7 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Sonstiges, neueste zuerst. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.
7 von 7 Studien
Sonstiges2026
Aktuelle Risikofaktoren für männliche Unfruchtbarkeit und Spermienparameter: eine Dachübersicht (Umbrella Review) systematischer Übersichtsarbeiten und Metaanalysen
Wang QH et al. — Asian journal of andrology
Dachübersicht (Umbrella Review) über systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Literatursuche in Web of Science, MEDLINE und Embase, Januar 2000 bis Februar 2025) zu Risikofaktoren für männliche Unfruchtbarkeit und abnormale Spermienparameter. Eingeschlossen wurden 43 Studien zu 67 Risikofaktoren mit insgesamt 249 einzeln nach GRADE bewerteten Effektschätzern, von denen 54,6 % als "sehr niedrig", 23,7 % als "niedrig" und nur 21,7 % als "moderat" in der Evidenzqualität eingestuft wurden. Als risikoerhöhend identifiziert wurden unter anderem Typ-1-Diabetes, metabolisches Syndrom, Hyperthyreose, systemischer Lupus erythematodes, chronische Prostatitis und Leukozytospermie sowie ungünstige Lebensstilfaktoren (Adipositas, Schlafstörungen, Rauchen), Schadstoffexposition (Schwefelkohlenstoff, Organophosphate, Blei), bestimmte Medikamente (Sulfasalazin, Mesalazin, SSRI) und virale Infektionen (SARS-CoV-2, HPV, Hepatitisviren). Regelmäßige körperliche Aktivität, Nusskonsum und gesunde Ernährungsmuster könnten diesen Effekten entgegenwirken. Die Autoren betonen, dass die Evidenzqualität überwiegend gering und ein kausaler Nachweis für viele Zusammenhänge noch offen ist.
Aktualisierung zur männlichen Infertilität: AUA/ASRM-Leitlinie (2024)
Brannigan RE, Hermanson L, Kaczmarek J, Kim SK, Kirkby E, Tanrikut C — The Journal of urology
Kein klassischer Forschungsartikel, sondern eine evidenzbasierte Leitlinien-Aktualisierung der American Urological Association (AUA) und American Society for Reproductive Medicine (ASRM) zur Diagnostik und Behandlung männlicher Infertilität. Grundlage war ein strukturiertes Update-Literaturreview: Von 4.093 neu identifizierten Abstracts erfüllten 125 die Einschlusskriterien für die Volltextprüfung, von denen letztlich 22 Studien in die evidenzbasierte Überarbeitung der Empfehlungen einflossen; ein Expertengremium formulierte darauf aufbauend konsens- und evidenzbasierte Aussagen. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen überarbeitete Schwellenwerte für die Testung auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen, präzisierte Indikationen für eine Becken-MRT bei infertilen Männern sowie Empfehlungen zum Einsatz testikulärer Spermien bei nicht-azoospermen Männern. Die Autoren betonen, dass sich Diagnostik und Therapieoptionen in diesem Feld weiterhin rasch entwickeln und künftige Überarbeitungen erforderlich sein werden.
Lebensstil-, Umwelt- und weitere Gesundheitsfaktoren im Zusammenhang mit erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung: Systematische Übersicht und Metaanalyse
Szabó A, et al. — Reproductive biology and endocrinology : RB&E
Umfangreiche, präregistrierte systematische Übersicht mit Metaanalyse (Suche in drei medizinischen Datenbanken), die 190 Studien zu Risikofaktoren für erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) einschließt; berechnet wurden mittlere Differenzen (MD) mit 95%-Konfidenzintervall zwischen exponierten und nicht-exponierten Männern. Ergebnisse: Die stärksten Anstiege der SDF zeigten sich bei Varikozele (MD 13,62%) und gestörter Glukosetoleranz (MD 13,75%); unter den Tumoren hatte der Hodentumor den größten Effekt (MD bis 11,3%). Rauchen erhöhte die SDF um 9,19%, Umweltverschmutzung um 9,68%, und ab einem väterlichen Alter über 50 Jahren stieg die SDF im Mittel um 12,58%. Chlamydien- und HPV-Infektionen sowie unterschiedliche Karenzzeiten zeigten dagegen keinen relevanten Einfluss. Einordnung: Breit angelegte Zusammenschau, die Varikozele, gestörte Glukosetoleranz, Hodentumoren, Rauchen, Umweltverschmutzung und höheres väterliches Alter als wichtigste Risikofaktoren für erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung über verschiedene Themenfelder hinweg identifiziert.
Faktoren, die männliche Infertilität beeinflussen: Ein systematisches Review
Jafari H, et al. — International journal of reproductive biomedicine
Systematisches Review zu Risikofaktoren männlicher Infertilität in der iranischen Bevölkerung. Nach einer Literatursuche ohne Zeitbegrenzung bis April 2020 in mehreren Datenbanken (u. a. PubMed, Google Scholar) wurden aus ursprünglich 691 Treffern 14 Studien mit insgesamt 26.324 infertilen Männern eingeschlossen. Eine quantitative Metaanalyse wurde nicht durchgeführt, stattdessen wurden die berichteten Einflussfaktoren deskriptiv zusammengetragen. Am häufigsten genannt wurden Samenanomalien und Varikozele bzw. Hodenerkrankungen, gefolgt von Rauchen, Hitzeexposition, Adipositas, anabolen Steroiden, Gefäßanomalien, bestimmten Medikamenten (u. a. Antidepressiva, Ranitidin, Cimetidin), urogenitalen Infektionen/Erkrankungen, beruflichen Faktoren, Alkohol, chronischen Erkrankungen, sexuellen Funktionsstörungen sowie genetischen Faktoren und Herpesinfektionen. Die Autoren stellen fest, dass die in Iran identifizierten Faktoren weitgehend mit denen anderer Länder übereinstimmen, und schlagen vor, diese Übersicht als Grundlage für regionale Präventions- und Managementstrategien bei männlicher Infertilität zu nutzen.
Narrative Übersichtsarbeit zu lebensstilbedingten Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit vor dem Hintergrund eines vermuteten globalen Rückgangs der Spermaqualität. Eine systematische Literaturrecherche (überwiegend letztes Jahrzehnt, nur englischsprachige Publikationen) identifizierte 1012 Artikel, von denen nach Titel-/Abstract-Screening 104 die Einschlusskriterien erfüllten; nach Ausschluss nicht verfügbarer Volltexte wurden 74 Arbeiten ausgewertet. Behandelt werden u. a. Zigarettenrauchen, Alkoholkonsum, illegale Drogen, Adipositas, psychischer Stress, fortgeschrittenes väterliches Alter, Ernährungsgewohnheiten und Kaffeekonsum als Hauptfaktoren sowie kurz zusätzlich testikulärer Hitzestress, intensives Radtraining, Schlafmangel und elektromagnetische Strahlung durch Mobiltelefone. Die Autoren betonen, dass diese Faktoren zu den zahlreichen potenziell veränderbaren Risikofaktoren für männliche Fertilität gehören und ihre negativen Effekte durch Verhaltensänderung und einen gesünderen Lebensstil größtenteils vermeidbar sein könnten. Als Fazit wird ein größeres Bewusstsein für diese Einflussfaktoren bei Paaren mit Kinderwunsch empfohlen. Die Übersicht liefert keine neuen Primärdaten, sondern fasst bestehende Evidenz zu mehreren Lebensstilfaktoren gleichzeitig zusammen.
Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung mittels Salvage-Mikrodissektions-TESE nach gescheiterter TESE bei Patienten mit nichtobstruktiver Azoospermie
Xu T, Peng L, Lin X, Li J, Xu W — Andrologia
Klinische Studie an 52 Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA), bei denen nach gescheiterter konventioneller testikulärer Spermienextraktion (TESE) eine mikrodissektions-TESE (mTESE) als Salvage-Verfahren durchgeführt wurde. Methodik: Erfassung von Alter, BMI, Klinefelter-Syndrom, Varikozele, Kryptorchismus, Hodenvolumen, Hormonprofil (Testosteron, FSH, LH, Inhibin B), Testishistologie und OP-Dauer; multivariate logistische Regression zur Identifikation von Prädiktoren der Spermiengewinnung. Ergebnisse: Gesamttestosteron und Testishistologie waren signifikante Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung (Chi-Quadrat=26,42; df=4; p<0,005). Eine daraus abgeleitete Formel erreichte bei einem Cut-off von >71% vorhergesagter Erfolgswahrscheinlichkeit eine Sensitivität von 78,0% und Spezifität von 72,4% (ROC-Analyse). Einordnung: Die Studie liefert ein praktikables, auf Hormonwerten und Histologie basierendes Vorhersagemodell, das bei NOA-Patienten mit vorheriger erfolgloser TESE helfen kann, geeignete Kandidaten für eine erneute operative Spermiengewinnung zu identifizieren.
Elterliches Wissen über die Fertilität bei männlichen Überlebenden von Krebs im Kindesalter
van den Berg H, Langeveld NE — Psycho-Oncology
Kein klassischer Fertilitätsdatensatz, sondern eine Befragungsstudie zum elterlichen Wissensstand: 159 Familien mit einem Jungen, der eine Krebserkrankung im Kindesalter überlebt hatte, wurden zu Erinnerung und Erwartungen bezüglich der Fertilität ihres Sohnes befragt. 52% der Eltern erinnerten sich an ärztliche Aussagen zur Fertilität, 36% nicht, 12% waren unsicher; Geschlecht und Alter der Eltern bei Diagnosestellung hatten keinen Einfluss. Bei intensiverer Behandlung waren Eltern besser informiert, nach einem Rezidiv hingegen schlechter. 9% der Eltern erwarteten Infertilität, 60% waren unsicher, 31% erwarteten normale Fertilität. Die Autoren schließen, dass nur etwa die Hälfte der Eltern über die Fertilität ihres Sohnes informiert ist, vermutlich aufgrund begrenzter mündlicher Aufklärung und Erinnerungslücken trotz schriftlicher Informationen; ein Drittel ging fälschlich von normaler Fertilität aus. Die Studie behandelt keine biologischen Einflussfaktoren auf die Spermienqualität, sondern die Kommunikations- und Aufklärungslücke bei Fertilitätsfragen nach kindlicher Krebstherapie.