26 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Ernährung, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Ernährungsmuster und Spermien-DNA-Fragmentierung bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit: eine Fall-Kontroll-Studie
Ganji M et al. — Scientific reports
Fall-Kontroll-Studie an einer Kinderwunschklinik in Teheran (Mai 2024 bis März 2025) mit 310 zunächst rekrutierten, idiopathisch unfruchtbaren Männern (18–50 Jahre), von denen nach Ausschlüssen 150 mit hohem Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (DFI >30 %) und 150 mit niedrigem DFI (<20 %) in die Analyse eingingen. Die Ernährung wurde mittels eines validierten 168-Punkte-Fragebogens erfasst, per Hauptkomponentenanalyse wurden drei Ernährungsmuster identifiziert (erklären 26,9 % der Varianz): ein pflanzlich-pescetarisches Muster, ein "semi-westliches" Muster und ein Muster mit hohem Anteil ultra-verarbeiteter Lebensmittel. Nach Adjustierung für Alter, BMI, Rauchen, körperliche Aktivität und Supplementeinnahme war eine höhere Adhärenz zum pflanzlich-pescetarischen Muster mit geringeren Odds für hohen DFI assoziiert (oberstes vs. unterstes Tertil: OR 0,39; 95%-KI 0,15–0,73; p für Trend<0,001), während das semi-westliche (OR 3,06) und das ultra-verarbeitete Muster (OR 3,77) mit höheren Odds für hohen DFI einhergingen. Als Beobachtungsstudie erlaubt sie keine Kausalaussagen.
Mediterrane Ernährung, Spermaqualität und Ergebnisse assistierter Reproduktion bei Männern: eine systematische Übersicht und Metaanalyse
Agarwal R et al. — Advances in nutrition (Bethesda, Md.)
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer Mediterranen Diät (MedDiet) und Spermaqualität bzw. Ergebnissen assistierter Reproduktion bei Männern (Literatursuche in PubMed, Embase und Scopus bis Oktober 2024, PROSPERO-registriert). In die qualitative Analyse gingen 11 Studien mit 2.558 Teilnehmern ein, davon 8 Studien mit 1.835 Teilnehmern in die quantitative Metaanalyse. Neun Beobachtungsstudien zeigten überwiegend positive Zusammenhänge zwischen MedDiet-Adhärenz und Spermienkonzentration, -zahl, Gesamt- und progressiver Motilität sowie Morphologie. In der Metaanalyse war eine hohe MedDiet-Adhärenz signifikant assoziiert mit höherer Spermienzahl (+24,37 Mio., 95%-KI 1,30-47,44), höherer Gesamtmotilität (+8,81 %), höherer progressiver Motilität (+7,49 %) und höherem Anteil normaler Morphologie (+1,02 %), bei allerdings hoher Heterogenität zwischen den Studien (I²=77-89 %). Bezüglich konkreter Fertilitätsergebnisse bei assistierter Reproduktion fand sich in der einzigen prospektiven Studie dazu kein Zusammenhang. Die Autoren sehen einen potenziellen Nutzen der MedDiet für die Spermaqualität, jedoch keine gesicherte Evidenz für bessere Fertilitätsergebnisse.
Süße Getränke, saure Folgen: Der Einfluss zuckergesüßter Getränke auf die Spermiengesundheit, eine narrative Übersicht
Win WKY et al. — Nutrients
Diese narrative Übersichtsarbeit fasst die aktuelle Evidenz zum Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke (Sugar-Sweetened Beverages, SSB) und der Spermiengesundheit zusammen. Basierend auf einer gezielten Literatursuche in PubMed, Scopus und Google Scholar wurden 11 relevante Beobachtungs- und Kohortenstudien eingeschlossen; reine Tiermodellstudien wurden ausgeschlossen. Die einbezogenen Primärstudien berichten konsistent über einen negativen Zusammenhang zwischen hohem SSB-Konsum und Spermaparametern, insbesondere über eine geringere Spermienzahl und -motilität sowie eine erhöhte DNA-Fragmentierung. Als mögliche biologische Mechanismen werden oxidativer Stress, hormonelle Dysregulation sowie mit Adipositas und Insulinresistenz verbundene Stoffwechselstörungen diskutiert. Die Autoren weisen jedoch auf erhebliche Unterschiede in Studiendesign, Expositionserfassung und untersuchten Populationen hin, die die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken. Sie folgern, dass regelmäßiger SSB-Konsum die männliche Reproduktionsgesundheit über oxidative Schäden und Hormonstörungen beeinträchtigen könnte, und fordern weitere Längsschnittstudien mit standardisierter Methodik, insbesondere in bislang unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen.
Die Wirkung der mediterranen und der persischen Ernährung auf Sexualfunktion und Spermaqualität bei infertilen Männern: eine randomisierte kontrollierte Studie
Ghasemi A et al. — Scientific reports
Diese einfach verblindete randomisierte kontrollierte Studie untersuchte bei 159 Männern mit Oligoasthenospermie (Alter 18-45 Jahre, Shiraz, Iran, Juli 2022 bis Februar 2023) die Wirkung einer Persischen Medizin-Diät (PMD) und einer Mediterranen Diät (MD) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (je n=53) über zwei Monate auf Sexualfunktion (IIEF-15-Fragebogen) und Spermaqualität. Der Gesamt-IIEF-Score verbesserte sich unter PMD am stärksten (p≤0,001), ebenso die Subskalen erektile Funktion und Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr (p≤0,001 bzw. p≤0,003); die MD zeigte den größten Effekt auf die Orgasmusfunktion (p=0,053). Bei den Spermiogrammparametern verbesserten sich unter MD Spermienzahl, -motilität und -morphologie signifikant (alle p≤0,001). Die Autoren schließen, dass sowohl die persische als auch die mediterrane Ernährungsintervention die männliche Sexualfunktion und Spermaqualität bei infertilen Männern positiv beeinflussen können, wobei größere und länger angelegte Studien für gesicherte Aussagen nötig sind.
Einfluss der mediterranen Ernährung auf die Samenqualität
Piera-Jordán CÁ, et al. — Frontiers in Nutrition
Systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA-Methodik (PubMed, Scopus, Cochrane Library, Web of Science) zum Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Samenqualität bei Männern im reproduktiven Alter (18-55 Jahre); eingeschlossen wurden 10 Studien mit insgesamt 2.032 Männern, publiziert zwischen 2012 und 2022. Der Ernährungsstatus wurde über Gewicht, Größe und BMI erfasst, die Ernährungsgewohnheiten mittels verschiedener Diät-Indizes und Verzehrhäufigkeitsfragebögen, die Samenqualität über Spermienkonzentration und -motilität (progressiv und nicht progressiv). In sechs der zehn Studien (60%) zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer mediterranen Ernährungsweise und der Samenqualität, in zwei Studien (20%) kein Zusammenhang, zwei weitere untersuchten andere Aspekte des Diätmusters. Einordnung: Erste systematische Übersichtsarbeit zu diesem Thema; die überwiegend positiven Befunde sprechen dafür, dass die mediterrane Ernährung durch antioxidative und entzündungshemmende Effekte die männliche reproduktive Gesundheit fördern könnte, die Evidenz ist aber noch begrenzt.
Eine Präkonzeptions-Kohortenstudie zu Zuckergetränke-Konsum und Spermienqualität
Joseph MD, Koenig MR, Kuriyama AS, Wang TR, Wesselink AK, Eisenberg ML, Sommer GJ, Rothman KJ, Stuver SO, Wise LA, Hatch EE — Andrology
Prospektive Kohortenstudie im Rahmen der nordamerikanischen PRESTO-Studie (2015–2022) mit 690 Männern (1.247 Proben), die vor einer geplanten Schwangerschaft rekrutiert wurden. Der Konsum zuckergesüßter Getränke (Limonaden, Energy-Drinks, Sportgetränke, Fruchtsäfte) wurde per Fragebogen erfasst, die Spermaqualität mittels At-Home-Testkits bestimmt; ausgewertet wurde mit linearer und Poisson-Regression unter Adjustierung für Störfaktoren. Männer mit ≥7 zuckergesüßten Getränken pro Woche zeigten gegenüber Nicht-Konsumenten ein um 6 % geringeres Ejakulatvolumen, 22 % geringere Spermienkonzentration, 22 % geringere Gesamtspermienzahl und 25 % geringere Gesamtzahl motiler Spermien; das Risiko für eine Spermienkonzentration ≤16 Mio./ml war fast verdoppelt (RR 1,89). Die Effekte waren bei Männern mit BMI ≥25 kg/m² ausgeprägter. Die Studie liefert Hinweise, dass ein hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke – besonders in Kombination mit Übergewicht – mit schlechterer Spermienqualität einhergeht; kausale Schlüsse sind wegen des Beobachtungsdesigns nicht möglich.
Zusammenhang zwischen mediterranem Ernährungsmuster, Lebensstilfaktoren und Spermienqualität bei Männern in Kinderwunschkliniken: eine Querschnittsstudie
Palani A, Lateef Fateh H, Ahmed DH, Dutta S, Sengupta P — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology
Querschnittsstudie mit 274 Männern mit normalen und auffälligen Spermaparametern, die eine Kinderwunschklinik aufsuchten. Die Ernährung wurde mittels eines 147 Punkte umfassenden Food-Frequency-Fragebogens erfasst und die Teilnehmer anhand ihres Grades der Einhaltung einer alternativen mediterranen Diät (aMED) in drei Tertile (T1–T3) eingeteilt; ausgewertet wurde mit ANOVA, Chi-Quadrat-Tests und multivariabler logistischer Regression. Männer mit höchster Diät-Adhärenz (T3) waren jünger, hatten einen niedrigeren BMI und deutlich bessere Spermaparameter als die Gruppe mit geringster Adhärenz (T1): u. a. Spermienkonzentration 57,5±36,2 vs. 11,9±22,3 Mio./ml, Gesamtmotilität 73,4±25,9 % vs. 36,7±33,8 %. Die Regressionsanalyse bestätigte eine signifikante positive Korrelation zwischen aMED-Score und Spermienkonzentration (B=1,32; p=0,001), Gesamtspermienzahl (B=1,12; p=0,001) und Gesamtmotilität (B=0,71; p=0,001); Volumen und Viskosität waren nicht betroffen. Eine hohe Einhaltung einer mediterranen Ernährungsweise ist demnach mit besserer Spermienqualität assoziiert.
Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Spermienqualität südasiatischer Männer in einer Kinderwunschklinik: eine Querschnittsstudie
Chakraborty J, Gowri M, Joseph T, Babuji M, Kavitha K, Kunjummen AT, Kamath MS — Reproductive sciences (Thousand Oaks, Calif.)
Querschnittsstudie mit 162 südasiatischen Männern im Alter von 21–40 Jahren, die sich einer Fertilitätsabklärung unterzogen und anhand der Spermaanalyse in Gruppen mit normalen bzw. auffälligen Spermaparametern eingeteilt wurden. Die Ernährung wurde per 24-Stunden-Recall und Food-Frequency-Fragebogen erfasst; per Faktorenanalyse wurden sechs Ernährungsmuster identifiziert. Männer mit normalen Spermaparametern konsumierten signifikant häufiger eine „Küstendiät" reich an Meeresfrüchten, Fisch, Getreide, Bohnen und Kokosöl als Männer mit auffälligen Parametern; im für Alter, BMI, körperliche Aktivität, Rauchen und Karenzzeit adjustierten Modell war diese Diät mit einem geringeren Risiko auffälliger Spermaparameter assoziiert (Odds Ratio 0,56; 95 %-KI 0,37–0,82). Zudem konsumierten Männer mit normalen Spermaparametern signifikant weniger einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA) als Männer mit auffälligen Parametern (p=0,008). Eine „Küstendiät" senkt demnach das Risiko auffälliger Spermaqualität, während der MUFA-Zusammenhang vorsichtig interpretiert und künftig repliziert werden sollte.
Konsum von zucker- oder künstlich gesüßten Getränken und Samenqualität bei jungen Männern: Eine Querschnittsstudie
Meldgaard M, et al. — International journal of environmental research and public health
Querschnittsstudie auf Basis der dänischen FEPOS-Kohorte (Fetal Programming of Semen Quality) mit 1047 jungen Männern (Durchschnittsalter 19 Jahre), die einen Online-Fragebogen zu Gesundheit, Lebensstil und Ernährung ausfüllten und eine Samenprobe abgaben. Mittels multivariabler negativer Binomialregression wurde der Zusammenhang zwischen dem Konsum zucker- bzw. künstlich gesüßter Getränke (moderat: ≥3 Tage/Woche vs. selten: <3 Tage/Woche) und Samenqualität untersucht – motiviert durch Vorbefunde, wonach Süßstoffe wie Saccharin oder Aspartam bei Mäusen dosisabhängige Effekte auf Spermien- und Hodenfunktion zeigten. Insgesamt fand sich kein starker Zusammenhang zwischen dem Getränkekonsum und Samenvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl oder Gesamtmotilität. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war bei moderatem Konsum künstlich gesüßter Getränke um 11 % niedriger (95%-KI 0,76-1,04), jedoch statistisch nicht signifikant. Die Autoren schließen, dass der Konsum gesüßter Getränke bei den in dieser jungen Population beobachteten Mengen nur einen begrenzten Effekt auf die Samenqualität hat.
Der Einfluss gesunder Ernährungsmuster auf die männliche Spermaqualität: Systematische Übersicht und Metaanalyse
Cao LL, et al. — Asian journal of andrology
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Querschnittsstudien (Literatursuche in Embase, Web of Science und PubMed, Stichtag 21.08.2021). Eingeschlossen wurden 6 Studien mit insgesamt 1.244 Probanden, die den Zusammenhang von Mittelmeerdiät, DASH-Diät und sogenanntem 'prudent'-Ernährungsmuster mit der Spermaqualität untersuchten. Methodik: Vergleich von hohem versus niedrigem Konsum gesunder Ernährungsmuster. Ergebnisse: Höherer Konsum war mit signifikant höherer Spermienkonzentration assoziiert (mittlere Differenz 6,88 Mio./ml; 95%-KI 1,26-12,49 Mio./ml), einer höheren Gesamtspermienzahl sowie einer signifikant gesteigerten progressiven Motilität (+5,85%, 95%-KI 2,59-9,12%; p<0,01). Einordnung: Die Ergebnisse sprechen für einen positiven Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Spermaqualität, beruhen aber ausschließlich auf Querschnittsdaten, weshalb die Autoren zu vorsichtiger Interpretation raten - Kausalität lässt sich daraus nicht ableiten.
Einfluss des Obst- und Gemüsekonsums auf antioxidativen Status und Samenqualität: Eine Querschnittsstudie bei erwachsenen Männern
Madej D, et al. — Frontiers in nutrition
Querschnittsstudie an 90 Männern im Alter von 18-40 Jahren zum Zusammenhang zwischen Obst- und Gemüsekonsum, antioxidativem Status und Samenqualität. Der Verzehr wurde per 3-Tage-Ernährungsprotokoll erfasst; die Samenanalyse (Konzentration, Vitalität, Motilität, Morphologie, Leukozyten) erfolgte computerunterstützt (CASA), ergänzt durch Messung der Gesamtantioxidationskapazität (TAC) in Samen und Blut sowie weiterer antioxidativer Enzyme (SOD, GPx, Katalase, Glutathionreduktase) und Malondialdehyd. Ein höherer Obst-/Gemüsekonsum korrelierte positiv mit Spermienkonzentration, Vitalität, Motilität sowie mit TAC in Samen und Blut und SOD-Aktivität. TAC im Samen war zudem positiv mit der Motilität und invers mit Flagellumdefekten der Spermien assoziiert. Männer im obersten Konsumquartil (≥734 g/Tag) hatten in multivariaten Modellen die höchste Spermienkonzentration, Vitalität, Motilität und TAC sowie die niedrigste Malondialdehyd-Konzentration im Blut. Die Autoren folgern, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum über eine Verbesserung des antioxidativen Status ausgewählte Samenqualitätsparameter positiv beeinflussen kann; kausale Aussagen sind aufgrund des Querschnittsdesigns jedoch nicht möglich.
Effekte der Mittelmeerdiät auf Samenparameter bei gesunden jungen Erwachsenen: eine randomisierte kontrollierte Studie
Caruso P, Caputo M, Cirillo P, Scappaticcio L, Longo M, Maiorino MI, Bellastella G, Esposito K — Minerva Endocrinologica
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 160 gesunden jungen Erwachsenen (18-30 Jahre, Durchschnittsalter 24,7 Jahre) aus Süditalien, die zu gleichen Teilen (je n=80) einer Mittelmeerdiät oder einer fettarmen Diät zugeteilt wurden. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Samenparameter nach sechs Monaten. Beide Gruppen wiesen zu Studienbeginn vergleichbare Ausgangswerte auf. Nach sechs Monaten stiegen Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl in beiden Gruppen an, jedoch signifikant stärker unter Mittelmeerdiät (Spermienkonzentration +1,93 Mio/ml, 95%-KI 1,22-3,64, p=0,027; Gesamtspermienzahl +8,02 Mio, 95%-KI 1,51-15,45, p=0,035); bei den übrigen Samenparametern zeigten sich keine Gruppenunterschiede. Die Autoren folgern, dass eine Mittelmeerdiät bei gesunden jungen Männern die Spermienkonzentration und -gesamtzahl stärker verbessert als eine fettarme Diät. Als RCT mit klar definiertem Ernährungsvergleich liefert die Studie einen der direkteren Belege für einen positiven Effekt von Ernährungsumstellung auf die Spermienqualität.
Mediterrane Ernährung und das Risiko schlechter Spermienqualität: Querschnittsanalyse bei Männern einer italienischen Kinderwunschklinik
Ricci E et al. — Andrology
Querschnittsanalyse von Basisdaten einer prospektiven Kohortenstudie mit 309 Männern (27–60 Jahre) aus subfertilen Paaren einer italienischen Kinderwunschklinik. Methodik: Erfassung der Ernährung mittels Interview und Berechnung eines Mediterranean Diet Score (MDS, 0–9 Punkte); am selben Tag Spermiogramm im Rahmen der assistierten Reproduktion; Berechnung von Odds Ratios (OR) für Volumen <1,5 ml, Konzentration <15 Mio./ml und Gesamtzahl <39 Mio. Ergebnisse: 19,3% hatten geringes Volumen, 30,5% geringe Konzentration, 32,1% geringe Gesamtzahl. Im Vergleich zur höchsten MDS-Kategorie (6–9) war eine niedrige Spermienkonzentration bei niedrigem MDS (0–3) deutlich häufiger (OR 2,42; 95%-KI 1,21–4,83; Trend p=0,011), ebenso eine niedrige Gesamtzahl (OR 2,08; 95%-KI 1,05–4,12; Trend p=0,034). Das Ejakulatvolumen war nicht mit dem MDS assoziiert. Einordnung: Eine stärkere Einhaltung der mediterranen Ernährung ist mit besserer Spermienkonzentration und -gesamtzahl assoziiert und unterstützt die Rolle der Ernährungsqualität für die männliche Fertilität.
Ernährungsmuster und ihr Zusammenhang mit der Samenqualität
Jurewicz J, Radwan M, Sobala W, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — American journal of men's health
Querschnittsstudie an 336 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (20-300 Mio./ml) oder leichter Oligozoospermie (15-20 Mio./ml). Hintergrund: Da Ernährung eine komplexe Expositionsgröße ist, wird zunehmend empfohlen, statt einzelner Nährstoffe gesamte Ernährungsmuster zu betrachten, bei denen Lebensmittel in Kombination konsumiert werden. Methodik: Ernährungserfassung mittels Food-Frequency-Questionnaire, Identifikation von Ernährungsmustern (Western, Mixed, Prudent) mittels Faktorenanalyse, Samenanalyse und Hormonbestimmung; Adjustierung für Karenzzeit, Alter, Rauchen, Vorerkrankungen und Alkoholkonsum. Ergebnisse: Ein „Prudent"-Ernährungsmuster war positiv mit der Spermienkonzentration (p=0,05) und dem Testosteronspiegel (p=0,03) assoziiert sowie invers mit dem DNA-Fragmentierungsindex (p=0,05). Einordnung: Die Studie unterstützt die Bedeutung eines Gesamternährungsmusters statt einzelner Nährstoffe für die Samenqualität; ein gesundheitsbewusstes „Prudent"-Muster zeigte konsistent günstigere Assoziationen, wobei die Ergebnisse aufgrund des Querschnittsdesigns weiterer Bestätigung in anderen Populationen bedürfen.
Ernährungsmuster und Samenqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse von Beobachtungsstudien
Arab A, Rafie N, Mansourian M, Miraghajani M, Hajianfar H — Andrology
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Beobachtungsstudien (Literatursuche bis August 2016 in PubMed, Cochrane Library, ScienceDirect, Scopus, Google Scholar, Web of Science) zum Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und Samenqualität; sechs Studien mit insgesamt 8.207 Teilnehmern erfüllten die Einschlusskriterien. Die Daten wurden mittels generischer inverser Varianzmethode (Random-Effects-Modell) gepoolt. Der Vergleich eines gesunden versus ungesunden Ernährungsmusters ergab eine signifikant höhere Spermienkonzentration im gesunden Muster (mittlere Differenz 0,66; 95%-KI 0,305–1,016; p<0,001); Personen mit der geringsten Adhärenz zum gesunden Muster hatten die niedrigste Spermienkonzentration. Für andere Samenqualitätsparameter fand sich kein signifikanter Zusammenhang mit dem Ernährungsmuster. Die Autoren schließen, dass ein gesundes Ernährungsmuster mit einer höheren Spermienkonzentration assoziiert ist, weisen aber auf die begrenzte Zahl und Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin und fordern weitere longitudinale Untersuchungen zur Bestätigung und Klärung der Kausalität.
Ernährungsmuster sind positiv mit der Spermaqualität assoziiert
Efrat M, Stein A, Pinkas H, Unger R, Birk R — Fertility and sterility
Monozentrische Querschnittsstudie mit 280 Männern, die 2012–2015 eine Kinderwunschklinik aufsuchten. Die Ernährung wurde per Food-Frequency-Questionnaire erfasst und anhand von vier Indizes bewertet: Healthy Eating Index (HEI), DASH, alternate Mediterranean Diet Score (aMED) und Alternative Healthy Eating Index (AHEI); zusätzlich wurden Spermavolumen, -konzentration, -motilität, Gesamtzahl und Morphologie bestimmt. Beim Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Quartile zeigten Männer mit hohen HEI-, AHEI- und DASH-Werten eine signifikant höhere Spermienkonzentration (+10%, +45% bzw. +24%), höhere Anteile normal geformter Spermien (+21% bei AHEI, +8% bei DASH), eine höhere Gesamtspermienzahl (+29% bei AHEI) und bessere Motilität (+11% bei HEI, +6% bei aMED). Die Einhaltung aller vier Ernährungsmuster war mit besserer Spermaqualität assoziiert, wobei der AHEI die stärkste Assoziation zeigte. Die Autoren empfehlen den AHEI als praktikables klinisches Instrument für Ernährungsempfehlungen zur Unterstützung der Spermaqualität.
Ernährungsmuster und Risiko schlechter Spermaqualität bei Männern: eine Querschnittsstudie
Danielewicz A, Przybyłowicz KE, Przybyłowicz M — Nutrients
Polnische Querschnittsstudie mit 114 Männern im Alter von 20–55 Jahren. Spermaparameter wurden computerassistiert (CASA) bestimmt, die Ernährung per Food-Frequency-Questionnaire erfasst; mittels Hauptkomponentenanalyse wurden zwei Ernährungsmuster identifiziert – ein gesundheitsförderndes (Pro-healthy) und ein westliches (Western) Muster. Nach Adjustierung für Störfaktoren war das Risiko einer abnormen progressiven Motilität in der mittleren (Odds Ratio 2,89; 95%-KI 1,03–8,09) und oberen Tertile (OR 7,78; 95%-KI 1,52–15,06) des westlichen Ernährungsmusters signifikant erhöht, mit einem Trend zu erhöhtem Risiko für abnorme Gesamtspermienzahl, progressive Motilität und Morphologie (p für Trend <0,05). Für das gesundheitsfördernde Muster fand sich keine signifikante Assoziation. Die Autoren folgern, dass ein westliches Ernährungsmuster das Risiko abnormer Spermaparameter erhöhen kann; dies steht teilweise im Kontrast zu Studien mit positivem Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Spermaqualität.
Effekt von Nusskonsum auf Spermienqualität und -funktionalität bei gesunden Männern mit westlicher Ernährung: eine randomisierte kontrollierte Studie
Salas-Huetos A et al. — The American journal of clinical nutrition
Randomisierte, kontrollierte, parallele Interventionsstudie (RCT, FERTINUTS-Studie) über 14 Wochen mit 119 gesunden Männern (18–35 Jahre). Methodik: Eine Gruppe erhielt zusätzlich zur gewohnten westlichen Ernährung täglich 60 g gemischte Nüsse, die Kontrollgruppe vermied Nüsse; vor und nach der Intervention wurden Samen- und Blutproben analysiert. Ergebnisse: Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserten sich in der Nussgruppe signifikant die Gesamtspermienzahl (p=0,002), Vitalität (p=0,003), Gesamtmotilität (p=0,006), progressive Motilität (p=0,036) und Morphologie (p=0,008). Die Spermien-DNA-Fragmentierung sank signifikant (p<0,001), ebenso die Expression von hsa-miR-34b-3p (p=0,036); keine Unterschiede bei reaktiven Sauerstoffspezies, Chromosomenanomalien oder DNA-Methylierung. Die Nussgruppe nahm mehr ungesättigte Fettsäuren, Magnesium, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren auf. Einordnung: Solide RCT-Evidenz, dass die Ergänzung einer westlichen Ernährung mit Nüssen mehrere Spermienparameter verbessert, möglicherweise vermittelt über eine reduzierte DNA-Fragmentierung.
Starke Einhaltung eines gesunden Ernährungsmusters ist mit besserer Samenqualität assoziiert, insbesondere bei Männern mit schlechter Samenqualität
Oostingh EC, Steegers-Theunissen RP, de Vries JH, Laven JS, Koster MP — Fertility and sterility
Prospektive perikonzeptionelle Kohortenstudie (Rotterdam Periconception Cohort/Predict-Studie) an 129 männlichen Partnern schwangerer Frauen in einem Tertiärkrankenhaus; Durchschnittsalter 35 Jahre, BMI 26,4 kg/m². Mittels Hauptkomponentenanalyse wurden zwei Ernährungsmuster identifiziert ("gesund" und "ungesund") und mit Samenparametern (Volumen, Konzentration, Gesamtspermienzahl, progressive Motilität, unbewegliche Spermien, gesamtmotile Spermienzahl/TMSC) in Beziehung gesetzt. Eine stärkere Ausprägung des gesunden Ernährungsmusters war signifikant mit höherer Spermienkonzentration (β=0,278), höherer Gesamtspermienzahl (β=1,369), besserer progressiver Motilität (β=4,305) und höherem TMSC (β=0,319) assoziiert. Diese Zusammenhänge zeigten sich vor allem in der Subgruppe mit schlechter Samenqualität (TMSC <10 Mio.). Für das ungesunde Ernährungsmuster fand sich lediglich ein statistisch nicht signifikanter Trend zu schlechterer Samenqualität. Die Autoren folgern, dass eine gesunde Ernährung besonders bei Männern mit ohnehin eingeschränkter Samenqualität von Nutzen sein könnte, was für eine gezielte Ernährungsberatung bei Kinderwunschpaaren spricht.
Ernährungsmuster, Lebensmittel und Nährstoffe bei männlichen Fertilitätsparametern und Fekundabilität: eine systematische Übersicht über Beobachtungsstudien
Salas-Huetos A, Bulló M, Salas-Salvadó J — Human reproduction update
Systematische Übersichtsarbeit (PRISMA-Leitlinien) über Beobachtungsstudien (Querschnitts-, Fall-Kontroll-, prospektive und retrospektive Studien) zum Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern, Lebensmitteln, Nährstoffen und männlicher Fertilität bzw. Fekundabilität; aus 1.944 identifizierten Artikeln wurden 35 in die qualitative Auswertung eingeschlossen (randomisierte Studien, Tiermodelle und Reviews wurden ausgeschlossen). Gesunde Ernährungsmuster, reich an Omega-3-Fettsäuren, bestimmten Antioxidantien (Vitamin E, C, β-Carotin, Selen, Zink, Cryptoxanthin, Lycopin), Vitamin D und Folat sowie arm an gesättigten und Transfetten, waren invers mit schlechter Samenqualität assoziiert. Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel, Getreide, Obst/Gemüse und fettarme Milchprodukte zeigten positive Assoziationen mit Samenparametern, während verarbeitetes Fleisch, Soja, Kartoffeln, Vollfettmilchprodukte, Käse, Kaffee, Alkohol und Süßgetränke in manchen Studien negativ assoziiert waren. Hohe Aufnahme von Alkohol, Koffein und (verarbeitetem) rotem Fleisch war zudem mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft verbunden. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, ist Kausalität nicht belegt; die Autoren fordern große prospektive Kohorten und RCTs.
Verzehr von Obst und Gemüse mit niedriger bis moderater Pestizidbelastung ist positiv mit Samenqualitätsparametern bei jungen gesunden Männern assoziiert
Chiu YH, Gaskins AJ, Williams PL, Mendiola J, Jørgensen N, Levine H, Hauser R, Swan SH, Chavarro JE — The Journal of nutrition
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study) an 189 jungen Männern (18-22 Jahre) aus Rochester, USA. Methodik: Fragebogen, Samenprobe, Blutentnahme und körperliche Untersuchung; Erfassung der Ernährung mittels validiertem Food-Frequency-Questionnaire und Einteilung von Obst/Gemüse anhand der USDA-Pestizid-Rückstandsdaten in Kategorien mit hoher bzw. niedriger bis moderater Pestizidbelastung (Pesticide Residue Burden Score). Ergebnisse: Die Gesamtaufnahme von Obst/Gemüse war nicht mit der Samenqualität assoziiert. Männer im höchsten Quartil des Konsums von niedrig-/moderat belastetem Obst/Gemüse (≥2,8 Portionen/Tag) hatten jedoch eine um 169% höhere Gesamtspermienzahl und 173% höhere Spermienkonzentration als Männer im niedrigsten Quartil (<1,1 Portionen/Tag; p-Trend=0,003 bzw. 0,0005). Hoch pestizidbelastetes Obst/Gemüse zeigte keinen Zusammenhang. Einordnung: Die Ergebnisse legen nahe, dass Pestizidrückstände den gesundheitsförderlichen Effekt von Obst- und Gemüsekonsum auf die Samenqualität abschwächen können.
Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und Samenqualität in einer allgemeinen asiatischen Bevölkerung von 7.282 Männern
Liu CY, Chou YC, Chao JC, Hsu CY, Cha TL, Tsao CW — PloS one
Querschnittsstudie an 7.282 gesunden Männern ab 18 Jahren aus Taiwan, die zwischen 2008 und 2013 an einem standardisierten Vorsorgeprogramm eines privaten Unternehmens teilnahmen. Erfasst wurden Spermienkonzentration, Gesamtbeweglichkeit, progressive Beweglichkeit und Anteil normal geformter Spermien. Ein Ernährungsfragebogen ordnete die Teilnehmer fünf Mustern zu: „gesunde Kost“, „westliche Kost“, „kohlenhydratreiche Kost“, „viele Süßigkeiten und gesüßte Getränke“ sowie „salzreiche Kost“. Eine höhere Zufuhr des westlichen Musters ging linear mit einer niedrigeren Spermienkonzentration und einem geringeren Anteil normal geformter Spermien einher (jeweils P < 0,001). Viele Süßigkeiten und gesüßte Getränke waren mit einer niedrigeren Konzentration verbunden (P = 0,001), kohlenhydratreiche Kost mit häufiger auffälliger Gesamt- und progressiver Beweglichkeit (P = 0,012 bzw. 0,025) und salzreiche Kost mit häufiger auffälliger Morphologie (P = 0,035). Das gesunde Muster zeigte keine signifikante Beziehung. Die Studie liefert damit eine der größten asiatischen Datengrundlagen für den Einfluss des Gesamtmusters der Ernährung; als Querschnittsstudie mit Fragebogen kann sie keine Ursache belegen, und der Einfluss einzelner Nährstoffe wie Protein lässt sich aus den Muster-Ergebnissen nicht ablesen.
Milchprodukt-Konsum und Spermienqualität bei Männern in einer Fertilitätsklinik
Afeiche MC et al. — Fertility and Sterility
Longitudinale Studie an 155 Männern eines universitären Fertilitätszentrums zur Beziehung zwischen Milchprodukt-Konsum und Spermaparametern (Gesamtspermienzahl, Konzentration, progressive Motilität, Morphologie, Volumen). Ein hoher Konsum fettarmer Milchprodukte war positiv mit Spermienkonzentration und progressiver Motilität assoziiert: Männer im höchsten Verzehrsquartil (1,22–3,54 Portionen/Tag) hatten im Mittel eine um 33 % höhere Spermienkonzentration (95 %-KI 1–55 %) und eine um 9,3 Prozentpunkte höhere Motilität (95 %-KI 1,4–17,2) als Männer im niedrigsten Quartil (≤0,28 Portionen/Tag); der Effekt wurde vor allem durch fettarme Milch getragen. Käsekonsum war dagegen bei (ehemaligen) Rauchern mit niedrigerer Spermienkonzentration verknüpft: im höchsten Tertil (0,82–2,43 Portionen/Tag) 53,2 % niedriger als im niedrigsten Tertil. Die Autoren schließen, dass insbesondere fettarme Milch mit besserer Spermienqualität einhergeht, während Käsekonsum bei Rauchern mit schlechteren Werten assoziiert ist – möglicherweise vermittelt über Hormonrückstände oder gesättigte Fette in Milchprodukten.
Milchprodukte in der Ernährung im Zusammenhang mit Spermaqualität und reproduktiven Hormonspiegeln bei körperlich aktiven jungen Männern
Afeiche M, Williams PL, Mendiola J, Gaskins AJ, Jørgensen N, Swan SH, Chavarro JE — Human reproduction (Oxford, England)
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study, 2009–2010) an 189 Männern im Alter von 18–22 Jahren: Milchproduktkonsum wurde per Ernährungsfragebogen erfasst und mittels linearer Regression mit Samenparametern (Gesamtspermienzahl, Konzentration, progressive Motilität, Morphologie, Ejakulatvolumen) in Beziehung gesetzt, adjustiert für Alter, Karenzzeit, Rauchen, BMI, Sport und Kalorienaufnahme. Der Gesamtkonsum an Milchprodukten war invers mit der Spermienmorphologie assoziiert (p-Trend=0,004), vor allem getragen durch fettreiche Milchprodukte, insbesondere Käse: Männer im oberen Konsumbereich fettreicher Milchprodukte hatten 3,2 Prozentpunkte (95%-KI -4,5 bis -1,8) weniger normal geformte Spermien als jene im unteren Bereich (p<0,0001); bei fettarmen Milchprodukten war der Effekt schwächer (-1,3 Prozentpunkte, p=0,06). Ein hoher Konsum fettreicher Milchprodukte war zudem mit geringerer progressiver Motilität assoziiert (p=0,05). Als möglicher Mechanismus werden Umweltöstrogene in Milchprodukten diskutiert. Aufgrund des Querschnittsdesigns ist keine Kausalität belegbar; weitere Forschung wird vor einer generellen Empfehlung zur Einschränkung fettreicher Milchprodukte für nötig gehalten.
Ernährungsmuster und Spermaqualität bei jungen Männern
Gaskins AJ, Colaci DS, Mendiola J, Swan SH, Chavarro JE — Human reproduction (Oxford, England)
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study, 2009–2010) an 188 Männern im Alter von 18–22 Jahren, die per Ernährungshäufigkeits-Fragebogen erfasste Ernährungsmuster mittels Faktorenanalyse mit Spermaqualität (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) in Beziehung setzte, adjustiert u.a. für Karenzzeit, BMI, Rauchen und Kalorienaufnahme. Zwei Muster wurden identifiziert: ein 'westliches' Muster (viel rotes/verarbeitetes Fleisch, raffinierte Getreideprodukte, Pizza, Snacks, Energydrinks, Süßigkeiten) und ein 'umsichtiges' ('Prudent') Muster (viel Fisch, Huhn, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn). Das umsichtige Muster war positiv mit dem Anteil progressiv beweglicher Spermien assoziiert (p-Trend=0,04): Männer im höchsten Quartil hatten 11,3 Prozentpunkte (95%-KI 1,3–21,3) mehr progressiv motile Spermien als jene im niedrigsten Quartil, ohne Zusammenhang mit Konzentration oder Morphologie. Das westliche Muster zeigte keinen Zusammenhang mit Samenparametern. Als Querschnittsstudie kann keine Kausalität belegt werden; die Autoren sehen dennoch Hinweise, dass eine Ernährung reich an Obst, Gemüse, Fisch, Huhn und Vollkorn die Spermienbeweglichkeit günstig beeinflussen könnte.
Sojanahrungsmittel- und Isoflavon-Zufuhr im Zusammenhang mit Spermiogrammparametern bei Männern einer Kinderwunschklinik
Chavarro JE, Toth TL, Sadio SM, Hauser R — Human Reproduction
Querschnittsstudie an 99 männlichen Partnern subfertiler Paare am Massachusetts General Hospital Fertility Center, bei denen die Zufuhr von 15 sojabasierten Lebensmitteln über die vorangegangenen drei Monate erfasst und mittels linearer und Quantilregression mit Spermiogrammparametern in Beziehung gesetzt wurde, adjustiert für Alter, Karenzzeit, BMI, Koffein-, Alkoholkonsum und Rauchen. Es zeigte sich ein inverser Zusammenhang zwischen Sojanahrungsmittelkonsum und Spermienkonzentration: Männer mit der höchsten Sojazufuhr hatten 41 Mio. Spermien/ml weniger als Männer ohne Sojakonsum (95%-KI -74 bis -8; p für Trend=0,02). Für einzelne Isoflavone, am stärksten für Glycitein, zeigte sich eine ähnliche, aber statistisch nicht signifikante Tendenz. Der inverse Zusammenhang war bei sehr hohem Konsum und bei übergewichtigen/adipösen Männern ausgeprägter. Motilität, Morphologie und Ejakulatvolumen waren nicht mit Soja-/Isoflavonzufuhr assoziiert. Die Daten deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen hoher Sojazufuhr und niedrigerer Spermienkonzentration hin, wie zuvor bereits in Tierstudien beobachtet.