20 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Messmethodik, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Die Rolle des seminalen Oxidations-Reduktions-Potenzials bei männlicher Unfruchtbarkeit: systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Christoforaki V et al. — Reproductive biomedicine online
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in MEDLINE, CENTRAL, Embase und Studienregistern bis Dezember 2024) zur Frage, ob sich das seminale oxidativ-reduktive Potenzial (ORP) als Marker für oxidativen Stress zwischen fertilen und unfruchtbaren Männern unterscheidet und mit der Spermienqualität zusammenhängt. In die Metaanalyse gingen 13 Studien ein. Fertile Männer hatten niedrigere ORP-Werte als unfruchtbare Männer (gewichtete mittlere Differenz [WMD] -4,07; 95%-KI -5,80 bis -2,35), ebenso Männer mit normalen im Vergleich zu abnormalen Spermienparametern (WMD -2,39). Hohe ORP-Werte gingen mit niedrigerer Spermienkonzentration (WMD -35,76), niedrigerer Gesamtspermienzahl (WMD -126,41), reduzierter Gesamt- und progressiver Motilität sowie schlechterer Morphologie und einem höheren Anteil unbeweglicher Spermien einher. Die Autoren schlussfolgern, dass das seminale ORP negativ mit männlicher Fertilität und mehreren Spermienqualitätsparametern assoziiert ist und sich als ergänzender diagnostischer Marker für oxidativen Stress bei männlicher Unfruchtbarkeit eignen könnte.
Wert der Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) zur Vorhersage reproduktiver Ergebnisse – eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Vitthala S et al. — Human fertility (Cambridge, England)
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in MEDLINE, EMBASE, CINAHL, Google Scholar, Web of Science und SCISEARCH bis März 2025) zum diagnostischen Wert der Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF, gemessen mittels COMET-, SCSA-, TUNEL- oder SCD-Test) zur Vorhersage von Schwangerschaft oder Fehlgeburt bei natürlicher Konzeption sowie nach IUI, IVF und ICSI. Eingeschlossen wurden 52 Studien mit insgesamt 19.930 Personen (alle mit Schwangerschaftsdaten, 41 zusätzlich mit Fehlgeburtsdaten); die Auswertung erfolgte mittels HSROC-Random-Effects-Modellen nach PRISMA- und QUADAS-2-Standards. Ein hoher SDF-Wert zeigte über alle Konzeptionswege hinweg eine niedrige Sensitivität, aber höhere Spezifität, mit nur mäßigen Likelihood- und diagnostischen Odds-Ratios und insgesamt schwacher bis mäßiger Unterscheidungsfähigkeit bei deutlicher Heterogenität zwischen Studien. Auch zur Vorhersage von Fehlgeburten hatte ein hoher SDF-Wert eine niedrige Sensitivität bei hoher Spezifität. Die Autoren schlussfolgern, dass der alleinige klinische Nutzen von SDF-Tests derzeit begrenzt ist und weitere, gut konzipierte Studien nötig sind.
Auswirkungen langer und kurzer Ejakulationskarenz auf Spermaparameter – Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien
Lo Giudice A, Asmundo MG, Cimino S, Cocci A, Falcone M, Capece M, Abdelhameed AS, Capogrosso P, Morgado A, Tsampoukas G, Manfredi C, Russo GI — Frontiers in endocrinology
Metaanalyse von 13 randomisiert-kontrollierten Studien (2013–2022, PROSPERO-Registrierung CRD42023472124) mit insgesamt 2.315 Patienten (6 bis 836 pro Studienkohorte), die den Einfluss der Karenzzeit vor Samengewinnung (Ejakulationsabstinenz) auf Spermaparameter untersuchte; als Grenzwert zwischen „kurzer" und „langer" Karenz wurden zwei Tage definiert. Eine längere Karenzzeit war mit höherer Spermienkonzentration (mittlere Differenz [MD] 8,19; p<0,01) und höherem Ejakulatvolumen (MD 0,96; p<0,01) assoziiert, jedoch auch mit stärkerer DNA-Fragmentierung (SDF, MD 3,46; p<0,01) und geringerer progressiver Motilität (MD -1,83; p<0,01); die Gesamtmotilität unterschied sich nicht signifikant. Eine Metaregression zeigte einen linearen Zusammenhang zwischen Karenztagen und sowohl Spermienkonzentration als auch DNA-Fragmentierung. Kurze Karenzzeiten gehen demnach mit besserer funktioneller Spermienqualität (höhere progressive Motilität, geringere DNA-Fragmentierung) einher, während lange Karenz vor allem die Konzentration erhöht – relevant für die Planung von Samenproben in der Kinderwunschbehandlung.
Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA®) zur Fertilitätsbeurteilung
Evenson DP — Current protocols
Methodenartikel bzw. Laborprotokoll (kein klinisches Studiendesign), das den Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) beschreibt - ein durchflusszytometrisches Verfahren zur Messung von DNA-Fragmentierung (%DFI) und Chromatinstruktur-Anomalien (%HDS, 'high DNA stainable sperm') in Spermien. Methodik: Frische oder aufgetaute Samenproben werden verdünnt, kurz bei pH 1,2 behandelt, um DNA-Bruchstellen zu öffnen, anschließend mit Acridinorange gefärbt und per Durchflusszytometer an 5.000-10.000 Spermien innerhalb von rund 10 Minuten ausgewertet. Klinischer Schwellenwert ist jeweils 25%: Ab 25% DFI sollte statt IUI eine ICSI erwogen werden, Werte über 25% HDS erhöhen das Risiko für frühen Embryonalverlust durch abnormale Chromatinstruktur. Reaktive Sauerstoffspezies gelten als wesentlicher Mechanismus der DNA-Fragmentierung, die durch zahlreiche Lebensstil- und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Einordnung: Referenzprotokoll für ein etabliertes, standardisiertes DNA-Fragmentierungs-Testverfahren in der Andrologie.
Effekt der Karenzzeit vor der Ejakulation auf Spermien-DNA-Fragmentierung und Schwangerschaftserfolg bei intrauteriner Insemination: Prospektive randomisierte Studie
Kabukçu C, Çil N, Çabuş Ü, Alataş E — Archives of gynecology and obstetrics
Prospektive randomisierte Studie an 120 Paaren mit unerklärter Infertilität, die am zweiten Zyklustag in zwei Gruppen randomisiert wurden: Gruppe A mit einer Ejakulationskarenz von 1 Tag, Gruppe B mit der Standardkarenz von 3 Tagen vor intrauteriner Insemination (IUI) nach Stimulation mit Gonadotropinen. Primäre Endpunkte waren klinische Schwangerschaftsrate und Spermien-DNA-Fragmentierungsindex. Die Schwangerschaftsrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (17,3% vs. 18,5%, p=0,803), ebenso wenig die DNA-Fragmentierungsrate (20,71% vs. 23,78%, p=0,187). Auch zwischen schwangeren und nicht-schwangeren Paaren zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der DNA-Fragmentierung (24,89% vs. 21,71%, p=0,288). Die Autoren schließen, dass eine verkürzte Karenzzeit von nur 1 Tag vor IUI ähnliche Ergebnisse liefert wie die konventionelle 3-tägige Karenz, was praktische Vorteile für die Terminplanung in der Kinderwunschbehandlung bieten könnte, ohne die Erfolgsaussichten zu beeinträchtigen.
Dreistündige Karenzzeit als Behandlung für hohe Spermien-DNA-Fragmentierung: eine prospektive Kohortenstudie
Dahan MH, Mills G, Khoudja R, Gagnon A, Tan G, Tan SL — Journal of Assisted Reproduction and Genetics
Prospektive Kohortenstudie mit 112 Männern, die sich erstmals im Rahmen einer Infertilitätsabklärung einer Samenanalyse unterzogen. Jeder Teilnehmer lieferte zunächst eine Probe nach 3 Tagen sexueller Karenz und anschließend eine zweite Probe bereits 3 Stunden nach der ersten Ejakulation; die DNA-Fragmentierung (SDF) wurde mittels Halo-Test verblindet bestimmt. Der DFI sank im Mittel von 34,6% (±19,4) auf 23,7% (±16,0; p=0,0001); bei Männern mit initial hohem DFI (>35%) normalisierte sich der Wert bei 55% in den Referenzbereich. Ejakulatvolumen und Spermienkonzentration nahmen in der zweiten Probe erwartungsgemäß ab. Jüngeres Alter und die Einnahme von Antioxidantien sagten eine Verbesserung um mehr als 30% voraus. Andere Samenparameter veränderten sich klinisch nicht relevant, ebenso die ICSI-Rate. Die Autoren folgern, dass eine zweite Ejakulation nach kurzer Karenzzeit bei hoher SDF eine einfache, kostengünstige Option sein kann, die aufwendigere ART-Verfahren möglicherweise überflüssig macht.
Erneute Betrachtung des Einflusses der Ejakulationskarenz auf die Spermienqualität und die ICSI-Ergebnisse
Borges E et al. — Andrology
Prospektive Kohortenstudie mit 818 Patienten eines privaten universitätsnahen IVF-Zentrums (Oktober 2015 bis Oktober 2016). Methodik: Analyse des Zusammenhangs zwischen der Dauer der Ejakulationskarenz und Spermienparametern sowie ICSI-Ergebnissen mittels generalisierter linearer Modelle, adjustiert für Störfaktoren; ein Cut-off bei 4 Tagen wurde per Diskriminanzanalyse ermittelt. Ergebnisse: Längere Karenz korrelierte positiv mit Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamt- und Gesamtmotilspermienzahl sowie DNA-Fragmentierungsindex, aber negativ mit Fertilisierungs-, Blastozysten-, Implantations- und Schwangerschaftsrate. Bei Karenz ≤4 Tagen waren Volumen und Spermienzahl niedriger, aber DNA-Fragmentierung geringer und Schwangerschaftsrate höher als bei >4 Tagen; ein Tag Karenz zeigte die höchste Implantationsrate. Einordnung: Kürzere Ejakulationskarenz (1–2 Tage) scheint trotz geringerer klassischer Spermienzahlen die reproduktive Funktionsqualität (DNA-Integrität, Schwangerschaftsrate) zu verbessern — relevant für die Standardisierung von Spermiogramm-Empfehlungen.
Der Einfluss der Ejakulationskarenz auf Spermiogramm-Parameter: eine systematische Übersichtsarbeit
Hanson BM, Aston KI, Jenkins TG, Carrell DT, Hotaling JM — Journal of assisted reproduction and genetics
Systematische Übersichtsarbeit von 28 seit dem Jahr 2000 veröffentlichten Publikationen zum Einfluss der Ejakulationskarenz (Abstinenzzeit vor Probengewinnung) auf Spermiogramm-Parameter und Fertilitätsergebnisse. Ausgewertet wurden Volumen, Spermienzahl, Motilität, Morphologie, pH-Wert, DNA-Fragmentierung, Vitalität sowie Schwangerschafts-/Befruchtungsraten nach assistierter Reproduktion. Längere Abstinenz war mit höherem Ejakulatvolumen und höherer Gesamtspermienzahl assoziiert. Die Datenlage zu Motilität, Morphologie und DNA-Fragmentierung war widersprüchlich, tendenziell verbesserten sich diese Parameter eher bei kürzerer Abstinenz. Der pH-Wert war unabhängig von der Abstinenzdauer, die Vitalität änderte sich meist nicht, während die Gesamtzahl vitaler Spermien mit zunehmender Karenz anstieg. Bei IUI, ICSI und IVF zeigte sich in manchen Studien ein Vorteil kürzerer Abstinenz. Die Autoren ziehen den Schluss, dass der Effekt der Abstinenzdauer komplex und uneinheitlich ist und derzeit keine eindeutige Empfehlung zur optimalen Karenzzeit möglich ist; weitere Forschung zu Schwangerschafts- und Befruchtungsraten sei nötig.
Bewertung von Referenzwerten für Standard-Spermaparameter bei fertilen ägyptischen Männern
Zedan H, Ismail S, Gomaa A, Saleh R, Henkel R, Agarwal A — Andrologia
Querschnittsstudie zur Ermittlung von Referenzwerten für Standard-Spermaparameter bei 240 fertilen ägyptischen Männern (mittleres Alter 33,8 ± 0,5 Jahre, Spanne 20–55 Jahre), definiert über eine spontane Schwangerschaft der Partnerin innerhalb von höchstens 12 Monaten. Bestimmt wurden die 5. Perzentilen als untere Referenzgrenzen: Ejakulatvolumen 1,5 ml, pH-Wert 7,2, Spermienkonzentration 15 Mio./ml, Gesamtspermienzahl 30 Mio. pro Ejakulat, Gesamtmotilität 50%, progressive Motilität 40%, Vitalität 62%, normale Spermienmorphologie 4% sowie Leukozytenzahl 0,1 Mio./ml. Im Vergleich zum WHO-Referenzhandbuch von 2010 zeigten fertile ägyptische Männer höhere Referenzwerte für Gesamtmotilität, progressive Motilität und Vitalität, jedoch niedrigere Werte für die Gesamtspermienzahl; die übrigen Parameter stimmten mit den WHO-Werten überein. Die Studie unterstreicht, dass populationsspezifische Referenzwerte von globalen WHO-Grenzwerten abweichen können, was bei der klinischen Interpretation von Spermiogrammen in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden sollte.
Samenparameter bei fertilen US-amerikanischen Männern: die Study for Future Families
Redmon JB, Thomas W, Ma W, Drobnis EZ, Sparks A, Wang C, Brazil C, Overstreet JW, Liu F, Swan SH, Carter BS, Kelly DJ, Stewart SL, Simmons TM, Treece C, Tollner C, Swerdloff RS, Lumbreras L, Villanueva S, Diaz-Romero M, Victoroff A, Sandoval R, Bravarian S, Leung A, Nelson AL, Hobel C, Brock B, Hatch M, Pfeiffer M, Quinones L, Polgar K, Brembridge A, Kwong C, Muehlen A, Perrier T, Srb T, Pryor J, DeJonge C, Swanson M, Grider T, Fisher L, Maifeld M, Whitham J, Wolf A, Sandlow J — Andrology
Multizentrische Querschnittsstudie (Study for Future Families) zur Etablierung von Referenzwerten der Samenqualität bei fertilen Männern: 763 Männer (73% Weiße, 15% Hispanoamerikaner/Latinos, 7% Schwarze, 5% andere), Partner schwangerer Frauen an fünf US-Standorten, wurden nach standardisierten Protokollen untersucht (Volumen, Spermienkonzentration, Motilität vor Ort; Morphologie nach WHO 1999 strikt und WHO 1987 zentral ausgewertet). Bei mittlerer Karenzzeit von 3,2 Tagen ergaben sich Mittelwerte von 3,9 ml Volumen, 60 Mio./ml Konzentration, 209 Mio. Gesamtspermienzahl, 51% Motilität und 104 Mio. gesamt motiler Spermien; normale Morphologie betrug 11% (WHO 1999 strikt) bzw. 57% (WHO 1987). Schwarze Männer hatten signifikant niedrigeres Samenvolumen, geringere Konzentration und weniger gesamt motile Spermien als Weiße und Hispanoamerikaner/Latinos. Bei Männern, die schneller schwanger wurden, waren die Samenparameter geringfügig, aber nicht signifikant höher. Die Studie liefert robuste, geografisch breit abgestützte Referenzwerte und zeigt erhebliche natürliche Schwankungsbreite bei fertilen Männern.
Referenzwerte der Samenparameter für normal fertile Männer in Shanghai
Lu H, Shi WB, Liu Y, Ding JM, Xiao YF, Wang RY, Xu DP, Yu L, Yang S, Zhu Y, Sun C, Du HW, Hu HL, Li Z — Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology
Querschnittsanalyse zur Bestimmung von Referenzwerten der Samenqualität bei chinesischen Männern: Samenproben von 100 gesunden Samenspendern und 41 nachgewiesen fertilen Männern aus Shanghai wurden nach WHO-Kriterien (2010) auf Volumen, Spermienkonzentration, progressive Motilität, Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien untersucht. Zwischen gesunden Spendern und fertilen Männern fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in den wichtigsten Samenparametern. Aus der Verteilung der Werte bei fertilen Männern wurden untere Referenzgrenzen abgeleitet: Spermienkonzentration ≥27,3 Mio./ml, progressive Motilität ≥8,1%, Samenvolumen ≥0,82 ml, Gesamtspermienzahl ≥44,73 Mio. pro Ejakulat und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien ≥24,68 Mio. pro Ejakulat. Die Autoren schließen, dass Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl progressiv motiler Spermien möglicherweise bessere Prädiktoren der männlichen Fruchtbarkeit sind als Einzelparameter wie die Konzentration allein. Die Studie liefert populationsspezifische Referenzwerte für die chinesische (Shanghai-)Population, die sich von den globalen WHO-Referenzwerten unterscheiden können. Hinweis: Der Original-Abstract ist an einer Stelle unvollständig wiedergegeben (Satz bricht bei einem P-Wert ab).
Kürzere Abstinenzzeit verringert die Spermien-DNA-Fragmentierung im Ejakulat
Gosálvez J et al. — Fertility and sterility
Prospektive Studie an zwei Kohorten normozoospermer Männer: 21 Männer (25–35 Jahre) einer Kinderwunschklinik mit deutlichem weiblichem Faktor und 12 ausgewählte Samenspender (20–25 Jahre). Die Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) wurde mittels Sperm-Chromatin-Dispersionstest (Halosperm) gemessen: einerseits nach wiederholter Ejakulation im 24-Stunden-Abstand über mehrere Tage, andererseits vor und nach Spermienselektion bei nur 3 Stunden Abstinenz. Kürzere Abstinenzintervalle zwischen den Ejakulationen (24 Stunden und insbesondere 3 Stunden) gingen mit niedrigeren SDF-Ausgangswerten einher als bei den üblicherweise empfohlenen längeren Abstinenzzeiten; der Effekt war nach kurzer, wiederholter Ejakulation kombiniert mit Spermienselektion am stärksten ausgeprägt. Die Autoren stellen damit die gängige Empfehlung längerer Abstinenz vor Samenabgabe in der Fertilitätstherapie infrage und schlagen vor, dass wiederholte kurzfristige Ejakulation zusammen mit effektiver Spermienselektion die DNA-Fragmentierung wirksam reduzieren kann.
Sperm Chromatin Structure Assay als unabhängiger Prädiktor der Fertilität in vivo: eine Fall-Kontroll-Studie
Giwercman A et al. — International journal of andrology
Fall-Kontroll-Studie mit 127 Männern aus unfruchtbaren Paaren ohne bekannten weiblichen Faktor und 137 Männern mit nachgewiesener Fertilität. Neben konventioneller WHO-Samenanalyse wurde der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) mittels Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) bestimmt und der Zusammenhang mit Infertilität per logistischer Regression (Odds Ratios) analysiert. Bei einem DFI über 20 % war das Infertilitätsrisiko deutlich erhöht (OR 8,4; 95 %-CI 3,0–23). Bei ansonsten unauffälligem Standard-Spermiogramm erhöhte ein DFI >20 % das Risiko weiterhin (OR 5,1); war bereits ein Standardparameter (Konzentration, Motilität, Morphologie) pathologisch, genügte schon ein DFI über 10 % für ein deutlich erhöhtes Risiko (OR 16). Die Studie belegt, dass der SCSA-DFI als DNA-Integritätsmarker zusätzlichen prognostischen Wert gegenüber der klassischen Samenanalyse liefert und insbesondere bei grenzwertigen Standardbefunden zur Einschätzung der natürlichen Konzeptionswahrscheinlichkeit beitragen kann.
Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für menschliche Samencharakteristika
Cooper TG et al. — Human reproduction update
Große multinationale Datenanalyse zur Erstellung von WHO-Referenzwerten für die Samenanalyse. Es wurden Samenproben von über 4500 Männern aus 14 Ländern auf vier Kontinenten ausgewertet (retrospektiv und prospektiv, fertile Männer, Männer unbekannten Fertilitätsstatus sowie normozoosperme Männer). Als Referenzpopulation dienten Männer, deren Partnerinnen innerhalb von ≤12 Monaten (Time-to-Pregnancy) schwanger wurden; daraus wurden untere Referenzgrenzen (5. Perzentile) berechnet: Ejakulatvolumen 1,5 mL, Gesamtspermienzahl 39 Millionen, Spermienkonzentration 15 Millionen/mL, Vitalität 58 %, progressive Motilität 32 %, Gesamtmotilität 40 %, morphologisch normale Formen 4,0 %. Die Referenzpopulation zeigte durchweg bessere Samenqualität als die allgemeine bzw. normozoosperme Vergleichspopulation. Diese heute weltweit als Standard verwendeten WHO-Referenzwerte liefern ein empirisch fundiertes Werkzeug, um in Verbindung mit klinischen Befunden die Samenqualität und die Fertilitätsaussichten eines Patienten einzuordnen.
Bewertung des männlichen Fertilitätspotenzials mittels Toluidinblau-Test zur Beurteilung der Spermien-Chromatinstruktur
Tsarev I, Bungum M, Giwercman A, Erenpreisa J, Ebessen T, Ernst E, Erenpreiss J — Human Reproduction
Diagnostische Validierungsstudie zur klinischen Anwendbarkeit des Toluidinblau(TB)-Tests zur Beurteilung der Spermien-Chromatinstruktur, durchgeführt an 63 fertilen und 79 infertilen Männern mit klar definiertem Fertilitätsstatus. Mittels ROC-Kurvenanalyse wurden Schwellenwerte für den Anteil chromatin-abnormaler (TB-dunkler, TBDC) bzw. -normaler (TB-heller, TBLC) Spermien zur Infertilitätsvorhersage bestimmt. Ein Schwellenwert von 45% TBDC bzw. 20% TBLC war hochprädiktiv für Infertilität (Spezifität 92% bzw. 90%), jedoch schlechter geeignet, um Fertilität vorherzusagen (Sensitivität nur 42% bzw. 32%). Die Odds Ratio für Infertilität betrug 7,5 (95%-KI 2,7–20,8) beim 45%-TBDC-Grenzwert und 4,4 (95%-KI 1,7–11,6) beim 20%-TBLC-Grenzwert. Die Autoren schlagen den TB-Test als ergänzenden, einfachen und kostengünstigen Test zum konventionellen Spermiogramm zur Diagnose männlicher Infertilität vor, betonen aber, dass er als alleiniger Test wegen der begrenzten Sensitivität nicht ausreicht, um normale Fertilität sicher zu belegen.
Der Sperm Chromatin Structure Assay als diagnostisches Instrument in der Kinderwunschklinik
Boe-Hansen GB, Fedder J, Ersbøll AK, Christensen P — Human reproduction (Oxford, England)
Diagnostisch-methodische Kohortenstudie mit 385 Samenproben von 234 Paaren aus Kinderwunschbehandlungen (48 IUI, 139 IVF, 47 ICSI). Bestimmt wurden die Kennwerte des Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) - DNA-Fragmentationsindex (DFI), Standardabweichung des DFI und High DNA Stainability (HDS) - in Beziehung zu biochemischer und klinischer Schwangerschaftsrate sowie Implantationsrate. Für IUI und ICSI zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen SCSA-Werten und Schwangerschaftserfolg; bei IVF hatte ein DFI über 27% eine hohe prognostische Aussagekraft für das Ausbleiben einer klinischen Schwangerschaft (Spezifität 97%). Männer mit diagnostizierter männlicher Infertilität hatten signifikant höhere DFI-Werte als Paare mit idiopathischer Fertilitätsstörung; die Spermienkopf-Morphologie korrelierte nur schwach mit den SCSA-Parametern. Einordnung: Der SCSA ist ein sinnvolles ergänzendes diagnostisches und prognostisches Instrument vor allem bei IVF, schließt eine erfolgreiche Schwangerschaft bei hohem DFI aber nicht aus.
Zusammenhang zwischen der Dauer sexueller Abstinenz und der Spermienqualität: Analyse von 9.489 Spermaproben
Levitas E, Lunenfeld E, Weiss N, Friger M, Har-Vardi I, Koifman A, Potashnik G — Fertility and sterility
Retrospektive Datenbankanalyse einer Kinderwunsch-/IVF-Klinik mit 9.489 Samenproben von 6.008 Patienten, eingeteilt nach WHO-Kriterien in schwere, moderate und milde Oligozoospermie sowie Normozoospermie. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Abstinenzdauer und Samenvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie sowie Gesamtspermienzahl je Gruppe. Bei oligozoospermen Proben (n=3.506) lag die höchste mittlere Motilität (30,3%) nach nur 1 Tag Abstinenz vor, bei mild-moderater Oligozoospermie (n=2.260) die beste Morphologie (7,4-8,6%) nach 0-2 Tagen; bei normozoospermen Proben (n=5.983) sanken Motilität und Morphologie signifikant nach 11-14 Tagen Abstinenz auf 33,1% bzw. 7,0%. Einordnung: Die Autoren empfehlen bei männlicher Infertilität eine sehr kurze Abstinenz von nur 1 Tag vor der Probenabgabe, während bei Spendersamen für Kryokonservierung eine Abstinenz von maximal 10 Tagen ratsam erscheint.
Einfluss der Abstinenzdauer auf die menschliche Spermienqualität
De Jonge C, LaFromboise M, Bosmans E, Ombelet W, Cox A, Nijs M — Fertility and sterility
Prospektive Studie mit Selbstkontrolle (within-subject design) an Männern aus einer Kinderwunschabklärung. Von 16 rekrutierten Freiwilligen wurden 11 ausgewertet, da fünf die Abstinenzvorgaben nicht einhielten. Untersucht wurden WHO-Samenparameter sowie DNA-Fragmentierung und Chromatinverpackung nach 1, 3, 5 und 8 Tagen Ejakulationsabstinenz bei denselben Männern. Die Abstinenzdauer war statistisch signifikant positiv mit Spermienkonzentration und Ejakulatvolumen assoziiert; pH-Wert, Vitalität, Gesamt- und Grad-A-Motilität, Morphologie und Anteil DNA-fragmentierter Spermien blieben unbeeinflusst. Nach nur 1 Tag Abstinenz war jedoch der Anteil unreifen Chromatins statistisch signifikant erhöht. Einordnung: Diese methodisch orientierte Studie zeigt, dass die Wahl der Abstinenzdauer bei der Probenentnahme insbesondere Spermienkonzentration, Volumen und Chromatinreifung beeinflusst und damit für die Standardisierung von Diagnostik und Studien relevant ist.
Der Spermien-Chromatin-Struktur-Assay: klinischer Einsatz zum Nachweis von Spermien-DNA-Fragmentierung
Evenson DP, Larson KL, Jost LK — Journal of Andrology
Kein Abstract verfügbar, nur Titel. Der Titel „Sperm chromatin structure assay: its clinical use for detecting sperm DNA fragmentation in male infertility and comparisons with other techniques" verweist auf eine Übersichts- bzw. Methodenarbeit derselben Arbeitsgruppe, die bereits den SCSA-Test (Sperm Chromatin Structure Assay, siehe PMID 11264952) beschrieben hatte. Dem Titel nach wird hier speziell der klinische Nutzen des SCSA zur Detektion von Spermien-DNA-Fragmentierung bei männlicher Infertilität behandelt und mit anderen DNA-Integritätstests verglichen. Da kein Abstract vorliegt, können konkrete Stichprobengrößen, statistische Kennwerte oder Ergebnisse nicht wiedergegeben werden; die Studie lässt sich daher nur thematisch als Beitrag zur Methodik der Spermien-DNA-Diagnostik einordnen.
Der Spermien-Chromatin-Struktur-Assay als nützliches Instrument zur Fertilitätsbeurteilung
Evenson D, Jost L — Methods in Cell Science
Methodische Übersichtsarbeit, die den Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) als Instrument zur Messung der Integrität des Spermien-Chromatins beschreibt. Das Verfahren nutzt die metachromatischen Eigenschaften des DNA-Farbstoffs Acridinorange in Kombination mit Durchflusszytometrie, um den Anteil von Spermien mit denaturierbarer bzw. fragmentierter DNA zu quantifizieren (DNA Fragmentation Index). Die Autoren betonen, dass SCSA-Ergebnisse nur schwach mit klassischen Samenparametern wie Konzentration, Motilität und Morphologie korrelieren, sich aber in mehreren Studien als robuster Prädiktor für Sub- bzw. Infertilität erwiesen haben. Der Test eigne sich daher gut für den Einsatz in humanen und tierischen Fertilitätskliniken, um die DNA-Integrität von Spermien im Zusammenhang mit Fertilitätspotenzial, Embryonalentwicklung sowie den Effekten reproduktionstoxischer Substanzen zu beurteilen. Der Artikel enthält im Anschluss eine detaillierte technische Beschreibung des Testablaufs. Es handelt sich damit nicht um eine klinische Studie mit eigener Stichprobe, sondern um eine Methodenbeschreibung/Validierungsübersicht des SCSA-Verfahrens.