62 Studien1984–2020Alle mit Original-Link

Studien zu Genetik & Anatomie und Spermienqualität (32–62)

62 wissenschaftliche Original-Publikationen zum Themenbereich Genetik & Anatomie, neueste zuerst; diese Seite zeigt die Studien 32 bis 62. Jede mit deutscher Zusammenfassung (Studientyp, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse) und direktem Link zum Original auf PubMed.

31 von 31 Studien
Genetik & Anatomie 2020

CFTR-Genmutationen bei kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens: Reproduktive Implikationen und genetische Beratung

Cui X, Wu X, Li Q, Jing X — Molecular medicine reports

Narrativer Übersichtsartikel zur kongenitalen bilateralen Aplasie des Vas deferens (CBAVD), einer überwiegend durch Mutationen im CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) verursachten anatomischen Fehlbildung. CBAVD ist laut Review für 2-6% aller Fälle männlicher Infertilität und bis zu 25% der Fälle obstruktiver Azoospermie verantwortlich. Der Artikel fasst zusammen, wie mittels testikulärer oder epididymaler Spermienaspiration in Kombination mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) und In-vitro-Fertilisation betroffene Männer biologische Kinder zeugen können, und betont die Bedeutung der Präimplantationsdiagnostik, um die Weitergabe von CFTR-Mutationen an die Nachkommen zu vermeiden. Da CBAVD häufig eine milde, klinisch unauffällige Form der Mukoviszidose darstellt, wird eine genetische Beratung von Paaren vor assistierter Reproduktion als essenziell dargestellt, um Trägerstatus und Wiederholungsrisiko abzuklären. Als reiner Übersichtsartikel liefert die Arbeit keine neuen Primärdaten, sondern ordnet den aktuellen Kenntnisstand zu Genetik, Diagnostik und reproduktiven Optionen bei CBAVD ein.

PMID 33000223 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2020

Infertilität beim Klinefelter-Syndrom: von der Ursache zum Management

Deebel NA, Bradshaw AW, Sadri-Ardekani H — Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism

Narratives Review zum Klinefelter-Syndrom (KS), definiert durch mindestens ein zusätzliches X-Chromosom bei männlichen Patienten und mit einer Häufigkeit von etwa 1:600 männlichen Neugeborenen die häufigste chromosomale Ursache für Hypogonadismus und Infertilität. Ohne eigene Patientendaten fasst die Arbeit den Forschungsstand zu Mechanismen der phänotypischen Variabilität, den zugrundeliegenden Störungen der Spermienproduktion sowie den unterschiedlichen Erfolgsraten der testikulären Spermienextraktion (TESE) zusammen und diskutiert Auswirkungen auf Lebendgeburtenraten und die Gesundheit der Nachkommen. Zudem werden medikamentöse Therapien zur Optimierung von Hormonstatus und Fertilitätschancen bei KS-Patienten beleuchtet sowie experimentelle Ansätze mit spermatogonialen Stammzellen (SSC) als mögliche Zukunftsoption für TESE-negative Patienten vorgestellt. Die Autoren betonen den Mangel an evidenzbasierten Standards für die Betreuung von KS-Patienten. Die Übersicht verdeutlicht, dass Klinefelter-Syndrom eine genetisch fest definierte, aber klinisch sehr heterogene Ursache männlicher Unfruchtbarkeit ist, für die noch keine einheitlichen Behandlungsleitlinien bestehen.

PMID 33358481 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2019

Die Prävalenz von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei Männern mit Oligozoospermie: systematische Übersicht und Meta-Analyse europäischer und nordamerikanischer Studien

Kohn TP et al. — European urology

Systematische Übersicht und Meta-Analyse von 37 europäischen und nordamerikanischen Studien (12.492 oligozoosperme Männer), davon 18 Studien mit Daten für die Meta-Analyse (10.866 Männer). Methodik: Literatursuche in MEDLINE, EMBASE, Cochrane Library und ClinicalTrials.gov zur Prävalenz kompletter Y-Chromosom-Mikrodeletionen (YCM) bei Männern mit Spermienkonzentrationen von >0–1, >1–5 und >5–20 Mio./ml, um den sinnvollsten Screening-Schwellenwert zu bestimmen. Ergebnisse: Alle gefundenen kompletten YCM betrafen die AZFc-Region. Die Prävalenz war bei Männern mit ≤1 Mio. Spermien/ml mit 5,0% (95%-KI 3,6–6,8%) signifikant höher als bei >1–5 Mio./ml (0,8%; 95%-KI 0,5–1,3%) und >5–20 Mio./ml (0,5%; 95%-KI 0,2–0,9%; kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden letztgenannten Gruppen, p=0,14). Einordnung: Die Autoren empfehlen, das YCM-Screening auf Männer mit Spermienkonzentrationen ≤1 Mio./ml zu beschränken, da komplette Mikrodeletionen bei höheren Konzentrationen selten sind — eine Anpassung bisheriger, teils höherer Leitlinienschwellen.

PMID 31400948 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2018

Häufigkeit von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei unfruchtbaren Männern

Akınsal EC, Baydilli N, Dündar M, Ekmekçioğlu O — Turkish journal of urology

Retrospektive Auswertung von Krankenakten zur Häufigkeit von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei 1616 unfruchtbaren Männern, unterteilt nach Infertilitätsursache und Spermiogrammbefund. Bei 54 von 1616 Fällen (3,3%) wurde eine Y-Chromosom-Mikrodeletion nachgewiesen, am häufigsten in der Azoospermie-Faktor(AZF)-Region (48,1% der Deletionen). In bestimmten Subgruppen – Klinefelter-Syndrom, hypogonadotroper Hypogonadismus, kongenitale Vas-deferens-Aplasie und 47,XYY-Karyotyp – fanden sich keine Y-Mikrodeletionen, während sie in anderen Infertilitäts-Subgruppen deutlich häufiger auftraten. Die Autoren folgern, dass eine sorgfältige Stufendiagnostik (körperliche Untersuchung, Spermiogramm, Hormonstatus, ggf. Karyotypisierung) helfen kann vorherzusagen, bei welchen Patienten eine gezielte Y-Mikrodeletionsanalyse sinnvoll ist, um unnötige Kosten zu vermeiden. Die Studie liefert damit populationsbezogene Häufigkeitsdaten zu einer wichtigen genetischen Ursache männlicher Unfruchtbarkeit, insbesondere bei schwerer Spermiogrammstörung.

PMID 29799410 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2018

Unfruchtbarkeit bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom: optimaler Zeitpunkt für die Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe

Hawksworth DJ, Szafran AA, Jordan PW, Dobs AS, Herati AS — Reviews in urology

Narrative Übersichtsarbeit zur nicht-obstruktiven Azoospermie infolge eines Klinefelter-Syndroms, der häufigsten chromosomalen Anomalie im Zusammenhang mit männlicher Unfruchtbarkeit. Männliche Unfruchtbarkeit ist für etwa 50% aller Infertilitätsfälle mitverantwortlich und stellt für betroffene Paare eine komplexe diagnostische und therapeutische Herausforderung mit erheblichen medizinischen, finanziellen und psychologischen Auswirkungen dar. Der Artikel fokussiert sich gezielt auf die nicht-obstruktive Azoospermie bei Klinefelter-Syndrom und diskutiert bestehende Kontroversen im Fertilitätsmanagement dieser genetischen Erkrankung, insbesondere den optimalen Zeitpunkt für die Kryokonservierung von Spermien beziehungsweise Hodengewebe. Konkrete quantitative Ergebnisse, Studiendaten oder Fallzahlen werden im verfügbaren Abstract nicht genannt; im Vordergrund steht vielmehr eine klinisch-konzeptionelle, narrative Einordnung der bestehenden Diagnostik- und Therapieoptionen ohne systematische Evidenzsynthese. Die Arbeit richtet sich in erster Linie an Kliniker, die Patienten mit Klinefelter-Syndrom hinsichtlich des Fertilitätserhalts beraten.

PMID 30288141 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2017

Spermiengewinnung und ICSI-Ergebnisse beim Klinefelter-Syndrom: eine systematische Übersicht und Metaanalyse

Corona G, Pizzocaro A, Lanfranco F, Garolla A, Pelliccione F, Vignozzi L, Ferlin A, Foresta C, Jannini EA, Maggi M, Lenzi A, Pasquali D, Francavilla S — Human reproduction update

Systematische Übersicht und Metaanalyse zu 37 eingeschlossenen Studien (aus 139 identifizierten) mit insgesamt 1.248 Männern mit Klinefelter-Syndrom (mittleres Alter 30,9 Jahre), die sich einer testikulären Spermienextraktion (TESE bzw. Mikro-TESE) unterzogen. Primärer Endpunkt war die Spermiengewinnungsrate (SRR), sekundär Schwangerschafts- (PR) und Lebendgeburtenraten (LBR) nach ICSI. Die gepoolte SRR pro TESE-Zyklus betrug 44% (95%-KI 39–48%), ohne signifikanten Unterschied zwischen Mikro-TESE (43%) und konventioneller TESE (45%). Alter, Hodenvolumen sowie FSH-, LH- und Testosteronspiegel bei Einschluss beeinflussten die SRR in der Meta-Regression nicht, ebenso wenig ein bilaterales versus unilaterales Vorgehen. Bei 410 ICSI-Zyklen (29 Studien) lag die Schwangerschaftsrate bei 43% und die Lebendgeburtenrate ebenfalls bei 43%, unabhängig von klinischen oder laborchemischen Parametern sowie unabhängig davon, ob frisches oder kryokonserviertes Sperma verwendet wurde. Die Daten belegen, dass bei Klinefelter-Patienten mit TESE/Mikro-TESE in etwa der Hälfte der Fälle Spermien gewonnen und Schwangerschaften erzielt werden können.

PMID 28379559 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2016

Einfluss der Varikozele auf Samenparameter nach den neuen WHO-Kriterien von 2010: Ein systematisches Review mit Metaanalyse

Agarwal A, Sharma R, Harlev A, Esteves SC — Asian journal of andrology

Systematisches Review mit Metaanalyse zum Einfluss der Varikozele auf Samenparameter nach den WHO-2010-Kriterien. Literatursuche in Medline/PubMed, SJU Discover und Google Scholar für Studien von 2010 bis August 2015; eingeschlossen wurden zehn Studien mit insgesamt 1.232 Männern, jeweils mit Vergleichsgruppe fertiler oder normozoospermischer Männer ohne Varikozele. Ergebnisse: Varikozele war assoziiert mit reduzierter Spermienzahl (mittlere Differenz -44,48 x10^6/ml), reduzierter Motilität (-26,67 Prozentpunkte) und reduzierter normaler Morphologie (-19,68 Prozentpunkte, jeweils p<0,001), jedoch nicht mit dem Samenvolumen. Subgruppenanalysen zeigten, dass die Effektgröße vom Kontrollgruppentyp abhing, nicht jedoch von der verwendeten WHO-Manual-Edition. Einordnung: Die Metaanalyse bestätigt die Varikozele als relevanten Risikofaktor für beeinträchtigte Samenqualität, unabhängig von methodischen Unterschieden zwischen älteren und neueren WHO-Kriterien zur Samenanalyse.

PMID 26780872 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2016

Gr/gr-Deletionen auf dem Y-Chromosom korrelieren mit männlicher Infertilität: Eine Originalstudie, Metaanalysen und Trial-Sequential-Analysen

Bansal SK, Jaiswal D, Gupta N, Singh K, Dada R, Sankhwar SN, Gupta G, Rajender S — Scientific reports

Kombinierte Originalstudie mit Metaanalyse und Trial-Sequential-Analyse zu partiellen AZFc-Deletionen des Y-Chromosoms. Untersucht wurden 822 unfruchtbare und 225 fertile (Kontroll-)Männer auf komplette (b2/b4) und partielle Deletionen (gr/gr, b1/b3, b2/b3). Ergebnisse: Komplette AZFc-Deletionen fanden sich bei 0,97%, partielle bei 6,20% der Fälle, wobei gr/gr-Deletionen mit 5,84% am häufigsten waren und signifikant mit Infertilität assoziiert waren (p=0,0004). Männer mit gr/gr-Deletion hatten eine tendenziell niedrigere Spermienzahl (54,2 ± 57,5 Mio./ml vs. 72,5 ± 60,1 Mio./ml, nicht signifikant, p=0,071). Die ergänzende Metaanalyse bestätigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen gr/gr-Deletionen und Infertilitätsrisiko (OR=1,82) sowie mit niedriger Spermienzahl. Einordnung: Die Studie liefert konvergente Evidenz aus Eigenkohorte und Metaanalyse, dass gr/gr-Deletionen einen genetischen Risikofaktor für männliche Infertilität darstellen, insbesondere in kaukasischen Populationen.

PMID 26876364 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2016

Y-Chromosom-b2/b3-Deletionen und männliche Infertilität: Eine umfassende Metaanalyse, Trial-Sequential-Analyse und systematisches Review

Bansal SK, Gupta G, Rajender S — Mutation research. Reviews in mutation research

Systematisches Review mit Metaanalyse und Trial-Sequential-Analyse zu partiellen b2/b3-Deletionen des Y-Chromosoms und männlicher Infertilität. Von 24 überprüften Studien fanden 20 keinen, zwei einen direkten und zwei einen inversen Zusammenhang mit Infertilität; in der gepoolten Analyse hatten 241 von 8.892 (2,71%) oligo-/azoospermen Männern und 118 von 5.842 (2,02%) normozoospermen Kontrollen eine b2/b3-Deletion. Ergebnisse: Die Metaanalyse zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen b2/b3-Deletionen und Infertilitätsrisiko (Fixed-Effects-OR=1,313; Random-Effects-OR=1,315). Nach Ethnizität/Region stratifiziert war der Zusammenhang signifikant bei Mongolen, Nigro-Kaukasiern, Ostasiaten und Afrikanern, nicht jedoch bei Kaukasiern, Europäern, Südasiaten und Dravidern. Einordnung: Die b2/b3-Deletion erhöht das Infertilitätsrisiko offenbar nur in bestimmten, überwiegend asiatischen/afrikanischen Populationen, was auf populationsspezifische Unterschiede hindeutet und die uneinheitlichen Ergebnisse der Einzelstudien erklären könnte.

PMID 27234565 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2016

Klinefelter-Syndrom und Fertilität: Spermienkonservierung sollte Kindern mit Klinefelter-Syndrom nicht angeboten werden

Franik S, Hoeijmakers Y, D'Hauwers K, Braat DD, Nelen WL, Smeets D, Claahsen-van der Grinten HL, Ramos L, Fleischer K — Human reproduction (Oxford, England)

Systematisches Review (76 eingeschlossene Studien aus PubMed, Embase, Cinahl und Web of Science bis April 2016) zur Fertilitätserhaltung bei Kindern und Jugendlichen mit Klinefelter-Syndrom (KS), der häufigsten chromosomalen Ursache nichtobstruktiver Azoospermie (zusätzliches X-Chromosom). Methodik: Literaturrecherche und -bewertung durch zwei unabhängige Reviewer. Ergebnisse: Bereits präpubertäre Jungen mit KS haben trotz normalem Hormonprofil eine reduzierte Keimzellzahl; Spermien im Ejakulat finden sich bei Jugendlichen mit KS extrem selten. Die Spermiengewinnungsrate mittels testikulärer Spermienextraktion (TESE) ist bei unter 16-Jährigen deutlich niedriger (0-20%) als bei 16- bis 30-Jährigen (40-70%); Spermatogonien lassen sich zwar bei etwa der Hälfte peripubertärer Jugendlicher nachweisen, es fehlen aber klinisch nutzbare Techniken zu deren späterer Verwendung. Einordnung: Die Autoren empfehlen, eine Fertilitätspreservation bei KS-Patienten unter 16 Jahren nicht anzubieten, da der Nutzen unsicher ist und funktionelle unreife Keimzellen dabei sogar verloren gehen könnten.

PMID 27412247 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2016

Varikozele ist mit beeinträchtigter Samenqualität und veränderten Reproduktionshormonspiegeln assoziiert: Eine Studie an 7.035 gesunden jungen Männern aus sechs europäischen Ländern

Damsgaard J, Joensen UN, Carlsen E, Erenpreiss J, Blomberg Jensen M, Matulevicius V, Zilaitiene B, Olesen IA, Perheentupa A, Punab M, Salzbrunn A, Toppari J, Virtanen HE, Juul A, Skakkebæk NE, Jørgensen N — European urology

Große Querschnittsstudie an 7.035 jungen Männern (Medianalter 19 Jahre) aus der Allgemeinbevölkerung in sechs europäischen Ländern (Dänemark, Finnland, Deutschland, Estland, Lettland, Litauen), erhoben 1996-2010. Methodik: körperliche Untersuchung, konventionelle Samenanalyse und Bestimmung reproduktiver Serumhormone; multivariable Regressionsanalysen. Ergebnisse: 1.102 Männer (15,7%) hatten eine Varikozele Grad 1-3. Mit zunehmendem Varikozele-Grad verschlechterte sich die Samenqualität, bereits ab Grad 1 nachweisbar; bei Grad 3 war die Spermienkonzentration weniger als halb so hoch wie bei Männern ohne Varikozele. Varikozele war zudem mit höherem FSH, niedrigerem Inhibin B und höherem LH assoziiert, während Gesamt- und freies Testosteron unverändert blieben. Einordnung: Diese bislang größte Studie an einer nicht auf Fertilität selektierten Population belegt einen dosisabhängigen negativen Effekt der Varikozele auf die Hodenfunktion, kann aber aufgrund des Querschnittsdesigns keine Aussage zu Progression oder Behandlungsnutzen treffen.

PMID 27423503 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2015

Erworbener Hodenhochstand und Fertilitätspotenzial: Ist eine Orchidopexie bei Diagnosestellung besser als Abwarten eines spontanen Deszensus?

van der Plas EM, van Brakel J, Meij-de Vries A, de Muinck Keizer-Schrama SM, Hazebroek FW, Hack WW, Dohle GR — Andrology

Vergleichsstudie an Männern mit erworbenem Hodenhochstand (UDT) in der Kindheit. Verglichen wurden 63 Männer, bei denen die Orchidopexie direkt bei Diagnose erfolgte, mit 65 Männern, bei denen zunächst ein spontaner Deszensus bis zur Pubertät abgewartet wurde. Methodik: andrologische Untersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, Skrotalsonographie, Hormonbestimmung und Samenanalyse im Erwachsenenalter. Ergebnisse: Bei einseitigem UDT war Inhibin B in der Gruppe mit sofortiger Orchidopexie niedriger, die progressive Motilität dagegen höher; bei beidseitigem UDT zeigte sich ein Trend zugunsten der frühen Operation bei Konzentration und Motilität. Das Alter bei Orchidopexie (unter oder über 10 Jahre) hatte keinen signifikanten Einfluss. Insgesamt war die Fertilität in beiden Gruppen beeinträchtigt, ohne dass ein Protokoll klar überlegen war. Einordnung: Die Autoren befürworten bei einseitigem UDT ein eher abwartendes Vorgehen, da über 50% der Fälle spontan deszendieren.

PMID 26084887 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2013

Y-chromosomale Mikrodeletionen bei infertilen Männern: Prävalenz, Phänotypen und Screening-Marker für die indische Bevölkerung

Sen S, Pasi AR, Dada R, Shamsi MB, Modi D — Journal of assisted reproduction and genetics

Genetische Studie zur Prävalenz von Yq-Mikrodeletionen bei 1.636 infertilen indischen Männern aus eigenen Zentren, ergänzt durch gepoolte Daten publizierter indischer Studien auf insgesamt 3.647 Fälle. In der eigenen Kohorte wiesen 3,4% (56/1.636) Yq-Mikrodeletionen auf; gepoolt waren es 5,8% (215/3.647), mit 6,4% bei Azoospermie, 5,8% bei Oligozoospermie und 3,2% bei Oligoasthenoteratozoospermie. Zwischen idiopathischen und nicht-idiopathischen Fällen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Deletionshäufigkeit (5,8% vs. 8,6%). Am häufigsten waren AZFc-Deletionen (46,6%), Doppeldeletionen traten vor allem bei Azoospermie auf. Ein Screening mit den sechs Standardmarkern der European Academy of Andrology (EAA) hätte 3,1% der Fälle übersehen; zusätzliche, nicht-EAA-Marker wurden als sinnvolle Ergänzung identifiziert. Die Autoren folgern, dass Yq-Mikrodeletionen in der indischen Bevölkerung seltener als in westlichen Kohorten sind, keine eindeutige Assoziation mit spezifischen Samenparametern zeigen, aber bei allen Klassen infertiler Männer getestet werden sollten, wobei die Standard-EAA-Marker dafür nicht ausreichen.

PMID 23344732 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2013

Testikuläre Funktion und Fertilität bei Männern mit Klinefelter-Syndrom: ein Review

Aksglaede L, Juul A — European journal of endocrinology

Narrativer Übersichtsartikel zum Klinefelter-Syndrom (47,XXY), der häufigsten Geschlechtschromosomenaberration bei Männern mit einer Prävalenz von etwa 1 auf 660 neugeborene Jungen. Das Syndrom ist gekennzeichnet durch testikuläre Zerstörung mit ausgeprägter Fibrose und Hyalinisierung der Samenkanälchen, was zu kleinen Hoden, hypergonadotropem Hypogonadismus und in den meisten Fällen zu Azoospermie führt. Während Infertilität bei Klinefelter-Patienten lange als unbehandelbar galt, ermöglichen moderne assistierte Reproduktionstechniken wie die testikuläre Spermienextraktion (TESE) in Kombination mit ICSI heute in vielen Fällen doch eine biologische Vaterschaft; insbesondere die mikrochirurgische TESE (micro-TESE) hat sich als vorteilhaft für den Nachweis testikulärer Spermien erwiesen. Der Review fasst den aktuellen Kenntnisstand zu testikulären Veränderungen, den begleitenden Hormonstörungen und der Spermatogenese bei 47,XXY-Patienten zusammen und beschreibt die heute bestehenden Möglichkeiten reproduktionsmedizinischer Unterstützung. Als reine Literaturübersicht enthält der Artikel keine eigenen Primärdaten oder Fallzahlen.

PMID 23504510 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2012

CFTR-Mutationen bei Männern mit congenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD): systematische Übersicht und Metaanalyse

Yu J et al. — Human reproduction

Systematische Übersicht mit Metaanalyse zur genetischen Assoziation von CFTR-Mutationen mit congenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD), basierend auf einer MEDLINE-Recherche bis März 2011; zwei unabhängige Reviewer extrahierten die Daten, gepoolte Häufigkeiten und Odds Ratios (OR) wurden je nach Heterogenität mit Random- oder Fixed-Effect-Modellen berechnet und nach Ethnizität stratifiziert. Insgesamt trugen 78 % der CBAVD-Patienten mindestens eine CFTR-Mutation (46 % zwei, 28 % eine); die Kombination F508del/5T fand sich bei 17 %, F508del/R117H bei 4 % der Fälle. Kaukasische Patienten hatten häufiger zwei Mutationen als Nicht-Kaukasier (68 % vs. 50 %, p=0,012) sowie eine höhere F508del- (22 % vs. 8 %), aber niedrigere 5T-Allelfrequenz (20 % vs. 31 %). Das 5T-Allel war stark mit CBAVD assoziiert (OR 9,25), die Kombination 5T/(TG)12-13 sogar noch stärker (OR 19,43) und ohne Heterogenität. Die Arbeit bestätigt CFTR-Mutationen, insbesondere das 5T-Allel, als zentralen genetischen Risikofaktor für CBAVD mit deutlichen ethnischen Unterschieden.

PMID 22081250 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2012

Chromosomale Defekte bei infertilen Männern mit schlechter Spermaqualität

Ghorbel M, Gargouri Baklouti S, Ben Abdallah F, Zribi N, Cherif M, Keskes R, Chakroun N, Sellami A, Belguith N, Kamoun H, Fakhfakh F, Ammar-Keskes L — Journal of assisted reproduction and genetics

Genetische Querschnittsstudie (retrospektive Auswertung zytogenetischer Befunde) an 76 tunesischen infertilen Männern (54 mit nichtobstruktiver Azoospermie, 22 mit Oligoasthenospermie). Mittels Karyotypisierung von peripheren Blutlymphozyten und molekularer Analyse Y-chromosomaler Mikrodeletionen (STS-Marker) wurde die Häufigkeit chromosomaler Auffälligkeiten bestimmt. Bei 15 von 76 Männern (19,5%) fanden sich numerische oder strukturelle Chromosomenanomalien, häufiger bei Azoospermie (21,7%) als bei schwerer Oligoasthenospermie (13,5%); das Klinefelter-Syndrom war mit 10 von 15 Fällen die häufigste Ursache. Y-chromosomale Mikrodeletionen traten insgesamt bei 17,1% auf, mit 11,1% bei Azoospermie und 31,8% bei schwerer Oligospermie, wobei partielle Deletionen überwogen. Die Autoren schließen daraus, dass genetische Ursachen bei männlicher Infertilität relevant und häufig sind, und empfehlen eine routinemäßige genetische Testung und Beratung vor dem Einsatz assistierter Reproduktionstechniken. Die Studie unterstreicht die Bedeutung genetischer Diagnostik, besonders bei schweren Formen der Spermienproduktionsstörung.

PMID 22406877 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2011

Welche Rolle spielen gr/gr-Deletionen bei männlicher Infertilität? Systematische Übersicht und Metaanalyse

Stouffs K et al. — Human reproduction update

Systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Assoziation zwischen partiellen gr/gr-Deletionen der AZFc-Region des Y-Chromosoms und männlicher Infertilität. Nach einer Medline-Recherche bis Ende 2009 wurden 18 Fall-Kontroll-Studien mit insgesamt 6388 infertilen Männern und 6011 Kontrollen eingeschlossen; die gepoolte Odds Ratio wurde mit einem Random-Effects-Modell berechnet, Heterogenität mittels Cochran-Q-Test und I²-Statistik geprüft. gr/gr-Deletionen fanden sich bei 6,86 % der infertilen Männer gegenüber 4,69 % der Kontrollen; die Assoziation war signifikant (gepoolte OR 1,76; 95 %-CI 1,21–2,66; p<0,001) bei moderater Heterogenität (I²=37 %). Die Stärke der Assoziation war abhängig von Ethnizität und geografischer Region und erreichte v. a. bei kaukasischen Männern in Europa und im westlichen Pazifikraum statistische Signifikanz. Die Metaanalyse über mehr als 12.000 Männer bestätigt gr/gr-Deletionen als moderaten, populationsabhängigen genetischen Risikofaktor für männliche Infertilität.

PMID 20959348 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2011

Verbessert eine Varikozelen-Operation die männliche Fertilität? Eine evidenzbasierte Perspektive aus einer randomisiert-kontrollierten Studie

Abdel-Meguid TA et al. — European urology

Randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) mit 145 verheirateten Männern (20–39 Jahre) mit ≥1 Jahr Infertilität, tastbarer Varikozele und mindestens einem pathologischen Samenparameter, die entweder Beobachtung (Kontrollarm, n=72) oder subinguinale mikrochirurgische Varikozelektomie (Behandlungsarm, n=73) erhielten; primärer Endpunkt war die Spontanschwangerschaftsrate über 12 Monate, sekundäre Endpunkte Veränderungen der Samenparameter. Im Behandlungsarm kam es bei 32,9 % der Paare zu einer Spontanschwangerschaft gegenüber 13,9 % im Kontrollarm (Odds Ratio 3,04; 95 %-CI 1,33–6,95; Number Needed to Treat 5,27). Nur im Behandlungsarm verbesserten sich alle Samenparameter (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) signifikant gegenüber Baseline (p<0,0001) und auch signifikant stärker als im Kontrollarm; im Kontrollarm blieben die Parameter unverändert. Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die Studie liefert Evidenzgrad-1b-Belege für die Überlegenheit der operativen Varikozelenkorrektur gegenüber reinem Abwarten bei infertilen Männern mit tastbarer Varikozele und eingeschränkter Samenqualität.

PMID 21196073 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2011

Assoziation von gr/gr-Deletionen in der AZFc-Region des Y-Chromosoms mit männlicher Infertilität: eine Metaanalyse

Li Y et al. — Zhonghua nan ke xue (National journal of andrology)

Metaanalyse zur Assoziation zwischen gr/gr-Deletionen der AZFc-Region und idiopathischer männlicher Infertilität, basierend auf einer Literatursuche in PubMed, VIP und CNKI (Januar 2003 bis August 2010). Eingeschlossen wurden 20 Fall-Kontroll-Studien mit 5246 infertilen Fällen und 4380 Kontrollen, ausgewertet mit RevMan-4.2-Software. Die gr/gr-Deletion war bei den Fällen signifikant häufiger als bei Kontrollen (gepoolte OR 1,63; 95 %-CI 1,23–2,44; p=0,002); bei Beschränkung auf 16 Studien mit strengeren Ein-/Ausschlusskriterien stieg die OR auf 1,84 (95 %-CI 1,47–2,29; p<0,00001). Bei Oligozoospermie war die Assoziation besonders ausgeprägt (OR 2,12). Der gr/gr-Subtyp ohne DAZ1/DAZ2-Genkopien war signifikant mit gestörter Spermatogenese assoziiert (OR 1,83), während der Subtyp ohne DAZ3/DAZ4 keine signifikante Assoziation zeigte (OR 1,43; p=0,07). Die Metaanalyse stützt gr/gr-Deletionen als Risikofaktor für männliche Infertilität, insbesondere bei Oligozoospermie.

PMID 21735657 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2010

Samenqualität, Reproduktionshormone und Fertilität von Männern nach Hypospadie-Operation

Asklund C, Jensen TK, Main KM, Sobotka T, Skakkebaek NE, Jørgensen N — International Journal of Andrology

Kohortenstudie in der Region Kopenhagen mit 92 Männern mit isolierter Hypospadie (IH) und 20 Männern mit Hypospadie plus weiteren genitalen Fehlbildungen (HAGD), verglichen mit Ergebnissen junger dänischer Männer aus der Allgemeinbevölkerung; zusätzlich wurden über nationale Register Fertilitätsdaten von 1083 wegen Hypospadie operierten Männern ausgewertet. Die Samenqualität von Männern mit IH unterschied sich nicht von der Kontrollgruppe, war bei HAGD jedoch reduziert: mediane Spermienkonzentration 52 vs. 32 Mio./ml (p=0,02), Gesamtspermienzahl 173 vs. 101 Mio. (p=0,03), motile Spermien 70 vs. 58% (p=0,007), normale Morphologie 9 vs. 4% (p=0,004). Männer mit IH hatten leicht erhöhtes FSH und LH, bei HAGD waren die hormonellen Störungen ausgeprägter. Von den registrierten operierten Männern waren 24,0% Väter geworden gegenüber 29,4% in der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung (p<0,01). Die Autoren schließen, dass isolierte Hypospadie in der Regel nicht mit schlechter Samenqualität einhergeht, wenngleich subtile Hormonveränderungen bestehen, während komplexere Formen (HAGD) häufiger eine Kinderwunschbehandlung erfordern.

PMID 19281491 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2008

Kallmann-Syndrom: ein Vergleich der reproduktiven Phänotypen bei Männern mit KAL1- und FGFR1/KAL2-Mutationen

Salenave S, Chanson P, Bry H, Pugeat M, Cabrol S, Carel JC, Murat A, Lecomte P, Brailly S, Hardelin JP, Dodé C, Young J — The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism

Vergleichende genetisch-endokrinologische Studie an 39 Männern mit Kallmann-Syndrom (kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus mit Anosmie/Hyposmie), davon 21 mit KAL1- und 18 mit FGFR1/KAL2-Mutation, ohne zusätzliche PROK2-/PROKR2-Mutationen; erhoben wurden Pubertätsverlauf, Hodenvolumen, Kryptorchismus-Häufigkeit sowie basale und GnRH-stimulierte Gonadotropinwerte. Bei allen KAL1-Mutationsträgern blieb die Pubertät vollständig aus, während drei FGFR1/KAL2-Träger eine normale Pubertät und eugonadale Hormonwerte hatten. Kryptorchismus war bei KAL1-Trägern häufiger (14/21 vs. 3/15; p<0,001) und das Hodenvolumen kleiner (2,4±1,1 vs. 5,4±2,4 ml; p<0,001); auch basales FSH (0,72 vs. 1,48 IU/l; p<0,05), Inhibin B (19,3 vs. 39,5 pg/ml; p<0,005) sowie basales und GnRH-stimuliertes LH (p<0,01) waren bei KAL1-Trägern niedriger. Die LH-Sekretion war bei allen Untersuchten nicht-pulsatil. Die Studie zeigt, dass KAL1-Mutationen einen deutlich schwereren reproduktiven Phänotyp verursachen als FGFR1/KAL2-Mutationen, die mit einem breiteren Spektrum an Pubertätsentwicklung und weniger stark beeinträchtigter Gonadotropinsekretion einhergehen.

PMID 18160472 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2007

Molekulare und klinische Charakterisierung von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei infertilen Männern: eine 10-Jahres-Erfahrung in Italien

Ferlin A, Arredi B, Speltra E, Cazzadore C, Selice R, Garolla A, Lenzi A, Foresta C — The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism

Prospektive Kohortenstudie an einer italienischen Universitätsklinik (1996–2005) mit 3073 konsekutiv untersuchten infertilen Männern, darunter 625 mit nichtobstruktiver Azoospermie und 1372 mit schwerer Oligozoospermie. Untersucht wurden Häufigkeit, Testindikation und Genotyp-Phänotyp-Korrelation von Mikrodeletionen im langen Arm des Y-Chromosoms (Yq, AZF-Regionen) anhand von Spermiogramm, Hormonstatus, Hodenhistologie und Spermien-Aneuploidien. Bei 99 Männern (3,2% aller Infertilen, 8,3% bei Azoospermie, 5,5% bei schwerer Oligozoospermie) fanden sich Mikrodeletionen, überwiegend vom Subtyp AZFc-b2/b4; hier waren in 72% der Fälle noch Spermien im Ejakulat nachweisbar. Komplette AZFa- bzw. AZFb-Deletionen gingen mit Sertoli-Cell-only-Syndrom bzw. gestörter Spermatozytenreifung einher, nur 2 von 99 Betroffenen hatten mehr als 2 Mio. Spermien/ml. AZFc-b2/b4-Träger produzierten vermehrt Spermien mit Nullisomie und XY-Disomie der Geschlechtschromosomen. Die große Fallzahl untermauert den diagnostischen und prognostischen Wert der Yq-Mikrodeletionsanalyse für die genetische Beratung bei männlicher Infertilität.

PMID 17213277 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2007

Wirksamkeit der Varikozelenoperation zur Verbesserung der Spermiogrammparameter: ein neuer metaanalytischer Ansatz

Agarwal A, Deepinder F, Cocuzza M, Agarwal R, Short RA, Sabanegh E, Marmar JL — Urology

Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien und Beobachtungsstudien zur Wirksamkeit der operativen Varikozelenbehandlung (Varikozelektomie) bei Männern mit klinisch tastbarer, ein- oder beidseitiger Varikozele und mindestens einem pathologischen Spermiogrammparameter. Aus 136 identifizierten Studien wurden anhand eines eigens entwickelten Bias-Bewertungssystems (u. a. Selektions-, Follow-up-, Confounding- und Informationsbias) 17 Studien mit vollständigen Spermiogrammen vor und nach mikrochirurgischer oder inguinaler Hochligatur-Operation eingeschlossen. Nach mikrochirurgischer Varikozelektomie stieg die Spermienkonzentration im Mittel um 9,71 Mio./ml (95%-KI 7,34–12,08; p<0,00001) und die Motilität um 9,92% (95%-KI 4,90–14,95; p=0,0001); nach Hochligatur betrug der Anstieg 12,03 Mio./ml (95%-KI 5,71–18,35; p=0,0002) bzw. 11,72% (95%-KI 4,33–19,12; p=0,002). Die WHO-Morphologie verbesserte sich um 3,16% (95%-KI 0,72–5,60; p=0,01) bei beiden Verfahren. Die Metaanalyse zeigt einen konsistenten, statistisch signifikanten Nutzen der operativen Varikozelenkorrektur für die Samenqualität bei symptomatischen infertilen Männern.

PMID 17905111 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2005

Die gr/gr-Subdeletion des Y-Chromosoms ist mit männlicher Unfruchtbarkeit assoziiert

Lynch M, Cram DS, Reilly A, O'Bryan MK, Baker HW, de Kretser DM, McLachlan RI — Molecular human reproduction

Genetische Assoziationsstudie an 788 infertilen Männern (Monash-Male-Infertility-Datenbank), 234 fertilen Kontrollmännern sowie 599 weiteren Männern aus einer Kohorte für assistierte Reproduktion (darunter 130 durch ICSI gezeugte Söhne). Molekulargenetisch wurden AZFc-Deletionen sowie die partielle gr/gr-Subdeletion des Y-Chromosoms (Verlust von zwei der vier DAZ-Genkopien) nachgewiesen und mit der Spermiendichte in Beziehung gesetzt. AZFc- und gr/gr-Deletionen kamen in der Infertilitätsgruppe ähnlich häufig vor (2,5% bzw. 3,4%), in der Kontrollgruppe fand sich nur eine gr/gr-Deletion. In der ART-Kohorte hatten 2,2% eine AZFc- und 4,7% eine gr/gr-Deletion; AZFc-Deletionen traten stets bei Spermiendichten unter 5 Mio./ml auf, gr/gr-Deletionen unabhängig von der Dichte (p=0,0015 für Assoziation mit Infertilität). Bei den 130 ICSI-Söhnen fanden sich keine neuen (de novo) gr/gr-Deletionen. Einordnung: gr/gr-Subdeletionen sind ein relevanter, aber komplexer genetischer Risikofaktor für idiopathische männliche Infertilität.

PMID 16123079 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2005

CFTR-Genmutationen bei infertilen Männern mit kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens

Uzun S, Gökçe S, Wagner K — The Tohoku journal of experimental medicine

Genetische Fallserie an 22 Patienten österreichischer Abstammung (44 Chromosomen) mit kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD) und Azoospermie. Das CFTR-Gen wurde mittels Heteroduplexanalyse auf die häufige DeltaF508-Mutation sowie mittels denaturierender Gradientengelelektrophorese (DGGE) und Sequenzierung aller 27 Exons auf weitere Mutationen untersucht. Bei 31,8% der untersuchten Chromosomen (14 von 44) fand sich eine krankheitsverursachende CFTR-Mutation, am häufigsten DeltaF508 (43% der Mutationen), gefolgt von R117H (29%). Einordnung: CFTR-Mutationen sind eine häufige, aber nicht die alleinige Ursache der CBAVD-bedingten männlichen Infertilität; die Autoren empfehlen ein routinemäßiges CFTR-Screening bei diesen Patienten, unter anderem wegen der Bedeutung für die genetische Beratung im Hinblick auf ein Cystische-Fibrose-Risiko bei künftigen Kindern.

PMID 16272798 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2004

Assistierte Reproduktionstechniken bei Klinefelter-Syndrom: eine kritische Übersicht

Denschlag D, Tempfer C, Kunze M, Wolff G, Keck C — Fertility and sterility

Systematisches Review ohne eigene Patientenkohorte, das alle bis dahin publizierten Fallberichte zu Klinefelter-Patienten mit assistierter Reproduktion zusammenfasst. Bewertet wurden Einsatz und Erfolgsraten der testikulären Spermienextraktion (TESE) in Kombination mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) sowie das Risiko einer Weitergabe von Chromosomenanomalien an die Nachkommen. Insgesamt wurden 39 erfolgreiche Schwangerschaften bei nicht-mosaikartigen Klinefelter-Patienten berichtet; sowohl bei mosaikartigem als auch bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom lassen sich chromosomal normale Spermien aus Hodengewebe gewinnen und für ICSI nutzen. Einordnung: Die Autoren sprechen sich für den Einsatz von TESE/ICSI bei diesem sonst nahezu unfruchtbaren Patientenkollektiv aus; die Evidenzbasis besteht jedoch überwiegend aus Fallberichten mit begrenzter methodischer Qualität, weshalb belastbare Erfolgsraten nur eingeschränkt ableitbar sind.

PMID 15482743 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2001

Chromosomale Varianten bei 1790 infertilen Männern

Nakamura Y, Kitamura M, Nishimura K, Koga M, Kondoh N, Takeyama M, Matsumiya K, Okuyama A — International Journal of Urology

Große zytogenetische Querschnittsstudie an 1790 infertilen Männern, die zwischen 1990 und 1998 eine Kinderwunschklinik aufsuchten und routinemäßig chromosomal sowie mittels Samenanalyse untersucht wurden – die bis dahin größte derartige Untersuchung. Chromosomenanomalien fanden sich bei 225 von 1790 Patienten (12,6%). Die häufigste Einzelanomalie war das Klinefelter-Syndrom (64 Fälle); autosomale Anomalien machten mit 126 Fällen den größeren Anteil aus, wobei die Variante 46,XY,1qh(+) mit 30 Fällen am häufigsten war und signifikant öfter auftrat als bei normalen Kontrollen. Die Samenbefunde dieser Patienten variierten stark: 9 hatten Azoospermie, 3 erzielten natürliche Schwangerschaften. Ob dieser spezielle Karyotyp die Spermatogenese tatsächlich beeinträchtigt, blieb unklar. Die Autoren schließen, dass sowohl autosomale als auch gonosomale Chromosomenanomalien die Spermatogenese beeinflussen können und eine zytogenetische Abklärung vor einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wichtig ist, um genetische Risiken für die Nachkommen abzuschätzen.

PMID 11240825 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 2001

Fertilität nach einseitigem Kryptorchismus: Vaterschaft, Zeit bis zur Konzeption, Hormon- und Spermienparameter

Miller KD, Coughlin MT, Lee PA — Hormone Research

Retrospektive Kohortenstudie (Aktenanalyse plus Fragebogen) zur Fertilität nach einseitigem Kryptorchismus. Untersucht wurden Männer, die zwischen 1955 und 1975 eine einseitige Orchidopexie erhalten hatten, im Vergleich zu einer alters- und operationsgematchten Kontrollgruppe. Von 359 identifizierten Männern mit Vaterschaftsversuch lagen bei 320 Angaben zur präoperativen Hodenlage und bei 163 zur Hodengröße vor; bei 106 wurden Testosteron, Inhibin B, FSH und LH gemessen, bei 95 Samenanalysen durchgeführt. Der Anteil erfolgreicher Vaterschaften unterschied sich zwischen ehemals kryptorchen Männern (89,7%) und Kontrollen (93,7%) nicht signifikant, ebenso wenig die mittlere Zeit bis zur Konzeption (7,1±0,7 vs. 6,9±2,3 Monate). Operationsalter, präoperative Hodenlage oder -größe hatten keinen Einfluss auf den Vaterschaftserfolg. Inhibin B war bei ehemals kryptorchen Männern niedriger, während FSH, LH, Testosteron sowie Spermiendichte, -motilität und -morphologie sich nicht signifikant unterschieden, wenngleich beträchtliche Streuung innerhalb der Gruppe bestand. Die Autoren folgern, dass einseitiger Kryptorchismus die Vaterschaft insgesamt nicht wesentlich beeinträchtigt.

PMID 11740148 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 1999

Varikozelen-Operation verbessert Samenparameter bei azoospermen Männern mit Spermatogenesestörung

Kim ED, Leibman BB, Grinblat DM, Lipshultz LI — The Journal of Urology

Prospektive Fallserie zur Wirksamkeit einer Varikozelen-Operation bei 28 azoospermen Männern mit primärer Diagnose einer ein- oder beidseitigen Varikozele und Spermatogenesestörung; Hodenbiopsie und Varikozelenoperation erfolgten simultan (20 beidseitig, 8 einseitig operiert). Samenanalysen wurden ab 4 Monaten postoperativ durchgeführt. Bei 12 von 28 Männern (43%) fanden sich anschließend Spermien im Ejakulat, mit einer mittleren postoperativen Spermienzahl von 1,2±3,6 Mio./ml und einer mittleren Motilität von 19±24% (0-80%) bei durchschnittlich 24 Monaten Nachbeobachtung. Der histologische Biopsiebefund war prädiktiv: Eine Verbesserung der Spermiendichte zeigte sich bei Männern mit schwerer Hypospermatogenese (9 Fälle) und Reifungsarrest im Spermatiden-Stadium (5 Fälle), jedoch bei keinem Mann mit Sertoli-Cell-only-Muster oder Reifungsarrest im Spermatozyten-Stadium. Natürliche Schwangerschaften ergaben sich nicht; zwei Paare erreichten über ICSI (mit frischem Ejakulat bzw. testikulärer Spermienextraktion) Lebendgeburten. Die Studie zeigt, dass eine Varikozelenkorrektur bei selektierten azoospermen Männern mit bestimmten histologischen Befunden Spermien im Ejakulat erzeugen kann, assistierte Reproduktion aber meist weiterhin nötig ist.

PMID 10458356 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 1996

Fertilitätspotenzial nach einseitiger Orchidopexie: altersunabhängiges Infertilitätsrisiko bei fehlenden Keimzellen in der Biopsie

Cortes D, Thorup JM, Lindenberg S — The Journal of Urology

Prospektive Verlaufsstudie zur Fertilität nach einseitiger Orchidopexie bei Hodenhochstand. Bei 65 Jungen wurde die Operation gleichzeitig mit einer Hodenbiopsie durchgeführt: 11 im Alter von 2,8-6,8 Jahren, 54 im Alter von 10,0-11,9 Jahren. Im Erwachsenenalter wurden Hodenvolumen, FSH, LH, Testosteron und Samenanalysen erhoben. Beide Altersgruppen zeigten statistisch vergleichbare Fertilitätspotenziale, sodass der Operationszeitpunkt zwischen 2 und 12 Jahren keinen erkennbaren Einfluss hatte. Entscheidend war stattdessen der histologische Befund bei der Erstoperation: 5 von 65 Patienten (7,7%, 95%-CI 2,5-17%) waren im Erwachsenenalter potenziell infertil – das entsprach 33% jener Patienten, deren Biopsie damals praktisch keine Spermatogonien enthielt (unter 1% der altersentsprechenden Norm). Die Studie zeigt somit ein vom Operationsalter unabhängiges Infertilitätsrisiko von rund einem Drittel bei fehlenden Keimzellen zum OP-Zeitpunkt, während Patienten mit erhaltenen Keimzellen überwiegend fertil blieben.

PMID 8648809 — Original auf PubMed →
Genetik & Anatomie 1984

Calciumionen als Schlüsselregulator der menschlichen Spermienfunktion

Hong CY, Chiang BN, Turner P — Lancet (London, England)

Kurzer narrativer Übersichtsbeitrag ohne eigenes Studiendesign mit Stichprobe zur Rolle von Calciumionen in der Physiologie menschlicher Spermien. Beschrieben wird ein scheinbar paradoxer, kontextabhängiger Effekt: Im Nebenhoden stimulieren Calciumionen unreife Spermien, während sie im ejakulierten Sperma die Motilität hemmen; Reifungsprozesse verändern demnach die Calcium-Antwort der Spermien. Männliche Nebendrüsen sezernieren calciumbindende Substanzen und Calciumtransport-Hemmer, die während der Ejakulation mit dem Sperma vermischt werden und im weiblichen Genitaltrakt während der Kapazitation wieder entfernt werden, wodurch die Spermien ihre volle Befruchtungsfähigkeit erlangen. Abschließend lösen Calciumionen die Akrosomreaktion aus und ermöglichen so die Penetration der Eizelle. Die Arbeit fasst den damaligen physiologischen Kenntnisstand zur calciumabhängigen Reifung, Kapazitation und Akrosomreaktion von Spermien zusammen und liefert die konzeptionelle Grundlage für spätere Studien zu Calciumkanalblockern und deren Auswirkungen auf die männliche Fertilität.

PMID 6151055 — Original auf PubMed →

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