Zur Belegbasis dieses Kapitels
Dieses Kapitel ordnet die Primär- und Übersichtsarbeiten, die in den drei Rechercheberichten (Sprachgruppen a, b und c) gefunden wurden. Es nennt die Arbeiten einzeln, mit Design, Stichprobe, Kernzahlen sowie erkennbaren Stärken und Schwächen. Die Zahlen stammen aus den Zusammenfassungen (Abstracts) der Quellen; nur wo die Berichte ausdrücklich Volltexte ausgewertet haben (zum Beispiel [s67], [s92], [s135], [s119]), gehen die Angaben darüber hinaus. Drei Zusammenfassungen wurden für dieses Kapitel erneut über die Europe-PMC-Schnittstelle abgerufen, weil die Berichte Unstimmigkeiten meldeten: [s02], [s60] und [s176]. Dabei ergab sich Folgendes. Die Zusammenfassung von [s02] nennt 91 Männer (45,5 Prozent) und 109 Frauen; die Tabellenangaben im Volltext sprechen nach dem Bericht c für das umgekehrte Verhältnis, die Geschlechtsaufteilung ist dort also nicht gesichert. Die Zusammenfassung von [s60] enthält tatsächlich zweimal die Standardabweichung 2625 (2326 ± 2625 gegenüber 1220 ± 2625 ng/ml); der Bericht c nennt für die zweite Gruppe 1785 aus dem Volltext. Zu [s176] besteht tatsächlich eine Sorgfaltsmitteilung (Expression of Concern, PubMed-Kennung 36626343, 2023). Die Zusammenfassung der Arbeit selbst ist unverändert abrufbar.
Die Literatur zu Eisenüberladung, Anämie, Thalassämie und Sichelzellkrankheit im Zusammenhang mit männlicher Fertilität ist insgesamt dünn und weit überwiegend beschreibend. Es gibt keine randomisierte Studie, deren Hauptzielgröße die männliche Fertilität bei einer dieser Erkrankungen wäre. Die einzige randomisierte Studie mit Samenparametern ist eine Machbarkeitsstudie zu Priapismus, in der Spermiendaten ein Nebenbefund sind [s25]. Fertilität im engeren Sinn (Zeit bis zur Schwangerschaft, Lebendgeburten) wird fast nie gemessen; häufige Ersatzgrößen sind Hypogonadismus, Pubertätsverlauf und Spermiogramm. Hypogonadismus ist eine endokrine Diagnose und nicht gleichbedeutend mit Unfruchtbarkeit. Das Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; Behandlungen kommen nur als Studieninhalt vor.
Leitlinien und Konsenspapiere
EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health (Webversion, am 5. Oktober 2026 abgerufen) [s07]. Die Leitlinie enthält keinen eigenen Abschnitt zu Hämoglobinopathien und Fertilität. Inhaltlich konkret findet sich Folgendes. In der Ursachentabelle des primären Hypogonadismus wird die Sichelzellkrankheit unter den angeborenen oder entwicklungsbedingten Ursachen genannt. In der Ursachentabelle des sekundären (hypogonadotropen) Hypogonadismus steht die Hämochromatose unter den angeborenen oder entwicklungsbedingten Ursachen, die transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Beta-Thalassämie unter den erworbenen Ursachen bei systemischen Erkrankungen mit Wirkung auf Hypothalamus und Hypophyse. Im Priapismus-Kapitel stützt sich die Leitlinie auf drei systematische Übersichten, darunter eine zur Sichelzellkrankheit. Sie führt aus, dass hämolytische Erkrankungen außer der Sichelzellkrankheit (genannt werden Thalassämie und Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel) in einer dänischen Studie keine signifikanten Risikofaktoren für Priapismus waren, dass die Sichelzellkrankheit bei Kindern die Hauptursache ist und dass in einer zitierten Studie 25 Prozent der Kinder einen sichelzellbedingten Priapismus vor der Pubertät erlebten, in einer anderen 90 Prozent der Männer mit Sichelzellkrankheit die erste Episode vor dem 20. Lebensjahr. Es gibt eine starke Empfehlung zur Hämoglobinopathie-Abklärung bei Niedrigfluss-Priapismus mit hohem Risiko für Sichelzellkrankheit oder Thalassämie. Zu Hydroxyurea nennt die Leitlinie Oligozoospermie und Beinulzera als Nebenwirkungen und beschreibt eine Studie, in der Spermienkonzentration, Beweglichkeit und normale Morphologie unter Hydroxyurea signifikant abnahmen und drei Monate nach Absetzen auf das Ausgangsniveau zurückkehrten. Als Quelle zitiert sie die Arbeit [s25]; das ist also keine unabhängige zweite Evidenz.
AUA/ASRM-Leitlinie zur männlichen Infertilität (Webversion der American Urological Association, am 5. Oktober 2026 abgerufen) [s39]. Im abgerufenen Text erscheint die Hämochromatose als Beispiel infiltrativer Hypophysenerkrankungen, die als sekundäre Ursachen eines hypogonadotropen Hypogonadismus aufgeführt werden (neben Hypophysentumoren, Tuberkulose, Sarkoidose, Histiozytose, exogenen Androgenen, Opioiden, Hyperprolaktinämie, Schädeltrauma und schwerer chronischer Erkrankung), und als Ursache einer Hyperprolaktinämie bei infiltrativen Erkrankungen. Thalassämie, Sichelzellkrankheit, transfusionsbedingte Eisenüberladung und Hydroxyurea werden im abgerufenen Text nicht erwähnt. Allgemein hält die Leitlinie fest, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren männlicher Infertilität begrenzt sind (bedingte Empfehlung, Evidenzgrad C).
Internationale Konsensleitlinie zu endokrinen Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit Thalassämie [s21]. Die Leitlinie (Hormone Research in Paediatrics 2025) wurde von 14 Fachleuten aus 13 Ländern und 8 Fachgesellschaften erarbeitet, berücksichtigt Literatur bis 2024 und umfasst 42 Empfehlungen mit mindestens 70 Prozent Zustimmung. Nach der Zusammenfassung sind Hypogonadismus sowie verzögertes Wachstum und verzögerte Pubertät bei Beta-Thalassaemia major und transfusionsabhängiger alpha-Thalassämie (HbH) häufig und kommen auch bei Beta-Thalassaemia intermedia und nicht transfusionsabhängiger HbH-Krankheit vor; eine reproduktive Dysfunktion werde nur bei Beta-Thalassaemia major und transfusionsabhängiger HbH-Krankheit berichtet. Ein Screening wird vor dem 10. Lebensjahr bei transfusionsabhängiger und ab dem 11. Lebensjahr bei nicht transfusionsabhängiger Thalassämie genannt; auch Patienten nach Stammzelltransplantation seien gefährdet. Eine Aussage zu Spermiogrammen steht in der Zusammenfassung nicht. Der Inhalt der einzelnen Empfehlungen wird hier nicht wiedergegeben.
Russische Konsensleitlinie zum Testosteronmangel [s133]. Die Empfehlungen russischer Endokrinologen (Dedov und andere, 2016) führen im abgerufenen Abschnitt die Hämochromatose in der Aufzählung der Ursachen eines sekundären (hypogonadotropen) Hypogonadismus auf, neben Hypophysenadenomen, Metastasen, Rathke-Zysten, Strahlentherapie, Trauma, Infektionen, Gefäßinsuffizienz, angeborenen Defekten und infiltrativen Erkrankungen wie der Histiozytose X. Thalassämie und Sichelzellkrankheit werden im abgerufenen Abschnitt nicht erwähnt; der Rest des Textes wurde nicht geprüft. Die Leitlinie enthält keine eigenen Häufigkeitsdaten.
Russische Praxisempfehlung zur Hämochromatose (Krim, 2012) [s155]. Der Text beschreibt, dass sich die Hypophysenschädigung als Unterfunktion von Hirnanhangdrüse, Nebennieren und Schilddrüse zeige; bei Männern nähmen Potenz ab, die Hoden atrophierten und die Körperbehaarung verschwinde, bei Frauen träten Amenorrhoe und Unfruchtbarkeit auf. Der Ablaufplan für Homozygote der Variante C282Y sieht bei Beschwerden unter anderem eine Bestimmung des Serumtestosterons vor. Eine Häufigkeitsangabe und eine Evidenzdiskussion zur Fertilität sind im abgerufenen Text nicht erkennbar.
Japanische Leitlinienarbeit zum Fertilitätserhalt [s57]. Die Übersichtsarbeit von Tada (2024) beschreibt die Leitlinienarbeit der Japan Society for Fertility Preservation, ein nationales Register und ein landesweit einheitliches Förderungssystem; Schwerpunkt sind Frauen mit chronischer myeloischer Leukämie. Zu Thalassämie, Sichelzellkrankheit oder Eisenüberladung enthält die Zusammenfassung nichts.
Nicht ausgewertete Leitlinienquellen. Das AWMF-Leitlinienregister und die ESHRE-Webseite waren erreichbar, lieferten aber nur ein Seitengerüst; Inhalte wurden per Skript nicht abgerufen. Ob diese Quellen das Thema behandeln, ist deshalb offen. Das ist eine Abrufgrenze und kein Befund.
Einordnung. Die beiden urologischen Leitlinien (EAU, AUA) behandeln das Thema nur am Rande, über Ursachenlisten des Hypogonadismus und, bei der EAU, über Priapismus und Hydroxyurea. Die thalassämiespezifische Konsensleitlinie [s21] betrifft Kinder und Jugendliche. Eine Leitlinie, die männliche Fertilität bei Hämoglobinopathien oder Eisenüberladung systematisch behandelt, wurde nicht gefunden.
Systematische Übersichten, Metaanalysen und Cochrane
Carlomagno et al. 2026, Human Reproduction Update [s05]. Systematische Übersichtsarbeit mit quantitativer Zusammenführung zu Eisenüberladungserkrankungen des Erwachsenen (Thalassämien, hereditäre Hämochromatose, transfusionsabhängige Anämien; PubMed, Scopus und Web of Science bis Mai 2025). Gepoolt wurden Prävalenzen; für Männer (1201 Männer in der Auswertung): Hypogonadismus bei 47,0 Prozent; unter den auf Spermatogenese untersuchten Männern hatte mehr als die Hälfte eine Azoospermie (17,6 Prozent) oder andere Samenanomalien (37,5 Prozent). Die Autoren nennen Eisenablagerung in der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und oxidative Schädigung von Leydig- und Sertoli-Zellen als Mechanismen. Eine wirksame Eisenentfernung beuge endokrinen Komplikationen nach ihrer Einschätzung vor, wenn sie früh beginne; die Belege für eine Rückbildung bereits eingetretener Fortpflanzungsstörungen seien begrenzt. Sie fordern standardisierte Gonadenuntersuchungen und prospektive Studien mit klar definierten Fertilitätsendpunkten. Stärken: breite Datenbasis, getrennte Auswertung nach Geschlecht, ausdrückliche Benennung von Lücken. Schwächen: Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße stehen nicht in der Zusammenfassung; die zusammengeführten Studien sind überwiegend Querschnitte und Fallserien aus Spezialzentren, die Definitionen von Hypogonadismus und Samenanomalie schwanken. Die Prozentwerte sind Näherungen.
Sewaralthahab et al. 2024, PLoS One [s50]. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu Hydroxyurea bei Sichelzellkrankheit (PubMed und EMBASE bis Juli 2023; von 160 Artikeln vier Studien zu Spermienparametern bei Männern, vier zu Anti-Müller-Hormon bei Frauen; mittlere Qualität nach Newcastle-Ottawa-Skala 7,67). Alle Werte sind Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert. Spermienkonzentration unter Behandlung: mittlere Differenz −15,48 Millionen/ml (95-Prozent-Konfidenzintervall −20,69 bis −10,26; p < 0,001), nach Absetzen −20,09 Millionen/ml (−38,78 bis −1,40; p = 0,04). Gesamtspermienzahl: −105,87 Millionen (−140,61 bis −71,13; p < 0,001) unter Behandlung, −53,05 Millionen (−104,96 bis −1,14; p = 0,05) nach Absetzen. Ejakulatvolumen +0,07 ml (−0,29 bis 0,43) beziehungsweise −0,09 ml (−1,35 bis 1,17). Vorwärtsbeweglichkeit unter Behandlung −7,86 Prozentpunkte (−23,63 bis 7,91; p = 0,33; Heterogenität I² = 83 Prozent). Normale Morphologie +0,73 Prozentpunkte (−21,37 bis 22,83) unter Behandlung und −2,76 (−9,63 bis 4,11) nach Absetzen (I² = 91 Prozent in der Behandlungsgruppe). Beweglichkeit, Volumen und Morphologie blieben damit statistisch unverändert. Schwächen: nur vier Studien mit Spermiendaten; der Vergleich erfolgt mit dem Ausgangswert, nicht mit unbehandelten Kontrollen, und der Ausgangswert ist krankheitsbedingt oft schon auffällig; die Datenlage nach Absetzen ist dünn, die Konfidenzintervalle sind weit. Der Bericht c vermerkt einen erkennbaren Zahlenfehler bei der Beweglichkeit nach Absetzen; dieser Wert wird hier nicht verwendet.
Jiao et al. 2026, The Aging Male [s10]. Metaanalyse (PubMed, CBM, CNKI, Cochrane Library bis April 2025; zehn Artikel, 985 Teilnehmer; Modelle mit zufälligen Effekten). Infertile Männer hatten höhere Eisenkonzentrationen im Samen (standardisierte mittlere Differenz 0,44; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,12 bis 0,76) und im Serum (3,77; 1,68 bis 5,87) als fertile Kontrollen. Der Serumeffekt ist für einen Biomarker ungewöhnlich groß; Heterogenitätsmaße nennt die Zusammenfassung nicht. Querschnittsdaten erlauben keine Aussage zur Richtung der Ursache. Die Studienpopulation sind nicht Patienten mit Hämoglobinopathie, sondern infertile Männer allgemein.
Chen et al. 2025, Meta-Analyse essenzieller und nicht essenzieller Elemente im Samen [s16]. Acht Datenbanken; 38 Studien mit 5070 Männern (3061 infertil, 2009 gesund). Kupfer (standardisierte mittlere Differenz 0,505; 0,246 bis 0,764) und Cadmium (0,725; 0,534 bis 0,916) waren bei infertilen Männern höher; für Zink, Eisen, Mangan, Selen, Kalzium, Magnesium und Blei zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Das Ergebnis für Eisen im Samen steht damit in Spannung zu [s10]; Gründe lassen sich aus den Zusammenfassungen nicht prüfen.
Gu und Zhuo 2026, World Journal of Men's Health [s08]. Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit Daten aus IEU Open GWAS, UK Biobank und FinnGen (Ergebnisgröße männliche Infertilität: 73.479 Personen europäischer Abstammung). Genetisch vorhergesagtes höheres Serumeisen war mit höherem Infertilitätsrisiko verbunden (Odds Ratio 2,917; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,232 bis 6,911; p = 0,015). Für Kupfer, Selen, Zink, Kalium, Magnesium, Kalzium, Ferritin, Transferrinsättigung und Gesamteisenbindungskapazität fand sich keine Assoziation. Stärken: genetische Instrumente begrenzen Störgrößen; mehrere Sensitivitätsanalysen. Schwächen: weites Konfidenzintervall; nur das Serumeisen signifikant, nicht aber Ferritin und Transferrinsättigung als Speichermaße; zehn Expositionen geprüft ohne erkennbare Korrektur für Mehrfachtests; nur europäische Daten; die Autoren fordern selbst Bestätigung.
Leblanc et al. 2026, Asian Journal of Andrology [s11]. Systematische Übersicht nach PRISMA zu Spermienparametern bei Männern mit Sichelzellkrankheit. Die meisten Studien fanden häufig beeinträchtigte Parameter; Hydroxyurea beeinflusse die männliche Fortpflanzungsfunktion, die Reversibilität sei hypothetisch; die Konditionierung vor Stammzelltransplantation sei hochgradig gonadotoxisch. Die Autoren halten die Literatur für begrenzt und ohne belastbare Evidenz. Effektgrößen enthält die Zusammenfassung nicht.
Cilio et al. 2024, World Journal of Men's Health [s40]. Systematische Übersicht (PubMed, EMBASE, Cochrane bis November 2022) zu Hydroxyurea bei Sichelzellkrankheit, essenzieller Thrombozythämie und Polycythaemia vera plus zwei eigene Fälle; 8 Studien mit 161 Patienten. Spermatogonienzahlen pro Hodenkanälchenquerschnitt waren bei Sichelzellkrankheit gegenüber Gesunden vermindert. Hydroxyurea sei immer mit einer Verschlechterung der Samenparameter bis zur Azoospermie verbunden gewesen; nach dem Absetzen besserten sich die Werte bei Polycythaemia vera und essenzieller Thrombozythämie fast durchgehend, bei Sichelzellkrankheit weniger klar. In beiden eigenen Fällen folgte auf das Absetzen eine deutliche Verbesserung mit spontaner Schwangerschaft. Schwächen: wenige, kleine, heterogene Studien.
Cochrane-Übersichten zu Hydroxyurea bei Sichelzellkrankheit [s126], [s76]. Nevitt et al. 2017 (8 randomisierte Studien, 899 Erwachsene und Kinder) und die Aktualisierung von Rankine-Mullings und Nevitt 2022 (9 randomisierte Studien, 1104 Teilnehmer; Studiendauer 6 bis 30 Monate) stellen übereinstimmend fest, dass die Evidenz zu langfristigen Risiken, einschließlich der Wirkungen auf Fertilität und Fortpflanzung, unzureichend ist. Die höchste Evidenzstufe liefert damit keine Antwort auf die Frage nach der männlichen Fertilität unter Hydroxyurea. Über die PubMed-Abfrage fanden sich zwei weitere Cochrane-Übersichten zu Osteoporose bei Beta-Thalassämie (2016 und 2023) ohne Fertilitätsendpunkte; eine auf das Thema zugeschnittene Cochrane-Übersicht wurde nicht gefunden.
Narrative Übersichten. Zur Thalassämie: Roidos et al. 2024 (71 Artikel; oxidativer Stress, verstärkt durch transfusionsbedingte Eisenüberladung, hänge mit schlechterer Samenqualität zusammen; Antioxidanzien erschienen vielversprechend, belastbare klinische Studien fehlten) [s49]; De Sanctis et al. 2017 (Hypogonadismus als häufigste endokrine Komplikation bei Thalassaemia major, 40 bis 80 Prozent der Patienten, abhängig von Alter, Genotyp, Transfusionshäufigkeit sowie Beginn und Wirksamkeit der Chelattherapie; Spermatogenese lasse sich bei Gonadotropinmangel in einigen Fällen mit exogenen Gonadotropinen auslösen) [s120]; De Sanctis et al. 2018 [s109]; Skordis et al. 2004 [s187]. Zu Hämoglobinopathien allgemein: Al-Jubouri et al. 2024 (Scoping Review mit Suche nur in Google Scholar; Gewebehypoxie als Weg zur Spermatogenesestörung, Transfusionen könnten sie lindern; ausdrücklich kein systematischer Review) [s38] und Naelitz et al. 2024 [s47]. Zur Sichelzellkrankheit: Roidos et al. 2026 [s12], Bedrick et al. 2022 [s66], Nickel et al. 2022 [s75], Smith-Whitley 2014 [s140], DeBaun 2014 [s138], Huang und Muneyyirci-Delale 2017 [s122], Soliman et al. 2021 [s90] und Musicki und Burnett 2022 (Hypogonadismus bei Sichelzellkrankheit bis zu 25 Prozent; primäres Hodenversagen als Hauptursache, im Mausmodell mit erhöhtem NADPH-Oxidase-abhängigem oxidativem Stress, der in Leydig-Zellen das Steroidogenese-Eiweiß StAR vermindert) [s74]. Zur Hämochromatose und Eisen allgemein: El Osta et al. 2017 (34 Arbeiten; hypogonadotroper Hypogonadismus als klassische Komplikation, seine Häufigkeit nehme vermutlich durch frühere Diagnose ab) [s121], Gabrielsen et al. 2018 [s112], Tenuta et al. 2024 [s53], Vantyghem et al. 2012 [s152], Harrer et al. 2025 [s23] und Yang et al. 2022 [s80]. Diese Texte fassen überwiegend dieselben Primärstudien zusammen; eine unabhängige Bestätigung entsteht dadurch nicht.
Klinische Studien zur Thalassämie
Hormonachse, Pubertät und Hypogonadismus (Querschnitte und Kohorten)
Safarinejad 2008, Journal of Urology [s176]. Der Vergleich von 168 Männern (18 Jahre und älter) mit homozygoter Beta-Thalassaemia major und 84 gesunden, altersgleichen Männern ist die einzige Studie mit Spermiogramm, Hormonprofil und dynamischem Test (LHRH-Test) in einer größeren Gruppe. Hypogonadotroper Hypogonadismus 76,2 Prozent (128 Patienten); 75 Patienten (44,6 Prozent) kleinwüchsig; niedrigere Werte für LH, FSH, IGF-1, IGFBP-3 und Testosteron sowie geringere LH- und FSH-Antworten im LHRH-Test; Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Morphologie lagen unter den Kontrollen. Wegen der Sorgfaltsmitteilung der Zeitschrift (2023) sind die Ergebnisse mit Vorbehalt zu lesen. Konfidenzintervalle, p-Werte sowie Ort und Rekrutierung nennt die Zusammenfassung nicht.
Gamberini et al. 2008, Pediatric Endocrinology Reviews [s173]. Längsschnittliche Kohortenauswertung des Zentrums Ferrara, 273 Patienten mit Thalassaemia major in drei Geburtskohorten (1954 bis 1964: 85 Patienten; 1965 bis 1974: 129; 1975 bis 2001: 59). Bei Männern entwickelte sich die Pubertät vollständig bei insgesamt 48 Prozent (31, 44 und 63 Prozent in den drei Kohorten; p < 0,05); danach folgte ein sekundärer Hypogonadismus bei 24 Prozent der Patienten über 21 Jahre. Ein Ferritin um 2000 ng/ml korrelierte mit Hypogonadismus, um 3000 ng/ml mit Hypothyreose, Hypoparathyreoidismus und Diabetes. Risikofaktoren waren hohes Ferritin, schlechte Therapietreue gegenüber Desferrioxamin, früher Transfusionsbeginn (nur für Hypogonadismus) und Splenektomie (nur für Hypothyreose). Stärke: lange Beobachtung und Trendanalyse über Behandlungsären. Schwäche: Die Kohorten unterscheiden sich in der Behandlungsära; Zeit wirkt als Störgröße.
Chowdhury et al. 2023, Hematology, Transfusion and Cell Therapy [s59]. Querschnitt aus Bangladesch, 94 Patienten mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie (53,3 Prozent männlich; Alter im Mittel 18,81 ± 4,65 Jahre). Hypogonadismus insgesamt 35,11 Prozent (normogonadotrop 18,1, hypogonadotrop 11,7, hypergonadotrop 5,3 Prozent). Ferritin höher bei Hypogonadismus (eugonadal 2174,79 ± 749,12 ng/ml; hypogonadal 3572,59 ± 1199,49 ng/ml; p < 0,001); Fläche unter der ROC-Kurve für Ferritin 0,83. Schwächen: Prävalenz nicht nach Geschlecht getrennt, keine Organeisenmessung.
Mahwi et al. 2023, Annals of Medicine and Surgery [s60]. Querschnitt aus der Kurdistan-Region des Irak, 80 an die Endokrinologie überwiesene Patienten mit Beta-Thalassaemia major (53 Frauen, 27 Männer; Alter 24,86 ± 7,66 Jahre). Hypogonadismus bei 55 (68,75 Prozent), davon laut Bericht c 53 hypogonadotrop; Hypothyreose 3,8 Prozent, Hypoparathyreoidismus 2,5 Prozent, Diabetes 6,3 Prozent. Mittleres Ferritin bei Hypogonadismus 2326 gegenüber 1220 ng/ml (p = 0,065 laut Volltext nach Bericht c, also nicht signifikant). Schwächen: Überweisungsselektion überschätzt die Häufigkeit; nur 27 Männer; Zahlenfehler in der Zusammenfassung.
Lubis et al. 2024, Acta Medica Indonesiana [s43]. Querschnitt, 60 männliche Patienten mit transfusionsabhängiger Thalassämie aus drei indonesischen Krankenhäusern; 31 von 60 mit Hypogonadismus. Der Hämoglobinwert vor der Transfusion korrelierte mit FSH (r = 0,388; p = 0,049), LH (r = 0,338; p = 0,008) und freiem Testosteron (r = 0,255; p = 0,049); als Prädiktor hatte er eine Fläche unter der ROC-Kurve von 0,655 (Sensitivität 65,5 Prozent, Spezifität 67,7 Prozent). Die Autoren deuten dies über Gewebehypoxie und Eisenüberladung. Die p-Werte passen nicht durchgängig zu den Korrelationskoeffizienten, was auf Berichtsfehler oder unterschiedliche Stichprobengrößen hindeutet.
Almahmoud et al. 2026, Frontiers in Endocrinology [s02]. Retrospektive Kohorte aus Dubai, 200 Erwachsene mit Beta-Thalassaemia major (November 2019 bis Mai 2021, mittleres Alter 27,5 ± 4,5 Jahre; Deferasirox bei 77,5 Prozent). Hypogonadismus 23 Prozent (46 von 200), Diabetes 15, Hypothyreose 11, Hypoparathyreoidismus 9, Kleinwuchs 1,5 Prozent. Die Häufigkeit des Hypogonadismus war nach Bericht c bei beiden Geschlechtern ähnlich (24,8 gegenüber 20,9 Prozent; p = 0,515). Das Ferritin unterschied sich nicht zwischen Gruppen unter und über 2500 µg/l in Bezug auf Endokrinopathien; die Korrelation von Gesamttestosteron und Ferritin war schwach negativ (Spearman ρ = −0,233) und blieb nach Bonferroni-Korrektur nicht signifikant. Von den verheirateten Männern (22,9 Prozent) hatten 64 Prozent Kinder, nur zwei Kinder entstanden durch In-vitro-Fertilisation. Der Titel nennt Fertilität; Spermiogramme wurden nicht erhoben, und der Fertilitätsbefund beruht auf rund 25 verheirateten Männern.
Belhoul et al. 2013, Annals of Saudi Medicine [s142]. Vollerhebung des Dubai Thalassemia Centre bis Ende 2007: 382 Patienten (193 Männer), mittleres Alter 15,4 ± 7,6 Jahre, mittleres Ferritin 2597,2 ± 1976,8 µg/l. Hypogonadismus bei 99 Patienten (52,7 Prozent); nur 188 Patienten waren alt genug für die Beurteilung. Behandlung damals mit Desferrioxamin.
Weitere Hypogonadismus-Kohorten aus dem arabischen Raum, der Türkei und Südasien. Sadullah et al. 2020 (Nordirak, 150 Patienten, Ferritin im Median 2762 µg/l): Hypogonadismus 52,8 Prozent; als einzige Komplikation mit signifikant höherem Ferritin und häufiger nach Splenektomie [s98]. Sokkar et al. 2025 (Ägypten, 50 Patienten und 50 Kontrollen): Hypogonadismus 56 Prozent; verminderte Hepcidin-Expression bei Patienten; der Allelotyp IVSI.1 G>A (β0) war statistisch mit Hypogonadismus verbunden [s34]. Al-Agha et al. 2020 (Dschidda, 119 Kinder und Jugendliche mit Thalassämie oder Sichelzellanämie): Hypogonadismus 12,6 Prozent, assoziiert mit früherer Splenektomie (p = 0,026) [s93]. Dhouib et al. 2018 (Tunesien, 28 Patienten): mindestens eine endokrine Komplikation bei 82 Prozent [s110]. Okur Acar et al. 2025 (Izmir, 60 Kinder; Hypogonadismus 15 Prozent): weder Serumferritin noch Leber-Eisenkonzentration korrelierten mit endokrinen Komplikationen [s30]. Güneş et al. 2008 (Uludağ, 44 Patienten, 24 männlich, Alter 2,75 bis 35,2 Jahre): Hypogonadismus 13,6 Prozent, kein Zusammenhang mit Ferritin [s174]. Kurnaz et al. 2010 (43 Patienten in oder nahe der Pubertät): 48 Prozent [s160]. Tüysüz Kintrup et al. 2017 (62 Kinder, 19 Jugendliche): verzögerte Pubertät oder Hypogonadismus bei 37 Prozent der 19 Jugendlichen [s128]. Yassin et al. 2018 (Katar, 52 Erwachsene mit Thalassaemia major und 40 mit Sichelzellkrankheit): Bei Thalassämie waren Kleinwuchs, Diabetes und Hypogonadismus in der Gruppe mit Leber-Eisenkonzentration über 15 mg/g Trockengewicht signifikant häufiger; Hypogonadismus war insgesamt bei Thalassämie häufiger als bei Sichelzellkrankheit [s116]. Yassin et al. 2019 (28 junge Erwachsene mit Thalassaemia intermedia): hypogonadotroper Hypogonadismus 10,7 Prozent, nach dem Text ein Mann und zwei Frauen [s107]. Shahid et al. 2021 (Pakistan, 120 Patienten, 70 Männer): 48 Patienten nach Tanner-Stadien sexuell unterentwickelt; ein Ferritin-Grenzwert trennte mit 73,7 Prozent Sensitivität und 71,1 Prozent Spezifität, die Einheit ist in der Quelle erkennbar fehlerhaft [s89]. Die Spannen zwischen den Kohorten spiegeln Alter, Auswahl, Definition und Behandlungsära; sie sind keine Prävalenz der Thalassämie schlechthin.
Ostasiatische Kohorten. Chern et al. 2003 (Taiwan, 29 Patienten ab 15 Jahren): hypogonadotroper Hypogonadismus 72 Prozent; Pubertätsausfall bei 5 von 11 männlichen Patienten; der Genotyp β0/β0 war der einzige Risikofaktor (Odds Ratio 28,50; p = 0,002; Konfidenzintervall nicht angegeben, bei n = 29 statistisch instabil) [s188]. Wang et al. 1989 (Hongkong, 11 Männer): nur 3 erreichten die volle Pubertät, 9 von 11 reagierten auf hCG mit einem Testosteronanstieg; nach drei Jahren Chelattherapie bei sechs präpubertären Patienten sank das Ferritin deutlich (Median von 11.910 auf 1.303 pmol/l), ohne Pubertätsfortschritt; sechs Monate pulsatiles GnRH bei drei Patienten ohne Besserung [s215]. Zhang et al. 2025 (Guangxi, 389 Kinder und Jugendliche; Hypogonadismus 9,26 Prozent insgesamt, 74,2 Prozent bei 31 Jungen und Männern über 13 Jahren; Hypogonadismus als unabhängiger Risikofaktor niedriger Knochenmasse mit Odds Ratio 2,990, 1,087 bis 8,229) [s36]. Hsu et al. 2026 (Taiwan, 44 Erwachsene, Hypogonadismus 38,6 Prozent, bei 10 Männern 43,5 Prozent; kein signifikanter Zusammenhang männlichen Hypogonadismus mit Transfusionsintervall oder Ferritin ab 2247,2 pmol/l; sehr geringe Power) [s09]. Leung et al. 2025 (Hongkong, 109 Patienten mit nicht transfusionsabhängiger Thalassämie, 82 Prozent nie transfundiert): niedriges Testosteron bei sechs Männern, Hypophysen-Eisenüberladung bei zwei Patienten [s28]. Luo et al. 2017 (Guangxi, 200 Kinder von 3 bis 12 Jahren mit alpha-Thalassämie): Hypogonadismus 84 Prozent, in dieser überwiegend präpubertären Gruppe biologisch kaum einzuordnen [s124]. Yang et al. 2020 (Taiwan, 29 Erwachsene): Knochendichte korrelierte positiv mit Testosteron [s100]. Die Zusammenfassung [s182] (Deferipron gegenüber Desferrioxamin) enthält keine Ergebnisse.
Verzögerte Pubertät im deutschsprachigen Raum. Dülberg et al. 2026 [s06] ist eine retrospektive Mehrzentrenstudie (10 Krankenhäuser in Österreich, Deutschland und der Schweiz, 2012 bis 2020, 140 Personen, Median 16,5 Jahre) mit Thalassämie oder Sichelzellkrankheit. Verzögerte Pubertät bei Thalassämie 14,7 Prozent (Frauen 6,7, Männer 21,1) und bei Sichelzellkrankheit 13,2 Prozent (Frauen 6,9, Männer 20,8). Abweichende Wachstumsverläufe bei Thalassämie 32,5 Prozent (Männer 36,8), bei Sichelzellkrankheit 18,7 Prozent (Männer 23,5). Erhöhtes Ferritin war bei Thalassämie mit Wachstumsverzögerung assoziiert. Wesentliche Schwäche: Tanner-Stadien fehlten in 80,7 Prozent der Akten. Es ist die einzige gefundene Studie mit Pubertätsendpunkten bei Hämoglobinopathie-Patienten aus dem deutschsprachigen Raum; sie ist auf Englisch publiziert.
Erektile Dysfunktion. Chen et al. 2015 (Taiwan, nationale Versicherungsdatenbank 1998 bis 2010) verglichen 588 nicht transfusionsbehandelte Männer mit Thalassämie und 2337 gematchte Kontrollen. 12 gegenüber 10 Fälle organischer erektiler Dysfunktion; Inzidenz 2,81 gegenüber 0,59 pro 1000 Personenjahre; adjustierte Hazard Ratio 4,56 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,88 bis 11,1), mit ähnlichen Werten in beiden Altersgruppen (20 bis 49 Jahre: 4,76, 1,24 bis 18,2; ab 50 Jahre: 4,29, 1,31 bis 14,1) [s135]. Stärken: große Datenbasis, Vergleichsgruppe. Schwächen: nur 22 Ereignisse, Abrechnungsdiagnosen, vorwiegend Anlageträger oder gering symptomatische Verläufe, kein Hormon- oder Eisenwert; die Studie misst Erektionsstörung, nicht Fertilität.
Samenqualität, Spermien-DNA und Hoden-Bildgebung
Chen et al. 2018, Pediatric Research [s108]. 21 Männer mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie und 5 gesunde Kontrollen. Mit MRT-T2-Werten wurde erstmals bildgebend Eisen im Hoden dargestellt: niedrigere T2-Werte als bei Kontrollen (p = 0,027), Korrelation mit Ferritin (R² = 0,258; p = 0,008). Bei Patienten ohne hypogonadotropen Hypogonadismus und mit spontaner Spermatogenese: geringere Spermienkonzentration (p = 0,037), geringerer Anteil normaler Morphologie (p = 0,001) und höhere Spermien-DNA-Fragmentation (p = 0,009); die Fragmentation korrelierte mit Ferritin (R² = 0,48; p = 0,009). Stärke: bildgebender Eisennachweis im Hoden. Schwächen: nur fünf Kontrollen, Teilgruppe unbekannter Größe, Querschnitt; die Auswahl von Patienten mit spontaner Spermatogenese schließt die am schwersten Betroffenen aus.
Perera et al. 2002, Human Reproduction [s190]. Sechs eisenüberladene Patienten (mediane Ferritinkonzentration 2251 µg/l) mit spontaner Spermatogenese und fünf Kontrollen: mehr Spermien-DNA-Schäden (SCSA und TUNEL; p < 0,01); späterer Beginn der Chelattherapie war mit mehr DNA-Schäden verbunden (SCSA R² = 0,80; p = 0,016). Sehr kleine Gruppen.
De Sanctis et al. 2008 [s172], [s171]. In [s172] (28 Patienten gegenüber Spenderkontrollen) lag die mittlere TUNEL-Rate bei 18,5 gegenüber 11,4 Prozent und der SCSA-Wert bei 0,28 gegenüber 0,18 (p < 0,001); höheres Ferritin ging mit weniger abnormer Morphologie einher, was die Autoren als möglichen schädigenden Einfluss des Chelators Desferrioxamin deuten (Deutung, keine Messung). In [s171] (12 junge Erwachsene unter langfristiger Desferrioxamin-Therapie) hatten 6 (50 Prozent) normale Samenwerte; das mittlere Ferritin war bei Patienten mit auffälligen Samenwerten niedriger (543 gegenüber 1276 ng/ml; p < 0,01). Der Befund läuft den Ferritinzusammenhängen in [s108] und [s190] entgegen; alle Datensätze sind klein und querschnittlich, die Kausalität bleibt offen.
Carpino et al. 2004 [s185]. Zehn transfusionsabhängige Patienten und 18 Kontrollen: normale Spermienzahl (Median 43 Millionen/ml), progressive Beweglichkeit unter 50 Prozent; im Seminalplasma erhöhte Superoxiddismutase (p < 0,01) und Katalase (p < 0,001), unveränderter Gesamt-Antioxidanzstatus, erhöhtes Malondialdehyd (p < 0,001) als Marker der Lipidperoxidation.
Elsedfy et al. 2018, Acta Biomedica [s111]. Pilotstudie (Ägypten), 20 voll pubertäre Männer mit Beta-Thalassaemia major; 10 waren azoosperm (kleineres Hodenvolumen, niedrigeres FSH und Testosteron), die übrigen 10 wurden weiter untersucht. Azoosperme Männer hatten häufigere Transfusionen und niedrigeres Hämoglobin vor der Transfusion; die DNA-Fragmentierung lag bei allen zehn unter 30 Prozent; das Ferritin korrelierte nicht mit Parametern des Spermienschadens. Nach sechs Monaten L-Carnitin (2 g/Tag) und N-Acetylcystein (600 mg/Tag) stiegen der Spermiendeformitätsindex (von 1,90 ± 0,33 auf 2,46 ± 0,61) und der Teratozoospermie-Index (von 1,59 ± 0,22 auf 1,86 ± 0,28) signifikant, was die Autoren als nicht für den Einsatz von Antioxidanzien sprechend werten. Keine Kontrollgruppe, zehn Auswertbare.
Soliman et al. 2012, Fertility and Sterility [s150]. Prospektive Pilotstudie, 10 junge Erwachsene (17 bis 32 Jahre, Tanner 5). Sieben Tage nach einer Erythrozytentransfusion stieg Hämoglobin von 8,7 ± 0,86 auf 11,1 ± 0,82 g/dl, Testosteron von 16,5 ± 8 auf 20 ± 8,8 nmol/l und IGF-1 von 173 ± 46 auf 214 ± 61 ng/ml; die Gesamtspermienzahl stieg von 57,8 ± 38,3 auf 166 ± 132 Millionen/ml, die rasche progressive Beweglichkeit von 20,6 ± 16,6 auf 79,7 ± 67,4 Prozent. Der Mechanismus ist unbekannt; Vorher-Nachher ohne Kontrollgruppe, große Streuungen.
Kemal et al. 2025, International Urology and Nephrology [s26]. 49 Männer mit Thalassaemia minor (Träger; 21 bis 43 Jahre; erfasst über das Ehe-Screening in Ankara): 39 mit auffälligen, 10 mit normalen Samenparametern; Azoospermie 16 Prozent, Oligozoospermie 12, Teratozoospermie 18, Asthenozoospermie 32 Prozent. MCHC war bei auffälligen Samenwerten niedriger (p = 0,01); in der Regression erhöhten MCV und MCHC die Wahrscheinlichkeit auffälliger Werte „um das 0,88-Fache“ beziehungsweise „2,64-Fache“ (Wortlaut der Zusammenfassung, Konfidenzintervalle nicht angegeben). Keine Kontrollgruppe ohne Thalassämie; die hohe Rate von rund 80 Prozent auffälligen Spermiogrammen spricht für eine selektierte Stichprobe (Vermutung, die Zusammenfassung sagt es nicht).
Weitere Befunde. Jensen et al. 1996 (acht Patienten, schlechte Spermiogramme bei allen außer dem jüngsten; Eisenablagerung in der Hypophyse als Hauptfaktor) [s204]; Papadimas et al. 1996 (30 Männer, Einteilung in 18 eugonadale, 6 hypogonadotrope und 6 intermediäre Patienten; Gruppe mit hypogonadotropem Hypogonadismus mit stark erhöhtem Ferritin; Störung seltener bei früher intensiver Chelattherapie) [s205]; Zhang et al. 2025 (Hainan, 13.856 infertile Personen beiderlei Geschlechts, 24,96 Prozent Thalassämie-Träger; erhöhte Prävalenz der alpha-Thalassämie-Trägerschaft in der infertilen Gruppe, nicht nach Geschlecht aufgeschlüsselt) [s37].
Vaterschaft, Hormonbehandlung und Transplantation
De Sanctis et al. 2019, Acta Biomedica, ICET-A-Befragung [s103]. 10 von 16 angeschriebenen Zentren (62,5 Prozent), 966 männliche Patienten über 18 Jahre (738 transfusionsabhängig, 228 nicht). 240 (24,8 Prozent) lebten in Ehe oder Partnerschaft; 184 von 240 (76,6 Prozent) hatten Kinder (im Mittel 1,32 ± 0,06). Von den 184 Vätern zeugten 150 (81,5 Prozent) natürlich, 23 (12,5 Prozent) nach Auslösung der Spermatogenese mit Gonadotropinen, 8 (4,3 Prozent) per ICSI; 3 adoptierten. 39 Männer suchten ärztliche Hilfe wegen fehlender natürlicher Vaterschaft, darunter 7 mit Azoospermie und 17 mit Dysspermie (die Prozentangaben der Quelle beruhen auf unterschiedlichen Nennern). Stärke: größte Datenmenge zur Vaterschaft bei Thalassämie. Schwächen: Selbstauskunft, nur 62,5 Prozent der Zentren, kein Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung, keine Angaben zu Männern ohne Kinderwunsch.
Takhviji et al. 2020, Transfusion Medicine [s99]. 213 Paare in Teheran; 131 Patienten (62 Prozent) hatten 228 spontane Schwangerschaften, davon 198 (86,6 Prozent) erfolgreich. Ferritin korrelierte negativ mit Testosteron, Östradiol, LH und FSH; beide Geschlechter gemischt, männliche Werte nicht getrennt.
Bajoria und Chatterjee 2011, Hemoglobin [s157]. Fünfzehnjährige Erfahrung mit 30 Paaren (28 Schwangerschaften nach assistierter Reproduktion). Männer sprachen schlechter an als Frauen; 14 Männer mit pulsatilem hypogonadotropem Hypogonadismus erhielten 6 bis 24 Monate Gonadotropine mit unterschiedlichem Ergebnis, bei 6 gelang Spermatogenese mit Oligoasthenozoospermie, zwei wurden nach IVF/ICSI Väter. Fallserie.
Cisternino et al. 1998 [s200]. 24 Patienten (18 bis 40 Jahre) mit hypogonadotropem Hypogonadismus unter HCG plus HU-FSH (mittlere Dauer 8,6 ± 3,9 Jahre): Testosteron normalisierte sich, das Hodenvolumen stieg in den Erwachsenenbereich, Spermatogenese wurde erreicht; beim Wechsel auf Depot-Testosteron nahmen Hodenvolumen und Spermienzahl deutlich ab. Unkontrollierte Serie; beschrieben wird ein Verlauf, keine Empfehlung.
Soliman et al. 2000 [s198]; De Sanctis et al. 2016 [s129]. In [s198] zeigten 10 Jungen mit Thalassämie und verzögerter Pubertät erniedrigte nächtliche LH- und FSH-Sekretion und eine geminderte Antwort auf GnRH und HCG; die MRT zeigte Eisenablagerung in Hypophyse und Mittelhirn bei 8 von 10, leere Sella bei 5. In [s129] hatten 11 Männer (26 bis 54 Jahre) mit erworbenem hypogonadotropem Hypogonadismus signifikant niedrigeres LH (2,4 ± 2,2 IU/l) und FSH (1,2 ± 0,9 IU/l) als 12 Thalassämie-Patienten mit normaler Pubertät; Samenanalyse bei 5 Patienten: Azoospermie bei 3, Oligoasthenozoospermie bei 2; Ferritin über 2000 ng/ml bei 5 von 11 gegenüber 1 von 12 (p = 0,043); die MRT der drei azoospermen Männer zeigte Volumenverlust und verminderte Signalintensität der Hypophyse. Al-Rimawi et al. 2006 (Jordanien, 33 Jungen, 17 mit Pubertätsverzögerung): niedrigere Basalwerte von LH, FSH und Testosteron bei Verzögerung, Testosteron blieb auch nach hCG niedriger [s180]. Abdulzahra et al. 2011 (Irak, 78 Jungen von 4 bis 11 Jahren und 30 Kontrollen): LH, Wachstumshormon und Cortisol erniedrigt; Ferritin korrelierte mit LH (r = −0,48) und Wachstumshormon (r = −0,58); in diesem Alter schwer zu deuten [s156].
Nebenwirkungen und Begleitbefunde der Hormonbehandlung. De Sanctis et al. 2019: unter Testosteronersatz bei 95 jungen hypogonadalen Männern Gynäkomastie bei 41 (43,1 Prozent), Priapismus bei 2 unter intramuskulärem Testosteronenantat [s102]. De Sanctis et al. 2017 (Register mit 424 Männern aus Muscat, Doha und Ferrara; Pubertätsstörung bei 42,7, 43 und 34,9 Prozent; Einzelfall einer linksatrialen Thrombose bei einem 19-Jährigen mit Diabetes) [s119]. Das sind beschreibende Sicherheitsbeobachtungen, keine Fertilitätsdaten.
Hydroxyurea bei Thalassaemia intermedia. Karimi et al. 2012 (75 Patienten unter Hydroxyurea 8 bis 15 mg/kg/Tag über mindestens fünf Jahre, 31 ohne): hypogonadotroper Hypogonadismus bei 9,3 gegenüber 9,7 Prozent (p = 0,605), keine Auswirkung der Langzeitgabe auf die Gonadenfunktion in diesem gemischtgeschlechtlichen Kollektiv (Alter 12 bis 41 Jahre; nicht randomisiert) [s149].
Stammzelltransplantation und Gentherapie. Rostami et al. 2020 (43 Erwachsene nach Geschwister-Transplantation, 52 konventionell behandelte; Hypogonadismus 32,63 Prozent ohne Gruppenunterschied, p = 0,35; Azoospermie, Oligospermie, Asthenospermie, Teratospermie und niedriges Ejakulatvolumen nach Transplantation signifikant häufiger) [s97]. Piriyapokin et al. 2025 (52 Männer, mindestens zwei Jahre nach Transplantation: Sertoli-Zell-Dysfunktion bei 46 [88 Prozent], alle 39 Patienten mit Samenanalyse mit mindestens einem auffälligen Parameter, Leydig-Zell-Funktion erhalten; FSH ≥ 8 IU/l mit bester Genauigkeit für Oligo- und Azoospermie) [s31]. De Sanctis et al. 1991 (15 präpubertäre Jungen nach Knochenmarktransplantation: Basalwerte normal, Antworten auf GnRH und HCG vermindert; Eisenüberladung und Zytostatika nicht trennbar) [s212]. Hmaidan et al. 2025 (Fertilitätserhalt vor Gentherapie, 17 Männer: mediane Zahl kryokonservierter Portionen 2 bei Sichelzellkrankheit gegenüber 6 bei Thalassämie; mediane Spermienkonzentration 7,1 gegenüber 80,4 Millionen/ml) [s24].