Haarfärbemittel, Tattoos, UV-Filter und Haushaltschemikalien · Kapitel 2 von 18

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Aufbau

Die Studie untersucht sechs Expositionsgruppen: Haarfärbemittel, Tätowierfarben, UV-Filter, Triclosan, Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Duftstoffe. Zielgröße ist die Spermienqualität des Menschen im Sinne der Standardparameter der Samenanalyse (Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Form, ergänzend Vitalität und DNA-Fragmentierung) sowie, wo vorhanden, die klinisch näheren Endpunkte Fekundabilität (Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft je Zyklus) und Infertilität. Wo keine Humandaten vorliegen, werden Tierversuche und Zellstudien dargestellt und ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Verwandte Kosmetikinhaltsstoffe, vor allem Parabene und Alkylphenole (4-Nonylphenol gilt als Abbauprodukt bestimmter Tenside), sind nicht Teil der Fragestellung. Sie werden mitgeführt, weil die Literatur zu ihnen deutlich umfangreicher ist und die Einordnung der Kernbefunde erleichtert; wo das geschieht, wird es gesagt.

Die Gesamtstudie gliedert sich in Kapitel. Dieses erste Kapitel enthält Kurzfassung, Kernbefunde, Methodik und Hintergrund; die folgenden Kapitel behandeln die Stoffgruppen und Studientypen im Einzelnen.

Wie recherchiert wurde

Die Recherche erfolgte am 5. Oktober 2026 in drei Teilen nach Sprachgruppen. Gruppe A deckte Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch ab, Gruppe B Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Gruppe C Russisch, Arabisch und Türkisch. Die Ergebnisse wurden zu einem gemeinsamen Verzeichnis mit 151 Quellen zusammengeführt, in dem Dubletten aus den Teilrecherchen vereinigt und die Quellen nach Jahr (absteigend) und Autor neu nummeriert sind. Die Kennungen s01 bis s151 in dieser Studie beziehen sich auf dieses Verzeichnis.

Als Hauptweg diente die REST-Schnittstelle von Europe PMC (Suche in Titel und Abstract mit Sprachfiltern), ergänzend die NCBI-E-utilities, vor allem zum Abrufen vollständiger Abstracts. Die PubMed-Webseite selbst wurde nicht verwendet. Hinzu kamen die offene Schnittstelle des französischen Archivs HAL, für Japan die Portale J-STAGE und CiNii Research, für Russland CyberLeninka, für die Türkei TR Dizin und für Arabisch das Directory of Open Access Journals (DOAJ). Die Leitlinientexte der American Urological Association und der European Association of Urology wurden als Webtext abgerufen und ausgewertet. Die Suchwörter umfassten die Stoffnamen und Stoffgruppen sowie Spermien-, Hoden- und Samenbegriffe, wo sinnvoll auch in der Landessprache, in Chinesisch, Japanisch, Russisch, Türkisch und Arabisch in der Originalschrift.

Aufgenommen wurde eine Arbeit nur, wenn mindestens ihr Abstract tatsächlich abgerufen und gelesen wurde und sie einen der sechs Stoffe oder eine eng verwandte Substanz mit Spermien, Hoden oder männlicher Fruchtbarkeit in Beziehung setzt. Vereinzelt wurden Arbeiten ohne Spermienendpunkt aufgenommen, weil sie belegen, was in einem Sprachraum tatsächlich vorliegt: eine Analyse von Schwermetallen in Haarfärbemitteln [s13], eine Embryokultur mit Triclosan [s85] und eine Kohorte zu Pflegeprodukten bei Frauen unter künstlicher Befruchtung [s58]. Diese Arbeiten sind im Text gekennzeichnet und tragen nicht zu den Aussagen über Spermien bei.

Sprachräume

Von den 151 Quellen sind 136 englischsprachig (Titel oder Abstract), darunter auch Arbeiten aus China, Japan, Korea, der Türkei und arabischen Ländern, die in englischer Sprache in PubMed indexiert sind. Muttersprachliche Quellen ohne englischen Abstract sind in der Minderzahl: 11 Quellen russisch (eine davon zugleich ukrainisch), 7 französisch, 6 japanisch, 4 türkisch (mit englischer Zusammenfassung), 3 chinesisch (mit englischem Abstract in PubMed), 1 italienisch und 1 aus einem arabischen Land (englischsprachig). Die Zahlen ergeben sich aus den Sprachangaben im Quellenverzeichnis; Arbeiten mit zwei Sprachangaben werden dabei mehrfach gezählt. Es wurde keine deutschsprachige Originalstudie und keine deutschsprachige Leitlinie zu den sechs Stoffgruppen und der Spermienqualität gefunden, ebenso keine portugiesisch- oder spanischsprachige Studie und keine koreanische Humanstudie. Spanische Arbeiten liegen in englischsprachigen Zeitschriften vor [s100, s46]. Eine MAK-Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Benzophenon-3 aus dem Jahr 2026 wurde in Europe PMC ohne Abstract gefunden und deshalb nicht ausgewertet; ob sie reproduktionstoxikologische Daten enthält, bleibt offen.

Nach dem Erscheinungsjahr verteilen sich die Quellen so: 89 stammen aus den Jahren 2020 bis 2026, 53 aus 2010 bis 2019 und 9 aus der Zeit davor. Die älteste Quelle ist ein japanischer Fütterungsversuch an Hähnen aus dem Jahr 1981 [s151].

Welche Studientypen vorkommen

Das Verzeichnis enthält Leitlinien und Leitlinienübersichten [s39, s41, s19, s33, s01, s06, s79], Metaanalysen und systematische Übersichten [s38, s57, s15, s24, s121, s126, s142], narrative Übersichten, Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien am Menschen, Tierversuche an Ratte, Maus, Kaninchen und Hahn sowie Zellversuche an Spermien von Mensch, Eber, Bulle und Forelle. Jede Aussage der Studie nennt die Art der Quelle, damit Beobachtungen am Menschen von Laborbefunden unterscheidbar bleiben. Querschnittsstudien erlauben keine Aussage zur zeitlichen Abfolge von Exposition und Wirkung. Fall-Kontroll-Studien messen die Exposition oft erst nach der Diagnose. Kohortenstudien mit wiederholten Messungen sind aussagekräftiger, kommen aber selten vor [s97, s112].

Bewertung und Zitierweise

Zahlen in dieser Studie stammen aus den abgerufenen Abstracts, bei einzelnen Arbeiten aus frei zugänglichen Volltexten, bei den Leitlinien aus dem abgerufenen Webtext. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen des Quellenverzeichnisses in eckigen Klammern, etwa [s05] oder [s05, s12]. Wenige zusätzlich abgerufene Quellen, die nicht im Verzeichnis stehen, werden im Text mit Autor, Jahr und Zeitschrift genannt; es sind die Quellen der WHO-Referenzwerte und der Geschichte der Forschungsfrage im Kapitel Hintergrund. Originaltitel bleiben im Original; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln steht eine deutsche Übersetzung in Klammern.

Eine formale Bewertung nach GRADE oder mit einem Risk-of-Bias-Instrument wurde nicht angewendet. Die Einstufungen der Evidenzstärke und Gewissheit sind qualitative Einschätzungen aus Studiendesign, Stichprobengröße, Konsistenz, Messmethode und den Angaben der Autoren. Sie sind als Lesehilfe gedacht, nicht als Ersatz einer formalen Bewertung. Es wurden keine Effektgrößen verschiedener Studien neu verrechnet; die einzigen quantitativen Zusammenfassungen sind die publizierten Metaanalysen.

Grenzen

  1. Überwiegend Abstracts. Methodendetails, Korrekturen für Mehrfachtests, Sensitivitätsanalysen, Nachweisgrenzen und Gruppengrößen stehen oft nur im Volltext und fehlen dann. Viele Abstracts nennen keine Effektgrößen. Wo Zahlen im Abstract fehlen, wurden sie nicht ergänzt.
  2. Überlappende Datensätze. Mehrere Arbeiten stammen aus derselben Kohorte oder von derselben Arbeitsgruppe, etwa die EARTH-Kohorte [s97, s22] oder die russische Gruppe in Tscheljabinsk [s101, s102, s93, s92, s90, s94, s91]. Sie sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu zählen.
  3. Nicht erreichbare Quellen. Nicht auswertbar waren unter anderem CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, SciELO, LILACS, Dialnet, Cairn und das AWMF-Leitlinienregister. Dass dort nichts gefunden wurde, bedeutet nicht, dass nichts existiert. Rein chinesisch-, koreanisch-, russisch-, türkisch- und lateinamerikanische Fachliteratur ist vermutlich unterrepräsentiert.
  4. Leitlinienlage. Nationale Leitlinien aus den russischen, türkischen und arabischen Räumen wurden nicht gezielt gesucht; die ESHRE-Leitlinie selbst wurde nicht abgerufen.
  5. Biomarker als Momentaufnahme. Triclosan, Parabene und Benzophenone werden rasch ausgeschieden, die Einzelprobe bildet die Langzeitexposition schlecht ab. Die Autoren der dänischen Kohorte nennen die Einzelmessung von Phthalaten und Triclosan ausdrücklich als mögliche Ursache abgeschwächter Effekte [s09].
  6. Übertragbarkeit. Tierversuche und In-vitro-Studien arbeiten mit Dosen, Konzentrationen und Verabreichungswegen, die der Anwendung kosmetischer oder häuslicher Produkte meist nicht entsprechen [s14].
  7. Keine Handlungsempfehlung. Die Studie bewertet Forschungsbefunde und gibt weder eine Empfehlung zur Verwendung von Produkten oder zum Verzicht darauf noch eine Therapieempfehlung. Auch die Schutzstoff-Arme einzelner Tierstudien (etwa Selen oder Pflanzenextrakte, [s10, s63]) sind keine Behandlungsempfehlung.
Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung zu Design und typischen Grenzen bis UV-Filter: Studien mit Benzophenon-Biomarkern
  6. Parabene und Phthalate als Begleitstoffe in Körperpflegeprodukten bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Lesehilfe und Evidenzbasis bis UV-Filter: Humanstudien
  8. UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche bis Zusammenschau der Studienlage
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Chinesisch
  12. Japanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle