Die Frage, ob Haarfärbemittel, Tätowierungen, UV-Filter, Triclosan, Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder Duftstoffe mit der Spermienqualität zusammenhängen, wird fast vollständig in einer Wissenschaftssprache beantwortet. Von den 151 Quellen dieser Studie tragen 136 das Sprachmerkmal Englisch (Zählung über die Merkmale in synthese.json). Die übrigen Merkmale verteilen sich so, dass Mehrfachnennungen möglich sind, weil Titel und Abstract einer Arbeit in verschiedenen Sprachen vorliegen können: Russisch 11, Französisch 7, Japanisch 6, Türkisch 4, Chinesisch 3, Italienisch 1, Arabisch 1 und Ukrainisch 1. Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und Koreanisch kommen als Sprachmerkmal gar nicht vor. Dieses Kapitel ordnet die Literatur deshalb nach zwei Kriterien zugleich: nach der Sprache, in der eine Arbeit erschienen ist, und nach dem Land oder Forschungsraum, aus dem sie stammt. Das zweite Kriterium stützt sich auf die Autorenadressen, die für die meisten PubMed-indizierten Quellen über die Europe-PMC-Schnittstelle abgerufen wurden. Wo Sprache und Herkunft auseinanderfallen, etwa bei ägyptischen Rattenstudien in englischsprachigen Zeitschriften oder bei einer kolumbianischen Übersichtsarbeit, steht das jeweils dabei.
Drei Vorbemerkungen gelten für alle zwölf Abschnitte.
Erstens ist ein leeres Ergebnis nicht dasselbe wie ein Beleg für fehlende Literatur. Mehrere regionale Datenbanken waren für die Recherche technisch nicht abfragbar, darunter Cairn, SciELO, LILACS, CNKI, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark und mehrere große arabische Fachdatenbanken. Wo dieses Kapitel „keine Literatur“ schreibt, meint es: keine in den erreichbaren Quellen. Der genaue Stand der Erreichbarkeit steht in jedem Abschnitt.
Zweitens stammen viele Zahlen aus Abstracts. Volltexte lagen nur für wenige Studien vor, was an den Stellen vermerkt ist, an denen es für die Deutung zählt. Weil Abstracts Methodendetails und Mehrfachtest-Korrekturen oft nicht nennen, sind die Bewertungen der Stärken und Schwächen teils Einschätzungen aus der Studienanlage und keine Angaben der Autoren.
Drittens enthält dieses Kapitel keine Therapie- und keine Handlungsempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren Empfehlungen aussprechen, werden sie als Aussage der Quelle berichtet.
Englisch
Stellung im Gesamtbild. Praktisch die gesamte Primärliteratur ist englisch publiziert, auch wenn die Arbeitsgruppen aus China, Dänemark, den USA, Spanien, Polen, Belgien, Nigeria, Indien, Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Ägypten, Saudi-Arabien, dem Sudan oder den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen. Eine eigene Auszählung der Autorenadressen aus Europe PMC ergibt, dass bei mindestens 35 der PubMed-indizierten Quellen eine chinesische Adresse unter den Autoren steht, mehr als bei jedem anderen Land. Hinzu kommt ein methodischer Verstärker: Die Übersichtsarbeit von Zamkowska und Kollegen schloss nach Angabe der Recherche nur englischsprachige Arbeiten ab 2006 ein (Phthalate ab 2009) und endete mit dem Suchstand 31.08.2016 [s115]. Der englische Sprachraum ist deshalb weniger eine regionale Literatur als der Rahmen, in dem sich alle anderen Räume treffen. Die folgenden Absätze ordnen die englischsprachige Literatur nach Kohorten, Registern, Leitlinien und Fachzeitschriften.
Eigene Kohorten und Studienpopulationen. Die Humanstudien mit Spermaendpunkten stammen aus wenigen, immer wieder verwendeten Populationen.
- USA. Die EARTH-Kohorte am Massachusetts General Hospital in Boston ist die am häufigsten genutzte englischsprachige Klinikstichprobe. Nassan und Kollegen werteten 262 Männer mit 581 gepaarten Urin-Sperma-Proben aus; bei nachweisbarem Triclosan lagen die morphologisch normalen Spermien um 0,96 Prozentpunkte niedriger (95-%-Konfidenzintervall -1,57 bis -0,35), ohne Dosis-Wirkungs-Trend [s97]. Génard-Walton und Kollegen, deren Erstautor an einem Inserm-Institut in Grenoble arbeitet, werteten 420 EARTH-Männer mit Mischungs- und Exposom-Modellen aus: Triclosan war in den Modellen negativ mit allen Spermaergebnissen außer dem Volumen assoziiert, die Gesamtmischung hatte jedoch Kredibilitätsintervalle, die Null einschließen [s22]. Aus dem Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) stammen die Auswertungen an Paaren mit Kinderwunsch: 501 Männer mit Urinbiomarkern von Parabenen, Triclosan und Triclocarban [s112], 339 Männer mit Seminalplasma-Konzentrationen [s113] und 413 Männer mit fünf Benzophenon-UV-Filtern im Urin [s124]. Bei der Benzophenon-Studie war BP-2 oberhalb des 75. Perzentils mit geringerer Spermienkonzentration assoziiert (β = -0,74; 95-%-Konfidenzintervall -1,41 bis -0,08), mit weniger gerader (β = -4,57) und linearer Bewegung (β = -3,15) und mehr unreifen Spermien (β = 0,38), während BP-1, BP-3 und 4-Hydroxybenzophenon keine Assoziationen zeigten [s124]. Die Abstracts der beiden anderen NICHD-Arbeiten nennen die zugrunde liegende Kohorte nicht; ob die Teilnehmer überlappen, ist aus den Abstracts nicht zu ersehen [s112, s113]. Weitere US-Arbeiten messen Exposition ohne Spermaendpunkt: Passivsammler-Armbänder in der Präkonzeptionskohorte PRESTO bei 132 Frauen und 24 Partnern, wo häufige Sonnenschutznutzer bis zu 3,1-fach höhere UV-Filter-Exposition hatten [s16], und eine explorative Nicht-Target-Analyse von 45 Samenproben aus New York [s25].
- Dänemark. Aus der Dänischen Nationalen Geburtskohorte stammen zwei große Querschnittsstudien an jungen Männern: 1.058 Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren mit Fragebogen zu zwölf Körperpflegeprodukten, bei denen sich kaum Assoziationen mit Konzentration, Gesamtzahl, Volumen, Motilität oder Morphologie fanden [s89], und 1.045 Männer, von denen 174 tätowiert waren, ohne Assoziation von Anzahl oder Farbschema der Tätowierungen mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen [s18]. Dazu kommen die Kohorte „Fetal Programming of Semen Quality“ mit 841 jungen Männern, in der die mütterliche Mischung aus PFAS, Phthalat-Metaboliten und Triclosan mit Nullzusammenhängen vereinbar war [s09], die Kopenhagener Mutter-Kind-Kohorte mit 101 jungen Männern und mütterlichen Serumproben aus der Schwangerschaft [s67] sowie die Studie zum Filaggrin-Genotyp mit 65 Mutationsträgern und 130 Nichtträgern, die den Aufnahmeweg über die Haut berücksichtigt [s106]. Die dänischen Arbeiten zeichnen sich durch Allgemeinbevölkerungs-Stichproben aus, nicht durch Kliniksamples. Sie sind aber nicht als voneinander unabhängige Bestätigungen zu zählen, weil mehrere aus derselben Geburtskohorte schöpfen; ob sich die Teilnehmer von [s09] einerseits und [s89] und [s18] andererseits überlappen, geht aus den Abstracts nicht hervor.
- Polen. Das Nofer-Institut für Arbeitsmedizin in Lodz untersuchte in einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit 315 Männer mit normaler Spermienkonzentration (Triclosan im Urin bei 84,13 % nachweisbar; höhere Werte mit mehr morphologisch abnormalen Spermien) [s107] und 156 Männer zu Parabenen und Spermien-Chromosomendisomie [s118]. Die Beschränkung auf normozoosperme Männer schränkt die Übertragbarkeit auf subfertile Männer ein.
- Belgien. Eine Fall-Kontroll-Studie in vier Kinderwunschkliniken schloss 163 Männer ein; Triclosan wurde im Abstract nur mit Hormonen (Inhibin B, LH) in Verbindung gebracht, nicht als Risikofaktor für Subfertilität ausgewiesen [s125].
- Nigeria. Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie mit 136 infertilen Männern und 154 Kontrollen fand hohe Paraben-Werte in beiden Gruppen ohne Unterschied der Urinwerte [s51]. Das ist die einzige afrikanische Humanstudie mit Spermaendpunkt in der Literaturbasis dieser Studie.
- Spanien, China, Japan siehe die jeweiligen Abschnitte.
Register. Für diese Expositionen gibt es kein Krankheits- oder Expositionsregister, aus dem Spermaendpunkte abgeleitet wären. Die Studien beruhen auf Kliniksamples, Samenbanken und Geburtskohorten. Als amtliche Erhebung tritt die US-amerikanische National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) in zwei Sekundäranalysen auf: Bei Benzophenon-3 war sie mit niedrigerem Gesamttestosteron assoziiert, kombiniert mit Mäuseversuchen [s11], bei Triclosan wurde sie mit Zebrafisch-Versuchen verknüpft [s50]. Die NHANES-Anteile betreffen Hormone, nicht Spermien. Als „Register“ im engeren Sinn dienen die Protokollregister PROSPERO der systematischen Übersichten: Die Metaanalyse zu Triclosan ist unter CRD42024524192 registriert [s38], die Übersicht zur Fekundabilität unter CRD42018084304 [s95].
Leitlinien und Übersichten. Die maßgeblichen Leitlinien liegen englisch vor. Die AUA/ASRM-Leitlinie (Webtext abgerufen am 05.10.2026) formuliert in Statement 8, Kliniker dürften Risikofaktoren einschließlich Umwelt- und Berufsexpositionen besprechen und den Patienten sagen, dass die aktuellen Daten zur Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt seien („Conditional Recommendation; Evidence Level: Grade C“). In der Diskussion heißt es: „Inconclusive evidence was found for benzophenones, bisphenol A (BPA), chlorinated antimicrobial agents, parabens, and air pollution.“ Haarfärbemittel, Tätowierungen und Reinigungsmittel kommen in dem abgerufenen Text nicht gesondert vor; eine Textsuche nach Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierung, Reinigungsmittel und Duftstoffen blieb ohne Treffer [s39]. Das Update 2024 betrifft Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Becken-MRT und testikuläre Spermien, nicht Umweltexpositionen [s41]. Im Webtext des EAU-Kapitels zur männlichen Infertilität erscheint endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen unerkannten Ursachen idiopathischer Infertilität, „exposure to environmental toxins“ steht in der Liste der Anamnesebefunde; die sechs hier betrachteten Stoffgruppen werden nicht einzeln genannt [s19]. Die Zusammenfassung 2025 im Fachjournal nennt Exom-Sequenzierung, Probiotika und Diagnostik [s33]. Die WHO-Leitlinie 2025 wird in zwei Übersichten als Public-Health-Ansatz mit Betonung von Prävention und standardisierter Spermaanalyse beschrieben; die Abstracts nennen die hier betrachteten Expositionen nicht, und ESHRE und NICE gelten dort als eher paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Pfade [s01, s06]. Die ESHRE-Leitlinienseite selbst lieferte nur eine Titelliste. Ein Cochrane-Review zu den Expositionen und Spermaparametern wurde nicht gefunden; der nächstliegende Review betrifft präkonzeptionelle Lebensstilberatung bei Infertilität (sieben RCT, 2.130 Teilnehmende, niedrige bis sehr niedrige Evidenz) und handelt von Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht von Kosmetika oder Reinigungsmitteln [s77]. Auf der Ebene zusammenfassender Arbeiten reicht das Spektrum von der Metaanalyse mit fünf Triclosan-Studien und 1.312 Männern (Spermienkonzentration SMD -0,42; 95-%-Konfidenzintervall -0,75 bis -0,10; Gesamtmotilität SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; I² nach den Berichten 97 bis 100 %) [s38] über den Umbrella-Review mit 43 Studien, 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen, von denen nach GRADE 54,6 % „sehr niedrig“ eingestuft wurden und in dessen Abstract Parabene, Triclosan und UV-Filter nicht genannt werden [s15], bis zu narrativen Übersichten zu Kosmetika [s17, s28] und UV-Filtern [s23, s24].
Fachzeitschriften. Die Fundstellen liegen überwiegend in Umweltgesundheits- und Toxikologiezeitschriften (Environment International [s22, s43, s125], Environmental Research [s12, s97, s113], Ecotoxicology and Environmental Safety [s02, s27, s29, s64], Reproductive Toxicology [s18, s34, s45, s48, s112]) und seltener in Fachzeitschriften der Andrologie und Reproduktionsmedizin (Andrology [s01, s09], Asian Journal of Andrology [s15, s20], Human Reproduction Update [s95, s121]). Offene Zeitschriften wie Toxics [s32, s56, s68, s89] und Frontiers in Toxicology [s17, s38] tragen einen erheblichen Teil der neueren Arbeiten.
Regionale Besonderheiten. Zwei Befunde der englischen Literatur sind regional zu lesen. Erstens unterscheidet sich die Triclosan-Exposition zwischen Ländern: Die Shanghaier Studie verweist darauf, dass die Werte in China niedrig seien im Vergleich zu Europa (geometrisches Mittel 2 bis 3 µg/l in Belgien, 6,1 µg/l in Spanien) und Nordamerika (13 µg/l in den USA, 12,3 µg/l in Kanada) [s123]. Zweitens beruhen die Aussagen auf wenigen Bevölkerungen: Chinesische und dänische Kohorten dominieren, hinzu kommen die US-amerikanischen Kliniksamples. Auf Länder mit anderem Triclosan- oder UV-Filter-Gebrauch sind die Ergebnisse nur eingeschränkt übertragbar. Beim Triclosan sind die Humanbefunde uneinheitlich: Zhu und Kollegen fanden in Shanghai bei 471 Männern eine negative Assoziation mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien (β = -0,17; -0,32 bis -0,02) [s123], Yuan und Kollegen bei 406 Männern keinen monotonen Trend [s72], Guo und Kollegen im Seminalplasma ein erhöhtes Risiko im vierten Quartil (adjustiertes Odds Ratio 2,36; 1,03 bis 5,39) [s59], Zhu und Kollegen 2022 bei 443 Paaren eine verminderte Fekundabilität (Fekundabilitäts-Odds-Ratio 0,77; 0,62 bis 0,97) [s74] und die größte Fall-Kontroll-Studie (877 Fälle, 713 Kontrollen) keinen Zusammenhang [s132]. Zu Haarfärbemitteln gibt es keine Studie mit Spermaparametern am Menschen; die englische Literatur besteht aus einer systematischen Übersicht von 25 Tierstudien [s14], einer dermalen Rattenstudie [s133], einer In-vitro-Studie an menschlichen Spermien [s42] und einer Kaninchenstudie ohne Hodenendpunkte im Abstract [s05]. Zu Tätowierungen liegt eine einzige epidemiologische Studie mit Spermaendpunkten vor [s18], dazu toxikologische Übersichten ohne Spermadaten [s44, s70, s07].
Erreichbarkeit. Europe PMC (REST) war erreichbar, brauchte pro Einzelabfrage etwa elf Sekunden und lieferte bei frühen Abfragen mit acht parallelen Verbindungen oder mit Sortierparameter HTTP 503. Die NCBI-E-utilities lieferten über efetch zuverlässig Abstracts, esearch und esummary liefen nach wenigen schnellen Abfragen in eine Ratenbegrenzung (HTTP 429). Die PubMed-Webseite wurde auftragsgemäß nicht verwendet. Die Cochrane-Library-Webseite lieferte nur ein JavaScript-Gerüst ohne Ergebnisse, weshalb das Cochrane Database of Systematic Reviews über PubMed und Europe PMC durchsucht wurde. Die Leitlinien von AUA und EAU waren im Volltext abrufbar.
Deutsch
Stellung im Gesamtbild. Das Sprachmerkmal Deutsch kommt in keiner der 151 Quellen vor. Es wurde keine deutschsprachige Originalstudie, keine deutschsprachige Übersichtsarbeit und keine deutschsprachige Leitlinie gefunden, die einen der sechs Expositionskomplexe mit der Spermienqualität verknüpft. Zwei Lesarten stehen nebeneinander: Entweder gibt es im deutschen Sprachraum tatsächlich kaum eigene Literatur, oder sie wurde mit den erreichbaren Mitteln nicht gefunden. Beides lässt sich aus der Recherche nicht trennen, weil das zentrale deutsche Leitlinienregister nicht auswertbar war (siehe unten).
Beiträge aus dem deutschen Sprachraum in englischer Sprache. Die Autorenadressen der abgerufenen Quellen weisen nur zwei Arbeiten mit einer deutschen Adresse aus.
- Die systematische Übersicht zu Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen bei Friseurinnen und Friseuren stammt von Autorinnen und Autoren am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Institut für Versorgungsforschung in Dermatologie und Pflege) und erschien im Journal of Occupational Medicine and Toxicology. Sie umfasst zwei Übersichten und 26 Originalstudien, kommt zu uneinheitlichen Ergebnissen, hält Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen im Friseurberuf nicht für ausschließbar und stuft die Evidenz als gering ein [s142]. Sie bezieht sich auf Frauen und Schwangerschaftsausgänge; Spermaparameter männlicher Friseure werden in dem abgerufenen Abstract nicht berichtet. Die einzige weitere Berufsstudie der Literaturbasis ist die Metaanalyse mit 19 Studien zu Friseurinnen und Kosmetikerinnen [s126]. Beide zusammen ersetzen keine Haarfärbemittel-Studie am Mann.
- Der Übersichtsartikel „Lessons learned in a decade: Medical-toxicological view of tattooing“ entstand nach der zweiten internationalen Konferenz zur Tattoo-Sicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und trägt eine BfR-Adresse in Berlin neben einer Adresse am Istituto Superiore di Sanità in Rom [s44]. Er nennt Wissenslücken zu Tätowierfarben; Hoden- oder Spermaendpunkte bewertet er nicht. Das entspricht dem Bild der übrigen Tätowier-Übersichten [s70, s07]: Tätowierfarben enthalten nach der systematischen Übersicht von Negi und Kollegen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine, die in der Haut aus Azofarbstoffen entstehen können [s70]; die Regulierungsagenda für die USA und die EU verweist auf fehlende Zusammensetzungsgrenzen [s07].
Aus der Schweiz stammen zwei weitere, ebenfalls englischsprachige Beiträge. Die Mechanismusarbeit zum Duftstoff Cyclamenaldehyd hat als Erstautor einen Mitarbeiter der Givaudan Schweiz AG in Kemptthal. Wiederholt-Dosis-Studien an Ratten zeigten Effekte auf die Spermienreifung; ein Metabolit (p-Isopropylbenzoesäure) reichert sich als Coenzym-A-Konjugat nur in Rattenhepatozyten an, nicht in Hepatozyten von Kaninchen und Mensch, und das Kaninchen zeigte in vivo keine Effekte, weshalb die Autoren den Menschen wahrscheinlich nicht für diesen Weg anfällig halten [s80]. Das ist ein Beispiel dafür, dass die Artspezifität eines Stoffwechselwegs Befunde beim Nager relativieren kann; die Herstellernähe des Erstautors ist bei der Gewichtung zu bedenken. Die Übersicht zu regionalen Unterschieden der Spermaqualität junger Männer in Europa stammt aus dem Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie und der Universität Genf und bezieht endokrine Disruptoren ein [s88].
Leitlinien und Register. Eine deutschsprachige Leitlinie, etwa im Register der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), wurde nicht ausgewertet: Die AWMF-Registerseite lieferte beim Abruf mit HTTP 200 nur ein leeres Gerüst von rund 6,9 KB ohne Suchergebnisse. Deshalb ist offen, ob es dort eine einschlägige Leitlinie gibt. Für Österreich und die deutschsprachige Schweiz nennt die Recherche keine gesonderten Abrufe von Registern oder Fachgesellschaftstexten; Aussagen zu diesen Räumen sind daher nicht möglich.
Nicht gesichteter Treffer. In Europe PMC erscheint ein Eintrag zur MAK-Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Benzophenon-3 (2026). Der Eintrag enthielt keinen Abstract und wurde nicht ausgewertet; er steht deshalb nicht in der Quellenliste. Ob die Begründung reproduktionstoxikologische Daten zu diesem UV-Filter enthält, ist offen und kann hier weder bejaht noch verneint werden.
Fachzeitschriften. Die Recherche nennt keine gesonderte Durchsuchung deutschsprachiger urologischer oder andrologischer Fachzeitschriften. Die Suche lief über Europe PMC und die NCBI-E-utilities; deutsche Titel mit englischem Abstract in MEDLINE wären darüber grundsätzlich auffindbar gewesen und wurden nicht gefunden. Für den deutschen Sprachraum stützen sich die Aussagen dieser Studie deshalb auf die englischsprachige Primärliteratur und die internationalen Leitlinien [s39, s19].
Französisch
Stellung im Gesamtbild. Sieben Quellen tragen das Merkmal Französisch: drei Übersichtsartikel in Fachzeitschriften [s144, s134, s66], eine Leitlinie [s79] und drei Abschlussarbeiten aus den Archiven HAL und DUMAS [s117, s139, s78]. Keine dieser Arbeiten enthält eigene Daten zu den sechs Expositionsgruppen mit Spermaendpunkten. Sie stellen die These der Umwelt-Hormonstörer für die männliche Fertilität dar. Der Raum hat zugleich die deutlichste Spur von Literatur außerhalb der englischen Hauptstränge: eine eigene Leitlinie, mehrere frankophone Übersichten und eine Triclosan-Übersicht in Landessprache.
Übersichtsartikel in Fachzeitschriften.
- Mauduit und Kollegen (Lyon, Gynécologie Obstétrique & Fertilité, 2006) behandeln Langzeitwirkungen endokriner Disruptoren auf die männliche Fertilität. Die Übersicht nennt Kosmetika und Haushaltsprodukte als Quellen endokriner Disruptoren und beschreibt Mechanismen: epigenetische Weitergabe, programmierten Zelltod der Hodenzellen und veränderte androgene Signale [s144]. Sie ist die älteste Quelle des Sprachraums und erschien vor allen hier betrachteten Humanstudien zu Triclosan und Benzophenonen mit Spermaendpunkten.
- Dewalque und Charlier (Lüttich, Revue Médicale de Liège, 2012) fragen, ob die männliche Fertilität durch Disruptoren in der Umwelt bedroht ist, und verweisen auf Substanzen, die mit verminderter Spermaqualität und dem testikulären Dysgenesie-Syndrom verbunden werden [s134]. Die Arbeit stammt aus dem Dienst für klinische, gerichtsmedizinische, Umwelt- und Betriebstoxikologie des Universitätsklinikums Lüttich in Belgien.
- Gaspari und Kollegen (Montpellier, Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie, 2022) geben die jüngste französischsprachige Übersicht der Fachzeitschriften zu Umweltdisruptoren und Fertilität [s66]. Aus dem abgerufenen Abstract ergeben sich keine Zahlen zu den hier betrachteten Stoffgruppen.
Abschlussarbeiten. Die drei HAL-Arbeiten sind keine begutachteten Veröffentlichungen. Remy (Universität Lothringen, 2011) stellt nach eigener Aussage fest, dass keine Studie die Wirkungen beim Menschen in Umweltdosen belege, und verweist auf das Vorsorgeprinzip [s139]. Campos (2021) liefert einen Überblick mit einer Bestandsaufnahme für Luxemburg und nennt Haushaltsprodukte als Quelle; Datenbasis sind PubMed, Cochrane Library, Google Scholar und GreyNet [s78]. Duret (2017, DUMAS) ist die einzige im Sprachraum gefundene Übersicht mit konkreter Triclosan-Aussage: Von 182 gesichteten Referenzen blieben 15 (acht In-vitro-Studien, zwei klinische Studien, drei Querschnittsstudien, zwei Fall-Kontroll-Studien); gesucht wurde in PubMed, ScienceDirect und Scopus nach französischen und englischen Arbeiten ab dem Jahr 2000. Nach dem Abstract berichteten die epidemiologischen Studien zur Schilddrüsen- und männlichen Fortpflanzungsfunktion keine schädliche Wirkung, seien aber begrenzt und unzureichend [s117]. Das steht in einem gewissen Gegensatz zur späteren Metaanalyse, die fünf Studien mit 1.312 Männern zusammenfasste und eine geringere Spermienkonzentration und Gesamtmotilität fand [s38]. Zwischen beiden liegen sieben Jahre mit neuen Studien, und der Abstract der Abschlussarbeit nennt keine statistische Zusammenfassung.
Leitlinie. Die Empfehlungen der AFU und der SALF von 2021 zur Abklärung der männlichen Infertilität (Toulouse, Progrès en Urologie) verlangen eine systematische Anamnese (unter anderem persönliche Vorgeschichte, Lebensgewohnheiten, Behandlungen), Spermaanalysen nach WHO, Hodensonographie und Hormonstatus mit Testosteron und FSH; ein Karyotyp ist bei Konzentrationen bis 10 Mio./ml und ein Test auf Yq-Mikrodeletionen bis 1 Mio./ml vorgesehen. Umweltchemikalien oder Kosmetika nennt der Abstract nicht [s79]. In der Quellenliste dieser Studie ist sie die einzige Leitlinie in einer anderen Sprache als Englisch.
Beiträge aus dem Sprachraum in englischer Sprache. Die Metaanalyse zu Reproduktionsstörungen bei Friseurinnen und Kosmetikerinnen (19 Studien) trägt als Adresse ein „National Research and Safety Institute“ ohne Landesangabe; wegen Instituts- und Autorennamen liegt Frankreich nahe, das ist hier aber eine Vermutung. Sie fand kombinierte Risikoverhältnisse für die Zeit bis zur Schwangerschaft von 1,11 (95-%-Konfidenzintervall 1,03 bis 1,19), für geringes Gestationsalter 1,24 (1,10 bis 1,41), für niedriges Geburtsgewicht 1,21 (1,06 bis 1,39) und für Embryo- und Fetalverluste 1,19 (1,03 bis 1,38); die Autoren sprechen von einer schwachen Risikoerhöhung bei geringer Evidenz ohne Kausalitätsnachweis [s126]. Diese Daten betreffen einen überwiegend weiblichen Beruf und enthalten keine Spermadaten. Hinzu kommt die EARTH-Mischungsauswertung mit Grenobler Erstautor [s22]. In Belgien liegen die Fall-Kontroll-Studie aus vier Kinderwunschkliniken (Autoren am Flämischen Institut für Technologische Forschung in Mol und am Wissenschaftlichen Institut für Volksgesundheit in Brüssel) [s125] und der Cochrane-Review mit Beteiligung von Cochrane Belgium und der KU Leuven [s77]; beide sind englischsprachig.
Erreichbarkeit. Die HAL-Schnittstelle funktionierte als JSON-Abfrage, verlangt bei Mehrwortsuchen aber ein explizites OR. Die Suche nach Tätowierung, Haarfärbemitteln, UV-Filtern, Parabenen oder Benzophenonen in Verbindung mit Spermaparametern ergab dort keine Treffer. Cairn leitete auf eine Schutzseite weiter („Please enable JS and disable any ad blocker“) und war nicht abrufbar. Inhalte, die zugleich in MEDLINE indiziert sind, sind über Europe PMC erreichbar; Arbeiten, die nur bei Cairn geführt werden, wurden nicht gesichtet.
Italienisch
Stellung im Gesamtbild. Genau eine Quelle trägt das Merkmal Italienisch: die Übersichtsarbeit „Endocrine disruptors: literature review on toxicology and application field in occupational medicine“ von Borrelli (2007) im Giornale Italiano di Medicina del Lavoro ed Ergonomia, mit Adresse am Institut für Arbeitsmedizin der Katholischen Universität Rom und mit englischem Abstract [s143]. Sie ist die einzige gefundene italienischsprachige Arbeit überhaupt.
Inhalt. Die Arbeit bringt endokrine Disruptoren in Kunststoffen, Reinigungsmitteln, Tensiden und Pestiziden mit Oligospermie, veränderten Spermaeigenschaften und testikulärer Atrophie in Verbindung. Sie liefert keine konkreten Zahlen und hält ausdrücklich fest, dass über Effekte bei niedriger Exposition kein Konsens bestehe [s143]. Für die Frage nach Haushaltsprodukten ist das der einzige Beleg der italienischen Literatur, der Reinigungsmittel und Tenside erwähnt; er ist 19 Jahre alt und enthält keine Spermaendpunkte der hier betrachteten Stoffe.
Eigene Kohorten, Register, Leitlinien. Es wurde keine italienische Kohorte, kein Register und keine Leitlinie zum Thema gefunden. Die Website der Società Italiana di Andrologia lieferte beim Abruf nur die Startseite mit HTTP 200; Leitlinientexte zum Thema fanden sich dort nicht. Ob die Gesellschaft Dokumente führt, die über die erreichten Seiten nicht sichtbar sind, ist offen. Italien tritt sonst nur über eine Koautorenadresse am Istituto Superiore di Sanità in Rom bei der Tattoo-Konferenzarbeit auf [s44].
Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. Das Giornale Italiano di Medicina del Lavoro ed Ergonomia ist eine arbeitsmedizinische Zeitschrift und keine andrologische; das passt dazu, dass sich der italienische Beitrag über Berufsexposition und nicht über Verbraucherprodukte definiert. Der Zugang lief über Europe PMC und PubMed-Metadaten. Italienische Fachdatenbanken wurden nach den Berichten nicht abgefragt.
Portugiesisch
Stellung im Gesamtbild. Das Sprachmerkmal Portugiesisch kommt in keiner Quelle vor. Die Suche in PubMed und Europe PMC mit portugiesischen Begriffen (Kosmetika, Triclosan, Parabene, Tätowierungen, Färbemittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe) in Kombination mit Spermien, Samen und Fertilität ergab keine einschlägige muttersprachliche Studie. Der Raum hat also keine eigene Literatur zum Thema, die die Recherche erreicht hätte. Es gibt jedoch fünf englischsprachige Beiträge, die aus portugiesischsprachigen Ländern oder aus Portugal stammen, und sie zeigen, wo die Forschung dort tatsächlich liegt: bei Leitlinienkommentaren, Tierversuchen und Laborstudien, nicht bei Spermastudien am Menschen.
Brasilien.
- Die WHO-Leitlinie 2025 zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Infertilität wird in zwei Übersichten mit Erstautoren aus der Andrologie-Klinik ANDROFERT und der Universität Campinas (UNICAMP) kommentiert. Die eine, in der brasilianischen Fachzeitschrift International Brazilian Journal of Urology, ist eine umfassende Übersicht zur männlichen Reproduktionsgesundheit in der WHO-Leitlinie [s06]; die andere, in Andrology, vergleicht die WHO-Leitlinie mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE [s01]. Beide Abstracts beschreiben die WHO-Leitlinie als Public-Health-Ansatz mit Betonung der Prävention und der standardisierten Spermaanalyse, nennen Empfehlungen und Good-Practice-Statements zu Lebensstilrisiken, sexuell übertragbaren Infektionen, Antioxidantien-Gabe und Varikozele-Reparatur und erwähnen die hier betrachteten Expositionen nicht [s06, s01]. Sie sind deshalb für das Thema ein Beleg für das Fehlen, nicht für eine Bewertung.
- Telles und Kollegen (Bundesuniversität Sergipe) legten 2026 in Critical Reviews in Toxicology die wichtigste aktuelle Einordnung der Tierdaten zu Haarfärbemitteln vor: eine systematische Übersicht von 25 Artikeln aus PubMed, Web of Science, Embase und Scopus mit Risk-of-Bias-Bewertung nach SYRCLE. Die Toxizität betraf Herz, Leber, Niere, Hoden, Atemwege, Haut und Blut sowie Genotoxizität, Hormon- und Entwicklungsendpunkte; sie hing von Expositionsweg, Dosis, Spezies und davon ab, ob ein Einzelstoff oder ein Fertigprodukt geprüft wurde. Topische Studien waren für die kosmetische Exposition am relevantesten, orale, subkutane und intravenöse Modelle stützen vor allem die Gefahrenidentifikation. Das Verzerrungsrisiko wurde überwiegend als „unklar“ eingestuft, und die Autoren warnen ausdrücklich davor, die Befunde als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen [s14]. Eine Humanstudie zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern gibt es auch aus diesem Raum nicht.
- Costa und Kollegen (Staatliche Universität Londrina, Paraná) untersuchten in Wistar-Ratten die pränatale und laktationale Exposition gegenüber Triclocarban (0,3; 1,5 und 3,0 mg/kg/Tag oral von Gestationstag 0 bis Laktationstag 21). In der Gruppe mit 3,0 mg/kg sank das Interstitialvolumen des Hodens, das Testosteron stieg am Postnataltag 21, am Tag 50 war der Durchmesser der Samenkanälchen vermindert und die sexuelle Kompetenz im Erwachsenenalter vermindert. Spermaparameter wurden erhoben; der Abstract nennt dafür kein Ergebnis [s83]. Triclocarban gehört wie Triclosan zu den antimikrobiellen Stoffen, die nach der Übersicht zu quartären Ammoniumverbindungen in Verbrauchsprodukten verboten und durch diese ersetzt wurden [s40].
Portugal. Eine Gruppe der Universität Coimbra untersuchte in Fertility and Sterility die Wirkung kationischer Verbindungen auf menschliche Spermien in vitro. Die kationischen Tenside Benzalkoniumbromid (C12Bzk), Pyridiniumbromid (C12Pyr) und Dodecyltrimethylammoniumbromid (C12TAB) senkten nach 180 Minuten das mitochondriale Membranpotenzial und beeinflussten Kapazitation, Akrosomstatus und Kalziumsignale; C12Pyr wirkte am stärksten (Kalziumanstieg bei 81,7 % der Zellen). Die Konzentrationen waren spermizid und nicht umweltrelevant [s131]. Die Arbeit ist die einzige In-vitro-Studie an menschlichen Spermien zu dieser Stoffklasse in der Literaturbasis. Die übrigen Studien sind Mäuseversuche einer US-Gruppe [s122, s128, s32, s26], eine Übersicht aus einer US-Chemieabteilung [s40] und eine chinesische Studie zur Hautdesinfektion bei Samenspendern [s114].
Kohorten, Register, Leitlinien, Fachzeitschriften. Eigene Kohorten oder Register zu den Expositionen wurden in portugiesischer Sprache nicht gefunden, ebenso keine nationale Leitlinie. Die Fachzeitschrift der brasilianischen Urologie erscheint hier mit englischen Artikeln [s06]; ob es portugiesische Beiträge in brasilianischen Zeitschriften gibt, kann die Recherche nicht sagen.
Erreichbarkeit. Die für diesen Raum zentralen Portale SciELO (Suche mit HTTP 403 beziehungsweise Browser-Prüfseite eines Schutzdienstes) und LILACS beziehungsweise das BVS-Portal (HTTP 403) waren nicht abrufbar. Inhalte, die auch in PubMed oder MEDLINE indiziert sind, sind über Europe PMC zugänglich; rein dort indizierte Arbeiten wurden nicht erreicht. Ein Befund oder Nichtbefund in portugiesischer Sprache kann deshalb weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
Spanisch
Stellung im Gesamtbild. Das Sprachmerkmal Spanisch kommt in keiner Quelle vor. Die Suche mit spanischen Begriffen in Kombination mit Spermien, Samen und Fertilität ergab keine einschlägige muttersprachliche Humanstudie zu den sechs Expositionsgruppen. Spanischsprachige Treffer betrafen andere Themen (etwa Hypospadie auf Gran Canaria, Entwicklungsprogrammierung der Reproduktionsachse, Umweltverschmutzung auf den Kanarischen Inseln). Sie wurden nicht aufgenommen, weil sie keine Spermaendpunkte zu den Expositionen berichten. Wie beim Portugiesischen liegt die tatsächliche Forschung des Raums in englischsprachigen Zeitschriften.
Spanien: Studierendenkohorten aus Murcia. Zwei Querschnittsstudien einer Arbeitsgruppe der Universität Murcia untersuchten gesunde junge Männer, beide auf Englisch.
- Adoamnei und Kollegen (International Journal of Hygiene and Environmental Health, 2018) untersuchten 215 Studenten im Alter von 18 bis 23 Jahren in Südspanien (2010 bis 2011), mit Urin-, Blut- und Samenproben am selben Tag; 97 % hatten mindestens einen Benzophenon-UV-Filter im Urin. Nach Adjustierung waren BP-1 und BP-3 positiv mit FSH assoziiert (β = 0,08; 95-%-Konfidenzintervall 0,009 bis 0,15 beziehungsweise β = 0,04; 0,0002 bis 0,08), BP-1 positiv mit dem Verhältnis von Testosteron zu Östradiol (β = 0,04; 0,002 bis 0,07) und negativ mit dem Verhältnis von Inhibin B zu FSH (β = -0,11; -0,21 bis -0,006). Eine signifikante Assoziation zwischen irgendeinem Benzophenon-Filter und irgendeinem Spermaparameter gab es nicht; die Autoren werten die Effekte als klein und von unklarer klinischer Bedeutung [s100].
- Kiwitt-Cárdenas und Kollegen (Science of the Total Environment, 2024) untersuchten 158 gesunde Studenten in Südostspanien auf Bisphenol A, vier Parabene und fünf Benzophenone im Urin und auf den Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (Sperm-Chromatin-Dispersions-Test), mit Bayesscher Kernel-Maschinenregression. Höheres 4-Hydroxybenzophenon war der wichtigste Beitrag zu einer negativen Assoziation mit dem Fragmentierungsindex (-5,5 %; -10,7 bis -0,3 beim 50. Perzentil und -5,4 %; -10,8 bis -0,1 beim 75. Perzentil), also mit weniger DNA-Fragmentierung. Andere Stoffe zeigten keine signifikanten Assoziationen. Der Befund weist damit nicht auf eine Schädigung, und die Autoren betonen kleine Effekte unsicherer klinischer Bedeutung [s46].
Beide Arbeiten haben Stärken, die sich von den Kliniksamples anderer Räume unterscheiden: Es handelt sich um gesunde junge Freiwillige und nicht um Patienten einer Kinderwunschklinik. Schwächen sind die begrenzten Fallzahlen, die Beschränkung auf junge Studierende und der Querschnittscharakter, der keine Aussage zur Ursache erlaubt.
Lateinamerika. Zwei weitere englischsprachige Beiträge stammen aus Kolumbien und Argentinien.
- Daza-Rodríguez und Kollegen (Corporación Universitaria Rafael Núñez, Cartagena, Kolumbien) legten eine systematische Übersicht zu Triclosan und menschlicher Infertilität vor. Sie recherchierten in MEDLINE (über PubMed) und ScienceDirect, bewerteten die Qualität mit JBI-Checklisten durch zwei unabhängige Gutachter und fassten narrativ zusammen. Ihr Fazit: Die Evidenz zur Assoziation von Triclosan und Infertilität beim Menschen sei lückenhaft; insgesamt sei kein Zusammenhang mit Infertilität gefunden worden, aber Spermaqualität und ovarielle Reserve erschienen empfindlich gegenüber Triclosan. Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht [s57]. Schwächen sind die nur zwei Datenbanken und das Fehlen einer Metaanalyse.
- Gomez (Instituto de Biología y Medicina Experimental, Buenos Aires) schrieb 2025 im Journal of Neuroendocrinology eine narrative Übersicht zu Benzophenonen (BP-2, BP-3) als möglichen endokrinen Disruptoren: Wirkungen auf Hormonrezeptoren, Steroidstoffwechsel und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, dazu regulatorische Anmerkungen. Im Abstract stehen keine Zahlen [s23].
Leitlinien und Register. Eine spanischsprachige Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden, und die Recherche nennt keine gesonderte Suche nach Dokumenten spanischer oder lateinamerikanischer urologischer Fachgesellschaften. Für Spanien und Lateinamerika gibt es in den Quellen weder ein Register noch eine nationale Kohorte zu den Expositionen.
Erreichbarkeit. SciELO (HTTP 403 beziehungsweise Browser-Prüfseite) und LILACS beziehungsweise BVS (HTTP 403) waren nicht abrufbar. Dialnet lieferte beim ersten Abruf HTTP 200 mit einer Seite ohne auswertbare Trefferliste und beim zweiten HTTP 503. Spanischsprachige Literatur, die nur dort verzeichnet ist, wurde nicht erreicht. Ein Befund in spanischer Sprache kann deshalb weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
Chinesisch
Stellung im Gesamtbild. Chinesisch ist als Sprache der Publikation schwach, als Herkunftsland der Studien aber der größte Einzelraum. Nur drei Quellen tragen das Sprachmerkmal Chinesisch: zwei Arbeiten in der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (Chinese Journal of Andrology) [s65, s114] und eine in der Zeitschrift Se Pu (Chinese Journal of Chromatography) [s52]. Alle drei haben einen englischen Abstract in PubMed; die Volltexte sind chinesisch. Die chinesischen Originaltitel wurden nicht abgerufen, verwendet ist die englische PubMed-Fassung. Daneben steht bei mindestens 35 der PubMed-indizierten Quellen eine chinesische Adresse unter den Autoren, und ein erheblicher Teil der Humanstudien mit Spermaendpunkten zu Triclosan und zu Parabenen stammt aus China: Von den neun Einzelstudien zu Triclosan und Spermaparametern sind vier chinesisch [s72, s59, s123, s132].
Eigene Kohorten. Die chinesischen Humanstudien rekrutieren fast ausschließlich Männer aus Kinderwunsch- und Reproduktionskliniken oder Spender einer Samenbank. Das hat zwei Folgen: Die Populationen sind nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung, und die Exposition ist, wie die Shanghaier Studie selbst festhält, im internationalen Vergleich niedrig [s123].
- Shanghai. Die Gruppe an der Jiao-Tong-Universität (Xinhua-Krankenhaus, Schule für öffentliche Gesundheit) trägt drei Studien: 471 Männer aus einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit mit Triclosan in 96,7 % der Urinproben (Median 0,97 ng/mg Kreatinin) [s123], 795 männliche Partner von Paaren mit Kinderwunsch mit sechs Parabenen im Urin [s64] und 799 Freiwillige der Shanghaier Samenbank mit 18 Phenolen im Urin [s52]. Bei Zhu und Kollegen war ln-Triclosan mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien negativ assoziiert (β = -0,17; 95-%-Konfidenzintervall -0,32 bis -0,02); im niedrigsten Terzil waren Konzentration, Gesamtzahl, Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien sowie Anteil und Zahl normal geformter Spermien betroffen, im mittleren und hohen Terzil nichts, also ein nichtmonotones Muster, das die Autoren selbst als bescheidenen Effekt bei umweltrelevanter Dosis bezeichnen [s123]. Die Parabenmischung war mit sinkender Spermienkonzentration, Gesamtzahl und progressiver Motilität assoziiert, wobei Butylparaben für Konzentration und Gesamtzahl und Methylparaben für die progressive Motilität die Hauptbeiträge lieferte [s64]. In der Se-Pu-Arbeit war Ethylparaben negativ mit Spermienkonzentration und Gesamtzahl assoziiert (p < 0,05), und die Phenolmischung hing mit geringerer Konzentration zusammen, wobei Methyl- und Ethylparaben die Hauptbeiträge lieferten [s52]. Die Se-Pu-Arbeit ist die einzige im Rahmen dieser Studie gefundene Humanstudie mit chinesischsprachiger Originalveröffentlichung zu Phenolen und Samenqualität.
- Shenzhen und Shijiazhuang. Das Shenzhener Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention trägt zwei Triclosan-Studien: 406 Männer einer Reproduktionsklinik (Triclosan in 74,6 % der Proben nachweisbar; kein monotoner Trend mit irgendeinem der 16 Spermaparameter, p > 0,05; höhere Linearität und „Wobble“ im zweiten Terzil) [s72] und eine Fall-Kontroll-Studie mit 100 Männern geringer Spermaqualität und 100 Kontrollen in einer Fertilitätsklinik in Shijiazhuang, bei der das Seminalplasma-Triclosan im vierten Quartil mit einem adjustierten Odds Ratio von 2,36 (1,03 bis 5,39) für geringe Spermaqualität verbunden war, obwohl die Konzentration der Fälle nur nicht signifikant höher lag [s59].
- Weitere Zentren. Die prospektive Kohorte am Frauenkrankenhaus der Zhejiang-Universität in Hangzhou verfolgte 331 von 443 Paaren (74,7 %) über zwölf Monate; höheres Triclosan im Urin der Männer war mit verminderter Fekundabilität assoziiert (Fekundabilitäts-Odds-Ratio 0,77; 0,62 bis 0,97), das Infertilitätsrisiko stieg (Odds Ratio 1,6; 1 bis 2,6) [s74]. Die Fall-Kontroll-Studie aus Nanjing mit 877 idiopathisch infertilen Männern und 713 fertilen Kontrollen fand für Triclosan, Bisphenol A, Benzophenon-3 und Pentachlorphenol keinen Zusammenhang, wohl aber für die Alkylphenole 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol (p für Trend < 0,0001; 0,014; 0,001) [s132]. In Wuhan war Butylparaben im Urin positiv mit Kometenschweiflänge und Moment der Schweifverteilung des Comet-Tests (p < 0,01) assoziiert, also mit Spermien-DNA-Schaden [s12]. In Anhui untersuchte eine Gruppe 155 Männer mit 55 Chemikalien im Urin; die gemeinsame Exposition gegenüber Bisphenol A, Ethylparaben, Methylparaben, BP-1, BP-3 und MCPP war mit geringerer Gesamt- und progressiver Motilität assoziiert (β = -0,18 und -0,27; beide p = 0,002), BP-1, Methylparaben und MCPP waren Haupttreiber [s43]. UV-Filter treten beim Menschen in China nur als Analyten in solchen Mischungen und als Nullbefund für Benzophenon-3 in der Nanjinger Studie auf; die Mischung erlaubt keine Aussage speziell zu UV-Filtern. Das Jilin-Kollektiv von 2.267 infertilen Männern fragte nach Wohnungsrenovierung: Wer innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung eingezogen war, hatte ein erhöhtes Risiko einer abnormalen progressiven Motilität (Odds Ratio 1,537; 1,088 bis 2,172); das ist ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen und kein Reinigungsmittel-Befund [s62]. Außerdem liegen reine Expositionsmessungen vor: Parabene in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 Männern in Peking, wobei die Urinwerte ein bis zwei Größenordnungen über denen in Serum und Seminalplasma lagen [s81], Parabene im Seminalplasma von 144 Männern [s56] und gepoolte Urinproben mit 48 Zusatzstoffen aus Pflege- und Verbraucherprodukten in Guangzhou [s71].
- Samenspender. Die Nanninger Studie an der Samenbank der Guangxi-Universität (185 Spender mit zwei Proben, mit und ohne Hautdesinfektion) prüfte Povidon-Iod und Benzethoniumchlorid-Tücher: In der Povidon-Iod-Gruppe unterschied sich der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 % gegenüber 61,45 ± 4,78 %; p < 0,05), andere Parameter nicht; in der Tuchgruppe unterschied sich nichts. Die Mittel wurden in verschiedenen Zeiträumen und nicht randomisiert eingesetzt, und der Unterschied beträgt rund 1,6 Prozentpunkte [s114].
Metaanalysen und Übersichten. Die Metaanalyse zu Triclosan [s38] enthält drei chinesische Studien (100 + 100, 406 und 471 Männer). Gepoolt ergab sich eine geringere Spermienkonzentration (SMD -0,42; -0,75 bis -0,10; I² 97 %) und Gesamtmotilität (SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; I² 100 %), aber ein höheres Ejakulatvolumen (SMD +0,24; 0,04 bis 0,45); in der Sensitivitätsanalyse verschwand der Effekt auf die Gesamtmotilität (SMD -1,63; p = 0,12), und die Autoren verglichen Exponierte mit WHO-Referenzwerten statt mit internen Kontrollgruppen [s38]. Der Umbrella-Review aus Chengdu bewertete 43 Studien mit 67 Risikofaktoren; die Evidenz war überwiegend als sehr niedrig eingestuft [s15]. Eine Übersicht aus Chongqing [s55] und eine NHANES-Sekundäranalyse mit Zebrafisch-Versuch aus Guangzhou [s50] betreffen Triclosan, ohne Spermaendpunkt beim Menschen.
Haarfärbemittel, UV-Filter, Tiere. Die In-vitro-Studie am menschlichen Spermium mit para-Phenylendiamin (5, 25, 100, 200 µM) aus Nantong senkte Gesamtbeweglichkeit, progressive Beweglichkeit und Vitalität dosisabhängig; die Akrosomreaktion war bei 25, 100 und 200 µM erniedrigt, der DNA-Fragmentierungsindex bei 100 und 200 µM erhöht. Die Autoren erwähnen, dass die Substanz in mehr als 66 % der Haarfärbemittel vorkomme und dass sie in Industrieländern auf 2 % begrenzt sei, in manchen anderen Ländern aber laut ihrer Arbeit 2 bis 90 % betragen könne; die Konzentrationen wurden nicht mit Spiegeln nach einer Haarfärbung verglichen [s42]. Eine zweite menschliche In-vitro-Studie untersuchte Triclocarban (0 bis 100 µmol/l) an Spenderspermien; bei 10 µmol/l, der niedrigsten wirksamen Konzentration, sanken mitochondriale ATP-Produktion und Membranpotenzial [s20]. Die Mausstudien der Gruppe in Ningxia geben bei Benzophenon-1, -2 und -3 im Bereich von 2,14 bis 246 µg/l nach postnataler Exposition eine gestörte Blut-Hoden-Schranke und verminderte Spermienqualität an [s21, s29]; die Arbeit mit BP-3 allein (2,28 und 228 µg/l) nennt zusätzlich ein niedrigeres Testosteron [s29]. Eine weitere Arbeit der Gruppe zeigt, dass BP-1, BP-2 und BP-3 die Alpha-2-Makroglobulin- und IL-6-Spiegel im Hoden erhöhen [s49], und eine chronische Exposition von Tag 1 bis 240 beeinträchtigte nach dem Abstract Fertilität, Hodengewicht sowie Spermienzahl und -qualität [s11]. Weitere chinesische Tierstudien betreffen Triclosan (Hangzhou, Chongqing, Shenyang) [s27, s04, s127], Galaxolid (Shenzhen) [s60] und Nonylphenol [s65, s37].
Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. Chinesische Humanstudien erscheinen überwiegend in englischsprachigen internationalen Zeitschriften (Environmental Pollution [s72], European Journal of Obstetrics & Gynecology [s59], Frontiers in Public Health [s74]); nur selten in der Landessprache. Auffällig ist ein methodischer Trend zu Mischungsmodellen (gewichtete Quantilssumme, Bayessche Kernel-Maschinenregression, Quantil-g-Berechnung) [s52, s64, s12, s43]. Die Datenbanken sind das Nadelöhr: CNKI war nicht erreichbar (Verbindungsaufbau scheiterte, HTTP-Code 000), Wanfang antwortete mit HTTP 200, aber nur mit dem JavaScript-Gerüst ohne Suchergebnisse. Chinesische Suchwörter in Europe PMC brachten praktisch keine zusätzlichen Treffer gegenüber englischen. Eine Aussage „es gibt keine rein chinesischsprachige Humanstudie“ ist deshalb nicht möglich; Hochschulschriften und regionale Zeitschriften sind vermutlich unterrepräsentiert. Taiwan und Hongkong erbrachten bei der Suche nach den Ländernamen keine einschlägigen Spermienstudien; Galaxolid stammt vom Shenzhener Campus der Chinese University of Hong Kong [s60].