Studien zu Endokrine Disruptoren und Spermienqualität
35 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Endokrine Disruptoren, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Pränatale Exposition gegenüber einer Mischung endokriner Disruptoren und Biomarker männlicher Fruchtbarkeit: eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie
Hull SD et al. — Andrology
In dieser bevölkerungsbasierten Kohortenstudie (Fetal Programming of Semen Quality-Kohorte, eine Sub-Kohorte der dänischen Geburtskohorte) wurde bei 841 jungen erwachsenen Männern untersucht, ob die pränatale Exposition ihrer Mütter gegenüber einer Mischung endokriner Disruptoren (PFAS, Phthalatmetabolite, Triclosan, gemessen im mütterlichen Blut) mit Biomarkern männlicher Fruchtbarkeit im jungen Erwachsenenalter zusammenhängt. Mittels Quantil-g-Computation wurde der Effekt eines Anstiegs um ein Quartil in der Gesamtmischung sowie separat für eine PFAS-Mischung und eine Mischung nicht-persistenter Chemikalien geschätzt. Eine Erhöhung der Gesamtchemikalienmischung um ein Quartil war assoziiert mit 4,0 Mio./ml niedrigerer Spermienkonzentration, 16,1 Mio. niedrigerer Gesamtspermienzahl, 0,5 ml kleinerem Hodenvolumen, 5 % höherem Anteil unbeweglicher Spermien und 7 % höherem FSH – allerdings mit breiten Konfidenzintervallen, die auch keinen Effekt einschließen. Ähnliche, wenn auch schwächere, Assoziationen zeigten sich für die PFAS-Mischung, während die nicht-persistente Chemikalienmischung keine Effekte zeigte. Die Ergebnisse sind mit einem PFAS-getriebenen Effekt vereinbar, aber statistisch nicht eindeutig gesichert.
Pränatale berufliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren während der Schwangerschaft und reproduktive Hormone bei erwachsenen Männern
Blanc-Petitjean P et al. — Reproductive biomedicine online
Querschnittsstudie mit 2326 Schweizer Rekruten (Datenerhebung 2005–2017), in der mittels eines Job-Expositions-Musters die berufliche Exposition der Mütter gegenüber endokrinen Disruptoren (EDC) während der Schwangerschaft erfasst und mit Reproduktionshormonen (FSH, LH, Gesamt- und freies Testosteron, Östradiol, SHBG) der erwachsenen Söhne in Verbindung gebracht wurde. Serumproben lagen von allen Rekruten mit pränatal EDC-exponierten Müttern (n=138) sowie einer Zufallsstichprobe nicht exponierter Rekruten (n=276) vor; die Auswertung erfolgte mittels multipler linearer Regression unter Adjustierung für Störvariablen. Pränatale Exposition gegenüber Phthalaten bzw. Alkylphenolverbindungen war signifikant mit höheren FSH-Werten assoziiert (adjustiertes β=0,26 bzw. 0,22), pränatale Pestizidexposition mit höheren SHBG-Werten (adjustiertes β=0,22). Für andere EDC-Kategorien fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf mögliche langfristige, transgenerationale hormonelle Effekte pränataler EDC-Exposition und fordern eine Replikation in größeren prospektiven Studien.
Phthalate als stille Saboteure der männlichen Fertilität durch Veränderungen der Spermienqualität: eine systematische Übersichtsarbeit
Dhar S, Tomar A, N A, et al. — Reproductive Biology and Endocrinology
Systematische Übersichtsarbeit nach SWiM-Methodik (Synthesis without Meta-Analysis) zu 38 Studien (2014 bis Oktober 2024) über den Zusammenhang zwischen Phthalat-Exposition und Samenqualität; eine Meta-Analyse wurde aufgrund heterogener Studiendesigns nicht durchgeführt, das Verzerrungsrisiko wurde mit ROBINS-E bewertet. Insbesondere die Weichmacher MEHP, DEHP und DBP waren in mehreren Studien mit reduzierter Spermienkonzentration, geringerer Motilität und schlechterer Gesamtsamenqualität assoziiert, vermutlich vermittelt über endokrine Disruption und oxidativen Stress mit Beeinträchtigung der Hodenfunktion. Die Ergebnisse variierten jedoch deutlich zwischen Populationen und Expositionshöhen. Die Autoren stufen die Evidenzqualität insgesamt als niedrig bis moderat ein, da überwiegend Beobachtungsstudien vorliegen, sprechen sich aber angesichts der potenziellen Risiken für einen vorsorgeorientierten Ansatz mit strengerer Regulierung von Phthalaten in Alltagsprodukten aus.
Ulaganathan G, Murphy SK — Current Environmental Health Reports
Narrative Übersichtsarbeit zur Wirkung endokriner Disruptoren (u. a. polychlorierte Biphenyle, polybromierte Diphenylether, PFAS, Bisphenole, Phthalate, Parabene) auf die männliche Fertilität, mit Fokus auf präkonzeptionelle väterliche Exposition und deren Effekte auf Befruchtung sowie Gesundheit der Nachkommen. Die Autoren beschreiben, wie diese Chemikalien über Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und direkte Effekte auf das Reproduktionssystem Samenqualität (Konzentration, Morphologie, Motilität), Spermatogenese, mitochondriale Funktion, oxidativen Stress, Zellstoffwechsel, Keimzellapoptose und das Spermien-Epigenom (DNA-Methylierung, Histonmodifikationen, nichtkodierende RNAs) beeinträchtigen können. Tiermodelle zeigen Fertilitätsstörungen bis in die F1- und F2-Generation, während Studien zu beruflicher Exposition beim Menschen erhöhte Risiken für niedriges Geburtsgewicht und angeborene Herzfehler bei Kindern exponierter Väter beschreiben. Die Hypothese transgenerationaler Effekte väterlicher Expositionen gewinnt zunehmend an Bedeutung, wenngleich weitere Forschung zu den zugrunde liegenden Mechanismen und zu Minderungsstrategien angesichts der Allgegenwart dieser Chemikalien in Nahrung und Umwelt notwendig ist.
Zusammenhänge zwischen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen und Samenparametern: eine aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Di Nisio A, López-Gil JF, Pizzol D, et al. — Journal of Hazardous Materials
PRISMA-konforme systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (vier Datenbanken, Suche bis 13. Juli 2025, PROSPERO-registriert) von 14 Studien mit 7.465 Teilnehmern zum Zusammenhang zwischen Exposition gegenüber per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“) und Samenparametern wie Konzentration, Volumen, Gesamtspermienzahl, Motilität, Morphologie, pH-Wert und DNA-Fragmentation; primäres Effektmaß war der Pearson-Korrelationskoeffizient (r). PFAS-Gemische zeigten nur begrenzte Zusammenhänge mit konventionellen Samenparametern, aber konsistente inverse Korrelationen mit der progressiven Motilität (r=-0,058; 95%-KI -0,100 bis -0,015) sowie eine positive Korrelation mit erhöhter DNA-Fragmentation (r=0,141; 95%-KI 0,087-0,195). Einzelne PFAS-Verbindungen (Kongenere) zeigten unterschiedliche Assoziationsprofile, was auf substanzspezifische Effekte hindeutet. Die Autoren sehen insbesondere den konsistenten Zusammenhang mit erhöhter DNA-Fragmentation als Hinweis auf eine mögliche Rolle von PFAS bei ungeklärter männlicher Infertilität und fordern weitere Forschung zu den zugrunde liegenden Mechanismen.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen im Sperma im Zusammenhang mit wiederholt gemessener Spermaqualität bei gesunden erwachsenen Männern
Sun F et al. — Environmental science & technology
Diese Kohortenstudie an gesunden erwachsenen Männern untersuchte den Zusammenhang zwischen Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Plasma und Sperma und wiederholt gemessener Spermaqualität. Plasma wurde bei Studieneinschluss entnommen, Samenproben wurden über etwa drei Monate zu bis zu fünf Zeitpunkten gesammelt; PFAS wurden in 1.252 Plasmaproben und 1.019 gepoolten bzw. einzelnen Samenproben analysiert. Bestimmte PFAS im Seminalplasma (u. a. Perfluoroktansäure, Perfluoroktansulfonsäure, Perfluorhexansulfonsäure und 6:2-Chlor-Polyfluorether-Sulfonat) waren signifikant mit verringerter progressiver und Gesamtmotilität der Spermien assoziiert, während mehrere seminale PFAS positiv mit Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl korrelierten. Für PFAS im Blutplasma zeigte sich dagegen kein Zusammenhang mit der Spermaqualität. Die Studie liefert epidemiologische Evidenz dafür, dass PFAS-Belastung die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, und legt nahe, dass die direkte Messung von PFAS im Seminalplasma für eine präzisere Risikoeinschätzung sinnvoller ist als die Messung im Blut.
Zusammenhänge zwischen Mischungen urinärer Phthalatmetabolite, Spermaqualität und Serum-Reproduktionshormonen bei japanischen Männern in Kinderwunschbehandlung
Mizuno Y et al. — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.)
Diese Querschnittsstudie analysierte bei 197 japanischen Männern, die sich 2020/2021 wegen Kinderwunsch in Behandlung befanden, den Zusammenhang zwischen urinären Phthalatmetabolit-Mischungen, Spermaqualität und Serum-Reproduktionshormonen. Samenproben (Volumen, Zahl, Konzentration, Motilität) und Spontanurin (Phthalatmetabolite mittels LC-MS/MS) wurden erhoben, Hormonwerte (Testosteron, Östradiol, LH, FSH, Prolaktin) aus Klinikdaten entnommen; die statistische Auswertung erfolgte mit drei unabhängigen Mixture-Modellen (WQS-Regression, Quantil-g-Computation, Bayesian Kernel Machine Regression). Höhere urinäre Phthalatmetabolit-Konzentrationen waren konsistent über alle drei Methoden hinweg positiv mit der Spermienmotilität assoziiert (Monoethylphthalat als wichtigster Einzelbeitrag), zeigten aber keinen Zusammenhang mit Samenvolumen, Spermienzahl oder -konzentration. Zudem waren höhere Phthalat-Expositionen mit niedrigerem Serum-Testosteron und höherem Prolaktin assoziiert, nicht jedoch mit Östradiol, FSH oder LH. Die Autoren schließen, dass bereits eine relativ geringe Phthalat-Exposition die männliche Reproduktionsgesundheit über hormonelle Veränderungen beeinflussen könnte.
Mütterliche Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und Biomarker der männlichen Fruchtbarkeit bei erwachsenen Söhnen
Laursen TQ, Ramlau-Hansen CH, Tøttenborg SS, Liew Z, Toft G, Gaml-Sørensen A, Hougaard KS, Bonde JPE, Ernst A — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.)
Longitudinale Kohortenstudie im Rahmen der Danish National Birth Cohort mit 1.058 jungen Männern (Jahrgänge 1998–2000), die im Alter von 18–21 Jahren nachuntersucht wurden. Die mütterliche Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft, der endokrin wirksame Eigenschaften zugeschrieben werden, wurde retrospektiv erfasst und nach Trimester sowie Einnahmedauer (kurz: 1–2 Wochen, mittel: 3–9 Wochen, lang: >9 Wochen) kategorisiert; Endpunkte waren Spermaparameter, selbst gemessenes Hodenvolumen und Reproduktionshormone, ausgewertet mittels negativer Binomialregression. 48 % der Söhne waren pränatal exponiert. Insgesamt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen mütterlicher Paracetamol-Einnahme und den untersuchten Fruchtbarkeitsmarkern. Bei langer Einnahmedauer fanden sich jedoch statistisch nicht signifikante Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration (-14 %), einem höheren Anteil unbeweglicher/nicht progressiver Spermien (+8 %) und höherem DNA-Fragmentationsindex (+16 %). Ein Zusammenhang zwischen langer pränataler Exposition und beeinträchtigter Spermaqualität kann somit nicht ausgeschlossen werden.
Systematisches Review und Metaanalyse zum Einfluss einer Triclosan-Exposition auf die menschliche Spermienqualität
Adegbola CA, Akhigbe TM, Adeogun AE, Tvrdá E, Pizent A, Akhigbe RE — Frontiers in toxicology
Systematisches Review und Metaanalyse (PROSPERO-Registrierung CRD42024524192, PRISMA-konform) zum Zusammenhang zwischen einer Belastung mit Triclosan – einem in Körperpflege- und Konsumprodukten weit verbreiteten antibakteriellen und antimykotischen Wirkstoff mit endokrin wirksamem Potenzial – und der menschlichen Spermienqualität. Von 562 gescreenten Studien wurden fünf Fall-Kontroll- bzw. Querschnittsstudien mit insgesamt 1.312 männlichen Probanden aus China, Belgien und Polen eingeschlossen. Die Metaanalyse zeigte eine signifikante Reduktion der Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] -0,42; 95 %-KI -0,75 bis -0,10; p=0,01) und der Gesamtmotilität (SMD -1,30; 95 %-KI -2,26 bis -0,34; p=0,008) bei Triclosan-Exposition. Ergänzende Tier- und In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass oxidativer Stress den schädigenden Effekt von Triclosan auf die Spermaqualität vermittelt. Es handelt sich um die erste umfassende Bewertung dieses Zusammenhangs beim Menschen; die Autoren betonen jedoch die hohe Heterogenität zwischen den Studien und fordern weitere qualitativ hochwertige Forschung.
Zusammenhang zwischen PFAS-Exposition und Spermaqualität
Wang H, et al. — Environmental science and pollution research international
Metaanalyse (Datenbanken Embase, PubMed, Cochrane Library, Ovid, Web of Science, Suche bis März 2022) zum Zusammenhang zwischen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) und Spermaparametern in der Allgemeinbevölkerung. Eingeschlossen wurden 7 Studien mit insgesamt 2.190 Teilnehmern; extrahiert wurden Beta-Koeffizienten mit 95%-Konfidenzintervallen, ergänzt durch Subgruppenanalysen nach Stichprobengröße, geografischer Region und Probentyp. Ergebnisse: Perfluoroctansäure (PFOA, β=-1,38) und Perfluornonansäure (PFNA, β=-1,31) waren signifikant negativ mit der progressiven Spermienmotilität assoziiert. In der Subgruppe mit mehr als 200 Teilnehmern zeigte PFNA zudem einen negativen Zusammenhang mit der Spermienmorphologie (β=-0,14). Einordnung: Die Metaanalyse liefert weitere Evidenz, dass bestimmte PFAS - insbesondere PFNA und PFOA - mit reduzierter Spermaqualität, vor allem geringerer progressiver Motilität, assoziiert sind, und plädiert für eine Reduktion der PFAS-Nutzung zur Prävention männlicher Unfruchtbarkeit.
Verursachen Phthalate und ihre Metaboliten eine schlechte Spermaqualität? Systematische Übersicht und Metaanalyse epidemiologischer Studien
Wang H, et al. — Environmental science and pollution research international
Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, Web of Science, Suche bis 30.06.2022; Auswertung mit Stata 11 und RevMan 5.3). Eingeschlossen wurden 12 epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Urin-Phthalatmetaboliten und Spermaqualität. Ergebnisse: Monobutylphthalat (gepooltes Odds Ratio 2,19) und Monobenzylphthalat im Urin waren signifikant negativ mit der Spermienkonzentration korreliert; ebenso zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Seminalplasma-DEHP und Spermienkonzentration. Für Monoethylphthalat, Monomethylphthalat und Mono-2-ethylhexylphthalat fand sich dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit Konzentration, Motilität oder Morphologie. Einordnung: Die Autoren sehen moderate Evidenz für einen negativen Zusammenhang bestimmter Phthalat-Metaboliten (v. a. MBP, MBzP, DEHP) mit der Spermienkonzentration, fordern jedoch weitere longitudinale Kohortenstudien zur Absicherung, da die aktuelle Datenlage überwiegend auf Querschnittsstudien beruht.
Zusammenhang zwischen Triclosan im Seminalplasma und verminderter Spermaqualität: Eine Fall-Kontroll-Studie
Guo Y, et al. — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology
Fall-Kontroll-Studie aus einer Kinderwunschklinik in Shijiazhuang, China (2018-2019). Stichprobe: 100 Männer mit verminderter Spermaqualität (Fälle) und 100 Männer mit normaler Spermaqualität (Kontrollen). Methodik: Bestimmung der Triclosan-Konzentration im Seminalplasma mittels UPLC-MS/MS; Spermaparameter nach WHO-Kriterien bewertet; logistische Regression adjustiert für Alter, BMI, Karenzzeit, Rauchen und Alkoholkonsum. Ergebnisse: Die Triclosan-Konzentration war in der Fallgruppe geringfügig, aber nicht signifikant höher als bei den Kontrollen. Männer im obersten Quartil der Seminalplasma-Triclosan-Konzentration hatten jedoch ein signifikant erhöhtes Risiko für verminderte Spermaqualität (adjustiertes Odds Ratio 2,36; 95%-KI 1,03-5,39) verglichen mit dem untersten Quartil. Einordnung: Triclosan, ein in Körperpflegeprodukten weit verbreiteter endokriner Disruptor, zeigt in dieser Studie eine dosisabhängige Assoziation mit schlechterer Spermaqualität, was auf mögliche reproduktionstoxische Effekte alltäglicher Konsumgüter hinweist.
Exposition gegenüber Parabenen und Samenqualität bei Männern im reproduktiven Alter
Shen X, et al. — Ecotoxicology and Environmental Safety
Querschnittsstudie an 795 männlichen Partnern von Paaren mit Kinderwunsch; Urinproben wurden auf sechs Parabene analysiert (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Benzyl- und Heptylparaben), gängige Konservierungsstoffe in Kosmetika, Körperpflege- und Medizinprodukten. Mittels multipler linearer Regression und Weighted-Quantile-Sum(WQS)-Regression wurde der Zusammenhang zwischen einzelnen Parabenen bzw. der Paraben-Mischexposition und Samenparametern untersucht. Nach Adjustierung für Störfaktoren war die Paraben-Mischexposition signifikant mit sinkender Spermienkonzentration, geringerer Gesamtspermienzahl und reduzierter progressiver Motilität assoziiert; Butylparaben trug hauptsächlich zur Assoziation mit Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl bei, Methylparaben zur progressiven Motilität. Die WQS-Ergebnisse stimmten weitgehend mit den Regressionsmodellen überein. Einordnung: Die Studie liefert humane Evidenz für negative Effekte einer Paraben-Mischexposition auf mehrere Samenparameter und ergänzt damit bisherige tierexperimentelle Befunde zur reproduktiven Toxizität dieser weitverbreiteten Chemikaliengruppe.
Endokrine Disruptoren und männliche reproduktive Gesundheit
Mínguez-Alarcón L, et al. — Fertility and Sterility
Narrativer Übersichtsartikel (keine eigene Metaanalyse, keine Stichprobengröße), der die potenziellen Effekte wichtiger endokriner Disruptoren auf die männliche reproduktive Gesundheit zusammenfasst, gestützt auf experimentelle, tierexperimentelle und humanepidemiologische Daten. Die meisten experimentellen und tierexperimentellen Befunde zeigen starke Evidenz für negative Effekte von Phenolen, Phthalaten, Pestiziden sowie per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) auf die männliche reproduktive Gesundheit. Beim Menschen war die Evidenz für negative Zusammenhänge insbesondere für Phthalate und Pestizide insgesamt robust, während sie für andere untersuchte Chemikalien-Biomarker begrenzt und uneinheitlich blieb. Als Gründe für diese Diskrepanzen nennen die Autoren unter anderem unterschiedliche Studienpopulationen, Expositionshöhen, Probenzahlen, Stichprobengrößen, Studiendesigns und Restconfounding. Einordnung: Die Autoren betonen den weiteren Forschungsbedarf, insbesondere zu neueren Phenolen und PFAS, angesichts spärlicher Literatur und zunehmender Expositionen über die Zeit.
Bisphenol A und rückläufige Samenqualität: Ein systematisches Review zur Ableitung eines Referenzwerts für Mischungsrisikobewertungen
Kortenkamp A, et al. — International journal of hygiene and environmental health
Systematisches Review, das im Rahmen einer Mischungsrisikobewertung mit Fokus auf männliche Reproduktionsgesundheit einen Referenzwert für Bisphenol A (BPA) ableiten sollte, basierend auf Tier- und epidemiologischen Studien zum Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und rückläufiger Samenqualität. Entgegen der verbreiteten Annahme „widersprüchlicher" Evidenz kommen die Autoren nach einem eigenen Konfidenzbewertungsansatz zu dem Schluss, dass Tierstudien überzeugende Belege für eine Verschlechterung der Samenqualität nach pränataler (gestationeller) BPA-Exposition liefern; viele negative Befunde in anderen Studien werden auf unzureichende Sensitivität, unkontrollierte Hintergrundkontamination oder Störfaktoren durch sojahaltige Diäten zurückgeführt. Adulte BPA-Expositionsstudien wurden nicht bewertet. Aus den vertrauenswürdigsten Tierstudien wurde eine Bandbreite möglicher Referenzdosen von 0,0001 bis 0,0099 µg/kg/Tag ermittelt, wovon die Autoren 0,003 µg/kg/Tag als Kompromisswert wählten. Die aktuelle BPA-Exposition europäischer Bevölkerungen übersteigt diesen Wert und liegt teils im Bereich, in dem epidemiologische Studien bereits Effekte auf die Samenqualität beobachtet haben – ein Hinweis auf reale Relevanz dieses endokrinen Disruptors.
Von oxidativem Stress zu männlicher Unfruchtbarkeit: Übersicht zu endokrinen Disruptoren (Bisphenole, Phthalate, Parabene) und menschlicher Spermaqualität
Virant-Klun I, et al. — Antioxidants (Basel, Switzerland)
Narrative Literaturübersicht (elektronische PubMed-Recherche, 25 eingeschlossene Artikel) zu endokrin wirksamen Chemikalien (EDCs) - Bisphenolen, Phthalaten und Parabenen - und deren Zusammenhang mit oxidativem Stress und männlicher Spermaqualität. Ergebnisse: Höhere Bisphenol-Konzentrationen im Urin korrelierten mit verschlechterter Spermaqualität und vermehrten DNA-Schäden. Für Phthalate und ihre Metaboliten fand sich in allen berücksichtigten Studien eine positive Assoziation zwischen Urinkonzentration und mindestens einem verminderten Spermaparameter, teils auch DNA-Schäden. Für Parabene war der Zusammenhang mit Spermienzahl, Motilität und DNA-Schäden seltener nachweisbar. Als Mechanismen werden vermehrte ROS-Bildung, Lipidperoxidation, gesteigerte Apoptose, epigenetische Veränderungen sowie eine veränderte Y:X-Spermien-Chromosomenratio diskutiert. Einordnung: Die Übersicht bestätigt vor allem für Bisphenol A und Phthalate schädliche Effekte auf Spermaqualität und DNA-Integrität, während die Evidenz für Parabene schwächer ausfällt.
Mütterliche PFAS-Exposition und männliche Reproduktionsfunktion im jungen Erwachsenenalter: Kombinierte Exposition gegenüber sieben PFAS
Hærvig KK, et al. — Environmental health perspectives
Prospektive Kohortenstudie (Fetal Programming of Semen Quality, FEPOS-Kohorte, Dänemark, 2017-2019). Stichprobe: 864 junge Männer (18,9-21,2 Jahre), deren mütterliche Blutplasmaproben aus dem ersten Trimenon auf 15 per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden; 7 PFAS lagen bei über 80% der Proben über der Nachweisgrenze. Methodik: Weighted-Quantile-Sum-Regression für die kombinierte PFAS-Exposition, negative Binomialregression für Einzelsubstanzen, adjustiert für prä- und postnatale Risikofaktoren. Ergebnisse: Pro Einheit Anstieg des Belastungsindex war die kombinierte mütterliche PFAS-Exposition mit niedrigerer Spermienkonzentration (-8%), niedrigerer Gesamtspermienzahl (-10%) und höherem Anteil unbeweglicher/nicht-progressiver Spermien (+5%) beim erwachsenen Sohn assoziiert; Perfluorheptansäure trug trotz niedriger Konzentration am stärksten bei. Kein Zusammenhang mit Hodenvolumen oder Reproduktionshormonen. Einordnung: Hinweis auf eine fetale Programmierung der späteren Spermaqualität durch pränatale PFAS-Exposition; Replikation in weiteren Populationen wird gefordert.
Mütterliche berufliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren während der Schwangerschaft und Samenparameter im Erwachsenenalter: Ergebnisse einer landesweiten Querschnittsstudie an Schweizer Rekruten
Istvan M, Rahban R, Dananche B, Senn A, Stettler E, Multigner L, Nef S, Garlantézec R — Human Reproduction
Landesweite Querschnittsstudie an 1737 Schweizer Rekruten im Alter von 18 bis 22 Jahren (2005-2017), bei denen neben einer Samenprobe auch Fragebögen von Rekruten und Eltern erhoben wurden; bei 1045 Müttern war während der Schwangerschaft eine Berufstätigkeit dokumentiert. Die mütterliche berufliche Exposition gegenüber potenziellen endokrinen Disruptoren (EDC) während der Schwangerschaft wurde über eine Job-Expositions-Matrix (JEM) kategorisiert und mittels logistischer Regression, adjustiert für Confounder, mit den Samenparametern der erwachsenen Söhne in Beziehung gesetzt. Mütterliche Exposition gegenüber Pestiziden (OR 2,07 für niedriges Volumen, OR 2,14 für niedrige Gesamtspermienzahl), Phthalaten (OR 1,92 bzw. 1,89) und Schwermetallen (OR 2,02 bzw. 2,29) war mit reduziertem Samenvolumen und Gesamtspermienzahl der Söhne assoziiert; Schwermetallexposition ging zusätzlich mit niedrigerer Spermienkonzentration einher (OR 1,89). Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf mögliche transgenerationale Effekte pränataler EDC-Exposition, betonen jedoch die Limitationen durch indirekte Expositionsschätzung und Querschnittsdesign.
Zusammenhänge zwischen urinären Phthalatmetaboliten, Reproduktionshormonen und Spermienparametern bei Männern in einer IVF-Klinik
Al-Saleh I et al. — The Science of the total environment
Querschnittsstudie mit 599 Männern einer IVF-Klinik. Methodik: Messung von acht Phthalatmetaboliten (u.a. MEHP, MEHHP, MEOHP, MECPP als DEHP-Metaboliten, MiBP, MEP) in zwei Urinproben je Teilnehmer sowie Bestimmung von Spermienparametern und Reproduktionshormonen (FSH, LH, TSH, Östradiol, Testosteron, Prolaktin); multivariate lineare Regressionsmodelle und Mediationsanalyse (Sobel-Test). Ergebnisse: Testosteron war invers mit MiBP assoziiert (β=−0,099), FSH invers mit MEHHP (β=−0,087); die Spermienkonzentration korrelierte positiv mit mehreren DEHP-Metaboliten (z.B. MECPP β=0,131), aber negativ mit dem MEHP-Anteil (β=−0,135, alle p<0,05). FSH vermittelte bis zu 60% des Zusammenhangs zwischen Spermienkonzentration und MEHHP. Einordnung: Die Ergebnisse sind uneinheitlich — teils positive, teils negative Assoziationen zwischen Phthalatmetaboliten und Spermienparametern — und deuten auf eine mögliche hormonvermittelte (endokrine) Wirkung von Phthalaten auf die Spermienproduktion hin, ohne einen klaren linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zu belegen.
Urinäre Triclosan-Konzentrationen und Spermienqualität bei Männern einer Kinderwunschklinik
Nassan FL et al. — Environmental research
Prospektive Kohortenstudie (EARTH-Studie) mit 262 Männern, die 581 gepaarte Urin- und Spermaproben (2009–2017) beisteuerten. Methodik: Bestimmung urinärer Triclosan-Konzentrationen (spezifisch-gravitäts-adjustiert) und Spermiogramm nach WHO-Kriterien; lineare gemischte Regressionsmodelle mit Zufallseffekt pro Person, adjustiert für Alter, BMI, Rauchen, körperliche Aktivität, sexuelle Karenzzeit sowie Jahreszeit/Jahr. Ergebnisse: 74% der Proben hatten nachweisbares Triclosan (>2,3 µg/l). Es zeigte sich kein signifikanter linearer Dosis-Wirkungs-Trend, jedoch hatten Männer im 2., 3. und 4. Quartil im Vergleich zur niedrigsten, nicht nachweisbaren Kategorie einen um 1,32%, 0,91% bzw. 0,46% geringeren Anteil morphologisch normaler Spermien; nachweisbares vs. nicht nachweisbares Triclosan war insgesamt mit −0,96% (95%-KI −1,57 bis −0,35) assoziiert. Der Effekt war in früheren Probenjahren (vor 2013) stärker ausgeprägt. Einordnung: Die Daten liefern moderate Hinweise auf einen negativen Zusammenhang zwischen Triclosan-Exposition und Spermienmorphologie, jedoch ohne klaren Dosis-Wirkungs-Verlauf.
Präkonzeptionelle Konzentrationen endokriner Disruptoren im Seminalplasma im Zusammenhang mit Spermaqualitätsparametern bei Männern mit Kinderwunsch
Smarr MM, Kannan K, Sun L, Honda M, Wang W, Karthikraj R, Chen Z, Weck J, Buck Louis GM — Environmental research
Prospektive Kohortenstudie (LIFE-Study) mit 339 Männern mit Kinderwunsch. Im Seminalplasma wurden fünf Substanzklassen nicht-persistenter endokriner Disruptoren mittels HPLC-MS/MS und GC-MS quantifiziert: Bisphenole, Benzophenon-UV-Filter, Antimikrobiotika sowie Phthalatdiester und deren Monoester-Metaboliten; Spermaproben wurden anhand von 35 standardisierten Parametern analysiert und mittels linearer gemischter Modelle sowie logistischer Regression/GEE mit Referenzwerten in Beziehung gesetzt. Die konsistentesten negativen Assoziationen fanden sich für Phthalatmetaboliten: Mono-Ethyl-, Mono-n-Butyl-, Mono-Isobutyl- und Mono-Benzyl-Phthalat im Seminalplasma waren mit signifikant geringerer Wahrscheinlichkeit eines Ejakulatvolumens über dem Referenzwert assoziiert (adjustierte Odds Ratios zwischen 0,34 und 0,46). Zusätzlich zeigten sich Assoziationen mit verminderter Spermienmotilität, -vitalität und veränderter Kopfmorphologie. Die Autoren schließen, dass umweltrelevante Phthalatkonzentrationen im Seminalplasma mit reduziertem Ejakulatvolumen und beeinträchtigter Spermienqualität einhergehen und damit möglicherweise die Fertilität von Paaren mit Kinderwunsch beeinflussen.
Querschnittsstudie an 99 ländlichen und 36 städtischen jungen brasilianischen Männern (18–23 Jahre) zum Zusammenhang zwischen beruflicher Pestizidexposition und reproduktiven Parametern. Per Fragebogen wurde die Pestizidnutzung erfasst, ergänzt durch Bestimmung von Sexualhormonen im Serum, Samenparametern, anogenitalem Abstand (AGD) und Hodenvolumen; Auswertung mittels multivariater linearer Regression. Männer aus ländlichen Gebieten hatten eine schlechtere Spermienmorphologie, aber eine höhere Spermienzahl und niedrigere LH-Spiegel als städtische Männer. Lebenslange Pestizidnutzung, insbesondere von Herbiziden und Fungiziden, war mit schlechterer Spermienmorphologie sowie reduziertem LH und Prolaktin assoziiert, mit Hinweisen auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Mütterliche landwirtschaftliche Tätigkeit während der Schwangerschaft war mit größerem AGD und Hodenvolumen der Söhne assoziiert. Die Studie stützt die Hypothese, dass chronische berufliche Exposition gegenüber modernen Pestiziden als endokrine Disruptoren die männliche Reproduktionsfunktion beeinträchtigen kann – bereits ab der pränatalen Phase.
Phthalatexposition, selbst unterhalb der US-EPA-Referenzdosen, war mit Samenqualität und reproduktiven Hormonen assoziiert: prospektive MARHCS-Studie in der Allgemeinbevölkerung
Chen Q, Yang H, Zhou N, Sun L, Bao H, Tan L, Chen H, Ling X, Zhang G, Huang L, Li L, Ma M, Yang H, Wang X, Zou P, Peng K, Liu T, Shi X, Feng D, Zhou Z, Ao L, Cui Z, Cao J — Environment international
Prospektive Kohortenstudie (MARHCS, Male-Reproductive-Health-in-Chongqing-College-Students) an 796 männlichen Studenten, die einen Campusumzug mit veränderter Umweltexposition durchliefen. Vor und nach dem Umzug wurden Urin-, Samen- und Blutproben auf 13 Phthalat-Metaboliten sowie fünf Samenparameter und sechs reproduktive Hormone untersucht. Nahezu alle Samen-/Hormonparameter waren mit mindestens einem Phthalat-Metaboliten assoziiert; z. B. ging jedes Quartil Monoethylphthalat mit einer Abnahme von Spermienkonzentration (-5,3%), Gesamtspermienzahl (-5,7%) und progressiver Motilität (-2,6%) einher. Diese Zusammenhänge blieben auch bei Probanden mit Phthalat-Aufnahmen unterhalb der EPA-Referenzdosen (RfD) signifikant bestehen. Nach dem Umzug sanken die meisten Metabolitenspiegel, während Samenvolumen (+5,9%), normale Morphologie (+25,0%) und Östradiol/LH anstiegen und Testosteron um 7,0% sank; die Veränderungen der Metaboliten korrelierten mit denen der Samen-/Hormonparameter. Die Studie zeigt, dass bereits Phthalat-Expositionen unterhalb der bisher als sicher geltenden Referenzdosen die männliche Reproduktionsfunktion messbar beeinträchtigen können und fordert strengere Regulierung.
Humane Samenqualität, Spermien-DNA-Schäden und Höhe der Reproduktionshormone im Zusammenhang mit Urin-Konzentrationen von Parabenen
Jurewicz J, Radwan M, Wielgomas B, Dziewirska E, Karwacka A, Klimowska A, Kałużny P, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — Journal of occupational and environmental medicine
Querschnittsstudie an 315 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (15–300 Mio./mL), bei denen Urinproben mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie auf fünf Parabene analysiert wurden; zusätzlich erfolgten Befragung sowie Samen-, Speichel- und Blutproben zur Bestimmung von Samenqualität (inkl. computergestützter Samenanalyse/CASA), Spermienchromatinstruktur und Hormonen (FSH, Testosteron, Östradiol). Höhere Urin-Parabenkonzentrationen waren signifikant mit einem höheren Anteil morphologisch abnormaler Spermien, einem höheren Anteil an Spermien mit hoher DNA-Anfärbbarkeit (Hinweis auf unreifes Chromatin), geringerer Motilität und niedrigerem Testosteronspiegel assoziiert. Als eine der ersten Studien zu diesem Thema liefert sie erste Hinweise auf eine mögliche endokrin-disruptive Wirkung von Parabenen – üblichen Konservierungsstoffen in Kosmetika und Körperpflegeprodukten – auf die männliche Reproduktionsfunktion; die Autoren betonen ausdrücklich den vorläufigen Charakter der Befunde und fordern weitere Forschung.
Phthalatexposition und Samenqualität bei fertilen US-amerikanischen Männern
Thurston SW, Mendiola J, Bellamy AR, Levine H, Wang C, Sparks A, Redmon JB, Drobnis EZ, Swan SH — Andrology
Multizentrische Querschnittsstudie an 420 männlichen Partnern schwangerer Frauen aus fünf US-amerikanischen Städten (1999-2001). Methodik: Bestimmung von neun Phthalatmetaboliten (u.a. MEHP, MEHHP, MEOHP, MECPP, MBP, MiBP, MCPP, MBzP, MEP) im Urin zeitgleich zur Samenprobe; lineare Regression von Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität und Morphologie auf die logarithmierten Metabolitenkonzentrationen, unadjustiert und konfounder-adjustiert. Ergebnisse: In unadjustierten Modellen war MiBP positiv mit Motilität und MBzP negativ mit der Gesamtspermienzahl assoziiert. In adjustierten Modellen zeigten DEHP-, DBP-, DEP- und DOP-Metaboliten keine Assoziation mit Samenparametern, mit Ausnahme einer inversen Beziehung zwischen MBzP und Spermienmotilität (β=-1,47). Einordnung: Die Autoren schließen, dass die Effekte einer Phthalatexposition im Erwachsenenalter auf klassische Samenparameter bei fertilen Männern insgesamt eher gering ausfallen, auch wenn einzelne Assoziationen (insbesondere MBzP) robust blieben.
Phthalatmetaboliten im Seminalplasma, Samenqualitätsparameter und Reproduktionshormone im Serum: Eine Querschnittsstudie in China
Wang YX, Zeng Q, Sun Y, Yang P, Wang P, Li J, Huang Z, You L, Huang YH, Wang C, Li YF, Lu WQ — Environmental pollution (Barking, Essex : 1987)
Querschnittsstudie an subfertilen Paaren am Tongji-Krankenhaus in Wuhan, China, mit Samenproben von 687 und Blutproben von 342 Männern. Methodik: Bestimmung von acht Phthalatmetaboliten direkt im Seminalplasma mittels HPLC-Tandem-Massenspektrometrie sowie Erfassung von Samenqualitätsparametern und Serumreproduktionshormonen; Auswertung mittels konfounder-adjustierter linearer und logistischer Regression. Ergebnisse: Mehrere Phthalatmetaboliten (MBP, MEHP, MEHHP, MEOHP) waren signifikant mit reduziertem Samenvolumen assoziiert; MBzP, MEHP und %MEHP korrelierten mit reduzierter kurvilinearer und Geradlinigkeitsgeschwindigkeit der Spermien, MBzP zusätzlich mit einem erhöhten Anteil abnormaler Köpfe und Schwänze (alle p für Trend <0,05). Reproduktionshormone im Serum zeigten keine signifikante Assoziation mit den Phthalatmetaboliten. Einordnung: Die direkte Messung der Metaboliten im Seminalplasma liefert zusätzliche Evidenz, dass Phthalatexposition die Samenqualität beeinträchtigen kann, ohne dass hierbei ein hormoneller Wirkmechanismus über die untersuchten Serumhormone nachweisbar war.
Bisphenol A im Urin und Spermienqualität – die LIFE-Studie
Goldstone AE et al. — Reproductive Toxicology
Kohortenstudie (LIFE-Studie) an Männern im reproduktionsfähigen Alter aus 16 Bezirken in Michigan und Texas (2005–2009) zur Assoziation zwischen Bisphenol-A(BPA)-Belastung und 35 Spermienqualitätsmaßen. Von 501 eingeschlossenen Männern lieferten 418 (83,4 %) mindestens eine Urin- und eine Samenprobe; lineare und logistische Regressionsmodelle sowie Generalized Estimating Equations wurden zur Berücksichtigung wiederholter Messungen und Adjustierung für 11 vordefinierte Kovariaten eingesetzt. Der geometrische Mittelwert der Gesamt-BPA-Konzentration im Urin betrug 0,55 ng/mL (95 %-KI 0,49–0,63). In den adjustierten Modellen fand sich als einziger signifikanter Zusammenhang eine inverse Beziehung zwischen BPA und Spermien-DNA-Fragmentierung (β=-0,0544, p=0,035), was auf tendenziell weniger DNA-Schäden bei höherer BPA-Belastung hindeutet. Diese große, bevölkerungsnahe Kohortenstudie widerspricht damit tendenziell früheren Befunden zu negativen BPA-Effekten und zeigt, dass der Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und Spermienqualität in der Allgemeinbevölkerung weniger eindeutig ausfällt als in klinischen Subfertilitätskollektiven.
Pränatale Phthalat-Exposition und Reproduktionsfunktion bei jungen Männern
Axelsson J et al. — Environmental Research
Prospektive Kohortenstudie an 112 männlichen Jugendlichen aus der Allgemeinbevölkerung, deren mütterliche Serumproben aus der 12. Schwangerschaftswoche auf Metaboliten von Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Diisononylphthalat (DiNP) analysiert und mittels linearer Regression mit Hodengröße, Spermienqualität und Reproduktionshormonen der erwachsenen Söhne in Beziehung gesetzt wurden. Söhne im höchsten Belastungstertil eines DiNP-Metaboliten hatten gegenüber dem niedrigsten Tertil ein um 4,3 mL geringeres Gesamthodenvolumen (95 %-KI 0,89–7,6; p<0,001), einen um 30 % höheren FSH-Spiegel (95 %-KI 3,6–63 %; p=0,02) und ein um 0,87 mL niedrigeres Ejakulatvolumen (95 %-KI 0,28–1,5; p=0,004). Für einen DEHP-Metaboliten zeigte sich im höchsten Tertil ein um 0,70 mL niedrigeres Ejakulatvolumen (p=0,03). Zwei weitere DiNP-Metaboliten waren linear mit dem LH-Spiegel assoziiert (p<0,01). Die Studie liefert erste humane Evidenz dafür, dass bereits eine pränatale Phthalat-Exposition während der fetalen Entwicklung mit messbar schlechterer Hoden- und Reproduktionsfunktion im späteren Jugend-/jungen Erwachsenenalter der Söhne einhergehen kann.
Phthalate oder deren Metaboliten in Urin bzw. Seminalplasma des Menschen und Samenqualität: Eine Metaanalyse
Cai H, Zheng W, Zheng P, Wang S, Tan H, He G, Qu W — Environmental research
Systematisches Review mit Metaanalyse von Humanstudien zu Phthalatexposition (gemessen als Metaboliten in Urin oder Seminalplasma) und Samenqualität. Nach Literatursuche in PubMed und Web of Science bis Oktober 2014 wurden 20 Studien eingeschlossen, davon 14 in die quantitative Metaanalyse (Random-Effects-Modell). Ergebnisse: Urinäres Monobutylphthalat (MBP) und Monobenzylphthalat (MBzP) waren mit reduzierter Spermienkonzentration assoziiert (gepooltes Odds Ratio 2,60 bzw. 2,23). MBP und MEHP korrelierten invers mit der Geradlinigkeitsgeschwindigkeit (VSL) der Spermien. Höhere MBzP- und MEP-Spiegel waren mit erhöhter DNA-Schädigung (Comet-Extent) assoziiert. Monomethylphthalat zeigte keine Assoziation mit Samenparametern. Einordnung: Die Metaanalyse stärkt die Evidenz, dass bestimmte Phthalate bzw. deren Metaboliten die Samenqualität beeinträchtigen können, wobei die Effekte je nach untersuchtem Metaboliten unterschiedlich ausfallen.
Stehen Bisphenol-A-Spiegel im Urin von Männern mit Spermienqualität und Embryonalentwicklung nach assistierter Reproduktion in Zusammenhang?
Knez J et al. — Fertility and Sterility
Prospektive Kohortenstudie an 149 Paaren, die sich einer ersten oder zweiten IVF- bzw. ICSI-Behandlung unterzogen. Untersucht wurde, ob die Bisphenol-A(BPA)-Konzentration im Urin der Männer mit Spermienqualität und Embryonalentwicklung bis zum Blastozystenstadium zusammenhängt. BPA wurde in 98 % der Proben nachgewiesen (geometrischer Mittelwert 1,55 ng/mL). Nach Adjustierung für Störfaktoren mittels linearer Regression war eine höhere log-transformierte BPA-Konzentration mit geringerer Spermienzahl (β=-0,241), geringerer Spermienkonzentration (β=-0,219) und geringerer Spermienvitalität (β=-2,660) assoziiert. Die Embryonalentwicklungsparameter von der Befruchtung bis zur Blastozystenbildung waren dagegen nicht durch die BPA-Exposition beeinträchtigt. Die Studie legt nahe, dass BPA-Belastung bei subfertilen Männern einzelne Spermaparameter negativ beeinflussen kann, die nachgeschaltete frühe Embryonalentwicklung im Rahmen assistierter Reproduktion jedoch unbeeinflusst bleibt. Die Ergebnisse stützen die Hypothese endokriner Disruptoren als Einflussfaktor auf männliche Fertilität, ohne dass ein Effekt auf den IVF/ICSI-Erfolg selbst nachweisbar war.
Reproduktive und entwicklungsbezogene Effekte von Phthalatestern bei Männern
Kay VR et al. — Critical Reviews in Toxicology
Systematischer Übersichtsartikel zu den Effekten einer Phthalat-Exposition – Weichmacher in Kunststoffen, Kosmetika, Medizinprodukten und Arzneimittelkapseln – auf die Entwicklung des männlichen Reproduktionstrakts, Pubertät, Spermienqualität, Fertilität und Reproduktionshormone. Die epidemiologische Evidenz für die meisten untersuchten Endpunkte wird als minimal bis schwach eingestuft, für den Endpunkt Spermienqualität jedoch als moderat bewertet. Tierstudien zeigen, dass verschiedene Phthalate ähnliche schädliche Effekte auf die Entwicklung des männlichen Reproduktionstrakts haben, wobei DEHP am potentesten wirkt und Spermienqualität der empfindlichste Endpunkt ist; die beim Menschen dokumentierte Entwicklungsexposition liegt dabei innerhalb einer Größenordnung der in Tierstudien wirksamen Dosen. Mäuse erwiesen sich als weniger empfindlich als Ratten, was für die Übertragbarkeit auf den Menschen relevant sein könnte. Die genauen Wirkmechanismen bleiben unklar; die Autoren betonen mögliche additive Chemikalieninteraktionen und generationsübergreifende Effekte und fordern weitere Forschung zur ubiquitären Alltagsexposition der Allgemeinbevölkerung.
PFOS (Perfluoroctansulfonat) im Serum ist negativ mit Testosteronspiegeln, aber nicht mit der Spermaqualität bei gesunden Männern assoziiert
Joensen UN, Veyrand B, Antignac JP, Blomberg Jensen M, Petersen JH, Marchand P, Skakkebæk NE, Andersson AM, Le Bizec B, Jørgensen N — Human reproduction (Oxford, England)
Querschnittsstudie an 247 gesunden Männern aus der Allgemeinbevölkerung (medianes Alter 19 Jahre), erhoben 2008–2009, die Serumspiegel von 14 perfluorierten Verbindungen (PFCs), darunter Perfluoroctansulfonat (PFOS), mit reproduktiven Hormonen (Testosteron, Östradiol, SHBG, LH, FSH, Inhibin B) und Spermaqualität (WHO-Kriterien) in Beziehung setzte. PFOS-Spiegel waren signifikant negativ assoziiert mit Gesamttestosteron, berechnetem freiem Testosteron, dem freien Androgenindex sowie den Verhältnissen T/LH, FAI/LH und FT/LH; andere PFCs lagen niedriger und zeigten keine vergleichbaren Assoziationen. Mit der Spermaqualität selbst zeigte sich keine signifikante Assoziation, anders als in einer früheren Studie derselben Gruppe zu Spermienmorphologie, was die Autoren teils auf niedrigere PFOS-Expositionen im aktuellen Kollektiv zurückführen. Die Ergebnisse blieben nach Adjustierung für relevante Störfaktoren robust, wobei Zufallsbefunde durch multiples Testen nicht ausgeschlossen werden können. Die Autoren interpretieren den Testosteron-Zusammenhang als Hinweis, dass eine hohe PFOS-Exposition die testikuläre Testosteronproduktion beeinträchtigen könnte.
Samenqualität und Spermien-DNA-Schäden in Bezug auf Bisphenol A im Urin bei Männern einer Kinderwunschklinik
Meeker JD et al. — Reproductive toxicology
Querschnittsstudie mit 190 Männern, die über eine Fertilitätsklinik rekrutiert wurden; gemessen wurden Urin-Bisphenol-A (BPA), konventionelle Samenparameter und Spermien-DNA-Schäden mittels Comet-Assay. BPA war in 89 % der Urinproben nachweisbar (Median 1,3 ng/mL, Interquartilsabstand 0,8–2,5). Ein Anstieg der BPA-Konzentration um den Interquartilsabstand war mit einem Rückgang der Spermienkonzentration um 23 % (95 %-CI −40 bis −0,3 %), der Motilität um 7,5 % und der Morphologie um 13 % sowie mit einer Zunahme der DNA-Schäden im Comet-Tail um 10 % assoziiert; die Assoziationen mit den kategorialen Grenzwerten (unterhalb Referenzbereich) waren leicht erhöht, aber statistisch nicht signifikant. Die Autoren schließen, dass urinäres BPA – ein bekannter endokriner Disruptor mit spermatogenesehemmender Wirkung im Tiermodell – mit verminderter Samenqualität und erhöhten DNA-Schäden beim Menschen assoziiert sein könnte, betonen jedoch die Notwendigkeit bestätigender Studien.
Beeinträchtigen Perfluoralkylverbindungen die menschliche Samenqualität?
Joensen UN et al. — Environmental health perspectives
Querschnittsstudie an 105 jungen dänischen Männern aus der Allgemeinbevölkerung (Medianalter 19 Jahre), in der Serumkonzentrationen von 10 Perfluoralkylsäuren (PFAA, u. a. PFOS, PFOA), Reproduktionshormone und Samenqualität untersucht wurden. Alle Probanden wiesen messbare PFAA-Spiegel auf (Mediane: PFOS 24,5 ng/mL, PFOA 4,9 ng/mL, Perfluorhexansulfonsäure 6,6 ng/mL). Männer mit hohen kombinierten PFOS-PFOA-Spiegeln hatten im Median nur 6,2 Millionen morphologisch normale Spermien im Ejakulat gegenüber 15,5 Millionen bei niedriger Exposition (p=0,030). Zusätzlich zeigten sich nicht-signifikante Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration, niedrigerer Gesamtspermienzahl und veränderten Hypophysen-Gonaden-Hormonen bei hoher PFAA-Belastung. Die Autoren werten die Befunde als Hinweis, dass PFAA – als vermutete endokrine Disruptoren – zur andernorts beobachteten niedrigen Samenqualität junger Männer beitragen könnten, betonen jedoch, dass die Ergebnisse wegen der begrenzten Stichprobengröße in größeren Studien bestätigt werden müssen.
Pränatale Exposition gegenüber Diethylstilbestrol: nachteilige Effekte auf Reproduktionstrakt und Fortpflanzungsleistung bei männlichen und weiblichen Nachkommen
Stillman RJ — American journal of obstetrics and gynecology
Narrativer Übersichtsartikel zu den Folgen einer pränatalen Exposition gegenüber dem synthetischen Östrogen Diethylstilbestrol (DES), das früher in der Schwangerschaft verabreicht wurde. Bei männlichen Nachkommen werden Nebenhodenzysten, Mikrophallus, Kryptorchismus und testikuläre Hypoplasie beschrieben, bei weiblichen Nachkommen Adenose, klarzelliges Adenokarzinom sowie strukturelle Fehlbildungen von Zervix, Vagina, Uterus und Eileitern. Mit Erreichen des reproduktiven Alters dieser Kohorten wurden zudem – teils kontrovers diskutierte – Menstruationsstörungen und Unfruchtbarkeit berichtet, gesicherter dagegen erhöhte Raten an Spontanaborten, Eileiterschwangerschaften, Frühgeburten und perinatalen Todesfällen. Bei Männern wird eine eingeschränkte Reproduktionsfähigkeit durch verschlechterte Spermiogramme und Spermien-Penetrationstests nahegelegt, häufig korrelierend mit anatomischen DES-assoziierten Fehlbildungen. Die Arbeit ordnet DES als frühes Beispiel eines transplazentar wirkenden endokrinen Disruptors ein, dessen Folgen sich über Generationen und multiple Organsysteme erstrecken; sie basiert auf der Zusammenschau vorliegender Fallserien und Kohortenstudien, nicht auf eigenen neuen Primärdaten.