Studien zu Hormone & Medikamente und Spermienqualität (37–72)
72 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Hormone & Medikamente, neueste zuerst; diese Seite zeigt die Studien 37 bis 72. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
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36 von 36 Studien
Hormone & Medikamente2017
Psychopharmaka und männliche Reproduktion
Drobnis EZ, Nangia AK — Advances in experimental medicine and biology
Narrative Übersichtsarbeit zu den Effekten von Psychopharmaka (Antidepressiva, Antipsychotika, Antikonvulsiva) auf Sexualfunktion und Spermaqualität. SSRI, häufig auch bei vorzeitigem Samenerguss eingesetzt, verlängern die Ejakulationslatenz; damit wird eine erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung in Verbindung gebracht, die bei allen bislang untersuchten SSRI beobachtet wurde. SSRI und teils trizyklische Antidepressiva (v. a. Clomipramin) erhöhen den Prolaktinspiegel, Testosteron bleibt meist normal. Antipsychotika – am deutlichsten Chlorpromazin, Haloperidol, Reserpin, Risperidon, Thioridazin – erhöhen Prolaktin, senken Testosteron und verursachen häufig Ejakulationsstörungen; Aripiprazol und Clozapin wirken schwächer. Lithium erhöht Prolaktin und LH und senkt Testosteron. Antikonvulsiva wie Valproat, Carbamazepin, Oxcarbazepin und Levetiracetam vermindern die Spermaqualität. Die Autoren betonen erhebliche Wissenslücken, insbesondere fehlende Daten zu Schwangerschafts- und Nachkommen-Endpunkten, und fordern weitere Studien.
Spermatogenese bei Hodgkin-Lymphom-Patienten: Eine retrospektive Studie zur Samenqualität vor und nach verschiedenen Chemotherapie-Regimen
Paoli D, Rizzo F, Fiore G, Pallotti F, Pulsoni A, Annechini G, Lombardo F, Lenzi A, Gandini L — Human reproduction (Oxford, England)
Große retrospektive Studie zur Spermatogenese bei Hodgkin-Lymphom (HL)-Patienten, mit Samenanalyse (WHO-2010-Kriterien) von 519 Patienten vor Therapie sowie longitudinaler Nachbeobachtung von 202 Patienten nach ABVD-Chemotherapie und 42 Patienten nach intensiveren Regimen (BEACOPP, COPP/ABVD, OPP/ABVD, MOPP, teils mit Radiotherapie) über bis zu 16 Jahre. Ergebnisse: 75% der HL-Patienten waren vor Therapie normozoospermisch. Nach ABVD sanken Spermienkonzentration und -zahl bei 6 und 12 Monaten signifikant ab, erholten sich aber bis Monat 24 wieder auf Ausgangsniveau. Bei ≥6 Zyklen intensiverer Regime (BEACOPP u.a.) kam es dagegen häufig zu dauerhafter Azoospermie; bei weniger Zyklen erholte sich die Spermatogenese erst nach 3-5 Jahren mit weiterhin eingeschränkter Qualität. Einordnung: Die Studie mit der bislang größten Fallzahl zeigt, dass nicht die Erkrankung selbst, sondern Art und Anzahl der Chemotherapiezyklen die Spermatogenese-Erholung bestimmen, und unterstreicht die Bedeutung einer Spermienkryokonservierung vor Therapiebeginn.
Hodenkrebs und Spermien-DNA-Schäden: kurz- und langfristige Effekte antineoplastischer Behandlung
Paoli D et al. — Andrology
Prospektive Verlaufsstudie an einem großen Kollektiv von Hodenkrebs-Patienten, bei denen die Spermien-DNA-Integrität (DNA-Fragmentationsindex, DFI, mittels Sperm Chromatin Structure Assay) vor sowie zu mehreren Zeitpunkten nach Chemo- bzw. Radiotherapie bestimmt wurde. Der mittlere DFI lag vor Behandlung bei 18,0±12,5 %, stieg nach 3 Monaten deutlich auf 27,7±17,4 % und blieb nach 6 Monaten mit 23,2±15,3 % erhöht, bevor er sich nach 12 und 24 Monaten weitgehend normalisierte (14,0±8,9 % bzw. 14,4±10,3 %). Nach Chemotherapie war der Anstieg ausgeprägt, mit deutlicher Erholung nach 12/24 Monaten; nach Radiotherapie fiel die spätere Erholung schwächer aus, erreichte aber annähernd Ausgangswerte. Der posttherapeutische DNA-Schaden war unabhängig von Alter und Tumorhistologie, aber stärker bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium ausgeprägt. Die Studie zeigt, dass Chromatinschäden nach onkologischer Therapie vorübergehend, aber substanziell sind und sich erst nach 12–24 Monaten weitgehend erholen – relevant für die Fertilitätsberatung von Krebspatienten.
Gonadotropin-Ersatztherapie zur Fertilitätsinduktion bei hypogonadalen Männern
Dwyer AA et al. — Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism
Narrativer Übersichtsartikel zur Fertilitätsbehandlung bei Männern mit kongenitalem hypogonadotropem Hypogonadismus (CHH), einer seltenen Form der Infertilität durch gestörte Sekretion oder Wirkung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). Da bislang kein einheitlicher Behandlungskonsens besteht, fassen die Autoren historische und aktuelle Literatur zu therapeutischen Ansätzen zusammen. In den meisten Fällen induziert eine geeignete Hormontherapie mit humanem Choriongonadotropin (hCG), gegebenenfalls kombiniert mit follikelstimulierendem Hormon (FSH), erfolgreich Hodenwachstum, Spermatogenese und Fertilität. Neuere Studien untersuchten eine sequenzielle Behandlungsstrategie mit vorgeschalteter FSH-Gabe, um die Fertilitätsergebnisse bei besonders schwer betroffenen CHH-Patienten zu optimieren. Der Review zeigt, dass eine gezielte Substitution der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse in den meisten Fällen eine wirksame Wiederherstellung der Spermatogenese ermöglicht, auch wenn optimale Sequenz und Dauer der Behandlung je nach Schweregrad individualisiert werden müssen.
Spermiogramm und Hodenvolumen bei erwachsenen Epilepsie-Patienten unter Valproat-Therapie
Hamed SA et al. — Journal of Clinical Neuroscience
Fall-Kontroll-Studie an 55 Patienten mit idiopathischer Epilepsie unter Valproat(VPA)-Dauertherapie (mittleres Alter 31,9±6,6 Jahre, mittlere Erkrankungsdauer 12,5±5,1 Jahre, mittlere Behandlungsdauer 9,55±0,85 Jahre) im Vergleich zu gesunden Kontrollen; erfasst wurden Sexualhormonprofil, Spermiogramm, Hodenvolumen und Carnitin im Seminalplasma. Im Vergleich zu Kontrollen zeigten Patienten niedrigere Werte für freies Testosteron (p<0,01), Spermienkonzentration und -zahl (je p<0,0001), Carnitin (p<0,01) und Hodenvolumen (p<0,01) sowie höhere Anteile immotiler und abnorm geformter Spermien (p<0,001 bzw. p<0,0001). Spermienzahl, Motilität, Anteil immotiler/abnormer Spermien, Hodenvolumen und Carnitinspiegel korrelierten signifikant mit Krankheits- und Behandlungsdauer sowie VPA-Dosis. Die Studie zeigt, dass eine langfristige Valproat-Therapie mit reduzierter Spermienzahl und -motilität, vermehrt abnormen Spermien und vermindertem Hodenvolumen einhergeht und damit potenziell die männliche Fertilität beeinträchtigen kann – relevant für die Therapieplanung bei jungen männlichen Epilepsie-Patienten mit Kinderwunsch.
Auswirkungen von Carbamazepin auf Samenparameter bei Männern mit neu diagnostizierter Epilepsie
Asadi-Pooya A, Farazdaghi M, Ashjazadeh N — Iranian journal of neurology
Kleine prospektive Interventionsstudie (Fallserie) mit acht männlichen Epilepsiepatienten (20-40 Jahre) im Iran, die erstmals mit Carbamazepin (CBZ) behandelt wurden. Methodik: Samenanalyse vor Therapiebeginn und erneut nach mindestens drei Monaten CBZ-Einnahme, statistische Auswertung mittels Wilcoxon-Test. Ergebnisse: Bei allen untersuchten Parametern (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) zeigte sich nach CBZ-Therapie eine signifikante Verschlechterung (p=0,012 für alle Indices). Sieben der acht Patienten hatten eine Temporallappenepilepsie, einer eine Parietallappenepilepsie. Einordnung: Trotz der sehr kleinen Stichprobe liefert diese Fallserie einen direkten Vorher-Nachher-Hinweis, dass Carbamazepin die Samenqualität negativ beeinflussen kann, was bei der Beratung junger männlicher Epilepsiepatienten mit Kinderwunsch berücksichtigt werden sollte. Größere kontrollierte Studien wären nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Veränderte sexuelle und reproduktive Funktionen bei epileptischen Männern unter Carbamazepin-Therapie
Reis RM, de Angelo AG, Sakamoto AC, Ferriani RA, Lara LA — The journal of sexual medicine
Kontrollierte Querschnittsstudie an 118 Männern im Alter von 18–45 Jahren: 63 Männer mit medikamentös durch Carbamazepin (CBZ) kontrollierter Epilepsie wurden mit 55 gesunden Kontrollen verglichen. Erhoben wurden Hormonspiegel, Spermienmorphologie, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs (Fragebogen) sowie erektile Funktion mittels IIEF-5. Epileptische Männer unter CBZ hatten eine Odds Ratio von 17,3 (95%-KI 3,6–83,5) für erektile Dysfunktion und eine Odds Ratio von rund 10,5 für einen Geschlechtsverkehr seltener als dreimal wöchentlich. Die Spermienvitalität war bei 27% der CBZ-Gruppe gegenüber 5,4% der Kontrollen beeinträchtigt (p<0,002), eine reduzierte Motilität (A+B ≤50%) fand sich bei 98,4% vs. 85,4% (p<0,01), und eine abnorme Morphologie (<14% normale Formen) bei 93,7% vs. 34,6% (p<0,001). CBZ-Anwender hatten zudem signifikant weniger Geschlechtsverkehr als Kontrollen (p≤0,001). Die Autoren schließen, dass eine Carbamazepin-Therapie bei Epilepsie mit Hormonveränderungen, verschlechterter Spermaqualität, erektiler Dysfunktion und reduzierter Kohabitationsfrequenz einhergeht.
Die Behandlung des Hypogonadismus bei Männern im reproduktionsfähigen Alter
Kim ED, Crosnoe L, Bar-Chama N, Khera M, Lipshultz LI — Fertility and sterility
Narrativer Literaturreview (PubMed-Recherche 1990–2012) zu den Mechanismen, über die eine Testosteron(T)-Ersatztherapie die Spermatogenese unterdrückt, sowie zu therapeutischen Alternativen bei Männern mit Kinderwunsch. Exogenes Testosteron supprimiert die intratestikuläre Testosteronproduktion, die für eine normale Spermatogenese unabdingbar ist. Als testisschonende Optionen werden hCG-Therapie und selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren wie Clomifencitrat diskutiert, teils auch niedrig dosiertes hCG kombiniert mit exogenem Testosteron; Aromatasehemmer werden mangels ausreichender Langzeitdaten derzeit nicht routinemäßig empfohlen. Studien zur hormonellen Kontrazeption zeigen, dass sich die Spermienproduktion bei den meisten Männern innerhalb eines Jahres nach Absetzen normalisiert. Clomifencitrat wird als sichere und wirksame Off-Label-Option zum Erhalt der künftigen Fertilität beschrieben, hCG-Therapie (mit oder ohne Testosteron) als seltener genutzte Alternative. Die Übersichtsarbeit betont, dass eine Testosteronsubstitution bei Männern mit aktuellem oder künftigem Kinderwunsch sorgfältig gegen alternative Hormontherapien abgewogen werden sollte.
Finasterid-Einnahme in der Population männlicher Infertilitätspatienten: Effekte auf Samen- und Hormonparameter
Samplaski MK, Lo K, Grober E, Jarvi K — Fertility and sterility
Prospektive Datenbankanalyse einer andrologischen Spezialklinik: Von 4.400 Männern, die sich zwischen 2008 und 2012 einer Fertilitätsabklärung unterzogen, nahmen 27 (0,6%) Finasterid ein (mittlere Behandlungsdauer 57,4 Monate, mittlere Dosis 1,04 mg/Tag); Samen- und Hormonparameter wurden vor und nach Absetzen verglichen. Nach Absetzen von Finasterid stieg die Spermienzahl im Mittel um das 11,6-Fache; bei Männern mit schwerer Oligospermie verbesserten sich die Werte laut Abstract bei der Mehrheit deutlich (der Originaltext ist an dieser Stelle unvollständig überliefert), und bei keinem Mann sank die Spermienzahl. Hormonparameter, Spermienmotilität und -morphologie blieben nach dem Absetzen unverändert. Die Autoren folgern, dass Finasterid, selbst in niedriger Dosierung, bei manchen Männern die Spermienzahl deutlich reduzieren kann, dieser Effekt jedoch nach Absetzen weitgehend reversibel ist. Sie empfehlen, Finasterid bei subfertilen Männern mit Oligospermie abzusetzen und bei Männern mit Kinderwunsch nur mit Vorsicht einzusetzen.
Behandlung des hypogonadalen infertilen Mannes – ein Review
Ho CC, Tan HM — Sexual medicine reviews
Narrativer Übersichtsartikel (Literaturrecherche in PubMed 1980–2012) zur Behandlung hypogonadaler, unfruchtbarer Männer. Die Autoren betonen, dass eine Testosterontherapie bei Männern im reproduktionsfähigen Alter die Spermatogenese hemmt und damit die Fertilität verschlechtert – sie ist bei gleichzeitigem Kinderwunsch kontraindiziert. Bei primärem testikulärem Versagen sind hormonelle Therapieoptionen kaum wirksam; assistierte Reproduktionstechniken sind hier indiziert. Bei sekundärem (hypogonadotropem/normogonadotropem) Hypogonadismus kommen GnRH, humanes Choriongonadotropin (hCG), humanes Menopausengonadotropin (hMG), FSH sowie Antiöstrogene und Aromatasehemmer infrage; bei Prolaktinom Dopaminagonisten. Als beste verfügbare Option wird hCG (ggf. kombiniert mit hMG/FSH) genannt. Testosteronsubstitution sollte bei Kinderwunsch vermieden werden; wird sie dennoch eingesetzt, kann sich die Spermienproduktion nach Absetzen innerhalb eines Jahres normalisieren. Der Review liefert eine klinische Orientierung, keine neuen Primärdaten.
Colchicin hat keinen negativen Effekt auf Fertilität und Schwangerschaft
Both T, van Laar JA, Bonte-Mineur F, van Hagen PM, van Daele PL — Nederlands tijdschrift voor geneeskunde
Systematisches Review zur Frage, ob eine Colchicin-Behandlung bei familiärem Mittelmeerfieber (FMF) Fertilität und Schwangerschaftsverlauf beeinträchtigt. Von 73 identifizierten PubMed-Treffern erfüllten 13 Studien die Einschlusskriterien, ergänzt um 12 weitere über Querverweise (insgesamt 25 ausgewertete Human- und Tierstudien). Colchicin unterdrückt wirksam die klinischen FMF-Symptome und die Bildung von Amyloidablagerungen. In den ausgewerteten Studien fand sich kein statistisch signifikanter Effekt der Colchicin-Behandlung auf Spermaqualität oder Hormonspiegel; auch während der Schwangerschaft traten unter Colchicin keine schweren Komplikationen auf. Sowohl männliche als auch weibliche FMF-Patienten unter Colchicin-Therapie hatten sogar bessere Fertilitätsaussichten als unbehandelte Patienten, da unbehandeltes FMF selbst über Amyloidablagerungen in Hoden und Ovarien zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Autoren schließen, dass Colchicin während der gesamten reproduktiven Lebensphase sicher fortgeführt werden kann.
Prospektive Interventionsstudie an einem akademischen Zentrum mit 35 gesunden männlichen Freiwilligen (18–65 Jahre), die 5 Wochen lang das SSRI-Antidepressivum Paroxetin einnahmen. Vor, während und einen Monat nach Absetzen wurden Hormonwerte, Samenanalysen, der Anteil fragmentierter Spermien-DNA (TUNEL) sowie die Sexualfunktion per Fragebogen erfasst. Die mittlere DNA-Fragmentierung stieg von 13,8 % (Baseline) auf 30,3 % unter Paroxetin; der Anteil mit pathologischem TUNEL-Score (≥30 %) stieg von 9,7 % auf 50 % nach 4 Wochen (Odds Ratio 9,33; 95 %-CI 2,3–37,9; adjustiert 11,12). Bis zu 35 % der Männer berichteten über Erektionsstörungen, 47 % über Ejakulationsprobleme; nach Absetzen normalisierte sich die Sexualfunktion weitgehend. Die klassischen Samenparameter (Konzentration, Motilität, Morphologie) veränderten sich dagegen nicht signifikant. Die Studie zeigt, dass Paroxetin trotz unauffälligem Spermiogramm die DNA-Integrität der Spermien deutlich beeinträchtigen und dadurch die Fertilität potenziell gefährden kann.
Induktion der Spermatogenese beim hypogonadotropen Hypogonadismus
Oldereid NB, Tanbo T — Tidsskrift for den Norske Lægeforening
Norwegischer Übersichtsartikel (keine Originalstudie) zur Induktion der Spermatogenese bei hypogonadotropem Hypogonadismus, einer seltenen Ursache testikulären Versagens, die für einen Teil der bei etwa einem Drittel der Kinderwunschpaare bestehenden männlichen Infertilität verantwortlich ist. Grundlage sind eine aktuelle Literaturrecherche und langjährige klinische Erfahrung der Autoren mit infertilen Patienten. Die Übersicht beschreibt die komplexe parakrine und endokrine Regulation der Spermatogenese im Hoden im Zusammenspiel mit der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse sowie die Standardbehandlung mittels Gonadotropin-Injektionen, die der Patient in enger Abstimmung mit einem Spezialisten selbst verabreicht. Die Behandlung muss teils bis zu zwei Jahre fortgeführt werden, ist dabei aber in der Regel wirksam, um die Spermatogenese zu initiieren oder wiederherzustellen. Da es sich um eine narrative Übersichtsarbeit ohne eigene Patientendaten oder Effektgrößen handelt, liefert der Artikel primär eine klinische Orientierungshilfe und keine quantitativen Wirksamkeitsdaten.
Spermien-DNA-Schäden und Beeinträchtigung der Samenqualität nach Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, nachgewiesen mittels Spermiogramm und Sperm-Chromatin-Structure-Assay
Safarinejad MR — The Journal of Urology
Fall-Kontroll-Studie mit 74 fertilen, depressiven Männern unter Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und 44 gesunden fertilen Kontrollen; erhoben wurden zwei Spermiogramme sowie mittels Sperm-Chromatin-Structure-Assay die Spermien-DNA-Fragmentierung. Die mittlere Gesamtspermienzahl betrug bei SSRI-Patienten 61,2±11,4 Mio. gegenüber 186,2±31,4 Mio. bei Kontrollen (p=0,001), die mittlere Motilität 48,2±4,6% gegenüber 66,2±4,4% (p=0,01). Eine normale Spermienmorphologie fand sich bei nur 18,9% der Patienten gegenüber 52,3% der Kontrollen (p=0,001), mit im Mittel nur 8,1±5,4% normalen Formen je Ejakulat unter SSRI. Der Anteil denaturierter Einzelstrang-DNA war unter SSRI-Behandlung deutlich höher (43,2±11,4% vs. 21,4±10,6%; p=0,01). Alle Spermiogrammparameter korrelierten signifikant mit der Behandlungsdauer. Die Studie zeigt einen deutlichen negativen Effekt von SSRI auf Samenqualität und Spermien-DNA-Integrität, wobei aufgrund des Fall-Kontroll-Designs Confounder durch die zugrunde liegende Depression nicht vollständig ausgeschlossen werden können; die Autoren fordern weitere Bestätigungsstudien.
Welches Antiepileptikum für Männer mit Epilepsie? Eine kritische epileptologische und andrologische Übersicht
Bauer J, Klingmüller D — Der Nervenarzt
Kritische narrative Übersichtsarbeit (epileptologisch-andrologisch) zum Einfluss von Antiepileptika auf die männliche Reproduktionsfunktion, basierend auf Originalpublikationen und Übersichtsartikeln, ohne eigene Patientendaten. Für die gängigen Wirkstoffe Carbamazepin, Oxcarbazepin, Valproat und Lamotrigin liegen nur wenige Daten zu sexueller Dysfunktion vor, und der Effekt der Epilepsie selbst wird in den meisten Studien nicht berücksichtigt. Insbesondere die Temporallappenepilepsie kann die Freisetzung von Sexualsteroiden beeinflussen und zu erniedrigten Testosteronspiegeln führen. Enzyminduzierende Antiepileptika erhöhen den Anteil des an SHBG gebundenen Testosterons, ein klarer Zusammenhang mit der Sexualfunktion ist jedoch nicht gut belegt; zudem können Antiepileptika Spermatogenese und Spermienmotilität beeinträchtigen und so zu Infertilität beitragen. Die Autoren empfehlen auf Basis der aktuellen Datenlage Lamotrigin und Valproat als bevorzugte Antiepileptika bei Männern, da diese kaum bzw. keinen negativen Effekt auf SHBG und Sexualsteroide zeigen.
Auswirkungen von Epilepsie und Antiepileptika auf die männliche reproduktive Gesundheit
Isojärvi JI, Löfgren E, Juntunen KS, Pakarinen AJ, Päivänsalo M, Rautakorpi I, Tuomivaara L — Neurology
Fall-Kontroll-Studie mit 60 Männern mit Epilepsie (15 unter Carbamazepin, 18 unter Oxcarbazepin, 27 unter Valproat) sowie 41 gesunden Kontrollen. Bestimmt wurden reproduktive Hormone im Serum, ein Spermiogramm sowie mittels Ultraschall das Hodenvolumen. Männer unter Carbamazepin hatten niedrige DHEA-Sulfat-Spiegel (p<0,001), Männer unter Valproat erhöhte Androstendion-Werte (p<0,001). Der Anteil morphologisch abnormaler Spermien war unter Carbamazepin (p<0,01), Oxcarbazepin (p<0,05) und Valproat (p<0,01) höher als bei Kontrollen; Carbamazepin und Valproat waren zudem mit schlechterer Motilität assoziiert (p<0,05), unter Carbamazepin war auch eine pathologisch niedrige Spermienkonzentration häufiger (p<0,001). Valproat-Patienten mit abnormem Spermiogramm hatten zusätzlich kleinere Hodenvolumina (p=0,003). Einordnung: Die Studie belegt substanzspezifische negative Effekte gängiger Antiepileptika auf Samenqualität und teils auch Hodenvolumen bei Männern mit Epilepsie.
Durch Mesalazin verursachte reversible Unfruchtbarkeit bei einem jungen Mann
Chermesh I, Eliakim R — Digestive and liver disease : official journal of the Italian Society of Gastroenterology and the Italian Association for the Study of the Liver
Kasuistik (Einzelfallbericht) zu einem jungen Mann, der wegen einer Proktitis mit Mesalazin behandelt wurde. Beschrieben wird der Verlauf des Spermiogramms unter Therapie, nach Absetzen und nach erneuter Gabe des Medikaments. Unter Mesalazin-Behandlung fand sich eine hochgradig pathologische Samenqualität mit nur 3 x 10^6 Spermien/ml, eine Konzeption blieb aus. Nach Absetzen des Medikaments normalisierte sich das Spermiogramm nahezu vollständig, und es kam zu einer Schwangerschaft. Wegen erneuter Krankheitsaktivität musste Mesalazin wieder angesetzt werden, woraufhin sich die Samenqualität erneut verschlechterte. Einordnung: Der Fallbericht liefert Evidenz auf niedrigem Studienniveau (Einzelfall), aber mit klarer zeitlicher Koppelung zwischen Gabe, Absetzen und erneuter Gabe des Medikaments, für eine reversible, medikamenteninduzierte Fertilitätsstörung durch Mesalazin. Generalisierbare Aussagen erlaubt ein Einzelfall jedoch nicht.
Veränderungen der Spermienparameter bei Männern mit Epilepsie unter Valproat- oder Carbamazepin-Monotherapie
Røste LS, Taubøll E, Haugen TB, Bjørnenak T, Saetre ER, Gjerstad L — European journal of neurology
Fall-Kontroll-Studie zum Vergleich zweier Antiepileptika mit gesunden Kontrollen. Eingeschlossen wurden 16 Männer mit Epilepsie unter Valproat und 20 unter Carbamazepin (Therapiedauer über 2 Jahre, 20-40 Jahre alt), als Kontrollgruppe dienten 90 gesunde fertile Männer. Das Spermiogramm wurde nach WHO-Kriterien (1999) erstellt, zusätzlich wurde die Hodengröße bestimmt. Zwischen Valproat- und Carbamazepin-Gruppe zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der allgemeinen Samenqualität, jedoch mehr Flagellumanomalien unter Valproat; nach Korrektur für den BMI war das Verhältnis Hodengröße/BMI unter Valproat niedriger, zudem nahmen Valproat-Patienten stärker an Gewicht zu. Gegenüber den gesunden Kontrollen zeigten alle Epilepsiepatienten zusammen signifikant weniger schnell progressiv motile Spermien sowie mehr Hals- und Kopfanomalien. Einordnung: Die Studie deutet auf teils substanzspezifische, teils krankheitsbedingte Effekte von Epilepsie und ihrer Behandlung auf die Spermienmorphologie hin.
Die Wirkung von Kalziumkanalblockern auf menschliche Spermien
Li L, Liu JH — Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology
Narrativer Übersichtsartikel ohne eigene Patientenkohorte; eine konkrete Stichprobengröße wird nicht genannt. Zusammengefasst wird der Forschungsstand zu Kalziumkanälen in menschlichen Spermien und zur Wirkung von Kalziumkanalblockern (CCB), einer in der Kardiologie und bei muskuloskelettalen Erkrankungen breit eingesetzten Medikamentenklasse. Laut den referierten Arbeiten beeinflussen CCB nicht nur die Form, sondern auch Aktivierung, Akrosomreaktion und allgemeine Funktionsfähigkeit menschlicher Spermien. Die Autoren leiten daraus einen möglichen neuen Ansatzpunkt für eine männliche Kontrazeption ab. Einordnung: Es handelt sich um eine knappe Übersicht ohne eigene quantitative Ergebnisse; sie liefert lediglich einen Hinweis darauf, dass ein weitverbreitetes Herz-Kreislauf-Medikament über Kalziumkanäle theoretisch auch die Spermienfunktion beeinflussen könnte. Konkrete klinische Daten zu Spermienzahlen oder Fertilität bei behandelten Patienten werden im Abstract nicht genannt.
Fall-Kontroll-Studie zur testikulären Funktion bei 33 Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (mittleres Diagnosealter 10,0 Jahre, Studienalter median 21,9 Jahre) im Vergleich zu 66 altersgematchten Kontrollen. Erfasst wurden Pubertätsstadium, Sexualhormone im Plasma sowie Samenqualität einschließlich Spermien-DNA-Integrität. Zehn Teilnehmer (30%) waren azoosperm, sechs (18%) oligozoosperm. In der nicht-azoospermen Gruppe war die Spermienkonzentration signifikant niedriger als bei Kontrollen (Median 37,1 vs. 90,7 Mio./ml, p=0,002), Inhibin B war erniedrigt (153,3 vs. 223,7 ng/l, p<0,001) und FSH erhöht (6,6 vs. 3,2 U/l, p<0,001). Nur 11 Überlebende (33%) hatten insgesamt eine normale Samenqualität. Bemerkenswert: Die DNA-Integrität der Spermien unterschied sich zwischen nicht-azoospermer Gruppe und Kontrollen nicht signifikant (9% vs. 11% geschädigte DNA, p=0,06). Die Autoren schließen daraus, dass Krebstherapie im Kindesalter zwar häufig die Spermienzahl reduziert, die produzierten Spermien aber offenbar keine vermehrten DNA-Schäden tragen, sodass assistierte Reproduktion für diese Männer eine realistische Option zur Vaterschaft darstellt.
Übersichtsarbeit zu Spermien-DNA-Schäden im Kontext einer Krebstherapie. Der Autor fasst zusammen, dass Chemo- und Strahlentherapie über zytotoxische Effekte auf das spermatogene Epithel die Spermienzahl reduzieren, gleichzeitig aber mutagen wirken können, wenn das Epithel überlebt – mit dem Risiko transgenerationaler Effekte, wie Tierversuche von Fehlgeburten bis Kanzerogenese zeigen. Zur direkten Messung von DNA-Schäden an Spermien werden zwei methodisch unterschiedliche, aber zu ähnlichen Schlussfolgerungen führende Assays diskutiert: der Comet-Assay und der Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA). Beide zeigen DNA-Schäden sowohl bei fertilen als auch bei infertilen Männern, mit gewissem Zusammenhang zur Infertilität, und detektieren beide Schäden nach In-vivo-Exposition gegenüber genotoxischen Substanzen. Bei einem chemotherapeutisch behandelten Krebspatienten wurde eine erhöhte und persistierende DNA-Schädigung der Spermien beobachtet. Obwohl bisherige Studien keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen väterlicher zytotoxischer Krebstherapie und genetischen Erkrankungen der Nachkommen belegen konnten, rät der Autor zu vorsichtiger Interpretation und einer verbesserten Überwachung genetischer Erkrankungen bei Nachkommen behandelter Väter, um belastbarere Risikoabschätzungen zu ermöglichen.
Verlaufsuntersuchung von Spermienkonzentration und -motilität bei Lymphompatienten
Tal R, Botchan A, Hauser R, Yogev L, Paz G, Yavetz H — Human Reproduction
Retrospektive Verlaufsstudie an 33 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom oder Hodgkin-Krankheit (1987-1997), die vor Therapie zur Spermienkryokonservierung überwiesen wurden. Verglichen wurden prä- und posttherapeutische Spermienkonzentration und -motilität sowie Hormonprofile, mit mindestens einjährigem Abstand nach Therapieende. Hormonwerte waren nicht prädiktiv für die posttherapeutische Spermienkonzentration. Bei lokalisierter Erkrankung blieben Ausgangs-Spermienkonzentration und -motilität eher erhalten als bei fortgeschrittener, generalisierter Erkrankung (p=0,016). Bei Hodgkin-Patienten war das ABVD-Schema (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) hinsichtlich Keimzelltoxizität dem MOPP/ABV-Hybridschema deutlich überlegen (p=0,0008). Patienten, die zusätzlich lokal bestrahlt wurden, hatten ein besseres posttherapeutisches Spermien-Outcome als nicht bestrahlte (p=0,0027). Insgesamt ließen sich keine zuverlässigen prätherapeutischen Prädiktoren für die spätere Fertilität identifizieren, weshalb die Autoren empfehlen, bei jedem Lymphompatienten unabhängig von Prognosefaktoren bereits bei Diagnosestellung eine Spermienkryokonservierung durchzuführen.
Rasche Erholung der Spermatogenese nach Mitoxantron-, Vincristin-, Vinblastin- und Prednison-Chemotherapie bei Hodgkin-Lymphom
Meistrich ML, Wilson G, Mathur K, Fuller LM, Rodriguez MA, McLaughlin P, Romaguera JE, Cabanillas FF, Ha CS, Lipshultz LI, Hagemeister FB — Journal of Clinical Oncology
Prospektive Studie zu den Fertilitätsfolgen einer NOVP-Chemotherapie (Mitoxantron, Vincristin, Vinblastin, Prednison) bei 58 Männern mit Hodgkin-Lymphom im Stadium I-III. Samenanalysen erfolgten vor, während und nach Chemotherapie sowie nach Erholung von einer anschließenden Bauchbestrahlung. Vor Therapiebeginn waren 84% der Patienten normospermisch. Bereits einen Monat nach Beginn der Chemotherapie sanken die Spermienzahlen deutlich: 38% waren azoosperm, 52% hatten Werte unter 1 Mio./ml, 10% zwischen 1 und 3 Mio./ml. Zwischen 2,6 und 4,5 Monaten nach Therapieende erholten sich die Spermienzahlen bei 63% der Patienten wieder auf normospermische Werte; bei den übrigen, mindestens ein Jahr nachbeobachteten Patienten normalisierten sich die Werte auch nach zusätzlicher Bauchbestrahlung. Die Chemotherapie tötete demnach primär die sich differenzierenden Keimzellen, schädigte Stammzellen aber kaum, was die rasche Regeneration der Spermatogenese innerhalb von 3-4 Monaten erklärt – ein im Vergleich zu vielen anderen Protokollen günstiges Fertilitätsprofil.
Irreversible Gonadenschäden bei männlichen Überlebenden von Hodgkin-Lymphomen im Kindesalter
Heikens J, Behrendt H, Adriaanse R, Berghout A — Cancer
Kohortenstudie zu Spätfolgen einer Chemotherapie bei 19 männlichen Langzeitüberlebenden eines Hodgkin-Lymphoms im Kindes- oder Jugendalter (15 vor, 4 während der Pubertät behandelt) mit MOPP-Schema (Mechlorethamin, Vincristin, Procarbazin, Prednison). Untersucht wurden im Median 10 Jahre nach Therapie Hormonwerte und Samenanalysen, teils mit Verlaufskontrollen. Bei allen Patienten fanden sich Keimzellschäden: 12 hatten Azoospermie, 6 Oligospermie, ohne Erholung der Spermatogenese im Follow-up. Fast alle zeigten kleine Hoden. FSH war erhöht (Mittelwert 14,4±7,8 U/l) und stieg im Zeitverlauf weiter an (21,1±10,5 U/l, p<0,001), bei 7 Patienten war auch LH erhöht (Leydigzell-Dysfunktion), bei 4 davon zusätzlich das Testosteron erniedrigt. Bei 3 weiteren Patienten war die LH-Antwort auf GnRH übersteigert bei normalem Basal-LH und -Testosteron. Ein Trend zu besserem Outcome bei präpubertär behandelten Patienten wurde beobachtet. Insgesamt zeigt die Studie eine schwere und dauerhafte Beeinträchtigung der Gonadenfunktion nach MOPP-Chemotherapie im Kindesalter.
Männliches Reproduktionspotenzial nach MOPP-Therapie bei Morbus Hodgkin: eine Langzeitbeobachtung
Marmor D, Duyck F — Andrologia
Langzeit-Verlaufsstudie (Kohorte) an 47 Männern, die wegen Morbus Hodgkin eine MOPP-Chemotherapie erhalten hatten. Nach Therapieende bestand über mindestens 14 Monate durchgehend eine Azoospermie; nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 89,4 ± 54,7 Monaten waren noch 26 Männer azoosperm. Es fand sich keine Korrelation zwischen dem konkreten Therapieschema und dem Ausgang des Spermiogramms: Bei gleicher Behandlung erholte sich die Spermatogenese bei manchen Männern innerhalb von 5 Jahren, bei anderen erst nach über 10 Jahren, während einige auch nach 20 Jahren noch azoosperm waren. Eine zusätzliche infradiaphragmale Bestrahlung in Kombination mit hochdosiertem MOPP wirkte sich besonders schädlich aus: Nur 3 von 13 Männern erholten sich. Die Spermienerholung war oft unvollständig (17 von 21 Männern unter 20 Mio./ml), dennoch kam es auch bei schwerer Oligozoospermie zu spontanen Schwangerschaften (8 von 11 Werten unter 5 Mio./ml). FSH erwies sich in 18,2 % der Fälle als unzuverlässiger Marker für die tatsächliche Spermienerholung.
Schwangerschaft nach Absetzen eines Calciumkanalblockers beim männlichen Partner
Hershlag A, Cooper GW, Benoff S — Human reproduction (Oxford, England)
Kasuistik (Einzelfallbericht) eines 30-jährigen Mannes mit unerfülltem Kinderwunsch unter antihypertensiver Behandlung mit einem Calciumkanalblocker. Die Fertilitätspotenz der Spermien wurde anhand kopfständiger Mannose-Ligand-Rezeptoren (mannose-spezifisches Lektin) und des spontanen Auftretens der Akrosomreaktion nach In-vitro-Kapazitation beurteilt; unter Medikation zeigten die beweglichen Spermien eine subnormale Expression dieser Rezeptoren und keine spontane Akrosomreaktion. Drei Monate nach Absetzen des Calciumkanalblockers hatten sich Rezeptorexpression und Akrosomreaktion vollständig normalisiert, während Motilität und Morphologie der Spermien unverändert blieben. Das Paar, das zuvor 2 Jahre erfolglos versucht hatte, schwanger zu werden, und 7 erfolglose Pergonal-/Insemination-Zyklen durchlaufen hatte, wurde im zweiten Zyklus nach Absetzen der Medikation schwanger. Der Fallbericht stützt die Annahme, dass Calciumkanalblocker die Befruchtungsfähigkeit von Spermien reversibel beeinträchtigen können und ein Absetzen der Medikation die Konzeptionschancen verbessern kann; als Einzelfall ist die Aussagekraft naturgemäß begrenzt.
Gonadenfunktion nach Chemotherapie bei Morbus Hodgkin: Vergleichsstudie zwischen MVPP und einem Sieben-Substanzen-Hybridschema
Clark ST, Radford JA, Crowther D, Swindell R, Shalet SM — Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology
Vergleichende Kohortenstudie an 89 Patienten (50 Männer, 39 Frauen) nach Chemotherapie wegen Morbus Hodgkin, davon 37 mit MVPP-Schema und 52 mit einem Sieben-Substanzen-Hybridschema (ChlVPP/EVA) behandelt; die Untersuchung erfolgte im Median 30 Monate (4 bis 83) nach Therapieende. Bei den Männern (medianes Alter 26 Jahre) zeigte sich bei 35 von 37 untersuchten Männern eine Azoospermie, begleitet von erhöhtem FSH als Zeichen einer schweren Keimepithelschädigung; von 28 vor Therapie untersuchten Männern hatten zuvor 23 einen normalen Spermienbefund. Bei den Frauen entwickelten 26 von 34 (76 %) mit zuvor regelmäßigem Zyklus eine Amenorrhoe, bei 10 kehrten die Menses zurück (2 Schwangerschaften), bei 16 blieb eine dauerhafte, hormonell bestätigte vorzeitige Ovarialinsuffizienz bestehen; insgesamt benötigten 18 von 34 Frauen (53 %) eine Hormonersatztherapie. Zwischen MVPP und dem Hybridschema fand sich kein signifikanter Unterschied im Ausmaß der Gonadenschädigung. Beide Chemotherapieschemata verursachen demnach eine erhebliche, meist dauerhafte gonadale Schädigung bei beiden Geschlechtern.
Wirkung von Calciumkanalblockern auf die Befruchtungsfähigkeit von Spermien
Benoff S, Cooper GW, Hurley I, Mandel FS, Rosenfeld DL, Scholl GM, Gilbert BR, Hershlag A — Fertility and sterility
Kombinierte klinische Fall-Vergleichsstudie und In-vitro-Untersuchung zur Wirkung von Calciumkanalblockern auf die männliche Fertilität. Verglichen wurden bewegliche Spermien von 10 bekannt fertilen Männern mit denen von 10 normospermen Männern unter Calciumkanalblocker-Therapie, die sich wegen Kinderwunschbehandlung vorstellten; ergänzend wurde Spendersperma (n=14) in vitro Antihypertensiva ausgesetzt. Gemessen wurde die Oberflächenexpression von Mannose-Ligand-Rezeptoren sowie der Akrosomstatus mittels Fluoreszenzmikroskopie vor und nach 18-stündiger bzw. 3-tägiger Kapazitationsinkubation. Bei Männern unter Calciumantagonisten zeigte sich keine erhöhte Häufigkeit kopfständiger Mannose-Rezeptor-Expression und keine spontane Akrosomreaktion; unerwartet fand sich stattdessen eine Rezeptor-Translokation ohne gekoppelte Akrosomreaktion, anders als bei fertilen Kontrollen. Nach Absetzen der Calciumantagonisten normalisierten sich die Parameter der Befruchtungsfähigkeit vollständig, und der Effekt ließ sich in vitro durch Zugabe eines Calciumkanalblockers zum Kapazitationsmedium reproduzieren. Die Autoren postulieren einen Wirkmechanismus über den Einbau lipophiler Calciumantagonisten in die Spermienmembran, der eine reversible medikamentöse Unfruchtbarkeit einschließlich eines dokumentierten IVF-Versagens erklärt.
Der Calciumkanalantagonist Verapamil moduliert die Funktionen menschlicher Spermatozoen
Anand RJ, Kanwar U, Sanyal SN — Research in experimental medicine. Zeitschrift fur die gesamte experimentelle Medizin einschliesslich experimenteller Chirurgie
In-vitro-Laborstudie an menschlichen Ejakulaten zur Wirkung des Calciumkanalblockers Verapamil (0,5–50 µM) auf verschiedene Spermienfunktionen. Beobachtet wurden strukturelle Schäden an Kopf- und Flagellumregion der Spermien, Abtrennung von Kopf und Flagellum sowie ein Einrollen des Flagellums (Coiling). Die Motilität nahm deutlich ab, wobei sich das Bewegungsmuster von schneller, linearer Progression über langsame bzw. träge lineare oder nicht-lineare Bewegung bis hin zur nicht-progressiven Motilität oder vollständigen Immotilität veränderte. Verapamil hemmte signifikant den Einstrom extrazellulären Calciums; kinetische Analysen zeigten eine reduzierte maximale Aufnahmegeschwindigkeit bei unveränderter Substrataffinitätskonstante sowie eine hochsignifikant verminderte Aktivität der calciumabhängigen ATPase. Zur Prüfung zytotoxischer Effekte über Lipidperoxidation wurden thiobarbitursäurereaktive Substanzen gemessen; Verapamil erhöhte die Bildung und Freisetzung von Malondialdehyd und senkte Cholesterin- und Phospholipidgehalt der Spermienmembran deutlich. Die Autoren diskutieren das Potenzial solcher Calciumkanalblocker für die Entwicklung eines männlichen Kontrazeptivums, was den mechanistischen Charakter dieser reinen Laborstudie ohne klinischen Studienarm unterstreicht.
Die Wirkung von Nifedipin, einem Calciumkanalblocker, auf die Funktionen menschlicher Spermatozoen
Kanwar U, Anand RJ, Sanyal SN — Contraception
In-vitro-Laborstudie, methodisch eng verwandt mit der parallel publizierten Verapamil-Untersuchung derselben Arbeitsgruppe, zur Wirkung des Calciumkanalblockers Nifedipin (0,1–100 µM) auf humane Spermatozoen. Nifedipin hemmte die Calciumaufnahme signifikant nicht-kompetitiv und senkte die Aktivität der calciumabhängigen ATPase. Die Spermienmotilität wurde nach Inkubation bei 37 °C dosisabhängig zunehmend gehemmt, wobei sich das Bewegungsmuster innerhalb von zwei Stunden von schneller, linearer Progression zu langsamer, träger oder nicht-linearer Bewegung und schließlich zu nicht-progressiver Motilität bzw. Immotilität veränderte. Rasterelektronenmikroskopisch zeigten sich strukturelle Schäden an Kopf und Flagellum sowie ein Einrollen des Flagellums (Coiling). Die Malondialdehyd-Bildung als Marker der Lipidperoxidation stieg dosisabhängig, während Cholesterin- und Phospholipidgehalt der Spermienmembran abnahmen. Wie bei der Schwesterarbeit zu Verapamil diskutieren die Autoren das Potenzial von Nifedipin für ein männliches Kontrazeptivum. Als reine In-vitro-Studie ohne Patientendaten lässt sich daraus keine direkte klinische Aussage zur Fertilität von Männern unter blutdrucksenkender Nifedipin-Therapie ableiten.
Wirkung von Naproxen auf die Prostaglandin-Konzentration im menschlichen Seminalplasma
Bendvold E, Gottlieb C, Svanborg K, Bygdeman M, Eneroth P, Cai QH — Fertility and sterility
Kleine Interventionsstudie an 6 gesunden Freiwilligen, die über 2 Wochen dreimal täglich 250 mg des nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) Naproxen einnahmen. Samenproben wurden vor, während und nach der Medikationsphase auf ihren Gehalt an Prostaglandinen (PGE, PGF, 19-Hydroxy-PGE, 19-Hydroxy-PGF) untersucht. Unter Naproxen sanken die Konzentrationen aller genannten Prostaglandine signifikant und normalisierten sich etwa eine Woche nach Absetzen der Medikation nahezu wieder. Innerhalb der vier 19-Hydroxy-PGF-Verbindungen verschob sich zudem das Verhältnis: Der Anteil von 8-alpha-19-Hydroxy-PGF2-alpha stieg, der von 8-beta-19-Hydroxy-PGF1-alpha sank signifikant während der Behandlung. Auf Spermiendichte oder -motilität hatte die Naproxen-Einnahme keinen nachweisbaren Einfluss. Die Studie zeigt, dass der Prostaglandinsynthese-Hemmer Naproxen die Zusammensetzung des Seminalplasmas deutlich verändert, ohne dass sich daraus in dieser kleinen Stichprobe unmittelbare Effekte auf klassische Spermaparameter ableiten ließen; mögliche Fertilitätsauswirkungen bleiben Gegenstand der Diskussion.
Wirkung von Sulfasalazin auf männliche Fertilität und seminale Prostaglandine
Cosentino MJ, Chey WY, Takihara H, Cockett AT — The Journal of urology
Kontrollierte Vergleichsstudie mit 10 Männern mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, die seit mindestens 5 Jahren mit Sulfasalazin behandelt wurden, im Vergleich zu 19 Kontrollpersonen. Untersucht wurden Ejakulatvolumen, Spermienzahl und -konzentration, Motilitätsindex, Vitalität, pH-Wert, Zinkkonzentration, Prostaglandine E und F2-alpha, Prolaktin sowie sieben Morphologieklassen der Spermien; ergänzend wurden die Plasmaspiegel von FSH, LH, Testosteron und Prolaktin bestimmt. Die Sulfasalazin-Therapie war mit einer reduzierten Spermaqualität assoziiert, wobei sich dieser Effekt nach Absetzen der Medikation als reversibel erwies. Die Verschlechterung der Spermaqualität stand dabei nicht im Zusammenhang mit den gemessenen seminalen Prostaglandinkonzentrationen, sodass ein anderer Wirkmechanismus als eine reine Prostaglandin-Beeinflussung vermutet wird. Die Studie liefert einen frühen klinischen Beleg dafür, dass das häufig bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn eingesetzte Sulfasalazin die männliche Fertilität reversibel beeinträchtigen kann, was bei der Beratung betroffener Patienten mit Kinderwunsch relevant ist.
Erholung der Spermatogenese nach Behandlung des Morbus Hodgkin: begrenzende Dosis der MOPP-Chemotherapie
da Cunha MF, Meistrich ML, Fuller LM, Cundiff JH, Hagemeister FB, Velasquez WS, McLaughlin P, Riggs SA, Cabanillas FF, Salvador PG — Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology
Retrospektive Kohortenstudie an 25 Patienten mit Morbus Hodgkin, die mit dem Chemotherapieschema MOPP (Mechlorethamin, Vincristin, Procarbazin, Prednison) behandelt wurden; nahezu alle erhielten zusätzlich eine Radiotherapie im Becken- und/oder anderen Feldern. Verglichen wurde die Erholung der Spermienproduktion zwischen Patienten mit 3 oder weniger Chemotherapiezyklen (MOPP-2-Gruppe) und solchen mit 5 oder mehr Zyklen (MOPP-6-Gruppe) nach zuvor eingetretener Azoospermie. Die Erholung der Spermatogenese war in der MOPP-2-Gruppe signifikant höher (Mann-Whitney-U-Test, p=0,001); innerhalb dieser Gruppe zeigten Patienten ohne Beckenbestrahlung tendenziell noch höhere Erholungsraten (p=0,06). Die Autoren schließen, dass drei MOPP-Zyklen die maximale Chemotherapie-Exposition darstellen, die noch mit einer Erholung der Spermatogenese vereinbar ist. Die Studie liefert klinisch relevante Dosis-Wirkungs-Daten zur Gonadotoxizität der MOPP-Chemotherapie und unterstreicht die Bedeutung einer möglichst kurzen Behandlungsdauer bzw. der Spermakonservierung vor Therapiebeginn.
Auswirkungen von Morbus Hodgkin und Kombinationschemotherapie auf die Gonadenfunktion des erwachsenen Mannes
Whitehead E, Shalet SM, Blackledge G, Todd I, Crowther D, Beardwell CG — Cancer
Kohortenstudie an 92 Männern mit Morbus Hodgkin zur Untersuchung der Gonadenfunktion vor und nach Chemotherapie. Von 19 vor Chemotherapiebeginn untersuchten Männern hatten 15 eine Spermienkonzentration ≥20 Mio./ml bei mindestens 40 % Motilität. Bei den übrigen 74 Männern wurde die Gonadenfunktion 6 Monate bis 8 Jahre nach Abschluss der Therapie untersucht; von 49 Männern mit mindestens 6 Zyklen des MVPP-Schemas waren 42 azoosperm, weitere 5 von 7 hatten eine Spermienzahl unter 1 Mio./ml. Libido- und Aktivitätseinbußen während der Therapie normalisierten sich bei den meisten Patienten danach wieder. FSH und LH sowie deren Anstieg nach LHRH-Gabe waren signifikant erhöht, Testosteron signifikant erniedrigt gegenüber Kontrollen, was auf eine Leydigzell-Schädigung hindeutet, ohne dass eine Testosteronsubstitution nötig war. Die Autoren betonen, dass eine Spermakonservierung vor Therapiebeginn angesichts der sehr hohen Rate dauerhafter Infertilität nach MVPP-Chemotherapie die wesentliche Option zum Fertilitätserhalt darstellt.
Gonadenmorphologie bei Patienten unter Chemotherapie wegen Leukämie: Hinweise auf Reproduktionspotenzial und gegen ein testikuläres Tumor-Sanktuarium
Kuhajda FP, Haupt HM, Moore GW, Hutchins GM — The American journal of medicine
Retrospektive Autopsiestudie zum Vergleich der Gonadenhistologie von 183 chemotherapeutisch behandelten Leukämiepatienten mit 183 alters- und geschlechtsgleichen Kontrollpersonen. Bei den 103 männlichen Leukämiepatienten zeigten sich im Vergleich zu Kontrollen signifikant reduzierte spermatogene Aktivität, ein verringerter tubulärer Fertilitätsindex sowie eine vermehrte interstitielle Fibrose (p<0,001); bei den 80 Frauen fand sich eine deutliche Reduktion der Sekundärfollikel (p<0,001). Diese Veränderungen zeigten keine Häufung nach Reifegrad oder Leukämiediagnose und korrelierten nicht mit Chemotherapieart oder Zeitabstand zur letzten Dosis. Trotz der ausgeprägten pathologischen Veränderungen fand sich histologisch bei 65 % der Männer noch ein tubulärer Fertilitätsindex über null und bei 81 % der prämenopausalen Frauen intakte Primärfollikel; eine testikuläre Leukämie-Infiltration lag bei 25 % der Männer vor, stets kombiniert mit Leukämieherden andernorts. Die Studie liefert histologische Evidenz für ein potenziell erhaltenes Reproduktionspotenzial trotz Chemotherapie und spricht gegen die Hodenhypothese eines leukämischen Tumor-Sanktuariums.
Hodenfunktion nach kombinierter Chemotherapie bei Morbus Hodgkin
Asbjornsen G, Molne K, Klepp O, Aakvaag A — Scandinavian journal of haematology
Kleine klinische Fallserie zur Auswirkung einer Kombinationschemotherapie auf die Hodenfunktion bei 8 Männern mit Morbus Hodgkin. Alle Patienten erhielten mindestens 6 Zyklen eines Schemas aus einem Alkylans (Mechlorethamin oder Cyclophosphamid), einem Vinca-Alkaloid (Vinblastin oder Vincristin), Procarbazin und Prednison; die Fertilität wurde anhand von Spermiogrammen und Hormonbestimmungen erfasst. Bei der Untersuchung 12 bis 29 Monate nach Therapieende zeigten 7 der 8 Patienten eine Azoospermie; bei einem Patienten besserte sich die Samenqualität allmählich, mit einer Spermienkonzentration von 5 Mio./ml nach 21 Monaten. Das follikelstimulierende Hormon (FSH) war bei allen außer einem – trotz Azoospermie normwertigen – Patienten erhöht, während Testosteron und LH überwiegend im Normbereich lagen. Die Autoren schließen auf eine schwere, oft lang anhaltende Schädigung des Keimepithels durch dieses Chemotherapieschema, wobei eine partielle Erholung der Spermatogenese nach längerer Remission möglich bleibt. Die Studie ist eine der frühen Arbeiten zur Gonadotoxizität klassischer Hodgkin-Chemotherapien.