Eisenüberladung, Anämie, Thalassämie und Sichelzellkrankheit · Kapitel 11 von 19

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Eine echte Dosis-Wirkungs-Beziehung, etwa nach Eisenmenge im Gewebe, Dauer der Überladung oder kumulativer Hydroxyurea-Dosis, ist beim Menschen in keiner der gefundenen Studien mit Fertilitätsendpunkt sauber bestimmt worden. Meist dient das Serumferritin als einziger Eisenmarker; es steigt auch bei Entzündung und Lebererkrankung. Organeisen (Leber-MRT, Herz-T2*, Hypophysen-MRT) liegt nur in wenigen Studien vor ([s30], [s02], [s129], [s116], [s110], [s108]). Die folgenden Tabellen stellen berichtete Zahlen nebeneinander. Die Spalten sind nicht vergleichbar, weil Populationen, Alter, Definitionen und Behandlungsären verschieden sind; die Tabellen ersetzen keine Metaanalyse.

Eisenlast und Hypogonadismus beziehungsweise Samenparameter

Tabelle 1: Ferritin, Eisenlast und Hypogonadismus beim Menschen (Thalassämie, Sichelzellkrankheit)

StudiePopulationEisenmaßBefundZusammenhang
[s59] Bangladesch94 Patienten, transfusionsabhängige Beta-ThalassämieFerritin2174,79 ± 749,12 gegenüber 3572,59 ± 1199,49 ng/ml (eugonadal gegenüber hypogonadal; p < 0,001); ROC-Fläche 0,83ja
[s60] Irak80 Patienten, 27 MännerFerritin2326 gegenüber 1220 ng/ml (p = 0,065 laut Volltext)nicht signifikant
[s173] Ferrara273 Patienten, MännerFerritinHypogonadismus um 2000 ng/ml, Hypothyreose, Hypoparathyreoidismus und Diabetes um 3000 ng/mlja (Querbeziehung)
[s129] ICET-A11 Männer mit erworbenem hypogonadotropem Hypogonadismus, 12 KontrollenFerritin über 2000 ng/ml5 von 11 (45,4 Prozent) gegenüber 1 von 12 (8,3 Prozent); p = 0,043ja; Leber-Eisen unverändert, Herz-T2* niedriger (p = 0,004)
[s98] Nordirak150 PatientenFerritin, Median 2762 µg/lHypogonadismus als einzige Komplikation mit signifikant höherem Ferritinja
[s156] Irak78 Jungen (4 bis 11 Jahre)Ferritin, SerumeisenFerritin und LH r = −0,48; Serumeisen und LH r = −0,53; Serumeisen und FSH r = −0,52ja, in präpubertärem Alter schwer zu deuten
[s02] Dubai200 ErwachseneFerritin unter und über 2500 µg/lkein Unterschied der Endokrinopathien; Testosteron und Ferritin ρ = −0,233, nach Bonferroni nicht signifikantnein
[s09] Taiwan10 Männer mit HypogonadismusFerritin ab 2247,2 pmol/l6 Männer; p = 0,680nein
[s30] Izmir60 KinderFerritin, Leber-Eisenkonzentrationkeine Korrelation mit endokrinen Komplikationen (überwiegend niedrige Eisenlast)nein
[s174] Uludağ44 PatientenFerritinkein signifikanter Zusammenhangnein
[s116] Katar52 Erwachsene mit Thalassaemia majorLeber-Eisenkonzentration über 15 mg/g TrockengewichtKleinwuchs, Diabetes und Hypogonadismus signifikant häufigerja
[s96] Ägypten und Saudi-Arabien80 Männer mit SichelzellanämieFerritin über 300 gegenüber 20 bis 270 ng/mlTestosteron 4,11 gegenüber 5,18 ng/ml (p = 0,018); LH höher in der Hochferritin-Gruppe (p = 0,019); in der Gruppe Ferritin und Testosteron r = +0,32gemischt
[s130] Bahrain51 Männer mit HbSSFerritin, etwa 2,5-fach erhöhtRegressionskoeffizient Ferritin zu Testosteron −0,49 (p < 0,001)ja
[s151] Sichelzell-Querschnitt34 MännerFerritinkein Unterschied zwischen hypogonadalen und normogonadalen Männern (p = 0,71)nein
[s108] Taiwan21 Patienten, 5 KontrollenHoden-T2 und FerritinHoden-T2 niedriger (p = 0,027); T2 und Ferritin R² = 0,258; Spermien-DNA-Fragmentation und Ferritin R² = 0,48ja
[s171] Ferrara12 junge Erwachsene unter DesferrioxaminFerritin543 (auffällige Samenwerte) gegenüber 1276 ng/ml (normale Samenwerte); p < 0,01umgekehrt
[s111] Ägypten10 Männer mit SpermienFerritinkeine Korrelation mit Parametern des Spermienschadensnein

Die Zusammenschau zeigt: Bei hohem Ferritin im Bereich von etwa 2000 bis über 3500 ng/ml wird Hypogonadismus in mehreren Kohorten häufiger berichtet; in ebenso vielen Kohorten, vor allem mit niedrigerer Eisenlast, Kindern oder moderner Chelation, besteht kein Zusammenhang. Eine Schwelle, ab der die Fertilität leidet, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten. Die einzigen Ferritinwerte, die als „Grenzwerte“ genannt werden, stammen aus kleinen Querschnitten (Ferritin um 2000 ng/ml für Hypogonadismus in [s173]; ein Grenzwert von 4900 mit fehlerhafter Einheit in [s89]).

Tabelle 2: Eisenparameter bei Männern ohne Hämoglobinopathie und Fertilität

StudieDesignExpositionErgebnis
[s10]Metaanalyse, 10 Artikel, 985 TeilnehmerEisen im Samen, Eisen im SerumInfertile höher: standardisierte mittlere Differenz 0,44 (0,12 bis 0,76) und 3,77 (1,68 bis 5,87)
[s16]Metaanalyse, 38 Studien, 5070 MännerEisen im Samenkein signifikanter Unterschied
[s08]Mendelsche Randomisierunggenetisch vorhergesagtes SerumeisenOdds Ratio 2,917 (1,232 bis 6,911); Ferritin und Transferrinsättigung ohne Assoziation
[s13]NHANES, 687 Männer plus Mendelsche RandomisierungSerumeisenJ-förmig zu Gesamttestosteron, Wendepunkt 12,18 µmol/l; multivariable Mendelsche Randomisierung abgeschwächt
[s32]60 infertile Männer in ICSI-ZyklenEisen und Transferrin im SamenLebendgeburtenrate +1,016 Prozent je µg/dl Seminaleisen (p = 0,0009); −3,754 Prozent je mg/dl Seminal-Transferrin (p = 0,04)
[s44]75 Männerseminales Eisen, Lactoferrinkein Gruppenunterschied; positive Korrelation mit Spermienkonzentration
[s158]50 Männer mit moderater dysmetabolischer ÜberladungLeber-Eisengehalt über dem Median (90 µmol/l)höheres SHBG (p = 0,028), niedrigeres LH (p = 0,039); Aderlass ohne signifikante Hormonbesserung

Die Richtung der Zusammenhänge ist uneinheitlich (höheres Eisen bei Infertilen [s10], [s08]; höheres Samen-Eisen mit besserem Ergebnis [s32], [s44]); gegen eine einfache lineare Dosis-Wirkung spricht auch der J-förmige Verlauf [s13]. Erschwerend ist, dass das Eisen im Samen von der Fraktion des Ejakulats abhängt [s52].

Hydroxyurea: Dosis, Dauer und Erholung

Tabelle 3: Hydroxyurea und Samenparameter beim Menschen

StudiePopulationDosis und DauerBefund unter BehandlungBefund nach Absetzen
[s50] Metaanalyse4 Studien an Männern mit Sichelzellkrankheitnicht einheitlich berichtetKonzentration −15,48 (−20,69 bis −10,26) Millionen/ml; Gesamtzahl −105,87 (−140,61 bis −71,13) MillionenKonzentration −20,09 (−38,78 bis −1,40); Gesamtzahl −53,05 (−104,96 bis −1,14)
[s25] randomisiert64 Männer in Nigeriamoderate Dosis, median 10 MonateKonzentration, Beweglichkeit und normale Morphologie signifikant gesenktdrei Monate nach Absetzen Ausgangsniveau (ohne Zahlen)
[s127] Indien100 Männer10 mg/kg/TagOligospermie 20, Azoospermie 10 Prozent (ohne Hydroxyurea: 18 und 4 Prozent)nach drei Monaten bei 73 Prozent Normalisierung
[s170] Mehrzentren44 Patienten, 108 Probennicht angegebenalle Parameter betroffen, innerhalb von unter 6 Monaten, dann Plateaubei 30 Patienten global kein Unterschied zwischen vor und nach Behandlung; bei vier keine rasche Erholung
[s168]4 unter Hydroxyurea, 6 nach TransplantationNachbeobachtung median 10,5 Jahre (Hydroxyurea)Azoospermie bei 2 von 4n. a.
[s177]4 Männernicht angegebenZahl und Beweglichkeit gesenktAzoospermie bei einem Mann erholte sich, bei zwei von drei Morphologie und Beweglichkeit weiter beeinträchtigt
[s178] Einzelfall (essenzielle Thrombozythämie)1 Mann2 g täglich über 3 JahreAzoospermieRückkehr etwa 6 Monate nach Absetzen; Konzeption innerhalb von 4 Monaten
[s85]15 Patienten mit Kindheitsexposition (26 Proben) gegenüber 23 naiven (46 Proben)Beginn median 6 Jahre, Dauer median 4 Jahre, 22,4 ± 3,7 mg/kg/Tagkein Unterschied zu naiven Patienten, beide deutlich auffällign. a.
[s72] Türkei50 Männernicht angegebenHydroxyurea ungünstig für Spermienparameter (Koeffizient −1,914; p = 0,038)n. a.
[s149] Thalassaemia intermedia75 unter Hydroxyurea, 31 ohne8 bis 15 mg/kg/Tag, mindestens 5 JahreHypogonadismus 9,3 gegenüber 9,7 Prozentn. a.
[s67] Histologie21 exponierte, 3 nicht exponierte Jungenkeine Korrelation mit Dosis oder DauerSpermatogonien bei früherem Beginn niedriger (r = 0,476); Schwellenalter 2,4 Jahre (AUC 0,84)n. a.
[s04] REACH310 Jungen, Subsahara-Afrikamaximal verträgliche DosisPubertät bei 25 bis 30 Prozent verzögert, allmählicher Fortschritt; Anti-Müller-Hormon bei 52 Prozent der Jungen am Ausgangspunkt, bei 28 Prozent im Verlauf niedrign. a.

Tabelle 4: Hydroxyurea im Tierversuch

StudieModellDosis und DauerErgebnis
[s167]Sichelzellmäuse und Kontrollen, N = 1025 mg/kg/Tag über 28 oder 56 TageHodengewicht 0,09 und 0,06 g (Kontrollen 0,15 und 0,16 g); Spermiendichte −69 und Beweglichkeit −95 Prozent bei Tag 56; atrophische Degeneration
[s64]erwachsene Mäuseetwa 2 Monatealle Fertilitätsindizes gesenkt; nach 4 Monaten ohne Hydroxyurea Hodengewicht 0,26 gegenüber 0,37 g, Spermiendichte 8,1 gegenüber 16,8 Millionen, Beweglichkeit 45 gegenüber 61 Prozent; Testosteron normalisiert; Nachkommenrate niedriger (p < 0,05)
[s84]Mäuse25 und 50 mg/kgunreparierte Doppelstrangbrüche steigen mit der Dosis; weniger Rekombinationsfoci
[s137]Wildtyp- und FasL-transgene Mäuse400 mg/kg intraperitoneal, 12 Stundenerhöhter Apoptoseindex, stärker bei FasL-transgenen Tieren

Die Tabellen zeigen: Die Metaanalyse findet unter Behandlung eine statistisch klare Senkung von Konzentration und Gesamtzahl; die Beobachtungsdaten und die randomisierte Studie berichten Erholung nach Absetzen, die Metaanalyse findet nach Absetzen aber weiterhin niedrigere Werte (untere Grenzen der Konfidenzintervalle nahe 0), und ein Teil der Männer in [s170] und [s177] erholt sich nicht rasch oder nicht vollständig. Eine nach Dosis oder kumulativer Menge gestaffelte Auswertung beim Menschen fehlt; in [s67] bestand ausdrücklich keine Korrelation mit Dosis oder Dauer. Die Cochrane-Übersichten bezeichnen die Evidenz zu Fertilitätswirkungen als unzureichend [s126], [s76].

Transfusion, Anämiekorrektur und Hämoglobin

Tabelle 5: Vorher-Nachher-Daten nach Anämiekorrektur (einarmige Studien)

StudiePopulationEingriff, ZeitpunktHämoglobin (g/dl)Testosteron (nmol/l)Gesamtspermienzahl (Millionen/ml)
[s150]10 Männer mit Thalassaemia majorTransfusion, nach 7 Tagen8,7 auf 11,116,5 auf 2057,8 auf 166
[s146]18 Männer mit transfusionsabhängiger SichelzellkrankheitTransfusion, nach 7 Tagen8,5 auf 10,512,3 auf 14,2387,4 auf 146,2
[s141]11 Erwachsene mit Eisenmangelanämie800 bis 1200 mg intravenöses Eisen8,1 auf 13,112,22 auf 15,972 auf 158
[s115]25 eugonadale Männer mit Eisenmangelanämieintravenöses Eisensaccharat5,66 auf 11,96Hormone und Samenparameter signifikant besser (p < 0,01)Zahlenwerte nicht in der Zusammenfassung

Die Vorher-Werte lagen in [s146] unter dem Referenzbereich des Labors für Testosteron (21,4 ± 5,9 nmol/l). In [s146] war die Gesamtzahl nach Austauschtransfusion besser als nach Auffülltransfusion; Hämoglobin korrelierte mit Spermienzahl, Beweglichkeit und Morphologie (r = 0,60 bis 0,86). Alle vier Studien sind unkontrolliert, die Beobachtung war kurz, und eine dauerhafte Verbesserung der Fertilität ist nicht belegt. Beachtenswert ist, dass die beiden Erkrankungen sehr unterschiedliche Eisenlagen haben (Überladung bei Thalassämie, Mangel bei [s141], [s115]) und die Richtung der Wirkung dennoch gleich ist; das spricht für den Hämoglobinwert als gemeinsamen Faktor, ist aber eine Deutung. Bei Eisenmangelanämie zeigen auch Tiere mit Eisenmangel niedrigere Testosteronwerte (87,5 gegenüber 187,4) und schlechtere Hodenhistologie, die sich bei gestufter Eisenzufuhr (6 bis 35 ppm) besserten [s78].

Subgruppen

Tabelle 6: Subgruppen und Effektmodifikatoren, wie in den Studien berichtet

MerkmalBefundQuelleGewissheit
KrankheitsgruppeHypogonadismus bei Thalassämie signifikant häufiger als bei Sichelzellkrankheit (Katar, Erwachsene)[s116]gering bis mittel
Schwere der ThalassämieVerzögerte Pubertät und Hypogonadismus vor allem bei transfusionsabhängiger Thalassämie; reproduktive Dysfunktion nach Konsensleitlinie nur bei Beta-Thalassaemia major und transfusionsabhängiger HbH-Krankheit berichtet[s21]Leitlinie, Abstract
Trägerstatus (Thalassaemia minor)auffällige Samenparameter bei 39 von 49 Männern (selektierte Gruppe, ohne Kontrollen)[s26]sehr gering
TransfusionsabhängigkeitVäter: 1,27 ± 0,07 Kinder bei transfusionsabhängigen gegenüber 1,47 ± 0,15 bei nicht transfusionsabhängigen (p > 0,05)[s103]gering
Genotyp β0/β0Odds Ratio 28,50 für hypogonadotropen Hypogonadismus (n = 29)[s188]sehr gering (instabil)
Genotyp bei Sichelzellkrankheitkeine Unterschiede in selbstberichteter Unfruchtbarkeit nach Genotyp oder Hydroxyurea (Register, 884 Männer)[s62]gering
Sichelzellmerkmal (heterozygot)keine Unterschiede in Hormonen und Samenindizes[s203]gering
Alpha-Thalassämiein [s09] mit dem Fehlen endokriner Komplikationen assoziiert (p = 0,002); bei Kindern mit alpha-Thalassämie Hypogonadismus 84 Prozent (präpubertär, Definition fraglich)[s09], [s124]sehr gering
Behandlungsäravollständige Pubertät bei Männern mit Thalassaemia major: 31, 44 und 63 Prozent in den Geburtskohorten 1954 bis 1964, 1965 bis 1974 und 1975 bis 2001[s173]mittel (Zeit als Störgröße)
Hypogonadismus-Häufigkeit nach ÄraDubai: 52,7 Prozent (Daten bis 2007, überwiegend Desferrioxamin) gegenüber 23 Prozent (2019 bis 2021, Deferasirox bei 77,5 Prozent); wegen unterschiedlicher Populationen kein Beleg für einen Effekt der Chelation[s142], [s02]sehr gering
GeschlechtVerzögerte Pubertät bei Männern 21,1 gegenüber 6,7 Prozent bei Frauen (Thalassämie) und 20,8 gegenüber 6,9 Prozent (Sichelzellkrankheit)[s06]gering bis mittel
AlterHypogonadismus-Prävalenz steigt in Kohorten mit Erwachsenen (23 bis 76,2 Prozent) gegenüber gemischten Kinderkohorten (9,26 bis 15 Prozent)[s02], [s176], [s36], [s30]gering; Definition und Auswahl verschieden
Alter bei SichelzellkrankheitPatienten über 25 Jahre mit höherem Testosteron, Hodenvolumen und Spermiendichte als jüngere[s206]sehr gering (Querschnitt)
Alter bei Hydroxyurea-BeginnSpermatogonienzahl niedriger bei früherem Beginn (r = 0,476), Konfundierung mit Behandlungsära[s67]sehr gering
Splenektomiemit Hypogonadismus assoziiert (p = 0,026 und signifikant häufiger)[s93], [s98]gering
Hämochromatose-TypHJV-Gruppe 62,5 Prozent, SLC40A1 3 von 6, SUGP2/DENND3 1 von 10, ohne pathogene Variante keiner[s92]sehr gering
Mutationsart bei HJVMissense-Homozygote 72,55 Prozent gegenüber Nonsense 35,71 Prozent (p = 0,0243)[s104]gering
Zirrhose bei HämochromatoseZirrhose senkte freies Testosteron und Östradiol zusätzlich unabhängig (p < 0,02 und p < 0,002); 8 von 9 Männern mit Hypogonadismus hatten Zirrhose[s213], [s183]gering
Diabetes bei Hämochromatose3 von 9 Männern mit Hypogonadismus hatten Diabetes; Diabetes war in beiden Gruppen mit sexueller Funktionsstörung assoziiert[s183], [s213]gering
Diagnosealter bei HämochromatoseTyp-2A-Fälle früher diagnostiziert (p = 0,007)[s92]sehr gering
Alter bei KonditionierungAlter bei Transplantation und Konditionierung beeinflussten Hormon- und Samenwerte nicht signifikant (Thalassämie)[s97]sehr gering
Ethnie (Hämochromatose)C282Y bei 502 Koreanern nicht gefunden; Hypogonadismus bei Kaukasiern häufiger als bei Ostasiaten[s197], [s104]gering
Hämatologische IndizesMCHC niedriger bei auffälligen Samenwerten (p = 0,01) bei Thalassaemia minor[s26]sehr gering

Die Gewissheit in der letzten Spalte ist eine Einordnung dieses Kapitels aus Stichprobengröße, Design und Wiederholbarkeit; sie ist keine Angabe der Quellen.

Reversibilität

Tabelle 7: Berichtete Rückbildung nach Wegfall der Exposition oder nach Eisenentfernung

ExpositionStudie (Typ)BeobachtungZeitrahmenRückbildung
Hydroxyurea, Sichelzellkrankheit[s50] MetaanalyseKonzentration −20,09 und Gesamtzahl −53,05 nach Absetzen (Grenzen nahe 0)nicht einheitlichteilweise oder unsicher
Hydroxyurea, Sichelzellkrankheit[s25] randomisiert (Nebenbefund)Rückkehr auf Ausgangsniveau3 Monateja, ohne Zahlen
Hydroxyurea, Sichelzellkrankheit[s127]Normalisierung bei 73 Prozent3 Monateüberwiegend
Hydroxyurea, Sichelzellkrankheit[s170]global kein Unterschied zwischen vor und nach Behandlung bei 30 Patienten; bei vier keine rasche Erholung; bei etwa der Hälfte Gesamtzahl unter Normvariabelteilweise
Hydroxyurea, Sichelzellkrankheit[s177]Azoospermie bei einem Mann erholt; bei zwei von drei Morphologie und Beweglichkeit weiter beeinträchtigtnicht angegebenteilweise
Hydroxyurea, andere Erkrankung[s178] Einzelfall; [s40] ÜbersichtSpermatogenese kehrte nach etwa 6 Monaten zurück; bei essenzieller Thrombozythämie und Polycythaemia vera fast durchgehende Besserung, bei Sichelzellkrankheit weniger klaretwa 6 Monateja (Einzelfall); Übersicht uneinheitlich
Hydroxyurea, Maus[s64]nach 4 Monaten deutliche, aber nicht vollständige Erholung (Spermiendichte 8,1 gegenüber 16,8 Millionen)4 Monateteilweise
Hämochromatose, Aderlass[s208] prospektiv, 6 MännerBesserung nur bei einem 33-Jährigen; bei 5 Männern von 47 bis 66 Jahren keineDauer nicht angegebenselten, jüngere Patienten
Hämochromatose, Aderlass[s217]bei zwei von vier erneut untersuchten hypogonadalen Männern Normalisierung von Testosteronnicht angegebenteilweise
Hämochromatose, Aderlass[s216] EinzelfallNormalisierung von Hormonen nach 16 Monaten, Vaterschaft nach 20 Monaten (65 Millionen Spermien/ml)16 bis 20 Monateja (Einzelfall)
Hämochromatose, Aderlass[s191], [s199] EinzelfälleNormalisierung von LH und Testosterondrei Jahre ([s199])ja (Einzelfälle)
Hämochromatose, Aderlass[s179] EinzelfallLH und FSH stiegen nicht auf Normalwerte; mit Gonadotropinen Besserungnicht angegebennein, bei fortgeschrittener Erkrankung
Hämochromatose, moderate Überladung[s158] randomisiertAderlass verbesserte keinen Hormonwert signifikantnicht angegebennein
Hämochromatose, Aderlass[s195] Einzelfallbegrenzte Besserung nach 32 Sitzungen in sechs Monaten6 Monateteilweise
Thalassämie, Chelation[s215]Ferritin sank deutlich, kein Pubertätsfortschritt3 Jahrenein (spät begonnen)
Thalassämie, Gonadotropine[s200], [s157], [s103]Spermatogenese wurde ausgelöst; nach Wechsel auf Testosteron Rückgang8,6 Jahre Mittel ([s200])ja unter Behandlung; Vaterschaft bei 12,5 Prozent der 184 Väter mit Gonadotropinen ([s103])
Thalassämie, Transfusion[s150], [s146]Anstieg innerhalb von 7 Tagen7 Tagekurzfristig
Eisenmangelanämie, Eisengabe[s115], [s141]Anstieg von Hormonen und SamenwertenStudiendauer nicht in der Zusammenfassungkurzfristig
Eisenmangel, Ratte[s78]Eisengabe kehrte Hodenschäden um5 Wochenja, im Tier
Konditionierung vor Transplantation[s31], [s97], [s68]Sertoli-Zell-Dysfunktion bei 88 Prozent mindestens 2 Jahre nach Transplantation; Hypogonadismus ohne Unterschied zu konventioneller Behandlungmehr als 2 Jahrenein, keine Rückbildung dokumentiert
Hydroxyurea bei Thalassaemia intermedia[s149]kein Unterschied im Hypogonadismus unter Langzeitgabemindestens 5 Jahrenicht anwendbar

Das Bild lässt sich so zusammenfassen: Für die Rückbildung nach Absetzen von Hydroxyurea gibt es übereinstimmend positive Hinweise bei Männern mit intakter Ausgangslage und kurzer Behandlung ([s25], [s127], [s178], [s64]); bei Sichelzellkrankheit mit bereits krankheitsbedingt gestörter Ausgangslage ist die Rückbildung weniger sicher ([s170], [s177], [s40], [s50]). Für die Rückbildung nach Eisenentzug bei Hämochromatose stützen nur Fallberichte und eine sehr kleine prospektive Serie ein Muster, nach dem eine Besserung bei jüngeren Patienten und frühem Beginn vorkommt und bei älteren oder fortgeschrittenen Fällen ausbleibt ([s208], [s179]); Carlomagno et al. sehen die Belege für eine Umkehr bereits eingetretener Störungen als begrenzt [s05]. Auf die Frage, ob eine Rückbildung des Hypogonadismus auch eine Rückbildung der Samenqualität bedeutet, geben die Quellen keine einheitliche Antwort; in [s208] stiegen Testosteron und Gonadotropine bei einem Patienten, ohne Normalisierung, und Samenanalysen fehlen. Aus keiner Quelle folgt eine Empfehlung.

Dosis-Wirkung im Tierversuch

Tabelle 8: Eisenmenge und Wirkung auf den Hoden im Tiermodell

StudieModellEisenexpositionWirkung
[s125]Mäuseeisenangereicherte KostTestosteron −83 Prozent, LH −86 Prozent; Eisen in Hoden und Hypophyse, nicht im Hypothalamus
[s14]β-Globin-Knockout-Mäuse und WildtypenEisenzufuhrerhöhte Plasma- und Hodeneisen (p < 0,001); Gesamtspermienzahl (p < 0,001) und normale Morphologie gesenkt, genotypunabhängig
[s29]Kunming-Mäusesteigende EiseninjektionenHoden- und Organgewichte, Spermiendichte gesenkt, Fehlbildungsrate erhöht; Wirkung konzentrationsabhängig verschieden
[s117]Wistar-Ratten, je 6Eisendextran 60 mg/kg, 5 Tage pro Woche über 4 Wochenmehr Caspase-3, Caspase-8 und Eisenanfärbung; Exenatid senkte die Marker
[s78]Ratten, 4 bis 8 je Gruppeeisenarm (unter 5 ppm), dann 6, 12, 18, 24 und 35 ppm SubstitutionTestosteron und Hodenbiopsie-Score niedriger bei Mangel; Antioxidanzienwerte besserten sich ab mehr als 12 ppm
[s192]menschliche Spermien in vitro0, 5, 50 und 500 ppm Fe²⁺Beweglichkeit schon bei 5 ppm gehemmt; Malondialdehyd erhöht
[s22]Irp1-defiziente Mäuseunveränderte HodeneisenwerteHypospermatogenese, mit dem Alter schlechter

Die Tierdaten zeigen sowohl für Überladung als auch für Mangel eine Schädigung von Hoden und Spermatogenese, also eine U-förmige Beziehung zwischen Eisenlage und Hodenfunktion; sie wird in [s23] und [s80] so beschrieben (Eisen sei in mäßiger Menge nötig, Überladung und Mangel schadeten). Direkt gemessen wurde die Kurve in keiner der Studien über das gesamte Spektrum; die Dosen im Tier (parenterale Eiseninjektion, Eisendextran, ppm-Konzentrationen in vitro) sind mit chronischer Transfusionssiderose des Menschen nur begrenzt vergleichbar. Dass die Wirkung in [s14] unabhängig vom Genotyp war, spricht dafür, dass nicht die Thalassämie als solche, sondern die Eisenlast der Treiber war.

Offene Fragen und Grenzen

Es fehlen: prospektive Kohorten mit Fertilitätsendpunkten (Zeit bis zur Schwangerschaft, Lebendgeburten) bei allen vier Krankheitsgruppen; Metaanalysen zu Samenparametern bei Thalassämie; kontrollierte Studien zur Wirkung des Eisenentzugs auf die Samenqualität bei Hämochromatose; nach Geschlecht getrennte Auswertungen in vielen Thalassämie-Studien; größere Studien zu Thalassaemia intermedia und Trägerstatus; Samenanalysen bei Jugendlichen mit Sichelzellkrankheit (nur 5 Jugendliche in [s41]). Gerade für Dosis-Wirkung und Reversibilität fehlen Studien, die Eisenlast (Organeisen statt Ferritin), Hydroxyurea-Menge und Dauer, Hämoglobinverlauf und Chelationsverlauf gemeinsam und im Zeitverlauf erfassen. Ein großer Teil der berichteten Zahlen stammt aus Zusammenfassungen und enthält keine Konfidenzintervalle; viele Humanstudien umfassen nur wenige Dutzend Männer oder weniger. Mehrere Arbeiten stammen aus demselben Netzwerk (ICET-A, Ferrara, Doha), und die Hämochromatose-Literatur ist überwiegend historisch. Die Zahlen dieses Kapitels sind deshalb Beschreibungen der Literatur, keine Schätzungen eines Risikos für den einzelnen Mann, und sie enthalten keine Empfehlung zu Untersuchung oder Behandlung.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Thalassämie: Hypogonadismus und Hormonachse bei Erwachsenen bis Thalassämie nach Stammzelltransplantation
  6. Sichelzellkrankheit: Samenqualität und Hydroxyurea bei Erwachsenen bis Hereditäre Hämochromatose: Fallberichte
  7. Hämochromatose in China: Registerstudien und seltene Formen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Zur Belegbasis dieses Kapitels bis Klinische Studien zur Thalassämie
  9. Klinische Studien zur Sichelzellkrankheit bis Evidenz aus den einzelnen Sprachräumen
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Koreanisch
  13. Russisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen s01–s106
  22. Quellen s107–s218
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle