# Haarfärbemittel, Tätowierungen, UV-Filter, Triclosan, Reinigungsmittel und Duftstoffe und die Spermienqualität: Eine Gesamtstudie der Literatur in zwölf Sprachräumen

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/kosmetik-haushalt.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 56.711 Wörter, 151 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage ist sehr ungleich und insgesamt wenig sicher. Nur zu Triclosan gibt es mehrere Humanstudien, und diese weisen in unterschiedliche Richtungen. Zu UV-Filtern liegen gemischte Einzelbefunde vor, zu Tätowierungen eine Studie ohne Zusammenhang. Für Haarfärbemittel, Reinigungsmittel und Duftstoffe fehlen Humanstudien mit Spermienwerten; es gibt nur Tier- und Zellversuche. Weder Schaden noch Unbedenklichkeit lässt sich daraus belegen.

## Häufige Fragen

### Verschlechtern Haarfärbemittel die Spermienqualität?

Das ist beim Menschen nicht untersucht. Es wurde keine Humanstudie mit Spermienwerten gefunden. Vorhanden sind eine Zellstudie an menschlichen Spermien mit para-Phenylendiamin, ein Rattenversuch und zwei kleine Tagungsabstracts mit teils gegenläufigen Befunden. Die Dosen und Bedingungen entsprechen meist nicht der Anwendung am Kopf. Eine Aussage für Menschen ist daher nicht möglich.

### Beeinflussen Tätowierungen die Spermien?

Dazu gibt es genau eine Studie mit 1.045 jungen Männern, von denen 174 tätowiert waren. Sie fand keinen Zusammenhang mit Spermienwerten oder Hormonen. Die Tätowierungen waren überwiegend schwarz und wenig zahlreich. Für großflächige oder langjährige Tätowierungen lässt sich daraus nichts ableiten, ein Nullbefund bei geringer Belastung ist kein Beleg für Unbedenklichkeit.

### Was weiß man über Triclosan und Spermien?

Triclosan ist der am besten untersuchte Stoff, doch die Ergebnisse sind uneinheitlich. Einige Studien fanden schwache negative Zusammenhänge, eine fand eine gegenläufige Richtung, die größte Fall-Kontroll-Studie fand keinen Zusammenhang. Die einzige Metaanalyse zeigt eine geringere Spermienkonzentration, ist aber extrem uneinheitlich und methodisch begrenzt. Die Gewissheit ist niedrig.

### Schaden UV-Filter in Sonnencreme den Spermien?

Die Befunde sind gemischt. Für Benzophenone fand eine Kohorte bei einem Vertreter eine geringere Spermienkonzentration, eine Studie mit Studenten keinen Zusammenhang mit Spermienwerten, eine weitere sogar weniger DNA-Fragmentierung. Für andere organische Filter wurde keine Humanstudie mit Spermienwerten gefunden. Tierversuche nutzten oft Dosen und Wege, die mit dem Auftragen auf die Haut nicht vergleichbar sind.

### Sind Reinigungs- und Desinfektionsmittel für Spermien problematisch?

Für Haushaltsprodukte gibt es keine Humanstudie mit Spermienwerten. Quartäre Ammoniumverbindungen senkten bei Mäusen Spermienkonzentration und Beweglichkeit, meist bei hohen Dosen über lange Zeit. Menschliche Spermien im Labor reagierten bei Konzentrationen, die Spermien abtöten. Eine Studie mit Samenspendern fand nach Hautdesinfektion mit einem solchen Tuch keine Veränderung der Samenwerte.

### Was ist mit Duftstoffen und Parfüm?

Die Datenlage ist sehr dünn. Die einzige Humanstudie fragte Männer nach der Nutzung von Körperpflegeprodukten, auch parfümierten, und fand kaum Zusammenhänge. Einzelne Duftstoffe wurden an Tieren oder im Labor geprüft, mit stoff- und artabhängigen Ergebnissen: Galaxolid wirkte bei Ratten, Benzylbenzoat nicht. Duftstoff ist keine einheitliche Stoffklasse, Befunde lassen sich nicht übertragen.

### Warum sind Tierversuche schwer auf den Menschen übertragbar?

Tierversuche arbeiten oft mit Dosen von 20 bis 200 Milligramm je Kilogramm, mit Injektionen, Futter oder Trinkwasser. Auch Laborversuche an Spermien nutzen hohe Konzentrationen. Das entspricht kaum der Alltagsanwendung von Kosmetik oder Reinigern. Solche Studien liefern Hinweise auf mögliche Mechanismen, aber keine Vorhersage für Menschen, und einzelne Tierstudien fanden bei hoher Dosis auch keine Wirkung.

### Heißt fehlender Nachweis, dass die Stoffe unbedenklich sind?

Nein. Aus dieser Literatur ergibt sich weder ein Nachweis einer schädlichen Wirkung unter Alltagsbedingungen noch ein Nachweis der Unschädlichkeit. Es besteht vor allem bei Haarfärbemitteln, Reinigungsmitteln, Duftstoffen und Tätowierfarben eine große Datenlücke. Die Befunde zeigen Assoziationen, keine Verursachung, und die Abwesenheit von Studien ist keine Abwesenheit von Risiko.

*Stand 5. Oktober 2026*

## Kurzfassung

**Fragestellung.** Diese Studie prüft, was die wissenschaftliche Literatur über einen möglichen Zusammenhang zwischen sechs Gruppen alltäglicher Stoffe und der Spermienqualität des Menschen weiß: Haarfärbemittel, Tätowierfarben, UV-Filter in Sonnenschutzmitteln, Triclosan (ein antimikrobieller Wirkstoff), Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Duftstoffe. Berücksichtigt wurden Veröffentlichungen aus den Sprachräumen Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Das Quellenverzeichnis umfasst 151 Arbeiten, von Leitlinien und Übersichten bis zu Tierversuchen und Zellstudien.

**Hauptergebnis.** Die Evidenzdichte unterscheidet sich zwischen den sechs Gruppen enorm. Nur für Triclosan liegen mehrere Humanstudien mit Spermaparametern vor, und selbst sie weisen in unterschiedliche Richtungen. Für Tätowierungen gibt es genau eine Studie mit Spermaendpunkten, und sie fand keinen Zusammenhang [s18]. Für Haarfärbemittel, quartäre Ammoniumverbindungen als Desinfektionswirkstoffe und einzelne Duftstoffe wurde keine Humanstudie mit Spermaendpunkten gefunden; die Befunde stammen aus Tierversuchen und aus Zellversuchen an Spermien. Für organische UV-Filter, vor allem Benzophenone, liegen einige Humanstudien vor, die einzelne Assoziationen, keine Assoziationen oder sogar eine Richtung zugunsten der Spermien zeigen [s124, s100, s46].

**Triclosan im Detail.** Die bislang einzige Metaanalyse fasst fünf Beobachtungsstudien mit 1.312 Männern zusammen und findet eine geringere Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,42; 95-%-Konfidenzintervall −0,75 bis −0,10) und eine geringere Gesamtmotilität [s38]. Die Heterogenität ist jedoch extrem (I² von 88 bis 100 Prozent), und der Pool vergleicht laut Methodenteil exponierte Männer mit WHO-Referenzwerten statt mit internen Kontrollen [s38]. Die größte Fall-Kontroll-Studie mit 877 Fällen und 713 Kontrollen fand keinen Zusammenhang zwischen Urin-Triclosan und idiopathischer Infertilität [s132]. Eine Kohorte mit Fekundabilität als Endpunkt (443 Paare) fand eine verminderte Fekundabilität bei höherem Triclosan beim Mann (Odds Ratio 0,77; 95-%-KI 0,62 bis 0,97), das Konfidenzintervall der zugehörigen Infertilitäts-Odds-Ratio berührt jedoch die 1 [s74].

**Tierversuche und Zellstudien.** Triclosan, Benzophenone, para-Phenylendiamin, quartäre Ammoniumverbindungen, Galaxolid und weitere Stoffe beeinträchtigen in Nagetieren und an isolierten Spermien Merkmale der Samenqualität, jedoch meist bei Dosen und Konzentrationen, die weit über der Alltagsexposition liegen oder auf Wegen verabreicht wurden (Schlundsonde, subkutane Injektion, Futter, Trinkwasser), die mit dem Auftragen auf die Haut nicht gleichzusetzen sind [s87, s133, s42, s32, s60]. Einzelne Tierstudien fanden bei geeigneter Dosis auch keine Wirkung auf die Spermien [s146, s145, s69]. Quartäre Ammoniumverbindungen beeinträchtigten im Mausversuch Spermienkonzentration und Motilität, und der Sertoli-Zell-Stoffwechsel sank schon bei 0,0005 Prozent der Mischung; die Autoren betonen selbst, dass die Wirkung auf die menschliche Gesundheit unklar ist [s122, s26].

**Leitlinien.** Die AUA/ASRM-Leitlinie hält fest, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind; für Benzophenone, Bisphenol A, chlorierte antimikrobielle Stoffe und Parabene wird die Evidenz als nicht schlüssig bezeichnet [s39]. Die EAU-Leitlinie nennt Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierungen, Reinigungsmittel und Duftstoffe im abgerufenen Kapitel nicht [s19].

**Grenzen.** Die Studie beruht überwiegend auf Abstracts. Fast alle Humanstudien sind Querschnittsstudien mit einer einzelnen Urinprobe, die in Kinderwunschkliniken oder Samenbanken rekrutiert wurden. Messfehler, Störgrößen und Mehrfachtests schränken die Aussagekraft ein. Von einer Wirkung oder von Unbedenklichkeit lässt sich aus dieser Literatur nicht sprechen: Die Befunde belegen Assoziationen, nicht Verursachung, und die Abwesenheit von Studien ist keine Abwesenheit von Risiko. Diese Studie enthält keine Handlungs- oder Therapieempfehlung.

## Das Wichtigste in Kürze

Die Einstufung der Evidenzstärke und der Gewissheit in dieser Liste ist eine qualitative Einschätzung der Verfasser dieser Studie auf der Grundlage der abgerufenen Abstracts und Volltexte. Sie ist keine formale GRADE-Bewertung. „Evidenzstärke" beschreibt, wie belastbar das Studiendesign den Befund trägt; „Gewissheit" beschreibt, wie sicher die Richtung und Größe des Befundes nach Heterogenität, Studienzahl und Verzerrungsrisiko erscheint.

1. **Triclosan beim Menschen: uneinheitliche, überwiegend schwache Assoziationen.** Von neun Humanstudien mit Spermaendpunkten (darunter einer großen Fall-Kontroll-Studie) finden einige schwache negative Assoziationen mit Morphologie, Beweglichkeit oder Bewegungsmuster [s97, s123, s107, s72], eine ein erhöhtes Risiko im obersten Quartil des Samenplasma-Triclosans (adjustiertes Odds Ratio 2,36; 95-%-KI 1,03 bis 5,39) [s59], eine gegenläufige positive Assoziation [s112] und die größte Studie keinen Zusammenhang [s132]. *Evidenzstärke: niedrig (Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien). Gewissheit: niedrig.*

2. **Die Triclosan-Metaanalyse ist kaum belastbar.** Fünf Studien, I² von 88 bis 100 Prozent, Vergleich gegen WHO-Referenzwerte statt interner Kontrollen; bei der Gesamtmotilität verschwand der Effekt in der Sensitivitätsanalyse (p = 0,12) [s38]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: sehr niedrig.*

3. **Triclosan in der Samenflüssigkeit (Russland): konsistent, aber nicht unabhängig.** Eine Arbeitsgruppe veröffentlichte neun Arbeiten mit sehr wahrscheinlich überlappenden Probensätzen (41, 53 und 84 Proben); Triclosan korrelierte dort mit höherer Spermien-DNA-Fragmentierung (r = 0,604) und geringerem Anteil normal geformter Spermien (r = −0,420) [s93, s92, s101]. Die Zahl der Treffer ist nicht die Zahl unabhängiger Belege. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: sehr niedrig.*

4. **UV-Filter (Benzophenone) beim Menschen: gemischt.** BP-2 war in einer Kohorte mit 413 Männern mit geringerer Spermienkonzentration assoziiert (β = −0,74; 95-%-KI −1,41 bis −0,08), in einer Studie mit 215 Studenten fand sich keine Assoziation mit irgendeinem Spermaparameter, und in einer weiteren Studie war 4-Hydroxybenzophenon mit weniger DNA-Fragmentierung assoziiert, also in der unschädlichen Richtung [s124, s100, s46]. Für Octocrylen, Homosalat, 4-Methylbenzylidencampher und Octinoxat wurde keine Humanstudie mit Spermaendpunkten gefunden (eigene Recherche in Europe PMC). *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: sehr niedrig.*

5. **Tätowierungen: eine einzige Studie, ohne Befund.** Bei 1.045 jungen Männern (174 tätowiert) fand sich keine Assoziation von Tätowierungen mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen; die Tätowierungen waren überwiegend schwarz und wenige [s18]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: niedrig für junge Männer mit wenigen, schwarzen Tätowierungen, sonst nicht beurteilbar.*

6. **Haarfärbemittel: keine Humanstudie mit Spermaendpunkten.** Es liegen eine Zellstudie an menschlichen Spermien mit para-Phenylendiamin (PPD) [s42], eine Tierversuchsübersicht mit methodischen Schwächen [s14], ein Rattenversuch mit dermaler PPD-Gabe [s133] und zwei japanische Tagungsabstracts mit teils gegenläufigem Befund vor [s141, s137]. Für Friseurinnen und Kosmetikerinnen gibt es Übersichten zur Fertilität von Frauen, nicht zu Spermien [s126, s142]. *Evidenzstärke: sehr niedrig (nur präklinisch). Gewissheit: nicht beurteilbar für den Menschen.*

7. **Reinigungs- und Desinfektionsmittel: keine Humanstudie mit Spermaendpunkten zu Haushaltsprodukten.** Quartäre Ammoniumverbindungen senkten bei Mäusen Spermienkonzentration und Motilität und wirkten über mehrere Generationen nach [s122, s32]; menschliche Spermien in vitro reagierten bei spermiziden Konzentrationen [s131]. Eine chinesische Studie mit 185 Samenspendern fand für Benzethoniumchlorid-Tücher bei der Hautdesinfektion keine Änderung der Samenparameter [s114]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: nicht beurteilbar für den Menschen.*

8. **Duftstoffe: sehr dünn.** Die einzige Humanstudie fragte nach aggregierter Körperpflegeprodukt-Nutzung, auch parfümierter Produkte, und fand kaum Assoziationen (1.058 Männer) [s89]. Einzelne Substanzen sind im Tierversuch oder in vitro untersucht, mit stoff- und artabhängigen Ergebnissen [s60, s54, s80, s69]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: nicht beurteilbar.*

9. **Tierversuche sind schwer auf den Menschen zu übertragen.** Dosen von 20 bis 200 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht, subkutane Gabe, Fütterungsversuche und In-vitro-Konzentrationen im mikromolaren Bereich liegen weit von der Alltagsanwendung entfernt; die Triclosan-Spermienbefunde im Säuger zeigten sich in den ausgewerteten Studien bei 200 Milligramm je Kilogramm bei der Ratte und bei 20 bis 40 Milligramm je Kilogramm bei der Maus [s127, s04]. Einzelne Studien fanden bei hoher Dosis keine Spermienwirkung [s146, s145, s69]. *Evidenzstärke: für Gefahrenidentifikation moderat aussagekräftig, für Risikoabschätzung beim Menschen gering. Gewissheit: niedrig.*

10. **Leitlinien nehmen die sechs Stoffgruppen kaum auf.** AUA/ASRM: Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt, Evidenz für Benzophenone, chlorierte antimikrobielle Stoffe und Parabene nicht schlüssig (Evidenzgrad C) [s39]. EAU und WHO-Leitlinie 2025 nennen in den abgerufenen Texten oder Abstracts die sechs Gruppen nicht [s19, s33, s01, s06]. *Evidenzstärke: nicht anwendbar. Gewissheit: hoch, dass die Leitlinien dazu schweigen.*

11. **Der Umbrella-Review zeigt das Gesamtbild der Risikofaktoren.** Von 249 Effektgrößen aus 43 Studien waren 136 (54,6 Prozent) mit sehr niedriger, 59 (23,7 Prozent) mit niedriger und 54 (21,7 Prozent) mit moderater Evidenzsicherheit nach GRADE eingestuft; Triclosan, Parabene und UV-Filter werden im Abstract nicht genannt [s15]. *Evidenzstärke: Übersicht auf der höchsten Ebene, aber ohne Aussage zu den sechs Gruppen. Gewissheit: für die Gesamtlage der Risikofaktoren niedrig.*

12. **Gesamteinschätzung.** Aus dieser Literatur ergibt sich weder ein Nachweis einer schädlichen Wirkung der sechs Stoffgruppen auf die Spermienqualität beim Menschen unter Alltagsbedingungen noch ein Nachweis ihrer Unschädlichkeit. Es besteht eine große Datenlücke, vor allem für Haarfärbemittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe und Tätowierfarben. *Gewissheit der Aussage „Datenlücke": hoch.*

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Aufbau

Die Studie untersucht sechs Expositionsgruppen: Haarfärbemittel, Tätowierfarben, UV-Filter, Triclosan, Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Duftstoffe. Zielgröße ist die Spermienqualität des Menschen im Sinne der Standardparameter der Samenanalyse (Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Form, ergänzend Vitalität und DNA-Fragmentierung) sowie, wo vorhanden, die klinisch näheren Endpunkte Fekundabilität (Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft je Zyklus) und Infertilität. Wo keine Humandaten vorliegen, werden Tierversuche und Zellstudien dargestellt und ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Verwandte Kosmetikinhaltsstoffe, vor allem Parabene und Alkylphenole (4-Nonylphenol gilt als Abbauprodukt bestimmter Tenside), sind nicht Teil der Fragestellung. Sie werden mitgeführt, weil die Literatur zu ihnen deutlich umfangreicher ist und die Einordnung der Kernbefunde erleichtert; wo das geschieht, wird es gesagt.

Die Gesamtstudie gliedert sich in Kapitel. Dieses erste Kapitel enthält Kurzfassung, Kernbefunde, Methodik und Hintergrund; die folgenden Kapitel behandeln die Stoffgruppen und Studientypen im Einzelnen.

### Wie recherchiert wurde

Die Recherche erfolgte am 5. Oktober 2026 in drei Teilen nach Sprachgruppen. Gruppe A deckte Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch ab, Gruppe B Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Gruppe C Russisch, Arabisch und Türkisch. Die Ergebnisse wurden zu einem gemeinsamen Verzeichnis mit 151 Quellen zusammengeführt, in dem Dubletten aus den Teilrecherchen vereinigt und die Quellen nach Jahr (absteigend) und Autor neu nummeriert sind. Die Kennungen s01 bis s151 in dieser Studie beziehen sich auf dieses Verzeichnis.

Als Hauptweg diente die REST-Schnittstelle von Europe PMC (Suche in Titel und Abstract mit Sprachfiltern), ergänzend die NCBI-E-utilities, vor allem zum Abrufen vollständiger Abstracts. Die PubMed-Webseite selbst wurde nicht verwendet. Hinzu kamen die offene Schnittstelle des französischen Archivs HAL, für Japan die Portale J-STAGE und CiNii Research, für Russland CyberLeninka, für die Türkei TR Dizin und für Arabisch das Directory of Open Access Journals (DOAJ). Die Leitlinientexte der American Urological Association und der European Association of Urology wurden als Webtext abgerufen und ausgewertet. Die Suchwörter umfassten die Stoffnamen und Stoffgruppen sowie Spermien-, Hoden- und Samenbegriffe, wo sinnvoll auch in der Landessprache, in Chinesisch, Japanisch, Russisch, Türkisch und Arabisch in der Originalschrift.

Aufgenommen wurde eine Arbeit nur, wenn mindestens ihr Abstract tatsächlich abgerufen und gelesen wurde und sie einen der sechs Stoffe oder eine eng verwandte Substanz mit Spermien, Hoden oder männlicher Fruchtbarkeit in Beziehung setzt. Vereinzelt wurden Arbeiten ohne Spermienendpunkt aufgenommen, weil sie belegen, was in einem Sprachraum tatsächlich vorliegt: eine Analyse von Schwermetallen in Haarfärbemitteln [s13], eine Embryokultur mit Triclosan [s85] und eine Kohorte zu Pflegeprodukten bei Frauen unter künstlicher Befruchtung [s58]. Diese Arbeiten sind im Text gekennzeichnet und tragen nicht zu den Aussagen über Spermien bei.

### Sprachräume

Von den 151 Quellen sind 136 englischsprachig (Titel oder Abstract), darunter auch Arbeiten aus China, Japan, Korea, der Türkei und arabischen Ländern, die in englischer Sprache in PubMed indexiert sind. Muttersprachliche Quellen ohne englischen Abstract sind in der Minderzahl: 11 Quellen russisch (eine davon zugleich ukrainisch), 7 französisch, 6 japanisch, 4 türkisch (mit englischer Zusammenfassung), 3 chinesisch (mit englischem Abstract in PubMed), 1 italienisch und 1 aus einem arabischen Land (englischsprachig). Die Zahlen ergeben sich aus den Sprachangaben im Quellenverzeichnis; Arbeiten mit zwei Sprachangaben werden dabei mehrfach gezählt. Es wurde keine deutschsprachige Originalstudie und keine deutschsprachige Leitlinie zu den sechs Stoffgruppen und der Spermienqualität gefunden, ebenso keine portugiesisch- oder spanischsprachige Studie und keine koreanische Humanstudie. Spanische Arbeiten liegen in englischsprachigen Zeitschriften vor [s100, s46]. Eine MAK-Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Benzophenon-3 aus dem Jahr 2026 wurde in Europe PMC ohne Abstract gefunden und deshalb nicht ausgewertet; ob sie reproduktionstoxikologische Daten enthält, bleibt offen.

Nach dem Erscheinungsjahr verteilen sich die Quellen so: 89 stammen aus den Jahren 2020 bis 2026, 53 aus 2010 bis 2019 und 9 aus der Zeit davor. Die älteste Quelle ist ein japanischer Fütterungsversuch an Hähnen aus dem Jahr 1981 [s151].

### Welche Studientypen vorkommen

Das Verzeichnis enthält Leitlinien und Leitlinienübersichten [s39, s41, s19, s33, s01, s06, s79], Metaanalysen und systematische Übersichten [s38, s57, s15, s24, s121, s126, s142], narrative Übersichten, Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien am Menschen, Tierversuche an Ratte, Maus, Kaninchen und Hahn sowie Zellversuche an Spermien von Mensch, Eber, Bulle und Forelle. Jede Aussage der Studie nennt die Art der Quelle, damit Beobachtungen am Menschen von Laborbefunden unterscheidbar bleiben. Querschnittsstudien erlauben keine Aussage zur zeitlichen Abfolge von Exposition und Wirkung. Fall-Kontroll-Studien messen die Exposition oft erst nach der Diagnose. Kohortenstudien mit wiederholten Messungen sind aussagekräftiger, kommen aber selten vor [s97, s112].

### Bewertung und Zitierweise

Zahlen in dieser Studie stammen aus den abgerufenen Abstracts, bei einzelnen Arbeiten aus frei zugänglichen Volltexten, bei den Leitlinien aus dem abgerufenen Webtext. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen des Quellenverzeichnisses in eckigen Klammern, etwa [s05] oder [s05, s12]. Wenige zusätzlich abgerufene Quellen, die nicht im Verzeichnis stehen, werden im Text mit Autor, Jahr und Zeitschrift genannt; es sind die Quellen der WHO-Referenzwerte und der Geschichte der Forschungsfrage im Kapitel Hintergrund. Originaltitel bleiben im Original; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln steht eine deutsche Übersetzung in Klammern.

Eine formale Bewertung nach GRADE oder mit einem Risk-of-Bias-Instrument wurde nicht angewendet. Die Einstufungen der Evidenzstärke und Gewissheit sind qualitative Einschätzungen aus Studiendesign, Stichprobengröße, Konsistenz, Messmethode und den Angaben der Autoren. Sie sind als Lesehilfe gedacht, nicht als Ersatz einer formalen Bewertung. Es wurden keine Effektgrößen verschiedener Studien neu verrechnet; die einzigen quantitativen Zusammenfassungen sind die publizierten Metaanalysen.

### Grenzen

1. **Überwiegend Abstracts.** Methodendetails, Korrekturen für Mehrfachtests, Sensitivitätsanalysen, Nachweisgrenzen und Gruppengrößen stehen oft nur im Volltext und fehlen dann. Viele Abstracts nennen keine Effektgrößen. Wo Zahlen im Abstract fehlen, wurden sie nicht ergänzt.
2. **Überlappende Datensätze.** Mehrere Arbeiten stammen aus derselben Kohorte oder von derselben Arbeitsgruppe, etwa die EARTH-Kohorte [s97, s22] oder die russische Gruppe in Tscheljabinsk [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91]. Sie sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu zählen.
3. **Nicht erreichbare Quellen.** Nicht auswertbar waren unter anderem CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, SciELO, LILACS, Dialnet, Cairn und das AWMF-Leitlinienregister. Dass dort nichts gefunden wurde, bedeutet nicht, dass nichts existiert. Rein chinesisch-, koreanisch-, russisch-, türkisch- und lateinamerikanische Fachliteratur ist vermutlich unterrepräsentiert.
4. **Leitlinienlage.** Nationale Leitlinien aus den russischen, türkischen und arabischen Räumen wurden nicht gezielt gesucht; die ESHRE-Leitlinie selbst wurde nicht abgerufen.
5. **Biomarker als Momentaufnahme.** Triclosan, Parabene und Benzophenone werden rasch ausgeschieden, die Einzelprobe bildet die Langzeitexposition schlecht ab. Die Autoren der dänischen Kohorte nennen die Einzelmessung von Phthalaten und Triclosan ausdrücklich als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte [s09].
6. **Übertragbarkeit.** Tierversuche und In-vitro-Studien arbeiten mit Dosen, Konzentrationen und Verabreichungswegen, die der Anwendung kosmetischer oder häuslicher Produkte meist nicht entsprechen [s14].
7. **Keine Handlungsempfehlung.** Die Studie bewertet Forschungsbefunde und gibt weder eine Empfehlung zur Verwendung von Produkten oder zum Verzicht darauf noch eine Therapieempfehlung. Auch die Schutzstoff-Arme einzelner Tierstudien (etwa Selen oder Pflanzenextrakte, [s10, s63]) sind keine Behandlungsempfehlung.

## Hintergrund

### Biologie der Spermienbildung und mögliche Angriffspunkte

Spermien entstehen in den Hodenkanälchen im Keimepithel. Aus Stammzellen (Spermatogonien) entwickeln sich über Spermatozyten und Spermatiden die reifen Spermien; die Reifung setzt sich im Nebenhoden fort, wo die Zellen auch gespeichert werden. Die Spermatogenese dauert rund 90 Tage; eine Studie zur Expositionserfassung poolte den Urin deshalb in vier Zeitfenstern, um diesen Zeitraum abzudecken [s71]. Für die Fragestellung dieser Studie folgt daraus, dass eine Exposition und ihre mögliche Wirkung auf das Ejakulat zeitlich weit auseinanderliegen können und dass eine einzelne Urin- oder Samenprobe nur einen kleinen Ausschnitt dieses Zeitraums abbildet.

Mehrere Zelltypen und Strukturen werden in den Studien dieser Literatur als mögliche Angriffspunkte genannt:

- **Sertoli-Zellen** stützen und ernähren die Keimzellen und bilden die Blut-Hoden-Schranke. In Mäusen wurden Benzophenone, Triclosan und quartäre Ammoniumverbindungen mit Veränderungen an dieser Schranke oder am Sertoli-Zell-Stoffwechsel in Verbindung gebracht [s21, s73, s26, s04].
- **Leydig-Zellen** bilden im Zwischengewebe Testosteron. Veränderungen von Testosteron oder der Steroidsynthese wurden im Tierversuch für Triclosan, Benzophenone, Galaxolid und Butylparaben beschrieben [s27, s53, s60, s130].
- **Die Hormonachse** aus Hypothalamus, Hypophyse und Hoden regelt die Spermatogenese über Luteinisierendes Hormon (LH), follikelstimulierendes Hormon (FSH), Testosteron und Inhibin B. Mehrere Humanstudien bewerten Hormone zusätzlich zu den Spermaparametern, etwa das Verhältnis von Inhibin B zu FSH [s100, s67, s125].
- **Das einzelne Spermium** besteht aus Kopf mit Akrosom (Kappe mit Enzymen für die Befruchtung), Mittelstück mit den Mitochondrien und dem Flagellum, dem Bewegungsorgan. In vitro wurden vor allem Beweglichkeit, Energiestoffwechsel, Membranpotenzial, Kalziumsignale, Kapazitation (Reifungsschritt vor der Befruchtung) und Akrosomreaktion an isolierten Spermien untersucht [s20, s42, s131, s48, s45].
- **Oxidativer Stress und DNA-Schäden** gelten in den Arbeiten als häufiger gemeinsamer Mechanismus; die Autoren der Triclosan-Metaanalyse verweisen auf oxidativen Stress als tierexperimentell und in vitro nahegelegten Mechanismus [s38]. Im Humandatensatz selbst wurde er in den gesichteten Studien nicht gemessen [s90, s94].
- **Epigenetische Veränderungen** (etwa DNA-Methylierung in Nebenhodenspermien) und eine Weitergabe über Generationen wurden für Butylparaben und quartäre Ammoniumverbindungen im Tierversuch beschrieben [s135, s32].

Für die Interpretation ist wichtig: Diese Mechanismen sind überwiegend in Tier- und Zellmodellen belegt. Dass sie beim Menschen unter Alltagsexposition eine Rolle spielen, ist durch die vorliegenden Humanstudien nicht gezeigt.

### Definitionen

Die Studien dieser Literatur verwenden folgende Begriffe, die hier einheitlich gebraucht werden:

- **Normozoospermie:** Ejakulatparameter innerhalb der Referenzbereiche der WHO. **Pathozoospermie** ist der Sammelbegriff für abweichende Befunde; genauer unterscheidet man **Oligozoospermie** (zu geringe Spermienzahl oder -konzentration), **Asthenozoospermie** (zu geringe Beweglichkeit) und **Teratozoospermie** (zu geringer Anteil normal geformter Spermien), auch in Kombinationen wie Oligoasthenoteratozoospermie [s101]. **Idiopathisch** heißt eine Infertilität ohne erkennbare Ursache [s132].
- **Spermienqualität** ist kein Einzelwert, sondern der Sammelbegriff für die Messgrößen der Samenanalyse. In den Studien steht sie stellvertretend (Surrogat) für männliche Fruchtbarkeit; die Parameter sagen die Schwangerschaft aber nur begrenzt voraus. Entsprechend bewerten die Autoren einer neueren Übersicht die konventionelle Samenanalyse als zentral, jedoch als schlechten Prädiktor für die Schwangerschaft (Übersichtsarbeit „Still counting sperm?", 2025, PMID 41075128).
- **Fekundabilität** ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden; die **Zeit bis zur Schwangerschaft** (time to pregnancy, TTP) ist die zugehörige Messgröße [s74, s95]. **Infertilität** bezeichnet in den Studien ausbleibende Schwangerschaft trotz Kinderwunsch über einen definierten Zeitraum. Beide Endpunkte stehen der Alltagsfrage näher als Spermaparameter, setzen aber die Beteiligung beider Partner voraus.
- **Exposition** meint hier die Aufnahme eines Stoffes. Sie wird in den Studien nicht direkt gemessen, sondern über **Biomarker** erfasst: die Stoffe oder ihre Abbauprodukte (Metaboliten) im Urin, im Blut oder im Samenplasma. Das Samenplasma ist die flüssige Komponente des Ejakulats ohne Zellen [s59, s81, s56].
- **Nicht-persistente Chemikalien** (Triclosan, Parabene, Benzophenone, Phthalate, Bisphenole) werden rasch ausgeschieden, im Gegensatz zu persistenten Stoffen wie bestimmten Pestiziden. Wegen der kurzen Halbwertszeit bildet eine einzelne Probe die Langzeitexposition nur grob ab [s115, s95].
- **Endokrine Disruptoren** (EDC) sind Stoffe, die das Hormonsystem beeinflussen können. Der Begriff beschreibt eine Eigenschaft in Test oder Modell, nicht eine nachgewiesene Wirkung beim Menschen unter Alltagsbedingungen [s66, s144].
- **Mischungsmodelle** (gewichtete Quantilsumme, WQS; Bayes-Kernel-Maschinenregression, BKMR; quantilbasierte g-Berechnung, QGC) schätzen die gemeinsame Wirkung vieler gleichzeitig gemessener Stoffe und die Beiträge der Einzelstoffe. Sie kommen in den neueren Humanstudien häufig vor [s43, s52, s64, s34, s22].

### Messgrößen der Samenanalyse

Die Standardparameter nach dem Laborhandbuch der WHO sind:

- **Volumen** des Ejakulats,
- **Spermienkonzentration** (Millionen je Milliliter) und **Gesamtzahl** je Ejakulat,
- **Beweglichkeit** (Motilität): Anteil der Spermien mit Eigenbewegung (Gesamtbeweglichkeit) und mit gerichteter Vorwärtsbewegung (progressive Beweglichkeit); die sechste Auflage von 2021 hat die Unterscheidung in vier Beweglichkeitskategorien wieder eingeführt (Übersichtsarbeit zur Basisuntersuchung nach der sechsten Auflage, 2022, PMID 34986984),
- **Vitalität:** Anteil lebender Spermien (Eosin-Nigrosin-Färbung, etwa in einer Rattenstudie [s36]),
- **Morphologie:** Anteil normal geformter Spermien; Defekte betreffen Kopf, Hals, Mittelstück oder Flagellum [s93],
- **DNA-Fragmentierung:** Anteil von Spermien mit geschädigter Erbsubstanz, etwa im Test der Chromatin-Dispersion; in einer russischen Studie galt ein Anteil unter 15 Prozent als normal [s101]. Der Comet-Test misst DNA-Schäden über die Migration der DNA im elektrischen Feld [s12].

Computergestützte Analyse (CASA) liefert zusätzlich Bewegungsparameter wie Geradlinigkeit, Linearität („linearity") und Schlenkern („wobble"), die in einer Triclosan-Studie verwendet wurden [s72]. Hinzu kommen Funktionsmarker wie die hypoosmotische Schwellung und die Akrosomfläche [s124].

Alle diese Messungen unterliegen erheblicher Variabilität zwischen Proben, Laboren und Beobachtern. Eine australische Auswertung eines externen Qualitätsprogramms fand bei der Beurteilung der progressiven Beweglichkeit an Videoaufnahmen eine mittlere Differenz zwischen dem niedrigsten und dem höchsten von den Laboren berichteten Wert von 50,3 Prozentpunkten je Probe (Qualitätsstudie, 2023, PMID 37068979). Unterschiede von ein bis zwei Prozentpunkten, wie sie einzelne Studien zu Morphologie oder Beweglichkeit berichten [s97, s114], sind vor diesem Hintergrund mit Vorsicht zu lesen.

### WHO-Referenzwerte 2021

Die Referenzwerte der WHO sind keine Normwerte im Sinne einer Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar. Sie sind die unteren fünften Perzentile der Samenparameter von Männern aus Referenzpopulationen, in der Auflage 2010 von Männern, deren Partnerinnen innerhalb von zwölf Monaten schwanger wurden. Männer unterhalb dieser Werte sind nicht notwendigerweise unfruchtbar; Männer darüber nicht zwingend fruchtbar.

**Fünfte Auflage (2010).** Die Auswertung von mehr als 4.500 Männern in 14 Ländern auf vier Kontinenten ergab als untere Referenzgrenzen (fünftes Perzentil, in Klammern das 95-%-Konfidenzintervall): Volumen 1,5 ml (1,4 bis 1,7), Gesamtzahl 39 Millionen je Ejakulat (33 bis 46), Konzentration 15 Millionen je ml (12 bis 16), Vitalität 58 Prozent (55 bis 63), progressive Beweglichkeit 32 Prozent (31 bis 34), Gesamtbeweglichkeit 40 Prozent (38 bis 42) und normal geformte Spermien 4,0 Prozent (3,0 bis 4,0) (Cooper et al., Hum Reprod Update 2010, PMID 19934213). Viele Studien dieser Literatur verwenden diese Grenzwerte, etwa die Shanghaier Studie mit Spermienzahl unter 39 Millionen, Konzentration unter 15 Millionen je ml und progressiver Beweglichkeit unter 32 Prozent [s123] oder die Einschlusskriterien mit Konzentration ab 15 Millionen je ml [s107].

**Sechste Auflage (2021).** Die Auflage von 2021 stützt sich auf die Auswertung von mehr als 3.500 Männern aus zwölf Ländern auf fünf Kontinenten, die veröffentlichten Daten seit 2010 mit den Daten von 2010 verband. Die fünften Perzentile betragen für die Konzentration 16 Millionen je ml, für die progressive Beweglichkeit 30 Prozent, für die Gesamtbeweglichkeit 42 Prozent und für normal geformte Spermien 4 Prozent (Campbell et al., Andrology 2021, PMID 33528873). Die Autoren betonen, dass die Werte keine scharfen Grenzen zwischen fruchtbaren und subfertilen Männern darstellen und dass Daten aus vielen Ländern und Regionen fehlen. Werte für Ejakulatvolumen, Gesamtzahl und Vitalität nach der Auflage 2021 wurden im Rahmen dieser Studie nicht abgerufen und werden daher nicht angegeben.

**Kritik und Einordnung.** Eine kritische Übersicht der sechsten Auflage nennt als wichtigste Neuerung, dass die Auflage den Begriff der Referenzgrenzen aufgibt und stattdessen „Entscheidungsgrenzen" (decision limits) vorschlägt, ohne für die Basis- oder erweiterten Parameter solche Grenzen anzugeben (Boitrelle et al., Life 2021, PMID 34947899). Eine statistische Neubewertung der Referenzpopulation kam zu dem Schluss, dass die zusammengefassten Daten nicht als aus derselben Population stammend gelten können und die Übertragbarkeit zwischen den Einzelstudien nicht gegeben sei (Arbeit von 2022, PMID 35849333, Titel „The statistical foundation of the reference population for semen analysis included in the sixth edition of the WHO manual: a critical reappraisal of the evidence"). Für diese Gesamtstudie folgt daraus nicht, dass die Referenzwerte unbrauchbar sind, wohl aber, dass sie als Orientierung und nicht als scharfe Trennlinie zu lesen sind.

Für diese Studie heißt das praktisch: Die untersuchten Arbeiten stammen aus einem Zeitraum, in dem teils die Werte von 2010, teils frühere und teils die Werte von 2021 galten. Prozentuale oder mittlere Unterschiede in einzelnen Parametern lassen sich nicht ohne Weiteres in „krank" und „gesund" übersetzen. Leser sollten besonders auf die Frage achten, ob eine Studie Referenzgrenzen als Zielgröße (zum Beispiel „abnorme Beweglichkeit" bei Lv et al. [s62]) oder kontinuierliche Messwerte verwendet.

### Expositionswege und Besonderheiten der sechs Stoffgruppen

Die sechs Stoffgruppen unterscheiden sich in Aufnahmeweg und Datenlage, was die Studienvergleichbarkeit begrenzt:

- **Triclosan** ist ein antimikrobieller Wirkstoff, der nach Angabe der Autoren einer russischen Studienreihe in Zahnpasta, Seife, Deodorants, Kosmetik und Haushaltsreinigern vorkommt [s93, s101]; Triclocarban ist eine verwandte Substanz. Beide wurden mit Urin- oder Samenplasmamessungen untersucht, die Nachweisraten in den Studien lagen zwischen 74 und 97 Prozent [s72, s123, s97]. Quartäre Ammoniumverbindungen ersetzen nach Angabe einer Übersicht die in Verbrauchsprodukten verbotenen Stoffe Triclosan und Triclocarban; ihr Einsatz ist seit COVID-19 stark gestiegen [s40].
- **UV-Filter** (Benzophenone, Avobenzon, Octocrylen, Homosalat, Octinoxat und weitere) schützen Haut und Produkte vor UV-Strahlung. Benzophenon-3 wird bei der Ratte nach Auftragen auf die Haut nur zu knapp 7 Prozent bioverfügbar (6,9 ± 1,8 Prozent), die terminale Halbwertszeit lag nach Hautauftrag bei 18,3 ± 5,8 Stunden gegenüber 3,1 ± 1,6 Stunden nach intravenöser Gabe [s68]. Häufige Sonnenschutznutzer hatten in einer Studie mit Passivsammlern eine bis zu 3,1-fach höhere UV-Filter-Exposition [s16]. Bei Trägern einer Filaggrin-Genvariante mit gestörter Hautbarriere fanden sich andere Zusammenhänge als bei Nichtträgern [s106].
- **Tätowierfarben** werden in die Haut eingebracht und stellen eine chronische intradermale Exposition dar [s07]. Toxikologische Übersichten nennen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine als Inhaltsstoffe, ohne Spermienendpunkte zu bewerten [s70, s44, s07].
- **Haarfärbemittel** enthalten als Rohstoff häufig para-Phenylendiamin (PPD); eine Studie nennt, dass mehr als 66 Prozent der Haarfärbemittel PPD enthalten, und führt aus, dass der Zusatz in Industrieländern auf 2 Prozent begrenzt sei [s42]. Die Exposition erfolgt für Anwenderinnen und Anwender über die Haut; zusätzlich wird die Berufsexposition von Friseurinnen untersucht [s13, s126].
- **Reinigungs- und Desinfektionsmittel** sind eine heterogene Gruppe; im Mittelpunkt der gefundenen Literatur stehen quartäre Ammoniumverbindungen (ADBAC und DDAC) [s122, s128, s32, s26, s40].
- **Duftstoffe** sind keine einheitliche Stoffgruppe. Die Literatur betrachtet Moschusduftstoffe wie Galaxolid [s60, s61], Cashmeran [s54], Cyclamenaldehyd [s80] und Benzylbenzoat [s69].

### Geschichte der Forschungsfrage

Die Frage nach Umwelteinflüssen auf die Spermienqualität ist älter als die Frage nach einzelnen Kosmetikstoffen. Ein Meilenstein war die Übersicht von Carlsen und Kollegen (BMJ 1992, PMID 1393072): Aus 61 Arbeiten mit 14.947 Männern ohne Infertilitätsvorgeschichte errechneten sie einen Rückgang der mittleren Spermiendichte von 113 Millionen je ml im Jahr 1940 auf 66 Millionen je ml im Jahr 1990, außerdem einen Rückgang des Samenvolumens von 3,40 auf 2,75 ml. Die Autoren deuteten das als Hinweis auf eine allgemeine Verschlechterung der Samenqualität und verwiesen auf zunehmende Fehlbildungen des Urogenitaltrakts und Hodenkrebs. Die Arbeit zog zahlreiche Kommentare nach sich, und Rückgänge der Spermienzahl gelten, wie eine spätere Übersicht schreibt, bis heute als kontrovers. Eine neuere Metaregression (Levine et al., Hum Reprod Update 2017, PMID 28981654) mit 244 Schätzungen aus 185 Studien und 42.935 Männern (Proben von 1973 bis 2011) fand einen signifikanten Rückgang der Spermienkonzentration (unadjustierte Steigung −0,70 Millionen je ml und Jahr, 95-%-KI −0,72 bis −0,69; adjustiert −0,64, −1,06 bis −0,22). Bei nicht nach Fruchtbarkeit ausgewählten Männern aus westlichen Ländern lag der Rückgang der mittleren Konzentration bei 52,4 Prozent und der Gesamtzahl bei 59,3 Prozent; auch bei fruchtbaren Männern aus westlichen Ländern war der Trend signifikant, in der Gruppe der übrigen Regionen (Südamerika, Asien, Afrika) dagegen nicht. Ob und wie stark der Rückgang real ist, bleibt wegen methodischer Unterschiede zwischen den Studien umstritten; diese Studie beteiligt sich nicht an dieser Debatte, sondern nennt sie als Hintergrund der Fragestellung.

In der Folge richtete sich die Aufmerksamkeit auf endokrine Disruptoren, also Stoffe mit Wirkung auf das Hormonsystem, und auf die fetale Entwicklung als empfindliches Zeitfenster. Französischsprachige Übersichten aus den Jahren 2006, 2011 und 2012 stellten die These dar, dass Umweltchemikalien die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen könnten; sie enthalten keine eigenen Daten zu den sechs Stoffgruppen, nennen aber Kosmetika und Haushaltsprodukte als Quellen und verweisen auf Mechanismen wie epigenetische Weitergabe und programmierten Zelltod der Hodenzellen [s144, s139, s134]. Eine Abschlussarbeit von 2011 hält nach eigener Aussage fest, dass keine Studie Wirkungen beim Menschen in Umweltdosen belege, und verweist auf das Vorsorgeprinzip [s139]. Eine Metaanalyse von Bonde und Kollegen fand für die pränatale und postnatale Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren über alle Stoffe und Endpunkte ein Gesamt-Odds-Ratio von 1,11 (95-%-KI 0,91 bis 1,35) und bemerkte eine Datenlücke für Spermaqualität und rasch metabolisierte Stoffe [s121]. Neuere Kohorten mit pränatal gemessener Exposition fanden keine oder kompensierte Effekte [s09, s67].

Die Stoffgruppen dieser Studie kamen zu unterschiedlichen Zeiten in den Blick. Zu Parabenen liegen seit 2001 japanische Fütterungsversuche an Ratten vor [s150, s149, s147]. Triclosan war 2013 Teil der großen Fall-Kontroll-Studie zu Phenolen [s132]; eigene Spermastudien zu Triclosan beim Menschen erschienen ab 2016 [s123, s107], eine Metaanalyse folgte 2024 [s38]. Die erste größere Studie zu Benzophenonen im Urin 2015 [s124]. Quartäre Ammoniumverbindungen rückten im Mausversuch ab 2014 in den Blick, nachdem eine Zuchtkolonie nach Einführung eines Desinfektionsmittels schlechter reproduzierte [s128]. Haarfärbemittel-Bestandteile wurden in japanischen Tagungsbeiträgen 2011 und 2012 und in einer Studie an menschlichen Spermien 2024 untersucht [s141, s137, s42]. Die einzige epidemiologische Studie zu Tätowierungen und Spermien erschien 2025 [s18], und die toxikologische Debatte zu Tätowierfarben wird aktuell mit Regulierungsfragen verbunden [s07]. Fragebogenbasierte Studien zur Gesamtnutzung von Körperpflegeprodukten kamen 2020 [s89].

In den Leitlinien spiegelt sich diese Lage wider. Die AUA/ASRM-Leitlinie formuliert in Statement 8 sinngemäß, dass Ärztinnen und Ärzte Risikofaktoren (Lebensstil, Medikamente, Umwelt- und Berufsexposition) besprechen können und darauf hinweisen sollen, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind (bedingte Empfehlung, Evidenzgrad C); für Benzophenone, Bisphenol A, chlorierte antimikrobielle Stoffe und Parabene bezeichnet sie die Evidenz als nicht schlüssig [s39]. Die EAU-Leitlinie nennt die endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen, bisher unerkannten Ursachen der idiopathischen männlichen Infertilität, verwendet die Begriffe der sechs Stoffgruppen im abgerufenen Kapitel aber nicht [s19]. Die WHO-Leitlinie zur Infertilität von 2025 betont Prävention und standardisierte Samenanalyse, ebenfalls ohne Nennung der sechs Gruppen in den abgerufenen Abstracts [s01, s06]. Ein Umbrella-Review zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität von 2026 stuft von 249 Effektgrößen aus 43 Studien 54,6 Prozent als sehr niedrig und 23,7 Prozent als niedrig nach GRADE ein [s15].

Aus dieser Vorgeschichte ergibt sich der Auftrag der folgenden Kapitel: nicht eine Wirkung zu behaupten oder auszuschließen, sondern darzustellen, welche Befunde für jede der sechs Stoffgruppen vorliegen, wie belastbar sie sind und wo die Literatur schweigt.

# Kapitel 02: Studienlage beim Menschen

Dieses Kapitel stellt die Arbeiten vor, die sich auf Menschen beziehen oder die Literatur zum Menschen zusammenfassen: Metaanalysen, systematische und narrative Übersichten, Leitlinien sowie Beobachtungsstudien (Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien, Produkt- und Expositionsmessungen). Tierversuche und Versuche an Zellen oder Spermien im Labor werden in einem anderen Kapitel behandelt und hier nur erwähnt, wenn eine Übersicht sie zusammenfasst oder wenn sie zur Einordnung eines Humanbefunds nötig sind. Die sechs Expositionsgruppen sind Haarfärbemittel, Tätowierungen, UV-Filter, Triclosan, Reinigungsmittel und Duftstoffe. Hinzu kommen Parabene und Phthalate, weil sie in denselben Studien mitgemessen wurden und weil sie als Konservierungsmittel und Duftstoffträger in Körperpflegeprodukten vorkommen; sie sind keine eigene Fragestellung dieser Studie.

Zwei Vorbemerkungen erleichtern das Lesen. Erstens sind die Evidenzdichten sehr ungleich verteilt: Für Triclosan liegen mehrere Humanstudien und eine Metaanalyse vor, für UV-Filter einige Einzelstudien, für Tätowierungen genau eine Studie, für Haarfärbemittel, Reinigungsmittel und einzelne Duftstoffe keine Humanstudie mit Spermienendpunkt. Das ist kein Befund über die Unschädlichkeit, sondern eine Aussage über den Stand der Forschung. Zweitens beruhen die meisten Zahlen auf Abstracts; Details, die nur im Volltext stehen, sind, wo sie vorliegen, ausdrücklich als solche gekennzeichnet. „Assoziation“ bezeichnet durchgehend einen statistischen Zusammenhang und keine nachgewiesene Verursachung. Dieses Kapitel enthält keine Handlungs- oder Therapieempfehlung. Zitiert wird mit den Kennungen der Quellenliste in eckigen Klammern.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

### Überblick: wie viel gepoolte Evidenz es gibt

Für die Fragestellung existiert genau eine Metaanalyse mit Spermienendpunkten, nämlich zu Triclosan [s38]. Eine zweite Metaanalyse betrifft Friseurinnen und Kosmetikerinnen, enthält aber Schwangerschaftsausgänge von Frauen und keine Spermadaten [s126]. Eine dritte, die Metaanalyse von Bonde und Kollegen, betrifft die pränatale und frühkindliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren und männliche Fortpflanzungsstörungen, ohne die hier betrachteten Alltagsprodukte im Einzelnen auszuweisen [s121]. Alle übrigen Arbeiten sind systematische Übersichten ohne Poolung, Umbrella-Reviews, narrative Übersichten, Leitlinien oder Abschlussarbeiten. Das hat Folgen für die Gewichtung: Eine narrative Übersicht, die „Parabene, Phthalate und UV-Filter als mögliche Ursachen schlechter Spermaqualität“ nennt, ist keine unabhängige Bestätigung, sondern gibt die Primärliteratur wieder, die im zweiten Abschnitt dieses Kapitels einzeln besprochen wird.

### Triclosan: die Metaanalyse von Adegbola et al. 2024

**Adegbola et al. 2024, systematische Übersicht mit Metaanalyse, Frontiers in Toxicology (PROSPERO CRD42024524192, PRISMA) [s38].** Es ist die einzige quantitative Zusammenfassung der Humanstudien zu Triclosan und Samenqualität und deshalb die wichtigste Übersichtsarbeit dieses Kapitels.

*Design und Population.* Von 562 gesichteten Treffern wurden fünf Artikel mit zusammen 1.312 Männern eingeschlossen: drei aus China, einer aus Belgien, einer aus Polen. Zwei Studien waren Fall-Kontroll-Studien, drei Querschnittsstudien. Aus der Charakteristikatabelle der Arbeit lässt sich nach den Fallzahlen schließen, dass die chinesischen Beiträge die Studien von Guo (100 Fälle und 100 Kontrollen, Samenplasma [s59]), Yuan (406 Männer [s72]) und Zhu (471 Männer [s123]) sind; die Zuordnung ergibt sich über die Teilnehmerzahlen, nicht aus dem Abstract. Die Qualitätsbewertung ergab je Studie 6 von 10 bis 8 von 10 Punkten (nach dem Instrument ErasmusAGE) und 4 von 9 bis 5 von 9 (nach OHAT); das Vertrauen in die Evidenz stuften die Autoren nach GRADE für die Fall-Kontroll-Studien als hoch und für die Querschnittsstudien als moderat ein (Angaben aus dem Volltext).

*Methodische Besonderheit.* Laut Methodenteil verglichen die Autoren Triclosan-exponierte Personen mit den WHO-Referenzwerten, die als Kontrollen dienten, und nicht mit unexponierten Vergleichsgruppen innerhalb der Studien. Das ist ein ungewöhnliches Vorgehen. Referenzwerte der WHO beschreiben die Verteilung fertiler Männer; sie sind kein Ersatz für eine Vergleichsgruppe, die sich in Alter, Lebensstil und Rekrutierungsweg nicht von den Exponierten unterscheidet. Unterschiede zwischen Kliniksample und Referenzpopulation fließen deshalb vollständig in den gepoolten Effekt ein.

*Gepoolte Ergebnisse (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD; Zahlen aus Abstract und Volltext).*

| Zielgröße | Studien | SMD (95-%-Konfidenzintervall) | p | I² |
|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 5 | -0,42 (-0,75 bis -0,10) | 0,01 | 97 % |
| Gesamtbeweglichkeit | 4 | -1,30 (-2,26 bis -0,34) | 0,008 | 100 % |
| Ejakulatvolumen | 2 | +0,24 (0,04 bis 0,45) | 0,02 | 88 % |
| Spermienzahl | 3 | -0,16 (Grenzen im Volltext 0,52 und 0,20 ohne Vorzeichen abgedruckt) | 0,39 | 96 % |
| Progressive Beweglichkeit | 3 | -1,61 (Grenzen im Volltext 3,24 und 0,02 ohne Vorzeichen abgedruckt) | 0,05 | 100 % |

Bei Spermienzahl und progressiver Beweglichkeit sind im Volltext die Vorzeichen der Konfidenzgrenzen nicht abgedruckt; die Werte sind hier so wiedergegeben, wie sie dort stehen, und werden nicht weiter interpretiert. Nach den Angaben im Volltext blieb der Effekt auf die Spermienkonzentration in einer Subgruppenanalyse mit altersangepassten Kontrollen (SMD -0,94; p < 0,00001; I² 80 %) und in einer Sensitivitätsanalyse (SMD -0,74; p = 0,0006; I² 93 %) bestehen. Der Effekt auf die Gesamtbeweglichkeit verschwand dagegen in der Sensitivitätsanalyse (SMD -1,63; p = 0,12; I² 100 %); die Spermienzahl blieb auch dort nicht signifikant (p = 0,48; I² 98 %). Die Trichterdiagramme deuteten bei Spermienzahl, Konzentration und progressiver Beweglichkeit auf Asymmetrie und damit auf eine mögliche Publikationsverzerrung, bei Volumen, Gesamtbeweglichkeit und Normalformen auf Symmetrie. Zusätzlich fassten die Autoren Tier- und In-vitro-Daten zusammen, nach denen oxidativer Stress die Wirkung vermitteln könnte.

*Stärken.* Vorab registriertes Protokoll, PRISMA-Berichterstattung, Qualitätsbewertung mit zwei Instrumenten, Sensitivitäts- und Subgruppenanalysen, erste quantitative Zusammenfassung des Themas.

*Schwächen.* Fünf ausschließlich beobachtende Studien; die Heterogenität liegt mit I² zwischen 88 und 100 Prozent so hoch, dass ein gepoolter Mittelwert kaum interpretierbar ist (die Autoren nennen die Heterogenität selbst als Hauptproblem); das Konfidenzintervall der Gesamtbeweglichkeit (Spanne von fast zwei SMD-Einheiten) zeigt, wie unsicher die Schätzung ist; der Vergleich gegen WHO-Referenzwerte statt gegen interne Kontrollen; der Effekt auf die Gesamtbeweglichkeit ist nicht robust gegenüber der Sensitivitätsanalyse; das höhere Ejakulatvolumen (SMD +0,24) passt nicht zu einer allgemeinen Schädigungshypothese; die Expositionsmessung ist zwischen den Studien uneinheitlich (Urin bei zwei chinesischen Studien, Samenplasma in der dritten), sodass Konzentrationen nicht direkt vergleichbar sind.

*Einordnung.* Die Metaanalyse belegt, dass die Einzelstudien in der Summe eher in Richtung niedrigerer Konzentration und Beweglichkeit weisen. Sie belegt nicht, dass Triclosan diese Unterschiede verursacht. Ein Teil des gepoolten Effekts kann auf dem Referenzwertvergleich und auf Selektion in Kliniksamples beruhen. Dass die Heterogenität so extrem ist, passt zu dem uneinheitlichen Bild in den Einzelstudien (siehe den Abschnitt zu Beobachtungsstudien).

### Triclosan und Fertilität: weitere Übersichten

**Daza-Rodríguez et al. 2023, systematische Übersicht [s57].** Recherche in MEDLINE (über PubMed) und ScienceDirect, Qualitätsbewertung nach den Checklisten des Joanna Briggs Institute, Auswahl und Datenextraktion durch zwei unabhängige Gutachter, narrative Synthese ohne Metaanalyse. Die Autoren halten fest, dass die Evidenz zum Zusammenhang von Triclosan und Infertilität beim Menschen lückenhaft sei. Insgesamt sei kein Zusammenhang mit Infertilität gefunden worden, Spermaqualität und ovarielle Reserve erschienen aber empfindlich gegenüber Triclosan. Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht. Schwächen: nur zwei Datenbanken, keine Poolung, kein Hinweis auf Heterogenität im Abstract. Die Schlussfolgerung „kein Zusammenhang mit Infertilität, aber empfindliche Spermaqualität“ ist in sich nicht ganz glatt, weil die Samenqualität ein Teilaspekt der männlichen Fertilität ist; sie spiegelt, dass Studien mit klinischen Endpunkten (Infertilität, Schwangerschaft) und solche mit Laborwerten zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen.

**Duret 2017, Abschlussarbeit, französisch, HAL/DUMAS [s117].** Der Titel lautet „Effets perturbateurs endocriniens du Triclosan chez l'être humain : revue systématique de la littérature“ (Endokrin-disruptive Wirkungen von Triclosan beim Menschen: systematische Literaturübersicht). Suchbegriffe „triclosan“ und „endocrine disruptors“ in PubMed, ScienceDirect und Scopus; Artikel ab dem 1. Januar 2000 in Englisch oder Französisch. Von 182 Referenzen wurden 15 behalten: 8 In-vitro-Studien, 2 klinische Studien, 3 Querschnittsstudien und 2 Fall-Kontroll-Studien. Nach dem Abstract berichteten die epidemiologischen Studien zur Schilddrüsen- und männlichen Fortpflanzungsfunktion keine schädliche Wirkung des Triclosans, seien aber begrenzt und unzureichend. Das ist die einzige im französischen Sprachraum gefundene Triclosan-Übersicht. Schwächen: Abschlussarbeit, nicht begutachtet; Stand 2017 und damit vor den meisten neueren Studien (Nassan 2019, Yuan 2022, Zhu 2022, Guo 2023); die Analyse schließt Schilddrüsenendpunkte ein und ist nicht auf Spermienparameter beschränkt.

**Hipwell et al. 2019, systematische Übersicht zur Fekundabilität [s95].** Registriert bei PROSPERO (CRD42018084304), englischsprachige Literatur vom 1. Januar 2007 bis 25. August 2017 in MEDLINE, EMBASE, Global Health, DART/TOXLINE, POPLINE und DESTAF. Eingeschlossen waren Kohorten-, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien zu Phthalaten, Bisphenol A, Triclosan, Triclocarban, Benzophenonen, Parabenen und Glykolethern in Verbrauchsprodukten mit der Zeit bis zur Schwangerschaft (TTP) beziehungsweise der Fekundabilität als Ergebnis bei Frauen, Männern und Paaren, die ohne medizinische Hilfe schwanger wurden. Ausgeschlossen waren unter anderem Studien, die nur klinische Faktoren wie Spermaparameter oder den IVF-Erfolg beschrieben. Es ergaben sich 3.456 Treffer, aus denen 15 Arbeiten aus 12 Studien eingeschlossen wurden; acht davon nutzten Biomarker. Wegen der Verschiedenheit der Expositionserfassung unterblieb eine Metaanalyse. Das Verzerrungsrisiko wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala bewertet, ergänzt um eigene Qualitätskriterien für Fekundabilitätsstudien. Ergebnisse: Für männliche und weibliche Phthalat-Exposition waren die Befunde uneindeutig; vorläufige Hinweise gab es für Zusammenhänge der weiblichen Exposition gegenüber einigen Parabenen und Glykolethern sowie der männlichen Benzophenon-Exposition mit längerer TTP; für Bisphenol A, Triclocarban und Triclosan fanden sich „little to no indication“ (kaum bis keine Hinweise). Die Autoren betonen, dass die Evidenz begrenzt ist und Replikationen nötig sind. Einordnung: Die Übersicht erschien vor der Shanghaier Kohorte von Zhu 2022 [s74], die dann für Triclosan eine verminderte Fekundabilität berichtete; der Befund der Übersicht ist deshalb für Triclosan überholt, für den Stand 2017 aber zutreffend. Der Abstract enthält zudem eine Befürwortung von Lebensstiländerungen zur Verringerung der Exposition; das ist eine Wertung der Autoren und nicht Gegenstand dieser Studie.

### Endokrine Disruptoren und Samenqualität allgemein

**Zamkowska et al. 2018, Übersicht zu nicht-persistenten endokrinen Disruptoren [s115].** Systematische Suche in mehreren elektronischen Datenbanken bis zum 31. August 2016. Von 970 Referenzen gingen 45 Artikel in die Übersicht ein, die sechs ubiquitäre nicht-persistente Stoffgruppen betrachten: Bisphenol A, Triclosan, Parabene, synthetische Pyrethroide, Organophosphat-Pestizide und Phthalate. Zielgrößen waren Spermienkonzentration, Volumen, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeitszahl, Morphologie, Bewegungsparameter sowie DNA-Schäden (Kometen-Parameter, DNA-Fragmentierungsindex, hohe DNA-Anfärbbarkeit, X:Y-Verhältnis, Aneuploidie). Eingeschlossen waren nur englischsprachige Humanstudien ab 2006 (bei Phthalaten ab 2009). Die Autoren sehen Hinweise darauf, dass diese Expositionen Parameter der Samenqualität beeinträchtigen können. Stärken: breites Spektrum an Endpunkten, Humanstudien. Schwächen: Der Abstract nennt weder Effektgrößen noch eine Heterogenitätsanalyse noch eine Bewertung des Verzerrungsrisikos; Stand 2016, also vor den neueren Triclosan-Studien; die Einschränkung auf Englisch und auf Veröffentlichungen ab 2006 kann Studien ausschließen.

**Tzouma et al. 2025, systematische Übersicht [s35].** Vierzehn Beobachtungsstudien aus den Jahren 2014 bis 2024, gefunden in PubMed, Scopus und Google Scholar. Am häufigsten untersucht waren Bisphenol A und seine Analoga (etwa Bisphenol S), Phthalate, Parabene, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) und persistente organische Schadstoffe. Die Übersicht findet „konsistente Assoziationen“ zwischen Exposition und mehreren Fortpflanzungsendpunkten: beeinträchtigte Samenqualität, verminderte ovarielle Reserve, Infertilität, polyzystisches Ovarsyndrom, veränderte Spiegel von Östradiol, LH und FSH sowie ungünstigere Ergebnisse der assistierten Reproduktion. Die Autoren räumen methodische Heterogenität ein. Schwächen: mit 14 Studien für sehr viele Stoffe und beide Geschlechter ist die Zahl der Studien je Stoff und Endpunkt klein; Triclosan, Benzophenone, Haarfärbemittel, Tätowierungen und Duftstoffe werden im Abstract nicht genannt; Google Scholar als Quelle ist nicht reproduzierbar durchsuchbar. Der Abstract nennt keine Zahlen.

**Han et al. 2026, qualitative Übersicht zu väterlichen Expositionen und Schwangerschaftsausgängen [s08].** Die Arbeit fasst Humanstudien zu Zusammenhängen zwischen der väterlichen Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren vor der Zeugung und Schwangerschaftsausgängen von Paaren zusammen. Biomarkerstudien lassen mögliche negative Zusammenhänge zwischen der väterlichen Phthalat-Exposition und Schwangerschaftsausgängen vermuten; für Bisphenol A und Parabene zeigten sich kaum oder keine Zusammenhänge; die Evidenz zu Benzophenonen, PFAS und Flammschutzmitteln bleibt „limited and inconclusive“ (begrenzt und nicht eindeutig). Die Autoren fordern Paarstudien mit wiederholten Messungen vor der Zeugung und Untersuchungen zum Spermien-Epigenom. Der Endpunkt sind Schwangerschaftsausgänge, nicht Spermaparameter; die Arbeit ist deshalb ein Nachbarbefund. Wichtig für diese Studie ist die Einschätzung zu Benzophenonen (UV-Filtern): begrenzt und nicht eindeutig.

**Dhar et al. 2026, systematische Übersicht zu Phthalaten [s03].** Methodik nach der Leitlinie „Synthesis without meta-analysis“ (SWiM), Verzerrungsrisiko mit dem Instrument ROBINS-E, drei Datenbanken, Zeitraum 2014 bis 14. Oktober 2024, Auswahl durch zwei unabhängige Personen. Eingeschlossen wurden 38 Studien. Eine Metaanalyse unterblieb wegen der Unterschiede im Studiendesign. Ergebnis: Hohe Exposition gegenüber MEHP, DEHP und DBP war mit geringerer Spermienkonzentration, Beweglichkeit und allgemeiner Samenqualität assoziiert; die Sicherheit der Evidenz stufen die Autoren als niedrig bis moderat ein, weil die Studien beobachtend sind. Phthalate kommen unter anderem in Kosmetika und Duftstoffen vor, doch die Übersicht betrachtet Phthalate insgesamt und nicht spezifisch kosmetische Quellen. Die Autoren sprechen sich im Schlusssatz für einen Vorsorgeansatz mit strengerer Regulierung aus; das ist eine Wertung und kein Ergebnis der Auswertung. Für diese Studie ist die Arbeit nur ein Indirektbeleg, weil kein Befund einer der sechs Gruppen vorliegt.

**Bonde et al. 2016, systematische Übersicht mit Metaanalyse [s121].** Gegenstand sind pränatale und frühkindliche Expositionen gegenüber Chemikalien, die auf der Kategorie-1-Liste der Europäischen Kommission für endokrine Disruptoren stehen, und die Risiken von Kryptorchismus, Hypospadie, niedriger Spermienzahl und Hodenkrebs. Die Literatursuche (PubMed, Embase) ergab 1.314 Referenzen, von denen 33 Arbeiten aus 28 Studienpopulationen die Kriterien erfüllten; sie lieferten 85 Risikoschätzer für persistente organische Schadstoffe und rasch metabolisierte Stoffe (Phthalate und Bisphenol A). Das gepoolte Odds Ratio über alle Expositionen und Endpunkte betrug 1,11 (95-%-Konfidenzintervall 0,91 bis 1,35). Von vier Stoffuntergruppen mit ausreichenden Daten zeigte nur p,p'-DDE ein erhöhtes Risiko (OR 1,35; 95-%-KI 1,04 bis 1,74), ohne dass dies von einer einzelnen Erkrankung getrieben schien. Es gab keine Hinweise auf Publikationsverzerrung, aber auch keine erkennbaren Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Die Autoren sehen eine mit geringem zusätzlichem Risiko vereinbare, aber begrenzte Evidenz und weisen ausdrücklich auf eine Datenlücke bei rasch metabolisierten Stoffen und bei verzögerten Wirkungen auf die Samenqualität hin. Einordnung: Triclosan, UV-Filter, Haarfärbemittel, Tätowierungen, Reinigungsmittel und Duftstoffe tauchen im Abstract nicht auf; die Metaanalyse betrifft die pränatale Exposition, nicht die Anwendung im Erwachsenenalter. Ihr Beitrag besteht darin, dass sie belegt, wie dünn die Datenlage zu rasch metabolisierten Stoffen auch in einer gepoolten Betrachtung war.

**Wang et al. 2026, Umbrella-Review [s15].** Übersicht über systematische Übersichten und Metaanalysen zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität und abnormer Spermaparameter (Web of Science, MEDLINE, Embase, Januar 2000 bis Februar 2025). Es gingen 43 Studien mit 67 Risikofaktoren ein; 249 Effektgrößen wurden einzeln nach GRADE bewertet: 136 (54,6 %) „sehr niedrig“, 59 (23,7 %) „niedrig“ und 54 (21,7 %) „moderat“. Mit verminderter Samenqualität assoziiert wurden unter anderem Fettleibigkeit, Schlafstörungen, Rauchen, Schadstoffe wie Schwefelkohlenstoff, Organophosphate und Blei, bestimmte Arzneimittel und einige Virusinfektionen. Körperliche Bewegung, Nussverzehr und eine gesunde Ernährung könnten den Prozess umkehren; für kausale Zusammenhänge fehle oft die Verifikation. Der Abstract nennt Triclosan, Parabene, UV-Filter, Haarfärbemittel, Tätowierungen, Reinigungsmittel und Duftstoffe nicht. Das ist zugleich ein Befund: Im Abstract dieses Umbrella-Reviews bis Februar 2025 sind diese Stoffe nicht als Risikofaktoren geführt. Dass 54,6 Prozent der bewerteten Effektgrößen nur „sehr niedrige“ Sicherheit haben, kennzeichnet das gesamte Feld.

**Rahban et al. 2020, Übersicht zu regionalen Unterschieden der Samenqualität [s88].** Überblick über Trends der Samenqualität junger Männer in Europa und ihre Relevanz für Fruchtbarkeit, mit Fokus auf geografische Unterschiede und auf Rauchen, Alkohol, psychischen Stress, elektromagnetische Strahlung und endokrine Disruptoren in Fetalzeit und Erwachsenenalter. Zahlenangaben enthält der Abstract nicht; er nennt die hier untersuchten Stoffe nicht einzeln. Beitrag: Einordnung, dass die Samenqualität regional variiert und Umweltfaktoren nur ein Teil der Erklärung sind.

### UV-Filter: zwei Übersichten

**Jaskulak et al. 2025, systematische Übersicht (PRISMA) zu UV-Filtern [s24].** Die Übersicht wertet 75 Studien aus 2014 bis 2024 aus (epidemiologische und Humanstudien) und konzentriert sich auf organische UV-Filter, vor allem Benzophenon-3 (BP-3), BP-2 und 4-Hydroxybenzophenon. Berichtet werden verminderte Testosteronspiegel bei männlichen Jugendlichen, veränderte Schilddrüsenhormone bei Schwangeren, Zusammenhänge mit verzögerter Pubertätsentwicklung bei Jungen und früherer Menarche bei Mädchen sowie komplexe kumulative Effekte bei Mischexposition. Für Männer fassen die Autoren zusammen, dass Benzophenone mit verminderter Spermaqualität und Beweglichkeit assoziiert seien; bei Frauen erscheine der Einfluss auf ovarielle Reserve und Fertilität weniger ausgeprägt. Der Abstract nennt keine Effektgrößen und keine Bewertung der Studienqualität. Einordnung: Die Pauschalaussage „verminderte Spermaqualität“ steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den Einzelstudien, die im zweiten Abschnitt besprochen werden. Buck Louis und Kollegen fanden für BP-2 und BP-8 einzelne Assoziationen und für BP-1, BP-3 und 4-OH-BP keine [s124]; Adoamnei und Kollegen fanden bei 215 jungen Männern gar keine Assoziation mit Spermaparametern [s100]; Kiwitt-Cárdenas und Kollegen sahen für 4-OH-BP eine Assoziation mit weniger DNA-Fragmentierung [s46]. Soweit sich das aus den Abstracts beurteilen lässt, ist die Pauschalaussage damit nur schwach gestützt. Welche Studien die Übersicht im Einzelnen zu dieser Aussage heranzieht, geht aus dem Abstract nicht hervor.

**Gomez 2025, narrative Übersicht zu Benzophenonen [s23].** Beschrieben werden BP-2 und BP-3 als mögliche endokrine Disruptoren mit Wirkungen auf Hormonrezeptoren, Steroidstoffwechsel und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, ergänzt um regulatorische Anmerkungen. Der Abstract enthält keine Zahlen und keine systematische Methodik. Beitrag: Mechanismen und Regulierungslage, kein neuer Befund.

### Kosmetika, Parfüm und Duftstoffe: narrative Übersichten

**Alblooshi 2025, narrative Übersicht zu Parfüms und Kosmetika, Vereinigte Arabische Emirate [s17].** Literatur aus 2005 bis 2024 zu Fruchtbarkeit, Atemwegen, Krebsrisiko, Allergien, Hauterkrankungen, Hormonwirkung und Neurotoxizität. Hervorgehoben werden Phthalate, Parabene, flüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle in Kosmetika; die kumulativen und langfristigen Effekte der Mischexposition seien kaum verstanden. Nach den im Volltext gelesenen Passagen zu Spermien und UV-Filtern gibt die Arbeit sekundär an: Endokrine Disruptoren könnten bei Männern die Spermatogenese stören sowie Beweglichkeit und Zahl senken; epidemiologische Studien hätten Phthalate mit schlechterer Samenqualität in Verbindung gebracht; für den UV-Filter Octylmethoxycinnamat berichte eine Tierstudie bei in der Trächtigkeit exponierten männlichen Wistar-Nachkommen niedrigere Testosteronwerte, geringere Spermienzahlen und geringere Gewichte von Prostata und Hoden; eine einfach verblindete Humanexpositionsstudie (32 gesunde Erwachsene, 15 junge Männer) mit Sonnenschutzmitteln, die Benzophenon-3, Octylmethoxycinnamat und 4-Methylbenzylidencampher enthielten, habe systemische Aufnahme und Ausscheidung im Urin, aber keine signifikanten Hormoneffekte (FSH, LH, Östradiol, Testosteron, Inhibin B) gezeigt; die dänische Studie an Trägern von Filaggrin-Mutationen [s106] wird referiert. Triclosan wird als Wirkstoff in Alltagskosmetik mit hormoneller Wirkung und Bezug zur Antibiotikaresistenz genannt. Schwächen: keine systematische Methodik im Abstract; die referierten Einzelstudien sind Sekundärangaben, die Originale wurden nicht abgerufen; keine männerspezifischen Zahlen.

**Lasaneya et al. 2025, narrative Übersicht zu endokrinen Disruptoren in Kosmetika [s28].** Die Arbeit nennt Parabene, Phthalate und UV-Filter als mögliche Ursachen von Störungen der Fortpflanzungsphysiologie bei Männern und Frauen (unter anderem Hypospadie, Kryptorchismus, schlechte Spermaqualität). Die Autoren betonen selbst, dass bisher wenig Forschung zu kosmetischen endokrinen Disruptoren vorliegt. Keine Zahlen, keine systematische Methodik.

**Özkan et al. 2020, türkische narrative Übersicht zu Kosmetikchemikalien in Schwangerschaft [s86].** Der Titel lautet „Kozmetik Ürünlerdeki Bazı Kimyasalların Gebe, Fetüs ve Yenidoğan Sağlığına Etkisi“ (Wirkung einiger Chemikalien in Kosmetikprodukten auf Schwangere, Fetus und Neugeborene). Die Übersicht stellt fest, dass Kosmetikchemikalien sinngemäß Fehlgeburten, Totgeburten, niedriges Geburtsgewicht, intrauterine Wachstumsverzögerung, Fehlbildungen, Frühgeburt, bestimmte Krebsarten, Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern und verzögerte Pubertät verursachen könnten, und rät, alle Kosmetika bis zum Beweis der Unbedenklichkeit mit Vorsicht zu behandeln. Daten, Studien oder Effektgrößen zur männlichen Fruchtbarkeit enthält der Abstract nicht. Die Aussage ist als Meinungs- und Übersichtsäußerung zu werten, nicht als Evidenz.

### Haarfärbemittel und Friseurberuf

**Henrotin et al. 2015, Metaanalyse zu Friseurinnen und Kosmetikerinnen [s126].** Systematische Suche bis zum 1. Februar 2012 in großen bibliografischen Datenbanken, grauer Literatur, Kontakten zu Forschungsgruppen und Literaturlisten. Eingeschlossen waren Beobachtungsstudien zu Körperpflegeberufen und Fortpflanzungsstörungen; die Studienqualität bewerteten drei Gutachter. Die Risikoverhältnisse aller Studien mit identischen Endpunkten wurden mit dem inversen Varianzgewicht gepoolt, Heterogenität mit dem Q-Test geprüft, mögliche Quellen der Heterogenität in Sensitivitäts- und Subgruppenanalysen (Qualität, Land, Zeitraum, Alkohol, Rauchen, Berufe, Kontrollpopulation) untersucht. Es gingen 19 Studien ein. Die kombinierten Risikoverhältnisse (RRc) betrugen: Zeit bis zur Schwangerschaft 1,11 (95-%-KI 1,03 bis 1,19), Frühgeburt 1,05 (0,99 bis 1,11), geringes Gestationsalter („small for gestational age“) 1,24 (1,10 bis 1,41), niedriges Geburtsgewicht 1,21 (1,06 bis 1,39) sowie Embryo- und Fetalverluste 1,19 (1,03 bis 1,38). Die Autoren sprechen von einer schwachen Risikoerhöhung bei insgesamt geringem Evidenzniveau, ohne dass eine Kausalität behauptet werden könne. Stärken: breite Suche einschließlich grauer Literatur, Sensitivitäts- und Subgruppenanalysen. Schwächen und Einordnung: Der Abstract spricht ausdrücklich von weiblichen Beschäftigten; es handelt sich um Schwangerschaftsausgänge und die Zeit bis zur Schwangerschaft bei Frauen, nicht um Spermaparameter. Der Beruf bündelt viele Expositionen; eine Zuordnung zu Haarfärbemitteln ist nicht möglich. Spermaparameter männlicher Friseure werden im Abstract nicht berichtet. Die Studie ist damit kein Beleg für oder gegen einen Einfluss von Haarfärbemitteln auf die Spermienqualität.

**Peters et al. 2010, systematische Übersicht [s142].** Auswertung von Veröffentlichungen aus 1990 bis 2010 zu Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen im Friseurberuf; gefunden wurden 2 Übersichten und 26 Originalstudien mit 19 verschiedenen Endpunkten. Hintergrund ist der Kontakt der Beschäftigten mit Produkten zum Waschen, Färben, Bleichen, Stylen, Sprühen und Dauerwellen. Am häufigsten untersucht waren Fehlbildungen (n = 7, insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumenspalten), von denen zwei Studien signifikant erhöhte Risiken und fünf keine fanden. Für geringes Gestationsalter, niedriges Geburtsgewicht und Spontanaborte lagen uneinheitliche Ergebnisse vor. Die Studien seien insgesamt inkonsistent, sodass keine klaren Aussagen zu einem Zusammenhang zwischen dem Beruf Friseurin und der Fortpflanzung möglich seien. Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen könnten nicht ausgeschlossen werden; die Evidenz für diese Risiken sei gering. Auch hier stehen Frauen im Mittelpunkt; Spermaparameter werden im Abstract nicht berichtet.

**Telles et al. 2026, systematische Übersicht zu Haarfärbemitteln im Tierversuch [s14].** Obwohl es sich um Tierstudien handelt, ist die Arbeit die wichtigste aktuelle Einordnung der Haarfärbemittel-Daten und gehört deshalb in dieses Kapitel. Suche in PubMed, Web of Science, Embase und Scopus ohne Sprach- und Jahresbeschränkung; Verzerrungsrisiko nach dem Instrument SYRCLE; eingeschlossen wurden 25 Artikel. Die Evidenz zeige mehrdimensionale Toxizität (Herz, Leber, Niere, Hoden, Atemwege, Haut, Blut, Genotoxizität, Hormon- und Entwicklungsendpunkte), deren Relevanz aber vom Expositionsweg, von der Dosis, der Spezies, dem Modell, dem Veröffentlichungszeitraum und davon abhänge, ob ein Einzelstoff oder eine Fertigformulierung geprüft wurde. Topische Studien seien für die kosmetische Exposition am relevantesten, orale, subkutane, intravenöse und Embryo-Immersionsmodelle stützten vor allem die Gefahrenidentifikation unter unüblichen Bedingungen. Das Verzerrungsrisiko war überwiegend „unklar“; methodische Schwächen fanden sich in nahezu allen Studien. Die Autoren warnen ausdrücklich davor, die Befunde als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen, und fordern standardisierte, expositionsrelevante Studien, besonders für berufliche Szenarien. Einordnung: Auch die systematische Übersicht enthält keine Humanstudie mit Spermienendpunkten.

### Tätowierungen: Übersichten ohne Spermadaten

**Negi et al. 2022, systematische Übersicht zu Tätowierfarben [s70].** Beschrieben werden Inhaltsstoffe, Verbleib in der Haut und die Toxizität durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, primäre aromatische Amine und Metalle sowie die regulatorischen Rahmen. Primäre aromatische Amine können in der Haut durch reduktive Spaltung von Azofarbstoffen entstehen; Benzo(a)pyren findet sich in Ruß-Farben. Quecksilber, Kobaltsulfat und andere lösliche Kobaltsalze sowie Ruß gehören nach den im Abstract zitierten Einstufungen zur Gruppe 2B (möglicherweise krebserregend beim Menschen), Cadmium und seine Verbindungen zur Gruppe 1 (krebserregend beim Menschen). Spermaparameter oder Hodenendpunkte werden im Abstract nicht behandelt.

**Giulbudagian et al. 2024, Bericht der Zweiten Internationalen Konferenz zur Tattoo-Sicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) [s44].** Rückblick auf ein Jahrzehnt seit der medizinisch-toxikologischen Darstellung in The Lancet: Fortschritte bei unerwünschten Wirkungen, Behandlung von Komplikationen, Regulierung und Analytik von Tätowierfarben, bei weiterhin großen Wissenslücken. Konferenzbericht, keine Primärdaten, keine Spermienendpunkte.

**Guilarte et al. 2026, thematische Übersicht und Regulierungsagenda für die USA [s07].** Etwa 32 Prozent der Erwachsenen in den USA geben mindestens eine Tätowierung an. Die Arbeit fasst tintenbezogene Schäden zusammen (verzögerte Entzündungsreaktionen, in Einzelfällen systemische Immunreaktionen) und beschreibt Regulierungslücken: Aufsicht nach dem Kosmetikrecht, keine durchsetzbaren Zusammensetzungsgrenzen für intradermale Langzeitexposition, uneinheitliche Zutatenangaben, begrenzte Chargenrückverfolgung, kein nationales Register für unerwünschte Ereignisse; der EU-Rahmen (REACH-Beschränkung mit Kennzeichnung) wird gegenübergestellt. Keine Spermienendpunkte.

*Einordnung zu Tätowierungen.* Keine der drei Übersichten bewertet Hoden- oder Spermaendpunkte. Die Verknüpfung zwischen Tätowierfarben und Spermienqualität stützt sich damit allein auf die dänische Querschnittsstudie, die keinen Zusammenhang fand (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien).

### Reinigungs- und Desinfektionsmittel: eine Übersicht

**Bobic et al. 2024, Übersicht zur Reproduktions- und Entwicklungstoxizität quartärer Ammoniumverbindungen (QAC) [s40].** QAC sind Desinfektionsmittel in Haushalt und Gesundheitswesen und kommen in Haushaltsdesinfektionsmitteln, Mundspülungen und Haarpflegeprodukten vor. Ihr Einsatz stieg mit der COVID-19-Pandemie deutlich; sie haben die kürzlich verbotenen Desinfektionsmittel Triclosan und Triclocarban in Verbrauchsprodukten teilweise ersetzt. Über Wirkungen alltäglicher Exposition auf Fortpflanzung und Entwicklung des Menschen sei wenig bekannt; die vorhandenen Studien beschränkten sich weitgehend auf hohe Dosen und seien für tägliche Niedrigexposition möglicherweise nicht prädiktiv, zumal QAC endokrin wirksam sein könnten. Die Übersicht wertet jüngere Studien aus, benennt Wissenslücken und empfiehlt Forschungsrichtungen. Der Abstract nennt keine Zahlen. Einordnung: Die Arbeit bestätigt, dass für QAC keine Humanstudie mit Spermaparametern vorliegt; die zusammengefassten Befunde stammen aus Tier- und Laborversuchen, die im Kapitel zu den experimentellen Studien behandelt werden. Die Übersicht ist insofern bedeutsam, als QAC als Ersatzstoffe für Triclosan genannt werden.

### Übersichten in französischer, italienischer und japanischer Sprache

Diese Arbeiten enthalten keine eigenen Daten zu den sechs Expositionsgruppen und stützen sich auf die allgemeine Endokrindisruptoren-Hypothese. Die Originaltitel sind in der Form der Quellenliste wiedergegeben.

**Mauduit et al. 2006, französisch [s144].** „[Long-term effects of environmental endocrine disruptors on male fertility]“ (Langzeitwirkungen endokriner Disruptoren aus der Umwelt auf die männliche Fertilität). Die Arbeit greift die Hypothese eines testikulären Dysgenesie-Syndroms auf, das Hodenkrebs, Fehlbildungen des männlichen Genitaltrakts (Kryptorchismus, Hypospadie) und eine Abnahme der Samenqualität verbindet und auf eine intrauterine Exposition gegenüber Umweltstoffen zurückgeführt wurde. Endokrine Disruptoren seien in der täglichen Umgebung vorhanden, etwa in Nahrung und Wasser (über Pestizide), Kosmetika und Haushaltsprodukten. Beschrieben werden Mechanismen (intergenerationelle epigenetische Weitergabe, programmierter Zelltod von Hodenzellen, veränderte androgene Signale, Rolle der ernährenden Zellen der Keimzellen) und mögliche Biomarker. Keine Zahlen; Stand 2006.

**Dewalque et al. 2012, französisch, Belgien [s134].** „[Masculine fertility threatened by the presence of endocrine disruptors in environment?]“ (Männliche Fertilität durch endokrine Disruptoren in der Umwelt bedroht?). Kurzer Überblick über Substanzen, die mit verminderter Samenqualität und dem testikulären Dysgenesie-Syndrom verbunden werden; die Rolle der Umwelt bei komplexen Erkrankungen wie der männlichen Hypofertilität wird hinterfragt. Keine Zahlen im Abstract.

**Remy 2011, französische Abschlussarbeit [s139].** „Pertubateurs endocriniens et stérilité masculine“ (Endokrine Disruptoren und männliche Sterilität), narrative Übersicht. Nach den Angaben im Rechercheprotokoll stellt die Arbeit fest, dass keine Studie die Wirkungen beim Menschen in Umweltdosen belege, und verweist auf das Vorsorgeprinzip. Als Abschlussarbeit nicht begutachtet.

**Campos 2021, französische Abschlussarbeit [s78].** „Mise au point des effets des perturbateurs endocriniens sur la reproduction masculine et état des lieux au Luxembourg“ (Überblick über die Wirkungen endokriner Disruptoren auf die männliche Fortpflanzung und Bestandsaufnahme in Luxemburg). Literaturübersicht (PubMed, Cochrane Library, Google Scholar, GreyNet), die Haushaltsprodukte als Quelle erwähnt. Als Abschlussarbeit nicht begutachtet.

**Gaspari et al. 2022, französisch [s66].** „[Environmental endocrine disruptors and fertility]“ (Endokrine Disruptoren aus der Umwelt und Fertilität). Die Übersicht fasst epidemiologische, klinische und experimentelle Studien der letzten 20 Jahre zur Verminderung männlicher und weiblicher Fertilität zusammen, behandelt das Konzept der fetalen Programmierung (Beeinflussung der epigenetischen Programmierung durch Exposition in der Schwangerschaft) und beschreibt Messmethoden (Gaschromatografie mit Massenspektrometrie, Messung der Gesamthormonaktivität im Plasma an Zelllinien, Analyse in Haarproben, microRNA-Analysen). Die Quantifizierung der menschlichen Exposition bleibe wegen der Vielzahl der gleichzeitig in Luft, Boden und Wasser vorhandenen Stoffe schwierig. Keine Zahlen.

**Borrelli 2007, italienisch, Arbeitsmedizin [s143].** „[Endocrine disruptors: literature review on toxicology and application field in occupational medicine]“ (Endokrine Disruptoren: Literaturübersicht zu Toxikologie und Anwendungsfeldern in der Arbeitsmedizin). Die Arbeit nennt endokrine Disruptoren in Kunststoffen, Reinigungsmitteln, Tensiden, Pestiziden und Industriechemikalien und bringt sie mit Oligospermie, veränderten Spermieneigenschaften, testikulärer Steroidogenese und Hodenatrophie in Verbindung. Hohe Dosen könnten Entwicklungs-, Reproduktions- und tumorerzeugende Wirkungen haben, über Effekte bei niedriger Exposition bestehe aber keine Einigkeit; berufliche Symptome seien nach Ende der Exposition reversibel, Exposition in kritischen Entwicklungsphasen könne irreversible Schäden verursachen. Keine Zahlen.

**Kamijima 2018, japanisch, Übersicht zur Fortpflanzungstoxikologie [s108].** „Reproductive Toxicological Research as Countermeasures to Declining Birth Rate“ (少子化対策としての生殖毒性研究; Reproduktionstoxikologische Forschung als Gegenmaßnahme zum Geburtenrückgang). Die Arbeit beschreibt, dass das japanische Recht den Schutz schwangerer Frauen vor Fortpflanzungsgefahren am Arbeitsplatz verbessert hat, dass männliche Beschäftigte ebenfalls geschützt werden könnten, wenn Risikobewertungen nach dem Arbeitsschutzgesetz erfolgen, und dass die Toxizität vieler Chemikalien noch nicht geklärt ist. Aus einem Sicherheitsdatenblatt gehe oft nicht hervor, ob ein Produkt keine Reproduktionstoxizität hat oder ob Daten fehlen. Keine Daten zu den hier untersuchten Stoffen, aber ein Beleg für die Datenlücke aus japanischer Sicht.

### Leitlinien und Cochrane-Review

**AUA/ASRM-Leitlinie zur männlichen Infertilität [s39] und Aktualisierung 2024 [s41].** Ausgewertet wurde der Webtext der Leitlinie auf der Seite der American Urological Association (abgerufen am 5. Oktober 2026). Statement 8 lautet im Wortlaut: „Clinicians may discuss risk factors (i.e., lifestyle, medication usage, environmental exposures, occupational exposures) associated with male infertility, and counsel the patients that the current data on the majority of risk factors are limited.“ Es ist eine bedingte Empfehlung („Conditional Recommendation“) mit Evidenzgrad C. In der Diskussion heißt es, die Daten seien begrenzt, weil sich spezifische Faktoren schwer isolieren ließen und die meisten Studien Störgrößen nicht ausreichend kontrollierten; systematische Übersichten seien meist nicht schlüssig. Zu einzelnen Stoffgruppen steht dort: „Inconclusive evidence was found for benzophenones, bisphenol A (BPA), chlorinated antimicrobial agents, parabens, and air pollution.“ Für einige Schwermetalle und Pestizide sei die Evidenz schlüssig, für das Phthalat DEHP gebe es einen möglichen Zusammenhang mit männlicher Infertilität. Die Begriffe Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierung, Reinigungsmittel und Duftstoffe kommen im abgerufenen Webtext nicht gesondert vor (Textsuche ohne Treffer; „cosmetics“ erscheint einmal im Zusammenhang mit Blei). Ob „chlorinated antimicrobial agents“ Triclosan einschließt, sagt der Text nicht. Das Update 2024 [s41], dessen Abstract vorliegt, betrifft Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Becken-Magnetresonanztomografie und testikuläre Spermien, nicht Umweltexpositionen. Die Leitlinie ist damit ein Beleg dafür, dass die Fachgesellschaft die Evidenz zu Benzophenonen, chlorierten Antiseptika und Parabenen als nicht schlüssig einstuft.

**EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility [s19], Zusammenfassung 2025 von Minhas et al. [s33].** Der Webtext des Kapitels nennt endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen bisher unerkannten Ursachen idiopathischer männlicher Infertilität; „exposure to environmental toxins“ steht in der Liste der typischen Anamnesebefunde. Oxidativer Stress sei in der Regel mit schlechtem Lebensstil und Umweltexposition verbunden; Antioxidantien- und Lebensstilinterventionen könnten das Risiko einer DNA-Fragmentierung senken, was aber durch randomisierte Studien nicht gestützt sei. Endokrin wirksame Chemikalien würden mit sexueller Dysfunktion und abnormalen Spermaparametern in Verbindung gebracht, mit Verweis auf Referenzen. Die Begriffe Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierung, Reinigungsmittel, Duftstoffe und Kosmetika tauchen im extrahierten Text nicht auf; UV-Filter wurden nicht gesondert gesucht. Der Abstract der Zusammenfassung 2025 [s33] nennt Exom-Sequenzierung, Probiotika und Diagnostik.

**WHO-Leitlinie 2025 und ihre Einordnung [s01, s06].** Achermann et al. 2026 [s01] vergleichen die männlichen Anteile der WHO-Leitlinie mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE; Esteves 2026 [s06] gibt eine umfassende Übersicht mit Schwerpunkt auf der männlichen Reproduktionsgesundheit. Die WHO-Leitlinie verfolgt nach den Abstracts einen Public-Health-Ansatz mit Betonung der Prävention, standardisierten Diagnosealgorithmen und der zentralen Rolle der Spermaanalyse; zu Antioxidantien nimmt sie eine neutrale Haltung ein, für die Varikozele gibt es spezifische Empfehlungen. AUA/ASRM und EAU seien spezialistenorientiert und umfassend, ESHRE und NICE paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Wege. Die hier untersuchten Expositionen nennen die Abstracts nicht; die Autoren sprechen von „notable gaps in the evidence base“ (bemerkenswerten Lücken in der Evidenzbasis).

**AFU/SALF 2021, französisch [s79].** „[AFU and SALF recommendations for the evaluation of male infertility]“ (Empfehlungen der AFU und der SALF zur Abklärung der männlichen Infertilität). Literaturrecherche in PubMed bis 1. Januar 2020, Evidenzgrade nach dem System der französischen Gesundheitsbehörde HAS. Empfohlen werden eine systematische Anamnese (unter anderem Familienvorgeschichte, persönliche Vorgeschichte, Lebensgewohnheiten, Behandlungen), eine allgemeine und eine skrotale körperliche Untersuchung, zwei Spermaanalysen nach WHO bei Auffälligkeit der ersten, Skrotalsonografie, endokrine Abklärung mit mindestens Testosteron und FSH, Karyotyp bei einer Spermienkonzentration von höchstens 10 Millionen je Milliliter und Test auf Yq-Mikrodeletionen bei höchstens 1 Million je Milliliter. DNA-Fragmentierungstests seien noch Gegenstand der Forschung. Umweltchemikalien oder Kosmetika nennt der Abstract nicht.

**ESHRE und NICE.** Die ESHRE-Leitlinienseite wurde nur als Titelliste abgerufen („Unexplained infertility 2023“ unter anderem); die Leitlinien selbst wurden nicht ausgewertet. Über [s01] sind sie als eher paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Pfade beschrieben. Eine italienische oder deutsche Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden; das Leitlinienregister der AWMF lieferte beim Abruf nur ein leeres Gerüst.

**Cochrane-Review von Boedt et al. 2021 zur präkonzeptionellen Lebensstilberatung [s77].** Ein Cochrane-Review zu den sechs Expositionen und Spermaparametern wurde nicht gefunden. Der nächstliegende Review untersucht präkonzeptionelle Lebensstilberatung bei Infertilität: sieben randomisierte Studien mit 2.130 Teilnehmenden, von denen nur eine männliche Partner einschloss; die Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig (Hauptmängel: fehlende Verblindung, Ungenauigkeit, schlechte Berichterstattung der Endpunkte). Für Beratung zu einer Kombination von Themen versus Routineversorgung ergab sich bei den Lebendgeburten kaum ein Unterschied (RR 0,93; 95-%-KI 0,79 bis 1,10; eine Studie mit 626 Teilnehmenden; niedrige Evidenz). Es geht in diesem Review um Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht um Kosmetika, Haarfärbemittel oder Reinigungsmittel; er sagt deshalb nichts über die hier untersuchten Expositionen aus.

### Zusammenschau der Übersichten

1. **Triclosan:** Eine Metaanalyse mit fünf Studien findet niedrigere Konzentration und Beweglichkeit bei extremer Heterogenität und mit ungewöhnlichem Referenzwertvergleich [s38]. Zwei systematische Übersichten sehen für den Endpunkt Infertilität beziehungsweise Fekundabilität keinen oder kaum einen Zusammenhang [s57, s95], eine Abschlussarbeit keine schädliche Wirkung in den wenigen epidemiologischen Studien [s117].
2. **UV-Filter:** Die systematische Übersicht berichtet verminderte Spermaqualität bei Männern [s24], ohne Zahlen; die Leitlinie stuft die Evidenz zu Benzophenonen als nicht schlüssig ein [s39]; die Übersicht zu väterlichen Expositionen nennt sie begrenzt und nicht eindeutig [s08]; die Fekundabilitätsübersicht sieht vorläufige Hinweise auf längere Zeit bis zur Schwangerschaft bei männlicher Benzophenon-Exposition [s95].
3. **Haarfärbemittel:** Humanübersichten betreffen den Friseurberuf und Frauen [s126, s142]; die systematische Übersicht der Tierstudien warnt vor einer Übertragung auf reale Verbraucher [s14]. Humane Spermadaten fehlen.
4. **Tätowierungen:** Drei Übersichten ohne Hoden- oder Spermadaten [s44, s70, s07].
5. **Reinigungsmittel:** Eine Übersicht zu QAC mit Tier- und Laborbefunden [s40]; Humanstudien fehlen.
6. **Duftstoffe und Kosmetika:** Narrative Übersichten ohne eigene Zahlen [s17, s28, s86]; die Phthalat-Übersicht betrifft eine Stoffgruppe, die auch in Duftstoffen vorkommt, ohne Produktzuordnung [s03].
7. **Leitlinien und Cochrane:** Die Leitlinien erwähnen Umweltexpositionen als Anamnesepunkt und stufen die Datenlage als begrenzt ein [s39, s19]; keine nennt Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierungen, Reinigungsmittel oder Duftstoffe namentlich; ein einschlägiger Cochrane-Review fehlt.

Die Übersichtsliteratur hat für diese Fragestellung zwei Gemeinsamkeiten: Sie verweist ganz überwiegend auf dieselben wenigen Primärstudien, und sie kommt über die Formel „Hinweise, aber begrenzte und uneinheitliche Evidenz“ nicht hinaus. Aus der Zahl der Übersichten lässt sich daher nicht auf die Stärke der Befunde schließen.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

### Vorbemerkung zu Design und typischen Grenzen

Alle Humanstudien mit Spermienendpunkten zu den hier betrachteten Stoffen sind Beobachtungsstudien, überwiegend Querschnittsstudien. Die Substanzen werden meist als Biomarker in einer einzelnen Urinprobe gemessen. Das hat mehrere Folgen, die bei jeder Studie mitzudenken sind und deshalb hier einmal zusammengefasst werden. Triclosan, Parabene und Benzophenone gehören zu den nicht-persistenten Stoffen, deren Konzentration im Körper stark schwankt; eine Einzelmessung bildet die Exposition eines kurzen Zeitfensters ab, während die Spermatogenese rund 90 Tage dauert. Fehler bei der Expositionserfassung schwächen Zusammenhänge in der Regel ab, können sie aber auch verzerren. Der Querschnitt erlaubt keine Aussage über die zeitliche Abfolge. Viele Studien rekrutierten Männer in Kinderwunsch- und Fruchtbarkeitskliniken oder Samenbanken, was zu Selektion führt. Sie testen oft viele Spermaparameter und mehrere Stoffe gleichzeitig; eine Korrektur für Mehrfachvergleiche wird in den Abstracts meist nicht genannt, sodass einzelne „signifikante“ Befunde zufällig sein können. Schließlich überlappen einige Studien in ihren Teilnehmerkohorten, sodass Übereinstimmungen nicht als unabhängige Bestätigungen zählen. Die Ergebnisse werden bei den einzelnen Arbeiten mit Konfidenzintervallen wiedergegeben, wo der Abstract sie nennt.

### Triclosan: Studien mit Urin- und Seminalplasmamessung

**Zhu et al. 2016, Shanghai, Querschnittsstudie [s123].** 471 Männer aus einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit (mittleres Alter 31 Jahre, mittlerer Body-Mass-Index 24,0 kg/m²). Triclosan wurde im Urin kreatininbereinigt gemessen und in 96,7 Prozent der Proben nachgewiesen (Median 0,97 ng/mg Kreatinin; Interquartilsabstand 0,41 bis 2,95; Nachweisgrenze 0,1 µg/l nach Volltext). Nach den WHO-Referenzwerten von 2010 hatten 27 Männer (5,7 %) eine Spermienzahl unter 39 Millionen, 21 (4,5 %) eine Konzentration unter 15 Millionen je Milliliter und 126 (26,8 %) einen Anteil vorwärtsbeweglicher Spermien unter 32 Prozent; 241 Männer lagen bei allen vier Parametern im Referenzbereich. In der multiplen linearen Regression (ln-transformierte Werte) war ln-Triclosan negativ mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien assoziiert (adjustiertes β = -0,17; 95-%-KI -0,32 bis -0,02). Im niedrigsten Terzil der Triclosan-Werte waren die Zusammenhänge deutlicher: Spermienkonzentration β = -0,21 (-0,41 bis -0,01), Gesamtzahl β = -0,25 (-0,48 bis -0,02), vorwärtsbewegliche Spermien β = -0,35 (-0,68 bis -0,03), Anteil morphologisch normaler Spermien β = -1,64 (-3,05 bis -0,23) und Zahl normal geformter Spermien β = -0,48 (-0,80 bis -0,16). Im mittleren und im hohen Terzil war nichts signifikant; Glättungskurven zeigten, dass Konzentration und Normalformenanteil bei niedrigen Werten fielen und bei höheren fast unverändert blieben. Die Autoren sprechen von einem bescheidenen Effekt bei umweltrelevanter Dosis. *Stärken:* ausreichende Stichprobe, kontinuierliche Zielgrößen, hohe Nachweisrate. *Schwächen:* eine Spot-Urinprobe; Männer aus einer Fruchtbarkeitsklinik; Mehrfachvergleiche; nichtmonotone Dosis-Wirkung (Effekt nur im niedrigsten Terzil, also gerade dort, wo die Exposition am geringsten ist). Nach der Studie lagen die Triclosan-Werte in China niedrig im Vergleich zu Europa (geometrische Mittel 2 bis 3 µg/l in Belgien, 6,1 µg/l in Spanien) und Nordamerika (13 µg/l in den USA, 12,3 µg/l in Kanada); das begrenzt die Übertragbarkeit.

**Jurewicz et al. 2018, Querschnittsstudie [s107].** 315 Männer unter 45 Jahren aus einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit, eingeschlossen **nur mit normaler Spermienkonzentration** (mindestens 15 Millionen je Milliliter). Urin-Triclosan wurde per Gaschromatografie mit Tandem-Massenspektrometrie bestimmt und in 84,13 Prozent der Proben nachgewiesen (Median 2,83 µg/l, entsprechend 2,57 µg/g Kreatinin). In der multiplen linearen Regression waren Triclosan-Konzentrationen vom 50. bis 75. Perzentil und ab dem 50. Perzentil mit einem höheren Prozentsatz morphologisch abnormaler Spermien assoziiert (p = 0,016 beziehungsweise p = 0,002). Der Abstract nennt keine Effektgrößen oder Konfidenzintervalle und kein Land. *Schwächen:* Einschluss nur normozoospermer Männer (Bereichseinschränkung), daher nicht auf subfertile Männer übertragbar.

**Den Hond et al. 2015, Fall-Kontroll-Studie in vier Kinderwunschkliniken [s125].** 163 Männer; Fälle waren Männer mit zwei Proben (Abstand mindestens eine Woche), bei denen die Gesamtbeweglichkeitszahl (TMC) unter 20 Millionen lag; Kontrollen lagen bei beiden Proben darüber. Gemessen wurden Dioxine, PCB, chlorierte Pestizide, bromierte Flammschutzmittel, Bisphenol A, Triclosan, perfluorierte Verbindungen und Phthalate. Das Subfertilitätsrisiko stieg mit Oxychlordan (OR 1,98; 95-%-KI 1,07 bis 3,69 je Interquartilsabstand) und mit BDE209 oberhalb der Bestimmungsgrenze (OR 7,22; 1,03 bis 50,6). Urinwerte von Phthalaten und Triclosan waren negativ mit Inhibin B und positiv mit LH assoziiert; Bisphenol A korrelierte negativ mit Testosteron. Triclosan selbst wurde im Abstract nicht als Risikofaktor für Subfertilität ausgewiesen; die Hormonbefunde sind kein Spermaendpunkt. Das sehr weite Intervall für BDE209 (1,03 bis 50,6) zeigt eine geringe Präzision. Das Land nennt der Abstract nicht.

**Chen et al. 2013, China, Fall-Kontroll-Studie [s132].** 877 idiopathisch infertile Männer und 713 fertile Kontrollen, die größte Fall-Kontroll-Studie dieses Kapitels. Gemessen wurden im Urin Bisphenol A, Benzophenon-3, Pentachlorphenol, Triclosan, 4-tert-Octylphenol (4-t-OP), 4-n-Octylphenol (4-n-OP) und 4-n-Nonylphenol (4-n-NP) sowie Spermienparameter. Nach multivariater Adjustierung waren 4-t-OP, 4-n-OP und 4-n-NP mit idiopathischer Infertilität assoziiert (p für Trend < 0,0001, 0,014 beziehungsweise 0,001); 4-t-OP und 4-n-NP auch mit Infertilität bei abnormen Spermaparametern; die Summe der Alkylphenole war ebenfalls assoziiert. Für die übrigen Phenole, also auch Triclosan und Benzophenon-3, fand sich kein Zusammenhang. Die Autoren nennen dies den ersten Beleg für Alkylphenole. *Stärken:* große Fallzahl, mehrere Stoffe in derselben Population. *Schwächen:* Der Abstract enthält keine Odds Ratios und Konfidenzintervalle; eine Urinprobe; Fall-Kontroll-Design ohne Zeitbezug. Für Triclosan ist es die größte Nullassoziation. Eine Verbindung der Alkylphenole mit Reinigungs- und Waschmitteln wird im Abstract nicht hergestellt und wäre eine Annahme außerhalb der Studie.

**Nassan et al. 2019, EARTH-Kohorte (USA), Kohorte [s97].** 262 Männer, die an der Studie „Environment and Reproductive Health“ (EARTH) teilnahmen, lieferten 581 gepaarte Urin- und Samenproben (2009 bis 2017). Lineare gemischte Modelle mit zufälligem Achsenabschnitt je Mann, adjustiert für Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, körperliche Aktivität, Karenzzeit sowie Jahreszeit und Jahr; Triclosan nach spezifischem Gewicht angepasst. Mittleres Alter 36,6 Jahre (SD 5,24), Body-Mass-Index 27,9 (SD 5,94); 74 Prozent der Proben mit nachweisbarem Triclosan (über 2,3 µg/l). Es zeigte sich kein signifikanter Dosis-Wirkungs-Trend. Verglichen mit Männern mit nicht nachweisbarem Triclosan hatten Männer im zweiten, dritten und vierten Quartil -1,32 % (95-%-KI -2,04 bis -0,59), -0,91 % (-1,63 bis -0,18) beziehungsweise -0,46 % (-1,25 bis 0,33) weniger morphologisch normale Spermien; bei nachweisbarem Triclosan insgesamt -0,96 % (-1,57 bis -0,35). Der Zusammenhang war in Proben vor 2013 stärker, als Triclosan häufiger nachweisbar war. *Stärken:* Messwiederholungen, Adjustierung. *Schwächen:* kein Dosis-Wirkungs-Muster; Kliniksample (Fruchtbarkeitszentrum); kleine Effekte (unter 1,5 Prozentpunkte der Normalformen).

**Smarr et al. 2018, antimikrobielle Substanzen im Urin, Paare mit Kinderwunsch [s112].** 501 männliche Partner von Paaren, die eine Schwangerschaft planten; Urinbiomarker von Parabenen, Triclosan und Triclocarban in Einzelproben; zwei frische Samenproben im Abstand von etwa einem Monat mit Analyse innerhalb von 24 Stunden. Lineare gemischte Modelle, adjustiert für Kreatinin, Ethnie, Alter und Body-Mass-Index; die log-transformierten Konzentrationen wurden durch ihre Standardabweichung geteilt. Methyl-, Ethyl- und Butylparaben waren mit geringerer Spermienzahl und mehreren Beweglichkeitsparametern assoziiert; hydroxylierte Paraben-Metabolite und Triclosan waren dagegen signifikant **positiv** mit ausgewählten Spermaparametern assoziiert. Die Autoren folgern, dass bestimmte Parabene die Spermaqualität beeinträchtigen könnten. Effektgrößen enthält der Abstract nicht. Beitrag für Triclosan: ein gegenläufiger Befund, der die Richtung der übrigen Studien nicht stützt; ob er bei Mehrfachtests zufällig entstanden ist, lässt sich aus dem Abstract nicht beurteilen.

**Yuan et al. 2022, China, Querschnittsstudie [s72].** 406 Männer aus einer Fortpflanzungsklinik; Urin-Triclosan mit UHPLC-MS/MS bestimmt (nachweisbar in 74,6 %; nach dem Volltext der Metaanalyse im Mittel 1,7 µg/l); 16 Spermaparameter nach WHO (Volumen, Zahl, Beweglichkeit, Bewegungsmuster). Lineare Regression, restricted cubic splines mit drei bis fünf Knoten, logistische Regression. Weder die Terzile noch die kontinuierlichen Werte zeigten einen monotonen Trend mit irgendeinem Spermaparameter (p > 0,05). Im zweiten gegenüber dem ersten Terzil waren Linearität und „wobble“ (Schlenkern der Bewegungsbahn) signifikant höher (p < 0,05); die Splines zeigten keine signifikante Nichtlinearität, und die Terzile waren nicht mit dem Risiko abnormer Spermienzahl oder Beweglichkeit assoziiert. Die Autoren schließen auf begrenzte (keine oder geringe) Wirkungen niedriger Triclosan-Exposition. *Stärken:* viele Parameter, Prüfung auf Nichtlinearität, logistische Modelle. *Schwächen:* Querschnitt, Einzelurinprobe, Kinderwunschpopulation; 16 Parameter ohne Hinweis auf Mehrfachtest-Korrektur im Abstract. Das Ergebnis steht in teilweisem Gegensatz zu Zhu 2016, wo im niedrigsten Terzil Assoziationen gefunden wurden [s123].

**Guo et al. 2023, Shijiazhuang, Fall-Kontroll-Studie mit Messung im Seminalplasma [s59].** 100 Männer mit geringer Spermaqualität (Fälle) und 100 Männer mit normaler Samenqualität (Kontrollen) aus einer Fruchtbarkeitsklinik, 2018 bis 2019. Triclosan im Seminalplasma mit UPLC-MS/MS; Spermienkonzentration, Zahl, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit nach WHO; Mann-Whitney- und Kruskal-Wallis-Test, logistische Regression adjustiert für Alter, Body-Mass-Index, Karenzzeit, Rauchen und Alkohol. Die Seminalplasma-Konzentration war bei Fällen leicht, aber nicht signifikant höher; nach dem Volltext der Metaanalyse betrug der Mittelwert ± Standardabweichung in den Kontrollen 2,6 ± 11,9 µg/l, in den Fällen 4,0 ± 9,5 µg/l. Es gab signifikante Assoziationen zwischen Seminalplasma-Triclosan und Spermaparametern in beiden Gruppen. Das vierte Quartil hatte gegenüber dem ersten ein höheres Risiko geringer Spermaqualität: adjustiertes OR 2,36 (95-%-KI 1,03 bis 5,39). *Stärken:* Messung am Zielort, Adjustierung für wichtige Störgrößen. *Schwächen:* nur 200 Teilnehmer; sehr weites Konfidenzintervall mit unterer Grenze knapp über 1; Standardabweichungen über dem Mittelwert (schiefe Verteilung); Fälle und Kontrollen aus derselben Klinik.

**Zhu et al. 2022, Shanghai, prospektive Kohorte zur Fekundabilität [s74].** 443 Paare aus Präkonzeptionskliniken, von denen 331 (74,7 %) nach zwölf Monaten nachverfolgt wurden; Triclosan wurde im Urin des Mannes bei der Aufnahme gemessen, Zielgrößen waren Schwangerschaftsstatus der Partnerin und Zeit bis zur Schwangerschaft. Höhere Triclosan-Konzentrationen waren mit verminderter Fekundabilität assoziiert (Fekundabilitäts-Odds-Ratio 0,77; 95-%-KI 0,62 bis 0,97), das Infertilitätsrisiko stieg (OR 1,6; 1 bis 2,6), mit einem angedeuteten Dosis-Wirkungs-Muster über Terzile (in beiden Analysen). Es ist das Ergebnis mit dem klinisch nächsten Endpunkt, der Schwangerschaft, und die einzige prospektive Studie dieses Abschnitts. *Schwächen:* Das Konfidenzintervall der Infertilitäts-OR berührt 1 (die Untergrenze ist 1); gut ein Viertel der Paare ging im Verlauf verloren; eine Einzelmessung von Triclosan; der Mann ist nur ein Faktor der Paarfertilität, Spermaparameter wurden in diesem Abstract nicht berichtet. Die Übersicht von Hipwell fand für Triclosan kaum Hinweise auf einen TTP-Zusammenhang [s95]; die Shanghaier Studie erschien danach.

### Triclosan in Mischungs- und Exposomstudien

**Génard-Walton et al. 2025, EARTH-Kohorte [s22].** 420 Männer (18 bis 55 Jahre, 2005 bis 2019, Fruchtbarkeitszentrum des Massachusetts General Hospital), 24 Biomarker (Bisphenol A, vier Parabene, Triclosan, 17 Phthalat-Metabolite im Urin, Quecksilber im Haar). Vier Mischungs- und Exposommodelle (ExWAS, DSA, BKMR, NLinteraction). Quecksilber war positiv, Triclosan negativ mit allen Spermaergebnissen außer dem Volumen assoziiert, über mehrere Modelle hinweg. Für die gesamte Mischung (Anstieg vom 10. zum 90. Perzentil) im BKMR betrug der Effekt auf die Normalform -1,42 % (95-%-Kredibilitätsintervall -12,36 bis 9,52), auf die Beweglichkeit -0,10 % (-1,78 bis 1,58), auf das Volumen -0,26 ml (-0,79 bis 0,28), auf die Spermienzahl +0,21 Millionen (-0,23 bis 0,65) und auf die Konzentration +0,33 Millionen je Milliliter (-0,14 bis 0,80); alle Mischungsintervalle schließen Null ein. Eine Wechselwirkung zwischen Urin-Triclosan und Butylparaben bei der Normalform zeigte das NLinteraction-Modell. Einordnung: Das Triclosan-Ergebnis ist modellübergreifend konsistent, die Gesamtmischung ist von Null nicht unterscheidbar. Die Studie nutzt dieselbe Kohorte wie [s97]; die Befunde sind daher nicht unabhängig. Der Abstract nennt keine Effektgröße für Triclosan allein.

**Hull et al. 2026, Dänemark, Kohorte zur fetalen Exposition [s09].** 841 junge Männer der Kohorte „Fetal Programming of Semen Quality“ innerhalb der Dänischen Nationalen Geburtskohorte. Mütterliches Blut aus der Schwangerschaft wurde auf PFAS, Phthalat-Metabolite und Triclosan analysiert; die Quantil-g-Berechnung schätzte die Änderung je Quartilsanstieg aller Stoffe in drei Mischungen (Gesamtmischung, PFAS-Mischung, Mischung nicht-persistenter Stoffe). Je Quartilsanstieg der Gesamtmischung: Spermienkonzentration -4,0 Millionen je Milliliter (95-%-KI -9,1 bis 1,1), Gesamtspermienzahl -16,1 Millionen (-33,8 bis 1,6), Hodenvolumen -0,5 ml (-1,2 bis 0,3), Anteil nicht-progressiver und immotiler Spermien +5 % (Verhältnis 0,99 bis 1,11), FSH +7 % (0,99 bis 1,16). Für die PFAS-Mischung zeigten sich ähnliche Zusammenhänge, für die Mischung der nicht-persistenten Stoffe (Phthalate, Triclosan) keine. Die Autoren halten die Ergebnisse für vereinbar mit Nullzusammenhängen, führen vorhandene Effekte auf PFAS zurück und nennen die Einzelmessung von Phthalaten und Triclosan als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte. Alle Konfidenzintervalle schließen Null beziehungsweise 1 ein. Für Triclosan allein enthält der Abstract keine Zahl.

**Shen et al. 2024, Shanghai, Phenolmischung [s52].** 799 Freiwillige der Shanghai Human Sperm Bank; 18 Phenole im Urin (HPLC-MS/MS), computergestützte Spermaanalyse; Mehrfachregression und gewichtete Quantilsumme (WQS). Ethylparaben war negativ mit Spermienkonzentration und Gesamtzahl assoziiert (p < 0,05); die Phenolmischung war mit geringerer Konzentration assoziiert, wobei Methyl- und Ethylparaben die Hauptbeiträge lieferten. Der Abstract nennt für Triclosan keine Einzelwerte. Die Arbeit erschien in einer chinesischsprachigen Zeitschrift (Se Pu) mit englischem Abstract; die Teilnehmer sind Samenspender, also eine selektierte Gruppe.

**Gao et al. 2024, China, 55 endokrine Disruptoren [s43].** 155 Männer eines reproduktionsmedizinischen Zentrums in Anhui; im Urin wurden 55 Chemikalien gemessen, von denen 34 häufig nachweisbar waren (Nachweisrate mindestens 55 Prozent). Sechs Stoffe mit durchgehend erhöhtem Risiko gingen in die Mischungsmodelle (Bayes-Kernel-Maschinenregression und Quantil-g-Berechnung) ein: Bisphenol A, Ethylparaben, Methylparaben, Benzophenon-1 (BP-1), Benzophenon-3 (BP-3) und Mono(3-carboxypropyl)phthalat (MCPP). Die gemeinsame Exposition war mit geringerer Gesamtmotilität (β = -0,18; 95-%-KI -0,29 bis -0,07; p = 0,002) und progressiver Beweglichkeit (β = -0,27; -0,43 bis -0,10; p = 0,002) assoziiert, nicht mit dem Volumen. Als Haupttreiber verschlechterter Bewegungsparameter wurden BP-1, Methylparaben und MCPP genannt, nicht BP-3. Hohe Omega-3-Fettsäure-Spiegel im Seminalplasma, vor allem Docosapentaensäure, schwächten die Assoziation von MCPP mit der Beweglichkeit ab (Interaktions-p = 0,047 beziehungsweise 0,003). Der Abstract nennt für die Gesamtbeweglichkeit ein Interaktions-Konfidenzintervall in der Schreibweise „0,01 - -0,51“, das mit dem angegebenen Punktschätzer 0,26 nicht vereinbar ist; dieser Wert wird hier nicht verwendet. Triclosan gehört nicht zu den ausgewählten Haupttreibern. *Schwächen:* nur 155 Männer; 34 Stoffe als Vorauswahl bei Mehrfachvergleichen; eine Urinprobe; Querschnitt; die Mischung aus Phenolen, Parabenen, UV-Filtern und Weichmacher erlaubt keine Aussage speziell zu UV-Filtern.

**Smarr et al. 2018, Seminalplasma [s113].** 339 männliche Partner, die an einer prospektiven Schwangerschaftsstudie teilnahmen; im Seminalplasma wurden Bisphenole, Benzophenon-UV-Filter, Antimikrobiotika (darunter Triclosan) und Phthalat-Diester samt Monoester-Metaboliten mit Flüssigchromatografie und Gaschromatografie jeweils mit Massenspektrometrie gemessen; 35 Spermienendpunkte nach standardisiertem Protokoll. Gemischte Modelle mit logarithmierten und standardisierten oder am 75. Perzentil dichotomisierten Konzentrationen; zusätzlich Vergleich mit klinischen Referenzwerten. Die konsistentesten Befunde betrafen einige Phthalat-Metabolite: Seminalplasma-Konzentrationen von Mono-ethyl-, Mono-n-butyl-, Mono-2-isobutyl- und Monobenzylphthalat waren mit geringeren Chancen auf ein Volumen oberhalb des Referenzwerts verbunden (adjustiertes OR 0,46; 95-%-KI 0,32 bis 0,66; 0,40; 0,28 bis 0,57; 0,39; 0,27 bis 0,56 beziehungsweise 0,34; 0,24 bis 0,49). Für Triclosan und die Benzophenone nennt der Abstract keinen vergleichbar konsistenten Befund. Die Autoren sehen bestimmte Phthalate mit vermindertem Volumen, verminderter Beweglichkeit und Vitalität sowie Kopfveränderungen der Spermien verbunden. Die Studie ist wegen der Messung am Zielort und des Vergleichs mit Referenzwerten relevant, trägt aber für die sechs Expositionsgruppen wenig bei. Beide Studien von Smarr stammen vermutlich aus derselben Paarkohorte [s112, s113]; das nennen die Abstracts nicht ausdrücklich.

### Triclosan, Bisphenol A und 4-Nonylphenol in der Samenflüssigkeit: die Studienserie aus Tscheljabinsk (Russland)

Die russischsprachigen Humanstudien zu Triclosan stammen praktisch aus einer einzigen Arbeitsgruppe (Südural-Staatliche Medizinische Universität, Tscheljabinsk; Erstautor S. V. Chigrinets), zum Teil mit Beteiligung eines privaten Labors. Es handelt sich um sieben Humanveröffentlichungen aus den Jahren 2018 und 2019 [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91]. Die Probensätze überlappen mit hoher Wahrscheinlichkeit: Mehrere Arbeiten berichten dieselben Basismerkmale (mittleres Alter 30,8 ± 3,6 Jahre, mittlerer Body-Mass-Index 25,4 ± 2,9 kg/m², 42 % übergewichtig, 11 % Adipositas Grad I), und die Triclosan-Nachweisraten liegen in allen Arbeiten zwischen 84,3 % und 85,4 %. Eine Überlappung wird in keiner Arbeit ausdrücklich offengelegt. Die Ergebnisse sind daher als wiederholte Auswertungen ähnlicher, teils identischer Datensätze zu lesen und nicht als unabhängige Replikationen. Gemessen wurde in der Samenflüssigkeit mit Gaschromatografie und Massenspektrometrie im Bereich von etwa 0,1 ng/ml; zu Nachweisgrenzen und Kontaminationskontrollen enthalten die gelesenen Textabschnitte keine Angaben. Die Mediane werden als Median mit Interquartilsbereich angegeben, nicht als Konfidenzintervall.

**Chigrinets et al. 2018, erste Messung [s101].** „Воздействие эндокринных дисрапторов на качество эякулята у мужчин“ (Wirkung endokriner Disruptoren auf die Ejakulatqualität bei Männern), Zeitschrift „Andrologiya i genital'naya khirurgiya“. Querschnittsstudie mit 41 Samenproben von Männern mit Normozoospermie (n = 18) und Pathozoospermie (n = 23), die laut der Schwesterarbeit [s102] 2017 bis 2018 eine Kinderwunschklinik aufsuchten (Unfruchtbarkeit in der Ehe, Fehlgeburten der Partnerin, Schwangerschaftsplanung, Samenspende). Die Pathozoospermiegruppe war „idiopathisch“ mit unterschiedlichen Formen (Teratozoospermie 10, Asthenoteratozoospermie 6, Oligoteratozoospermie 3, Asthenozoospermie 2, Oligoasthenoteratozoospermie 2). Alter im Median 32 beziehungsweise 31 Jahre, Body-Mass-Index im Median 25,1 beziehungsweise 25,5 kg/m². Gemessen wurden Bisphenol A, Triclosan und 4-Nonylphenol; Ejakulatparameter nach WHO 2010; DNA-Fragmentierung per Chromatin-Dispersionstest (Normalwert unter 15 %); Gesamttestosteron im Blutplasma; Statistik mit Mann-Whitney-U-Test und Spearman-Rangkorrelation. Nachweisraten: Bisphenol A 100 %, Triclosan 85,4 %, 4-Nonylphenol 97,6 %; Mediane (Q1 bis Q3) 0,12 (0,05 bis 0,30), 0,16 (0,08 bis 0,23) und 0,170 (0,06 bis 0,40) ng/ml. Gruppenvergleich Normo- gegenüber Pathozoospermie (Median, Q1 bis Q3): Bisphenol A 0,050 (0,040 bis 0,100) gegenüber 0,210 (0,120 bis 0,470) ng/ml, p < 0,001; Triclosan 0,095 (0,00 bis 0,190) gegenüber 0,185 (0,110 bis 0,360) ng/ml, p = 0,033; 4-Nonylphenol 0,185 (0,060 bis 0,300) in beiden Gruppen, p = 0,627; Anteil Spermien mit fragmentierter DNA 14,0 (9,00 bis 18,00) % gegenüber 18,0 (16,0 bis 25,0) %, p = 0,005; Gesamttestosteron 14,80 gegenüber 14,65 nmol/l, p = 0,856. Spearman-Korrelationen mit der Konzentration in der Samenflüssigkeit:

| Parameter | Bisphenol A | Triclosan | 4-Nonylphenol |
|---|---|---|---|
| Gesamtzahl Spermien | r = -0,32; p = 0,04 | r = -0,27; p = 0,09 | r = -0,05; p = 0,73 |
| Progressiv bewegliche (A + B) | r = -0,55; p < 0,001 | r = -0,31; p = 0,049 | r = -0,03; p = 0,84 |
| Normale Morphologie | r = -0,47; p = 0,002 | r = -0,44; p = 0,004 | r = -0,17; p = 0,30 |
| DNA-Fragmentierung | r = 0,31; p = 0,06 | r = 0,61; p < 0,001 | r = -0,07; p = 0,66 |
| Nicht progressiv bewegliche (C) | r = 0,28; p = 0,08 | r = 0,21; p = 0,20 | r = 0,38; p = 0,012 |
| Gesamttestosteron (Blut) | r = -0,40; p = 0,047 | r = -0,14; p = 0,52 | r = -0,22; p = 0,29 |

Bisphenol A und Triclosan korrelierten untereinander (r = 0,45; p = 0,003); die Summe aus beiden korrelierte stärker mit dem Anteil normal geformter Spermien (r = -0,51; p = 0,001), was die Autoren als synergistischen Effekt deuten. *Stärken:* direkte Messung im Ejakulat statt im Urin; mehrere Spermienparameter und DNA-Fragmentierung; Gruppen in Alter, Karenzzeit, Body-Mass-Index, Rauchen und Alkohol vergleichbar. *Schwächen:* kleine Stichprobe ohne Fallzahlplanung (die Schwesterarbeiten verneinen sie ausdrücklich); Kontrollgruppe teils Samenspender, Fälle Männer einer Kinderwunschklinik (Selektion); keine Mehrfachtest-Korrektur trotz Dutzender Tests; Korrelationen ohne Konfidenzintervalle; Kausalität nicht prüfbar; die Synergie-Aussage beruht auf einer Summenkorrelation und wurde in späteren Arbeiten derselben Gruppe nicht bestätigt (siehe [s94, s91]).

**Chigrinets et al. 2018, Cut-off-Werte [s102].** „Оценка риска патозооспермии у мужчин при измерении эндокринных дизрапторов - бисфенола А и триклозана в семенной жидкости методом газовой хроматографии с масс-спектрометрией“ (Risikobewertung der Pathozoospermie bei Messung von Bisphenol A und Triclosan in der Samenflüssigkeit mittels GC-MS), Zeitschrift „Eksperimental'naya i klinicheskaya urologiya“. Diagnostische Auswertung derselben 41 Proben mit ROC-Analyse. Fläche unter der ROC-Kurve für Bisphenol A 0,832 ± 0,073 (95-%-KI 0,689 bis 0,975; p < 0,001), für Triclosan 0,701 ± 0,086 (95-%-KI 0,531 bis 0,863; p = 0,033). Optimale Schwellenwerte 0,103 ng/ml (Bisphenol A) und 0,150 ng/ml (Triclosan); Sensitivität und Spezifität für Triclosan 71,2 % und 66,7 %, für Bisphenol A 91 % und 78 %. *Stärken:* erste Cut-off-Schätzung für Samenflüssigkeit; Angabe von Konfidenzintervallen. *Schwächen:* Schwellenwerte wurden im selben Datensatz gewonnen und bewertet, sodass die Trennschärfe überschätzt sein dürfte; sehr breite Intervalle; die untere Grenze für Triclosan (0,531) liegt nur knapp über 0,5, dem Zufallsniveau; die von den Autoren vorgeschlagene klinische Anwendung zur Risikovorhersage wird durch die Datenlage nicht getragen.

**Chigrinets et al. 2019, Humanteil und Rattenteil [s93].** „Влияние эндокринных дизрапторов бисфенола А и триклозана на качество спермы у мужчин и экспериментальных животных“ (Wirkung der endokrinen Disruptoren Bisphenol A und Triclosan auf die Spermaqualität bei Männern und Versuchstieren), Kazan Medical Journal. 53 Samenproben (19 Normozoospermie, 34 Pathozoospermie). Alter (Median 32,0 gegenüber 31,0 Jahre, p = 0,157), Karenzzeit (3,0 gegenüber 4,0 Tage, p = 0,105), Body-Mass-Index (25,1 gegenüber 25,5, p = 0,356), Rauchen (p = 0,901) und Alkohol (p = 1,0) unterschieden sich nicht. Nachweis: Bisphenol A 100 %, Triclosan 84,9 %; Median 0,15 (0,06 bis 0,31) beziehungsweise 0,13 (0,05 bis 0,22) ng/ml. Normo- gegenüber Pathozoospermie: Bisphenol A 0,05 (0,04 bis 0,08) gegenüber 0,21 (0,14 bis 0,47) ng/ml (p < 0,001); Triclosan 0,09 (0,0 bis 0,19) gegenüber 0,20 (0,11 bis 0,36) ng/ml (p = 0,045); DNA-Fragmentierung 14,0 (8,5 bis 17,0) % gegenüber 19,0 (16,0 bis 25,0) %, wobei die Quelle je Substanz p = 0,001 und p = 0,004 nennt, ohne die Differenz zu erklären. Spearman-Korrelationen (Konzentration in der Samenflüssigkeit; Bisphenol A / Triclosan): Gesamtzahl -0,330 (p = 0,016) / -0,188 (p = 0,211); Konzentration -0,309 (p = 0,024) / -0,206 (p = 0,170); progressiv bewegliche -0,575 (p < 0,001) / -0,237 (p = 0,113); normale Morphologie -0,397 (p = 0,003) / -0,420 (p = 0,004); DNA-Fragmentierung 0,349 (p = 0,025) / 0,604 (p < 0,001). Die Autoren fassen zusammen, Bisphenol A verschlechtere alle Parameter, Triclosan beim Menschen nur die Morphologie und die DNA-Fragmentierung. Die Mediane und Korrelationen weichen leicht von [s101] ab (zum Beispiel Bisphenol A mit progressiver Beweglichkeit r = -0,575 gegenüber -0,55; Triclosan-Median 0,13 gegenüber 0,16), weil die Stichprobe von 41 auf 53 wuchs; das stützt die Annahme überlappender Datensätze. Der Tierteil (Wistar-Ratten, 200 mg/kg im Futter über zwei Monate) wird im Kapitel zu den Tierstudien behandelt.

**Chigrinets et al. 2019, Hodenfunktion beim Menschen und in der Ratte [s92].** „Влияние эндокринного дизраптора триклозана на функцию яичек (экспериментально-клиническое исследование)“ (Wirkung des endokrinen Disruptors Triclosan auf die Hodenfunktion, experimentell-klinische Studie), Zeitschrift „Ekologiya cheloveka“. Menschlicher Teil: dieselben 53 Proben; Triclosan in 84,9 % der Proben, Median 0,13 (0,05 bis 0,22) ng/ml; Normo- gegenüber Pathozoospermie 0,09 (0,0 bis 0,19) gegenüber 0,20 (0,11 bis 0,36) ng/ml (p = 0,045); DNA-Fragmentierung 14,0 (9,0 bis 18,0) % gegenüber 18,5 (16,0 bis 25,0) % (p = 0,004); Gesamttestosteron im Blut ohne Unterschied. Spearman: Triclosan mit DNA-Fragmentierung r = 0,604 (p < 0,001), mit normaler Morphologie r = -0,420 (p = 0,004), mit Testosteron r = -0,019 (p = 0,926), mit Gesamtzahl r = -0,188 (p = 0,211), mit Konzentration r = -0,206 (p = 0,170) und mit progressiver Beweglichkeit r = -0,237 (p = 0,113). Die Autoren räumen ein, dass andere endokrine Disruptoren (ein „Cocktail“) die Ergebnisse beeinflussen könnten und dass ihre Studie nur einen Stoff erfasse und Synergien nicht analysieren könne; die Deutung des Nachweises in der Samenflüssigkeit als möglicher Ausdruck einer direkten toxischen Wirkung kann das Querschnittsdesign nicht belegen.

**Chigrinets 2019, Odds Ratios für erhöhte DNA-Fragmentierung [s90].** „Влияние триклозана и бисфенола на фрагментацию ДНК сперматозоидов“ (Wirkung von Triclosan und Bisphenol auf die DNA-Fragmentierung der Spermatozoen), Vestnik Soveta molodykh uchenykh i spetsialistov Chelyabinskoy oblasti. Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit; Zielgröße war ein DNA-Fragmentierungsindex von mindestens 15 %. Die Tabelle beschreibt 18 Männer mit Index unter 15 % und 29 mit mindestens 15 %, im Text stehen 53 Patienten (19 Normozoospermie, 34 Pathozoospermie); die Differenz (47 gegenüber 53) wird nicht erklärt. Triclosan mit mindestens 0,11 ng/ml (Median-Aufteilung): Odds Ratio 18,3 (95-%-KI 3,4 bis 97,7; p < 0,001). Bisphenol A mit mindestens 0,15 ng/ml: Odds Ratio 4,3 (95-%-KI 1,0 bis 17,7; p = 0,088, nicht signifikant). Die Konzentrationen waren in der Gruppe mit Index von mindestens 15 % höher (Triclosan p = 0,001; Bisphenol A p = 0,014). Nachweisraten: Bisphenol A 100 %, Triclosan 84,9 %; Mediane 0,15 (0,06 bis 0,29) und 0,11 (0,05 bis 0,21) ng/ml. *Bewertung:* Der Median-Split an den eigenen Daten, die breiten Intervalle (3,4 bis 97,7) und die kleine Stichprobe machen die Schätzung sehr unsicher; das Intervall von 1,0 bis 17,7 bei p = 0,088 zeigt, wie knapp die Grenze beim Bisphenol A verfehlt wurde.

**Chigrinets et al. 2019, gemeinsame Wirkung auf die DNA-Fragmentierung [s94].** „Риск фрагментации ДНК сперматозоидов у мужчин при совместном воздействии эндокринных дизрапторов“ (Risiko der Spermien-DNA-Fragmentierung bei gemeinsamer Wirkung endokriner Disruptoren), Vestnik Rossiyskoy akademii meditsinskikh nauk. 84 Samenproben (36 Normozoospermie, 48 Pathozoospermie); für den Gruppenvergleich nach DNA-Fragmentierung standen 18 Männer (unter 15 %) und 29 Männer (mindestens 15 %) zur Verfügung; das Missverhältnis wird im Text nicht aufgelöst. Mittleres Alter 30,8 ± 3,9 Jahre, Body-Mass-Index 24,3 ± 2,8 kg/m². Nachweisraten: Bisphenol A 100 %, Triclosan 84,3 %, 4-Nonylphenol 98,1 %; Mediane 0,150 (0,06 bis 0,29), 0,11 (0,05 bis 0,21) und 0,16 (0,06 bis 0,40) ng/ml. Gruppenvergleich nach DNA-Fragmentierung (unter 15 % gegenüber mindestens 15 %): Bisphenol A 0,06 (0,04 bis 0,15) gegenüber 0,18 (0,11 bis 0,31) ng/ml (p = 0,014); Triclosan 0,08 (0,0 bis 0,10) gegenüber 0,19 (0,13 bis 0,32) ng/ml (p < 0,001); 4-Nonylphenol 0,20 (0,10 bis 0,30) gegenüber 0,14 (0,06 bis 0,42) ng/ml (p = 0,900). Multiple logistische Regression (Modell p = 0,005; Nagelkerke-R² 0,387; Treffgenauigkeit 80 %, Sensitivität 62 %, Spezifität 89 %): Triclosan Koeffizient 10,711 (Standardfehler 5,282; p = 0,043; OR je 1 ng/ml 44.824,281; 95-%-KI 1,430 bis 1.405.164.955,017); Bisphenol A 2,754 (p = 0,273; OR 15,710; 95-%-KI 0,114 bis 2.156,712); 4-Nonylphenol -1,373 (p = 0,569; OR 0,253; 95-%-KI 0,002 bis 28,624). Auf einen Anstieg um 0,1 ng/ml umgerechnet erhöht Triclosan die Chance auf eine DNA-Fragmentierung von mindestens 15 % um den Faktor 2,9 (signifikant), Bisphenol A um 1,3 (Intervall schließt 1 ein), und 4-Nonylphenol senkt sie auf 0,87 (Intervall schließt 1 ein). Die Autoren folgern, das Risiko hänge in erster Linie an Triclosan; ein synergistischer Effekt der drei Stoffe sei nicht erkennbar, und dem 4-Nonylphenol wird eine „schützende Rolle“ zugeschrieben, die sie selbst als Annahme formulieren. *Stärken:* mehrfaktorielle Analyse, offene Angabe von Intervallen, Modellgüte, Sensitivität und Spezifität. *Schwächen:* extrem breite Intervalle (die obere Grenze von 1,4 Milliarden ist praktisch unbegrenzt) zeigen, dass das Modell mit etwa 47 Beobachtungen und drei stark korrelierten Prädiktoren instabil ist; wenige Ereignisse je Variable; kein unabhängiger Datensatz; das Bestimmtheitsmaß (0,387) liegt unter der von den Autoren selbst genannten Schwelle von 0,5; Widerspruch zur Synergie-Aussage in [s101]; die „schützende Rolle“ ist bei einem Intervall von 0,002 bis 28,624 nicht belegt.

**Chigrinets et al. 2019, Risiko der Pathozoospermie bei gemeinsamer Exposition [s91].** „[Risk of pathoosophermia in men with joint exposure to endocrine disruptors]“ (Risiko der Pathozoospermie bei gemeinsamer Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren), Urologiia 2019(6):83-86, in PubMed indiziert. 84 Samenproben, Mann-Whitney-Test und multiple logistische Regression. Nachweisraten: Bisphenol A 100 % (Median 0,150 ng/ml), Triclosan 84,3 % (Median 0,11 ng/ml), 4-Nonylphenol 98,1 % (Median 0,16 ng/ml). Die Gruppen unterschieden sich in der Konzentration von Bisphenol A (p < 0,001) und Triclosan (p = 0,018) sowie im DNA-Fragmentierungsindex (p = 0,002). Eine Erhöhung der Bisphenol-A-Konzentration um 0,1 ng/ml erhöhte die Chance auf Pathozoospermie um das 24,9-Fache; Triclosan und 4-Nonylphenol waren im Modell nicht signifikant (das Intervall des Odds Ratio schloss 1 ein). Die Autoren folgern, die Pathozoospermie hänge vor allem mit Bisphenol A zusammen, und es sei kein synergistischer Effekt anzunehmen. Einordnung: Für den Zielparameter „Pathozoospermie“ dominiert Bisphenol A, für „DNA-Fragmentierung von mindestens 15 %“ dominiert Triclosan [s94, s91]; das ist plausibel, wenn die Parameter unterschiedlich zusammenhängen, kann bei so wenigen Beobachtungen aber auch Zufall sein.

**Würdigung der Serie.** Triclosan in der Samenflüssigkeit ist in allen Auswertungen mit höherer Spermien-DNA-Fragmentierung (r = 0,604 in [s93, s92]; r = 0,61 in [s101]) und mit geringerem Anteil normal geformter Spermien (r = -0,420 bis -0,44) assoziiert, kaum aber mit Zahl und Beweglichkeit. Das ist intern konsistent, aber nicht unabhängig, weil die Datensätze überlappen. Es gibt keinen Fragebogen zu Körperpflege, Reinigungsmitteln oder Beruf; eine umgekehrte Verursachung oder Störgrößen durch Lebensstil lassen sich nicht prüfen. Triclosan ist in Zahnpasta, Seife, Deodorants, Kosmetika und Haushaltsreinigern vorhanden (nach Angabe der Autoren), aber die Studien ordnen nicht zu, welche Produkte die Quelle sind. Die Berichtsqualität ist uneinheitlich: Stichprobengrößen von 41, 47, 53 und 84 und unterschiedliche p-Werte für denselben Vergleich (Triclosan, Normo- gegenüber Pathozoospermie: p = 0,033 in [s101], p = 0,045 in [s93] und p = 0,018 in [s91]). Die Autoren schlagen Cut-off-Werte für die klinische Anwendung vor [s102]; das geht über die Datenlage hinaus. Die in einer Einzelmessung der Samenflüssigkeit erfasste Konzentration spiegelt kurzfristige Exposition.

### Triclosan: Zusammenschau der Humanstudien

Die Einzelstudien mit Spermaendpunkten gehen in unterschiedliche Richtungen:

| Studie | Design, Teilnehmer | Befund zu Triclosan |
|---|---|---|
| Zhu 2016 [s123] | Querschnitt, 471, Urin | β = -0,17 (-0,32 bis -0,02) für vorwärtsbewegliche Spermien; Effekte nur im niedrigsten Terzil |
| Jurewicz 2018 [s107] | Querschnitt, 315 (nur Normozoospermie), Urin | mehr abnormale Formen ab dem 50. Perzentil (p = 0,002) |
| Nassan 2019 [s97] | Kohorte, 262 (581 Proben), Urin | -0,96 % Normalformen (-1,57 bis -0,35) bei nachweisbarem Triclosan, kein Dosis-Wirkungs-Trend |
| Smarr 2018 [s112] | Kohorte, 501, Urin | teils positive Assoziationen |
| Yuan 2022 [s72] | Querschnitt, 406, Urin | kein monotoner Trend; höhere Linearität im 2. Terzil |
| Guo 2023 [s59] | Fall-Kontroll, 200, Seminalplasma | OR 2,36 (1,03 bis 5,39), 4. gegenüber 1. Quartil |
| Chen 2013 [s132] | Fall-Kontroll, 1.590, Urin | keine Assoziation mit idiopathischer Infertilität |
| Den Hond 2015 [s125] | Fall-Kontroll, 163, Urin | nicht als Risikofaktor ausgewiesen; Hormonassoziationen |
| Zhu 2022 [s74] | Kohorte, 443 Paare (331 nachverfolgt), Urin | Fekundabilitäts-OR 0,77 (0,62 bis 0,97); Infertilitäts-OR 1,6 (1 bis 2,6) |
| Génard-Walton 2025 [s22] | Kohorte, 420, Urin | negativ assoziiert modellübergreifend; Gesamtmischung nullverträglich |
| Hull 2026 [s09] | Kohorte, 841, mütterliches Blut | keine Assoziation für die nicht-persistente Mischung |
| Chigrinets-Serie [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91] | Querschnitt, 41 bis 84, Seminalplasma | höhere DNA-Fragmentierung und geringere Normalform; überlappende Daten |

Aus dieser Sammlung ergibt sich: schwache negative Assoziationen mit Morphologie, Beweglichkeit oder Bewegungsmuster in mehreren Studien, ein erhöhtes Risiko im obersten Quartil des Seminalplasma-Triclosans in einer kleinen Fall-Kontroll-Studie, eine gegenläufige Assoziation bei Smarr, kein Zusammenhang mit idiopathischer Infertilität in der größten Fall-Kontroll-Studie, eine verminderte Fekundabilität in einer Kohorte und Nullzusammenhänge in der Mischungsstudie zur fetalen Exposition. Die Effekte sind, wo sie auftreten, klein (unter 1,5 Prozentpunkte der Normalformen bei Nassan) und teils nichtmonoton (nur im niedrigsten Terzil bei Zhu). Die Nachweisraten von Triclosan im Urin lagen in den chinesischen Studien zwischen 74,6 % und 96,7 %, bei Jurewicz bei 84,1 %, in der EARTH-Kohorte bei 74 % der Proben. Zu beachten ist, dass die EARTH-Studien [s97, s22] dieselbe Kohorte nutzen und die russischen Studien überlappende Daten. Die Konfidenzintervalle sind in den kleinen Studien am breitesten (Odds Ratio 18,3 mit Intervall 3,4 bis 97,7 bei [s90]; 2,36 mit Intervall 1,03 bis 5,39 bei [s59]); die großen Studien (Chen 2013 mit 1.590, Hull 2026 mit 841) liefern für Triclosan keine Assoziation. Eine Aussage zur Verursachung ist aus den vorliegenden Studien nicht möglich.

### UV-Filter: Studien mit Benzophenon-Biomarkern

**Buck Louis et al. 2015, Kohorte [s124].** 413 Männer (2005 bis 2009); fünf Benzophenon-UV-Filter im Urin (BP-1, BP-2, BP-3, BP-8 und 4-OH-BP; Flüssigchromatografie mit Dreifach-Quadrupol-Massenspektrometrie), 35 Spermienendpunkte; lineare Regression mit Dichotomisierung am 75. Perzentil und Box-Cox-transformierten Endpunkten, adjustiert für Alter, Body-Mass-Index, Cotinin, Jahreszeit und Studienzentrum. BP-2 war mit geringerer Spermienkonzentration (β = -0,74; 95-%-KI -1,41 bis -0,08), geraderer (β = -4,57; -8,95 bis -0,18) und linearer Bewegung (β = -3,15; -6,01 bis -0,30), mehr unreifen Spermien (β = 0,38; 0,15 bis 0,62) und einem verminderten Anteil „anderer Flagellum-Fehlformen“ (β = -0,16; -0,31 bis -0,01) assoziiert. BP-8 war mit verminderter hypoosmotischer Schwellung (β = -2,57; -4,86 bis -0,29) und größerer Akrosomfläche (β = 1,14; 0,01 bis 2,26) assoziiert. Für BP-1, BP-3 und 4-OH-BP ergaben sich keine Assoziationen. Die Autoren sprechen von Hinweisen auf Zusammenhänge mit einzelnen Aspekten, die auf Bestätigung warten. *Stärken:* viele Endpunkte, standardisiertes Protokoll. *Schwächen:* 35 Endpunkte mal fünf Expositionen, also viele Tests ohne im Abstract genannte Mehrfachkorrektur; die Effektrichtungen sind nicht einheitlich (ein Endpunkt, der sich verbessert, andere, die sich verschlechtern); mehrere Konfidenzintervalle berühren fast die Null; ein Teil der Zielgrößen (etwa Akrosomfläche, hypoosmotische Schwellung) ist klinisch schwer einzuordnen. Der Abstract bezeichnet das Design nur als „Cohort“; die Studienpopulation ist nicht näher benannt.

**Adoamnei et al. 2018, Südspanien (Region Murcia), Querschnittsstudie [s100].** 215 Studenten (18 bis 23 Jahre, 2010 bis 2011), die am selben Tag Urin, Blut und Samen abgaben; 97 Prozent hatten mindestens einen der fünf BP-Filter im Urin. Nach Adjustierung für Body-Mass-Index, Rauchen und Zeitpunkt der Blutentnahme waren BP-1 und BP-3 positiv mit FSH assoziiert (β = 0,08; 0,009 bis 0,15 beziehungsweise β = 0,04; 0,0002 bis 0,08), BP-1 positiv mit dem Verhältnis Testosteron zu Östradiol (β = 0,04; 0,002 bis 0,07) und negativ mit dem Verhältnis Inhibin B zu FSH (β = -0,11; -0,21 bis -0,006). **Keine** signifikante Assoziation fand sich zwischen irgendeinem BP-Filter und irgendeinem Spermaparameter. Die Autoren werten die Effekte als klein und von unklarer klinischer Bedeutung. *Stärken:* gleichzeitige Messung von Urin, Blut und Samen an einem Tag; junge gesunde Männer aus der Allgemeinbevölkerung (Studenten). *Schwächen:* Einzelurinprobe; mehrere Hormonquotienten, einige Intervalle mit unterer Grenze nahe Null; Studentenpopulation, also eine eng umrissene Gruppe junger Männer.

**Kiwitt-Cárdenas et al. 2024, Südostspanien, Querschnittsstudie mit Mischungsmodell [s46].** 158 gesunde Studenten; im Urin Bisphenol A, vier Parabene (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butylparaben) und fünf Benzophenone; DNA-Fragmentierungsindex im Chromatin-Dispersionstest; Bayes-Kernel-Maschinenregression. Höheres 4-OH-BP war der wichtigste Beitrag zu einer **negativen** Assoziation der Urinwerte mit dem DNA-Fragmentierungsindex: -5,5 % (95-%-KI -10,7 bis -0,3) beim 50. und -5,4 % (-10,8 bis -0,1) beim 75. Perzentil, also weniger DNA-Fragmentierung. Für die übrigen Stoffe gab es keine signifikanten Assoziationen. Der Befund weist damit nicht in Richtung einer Schädigung; die Autoren betonen kleine Effekte unsicherer klinischer Bedeutung. Die Intervalle berühren nahezu die Null. Ein Zusammenhang mit einem günstigeren Wert ist nicht als „Nutzen“ zu lesen; er zeigt, wie schwankend Einzelbefunde in solchen Studien sind.

**Joensen et al. 2018, Dänemark, Filaggrin-Genotyp [s106].** 65 Träger von Funktionsverlust-Mutationen im Filaggrin-Gen (Hautbarriere) und 130 Nichtträger, junge Männer. Gemessen wurden Urinwerte von Bisphenol A und weiteren Phenolen, Parabenen und UV-Filtern einschließlich der Benzophenone BP-1, BP-3 und 4-HBP; Ergebnisse waren Serumhormone und Samenqualität. Bei Trägern gingen höhere Urinwerte von BPA, BP-1 und BP-3 mit höherem Testosteron und Östradiol und niedrigerem FSH einher; ähnliche Trends bei Trägern mit messbarem 4-HBP; das höchste BPA-Quartil hatte eine geringere Beweglichkeit. Bei den Nichtträgern waren dagegen nachweisbares 4-HBP mit geringerer Beweglichkeit und Konzentration assoziiert, während die Zusammenhänge der Träger dort fehlten. Es gab keine Assoziation mit Parabenen und den übrigen Phenolen oder UV-Filtern. Die Expositionshöhe unterschied sich nach den Autoren zwischen den Gruppen nicht für BPA und 4-HBP, sodass der Unterschied nicht allein durch die Konzentration erklärt wird; sie vermuten, dass der Aufnahmeweg (dermale Aufnahme bei gestörter Hautbarriere) oder Ko-Expositionen die Zusammenhänge verändern. *Schwächen:* kleine Untergruppen, viele Vergleiche; gegenläufige Muster zwischen den Gruppen; die Interpretation über den Aufnahmeweg ist eine Hypothese.

**Holmboe et al. 2022, Kopenhagen, pränatale Exposition [s67].** 101 Männer (18 bis 20 Jahre), deren Mütter in der Schwangerschaft (1997 bis 2001) Serumproben abgegeben hatten (Bisphenol A, sieben weitere Phenole, sechs Benzophenone). Höheres mütterliches BPA und BP-3 waren mit höherem LH assoziiert (BPA, drittes gegenüber erstem Terzil +33 %, 10 bis 62 %; zweites +12 %, -8 bis 36 %; BP-3 zweites +21 %, -2 bis 49 %, drittes +18 %, -4 bis 45 %, also mit Intervallen, die Null einschließen) und mit einem niedrigeren Verhältnis Testosteron zu LH (signifikant nur BPA, p-Trend 0,01). **Keine Assoziationen** zeigten sich mit dem Anogenitalabstand oder mit Markern der Samenqualität. Die Autoren deuten dies als kompensierte verminderte Leydig-Zellfunktion. *Schwächen:* nur 101 Männer, Terzilvergleiche, Zusammenhänge mit Hormonen und nicht mit Spermien; die Aussagekraft einer einzelnen Serumprobe der Mutter ist begrenzt.

**Weitere Studien, die Benzophenone mitmessen.** Gao et al. 2024 [s43] nennen BP-1 unter den Haupttreibern einer verminderten Beweglichkeit in einem Mischungsmodell (siehe oben). Chen et al. 2013 fanden für Benzophenon-3 keinen Zusammenhang mit idiopathischer Infertilität [s132]. Yang et al. 2022 [s71] fanden in einer Expositionsbeschreibung bei chinesischen Männern, dass Benzophenon mit den Phthalaten nicht korrelierte (kein Spermaendpunkt). Zhou et al. 2026 [s16] beschreiben mit Armband-Sammlern (siehe unten), dass häufige Sonnenschutznutzer bis zu 3,1-fach höhere Expositionen gegenüber UV-Filtern hatten; Spermaendpunkte wurden nicht erhoben. Smarr et al. 2018 [s113] maßen Benzophenone im Seminalplasma und fanden für sie keinen vergleichbar konsistenten Befund wie für Phthalate.

**Lücke bei anderen organischen UV-Filtern.** Für Octocrylen, Homosalat, 4-Methylbenzylidencampher und Octinoxat ergab die Recherche in Europe PMC (Suche in Titel und Abstract) keine Humanstudie mit Spermaparametern.

**Einordnung UV-Filter.** Die Studien weisen auf einzelne, teils gegenläufige Assoziationen; die Befunde zu BP-2 und BP-8 [s124] und zu 4-HBP [s106, s46] stützen sich auf Einzelergebnisse unter vielen getesteten. Ein konsistenter Befund über Studien hinweg ist nicht zu erkennen. Bei Buck Louis und bei Adoamnei waren jeweils unterschiedliche Stoffe und unterschiedliche Endpunkte auffällig. Alle Studien sind Querschnitt oder Kohorte mit Einzelmessungen; eine Kausalität kann nicht abgeleitet werden. Eine Studie zur Hautaufnahme beim Menschen (Humanexpositionsstudie mit Sonnenschutzmitteln) wird nur sekundär über [s17] berichtet.

### Parabene und Phthalate als Begleitstoffe in Körperpflegeprodukten

Parabene (Konservierungsmittel in Kosmetika) und Phthalate sind keine der sechs Fragestellungen, aber die Studienlage ist umfangreicher als bei den Kernthemen und liefert Hinweise auf das Methodenproblem insgesamt.

**Shen et al. 2023, Shanghai, Querschnittsstudie [s64].** 795 männliche Partner von Präkonzeptionspaaren; sechs Parabene im Urin (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Benzyl- und Heptylparaben); Mehrfachregression und WQS. Die Paraben-Mischung war mit sinkender Spermienkonzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit assoziiert; Butylparaben war der Hauptbeitrag für Konzentration und Gesamtzahl, Methylparaben für die progressive Beweglichkeit. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht.

**Shen et al. 2024 [s52]** (Ethylparaben mit geringerer Konzentration und Gesamtzahl; siehe oben).

**Okonofua et al. 2024, Nigeria, Fall-Kontroll-Studie [s51].** 136 Männer mit diagnostizierter Infertilität und 154 Kontrollen in fünf Kliniken im Süden Nigerias; Parabene im Urin mit Flüssigchromatografie und Massenspektrometrie. Hohe Paraben-Werte in beiden Gruppen, kein signifikanter Unterschied der Urinwerte zwischen Fällen und Kontrollen. Propylparaben war bei den Fällen signifikant mit geringerer Gesamtmotilität assoziiert, nicht bei den Kontrollen; im ungeadjustierten Modell auch mit geringerer Morphologie bei infertilen Männern. Die Autoren schließen auf Assoziationen mit schlechter Samenqualität; der Befund beruht auf Einzelassoziationen in der Fallgruppe, während die Urinwerte der Gruppen sich nicht unterschieden.

**Li et al. 2026, Wuhan, wiederholte Urinproben [s12].** Männer, die in einer Infertilitätsklinik die Samenqualität bewerten ließen (März bis Juni 2013); zwei Urinproben je Mann, vier Parabene, Spermien-DNA-Schaden und Apoptose; verallgemeinerte lineare Modelle und Bayes-Kernel-Maschinenregression. Je ln-Einheit Butylparaben im Urin stiegen Länge der Kometenspur (TL) und Moment der Spurverteilung (TDM) im Comet-Test (p < 0,01), mit Dosis-Wirkungs-Trend über Quartile; die Assoziationen waren bei Übergewichtigen (Body-Mass-Index über 24 kg/m²) und Jüngeren (unter 30 Jahre) stärker; die Mischungsanalyse zeigte einen positiven Trend für den Anteil PI-positiver Spermien (Membranschäden). Die Fallzahl nennt der Abstract nicht. Zu beachten: „Kometenspur“ bezeichnet die DNA-Migrationsspur im Comet-Test, nicht eine Struktur der Spermien.

**Jurewicz et al. 2017, Querschnittsstudie [s118].** 156 Männer unter 45 Jahren mit normaler Spermienkonzentration (15 bis 300 Millionen je Milliliter) aus einer Infertilitätsklinik; Urin-Parabene mit validierter Gaschromatografie-Methode. Butylparaben war mit XY18-Disomie (p = 0,045), Propylparaben mit Disomie von Chromosom 13 (p = 0,007) assoziiert. Die Autoren betonen, dass dies die erste Studie zu diesem Zusammenhang sei und eine Replikation nötig bleibe.

**Nishihama et al. 2017, Tokio, Querschnittsstudie [s120].** 42 Männer (36,8 ± 5,4 Jahre) aus einer gynäkologischen Klinik; geometrische Mittel im Urin (geometrische Standardabweichung): Methylparaben 48,2 (4,52), Ethylparaben 1,88 (4,72), Propylparaben 1,13 (6,75), Butylparaben 0,184 (11,1) ng/ml. Keine signifikante Assoziation mit Samenparametern in Mehrfach- und logistischen Regressionen; die Autoren nennen die niedrige Exposition und die kleine Stichprobe als mögliche Gründe.

**Yu et al. 2021 [s81] und Dai et al. 2023 [s56], Expositionsmessungen in China.** In Peking wurden Parabene und Metaboliten in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 gesunden Männern gemessen: Die Urinwerte lagen ein bis zwei Größenordnungen über denen in Serum und Seminalplasma; Methyl- und Propylparaben dominierten und korrelierten untereinander. Dai und Kollegen entwickelten eine UPLC-MS/MS-Methode und analysierten 144 Seminalplasmaproben chinesischer Männer: Methyl-, Ethyl-, n-Propylparaben und 4-Hydroxybenzoesäure dominierten; die Autoren schließen, dass Parabene und ihre Metaboliten im männlichen Genitaltrakt weit verbreitet sind. Beide Arbeiten sind reine Expositionsmessungen ohne Spermienendpunkte.

**Einordnung Parabene.** Die Mehrzahl der Studien findet kleine negative Assoziationen bei Butyl-, Methyl- und Ethylparaben [s64, s52, s112, s43], aber nicht einheitlich über die Einzelstoffe; die japanische Studie und die Studie von Joensen fanden keine Zusammenhänge [s120, s106]; Smarr berichtet auch gegenläufige Assoziationen für hydroxylierte Metaboliten [s112]. Die Befunde zu DNA-Schäden und Aneuploidie [s12, s118] stützen sich auf wenige und teils kleine Studien.

### Körperpflegeprodukte insgesamt, Duftstoffe und Phthalate

**Ugelvig Petersen et al. 2020, Dänemark, Querschnittsstudie [s89].** In der Dänischen Nationalen Geburtskohorte beantworteten 1.058 junge Männer (18 bis 21 Jahre) 2017 bis 2019 einen Online-Fragebogen zu 12 Typen von Körperpflegeprodukten und gaben eine Samenprobe ab. Alle nutzten mindestens ein Produkt häufiger als einmal pro Woche; im Mittel wurden 5,3 Produkte genutzt (SD 2,0); 92 Prozent verwendeten wöchentlich parfümierte Produkte. Eine Negative-Binomial-Regression schätzte prozentuale Unterschiede der Spermaparameter zwischen niedriger, mittlerer und hoher Exposition. Es fanden sich kaum Assoziationen zwischen der aggregierten Produktexposition (auch parfümierter Produkte) und Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Volumen, Beweglichkeit oder Morphologie; die Autoren sehen keine Hinweise auf schädliche Wirkungen der aggregierten Exposition. *Stärken:* große Stichprobe junger Männer aus der Allgemeinbevölkerung; objektive Samenparameter. *Schwächen:* Selbstauskunft; keine Messung der Substanzen im Körper; „aggregiert“ mischt Produkte mit sehr unterschiedlicher Aufnahme über die Haut; junge Männer, also eine eng umrissene Altersgruppe. Die Studie ist die einzige, die Duftstoffe über Produktnutzung erfasst; sie stützt keine Aussage zu einzelnen Duftstoffen.

**Zhou et al. 2026, USA, Armband-Sammler in einer Präkonzeptionskohorte [s16].** 132 Frauen und 24 ihrer Partner aus der Studie „Pregnancy Study Online“ (PRESTO), die 2021 Passivsammler-Armbänder trugen (Versand an Teilnehmer in 39 US-Staaten); Analyse mit Thermodesorption, Gaschromatografie und hochauflösender Massenspektrometrie, gezielt und nicht gezielt. Die nicht gezielte Analyse ergab 491 Chemikalien (überwiegend Benzenoide, 36,9 %, und organoheterozyklische Verbindungen, 18,3 %), darunter 107 Hochrisiko-Stoffe mit endokriner Wirkung nach einer Gefahrenbewertung und 47 Verbindungen mit vorhergesagten mittleren bis hohen Auswirkungen auf Fortpflanzungsendpunkte, unter anderem Galaxolid, Salicylate und Phthalate. Die gezielte Analyse quantifizierte 43 Chemikalien mit universeller Exposition gegenüber polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Phthalaten. Häufige Sonnenschutznutzer hatten bis zu 3,1-fach höhere Exposition gegenüber UV-Filtern, Hundehalter 1,2- bis 2,6-fach höhere Exposition gegenüber Duftstoffen. Bei zusammenlebenden Paaren gab es trotz gemeinsamer Umgebung wenig Ähnlichkeit. Es wurden keine Spermaendpunkte erhoben; die Arbeit ist ein Expositionsbeleg dafür, dass Verbraucherprodukte zur Belastung beitragen. *Schwächen:* nur 24 Männer; Armbänder erfassen die Umgebungsluft und nicht die aufgenommene Dosis; die Gefahrenbewertung beruht auf Vorhersagen.

**Johnson et al. 2025, New York, nicht gezielte Analyse des Samens [s25].** 45 Samenproben aus der Allgemeinbevölkerung; Flüssigchromatografie mit hochauflösender Massenspektrometrie; die nicht gezielte Analyse offenbarte 18 Chemikalien, die in Expositionsstudien bisher nicht berichtet worden waren. 3-Hydroxyoctandisäure (ein kosmetischer Zusatzstoff) war bei Fällen höher (p < 0,01) und mit schlechterer Beweglichkeit und Morphologie assoziiert; Dibutylphthalat und 2-Aminophenol waren negativ mit der Beweglichkeit assoziiert, 4-Nitrophenol mit niedriger Morphologie, Palmitinsäure mit niedriger Morphologie und niedrigem Volumen. *Schwächen:* explorativ, nur 45 Proben, keine Adjustierung im Abstract genannt; die Zuordnung der Stoffe zu bestimmten Produkten ist offen; die Autoren sehen in der Summe vieler Substanzen einen möglichen Einfluss auf die Samenqualität.

**Mizuno et al. 2025, Japan, Querschnittsstudie zu Phthalatmischungen [s34].** 197 erwachsene japanische Männer aus Kinderwunschkliniken (2020 und 2021); Urin-Phthalatmetaboliten; Spermavolumen, -zahl, -konzentration und -beweglichkeit; Serumhormone aus Krankenakten; drei Mischungsverfahren (WQS, Quantil-g-Berechnung, BKMR). Höhere Phthalatmischungen waren mit **höherer** Spermienbeweglichkeit assoziiert (Monoethylphthalat als wichtigster Beitrag); keine signifikanten Assoziationen mit Volumen, Zahl oder Konzentration; höhere Mischungen waren mit niedrigerem Serumtestosteron und höherem Prolaktin verbunden; Östradiol, FSH und LH ohne Assoziation. Die Ergebnisse waren über alle drei Methoden konsistent. Der Abstract ordnet Monoethylphthalat nicht Duftstoffen zu; eine Brücke zu Parfüm und Kosmetik wäre eine eigene Annahme. *Schwächen:* Querschnitt, Kinderwunschpopulation, Einzelurinprobe, Hormone aus Krankenakten (uneinheitliche Messung).

**Toshima et al. 2012, Tokio, Pilotstudie [s136].** 42 japanische Partner subfertiler Paare; im Urin Metaboliten von fünf Phthalatdiestern, das Pyrethroid-Abbauprodukt 3-Phenoxybenzoesäure (3-PBA), Sojaisoflavone (Daidzein, Equol) und Cadmium; Spermienkonzentration, -volumen und -beweglichkeit. In der Mehrfachregression erschien für die Konzentration Mono-n-butylphthalat mit **positivem** Beta und Daidzein mit negativem Beta; Kaffeekonsum war negativ, Obstkonsum positiv; für die Beweglichkeit waren 3-PBA, der Nachweis von Equol und Kaffeekonsum negativ, Rauchen positiv. Die Autoren sehen das Pyrethroid und Ernährungsgewohnheiten (Kaffee, Sojaprodukte) als Beitrag zu schlechterer Samenqualität. *Schwächen:* nur 42 Männer, sehr viele Prädiktoren, Pilotcharakter; Duftstoffe oder Kosmetika wurden nicht erhoben. Für die sechs Gruppen ist die Arbeit nur ein Beispiel, wie unterschiedlich Richtungen in kleinen Studien ausfallen können.

**Yang et al. 2022, China, Zusatzstoffe im Urin [s71].** Der Urin einzelner Männer wurde in vier Zeitfenstern gepoolt (Tag 1 bis 15, 16 bis 31, 32 bis 63 und ab Tag 64), um die rund 90 Tage dauernde Spermatogenese abzudecken; 48 typische Zusatzstoffe aus Körperpflege- und Verbraucherprodukten. Hauptkomponentenanalyse, k-Means-Clustering und Spearman-Korrelation ergaben 6 Hauptkomponenten und 4 Cluster; strukturell ähnliche Stoffe (zum Beispiel Phthalate) waren stark korreliert, unähnliche (zum Beispiel Benzophenon) nicht; die Hauptkomponenten hingen mit Lebensstil (Haushaltseinkommen, Teekonsum, Leitungswasser) zusammen. Der Abstract nennt keine Spermienendpunkte; die Arbeit ist eine Expositionsbeschreibung.

**Guo et al. 2023, Wuhan, Frauen unter IVF/ICSI [s58].** Die Studie liegt außerhalb der Fragestellung zur Spermienqualität und steht als Hintergrund. 1.500 Frauen der TREE-Studie (Dezember 2018 bis Januar 2020), Nutzung von Körperpflegeprodukten der letzten drei Monate, Endpunkte der IVF/ICSI-Behandlung. Hautpflege mindestens 14-mal pro Woche war mit einer um 22,4 Prozent niedrigeren Reifungsrate der Eizellen assoziiert (95-%-KI -39,2 % bis -1,6 %); Kosmetika 1- bis 2-mal pro Woche (adjustiertes OR 2,2; 95-%-KI 1,0 bis 4,8) und 3- bis 7-mal pro Woche (adjustiertes OR 2,5; 1,2 bis 5,2) waren mit höherer Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt nach Frischembryotransfer verbunden; Gel oder Seife war in einer Altersuntergruppe mit niedrigerer Teilungsrate verbunden. Eine Aussage zu männlicher Spermienqualität lässt sich daraus nicht ableiten.

### Tätowierungen

**Dornfeldt et al. 2025, Dänemark, Querschnittsstudie [s18].** Es ist die einzige gefundene epidemiologische Studie zu Tätowierungen und Spermaendpunkten. Teilnehmer waren junge Männer (18 bis 21 Jahre) der Dänischen Nationalen Geburtskohorte, rekrutiert 2017 bis 2019, die einen Fragebogen zu Tätowierungen ausfüllten und Samen- und Blutproben abgaben. Von 1.045 Teilnehmern hatten 174 (17 %) mindestens eine Tätowierung; 84 Prozent davon nur in Schwarz; 53 % hatten eine, 21 % zwei und 26 % drei oder mehr Tätowierungen. Negative-Binomial-Regression (prozentuale Unterschiede mit 95-%-Konfidenzintervall zwischen tätowierten und nicht tätowierten Teilnehmern in Samenmerkmalen, Hodenvolumen und Reproduktionshormonen): **keine Assoziation** der Anzahl oder des Farbschemas mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen. Eine Tätowierung war mit einem um 6 Prozent (95-%-KI 0 bis 12) größeren Hodenvolumen verbunden; weil die Teilnehmer das Hodenvolumen selbst maßen, kann dies auf differenzieller Fehlklassifikation beruhen. Rohe und adjustierte Modelle waren vergleichbar. Die Autoren sehen keine Unterstützung für schädliche Assoziationen, betonen aber, dass Details zur Exposition (Tintenmenge, Fläche, Alter der Tätowierung) fehlen und weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung nötig sind, bevor feste Schlüsse gezogen werden können. *Stärken:* über 1.000 Teilnehmer, objektive Samenparameter, Hormone. *Schwächen:* nur 17 Prozent tätowiert, überwiegend schwarz und wenige Tätowierungen; die Exposition wird nur nach Anzahl und Farbe erfasst, nicht nach Fläche, Tintenmenge oder Pigmentart; Selbstauskunft; junge Männer ohne lange Expositionsdauer; ein Querschnitt, der tätowierte Männer nicht vor und nach der Tätowierung vergleicht. Ob sich das Studienkollektiv mit [s89] und [s09] überschneidet, geht aus den Abstracts nicht hervor. Für die Fragestellung gilt: Ein fehlender Zusammenhang in dieser Population (überwiegend schwarz, wenige Motive) belegt weder Unschädlichkeit noch Schädlichkeit größerer, farbiger oder älterer Tätowierungen.

### Haarfärbemittel

Eine Beobachtungsstudie zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern beim Menschen wurde in keinem der durchsuchten Sprachräume gefunden. Die Humanliteratur besteht aus Berufsstudien an Frauen (siehe Übersichten [s126, s142]) und aus einer Produktstudie.

**Mohamed et al. 2026, Sudan (Khartum), Produktanalyse, Biomonitoring-Pilot und Fragebogen [s13].** Elf schwarze Haarfärbemittel wurden mit Flammenatomabsorption auf Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Blei, Mangan und Nickel untersucht; Blutproben von 19 Frauen (Pilotgruppe) und ein validierter arabischer Fragebogen an 312 Personen; Risikoabschätzung für Verbraucher und beruflich Exponierte mit Maßen wie geschätzter täglicher Aufnahme, Gefahrenquotient, Gefahrenindex und Krebsrisiko über die Lebenszeit. Mangan und Blei waren die vorherrschenden Verunreinigungen. Das nichtkanzerogene Risiko blieb für einzelne Produkte unter dem Grenzwert; die berufliche Exposition näherte sich diesem bei bleireichen Produkten. Cadmium zeigte das deutlichste Signal (Lebenszeit-Krebsrisiko über dem üblichen Bereich bei beruflich Exponierten unter den Modellannahmen). Nachweisbares Blutblei trat nur bei Teilnehmerinnen mit mindestens 20 Jahren beruflicher Exposition auf; dies wird als explorativ bezeichnet. Die Studie enthält keine Daten zu Männern oder Spermien; sie ist ein Beleg, dass Haarfärbemittel im arabischen Sprachraum vor allem toxikologisch-regulatorisch untersucht werden. *Schwächen:* elf Produkte, 19 Frauen im Biomonitoring, Modellannahmen, kein Reproduktionsendpunkt.

*Einordnung.* Zum Zusammenhang von Haarfärbemitteln und Spermienqualität beim Menschen gibt es nach der Recherche keine Beobachtungsdaten. Die Datenlage zu Haarfärbemitteln beruht auf Tierversuchen und Laborversuchen an Spermien (siehe das Kapitel zu den experimentellen Studien) sowie auf der unspezifischen Berufsliteratur.

### Reinigungs- und Desinfektionsmittel

Haushaltsreiniger und Waschmittel wurden nicht direkt in Humanstudien mit Spermaendpunkten untersucht. Es gibt drei indirekte Anknüpfungspunkte.

**Lv et al. 2023, China (Changchun), Querschnittsstudie zur Wohnungsrenovierung [s62].** 2.267 infertile Männer eines reproduktionsmedizinischen Zentrums (Juli 2018 bis April 2020) füllten einen Fragebogen aus und gaben eine Samenprobe ab; 523 (23,1 %) hatten in den letzten 24 Monaten eine Renovierung. Die mediane progressive Beweglichkeit lag bei 34,50 %. Der Unterschied der Beweglichkeit zwischen Renovierten und Nichtrenovierten war signifikant (z = -2,114; p = 0,035). Männer, die innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung einzogen, hatten nach Adjustierung für Alter und Karenzzeit ein höheres Risiko einer abnormalen progressiven Beweglichkeit (OR 1,537; 95-%-KI 1,088 bis 2,172). Das ist kein Reinigungsmittel, sondern ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen; der Abstract nennt keine Einzelsubstanz. *Schwächen:* Selbstauskunft, Querschnitt, nur infertile Männer, keine Messung von Substanzen; ein Konfidenzintervall mit unterer Grenze nahe 1. Der Befund betrifft Bau- und Renovierungsmaterialien und ist für Reinigungsmittel nur ein entfernter Hinweis.

**Wang et al. 2018, China (Nanning), Selbstkontrolle bei Samenspendern [s114].** Die Studie „[Povidone-iodine versus the benzethonium chloride wipe for penile skin disinfection before semen collection from sperm donors]“ (Povidon-Iod gegenüber Benzethoniumchlorid-Tuch zur Desinfektion der Penishaut vor der Samengewinnung bei Samenspendern) fragt, ob die Hautdesinfektion vor der Samengewinnung den Ablauf und die Samenqualität beeinflusst. Jeder Spender gab zwei Proben ab, eine mit und eine ohne Hautdesinfektion; Povidon-Iod (PI) wurde von August bis Dezember 2015 verwendet, Benzethoniumchlorid-Tücher (BCW) von Januar bis Juli 2016. Insgesamt 185 Spender (63 PI, 122 BCW; an anderer Stelle im Abstract steht 62 für die PI-Gruppe, eine Unstimmigkeit). Verträglichkeit und Strenge des Verfahrens unterschieden sich zwischen PI und BCW (p < 0,05). Im Vergleich zur Kontrollprobe unterschied sich in der PI-Gruppe der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 % gegenüber 61,45 ± 4,78 %, p < 0,05; die Zuordnung der beiden Werte zu Gruppen nennt der Abstract nicht ausdrücklich); Karenzzeit (4,97 ± 1,79 gegenüber 4,7 ± 0,94 Tage), Volumen (4,11 ± 1,54 gegenüber 4,15 ± 1,61 ml), Konzentration (110 ± 29,6 gegenüber 107,5 ± 31,79 Millionen je ml) und Gesamtzahl (439,10 ± 170,13 gegenüber 434,02 ± 186,91 Millionen je Ejakulat) unterschieden sich nicht. In der BCW-Gruppe gab es bei keinem Parameter einen Unterschied. Unter den Proben mit abnormer Samenqualität hatten in der BCW-Gruppe weniger abnorme progressive Beweglichkeit als in der PI-Gruppe (1,64 % [2/122] gegenüber 9,68 % [6/62]; p < 0,05). Bakterielle Kontamination unterschied sich nicht. Die Autoren schließen, dass PI Samengewinnung und Samenqualität beeinflussen könne, das Benzethoniumchlorid-Tuch nicht. *Stärken:* Selbstkontrolle (jeder Spender ist seine eigene Kontrolle), direkter Spermienendpunkt. *Schwächen:* Die Mittel wurden nacheinander und nicht randomisiert eingesetzt (verschiedene Zeiträume); die Unterschiede der Beweglichkeit sind klein (rund 1,6 Prozentpunkte); es geht um Hautdesinfektion bei Spendern, nicht um Haushaltsreiniger. Benzethoniumchlorid ist eine quartäre Ammoniumverbindung; die Studie ist die einzige gefundene, die ein solches Desinfektionsmittel am Menschen mit Samenparametern prüft, und fand keinen Unterschied.

**Alkylphenole bei idiopathisch infertilen Männern [s132]** (siehe oben unter Triclosan): 4-t-OP, 4-n-OP und 4-n-NP waren mit idiopathischer Infertilität assoziiert. Ob die Quelle Tenside aus Reinigungsmitteln ist, wird nicht untersucht.

**Russische Studien zu Waschmitteln [s31, s99].** Beide Arbeiten verwenden bewegliche Rinderspermien als standardisierte Testzellen für die Toxizität von Haushaltsprodukten und messen keine Spermienqualität beim Menschen; sie gehören deshalb nicht zur Humanliteratur und werden im Kapitel zu Laborstudien behandelt. Auch eine Mäusestudie mit Geschirrspülmittel erfasste nur das Hodengewicht [s105].

*Einordnung.* Für Haushaltsreiniger und Waschmittel liegt keine Beobachtungsstudie am Menschen mit Spermaendpunkten vor; die einzige Studie mit einer quartären Ammoniumverbindung am Menschen ist eine Spenderstudie zur Hautdesinfektion ohne Befund in der betreffenden Gruppe [s114].

### Zusammenschau der Beobachtungsstudien

| Exposition | Humane Beobachtungsstudien mit Spermaendpunkten | Richtung der Befunde |
|---|---|---|
| Triclosan | elf Studien außerhalb der russischen Serie sowie sieben überlappende russische Berichte (siehe Tabelle oben); Metaanalyse mit 5 Studien [s38] | uneinheitlich: schwache negative Assoziationen (Morphologie, Beweglichkeit), eine positive, größte Fall-Kontroll-Studie ohne Befund, Fekundabilität vermindert in einer Kohorte |
| UV-Filter (Benzophenone) | 5 Studien [s124, s100, s46, s106, s67] sowie Mischungsmodell [s43] | einzelne, teils gegenläufige Assoziationen (BP-2, BP-8, 4-HBP); keine in der größten Studie junger Männer ohne Spermabefund [s100] |
| Parabene | mindestens 8 Studien [s112, s52, s64, s51, s12, s118, s120, s106] | überwiegend kleine negative Assoziationen; nicht einheitlich |
| Körperpflege insgesamt, Duftstoffe | 1 Querschnittsstudie [s89] | kaum Assoziationen |
| Tätowierungen | 1 Querschnittsstudie [s18] | keine Assoziation |
| Haarfärbemittel | keine | nicht beurteilbar |
| Reinigungsmittel | keine direkte; Renovierung [s62], Hautdesinfektion [s114] | nicht beurteilbar |

Folgende Punkte prägen die Einordnung. Erstens überlappen mehrere Studien in den Daten (EARTH [s97, s22], die Paarkohorte von Smarr [s112, s113], die russische Serie sowie die dänischen Geburtskohorten [s09, s89, s18], bei denen die Abstracts offenlassen, ob sich die Teilnehmer überlappen), sodass die Zahl der Veröffentlichungen die Zahl der unabhängigen Belege überschätzt. Zweitens stammen die Ergebnisse aus wenigen Bevölkerungen, vor allem aus China, Dänemark, den USA und Spanien, und sind auf Länder mit anderem Gebrauch von Triclosan oder UV-Filtern nur eingeschränkt übertragbar. Drittens beruhen sie meist auf Einzelmessungen kurzlebiger Substanzen in Urin oder Samenplasma. Viertens zeigen sich Effekte, wo sie auftreten, in kleinen Größenordnungen und häufig nur bei einzelnen von vielen getesteten Parametern; Mehrfachvergleiche sind in den Abstracts selten adressiert. Fünftens sind die Richtungen der Befunde nicht einheitlich, teils auch gegenläufig. Sechstens fehlen Humanstudien zu Haarfärbemitteln, Reinigungsmitteln und einzelnen Duftstoffen vollständig; hier liegen nur Tier- und Laborstudien vor, die in einem eigenen Kapitel betrachtet werden und deren Dosierungen und Expositionswege sich von der Anwendung beim Menschen unterscheiden. Siebtens lässt kein Studiendesign dieses Kapitels eine Aussage zur Verursachung zu. Die Evidenz stützt damit die Aussage, dass die untersuchten Alltagsprodukte bisher nicht als gesicherte Einflussfaktoren auf die Spermienqualität gelten können; sie schließt kleine Effekte, die in den bisherigen Studien nicht erfasst wurden, nicht aus. Eine Empfehlung leitet dieses Kapitel daraus nicht ab.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Lesehilfe und Evidenzbasis

Dieses Kapitel geht die Arbeiten einzeln durch. Die Reihenfolge folgt der Stärke der Evidenz: zuerst Leitlinien und Übersichten, dann die Stoffgruppen mit Humandaten (Triclosan, UV-Filter, Parabene, Körperpflegeprodukte), schließlich die Gruppen, für die es nur Tierversuche und Zellversuche gibt (Haarfärbemittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe). Tätowierungen stehen dazwischen, weil dort genau eine Humanstudie vorliegt.

Drei Vorbemerkungen gelten für alles Weitere.

Erstens stützen sich die Zahlen überwiegend auf Zusammenfassungen (Abstracts), nicht auf vollständige Artikel. Wo Gruppengrößen, Konfidenzintervalle oder Dosen fehlen, steht das ausdrücklich dabei und wird nicht ergänzt. Die Beurteilung von Stärken und Schwächen beruht zum Teil auf der Studienanlage (Querschnitt, Einzelurinprobe, Kliniksample) und nicht auf Angaben der Autorinnen und Autoren.

Zweitens bedeutet „Assoziation" einen statistischen Zusammenhang, keine nachgewiesene Verursachung. Fast alle Humanstudien messen einen Stoff oder seine Abbauprodukte einmalig im Urin oder in der Samenflüssigkeit und setzen den Wert zu Spermaparametern nach WHO-Standard in Beziehung. Solche Momentaufnahmen kurzlebiger Stoffe sagen wenig über die Exposition in den rund drei Monaten aus, in denen Spermien entstehen [s71].

Drittens sind viele Studien nicht unabhängig voneinander. Die Arbeiten von Nassan 2019 und Génard-Walton 2025 stammen aus derselben US-Kohorte (EARTH) [s97, s22]; die sieben russischen Humanarbeiten zu Triclosan in der Samenflüssigkeit stammen von einer Arbeitsgruppe und überlappen sehr wahrscheinlich in ihren Proben [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91]; die dänischen Arbeiten zu Tätowierungen und Körperpflegeprodukten stammen aus derselben Geburtskohorte [s18, s89]. Die Zahl der Treffer ist deshalb größer als die Zahl unabhängiger Belege.

### Leitlinien

**AUA/ASRM-Leitlinie zur männlichen Infertilität (USA).** Die Leitlinie der American Urological Association und der American Society for Reproductive Medicine wurde als Webtext ausgewertet [s39]. Statement 8 lautet im Wortlaut: „Clinicians may discuss risk factors (i.e., lifestyle, medication usage, environmental exposures, occupational exposures) associated with male infertility, and counsel the patients that the current data on the majority of risk factors are limited." Die Einstufung ist eine bedingte Empfehlung (Conditional Recommendation) mit Evidenzgrad C. In der Diskussion heißt es, die Daten seien begrenzt, weil sich einzelne Faktoren schwer isolieren ließen und die meisten Studien Störgrößen nicht ausreichend kontrollierten; systematische Übersichten seien meist nicht schlüssig. Zu Stoffgruppen steht dort: „Inconclusive evidence was found for benzophenones, bisphenol A (BPA), chlorinated antimicrobial agents, parabens, and air pollution." Für einige Schwermetalle und Pestizide sei die Evidenz schlüssig, für das Phthalat DEHP gebe es einen möglichen Zusammenhang mit männlicher Infertilität. Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierungen und Reinigungsmittel werden im abgerufenen Text nicht gesondert genannt; eine Textsuche nach „triclosan", „hair dye", „tattoo", „detergent" und „fragrance" blieb ohne Treffer, „cosmetics" kommt einmal im Zusammenhang mit Blei vor [s39]. Die Aktualisierung 2024 betrifft nach ihrer Zusammenfassung Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Becken-MRT und testikuläre Spermien, nicht Umweltexpositionen; sie stützt sich auf 22 Studien [s41].

Inhaltlich sagt die AUA/ASRM-Leitlinie damit zu den hier behandelten Stoffen: keine eigene Bewertung für Triclosan, Farben, Tätowierungen und Reinigungsmittel, „nicht schlüssig" für Benzophenone, chlorierte antimikrobielle Stoffe und Parabene (ob die Leitlinie unter den chlorierten antimikrobiellen Stoffen Triclosan meint, geht aus dem abgerufenen Text nicht hervor). Das ist eine Aussage über die Datenlage, keine Entwarnung.

**EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Europa).** Der Webtext des Kapitels wurde ausgewertet [s19]. Er nennt endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen, bisher unerkannten Ursachen idiopathischer männlicher Infertilität. „Exposure to environmental toxins" steht in der Liste der typischen Anamnesebefunde. Oxidativer Stress sei in der Regel mit schlechtem Lebensstil und Umweltexposition verbunden; Antioxidanzien- und Lebensstilinterventionen könnten das Risiko einer DNA-Fragmentierung senken, was aber durch randomisierte Studien nicht gestützt sei. Endokrin wirksame Chemikalien würden mit sexueller Dysfunktion und abnormalen Spermaparametern in Verbindung gebracht. Die Begriffe Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierung, Reinigungsmittel, Duftstoffe und Kosmetika tauchen im extrahierten Kapiteltext nicht auf; UV-Filter wurden nicht gesondert gesucht [s19]. Die Zusammenfassung 2025 in der Fachzeitschrift nennt als Themen Exomsequenzierung, Probiotika und Diagnostik [s33].

**WHO-Leitlinie 2025 und ihre Vergleiche.** Zwei Übersichtsarbeiten beschreiben die WHO-Leitlinie als Public-Health-Ansatz mit Betonung von Prävention und standardisierter Spermaanalyse; genannt werden Empfehlungen und Good-Practice-Statements zu Lebensstilrisiken, sexuell übertragbaren Infektionen, Antioxidanzien-Gabe und Varikozele-Reparatur. Die Abstracts nennen die hier untersuchten Expositionen nicht. Der Vergleich beschreibt ESHRE und NICE als eher paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Wege [s01, s06]. Die ESHRE-Leitlinie selbst wurde nicht abgerufen; von der ESHRE-Seite liegt nur die Titelliste vor (darunter „Unexplained infertility 2023"), sodass über ihren Inhalt zu den Stoffen hier nichts gesagt werden kann.

**AFU/SALF-Empfehlungen 2021 (Frankreich).** Die französischen Fachgesellschaften empfehlen für die Abklärung infertiler Männer eine systematische Anamnese (unter anderem persönliche Vorgeschichte, Lebensgewohnheiten, Behandlungen), Spermaanalysen nach WHO, Hodensonographie, Hormonstatus (Testosteron, FSH), einen Karyotyp bei einer Konzentration von höchstens 10 Mio/ml und einen Test auf Yq-Mikrodeletionen bei höchstens 1 Mio/ml. Umweltchemikalien oder Kosmetika nennt die Zusammenfassung nicht [s79].

**Deutschsprachige Leitlinien.** In der Recherche wurde keine deutschsprachige Leitlinie gefunden, die die sechs Stoffgruppen im Zusammenhang mit der Spermienqualität bewertet. Das Register der AWMF lieferte beim Abruf nur ein leeres Gerüst und blieb deshalb unausgewertet. Eine MAK-Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Benzophenon-3 aus dem Jahr 2026 erscheint in Europe PMC ohne Abstract; ob sie reproduktionstoxikologische Daten enthält, ist offen, sie wurde nicht gesichtet.

**Cochrane-Review zur präkonzeptionellen Lebensstilberatung.** Der nächstliegende Cochrane-Review (2021) bezieht sich auf Lebensstilberatung bei Infertilität und umfasst sieben randomisierte Studien mit 2.130 Teilnehmenden; nur eine schloss männliche Partner ein, die Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig, und es geht um Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht um Kosmetika oder Reinigungsmittel [s77]. Ein Cochrane-Review zu den hier untersuchten Expositionen und Spermaparametern wurde nicht gefunden.

**Französische und italienische Übersichten.** Mehrere Übersichten aus Frankreich, Belgien und Italien stellen die Hypothese endokriner Disruptoren für die männliche Fertilität dar, ohne eigene Daten zu den sechs Stoffgruppen. Eine Übersicht von 2006 nennt Kosmetika und Haushaltsprodukte als Quellen und beschreibt Mechanismen wie epigenetische Weitergabe, programmierten Zelltod von Hodenzellen und veränderte androgene Signale [s144]; eine belgische Übersicht von 2012 verweist auf Stoffe, die mit verminderter Spermaqualität und dem testikulären Dysgenesie-Syndrom verbunden werden [s134]; eine Abschlussarbeit von 2011 stellt fest, dass keine Studie die Wirkungen beim Menschen in Umweltdosen belege, und verweist auf das Vorsorgeprinzip [s139]; ein Überblick von 2022 stellt die Endokrindisruptor-These dar [s66]; eine Arbeit von 2021 gibt eine Bestandsaufnahme für Luxemburg [s78]. Eine italienische Übersicht aus der Arbeitsmedizin (2007) bringt endokrine Disruptoren aus Kunststoffen, Reinigungsmitteln, Tensiden und Pestiziden mit Oligospermie, veränderten Spermaeigenschaften und testikulärer Atrophie in Verbindung, liefert keine Zahlen und hält fest, dass über Effekte bei niedriger Exposition kein Konsens bestehe [s143]. Diese Arbeiten sind Meinungs- und Übersichtstexte; sie liefern keine zusätzliche Evidenz.

### Systematische Übersichten und Metaanalysen

**Adegbola et al. 2024, Metaanalyse zu Triclosan.** Systematische Übersicht mit Metaanalyse, bei PROSPERO registriert (CRD42024524192) und nach PRISMA durchgeführt. Von 562 gesichteten Treffern gingen fünf Artikel mit zusammen 1.312 Männern ein (drei aus China, einer aus Belgien, einer aus Polen; Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien). Gepoolt sank die Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, -0,42; 95-%-Konfidenzintervall -0,75 bis -0,10; p = 0,01) und die Gesamtbeweglichkeit (SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; p = 0,008). Der Volltext ergänzt weitere Zielgrößen: das Ejakulatvolumen stieg (SMD +0,24; 0,04 bis 0,45; p = 0,02; zwei Studien), Spermienzahl (p = 0,39) und progressive Beweglichkeit (p = 0,05) waren nicht eindeutig. Die Heterogenität lag zwischen I² = 88 und 100 %. In der Sensitivitätsanalyse blieb der Effekt auf die Konzentration bestehen (SMD -0,74; p = 0,0006), verschwand aber bei der Gesamtbeweglichkeit (SMD -1,63; p = 0,12). Methodische Besonderheit: Die Autoren verglichen exponierte Männer mit WHO-Referenzwerten als „Kontrollen" statt mit internen unexponierten Gruppen. Die Trichterdiagramme deuteten bei Zahl, Konzentration und progressiver Beweglichkeit auf Asymmetrie und damit mögliche Publikationsverzerrung. Die Autoren selbst benennen die hohe Heterogenität als Grund für den Bedarf an weiterer Forschung [s38]. Die Arbeit enthält die einzige quantitative Zusammenfassung zu Triclosan; sie ist aber statistisch kaum belastbar, und die drei chinesischen Einzelstudien stehen ohnehin auch in diesem Kapitel [s123, s72, s59].

**Daza-Rodríguez et al. 2023, systematische Übersicht zu Triclosan und Infertilität.** Suche in MEDLINE und ScienceDirect, Qualitätsbewertung nach JBI-Checklisten, zwei unabhängige Gutachter, narrative Synthese. Die Autoren sehen die Evidenz zum Zusammenhang von Triclosan und Infertilität beim Menschen als lückenhaft; insgesamt sei kein Zusammenhang mit Infertilität gefunden worden, aber Spermaqualität und ovarielle Reserve erschienen empfindlich gegenüber Triclosan. Die Zahl der Studien nennt das Abstract nicht [s57].

**Duret 2017, Abschlussarbeit (französisch).** Systematische Übersicht zu Triclosan als endokrinem Disruptor beim Menschen: von 182 Referenzen blieben 15 (8 In-vitro-Studien, 2 klinische Studien, 3 Querschnittsstudien, 2 Fall-Kontroll-Studien). Die epidemiologischen Studien zur Schilddrüsen- und männlichen Fortpflanzungsfunktion berichteten laut Abstract keine schädliche Wirkung, seien aber begrenzt und unzureichend. Als Abschlussarbeit ist sie nicht begutachtet [s117].

**Zamkowska et al. 2018, Übersicht zu nicht-persistenten endokrinen Disruptoren.** Systematische Suche bis 31.08.2016; von 970 Referenzen gingen 45 Artikel zu Bisphenol A, Triclosan, Parabenen, Pyrethroiden, Organophosphaten und Phthalaten ein. Die Autoren sehen Evidenz, dass diese Expositionen die Spermaqualität beeinträchtigen können. Einschränkung: nur englischsprachige Arbeiten ab 2006 (Phthalate ab 2009), damit älter als die neueren Triclosan-Studien [s115].

**Hipwell et al. 2019, Übersicht zur Fekundabilität.** Systematische Übersicht (PROSPERO CRD42018084304) zu nicht-persistenten Chemikalien in Verbrauchsprodukten und der Zeit bis zur Schwangerschaft: 3.456 Treffer, 15 Arbeiten aus 12 Studien, davon acht mit Biomarkern; wegen der Verschiedenheit der Expositionserfassung keine Metaanalyse. Für Bisphenol A, Triclocarban und Triclosan fanden sich „kaum bis keine Hinweise" auf einen Zusammenhang; vorläufig gestützt wurde ein Zusammenhang männlicher Benzophenon-Exposition mit längerer Zeit bis zur Schwangerschaft. Die Ergebnisse seien uneinheitlich, die Evidenz begrenzt [s95]. Die Kohorte von Zhu 2022 erschien danach.

**Jaskulak et al. 2025, systematische Übersicht zu UV-Filtern.** PRISMA, 75 Studien (2014 bis 2024). Nach den Autoren seien Benzophenone bei Männern mit verminderter Spermaqualität und Motilität assoziiert; weitere Befunde betreffen Testosteron bei Jugendlichen, Schilddrüsenhormone und Pubertätsentwicklung. Effektgrößen nennt der Abstract nicht [s24]. Gemessen an den Einzelstudien (eine ohne Spermabefund [s100], eine mit gemischten Befunden [s124]) ist die Pauschalaussage nur schwach gestützt, soweit sich das aus den Abstracts beurteilen lässt.

**Dhar et al. 2026, Übersicht zu Phthalaten.** Systematische Übersicht (SWiM, ROBINS-E) mit 38 Studien (2014 bis Oktober 2024): hohe Exposition gegenüber MEHP, DEHP und DBP war mit geringerer Konzentration, Motilität und allgemeiner Spermaqualität assoziiert; die Sicherheit der Evidenz wird als „niedrig bis moderat" eingestuft. Phthalate kommen in Duftstoffen und Kosmetika vor, die Übersicht betrachtet aber Phthalate insgesamt [s03].

**Wang et al. 2026, Umbrella-Review.** 43 Studien, 67 Risikofaktoren, 249 Effektgrößen; nach GRADE waren 136 (54,6 %) als „sehr niedrig", 59 (23,7 %) als „niedrig" und 54 (21,7 %) als „moderat" eingestuft. Schwefelkohlenstoff, Organophosphate und Blei waren mit verminderter Spermaqualität assoziiert; Parabene, Triclosan oder UV-Filter werden im Abstract nicht genannt [s15].

**Weitere Übersichten.** Tzouma et al. 2025 (14 Beobachtungsstudien, 2014 bis 2024) sehen endokrine Disruptoren einschließlich Parabenen mit eingeschränkter Spermaqualität assoziiert, methodisch heterogen [s35]. Han et al. 2026 fassen zusammen, dass Phthalate mit Schwangerschaftsausgängen assoziiert seien, Bisphenol A und Parabene kaum, Benzophenone begrenzt und nicht eindeutig [s08]. Bonde et al. 2016 (33 Arbeiten, 28 Populationen): Gesamt-Odds-Ratio über alle Expositionen und Endpunkte 1,11 (95-%-KI 0,91 bis 1,35), für p,p'-DDE 1,35 (1,04 bis 1,74), mit Datenlücke bei Spermaqualität und rasch metabolisierten Stoffen [s121]. Rahban und Nef 2020 geben einen Überblick über regionale Unterschiede der Spermaqualität junger Männer in Europa und beziehen endokrine Disruptoren ein [s88]. Alblooshi 2025 (narrativ) und Lasaneya et al. 2025 (narrativ) nennen Phthalate, Parabene und UV-Filter als mögliche Ursachen schlechter Spermaqualität, betonen aber, dass kaum Forschung zu kosmetischen Disruptoren vorliege und kumulative Effekte kaum verstanden seien [s17, s28]. Eine türkische Übersicht zu Kosmetikchemikalien in der Schwangerschaft rät, alle Kosmetika bis zum Beweis der Unbedenklichkeit mit Vorsicht zu behandeln; Daten zur männlichen Fruchtbarkeit enthält sie nicht und ist als Meinungsäußerung zu werten [s86]. Eine japanische Übersicht zur Reproduktionstoxikologie hält fest, dass aus einem Sicherheitsdatenblatt oft nicht hervorgehe, ob ein Produkt keine Reproduktionstoxizität hat oder ob Daten fehlen [s108].

**Berufsstudien Friseurhandwerk.** Henrotin et al. 2015 (Metaanalyse, 19 Studien, Friseurinnen und Kosmetikerinnen) fanden kombinierte Risikoverhältnisse von 1,11 (1,03 bis 1,19) für die Zeit bis zur Schwangerschaft, 1,05 (0,99 bis 1,11) für Frühgeburt, 1,24 (1,10 bis 1,41) für ein zu geringes Gestationsalter, 1,21 (1,06 bis 1,39) für niedriges Geburtsgewicht und 1,19 (1,03 bis 1,38) für Embryo- und Fetalverluste; die Autoren sprechen von einer schwachen Risikoerhöhung bei geringer Evidenz ohne Kausalitätsnachweis [s126]. Peters et al. 2010 (zwei Übersichten und 26 Originalstudien) fanden uneinheitliche Ergebnisse; Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen im Friseurberuf seien nicht auszuschließen, die Evidenz gering [s142]. Beide Arbeiten betreffen Frauen und Schwangerschaftsausgänge. Spermaparameter männlicher Friseure werden in den Abstracts nicht berichtet; sie sind für die Fragestellung dieser Studie nur ein Randhinweis.

### Triclosan: Humanstudien

Triclosan ist die am besten untersuchte Substanz des Themenfelds. Es liegen mehrere Querschnittsstudien, drei Kohorten mit Spermaparametern (zwei davon aus der EARTH-Kohorte), Fall-Kontroll-Studien, eine Kohorte mit Fekundabilität und die oben beschriebene Metaanalyse vor. Die Einzelstudien gehen in unterschiedliche Richtungen.

**Zhu et al. 2016, Shanghai.** Querschnittsstudie mit 471 Männern einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit (mittleres Alter 31 Jahre, mittlerer BMI 24,0 kg/m²). Triclosan im Urin war in 96,7 % der Proben nachweisbar, Median 0,97 ng/mg Kreatinin (Interquartilsabstand 0,41 bis 2,95). Nach WHO-Referenzwerten (2010) hatten 27 Männer (5,7 %) eine Spermienzahl unter 39 Millionen, 21 (4,5 %) eine Konzentration unter 15 Mio/ml und 126 (26,8 %) einen Anteil vorwärts beweglicher Spermien unter 32 %. In der linearen Mehrfachregression war ln-Triclosan invers mit der Zahl vorwärts beweglicher Spermien assoziiert (adjustiertes β = -0,17; 95-%-KI -0,32 bis -0,02). Im niedrigsten Triclosan-Terzil waren die Zusammenhänge deutlicher: Konzentration β = -0,21 (-0,41 bis -0,01), Gesamtzahl β = -0,25 (-0,48 bis -0,02), vorwärts bewegliche Spermien β = -0,35 (-0,68 bis -0,03), Anteil normal geformter Spermien β = -1,64 (-3,05 bis -0,23), Zahl normal geformter Spermien β = -0,48 (-0,80 bis -0,16). Im mittleren und hohen Terzil war nichts signifikant; die Glättungskurven zeigten Abfall bei niedrigen und fast unveränderte Werte bei höheren Triclosan-Konzentrationen. Die Autoren sprechen von einem bescheidenen Effekt im umweltrelevanten Bereich. Schwächen: eine Einzelurinprobe, Kliniksample, Mehrfachvergleiche und ein nicht-monotones Muster, das gegen eine einfache Dosis-Wirkung spricht. Die Studie vermerkt außerdem, dass Triclosan-Werte in China im Vergleich zu Europa und Nordamerika niedrig seien (Belgien geometrisches Mittel 2 bis 3 µg/l, Spanien 6,1 µg/l, USA 13 µg/l, Kanada 12,3 µg/l) [s123].

**Yuan et al. 2022, Shenzhen.** Querschnittsstudie mit 406 Männern einer Reproduktionsklinik; Urin-Triclosan per UHPLC-MS/MS, nachweisbar in 74,6 % der Proben; 16 Spermaparameter nach WHO. Weder Terzile noch kontinuierliche Triclosan-Werte zeigten einen monotonen Trend mit irgendeinem Parameter (p > 0,05). Im zweiten gegenüber dem ersten Terzil waren Linearität und „Wobble" der Spermienbewegung signifikant höher (p < 0,05). Restricted-Cubic-Spline-Modelle zeigten keine signifikante Nichtlinearität, und die Terzile waren nicht mit dem Risiko abnormer Zahl oder Beweglichkeit assoziiert. Schlussfolgerung der Autoren: geringe oder keine Wirkung niedriger Triclosan-Exposition auf die Samenqualität. Stärken: viele Parameter, Prüfung auf Nichtlinearität. Schwächen: Querschnitt, Einzelurinprobe, Kliniksample, 16 Parameter [s72]. Das Ergebnis steht in teilweisem Gegensatz zu Zhu 2016 [s72, s123].

**Nassan et al. 2019, EARTH-Kohorte (USA).** 262 Männer, 581 gepaarte Urin-Sperma-Proben (2009 bis 2017), lineare gemischte Modelle, adjustiert unter anderem für Alter, BMI, Rauchen, körperliche Aktivität, Abstinenzzeit und Jahreszeit; mittleres Alter 36,6 Jahre; 74 % der Proben mit nachweisbarem Triclosan (über 2,3 µg/l). Kein signifikanter Dosis-Wirkungs-Trend. Verglichen mit nicht nachweisbarem Triclosan hatten Männer im zweiten, dritten und vierten Quartil -1,32 % (95-%-KI -2,04 bis -0,59), -0,91 % (-1,63 bis -0,18) bzw. -0,46 % (-1,25 bis 0,33) weniger morphologisch normale Spermien; bei nachweisbarem Triclosan insgesamt -0,96 % (-1,57 bis -0,35). Der Zusammenhang war stärker bei Proben vor 2013, als Triclosan häufiger nachweisbar war. Die Effekte sind klein (Prozentpunkte der normal geformten Spermien, unter 1,5), das Quartilsmuster ist nicht dosisabhängig [s97].

**Smarr et al. 2018, Paare mit Kinderwunsch (USA).** 501 männliche Partner; Urinbiomarker von Parabenen, Triclosan und Triclocarban, zwei frische Samenproben je Mann, lineare gemischte Modelle (adjustiert für Kreatinin, Ethnie, Alter, BMI). Methyl-, Ethyl- und Butylparaben waren mit geringerer Spermienzahl und mehreren Motilitätsparametern assoziiert; hydroxylierte Paraben-Metaboliten und Triclosan waren dagegen signifikant positiv mit ausgewählten Spermaparametern assoziiert. Effektgrößen enthält das Abstract nicht. Für Triclosan ist das ein Hinweis auf eine gegenläufige Assoziation [s112].

**Guo et al. 2023, Fall-Kontroll-Studie (Seminalplasma), Shijiazhuang.** 100 Männer mit geringer Spermaqualität und 100 Kontrollen (2018 bis 2019); Triclosan im Seminalplasma per UPLC-MS/MS; logistische Regression, adjustiert für Alter, BMI, Abstinenzzeit, Rauchen und Alkohol. Die Konzentration war bei Fällen leicht, aber nicht signifikant höher (Mittelwert ± SD laut Volltext der Metaanalyse 4,0 ± 9,5 gegenüber 2,6 ± 11,9 µg/l bei Kontrollen). Im vierten Quartil war das Risiko geringer Spermaqualität erhöht (adjustiertes OR 2,36; 95-%-KI 1,03 bis 5,39) gegenüber dem ersten. Stärke: Messung am Zielort. Schwächen: nur 200 Teilnehmer, untere Grenze des Konfidenzintervalls knapp über 1, Fälle und Kontrollen aus derselben Klinik [s59, s38].

**Jurewicz et al. 2018 (Polen).** 315 Männer unter 45 Jahren aus einer Klinik, nur mit normaler Spermienkonzentration (mindestens 15 Mio/ml); Urin-Triclosan per GC-MS/MS nachweisbar in 84,13 %, Median 2,83 µg/l. Lineare Regression: Triclosan-Konzentrationen oberhalb des 50. Perzentils waren mit einem höheren Anteil morphologisch abnormaler Spermien assoziiert (p = 0,016 bzw. p = 0,002 je nach Vergleich). Schwäche: Einschluss nur normozoosperme Männer (eingeschränkter Wertebereich), daher nicht auf subfertile Männer übertragbar [s107].

**Den Hond et al. 2015 (Belgien).** Fall-Kontroll-Studie in vier Kinderwunschkliniken mit 163 Männern; Fälle waren definiert über eine Gesamtbeweglichkeitszahl unter 20 Mio bei beiden Proben. Gemessen wurden unter anderem Dioxine, PCB, Pestizide, Flammschutzmittel, Bisphenol A, Triclosan, perfluorierte Verbindungen und Phthalate. Für Triclosan nennt das Abstract nur, dass Urinwerte von Phthalaten und Triclosan negativ mit Inhibin B und positiv mit LH assoziiert waren. Das Subfertilitätsrisiko stieg mit Oxychlordan (OR 1,98; 1,07 bis 3,69 je Interquartilsabstand) und mit BDE209 oberhalb der Bestimmungsgrenze (OR 7,22; 1,03 bis 50,6); Triclosan wurde nicht als Risikofaktor für Subfertilität ausgewiesen [s125].

**Chen et al. 2013, Nanjing.** Die größte Fall-Kontroll-Studie des Themas: 877 idiopathisch infertile Männer und 713 fertile Kontrollen; im Urin sieben Phenole (Bisphenol A, Benzophenon-3, Pentachlorphenol, Triclosan, 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol, 4-n-Nonylphenol). Nach Adjustierung waren 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol mit idiopathischer Infertilität assoziiert (p für Trend < 0,0001, 0,014 bzw. 0,001); für Bisphenol A, Benzophenon-3, Pentachlorphenol und Triclosan fand sich kein Zusammenhang. Das Abstract nennt keine Odds Ratios [s132]. Für Triclosan und Benzophenon-3 ist dies eine Nullassoziation bei 1.590 Männern.

**Zhu et al. 2022, prospektive Kohorte (Fekundabilität), Shanghai.** 443 Paare aus Präkonzeptionskliniken, 331 (74,7 %) wurden nach zwölf Monaten nachverfolgt; Triclosan im Urin der Männer. Höheres Triclosan war mit verminderter Fekundabilität assoziiert (Fekundabilitäts-OR 0,77; 95-%-KI 0,62 bis 0,97); das Infertilitätsrisiko stieg (OR 1,6; 1,0 bis 2,6) mit angedeutetem Dosis-Wirkungs-Muster über Terzile. Der Endpunkt Schwangerschaft liegt klinisch am nächsten, aber das Konfidenzintervall der Infertilitäts-OR berührt 1, und die Triclosan-Messung erfolgte einmal bei Einschluss [s74].

**Génard-Walton et al. 2025, EARTH-Mischungsmodelle.** 420 Männer (18 bis 55 Jahre), 24 Biomarker (Bisphenol A, vier Parabene, Triclosan, 17 Phthalat-Metaboliten, Haarquecksilber), vier Mischungsmodelle. Quecksilber war positiv, Triclosan negativ mit allen Spermaergebnissen außer dem Volumen assoziiert. Für die Gesamtmischung (10. bis 90. Perzentil) im BKMR-Modell lagen alle Effekte mit Kredibilitätsintervallen um Null: Morphologie -1,42 % (-12,36 bis 9,52), Motilität -0,10 % (-1,78 bis 1,58), Volumen -0,26 ml (-0,79 bis 0,28), Zahl +0,21 Mio (-0,23 bis 0,65), Konzentration +0,33 Mio/ml (-0,14 bis 0,80). Eine Interaktion zwischen Urin-Triclosan und Butylparaben bei der normalen Morphologie wurde im NLinteraction-Modell gefunden [s22].

**Hull et al. 2026, fetale Exposition (Dänemark).** 841 junge Männer der Kohorte „Fetal Programming of Semen Quality"; mütterliches Blut aus der Schwangerschaft auf PFAS, Phthalat-Metaboliten und Triclosan; Quantil-g-Berechnung. Je Quartilsanstieg der Gesamtmischung: Konzentration -4,0 Mio/ml (95-%-KI -9,1 bis 1,1), Gesamtzahl -16,1 Mio (-33,8 bis 1,6), Hodenvolumen -0,5 ml (-1,2 bis 0,3), Anteil nicht-progressiver und immotiler Spermien +5 % (Verhältnis 0,99 bis 1,11), FSH +7 % (0,99 bis 1,16); keine Assoziation für die Mischung der nicht-persistenten Stoffe, zu denen Triclosan gehört. Die Autoren sehen die Befunde als vereinbar mit Nullzusammenhängen, führen vorhandene Zusammenhänge auf PFAS zurück und nennen die Einzelmessung von Phthalaten und Triclosan als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte. Triclosan allein wird im Abstract nicht beziffert [s09].

**Shen et al. 2024 und Gao et al. 2024 (Mischungsstudien aus China).** Shen et al. (799 Freiwillige einer Samenbank in Shanghai, 18 Phenole im Urin) fanden Ethylparaben negativ mit Konzentration und Gesamtzahl assoziiert (p < 0,05); die Phenolmischung war mit geringerer Konzentration assoziiert, mit Methyl- und Ethylparaben als Hauptbeitrag. Einzelwerte zu Triclosan nennt das Abstract nicht; die Zeitschrift ist chinesischsprachig, der Abstract englisch [s52]. Gao et al. (155 Männer, 55 Chemikalien im Urin, davon 34 häufig nachweisbar) fanden die gemeinsame Exposition gegenüber Bisphenol A, Ethylparaben, Methylparaben, BP-1, BP-3 und MCPP mit geringerer Gesamtbeweglichkeit (β = -0,18; -0,29 bis -0,07; p = 0,002) und progressiver Beweglichkeit (β = -0,27; -0,43 bis -0,10; p = 0,002) assoziiert, nicht mit dem Volumen; Haupttreiber waren BP-1, Methylparaben und MCPP. Höhere Docosapentaensäure im Seminalplasma schwächte den MCPP-Zusammenhang ab (Interaktions-p = 0,047 bzw. 0,003). Triclosan ist unter den Haupttreibern nicht genannt [s43].

**Smarr et al. 2018, Seminalplasma.** 339 Männer; Bisphenole, Benzophenone, Antimikrobiotika und Phthalate im Seminalplasma, 35 Spermaendpunkte. Die konsistentesten Hinweise betrafen Phthalat-Metaboliten (Monoethyl-, Mono-n-butyl-, Mono-2-isobutyl- und Monobenzylphthalat) mit geringeren Chancen auf ein Volumen über dem Referenzwert (adjustierte OR 0,46; 0,40; 0,39 bzw. 0,34). Für Triclosan und Benzophenone nennt das Abstract keinen vergleichbar konsistenten Befund [s113].

**Russische Serie: Triclosan in der Samenflüssigkeit (Chigrinets et al. 2018 und 2019).** Sieben Arbeiten einer Arbeitsgruppe in Tscheljabinsk messen Triclosan direkt in der Samenflüssigkeit (GC-MS). Die Probensätze überlappen mit hoher Wahrscheinlichkeit, was keine der Arbeiten ausdrücklich offenlegt; mehrere berichten identische Basismerkmale (mittleres Alter 30,8 ± 3,6 Jahre, mittlerer BMI 25,4 ± 2,9 kg/m²), und die Nachweisraten liegen durchgehend zwischen 84,3 und 85,4 % [s93, s92, s90, s101, s94, s91]. Die Ergebnisse sind deshalb als wiederholte Auswertungen ähnlicher Datensätze zu lesen.

- *Erste Messung (Chigrinets 2018, 41 Proben: 18 Normozoospermie, 23 Pathozoospermie).* Nachweisraten Bisphenol A 100 %, Triclosan 85,4 %, 4-Nonylphenol 97,6 %; Median Triclosan 0,16 ng/ml (Interquartilsbereich 0,08 bis 0,23). Triclosan lag bei Pathozoospermie höher als bei Normozoospermie (Median 0,185 gegenüber 0,095 ng/ml; p = 0,033), ebenso der Anteil Spermien mit fragmentierter DNA (18,0 gegenüber 14,0 %; p = 0,005); 4-Nonylphenol unterschied sich nicht (0,185 ng/ml in beiden Gruppen; p = 0,627). Spearman-Korrelationen mit Triclosan: DNA-Fragmentierung r = 0,61 (p < 0,001), normale Morphologie r = -0,44 (p = 0,004), progressiv bewegliche Spermien r = -0,31 (p = 0,049), Gesamtzahl r = -0,27 (p = 0,09). Bisphenol A und Triclosan korrelierten untereinander (r = 0,45; p = 0,003); die Summe beider korrelierte stärker mit der Morphologie (r = -0,51), was die Autoren als Synergie deuten [s101]. Schwächen: kleine Stichprobe, Fallzahl nicht geplant, teils Samenspender als Kontrollen gegenüber Klinikpatienten als Fällen, keine Mehrfachtestkorrektur, Korrelationen ohne Konfidenzintervalle, zu Nachweisgrenzen keine Angaben in den gelesenen Abschnitten.
- *Cut-off-Werte (Chigrinets 2018, dieselben 41 Proben).* Fläche unter der ROC-Kurve für Triclosan 0,701 (95-%-KI 0,531 bis 0,863; p = 0,033), für Bisphenol A 0,832 (0,689 bis 0,975); optimale Schwellen 0,150 ng/ml (Triclosan; Sensitivität 71,2 %, Spezifität 66,7 %) und 0,103 ng/ml (Bisphenol A; 91 % und 78 %). Die Schwellen wurden im selben Datensatz gewonnen und bewertet; das untere Ende des Triclosan-Intervalls liegt knapp über dem Zufallsniveau 0,5. Der Vorschlag der Autoren, die Werte klinisch zur Risikovorhersage zu nutzen, geht über die Datenlage hinaus [s102].
- *Mensch und Ratte (Chigrinets 2019, 53 Proben: 19 Normozoospermie, 34 Pathozoospermie).* Triclosan in 84,9 %, Median 0,13 ng/ml (0,05 bis 0,22); Normo- gegenüber Pathozoospermie 0,09 gegenüber 0,20 ng/ml (p = 0,045). Spearman-Korrelationen für Triclosan: DNA-Fragmentierung r = 0,604 (p < 0,001), normale Morphologie r = -0,420 (p = 0,004), Gesamtzahl r = -0,188 (p = 0,211), Konzentration r = -0,206 (p = 0,170), progressive Beweglichkeit r = -0,237 (p = 0,113). Beim Menschen verschlechterte Triclosan nach den Autoren nur Morphologie und DNA-Fragmentierung, Bisphenol A dagegen auch Zahl und Beweglichkeit [s93, s92].
- *Odds Ratios (Chigrinets 2019).* Triclosan oberhalb von 0,11 ng/ml (Median-Split): Odds Ratio 18,3 (95-%-KI 3,4 bis 97,7; p < 0,001) für einen DNA-Fragmentierungsindex von mindestens 15 %; Bisphenol A oberhalb 0,15 ng/ml: OR 4,3 (1,0 bis 17,7; p = 0,088). Die Tabelle beschreibt 18 Männer mit Index unter 15 % und 29 mit mindestens 15 %, im Text stehen 53 Patienten; die Differenz wird nicht erklärt. Der Median-Split an den eigenen Daten, das breite Intervall und die kleine Stichprobe machen die Schätzung sehr unsicher [s90].
- *Gemeinsame Wirkung (Chigrinets 2019, 84 Proben).* Multiple logistische Regression mit Bisphenol A, Triclosan und 4-Nonylphenol für DNA-Fragmentierung von mindestens 15 %: Triclosan Regressionskoeffizient 10,711 (p = 0,043; OR je 1 ng/ml 44.824, 95-%-KI 1,430 bis rund 1,4 Milliarden), Bisphenol A p = 0,273, 4-Nonylphenol p = 0,569 (OR 0,253; 0,002 bis 28,624). Umgerechnet auf 0,1 ng/ml steigt die Chance für Triclosan um den Faktor 2,9. Nagelkerke-R² 0,387, Sensitivität 62 %, Spezifität 89 %. Die Autoren sehen kein synergistisches Zusammenwirken, im Widerspruch zur Arbeit von 2018 [s94]. Die extrem breiten Intervalle zeigen ein instabiles Modell mit rund 47 Beobachtungen und drei korrelierten Prädiktoren; die „schützende Rolle" des 4-Nonylphenols ist von den Autoren selbst als Annahme formuliert.
- *Pathozoospermie (Chigrinets 2019, 84 Proben).* Eine Erhöhung von Bisphenol A um 0,1 ng/ml erhöhte die Chance auf Pathozoospermie um das 24,9-Fache; Triclosan und 4-Nonylphenol waren im Modell nicht signifikant. Bei der Zielgröße Pathozoospermie dominiert also Bisphenol A, bei der DNA-Fragmentierung Triclosan; bei so wenigen Beobachtungen kann das auch Zufall sein [s91, s94].

Die Berichtsqualität der Serie ist uneinheitlich: Stichprobengrößen von 41, 47, 53 und 84, unterschiedliche p-Werte für denselben Vergleich (Triclosan Normo- gegenüber Pathozoospermie p = 0,033, 0,045 und 0,018) und Zahlenabweichungen zwischen den Arbeiten [s101, s93, s91].

**Zusammenfassung Triclosan beim Menschen.** Schwache negative Assoziationen mit Morphologie, Beweglichkeit oder Bewegungsmuster [s97, s123, s107, s72], ein erhöhtes Risiko im obersten Quartil des Seminalplasma-Triclosans [s59], eine positive Assoziation einzelner Parameter [s112], eine Nullassoziation in der größten Fall-Kontroll-Studie [s132], Nullbefunde in der Mischungsstudie zur fetalen Exposition [s09] und in den Einschätzungen der Autoren zweier Übersichten zur Infertilität [s57, s117], dagegen verminderte Fekundabilität in der Shanghaier Kohorte [s74] und ein konsistenter, aber nicht unabhängiger Befund zur DNA-Fragmentierung aus Russland [s101, s93, s94]. Die Metaanalyse fasst fünf Studien zu einem negativen Effekt auf Konzentration und Beweglichkeit zusammen, mit extremer Heterogenität [s38].

### Triclosan und Triclocarban: Tierversuche und Zellversuche

**Priyanka et al. 2020, Ratte (Gestation und Laktation).** Trächtige Muttertiere erhielten Triclosan (0,1; 4; 40; 150 mg/kg KG/Tag) subkutan von Gestationstag 6 bis Postnataltag 21. Bei 150 mg/kg verzögerter Hodenabstieg; dosisabhängig sanken Testosteron, Spermienzahl und Motilität der F1-Männchen; Steroidrezeptoren, StAR und Aromatase waren vermindert; F1-Tiere waren subfertil (mehr Implantationsverluste bei 40 und 150 mg/kg, kleinere Würfe); F2-Feten waren bei allen Dosen leichter und kürzer. Stärken: mehrere Dosen, Positivkontrolle (Diethylstilbestrol), Folgegeneration. Schwäche: subkutane Gabe und hohe Dosen [s87].

**Mandal et al. 2020, Ratte (Laktation).** Laktierende Muttertiere erhielten 0, 3 oder 5 mg/kg/Tag Triclosan bis Tag 28; bei den männlichen Jungtieren sanken die mRNA-Spiegel von 3β-HSD, OCT3/4 und Androgenrezeptor (p < 0,05); die hohe Dosis beeinträchtigte die Keimzellreifung und das Körpergewicht. Zahlen zur Spermienzahl fehlen im Abstract [s84].

**Ena et al. 2018, Ratte (60 Tage, vorpubertär).** 0,25; 25; 250 und 750 mg/kg/Tag per Schlundsonde. Bei 750 mg/kg sanken Körpergewicht und relative Organgewichte (Leber, Nieren, Hoden, Nebennieren), Leber- und Nierenwerte stiegen, und die tägliche Spermienproduktion war bei hohen Dosen deutlich vermindert, bei gehemmter Androgenrezeptor-Expression. Die Autoren halten die biologische Relevanz für fraglich, weil solche Dosen in der Umwelt nicht vorkommen [s104].

**Lan et al. 2015, Ratte (Toxikokinetik).** Bei 50 mg/kg war die Triclosan-Konzentration in Hoden und Prostata niedriger als im Plasma, im Nebenhoden war die Halbwertszeit länger (AUC-Verhältnisse Nebenhoden/Plasma 1,13 bzw. 1,51). Bei 10, 50 und 200 mg/kg über 8 Wochen verringerte nur 200 mg/kg die tägliche Spermienproduktion signifikant und veränderte Spermienmorphologie und Nebenhodenhistologie [s127].

**Lan et al. 2025, Maus (prä- und postnatal).** 30, 300 und 3000 µg/kg/Tag: geringeres Hodengewicht, Serumtestosteron und Steroidogenese-Enzymaktivität; in TM3-Leydig-Zellen (30 bis 3000 nM) Mitophagie, ROS, verringertes Membranpotenzial und gehemmter PI3K/AKT/mTOR-Weg [s27].

**Ding et al. 2026, Maus und Zellkultur.** Mäuse erhielten 0, 20 oder 40 mg/kg/Tag von Tag 56 bis 84 nach der Geburt: verminderte Spermienzahl, mehr Fehlformen, Herunterregulierung des Enzyms PEPCK und Aktivierung der Cuproptose. In TM4-Sertoli-Zellen (5 und 10 nM) ähnliche Befunde, durch den Radikalfänger NAC rückgängig zu machen. Mechanistische Studie ohne Humandaten [s04].

**Chigrinets et al. 2018 bis 2020, Wistar-Ratte (russische Serie).** Erwachsene männliche Ratten erhielten zwei Monate lang 200 mg/kg Bisphenol A oder Triclosan im Futter (28 Tiere: Kontrolle 10, Bisphenol A 10, Triclosan 8; die Zahl der Triclosan-Tiere wird in den Arbeiten mit 8 oder 10 angegeben). Triclosan im Hoden war gegenüber der Kontrolle auf 0,27 ng/ml angereichert (Kontrolle 0,06), um das 4,5-Fache laut einer, um das Sechsfache laut einer anderen Arbeit. Das Gewicht des rechten Hodens sank (1,45 gegenüber 1,61 g; p = 0,001), die Dicke des Keimepithels sank (93,2 gegenüber 98,4 µm; p = 0,001), der Kanälchendurchmesser stieg (306,3 gegenüber 284,9 µm), die Zahl der Kanälchen mit abgelöstem Epithel stieg (4 gegenüber 2; p = 0,046), der Anteil progressiv beweglicher Spermien sank (53,0 gegenüber 58,0 %; p = 0,011); Gesamtzahl der Spermien (15,3 gegenüber 15,9 Mio) und Anteil atypischer Formen (12,5 gegenüber 12,0 %) unterschieden sich dagegen nicht von der Kontrolle. Bisphenol A senkte die Spermienzahl (11,4 gegenüber 15,9 Mio; p = 0,004) und erhöhte atypische Formen (19,0 %; p = 0,014). Die Leydig-Zellzahl war unter Triclosan niedriger (142,1 gegenüber 154,8; p = 0,001). Schwächen: nur eine Dosis, 8 bis 10 Tiere je Gruppe, keine Mehrfachtestkorrektur, innere Widersprüche in den Zahlen (Kontrollwert Triclosan im Hoden, Hodengewichts-p-Wert, Quartilsangaben) und eine Dosis, die nicht mit menschlicher Exposition begründet wird [s103, s93, s92, s82]. Die Autoren setzen die Hodenkonzentration der Ratte mit den Werten in der menschlichen Samenflüssigkeit gleich; die Matrizes (Homogenat-Überstand gegenüber Samenflüssigkeit) sind aber nicht gleichwertig, und die Tiere erhielten eine hohe orale Dosis [s93].

**Riad et al. 2018, Ratte (Butylparaben, Triclosan und Kombination).** Männliche Ratten nach dem Absetzen, subchronische Gabe. In allen behandelten Gruppen Atrophie von ventraler Prostata und Bläschendrüse, signifikant verminderte Spermienzahl und -beweglichkeit, erniedrigte Spiegel von Testosteron, LH und FSH, DNA-Schäden im Hoden, erhöhtes Malondialdehyd, gesunkene Katalaseaktivität. Östradiol stieg bei Einzelgabe, nicht bei Kombination; die Superoxiddismutase sank unter Butylparaben, stieg unter Triclosan und blieb unter der Kombination unverändert. Dosen, Gruppengröße und Effektgrößen fehlen im Abstract [s110].

**Ibrahim et al. 2026, Ratte (Triclosan und Schutzstoffe).** Sechs Gruppen: Kontrolle, Triclosan und Triclosan zusammen mit Clomifencitrat, Selen, Nano-Selen oder einem Extrakt aus Tribulus terrestris. Triclosan beeinträchtigte Fortpflanzungs- und Leberfunktion, störte das Hormongleichgewicht und erzeugte oxidativen Stress; Docking und Molekulardynamik betrafen CYP17A1 und GPX4. Selen und der Pflanzenextrakt milderten die Veränderungen. Dosis, Gruppengröße und Zahlen fehlen im Abstract. Die Schutzstoff-Arme dürfen nicht als Behandlungsempfehlung gelesen werden [s10].

**Weitere Triclosan-Arbeiten.** Eine Sekundäranalyse von NHANES-Daten mit Zebrafischversuchen (0,361 bis 48,2 µg/l, 21 Tage) fand signifikante Korrelationen von Triclosan mit Östradiol, Testosteron und SHBG ohne im Abstract genannte Effektgrößen und eine Hemmung von Eierstockentwicklung und Spermatogenese beim Fisch [s50]. Eine Übersicht fasst Triclosan-Wirkungen auf Reproduktionsgesundheit, Leber, Darm, Niere und Schilddrüse zusammen, ohne Zahlen [s55]. Eine In-vitro-Embryokultur der Ratte (je 10 Embryonen) zeigte dosisabhängig verminderte Entwicklungswerte und veränderte Caspase-Spiegel, aber keinen Spermienendpunkt [s85].

**Triclocarban.** An menschlichen Spermien (Spender, 4 Stunden, 0 bis 100 µmol/l) sanken Gesamt- und progressive Beweglichkeit sowie kinematische Parameter dosisabhängig; bei 10 µmol/l, der niedrigsten wirksamen Konzentration, sanken mitochondriale ATP-Produktion und Membranpotenzial und reaktive Sauerstoffspezies stiegen, ähnlich wie bei der Positivkontrolle FCCP; unter zuckerarmen Bedingungen war der Schaden größer. Die Spenderzahl nennt das Abstract nicht [s20]. Bei Wistar-Ratten (0,3; 1,5; 3,0 mg/kg/Tag oral von Gestationstag 0 bis Laktationstag 21) sank in der Gruppe mit 3,0 mg/kg das Hodeninterstitialvolumen, Testosteron stieg am Postnataltag 21, am Tag 50 sank der Durchmesser der Samenkanälchen, im Erwachsenenalter war die sexuelle Kompetenz vermindert; Spermaparameter wurden erhoben, das Abstract nennt dafür kein Ergebnis [s83]. Bei sieben Wochen alten Ratten (10 Tage, 0,25 % im Futter) zeigte sich Hyperplasie der akzessorischen Geschlechtsorgane bei nicht signifikant verändertem LH und Testosteron; in Prostatazelllinien verstärkte Triclocarban die Androgenwirkung. Spermaparameter wurden nicht untersucht [s138]. Beim Menschen findet sich Triclocarban nur in der Studie von Smarr 2018 ohne Befund im Abstract [s112].

### UV-Filter: Humanstudien

Für die Benzophenone liegen einige Kohorten und Querschnittsstudien vor; zu den organischen Filtern Octocrylen, Homosalat, 4-Methylbenzylidencampher und Octinoxat ergab die Recherche in Europe PMC (Suche in Titel und Abstract) keine Humanstudie mit Spermaparametern.

**Buck Louis et al. 2015, Kohorte (USA).** 413 Männer (2005 bis 2009); fünf Benzophenon-Filter im Urin (BP-1, BP-2, BP-3, BP-8, 4-OH-BP), 35 Spermaendpunkte; lineare Regression mit Dichotomisierung am 75. Perzentil und Box-Cox-transformierten Endpunkten, adjustiert für Alter, BMI, Cotinin, Jahreszeit und Studienzentrum. BP-2 war mit geringerer Spermienkonzentration (β = -0,74; 95-%-KI -1,41 bis -0,08), geradlinigerer (β = -4,57; -8,95 bis -0,18) und linearer Bewegung (β = -3,15; -6,01 bis -0,30), mehr unreifen Spermien (β = 0,38; 0,15 bis 0,62) und einem verminderten Anteil „anderer Fehlformen" (β = -0,16; -0,31 bis -0,01) assoziiert. BP-8 war mit verminderter hypoosmotischer Schwellung (β = -2,57; -4,86 bis -0,29) und größerer Akrosomfläche (β = 1,14; 0,01 bis 2,26) assoziiert. Für BP-1, BP-3 und 4-OH-BP ergaben sich keine Assoziationen. Die Autoren sprechen von Hinweisen auf einzelne Zusammenhänge, die „auf Bestätigung warten". Schwächen: 35 Endpunkte bei fünf Expositionen ohne im Abstract genannte Mehrfachkorrektur, uneinheitliche Effektrichtungen (ein Endpunkt verbessert, andere verschlechtert), Konfidenzintervalle teils nahe Null [s124].

**Adoamnei et al. 2018, Südspanien.** Querschnittsstudie mit 215 Studenten (18 bis 23 Jahre, 2010 bis 2011); Urin, Blut und Samen am selben Tag; 97 % mit nachweisbarem mindestens einem Benzophenon-Filter. BP-1 und BP-3 waren positiv mit FSH assoziiert (β = 0,08; 0,009 bis 0,15 bzw. β = 0,04; 0,0002 bis 0,08), BP-1 positiv mit dem Testosteron/Östradiol-Verhältnis (β = 0,04; 0,002 bis 0,07) und negativ mit dem Inhibin-B/FSH-Verhältnis (β = -0,11; -0,21 bis -0,006). Keine signifikante Assoziation zwischen irgendeinem Filter und irgendeinem Spermaparameter; die Autoren werten die Hormoneffekte als klein und von unklarer klinischer Bedeutung [s100].

**Kiwitt-Cárdenas et al. 2024, Südostspanien.** Querschnittsstudie mit 158 gesunden Studenten; Bisphenol A, vier Parabene und fünf Benzophenone im Urin, Spermien-DNA-Fragmentierung (Chromatin-Dispersionstest), BKMR-Mischungsmodelle. Höheres 4-OH-BP war der wichtigste Beitrag zu einer negativen Assoziation mit dem Fragmentierungsindex: -5,5 % (95-%-KI -10,7 bis -0,3) beim 50. und -5,4 % (-10,8 bis -0,1) beim 75. Perzentil, also weniger DNA-Fragmentierung. Keine signifikanten Assoziationen anderer Stoffe. Der Befund geht damit nicht in Richtung Schädigung; die Autoren betonen kleine Effekte unsicherer klinischer Bedeutung [s46].

**Joensen et al. 2018, Dänemark (Filaggrin-Genotyp).** 65 Träger von Funktionsverlust-Mutationen im Filaggrin-Gen (gestörte Hautbarriere) und 130 Nichtträger. Bei Trägern gingen höheres Urin-Bisphenol A, BP-1 und BP-3 mit höherem Testosteron und Östradiol und niedrigerem FSH einher, das höchste Bisphenol-A-Quartil mit geringerer Motilität; bei Nichtträgern waren nachweisbares 4-HBP mit geringerer Motilität und Konzentration assoziiert; keine Assoziation mit Parabenen und übrigen Phenolen oder UV-Filtern. Die Autoren vermuten, dass der Aufnahmeweg (dermale Aufnahme bei gestörter Hautbarriere) die Zusammenhänge verändern könnte. Schwächen: kleine Untergruppen, multiple Vergleiche [s106].

**Holmboe et al. 2022, Kopenhagen (pränatale Exposition).** 101 Männer (18 bis 20 Jahre), deren Mütter in der Schwangerschaft (1997 bis 2001) Serumproben abgegeben hatten (Bisphenol A, sieben weitere Phenole, sechs Benzophenone). Höheres mütterliches Bisphenol A und BP-3 waren mit höherem LH assoziiert (Bisphenol A drittes gegenüber erstem Terzil +33 %, 10 bis 62 %; BP-3 zweites Terzil +21 %, drittes +18 %, Konfidenzintervalle schließen Null ein) und mit niedrigerem Testosteron/LH-Verhältnis (signifikant nur Bisphenol A, p-Trend 0,01). Keine Assoziationen mit Anogenitalabstand oder Spermaqualitätsmarkern. Die Autoren deuten das als kompensierte verminderte Leydig-Zellfunktion [s67].

**Weitere Hinweise zu UV-Filtern beim Menschen.** BP-1 und BP-3 stehen unter den Treibern der verminderten Motilität im Mischungsmodell von Gao et al. [s43]; in der Nanjinger Fall-Kontroll-Studie zeigte BP-3 keinen Zusammenhang mit idiopathischer Infertilität [s132]; die Übersicht zur Fekundabilität sah vorläufige Hinweise auf längere Zeit bis zur Schwangerschaft bei männlicher Benzophenon-Exposition [s95]. Ein Sekundärbericht in einer Übersicht nennt eine einfach verblindete Humanexpositionsstudie (32 gesunde Erwachsene, davon 15 junge Männer) mit Sonnenschutzmitteln, die Benzophenon-3, Octylmethoxycinnamat und 4-Methylbenzylidencampher enthielten: Sie zeigte systemische Aufnahme und Ausscheidung im Urin und keine signifikanten Hormoneffekte (FSH, LH, Östradiol, Testosteron, Inhibin B); die Originalstudie wurde nicht abgerufen [s17]. Zhou et al. 2026 (Passivsammler-Armbänder, 132 Frauen und 24 Partner) fanden bei häufiger Sonnenschutznutzung bis zu 3,1-fach höhere UV-Filter-Exposition, ohne Spermaendpunkte [s16].

### UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche

**Benzophenone, Maus (Ningxia).** Neugeborene männliche ICR-Mäuse erhielten BP-1, BP-2 oder BP-3 über Muttermilch und Trinkwasser vom 1. bis 56. Lebenstag, je 10 nM und 1000 nM (entspricht 2,14 / 2,46 / 2,28 µg/l bzw. 214 / 246 / 228 µg/l); Diethylstilbestrol diente als Positivkontrolle. Am Tag 56 waren die Blut-Hoden-Schranke gestört und die mRNA-Spiegel von Genen für Reproduktion, Apoptose und Zytoskelett verringert. Eine anschließende Cyclophosphamid-Gabe (3 mg/kg, 4 Wochen) führte nur in den vorbehandelten Gruppen zu geringerem Hodengewicht, geschädigten Samenkanälchen, verzögerter Spermatogenese und verminderter Spermienqualität [s21]. Für BP-3 allein (2,28 und 228 µg/l) berichtet die Gruppe verringerte Spermienmenge und -qualität, erniedrigtes Testosteron, gestörte Blut-Hoden-Schranke und mehr oxidativen Stress; der Östrogenrezeptor-Antagonist ICI 182780 hob die Effekte an Tag 14 teilweise auf [s29]. BP-1, BP-2 und BP-3 (je 10 und 1000 nM) erhöhten Alpha-2-Makroglobulin und IL-6 im Hoden; A2m ist ein Zielgen des Östrogenrezeptors [s49]. Gruppengrößen nennen die Abstracts nicht; Trinkwasser- und Milchexposition ist nicht mit dem Auftragen von Sonnenschutz vergleichbar.

**Li et al. 2026, NHANES, Maus und Zellen.** BP-3 war in NHANES dosisabhängig mit niedrigerem Gesamttestosteron, Östradiol und SHBG sowie höherem Risiko eines Testosteronmangels assoziiert (Richtung nach Mehrschadstoff-Adjustierung erhalten, Effekt abgeschwächt). Im Mäuseversuch (chronische Exposition von Tag 1 bis 240 mit „umweltrelevanten" Konzentrationen) waren Fertilität, Anogenitalabstand, Hodengewicht, Histopathologie, Spermienzahl und -qualität beeinträchtigt; Zellversuche deuteten auf Disulfidptose, vermittelt über den Östrogenrezeptor. Zahlen nennt das Abstract nicht [s11].

**Sertoli-Zellen (Zhang et al. 2022).** Primäre Sertoli-Zellen der Maus, 24 Stunden mit 0 bis 100 µM BP-3: Bei 100 µM war der transepitheliale Widerstand zerstört, ZO-1, Occludin und Connexin 43 waren niedriger exprimiert, F-Aktin desorganisiert; der DNA-Schadensmarker γH2A.X stieg, die Apoptoserate blieb unverändert [s73].

**Hershberger-Test (Sung et al. 2024, Korea).** BP-3 an kastrierten männlichen Sprague-Dawley-Ratten (n = 7 je Gruppe; 40, 200, 1000 mg/kg/Tag): Das Gewicht der ventralen Prostata war bei 200 und 1000 mg/kg/Tag signifikant verringert, das des Musculus levator ani/bulbocavernosus schon bei 40, 200 und 1000 mg/kg/Tag; in TM3-Leydig-Zellen sank die Viabilität konzentrationsabhängig. Ein antiandrogener Hinweis, aber kein Spermienparameter [s53].

**Toxikokinetik (Jung et al. 2022, Korea).** Hautaufnahme von BP-3 aus einem Gel bei der Ratte: terminale Halbwertszeit 3,1 ± 1,6 h nach intravenöser Gabe, 18,3 ± 5,8 h nach topischer Anwendung; Bioverfügbarkeit nach topischer Anwendung 6,9 ± 1,8 %; Gewebe/Plasma-Verteilungskoeffizient für den Hoden unter 1. Spermienendpunkte wurden nicht erhoben [s68].

**Amphibium.** Beim Krallenfrosch Xenopus laevis verursachten 1 µg/l Carbendazim zusammen mit 2,28 µg/l BP-3 kleinere Hoden mit weniger Keimzellen, während jede Substanz allein bei diesen Konzentrationen keine signifikante Wirkung zeigte [s30]. Das Modell ist nur indirekt für Säuger relevant.

**Japanische Studien ohne Befund.** In einer Zwei-Generationen-Studie an Sprague-Dawley-Ratten (Futter mit 0, 100, 450 oder 2000 ppm Benzophenon, nicht BP-3) gab es Gewichts-, Nieren- und Leberveränderungen bei den Elterntieren, aber keine Veränderungen von Fortpflanzungsfähigkeit, Spermienparametern oder Serumhormonen auch bei 2000 ppm [s146]. Ein Tagungsabstract (Ratten, Tag 2 bis 21 subkutan 0,01 bis 100 mg/kg/Tag 4-Hydroxybenzophenon, ein Metabolit von Benzophenon) fand mit 13 Wochen keine Unterschiede bei Organgewichten, Histologie und Spermienparametern; am Tag 22 waren Absolutgewichte von Prostata und Nebenhoden in der höchsten Gruppe erniedrigt, was die Autoren auf das tendenziell niedrigere Körpergewicht zurückführen [s145].

**Avobenzon, Eberspermien in vitro.** Bei 50 und 100 µM sanken Gesamt- und progressive Motilität und verschiedene kinetische Parameter; die Kapazitation sank dosisabhängig; Akrosomreaktion, Vitalität und ATP waren unverändert (ATP mit fallender Tendenz); PKA-Aktivität und Tyrosinphosphorylierung waren abnorm verändert [s48]. Keine menschlichen Zellen, hohe Konzentrationen.

**Ethylhexyl-Dimethyl-PABA, Risikobewertung (Korea).** Der Stoff wird in Korea durchschnittlich zu 1,25 % (0,5 bis 2,0 %) in Kosmetika eingesetzt; frühere Tierversuche hätten Hoden-, Nebenhoden-, Milz- und Leberschäden gezeigt. Als NOAEL wurde 100 mg/kg/Tag aus einer 4-Wochen-Studie gewählt, die systemische Exposition bei Höchstverwendung beträgt 0,588 mg/kg/Tag, der Sicherheitsabstand für ein Sonnenschutzmittel mit dem erlaubten Maximum von 8 % liegt bei 180,18. Eigene Spermienmessungen enthält die Arbeit nicht [s98].

**Titandioxid und Zinkoxid (nur Randthema).** Titandioxid-Nanopartikel kommen in Sonnenschutzmitteln vor, wurden in den gefundenen Arbeiten aber nicht dermal verabreicht. Wistar-Ratten, 50 mg/kg oral (Rutil, 40 bis 60 nm, 38 Tiere), 14 und 30 Tage: Keimepitheldicke 106,71 ± 2,18 µm in der Kontrolle gegenüber 86,19 ± 1,44 µm nach 14 und 82,31 ± 1,51 µm nach 30 Tagen (p < 0,05); reife Spermatiden fehlten in den Versuchsgruppen [s111]. Mäuse, 7 Tage 40, 200, 1000 mg/kg per Schlundsonde: mehr Spermatiden mit zwei oder mehr Kernen und mehr Apoptose im Hoden [s140]. Wistar-Ratten, Einzeldosis 126, 252 oder 378 mg/kg: dosisabhängige Degeneration von Spermatozyten und Ablösung von Spermatiden (rein histologischer Endpunkt) [s75]. Mäuse, 10, 20 oder 50 mg/kg intravenös oder oral: nach einmaliger intravenöser Gabe war die Spermienbeweglichkeit deutlich verringert, die Zahl nicht (Tagungsabstract) [s116]. Forellenspermien in vitro: Abnahme der Geschwindigkeit ab 10 mg/l [s109]; Zebrafisch (1, 2, 4 mg/l, 5 Tage): mitochondriale Degeneration in Sertoli-Zellen und Spermatogonien, Nekrose bei 4 mg/l [s119]. Die Dosen und Gabewege sind mit der Anwendung auf der Haut nicht vergleichbar.

### Parabene: Humanstudien und Tierversuche

Parabene (Konservierungsstoffe in Kosmetika) gehören nicht zu den sechs Kernthemen, sind aber die am häufigsten untersuchten verwandten Stoffe und liefern die Dosis-Wirkungs-Daten, mit denen sich die Tierversuche vergleichen lassen.

**Humanstudien.**

- Shen et al. 2023: 795 männliche Partner von Paaren mit Kinderwunsch, sechs Parabene im Urin (WQS-Modell). Die Mischung war mit sinkender Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit assoziiert; Butylparaben war Hauptbeitrag für Konzentration und Gesamtzahl, Methylparaben für die progressive Beweglichkeit [s64].
- Okonofua et al. 2024 (Nigeria): 136 infertile Männer und 154 Kontrollen; hohe Werte in beiden Gruppen, kein signifikanter Unterschied zwischen Fällen und Kontrollen; Propylparaben war bei Fällen mit geringerer Gesamtmotilität verbunden, nicht bei Kontrollen [s51].
- Li et al. 2026 (Wuhan, wiederholte Urinproben): Butylparaben war positiv mit der Länge des Kometenschweifs und dem „Tail Distributed Moment" im Comet-Test (DNA-Schaden) assoziiert (p < 0,01), mit Dosis-Wirkungs-Trend über Quartile, stärker bei Übergewichtigen (BMI ≥ 24 kg/m²) und unter 30-Jährigen; die BKMR-Analyse zeigte einen positiven Trend der Mischung mit dem Anteil PI-positiver Spermien (Membranschäden). Die Fallzahl nennt das Abstract nicht [s12].
- Jurewicz et al. 2017: 156 Männer mit normaler Konzentration; Butylparaben mit XY18-Disomie (p = 0,045), Propylparaben mit Disomie von Chromosom 13 (p = 0,007), Replikation nötig [s118].
- Nishihama et al. 2017 (Tokio): 42 Männer; geometrische Mittel im Urin Methylparaben 48,2, Ethylparaben 1,88, Propylparaben 1,13, Butylparaben 0,184 ng/ml; keine signifikante Assoziation mit Samenparametern (niedrige Exposition und kleine Stichprobe als mögliche Gründe) [s120].
- Weitere Messstudien ohne Spermienendpunkt: Parabene in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 gesunden Männern (Urinwerte ein bis zwei Größenordnungen über Serum und Seminalplasma) [s81]; Methode und Messung in 144 Seminalplasma-Proben (Methyl-, Ethyl-, n-Propylparaben und 4-Hydroxybenzoesäure dominieren) [s56].
- Siehe außerdem Smarr 2018 [s112], Shen 2024 [s52] und Joensen 2018 (kein Zusammenhang der Parabene) [s106].

Gesamtbild: Die Mehrzahl der Paraben-Studien findet kleine negative Assoziationen bei Butyl-, Methyl- und Ethylparaben, aber nicht einheitlich über die Einzelstoffe.

**Tierversuche.**

- Butylparaben, Ratte (Oishi 2001, Tokio): 3 Wochen alte Wistar-Ratten, acht je Gruppe, Futter mit 0, 0,01, 0,10 und 1,00 % über 8 Wochen. Nebenhodengewicht dosisabhängig verringert (signifikant ab 0,10 %); Nebenhodenspermienreserve in allen behandelten Gruppen vermindert; Spermienzahl der höchsten Dosis 58,2 % der Kontrolle; tägliche Spermienproduktion in allen behandelten Gruppen erniedrigt; Serumtestosteron dosisabhängig gesenkt (ab 0,1 % signifikant). Die täglich aufgenommene Menge liege im Bereich des unteren zulässigen Tagesaufnahmewerts (ADI) in EG und Japan [s150].
- Propylparaben, Ratte (Oishi 2002, 4 Wochen, 32 Tiere): keine Organgewichtseffekte; Spermienreserven und -konzentration dosisabhängig verringert (signifikant ab 0,10 %); tägliche Spermienproduktion in allen Gruppen erniedrigt; Testosteron nur in der höchsten Gruppe. Die Dosis entspricht dem oberen ADI-Wert (10 mg/kg/Tag) laut Abstract [s149].
- Methyl- und Ethylparaben, Ratte (Oishi 2004, 8 Wochen, 40 Tiere): 0,1 und 1,0 % im Futter (rund 1000 mg/kg/Tag): keine antispermatogene Wirkung, keine Änderung von Testosteron, LH und FSH [s147].
- n-Butylparaben, Ratte (Zhang et al. 2014): trächtige Wistar-Ratten, 0, 64, 160, 400, 1000 mg/kg/Tag vom 7. Trächtigkeitstag bis zum 21. Lebenstag der Jungen; verringerter Anogenitalabstand, verzögerte Vorhauttrennung, Testosteron vermindert, Östradiol erhöht, Nebenhodenspermienzahl und tägliche Spermienproduktion bei 400 und 1000 mg/kg/Tag signifikant verringert; NOAEL 160 mg/kg/Tag [s130].
- Butylparaben, Ratte (Park et al. 2012, OECD TG 407, 28 Tage; 0, 10, 100, 1000 mg/kg/Tag): DNA-Hypermethylierung in Nebenhodenspermien (fünf Amplikons 1,4- bis 3,8-fach erhöht); indirekter epigenetischer Nachweis [s135].
- Butylparaben, maternale Exposition (Kang et al. 2002): subkutan 100 oder 200 mg/kg vom 6. Trächtigkeitstag bis zum 20. Lebenstag; bei 200 mg/kg weniger lebend geborene und überlebende Junge; Spermienzahl und -beweglichkeit im Nebenhoden bei 100 und 200 mg/kg verringert; Hodengewicht, Samenblasen und Prostata bei 100 mg/kg am Tag 49 erniedrigt [s148].
- Butyl- und Isobutylparaben, 13 Wochen subkutan (2, 10, 50 mg/kg/Tag, Sprague-Dawley-Ratten): Die Samenqualität zeigte keine östrogenen Effekte, der NOAEL beider Substanzen betrug 50 mg/kg/Tag, bei lokaler Reizung ab 10 bzw. 50 mg/kg/Tag und ohne systemische Toxizität [s76, s47].
- Propylparaben, Ratte (Mosaoa et al. 2023, 4 Wochen, 10 mg/kg/Tag, 60 Tiere): Testosteron, Dihydrotestosteron und 5α-Reduktase im Serum gesenkt (p < 0,001), Interleukin-6 und TNF-α im Hoden erhöht, Malondialdehyd erhöht, antioxidative Enzyme erniedrigt; ein Pflanzenextrakt verbesserte die Parameter, ohne sie zu normalisieren. Spermienparameter nennt das Abstract nicht [s63].

Die Studien von Oishi fanden Spermienwirkungen bei Dosen im Bereich der zulässigen Tagesaufnahme, die koreanischen subkutanen 13-Wochen-Studien bis 50 mg/kg/Tag dagegen keine Samenwirkungen. Gabewege (Futter, Schlundsonde, subkutan) und Altersstufen unterscheiden sich; ein Widerspruch lässt sich ohne weitere Daten nicht auflösen [s150, s149, s76, s47].

### Körperpflegeprodukte, Duftstoffe und Wohnumfeld

**Ugelvig Petersen et al. 2020, Dänemark.** Querschnittsstudie in der Dänischen Nationalen Geburtskohorte: 1.058 junge Männer (18 bis 21 Jahre) beantworteten 2017 bis 2019 einen Online-Fragebogen zu 12 Körperpflegeprodukt-Typen und gaben eine Samenprobe ab. Alle nutzten mindestens ein Produkt mehr als einmal pro Woche, im Mittel 5,3 (SD 2,0) Produkte; 92 % nutzten wöchentlich parfümierte Produkte. Negative-Binomial-Regression für prozentuale Unterschiede zwischen niedriger, mittlerer und hoher Exposition: kaum Assoziationen zwischen aggregierter Produktexposition (auch parfümierter Produkte) und Konzentration, Gesamtzahl, Volumen, Motilität oder Morphologie. Stärken: große Stichprobe junger Männer aus der Allgemeinbevölkerung. Schwächen: Selbstauskunft, keine Messung der Substanzen im Körper; „aggregiert" mischt Produkte mit sehr unterschiedlicher Hautaufnahme [s89].

**Johnson et al. 2025, New York (nichtzielgerichtete Analyse).** 45 Samenproben; 18 Chemikalien, die in Expositionsstudien bisher nicht berichtet waren; 3-Hydroxyoctandisäure (ein kosmetischer Zusatzstoff) war bei Fällen höher (p < 0,01) und mit schlechterer Motilität und Morphologie assoziiert; Dibutylphthalat und 2-Aminophenol negativ mit Motilität, 4-Nitrophenol mit niedriger Morphologie. Explorativ, 45 Proben, keine Adjustierung im Abstract genannt [s25].

**Lv et al. 2023, Wohnungsrenovierung (Jilin).** 2.267 infertile Männer, 23,1 % (523) mit Renovierung in den letzten 24 Monaten; wer innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung eingezogen war, hatte ein höheres Risiko einer abnormalen progressiven Motilität (OR 1,537; 95-%-KI 1,088 bis 2,172). Das ist kein Reinigungsmittel, sondern ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen; Einzelsubstanzen nennt das Abstract nicht, Selbstauskunft, Querschnitt [s62].

**Mischungs- und Expositionsstudien.** Mizuno et al. 2025 (Tokio, 197 Männer aus Kinderwunschkliniken, Urin-Phthalatmetaboliten, drei Mischungsmethoden): Höhere Phthalatmischungen waren mit höherer Spermienbeweglichkeit assoziiert (Monoethylphthalat wichtigster Beitrag), nicht mit Volumen, Zahl oder Konzentration, und mit niedrigerem Serumtestosteron und höherem Prolaktin; die Zuordnung zu Duftstoffen nimmt das Abstract nicht vor [s34]. Toshima et al. 2012 (Tokio, 42 Männer): In der Mehrfachregression erschien für die Konzentration Mono-n-butylphthalat mit positivem Beta und Daidzein mit negativem Beta; für die Beweglichkeit waren 3-Phenoxybenzoesäure, der Nachweis von Equol und Kaffeekonsum negativ; Duftstoffe oder Kosmetika wurden nicht erhoben [s136]. Yang et al. 2022 (gepoolte Urinproben in vier Zeitfenstern über rund 90 Tage, 48 Zusatzstoffe) beschreiben Expositionsprofile ohne Spermienendpunkt [s71]. Guo et al. 2023 (1.500 Frauen unter IVF/ICSI) betreffen Eizellreifung und Fehlgeburt und sind für Spermienqualität nicht einschlägig [s58].

**Duftstoffe im Tierversuch und in vitro.**

- Galaxolid (HHCB) und Irgacure 369 (Li und Wang 2023, Ratte): Subchronische Exposition erwachsener männlicher Ratten verringerte Spermienkonzentration und Motilität, erhöhte Fehlformen und führte zu Atrophie der Samenkanälchen; Testosteron sank, LH und FSH stiegen, oxidative Stressmarker nahmen zu, Androgensynthese-Gene waren gehemmt. Dosen und Gruppengrößen stehen nicht im Abstract. Irgacure 369 ist ein Photoinitiator in Verpackungen und kein Duftstoff [s60]. Docking, Reportergen- und Zellproliferationstests sowie Versuche mit unreifen Ratten identifizierten beide als Androgenrezeptor-Agonisten (HHCB wird in Parfüm, Weichspüler und Waschmitteln verwendet) [s61].
- Cashmeran (Tayal et al. 2024): Weight-of-Evidence-Bewertung ohne Hinweise auf endokrine Aktivität (ToxCast-Assays inaktiv bei nicht-zytotoxischen Konzentrationen; 90-Tage- und Reproduktions-Screening-Studie ohne endokrine Effekte) [s54].
- Cyclamenaldehyd (Natsch et al. 2021): In Wiederholt-Dosis-Studien an Ratten Effekte auf die Spermienreifung; ein Metabolit (p-Isopropylbenzoesäure) akkumuliert als Coenzym-A-Konjugat nur in Rattenhepatozyten, nicht in Kaninchen- und Humanhepatozyten; das Kaninchen zeigte in vivo keine Effekte; die Autoren folgern, der Mensch sei wahrscheinlich nicht anfällig für diesen Weg [s80].
- Benzylbenzoat (Kılıç Süloğlu et al. 2022, Ratte): Fünf Wochen alte Tiere erhielten 90 Tage lang oral 25 oder 100 mg/kg. Körpergewichte, Organgewichte, Futter- und Wasseraufnahme änderten sich nicht signifikant; es gab Unterschiede bei einzelnen Blutzellen und der Serum-AST sowie histopathologische Befunde unter anderem in Prostata und Nebenhoden; keine Veränderungen von Spermienzahl, täglicher Spermienproduktion und Spermienmorphologie. Gruppengrößen fehlen im Abstract [s69].

Unterschiede zwischen Stoffen und Spezies zeigen, dass „Duftstoffe" keine einheitliche Gruppe sind.

### Tätowierungen

Zu Tätowierungen liegt genau eine epidemiologische Studie mit Spermaendpunkten vor.

**Dornfeldt et al. 2025, Dänemark.** Querschnittsstudie in der Dänischen Nationalen Geburtskohorte; junge Männer (18 bis 21 Jahre), rekrutiert 2017 bis 2019, Fragebogen zu Tätowierungen, Samen- und Blutprobe. Von 1.045 Teilnehmern hatten 174 (17 %) mindestens eine Tätowierung; 84 % davon nur in Schwarz; 53 % eine, 21 % zwei, 26 % drei oder mehr. Negative-Binomial-Regression: keine Assoziation von Anzahl oder Farbschema mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen; eine Tätowierung war mit 6 % (95-%-KI 0 bis 12) größerem Hodenvolumen verbunden, das die Teilnehmer selbst gemessen hatten (mögliche differenzielle Fehlklassifikation). Rohe und adjustierte Modelle waren vergleichbar. Die Autoren sehen keine Unterstützung für schädliche Assoziationen, betonen aber fehlende Details zur Exposition (Tintenmenge, Fläche, Alter der Tätowierung) und kurze Nachbeobachtung. Stärken: n über 1.000, objektive Samenparameter. Schwächen: nur 17 % tätowiert, überwiegend schwarz und wenige Tätowierungen, Selbstauskunft, junge Männer mit kurzer Expositionsdauer [s18].

**Toxikologische Übersichten ohne Spermadaten.** Eine systematische Übersicht beschreibt, dass Tätowierfarben polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine (aus Azofarbstoffen in der Haut) enthalten können; Quecksilber, Kobaltsulfat und Ruß gehören zur IARC-Gruppe 2B, Cadmium zur Gruppe 1 [s70]. Ein Konferenzbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung [s44] und eine Regulierungsagenda für USA und EU (etwa 32 % der US-Erwachsenen mit mindestens einer Tätowierung, fehlende Zusammensetzungsgrenzen) [s07] bestätigen Wissenslücken. Keine dieser Arbeiten bewertet Hoden- oder Spermaendpunkte. Aus dem ostasiatischen, russischen, arabischen und türkischen Sprachraum wurde keine Studie zu Tätowierungen und Spermienqualität gefunden; die Lücke ist nach den Rechercheberichten echt und kein Abrufproblem. Die Verknüpfung von Tätowierfarben und Spermienqualität stützt sich damit auf eine einzige Studie ohne Befund.

### Haarfärbemittel

Zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern beim Menschen wurde keine epidemiologische Studie gefunden. Die Datenlage besteht aus Tierversuchen, einer Zellstudie an menschlichen Spermien und Produktanalysen.

**Telles et al. 2026, systematische Übersicht der Tierversuche.** 25 Artikel (PubMed, Web of Science, Embase, Scopus; Risk-of-Bias nach SYRCLE). Berichtet werden Toxizität an Herz, Leber, Niere, Hoden, Atemwegen, Haut und Blut, Genotoxizität sowie Hormon- und Entwicklungsendpunkte, abhängig von Expositionsweg, Dosis, Spezies und davon, ob Einzelstoff oder Fertigprodukt. Topische Studien waren für die kosmetische Exposition am relevantesten; orale, subkutane, intravenöse und Embryo-Immersionsmodelle stützen vor allem die Gefahrenidentifikation. Das Verzerrungsrisiko war überwiegend „unklar", in nahezu allen Studien bestanden methodische Schwächen; die Autoren warnen, die Befunde nicht als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen [s14].

**Bharali und Dutta 2012, Ratte (dermal).** Subchronische topische Anwendung von para-Phenylendiamin (PPD; 0, 1, 2, 3 mg/kg/Tag, nach Angabe der Autoren 1 bis 3 % PPD wie in Haarfärbemitteln): signifikante Abnahme der Gesamtspermienzahl (p < 0,05 bzw. 0,01), des Hodengewichts (p < 0,05), mehr Keimzellapoptose, Verlust der Keimschicht, Ablösung von Hodenzellschichten und erhöhte Lipidperoxidation. Gruppengrößen nennt das Abstract nicht. Stärke: dermale Applikation. Schwäche: tägliche Anwendung bei Ratten, Übertragung auf die kurze Einwirkzeit beim Menschen offen [s133].

**Chen et al. 2024, menschliche Spermien in vitro.** Spermien gesunder Spender wurden mit 5, 25, 100 und 200 µM PPD behandelt. Gesamt- und progressive Beweglichkeit und Vitalität nahmen dosisabhängig ab; die Tyrosinphosphorylierung (Kapazitationsmarker) war bei 100 µM verringert, bei 25 µM nicht; die Akrosomreaktionsrate war bei 25, 100 und 200 µM erniedrigt, die Penetration eines viskosen Mediums gehemmt; ROS stiegen mit Konzentration und Dauer, der DNA-Fragmentierungsindex war bei 100 und 200 µM erhöht; basales intrazelluläres Calcium war erhöht, das Membranpotenzial verändert (das Abstract nennt einmal Depolarisation, einmal Hyperpolarisation). Im ergänzenden Mausversuch fanden die Autoren nach eigener Angabe verminderte progressive Beweglichkeit und Konzentration, mehr Fehlformen und degenerative Veränderungen der Hodenkanälchen. Die Arbeit gibt an, dass mehr als 66 % der Haarfärbemittel PPD enthalten, in Industrieländern auf 2 % begrenzt, in manchen anderen Ländern laut Arbeit 2 bis 90 %. Schwächen: Konzentrationen nicht mit Spiegeln nach Haarfärbung verglichen, Spenderzahl im Abstract nicht genannt [s42].

**Tayama et al. 2011 und 2012, Maus (Tagungsabstracts).** Phenylendiamin-Isomere an CD-1-Mäusen (11 Wochen, 5 Tiere je Gruppe), subkutan über 5 Tage: o-Phenylendiamin 200 mg/kg/Tag, m-Phenylendiamin 25 mg/kg/Tag, PPD 25, 12,5 und 6,25 mg/kg/Tag. Spermienzahl und -beweglichkeit sanken in der o-Phenylendiamin-Gruppe nach 1 Woche und zeigten nach 5 Wochen noch eine fallende Tendenz; die Histologie zeigte nach 1 Woche Degeneration und Nekrose des Samenepithels, nach 5 Wochen abgeschwächt. Bei einer m-Phenylendiamin-Gruppe zeigte ein Tier nach 5 Wochen leichte Degeneration. Schaden fand sich bei o-Phenylendiamin, einem als Haarfärbemittel wegen Kanzerogenität verbotenen Stoff, nicht aber bei PPD [s141]. Im Folgeabstract wurden Toluoldiamine, Aminophenole und Aminokresole bei der jeweils maximal verträglichen Dosis (ab 400 mg/kg/Tag, 10 Tiere je Gruppe) geprüft: Todesfälle bei 2,6-Toluoldiamin 3 von 10, 2-Amino-3-kresol 1 von 10, 2-Amino-4-kresol 2 von 10; Hodengewicht erniedrigt bei 3-Aminophenol (Woche 1) und 4-Aminophenol (Woche 1 und 5); Spermienzahl und -beweglichkeit ohne signifikante Unterschiede; histologisch Degeneration und Nekrose des Samenepithels bei 3-Aminophenol (Woche 5), 4-Aminophenol (Woche 1 und 5) und 2-Amino-4-kresol (Woche 5); Fazit der Autoren: Hoden- und Spermienschädigung bei 3-Aminophenol (100 mg/kg), 4-Aminophenol (400 mg/kg) und 2-Amino-4-kresol (200 mg/kg), relativ gering ausgeprägt [s137]. Schwächen beider Abstracts: Tagungsabstracts, kleine Gruppen, subkutane Gabe, keine Statistik im Abstract, Dosen nahe der Maximalverträglichkeit.

**Eissa et al. 2026, Kaninchen.** 72 männliche Kaninchen; dermale PPD-haltige Färbemittel (0,098; 0,187; 2,375 mg/g) alle zehn Tage über sechs Monate gegenüber Henna: dosisabhängige Mortalität (0 bis 22,2 %), vier- bis fünffach erhöhte Leberenzyme bei der höchsten Dosis, Hämoglobin -28 %, Erythrozyten -39 %, Leberzellnekrosen. Hodenendpunkte nennt das Abstract nicht; die Studie zeigt systemische Toxizität nach dermaler Gabe [s05].

**Schwermetalle in Haarfärbemitteln (Mohamed et al. 2026, Sudan).** Produktanalyse von elf schwarzen Haarfärbemitteln, Blutproben von 19 Frauen und ein Fragebogen an 312 Personen; Mangan und Blei waren die vorherrschenden Verunreinigungen, Cadmium zeigte das deutlichste Krebsrisikosignal bei beruflich Exponierten unter den Modellannahmen; Daten zu Männern oder Spermien enthält die Studie nicht [s13].

### Reinigungs- und Desinfektionsmittel

Zu Haushaltsreinigern, Waschmitteln und Desinfektionsmitteln gibt es keine Humanstudie, die die Verwendung im Haushalt mit Spermaparametern verknüpft. Die Evidenz besteht aus Mausversuchen und Zellversuchen mit quartären Ammoniumverbindungen (QAC), älteren Tensidstudien, einer Studie zur Hautdesinfektion bei Samenspendern und Studien zu Alkylphenolen, die in den Studien selbst nicht mit Reinigungsmitteln verknüpft werden.

**Übersicht zu quartären Ammoniumverbindungen.** QAC sind Desinfektionsmittel in Haushalt und Gesundheitswesen; ihr Einsatz stieg seit COVID-19 stark, und sie ersetzen verbotene Stoffe wie Triclosan und Triclocarban in Verbrauchsprodukten. Vorhandene Studien beschränken sich nach den Autoren weitgehend auf hohe Dosen und sind für tägliche Niedrigexposition nicht prädiktiv [s40].

**Melin et al. 2014, Maus.** Eine Zuchtkolonie zeigte nach Einführung eines Desinfektionsmittels mit ADBAC und DDAC verminderte Reproduktion; QAC waren noch Monate nach Absetzen im Käfigmaterial nachweisbar. Zuchtpaare, sechs Monate exponiert: längere Zeit bis zum ersten Wurf, längere Intervalle, weniger Welpen pro Wurf, weniger Schwangerschaften, deutliche Morbidität bei hochträchtigen Weibchen [s128].

**Melin et al. 2016, Maus.** Männchen mit ADBAC und DDAC hatten geringere Spermienkonzentration und Motilität bei unveränderter Vitalität; Weibchen hatten nach 8 Wochen weniger Corpora lutea und kürzere Östrusphasen: Subfertilität durch beide Geschlechter [s122].

**Melin und Hrubec 2025, Maus (Generationsstudie).** Männchen (F0) mit 120 mg/kg/Tag ADBAC und DDAC hatten verminderte Spermienkonzentration und Motilität, die bis in die F1-Generation anhielten; die mRNA-Expression von Chromatin-modifizierenden Enzymen war verändert (Hat1 und Kat2b hoch, Kdm6b runter, Dnmt1 in F1-Männchen runter); F2 verhielt sich wie die Kontrollen, die Weitergabe war also mehrgenerational, aber nicht transgenerational [s32].

**Kirkpatrick et al. 2025, Maus.** Orale QAC-Exposition senkte LH und FSH bei Männchen und Weibchen, bei Weibchen Progesteron und Östrogen. Der Sertoli-Zell-Stoffwechsel sank schon bei 0,0005 % ADBAC und DDAC, lange vor der Störung der Blut-Hoden-Schranke bei 0,01 %. Die Befruchtung war nach 24 Stunden unverändert, nach einer zehntägigen Pause aber vermindert, was die Autoren als Störung der Spermatogenese statt direkter Spermientoxizität deuten [s26].

**Baptista et al. 2013, menschliche Spermien in vitro.** Kationische Tenside (Benzalkoniumbromid, Pyridiniumbromid, Dodecyltrimethylammoniumbromid) senkten das mitochondriale Membranpotenzial nach 180 Minuten und beeinflussten Kapazitation, Akrosomstatus und Kalziumsignale; die Pyridiniumverbindung wirkte am stärksten (Kalziumanstieg bei 81,7 % der Zellen). Die Konzentrationen waren spermizid, nicht umweltrelevant [s131]. Die Autoren der Mausstudien betonen selbst, dass die Wirkung auf die menschliche Gesundheit unklar ist [s122, s26].

**Wang et al. 2018, Hautdesinfektion vor der Samenspende (Nanning).** Vergleichsstudie mit Selbstkontrolle bei 185 Spendern: Jeder gab zwei Proben ab, eine mit und eine ohne Desinfektion der Penishaut. Povidon-Iod wurde von August bis Dezember 2015 verwendet, Benzethoniumchlorid-Tücher (ein quartäres Ammoniumdesinfektionsmittel) von Januar bis Juli 2016 (63 Spender mit Povidon-Iod, 122 mit Tuch; an anderer Stelle im Abstract steht 62). In der Povidon-Iod-Gruppe unterschied sich der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 gegenüber 61,45 ± 4,78 %; p < 0,05; die Zuordnung der Werte zu den Gruppen nennt das Abstract nicht ausdrücklich); Volumen, Konzentration und Gesamtzahl unterschieden sich nicht. In der Tuch-Gruppe gab es bei keinem Parameter einen Unterschied. Unter den Proben mit abnormer Samenqualität hatten in der Tuch-Gruppe weniger abnorme progressive Beweglichkeit als in der Povidon-Gruppe (1,64 % [2/122] gegenüber 9,68 % [6/62]; p < 0,05). Schwächen: Die Mittel wurden in verschiedenen Zeiträumen und nicht randomisiert eingesetzt, die Unterschiede sind klein (rund 1,6 Prozentpunkte), und es geht um Hautdesinfektion, nicht um Haushaltsreiniger [s114].

**Tenside in Tierversuchen.** Geschirrspülmittel an männlichen Swiss-Albino-Mäusen (40 Tiere, fünf Gruppen zu je acht; 0,1 bis 5 % im Trinkwasser, Beginn mit drei Wochen, 60 Tage): Die Gewichte von Leber, Niere, Milz, Lunge, Hoden und Gehirn blieben unverändert; verändert waren Hämoglobin, Plasmaprotein, neutrophile und eosinophile Granulozyten, und ALP und AST waren bei 1 % und 5 % erhöht. Spermien, Histologie und Hormone wurden nach dem Abstract nicht untersucht; ein unverändertes Hodengewicht schließt Veränderungen der Spermienqualität nicht aus [s105]. Beim Hahn (194 Tiere, Trinkwasser mit linearem Alkylbenzolsulfonat, 10 und 100 ppm, in der Hochdosisgruppe ab der 16. Woche 1500 ppm) beeinflussten 10 bis 100 ppm die Spermienkonzentration nicht wesentlich, erhöhten aber Serum-Transaminase und Cholesterin; bei 1500 ppm sanken Körpergewicht, Hodengewicht und Spermienkonzentration signifikant; die Autoren schätzen, dass etwa 80 mg/kg täglich Wachstum und Geschlechtsreifung ernsthaft hemmen würden [s151]. Ein Vogel, orale Hochdosis, 45 Jahre alt: keine direkte Aussage zu Waschmittelrückständen beim Menschen.

**Spermien als Testobjekt (Russland und Ukraine).** Zwei Arbeiten verwenden bewegliche Rinderspermien als standardisierte Zellkultur, um die Toxizität von Haushaltschemie zu prüfen; sie messen keine Spermienqualität beim Menschen. Von 21 Waschmitteln (10 Pulver, 11 Gele) erfüllten 13 die Anforderungen nicht; nach einer Schnellwäsche (30 °C, 30 Minuten) waren 80 % der mit Pulvern gewaschenen Textilien im Test toxisch, mit Gelen 4,5 %; im Modus „tägliche Wäsche" waren bei den Pulvern alle Proben unbedenklich; als Einschränkung nennen die Autoren das Fehlen von Daten zur Zytotoxizität des Spülwassers [s31]. Von 23 Geschirrspülmitteln für Kinderartikel lagen 17 im unbedenklichen Bereich, sechs hatten einen Toxizitätsindex über 120 %; klassische Tierversuche ergaben Gefahrenklasse 4 [s99]. Beide Arbeiten sind Produktsicherheitsstudien und beantworten die Frage nach der Spermienqualität unter Alltagsexposition nicht.

**Alkylphenole (Nonylphenol).** 4-Nonylphenol gilt als Abbauprodukt bestimmter Tenside aus Reinigungs- und Waschmitteln; diese Herkunft wird in den Studien selbst nicht untersucht, sie ist eine Einordnung aus dem Rechercheprozess.

- Mensch: In der Nanjinger Studie waren 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol mit idiopathischer Infertilität assoziiert [s132]; in der russischen Samenflüssigkeit fand sich für 4-Nonylphenol kein belastbarer Zusammenhang (Median 0,170 ng/ml; p = 0,627 für Normo- gegenüber Pathozoospermie) [s101, s94, s91]. Menschliche Spermien in vitro: Nonylphenol (1, 10, 100 nM) hemmte die Beweglichkeit nicht kapazitierter Spermien und die Penetration viskoser Medien konzentrationsabhängig; ESR1-, Nrf2- und SRC-Proteine sanken, STAT3-Phosphorylierung und ROS stiegen, das mitochondriale Membranpotenzial war depolarisiert [s02].
- Ratte (Yılmaz et al. 2025): 30 erwachsene Sprague-Dawley-Ratten, fünf Gruppen zu je sechs; 4-Nonylphenol 125 mg/kg/Tag per Schlundsonde, 48 Tage, mit und ohne Natriumselenit (0,5 mg/kg/Tag). Unter 4-Nonylphenol sanken der Kanälchendurchmesser (270,20 gegenüber 292,68 µm in der Kontrolle), die Epithelhöhe (52,38 gegenüber 69,10 µm) und der Spermien-Lebendanteil (34,20 gegenüber 82,73 %); die abnormen Spermien stiegen (75,93 gegenüber 34,00 %), ebenso Caspase-3-positive Kanälchen (49,72 gegenüber 23,36 %) und das Malondialdehyd im Hoden; die Superoxiddismutase im Hoden sank (2,71 gegenüber 5,33 U/mg Protein). Bei den Spermien-Anomalien überwogen Fehlbildungen des Flagellums. Die Hodengewichte unterschieden sich nicht. Mit Selen fielen die Veränderungen geringer aus (abnorme Spermien 43,20 %, Lebendanteil 69,07 %); Selen allein hatte eigene Wirkungen (verringerte Epithelhöhe und Lebendanteil gegenüber der Kontrolle). Schwächen: sechs Tiere je Gruppe, eine einzige Dosis, bereits in der Kontrolle 34 % abnorme Spermien, Unterschiede zwischen Kontroll- und Lösungsmittelgruppe [s36].
- Ratte, F1 (Cai et al. 2022): Bisphenol A (0,5 mg/kg) und 4-Nonylphenol (5 mg/kg) allein oder kombiniert ab 30 Tage vor der Paarung; bei den F1-Männchen mit 60 Tagen war die Spermienzahl in der Bisphenol-A- und der Kombinationsgruppe vermindert (p < 0,05), ohne signifikante Wechselwirkung; das LC3-II/LC3-I-Verhältnis (Autophagie) war in allen drei Gruppen erhöht [s65].
- Maus, F1 (Kim et al. 2019): 50 µg/l Nonylphenol im Trinkwasser von der elterlichen Vorpaarungszeit bis Tag 55 der Nachkommen; Körpergewicht niedriger, absolutes Hodengewicht erhöht, Nebenhoden, Prostata und Samenblase leichter, geringerer Kanälchendurchmesser, weniger Keimzellen und weniger reife Spermien in der Cauda epididymidis; die Autoren sehen die Dosis nahe der durchschnittlichen täglichen Aufnahme des Menschen [s96]. Maus mit Einzelzell-Sequenzierung (Zhao et al. 2025, 3 Monate): weniger Keimzellen, vier Gene (Cmtm2b, Rpl28, Adam32, Pgam2) auf Proteinebene vermindert, Anreicherung in oxidativer Phosphorylierung und ROS-Signalen [s37].
- In vitro, Tier: Eberspermien (4-Nonylphenol 0 bis 100 µM): Beweglichkeit und Bewegungsparameter sanken, ATP stieg dosisabhängig, Veränderungen im PI3K/PDK1/AKT-Weg [s45]. Gefrorene und aufgetaute Bullenspermien (1 bis 500 µg/ml, 4 Stunden): Beweglichkeit und mitochondriales Membranpotenzial sanken ab 250 µg/ml, die Akrosomreaktion war schon bei 1 µg/ml erhöht; die Konzentrationen liegen mehr als das 5.000-Fache über dem Median in russischer menschlicher Samenflüssigkeit (0,170 ng/ml) [s129, s101].

Für Alkylphenole ist die Befundlage über Mensch, Zellmodelle und Tierversuche konsistent in Richtung einer möglichen Beeinträchtigung; in den Einzelstudien fehlen im Abstract aber meist Effektgrößen.

### Zusammenschau der Studienlage

Die folgende Tabelle ordnet die gefundenen Studien nach Stoffgruppe. Sie enthält keine Empfehlung.

| Stoffgruppe | Humanstudien mit Spermaendpunkten | Richtung der Humanbefunde | Tierversuch und In vitro | Leitlinien |
|---|---|---|---|---|
| Triclosan | Neun Einzelstudien [s72, s97, s112, s59, s123, s107, s125, s22, s132], russische Serie [s101, s93, s94], Metaanalyse mit 5 Studien [s38] | Uneinheitlich: schwache negative, eine positive, größte Fall-Kontroll-Studie ohne Befund; Fekundabilität vermindert [s74] | Ratte, Maus, Zellen [s87, s84, s104, s127, s27, s04, s103, s110, s10] | AUA/ASRM und EAU nennen Triclosan nicht [s39, s19] |
| Triclocarban | Eine Kohorte ohne Befund im Abstract [s112] | nicht berichtet | Mensch in vitro, Ratte [s20, s83, s138] | nicht genannt |
| UV-Filter (Benzophenone) | Fünf Einzelstudien [s124, s100, s106, s46, s113] und eine Mischungsstudie [s43] | Einzelne Assoziationen (BP-2), keine in [s100], teils umgekehrte Richtung [s46] | Maus, Eber in vitro, Ratte [s21, s29, s11, s48, s53, s146, s145] | „nicht schlüssig" [s39] |
| Parabene | Sieben Studien [s112, s52, s64, s51, s12, s118, s120] | Überwiegend kleine negative Assoziationen | Ratte, Maus [s150, s149, s147, s130, s76, s47] | „nicht schlüssig" [s39] |
| Aggregierte Körperpflege | Eine große Querschnittsstudie [s89] | Kaum Assoziationen | nicht zutreffend | nicht genannt |
| Tätowierungen | Eine Querschnittsstudie [s18] | Keine Assoziation | nicht gefunden | nicht genannt |
| Haarfärbemittel | keine | nicht beurteilbar | Ratte, Maus, Mensch in vitro [s133, s42, s141, s137, s14] | nicht genannt |
| Reinigungsmittel (QAC) | keine (Hautdesinfektion [s114]) | nicht beurteilbar | Maus, Mensch in vitro [s128, s122, s32, s26, s131] | nicht gesondert genannt [s39, s19] |
| Duftstoffe | eine aggregierte Studie [s89] | Kaum Assoziationen | Ratte (HHCB, Benzylbenzoat), Hepatozyten (Cyclamenaldehyd) [s60, s61, s69, s80] | nicht genannt |

Die überlappenden Kohorten (EARTH [s97, s22], Paarkohorte [s112, s113], dänische Geburtskohorte [s89, s18, s09], russische Serie) sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu zählen. Von den Humanstudien stammen, soweit die Abstracts das Land nennen, viele aus China [s72, s123, s59, s52, s64, s43, s12, s62], Dänemark [s09, s106, s67, s89, s18], den USA [s97, s22] und Spanien [s100, s46]; auf Länder mit anderem Triclosan- oder UV-Filter-Gebrauch sind sie nur eingeschränkt übertragbar. Die Recherche konnte mehrere Datenbanken nicht auswerten (unter anderem CNKI, SciELO, LILACS, eLIBRARY.ru, DergiPark, AWMF); das Fehlen von Studien in diesen Räumen ist damit nicht bewiesen.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

### Einstufung und ihre Bedeutung

Die folgenden Abschnitte ordnen die in den Studien beschriebenen Wirkwege in drei Stufen. Die Einstufung ist eine Einordnung dieser Studie anhand der vorliegenden Abstracts, keine Bewertung durch ein formales System.

- **Bewiesen** bedeutet hier eng: Der Vorgang wurde im Experiment gezeigt (Zellversuch, Tierversuch), mit Kontrollgruppe und, wo berichtet, Dosisabhängigkeit. Es bedeutet nicht, dass er beim Menschen unter alltäglicher Exposition abläuft. Für keinen der unten genannten Wege liegt ein Nachweis beim Menschen unter realistischer Exposition vor.
- **Plausibel** bedeutet: Es gibt experimentelle Hinweise, die zu den beobachteten Assoziationen passen, aber die Verbindung zwischen Exposition, Mechanismus und Spermaparameter ist beim Menschen nicht belegt oder stützt sich auf einzelne Studien.
- **Spekulativ** bedeutet: Die Verbindung wird in der Literatur vermutet, aber durch die vorliegenden Daten nicht gestützt oder sogar teilweise widerlegt.

### Bewiesen (im Experiment gezeigt)

**Oxidativer Stress und Störung der Spermienenergie in vitro.** An menschlichen Spermien erhöhte Triclocarban ab 10 µmol/l reaktive Sauerstoffspezies und senkte mitochondriale ATP-Produktion und Membranpotenzial, ähnlich wie die Positivkontrolle FCCP; bei zuckerarmem Medium war der Schaden größer, was auf die Rolle des Energiestoffwechsels hinweist [s20]. Para-Phenylendiamin erhöhte in 5 bis 200 µM dosis- und zeitabhängig ROS, senkte Beweglichkeit und Vitalität, hemmte Akrosomreaktion und Penetration und erhöhte bei 100 und 200 µM die DNA-Fragmentierung; das basale intrazelluläre Calcium stieg [s42]. Nonylphenol (1 bis 100 nM) senkte Beweglichkeit und Penetration, erhöhte ROS und STAT3-Phosphorylierung und depolarisierte das mitochondriale Membranpotenzial [s02]. Kationische Tenside senkten das mitochondriale Membranpotenzial und veränderten Kalziumsignale menschlicher Spermien, aber in spermiziden Konzentrationen [s131]. Diese Befunde zeigen, dass die Stoffe in der Zelle in hohen Konzentrationen direkt wirken können; über die Konzentrationen im menschlichen Körper sagen sie nichts aus.

**Oxidative Stressmarker im Hodengewebe.** In den Tierversuchen mit Triclosan, Butylparaben, Propylparaben, Nonylphenol und Galaxolid sanken antioxidative Enzyme (Katalase, Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase) und stieg Malondialdehyd als Marker der Lipidperoxidation im Hoden [s110, s63, s36, s60]. Ein Radikalfänger (NAC) hob die Wirkung von Triclosan in Sertoli-Zellen auf, was den Weg über ROS in diesem Modell stützt [s04]. Dasselbe Muster zeigt sich bei PPD an der Ratte (erhöhte Lipidperoxidation, Keimzellapoptose) [s133].

**Störung der Steroidsynthese und der Androgenwirkung in Tiermodellen.** Triclosan senkte bei der Ratte dosisabhängig Testosteron und verminderte Steroidrezeptoren, StAR und Aromatase [s87]; bei laktierenden Ratten sanken die mRNA-Spiegel von 3β-HSD und Androgenrezeptor [s84]; bei der Maus hemmte Triclosan die Testosteronsynthese in Leydig-Zellen über Mitophagie und den PI3K/AKT/mTOR-Weg (Zellversuch 30 bis 3000 nM) [s27]. Butylparaben senkte Testosteron in Ratten dosisabhängig [s150, s130]. BP-3 war im Hershberger-Test antiandrogen (Gewicht von Prostata und Musculus levator ani) [s53]. Galaxolid und Irgacure 369 wurden als Androgenrezeptor-Agonisten identifiziert, was mit niedrigerem Testosteron und höherem LH und FSH in der Ratte einhergeht [s61, s60]. Triclocarban verstärkte in Zelllinien die Androgenwirkung [s138].

**Störung der Blut-Hoden-Schranke und der Sertoli-Zellen.** BP-3 zerstörte bei 100 µM in primären Sertoli-Zellen den transepithelialen Widerstand und senkte ZO-1, Occludin und Connexin 43 (Aktin-Desorganisation über Rictor/mTORC2) [s73]. In der Maus störten BP-1, BP-2 und BP-3 bei 2 bis 246 µg/l im Trinkwasser die Blut-Hoden-Schranke und machten nach Cyclophosphamid-Gabe die Hoden empfindlicher [s21, s29]. QAC verminderten den Sertoli-Zell-Stoffwechsel schon bei 0,0005 %, lange vor der Störung der Blut-Hoden-Schranke bei 0,01 % [s26]. Triclosan aktivierte in Sertoli-Zellen (5 und 10 nM) die Cuproptose über die Herunterregulierung von PEPCK [s04].

**Störung der Kapazitation und der Signalwege im Spermium.** Avobenzon und 4-Nonylphenol veränderten in Eberspermien PKA-Aktivität und Tyrosinphosphorylierung, wichtige Schritte der Kapazitation [s48, s45]; PPD senkte beim Menschen in vitro die Tyrosinphosphorylierung bei 100 µM [s42].

**Epigenetische Veränderungen im Tiermodell.** Butylparaben veränderte bei der Ratte die DNA-Methylierung in Nebenhodenspermien (indirekter Nachweis mit RAPD-Methode, fünf Amplikons 1,4- bis 3,8-fach erhöht) [s135]; QAC veränderten die mRNA von Chromatin-modifizierenden Enzymen in F0- und F1-Mäusen, ohne transgenerationale Weitergabe in die F2 [s32].

**Speziesspezifische Stoffwechselwege.** Bei Cyclamenaldehyd entsteht ein Metabolit, der als Coenzym-A-Konjugat nur in Rattenhepatozyten, nicht in Kaninchen- und Humanhepatozyten akkumuliert; das Kaninchen zeigte in vivo keine Effekte [s80]. Dieses Beispiel zeigt, dass ein Rattenbefund nicht automatisch auf den Menschen übertragbar ist. Auch BP-3 hat bei der Ratte nach topischer Gabe eine Bioverfügbarkeit von 6,9 % und einen Hoden/Plasma-Verteilungskoeffizienten unter 1 [s68]; Triclosan reicherte sich bei der Ratte im Hoden und der Prostata nicht über Plasmaniveau an, im Nebenhoden dagegen mit längerer Halbwertszeit [s127].

### Plausibel

**Oxidativer Stress als gemeinsamer Weg.** Die Metaanalyse zu Triclosan führt oxidativen Stress, der in Tier- und In-vitro-Studien gezeigt wurde, als möglichen Vermittler der Wirkung auf die Samenqualität an [s38]. Die menschlichen Samenflüssigkeitsdaten aus Russland messen diesen Weg nicht selbst, die Autoren nennen ihn als Deutung der Assoziation von Triclosan mit der DNA-Fragmentierung [s90, s94]. Die Beobachtung von Li et al. 2026, dass Butylparaben im Urin mit DNA-Schaden im Comet-Test assoziiert war, passt zu diesem Weg [s12]; ebenso die Befunde zur DNA-Fragmentierung bei PPD in vitro [s42]. Es handelt sich um eine plausible, aber nicht geschlossene Kette, weil Exposition, Marker und Spermaparameter nirgends in derselben Humanstudie zusammen gemessen wurden.

**Antiandrogene und östrogene Wirkung der Benzophenone.** BP-1, BP-2 und BP-3 wirkten in den Mausstudien über den Östrogenrezeptor (Antagonist ICI 182780 hob Effekte teilweise auf; A2m als Östrogenrezeptor-Zielgen) [s29, s49]; in NHANES war BP-3 mit niedrigerem Testosteron, Östradiol und SHBG assoziiert [s11]; in Dänemark war höheres mütterliches BP-3 mit höherem LH assoziiert, was die Autoren als kompensierte verminderte Leydig-Zellfunktion deuten [s67]; beim jungen Mann war BP-1 und BP-3 mit höherem FSH assoziiert [s100]. Das ist ein stimmiges Bild für Hormonachsen, aber ohne konsistente Spermabefunde beim Menschen [s100, s124, s46].

**Hormonelle Kompensation und Hodenfunktion.** Dass Hormonwerte (LH, FSH, Testosteron-Verhältnisse) sich verändern, ohne dass die Spermienparameter sich ändern, wurde in zwei Humanstudien beobachtet [s67, s100]. Triclosan und Phthalate waren bei Den Hond mit niedrigerem Inhibin B und höherem LH assoziiert [s125]. Das passt zu einer Beeinflussung der Hodenfunktion mit Kompensation, ohne dass dies beim Menschen bewiesen wäre.

**Hautbarriere und Aufnahmeweg.** Bei Trägern einer Filaggrin-Mutation (gestörte Hautbarriere) zeigten sich andere Assoziationen von Bisphenol A und UV-Filtern mit Hormonen und Motilität als bei Nichtträgern; die Autoren vermuten einen Einfluss der Hautaufnahme [s106]. Zusammen mit der geringen Hautaufnahme von BP-3 bei der Ratte [s68] ist plausibel, dass die Menge, die über die Haut ins Blut gelangt, ein zentraler Faktor ist; eine Humanmessung dazu fehlt in den Quellen, abgesehen vom Sekundärbericht über eine Expositionsstudie mit Sonnenschutzmitteln mit systemischer Aufnahme und ohne signifikante Hormoneffekte [s17].

**Entwicklungsprogrammierung.** Triclosan bei der Ratte in Gestation und Laktation (Priyanka) und BP-1 bis BP-3 bei neugeborenen Mäusen führten zu Veränderungen von Hoden, Hormonen und Spermien bei den Nachkommen [s87, s21, s29]. Beim Menschen sind die Daten dünn: Die Kopenhagener Kohorte zur mütterlichen Exposition fand keine Assoziation mit Spermaqualität [s67], und die große dänische Kohorte fand für die Mischung nicht-persistenter Stoffe (Phthalate, Triclosan) keine Assoziation [s09]; die Autoren verweisen aber auf mögliche Abschwächung durch Einzelmessung. Eine Metaanalyse zur prä- und postnatalen Exposition fand eine Gesamt-OR von 1,11 (0,91 bis 1,35), deren Intervall die 1 einschließt [s121].

**Störung der Spermatogenese statt direkter Spermientoxizität.** Bei QAC war die Befruchtung nach 24 Stunden unverändert, nach einer zehntägigen Pause aber vermindert, was eine Störung der Spermienbildung nahelegt [s26]. Dazu passt, dass bei Mäusen die Spermienparameter nach F0-Exposition bis in die F1 anhielten [s32].

### Spekulativ

**Synergie mehrerer Stoffe.** Die russische Arbeit von 2018 deutete die stärkere Korrelation der Summe aus Bisphenol A und Triclosan mit der Morphologie als Synergie [s101]; die späteren Arbeiten derselben Gruppe fanden kein synergistisches Zusammenwirken [s94, s91]. Die Mischungsstudien zeigen keinen einheitlichen Mischungseffekt: Génard-Walton fand für die Gesamtmischung Nullbefunde [s22], Gao fand ein negatives Mischungssignal mit BP-1, Methylparaben und MCPP als Treibern [s43]. Bei Xenopus wirkte die Kombination von Carbendazim und BP-3 synergistisch, jede Substanz allein bei diesen Konzentrationen nicht [s30]; ein Rückschluss auf den Menschen ist spekulativ.

**Direkte Wirkung von Triclosan in der Samenflüssigkeit.** Die russischen Autoren deuten den Nachweis in der Samenflüssigkeit als möglichen Ausdruck einer direkten toxischen Wirkung; das Querschnittsdesign kann das nicht belegen, und mögliche umgekehrte Kausalität oder Störgrößen (Beruf, Produktnutzung) wurden nicht erhoben [s92, s101]. Die gleichen Autoren setzen Hodenkonzentrationen der Ratte (hohe orale Dosis) und Konzentrationen in menschlicher Samenflüssigkeit gleich; die Matrizes sind nicht gleichwertig [s93].

**Ein „schützender" Effekt von 4-Nonylphenol.** Die Autoren der russischen Regression formulieren die Annahme selbst als Annahme; das Konfidenzintervall des Odds Ratio (0,002 bis 28,624) trägt sie nicht [s94].

**Von Tierdosen auf Alltagsexposition schließen.** Die Spermienbefunde bei Säugetieren traten bei Triclosan bei 200 mg/kg (Ratte) und 20 bis 40 mg/kg (Maus) auf, bei Benzophenon-Mausversuchen im µg/l-Bereich des Trinkwassers, bei Butylparaben (Ratte) bei Futter-Dosen im Bereich der zulässigen Tagesaufnahme [s127, s04, s21, s150]. Die Autoren von Ena et al. halten die Relevanz bei Dosen von 750 mg/kg für fraglich [s104]; in den Studien fehlen meist Expositionsvergleiche mit dem Menschen. Ob Zahnpasta, Seife oder Sonnencreme solche Mengen im Körper erzeugen, ist aus den Quellen nicht ableitbar.

**Schutz durch Antioxidanzien beim Menschen.** Selen und Pflanzenextrakte milderten im Rattenmodell die Schäden durch Triclosan und Nonylphenol [s10, s36, s63]. Die Aussagen sind Teil von Schutzstoff-Studien, die eine Toxizität voraussetzen und eine Gegenmaßnahme prüfen. Die EAU-Leitlinie hält fest, dass Antioxidanzien- und Lebensstilinterventionen zwar das Risiko einer DNA-Fragmentierung senken könnten, dies aber durch randomisierte Studien nicht gestützt sei [s19]. Ein Schluss auf den Menschen und auf Therapie wird hier nicht gezogen.

**Titandioxid als Sonnenschutzrisiko.** Die Hodenbefunde nach oraler oder intravenöser Gabe von Nanopartikeln [s111, s140, s75, s116] sagen nichts über Sonnenschutzmittel auf der Haut.

### Zusammenfassende Einordnung der Mechanismen

Für fast alle untersuchten Stoffe sind Wirkwege im Experiment beschrieben (oxidativer Stress, Mitochondrienfunktion, Steroidsynthese, Sertoli-Zell-Funktion, Rezeptorwirkung). Die Wege sind unspezifisch: Dieselben Marker werden bei Triclosan, Parabenen, Benzophenonen, PPD und Nonylphenol gefunden, weil es sich um allgemeine Antworten von Zellen auf Giftstoffe in hoher Konzentration handeln kann. Dass ein Wirkweg im Labor gezeigt wurde, beantwortet nicht, ob er bei Konzentrationen auftritt, die durch Kosmetika, Tätowierungen oder Reinigungsmittel im Körper entstehen. Die einzigen Brücken von der Exposition zur Konzentration im Körper sind Messungen im Urin und in der Samenflüssigkeit [s123, s101, s81, s56] und die Hautaufnahme-Studie bei der Ratte [s68].

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

### Dosis-Wirkung beim Menschen

Beim Menschen gibt es kein Studiendesign, das eine Dosis-Wirkungs-Beziehung sauber bestimmt. Die Expositionsmaße sind Einzelmessungen im Urin oder in der Samenflüssigkeit, die Gruppenbildung erfolgt nach Terzilen, Quartilen oder am Median der eigenen Daten. Die einzige Stoffgruppe mit mehreren Studien, in denen die Form der Beziehung ausdrücklich geprüft wurde, ist Triclosan.

| Studie | Teilnehmer | Messung | Nachweisrate und Höhe | Form der Beziehung |
|---|---|---|---|---|
| Zhu 2016 [s123] | 471 Männer | Urin | 96,7 %; Median 0,97 ng/mg Kreatinin | Zusammenhang nur im niedrigsten Terzil, im mittleren und hohen nicht signifikant (nicht-monoton) |
| Yuan 2022 [s72] | 406 Männer | Urin | 74,6 % | Kein monotoner Trend, keine signifikante Nichtlinearität |
| Nassan 2019 [s97] | 262 Männer, 581 Proben | Urin | 74 % über 2,3 µg/l | Kein Dosis-Wirkungs-Trend; 2. und 3. Quartil signifikant, 4. nicht |
| Jurewicz 2018 [s107] | 315 Männer (nur normale Konzentration) | Urin | 84,13 %; Median 2,83 µg/l | Zusammenhang ab dem 50. Perzentil |
| Guo 2023 [s59] | 100 Fälle, 100 Kontrollen | Seminalplasma | Mittelwert 4,0 bzw. 2,6 µg/l [s38] | Nur 4. gegenüber 1. Quartil signifikant (OR 2,36; 1,03 bis 5,39) |
| Zhu 2022 [s74] | 443 Paare, 331 nachverfolgt | Urin | nicht im Abstract | „Tendenz" zu Dosis-Wirkung über Terzile; OR Infertilität 1,6 (1,0 bis 2,6) |
| Chigrinets 2019 [s90, s94] | 47 bis 84 Proben | Samenflüssigkeit | 84,3 bis 85,4 %; Median 0,11 bis 0,16 ng/ml | Median-Split (OR 18,3; 3,4 bis 97,7) bzw. Regression (instabiles Modell) |
| Hull 2026 [s09] | 841 Männer | mütterliches Blut | nicht im Abstract | Mischung nicht-persistenter Stoffe: keine Assoziation |

Das Bild ist uneinheitlich: Wo die Form geprüft wurde, fand sich überwiegend kein monotoner Anstieg [s72, s97, s123]. Die russischen Autoren führen selbst eine nicht-monotone Dosis-Wirkung an und verweisen auf eine Arbeit, in der niedrige Triclosan-Dosen (0,8 bis 8,0 mg/kg) beim Tier keine negative Wirkung auf die Fruchtbarkeit hatten [s92]. Mit den vorliegenden Daten lässt sich nicht entscheiden, ob ein nicht-monotones Muster real ist oder Zufall und Mehrfachtests spiegelt. Die Metaanalyse stellt hohe Heterogenität fest (I² 88 bis 100 %) [s38].

Die Effektgrößen sind klein. Bei Nassan lagen sie unter 1,5 Prozentpunkten normal geformter Spermien [s97]. Bei Buck Louis stehen Effekte für BP-2 von einzelnen Parametern mit Konfidenzintervallen nahe Null nebeneinander mit einer verbesserten Kategorie [s124]. Kleine Effekte erschweren auch den Nachweis eines tatsächlichen Dosis-Wirkungs-Verlaufs.

**Aggregierte Produktnutzung.** Bei Ugelvig Petersen gab es zwischen niedriger, mittlerer und hoher Produktexposition kaum Assoziationen mit Spermaparametern; da alle Teilnehmer mindestens ein Produkt wöchentlich nutzten und 92 % parfümierte Produkte, fehlt eine unexponierte Vergleichsgruppe [s89]. Bei Tätowierungen gab es weder für Anzahl noch für Farbschema (84 % nur schwarz) eine Assoziation; Tintenmenge, Fläche und Alter der Tätowierung wurden nicht erfasst [s18].

### Dosis-Wirkung im Tierversuch

Die Tierdaten erlauben dagegen den Vergleich von Dosen. Die Tabelle fasst zusammen, bei welchen Dosen Spermien- oder Hodenwirkungen berichtet wurden und bei welchen nicht. Wirkungen auf Hormone oder Organgewichte sind gesondert vermerkt.

| Stoff, Modell | Geprüfte Dosen | Wirkung auf Spermien oder Hoden | Kein Befund bei |
|---|---|---|---|
| Triclosan, Ratte, subkutan, Gestation und Laktation [s87] | 0,1; 4; 40; 150 mg/kg/Tag | Testosteron, Spermienzahl, Motilität dosisabhängig vermindert; Subfertilität bei 40 und 150; F2 leichter bei allen Dosen | nicht im Abstract benannt |
| Triclosan, Ratte, Schlundsonde, 60 Tage [s104] | 0,25; 25; 250; 750 mg/kg/Tag | Tägliche Spermienproduktion bei hohen Dosen vermindert; Körper- und Organgewichte bei 750 | nicht im Abstract benannt |
| Triclosan, Ratte, 8 Wochen [s127] | 10; 50; 200 mg/kg | Nur 200 mg/kg: tägliche Spermienproduktion, Morphologie, Nebenhodenhistologie | 10 und 50 mg/kg |
| Triclosan, Maus, prä- und postnatal [s27] | 30; 300; 3000 µg/kg/Tag | Hodengewicht, Testosteron, Steroidogenese-Enzymaktivität vermindert | nicht im Abstract benannt |
| Triclosan, Maus, Tag 56 bis 84 [s04] | 20; 40 mg/kg/Tag | Spermienzahl vermindert, mehr Fehlformen | nicht im Abstract benannt |
| Triclosan, Wistar-Ratte, Futter, 2 Monate [s103] | 200 mg/kg | Beweglichkeit, Hodengewicht, Keimepitheldicke | Spermienzahl, atypische Formen |
| Butylparaben, Ratte, Futter, 8 Wochen [s150] | 0,01; 0,10; 1,00 % | Spermienreserve und tägliche Produktion bei allen Dosen, Testosteron ab 0,10 % | keine Dosis ohne Effekt auf Spermienreserve |
| Propylparaben, Ratte, Futter, 4 Wochen [s149] | 0,01; 0,10; 1,00 % (oberer ADI-Wert 10 mg/kg/Tag) | Spermienreserve, Konzentration ab 0,10 %, tägliche Produktion bei allen Gruppen | Organgewichte |
| Methyl- und Ethylparaben, Ratte, 8 Wochen [s147] | 0,1 und 1,0 % (rund 1000 mg/kg/Tag) | keine antispermatogene Wirkung | beide Dosen |
| n-Butylparaben, Ratte, pränatal bis postnatal [s130] | 64; 160; 400; 1000 mg/kg/Tag | Spermienzahl und Produktion bei 400 und 1000 | NOAEL 160 mg/kg/Tag |
| Butyl- und Isobutylparaben, Ratte, 13 Wochen subkutan [s76, s47] | 2; 10; 50 mg/kg/Tag | keine östrogenen Samenwirkungen | NOAEL 50 mg/kg/Tag |
| Butylparaben, maternale Exposition, Ratte [s148] | 100; 200 mg/kg | Spermienzahl und -beweglichkeit bei 100 und 200 vermindert | nicht geprüft |
| BP-1, BP-2, BP-3, Maus, Trinkwasser [s21, s29] | 10 nM und 1000 nM (2,14 bis 246 µg/l) | Blut-Hoden-Schranke, Spermienqualität (BP-3 bei 2,28 und 228 µg/l) | Vergleichsdosis nicht unterhalb 10 nM geprüft |
| BP-3, kastrierte Ratte (Hershberger) [s53] | 40; 200; 1000 mg/kg/Tag | Prostata ab 200, Musculus levator ani ab 40 | nicht im Abstract benannt |
| Benzophenon, Ratte, 2 Generationen [s146] | 100; 450; 2000 ppm | keine Wirkung auf Fortpflanzung und Spermien | alle Dosen |
| 4-Hydroxybenzophenon, Ratte [s145] | 0,01 bis 100 mg/kg/Tag | keine Wirkung nach 13 Wochen | alle Dosen |
| Ethylhexyl-Dimethyl-PABA, Ratte [s98] | NOAEL 100 mg/kg/Tag | früher berichtete Hoden- und Nebenhodenschäden (Dosis im Abstract nicht genannt) | 100 mg/kg/Tag (NOAEL) |
| PPD, Ratte, dermal [s133] | 1; 2; 3 mg/kg/Tag | Spermienzahl, Hodengewicht, Keimzellapoptose | nicht im Abstract benannt |
| PPD, Maus, subkutan, 5 Tage [s141] | 6,25; 12,5; 25 mg/kg/Tag | kein Befund an Hoden und Spermien | alle Dosen |
| o-Phenylendiamin, Maus, 5 Tage [s141] | 200 mg/kg/Tag | Spermienzahl, Beweglichkeit, Samenepithel | nicht geprüft |
| 4-Nonylphenol, Ratte, 48 Tage [s36] | 125 mg/kg/Tag | Lebendanteil, abnorme Spermien, Epithelhöhe | einzige Dosis |
| Nonylphenol, Maus, Trinkwasser, F1 [s96] | 50 µg/l | Hodenhistologie, reife Spermien | einzige Dosis |
| Benzylbenzoat, Ratte, 90 Tage [s69] | 25; 100 mg/kg | Befunde in Prostata und Nebenhoden | Spermienzahl, tägliche Produktion, Morphologie |
| Geschirrspülmittel, Maus, 60 Tage [s105] | 0,1 bis 5 % im Trinkwasser | Hodengewicht nicht verändert | alle Dosen (Spermien nicht untersucht) |
| Alkylbenzolsulfonat, Hahn [s151] | 10; 100; 1500 ppm | Spermienkonzentration bei 1500 ppm vermindert | 10 und 100 ppm |
| ADBAC und DDAC, Maus [s32] | 120 mg/kg/Tag | Konzentration und Motilität F0 und F1 vermindert | F2 |
| Titandioxid, Ratte, oral [s111, s75] | 50 mg/kg; 126 bis 378 mg/kg | Keimepitheldicke bzw. Hodenhistologie | nicht im Abstract benannt |

Drei Beobachtungen ergeben sich aus der Tabelle. Erstens liegen die Dosen mit berichteter Spermienwirkung bei Triclosan bei der Maus ab 20 mg/kg [s04], bei der Ratte in den Studien mit klarer Dosisangabe bei 200 mg/kg [s127, s103]; in der Gestationsstudie sanken die Werte dosisabhängig bis 150 mg/kg [s87]. Im µg/kg-Bereich wurden Hormon- und Hodengewichtsbefunde berichtet, im Abstract aber keine Spermienzahlen [s27]. Zweitens zeigt sich bei den Parabenen ein deutlicher Dosisgradient, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen je Gabeweg: Futtergabe nahe dem ADI-Bereich mit Spermienwirkung [s150, s149], subkutane Gabe bis 50 mg/kg/Tag ohne [s76, s47], und kürzere Ester (Methyl, Ethyl) bis rund 1000 mg/kg/Tag ohne Wirkung [s147]. Drittens fehlen bei vielen Studien (Duftstoffe, Haarfärbemittel, QAC) Dosisangaben im Abstract oder es wurde nur eine Dosis geprüft, sodass eine Dosis-Wirkungs-Aussage nicht möglich ist [s60, s133, s36, s96].

**Vergleich mit der Exposition des Menschen.** Direkte Vergleiche fehlen fast vollständig. Einzelne Anhaltspunkte: Die Hodenkonzentration der Ratte nach 200 mg/kg Triclosan im Futter (0,27 ng/ml im Homogenat-Überstand) liegt in der Größenordnung der Werte in menschlicher Samenflüssigkeit (0,1 bis 0,2 ng/ml), die Matrizes sind aber nicht gleichwertig [s93]. Die Hautaufnahme von BP-3 bei der Ratte beträgt 6,9 % [s68]. Die Risikobewertung zu Ethylhexyl-Dimethyl-PABA berechnet bei Höchstverwendung eine systemische Exposition von 0,588 mg/kg/Tag und einen Sicherheitsabstand von 180,18 [s98]; diese Rechnung stützt sich auf ältere Tierdaten und enthält keine Spermienmessung.

### Konzentrationen im Zellversuch

| Stoff | System | Konzentrationen | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Triclocarban [s20] | Menschliche Spermien | 0,1 bis 100 µmol/l | niedrigste wirksame Konzentration 10 µmol/l (ATP, Membranpotenzial, ROS) |
| PPD [s42] | Menschliche Spermien | 5 bis 200 µM | Akrosomreaktion ab 25 µM, DNA-Fragmentierung ab 100 µM |
| Nonylphenol [s02] | Menschliche Spermien | 1 bis 100 nM | Beweglichkeit, Penetration, ROS |
| Kationische Tenside [s131] | Menschliche Spermien | spermizide Konzentrationen | Membranpotenzial, Kalzium |
| Avobenzon [s48] | Eberspermien | 50 und 100 µM | Motilität, Kapazitation |
| 4-Nonylphenol [s45] | Eberspermien | 0 bis 100 µM | Beweglichkeit, ATP |
| Nonylphenol [s129] | Bullenspermien | 1 bis 500 µg/ml | Beweglichkeit ab 250 µg/ml; Akrosomreaktion schon bei 1 µg/ml |
| BP-3 [s73] | Sertoli-Zellen der Maus | 0 bis 100 µM | Barriere bei 100 µM |
| Triclosan [s04, s27] | Sertoli-, Leydig-Zellen | 5 und 10 nM bzw. 30 bis 3000 nM | Cuproptose, Mitophagie |
| Titandioxid [s109] | Forellenspermien | 0,01 bis 50 mg/l | Geschwindigkeit ab 10 mg/l |

Die Einheiten sind nicht direkt vergleichbar, und ein Vergleich mit Körperkonzentrationen fehlt in den Abstracts der Zellstudien [s20, s42]. Ein Beispiel für die Distanz zu Messwerten: Die Konzentrationen im Bullenspermien-Versuch mit Nonylphenol (1 bis 500 µg/ml) liegen mehr als das 5.000-Fache über dem Median in menschlicher Samenflüssigkeit (0,170 ng/ml) [s129, s101].

### Subgruppen

Subgruppen wurden meist nachträglich gebildet und in kleinen Stichproben ausgewertet. Die Befunde sind Hinweise, keine gesicherten Wirkmodifikatoren.

| Merkmal | Studie | Befund |
|---|---|---|
| Zeitraum, Nachweisrate | Nassan 2019 [s97] | Zusammenhang von Triclosan und Morphologie stärker bei Proben vor 2013, als Triclosan häufiger nachweisbar war |
| Expositionsbereich | Zhu 2016 [s123] | Zusammenhang nur im niedrigsten Terzil |
| Körpergewicht und Alter | Li 2026 [s12] | Butylparaben und DNA-Schaden stärker bei BMI ≥ 24 kg/m² und unter 30 Jahren |
| Hautbarriere | Joensen 2018 [s106] | Andere Zusammenhänge bei Filaggrin-Mutationsträgern (n = 65) als bei Nichtträgern (n = 130) |
| Fall oder Kontrolle | Okonofua 2024 [s51] | Propylparaben mit Motilität nur bei Fällen assoziiert |
| Vorauswahl der Population | Jurewicz 2018, 2017 [s107, s118] | Nur Männer mit normaler Konzentration eingeschlossen; Übertragung auf subfertile Männer eingeschränkt |
| Referenzgruppe | Adegbola 2024 [s38] | Subgruppe mit altersangepassten Kontrollen: Konzentration SMD -0,94 (p < 0,00001; I² 80 %) |
| Wechselwirkung mit anderen Stoffen | Génard-Walton 2025 [s22] | Interaktion Triclosan und Butylparaben bei der normalen Morphologie |
| Ernährung | Gao 2024 [s43] | Höhere Docosapentaensäure im Seminalplasma schwächte den MCPP-Zusammenhang ab (Interaktions-p = 0,047 bzw. 0,003) |
| Lebensphase | Hull 2026 [s09]; Holmboe 2022 [s67] | Fetale Exposition: Gesamtmischung mit großen Konfidenzintervallen vereinbar mit Null; Mischung nicht-persistenter Stoffe ohne Assoziation; Benzophenone und Phenole in der Schwangerschaft ohne Assoziation mit Spermaqualität |
| Zielgröße | Chigrinets 2019 [s91, s94] | Pathozoospermie: Bisphenol A dominiert; DNA-Fragmentierung: Triclosan dominiert |
| Geschlecht und Beruf | Henrotin 2015 [s126] | Friseurinnen und Kosmetikerinnen: Risikoverhältnisse für Schwangerschaftsausgänge 1,05 bis 1,24; keine Spermadaten |
| Wohnumfeld | Lv 2023 [s62] | Einzug innerhalb von drei Monaten nach Renovierung: OR 1,537 für abnorme progressive Motilität |
| Biologisches Modell | Natsch 2021 [s80] | Cyclamenaldehyd: Effekt nur bei Ratte, nicht bei Kaninchen und Hepatozyten des Menschen |
| Methodik | Bonde 2016 [s121] | Gesamt-OR 1,11 (0,91 bis 1,35) über alle Expositionen und Endpunkte |

Aus den Quellen nicht beantwortbar sind Fragen nach Subgruppen mit besonderer Empfindlichkeit (zum Beispiel nach Alter, Vorerkrankung oder Genotyp außerhalb des Filaggrin-Befunds), nach der Bedeutung des Rauchens als Effektmodifikator und nach unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Produkte desselben Stoffs. Die Studien adjustieren für Rauchen, BMI und Alter, werten sie aber überwiegend nicht als Subgruppen aus.

### Reversibilität

Zur Reversibilität beim Menschen gibt es keine Studie. Keine der gefundenen Arbeiten untersucht, ob sich Spermaparameter nach Beendigung oder Verringerung der Exposition ändern. Die Cochrane-Auswertung zur präkonzeptionellen Lebensstilberatung betrifft Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht die hier behandelten Stoffe [s77]. Die Spermatogenese dauert nach den Autoren einer Studie zu gepoolten Urinproben rund 90 Tage [s71]; ob und wann eine Veränderung rückgängig wird, ist daraus nicht abzuleiten.

Aus Tierversuchen und In-vitro-Daten lassen sich einzelne Hinweise zusammenstellen.

| Studie | Beobachtung | Aussage zur Reversibilität |
|---|---|---|
| o-Phenylendiamin, Maus [s141] | Spermienzahl und -beweglichkeit sanken nach 1 Woche, Histologie nach 5 Wochen abgeschwächt, Spermienwerte zeigten noch fallende Tendenz | teilweise Erholung der Histologie bei verzögertem Spermienbefund |
| 4-Hydroxybenzophenon, Ratte [s145] | Organgewichte am Tag 22 in höchster Dosisgruppe erniedrigt; mit 13 Wochen keine Unterschiede | Wirkung am Tag 22, nach 13 Wochen nicht mehr nachweisbar (nach den Autoren möglicherweise Körpergewichtseffekt) |
| ADBAC und DDAC, Maus [s32] | Spermienwirkung in F0 und F1, nicht in F2 | Wirkung endet nach einer Generation |
| QAC, Maus [s26] | Befruchtung nach 24 Stunden unverändert, nach zehntägiger Pause vermindert | Wirkung zeigt sich verzögert, nicht unmittelbar reversibel |
| Triclocarban, Ratte [s83] | Effekte am Tag 50 und im Erwachsenenalter (verminderte sexuelle Kompetenz) nach Exposition bis Laktationstag 21 | Wirkung nach Expositionsende anhaltend |
| BP-1 bis BP-3, Maus [s21] | Spätere Cyclophosphamid-Gabe schädigte nur die vorbehandelten Tiere | Hinweis auf bleibende erhöhte Empfindlichkeit nach Ende der Gabe |
| Triclosan, Ratte [s87] | Exposition bis Postnataltag 21; Subfertilität der F1, leichtere F2-Feten | Wirkung über das Expositionsende hinaus |
| Triclosan in Sertoli-Zellen [s04] | Wirkung durch Radikalfänger NAC aufgehoben | Im Zellversuch aufhebbar, solange die Exposition besteht; kein Beleg für Rückbildung nach Ende der Exposition |

Daraus folgt: Im Tier gibt es Hinweise auf teilweise Erholung [s141, s145, s32] und auf anhaltende Wirkungen nach früher Exposition [s83, s87, s21]. Beides hängt von Stoff, Modell, Dosis und Zeitpunkt ab und lässt sich nicht auf den Menschen übertragen. Auch ein Indiz in den Humandaten wird mit Vorsicht gelesen: Dass die Assoziation von Triclosan und Morphologie in den Proben vor 2013 stärker war, als Triclosan häufiger nachweisbar war [s97], kann auf eine sinkende Exposition hindeuten, ist aber keine Messung der Erholung. Die Folgebeobachtung von zwölf Monaten bei Zhu 2022 betrifft die Fekundabilität bei einmaliger Ausgangsmessung, nicht die Rückbildung [s74].

Die Evidenz zur Reversibilität ist damit für alle sechs Stoffgruppen nicht vorhanden oder nur tierexperimentell, und die Studie spricht dazu keine Empfehlung aus.

### Gesamteinordnung der Dosis-Wirkungs-Evidenz

1. **Triclosan:** Humanstudien mit uneinheitlichen und kleinen Effekten, ohne gesicherten Dosis-Wirkungs-Verlauf; Tierversuche mit Spermienwirkung bei hohen Dosen; Metaanalyse mit extremer Heterogenität [s38, s123, s72, s97, s104, s127].
2. **UV-Filter:** Mausstudien mit Wirkungen bei µg/l im Trinkwasser, Rattenstudien aus Japan ohne Spermienwirkung, Humanstudien ohne konsistenten Spermienbefund [s21, s29, s146, s145, s124, s100].
3. **Haarfärbemittel:** Wirkungen in vitro und bei der Ratte (dermal), nicht bei der Maus mit PPD in 5 Tagen; keine Humandaten [s42, s133, s141].
4. **Tätowierungen:** eine Humanstudie ohne Befund; keine Dosisvariable außer Anzahl und Farbe [s18].
5. **Reinigungsmittel:** Mausstudien zu QAC mit Wirkungen, keine Humandaten, keine Dosis-Wirkung beim Menschen [s128, s122, s32, s26].
6. **Duftstoffe:** verschiedene Stoffe, verschiedene Ergebnisse (HHCB mit Wirkung bei der Ratte, Benzylbenzoat ohne Spermienwirkung, Cyclamenaldehyd nur bei der Ratte); eine aggregierte Humanstudie ohne wesentliche Assoziation [s60, s69, s80, s89].

Die Studienlage trägt nach dem derzeitigen Stand weder den Schluss, dass die genannten Stoffe die Spermienqualität beim Menschen unter üblicher Alltagsexposition schädigen, noch den Schluss, dass sie es nachweislich nicht tun. Sie zeigt Hinweise auf mögliche Wirkungen bei hohen Dosen im Tier und im Zellversuch und kleine, uneinheitliche Assoziationen in Querschnittsstudien, deren Aussagekraft für Ursache und Wirkung begrenzt ist.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Frage, ob Haarfärbemittel, Tätowierungen, UV-Filter, Triclosan, Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder Duftstoffe mit der Spermienqualität zusammenhängen, wird fast vollständig in einer Wissenschaftssprache beantwortet. Von den 151 Quellen dieser Studie tragen 136 das Sprachmerkmal Englisch (Zählung über die Merkmale in synthese.json). Die übrigen Merkmale verteilen sich so, dass Mehrfachnennungen möglich sind, weil Titel und Abstract einer Arbeit in verschiedenen Sprachen vorliegen können: Russisch 11, Französisch 7, Japanisch 6, Türkisch 4, Chinesisch 3, Italienisch 1, Arabisch 1 und Ukrainisch 1. Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und Koreanisch kommen als Sprachmerkmal gar nicht vor. Dieses Kapitel ordnet die Literatur deshalb nach zwei Kriterien zugleich: nach der Sprache, in der eine Arbeit erschienen ist, und nach dem Land oder Forschungsraum, aus dem sie stammt. Das zweite Kriterium stützt sich auf die Autorenadressen, die für die meisten PubMed-indizierten Quellen über die Europe-PMC-Schnittstelle abgerufen wurden. Wo Sprache und Herkunft auseinanderfallen, etwa bei ägyptischen Rattenstudien in englischsprachigen Zeitschriften oder bei einer kolumbianischen Übersichtsarbeit, steht das jeweils dabei.

Drei Vorbemerkungen gelten für alle zwölf Abschnitte.

**Erstens** ist ein leeres Ergebnis nicht dasselbe wie ein Beleg für fehlende Literatur. Mehrere regionale Datenbanken waren für die Recherche technisch nicht abfragbar, darunter Cairn, SciELO, LILACS, CNKI, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark und mehrere große arabische Fachdatenbanken. Wo dieses Kapitel „keine Literatur“ schreibt, meint es: keine in den erreichbaren Quellen. Der genaue Stand der Erreichbarkeit steht in jedem Abschnitt.

**Zweitens** stammen viele Zahlen aus Abstracts. Volltexte lagen nur für wenige Studien vor, was an den Stellen vermerkt ist, an denen es für die Deutung zählt. Weil Abstracts Methodendetails und Mehrfachtest-Korrekturen oft nicht nennen, sind die Bewertungen der Stärken und Schwächen teils Einschätzungen aus der Studienanlage und keine Angaben der Autoren.

**Drittens** enthält dieses Kapitel keine Therapie- und keine Handlungsempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren Empfehlungen aussprechen, werden sie als Aussage der Quelle berichtet.

### Englisch

**Stellung im Gesamtbild.** Praktisch die gesamte Primärliteratur ist englisch publiziert, auch wenn die Arbeitsgruppen aus China, Dänemark, den USA, Spanien, Polen, Belgien, Nigeria, Indien, Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Ägypten, Saudi-Arabien, dem Sudan oder den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen. Eine eigene Auszählung der Autorenadressen aus Europe PMC ergibt, dass bei mindestens 35 der PubMed-indizierten Quellen eine chinesische Adresse unter den Autoren steht, mehr als bei jedem anderen Land. Hinzu kommt ein methodischer Verstärker: Die Übersichtsarbeit von Zamkowska und Kollegen schloss nach Angabe der Recherche nur englischsprachige Arbeiten ab 2006 ein (Phthalate ab 2009) und endete mit dem Suchstand 31.08.2016 [s115]. Der englische Sprachraum ist deshalb weniger eine regionale Literatur als der Rahmen, in dem sich alle anderen Räume treffen. Die folgenden Absätze ordnen die englischsprachige Literatur nach Kohorten, Registern, Leitlinien und Fachzeitschriften.

**Eigene Kohorten und Studienpopulationen.** Die Humanstudien mit Spermaendpunkten stammen aus wenigen, immer wieder verwendeten Populationen.

- *USA.* Die EARTH-Kohorte am Massachusetts General Hospital in Boston ist die am häufigsten genutzte englischsprachige Klinikstichprobe. Nassan und Kollegen werteten 262 Männer mit 581 gepaarten Urin-Sperma-Proben aus; bei nachweisbarem Triclosan lagen die morphologisch normalen Spermien um 0,96 Prozentpunkte niedriger (95-%-Konfidenzintervall -1,57 bis -0,35), ohne Dosis-Wirkungs-Trend [s97]. Génard-Walton und Kollegen, deren Erstautor an einem Inserm-Institut in Grenoble arbeitet, werteten 420 EARTH-Männer mit Mischungs- und Exposom-Modellen aus: Triclosan war in den Modellen negativ mit allen Spermaergebnissen außer dem Volumen assoziiert, die Gesamtmischung hatte jedoch Kredibilitätsintervalle, die Null einschließen [s22]. Aus dem Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) stammen die Auswertungen an Paaren mit Kinderwunsch: 501 Männer mit Urinbiomarkern von Parabenen, Triclosan und Triclocarban [s112], 339 Männer mit Seminalplasma-Konzentrationen [s113] und 413 Männer mit fünf Benzophenon-UV-Filtern im Urin [s124]. Bei der Benzophenon-Studie war BP-2 oberhalb des 75. Perzentils mit geringerer Spermienkonzentration assoziiert (β = -0,74; 95-%-Konfidenzintervall -1,41 bis -0,08), mit weniger gerader (β = -4,57) und linearer Bewegung (β = -3,15) und mehr unreifen Spermien (β = 0,38), während BP-1, BP-3 und 4-Hydroxybenzophenon keine Assoziationen zeigten [s124]. Die Abstracts der beiden anderen NICHD-Arbeiten nennen die zugrunde liegende Kohorte nicht; ob die Teilnehmer überlappen, ist aus den Abstracts nicht zu ersehen [s112, s113]. Weitere US-Arbeiten messen Exposition ohne Spermaendpunkt: Passivsammler-Armbänder in der Präkonzeptionskohorte PRESTO bei 132 Frauen und 24 Partnern, wo häufige Sonnenschutznutzer bis zu 3,1-fach höhere UV-Filter-Exposition hatten [s16], und eine explorative Nicht-Target-Analyse von 45 Samenproben aus New York [s25].
- *Dänemark.* Aus der Dänischen Nationalen Geburtskohorte stammen zwei große Querschnittsstudien an jungen Männern: 1.058 Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren mit Fragebogen zu zwölf Körperpflegeprodukten, bei denen sich kaum Assoziationen mit Konzentration, Gesamtzahl, Volumen, Motilität oder Morphologie fanden [s89], und 1.045 Männer, von denen 174 tätowiert waren, ohne Assoziation von Anzahl oder Farbschema der Tätowierungen mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen [s18]. Dazu kommen die Kohorte „Fetal Programming of Semen Quality“ mit 841 jungen Männern, in der die mütterliche Mischung aus PFAS, Phthalat-Metaboliten und Triclosan mit Nullzusammenhängen vereinbar war [s09], die Kopenhagener Mutter-Kind-Kohorte mit 101 jungen Männern und mütterlichen Serumproben aus der Schwangerschaft [s67] sowie die Studie zum Filaggrin-Genotyp mit 65 Mutationsträgern und 130 Nichtträgern, die den Aufnahmeweg über die Haut berücksichtigt [s106]. Die dänischen Arbeiten zeichnen sich durch Allgemeinbevölkerungs-Stichproben aus, nicht durch Kliniksamples. Sie sind aber nicht als voneinander unabhängige Bestätigungen zu zählen, weil mehrere aus derselben Geburtskohorte schöpfen; ob sich die Teilnehmer von [s09] einerseits und [s89] und [s18] andererseits überlappen, geht aus den Abstracts nicht hervor.
- *Polen.* Das Nofer-Institut für Arbeitsmedizin in Lodz untersuchte in einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit 315 Männer mit normaler Spermienkonzentration (Triclosan im Urin bei 84,13 % nachweisbar; höhere Werte mit mehr morphologisch abnormalen Spermien) [s107] und 156 Männer zu Parabenen und Spermien-Chromosomendisomie [s118]. Die Beschränkung auf normozoosperme Männer schränkt die Übertragbarkeit auf subfertile Männer ein.
- *Belgien.* Eine Fall-Kontroll-Studie in vier Kinderwunschkliniken schloss 163 Männer ein; Triclosan wurde im Abstract nur mit Hormonen (Inhibin B, LH) in Verbindung gebracht, nicht als Risikofaktor für Subfertilität ausgewiesen [s125].
- *Nigeria.* Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie mit 136 infertilen Männern und 154 Kontrollen fand hohe Paraben-Werte in beiden Gruppen ohne Unterschied der Urinwerte [s51]. Das ist die einzige afrikanische Humanstudie mit Spermaendpunkt in der Literaturbasis dieser Studie.
- *Spanien, China, Japan* siehe die jeweiligen Abschnitte.

**Register.** Für diese Expositionen gibt es kein Krankheits- oder Expositionsregister, aus dem Spermaendpunkte abgeleitet wären. Die Studien beruhen auf Kliniksamples, Samenbanken und Geburtskohorten. Als amtliche Erhebung tritt die US-amerikanische National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) in zwei Sekundäranalysen auf: Bei Benzophenon-3 war sie mit niedrigerem Gesamttestosteron assoziiert, kombiniert mit Mäuseversuchen [s11], bei Triclosan wurde sie mit Zebrafisch-Versuchen verknüpft [s50]. Die NHANES-Anteile betreffen Hormone, nicht Spermien. Als „Register“ im engeren Sinn dienen die Protokollregister PROSPERO der systematischen Übersichten: Die Metaanalyse zu Triclosan ist unter CRD42024524192 registriert [s38], die Übersicht zur Fekundabilität unter CRD42018084304 [s95].

**Leitlinien und Übersichten.** Die maßgeblichen Leitlinien liegen englisch vor. Die AUA/ASRM-Leitlinie (Webtext abgerufen am 05.10.2026) formuliert in Statement 8, Kliniker dürften Risikofaktoren einschließlich Umwelt- und Berufsexpositionen besprechen und den Patienten sagen, dass die aktuellen Daten zur Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt seien („Conditional Recommendation; Evidence Level: Grade C“). In der Diskussion heißt es: „Inconclusive evidence was found for benzophenones, bisphenol A (BPA), chlorinated antimicrobial agents, parabens, and air pollution.“ Haarfärbemittel, Tätowierungen und Reinigungsmittel kommen in dem abgerufenen Text nicht gesondert vor; eine Textsuche nach Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierung, Reinigungsmittel und Duftstoffen blieb ohne Treffer [s39]. Das Update 2024 betrifft Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Becken-MRT und testikuläre Spermien, nicht Umweltexpositionen [s41]. Im Webtext des EAU-Kapitels zur männlichen Infertilität erscheint endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen unerkannten Ursachen idiopathischer Infertilität, „exposure to environmental toxins“ steht in der Liste der Anamnesebefunde; die sechs hier betrachteten Stoffgruppen werden nicht einzeln genannt [s19]. Die Zusammenfassung 2025 im Fachjournal nennt Exom-Sequenzierung, Probiotika und Diagnostik [s33]. Die WHO-Leitlinie 2025 wird in zwei Übersichten als Public-Health-Ansatz mit Betonung von Prävention und standardisierter Spermaanalyse beschrieben; die Abstracts nennen die hier betrachteten Expositionen nicht, und ESHRE und NICE gelten dort als eher paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Pfade [s01, s06]. Die ESHRE-Leitlinienseite selbst lieferte nur eine Titelliste. Ein Cochrane-Review zu den Expositionen und Spermaparametern wurde nicht gefunden; der nächstliegende Review betrifft präkonzeptionelle Lebensstilberatung bei Infertilität (sieben RCT, 2.130 Teilnehmende, niedrige bis sehr niedrige Evidenz) und handelt von Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht von Kosmetika oder Reinigungsmitteln [s77]. Auf der Ebene zusammenfassender Arbeiten reicht das Spektrum von der Metaanalyse mit fünf Triclosan-Studien und 1.312 Männern (Spermienkonzentration SMD -0,42; 95-%-Konfidenzintervall -0,75 bis -0,10; Gesamtmotilität SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; I² nach den Berichten 97 bis 100 %) [s38] über den Umbrella-Review mit 43 Studien, 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen, von denen nach GRADE 54,6 % „sehr niedrig“ eingestuft wurden und in dessen Abstract Parabene, Triclosan und UV-Filter nicht genannt werden [s15], bis zu narrativen Übersichten zu Kosmetika [s17, s28] und UV-Filtern [s23, s24].

**Fachzeitschriften.** Die Fundstellen liegen überwiegend in Umweltgesundheits- und Toxikologiezeitschriften (Environment International [s22, s43, s125], Environmental Research [s12, s97, s113], Ecotoxicology and Environmental Safety [s02, s27, s29, s64], Reproductive Toxicology [s18, s34, s45, s48, s112]) und seltener in Fachzeitschriften der Andrologie und Reproduktionsmedizin (Andrology [s01, s09], Asian Journal of Andrology [s15, s20], Human Reproduction Update [s95, s121]). Offene Zeitschriften wie Toxics [s32, s56, s68, s89] und Frontiers in Toxicology [s17, s38] tragen einen erheblichen Teil der neueren Arbeiten.

**Regionale Besonderheiten.** Zwei Befunde der englischen Literatur sind regional zu lesen. Erstens unterscheidet sich die Triclosan-Exposition zwischen Ländern: Die Shanghaier Studie verweist darauf, dass die Werte in China niedrig seien im Vergleich zu Europa (geometrisches Mittel 2 bis 3 µg/l in Belgien, 6,1 µg/l in Spanien) und Nordamerika (13 µg/l in den USA, 12,3 µg/l in Kanada) [s123]. Zweitens beruhen die Aussagen auf wenigen Bevölkerungen: Chinesische und dänische Kohorten dominieren, hinzu kommen die US-amerikanischen Kliniksamples. Auf Länder mit anderem Triclosan- oder UV-Filter-Gebrauch sind die Ergebnisse nur eingeschränkt übertragbar. Beim Triclosan sind die Humanbefunde uneinheitlich: Zhu und Kollegen fanden in Shanghai bei 471 Männern eine negative Assoziation mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien (β = -0,17; -0,32 bis -0,02) [s123], Yuan und Kollegen bei 406 Männern keinen monotonen Trend [s72], Guo und Kollegen im Seminalplasma ein erhöhtes Risiko im vierten Quartil (adjustiertes Odds Ratio 2,36; 1,03 bis 5,39) [s59], Zhu und Kollegen 2022 bei 443 Paaren eine verminderte Fekundabilität (Fekundabilitäts-Odds-Ratio 0,77; 0,62 bis 0,97) [s74] und die größte Fall-Kontroll-Studie (877 Fälle, 713 Kontrollen) keinen Zusammenhang [s132]. Zu Haarfärbemitteln gibt es keine Studie mit Spermaparametern am Menschen; die englische Literatur besteht aus einer systematischen Übersicht von 25 Tierstudien [s14], einer dermalen Rattenstudie [s133], einer In-vitro-Studie an menschlichen Spermien [s42] und einer Kaninchenstudie ohne Hodenendpunkte im Abstract [s05]. Zu Tätowierungen liegt eine einzige epidemiologische Studie mit Spermaendpunkten vor [s18], dazu toxikologische Übersichten ohne Spermadaten [s44, s70, s07].

**Erreichbarkeit.** Europe PMC (REST) war erreichbar, brauchte pro Einzelabfrage etwa elf Sekunden und lieferte bei frühen Abfragen mit acht parallelen Verbindungen oder mit Sortierparameter HTTP 503. Die NCBI-E-utilities lieferten über efetch zuverlässig Abstracts, esearch und esummary liefen nach wenigen schnellen Abfragen in eine Ratenbegrenzung (HTTP 429). Die PubMed-Webseite wurde auftragsgemäß nicht verwendet. Die Cochrane-Library-Webseite lieferte nur ein JavaScript-Gerüst ohne Ergebnisse, weshalb das Cochrane Database of Systematic Reviews über PubMed und Europe PMC durchsucht wurde. Die Leitlinien von AUA und EAU waren im Volltext abrufbar.

### Deutsch

**Stellung im Gesamtbild.** Das Sprachmerkmal Deutsch kommt in keiner der 151 Quellen vor. Es wurde keine deutschsprachige Originalstudie, keine deutschsprachige Übersichtsarbeit und keine deutschsprachige Leitlinie gefunden, die einen der sechs Expositionskomplexe mit der Spermienqualität verknüpft. Zwei Lesarten stehen nebeneinander: Entweder gibt es im deutschen Sprachraum tatsächlich kaum eigene Literatur, oder sie wurde mit den erreichbaren Mitteln nicht gefunden. Beides lässt sich aus der Recherche nicht trennen, weil das zentrale deutsche Leitlinienregister nicht auswertbar war (siehe unten).

**Beiträge aus dem deutschen Sprachraum in englischer Sprache.** Die Autorenadressen der abgerufenen Quellen weisen nur zwei Arbeiten mit einer deutschen Adresse aus.

- Die systematische Übersicht zu Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen bei Friseurinnen und Friseuren stammt von Autorinnen und Autoren am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Institut für Versorgungsforschung in Dermatologie und Pflege) und erschien im Journal of Occupational Medicine and Toxicology. Sie umfasst zwei Übersichten und 26 Originalstudien, kommt zu uneinheitlichen Ergebnissen, hält Fertilitätsstörungen und Schwangerschaftskomplikationen im Friseurberuf nicht für ausschließbar und stuft die Evidenz als gering ein [s142]. Sie bezieht sich auf Frauen und Schwangerschaftsausgänge; Spermaparameter männlicher Friseure werden in dem abgerufenen Abstract nicht berichtet. Die einzige weitere Berufsstudie der Literaturbasis ist die Metaanalyse mit 19 Studien zu Friseurinnen und Kosmetikerinnen [s126]. Beide zusammen ersetzen keine Haarfärbemittel-Studie am Mann.
- Der Übersichtsartikel „Lessons learned in a decade: Medical-toxicological view of tattooing“ entstand nach der zweiten internationalen Konferenz zur Tattoo-Sicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und trägt eine BfR-Adresse in Berlin neben einer Adresse am Istituto Superiore di Sanità in Rom [s44]. Er nennt Wissenslücken zu Tätowierfarben; Hoden- oder Spermaendpunkte bewertet er nicht. Das entspricht dem Bild der übrigen Tätowier-Übersichten [s70, s07]: Tätowierfarben enthalten nach der systematischen Übersicht von Negi und Kollegen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine, die in der Haut aus Azofarbstoffen entstehen können [s70]; die Regulierungsagenda für die USA und die EU verweist auf fehlende Zusammensetzungsgrenzen [s07].

Aus der Schweiz stammen zwei weitere, ebenfalls englischsprachige Beiträge. Die Mechanismusarbeit zum Duftstoff Cyclamenaldehyd hat als Erstautor einen Mitarbeiter der Givaudan Schweiz AG in Kemptthal. Wiederholt-Dosis-Studien an Ratten zeigten Effekte auf die Spermienreifung; ein Metabolit (p-Isopropylbenzoesäure) reichert sich als Coenzym-A-Konjugat nur in Rattenhepatozyten an, nicht in Hepatozyten von Kaninchen und Mensch, und das Kaninchen zeigte in vivo keine Effekte, weshalb die Autoren den Menschen wahrscheinlich nicht für diesen Weg anfällig halten [s80]. Das ist ein Beispiel dafür, dass die Artspezifität eines Stoffwechselwegs Befunde beim Nager relativieren kann; die Herstellernähe des Erstautors ist bei der Gewichtung zu bedenken. Die Übersicht zu regionalen Unterschieden der Spermaqualität junger Männer in Europa stammt aus dem Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie und der Universität Genf und bezieht endokrine Disruptoren ein [s88].

**Leitlinien und Register.** Eine deutschsprachige Leitlinie, etwa im Register der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), wurde nicht ausgewertet: Die AWMF-Registerseite lieferte beim Abruf mit HTTP 200 nur ein leeres Gerüst von rund 6,9 KB ohne Suchergebnisse. Deshalb ist offen, ob es dort eine einschlägige Leitlinie gibt. Für Österreich und die deutschsprachige Schweiz nennt die Recherche keine gesonderten Abrufe von Registern oder Fachgesellschaftstexten; Aussagen zu diesen Räumen sind daher nicht möglich.

**Nicht gesichteter Treffer.** In Europe PMC erscheint ein Eintrag zur MAK-Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Benzophenon-3 (2026). Der Eintrag enthielt keinen Abstract und wurde nicht ausgewertet; er steht deshalb nicht in der Quellenliste. Ob die Begründung reproduktionstoxikologische Daten zu diesem UV-Filter enthält, ist offen und kann hier weder bejaht noch verneint werden.

**Fachzeitschriften.** Die Recherche nennt keine gesonderte Durchsuchung deutschsprachiger urologischer oder andrologischer Fachzeitschriften. Die Suche lief über Europe PMC und die NCBI-E-utilities; deutsche Titel mit englischem Abstract in MEDLINE wären darüber grundsätzlich auffindbar gewesen und wurden nicht gefunden. Für den deutschen Sprachraum stützen sich die Aussagen dieser Studie deshalb auf die englischsprachige Primärliteratur und die internationalen Leitlinien [s39, s19].

### Französisch

**Stellung im Gesamtbild.** Sieben Quellen tragen das Merkmal Französisch: drei Übersichtsartikel in Fachzeitschriften [s144, s134, s66], eine Leitlinie [s79] und drei Abschlussarbeiten aus den Archiven HAL und DUMAS [s117, s139, s78]. Keine dieser Arbeiten enthält eigene Daten zu den sechs Expositionsgruppen mit Spermaendpunkten. Sie stellen die These der Umwelt-Hormonstörer für die männliche Fertilität dar. Der Raum hat zugleich die deutlichste Spur von Literatur außerhalb der englischen Hauptstränge: eine eigene Leitlinie, mehrere frankophone Übersichten und eine Triclosan-Übersicht in Landessprache.

**Übersichtsartikel in Fachzeitschriften.**

- Mauduit und Kollegen (Lyon, Gynécologie Obstétrique & Fertilité, 2006) behandeln Langzeitwirkungen endokriner Disruptoren auf die männliche Fertilität. Die Übersicht nennt Kosmetika und Haushaltsprodukte als Quellen endokriner Disruptoren und beschreibt Mechanismen: epigenetische Weitergabe, programmierten Zelltod der Hodenzellen und veränderte androgene Signale [s144]. Sie ist die älteste Quelle des Sprachraums und erschien vor allen hier betrachteten Humanstudien zu Triclosan und Benzophenonen mit Spermaendpunkten.
- Dewalque und Charlier (Lüttich, Revue Médicale de Liège, 2012) fragen, ob die männliche Fertilität durch Disruptoren in der Umwelt bedroht ist, und verweisen auf Substanzen, die mit verminderter Spermaqualität und dem testikulären Dysgenesie-Syndrom verbunden werden [s134]. Die Arbeit stammt aus dem Dienst für klinische, gerichtsmedizinische, Umwelt- und Betriebstoxikologie des Universitätsklinikums Lüttich in Belgien.
- Gaspari und Kollegen (Montpellier, Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie, 2022) geben die jüngste französischsprachige Übersicht der Fachzeitschriften zu Umweltdisruptoren und Fertilität [s66]. Aus dem abgerufenen Abstract ergeben sich keine Zahlen zu den hier betrachteten Stoffgruppen.

**Abschlussarbeiten.** Die drei HAL-Arbeiten sind keine begutachteten Veröffentlichungen. Remy (Universität Lothringen, 2011) stellt nach eigener Aussage fest, dass keine Studie die Wirkungen beim Menschen in Umweltdosen belege, und verweist auf das Vorsorgeprinzip [s139]. Campos (2021) liefert einen Überblick mit einer Bestandsaufnahme für Luxemburg und nennt Haushaltsprodukte als Quelle; Datenbasis sind PubMed, Cochrane Library, Google Scholar und GreyNet [s78]. Duret (2017, DUMAS) ist die einzige im Sprachraum gefundene Übersicht mit konkreter Triclosan-Aussage: Von 182 gesichteten Referenzen blieben 15 (acht In-vitro-Studien, zwei klinische Studien, drei Querschnittsstudien, zwei Fall-Kontroll-Studien); gesucht wurde in PubMed, ScienceDirect und Scopus nach französischen und englischen Arbeiten ab dem Jahr 2000. Nach dem Abstract berichteten die epidemiologischen Studien zur Schilddrüsen- und männlichen Fortpflanzungsfunktion keine schädliche Wirkung, seien aber begrenzt und unzureichend [s117]. Das steht in einem gewissen Gegensatz zur späteren Metaanalyse, die fünf Studien mit 1.312 Männern zusammenfasste und eine geringere Spermienkonzentration und Gesamtmotilität fand [s38]. Zwischen beiden liegen sieben Jahre mit neuen Studien, und der Abstract der Abschlussarbeit nennt keine statistische Zusammenfassung.

**Leitlinie.** Die Empfehlungen der AFU und der SALF von 2021 zur Abklärung der männlichen Infertilität (Toulouse, Progrès en Urologie) verlangen eine systematische Anamnese (unter anderem persönliche Vorgeschichte, Lebensgewohnheiten, Behandlungen), Spermaanalysen nach WHO, Hodensonographie und Hormonstatus mit Testosteron und FSH; ein Karyotyp ist bei Konzentrationen bis 10 Mio./ml und ein Test auf Yq-Mikrodeletionen bis 1 Mio./ml vorgesehen. Umweltchemikalien oder Kosmetika nennt der Abstract nicht [s79]. In der Quellenliste dieser Studie ist sie die einzige Leitlinie in einer anderen Sprache als Englisch.

**Beiträge aus dem Sprachraum in englischer Sprache.** Die Metaanalyse zu Reproduktionsstörungen bei Friseurinnen und Kosmetikerinnen (19 Studien) trägt als Adresse ein „National Research and Safety Institute“ ohne Landesangabe; wegen Instituts- und Autorennamen liegt Frankreich nahe, das ist hier aber eine Vermutung. Sie fand kombinierte Risikoverhältnisse für die Zeit bis zur Schwangerschaft von 1,11 (95-%-Konfidenzintervall 1,03 bis 1,19), für geringes Gestationsalter 1,24 (1,10 bis 1,41), für niedriges Geburtsgewicht 1,21 (1,06 bis 1,39) und für Embryo- und Fetalverluste 1,19 (1,03 bis 1,38); die Autoren sprechen von einer schwachen Risikoerhöhung bei geringer Evidenz ohne Kausalitätsnachweis [s126]. Diese Daten betreffen einen überwiegend weiblichen Beruf und enthalten keine Spermadaten. Hinzu kommt die EARTH-Mischungsauswertung mit Grenobler Erstautor [s22]. In Belgien liegen die Fall-Kontroll-Studie aus vier Kinderwunschkliniken (Autoren am Flämischen Institut für Technologische Forschung in Mol und am Wissenschaftlichen Institut für Volksgesundheit in Brüssel) [s125] und der Cochrane-Review mit Beteiligung von Cochrane Belgium und der KU Leuven [s77]; beide sind englischsprachig.

**Erreichbarkeit.** Die HAL-Schnittstelle funktionierte als JSON-Abfrage, verlangt bei Mehrwortsuchen aber ein explizites OR. Die Suche nach Tätowierung, Haarfärbemitteln, UV-Filtern, Parabenen oder Benzophenonen in Verbindung mit Spermaparametern ergab dort keine Treffer. Cairn leitete auf eine Schutzseite weiter („Please enable JS and disable any ad blocker“) und war nicht abrufbar. Inhalte, die zugleich in MEDLINE indiziert sind, sind über Europe PMC erreichbar; Arbeiten, die nur bei Cairn geführt werden, wurden nicht gesichtet.

### Italienisch

**Stellung im Gesamtbild.** Genau eine Quelle trägt das Merkmal Italienisch: die Übersichtsarbeit „Endocrine disruptors: literature review on toxicology and application field in occupational medicine“ von Borrelli (2007) im Giornale Italiano di Medicina del Lavoro ed Ergonomia, mit Adresse am Institut für Arbeitsmedizin der Katholischen Universität Rom und mit englischem Abstract [s143]. Sie ist die einzige gefundene italienischsprachige Arbeit überhaupt.

**Inhalt.** Die Arbeit bringt endokrine Disruptoren in Kunststoffen, Reinigungsmitteln, Tensiden und Pestiziden mit Oligospermie, veränderten Spermaeigenschaften und testikulärer Atrophie in Verbindung. Sie liefert keine konkreten Zahlen und hält ausdrücklich fest, dass über Effekte bei niedriger Exposition kein Konsens bestehe [s143]. Für die Frage nach Haushaltsprodukten ist das der einzige Beleg der italienischen Literatur, der Reinigungsmittel und Tenside erwähnt; er ist 19 Jahre alt und enthält keine Spermaendpunkte der hier betrachteten Stoffe.

**Eigene Kohorten, Register, Leitlinien.** Es wurde keine italienische Kohorte, kein Register und keine Leitlinie zum Thema gefunden. Die Website der Società Italiana di Andrologia lieferte beim Abruf nur die Startseite mit HTTP 200; Leitlinientexte zum Thema fanden sich dort nicht. Ob die Gesellschaft Dokumente führt, die über die erreichten Seiten nicht sichtbar sind, ist offen. Italien tritt sonst nur über eine Koautorenadresse am Istituto Superiore di Sanità in Rom bei der Tattoo-Konferenzarbeit auf [s44].

**Fachzeitschriften und Erreichbarkeit.** Das Giornale Italiano di Medicina del Lavoro ed Ergonomia ist eine arbeitsmedizinische Zeitschrift und keine andrologische; das passt dazu, dass sich der italienische Beitrag über Berufsexposition und nicht über Verbraucherprodukte definiert. Der Zugang lief über Europe PMC und PubMed-Metadaten. Italienische Fachdatenbanken wurden nach den Berichten nicht abgefragt.

### Portugiesisch

**Stellung im Gesamtbild.** Das Sprachmerkmal Portugiesisch kommt in keiner Quelle vor. Die Suche in PubMed und Europe PMC mit portugiesischen Begriffen (Kosmetika, Triclosan, Parabene, Tätowierungen, Färbemittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe) in Kombination mit Spermien, Samen und Fertilität ergab keine einschlägige muttersprachliche Studie. Der Raum hat also keine eigene Literatur zum Thema, die die Recherche erreicht hätte. Es gibt jedoch fünf englischsprachige Beiträge, die aus portugiesischsprachigen Ländern oder aus Portugal stammen, und sie zeigen, wo die Forschung dort tatsächlich liegt: bei Leitlinienkommentaren, Tierversuchen und Laborstudien, nicht bei Spermastudien am Menschen.

**Brasilien.**

- Die WHO-Leitlinie 2025 zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Infertilität wird in zwei Übersichten mit Erstautoren aus der Andrologie-Klinik ANDROFERT und der Universität Campinas (UNICAMP) kommentiert. Die eine, in der brasilianischen Fachzeitschrift International Brazilian Journal of Urology, ist eine umfassende Übersicht zur männlichen Reproduktionsgesundheit in der WHO-Leitlinie [s06]; die andere, in Andrology, vergleicht die WHO-Leitlinie mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE [s01]. Beide Abstracts beschreiben die WHO-Leitlinie als Public-Health-Ansatz mit Betonung der Prävention und der standardisierten Spermaanalyse, nennen Empfehlungen und Good-Practice-Statements zu Lebensstilrisiken, sexuell übertragbaren Infektionen, Antioxidantien-Gabe und Varikozele-Reparatur und erwähnen die hier betrachteten Expositionen nicht [s06, s01]. Sie sind deshalb für das Thema ein Beleg für das Fehlen, nicht für eine Bewertung.
- Telles und Kollegen (Bundesuniversität Sergipe) legten 2026 in Critical Reviews in Toxicology die wichtigste aktuelle Einordnung der Tierdaten zu Haarfärbemitteln vor: eine systematische Übersicht von 25 Artikeln aus PubMed, Web of Science, Embase und Scopus mit Risk-of-Bias-Bewertung nach SYRCLE. Die Toxizität betraf Herz, Leber, Niere, Hoden, Atemwege, Haut und Blut sowie Genotoxizität, Hormon- und Entwicklungsendpunkte; sie hing von Expositionsweg, Dosis, Spezies und davon ab, ob ein Einzelstoff oder ein Fertigprodukt geprüft wurde. Topische Studien waren für die kosmetische Exposition am relevantesten, orale, subkutane und intravenöse Modelle stützen vor allem die Gefahrenidentifikation. Das Verzerrungsrisiko wurde überwiegend als „unklar“ eingestuft, und die Autoren warnen ausdrücklich davor, die Befunde als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen [s14]. Eine Humanstudie zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern gibt es auch aus diesem Raum nicht.
- Costa und Kollegen (Staatliche Universität Londrina, Paraná) untersuchten in Wistar-Ratten die pränatale und laktationale Exposition gegenüber Triclocarban (0,3; 1,5 und 3,0 mg/kg/Tag oral von Gestationstag 0 bis Laktationstag 21). In der Gruppe mit 3,0 mg/kg sank das Interstitialvolumen des Hodens, das Testosteron stieg am Postnataltag 21, am Tag 50 war der Durchmesser der Samenkanälchen vermindert und die sexuelle Kompetenz im Erwachsenenalter vermindert. Spermaparameter wurden erhoben; der Abstract nennt dafür kein Ergebnis [s83]. Triclocarban gehört wie Triclosan zu den antimikrobiellen Stoffen, die nach der Übersicht zu quartären Ammoniumverbindungen in Verbrauchsprodukten verboten und durch diese ersetzt wurden [s40].

**Portugal.** Eine Gruppe der Universität Coimbra untersuchte in Fertility and Sterility die Wirkung kationischer Verbindungen auf menschliche Spermien in vitro. Die kationischen Tenside Benzalkoniumbromid (C12Bzk), Pyridiniumbromid (C12Pyr) und Dodecyltrimethylammoniumbromid (C12TAB) senkten nach 180 Minuten das mitochondriale Membranpotenzial und beeinflussten Kapazitation, Akrosomstatus und Kalziumsignale; C12Pyr wirkte am stärksten (Kalziumanstieg bei 81,7 % der Zellen). Die Konzentrationen waren spermizid und nicht umweltrelevant [s131]. Die Arbeit ist die einzige In-vitro-Studie an menschlichen Spermien zu dieser Stoffklasse in der Literaturbasis. Die übrigen Studien sind Mäuseversuche einer US-Gruppe [s122, s128, s32, s26], eine Übersicht aus einer US-Chemieabteilung [s40] und eine chinesische Studie zur Hautdesinfektion bei Samenspendern [s114].

**Kohorten, Register, Leitlinien, Fachzeitschriften.** Eigene Kohorten oder Register zu den Expositionen wurden in portugiesischer Sprache nicht gefunden, ebenso keine nationale Leitlinie. Die Fachzeitschrift der brasilianischen Urologie erscheint hier mit englischen Artikeln [s06]; ob es portugiesische Beiträge in brasilianischen Zeitschriften gibt, kann die Recherche nicht sagen.

**Erreichbarkeit.** Die für diesen Raum zentralen Portale SciELO (Suche mit HTTP 403 beziehungsweise Browser-Prüfseite eines Schutzdienstes) und LILACS beziehungsweise das BVS-Portal (HTTP 403) waren nicht abrufbar. Inhalte, die auch in PubMed oder MEDLINE indiziert sind, sind über Europe PMC zugänglich; rein dort indizierte Arbeiten wurden nicht erreicht. Ein Befund oder Nichtbefund in portugiesischer Sprache kann deshalb weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

### Spanisch

**Stellung im Gesamtbild.** Das Sprachmerkmal Spanisch kommt in keiner Quelle vor. Die Suche mit spanischen Begriffen in Kombination mit Spermien, Samen und Fertilität ergab keine einschlägige muttersprachliche Humanstudie zu den sechs Expositionsgruppen. Spanischsprachige Treffer betrafen andere Themen (etwa Hypospadie auf Gran Canaria, Entwicklungsprogrammierung der Reproduktionsachse, Umweltverschmutzung auf den Kanarischen Inseln). Sie wurden nicht aufgenommen, weil sie keine Spermaendpunkte zu den Expositionen berichten. Wie beim Portugiesischen liegt die tatsächliche Forschung des Raums in englischsprachigen Zeitschriften.

**Spanien: Studierendenkohorten aus Murcia.** Zwei Querschnittsstudien einer Arbeitsgruppe der Universität Murcia untersuchten gesunde junge Männer, beide auf Englisch.

- Adoamnei und Kollegen (International Journal of Hygiene and Environmental Health, 2018) untersuchten 215 Studenten im Alter von 18 bis 23 Jahren in Südspanien (2010 bis 2011), mit Urin-, Blut- und Samenproben am selben Tag; 97 % hatten mindestens einen Benzophenon-UV-Filter im Urin. Nach Adjustierung waren BP-1 und BP-3 positiv mit FSH assoziiert (β = 0,08; 95-%-Konfidenzintervall 0,009 bis 0,15 beziehungsweise β = 0,04; 0,0002 bis 0,08), BP-1 positiv mit dem Verhältnis von Testosteron zu Östradiol (β = 0,04; 0,002 bis 0,07) und negativ mit dem Verhältnis von Inhibin B zu FSH (β = -0,11; -0,21 bis -0,006). Eine signifikante Assoziation zwischen irgendeinem Benzophenon-Filter und irgendeinem Spermaparameter gab es nicht; die Autoren werten die Effekte als klein und von unklarer klinischer Bedeutung [s100].
- Kiwitt-Cárdenas und Kollegen (Science of the Total Environment, 2024) untersuchten 158 gesunde Studenten in Südostspanien auf Bisphenol A, vier Parabene und fünf Benzophenone im Urin und auf den Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (Sperm-Chromatin-Dispersions-Test), mit Bayesscher Kernel-Maschinenregression. Höheres 4-Hydroxybenzophenon war der wichtigste Beitrag zu einer negativen Assoziation mit dem Fragmentierungsindex (-5,5 %; -10,7 bis -0,3 beim 50. Perzentil und -5,4 %; -10,8 bis -0,1 beim 75. Perzentil), also mit weniger DNA-Fragmentierung. Andere Stoffe zeigten keine signifikanten Assoziationen. Der Befund weist damit nicht auf eine Schädigung, und die Autoren betonen kleine Effekte unsicherer klinischer Bedeutung [s46].

Beide Arbeiten haben Stärken, die sich von den Kliniksamples anderer Räume unterscheiden: Es handelt sich um gesunde junge Freiwillige und nicht um Patienten einer Kinderwunschklinik. Schwächen sind die begrenzten Fallzahlen, die Beschränkung auf junge Studierende und der Querschnittscharakter, der keine Aussage zur Ursache erlaubt.

**Lateinamerika.** Zwei weitere englischsprachige Beiträge stammen aus Kolumbien und Argentinien.

- Daza-Rodríguez und Kollegen (Corporación Universitaria Rafael Núñez, Cartagena, Kolumbien) legten eine systematische Übersicht zu Triclosan und menschlicher Infertilität vor. Sie recherchierten in MEDLINE (über PubMed) und ScienceDirect, bewerteten die Qualität mit JBI-Checklisten durch zwei unabhängige Gutachter und fassten narrativ zusammen. Ihr Fazit: Die Evidenz zur Assoziation von Triclosan und Infertilität beim Menschen sei lückenhaft; insgesamt sei kein Zusammenhang mit Infertilität gefunden worden, aber Spermaqualität und ovarielle Reserve erschienen empfindlich gegenüber Triclosan. Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht [s57]. Schwächen sind die nur zwei Datenbanken und das Fehlen einer Metaanalyse.
- Gomez (Instituto de Biología y Medicina Experimental, Buenos Aires) schrieb 2025 im Journal of Neuroendocrinology eine narrative Übersicht zu Benzophenonen (BP-2, BP-3) als möglichen endokrinen Disruptoren: Wirkungen auf Hormonrezeptoren, Steroidstoffwechsel und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, dazu regulatorische Anmerkungen. Im Abstract stehen keine Zahlen [s23].

**Leitlinien und Register.** Eine spanischsprachige Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden, und die Recherche nennt keine gesonderte Suche nach Dokumenten spanischer oder lateinamerikanischer urologischer Fachgesellschaften. Für Spanien und Lateinamerika gibt es in den Quellen weder ein Register noch eine nationale Kohorte zu den Expositionen.

**Erreichbarkeit.** SciELO (HTTP 403 beziehungsweise Browser-Prüfseite) und LILACS beziehungsweise BVS (HTTP 403) waren nicht abrufbar. Dialnet lieferte beim ersten Abruf HTTP 200 mit einer Seite ohne auswertbare Trefferliste und beim zweiten HTTP 503. Spanischsprachige Literatur, die nur dort verzeichnet ist, wurde nicht erreicht. Ein Befund in spanischer Sprache kann deshalb weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

### Chinesisch

**Stellung im Gesamtbild.** Chinesisch ist als Sprache der Publikation schwach, als Herkunftsland der Studien aber der größte Einzelraum. Nur drei Quellen tragen das Sprachmerkmal Chinesisch: zwei Arbeiten in der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (Chinese Journal of Andrology) [s65, s114] und eine in der Zeitschrift Se Pu (Chinese Journal of Chromatography) [s52]. Alle drei haben einen englischen Abstract in PubMed; die Volltexte sind chinesisch. Die chinesischen Originaltitel wurden nicht abgerufen, verwendet ist die englische PubMed-Fassung. Daneben steht bei mindestens 35 der PubMed-indizierten Quellen eine chinesische Adresse unter den Autoren, und ein erheblicher Teil der Humanstudien mit Spermaendpunkten zu Triclosan und zu Parabenen stammt aus China: Von den neun Einzelstudien zu Triclosan und Spermaparametern sind vier chinesisch [s72, s59, s123, s132].

**Eigene Kohorten.** Die chinesischen Humanstudien rekrutieren fast ausschließlich Männer aus Kinderwunsch- und Reproduktionskliniken oder Spender einer Samenbank. Das hat zwei Folgen: Die Populationen sind nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung, und die Exposition ist, wie die Shanghaier Studie selbst festhält, im internationalen Vergleich niedrig [s123].

- *Shanghai.* Die Gruppe an der Jiao-Tong-Universität (Xinhua-Krankenhaus, Schule für öffentliche Gesundheit) trägt drei Studien: 471 Männer aus einer Klinik für männliche Reproduktionsgesundheit mit Triclosan in 96,7 % der Urinproben (Median 0,97 ng/mg Kreatinin) [s123], 795 männliche Partner von Paaren mit Kinderwunsch mit sechs Parabenen im Urin [s64] und 799 Freiwillige der Shanghaier Samenbank mit 18 Phenolen im Urin [s52]. Bei Zhu und Kollegen war ln-Triclosan mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien negativ assoziiert (β = -0,17; 95-%-Konfidenzintervall -0,32 bis -0,02); im niedrigsten Terzil waren Konzentration, Gesamtzahl, Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien sowie Anteil und Zahl normal geformter Spermien betroffen, im mittleren und hohen Terzil nichts, also ein nichtmonotones Muster, das die Autoren selbst als bescheidenen Effekt bei umweltrelevanter Dosis bezeichnen [s123]. Die Parabenmischung war mit sinkender Spermienkonzentration, Gesamtzahl und progressiver Motilität assoziiert, wobei Butylparaben für Konzentration und Gesamtzahl und Methylparaben für die progressive Motilität die Hauptbeiträge lieferte [s64]. In der Se-Pu-Arbeit war Ethylparaben negativ mit Spermienkonzentration und Gesamtzahl assoziiert (p < 0,05), und die Phenolmischung hing mit geringerer Konzentration zusammen, wobei Methyl- und Ethylparaben die Hauptbeiträge lieferten [s52]. Die Se-Pu-Arbeit ist die einzige im Rahmen dieser Studie gefundene Humanstudie mit chinesischsprachiger Originalveröffentlichung zu Phenolen und Samenqualität.
- *Shenzhen und Shijiazhuang.* Das Shenzhener Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention trägt zwei Triclosan-Studien: 406 Männer einer Reproduktionsklinik (Triclosan in 74,6 % der Proben nachweisbar; kein monotoner Trend mit irgendeinem der 16 Spermaparameter, p > 0,05; höhere Linearität und „Wobble“ im zweiten Terzil) [s72] und eine Fall-Kontroll-Studie mit 100 Männern geringer Spermaqualität und 100 Kontrollen in einer Fertilitätsklinik in Shijiazhuang, bei der das Seminalplasma-Triclosan im vierten Quartil mit einem adjustierten Odds Ratio von 2,36 (1,03 bis 5,39) für geringe Spermaqualität verbunden war, obwohl die Konzentration der Fälle nur nicht signifikant höher lag [s59].
- *Weitere Zentren.* Die prospektive Kohorte am Frauenkrankenhaus der Zhejiang-Universität in Hangzhou verfolgte 331 von 443 Paaren (74,7 %) über zwölf Monate; höheres Triclosan im Urin der Männer war mit verminderter Fekundabilität assoziiert (Fekundabilitäts-Odds-Ratio 0,77; 0,62 bis 0,97), das Infertilitätsrisiko stieg (Odds Ratio 1,6; 1 bis 2,6) [s74]. Die Fall-Kontroll-Studie aus Nanjing mit 877 idiopathisch infertilen Männern und 713 fertilen Kontrollen fand für Triclosan, Bisphenol A, Benzophenon-3 und Pentachlorphenol keinen Zusammenhang, wohl aber für die Alkylphenole 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol (p für Trend < 0,0001; 0,014; 0,001) [s132]. In Wuhan war Butylparaben im Urin positiv mit Kometenschweiflänge und Moment der Schweifverteilung des Comet-Tests (p < 0,01) assoziiert, also mit Spermien-DNA-Schaden [s12]. In Anhui untersuchte eine Gruppe 155 Männer mit 55 Chemikalien im Urin; die gemeinsame Exposition gegenüber Bisphenol A, Ethylparaben, Methylparaben, BP-1, BP-3 und MCPP war mit geringerer Gesamt- und progressiver Motilität assoziiert (β = -0,18 und -0,27; beide p = 0,002), BP-1, Methylparaben und MCPP waren Haupttreiber [s43]. UV-Filter treten beim Menschen in China nur als Analyten in solchen Mischungen und als Nullbefund für Benzophenon-3 in der Nanjinger Studie auf; die Mischung erlaubt keine Aussage speziell zu UV-Filtern. Das Jilin-Kollektiv von 2.267 infertilen Männern fragte nach Wohnungsrenovierung: Wer innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung eingezogen war, hatte ein erhöhtes Risiko einer abnormalen progressiven Motilität (Odds Ratio 1,537; 1,088 bis 2,172); das ist ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen und kein Reinigungsmittel-Befund [s62]. Außerdem liegen reine Expositionsmessungen vor: Parabene in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 Männern in Peking, wobei die Urinwerte ein bis zwei Größenordnungen über denen in Serum und Seminalplasma lagen [s81], Parabene im Seminalplasma von 144 Männern [s56] und gepoolte Urinproben mit 48 Zusatzstoffen aus Pflege- und Verbraucherprodukten in Guangzhou [s71].
- *Samenspender.* Die Nanninger Studie an der Samenbank der Guangxi-Universität (185 Spender mit zwei Proben, mit und ohne Hautdesinfektion) prüfte Povidon-Iod und Benzethoniumchlorid-Tücher: In der Povidon-Iod-Gruppe unterschied sich der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 % gegenüber 61,45 ± 4,78 %; p < 0,05), andere Parameter nicht; in der Tuchgruppe unterschied sich nichts. Die Mittel wurden in verschiedenen Zeiträumen und nicht randomisiert eingesetzt, und der Unterschied beträgt rund 1,6 Prozentpunkte [s114].

**Metaanalysen und Übersichten.** Die Metaanalyse zu Triclosan [s38] enthält drei chinesische Studien (100 + 100, 406 und 471 Männer). Gepoolt ergab sich eine geringere Spermienkonzentration (SMD -0,42; -0,75 bis -0,10; I² 97 %) und Gesamtmotilität (SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; I² 100 %), aber ein höheres Ejakulatvolumen (SMD +0,24; 0,04 bis 0,45); in der Sensitivitätsanalyse verschwand der Effekt auf die Gesamtmotilität (SMD -1,63; p = 0,12), und die Autoren verglichen Exponierte mit WHO-Referenzwerten statt mit internen Kontrollgruppen [s38]. Der Umbrella-Review aus Chengdu bewertete 43 Studien mit 67 Risikofaktoren; die Evidenz war überwiegend als sehr niedrig eingestuft [s15]. Eine Übersicht aus Chongqing [s55] und eine NHANES-Sekundäranalyse mit Zebrafisch-Versuch aus Guangzhou [s50] betreffen Triclosan, ohne Spermaendpunkt beim Menschen.

**Haarfärbemittel, UV-Filter, Tiere.** Die In-vitro-Studie am menschlichen Spermium mit para-Phenylendiamin (5, 25, 100, 200 µM) aus Nantong senkte Gesamtbeweglichkeit, progressive Beweglichkeit und Vitalität dosisabhängig; die Akrosomreaktion war bei 25, 100 und 200 µM erniedrigt, der DNA-Fragmentierungsindex bei 100 und 200 µM erhöht. Die Autoren erwähnen, dass die Substanz in mehr als 66 % der Haarfärbemittel vorkomme und dass sie in Industrieländern auf 2 % begrenzt sei, in manchen anderen Ländern aber laut ihrer Arbeit 2 bis 90 % betragen könne; die Konzentrationen wurden nicht mit Spiegeln nach einer Haarfärbung verglichen [s42]. Eine zweite menschliche In-vitro-Studie untersuchte Triclocarban (0 bis 100 µmol/l) an Spenderspermien; bei 10 µmol/l, der niedrigsten wirksamen Konzentration, sanken mitochondriale ATP-Produktion und Membranpotenzial [s20]. Die Mausstudien der Gruppe in Ningxia geben bei Benzophenon-1, -2 und -3 im Bereich von 2,14 bis 246 µg/l nach postnataler Exposition eine gestörte Blut-Hoden-Schranke und verminderte Spermienqualität an [s21, s29]; die Arbeit mit BP-3 allein (2,28 und 228 µg/l) nennt zusätzlich ein niedrigeres Testosteron [s29]. Eine weitere Arbeit der Gruppe zeigt, dass BP-1, BP-2 und BP-3 die Alpha-2-Makroglobulin- und IL-6-Spiegel im Hoden erhöhen [s49], und eine chronische Exposition von Tag 1 bis 240 beeinträchtigte nach dem Abstract Fertilität, Hodengewicht sowie Spermienzahl und -qualität [s11]. Weitere chinesische Tierstudien betreffen Triclosan (Hangzhou, Chongqing, Shenyang) [s27, s04, s127], Galaxolid (Shenzhen) [s60] und Nonylphenol [s65, s37].

**Fachzeitschriften und Erreichbarkeit.** Chinesische Humanstudien erscheinen überwiegend in englischsprachigen internationalen Zeitschriften (Environmental Pollution [s72], European Journal of Obstetrics & Gynecology [s59], Frontiers in Public Health [s74]); nur selten in der Landessprache. Auffällig ist ein methodischer Trend zu Mischungsmodellen (gewichtete Quantilssumme, Bayessche Kernel-Maschinenregression, Quantil-g-Berechnung) [s52, s64, s12, s43]. Die Datenbanken sind das Nadelöhr: CNKI war nicht erreichbar (Verbindungsaufbau scheiterte, HTTP-Code 000), Wanfang antwortete mit HTTP 200, aber nur mit dem JavaScript-Gerüst ohne Suchergebnisse. Chinesische Suchwörter in Europe PMC brachten praktisch keine zusätzlichen Treffer gegenüber englischen. Eine Aussage „es gibt keine rein chinesischsprachige Humanstudie“ ist deshalb nicht möglich; Hochschulschriften und regionale Zeitschriften sind vermutlich unterrepräsentiert. Taiwan und Hongkong erbrachten bei der Suche nach den Ländernamen keine einschlägigen Spermienstudien; Galaxolid stammt vom Shenzhener Campus der Chinese University of Hong Kong [s60].

### Japanisch

**Stellung im Gesamtbild.** Sechs Quellen tragen das Merkmal Japanisch: eine Übersichtsarbeit mit englischem Abstract [s108], vier Tagungsabstracts der Japanischen Gesellschaft für Toxikologie [s116, s137, s141, s145] und einen Beitrag von 1981 in der Zeitschrift der Japanischen Geflügelwissenschaft [s151]. Dazu kommen englischsprachige Arbeiten japanischer Gruppen. Die menschlichen Daten sind klein (n = 42 und n = 197) und stammen aus Tokioter Kliniken; die Tierstudien stammen oft aus staatlichen oder industriellen Prüflaboren.

**Haarfärbemittel an der Maus (Tagungsabstracts).** Die einzigen Daten zu Haarfärbemittel-Bestandteilen im japanischen Raum stehen in zwei Jahrestagungsabstracts derselben Gruppe. Die Zeitschriftenfassung wurde in PubMed und Europe PMC nicht gefunden; die Suche war nicht erschöpfend.

- 2011 verglichen sie die drei Phenylendiamin-Isomere an männlichen CD-1-Mäusen (11 Wochen, fünf Tiere je Gruppe), subkutan über fünf Tage: o-Phenylendiamin 200 mg/kg/Tag, m-Phenylendiamin 25 mg/kg/Tag und para-Phenylendiamin in drei Dosen (25; 12,5; 6,25 mg/kg/Tag). Spermienzahl und -beweglichkeit sanken in der o-Phenylendiamin-Gruppe nach einer Woche und zeigten nach fünf Wochen noch eine fallende Tendenz; die Histologie zeigte Degeneration und Nekrose des Samenepithels. Bei m-Phenylendiamin zeigte ein Tier nach fünf Wochen leichte Degeneration. Das Fazit der Autoren: Hoden- und Spermienschäden bei o-Phenylendiamin, das wegen seiner Kanzerogenität als Haarfärbemittel verboten ist, nicht aber bei para-Phenylendiamin [s141]. Das steht im Gegensatz zur In-vitro-Studie am menschlichen Spermium aus China [s42]; Dosis und Modell sind aber nicht vergleichbar.
- 2012 untersuchten sie Toluoldiamine, Aminophenole und fünf Aminokresol-Isomere in der jeweils maximal verträglichen Dosis (ausgehend von 400 mg/kg/Tag in Zweierschritten abwärts) bei zehn Mäusen je Gruppe. Es gab Todesfälle (2,6-Toluoldiamin 3 von 10, 2-Amino-3-kresol 1 von 10, 2-Amino-4-kresol 2 von 10); das Hodengewicht war bei 3-Aminophenol (Woche 1) und 4-Aminophenol (Woche 1 und 5) erniedrigt, Spermienzahl und -beweglichkeit zeigten keine signifikanten Unterschiede, histologisch fanden sich Degeneration und Nekrose des Samenepithels bei 3-Aminophenol (100 mg/kg), 4-Aminophenol (400 mg/kg) und 2-Amino-4-kresol (200 mg/kg), nach Angabe der Autoren relativ gering ausgeprägt [s137].

Beide Abstracts enthalten keine Statistik, arbeiten mit subkutaner Gabe an kleinen Gruppen und stützen keinen Schluss auf die menschliche Haarfärbung.

**Weitere Tierstudien.** Eine Zwei-Generationen-Studie des Mitsubishi Chemical Safety Institute mit Benzophenon (0, 100, 450 und 2000 ppm im Futter) fand Gewichts-, Nieren- und Leberveränderungen bei den Elterntieren, aber keine Veränderungen von Fortpflanzungsfähigkeit, Spermienparametern oder Serumhormonen, auch bei 2000 ppm [s146]. Ein Tagungsabstract von 2006 zu 4-Hydroxybenzophenon, dem Metaboliten, ergab bei säugenden männlichen Ratten (sieben Dosen von 0,01 bis 100 mg/kg/Tag subkutan) nach 13 Wochen keine Unterschiede bei Organgewichten, Histologie und Spermienparametern [s145]. Aus Tokioter Instituten für öffentliche Gesundheit (Tokyo Metropolitan Research Laboratory beziehungsweise Institute of Public Health) stammen drei Rattenstudien zu Parabenen: Butylparaben (0, 0,01, 0,10 und 1,00 % im Futter über acht Wochen) senkte das Nebenhodengewicht dosisabhängig (signifikant ab 0,10 %), die Spermienreserve in allen behandelten Gruppen, die Spermienzahl der höchsten Dosis auf 58,2 % der Kontrolle und das Serumtestosteron dosisabhängig [s150]; Propylparaben senkte über vier Wochen Spermienreserven und -konzentration dosisabhängig (signifikant ab 0,10 %) [s149]; Methyl- und Ethylparaben (0,1 und 1,0 %, acht Wochen) hatten keine antispermatogene Wirkung [s147]. Der Abstract des Butylparaben-Versuchs gibt die aufgenommene Menge im Bereich des unteren zulässigen Tagesaufnahmewerts in EG und Japan an [s150]. Ein Tagungsabstract von 2018 beschreibt für Titandioxid-Nanopartikel (10, 20 oder 50 mg/kg) bei C57BL/6J-Mäusen nach einmaliger intravenöser Gabe eine deutlich verringerte Spermienbeweglichkeit, aber keine verringerte Spermienzahl; die direkte Zugabe zu isolierten Spermien senkte Beweglichkeit und dosisabhängig den ATP-Gehalt. Der Bezug zu Sonnenschutzmitteln entsteht nur über das Stichwort Kosmetik; verabreicht wurde nicht über die Haut [s116]. Die älteste Quelle ist die Fütterungsstudie mit dem Waschmitteltensid LAS an 194 Hähnen von 1981: 10 bis 100 ppm im Trinkwasser veränderten Körpergewicht, Organgewichte und Spermienkonzentration nicht wesentlich, erhöhten aber die Serum-Transaminase GOT und das Gesamtcholesterin; bei 1.500 ppm sanken Körpergewicht, Hodengewicht, Kammgewicht und Spermienkonzentration signifikant [s151]. Es handelt sich um einen Vogel mit oraler Hochdosis und 45 Jahre alten Daten; eine Aussage zu Waschmittelrückständen beim Menschen folgt daraus nicht.

**Humanstudien.** Die menschlichen Daten sind durch drei Tokioter Studien vertreten. Bei 42 männlichen Partnern subfertiler Paare lagen die geometrischen Mittel der Parabene im Urin bei Methylparaben 48,2, Ethylparaben 1,88, Propylparaben 1,13 und Butylparaben 0,184 ng/ml, und es gab keine signifikante Assoziation mit Samenparametern; die Autoren nennen niedrige Exposition und kleine Stichprobe als mögliche Gründe [s120]. Eine Pilotstudie an ebenfalls 42 Männern mit Phthalaten, einem Pyrethroid, Sojaisoflavonen und Cadmium sah Ernährungsgewohnheiten und das Pyrethroid als Beitrag zu schlechterer Samenqualität; Duftstoffe oder Kosmetika wurden nicht erhoben [s136]. Bei 197 Männern aus Kinderwunschkliniken (2020/2021) war eine höhere Phthalatmischung mit höherer Spermienbeweglichkeit assoziiert, wobei Monoethylphthalat der wichtigste Beitrag war, aber mit niedrigerem Serumtestosteron und höherem Prolaktin; der Abstract ordnet diesen Stoff nicht den Duftstoffen zu [s34].

**Fachliche Besonderheit.** Die Übersichtsarbeit von Kamijima (Nippon Eiseigaku Zasshi, 2018) beschreibt, dass das japanische Recht den Schutz schwangerer Frauen vor Fortpflanzungsgefahren am Arbeitsplatz verbessert habe und männliche Beschäftigte ebenfalls geschützt werden könnten, wenn Risikobewertungen nach dem Arbeitsschutzgesetz erfolgten; aus einem Sicherheitsdatenblatt gehe oft nicht hervor, ob ein Produkt keine Reproduktionstoxizität hat oder ob Daten fehlen. Die Arbeit enthält keine Daten zu den hier betrachteten Stoffen, belegt aber aus japanischer Sicht die Datenlücke [s108].

**Tätowierungen, Tenside, Erreichbarkeit.** Zu Tätowierungen fand sich in Europe PMC, J-STAGE und CiNii (Suchwörter タトゥー, 入れ墨 und englische Entsprechungen) keine Studie; die Lücke ist echt und kein Abrufproblem. Die J-STAGE-Schnittstelle liefert Titel, aber keine Abstracts, mit vielen Tagungsbänden und historischen Beiträgen (131 Treffer für „洗剤 精子“, überwiegend ohne Bezug). Zwei historische Hinweise ließen sich nicht auswerten: eine Kurzmitteilung von 1981 zur Letalwirkung synthetischer Waschmittel auf frühe Mausembryonen und ein Titel von 1977 zu Tensiden und menschlichen Spermien, jeweils ohne abrufbaren Abstract; sie stehen nicht in der Quellenliste. CiNii Research lieferte über die OpenSearch-Schnittstelle Abstracts japanischer Tagungsbeiträge, die HTML-Suche nur HTTP 202 ohne Inhalt.

### Koreanisch

**Stellung im Gesamtbild.** Das Sprachmerkmal Koreanisch kommt in keiner Quelle vor, und es wurde keine koreanische Humanstudie zum Thema gefunden. Die koreanische Forschung besteht in den Quellen aus Zell- und Tierversuchen mit regulatorischer Ausrichtung und ist durchgehend englisch publiziert. Dass keine koreanischsprachigen Arbeiten gefunden wurden, ist nicht als Fehlen belegt, weil die koreanischen Datenbanken nicht verwertbar waren (siehe unten).

**In-vitro-Studien an Spermien (Kyungpook-Nationaluniversität).** Zwei Arbeiten einer Gruppe der Abteilung für Tierwissenschaft und Biotechnologie untersuchten Eberspermien. Avobenzon senkte bei 50 und 100 µM Gesamt- und progressive Motilität und mehrere kinetische Parameter; dosisabhängig sank die Kapazitation, Akrosomreaktion, Vitalität und ATP unterschieden sich nicht signifikant, und die Aktivität der Proteinkinase A und die Tyrosinphosphorylierung waren verändert [s48]. 4-Nonylphenol (0 bis 100 µM) senkte während der Kapazitation Beweglichkeit und Bewegungsparameter, während ATP dosisabhängig stieg; es gab Veränderungen im PI3K/PDK1/AKT-Weg und abnorme Proteinkinase-A-Aktivität [s45]. Die Konzentrationen sind hoch, und es sind keine menschlichen Zellen.

**Tierversuche mit Prüfrichtlinien-Charakter.** Mehrere Studien folgen dem Muster der regulatorischen Toxikologie.

- Dreizehnwöchige subkutane Studien an Sprague-Dawley-Ratten (2, 10 und 50 mg/kg/Tag) zu Butylparaben (Chemon Inc. und Veterinärmedizin) und Isobutylparaben (Dankook-Universität) fanden bei der Samenqualität keine östrogenen Effekte; der NOAEL beider Stoffe betrug 50 mg/kg/Tag, es gab lokale Reizung an der Injektionsstelle (ab 10 beziehungsweise 50 mg/kg/Tag) und keine systemische Toxizität [s76, s47].
- Ein Hershberger-Test mit Benzophenon-3 an kastrierten männlichen Ratten (sieben Tiere je Gruppe; 40, 200 und 1.000 mg/kg/Tag) zeigte ein verringertes Gewicht der ventralen Prostata bei 200 und 1.000 mg/kg/Tag und des Musculus levator ani/bulbocavernosus schon bei 40 mg/kg/Tag; in Zellkultur sank die Viabilität von TM3-Leydig-Zellen konzentrationsabhängig. Das ist ein antiandrogener Hinweis, aber kein Spermienparameter [s53].
- Eine Risikobewertung von Ethylhexyl-Dimethyl-PABA in Kosmetika (Changwon): Der Stoff wird in Korea durchschnittlich zu 1,25 % (0,5 bis 2,0 %) eingesetzt, als NOAEL wurde 100 mg/kg/Tag aus einer Vier-Wochen-Studie gewählt, die systemische Exposition bei Höchstverwendung beträgt 0,588 mg/kg/Tag, und der Sicherheitsabstand für ein Sonnenschutzmittel mit dem erlaubten Maximum von 8 % liegt bei 180,18. Es sind keine eigenen Spermienmessungen, sondern eine Bewertung älterer Daten [s98].
- Die Toxikokinetik von Benzophenon-3 aus einem Gel bei der Ratte (Daegu): terminale Halbwertszeit 3,1 ± 1,6 Stunden nach intravenöser und 18,3 ± 5,8 Stunden nach topischer Gabe, Bioverfügbarkeit nach topischer Anwendung 6,9 ± 1,8 %, Gewebe/Plasma-Verteilungskoeffizient für den Hoden unter 1. Es ist die einzige Studie der Literaturbasis, die die dermale Aufnahme eines UV-Filters quantifiziert [s68].
- Weitere Studien betreffen Triclosan an vorpubertären Ratten (Busan; 0,25 bis 750 mg/kg/Tag über 60 Tage, deutliche Wirkung auf die tägliche Spermienproduktion erst bei den hohen Dosen, wobei die Autoren die biologische Relevanz für fraglich halten, weil sie in der Umwelt nicht vorkommen) [s104], DNA-Methylierung in Nebenhodenspermien nach Butylparaben (Hanyang-Universität, Seoul) [s135], mütterliche Butylparaben-Exposition (Seoul National University) [s148] und eine Mäusestudie zu Nonylphenol mit F1-Männchen [s96].

**Leitlinien, Register, Fachzeitschriften.** Eine koreanische Leitlinie, ein Register oder eine nationale Kohorte zum Thema wurde nicht gefunden.

**Erreichbarkeit.** Das koreanische Wissenschaftszitierindex-Portal KCI antwortete für die Portalseite mit HTTP 200, die Suche mit nicht verifizierten Parametern ergab „No results“. KoreaMed antwortete mit HTTP 200, lieferte aber für jede Anfrage, selbst für die einzelnen englischen Wörter „triclosan“, „benzophenone“ oder „sunscreen“, „No results were found“; das ist kein Nachweis des Fehlens. DBpia war nicht erreichbar (Verbindungsaufbau scheiterte, HTTP-Code 000). Koreanischsprachige Arbeiten sind daher nicht ausgeschlossen.

### Russisch

**Stellung im Gesamtbild.** Elf Quellen tragen das Merkmal Russisch. Acht davon sind Arbeiten einer einzigen Arbeitsgruppe an der Südural-Staatlichen Medizinischen Universität in Tscheljabinsk (Erstautor S. V. Chigrinets, zum Teil mit G. V. Bryukhin) zu Triclosan und Bisphenol A in der Samenflüssigkeit und im Rattenhoden [s101, s102, s103, s90, s91, s92, s93, s94]. Eine neunte Arbeit derselben Gruppe erschien auf Englisch im Bulletin of Experimental Biology and Medicine [s82]. Hinzu kommen zwei hygienische Arbeiten zu Wasch- und Spülmitteln, die Spermien nur als Testobjekt verwenden [s31, s99], und eine Rattenstudie zu Titandioxid-Nanopartikeln [s111]. Der russische Raum ist damit der einzige nicht englischsprachige Raum mit einer zusammenhängenden Evidenzlinie direkt am Menschen. Diese Linie stammt jedoch praktisch von einer Gruppe, und das erhöht die Zahl der Treffer, nicht die Zahl unabhängiger Belege.

**Die Chigrinets-Serie am Menschen.** Alle Humanarbeiten sind Querschnittsstudien an Männern einer Kinderwunschklinik in Tscheljabinsk, zum Teil unter Beteiligung eines privaten Labors. Sie messen Bisphenol A, Triclosan und 4-Nonylphenol mit Gaschromatografie-Massenspektrometrie direkt in der Samenflüssigkeit, nicht im Urin. Die Proben-Sätze überlappen mit hoher Wahrscheinlichkeit: Mehrere Arbeiten berichten dieselben Basismerkmale (mittleres Alter 30,8 ± 3,6 Jahre, mittlerer Body-Mass-Index 25,4 ± 2,9) [s93, s92, s90], und die Triclosan-Nachweisraten liegen in allen Arbeiten zwischen 84,3 % und 85,4 % [s101, s93, s94, s91]. Eine Überlappung wird nirgends ausdrücklich offengelegt. Die Ergebnisse sind daher keine unabhängigen Replikationen, sondern wiederholte Auswertungen ähnlicher, teils identischer Datensätze.

- *Erste Messung (41 Proben).* Bei 18 Männern mit Normozoospermie und 23 mit Pathozoospermie lag der Triclosan-Median in der Samenflüssigkeit bei 0,095 gegenüber 0,185 ng/ml (p = 0,033), Bisphenol A bei 0,050 gegenüber 0,210 ng/ml (p < 0,001); der Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA lag bei 14,0 gegenüber 18,0 % (p = 0,005). Triclosan war mit der DNA-Fragmentierung (r = 0,61; p < 0,001) und mit dem Anteil normal geformter Spermien (r = -0,44; p = 0,004) korreliert, schwächer mit der progressiven Motilität (r = -0,31; p = 0,049). 4-Nonylphenol zeigte keine Gruppenunterschiede (p = 0,627). Die Nachweisraten waren 85,4 % für Triclosan, 100 % für Bisphenol A und 97,6 % für 4-Nonylphenol [s101]. Die Autoren deuteten die Summenkorrelation von Bisphenol A und Triclosan als synergistischen Effekt; spätere Arbeiten derselben Gruppe fanden keinen Synergismus [s94, s91].
- *Schwellenwerte (dieselben 41 Proben).* Die Fläche unter der ROC-Kurve betrug für Bisphenol A 0,832 (95-%-Konfidenzintervall 0,689 bis 0,975) und für Triclosan 0,701 (0,531 bis 0,863), mit Schwellenwerten von 0,103 und 0,150 ng/ml; Sensitivität und Spezifität bei Triclosan 71,2 und 66,7 % [s102]. Die Schwellen wurden im selben Datensatz gewonnen und bewertet; die Autoren schlagen die klinische Anwendung zur Risikovorhersage vor, was die Datenlage nicht trägt.
- *53 Proben.* Die Korrelation von Triclosan mit der DNA-Fragmentierung blieb bei r = 0,604 (p < 0,001), mit der Morphologie bei r = -0,420 (p = 0,004); für Gesamtzahl, Konzentration und progressive Beweglichkeit ergaben sich keine signifikanten Korrelationen [s93, s92]. Bei Bisphenol A waren dagegen Zahl, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie betroffen [s93]. Die Odds-Ratio-Auswertung fand für Triclosan ab 0,11 ng/ml eine Chance von 18,3 (95-%-Konfidenzintervall 3,4 bis 97,7) für eine DNA-Fragmentierung von 15 % oder mehr [s90]; die Tabelle der Arbeit beschreibt aber nur 47 Männer (18 gegenüber 29), der Text 53.
- *84 Proben.* Die multiple logistische Regression ergab für Triclosan eine signifikante Chance auf erhöhte DNA-Fragmentierung (Regressionskoeffizient 10,711; p = 0,043; umgerechnet auf 0,1 ng/ml ein Faktor von etwa 2,9), aber ein Konfidenzintervall des Odds Ratio je 1 ng/ml von 1,430 bis rund 1,4 Milliarden, was ein instabiles Modell anzeigt; für Bisphenol A und 4-Nonylphenol keine Signifikanz [s94]. Für die Zielgröße Pathozoospermie dominierte dagegen Bisphenol A mit einem 24,9-fachen Chancenanstieg je 0,1 ng/ml; Triclosan und 4-Nonylphenol waren nicht signifikant [s91].

Über alle Auswertungen hinweg ist Triclosan in der Samenflüssigkeit mit höherer Spermien-DNA-Fragmentierung und mit geringerem Anteil normal geformter Spermien assoziiert, kaum mit Zahl und Beweglichkeit. Das ist intern konsistent, aber wegen der Überlappung nicht unabhängig, und die Berichtsqualität ist uneinheitlich: Stichprobengrößen von 41, 47, 53 und 84 und unterschiedliche p-Werte für denselben Vergleich (Triclosan, Normo- gegenüber Pathozoospermie: 0,033; 0,045; 0,018 in den drei Arbeiten) [s101, s93, s91]. Die Messungen liegen im Bereich um 0,1 ng/ml; Nachweisgrenzen und Kontaminationskontrollen nennen die gelesenen Textabschnitte nicht. Als Störgröße kommt hinzu, dass sich Männer einer Kinderwunschklinik mit Pathozoospermie in Lebensstil und Produktnutzung unterscheiden könnten, wozu in den gelesenen Abschnitten keine Daten genannt werden; die Studien ordnen nicht zu, welche Produkte die Quelle sind.

**Tierversuche.** Der Fütterungsversuch an erwachsenen männlichen Wistar-Ratten (200 mg/kg Bisphenol A oder Triclosan im Futter über zwei Monate) wurde in mindestens vier Veröffentlichungen verwertet [s103, s93, s92, s82]. In der Morphometrie unterschieden sich beide Gruppen von der Kontrolle: Die Dicke des Keimepithels betrug 98,4 µm in der Kontrolle gegenüber 93,2 µm unter Triclosan und 90,57 µm unter Bisphenol A [s103]. Bei den Spermien war Bisphenol A deutlicher: Gesamtzahl 11,4 gegenüber 15,9 Mio. in der Kontrolle (p = 0,004), Triclosan 15,3 Mio. (p = 0,475) [s103]; Triclosan-Tiere unterschieden sich laut Abstract nur im Anteil aktiv beweglicher Spermien und im Hodengewicht [s82]. Die Konzentration im Hoden stieg unter Triclosan auf 0,27 gegenüber 0,06 ng/ml [s103]. Die Schwächen: eine einzige Dosis ohne Dosis-Wirkungs-Verlauf, kleine Gruppen (die Zahl der Triclosan-Tiere wird mit 8 und mit 10 angegeben), keine Randomisierungs- oder Verblindungsangabe und interne Widersprüche zwischen den Veröffentlichungen. Die Autoren bezeichnen die Hodenkonzentrationen als identisch mit der menschlichen Samenflüssigkeit [s93]; die Matrizes sind aber nicht gleichwertig, und die Tiere erhielten eine hohe orale Dosis.

**Hygienetradition: Spermien als Testobjekt.** Zwei Arbeiten untersuchen keine Spermienqualität, sondern verwenden bewegliche Rinderspermien als standardisierte Zelltestkultur nach russischen Methodischen Empfehlungen (MR 29 FC/4746 von 2001), um die Toxizität von Haushaltschemie zu prüfen. Bei 21 Waschmitteln (zehn Pulver, elf Gele) lag die minimale nichttoxische Verdünnung zwischen 1:1.700 und 1:50.000; bei einem zulässigen Grenzwert von 1:2.500 erfüllten 13 von 21 Mitteln die Anforderungen nicht. Nach einer Schnellwäsche waren 80 % der mit Pulvern gewaschenen Textilien toxisch; über alle Proben erfüllten 62 % die Methodische Empfehlung nicht und 38 % nicht die Norm GOST 32075-2013 [s31]. Bei 23 Geschirrspülmitteln für Kinderartikel lagen 17 im unbedenklichen Bereich, sechs darüber; für diese sechs ergaben klassische Tierversuche (Ratte, Meerschweinchen) die Gefahrenklasse 4 [s99]. Diese Studien erscheinen in russisch- und ukrainischsprachigen Zeitschriften (Gigiena i Sanitariya, Dovkillya ta zdorov'ya). Suchtreffer zu „моющие средства“ und „сперматозоиды“ sind deshalb überwiegend irrelevant für die Frage nach der Spermienqualität des Menschen.

**Titandioxid.** Titandioxid ist Bestandteil mineralischer Sonnenschutzmittel, wurde in den russischen Studien aber oral gegeben. 38 männliche Wistar-Ratten erhielten 50 mg/kg Titandioxid-Nanopartikel; die Dicke des Keimepithels sank von 106,71 ± 2,18 µm in der Kontrolle auf 86,19 ± 1,44 µm nach 14 Tagen und 82,31 ± 1,51 µm nach 30 Tagen, Spermiogramme wurden nicht erhoben [s111]. In einer Moskauer Mausstudie (sieben Tage, 40, 200 und 1.000 mg/kg per Schlundsonde) stieg im Hoden der Anteil von Spermatiden mit zwei oder mehr Kernen und die Apoptose; Zahlen stehen nicht im Abstract [s140]. Beide Studien belegen eine Hodentoxizität bei hoher oraler Dosis im Nagetiermodell, nicht Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln auf der Haut.

**Fachzeitschriften und Besonderheiten.** Die Serie erscheint in neun verschiedenen Zeitschriften: Fachjournale für Andrologie, Urologie, Morphologie und Ökologie des Menschen, ein Journal der Medizinakademie, ein Kazaner Journal, ein regionales Jugendbulletin und ein internationales Journal; nur zwei sind in PubMed indiziert [s91, s82]. Die Autoren schreiben „Disruptor“ in zwei Schreibweisen, wer nur eine Form sucht, übersieht Treffer.

**Leitlinien, Register.** Russische Leitlinien oder Register zum Thema wurden nicht gefunden. Die Recherche nennt keine gezielte Suche nach nationalen Leitliniendokumenten urologischer Fachgesellschaften; das ist eine Lücke.

**Erreichbarkeit.** CyberLeninka war teilweise erreichbar: Die Weboberfläche liefert ohne Skripte keine Trefferliste, die interne JSON-Suche funktionierte, lieferte aber pro Abfrage nur wenige Treffer; Artikelseiten enthalten Abstract und OCR-Volltext, in einem Fall gehörte der OCR-Text zu einem anderen Artikel. eLIBRARY.ru war nicht erreichbar (Suchformular HTTP 403, Startseite Weiterleitung ohne Inhalt). Deshalb fehlen Arbeiten, die nur dort verzeichnet sind. Eine Arbeit von 1987 zur Gonadotoxizität synthetischer Waschmittel wurde auf CyberLeninka gefunden, war aber nicht prüfbar, weil der dortige Text zu einem anderen Artikel gehörte; sie steht nicht in der Quellenliste. Das weist auf sowjetische Hygienearbeiten hin, die über westliche Datenbanken kaum erreichbar sind.

### Arabisch

**Stellung im Gesamtbild.** Arabisch kommt als Sprachmerkmal nur einmal vor, und zwar bei einer Arbeit zu Haarfärbemitteln im Sudan, die einen validierten arabischen Fragebogen einsetzte, sonst aber englisch publiziert ist [s13]. Arabischsprachige Originalarbeiten zum Thema wurden nicht gefunden. Die arabischen Suchbegriffe in Europe PMC und im Directory of Open Access Journals (DOAJ) lieferten Treffer zu Nutztiersperma (Ziege, Schaf, Rind, Geflügel), Samenverdünnern, Pestiziden und religionsrechtlichen Fragen zur Reproduktion, aber keinen der sechs Stoffe; „تريكلوسان“ (Triclosan) ergab keinen Treffer und „أصباغ الشعر“ (Haarfärbemittel) einen nicht einschlägigen. Die arabische Evidenz dieses Kapitels besteht deshalb ausschließlich aus englischsprachigen, PubMed-indizierten Arbeiten aus arabischen Ländern. Humanstudien zur Spermienqualität unter Triclosan, Haarfärbemitteln, UV-Filtern, Reinigungsmitteln oder Duftstoffen fehlen in diesen Quellen vollständig.

**Ägypten.** Eine Gruppe der Fakultät für Veterinärmedizin der Universität Kairo untersuchte männliche Ratten nach dem Absetzen unter Butylparaben, Triclosan und deren Kombination. Der Abstract nennt in allen behandelten Gruppen eine Atrophie von Prostata und Bläschendrüse und eine „signifikante Verminderung“ von Spermienzahl und -beweglichkeit; Testosteron, luteinisierendes Hormon und follikelstimulierendes Hormon waren sowohl einzeln als auch in Kombination erniedrigt, Östradiol stieg bei Einzelgabe an. Im Hoden fanden sich DNA-Schäden und erhöhtes Malondialdehyd bei verminderter Katalaseaktivität, was die Autoren als gemeinsamen Mechanismus oxidativen Stresses sehen [s110]. Dosierung, Gruppengröße, Effektgrößen und p-Werte stehen nicht im Abstract; die Tiere waren jung und die Ergebnisse gelten für eine empfindliche Entwicklungsphase, nicht für erwachsene Männer.

**Saudi-Arabien.** Drei Arbeiten stammen aus saudi-arabischen Fakultäten.

- Eine Rattenstudie der Universität Majmaah mit sechs Gruppen (Kontrolle, Triclosan und Triclosan zusammen mit Clomifencitrat, konventionellem Selen, Nano-Selen oder einem Extrakt aus Tribulus terrestris) beschreibt, dass Triclosan Fortpflanzungs- und Leberfunktion, Hormongleichgewicht und Gewebe beeinträchtigte und dass die Zusatzstoffe diese Veränderungen milderten; Docking und Molekulardynamik betrafen die Enzyme CYP17A1 und GPX4. Dosis, Gruppengröße und Zahlenwerte stehen nicht im Abstract [s10].
- An der König-Abdulaziz-Universität in Dschidda erhielten 60 Wistar-Ratten (vier Gruppen zu je 15) vier Wochen lang Propylparaben (10 mg/kg/Tag), einen Pflanzenextrakt oder beides. Propylparaben senkte Testosteron, Dihydrotestosteron und 5α-Reduktase (p < 0,001) und erhöhte Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor-α im Hoden (p < 0,001); der Extrakt verbesserte die Parameter, ohne sie zu normalisieren. Spermienparameter nennt der Abstract nicht [s63].
- An der König-Khalid-Universität erhielten Wistar-Ratten eine Einzeldosis Titandioxid-Nanopartikel von 126, 252 oder 378 mg/kg; histologisch zeigten sich dosisabhängig Degeneration von Spermatozyten, Ablösung von Spermatiden und interstitielles Ödem [s75]. Der Endpunkt ist rein histologisch, die Einzeldosis hoch und nicht alltagsnah.

Die saudi-arabischen Studien zeigen ein „Schutzstoff-Muster“: Eine Toxizität wird als gegeben vorausgesetzt und eine Gegenmaßnahme geprüft [s10, s63]. Die Schutzstoff-Arme dürfen nicht als Behandlungsempfehlung gelesen werden; sie liefern Hinweise auf die Beteiligung von Oxidationsvorgängen, aber keine Information über die Exposition des Menschen.

**Vereinigte Arabische Emirate.** Die narrative Übersicht der Zayed-Universität in Dubai zu Parfüm- und Kosmetikinhaltsstoffen (Literatur 2005 bis 2024) nennt Phthalate, Parabene, flüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle und erwähnt bei Männern eine mögliche Störung der Spermatogenese durch endokrine Disruptoren [s17]. Die Volltext-Passagen berichten als Sekundärangaben eine Tierstudie zum UV-Filter Octylmethoxycinnamat (niedrigere Testosteronwerte, geringere Spermienzahlen und geringere Gewichte von Prostata und Hoden bei den männlichen Nachkommen exponierter Wistar-Ratten), eine einfach verblindete Humanexpositionsstudie mit 32 gesunden Erwachsenen (davon 15 junge Männer), bei der Sonnenschutzmittel mit Benzophenon-3, Octylmethoxycinnamat und 4-Methylbenzylidencampher systemisch aufgenommen und im Urin ausgeschieden wurden, ohne signifikante Hormoneffekte (FSH, LH, Östradiol, Testosteron, Inhibin B), sowie die dänische Filaggrin-Studie [s17]. Die Originale wurden nicht abgerufen; eine systematische Methodik wird nicht beschrieben.

**Sudan.** Zwei Arbeiten aus Khartoum betreffen Haarfärbemittel, beide ohne Spermienendpunkt. Die Produktanalyse von elf schwarzen Haarfärbemitteln (Atomabsorptionsspektrometrie für Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Blei, Mangan, Nickel) mit Blutproben von 19 Frauen und einem Fragebogen bei 312 Personen fand vor allem Mangan und Blei; Cadmium zeigte das deutlichste Risikosignal unter den Modellannahmen bei beruflich Exponierten, und nachweisbares Blutblei trat nur bei mindestens 20 Jahren beruflicher Exposition auf, was als explorativ bezeichnet wird [s13]. Die zweite Arbeit ist eine Kaninchenstudie mit dermalen Färbemitteln, die para-Phenylendiamin enthielten (72 männliche Kaninchen; 0,098; 0,187 und 2,375 mg/g alle zehn Tage über sechs Monate gegenüber Henna): dosisabhängige Mortalität (0 bis 22,2 %), vier- bis fünffach erhöhte Leberenzyme bei der höchsten Dosis, Hämoglobin -28 %, Erythrozyten -39 % und Leberzellnekrosen; Hodenendpunkte nennt der Abstract nicht [s05]. Beide Arbeiten zeigen, dass Haarfärbemittel in der Region als Metall-, Berufs- und Systemtoxizitätsthema untersucht werden und nicht als reproduktionsmedizinisches.

**Leitlinien, Register, Fachzeitschriften.** Eine arabischsprachige Leitlinie oder ein Register wurden nicht gefunden; die Recherche nennt keine gezielte Suche nach Leitlinien arabischer urologischer Gesellschaften. Die PubMed-indizierte Evidenz stammt überwiegend aus veterinärmedizinischen, biologischen, biochemischen und pharmakologischen Fakultäten ägyptischer und saudi-arabischer Universitäten.

**Erreichbarkeit.** Arab World Research Source (EBSCO) ist kommerziell und zugangsbeschränkt; ein Abruf einer vermuteten Produktseiten-Adresse lieferte HTTP 404. Mandumah leitete auf die Anmeldeseite um (HTTP 302). Die Plattformen IASJ (Irak), ASJP (Algerien) und die Egyptian Knowledge Bank waren nicht erreichbar (kein Verbindungsaufbau, Zeitüberschreitung nach 25 bis 40 Sekunden). eMarefa antwortete mit HTTP 200 auf der Startseite; die Suche wurde nicht ausgewertet. DOAJ war über die Schnittstelle erreichbar. Dass nichts gefunden wurde, bedeutet für den arabischen Raum nicht, dass nichts existiert.

### Türkisch

**Stellung im Gesamtbild.** Vier Quellen tragen das Merkmal Türkisch: drei Arbeiten in Zeitschriften veterinärmedizinischer Fakultäten (Kafkas Üniversitesi und Kocatepe), nämlich eine Triclosan-Embryostudie [s85], eine Mäusestudie zu Geschirrspülmittel [s105] und eine In-vitro-Studie zu Nonylphenol [s129], sowie eine Übersicht zu Kosmetikchemikalien in der Schwangerschaft [s86], deren Zeitschrift im Abruf nicht ausgewiesen ist. Vier weitere türkische Arbeiten sind englischsprachig [s36, s69, s109, s119]. Gefunden wurden damit acht Arbeiten, fast ausschließlich Tierversuche und In-vitro-Studien, aber keine Humanstudie zur Spermienqualität. Die Treffer stammen weit überwiegend aus veterinärmedizinischen Fakultätszeitschriften und Histologie-Abteilungen.

**4-Nonylphenol und Selen am Rattenhoden (Aydın).** Die ausführlichste Arbeit des Raums untersuchte 30 erwachsene männliche Sprague-Dawley-Ratten in fünf Gruppen zu je sechs Tieren (Kontrolle, Lösungsmittelkontrolle, Selen, 4-Nonylphenol, 4-Nonylphenol plus Selen); 4-Nonylphenol wurde mit 125 mg/kg/Tag über 48 Tage per Schlundsonde gegeben. Gegenüber der Kontrolle sanken der Kanälchendurchmesser (292,68 ± 5,09 gegenüber 270,20 ± 2,71 µm) und die Epithelhöhe (69,10 ± 1,44 gegenüber 52,38 ± 0,79 µm), der Anteil abnormer Spermien stieg von 34,00 ± 3,91 auf 75,93 ± 3,72 %, der Lebendanteil sank von 82,73 ± 1,29 auf 34,20 ± 2,43 %, der Anteil von Kanälchen mit starker Caspase-3-Färbung stieg von 23,36 ± 0,60 auf 49,72 ± 0,70 %, das Malondialdehyd im Hoden stieg und die Superoxiddismutase sank (5,33 ± 0,57 auf 2,71 ± 0,45 U/mg Protein). Die Hodengewichte unterschieden sich nicht (3,43 ± 0,12 gegenüber 3,55 ± 0,14 g). In der Gruppe mit zusätzlichem Selen lagen die Werte näher an der Kontrolle (Epithelhöhe 63,55 ± 0,85 µm, abnorme Spermien 43,20 ± 6,05 %, Lebendanteil 69,07 ± 3,20 %); Selen allein hatte eigene Wirkungen und senkte unter anderem Epithelhöhe und Lebendanteil. Die Schwächen sind sechs Tiere je Gruppe, eine einzige Dosis, die deutlich oberhalb alltagsnaher Exposition liegt, Unterschiede schon zwischen Kontrolle und Lösungsmittelkontrolle und 34 % abnorme Spermien bereits in der Kontrolle [s36]. Dass 4-Nonylphenol ein Abbauprodukt von Tensiden aus Reinigungs- und Waschmitteln ist, steht nicht in der Quelle, sondern ist eine Einordnung des Recherchenberichts; die Studie untersucht keine Reinigungsmittel. Die Selen-Arme sind keine Behandlungsempfehlung.

**Weitere Tier- und Zellstudien.**

- Benzylbenzoat, ein Duft- und Aromastoff, wurde in Ankara an fünf Wochen alten männlichen Ratten über 90 Tage mit 25 oder 100 mg/kg oral geprüft. Körpergewichte und relative Organgewichte änderten sich nicht, es gab histopathologische Befunde in Leber, Nieren, Thymus, Prostata und Nebenhoden, aber keine Veränderungen von Spermienzahl, täglicher Spermienproduktion und Spermienmorphologie [s69]. Das ist eine der wenigen Arbeiten mit einem klar negativen Spermienbefund bei einem Duftstoff.
- Flüssiges Geschirrspülmittel (0,1; 0,5; 1 und 5 % im Trinkwasser) über 60 Tage bei 40 männlichen Swiss-Albino-Mäusen (fünf Gruppen zu je acht) veränderte Hämoglobin, Plasmaprotein und mehrere Granulozyten und erhöhte ALP und AST bei 1 und 5 %. Die Gewichte von Leber, Niere, Milz, Lunge, Hoden und Gehirn blieben unverändert. Spermien, Histologie und Hormone wurden nicht untersucht, und ein unverändertes Hodengewicht schließt Veränderungen der Spermienqualität nicht aus [s105].
- Nonylphenol an gefrorenen und aufgetauten Bullenspermien in vitro (1 bis 500 µg/ml): Beweglichkeit und mitochondriales Membranpotenzial sanken ab 250 µg/ml, die Akrosomreaktion war schon bei 1 µg/ml erhöht [s129]. Die Konzentrationen liegen mehr als 5.000-fach über dem Median für 4-Nonylphenol in der russischen Samenflüssigkeit (0,170 ng/ml) [s101, s129].
- Titandioxid-Nanopartikel: Bei Regenbogenforellenspermien nahm ab 10 mg/l die Geschwindigkeit ab [s109]; beim Zebrafisch (1, 2 und 4 mg/l, fünf Tage) zeigte die Elektronenmikroskopie dosisabhängig mitochondriale Degeneration in Sertoli-Zellen und Spermatogonien [s119]. Beide Arbeiten nutzen Fische und Konzentrationen im Milligramm-pro-Liter-Bereich im Wasser; die Übertragbarkeit auf Sonnenschutzmittel beim Menschen ist nicht gegeben.
- Triclosan wurde nur an der in-vitro-kultivierten Rattenembryo untersucht (je zehn Embryonen in drei Gruppen und Kontrolle, 48 Stunden): Alle morphologischen Entwicklungswerte nahmen dosisabhängig ab, Caspase-2 sank, Caspase-9 stieg; ein Spermienendpunkt fehlt [s85].
- Die türkische Übersicht zu Kosmetikchemikalien in Schwangerschaft, Fetus und Neugeborenem [s86] hält fest, dass Chemikalien in Kosmetika sinngemäß unter anderem Fehlgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern und verzögerte Pubertät verursachen könnten, und rät, Kosmetika bis zum Beweis der Unbedenklichkeit mit Vorsicht zu behandeln. Zur männlichen Fruchtbarkeit enthält der Abstract keine Daten oder Effektgrößen; die Aussage ist als Meinungs- und Übersichtsäußerung, nicht als Evidenz zu werten.

**Humanstudien, Leitlinien, Register.** Zu Haarfärbemitteln, Tätowierungen (türkisch „dövme“) und UV-Filtern ergaben die Suchen in TR Dizin keine einschlägigen Treffer. Treffer zu „dövme“ betrafen Kulturgeschichte und Metallverarbeitung, zu „saç boyası“ nicht einschlägige Themen (Geflügelembryo, Weizenkrankheit, Reiseberichte), und die Suche nach „güneş koruyucu“ erfasste das Wort „koruyucu“ („schützend“) und fand Schutzstoff-Studien, aber keine Arbeit zu Sonnenschutzmitteln. Ein Teil der Treffer zu Reinigungs- und Waschthemen waren Medienanalysen von Werbung. Eine türkische Leitlinie oder ein Register wurde nicht gefunden; die Recherche nennt keine gezielte Suche nach Dokumenten türkischer urologischer Fachgesellschaften.

**Erreichbarkeit.** TR Dizin war erreichbar; die Such-API lieferte JSON mit Metadaten und zweisprachigen Abstracts, und Detailseiten waren abrufbar. Mehrwortsuchen verknüpfen die Begriffe offenbar mit UND (null Treffer bei „triklosan sperm“, aber 42 bei „triklosan“), weshalb die Treffer einzeln gefiltert wurden. DergiPark wurde bei der Suche auf eine Verifizierungsseite („Arama Doğrulama“) umgeleitet; eine automatisierte Suche war nicht möglich, die Inhalte wurden nicht ausgewertet. Für den türkischen Raum kann daher ein Befund, der nur auf DergiPark verzeichnet ist, weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zu Haarfärbemitteln, Tätowierungen, UV-Filtern, Triclosan, Reinigungsmitteln und Duftstoffen enthält viele scheinbar gegensätzliche Befunde. Dieser Abschnitt stellt sie je Stoffgruppe nebeneinander und nennt mögliche Erklärungen. „Möglich" bedeutet dabei: Die Erklärung ist aus der Studienanlage ableitbar oder wird von den Autoren selbst genannt, ist aber in den meisten Fällen nicht durch eine eigene Prüfung belegt. Die Zahlen stammen, soweit nicht anders vermerkt, aus den Abstracts der zitierten Arbeiten, in einzelnen Fällen aus frei zugänglichen Volltexten; Methodendetails, die nur im Volltext stehen, wurden für die meisten Studien nicht geprüft.

### Triclosan: von „kein Zusammenhang" bis „erhöhtes Risiko"

Triclosan ist der Stoff mit den meisten Humanstudien. Die Befunde zeigen dennoch kein einheitliches Bild.

**Gegenläufige Richtungen in Einzelstudien.** In der EARTH-Kohorte (262 Männer, 581 Proben) hatten Männer mit nachweisbarem Urin-Triclosan im Mittel 0,96 Prozentpunkte weniger morphologisch normale Spermien als Männer ohne Nachweis (95-%-Konfidenzintervall -1,57 bis -0,35); im vierten Quartil war der Unterschied mit -0,46 Prozentpunkten (-1,25 bis 0,33) nicht mehr signifikant, ein Dosis-Wirkungs-Trend fehlte [s97]. In Shanghai (471 Männer) war ln-Triclosan mit der Zahl vorwärtsbeweglicher Spermien negativ assoziiert (β = -0,17; -0,32 bis -0,02), die deutlicheren Assoziationen fanden sich aber nur im untersten Terzil, im mittleren und hohen Terzil dagegen nicht [s123]. In Shenzhen (406 Männer) zeigte weder die Terzil- noch die kontinuierliche Analyse einen monotonen Trend; nur Linearität und „Wobble" des Bewegungsmusters waren im zweiten Terzil höher (p < 0,05), und die Autoren folgern geringe oder keine Wirkung niedriger Exposition [s72]. In einer Klinikstichprobe von 315 Männern mit ausschließlich normaler Spermienkonzentration ging höheres Triclosan mit einem höheren Anteil morphologisch abnormaler Spermien einher (p = 0,016 bzw. 0,002) [s107]. In der Studie von Smarr und Kollegen (501 Männer) waren dagegen Triclosan und hydroxylierte Paraben-Metabolite signifikant positiv mit ausgewählten Spermaparametern assoziiert, während Methyl-, Ethyl- und Butylparaben mit geringerer Spermienzahl und Motilitätsparametern assoziiert waren [s112]. Die größte Fall-Kontroll-Studie (877 idiopathisch infertile Männer, 713 fertile Kontrollen) fand für Triclosan keinen Zusammenhang mit idiopathischer Infertilität [s132].

*Mögliche Erklärungen.* (1) Nichtmonotone Dosis-Wirkung oder Zufall: Dass der Zusammenhang in Shanghai nur im niedrigsten Terzil auftrat, ist mit einer nichtmonotonen Beziehung vereinbar, aber ebenso mit einem Zufallsbefund bei mehreren Teilanalysen; die Autoren selbst sprechen von einem bescheidenen Effekt im umweltrelevanten Bereich [s123]. (2) Unterschiedliche Expositionshöhen: Die Nachweisraten im Urin unterschieden sich stark (96,7 % in Shanghai gegenüber 74,6 % in Shenzhen [s123, s72]); die Shanghaier Autoren berichten zudem, die Triclosan-Werte in China seien niedriger als in Europa und Nordamerika. In der EARTH-Kohorte war der Zusammenhang bei Proben vor 2013, als Triclosan häufiger nachweisbar war, stärker [s97]; das passt zu einer zeitabhängigen Exposition, belegt sie aber nicht. (3) Einschränkung der Stichprobe: Wer nur Männer mit normaler Konzentration einschließt, schneidet den Bereich ab, in dem man Effekte auf die Konzentration erwarten würde [s107]. (4) Mehrfachvergleiche: Shenzhen untersuchte 16 Parameter [s72], die EARTH-Kohorte und andere ebenfalls mehrere; ein einzelner signifikanter Befund unter vielen hat ein anderes Gewicht als ein vorab festgelegter Hauptendpunkt.

**Metaanalyse gegen Einzelstudien.** Die Metaanalyse mit fünf Studien und 1.312 Männern fand eine geringere Spermienkonzentration (SMD -0,42; -0,75 bis -0,10; p = 0,01) und Gesamtmotilität (SMD -1,30; -2,26 bis -0,34; p = 0,008), aber ein höheres Ejakulatvolumen (SMD +0,24; 0,04 bis 0,45; p = 0,02) [s38]. Die Heterogenität lag laut Volltext bei I² = 97 % (Konzentration), 100 % (Gesamtbeweglichkeit), 88 % (Volumen) und 96 % (Spermienzahl) [s38]. Die Gesamtbeweglichkeit verlor in der Sensitivitätsanalyse die Signifikanz (SMD -1,63; p = 0,12), die Spermienzahl war auch dort nicht signifikant [s38]. Eine systematische Übersicht ohne Metaanalyse kam dagegen zu dem Schluss, insgesamt sei kein Zusammenhang mit Infertilität gefunden worden, während Spermaqualität und ovarielle Reserve empfindlich erscheinen [s57]; eine französische Abschlussarbeit berichtete für die epidemiologischen Studien zur männlichen Fortpflanzungsfunktion keine schädliche Wirkung, wertete sie aber als begrenzt und unzureichend [s117].

*Mögliche Erklärungen.* Die Metaanalyse verglich nach eigener Methodenbeschreibung exponierte Personen mit WHO-Referenzwerten als Kontrollen und nicht mit internen unexponierten Vergleichsgruppen [s38]; das kann Unterschiede erzeugen, die auf die Population statt auf die Exposition zurückgehen. Drei der fünf Studien stammen aus China und entsprechen den oben genannten Einzelstudien [s123, s72, s59]; die Metaanalyse ist deshalb keine unabhängige zweite Quelle. Das höhere Volumen widerspricht der Annahme einer allgemeinen Schädigung und könnte ein Hinweis auf Zufall, Heterogenität oder Verzerrung sein. Die Heterogenität von 88 bis 100 Prozent bedeutet, dass die Einzelergebnisse stärker streuen, als Zufall allein erklären würde; welche Eigenschaften der Studien dafür verantwortlich sind, ist aus den Abstracts nicht zu ersehen.

**Fekundabilität.** Eine systematische Übersicht (15 Arbeiten aus 12 Studien) fand für Bisphenol A, Triclocarban und Triclosan kaum bis keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Zeit bis zur Schwangerschaft [s95]. Die später erschienene prospektive Kohorte aus Shanghai (443 Paare) fand dagegen für höheres männliches Urin-Triclosan eine verminderte Fekundabilität (Odds Ratio 0,77; 0,62 bis 0,97) und ein erhöhtes Infertilitätsrisiko (OR 1,6; 1 bis 2,6) [s74]. Der Widerspruch ist zeitlich erklärbar: Die Kohorte lag bei der Übersicht noch nicht vor. Zugleich berührt das Konfidenzintervall der Infertilitäts-OR den Wert 1, und das Ergebnis stammt aus einer einzigen Kohorte.

**Fall-Kontroll-Studien im Samenplasma.** In Shijiazhuang (je 100 Fälle und Kontrollen) war die Samenplasma-Konzentration bei Fällen nur leicht und nicht signifikant höher, im vierten Quartil jedoch das Risiko für geringe Spermaqualität erhöht (adjustiertes OR 2,36; 1,03 bis 5,39) [s59]. Die untere Konfidenzgrenze liegt knapp über 1; ein nicht signifikanter Gruppenunterschied zusammen mit einem signifikanten Quartilseffekt ist ein typisches Muster bei kleinen Stichproben.

**Mischungsstudien gegen Einzelstoffanalysen.** In der EARTH-Mischungsanalyse (420 Männer) war Triclosan in den Einzelmodellen negativ mit allen Spermaergebnissen außer dem Volumen assoziiert, die Gesamtmischung hatte aber in allen Endpunkten Kredibilitätsintervalle, die Null einschließen (etwa Morphologie -1,42 %; -12,36 bis 9,52) [s22]. In der dänischen Geburtskohorte (841 Männer) zeigte die Mischung der nicht-persistenten Stoffe (Phthalate und Triclosan, im mütterlichen Blut gemessen) keine Assoziation mit den Hoden- und Spermaendpunkten; die Autoren führen vorhandene Effekte auf PFAS zurück und verweisen auf Messfehler durch Einzelmessungen [s09]. Mögliche Erklärung: Ein Stoff kann in einem Modell als Einzelfaktor auffallen, aber in der Gesamtmischung durch Gegenläufigkeit anderer Komponenten und breitere Unsicherheit verschwinden; zudem unterscheiden sich der Messzeitpunkt (mütterliche Schwangerschaftsprobe gegenüber aktuellem Urin des Mannes) und die Population.

**Die russische Studienserie.** Aus einer Tscheljabinsker Arbeitsgruppe liegen mehrere Veröffentlichungen zu Triclosan in der Samenflüssigkeit vor. Die Mediane lagen bei Pathozoospermie höher als bei Normozoospermie (0,185 gegenüber 0,095 ng/ml; p = 0,033; 41 Proben [s101]), die Korrelation von Triclosan mit der DNA-Fragmentierung betrug r = 0,61 bzw. r = 0,604 [s101, s93]. Ein Median-Split ergab ein Odds Ratio von 18,3 (3,4 bis 97,7) für erhöhte DNA-Fragmentierung [s90]. Zugleich widersprechen sich die Veröffentlichungen in Einzelheiten: Die erste Arbeit deutete die Summenkorrelation von Bisphenol A und Triclosan als synergistisch [s101], spätere Arbeiten sahen in der Regression keinen synergistischen Effekt [s94, s91]. Für die Pathozoospermie dominierte im Regressionsmodell Bisphenol A, für die DNA-Fragmentierung Triclosan [s94, s91]. Auch Stichprobengrößen (41, 47, 53, 84) und p-Werte für denselben Vergleich (0,033; 0,045; 0,018) unterscheiden sich [s101, s93, s91]. *Mögliche Erklärung:* Die Probensätze überlappen mit hoher Wahrscheinlichkeit, was die Arbeiten nicht ausdrücklich offenlegen; sie sind deshalb wiederholte Auswertungen ähnlicher Daten und keine unabhängigen Replikationen. Die extrem weiten Konfidenzintervalle der Regression (obere Grenze im Milliardenbereich) zeigen ein instabiles Modell mit etwa 47 Beobachtungen und drei korrelierten Prädiktoren [s94].

**Humandaten gegen Tierdaten.** Tierversuche zeigten bei hohen Dosen deutliche Effekte: Bei Ratten sanken nach subkutaner Gabe (0,1 bis 150 mg/kg) von Gestationstag 6 bis Postnataltag 21 dosisabhängig Testosteron, Spermienzahl und Motilität der männlichen Nachkommen [s87]; in einer subchronischen koreanischen Studie war die tägliche Spermienproduktion erst bei hohen Dosen deutlich vermindert, und die Autoren hielten die biologische Relevanz wegen der in der Umwelt nicht vorkommenden Dosen für fraglich [s104]; in Shenyang verringerten bei Ratten nur 200 mg/kg die tägliche Spermienproduktion signifikant [s127]. Die Tscheljabinsker Gruppe fand bei 200 mg/kg im Futter über zwei Monate bei Triclosan-Ratten vor allem Veränderungen von Hodengewicht, Keimepitheldicke und Anteil aktiv beweglicher Spermien, aber keine veränderte Spermienzahl (15,3 gegenüber 15,9 Mio. in der Kontrolle) [s103, s82]. Beim Menschen liegen die Expositionen um Größenordnungen niedriger. Die Tierdosen sind deshalb eher Hinweise auf mögliche Mechanismen (oxidativer Stress, gehemmte Steroidogenese) als Vorhersagen für Alltagsexposition. Dass Tierstudien mit niedrigen Dosen wiederum Hormonendpunkte berichten (30 bis 3000 µg/kg/Tag bei der Maus [s27]), erschwert die Zuordnung zusätzlich, weil Hormonendpunkte und Spermienendpunkte nicht dasselbe messen.

### UV-Filter: einzelne Assoziationen, aber keine gemeinsame Linie

**Humanstudien.** In der Kohorte von Buck Louis und Kollegen (413 Männer, fünf Benzophenone, 35 Endpunkte) war Benzophenon-2 mit geringerer Spermienkonzentration (β = -0,74; -1,41 bis -0,08), geraderer und linearer Bewegung sowie mehr unreifen Spermien assoziiert, BP-8 mit verminderter hypoosmotischer Schwellung und größerer Akrosomfläche; für BP-1, BP-3 und 4-Hydroxybenzophenon fand sich nichts [s124]. Die Effektrichtungen sind nicht einheitlich, und bei fünf Expositionen mal 35 Endpunkten steht im Abstract keine Mehrfachtestkorrektur. In einer spanischen Studie (215 Studenten) bestand bei 97 % nachweisbarer Exposition keine Assoziation eines Benzophenons mit einem Spermaparameter, wohl aber kleine Assoziationen mit Hormonen (BP-1 und BP-3 mit FSH) [s100]. In einer zweiten spanischen Studie (158 Studenten) war höheres 4-Hydroxybenzophenon sogar mit weniger DNA-Fragmentierung assoziiert (-5,5 %; -10,7 bis -0,3) [s46]. In der chinesischen Mischungsanalyse (155 Männer) war die gemeinsame Exposition mit geringerer Gesamtbeweglichkeit (β = -0,18; -0,29 bis -0,07) und progressiver Beweglichkeit (β = -0,27; -0,43 bis -0,10) assoziiert, wobei BP-1, Methylparaben und MCPP die Haupttreiber waren, nicht BP-3 [s43]. In Nanjing war BP-3 nicht mit idiopathischer Infertilität assoziiert [s132].

*Mögliche Erklärungen.* Benzophenone sind eine Stoffgruppe mit unterschiedlichen Metaboliten; was für BP-2 gilt, gilt nicht automatisch für BP-3. Die Studien erfassten junge gesunde Männer (Spanien), Kinderwunschpopulationen (China) und Männer aus einer Kohorte (USA); Expositionsniveau, Produktgewohnheiten und Hautbarriere unterscheiden sich. Ein Hinweis darauf, dass der Aufnahmeweg eine Rolle spielen könnte, kommt aus Dänemark: Bei Trägern von Filaggrin-Funktionsverlustmutationen (65 Männer) gingen höhere Urinwerte von BP-1 und BP-3 mit höherem Testosteron und Östradiol und niedrigerem FSH einher, bei Nichtträgern (130) nicht; eine geringere Motilität fand sich bei Trägern für Bisphenol A und bei Nichtträgern für 4-Hydroxybenzophenon [s106]. Die Autoren vermuten eine Rolle der dermalen Aufnahme bei gestörter Hautbarriere; die kleinen Untergruppen und die vielen Vergleiche erlauben dazu keine sichere Aussage.

**Übersichten.** Eine systematische Übersicht (75 Studien) fasst zusammen, Benzophenone seien bei Männern mit verminderter Spermaqualität und Motilität assoziiert [s24]; die Einzelstudien, die in der vorliegenden Recherche gelesen wurden, tragen diese Pauschalaussage nur schwach ([s100] ohne Spermabefund, [s124] mit gemischten Befunden). Die AUA/ASRM-Leitlinie stuft die Evidenz für Benzophenone dagegen als nicht schlüssig ein: „Inconclusive evidence was found for benzophenones, bisphenol A (BPA), chlorinated antimicrobial agents, parabens, and air pollution." [s39]. Eine Übersicht zur Fekundabilität sah vorläufige Hinweise auf einen Zusammenhang männlicher Benzophenon-Exposition mit längerer Zeit bis zur Schwangerschaft, wies aber auf die begrenzte Evidenz hin [s95]. *Mögliche Erklärung:* Übersichten und Leitlinien gewichten Endpunkte und Studienqualität unterschiedlich; eine Zusammenfassung wie „assoziiert" kann einzelne Teilbefunde bündeln, die in der Summe nicht konsistent sind.

**Tierversuche.** In Mäusen aus Ningxia beeinträchtigten BP-1, BP-2 und BP-3 bei 10 nM und 1000 nM (entsprechend etwa 2 bis 250 µg/l) über Muttermilch und Trinkwasser die Blut-Hoden-Schranke, und BP-3 allein (2,28 und 228 µg/l) verminderte Spermienmenge und -qualität und Testosteron [s21, s29]. Eine japanische Zwei-Generationen-Studie mit Benzophenon (nicht BP-3) bis 2000 ppm im Futter fand dagegen keine Veränderung von Fortpflanzungsfähigkeit, Spermienparametern oder Serumhormonen [s146], und ein japanischer Tagungsabstract fand für den Metaboliten 4-Hydroxybenzophenon (0,01 bis 100 mg/kg/Tag subkutan) bei säugenden Ratten keine Beeinflussung des Genitalsystems [s145]. Ein direkter Widerspruch ist nicht belegt, weil die Substanzen (Benzophenon und sein Metabolit gegenüber BP-1, BP-2 und BP-3), die Spezies, der Gabeweg und die Beobachtungszeitpunkte verschieden sind. Eine kombinierte NHANES-Mausstudie fand für BP-3 eine dosisabhängige Assoziation mit niedrigerem Gesamttestosteron, deren Richtung nach Mehrschadstoff-Adjustierung erhalten, der Effekt aber abgeschwächt war [s11]; Hershberger-Test und Zellversuche sprechen für einen antiandrogenen Hinweis, nicht aber für einen Spermienbefund [s53]. Avobenzon verminderte an Eberspermien in vitro bei 50 und 100 µM Motilität und Kapazitation [s48]; diese Konzentrationen sind für eine Alltagsexposition hoch.

### Parabene: Richtung meist negativ, aber stoffspezifisch

Als Konservierungsstoffe in Kosmetika sind Parabene kein Kernthema der Fragestellung, werden hier aber wegen der zahlreichen Studien als Vergleichsgruppe geführt. In Shanghai war die Parabenmischung mit sinkender Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit assoziiert (795 Männer; Butylparaben Haupttreiber für Konzentration und Gesamtzahl, Methylparaben für die Beweglichkeit [s64]); in der Samenbank-Studie (799 Männer) war Ethylparaben negativ mit Konzentration und Gesamtzahl assoziiert [s52]. In Tokio (42 Männer) fand sich keine signifikante Assoziation [s120], und in Nigeria (136 Fälle, 154 Kontrollen) unterschieden sich die Urinwerte von Fällen und Kontrollen nicht, nur Propylparaben war bei Fällen mit geringerer Gesamtbeweglichkeit verbunden [s51]. Butylparaben ging in Wuhan mit mehr DNA-Schaden im Comet-Test einher, besonders bei Übergewichtigen und unter 30-Jährigen [s12]. Bei einer anderen Stichprobe (156 Männer mit normaler Konzentration) war Butylparaben mit XY18-Disomie und Propylparaben mit Disomie von Chromosom 13 assoziiert, was die Autoren als replikationsbedürftig bezeichnen [s118]. Die dänische Studie fand keinen Zusammenhang der Parabene [s106].

*Mögliche Erklärungen.* Die kleine Fallzahl in Tokio (42) und die niedrigen Konzentrationen (geometrisches Mittel Butylparaben 0,184 ng/ml [s120]) können Effekte verdecken, die Autoren nennen diese Gründe selbst. Die Einzelparabene unterscheiden sich in Aufnahme, Stoffwechsel und Wirkstärke; ein Mischungsmodell kann einzelne Treiber hervorheben, die in anderen Studien nicht dominieren.

Die Tierdaten sind ebenso uneinheitlich: Butylparaben (0,01 bis 1,00 % im Futter, 8 Wochen) verminderte bei Ratten Nebenhodengewicht, Spermienreserve und Testosteron, wobei die tägliche Aufnahme laut Autor im Bereich des unteren zulässigen Tagesaufnahmewerts lag [s150]; für Propylparaben ergab sich Ähnliches [s149]; Methyl- und Ethylparaben (rund 1000 mg/kg/Tag) zeigten keine antispermatogene Wirkung [s147]. In 13-Wochen-Studien mit subkutaner Gabe bis 50 mg/kg/Tag waren keine östrogenen Effekte auf die Samenqualität nachweisbar und der NOAEL betrug 50 mg/kg/Tag [s76, s47]; bei maternaler Exposition mit 100 und 200 mg/kg verringerten sich Spermienzahl und Beweglichkeit [s148]. *Mögliche Erklärung:* Gabeweg (Futter, Schlundsonde, subkutan), Expositionsfenster (adult gegenüber pränatal und laktational) und Substanz unterscheiden sich; ein einfacher Widerspruch lässt sich ohne weitere Daten nicht auflösen.

### Haarfärbemittel: In-vitro-Schaden, unklarer Tierbefund, keine Humandaten

Für para-Phenylendiamin (PPD) liegen Befunde in mehreren Modellen vor, die sich nicht decken. An menschlichen Spermien in vitro senkte PPD (5 bis 200 µM) dosisabhängig Motilität und Vitalität, minderte die Akrosomreaktion, erhöhte reaktive Sauerstoffspezies und bei 100 und 200 µM die DNA-Fragmentierung [s42]. Bei der Ratte verminderte subchronische topische Anwendung (bis 3 mg/kg/Tag) die Gesamtspermienzahl und das Hodengewicht und führte zu Keimzellapoptose [s133]. Bei der Maus fand ein japanischer Tagungsabstract (5 Tage subkutan, 25 bis 6,25 mg/kg/Tag, 5 Tiere je Gruppe) für o-Phenylendiamin Hoden- und Spermienschäden, ausdrücklich aber nicht für PPD [s141]; ein Folgeabstract fand bei einzelnen Aminophenolen und Aminokresolen relativ geringe Befunde bei Dosen nahe der Maximalverträglichkeit [s137]. Eine systematische Übersicht von 25 Tierstudien fasste Hodentoxizität als einen von mehreren Endpunkten zusammen, wies überwiegend ein unklares Verzerrungsrisiko aus und warnte ausdrücklich davor, die Befunde als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen [s14]. Bei Kaninchen führten PPD-haltige Färbemittel (0,098 bis 2,375 mg/g, dermal, sechs Monate) zu dosisabhängiger Mortalität und Leberschäden; Hodenendpunkte nennt der Abstract nicht [s05].

*Mögliche Erklärungen.* In vitro ist die Zelle direkt exponiert, ohne Haut- und Leberpassage, und die Konzentrationen wurden nicht mit Körperspiegeln nach einer Haarfärbung verglichen [s42]. In der topischen Rattenstudie und der subkutanen Mausstudie unterscheiden sich Gabeweg, Dauer und Dosis; die Mausstudie umfasst fünf Tage und kleine Gruppen ohne p-Werte im Abstract [s141]. Beim Menschen fehlt die Grundlage für einen Vergleich: Eine epidemiologische Studie zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern wurde in keinem Sprachraum gefunden. Für den Friseurberuf zeigen Metaanalysen kombinierte Risikoverhältnisse für Frauen von 1,11 (1,03 bis 1,19) für die Zeit bis zur Schwangerschaft und 1,24 (1,10 bis 1,41) für ein zu geringes Gestationsalter, bei geringer Evidenz und ohne Nachweis der Kausalität [s126]; eine weitere Übersicht fand uneinheitliche Ergebnisse [s142]. Diese Berufsstudien betreffen Schwangerschaftsausgänge bei Frauen und lassen sich nicht auf Spermaparameter übertragen.

### Reinigungs- und Desinfektionsmittel: Mäuse und Zellen gegen den Menschen

Bei Mäusen führten quartäre Ammoniumverbindungen (ADBAC und DDAC) zu Subfertilität: längere Zeit bis zum ersten Wurf und weniger Welpen [s128], geringere Spermienkonzentration und Motilität bei Männchen bei unveränderter Vitalität [s122]; bei 120 mg/kg/Tag hielten die Effekte bis in die F1-Generation an, waren aber in der F2-Generation nicht mehr nachweisbar [s32]. Der Sertoli-Zell-Stoffwechsel sank schon bei 0,0005 % ADBAC+DDAC, lange vor einer Störung der Blut-Hoden-Schranke bei 0,01 % [s26]. Menschliche Spermien in vitro wurden von kationischen Tensiden bei spermiziden Konzentrationen geschädigt, nicht bei umweltrelevanten [s131]. Beim Menschen gibt es eine einzige Studie mit einem quartären Ammoniumdesinfektionsmittel: Bei 122 Samenspendern veränderte ein Benzethoniumchlorid-Tuch zur Hautdesinfektion keinen Spermaparameter, während Povidon-Iod bei 63 Spendern den Anteil progressiv beweglicher Spermien geringfügig veränderte (63,02 ± 3,18 % gegenüber 61,45 ± 4,78 %; die Zuordnung der Werte ist im Abstract nicht ausdrücklich genannt) [s114].

*Mögliche Erklärungen.* Der Mausbefund beruht auf langer oraler oder umweltbedingter Dauerexposition mit hohen Dosen; die Autoren der Übersicht sehen vorhandene Studien weitgehend auf hohe Dosen beschränkt und für tägliche Niedrigexposition nicht prädiktiv [s40]. Die Spendenstudie betrifft eine einmalige, kurze Hautanwendung mit anschließender Samenabgabe und prüft deshalb eine andere Frage als die Dauerexposition aus der Haushaltsumgebung. Außerdem wurden die beiden Mittel zu verschiedenen Zeiten und nicht randomisiert eingesetzt [s114]. Die Haushaltsrenovierung (2.267 infertile Männer; höheres Risiko abnormaler progressiver Motilität bei Einzug innerhalb von drei Monaten, OR 1,537; 1,088 bis 2,172) ist kein Reinigungsmittel und nennt keine Einzelsubstanz [s62]; sie lässt sich nur als grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen lesen. Die russischen Arbeiten zu Waschmitteln und Geschirrspülmitteln verwenden Rinderspermien als Testzellen für Produkttoxizität; sie messen keine Spermienqualität des Menschen [s31, s99]. Ein Geschirrspülmittel im Trinkwasser von Mäusen (bis 5 %) veränderte das Hodengewicht nicht, Spermien wurden nicht untersucht [s105]. Bei einem Waschmitteltensid an Hähnen senkten erst 1.500 ppm die Spermienkonzentration [s151].

### Duftstoffe: ein Substanzgemisch ohne einheitliche Aussage

Die in der Recherche erfassten Duftstoffe verhalten sich unterschiedlich. Galaxolid (HHCB) und Irgacure 369 wurden als Androgenrezeptor-Agonisten identifiziert [s61]; bei geschlechtsreifen Ratten verringerten sie Spermienkonzentration und Motilität, erhöhten Fehlformen und senkten Testosteron [s60]. Cashmeran dagegen zeigte in einer Weight-of-Evidence-Bewertung keine Hinweise auf endokrine Aktivität [s54]. Für Cyclamenaldehyd zeigten Rattenstudien Effekte auf die Spermienreifung; ein Metabolit reichert sich nur in Rattenhepatozyten an, nicht in Kaninchen- und Humanhepatozyten, und die Autoren folgern, der Mensch sei wahrscheinlich nicht anfällig für diesen Weg [s80]. Benzylbenzoat (90 Tage, 25 und 100 mg/kg) veränderte Spermienzahl, tägliche Spermienproduktion und Morphologie nicht [s69]. In der dänischen Studie (1.058 junge Männer) bestanden kaum Assoziationen zwischen der aggregierten Produktnutzung, auch parfümierter Produkte, und den Spermaparametern [s89]. Eine japanische Phthalatstudie (197 Männer) fand für höhere Phthalatmischungen sogar eine höhere Spermienbeweglichkeit, getragen von Monoethylphthalat; die Studie ordnet diesen Stoff nicht Duftstoffen zu [s34]. Eine systematische Übersicht (38 Studien) sah dagegen für hohe MEHP-, DEHP- und DBP-Exposition geringere Konzentration, Motilität und allgemeine Spermaqualität bei niedriger bis moderater Sicherheit der Evidenz [s03].

*Mögliche Erklärung.* „Duftstoff" ist eine Funktionsbezeichnung, keine chemische Klasse. Synthetischer Moschus, Aldehyde, Benzoate und Phthalate haben unterschiedliche Wirkmechanismen und Stoffwechselwege, und Spezies unterscheiden sich im Metabolismus (Cyclamenaldehyd). Ein Befund zu einem Stoff trägt daher nicht auf andere. Die dänische Studie mischt zudem Produkte mit sehr unterschiedlicher dermaler Aufnahme und stützt sich auf Selbstauskunft, ohne Messung der Substanzen im Körper [s89].

### Tätowierungen: ein Nullbefund aus einer einzigen Studie

Der Widerspruch liegt hier nicht zwischen Studien, sondern zwischen einer toxikologischen Plausibilität und fehlenden Spermabefunden. Tätowierfarben können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine enthalten [s70]; Übersichten und Berichte zu Regulierung und Wissenslücken bewerten jedoch keine Hoden- oder Spermaendpunkte [s44, s07]. Die einzige epidemiologische Studie (1.045 junge Dänen, 174 tätowiert) fand keine Assoziation der Anzahl oder des Farbschemas mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen; eine Tätowierung war mit 6 % (0 bis 12) größerem, selbst gemessenem Hodenvolumen verbunden [s18]. *Mögliche Erklärungen:* Nur 17 % waren tätowiert, 84 % davon ausschließlich in Schwarz, mit wenigen Tätowierungen und kurzer Expositionsdauer; Tintenmenge, Fläche und Alter der Tätowierung fehlen. Ein Nullbefund bei geringer Exposition ist kein Beleg für Unbedenklichkeit bei großflächiger oder langjähriger Exposition. Der positive Hodenvolumenbefund ist als mögliche differenzielle Fehlklassifikation (Selbstmessung) zu lesen, nicht als nutzbringende Wirkung.

### Alkylphenole und die Frage der Herkunft

Alkylphenole sind nur indirekt mit Reinigungsmitteln verbunden. In Nanjing waren 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol mit idiopathischer männlicher Infertilität assoziiert (p für Trend < 0,0001, 0,014 bzw. 0,001) [s132]. Bei der russischen Serie unterschied sich 4-Nonylphenol in der Samenflüssigkeit dagegen nicht zwischen Normo- und Pathozoospermie (0,185 ng/ml in beiden Gruppen; p = 0,627) und trug in den Regressionsmodellen nichts bei [s101, s94, s91]. In vitro senkte Nonylphenol (1, 10 und 100 nM) konzentrationsabhängig die Motilität menschlicher Spermien [s02]; bei Bullenspermien waren Beweglichkeit und Membranpotenzial erst ab 250 µg/ml verändert, die Akrosomreaktion aber schon bei 1 µg/ml [s129]. Bei Ratten verminderten 125 mg/kg/Tag 4-Nonylphenol über 48 Tage den Spermien-Lebendanteil auf 34,2 % (Kontrolle 82,7 %) und erhöhten den Anteil abnormer Spermien auf 75,9 % (Kontrolle 34,0 %) [s36]. *Mögliche Erklärungen:* Die Messmatrix unterscheidet sich (Urin gegenüber Samenflüssigkeit), ebenso Nachweisgrenzen und Population; die in vitro und im Tier verwendeten Konzentrationen liegen weit über den im Menschen gemessenen (Median in der Samenflüssigkeit 0,170 ng/ml [s101]; in vitro bei Bullenspermien 1 bis 500 µg/ml [s129]). Die Herkunft aus Reinigungs- und Waschmitteln wird in den Studien nicht untersucht und ist eine Einordnung, die in den Quellen nicht belegt ist.

### Übergreifende Erklärungsmuster

Aus der Zusammenschau ergeben sich wiederkehrende Gründe für Widersprüche:

1. **Unterschiedliche Messgrößen.** Urin, Samenplasma, mütterliches Serum, Fragebogenangaben und Produktnutzung messen verschiedene Dinge. Triclosan im Samenplasma [s59] und im Urin [s72] ist nicht austauschbar.
2. **Kurzlebige Stoffe, Einzelproben.** Triclosan, Parabene und Benzophenone werden rasch ausgeschieden; eine einzelne Urinprobe bildet die Langzeitexposition nur unvollständig ab. Die Autoren der dänischen Kohorte nennen dies ausdrücklich als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte [s09]; wiederholte Messungen gibt es nur in wenigen Studien [s97, s12].
3. **Verschiedene Zielgrößen.** Zahl, Konzentration, Motilität, Morphologie, DNA-Fragmentierung, Hormone und Fekundabilität reagieren unterschiedlich; einzelne Studien verbessern einen Endpunkt und verschlechtern einen anderen [s124].
4. **Populationen.** Kinderwunschkliniken, Samenbanken, Studenten und Allgemeinbevölkerung unterscheiden sich in Alter, Vorselektion und Exposition. Die meisten Humanstudien stammen aus China, Dänemark, den USA und Spanien.
5. **Dosis und Gabeweg in Tier- und Zellstudien.** Von Zellen bis zu Hochdosisversuchen weichen Konzentrationen und Expositionswege von der Alltagsanwendung ab.
6. **Überlappende Datensätze.** Die EARTH-Kohorte [s97, s22], die dänischen Geburtskohorten [s89, s18, s09] und die russische Serie [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91] liefern mehrere Veröffentlichungen, die nicht als unabhängige Bestätigungen zählen. Auch die beiden Smarr-Studien von 2018 mit Urin und Samenplasma [s112, s113] stammen vermutlich aus derselben Paarkohorte (die Abstracts nennen die Kohorte nicht).
7. **Zufall und Mehrfachtests.** Viele Studien prüfen Dutzende Parameter und mehrere Stoffe; nominell signifikante Einzelbefunde sind unter diesen Bedingungen zu erwarten.

## Limitationen der Evidenz

### Studiendesign und Kausalität

Der überwiegende Teil der Humanstudien sind Querschnitts- oder Fall-Kontroll-Studien. Sie messen Exposition und Spermaparameter zu einem Zeitpunkt und können deshalb weder die zeitliche Abfolge noch die Ursache klären. Prospektive Designs sind selten: Die Kohorte mit Fekundabilität [s74] und die EARTH-Kohorte mit wiederholten Proben [s97] sind Ausnahmen. Das Hauptergebnis der meisten Arbeiten ist eine statistische Assoziation, und die Autoren verwenden diesen Begriff selbst. Umgekehrte Kausalität und Störgrößen lassen sich nicht ausschließen: Männer mit Kinderwunsch oder Pathozoospermie können sich in Lebensstil, Berufsexposition und Produktnutzung von Vergleichsmännern unterscheiden; Fragebögen zu Körperpflege, Reinigungsmitteln oder Beruf lagen in den gelesenen Abschnitten der russischen Arbeiten nicht vor [s101, s93].

### Expositionserfassung

Die Expositionsmessung ist die größte methodische Schwachstelle. Triclosan, Parabene und Benzophenone sind kurzlebige Stoffe; eine einzelne Urinprobe bildet die Exposition über die rund 90 Tage dauernde Spermatogenese nur grob ab. Die Autoren der dänischen Geburtskohorte nennen die Einzelmessung von Phthalaten und Triclosan ausdrücklich als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte [s09]. Wiederholte Messungen liegen nur in wenigen Studien vor [s97, s12]; ein chinesischer Ansatz mit gepoolten Urinproben in vier Zeitfenstern (Tag 1 bis 15, 16 bis 31, 32 bis 63 und ab Tag 64) versucht, die Spermatogenesedauer abzudecken, berichtet aber keine Spermienendpunkte [s71]. Die Zuordnung zu einer Quelle fehlt fast immer: Triclosan kommt nach Angabe der Autoren in Körperpflege, Kosmetik und Haushaltsreinigern vor, die Studien trennen die Quellen nicht [s93, s101]. Die einzige große Fragebogenstudie zu aggregierter Produktnutzung misst nichts im Körper [s89], und die Wohnungsrenovierung [s62] benennt keinen Stoff. Wo die Substanz direkt in Samenplasma oder Samenflüssigkeit gemessen wurde, ist die Messung näher am Zielorgan [s59, s101]; Nachweisgrenzen und Kontaminationskontrollen sind in den gelesenen Textabschnitten der russischen Arbeiten aber nicht angegeben.

### Stichproben und Auswahl

Viele Studien stammen aus Reproduktionskliniken, Kinderwunschambulanzen oder Samenbanken (Shanghai, Shenzhen, Shijiazhuang, Tokio, Boston, Tscheljabinsk); das schränkt die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung ein. Die Stichproben sind teils klein: Die Humanstudien zu Triclosan reichen von 163 Männern [s125] bis 501 Männern [s112], jene zu Parabenen von 42 [s120] bis 799 Männern [s52], die Benzophenon-Studien mit Spermaendpunkten von 158 bis 413 Männern [s46, s124]. Die russische Serie beruht auf 41 bis 84 Proben [s101, s94]. Für zwei der russischen Arbeiten ist ausdrücklich erwähnt, dass eine Fallzahlplanung unterblieb [s92, s90]. Auch Weltregionen sind ungleich vertreten: Aus Afrika liegt nur eine Humanstudie mit Spermaparametern vor [s51], aus Lateinamerika keine; die Suche in portugiesisch- und spanischsprachigen Quellen ergab keine muttersprachliche Studie zu den sechs Stoffgruppen.

### Effektgrößen und Mehrfachtests

Die berichteten Effekte sind meist klein. In der EARTH-Kohorte liegt der Unterschied bei nachweisbarem Triclosan unter 1,5 Prozentpunkten normaler Formen [s97]; mehrere Konfidenzintervalle der Buck-Louis-Studie reichen bis nahe an Null (etwa -1,41 bis -0,08 für die Konzentration [s124]). Viele Studien testen mehrere Stoffe gegen viele Endpunkte (etwa fünf Benzophenone und 35 Endpunkte [s124], 16 Parameter [s72], 34 Stoffe [s43]); eine Mehrfachtestkorrektur wird in den Abstracts meist nicht genannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass nominell signifikante Befunde zufällig sind, steigt damit.

### Qualität der Gesamtevidenz

Ein Umbrella-Review zu Risikofaktoren männlicher Infertilität (43 Studien, 67 Risikofaktoren, 249 Effektgrößen) stufte nach GRADE 136 Effektgrößen (54,6 %) als sehr niedrig, 59 (23,7 %) als niedrig und 54 (21,7 %) als moderat ein; Parabene, Triclosan und UV-Filter werden im Abstract nicht genannt [s15]. Die AUA/ASRM-Leitlinie hält fest, dass die Daten zur Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt seien (Evidenzgrad C), weil sich einzelne Faktoren schwer isolieren ließen und Störgrößen meist nicht ausreichend kontrolliert würden [s39]. Eine Übersicht zu väterlicher Exposition und Schwangerschaftsausgängen stuft die Benzophenon-Befunde als begrenzt und nicht eindeutig ein [s08]. Eine Übersicht zu prä- und postnataler Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren (33 Arbeiten, 28 Populationen) fand über alle Expositionen und Endpunkte ein kombiniertes Odds Ratio von 1,11 (0,91 bis 1,35) und wies auf eine Datenlücke bei Spermaqualität und rasch metabolisierten Stoffen hin [s121]. Für Triclosan fasst die einzige Metaanalyse fünf Studien mit I² zwischen 88 und 100 Prozent zusammen und vergleicht gegen WHO-Referenzwerte statt interne Kontrollen; Hinweise auf Publikationsverzerrung bestanden bei Spermienzahl, Konzentration und progressiver Beweglichkeit [s38].

### Tier- und Zellstudien

Die Tierdaten sind für die Gefahrenidentifikation wertvoll, aber nicht ohne Weiteres übertragbar. Dosen von 125 bis 200 mg/kg im Futter oder per Schlundsonde (Triclosan, Nonylphenol [s103, s36]), subkutane Gaben (Phenylendiamine, Parabene, Triclosan [s141, s148, s87]) und Trinkwasserexposition (Benzophenone [s21]) sind mit der kosmetischen oder häuslichen Alltagsanwendung nicht vergleichbar. Die Autoren der Haarfärbemittel-Übersicht warnen ausdrücklich, die Befunde nicht als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen; das Verzerrungsrisiko wurde überwiegend als unklar eingestuft, mit methodischen Schwächen in nahezu allen Studien [s14]. Kleine Gruppen (5 bis 10 Tiere), einzelne Dosen und fehlende Verblindungsangaben begrenzen mehrere Arbeiten [s141, s103, s36]. In vitro sind die Zellen ohne Aufnahme- und Stoffwechselbarrieren exponiert; die verwendeten Konzentrationen (etwa 10 µmol/l Triclocarban [s20], 50 bis 100 µM Avobenzon [s48], 5 bis 200 µM PPD [s42]) wurden nicht mit Spiegeln im Körper verglichen. Hautaufnahmedaten sind selten: Die einzige quantitative Studie dieser Recherche fand bei der Ratte eine Bioverfügbarkeit von 6,9 ± 1,8 Prozent für topisch angewendetes Benzophenon-3 und eine terminale Halbwertszeit von 18,3 ± 5,8 Stunden (3,1 ± 1,6 Stunden nach intravenöser Gabe), allerdings ohne Spermienendpunkte [s68].

### Nicht unabhängige Veröffentlichungen und Berichtsqualität

Mehrere Studien teilen Datensätze: EARTH [s97, s22], die dänischen Geburtskohorten [s89, s18, s09] und besonders die Tscheljabinsker Serie, deren Veröffentlichungen verschiedene Stichprobengrößen für ähnliche Auswertungen angeben (41, 47, 53, 84) und in Einzelheiten abweichende Zahlen berichten, etwa unterschiedliche Triclosan-Kontrollwerte im Rattenhoden zwischen zwei Arbeiten [s103, s92]. Die vorliegende Zusammenschau zählt diese Arbeiten deshalb nicht als unabhängige Replikationen. Darüber hinaus unterscheiden sich Einzelangaben zwischen Abstract und Volltext (etwa fehlende Vorzeichen von Konfidenzgrenzen im Volltext der Triclosan-Metaanalyse [s38]).

### Grenzen dieser Literaturübersicht

Die Auswertung stützt sich überwiegend auf Abstracts; Methodendetails, Mehrfachtestkorrekturen, Sensitivitätsanalysen und Zahlen, die nur im Volltext stehen, wurden in den meisten Fällen nicht geprüft. Es wurden keine Effektgrößen neu gepoolt; die einzige quantitative Zusammenfassung ist die publizierte Metaanalyse [s38]. Eine formale Bewertung der Einzelstudien nach einem Risk-of-Bias-Instrument erfolgte nicht; Schwächen sind Einschätzungen aus der Studienanlage, nicht in jedem Fall Angaben der Autoren. Einige Datenbanken waren nicht erreichbar oder nicht auswertbar (unter anderem CNKI, Wanfang, KCI, DBpia, SciELO, LILACS, eLIBRARY.ru, DergiPark, AWMF), sodass einschlägige Arbeiten dort unentdeckt geblieben sein können; die Abwesenheit einer Studie in der Recherche belegt nicht, dass es sie nicht gibt. Eine deutschsprachige Originalstudie und eine deutschsprachige Leitlinie zu den sechs Stoffgruppen wurden nicht gefunden; eine MAK-Begründung zu Benzophenon-3 (Eintrag ohne Abstract) wurde nicht gesichtet. Die Auswahl beruht vor allem auf Studien, die in Europe PMC oder PubMed indiziert sind; rein national publizierte Arbeiten sind vermutlich unterrepräsentiert. Dass fast alle Humanstudien auf Englisch vorliegen, hängt auch mit dieser Indexierung zusammen.

## Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken und Widersprüchen der Literatur; sie sind keine Empfehlungen zur Anwendung von Produkten.

1. **Haarfärbemittel und Spermienqualität beim Menschen.** Es gibt keine einzige epidemiologische Studie mit Spermaendpunkten. Offen ist, ob die In-vitro-Befunde zu PPD [s42] und die gegensätzlichen Tierbefunde [s133, s141] unter Anwendungsbedingungen (Kopfhautaufnahme, Einwirkzeit, Häufigkeit, Berufsexposition von Friseuren) eine Entsprechung haben. Für männliche Friseure liegen in den gesichteten Abstracts keine Spermadaten vor [s126, s142].
2. **Tätowierungen bei höherer Exposition.** Die einzige Studie umfasst überwiegend schwarze, wenige und junge Tätowierungen [s18]. Offen ist die Rolle von Tintenmenge, Hautfläche, Farbstoffklasse und Alter der Tätowierung; die Übersichten betonen fehlende Zusammensetzungsgrenzen und Wissenslücken [s70, s44, s07].
3. **Organische UV-Filter jenseits der Benzophenone.** Für Octocrylen, Homosalat, 4-Methylbenzylidencampher und Octinoxat wurde keine Studie mit menschlichen Spermaparametern gefunden. Auch die Wirkung von Benzophenon-3 auf Spermien beim Menschen ist unklar; die Mausbefunde [s21, s29] und die Daten zur Hautaufnahme [s68] müssten durch Humanstudien mit Expositionsmessung und Spermienendpunkten ergänzt werden. Ob die Hautbarriere (Filaggrin-Genotyp) den Zusammenhang verändert [s106], ist nicht gesichert.
4. **Triclosan mit besserer Expositionsmessung.** Nötig sind prospektive Studien mit wiederholten Urin- und Samenplasmaproben über die Dauer der Spermatogenese, vorab festgelegten Hauptendpunkten und Mehrfachtestkorrektur. Offen ist, ob die nichtmonotone Beziehung in Shanghai [s123] replizierbar ist, wie sich die Veränderung der Exposition seit 2013 [s97] auswirkt und ob die Befunde in der Samenflüssigkeit [s101, s90] in unabhängigen Stichproben wiederkehren.
5. **Triclosan-Metaanalyse mit internen Kontrollen.** Eine Neuberechnung mit Einzeldaten oder mit internen Vergleichsgruppen statt WHO-Referenzwerten und mit Meta-Regression zur Erklärung der Heterogenität steht aus [s38].
6. **Quartäre Ammoniumverbindungen beim Menschen.** Trotz stark gestiegener Verwendung [s40] liegt keine Humanstudie mit Spermaparametern und Expositionsmessung für Reinigungs- und Desinfektionsmittel vor. Offen ist, ob die Mausbefunde [s128, s122, s32, s26] mit umweltrelevanten Dosen und Gabewegen auf den Menschen übertragbar sind und welche Biomarker für die Messung geeignet wären.
7. **Duftstoffe einzeln statt aggregiert.** Die aggregierte Produktnutzung [s89] verdeckt Unterschiede zwischen Stoffen mit sehr unterschiedlicher Aufnahme. Für synthetische Moschusverbindungen wie Galaxolid [s60, s61] fehlen Humanstudien; die Spezies-Unterschiede des Metabolismus (Cyclamenaldehyd [s80]) zeigen, dass Tierbefunde stoffspezifisch geprüft werden müssen.
8. **Mischungen und Wechselwirkungen.** Triclosan, Parabene, Benzophenone, Phthalate und Bisphenole kommen gemeinsam vor. Mischungsmodelle [s22, s43, s52, s34] liefern abhängig vom Modell unterschiedliche Aussagen; ob Wechselwirkungen (etwa Triclosan und Butylparaben [s22]) real sind, ist offen. Die im Tierversuch berichtete gemeinsame Wirkung von Butylparaben und Triclosan [s110] müsste mit Humandaten verglichen werden.
9. **Pränatale und frühe Exposition.** Studien mit Messungen in der Schwangerschaft finden teils Hormonbefunde, aber keine Spermabefunde [s67, s09]; ob eine Exposition in Entwicklungsfenstern spätere Spermienqualität beeinflusst, bleibt offen. Tierdaten sprechen bei quartären Ammoniumverbindungen für mehrgenerationale, nicht aber transgenerationale Effekte [s32].
10. **Klinisch nähere Endpunkte.** Fekundabilität, Schwangerschaftsraten und Lebendgeburten werden selten untersucht [s74, s95]; Spermaparameter sind nur ein Surrogat. Ob kleine Änderungen (etwa 1 Prozentpunkt normale Formen [s97]) klinisch relevant sind, ist nicht geklärt.
11. **Messmethodik und Standardisierung.** Einheitliche Nachweisgrenzen, Kontaminationskontrollen, Kreatininkorrektur und Spermaanalysen nach dem WHO-Handbuch würden Vergleiche erleichtern; die russischen Arbeiten schlagen Schwellenwerte für die Klinik vor [s102], die ohne unabhängige Validierung nicht tragfähig sind.
12. **Regional und sprachlich unterrepräsentierte Räume.** Humandaten fehlen für viele Länder mit anderem Produktgebrauch. Für PPD wird in einer Arbeit berichtet, der Zusatz sei in Industrieländern auf 2 Prozent begrenzt, könne in manchen anderen Ländern aber 2 bis 90 Prozent betragen [s42]; ob dies Expositionsunterschiede in Populationen erzeugt, ist ungeprüft. Auch deutschsprachige Originalstudien und Leitlinien fehlen.
13. **Rolle der Hautbarriere und Aufnahmewege.** Dermale, orale und inhalative Aufnahme sind in den Studien selten getrennt; die Verteilung im männlichen Genitaltrakt wurde für Parabene [s81, s56] und Triclosan beim Tier [s127] beschrieben, aber nicht in Bezug zu Spermienendpunkten beim Menschen gesetzt.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ordnet die Befunde ein. Er enthält keine Therapieempfehlung, keine Handlungsanweisung zur Anwendung oder zum Verzicht auf Produkte und ersetzt keine ärztliche Diagnostik. Eine Beratung zur persönlichen Situation gehört in die ärztliche Praxis.

**Was die Literatur für die sechs Stoffgruppen insgesamt hergibt.** Eine belastbare Aussage, dass Haarfärbemittel, Tätowierungen, UV-Filter, Triclosan, Reinigungsmittel oder Duftstoffe im Alltag die Spermienqualität beim Menschen verursachend verschlechtern, lässt sich aus den gesichteten Studien nicht ableiten. Ebenso wenig lässt sich aus ihnen ableiten, dass diese Stoffe unbedenklich sind. Die Evidenz ist je nach Stoffgruppe sehr verschieden dicht:

- **Triclosan** hat die meisten Humanstudien; die Befunde reichen von Nullassoziationen über schwache negative Assoziationen mit Morphologie, Beweglichkeit oder Bewegungsmuster [s97, s123, s107, s72] bis zu einem erhöhten Risiko im obersten Quartil des Samenplasma-Triclosans [s59] und einer verminderten Fekundabilität in einer Kohorte [s74]. Die einzige Metaanalyse hat sehr hohe Heterogenität [s38]. Die Effekte, wo vorhanden, sind klein.
- **UV-Filter (Benzophenone)** zeigen in einzelnen Studien Assoziationen mit einzelnen Parametern, in anderen keine oder entgegengesetzte [s124, s100, s46, s43]. Tierversuche geben Hinweise auf Effekte auf die Blut-Hoden-Schranke bei niedrigen Konzentrationen [s21, s29], aber auch Nullbefunde in anderen Modellen [s146, s145]. Für andere organische Filter fehlen Humandaten.
- **Tätowierungen** wurden in einer einzigen Studie ohne Spermabefund untersucht [s18].
- **Haarfärbemittel** sind für Spermien nur durch Tierversuche und Zellversuche belegt, mit uneinheitlichen Ergebnissen [s42, s133, s141]; Humanstudien fehlen.
- **Reinigungs- und Desinfektionsmittel** (quartäre Ammoniumverbindungen) wirkten bei Mäusen und in vitro auf Fertilität und Spermien [s128, s122, s32, s26, s131]; beim Menschen liegt keine einschlägige Studie vor.
- **Duftstoffe** sind eine heterogene Gruppe; Einzelstoffe zeigten bei der Ratte Effekte (Galaxolid [s60]) oder nicht (Benzylbenzoat [s69]); die einzige große Humanstudie zu aggregierter Produktnutzung zeigte kaum Zusammenhänge [s89].

**Was die Leitlinien sagen.** Die AUA/ASRM-Leitlinie hält in Statement 8 (Conditional Recommendation, Evidence Level: Grade C) fest, dass Ärztinnen und Ärzte Risikofaktoren wie Lebensstil, Medikamente, Umwelt- und Berufsexpositionen besprechen können und dabei darauf hinweisen sollen, dass die derzeitigen Daten zur Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt sind [s39]. Triclosan, Haarfärbemittel, Tätowierungen und Reinigungsmittel werden im abgerufenen Webtext nicht gesondert genannt [s39]. Die EAU-Leitlinie nennt endokrine Disruption durch Umweltverschmutzung als eine von mehreren möglichen unerkannten Ursachen idiopathischer männlicher Infertilität und verweist darauf, dass endokrin wirksame Chemikalien mit sexueller Dysfunktion und abnormalen Spermaparametern in Verbindung gebracht werden; die sechs Stoffgruppen werden im extrahierten Kapiteltext nicht aufgeführt [s19]. Die WHO-Leitlinie 2025 wird in den Übersichtsarbeiten als Public-Health-Ansatz mit Betonung von Prävention und standardisierter Spermaanalyse beschrieben, mit Empfehlungen zu Lebensstilrisiken; die Abstracts nennen die hier untersuchten Expositionen nicht [s01, s06]. Die französische AFU/SALF-Empfehlung zur Abklärung des infertilen Mannes führt eine systematische Anamnese, Spermaanalysen nach WHO, Hodensonographie und Hormonstatus an und nennt Umweltchemikalien oder Kosmetika im Abstract nicht [s79]. Ein einschlägiger Cochrane-Review zu diesen Expositionen und Spermaparametern wurde nicht gefunden; der nächstliegende Review zur präkonzeptionellen Lebensstilberatung betrifft Gewicht, Alkohol, Rauchen und Folsäure, nicht Kosmetika oder Reinigungsmittel, und bewertet die Evidenz als niedrig bis sehr niedrig [s77].

**Wie die Zahlen zu lesen sind.** Einzelne Assoziationen auf Gruppenebene sagen nichts über den einzelnen Mann aus. Ein Effekt von einem Prozentpunkt in der Morphologie [s97] oder eine standardisierte Mittelwertdifferenz aus einer heterogenen Metaanalyse [s38] lässt sich nicht auf den Einzelfall übertragen. Ein Zusammenhang auf Bevölkerungsebene ist damit weder ein Beleg noch ein Ausschluss für eine Wirkung im Einzelfall. Die Befunde ersetzen auch keine ärztliche Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch; für Diagnostik und Therapie gelten die Leitlinien der Fachgesellschaften.

**Berufliche Exposition.** Für Berufsgruppen mit höherer Exposition (etwa Friseurhandwerk) liegen Metaanalysen zu Frauen vor (kombinierte Risikoverhältnisse bis 1,24 für zu geringes Gestationsalter [s126]; uneinheitlich bei [s142]); für männliche Beschäftigte und Spermaparameter enthalten die gesichteten Abstracts keine Daten. Ein japanischer Beitrag weist darauf hin, dass aus einem Sicherheitsdatenblatt oft nicht hervorgeht, ob ein Produkt keine Reproduktionstoxizität hat oder ob Daten fehlen [s108]. Diese Datenlage spricht für weitere Forschung, nicht für eine Aussage zum Einzelfall.

**Warum Vorsicht bei Schlagzeilen angezeigt ist.** Nicht alles, was in Übersichten als „assoziiert" zusammengefasst wird, trägt die Pauschalaussage; das zeigt der Abgleich der Benzophenon-Übersicht [s24] mit den Einzelstudien. Ebenso wird in Schutzstoff-Studien eine Toxizität vorausgesetzt und eine Gegenmaßnahme geprüft [s10, s63]; solche Studienarme sind keine Behandlungsempfehlung. Schließlich ist die Anzahl der Veröffentlichungen nicht die Zahl unabhängiger Belege (Tscheljabinsker Serie [s101, s93, s92, s90, s94, s91]).

## Glossar

**ADBAC, DDAC:** Alkyldimethylbenzylammoniumchlorid und Didecyldimethylammoniumchlorid, zwei quartäre Ammoniumverbindungen in Desinfektions- und Reinigungsmitteln [s128].

**Akrosomreaktion:** Freisetzung von Enzymen aus der Kappe des Spermienkopfes (Akrosom), die für das Eindringen in die Eizelle nötig ist.

**Anogenitalabstand:** Abstand zwischen After und Genitalansatz; gilt als Marker hormoneller Einflüsse in der Entwicklung.

**Assoziation:** statistischer Zusammenhang; beweist keine Verursachung.

**Avobenzon:** organischer UV-A-Filter in Sonnenschutzmitteln.

**Benzophenone (BP-1, BP-2, BP-3, BP-8, 4-Hydroxybenzophenon):** Gruppe organischer UV-Filter und deren Stoffwechselprodukte.

**BKMR (Bayes-Kernel-Maschinenregression):** statistisches Verfahren für Mischungen mehrerer Expositionen, das auch nichtlineare Beziehungen und Wechselwirkungen erlaubt.

**Blut-Hoden-Schranke:** von Sertoli-Zellen gebildete Barriere im Hoden, die Keimzellen vom Blut abschirmt.

**Comet-Test:** Verfahren zur Messung von DNA-Strangbrüchen in einzelnen Zellen; die Länge der DNA-Migrationsspur ist ein Maß für den Schaden [s12].

**Dosis-Wirkungs-Beziehung, nichtmonotone:** Beziehung, bei der der Effekt nicht mit der Dosis stetig steigt, etwa nur im niedrigsten Bereich auftritt [s123].

**EARTH-Kohorte:** Environment and Reproductive Health, Studie an Männern aus einer Kinderwunschklinik in Massachusetts; liefert wiederholte Urin- und Samenproben [s97, s22].

**Fekundabilität:** Wahrscheinlichkeit pro Zyklus, schwanger zu werden; ein Odds Ratio unter 1 bedeutet geringere Fekundabilität [s74].

**Filaggrin:** Hautbarriereprotein; Funktionsverlustmutationen führen zu gestörter Hautbarriere [s106].

**Flagellum:** Geißel der Spermien, also das bewegliche Endstück, das den Vortrieb erzeugt; Fehlbildungen des Flagellums zählen zu den Spermienmorphologie-Defekten [s36].

**GRADE:** System zur Bewertung der Sicherheit der Evidenz in Stufen von sehr niedrig bis hoch [s15].

**Heterogenität (I²):** Anteil der Streuung zwischen Studien, der nicht durch Zufall erklärt wird; hohe Werte bedeuten, dass die Einzelergebnisse stark streuen [s38].

**Hershberger-Test:** Tierversuch an kastrierten Ratten zur Prüfung antiandrogener oder androgener Wirkungen anhand von Organgewichten [s53].

**Idiopathische Infertilität:** Unfruchtbarkeit ohne erkennbare Ursache.

**Kapazitation:** Reifungsprozess der Spermien im weiblichen Genitaltrakt, der sie befruchtungsfähig macht.

**Konfidenzintervall (KI):** Bereich, in dem der wahre Wert mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit (hier 95 %) liegt; schließt es 1 (bei Verhältnissen) oder 0 (bei Differenzen) ein, ist der Effekt nicht signifikant.

**Kredibilitätsintervall:** bayessches Gegenstück zum Konfidenzintervall [s22].

**Leydig-Zellen:** testosteronbildende Zellen im Hoden.

**LH, FSH:** Luteinisierendes Hormon und Follikelstimulierendes Hormon, Steuerhormone der Hodenfunktion.

**MCPP:** Mono(3-carboxypropyl)phthalat, Stoffwechselprodukt von Phthalaten [s43].

**Morphologie (Spermien):** Anteil normal geformter Spermien nach WHO-Kriterien.

**Motilität:** Beweglichkeit; progressive Motilität bedeutet gerichtete Vorwärtsbewegung.

**NOAEL:** höchste Dosis, bei der in einem Versuch keine schädliche Wirkung beobachtet wurde (No Observed Adverse Effect Level) [s98].

**Normozoospermie, Pathozoospermie:** Samenprobe innerhalb bzw. außerhalb der Referenzwerte der WHO.

**Odds Ratio (OR):** Chancenverhältnis; Werte über 1 bedeuten höhere Chance für das untersuchte Ereignis in der exponierten Gruppe.

**para-Phenylendiamin (PPD):** Farbstoffvorstufe in Haarfärbemitteln, nach einer Arbeit auch in dunklen Kosmetika und Tätowierfarben enthalten [s42].

**Parabene:** Konservierungsstoffe (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butylparaben u. a.) in Kosmetika, Arzneimitteln und Lebensmitteln [s63].

**Quartäre Ammoniumverbindungen (QAC):** oberflächenaktive Desinfektionswirkstoffe in Haushalt und Gesundheitswesen, etwa Benzalkoniumchlorid [s40].

**ROS:** reaktive Sauerstoffspezies; Moleküle, die bei oxidativem Stress Zellen schädigen.

**Samenplasma, Samenflüssigkeit:** der flüssige Anteil des Ejakulats ohne Spermien.

**Sertoli-Zellen:** Stützzellen im Hoden, die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden.

**SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz):** Effektmaß, das unterschiedlich gemessene Zielgrößen vergleichbar macht [s38].

**Spermien-DNA-Fragmentierung:** Anteil von Spermien mit geschädigter Erbsubstanz; in den russischen Arbeiten mit dem Chromatin-Dispersionstest bestimmt und ab 15 % als erhöht gewertet [s101, s90].

**Terzil, Quartil:** Einteilung der Messwerte in drei bzw. vier gleich große Gruppen.

**Titandioxid-Nanopartikel:** Bestandteil mineralischer Sonnenschutzmittel, auch in Kosmetika und Farben verwendet [s116, s111].

**Triclocarban, Triclosan:** antibakterielle Wirkstoffe; laut einer Übersicht in Verbrauchsprodukten teils verboten und durch quartäre Ammoniumverbindungen ersetzt [s40]; als Quellen werden Zahnpasta, Seife, Deodorants, Kosmetik und Haushaltsreiniger genannt [s93].

**UHPLC-MS/MS, GC-MS:** massenspektrometrische Messverfahren für Substanzen in Urin und Samenplasma [s72, s101].

**WHO-Referenzwerte:** Grenzwerte des WHO-Laborhandbuchs für Samenparameter (hier meist die Ausgabe von 2010) [s123, s101].

**WQS (gewichtete Quantilssumme), QGC (Quantil-g-Berechnung):** statistische Verfahren zur Auswertung von Expositionsmischungen [s64, s34].

## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste der 151 Quellen der Gesamtstudie. Die Kennungen [sNN] gelten für alle Kapitel. Bei Quellen mit nicht englischem oder deutschem Titel steht die deutsche Übersetzung in Klammern; Quellen ohne PMID oder DOI sind mit ihrer Internetadresse nachgewiesen.

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