Studien zu Alter, Stress & Schlaf und Spermienqualität
26 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Alter, Stress & Schlaf, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Eine nordamerikanische Präkonzeptionsstudie zu Schlafgesundheit und Spermienqualität
Coleman CM et al. — Human reproduction (Oxford, England)
Querschnittsanalyse innerhalb der nordamerikanischen Präkonzeptionskohorte "Pregnancy Study Online" mit 690 männlichen Teilnehmern (≥21 Jahre, 1247 Samenproben, Einschluss 2015–2023), bei der selbstberichtete Angaben zu Schlafdauer, Schlafstörungshäufigkeit und (bei einer Teilstichprobe) zum Pittsburgh-Schlafqualitätsindex mit Ergebnissen eines Heim-Testkits für Spermienparameter verknüpft wurden. Mittels GEE-Modellen zeigte sich: Sehr kurzer bzw. sehr langer Schlaf, häufige Schlafstörungen und schlechte Schlafqualität waren mit reduzierter Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und gesamtbeweglicher Spermienzahl assoziiert, kurzer Schlaf und häufige Schlafstörungen zusätzlich mit vermindertem Samenvolumen. Bei schlechter im Vergleich zu guter Schlafqualität lagen die prozentualen Unterschiede bei -19,2 % für die Gesamtspermienzahl und -18,1 % für die Spermienkonzentration. Trotz möglicher Fehlklassifikation durch Selbstauskünfte und einer auf internetaffine, kinderwunschplanende Paare beschränkten Stichprobe stützen die Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen schlechter Schlafgesundheit und verminderter Spermienqualität.
Psychischer Stress und Beeinträchtigung der Samenqualität: eine systematische Übersichtsarbeit
Costa AF, Silveira LV, Onofre FBM, et al. — JBRA Assisted Reproduction
Systematische Übersichtsarbeit (Embase, PubMed, Scopus, Web of Science) zu 34 Studien (veröffentlicht 1988-2023) mit insgesamt 11.141 Teilnehmern (20 bis 1.362 Probanden pro Studie) zum Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität; drei Studien (8,82 %) wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf, die Synthese erfolgte narrativ. Psychischer Stress war in 12,9 % der Studien mit reduziertem Samenvolumen, in 52,9 % mit geringerer Spermienkonzentration, in 56,3 % mit niedrigerer Gesamtspermienzahl, in 63,3 % mit verminderter Motilität und in 21,4 % mit veränderter Morphologie assoziiert; verschiedene Stressquellen (akademischer, alltäglicher, infertilitätsbedingter und arbeitsbedingter Stress sowie belastende Lebensereignisse) waren in 70,6 % der Studien mit beeinträchtigten Samenparametern korreliert. Aufgrund erheblicher Heterogenität zwischen den Studien sind die Ergebnisse nur eingeschränkt belastbar. Die Autoren betonen, dass es sich überwiegend um Beobachtungsdaten handelt, die keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Stress und Samenqualität belegen, auch wenn ein solcher insbesondere bei Motilität und Konzentration häufig beobachtet wurde.
Mögliche Zusammenhänge zwischen Samenqualität und psychischem Stress: eine Querschnittsstudie
Yang T, Li M, Tang W, et al. — Reproductive Biomedicine Online
Querschnittsstudie an 550 Männern, die eine Kinderwunschsprechstunde aufsuchten; Spermienkonzentration und -motilität wurden mittels automatisiertem Samenanalysegerät nach WHO-6.-Auflage-Kriterien bestimmt, psychischer Stress mit der Kurzform der Perceived-Stress-Scale (4 Items) sowie einer Checkliste belastender Lebensereignisse im letzten Jahr erfasst; logistische Regressionsmodelle wurden für Lebensstilfaktoren adjustiert. Spermienzahl und -konzentration unterschieden sich signifikant zwischen den Stressgruppen. Bei mittlerer (25.-<75. Perzentil) bzw. hoher (≥75. Perzentil) Stressbelastung war das Risiko für Oligozoospermie deutlich erhöht (aOR 2,78 bzw. 5,10; 95%-KI 1,66-4,76 bzw. 2,87-9,30), nicht jedoch für Asthenozoospermie. Hohe wahrgenommene Stressbelastung war signifikant mit höherem Oligozoospermie-Risiko assoziiert, belastende Lebensereignisse zusätzlich mit erhöhtem Asthenozoospermie-Risiko. Die Autoren betonen die Bedeutung von Stressreduktion in der reproduktiven Gesundheitsbildung und der präkonzeptionellen Beratung, weisen jedoch auf die Grenzen des Querschnittsdesigns hinsichtlich der Kausalität hin.
Wahrgenommener Stress im Zusammenhang mit Markern der Hodenfunktion bei Männern in einem Kinderwunschzentrum
Reddy AG et al. — Fertility and sterility
Diese Beobachtungsstudie an 718 Männern (18-55 Jahre) einer Kinderwunschklinik des Massachusetts General Hospital untersuchte, ob selbstberichteter psychologischer Stress mit beeinträchtigten Spermaparametern und Reproduktionshormonen zusammenhängt. Der wahrgenommene Stress wurde mit der Kurzform der Cohen Perceived Stress Scale (PSS-4) erfasst; erhoben wurden WHO-Spermiogrammparameter, Spermien-DNA-Schäden mittels Comet-Assay sowie Serumhormone (LH, FSH, Prolaktin, Inhibin, Testosteron, Östrogen). Mittels linearer Regression, adjustiert für Alter, BMI, Karenzzeit und weitere Faktoren, zeigte sich: Männer im höchsten PSS-4-Quartil hatten eine signifikant niedrigere adjustierte Gesamtspermienzahl (118 vs. 153 Mio./Ejakulat) und eine niedrigere Zahl normal geformter Spermien (5,97 vs. 9,13 Mio./Ejakulat) im Vergleich zum niedrigsten Quartil. Höherer Stress zeigte zudem konsistente Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration, geringerer Gesamtmotilzahl und mehr Zellen mit hohem DNA-Schaden. Kein Zusammenhang bestand zwischen Stress und Hormonwerten. Die Studie liefert Hinweise, dass psychologischer Stress mit reduzierter Spermaqualität und erhöhtem Zell-DNA-Schaden einhergeht.
Zusammenhang zwischen männlicher Schlafqualität, Spermienparametern und Schwangerschaftsergebnissen bei unfruchtbaren Paaren
Zhou R et al. — Basic and clinical andrology
Querschnittsstudie mit 727 männlichen Partnern aus unfruchtbaren Paaren (Oktober 2023 bis Februar 2025), die den Zusammenhang zwischen männlicher Schlafqualität (erfasst mit dem Pittsburgh-Schlafqualitätsindex) und Spermienparametern, Hormonprofil sowie Schwangerschaftserfolg der Partnerin untersuchte. 75,1 % der Teilnehmer berichteten eine schlechte Schlafqualität. Männer mit schlechter Schlafqualität zeigten eine signifikant niedrigere Spermienkonzentration (β=-1,39; 95%-KI -2,11 bis -0,67; p<0,001) sowie reduzierte progressive und Gesamtmotilität (β=-1,25; 95%-KI -1,61 bis -0,88; p<0,001). Bei den Hormonwerten (FSH, LH, Östradiol, Prolaktin, Testosteron) fanden sich keine signifikanten Unterschiede. Schlechte Schlafqualität war zudem mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit einer klinischen Schwangerschaft assoziiert (OR 4,67; 95%-KI 3,08–7,09; p<0,0001). Die Autoren sehen in der Verbesserung der Schlafqualität einen potenziell modifizierbaren Ansatzpunkt zur Unterstützung männlicher Fertilität.
Schlafdauer und Biomarker der Fekundität bei jungen Männern
Gaml-Sørensen A, et al. — Andrology
Querschnittsstudie an 1.055 jungen Männern der dänischen FEPOS-Kohorte (2017-2019). Die Schlafdauer wurde per Online-Fragebogen vor dem klinischen Termin erfasst, bei dem Samen- und Blutproben genommen sowie das Hodenvolumen mittels Orchidometer selbst eingeschätzt wurde; die Auswertung erfolgte mittels multivariabler negativer Binomialregression, die Schlafdauer wurde dichotomisiert (empfohlen: 6-9 Std./Nacht vs. abweichend) und zusätzlich als Spline-Kurve dargestellt. Abweichende Schlafdauer war assoziiert mit einer um 5% höheren "high DNA stainability" (HDS), 3% höherem Testosteron und 6% höherem freiem Androgenindex (FAI). Die Spline-Analysen zeigten U-förmige Zusammenhänge zwischen Schlafdauer und HDS, Testosteron sowie FAI, einen linearen Zusammenhang mit Ejakulatvolumen und SHBG sowie einen umgekehrt U-förmigen Zusammenhang mit normaler Morphologie. Einschränkend war die grobe Kategorisierung der selbstberichteten Schlafdauer. Einordnung: Eine empfohlene Schlafdauer könnte für die reproduktive Gesundheit junger Männer von Vorteil sein.
Prospektive Kohortenstudie mit Auswertung von Baseline-Daten aus zwei präkonzeptionellen Kohorten (PRESTO und SnartForaeldre.dk, 2015-2021). Stichprobe: 644 Männer mit 1.159 Samenproben. Methodik: Erhebung von Lebensstil- und Stressdaten per Fragebogen inklusive Perceived Stress Scale (PSS, 10 Items); Heim-Spermaanalyse mit dem Trak-Testsystem zweimal im Abstand von 7-10 Tagen; adjustierte lineare Regressionsmodelle für vier PSS-Gruppen. Ergebnisse: Der mediane PSS-Score lag bei 15 (Interquartilsabstand 10-19), 21,1% der Männer hatten einen Score ≥20. Im Vergleich zu Männern mit PSS <10 zeigten Männer mit PSS ≥20 keine relevanten Unterschiede: Samenvolumen -2,7%, Spermienkonzentration +6,8%, Gesamtspermienzahl +4,3% (alle Konfidenzintervalle schlossen die Null ein). Einordnung: Wahrgenommener psychischer Stress war in dieser großen prospektiven Untersuchung nicht signifikant mit schlechteren Spermaparametern assoziiert.
Mediationseffekt von Samenparametern auf den Zusammenhang zwischen fortgeschrittenem väterlichem Alter und IVF-Ergebnissen
Ye X, et al. — Maturitas
Retrospektive Kohortenstudie mit 21.959 IVF-Zyklen (2011-2020), bei denen die Partnerinnen keine die Ergebnisse wesentlich verschlechternden Vorerkrankungen aufwiesen. Mittels kausaler Mediationsanalyse (lineare/logistische Regression, gemischte Modelle) wurde untersucht, wie väterliches Alter über Samenparameter die IVF-Ergebnisse beeinflusst. Ejakulatvolumen, Spermienmotilität und -morphologie waren signifikant mit dem väterlichen Alter assoziiert (p<0,05). Nach Adjustierung für das mütterliche Alter war höheres väterliches Alter mit einer niedrigeren Fertilisationsrate verknüpft (adjustierte OR 0,800; 95%-KI 0,678-0,943; p=0,008). Der Anteil A-graduiger bzw. schnell progressiv beweglicher Spermien vermittelte 37,0% respektive 41,0% des Zusammenhangs zwischen väterlichem Alter und Fertilisationsrate. Einordnung: Ein Teil des negativen Effekts steigenden väterlichen Alters auf den IVF-Erfolg wird demnach durch eine Verschlechterung der Spermienmotilität vermittelt, was die klinische Relevanz des väterlichen Alters in der Reproduktionsmedizin unterstreicht.
Fortgeschrittenes väterliches Alter und Spermien-DNA-Fragmentierung: ein systematisches Review
Gonzalez DC, Ory J, Blachman-Braun R, Nackeeran S, Best JC, Ramasamy R — The World Journal of Men's Health
Systematisches Review nach PRISMA-Kriterien mit 19 eingeschlossenen Studien und insgesamt 40.668 untersuchten Männern (Suche in Scopus, PubMed und EMBASE aus ursprünglich 3120 identifizierten Artikeln) zur Frage, ob fortgeschrittenes väterliches Alter (Advanced Paternal Age, APA) mit einem erhöhten Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI%) assoziiert ist. Die eingeschlossenen Studien umfassten unterschiedliche Populationen: normozoosperme und subfertile Männer, oligo-astheno-teratozoosperme Männer, fertile und infertile Männer sowie Allgemeinbevölkerungen. 17 der 19 Studien zeigten einen nachweisbaren Effekt von APA auf den DFI%. Trotz fehlender einheitlicher Altersdefinition für „fortgeschrittenes Alter" deutete die Mehrheit der Evidenz auf einen Anstieg der Spermien-DNA-Fragmentierung mit zunehmendem väterlichem Alter hin. Die Autoren betonen, dass die klinische Bedeutung dieses Zusammenhangs bei Männern mit unauffälligem konventionellem Spermiogramm weiterer Untersuchung bedarf, da ein Standardspermiogramm eine altersbedingte DNA-Schädigung als Infertilitätsursache oft nicht erfasst.
Männliche Schlafqualität und Ergebnisse der assistierten Reproduktion bei Paaren einer Kinderwunschklinik: Eine chinesische Kohortenstudie
Du CQ, et al. — Nature and science of sleep
Retrospektive Kohortenstudie an einer chinesischen Kinderwunschklinik, die untersuchte, ob die Schlafqualität von Männern mit den Behandlungsergebnissen der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) bei subfertilen Paaren zusammenhängt. Zwischen September 2017 und November 2019 wurden 282 subfertile Paare eingeschlossen; die männliche Schlafqualität wurde mittels Pittsburgh-Schlafqualitätsindex (PSQI) erfasst und die Teilnehmer in „guter Schlaf" (PSQI<5) und „schlechter Schlaf" (PSQI≥5) eingeteilt. Anschließend wurden Fertilisationsrate, Embryoqualität, Implantations-, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate sowie Geburtsgewicht zwischen den Gruppen sowie mittels multivariater Regression verglichen. Männer mit schlechter Schlafqualität hatten eine niedrigere Fertilisationsrate (60,13 % vs. 67,36 %) sowie nach Adjustierung eine niedrigere Lebendgeburtenrate (Odds Ratio 0,88; 95%-KI 0,78-0,99; p=0,047); Embryoqualität, Implantations-, Schwangerschafts- und Fehlgeburtsrate unterschieden sich nicht. Die Autoren folgern, dass männliche Schlafqualität positiv mit Fertilisationsrate, Geburtsgewicht und Lebendgeburtenrate bei ART-Behandlungen assoziiert ist und daher in der reproduktionsmedizinischen Beratung berücksichtigt werden sollte.
Zusammenhang zwischen generalisierten Angstsymptomen und Samenqualität bei infertilen Männern: Eine Multizenterstudie in Nordchina
Pan Y, et al. — Andrologia
Multizentrische Studie an drei Lehrkrankenhäusern in Nordchina zum Zusammenhang zwischen generalisierten Angstsymptomen und Samenqualität bei 378 infertilen Männern (Durchschnittsalter 31,43 Jahre). Die Angstsymptomatik wurde mit dem 7-Item-Fragebogen zur generalisierten Angststörung (GAD-7) erfasst, die Samenanalyse erfolgte nach WHO-Richtlinien; die Teilnehmer wurden in eine Normal- (n=174, 46 %) und eine Angstgruppe (n=204, 54 %) eingeteilt. Männer mit auffälligem GAD-7-Wert hatten eine signifikant niedrigere Spermienzahl (166,80 vs. 202,48 Millionen pro Ejakulat, p=0,023), niedrigere Konzentration (46,54 vs. 54,75 Millionen/ml, p=0,033) und niedrigere progressive Motilität (37,16 vs. 40,25 %, p=0,020). In multivariaten linearen Regressionsmodellen war Angst signifikant negativ mit Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, progressiver und Gesamtmotilität sowie normaler Morphologie assoziiert. Die Autoren schließen, dass generalisierte Angst die klinische Samenqualität infertiler Männer relevant beeinflussen kann und psychologisches Stressmanagement Teil der Fertilitätsbehandlung sein sollte.
Auswirkungen von Schlafstörungen und Veränderungen des zirkadianen Rhythmus auf die männliche reproduktive Gesundheit: Systematische Übersicht und Metaanalyse
Zhong O, et al. — Frontiers in physiology
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse klinischer Studien (Recherche in PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science und Scopus bis Februar 2022; Auswertung mit RevMan 5.4, Publikationsbias-Prüfung mit Stata16). Die Stichprobengröße der Einzelstudien wird im Abstract nicht beziffert. Ergebnisse: Schlafstörungen waren assoziiert mit einer reduzierten Gesamtspermienzahl (mittlere Differenz -27,91; 95%-KI -37,82 bis -18,01), verringerter progressiver Motilität (-2,94%) und schlechterer normaler Morphologie (-0,52%). Ein Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und reproduktiven Hormonspiegeln ließ sich nicht nachweisen. Einordnung: Die Autoren vermuten eine Vermittlung über Störungen des zirkadianen Rhythmus, weisen aber auf die begrenzte Zahl und Qualität der eingeschlossenen Studien hin und fordern weitere hochwertige Forschung, bevor belastbare klinische Schlussfolgerungen möglich sind.
Bewertung des Effekts von Schichtarbeit und Schlafqualität auf Samenparameter bei Männern in einer Infertilitätsklinik
Demirkol MK, Yıldırım A, Gıca Ş, Doğan NT, Resim S — Andrologia
Vergleichende Querschnittsstudie an 220 Männern einer Infertilitätsklinik, unterteilt in 104 Schichtarbeiter und 116 Nicht-Schichtarbeiter. Verglichen wurden Samenparameter sowie Werte der Depression-Angst-Stress-Skala (DASS-21) und des Pittsburgh-Schlafqualitätsindex (PSQI); eine logistische Regression untersuchte Prädiktoren für Oligozoospermie. Schichtarbeiter zeigten häufiger eine Oligozoospermie, häufiger eine schlechte Schlafqualität und einen niedrigeren Anteil normal geformter Spermien (p=0,006, p=0,039 bzw. p=0,036). Es fand sich eine positive Korrelation zwischen Schlafdauer und Spermienkonzentration sowie eine negative Korrelation zwischen Einschlaflatenz und Gesamtspermienzahl. Schichtarbeit in Kombination mit hohem PSQI-Score war auch nach Adjustierung für Alter, Testosteron, Stress-Score, Rauchen und Varikozele unabhängig mit Oligozoospermie assoziiert (OR 2,11 bzw. OR 1,18 pro PSQI-Punkt). Die Autoren folgern, dass Schichtarbeit über eine Störung des zirkadianen Rhythmus und der Schlafqualität die Spermienqualität bei infertilen Männern negativ beeinflusst.
Schlafdauer und -qualität in Bezug auf Spermaqualität bei gesunden Männern als potenzielle Samenspender
Chen HG, Sun B, Chen YJ, Chavarro JE, Hu SH, Xiong CL, Pan A, Meng TQ, Wang YX, Messerlian C — Environment international
Kohortenstudie mit wiederholten Messungen an 842 gesunden chinesischen Männern, die sich als potenzielle Samenspender bewarben; insgesamt wurden 5601 Ejakulatproben ausgewertet. Schlafdauer (Nachtschlaf und Tagesschlaf) sowie Schlafqualität wurden mittels Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) erfasst und mittels linearer gemischter Modelle mit wiederholten Spermiogramm-Messungen in Beziehung gesetzt. Sowohl Spermienmotilität als auch progressive Motilität zeigten eine hohe intraindividuelle Schwankung (Intraklassenkorrelation ICC 0,20 bzw. 0,22), während Volumen, Konzentration und Gesamtzahl reproduzierbarer waren (ICC 0,54, 0,62, 0,50). Im Vergleich zu Männern mit 8,0-8,5 Stunden Schlaf pro Tag hatten Männer mit unter 6 bzw. über 9 Stunden Schlaf ein um 12% bzw. 3,9% geringeres Ejakulatvolumen. Kurzer Nachtschlaf (<6 h) war mit 4,4% geringerer Gesamtmotilität und 5,0% geringerer progressiver Motilität assoziiert. Schlechte Schlafqualität (PSQI-Score >5) ging mit reduzierter Gesamtspermienzahl (-8,0%) und Motilität einher. Sowohl zu kurzer als auch zu langer Schlaf sowie schlechte Schlafqualität waren mit verminderter Spermaqualität assoziiert.
Zusammenhänge zwischen Zubettgehzeit, Schlafdauer und Schlafqualität mit Spermaqualität bei Männern in Kinderwunschbehandlung: Eine Vorstudie
Hvidt JEM, Knudsen UB, Zachariae R, Ingerslev HJ, Philipsen MT, Frederiksen Y — Basic and clinical andrology
Explorative Querschnittsstudie (Vorstudie) an 104 Männern und ihren Partnerinnen aus drei dänischen Fertilitätskliniken (2010-2012), die den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) online ausfüllten; Samenanalysen aus den Kliniken wurden selbstberichtet und als normal oder reduziert kategorisiert. Eine frühe Zubettgehzeit (vor 22:30 Uhr) sowie eine konventionelle Schlafdauer (7,5-7,99 Stunden) waren in der deskriptiven wie multivariaten Analyse mit normaler Spermaqualität assoziiert (u. a. OR 3,97 bzw. OR 6,18 für kurze/sehr kurze Schlafdauer). Schlechte subjektive Schlafqualität war in der deskriptiven Statistik mit reduzierter Spermaqualität assoziiert (p=0,04), dieser Zusammenhang verschwand jedoch in multivariaten Modellen (OR 1,19-2,43, jeweils nicht signifikant). Als erste Studie, die alle drei Schlafparameter gemeinsam betrachtet, liefert die Arbeit vorläufige Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schlafzeitpunkt/-dauer und Spermaqualität, während die Rolle der subjektiven Schlafqualität unklar bleibt. Limitationen sind die kleine Stichprobe und die selbstberichteten Samenbefunde.
Große retrospektive Studie an 25.445 Männern (21-80 Jahre) aus Kinderwunschkliniken sowie einer Vergleichsgruppe von 87 gesunden Spendern ohne Fertilitätsprobleme, bei denen mittels Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) der DNA-Fragmentationsindex (%DFI) und der Anteil unreif kondensierten Chromatins (%HDS) bestimmt wurden. Mit zunehmendem Alter stieg %DFI kontinuierlich an: Die Anstiegsrate betrug bis zum Alter von 41,6 Jahren 0,39 pro Jahr und verdoppelte sich danach mehr als auf 0,86. Zwischen 20 und 50 Jahren unterschieden sich Patienten und gesunde Spender kaum. Modellrechnungen zufolge haben ein 40- bzw. 50-jähriger Mann allein altersbedingt ein 20%- bzw. 40%iges Risiko für einen pathologischen DFI ≥25%. Der %HDS-Wert stieg bei Patienten linear von 12,2% (20-25 Jahre) auf 7,9% im Alter von 60-65 Jahren, wobei Patienten in jedem Alter höhere Werte als Spender aufwiesen. Aufgrund großer interindividueller Streuung lässt sich das Alter allein nicht als Fragmentierungsindex nutzen; DFI/HDS-Testung bleibt aber klinisch relevant zur Fertilitätseinschätzung.
Auswirkungen des männlichen Alters auf DNA-Schäden der Spermien: eine Auswertung von 2.178 Spermaproben
Petersen CG, Mauri AL, Vagnini LD, Renzi A, Petersen B, Mattila M, Comar V, Ricci J, Dieamant F, Oliveira JBA, Baruffi RLR, Franco JG — JBRA assisted reproduction
Retrospektive Querschnittsstudie mit Spermaproben von 2178 Männern einer Kinderwunschklinik, unterteilt in drei Altersgruppen (≤35, 36–44, ≥45 Jahre). Die DNA-Integrität wurde mittels TUNEL-Assay (DNA-Fragmentierung), Chromomycin A3 (Chromatinverpackung/Unterprotaminierung), MitoTracker Green (mitochondriales Membranpotenzial) und Annexin V (Apoptose) bestimmt; Zusammenhänge mit dem Alter wurden über Spearmans Rangkorrelation geprüft. Die Apoptoserate der Spermien war altersunabhängig (p>0,05), während sich DNA-Fragmentierung und mitochondriales Membranpotenzial mit zunehmendem Alter signifikant verschlechterten (p<0,05). Die altersbedingte Zunahme der DNA-Fragmentierung stand offenbar im Zusammenhang mit mitochondrialen Schäden; die Chromatinverpackung nahm mit dem Alter eher zu, was als möglicher protektiver Kompensationsmechanismus gedeutet wird. Die Autoren folgern, dass steigendes väterliches Alter die Spermien-DNA-Integrität verschlechtert und damit – neben dem mütterlichen Alter – auch das väterliche Alter reproduktionsmedizinisch relevant sein könnte.
Fortgeschrittenes väterliches Alter allein beeinträchtigt weder Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten noch Spermaparameter nach intrauteriner Insemination
Tatsumi T, Ishida E, Tatsumi K, Okada Y, Saito T, Kubota T, Saito H — Reproductive medicine and biology
Retrospektive Kohortenstudie mit 1576 Zyklen intrauteriner Insemination (IUI) bei Frauen unter 40 Jahren (April 2012–Mai 2016, Japan), zur Untersuchung des Einflusses des väterlichen Alters auf Schwangerschaftsverlauf und Spermaparameter – bewusst anhand von IUI- statt ART-Daten, um mögliche Effekte von Spermienbeeinträchtigungen nicht durch Laborselektion zu verschleiern. Das mittlere väterliche Alter war in Zyklen mit Schwangerschaft niedriger als ohne (38,0 vs. 39,1 Jahre; p<0,001), ein ähnlicher Trend zeigte sich für Lebendgeburtzyklen. Nach Adjustierung für Störfaktoren bestand jedoch kein eigenständiger Zusammenhang zwischen fortgeschrittenem väterlichem Alter und Schwangerschaftsrate; allein das Alter der Partnerin beeinflusste die Schwangerschaftsrate. Das väterliche Alter hatte zudem keinen Effekt auf die Spermaparameter. Die Autoren folgern, dass fortgeschrittenes väterliches Alter allein weder Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten noch Spermaparameter nach IUI negativ beeinflusst.
Psychischer Stress und Hodenfunktion: Eine Querschnittsstudie an 1.215 dänischen Männern
Nordkap L, Jensen TK, Hansen ÅM, Lassen TH, Bang AK, Joensen UN, Blomberg Jensen M, Skakkebæk NE, Jørgensen N — Fertility and sterility
Querschnittsstudie an 1.215 dänischen Männern aus der Allgemeinbevölkerung (Medianalter 19 Jahre), rekrutiert 2008-2012 an einem universitären Forschungszentrum. Methodik: Fragebogen zu Gesundheit, Lebensstil und selbstberichtetem Stress (Vier-Item-Skala), körperliche Untersuchung, Samenprobe und Blutentnahme zur Hormonbestimmung (LH, FSH, Testosteron, freies Testosteron, SHBG, Inhibin B). Ergebnisse: Männer mit Stresswerten oberhalb eines mittleren Niveaus zeigten dosisabhängig eine schlechtere Samenqualität. Bei höchstem Stresslevel fanden sich eine um 38% niedrigere Spermienkonzentration, eine um 34% niedrigere Gesamtspermienzahl und ein um 15% geringeres Samenvolumen im Vergleich zu Männern mit mittlerem Stressniveau. Reproduktionshormone waren nicht signifikant mit Stress assoziiert. Einordnung: Die Ergebnisse deuten auf einen negativen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität hin; bei Kausalität könnte chronischer Stress ein relevanter, modifizierbarer Faktor für suboptimale Fertilität bei ansonsten gesunden Männern sein.
Konsistente altersabhängige Rückgänge der menschlichen Spermienqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse
Johnson SL et al. — Ageing Research Reviews
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 90 Studien mit insgesamt 93.839 Probanden zur Frage, wie sich das männliche Alter auf sieben Ejakulatmerkmale auswirkt (Volumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Morphologie, Gesamtmotilität, progressive Motilität, DNA-Fragmentierung). Signifikante altersabhängige Rückgänge zeigten sich bei Ejakulatvolumen, Gesamtmotilität, progressiver Motilität, normaler Morphologie und dem Anteil unfragmentierter Zellen; diese Effekte erwiesen sich weitgehend robust gegenüber Störfaktoren. Überraschend zeigte die Spermienkonzentration selbst keinen signifikanten altersabhängigen Rückgang innerhalb von Individuen, obwohl sie im historischen Studienvergleich über die Zeit insgesamt abnahm (Kohorteneffekt). Die Autoren folgern, dass väterliches Alter als eigenständiger Risikofaktor für schlechtere Schwangerschaftsausgänge und Nachkommengesundheit bei verzögerter Elternschaft stärker anerkannt werden sollte, und empfehlen, in der klinischen Kinderwunschbehandlung älterer Paare verstärkt DNA-Fragmentierung und progressive Motilität zu erfassen, da diese Parameter am aussagekräftigsten auf das männliche Alter reagieren.
Berufsbezogener und allgemeiner Lebensstress sowie familiäres Funktionieren: Beeinflussen sie die Spermaqualität?
Jurewicz J, Radwan M, Merecz-Kot D, Sobala W, Ligocka D, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — Annals of human biology
Querschnittsstudie an 327 Männern, die eine Kinderwunschklinik zur Diagnostik aufsuchten. Psychischer Stress wurde mittels des Subjective Work Characteristics Questionnaire und der Perceived Stress Scale erfasst, die familiäre Zufriedenheit und Unterstützung mittels der APGAR-Familienskala; die Spermaqualität wurde standardisiert untersucht, inklusive DNA-Schäden und Bewegungsparametern (VAP, VSL, VCL). Beruflicher Stress war signifikant positiv mit dem Anteil DNA-geschädigter Spermien (p=0,03) und atypischer Spermienformen (p=0,05) assoziiert, während allgemeiner Lebensstress keine Korrelation mit Samenparametern zeigte. Eine geringere Zufriedenheit mit dem familiären Funktionieren war mit einem niedrigeren Anteil beweglicher Spermien (p=0,02) sowie niedrigeren Geschwindigkeitsparametern VAP (p=0,05), VSL (p=0,05) und VCL (p=0,04) assoziiert. Die Autoren schließen, dass beruflicher Stress die männliche Spermaqualität negativ beeinflussen kann, weisen jedoch auf die begrenzte Datenlage hin und fordern longitudinale Studien zur Bestätigung dieser Querschnittsbefunde.
Querschnittsstudie mit 179 Männern, die sich zur Diagnostik in einer Kinderwunschklinik vorstellten (Samenkonzentration normal: 15–300 Mio/mL, oder leichte Oligozoospermie: 10–15 Mio/mL). Die Samenanalyse erfolgte einheitlich nach WHO-Handbuch (Volumen, Motilität, Anteil atypischer und progressiver Spermien); beruflicher Stress wurde mit dem Subjective Work Characteristics Questionnaire erfasst, unter Berücksichtigung von Störfaktoren wie Dauer der Kinderlosigkeit, sexueller Abstinenz und Vorerkrankungen. Es zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen der Anzahl bzw. Summe belastender psychosozialer Arbeitsfaktoren und dem Samenvolumen sowie dem Anteil progressiv beweglicher Spermien. Die Autoren bestätigen damit einen negativen Effekt von beruflichem Stress auf die männliche Samenqualität, weisen aber wegen der begrenzten Datenlage und des Querschnittsdesigns auf die Notwendigkeit größerer Longitudinalstudien zur Bestätigung hin.
Prospektive Kohortenstudie an 430 dänischen Paaren, die erstmals schwanger werden wollten. In jedem Menstruationszyklus füllten beide Partner den General Health Questionnaire (GHQ-12) zur Erfassung psychischen Stresses aus, zusätzlich wurden Blutproben entnommen und die Männer gaben bei Einschluss sowie monatlich Samenproben ab. Die Samenqualität war weder in Innerhalb- noch in Zwischen-Personen-Analysen mit dem GHQ-Score assoziiert, ebenso fanden sich keine konsistenten Zusammenhänge mit LH, FSH, Inhibin B, Testosteron oder Östradiol. Die Schwangerschaftsrate war in Zyklen mit hohem Stress-Score niedriger (14% vs. 18% in Zyklen mit niedrigem Stress), wobei sich der Effekt auf die 77 Männer mit einer Spermiendichte unter 20 Mio./ml beschränkte (adjustierte Odds Ratio 0,06). Hoher Stress ging mit selteneren Geschlechtsverkehr einher, was den Effekt jedoch nicht erklärte. Einordnung: Psychischer Stress beeinflusst die Spermienqualität selbst kaum, kann aber bei bereits eingeschränkter Spermiendichte die Fruchtbarkeit des Paares zusätzlich verringern.
Saisonale Schwankungen und altersbedingte Veränderungen menschlicher Samenparameter
Chen Z, Toth T, Godfrey-Bailey L, Mercedat N, Schiff I, Hauser R — Journal of Andrology
Retrospektive Auswertung von 551 Samenanalysen aus einer andrologischen Klinikpopulation (Massachusetts General Hospital, 1989-2000) zur Untersuchung altersbedingter und saisonaler Veränderungen der Samenqualität. Mit zunehmendem Alter nahmen Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität, Gesamtzahl motiler Spermien und Morphologie signifikant ab, während der Anteil von Spermien mit Flagellumdefekten zunahm. Saisonale Unterschiede zeigten sich in geringerem Umfang: Die Spermienkonzentration war im Winter signifikant höher (Mittel 157,9 Mio./ml) als im Herbst (119,1 Mio./ml, p<0,05), der Anteil normal geformter Spermien war im Winter (9,2%) höher als im Sommer und Frühjahr (7,0% bzw. 7,5%, p<0,05), und Kopfdefekte traten im Herbst und Sommer (74,0% bzw. 72,3%) häufiger auf als im Winter (68,6%, p<0,05). Da praktisch alle untersuchten Samenparameter mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich abnahmen, während saisonale Effekte auf Konzentration und Morphologie beschränkt blieben, unterstreicht die Studie vor allem das Alter als robusten, klinisch relevanten Einflussfaktor auf die männliche Samenqualität.
Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität bei Männern in IVF-Behandlung
Clarke RN, Klock SC, Geoghegan A, Travassos DE — Human Reproduction
Prospektive Studie zum Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität bei 40 Männern, die sich erstmals einer IVF-Behandlung unterzogen; 31 Patienten schlossen die Studie ab. Erhoben wurden psychologische Variablen (u.a. selbstberichteter Stress) und Spermienparameter zu zwei Zeitpunkten: vor Beginn der IVF (T1) und zum Zeitpunkt der Eizellentnahme (T2). Bei einem hohen Anteil der Teilnehmer nahmen Gesamt- und motile Spermienkonzentration, die Gesamtzahl motiler Spermien sowie die laterale Kopfauslenkung von T1 zu T2 signifikant ab. Gleichzeitig stieg die subjektiv empfundene Wichtigkeit, eine Samenprobe erfolgreich abzugeben, signifikant an (p=0,001), und dieser Anstieg korrelierte signifikant (p<0,05) mit der Verschlechterung der Samenqualität am Tag der Eizellentnahme. Bei den 7 Männern mit männlichem Infertilitätsfaktor zeigte sich weder eine Verschlechterung der Samenqualität noch ein Anstieg des wahrgenommenen Stresses. Die Studie liefert damit einen Beleg für einen inversen Zusammenhang zwischen situativem IVF-Stress und Samenqualität am Tag der Probenabgabe.
Auswirkungen von psychischem Stress auf die menschliche Samenqualität
Fenster L, Katz DF, Wyrobek AJ, Pieper C, Rempel DM, Oman D, Swan SH — Journal of Andrology
Prospektive Studie an 157 Freiwilligen aus einem Krankenversicherungskollektiv zur Beziehung zwischen psychischem Stress und Samenqualität. Beruflicher Stress und Stress durch Lebensereignisse wurden per Telefoninterview erfasst, Spermienkinematik und Kernmorphometrie computergestützt per Bildanalyse gemessen, Konzentration, Motilität und Volumen mittels Standardmethoden. In multiplen linearen Regressionsmodellen unter Kontrolle möglicher Störfaktoren zeigten weder beruflicher Stress noch die Gesamtzahl belastender Lebensereignisse einen Zusammenhang mit der Samenqualität. Der kürzliche Tod eines nahen Familienangehörigen war jedoch mit einer Reduktion der Geradlinigkeitsgeschwindigkeit der Spermien (p=0,002) und des Anteils progressiv motiler Spermien (p=0,02) assoziiert sowie tendenziell mit einem höheren Anteil größerer, spitzer geformter Spermienkerne. Die Autoren schließen daraus, dass ein akutes, schwerwiegendes Stressereignis wie ein Trauerfall die männliche Fruchtbarkeit vorübergehend beeinträchtigen kann, während alltäglicher Arbeits- oder allgemeiner Lebensstress keinen nachweisbaren Effekt zu haben scheint.