Parabene und Phthalate als Begleitstoffe in Körperpflegeprodukten
Parabene (Konservierungsmittel in Kosmetika) und Phthalate sind keine der sechs Fragestellungen, aber die Studienlage ist umfangreicher als bei den Kernthemen und liefert Hinweise auf das Methodenproblem insgesamt.
Shen et al. 2023, Shanghai, Querschnittsstudie [s64]. 795 männliche Partner von Präkonzeptionspaaren; sechs Parabene im Urin (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Benzyl- und Heptylparaben); Mehrfachregression und WQS. Die Paraben-Mischung war mit sinkender Spermienkonzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit assoziiert; Butylparaben war der Hauptbeitrag für Konzentration und Gesamtzahl, Methylparaben für die progressive Beweglichkeit. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht.
Shen et al. 2024 [s52] (Ethylparaben mit geringerer Konzentration und Gesamtzahl; siehe oben).
Okonofua et al. 2024, Nigeria, Fall-Kontroll-Studie [s51]. 136 Männer mit diagnostizierter Infertilität und 154 Kontrollen in fünf Kliniken im Süden Nigerias; Parabene im Urin mit Flüssigchromatografie und Massenspektrometrie. Hohe Paraben-Werte in beiden Gruppen, kein signifikanter Unterschied der Urinwerte zwischen Fällen und Kontrollen. Propylparaben war bei den Fällen signifikant mit geringerer Gesamtmotilität assoziiert, nicht bei den Kontrollen; im ungeadjustierten Modell auch mit geringerer Morphologie bei infertilen Männern. Die Autoren schließen auf Assoziationen mit schlechter Samenqualität; der Befund beruht auf Einzelassoziationen in der Fallgruppe, während die Urinwerte der Gruppen sich nicht unterschieden.
Li et al. 2026, Wuhan, wiederholte Urinproben [s12]. Männer, die in einer Infertilitätsklinik die Samenqualität bewerten ließen (März bis Juni 2013); zwei Urinproben je Mann, vier Parabene, Spermien-DNA-Schaden und Apoptose; verallgemeinerte lineare Modelle und Bayes-Kernel-Maschinenregression. Je ln-Einheit Butylparaben im Urin stiegen Länge der Kometenspur (TL) und Moment der Spurverteilung (TDM) im Comet-Test (p < 0,01), mit Dosis-Wirkungs-Trend über Quartile; die Assoziationen waren bei Übergewichtigen (Body-Mass-Index über 24 kg/m²) und Jüngeren (unter 30 Jahre) stärker; die Mischungsanalyse zeigte einen positiven Trend für den Anteil PI-positiver Spermien (Membranschäden). Die Fallzahl nennt der Abstract nicht. Zu beachten: „Kometenspur“ bezeichnet die DNA-Migrationsspur im Comet-Test, nicht eine Struktur der Spermien.
Jurewicz et al. 2017, Querschnittsstudie [s118]. 156 Männer unter 45 Jahren mit normaler Spermienkonzentration (15 bis 300 Millionen je Milliliter) aus einer Infertilitätsklinik; Urin-Parabene mit validierter Gaschromatografie-Methode. Butylparaben war mit XY18-Disomie (p = 0,045), Propylparaben mit Disomie von Chromosom 13 (p = 0,007) assoziiert. Die Autoren betonen, dass dies die erste Studie zu diesem Zusammenhang sei und eine Replikation nötig bleibe.
Nishihama et al. 2017, Tokio, Querschnittsstudie [s120]. 42 Männer (36,8 ± 5,4 Jahre) aus einer gynäkologischen Klinik; geometrische Mittel im Urin (geometrische Standardabweichung): Methylparaben 48,2 (4,52), Ethylparaben 1,88 (4,72), Propylparaben 1,13 (6,75), Butylparaben 0,184 (11,1) ng/ml. Keine signifikante Assoziation mit Samenparametern in Mehrfach- und logistischen Regressionen; die Autoren nennen die niedrige Exposition und die kleine Stichprobe als mögliche Gründe.
Yu et al. 2021 [s81] und Dai et al. 2023 [s56], Expositionsmessungen in China. In Peking wurden Parabene und Metaboliten in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 gesunden Männern gemessen: Die Urinwerte lagen ein bis zwei Größenordnungen über denen in Serum und Seminalplasma; Methyl- und Propylparaben dominierten und korrelierten untereinander. Dai und Kollegen entwickelten eine UPLC-MS/MS-Methode und analysierten 144 Seminalplasmaproben chinesischer Männer: Methyl-, Ethyl-, n-Propylparaben und 4-Hydroxybenzoesäure dominierten; die Autoren schließen, dass Parabene und ihre Metaboliten im männlichen Genitaltrakt weit verbreitet sind. Beide Arbeiten sind reine Expositionsmessungen ohne Spermienendpunkte.
Einordnung Parabene. Die Mehrzahl der Studien findet kleine negative Assoziationen bei Butyl-, Methyl- und Ethylparaben [s64, s52, s112, s43], aber nicht einheitlich über die Einzelstoffe; die japanische Studie und die Studie von Joensen fanden keine Zusammenhänge [s120, s106]; Smarr berichtet auch gegenläufige Assoziationen für hydroxylierte Metaboliten [s112]. Die Befunde zu DNA-Schäden und Aneuploidie [s12, s118] stützen sich auf wenige und teils kleine Studien.
Körperpflegeprodukte insgesamt, Duftstoffe und Phthalate
Ugelvig Petersen et al. 2020, Dänemark, Querschnittsstudie [s89]. In der Dänischen Nationalen Geburtskohorte beantworteten 1.058 junge Männer (18 bis 21 Jahre) 2017 bis 2019 einen Online-Fragebogen zu 12 Typen von Körperpflegeprodukten und gaben eine Samenprobe ab. Alle nutzten mindestens ein Produkt häufiger als einmal pro Woche; im Mittel wurden 5,3 Produkte genutzt (SD 2,0); 92 Prozent verwendeten wöchentlich parfümierte Produkte. Eine Negative-Binomial-Regression schätzte prozentuale Unterschiede der Spermaparameter zwischen niedriger, mittlerer und hoher Exposition. Es fanden sich kaum Assoziationen zwischen der aggregierten Produktexposition (auch parfümierter Produkte) und Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Volumen, Beweglichkeit oder Morphologie; die Autoren sehen keine Hinweise auf schädliche Wirkungen der aggregierten Exposition. Stärken: große Stichprobe junger Männer aus der Allgemeinbevölkerung; objektive Samenparameter. Schwächen: Selbstauskunft; keine Messung der Substanzen im Körper; „aggregiert“ mischt Produkte mit sehr unterschiedlicher Aufnahme über die Haut; junge Männer, also eine eng umrissene Altersgruppe. Die Studie ist die einzige, die Duftstoffe über Produktnutzung erfasst; sie stützt keine Aussage zu einzelnen Duftstoffen.
Zhou et al. 2026, USA, Armband-Sammler in einer Präkonzeptionskohorte [s16]. 132 Frauen und 24 ihrer Partner aus der Studie „Pregnancy Study Online“ (PRESTO), die 2021 Passivsammler-Armbänder trugen (Versand an Teilnehmer in 39 US-Staaten); Analyse mit Thermodesorption, Gaschromatografie und hochauflösender Massenspektrometrie, gezielt und nicht gezielt. Die nicht gezielte Analyse ergab 491 Chemikalien (überwiegend Benzenoide, 36,9 %, und organoheterozyklische Verbindungen, 18,3 %), darunter 107 Hochrisiko-Stoffe mit endokriner Wirkung nach einer Gefahrenbewertung und 47 Verbindungen mit vorhergesagten mittleren bis hohen Auswirkungen auf Fortpflanzungsendpunkte, unter anderem Galaxolid, Salicylate und Phthalate. Die gezielte Analyse quantifizierte 43 Chemikalien mit universeller Exposition gegenüber polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Phthalaten. Häufige Sonnenschutznutzer hatten bis zu 3,1-fach höhere Exposition gegenüber UV-Filtern, Hundehalter 1,2- bis 2,6-fach höhere Exposition gegenüber Duftstoffen. Bei zusammenlebenden Paaren gab es trotz gemeinsamer Umgebung wenig Ähnlichkeit. Es wurden keine Spermaendpunkte erhoben; die Arbeit ist ein Expositionsbeleg dafür, dass Verbraucherprodukte zur Belastung beitragen. Schwächen: nur 24 Männer; Armbänder erfassen die Umgebungsluft und nicht die aufgenommene Dosis; die Gefahrenbewertung beruht auf Vorhersagen.
Johnson et al. 2025, New York, nicht gezielte Analyse des Samens [s25]. 45 Samenproben aus der Allgemeinbevölkerung; Flüssigchromatografie mit hochauflösender Massenspektrometrie; die nicht gezielte Analyse offenbarte 18 Chemikalien, die in Expositionsstudien bisher nicht berichtet worden waren. 3-Hydroxyoctandisäure (ein kosmetischer Zusatzstoff) war bei Fällen höher (p < 0,01) und mit schlechterer Beweglichkeit und Morphologie assoziiert; Dibutylphthalat und 2-Aminophenol waren negativ mit der Beweglichkeit assoziiert, 4-Nitrophenol mit niedriger Morphologie, Palmitinsäure mit niedriger Morphologie und niedrigem Volumen. Schwächen: explorativ, nur 45 Proben, keine Adjustierung im Abstract genannt; die Zuordnung der Stoffe zu bestimmten Produkten ist offen; die Autoren sehen in der Summe vieler Substanzen einen möglichen Einfluss auf die Samenqualität.
Mizuno et al. 2025, Japan, Querschnittsstudie zu Phthalatmischungen [s34]. 197 erwachsene japanische Männer aus Kinderwunschkliniken (2020 und 2021); Urin-Phthalatmetaboliten; Spermavolumen, -zahl, -konzentration und -beweglichkeit; Serumhormone aus Krankenakten; drei Mischungsverfahren (WQS, Quantil-g-Berechnung, BKMR). Höhere Phthalatmischungen waren mit höherer Spermienbeweglichkeit assoziiert (Monoethylphthalat als wichtigster Beitrag); keine signifikanten Assoziationen mit Volumen, Zahl oder Konzentration; höhere Mischungen waren mit niedrigerem Serumtestosteron und höherem Prolaktin verbunden; Östradiol, FSH und LH ohne Assoziation. Die Ergebnisse waren über alle drei Methoden konsistent. Der Abstract ordnet Monoethylphthalat nicht Duftstoffen zu; eine Brücke zu Parfüm und Kosmetik wäre eine eigene Annahme. Schwächen: Querschnitt, Kinderwunschpopulation, Einzelurinprobe, Hormone aus Krankenakten (uneinheitliche Messung).
Toshima et al. 2012, Tokio, Pilotstudie [s136]. 42 japanische Partner subfertiler Paare; im Urin Metaboliten von fünf Phthalatdiestern, das Pyrethroid-Abbauprodukt 3-Phenoxybenzoesäure (3-PBA), Sojaisoflavone (Daidzein, Equol) und Cadmium; Spermienkonzentration, -volumen und -beweglichkeit. In der Mehrfachregression erschien für die Konzentration Mono-n-butylphthalat mit positivem Beta und Daidzein mit negativem Beta; Kaffeekonsum war negativ, Obstkonsum positiv; für die Beweglichkeit waren 3-PBA, der Nachweis von Equol und Kaffeekonsum negativ, Rauchen positiv. Die Autoren sehen das Pyrethroid und Ernährungsgewohnheiten (Kaffee, Sojaprodukte) als Beitrag zu schlechterer Samenqualität. Schwächen: nur 42 Männer, sehr viele Prädiktoren, Pilotcharakter; Duftstoffe oder Kosmetika wurden nicht erhoben. Für die sechs Gruppen ist die Arbeit nur ein Beispiel, wie unterschiedlich Richtungen in kleinen Studien ausfallen können.
Yang et al. 2022, China, Zusatzstoffe im Urin [s71]. Der Urin einzelner Männer wurde in vier Zeitfenstern gepoolt (Tag 1 bis 15, 16 bis 31, 32 bis 63 und ab Tag 64), um die rund 90 Tage dauernde Spermatogenese abzudecken; 48 typische Zusatzstoffe aus Körperpflege- und Verbraucherprodukten. Hauptkomponentenanalyse, k-Means-Clustering und Spearman-Korrelation ergaben 6 Hauptkomponenten und 4 Cluster; strukturell ähnliche Stoffe (zum Beispiel Phthalate) waren stark korreliert, unähnliche (zum Beispiel Benzophenon) nicht; die Hauptkomponenten hingen mit Lebensstil (Haushaltseinkommen, Teekonsum, Leitungswasser) zusammen. Der Abstract nennt keine Spermienendpunkte; die Arbeit ist eine Expositionsbeschreibung.
Guo et al. 2023, Wuhan, Frauen unter IVF/ICSI [s58]. Die Studie liegt außerhalb der Fragestellung zur Spermienqualität und steht als Hintergrund. 1.500 Frauen der TREE-Studie (Dezember 2018 bis Januar 2020), Nutzung von Körperpflegeprodukten der letzten drei Monate, Endpunkte der IVF/ICSI-Behandlung. Hautpflege mindestens 14-mal pro Woche war mit einer um 22,4 Prozent niedrigeren Reifungsrate der Eizellen assoziiert (95-%-KI -39,2 % bis -1,6 %); Kosmetika 1- bis 2-mal pro Woche (adjustiertes OR 2,2; 95-%-KI 1,0 bis 4,8) und 3- bis 7-mal pro Woche (adjustiertes OR 2,5; 1,2 bis 5,2) waren mit höherer Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt nach Frischembryotransfer verbunden; Gel oder Seife war in einer Altersuntergruppe mit niedrigerer Teilungsrate verbunden. Eine Aussage zu männlicher Spermienqualität lässt sich daraus nicht ableiten.
Tätowierungen
Dornfeldt et al. 2025, Dänemark, Querschnittsstudie [s18]. Es ist die einzige gefundene epidemiologische Studie zu Tätowierungen und Spermaendpunkten. Teilnehmer waren junge Männer (18 bis 21 Jahre) der Dänischen Nationalen Geburtskohorte, rekrutiert 2017 bis 2019, die einen Fragebogen zu Tätowierungen ausfüllten und Samen- und Blutproben abgaben. Von 1.045 Teilnehmern hatten 174 (17 %) mindestens eine Tätowierung; 84 Prozent davon nur in Schwarz; 53 % hatten eine, 21 % zwei und 26 % drei oder mehr Tätowierungen. Negative-Binomial-Regression (prozentuale Unterschiede mit 95-%-Konfidenzintervall zwischen tätowierten und nicht tätowierten Teilnehmern in Samenmerkmalen, Hodenvolumen und Reproduktionshormonen): keine Assoziation der Anzahl oder des Farbschemas mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen. Eine Tätowierung war mit einem um 6 Prozent (95-%-KI 0 bis 12) größeren Hodenvolumen verbunden; weil die Teilnehmer das Hodenvolumen selbst maßen, kann dies auf differenzieller Fehlklassifikation beruhen. Rohe und adjustierte Modelle waren vergleichbar. Die Autoren sehen keine Unterstützung für schädliche Assoziationen, betonen aber, dass Details zur Exposition (Tintenmenge, Fläche, Alter der Tätowierung) fehlen und weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung nötig sind, bevor feste Schlüsse gezogen werden können. Stärken: über 1.000 Teilnehmer, objektive Samenparameter, Hormone. Schwächen: nur 17 Prozent tätowiert, überwiegend schwarz und wenige Tätowierungen; die Exposition wird nur nach Anzahl und Farbe erfasst, nicht nach Fläche, Tintenmenge oder Pigmentart; Selbstauskunft; junge Männer ohne lange Expositionsdauer; ein Querschnitt, der tätowierte Männer nicht vor und nach der Tätowierung vergleicht. Ob sich das Studienkollektiv mit [s89] und [s09] überschneidet, geht aus den Abstracts nicht hervor. Für die Fragestellung gilt: Ein fehlender Zusammenhang in dieser Population (überwiegend schwarz, wenige Motive) belegt weder Unschädlichkeit noch Schädlichkeit größerer, farbiger oder älterer Tätowierungen.
Haarfärbemittel
Eine Beobachtungsstudie zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern beim Menschen wurde in keinem der durchsuchten Sprachräume gefunden. Die Humanliteratur besteht aus Berufsstudien an Frauen (siehe Übersichten [s126, s142]) und aus einer Produktstudie.
Mohamed et al. 2026, Sudan (Khartum), Produktanalyse, Biomonitoring-Pilot und Fragebogen [s13]. Elf schwarze Haarfärbemittel wurden mit Flammenatomabsorption auf Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Blei, Mangan und Nickel untersucht; Blutproben von 19 Frauen (Pilotgruppe) und ein validierter arabischer Fragebogen an 312 Personen; Risikoabschätzung für Verbraucher und beruflich Exponierte mit Maßen wie geschätzter täglicher Aufnahme, Gefahrenquotient, Gefahrenindex und Krebsrisiko über die Lebenszeit. Mangan und Blei waren die vorherrschenden Verunreinigungen. Das nichtkanzerogene Risiko blieb für einzelne Produkte unter dem Grenzwert; die berufliche Exposition näherte sich diesem bei bleireichen Produkten. Cadmium zeigte das deutlichste Signal (Lebenszeit-Krebsrisiko über dem üblichen Bereich bei beruflich Exponierten unter den Modellannahmen). Nachweisbares Blutblei trat nur bei Teilnehmerinnen mit mindestens 20 Jahren beruflicher Exposition auf; dies wird als explorativ bezeichnet. Die Studie enthält keine Daten zu Männern oder Spermien; sie ist ein Beleg, dass Haarfärbemittel im arabischen Sprachraum vor allem toxikologisch-regulatorisch untersucht werden. Schwächen: elf Produkte, 19 Frauen im Biomonitoring, Modellannahmen, kein Reproduktionsendpunkt.
Einordnung. Zum Zusammenhang von Haarfärbemitteln und Spermienqualität beim Menschen gibt es nach der Recherche keine Beobachtungsdaten. Die Datenlage zu Haarfärbemitteln beruht auf Tierversuchen und Laborversuchen an Spermien (siehe das Kapitel zu den experimentellen Studien) sowie auf der unspezifischen Berufsliteratur.
Reinigungs- und Desinfektionsmittel
Haushaltsreiniger und Waschmittel wurden nicht direkt in Humanstudien mit Spermaendpunkten untersucht. Es gibt drei indirekte Anknüpfungspunkte.
Lv et al. 2023, China (Changchun), Querschnittsstudie zur Wohnungsrenovierung [s62]. 2.267 infertile Männer eines reproduktionsmedizinischen Zentrums (Juli 2018 bis April 2020) füllten einen Fragebogen aus und gaben eine Samenprobe ab; 523 (23,1 %) hatten in den letzten 24 Monaten eine Renovierung. Die mediane progressive Beweglichkeit lag bei 34,50 %. Der Unterschied der Beweglichkeit zwischen Renovierten und Nichtrenovierten war signifikant (z = -2,114; p = 0,035). Männer, die innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung einzogen, hatten nach Adjustierung für Alter und Karenzzeit ein höheres Risiko einer abnormalen progressiven Beweglichkeit (OR 1,537; 95-%-KI 1,088 bis 2,172). Das ist kein Reinigungsmittel, sondern ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen; der Abstract nennt keine Einzelsubstanz. Schwächen: Selbstauskunft, Querschnitt, nur infertile Männer, keine Messung von Substanzen; ein Konfidenzintervall mit unterer Grenze nahe 1. Der Befund betrifft Bau- und Renovierungsmaterialien und ist für Reinigungsmittel nur ein entfernter Hinweis.
Wang et al. 2018, China (Nanning), Selbstkontrolle bei Samenspendern [s114]. Die Studie „[Povidone-iodine versus the benzethonium chloride wipe for penile skin disinfection before semen collection from sperm donors]“ (Povidon-Iod gegenüber Benzethoniumchlorid-Tuch zur Desinfektion der Penishaut vor der Samengewinnung bei Samenspendern) fragt, ob die Hautdesinfektion vor der Samengewinnung den Ablauf und die Samenqualität beeinflusst. Jeder Spender gab zwei Proben ab, eine mit und eine ohne Hautdesinfektion; Povidon-Iod (PI) wurde von August bis Dezember 2015 verwendet, Benzethoniumchlorid-Tücher (BCW) von Januar bis Juli 2016. Insgesamt 185 Spender (63 PI, 122 BCW; an anderer Stelle im Abstract steht 62 für die PI-Gruppe, eine Unstimmigkeit). Verträglichkeit und Strenge des Verfahrens unterschieden sich zwischen PI und BCW (p < 0,05). Im Vergleich zur Kontrollprobe unterschied sich in der PI-Gruppe der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 % gegenüber 61,45 ± 4,78 %, p < 0,05; die Zuordnung der beiden Werte zu Gruppen nennt der Abstract nicht ausdrücklich); Karenzzeit (4,97 ± 1,79 gegenüber 4,7 ± 0,94 Tage), Volumen (4,11 ± 1,54 gegenüber 4,15 ± 1,61 ml), Konzentration (110 ± 29,6 gegenüber 107,5 ± 31,79 Millionen je ml) und Gesamtzahl (439,10 ± 170,13 gegenüber 434,02 ± 186,91 Millionen je Ejakulat) unterschieden sich nicht. In der BCW-Gruppe gab es bei keinem Parameter einen Unterschied. Unter den Proben mit abnormer Samenqualität hatten in der BCW-Gruppe weniger abnorme progressive Beweglichkeit als in der PI-Gruppe (1,64 % [2/122] gegenüber 9,68 % [6/62]; p < 0,05). Bakterielle Kontamination unterschied sich nicht. Die Autoren schließen, dass PI Samengewinnung und Samenqualität beeinflussen könne, das Benzethoniumchlorid-Tuch nicht. Stärken: Selbstkontrolle (jeder Spender ist seine eigene Kontrolle), direkter Spermienendpunkt. Schwächen: Die Mittel wurden nacheinander und nicht randomisiert eingesetzt (verschiedene Zeiträume); die Unterschiede der Beweglichkeit sind klein (rund 1,6 Prozentpunkte); es geht um Hautdesinfektion bei Spendern, nicht um Haushaltsreiniger. Benzethoniumchlorid ist eine quartäre Ammoniumverbindung; die Studie ist die einzige gefundene, die ein solches Desinfektionsmittel am Menschen mit Samenparametern prüft, und fand keinen Unterschied.
Alkylphenole bei idiopathisch infertilen Männern [s132] (siehe oben unter Triclosan): 4-t-OP, 4-n-OP und 4-n-NP waren mit idiopathischer Infertilität assoziiert. Ob die Quelle Tenside aus Reinigungsmitteln ist, wird nicht untersucht.
Russische Studien zu Waschmitteln [s31, s99]. Beide Arbeiten verwenden bewegliche Rinderspermien als standardisierte Testzellen für die Toxizität von Haushaltsprodukten und messen keine Spermienqualität beim Menschen; sie gehören deshalb nicht zur Humanliteratur und werden im Kapitel zu Laborstudien behandelt. Auch eine Mäusestudie mit Geschirrspülmittel erfasste nur das Hodengewicht [s105].
Einordnung. Für Haushaltsreiniger und Waschmittel liegt keine Beobachtungsstudie am Menschen mit Spermaendpunkten vor; die einzige Studie mit einer quartären Ammoniumverbindung am Menschen ist eine Spenderstudie zur Hautdesinfektion ohne Befund in der betreffenden Gruppe [s114].
Zusammenschau der Beobachtungsstudien
| Exposition | Humane Beobachtungsstudien mit Spermaendpunkten | Richtung der Befunde |
|---|---|---|
| Triclosan | elf Studien außerhalb der russischen Serie sowie sieben überlappende russische Berichte (siehe Tabelle oben); Metaanalyse mit 5 Studien [s38] | uneinheitlich: schwache negative Assoziationen (Morphologie, Beweglichkeit), eine positive, größte Fall-Kontroll-Studie ohne Befund, Fekundabilität vermindert in einer Kohorte |
| UV-Filter (Benzophenone) | 5 Studien [s124, s100, s46, s106, s67] sowie Mischungsmodell [s43] | einzelne, teils gegenläufige Assoziationen (BP-2, BP-8, 4-HBP); keine in der größten Studie junger Männer ohne Spermabefund [s100] |
| Parabene | mindestens 8 Studien [s112, s52, s64, s51, s12, s118, s120, s106] | überwiegend kleine negative Assoziationen; nicht einheitlich |
| Körperpflege insgesamt, Duftstoffe | 1 Querschnittsstudie [s89] | kaum Assoziationen |
| Tätowierungen | 1 Querschnittsstudie [s18] | keine Assoziation |
| Haarfärbemittel | keine | nicht beurteilbar |
| Reinigungsmittel | keine direkte; Renovierung [s62], Hautdesinfektion [s114] | nicht beurteilbar |
Folgende Punkte prägen die Einordnung. Erstens überlappen mehrere Studien in den Daten (EARTH [s97, s22], die Paarkohorte von Smarr [s112, s113], die russische Serie sowie die dänischen Geburtskohorten [s09, s89, s18], bei denen die Abstracts offenlassen, ob sich die Teilnehmer überlappen), sodass die Zahl der Veröffentlichungen die Zahl der unabhängigen Belege überschätzt. Zweitens stammen die Ergebnisse aus wenigen Bevölkerungen, vor allem aus China, Dänemark, den USA und Spanien, und sind auf Länder mit anderem Gebrauch von Triclosan oder UV-Filtern nur eingeschränkt übertragbar. Drittens beruhen sie meist auf Einzelmessungen kurzlebiger Substanzen in Urin oder Samenplasma. Viertens zeigen sich Effekte, wo sie auftreten, in kleinen Größenordnungen und häufig nur bei einzelnen von vielen getesteten Parametern; Mehrfachvergleiche sind in den Abstracts selten adressiert. Fünftens sind die Richtungen der Befunde nicht einheitlich, teils auch gegenläufig. Sechstens fehlen Humanstudien zu Haarfärbemitteln, Reinigungsmitteln und einzelnen Duftstoffen vollständig; hier liegen nur Tier- und Laborstudien vor, die in einem eigenen Kapitel betrachtet werden und deren Dosierungen und Expositionswege sich von der Anwendung beim Menschen unterscheiden. Siebtens lässt kein Studiendesign dieses Kapitels eine Aussage zur Verursachung zu. Die Evidenz stützt damit die Aussage, dass die untersuchten Alltagsprodukte bisher nicht als gesicherte Einflussfaktoren auf die Spermienqualität gelten können; sie schließt kleine Effekte, die in den bisherigen Studien nicht erfasst wurden, nicht aus. Eine Empfehlung leitet dieses Kapitel daraus nicht ab.