniler Hämochromatose [s55] und ein 23-jähriger Taiwaner mit Thalassaemia major [s194], illustrieren den zentralen Hypogonadismus, ohne Häufigkeiten zu belegen. Zur HFE-Genetik: Bei 444 infertilen Männern (169 mit idiopathischer Azoospermie) und 423 fertilen Kontrollen der Han fehlten C282Y und S65C völlig, und H63D war nicht mit Infertilität assoziiert (Odds Ratio 0,801; 0,452 bis 1,421) [s154]; bei 502 Koreanern fand sich ebenfalls kein C282Y (siehe Abschnitt Koreanisch) [s197].

Eisen und männliche Infertilität. Chinesische Autorengruppen stellen die meisten Metaanalysen. Eine Metaanalyse mit zehn Artikeln und 985 Teilnehmern (Datenbanken PubMed, CBM, CNKI, Cochrane Library) fand bei infertilen Männern höheres Eisen im Samen (standardisierte mittlere Differenz 0,44; 0,12 bis 0,76) und im Serum (3,77; 1,68 bis 5,87); der große Serum-Effekt deutet auf Heterogenität, Heterogenitätsmaße stehen in der Zusammenfassung nicht [s10]. Eine zweite Metaanalyse über neun Elemente (38 Studien, 5070 Männer, acht Datenbanken einschließlich CNKI und Wanfang) fand Kupfer und Cadmium bei infertilen Männern höher, aber keinen signifikanten Unterschied für Eisen [s16]; beide stehen in Spannung zueinander. Eine Mendelsche Randomisierung mit Daten europäischer Abstammung ergab für höheres genetisch vorhergesagtes Serumeisen ein höheres Infertilitätsrisiko (Odds Ratio 2,917; 1,232 bis 6,911), nicht aber für Ferritin und Transferrinsättigung [s08]. Eine Analyse aus NHANES (687 Männer) plus Mendelscher Randomisierung beschrieb bei Männern mittleren Alters einen J-förmigen Zusammenhang von Serumeisen und Gesamttestosteron mit einem Wendepunkt bei 12,18 µmol/l; der kausale Effekt verschwand in der multivariablen Analyse, und der Normbereich lässt sich nicht auf Eisenüberladung übertragen [s13]. In vitro hemmte Fe2+ die Beweglichkeit menschlicher Spermien (Taiwan, 2001) schon bei 5 ppm [s192].

Tierversuche und Ferroptose. Auffällig ist die große Zahl an Arbeiten zur Ferroptose im Hoden, die fast alle aus der Toxikologie stammen und nur aufgenommen wurden, wenn Eisenüberladung oder Eisenmangel selbst Gegenstand waren. Dazu zählen Eisenmangel bei der Ratte (Taiwan; Testosteron und Hodenbiopsie-Score niedriger, Eisengabe kehrte die Schäden um) [s78], Eisenmangel bei der Maus [s18, s81], Eisenüberladung bei der Maus mit Hodenschäden und einer Ferroptose über SLC39A14 und HO-1 [s29, s35] sowie Hydroxyharnstoff im Mausmodell (Spermatozyten-Lücken, vermehrte Doppelstrangbrüche) [s84]. Zwei Beiträge in Zhonghua Nan Ke Xue betreffen eine Übersicht zur Ferroptose bei Spermatogenesestörungen [s71] und eine Zellstudie an Leydig-Zellen mit der traditionellen Rezeptur "Xiongcan Yishen", die mit dem Late-Onset-Hypogonadismus verbunden wird [s48]; klinische Hämoglobinopathie-Daten enthalten sie nicht. Zur Sichelzellkrankheit gibt es nur zwei Mausstudien zum Priapismus [s139, s163], weil die Krankheit in Ostasien sehr selten ist.

Leitlinien, Erreichbarkeit. Eine chinesische Leitlinie zum Thema ist unter den Quellen nicht vertreten. CNKI leitete mit HTTP 302 weiter, die Recherche-Seite antwortete nicht. Wanfang lieferte 404, eine JavaScript-Hülle ohne Ergebnisse beziehungsweise bei der Schnittstelle HTTP 415. Chinesischsprachige Arbeiten ohne englischen Abstract und ohne Eintrag in Europe PMC sind daher nicht erfasst; diese Lücke ist erheblich und nicht abschätzbar. Indirekt wurden CNKI, CBM und Wanfang nur durch die beiden Metaanalysen durchsucht [s10, s16]. Zur Orientierung: Es gibt keine ostasiatische Studie mit Spermiogramm bei Männern mit Hämochromatose, Sichelzellkrankheit oder nicht transfusionsabhängiger Thalassämie.

Japanisch

Aus Japan liegt kaum eigene Literatur zu diesem Thema vor, weil Thalassämie und Sichelzellkrankheit dort selten sind. Der Recherchebericht beschreibt die japanische Literatur als überwiegend Einzelfallberichte zur sekundären Hämochromatose mit Hypogonadismus und Tagungsabstracts. In J-STAGE wurden dazu Titel gefunden, die nicht als Quelle gezählt sind, weil kein verwertbarer Abstract vorlag oder die Patientin weiblich war: ein Fallbericht von 1994 zur Hämochromatose nach angeborener Erythroblastopenie mit isoliertem Gonadotropinmangel (Folia Endocrinologica Japonica; laut Beginn des Abstracts eine 37-jährige Frau), ein Tagungsbeitrag von 2022 zu aplastischer Anämie mit transfusionsbedingtem isoliertem Gonadotropinmangel (Geschlecht und Zahlen nicht abrufbar) und ein Fallbericht von 1988 zu sekundärer Hämochromatose mit Hypopituitarismus (nur Titel). Sie belegen, dass der Zusammenhang von Transfusionssiderose und zentralem Hypogonadismus in japanischen Zeitschriften bekannt ist, sind aber kein Datensatz.

Aufgenommen wurden vier Quellen. Erstens eine explorative Studie in Reproductive Medicine and Biology (2024) an 245 Männern mit Subfertilität und 4 gesunden Freiwilligen: In geteiltem Ejakulat wurden 20 Spurenelemente einschließlich Eisen untersucht, vier Patientencluster fanden sich, und die Klassifikation bildete vor allem die Ejakulatfraktion ab; Eisen wird nicht einzeln berichtet. Der methodische Wert liegt in der Warnung, dass Elementkonzentrationen im Samen von der Fraktion abhängen, was für Metaanalysen mit unterschiedlicher Probengewinnung relevant ist [s52]. Zweitens eine Übersicht zum Priapismus (World Journal of Men's Health, 2016), nach der der stotternde Priapismus häufig bei Sichelzellkrankheit auftritt; sie enthält keine eigenen Daten [s131]. Drittens eine Analyse zur Spermienkonservierung bei 19 Patienten mit geplanter allogener Stammzelltransplantation (Zeitschrift der Japanischen Gesellschaft für Kinderhämatologie und -onkologie, 2018; Titel 同種造血幹細胞移植を計画した小児・若年成人患者に対する精子保存の現状, deutsch: Aktueller Stand der Spermienkonservierung bei Kindern und jungen Erwachsenen vor geplanter allogener Stammzelltransplantation): Median 15 Jahre, 8 hämatologische Malignome und 11 nichtmaligne Erkrankungen; 10 von 19 wurden über die Möglichkeit aufgeklärt, bei 7 wurde die Konservierung versucht, bei 5 gelang sie. Welche nichtmalignen Erkrankungen eingeschlossen waren, nennt die Zusammenfassung nicht; die Arbeit ist daher nur als Kontext zur Versorgungspraxis zu lesen [s118]. Viertens eine Übersicht in 臨床血液 (Rinsho Ketsueki; Titel 挙児希望の造血器患者における妊孕性温存, deutsch: Fertilitätserhalt bei hämatologischen Patienten mit Kinderwunsch; 2024), die die Leitlinienarbeit der Japan Society for Fertility Preservation, ein nationales Register und ein landesweit einheitliches Förderungssystem beschreibt; der Schwerpunkt liegt auf Frauen mit chronischer myeloischer Leukämie, zu Thalassämie, Sichelzellkrankheit oder Eisenüberladung enthält die Zusammenfassung nichts [s57].

Erreichbarkeit: Die J-STAGE-Such-Schnittstelle (Atom-Format) lieferte Treffer, die aber stark verrauscht sind (viele Tagungs-Inhaltsverzeichnisse). CiNii Research antwortete mit HTTP 202 und einer Web-Application-Firewall-Challenge ohne Inhalt. Die japanische Suche nach "鎌状赤血球 持続勃起" (Sichelzellkrankheit, anhaltende Erektion) brachte sieben Treffer, überwiegend Priapismus anderer Ursache, einen sichelzellbezogenen Treffer zu einer nigerianischen Patientin. Eine japanische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden. Eine japanische Kohorte mit Spermiogramm bei Hämoglobinopathie oder Hämochromatose liegt nicht vor.

Koreanisch

Auch in Korea ist Thalassämie selten; in einer prospektiven multizentrischen Studie (669 Teilnehmer, 2015 bis 2017) waren in der multiethnischen Gruppe 5 Personen (1,5 Prozent) alpha-Thalassämie-Träger und 6 (1,9 Prozent) hatten eine Beta-Thalassämie minor; die Prävalenz bei jungen Menschen steige durch Zuwanderung aus Südostasien [s105]. Als Modell der Transfusionssiderose dient in der koreanischen Literatur deshalb vor allem die aplastische Anämie.

Zentren Seoul und Gwangju. Eine Querschnittsstudie aus Seoul (2013) untersuchte 25 Patienten mit aplastischer Anämie und transfusionsassoziierter Hämochromatose (11 Männer, 14 Frauen) mit kombiniertem Hypophysenfunktionstest, Glukosetoleranztest und Knochendichtemessung: 22 von 25 (88 Prozent) hatten mindestens eine endokrine Anomalie, 54 Prozent einen hypogonadotropen Hypogonadismus, 12 (48 Prozent) Diabetes und 48 Prozent Osteoporose. Die Studie ist klein, geschlechtsgemischt, ohne Kontrollen und ohne Spermiogramme [s144]. Eine Querschnittsstudie aus Gwangju (Korean Journal of Pediatric Hematology and Oncology, 2001) an 14 Patienten mit aplastischer Anämie und mehr als 10 Einheiten Erythrozytenkonzentrat (Median 61 Einheiten) fand erhöhtes Ferritin bei 12 (85,7 Prozent) und eine Korrelation mit der Transfusionsmenge (r = 0,868); ein Patient hatte einen hypogonadotropen Hypogonadismus, drei einen Diabetes, drei eine Hypothyreose [s193]. Aus der Zeitschrift Korean Journal of Medicine (2008) stammt der Fallbericht einer 38-jährigen Frau mit etwa 400 transfundierten Einheiten, hypogonadotropem Hypogonadismus und Mehrorganschäden (nur Kontext) [s175]; ein weiterer Bericht beschreibt zwei Patienten mit aplastischer Anämie und transfusionsbedingtem Diabetes, ein männlicher Patient ohne berichteten Hypogonadismus [s123]. Eine Fallserie von 15 Patienten mit hochdosiertem Desferrioxamin (19 Zyklen, 1997) misst die Eisenentfernung (Eisen/TIBC 0,90 ± 0,04 auf 0,85 ± 0,04; Urin-Eisenausscheidung 6,5 ± 7,6 auf 29,1 ± 14,3), aber keine Gonadenendpunkte [s202]. Ein koreanischer Fallbericht aus dem Jahr 2004 beschreibt Spermienkonservierung vor Knochenmarktransplantation bei einem 25-Jährigen mit chronischer myeloischer Leukämie und einem 28-Jährigen mit schwerer aplastischer Anämie; bei beiden Partnerinnen kam es nach ICSI mit aufgetauten Spermien zur Schwangerschaft [s186].

Genetik und Testosteron. Bei 502 nicht verwandten Koreanern fand sich keine HFE-Mutation C282Y (weder heterozygot noch homozygot); die Autoren sehen darin einen deutlichen ethnischen Unterschied zu Kaukasiern [s197]. In einer großen Gesundheitsuntersuchungs-Kohorte (966 Männer mit Testosteron unter 3,5 ng/ml gegenüber 7402 Kontrollen, nach Matching 966 gegenüber 1932) hatten Männer mit Testosteronmangel häufiger eine Anämie (relatives Risiko 2,4). Es war eine einzelne Testosteronmessung im Querschnitt; die Richtung der Beziehung und die Ursache der Anämie bleiben offen, und die Teilnehmer waren keine Infertilitätspatienten [s73].

Zeitschriften, Erreichbarkeit. Koreanische Fachzeitschriften sind mit Beiträgen von 1997 bis 2008 (Korean Journal of Pediatric Hematology and Oncology, Korean Journal of Medicine) über KoreaMed mit Abstract abrufbar [s175, s193, s202]. KoreaMed war erreichbar; die Suche über das Formular funktioniert, mehrere Mehrwort-Suchanfragen lieferten aber keine Ergebnisse, und viele Datensätze tragen den Vermerk "No abstract available". Die Schnittstelle von KCI verlangt einen Zugangsschlüssel (Fehlermeldung "Pflichtparameter key fehlt"), eine Listen-Adresse lieferte 404, DBpia war nicht erreichbar. Eine koreanische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden; Studien zu Sichelzellkrankheit oder Hydroxyurea und Fertilität in Korea fehlen.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Thalassämie: Hypogonadismus und Hormonachse bei Erwachsenen bis Thalassämie nach Stammzelltransplantation
  6. Sichelzellkrankheit: Samenqualität und Hydroxyurea bei Erwachsenen bis Hereditäre Hämochromatose: Fallberichte
  7. Hämochromatose in China: Registerstudien und seltene Formen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Zur Belegbasis dieses Kapitels bis Klinische Studien zur Thalassämie
  9. Klinische Studien zur Sichelzellkrankheit bis Evidenz aus den einzelnen Sprachräumen
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Koreanisch
  13. Russisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen s01–s106
  22. Quellen s107–s218
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle