Haarfärbemittel, Tattoos, UV-Filter und Haushaltschemikalien · Kapitel 17 von 18

Glossar

ADBAC, DDAC: Alkyldimethylbenzylammoniumchlorid und Didecyldimethylammoniumchlorid, zwei quartäre Ammoniumverbindungen in Desinfektions- und Reinigungsmitteln [s128].

Akrosomreaktion: Freisetzung von Enzymen aus der Kappe des Spermienkopfes (Akrosom), die für das Eindringen in die Eizelle nötig ist.

Anogenitalabstand: Abstand zwischen After und Genitalansatz; gilt als Marker hormoneller Einflüsse in der Entwicklung.

Assoziation: statistischer Zusammenhang; beweist keine Verursachung.

Avobenzon: organischer UV-A-Filter in Sonnenschutzmitteln.

Benzophenone (BP-1, BP-2, BP-3, BP-8, 4-Hydroxybenzophenon): Gruppe organischer UV-Filter und deren Stoffwechselprodukte.

BKMR (Bayes-Kernel-Maschinenregression): statistisches Verfahren für Mischungen mehrerer Expositionen, das auch nichtlineare Beziehungen und Wechselwirkungen erlaubt.

Blut-Hoden-Schranke: von Sertoli-Zellen gebildete Barriere im Hoden, die Keimzellen vom Blut abschirmt.

Comet-Test: Verfahren zur Messung von DNA-Strangbrüchen in einzelnen Zellen; die Länge der DNA-Migrationsspur ist ein Maß für den Schaden [s12].

Dosis-Wirkungs-Beziehung, nichtmonotone: Beziehung, bei der der Effekt nicht mit der Dosis stetig steigt, etwa nur im niedrigsten Bereich auftritt [s123].

EARTH-Kohorte: Environment and Reproductive Health, Studie an Männern aus einer Kinderwunschklinik in Massachusetts; liefert wiederholte Urin- und Samenproben [s97, s22].

Fekundabilität: Wahrscheinlichkeit pro Zyklus, schwanger zu werden; ein Odds Ratio unter 1 bedeutet geringere Fekundabilität [s74].

Filaggrin: Hautbarriereprotein; Funktionsverlustmutationen führen zu gestörter Hautbarriere [s106].

Flagellum: Geißel der Spermien, also das bewegliche Endstück, das den Vortrieb erzeugt; Fehlbildungen des Flagellums zählen zu den Spermienmorphologie-Defekten [s36].

GRADE: System zur Bewertung der Sicherheit der Evidenz in Stufen von sehr niedrig bis hoch [s15].

Heterogenität (I²): Anteil der Streuung zwischen Studien, der nicht durch Zufall erklärt wird; hohe Werte bedeuten, dass die Einzelergebnisse stark streuen [s38].

Hershberger-Test: Tierversuch an kastrierten Ratten zur Prüfung antiandrogener oder androgener Wirkungen anhand von Organgewichten [s53].

Idiopathische Infertilität: Unfruchtbarkeit ohne erkennbare Ursache.

Kapazitation: Reifungsprozess der Spermien im weiblichen Genitaltrakt, der sie befruchtungsfähig macht.

Konfidenzintervall (KI): Bereich, in dem der wahre Wert mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit (hier 95 %) liegt; schließt es 1 (bei Verhältnissen) oder 0 (bei Differenzen) ein, ist der Effekt nicht signifikant.

Kredibilitätsintervall: bayessches Gegenstück zum Konfidenzintervall [s22].

Leydig-Zellen: testosteronbildende Zellen im Hoden.

LH, FSH: Luteinisierendes Hormon und Follikelstimulierendes Hormon, Steuerhormone der Hodenfunktion.

MCPP: Mono(3-carboxypropyl)phthalat, Stoffwechselprodukt von Phthalaten [s43].

Morphologie (Spermien): Anteil normal geformter Spermien nach WHO-Kriterien.

Motilität: Beweglichkeit; progressive Motilität bedeutet gerichtete Vorwärtsbewegung.

NOAEL: höchste Dosis, bei der in einem Versuch keine schädliche Wirkung beobachtet wurde (No Observed Adverse Effect Level) [s98].

Normozoospermie, Pathozoospermie: Samenprobe innerhalb bzw. außerhalb der Referenzwerte der WHO.

Odds Ratio (OR): Chancenverhältnis; Werte über 1 bedeuten höhere Chance für das untersuchte Ereignis in der exponierten Gruppe.

para-Phenylendiamin (PPD): Farbstoffvorstufe in Haarfärbemitteln, nach einer Arbeit auch in dunklen Kosmetika und Tätowierfarben enthalten [s42].

Parabene: Konservierungsstoffe (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butylparaben u. a.) in Kosmetika, Arzneimitteln und Lebensmitteln [s63].

Quartäre Ammoniumverbindungen (QAC): oberflächenaktive Desinfektionswirkstoffe in Haushalt und Gesundheitswesen, etwa Benzalkoniumchlorid [s40].

ROS: reaktive Sauerstoffspezies; Moleküle, die bei oxidativem Stress Zellen schädigen.

Samenplasma, Samenflüssigkeit: der flüssige Anteil des Ejakulats ohne Spermien.

Sertoli-Zellen: Stützzellen im Hoden, die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden.

SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz): Effektmaß, das unterschiedlich gemessene Zielgrößen vergleichbar macht [s38].

Spermien-DNA-Fragmentierung: Anteil von Spermien mit geschädigter Erbsubstanz; in den russischen Arbeiten mit dem Chromatin-Dispersionstest bestimmt und ab 15 % als erhöht gewertet [s101, s90].

Terzil, Quartil: Einteilung der Messwerte in drei bzw. vier gleich große Gruppen.

Titandioxid-Nanopartikel: Bestandteil mineralischer Sonnenschutzmittel, auch in Kosmetika und Farben verwendet [s116, s111].

Triclocarban, Triclosan: antibakterielle Wirkstoffe; laut einer Übersicht in Verbrauchsprodukten teils verboten und durch quartäre Ammoniumverbindungen ersetzt [s40]; als Quellen werden Zahnpasta, Seife, Deodorants, Kosmetik und Haushaltsreiniger genannt [s93].

UHPLC-MS/MS, GC-MS: massenspektrometrische Messverfahren für Substanzen in Urin und Samenplasma [s72, s101].

WHO-Referenzwerte: Grenzwerte des WHO-Laborhandbuchs für Samenparameter (hier meist die Ausgabe von 2010) [s123, s101].

WQS (gewichtete Quantilssumme), QGC (Quantil-g-Berechnung): statistische Verfahren zur Auswertung von Expositionsmischungen [s64, s34].

Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung zu Design und typischen Grenzen bis UV-Filter: Studien mit Benzophenon-Biomarkern
  6. Parabene und Phthalate als Begleitstoffe in Körperpflegeprodukten bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Lesehilfe und Evidenzbasis bis UV-Filter: Humanstudien
  8. UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche bis Zusammenschau der Studienlage
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Chinesisch
  12. Japanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle