4 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Sonne & Klima, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
Saisonale Schwankungen der menschlichen Spermienparameter: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Dehghanbanadaki H et al. — Andrology
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in PubMed, Web of Science und Scopus bis März 2025, 641 zunächst identifizierte Studien, 21 in die Metaanalyse eingeschlossen) zu saisonalen Schwankungen menschlicher Spermienparameter. Mittels Random-Effects-Modellen wurden gepoolte mittlere Differenzen zwischen den Jahreszeiten berechnet. Winter und Frühling zeigten insgesamt eine bessere Spermienqualität als Sommer und Herbst: höhere Spermienkonzentration (+3,24 bis 6,07 Mio./mL), höhere Gesamtspermienzahl (+14,63 bis 19,74 Mio.) und geringere langsame Motilität (-5,17 bis -11,75 Prozentpunkte). Im Winter fand sich zudem eine um 1,30 Prozentpunkte höhere normale Morphologie als in Herbst/Sommer, im Frühling eine um 4,34–4,38 Millionen höhere Gesamtzahl beweglicher Spermien sowie bessere Morphologie als im Sommer; im Sommer war die langsame Motilität niedriger als im Herbst. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Jahreszeit bei Planung und Interpretation von Spermiogrammen berücksichtigt werden sollte, da Winter und Frühling im Mittel günstigere Werte liefern.
Saisonale Schwankungen menschlicher Spermien in 6.455 Samenproben: eine mögliche Erklärung für ein saisonales Geburtenmuster
Levitas E, Lunenfeld E, Weisz N, Friger M, Har-Vardi I — American journal of obstetrics and gynecology
Retrospektive Laboranalyse (Andrologie-Labor) von 6.455 aufeinanderfolgenden Samenproben von 6.447 Paaren im Rahmen einer Basis-Fertilitätsabklärung, wobei die Samenparameter in Bezug zur Jahreszeit der Probenentnahme und zur Jahreszeit 70 Tage zuvor (während der Spermatogenese-Phase) ausgewertet wurden; die Proben wurden anhand der Spermienkonzentration in normozoospermisch bzw. oligozoospermisch eingeteilt. Spermienkonzentration und Anteil schnell beweglicher Spermien nahmen von Frühling zu Sommer und Herbst signifikant ab (p<0,001), mit Erholung im Winter. Der höchste Anteil normal geformter Spermien wurde im Winter beobachtet. Das saisonale Muster erscheint als zirkannual-rhythmisches Phänomen. Winter- und Frühlingssamenproben sind mit erhöhter Fruchtbarkeitswahrscheinlichkeit (Fekundabilität) vereinbar, was nach Ansicht der Autoren eine mögliche Erklärung für den beobachteten Höhepunkt der Geburtenzahlen im Herbst liefert. Die sehr große Stichprobe verleiht den Befunden statistisches Gewicht, wenngleich die retrospektive Datenauswertung keine Kausalaussagen zulässt.
Saisonale Schwankungen der Spendersamenqualität vor und nach dem Auftauen
Yogev L, Kleiman S, Shabtai E, Botchan A, Gamzu R, Paz G, Yavetz H, Hauser R — Human reproduction (Oxford, England)
Retrospektive Beobachtungsstudie an einer Samenbank-Kohorte. Untersucht wurden die ersten zwei Ejakulate von Spendern in vier Monaten - März (n=92), Juni (n=97), September (n=81) und Dezember (n=97) -, wobei 103 Spender, die in mindestens zwei Jahreszeiten spendeten, für den direkten Vergleich herangezogen wurden. Verglichen wurden Samenparameter vor und nach Kryokonservierung (Einfrieren/Auftauen) zwischen den Jahreszeiten bei denselben Spendern. Spermienkonzentration (p=0,030) und normale Morphologie (p=0,038) unterschieden sich signifikant zwischen den Monaten, mit den höchsten Werten im März und Dezember und den niedrigsten im September; Ejakulatvolumen und Motilitätsanteil blieben über das Jahr stabil. Die Einfrierbarkeit der Spermien (Anzahl nutzbarer Portionen) sank deutlich von März bis September (p=0,017 bzw. p=0,002). Einordnung: Die Kryokonservierung von Spendersamen ist im Winter und Frühling effektiver als im Spätsommer/Frühherbst, was für eine jahreszeitliche Komponente der Spermienqualität spricht.
Jahreszeitliche Muster der menschlichen Spermienproduktion und Spermaqualität
Mortimer D, Templeton AA, Lenton EA, Coleman RA — Archives of andrology
Retrospektive Auswertung von Routine-Spermiogrammen aller Ehemänner von Paaren (ohne Azoospermie-Fälle), die zwischen 1975 und 1979 an einer Kinderwunschklinik vorstellig wurden. Aus den Daten wurden monatliche Mittelwerte für Ejakulatvolumen, Spermiendichte, Gesamtspermienzahl sowie die Anteile progressiv beweglicher, vitaler und morphologisch normaler Spermien berechnet, um jahreszeitliche Schwankungen zu untersuchen. Für keinen der untersuchten Parameter fanden sich signifikante saisonale Schwankungen. Im Vergleich mit anderen publizierten Studien zeigte sich jedoch ein Trend zu erhöhter Spermienproduktion in den späten Winter- und frühen Frühlingsmonaten. Die Studie liefert damit gemischte Evidenz zur Frage jahreszeitlicher Effekte auf die männliche Fertilität: Die eigenen Daten zeigen keine statistisch signifikanten saisonalen Unterschiede, während der Vergleich mit der Literatur einen möglichen, wenn auch schwachen saisonalen Trend nahelegt, der studienübergreifend nicht einheitlich bestätigt werden konnte.