19 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Hitze & Kälte, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Schwankungen der Samenqualität im Jahresverlauf: Einfluss von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck
Ramírez ND, et al. — Journal of Human Reproductive Sciences
Retrospektive, querschnittliche und korrelative Studie an 15.665 andrologischen Patienten, die je nach Vorstellungsdatum in der Kinderwunschklinik den vier Jahreszeiten zugeordnet wurden. Tageswerte für Temperatur, gefühlte Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck (nationaler Wetterdienst) wurden als Durchschnitt der 74 Tage vor der Samenabgabe berechnet, entsprechend dem spermatogenetischen Zyklus; Auswertung mittels Varianzanalyse/Kruskal-Wallis, Chi-Quadrat-Test, t-Test/Mann-Whitney, Regressionsmodellen und Korrelationen. Es zeigte sich ein saisonaler Effekt auf Spermienzahl, Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl motiler Spermien, mit höchsten Werten im Winter und niedrigsten im Sommer. Temperatur, gefühlte Temperatur und Luftfeuchtigkeit korrelierten negativ mit den Samenparametern, wobei die Luftfeuchtigkeit der stärkste Prädiktor war. Einordnung: Die Studie mit sehr großer Stichprobe bestätigt eine ausgeprägte saisonale Schwankung der Spermienqualität, wobei erhöhte Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit die Samenqualität negativ beeinflussen.
Beurteilung der Spermaqualität bei hitzeexponierten Arbeitern: eine Querschnittsstudie in der Stahlindustrie
Hamerezaee M, Dehghan SF, Golbabaei F, Fathi A, Barzegar L, Heidarnejad N — Safety and health at work
Kontrollierte Querschnittsstudie in einem iranischen Stahlwerk mit 30 hitzeexponierten und 14 nicht exponierten Arbeitern. Erhoben wurden Skrotal- und orale Temperatur, Umgebungsparameter sowie Spermiogramme nach WHO-Standard; die Hitzebelastung wurde über die Indizes Wet-Bulb-Globe-Temperature (WBGT, nach ISO 7243) und Predicted Heat Strain (PHS, nach ISO 7933) quantifiziert. Die zeitgewichteten Mittelwerte von WBGT (35,76 °C) und PHS (491,56 W/m²) in der exponierten Gruppe lagen über den Grenzwerten. Umwelt-, physiologische und Spermaparameter (außer pH-Wert) sowie WBGT und PHS unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen (p<0,05); WBGT korrelierte stärker mit diesen Parametern als PHS. Die Spermaparameter der exponierten Arbeiter lagen im Grenzbereich zur Normozoospermie und waren signifikant schlechter als bei den Kontrollen. Die Autoren empfehlen WBGT als geeigneteren Index zur arbeitsmedizinischen Beurteilung von Hitzebelastung und Fertilitätsrisiko in der Stahlindustrie.
Effekt vorübergehender skrotaler Hyperthermie auf Spermaparameter, biochemische Marker im Seminalplasma und oxidativen Stress beim Mann
Rao M et al. — Asian Journal of Andrology
Experimentelle prospektive Interventionsstudie an 20 gesunden männlichen Probanden (2 Gruppen à 10), deren Hodensack 10-mal in einem 43 °C warmen Wasserbad für je 30 Minuten erwärmt wurde: Gruppe 1 an 10 aufeinanderfolgenden Tagen, Gruppe 2 alle 3 Tage. Spermaparameter, Nebenhoden-/Akzessorialdrüsenfunktion, oxidativer Stress im Seminalplasma und Sexualhormone im Serum wurden vor Behandlung sowie über eine 16-wöchige Erholungsphase erfasst. Es zeigte sich eine deutliche, aber reversible Abnahme von Spermienkonzentration, Motilität, hypoosmotischem Schwelltest-Score und Gesamtakrosinaktivität (jeweils p<0,05) sowie ein Anstieg des Malondialdehyds im Seminalplasma. Der Rückgang der Spermienkonzentration war in Gruppe 2 (intermittierende Erwärmung) stärker ausgeprägt als in Gruppe 1 (p=0,031). Die Autoren schließen, dass vorübergehende skrotale Hitzeexposition die Spermatogenese reversibel, aber deutlich beeinträchtigt, wahrscheinlich vermittelt über oxidativen Stress, und dass intermittierende Hitzeexposition die Spermatogenese stärker unterdrückt als kontinuierliche.
Skrotaler Hitzestress verursacht Spermien-Chromatinschäden und Veränderungen der Caspase-3 bei fertilen Männern
Zhang MH et al. — Journal of Assisted Reproduction and Genetics
Experimentelle Interventionsstudie an 19 gesunden männlichen Freiwilligen, deren Hodensack über 3 Monate mit einem Wärmegürtel bei 40–43 °C jeweils 40 Minuten an 2 Tagen pro Woche erwärmt wurde (skrotaler Hitzestress, SHS). Erfasst wurden routinemäßiges Spermiogramm, hypoosmotischer Schwelltest, DNA-Fragmentierung/Chromatindispersion, Chromatinkondensation sowie die Aktivität der Caspase-3 in Spermatozoen, jeweils vor, während und nach der Hitzeexposition. Spermienkonzentration, Motilität und normale Morphologie nahmen während der SHS nach 1, 2 und 3 Monaten signifikant ab (p<0,01); DNA-Fragmentierung, Membranintegrität, Chromatinkondensation und Caspase-3-Aktivität unterschieden sich signifikant zwischen den Zeitpunkten vor sowie während/nach 3-monatiger Hitzeexposition (p<0,001). Drei Monate nach Beendigung der SHS normalisierten sich alle Parameter wieder auf Ausgangsniveau. Die Leukozytenzahl im Ejakulat korrelierte positiv mit der Caspase-3-Aktivität. Die Studie belegt, dass anhaltender skrotaler Hitzestress Spermienqualität, DNA-Integrität und Chromatinstruktur reversibel beeinträchtigt, vermutlich über apoptotische Mechanismen.
Seminale und molekulare Hinweise, dass Saunaexposition die menschliche Spermatogenese beeinträchtigt
Garolla A, Torino M, Sartini B, Cosci I, Patassini C, Carraro U, Foresta C — Human reproduction (Oxford, England)
Längsschnittliche Interventionsstudie an 10 normozoospermen Männern, die zweimal wöchentlich für 3 Monate eine finnische Sauna (80–90°C, je 15 Minuten) besuchten. Erhoben wurden Sexualhormone, Spermaparameter, Chromatinstruktur, Apoptose sowie die Expression hitzestress- und hypoxieassoziierter Gene vor Saunabeginn (T0), am Ende der 3 Monate (T1) sowie 3 und 6 Monate nach Beendigung (T2, T3). Am Ende der Saunaperiode zeigte sich eine starke Verschlechterung von Spermienzahl und -motilität (p<0,001) ohne Veränderung der Sexualhormone. Zudem sanken der Anteil normaler Histon-Protamin-Substitution (78,7% auf 69,0%), normaler Chromatinkondensation (70,7% auf 63,6%) und intakter Mitochondrienfunktion (76,8% auf 54,0%), begleitet von deutlicher Hochregulation hitzestress- und hypoxieassoziierter Gene. Alle Effekte waren 6 Monate nach Saunaende vollständig reversibel. Die Autoren zeigen erstmals, dass regelmäßige Saunaexposition bei normozoospermen Männern die Spermatogenese signifikant, aber reversibel beeinträchtigt, was angesichts der weiten Verbreitung der Sauna fertilitätsrelevant sein könnte.
Skrotale Kühlung und ihr Nutzen für die männliche Fertilität: ein systematisches Review
Nikolopoulos I, Osman W, Haoula Z, Jayaprakasan K, Atiomo W — Journal of obstetrics and gynaecology : the journal of the Institute of Obstetrics and Gynaecology
Systematisches Review der EMBASE- (1980–2010) und MEDLINE-Datenbanken (1950–September 2010) zur Frage, ob eine Kühlung des Skrotums die Spermatogenese und männliche Fertilität positiv beeinflusst. Es wurden acht Studien identifiziert, die die Einschlusskriterien erfüllten. Die Evidenzlage war insgesamt unzureichend, um feste Schlussfolgerungen über den Effekt skrotaler Kühlung auf die männliche Fertilität zu ziehen; dennoch zeigte sich ein positiver Trend zu verbesserter Fertilität in den eingeschlossenen Studien. Die Autoren betonen die Notwendigkeit gut konzipierter randomisiert-kontrollierter Studien, um den Nutzen skrotaler Kühlmaßnahmen für Spermienqualität und Fertilität belastbar zu belegen. Aufgrund der geringen Anzahl und methodischen Heterogenität der eingeschlossenen Primärstudien bleibt die Empfehlung für den klinischen Einsatz skrotaler Kühlung derzeit vorläufig. Die Arbeit liefert damit vor allem eine Bestandsaufnahme der bislang dünnen Studienlage und keinen abschließenden Wirksamkeitsnachweis.
Schutz vor skrotaler Überhitzung bei Laptop-Nutzern
Sheynkin Y et al. — Fertility and sterility
Experimentelle Studie an 29 gesunden männlichen Freiwilligen zur Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen gegen skrotale Erwärmung durch Laptop-Nutzung. In drei jeweils 60-minütigen Sitzungen wurde die Skrotaltemperatur unter einem laufenden Laptop gemessen: Sitzung 1 mit eng zusammengeführten Beinen ohne Unterlage, Sitzung 2 mit eng zusammengeführten Beinen und Laptop-Unterlage, Sitzung 3 mit auf 70° gespreizten Beinen und Unterlage. In allen Sitzungen stieg die Skrotaltemperatur signifikant an, jedoch am wenigsten in Sitzung 3 (+1,41–1,47 °C) verglichen mit Sitzung 2 (+2,06–2,18 °C) und Sitzung 1 (+2,31–2,56 °C). Ein Temperaturanstieg von 1 °C wurde nach 11 Minuten (Sitzung 1), 14 Minuten (Sitzung 2) bzw. 28 Minuten (Sitzung 3) erreicht. Die eng zusammengeführte Sitzhaltung ist demnach die Hauptursache der Überhitzung; eine Laptop-Unterlage allein schützt nicht davor. Eine vollständige Vermeidung der skrotalen Hyperthermie ist bei Laptop-Nutzung derzeit nicht möglich, sie lässt sich aber durch gespreizte Beinhaltung und kürzere Nutzungsdauer reduzieren.
Einfluss beheizter Autositze auf die Skrotaltemperatur
Jung A, Strauss P, Lindner HJ, Schuppe HC — Fertility and Sterility
Kontrollierte experimentelle Studie mit 30 gesunden männlichen Probanden ohne Infertilitätsanamnese und unauffälligem andrologischem Befund. Die Skrotaltemperatur wurde mittels zweier an beiden Skrotalseiten angebrachter Thermistorsensoren minütlich über jeweils 90 Minuten Sitzen auf einem beheizten bzw. unbeheizten Autositz gemessen, in randomisierter Reihenfolge, unter standardisierter Kleidung. Am Ende der Sitzperiode war die Skrotaltemperatur beim beheizten Sitz signifikant höher als beim unbeheizten (linke Seite +0,5°C, rechte Seite +0,6°C); die beim reinen Sitzen erreichten Maximalwerte wurden auf dem beheizten Sitz bereits nach einem Drittel der Expositionszeit überschritten. Die Studie zeigt experimentell, dass die Nutzung beheizter Autositze die durch langes Sitzen ohnehin erhöhte Skrotal- und damit testikuläre Temperatur zusätzlich steigert, was als weiterer potenzieller Hitzestressfaktor für die Spermatogenese diskutiert wird. Auswirkungen auf die tatsächliche Samenqualität wurden in dieser Studie nicht gemessen.
Feuchte Hitzeexposition: eine potenziell reversible Ursache für eingeschränkte Samenqualität bei infertilen Männern
Shefi S, Tarapore PE, Walsh TJ, Croughan M, Turek PJ — International Braz J Urol
Kleine Kohortenstudie (Fallserie) mit 11 infertilen Männern (mittleres Alter 36,5 Jahre, Spanne 31–44), die anamnestisch regelmäßiger feuchter Hitzeexposition durch Whirlpools, Jacuzzis oder heiße Bäder ausgesetzt waren. Nach Beendigung der Hitzeexposition wurden Spermiogramme vor und nach der Karenz verglichen; als signifikantes Ansprechen galt ein Anstieg der totalen motilen Spermienzahl (TMC) um mindestens 200%. Fünf der elf Männer (45%) sprachen an, mit einem mittleren TMC-Anstieg von 491%, getragen vor allem durch einen Anstieg der Motilität von durchschnittlich 12% auf 34% (p=0,02). Nicht-Responder hatten im Mittel eine deutlich höhere Raucherbelastung (5,6 Packungsjahre) als Responder (0,11 Packungsjahre); die Varikozelen-Prävalenz unterschied sich zwischen beiden Gruppen nicht. Die Studie zeigt, dass der toxische Effekt feuchter Hitze auf die Samenqualität bei einem Teil der Betroffenen reversibel ist, wobei zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen das Ansprechen auf eine Hitzekarenz beeinflussen können.
Sheynkin Y, Jung M, Yoo P, Schulsinger D, Komaroff E — Human reproduction (Oxford, England)
Experimentelle Studie an 29 gesunden Freiwilligen. Die beidseitige Skrotaltemperatur wurde über zwei jeweils 60-minütige Sitzungen mittels Thermoelementen und digitalem Datenlogger alle 3 Minuten gemessen - einmal mit eingeschaltetem Laptop in typischer Schoßposition, einmal in gleicher Sitzhaltung mit angenäherten Oberschenkeln ohne Laptop. Mit laufendem Laptop stieg die Skrotaltemperatur rechts um 2,8 °C und links um 2,6 °C (jeweils p<0,0001); ohne Laptop stieg sie ebenfalls, aber nur um 2,1 °C (p<0,0001). Der Anstieg mit Laptop war damit signifikant stärker als allein durch die Sitzhaltung (p<0,0001). Einordnung: Die Nutzung eines Laptops auf dem Schoß erhöht die Skrotaltemperatur durch Wärmeabgabe und Sitzhaltung deutlich stärker als bloßes Sitzen mit angenäherten Beinen. Wiederholte Hitzeexposition dieser Art könnte die Spermatogenese beeinträchtigen, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Männern; weiterführende Studien zu klinischen Folgen fehlten laut den Autoren zum Publikationszeitpunkt noch.
Verbesserung der Spermienqualität durch nächtliche Skrotalkühlung bei oligozoospermen Männern mit Hodenhochstand in der Vorgeschichte
Jung A, Schill WB, Schuppe HC — International journal of andrology
Kontrollierte Interventionsstudie (prospektive Behandlungsgruppe mit retrospektiver Kontrollgruppe). 20 infertile Männer mit Hodenhochstand (Maldescensus testis) in der Vorgeschichte und Oligozoospermie erhielten über 12 Wochen jede Nacht eine Skrotalkühlung mittels Membranpumpe und periskrotalem Luftstrom; 20 vergleichbare, unbehandelte Patienten dienten als retrospektive Kontrollgruppe. Spermiogramme wurden zu Beginn sowie nach 4, 8 und 12 Wochen erhoben. Die Kühlung senkte die Skrotaltemperatur im Median um 0,8 °C. Nach 8 Wochen (p<0,01 bzw. p<0,05) und 12 Wochen (p<0,01 für beide) stiegen Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl signifikant an; Verbesserungen bei Motilität und Morphologie waren statistisch nicht signifikant. Einordnung: Nächtliche Skrotalkühlung erscheint als nebenwirkungsarme Therapieoption zur Verbesserung der Samenqualität bei dieser speziellen Patientengruppe; kontrollierte prospektive Studien zu tatsächlichen Schwangerschaftsraten stehen laut den Autoren noch aus.
Einfluss der Tagesschwankung der Skrotaltemperatur auf die Samenqualität
Hjollund NH, Storgaard L, Ernst E, Bonde JP, Olsen J — Reproductive Toxicology
Querschnittsstudie an 99 gesunden Männern zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen diurnaler Skrotaltemperatur und Samenqualität. Mittels 24-Stunden-Dauermessung der Skrotalhauttemperatur sowie Samen- und Blutproben wurde zusätzlich per Fragebogen erfasst, ob die Männer beruflich oder in der Freizeit überwiegend sitzend tätig waren. Es zeigte sich eine negative Korrelation zwischen hoher Skrotaltemperatur und Spermienausstoß: Die Spermienkonzentration sank um 40% pro 1°C Anstieg der mittleren Tagestemperatur (95%-CI: 8-71%), ähnliche negative Zusammenhänge fanden sich für die Gesamtspermienzahl, FSH und Inhibin B. Motilität, Morphologie, pH-Wert und Testosteron zeigten dagegen keine signifikante Assoziation mit der Temperatur. Zwischen sitzender Tätigkeit und Samenqualität bestanden nur schwache und inkonsistente Zusammenhänge. Die Autoren folgern, dass Skrotaltemperatur und Samenqualität eng miteinander verknüpft sind, wobei eine sitzende Arbeitsposition zwar die Skrotaltemperatur deutlich erhöht, selbst aber keinen nachweisbaren Effekt auf die Samenqualität zu haben scheint – ein bemerkenswerter Befund angesichts der Zunahme sitzender Bürotätigkeiten.
Verbesserung der Samenqualität durch nächtliche Skrotalkühlung bei Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie
Jung A, Eberl M, Schill WB — Reproduction
Interventionsstudie mit Prä-Post-Design bei Männern mit idiopathischer oder varikozelenbedingter Oligoasthenoteratozoospermie (OAT). Zunächst wurde per Fragebogen der genitale Wärmestress erfasst; OAT-Patienten wiesen signifikant höhere Werte auf als normozoosperme Männer (p<0,01). Eine 24-Stunden-Skrotaltemperaturmessung zeigte, dass OAT-Patienten trotz gleicher Umgebungstemperatur häufiger Skrotaltemperaturen über 35,5°C erreichten als Samenspender (p<0,05); in 88% der Fälle traten die Maximalwerte während Ruhe- oder Schlafphasen auf, die Minima bei körperlicher Aktivität oder häufigem Positionswechsel. Eine nächtliche Skrotalkühlung mittels Luftstrom senkte die Skrotaltemperatur um etwa 1°C. Nach 12 Wochen dieser Kühlung, kombiniert mit moderater Verhaltensänderung zur Vermeidung von Wärmestress, zeigte sich ein hochsignifikanter Anstieg von Spermienkonzentration und Gesamtspermienausstoß (jeweils p<0,0001) sowie eine signifikante, aber weniger stark ausgeprägte Verbesserung von Motilität (p<0,05) und Morphologie (p<0,05). Die Studie unterstreicht genitalen Hitzestress als behebbaren Kofaktor männlicher Fertilitätsstörungen und schlägt nächtliche Skrotalkühlung als therapeutische Option vor.
Berufliche Hitzeexposition und männliche Fertilität: eine Übersichtsarbeit
Thonneau P, Bujan L, Multigner L, Mieusset R — Human Reproduction
Narrative Übersichtsarbeit zum Zusammenhang zwischen beruflicher Hitzeexposition und männlicher Fertilität. Die Autoren fassen zusammen, dass die Spermatogenese beim Menschen wie bei den meisten Säugetieren temperaturabhängig ist, was experimentelle Studien mit künstlicher Erhöhung der Skrotal- bzw. Hodentemperatur bei fertilen Männern belegen (Abnahme von Spermienzahl und -qualität). Die eigentliche Evidenz zu beruflicher Hitzeexposition stammt jedoch nur aus einer begrenzten Zahl epidemiologischer Studien, die hinsichtlich Methodik und Design (retrospektiv/prospektiv, Referenzgruppe, Fallzahl) sowie verwendeter Endpunkte (Zeit bis zur Schwangerschaft, Spermienparameter) systematisch bewertet werden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass berufliche Hitzeexposition ein signifikanter Risikofaktor für männliche Infertilität ist, der insbesondere die Spermienmorphologie beeinträchtigt und zu verzögerter Konzeption führt. Gleichzeitig werden methodische Limitationen und mögliche Verzerrungen der zugrunde liegenden Studien diskutiert. Die Arbeit liefert damit eine frühe, kritische Bestandsaufnahme der Evidenz zu hitzebedingten Berufsrisiken für die männliche Fruchtbarkeit.
Kein Abstract verfügbar, nur Titel. Die 1996 im Lancet erschienene Kurzmitteilung trägt den Titel „Tight-fitting underwear and sperm quality" (eng anliegende Unterwäsche und Spermienqualität). Da kein Abstract vorliegt, lassen sich Studiendesign, Stichprobengröße und konkrete Ergebnisse nicht inhaltlich zusammenfassen. Dem Titel nach befasst sich die Arbeit mit der These, dass eng anliegende Unterwäsche (etwa Slips im Gegensatz zu locker sitzenden Boxershorts) über eine Erhöhung der Skrotaltemperatur die Spermienqualität beeinträchtigen könnte – ein in der andrologischen Literatur der 1990er Jahre wiederholt diskutierter Zusammenhang zwischen Wärmestau im Genitalbereich und Spermatogenese. Ohne Zugriff auf den vollständigen Text kann die Arbeit hier nur thematisch, nicht aber inhaltlich mit Zahlen oder Methodik eingeordnet werden.
Sitz der Unterwäsche und männliche Spermatogenese: eine Pilotuntersuchung
Sanger WG, Friman PC — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.)
Experimentelle Einzelfall-Verlaufsstudie (N-of-1-Design) an nur 2 gesunden erwachsenen Männern Anfang 30, die im ABAB-Wechseldesign über ein Jahr abwechselnd enganliegende Bikini-Slips und locker sitzende Boxershorts trugen. Jede Bedingung dauerte 3 Monate und wurde zweimal wiederholt; die Ausgangsbedingung wurde randomisiert festgelegt, das Laborpersonal war gegenüber der jeweiligen Bedingung verblindet. Erfasst wurden vier Spermaparameter: Spermiendichte, Gesamtspermienzahl, Anzahl beweglicher Spermien und Anzahl beweglicher Spermien pro Stunde Abstinenz. Alle vier Parameter nahmen unter enger Unterwäsche graduell ab und stiegen unter lockerer Unterwäsche wieder an. Trotz der sehr kleinen Stichprobe und des vorläufigen Charakters stützen die Ergebnisse die verbreitete, bis dahin unbelegte Annahme, dass der Sitz der Männerunterwäsche über die Skrotaltemperatur die Spermienproduktion beeinflussen kann. Aufgrund des Designs mit nur 2 Probanden ist die Übertragbarkeit stark eingeschränkt, die Studie gilt aber als früher methodischer Beleg für den Hitzeeffekt enger Unterwäsche.
Einfluss von Beruf und Lebensgewohnheiten auf die Spermaqualität (skrotale Isolation und Spermaqualität)
Laven JS, Haverkorn MJ, Bots RS — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology
Vergleichende klinische Studie mit 56 Männern aus Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, eingeteilt anhand von Beruf und Schlafgewohnheiten in zwei Gruppen: Gruppe I (n=26) ohne Beeinträchtigung der normalen testikulären Thermoregulation tags oder nachts ('kühle Arbeiter/Schläfer') und Gruppe II (n=30) mit Hinweisen auf skrotale Wärmeisolation ('warme Arbeiter/Schläfer'). Verglichen wurde die Anzahl gut beweglicher Spermatozoen pro Ejakulat und pro Milliliter. In der 'kühlen' Gruppe war die Zahl gut beweglicher Spermien sowohl pro Ejakulat als auch pro ml signifikant höher als in der 'warmen' Gruppe (p<0,001). Die Autoren folgern, dass eine ausführliche Anamnese zu Beruf und Lebensgewohnheiten – insbesondere zu Faktoren, die die Skrotaltemperatur erhöhen – bei der Abklärung männlicher Unfruchtbarkeit wichtig ist, da chronische Erwärmung des Hodens die Spermienmotilität messbar verschlechtert.
Unkontrollierte Interventionsstudie (Fallserie) mit 50 Männern mit Oligospermie oder verminderter Spermienmotilität, die nachts mittels Eispackungen, gehalten durch eng anliegende Unterhosen, eine skrotale Kühlung erhielten. Verglichen wurden Spermiendichte und -motilität vor und nach der Behandlung. Bei 65 % der Patienten zeigte sich mindestens eine Verdopplung der Spermiendichte sowie eine vergleichbare Zunahme der Motilität. Der Behandlungserfolg war unabhängig davon, ob gleichzeitig eine Varikozele vorlag, gleich häufig. Die Autoren werten dies als weiteren Beleg für den schädlichen Einfluss erhöhter Hodentemperatur auf die Spermatogenese und schlagen die nächtliche Skrotalkühlung als einfache, nicht-invasive Behandlungsoption bei entsprechend betroffenen Männern vor. Limitierend sind das Fehlen einer Kontrollgruppe und einer Verblindung sowie die fehlende Erfassung tatsächlicher Schwangerschaftsraten; dennoch ist die Studie ein häufig zitierter früher Beleg für den Hitzeeffekt auf die Spermienproduktion.
Chronische skrotale Hypothermie als Behandlung schlechter Spermaqualität
Zorgniotti AW, Sealfon AI, Toth A — Lancet (London, England)
Kleine unkontrollierte Interventionsstudie (Fallserie) mit 6 Männern aus unfruchtbaren Ehen mit schlechter Spermaqualität und erhöhter Hodentemperatur. Die Probanden trugen eine experimentelle, auf Verdunstungskühlung basierende Vorrichtung zur Senkung der Hodentemperatur, teils bis zu 24 Stunden täglich über bis zu 20 Wochen. Bei 3 der 6 Männer kam es während der Behandlung zur Schwangerschaft der Partnerin, wobei die Spermaanalyse zum Zeitpunkt der ausgebliebenen Menstruation bei allen dreien eine Verbesserung zeigte. Bei den 2 Männern ohne eingetretene Schwangerschaft zeigten sich nach 12 Wochen ebenfalls Verbesserungen der Spermaqualität. Da keine andere Einflussgröße als die Hypothermie erkennbar war, sehen die Autoren dies als Bestätigung der Theorie, dass eine erhöhte Hodentemperatur zur männlichen Unfruchtbarkeit beiträgt, und schlagen skrotale Kühlung als mögliche Behandlungsoption bei Varikozele, erfolgloser Varikozelenoperation und idiopathischer Infertilität mit erhöhter intraskrotaler Temperatur vor.