Haarfärbemittel, Tattoos, UV-Filter und Haushaltschemikalien · Kapitel 8 von 18 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche bis Zusammenschau der Studienlage

UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche

Benzophenone, Maus (Ningxia). Neugeborene männliche ICR-Mäuse erhielten BP-1, BP-2 oder BP-3 über Muttermilch und Trinkwasser vom 1. bis 56. Lebenstag, je 10 nM und 1000 nM (entspricht 2,14 / 2,46 / 2,28 µg/l bzw. 214 / 246 / 228 µg/l); Diethylstilbestrol diente als Positivkontrolle. Am Tag 56 waren die Blut-Hoden-Schranke gestört und die mRNA-Spiegel von Genen für Reproduktion, Apoptose und Zytoskelett verringert. Eine anschließende Cyclophosphamid-Gabe (3 mg/kg, 4 Wochen) führte nur in den vorbehandelten Gruppen zu geringerem Hodengewicht, geschädigten Samenkanälchen, verzögerter Spermatogenese und verminderter Spermienqualität [s21]. Für BP-3 allein (2,28 und 228 µg/l) berichtet die Gruppe verringerte Spermienmenge und -qualität, erniedrigtes Testosteron, gestörte Blut-Hoden-Schranke und mehr oxidativen Stress; der Östrogenrezeptor-Antagonist ICI 182780 hob die Effekte an Tag 14 teilweise auf [s29]. BP-1, BP-2 und BP-3 (je 10 und 1000 nM) erhöhten Alpha-2-Makroglobulin und IL-6 im Hoden; A2m ist ein Zielgen des Östrogenrezeptors [s49]. Gruppengrößen nennen die Abstracts nicht; Trinkwasser- und Milchexposition ist nicht mit dem Auftragen von Sonnenschutz vergleichbar.

Li et al. 2026, NHANES, Maus und Zellen. BP-3 war in NHANES dosisabhängig mit niedrigerem Gesamttestosteron, Östradiol und SHBG sowie höherem Risiko eines Testosteronmangels assoziiert (Richtung nach Mehrschadstoff-Adjustierung erhalten, Effekt abgeschwächt). Im Mäuseversuch (chronische Exposition von Tag 1 bis 240 mit „umweltrelevanten" Konzentrationen) waren Fertilität, Anogenitalabstand, Hodengewicht, Histopathologie, Spermienzahl und -qualität beeinträchtigt; Zellversuche deuteten auf Disulfidptose, vermittelt über den Östrogenrezeptor. Zahlen nennt das Abstract nicht [s11].

Sertoli-Zellen (Zhang et al. 2022). Primäre Sertoli-Zellen der Maus, 24 Stunden mit 0 bis 100 µM BP-3: Bei 100 µM war der transepitheliale Widerstand zerstört, ZO-1, Occludin und Connexin 43 waren niedriger exprimiert, F-Aktin desorganisiert; der DNA-Schadensmarker γH2A.X stieg, die Apoptoserate blieb unverändert [s73].

Hershberger-Test (Sung et al. 2024, Korea). BP-3 an kastrierten männlichen Sprague-Dawley-Ratten (n = 7 je Gruppe; 40, 200, 1000 mg/kg/Tag): Das Gewicht der ventralen Prostata war bei 200 und 1000 mg/kg/Tag signifikant verringert, das des Musculus levator ani/bulbocavernosus schon bei 40, 200 und 1000 mg/kg/Tag; in TM3-Leydig-Zellen sank die Viabilität konzentrationsabhängig. Ein antiandrogener Hinweis, aber kein Spermienparameter [s53].

Toxikokinetik (Jung et al. 2022, Korea). Hautaufnahme von BP-3 aus einem Gel bei der Ratte: terminale Halbwertszeit 3,1 ± 1,6 h nach intravenöser Gabe, 18,3 ± 5,8 h nach topischer Anwendung; Bioverfügbarkeit nach topischer Anwendung 6,9 ± 1,8 %; Gewebe/Plasma-Verteilungskoeffizient für den Hoden unter 1. Spermienendpunkte wurden nicht erhoben [s68].

Amphibium. Beim Krallenfrosch Xenopus laevis verursachten 1 µg/l Carbendazim zusammen mit 2,28 µg/l BP-3 kleinere Hoden mit weniger Keimzellen, während jede Substanz allein bei diesen Konzentrationen keine signifikante Wirkung zeigte [s30]. Das Modell ist nur indirekt für Säuger relevant.

Japanische Studien ohne Befund. In einer Zwei-Generationen-Studie an Sprague-Dawley-Ratten (Futter mit 0, 100, 450 oder 2000 ppm Benzophenon, nicht BP-3) gab es Gewichts-, Nieren- und Leberveränderungen bei den Elterntieren, aber keine Veränderungen von Fortpflanzungsfähigkeit, Spermienparametern oder Serumhormonen auch bei 2000 ppm [s146]. Ein Tagungsabstract (Ratten, Tag 2 bis 21 subkutan 0,01 bis 100 mg/kg/Tag 4-Hydroxybenzophenon, ein Metabolit von Benzophenon) fand mit 13 Wochen keine Unterschiede bei Organgewichten, Histologie und Spermienparametern; am Tag 22 waren Absolutgewichte von Prostata und Nebenhoden in der höchsten Gruppe erniedrigt, was die Autoren auf das tendenziell niedrigere Körpergewicht zurückführen [s145].

Avobenzon, Eberspermien in vitro. Bei 50 und 100 µM sanken Gesamt- und progressive Motilität und verschiedene kinetische Parameter; die Kapazitation sank dosisabhängig; Akrosomreaktion, Vitalität und ATP waren unverändert (ATP mit fallender Tendenz); PKA-Aktivität und Tyrosinphosphorylierung waren abnorm verändert [s48]. Keine menschlichen Zellen, hohe Konzentrationen.

Ethylhexyl-Dimethyl-PABA, Risikobewertung (Korea). Der Stoff wird in Korea durchschnittlich zu 1,25 % (0,5 bis 2,0 %) in Kosmetika eingesetzt; frühere Tierversuche hätten Hoden-, Nebenhoden-, Milz- und Leberschäden gezeigt. Als NOAEL wurde 100 mg/kg/Tag aus einer 4-Wochen-Studie gewählt, die systemische Exposition bei Höchstverwendung beträgt 0,588 mg/kg/Tag, der Sicherheitsabstand für ein Sonnenschutzmittel mit dem erlaubten Maximum von 8 % liegt bei 180,18. Eigene Spermienmessungen enthält die Arbeit nicht [s98].

Titandioxid und Zinkoxid (nur Randthema). Titandioxid-Nanopartikel kommen in Sonnenschutzmitteln vor, wurden in den gefundenen Arbeiten aber nicht dermal verabreicht. Wistar-Ratten, 50 mg/kg oral (Rutil, 40 bis 60 nm, 38 Tiere), 14 und 30 Tage: Keimepitheldicke 106,71 ± 2,18 µm in der Kontrolle gegenüber 86,19 ± 1,44 µm nach 14 und 82,31 ± 1,51 µm nach 30 Tagen (p < 0,05); reife Spermatiden fehlten in den Versuchsgruppen [s111]. Mäuse, 7 Tage 40, 200, 1000 mg/kg per Schlundsonde: mehr Spermatiden mit zwei oder mehr Kernen und mehr Apoptose im Hoden [s140]. Wistar-Ratten, Einzeldosis 126, 252 oder 378 mg/kg: dosisabhängige Degeneration von Spermatozyten und Ablösung von Spermatiden (rein histologischer Endpunkt) [s75]. Mäuse, 10, 20 oder 50 mg/kg intravenös oder oral: nach einmaliger intravenöser Gabe war die Spermienbeweglichkeit deutlich verringert, die Zahl nicht (Tagungsabstract) [s116]. Forellenspermien in vitro: Abnahme der Geschwindigkeit ab 10 mg/l [s109]; Zebrafisch (1, 2, 4 mg/l, 5 Tage): mitochondriale Degeneration in Sertoli-Zellen und Spermatogonien, Nekrose bei 4 mg/l [s119]. Die Dosen und Gabewege sind mit der Anwendung auf der Haut nicht vergleichbar.

Parabene: Humanstudien und Tierversuche

Parabene (Konservierungsstoffe in Kosmetika) gehören nicht zu den sechs Kernthemen, sind aber die am häufigsten untersuchten verwandten Stoffe und liefern die Dosis-Wirkungs-Daten, mit denen sich die Tierversuche vergleichen lassen.

Humanstudien.

  • Shen et al. 2023: 795 männliche Partner von Paaren mit Kinderwunsch, sechs Parabene im Urin (WQS-Modell). Die Mischung war mit sinkender Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit assoziiert; Butylparaben war Hauptbeitrag für Konzentration und Gesamtzahl, Methylparaben für die progressive Beweglichkeit [s64].
  • Okonofua et al. 2024 (Nigeria): 136 infertile Männer und 154 Kontrollen; hohe Werte in beiden Gruppen, kein signifikanter Unterschied zwischen Fällen und Kontrollen; Propylparaben war bei Fällen mit geringerer Gesamtmotilität verbunden, nicht bei Kontrollen [s51].
  • Li et al. 2026 (Wuhan, wiederholte Urinproben): Butylparaben war positiv mit der Länge des Kometenschweifs und dem „Tail Distributed Moment" im Comet-Test (DNA-Schaden) assoziiert (p < 0,01), mit Dosis-Wirkungs-Trend über Quartile, stärker bei Übergewichtigen (BMI ≥ 24 kg/m²) und unter 30-Jährigen; die BKMR-Analyse zeigte einen positiven Trend der Mischung mit dem Anteil PI-positiver Spermien (Membranschäden). Die Fallzahl nennt das Abstract nicht [s12].
  • Jurewicz et al. 2017: 156 Männer mit normaler Konzentration; Butylparaben mit XY18-Disomie (p = 0,045), Propylparaben mit Disomie von Chromosom 13 (p = 0,007), Replikation nötig [s118].
  • Nishihama et al. 2017 (Tokio): 42 Männer; geometrische Mittel im Urin Methylparaben 48,2, Ethylparaben 1,88, Propylparaben 1,13, Butylparaben 0,184 ng/ml; keine signifikante Assoziation mit Samenparametern (niedrige Exposition und kleine Stichprobe als mögliche Gründe) [s120].
  • Weitere Messstudien ohne Spermienendpunkt: Parabene in Urin, Serum und Seminalplasma von 50 gesunden Männern (Urinwerte ein bis zwei Größenordnungen über Serum und Seminalplasma) [s81]; Methode und Messung in 144 Seminalplasma-Proben (Methyl-, Ethyl-, n-Propylparaben und 4-Hydroxybenzoesäure dominieren) [s56].
  • Siehe außerdem Smarr 2018 [s112], Shen 2024 [s52] und Joensen 2018 (kein Zusammenhang der Parabene) [s106].

Gesamtbild: Die Mehrzahl der Paraben-Studien findet kleine negative Assoziationen bei Butyl-, Methyl- und Ethylparaben, aber nicht einheitlich über die Einzelstoffe.

Tierversuche.

  • Butylparaben, Ratte (Oishi 2001, Tokio): 3 Wochen alte Wistar-Ratten, acht je Gruppe, Futter mit 0, 0,01, 0,10 und 1,00 % über 8 Wochen. Nebenhodengewicht dosisabhängig verringert (signifikant ab 0,10 %); Nebenhodenspermienreserve in allen behandelten Gruppen vermindert; Spermienzahl der höchsten Dosis 58,2 % der Kontrolle; tägliche Spermienproduktion in allen behandelten Gruppen erniedrigt; Serumtestosteron dosisabhängig gesenkt (ab 0,1 % signifikant). Die täglich aufgenommene Menge liege im Bereich des unteren zulässigen Tagesaufnahmewerts (ADI) in EG und Japan [s150].
  • Propylparaben, Ratte (Oishi 2002, 4 Wochen, 32 Tiere): keine Organgewichtseffekte; Spermienreserven und -konzentration dosisabhängig verringert (signifikant ab 0,10 %); tägliche Spermienproduktion in allen Gruppen erniedrigt; Testosteron nur in der höchsten Gruppe. Die Dosis entspricht dem oberen ADI-Wert (10 mg/kg/Tag) laut Abstract [s149].
  • Methyl- und Ethylparaben, Ratte (Oishi 2004, 8 Wochen, 40 Tiere): 0,1 und 1,0 % im Futter (rund 1000 mg/kg/Tag): keine antispermatogene Wirkung, keine Änderung von Testosteron, LH und FSH [s147].
  • n-Butylparaben, Ratte (Zhang et al. 2014): trächtige Wistar-Ratten, 0, 64, 160, 400, 1000 mg/kg/Tag vom 7. Trächtigkeitstag bis zum 21. Lebenstag der Jungen; verringerter Anogenitalabstand, verzögerte Vorhauttrennung, Testosteron vermindert, Östradiol erhöht, Nebenhodenspermienzahl und tägliche Spermienproduktion bei 400 und 1000 mg/kg/Tag signifikant verringert; NOAEL 160 mg/kg/Tag [s130].
  • Butylparaben, Ratte (Park et al. 2012, OECD TG 407, 28 Tage; 0, 10, 100, 1000 mg/kg/Tag): DNA-Hypermethylierung in Nebenhodenspermien (fünf Amplikons 1,4- bis 3,8-fach erhöht); indirekter epigenetischer Nachweis [s135].
  • Butylparaben, maternale Exposition (Kang et al. 2002): subkutan 100 oder 200 mg/kg vom 6. Trächtigkeitstag bis zum 20. Lebenstag; bei 200 mg/kg weniger lebend geborene und überlebende Junge; Spermienzahl und -beweglichkeit im Nebenhoden bei 100 und 200 mg/kg verringert; Hodengewicht, Samenblasen und Prostata bei 100 mg/kg am Tag 49 erniedrigt [s148].
  • Butyl- und Isobutylparaben, 13 Wochen subkutan (2, 10, 50 mg/kg/Tag, Sprague-Dawley-Ratten): Die Samenqualität zeigte keine östrogenen Effekte, der NOAEL beider Substanzen betrug 50 mg/kg/Tag, bei lokaler Reizung ab 10 bzw. 50 mg/kg/Tag und ohne systemische Toxizität [s76, s47].
  • Propylparaben, Ratte (Mosaoa et al. 2023, 4 Wochen, 10 mg/kg/Tag, 60 Tiere): Testosteron, Dihydrotestosteron und 5α-Reduktase im Serum gesenkt (p < 0,001), Interleukin-6 und TNF-α im Hoden erhöht, Malondialdehyd erhöht, antioxidative Enzyme erniedrigt; ein Pflanzenextrakt verbesserte die Parameter, ohne sie zu normalisieren. Spermienparameter nennt das Abstract nicht [s63].

Die Studien von Oishi fanden Spermienwirkungen bei Dosen im Bereich der zulässigen Tagesaufnahme, die koreanischen subkutanen 13-Wochen-Studien bis 50 mg/kg/Tag dagegen keine Samenwirkungen. Gabewege (Futter, Schlundsonde, subkutan) und Altersstufen unterscheiden sich; ein Widerspruch lässt sich ohne weitere Daten nicht auflösen [s150, s149, s76, s47].

Körperpflegeprodukte, Duftstoffe und Wohnumfeld

Ugelvig Petersen et al. 2020, Dänemark. Querschnittsstudie in der Dänischen Nationalen Geburtskohorte: 1.058 junge Männer (18 bis 21 Jahre) beantworteten 2017 bis 2019 einen Online-Fragebogen zu 12 Körperpflegeprodukt-Typen und gaben eine Samenprobe ab. Alle nutzten mindestens ein Produkt mehr als einmal pro Woche, im Mittel 5,3 (SD 2,0) Produkte; 92 % nutzten wöchentlich parfümierte Produkte. Negative-Binomial-Regression für prozentuale Unterschiede zwischen niedriger, mittlerer und hoher Exposition: kaum Assoziationen zwischen aggregierter Produktexposition (auch parfümierter Produkte) und Konzentration, Gesamtzahl, Volumen, Motilität oder Morphologie. Stärken: große Stichprobe junger Männer aus der Allgemeinbevölkerung. Schwächen: Selbstauskunft, keine Messung der Substanzen im Körper; „aggregiert" mischt Produkte mit sehr unterschiedlicher Hautaufnahme [s89].

Johnson et al. 2025, New York (nichtzielgerichtete Analyse). 45 Samenproben; 18 Chemikalien, die in Expositionsstudien bisher nicht berichtet waren; 3-Hydroxyoctandisäure (ein kosmetischer Zusatzstoff) war bei Fällen höher (p < 0,01) und mit schlechterer Motilität und Morphologie assoziiert; Dibutylphthalat und 2-Aminophenol negativ mit Motilität, 4-Nitrophenol mit niedriger Morphologie. Explorativ, 45 Proben, keine Adjustierung im Abstract genannt [s25].

Lv et al. 2023, Wohnungsrenovierung (Jilin). 2.267 infertile Männer, 23,1 % (523) mit Renovierung in den letzten 24 Monaten; wer innerhalb von drei Monaten nach der Renovierung eingezogen war, hatte ein höheres Risiko einer abnormalen progressiven Motilität (OR 1,537; 95-%-KI 1,088 bis 2,172). Das ist kein Reinigungsmittel, sondern ein grober Stellvertreter für Innenraumbelastungen; Einzelsubstanzen nennt das Abstract nicht, Selbstauskunft, Querschnitt [s62].

Mischungs- und Expositionsstudien. Mizuno et al. 2025 (Tokio, 197 Männer aus Kinderwunschkliniken, Urin-Phthalatmetaboliten, drei Mischungsmethoden): Höhere Phthalatmischungen waren mit höherer Spermienbeweglichkeit assoziiert (Monoethylphthalat wichtigster Beitrag), nicht mit Volumen, Zahl oder Konzentration, und mit niedrigerem Serumtestosteron und höherem Prolaktin; die Zuordnung zu Duftstoffen nimmt das Abstract nicht vor [s34]. Toshima et al. 2012 (Tokio, 42 Männer): In der Mehrfachregression erschien für die Konzentration Mono-n-butylphthalat mit positivem Beta und Daidzein mit negativem Beta; für die Beweglichkeit waren 3-Phenoxybenzoesäure, der Nachweis von Equol und Kaffeekonsum negativ; Duftstoffe oder Kosmetika wurden nicht erhoben [s136]. Yang et al. 2022 (gepoolte Urinproben in vier Zeitfenstern über rund 90 Tage, 48 Zusatzstoffe) beschreiben Expositionsprofile ohne Spermienendpunkt [s71]. Guo et al. 2023 (1.500 Frauen unter IVF/ICSI) betreffen Eizellreifung und Fehlgeburt und sind für Spermienqualität nicht einschlägig [s58].

Duftstoffe im Tierversuch und in vitro.

  • Galaxolid (HHCB) und Irgacure 369 (Li und Wang 2023, Ratte): Subchronische Exposition erwachsener männlicher Ratten verringerte Spermienkonzentration und Motilität, erhöhte Fehlformen und führte zu Atrophie der Samenkanälchen; Testosteron sank, LH und FSH stiegen, oxidative Stressmarker nahmen zu, Androgensynthese-Gene waren gehemmt. Dosen und Gruppengrößen stehen nicht im Abstract. Irgacure 369 ist ein Photoinitiator in Verpackungen und kein Duftstoff [s60]. Docking, Reportergen- und Zellproliferationstests sowie Versuche mit unreifen Ratten identifizierten beide als Androgenrezeptor-Agonisten (HHCB wird in Parfüm, Weichspüler und Waschmitteln verwendet) [s61].
  • Cashmeran (Tayal et al. 2024): Weight-of-Evidence-Bewertung ohne Hinweise auf endokrine Aktivität (ToxCast-Assays inaktiv bei nicht-zytotoxischen Konzentrationen; 90-Tage- und Reproduktions-Screening-Studie ohne endokrine Effekte) [s54].
  • Cyclamenaldehyd (Natsch et al. 2021): In Wiederholt-Dosis-Studien an Ratten Effekte auf die Spermienreifung; ein Metabolit (p-Isopropylbenzoesäure) akkumuliert als Coenzym-A-Konjugat nur in Rattenhepatozyten, nicht in Kaninchen- und Humanhepatozyten; das Kaninchen zeigte in vivo keine Effekte; die Autoren folgern, der Mensch sei wahrscheinlich nicht anfällig für diesen Weg [s80].
  • Benzylbenzoat (Kılıç Süloğlu et al. 2022, Ratte): Fünf Wochen alte Tiere erhielten 90 Tage lang oral 25 oder 100 mg/kg. Körpergewichte, Organgewichte, Futter- und Wasseraufnahme änderten sich nicht signifikant; es gab Unterschiede bei einzelnen Blutzellen und der Serum-AST sowie histopathologische Befunde unter anderem in Prostata und Nebenhoden; keine Veränderungen von Spermienzahl, täglicher Spermienproduktion und Spermienmorphologie. Gruppengrößen fehlen im Abstract [s69].

Unterschiede zwischen Stoffen und Spezies zeigen, dass „Duftstoffe" keine einheitliche Gruppe sind.

Tätowierungen

Zu Tätowierungen liegt genau eine epidemiologische Studie mit Spermaendpunkten vor.

Dornfeldt et al. 2025, Dänemark. Querschnittsstudie in der Dänischen Nationalen Geburtskohorte; junge Männer (18 bis 21 Jahre), rekrutiert 2017 bis 2019, Fragebogen zu Tätowierungen, Samen- und Blutprobe. Von 1.045 Teilnehmern hatten 174 (17 %) mindestens eine Tätowierung; 84 % davon nur in Schwarz; 53 % eine, 21 % zwei, 26 % drei oder mehr. Negative-Binomial-Regression: keine Assoziation von Anzahl oder Farbschema mit Spermaparametern oder Reproduktionshormonen; eine Tätowierung war mit 6 % (95-%-KI 0 bis 12) größerem Hodenvolumen verbunden, das die Teilnehmer selbst gemessen hatten (mögliche differenzielle Fehlklassifikation). Rohe und adjustierte Modelle waren vergleichbar. Die Autoren sehen keine Unterstützung für schädliche Assoziationen, betonen aber fehlende Details zur Exposition (Tintenmenge, Fläche, Alter der Tätowierung) und kurze Nachbeobachtung. Stärken: n über 1.000, objektive Samenparameter. Schwächen: nur 17 % tätowiert, überwiegend schwarz und wenige Tätowierungen, Selbstauskunft, junge Männer mit kurzer Expositionsdauer [s18].

Toxikologische Übersichten ohne Spermadaten. Eine systematische Übersicht beschreibt, dass Tätowierfarben polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und primäre aromatische Amine (aus Azofarbstoffen in der Haut) enthalten können; Quecksilber, Kobaltsulfat und Ruß gehören zur IARC-Gruppe 2B, Cadmium zur Gruppe 1 [s70]. Ein Konferenzbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung [s44] und eine Regulierungsagenda für USA und EU (etwa 32 % der US-Erwachsenen mit mindestens einer Tätowierung, fehlende Zusammensetzungsgrenzen) [s07] bestätigen Wissenslücken. Keine dieser Arbeiten bewertet Hoden- oder Spermaendpunkte. Aus dem ostasiatischen, russischen, arabischen und türkischen Sprachraum wurde keine Studie zu Tätowierungen und Spermienqualität gefunden; die Lücke ist nach den Rechercheberichten echt und kein Abrufproblem. Die Verknüpfung von Tätowierfarben und Spermienqualität stützt sich damit auf eine einzige Studie ohne Befund.

Haarfärbemittel

Zu Haarfärbemitteln und Spermaparametern beim Menschen wurde keine epidemiologische Studie gefunden. Die Datenlage besteht aus Tierversuchen, einer Zellstudie an menschlichen Spermien und Produktanalysen.

Telles et al. 2026, systematische Übersicht der Tierversuche. 25 Artikel (PubMed, Web of Science, Embase, Scopus; Risk-of-Bias nach SYRCLE). Berichtet werden Toxizität an Herz, Leber, Niere, Hoden, Atemwegen, Haut und Blut, Genotoxizität sowie Hormon- und Entwicklungsendpunkte, abhängig von Expositionsweg, Dosis, Spezies und davon, ob Einzelstoff oder Fertigprodukt. Topische Studien waren für die kosmetische Exposition am relevantesten; orale, subkutane, intravenöse und Embryo-Immersionsmodelle stützen vor allem die Gefahrenidentifikation. Das Verzerrungsrisiko war überwiegend „unklar", in nahezu allen Studien bestanden methodische Schwächen; die Autoren warnen, die Befunde nicht als Schätzung des realen Verbraucherrisikos zu lesen [s14].

Bharali und Dutta 2012, Ratte (dermal). Subchronische topische Anwendung von para-Phenylendiamin (PPD; 0, 1, 2, 3 mg/kg/Tag, nach Angabe der Autoren 1 bis 3 % PPD wie in Haarfärbemitteln): signifikante Abnahme der Gesamtspermienzahl (p < 0,05 bzw. 0,01), des Hodengewichts (p < 0,05), mehr Keimzellapoptose, Verlust der Keimschicht, Ablösung von Hodenzellschichten und erhöhte Lipidperoxidation. Gruppengrößen nennt das Abstract nicht. Stärke: dermale Applikation. Schwäche: tägliche Anwendung bei Ratten, Übertragung auf die kurze Einwirkzeit beim Menschen offen [s133].

Chen et al. 2024, menschliche Spermien in vitro. Spermien gesunder Spender wurden mit 5, 25, 100 und 200 µM PPD behandelt. Gesamt- und progressive Beweglichkeit und Vitalität nahmen dosisabhängig ab; die Tyrosinphosphorylierung (Kapazitationsmarker) war bei 100 µM verringert, bei 25 µM nicht; die Akrosomreaktionsrate war bei 25, 100 und 200 µM erniedrigt, die Penetration eines viskosen Mediums gehemmt; ROS stiegen mit Konzentration und Dauer, der DNA-Fragmentierungsindex war bei 100 und 200 µM erhöht; basales intrazelluläres Calcium war erhöht, das Membranpotenzial verändert (das Abstract nennt einmal Depolarisation, einmal Hyperpolarisation). Im ergänzenden Mausversuch fanden die Autoren nach eigener Angabe verminderte progressive Beweglichkeit und Konzentration, mehr Fehlformen und degenerative Veränderungen der Hodenkanälchen. Die Arbeit gibt an, dass mehr als 66 % der Haarfärbemittel PPD enthalten, in Industrieländern auf 2 % begrenzt, in manchen anderen Ländern laut Arbeit 2 bis 90 %. Schwächen: Konzentrationen nicht mit Spiegeln nach Haarfärbung verglichen, Spenderzahl im Abstract nicht genannt [s42].

Tayama et al. 2011 und 2012, Maus (Tagungsabstracts). Phenylendiamin-Isomere an CD-1-Mäusen (11 Wochen, 5 Tiere je Gruppe), subkutan über 5 Tage: o-Phenylendiamin 200 mg/kg/Tag, m-Phenylendiamin 25 mg/kg/Tag, PPD 25, 12,5 und 6,25 mg/kg/Tag. Spermienzahl und -beweglichkeit sanken in der o-Phenylendiamin-Gruppe nach 1 Woche und zeigten nach 5 Wochen noch eine fallende Tendenz; die Histologie zeigte nach 1 Woche Degeneration und Nekrose des Samenepithels, nach 5 Wochen abgeschwächt. Bei einer m-Phenylendiamin-Gruppe zeigte ein Tier nach 5 Wochen leichte Degeneration. Schaden fand sich bei o-Phenylendiamin, einem als Haarfärbemittel wegen Kanzerogenität verbotenen Stoff, nicht aber bei PPD [s141]. Im Folgeabstract wurden Toluoldiamine, Aminophenole und Aminokresole bei der jeweils maximal verträglichen Dosis (ab 400 mg/kg/Tag, 10 Tiere je Gruppe) geprüft: Todesfälle bei 2,6-Toluoldiamin 3 von 10, 2-Amino-3-kresol 1 von 10, 2-Amino-4-kresol 2 von 10; Hodengewicht erniedrigt bei 3-Aminophenol (Woche 1) und 4-Aminophenol (Woche 1 und 5); Spermienzahl und -beweglichkeit ohne signifikante Unterschiede; histologisch Degeneration und Nekrose des Samenepithels bei 3-Aminophenol (Woche 5), 4-Aminophenol (Woche 1 und 5) und 2-Amino-4-kresol (Woche 5); Fazit der Autoren: Hoden- und Spermienschädigung bei 3-Aminophenol (100 mg/kg), 4-Aminophenol (400 mg/kg) und 2-Amino-4-kresol (200 mg/kg), relativ gering ausgeprägt [s137]. Schwächen beider Abstracts: Tagungsabstracts, kleine Gruppen, subkutane Gabe, keine Statistik im Abstract, Dosen nahe der Maximalverträglichkeit.

Eissa et al. 2026, Kaninchen. 72 männliche Kaninchen; dermale PPD-haltige Färbemittel (0,098; 0,187; 2,375 mg/g) alle zehn Tage über sechs Monate gegenüber Henna: dosisabhängige Mortalität (0 bis 22,2 %), vier- bis fünffach erhöhte Leberenzyme bei der höchsten Dosis, Hämoglobin -28 %, Erythrozyten -39 %, Leberzellnekrosen. Hodenendpunkte nennt das Abstract nicht; die Studie zeigt systemische Toxizität nach dermaler Gabe [s05].

Schwermetalle in Haarfärbemitteln (Mohamed et al. 2026, Sudan). Produktanalyse von elf schwarzen Haarfärbemitteln, Blutproben von 19 Frauen und ein Fragebogen an 312 Personen; Mangan und Blei waren die vorherrschenden Verunreinigungen, Cadmium zeigte das deutlichste Krebsrisikosignal bei beruflich Exponierten unter den Modellannahmen; Daten zu Männern oder Spermien enthält die Studie nicht [s13].

Reinigungs- und Desinfektionsmittel

Zu Haushaltsreinigern, Waschmitteln und Desinfektionsmitteln gibt es keine Humanstudie, die die Verwendung im Haushalt mit Spermaparametern verknüpft. Die Evidenz besteht aus Mausversuchen und Zellversuchen mit quartären Ammoniumverbindungen (QAC), älteren Tensidstudien, einer Studie zur Hautdesinfektion bei Samenspendern und Studien zu Alkylphenolen, die in den Studien selbst nicht mit Reinigungsmitteln verknüpft werden.

Übersicht zu quartären Ammoniumverbindungen. QAC sind Desinfektionsmittel in Haushalt und Gesundheitswesen; ihr Einsatz stieg seit COVID-19 stark, und sie ersetzen verbotene Stoffe wie Triclosan und Triclocarban in Verbrauchsprodukten. Vorhandene Studien beschränken sich nach den Autoren weitgehend auf hohe Dosen und sind für tägliche Niedrigexposition nicht prädiktiv [s40].

Melin et al. 2014, Maus. Eine Zuchtkolonie zeigte nach Einführung eines Desinfektionsmittels mit ADBAC und DDAC verminderte Reproduktion; QAC waren noch Monate nach Absetzen im Käfigmaterial nachweisbar. Zuchtpaare, sechs Monate exponiert: längere Zeit bis zum ersten Wurf, längere Intervalle, weniger Welpen pro Wurf, weniger Schwangerschaften, deutliche Morbidität bei hochträchtigen Weibchen [s128].

Melin et al. 2016, Maus. Männchen mit ADBAC und DDAC hatten geringere Spermienkonzentration und Motilität bei unveränderter Vitalität; Weibchen hatten nach 8 Wochen weniger Corpora lutea und kürzere Östrusphasen: Subfertilität durch beide Geschlechter [s122].

Melin und Hrubec 2025, Maus (Generationsstudie). Männchen (F0) mit 120 mg/kg/Tag ADBAC und DDAC hatten verminderte Spermienkonzentration und Motilität, die bis in die F1-Generation anhielten; die mRNA-Expression von Chromatin-modifizierenden Enzymen war verändert (Hat1 und Kat2b hoch, Kdm6b runter, Dnmt1 in F1-Männchen runter); F2 verhielt sich wie die Kontrollen, die Weitergabe war also mehrgenerational, aber nicht transgenerational [s32].

Kirkpatrick et al. 2025, Maus. Orale QAC-Exposition senkte LH und FSH bei Männchen und Weibchen, bei Weibchen Progesteron und Östrogen. Der Sertoli-Zell-Stoffwechsel sank schon bei 0,0005 % ADBAC und DDAC, lange vor der Störung der Blut-Hoden-Schranke bei 0,01 %. Die Befruchtung war nach 24 Stunden unverändert, nach einer zehntägigen Pause aber vermindert, was die Autoren als Störung der Spermatogenese statt direkter Spermientoxizität deuten [s26].

Baptista et al. 2013, menschliche Spermien in vitro. Kationische Tenside (Benzalkoniumbromid, Pyridiniumbromid, Dodecyltrimethylammoniumbromid) senkten das mitochondriale Membranpotenzial nach 180 Minuten und beeinflussten Kapazitation, Akrosomstatus und Kalziumsignale; die Pyridiniumverbindung wirkte am stärksten (Kalziumanstieg bei 81,7 % der Zellen). Die Konzentrationen waren spermizid, nicht umweltrelevant [s131]. Die Autoren der Mausstudien betonen selbst, dass die Wirkung auf die menschliche Gesundheit unklar ist [s122, s26].

Wang et al. 2018, Hautdesinfektion vor der Samenspende (Nanning). Vergleichsstudie mit Selbstkontrolle bei 185 Spendern: Jeder gab zwei Proben ab, eine mit und eine ohne Desinfektion der Penishaut. Povidon-Iod wurde von August bis Dezember 2015 verwendet, Benzethoniumchlorid-Tücher (ein quartäres Ammoniumdesinfektionsmittel) von Januar bis Juli 2016 (63 Spender mit Povidon-Iod, 122 mit Tuch; an anderer Stelle im Abstract steht 62). In der Povidon-Iod-Gruppe unterschied sich der Anteil progressiv beweglicher Spermien signifikant (63,02 ± 3,18 gegenüber 61,45 ± 4,78 %; p < 0,05; die Zuordnung der Werte zu den Gruppen nennt das Abstract nicht ausdrücklich); Volumen, Konzentration und Gesamtzahl unterschieden sich nicht. In der Tuch-Gruppe gab es bei keinem Parameter einen Unterschied. Unter den Proben mit abnormer Samenqualität hatten in der Tuch-Gruppe weniger abnorme progressive Beweglichkeit als in der Povidon-Gruppe (1,64 % [2/122] gegenüber 9,68 % [6/62]; p < 0,05). Schwächen: Die Mittel wurden in verschiedenen Zeiträumen und nicht randomisiert eingesetzt, die Unterschiede sind klein (rund 1,6 Prozentpunkte), und es geht um Hautdesinfektion, nicht um Haushaltsreiniger [s114].

Tenside in Tierversuchen. Geschirrspülmittel an männlichen Swiss-Albino-Mäusen (40 Tiere, fünf Gruppen zu je acht; 0,1 bis 5 % im Trinkwasser, Beginn mit drei Wochen, 60 Tage): Die Gewichte von Leber, Niere, Milz, Lunge, Hoden und Gehirn blieben unverändert; verändert waren Hämoglobin, Plasmaprotein, neutrophile und eosinophile Granulozyten, und ALP und AST waren bei 1 % und 5 % erhöht. Spermien, Histologie und Hormone wurden nach dem Abstract nicht untersucht; ein unverändertes Hodengewicht schließt Veränderungen der Spermienqualität nicht aus [s105]. Beim Hahn (194 Tiere, Trinkwasser mit linearem Alkylbenzolsulfonat, 10 und 100 ppm, in der Hochdosisgruppe ab der 16. Woche 1500 ppm) beeinflussten 10 bis 100 ppm die Spermienkonzentration nicht wesentlich, erhöhten aber Serum-Transaminase und Cholesterin; bei 1500 ppm sanken Körpergewicht, Hodengewicht und Spermienkonzentration signifikant; die Autoren schätzen, dass etwa 80 mg/kg täglich Wachstum und Geschlechtsreifung ernsthaft hemmen würden [s151]. Ein Vogel, orale Hochdosis, 45 Jahre alt: keine direkte Aussage zu Waschmittelrückständen beim Menschen.

Spermien als Testobjekt (Russland und Ukraine). Zwei Arbeiten verwenden bewegliche Rinderspermien als standardisierte Zellkultur, um die Toxizität von Haushaltschemie zu prüfen; sie messen keine Spermienqualität beim Menschen. Von 21 Waschmitteln (10 Pulver, 11 Gele) erfüllten 13 die Anforderungen nicht; nach einer Schnellwäsche (30 °C, 30 Minuten) waren 80 % der mit Pulvern gewaschenen Textilien im Test toxisch, mit Gelen 4,5 %; im Modus „tägliche Wäsche" waren bei den Pulvern alle Proben unbedenklich; als Einschränkung nennen die Autoren das Fehlen von Daten zur Zytotoxizität des Spülwassers [s31]. Von 23 Geschirrspülmitteln für Kinderartikel lagen 17 im unbedenklichen Bereich, sechs hatten einen Toxizitätsindex über 120 %; klassische Tierversuche ergaben Gefahrenklasse 4 [s99]. Beide Arbeiten sind Produktsicherheitsstudien und beantworten die Frage nach der Spermienqualität unter Alltagsexposition nicht.

Alkylphenole (Nonylphenol). 4-Nonylphenol gilt als Abbauprodukt bestimmter Tenside aus Reinigungs- und Waschmitteln; diese Herkunft wird in den Studien selbst nicht untersucht, sie ist eine Einordnung aus dem Rechercheprozess.

  • Mensch: In der Nanjinger Studie waren 4-t-Octylphenol, 4-n-Octylphenol und 4-n-Nonylphenol mit idiopathischer Infertilität assoziiert [s132]; in der russischen Samenflüssigkeit fand sich für 4-Nonylphenol kein belastbarer Zusammenhang (Median 0,170 ng/ml; p = 0,627 für Normo- gegenüber Pathozoospermie) [s101, s94, s91]. Menschliche Spermien in vitro: Nonylphenol (1, 10, 100 nM) hemmte die Beweglichkeit nicht kapazitierter Spermien und die Penetration viskoser Medien konzentrationsabhängig; ESR1-, Nrf2- und SRC-Proteine sanken, STAT3-Phosphorylierung und ROS stiegen, das mitochondriale Membranpotenzial war depolarisiert [s02].
  • Ratte (Yılmaz et al. 2025): 30 erwachsene Sprague-Dawley-Ratten, fünf Gruppen zu je sechs; 4-Nonylphenol 125 mg/kg/Tag per Schlundsonde, 48 Tage, mit und ohne Natriumselenit (0,5 mg/kg/Tag). Unter 4-Nonylphenol sanken der Kanälchendurchmesser (270,20 gegenüber 292,68 µm in der Kontrolle), die Epithelhöhe (52,38 gegenüber 69,10 µm) und der Spermien-Lebendanteil (34,20 gegenüber 82,73 %); die abnormen Spermien stiegen (75,93 gegenüber 34,00 %), ebenso Caspase-3-positive Kanälchen (49,72 gegenüber 23,36 %) und das Malondialdehyd im Hoden; die Superoxiddismutase im Hoden sank (2,71 gegenüber 5,33 U/mg Protein). Bei den Spermien-Anomalien überwogen Fehlbildungen des Flagellums. Die Hodengewichte unterschieden sich nicht. Mit Selen fielen die Veränderungen geringer aus (abnorme Spermien 43,20 %, Lebendanteil 69,07 %); Selen allein hatte eigene Wirkungen (verringerte Epithelhöhe und Lebendanteil gegenüber der Kontrolle). Schwächen: sechs Tiere je Gruppe, eine einzige Dosis, bereits in der Kontrolle 34 % abnorme Spermien, Unterschiede zwischen Kontroll- und Lösungsmittelgruppe [s36].
  • Ratte, F1 (Cai et al. 2022): Bisphenol A (0,5 mg/kg) und 4-Nonylphenol (5 mg/kg) allein oder kombiniert ab 30 Tage vor der Paarung; bei den F1-Männchen mit 60 Tagen war die Spermienzahl in der Bisphenol-A- und der Kombinationsgruppe vermindert (p < 0,05), ohne signifikante Wechselwirkung; das LC3-II/LC3-I-Verhältnis (Autophagie) war in allen drei Gruppen erhöht [s65].
  • Maus, F1 (Kim et al. 2019): 50 µg/l Nonylphenol im Trinkwasser von der elterlichen Vorpaarungszeit bis Tag 55 der Nachkommen; Körpergewicht niedriger, absolutes Hodengewicht erhöht, Nebenhoden, Prostata und Samenblase leichter, geringerer Kanälchendurchmesser, weniger Keimzellen und weniger reife Spermien in der Cauda epididymidis; die Autoren sehen die Dosis nahe der durchschnittlichen täglichen Aufnahme des Menschen [s96]. Maus mit Einzelzell-Sequenzierung (Zhao et al. 2025, 3 Monate): weniger Keimzellen, vier Gene (Cmtm2b, Rpl28, Adam32, Pgam2) auf Proteinebene vermindert, Anreicherung in oxidativer Phosphorylierung und ROS-Signalen [s37].
  • In vitro, Tier: Eberspermien (4-Nonylphenol 0 bis 100 µM): Beweglichkeit und Bewegungsparameter sanken, ATP stieg dosisabhängig, Veränderungen im PI3K/PDK1/AKT-Weg [s45]. Gefrorene und aufgetaute Bullenspermien (1 bis 500 µg/ml, 4 Stunden): Beweglichkeit und mitochondriales Membranpotenzial sanken ab 250 µg/ml, die Akrosomreaktion war schon bei 1 µg/ml erhöht; die Konzentrationen liegen mehr als das 5.000-Fache über dem Median in russischer menschlicher Samenflüssigkeit (0,170 ng/ml) [s129, s101].

Für Alkylphenole ist die Befundlage über Mensch, Zellmodelle und Tierversuche konsistent in Richtung einer möglichen Beeinträchtigung; in den Einzelstudien fehlen im Abstract aber meist Effektgrößen.

Zusammenschau der Studienlage

Die folgende Tabelle ordnet die gefundenen Studien nach Stoffgruppe. Sie enthält keine Empfehlung.

StoffgruppeHumanstudien mit SpermaendpunktenRichtung der HumanbefundeTierversuch und In vitroLeitlinien
TriclosanNeun Einzelstudien [s72, s97, s112, s59, s123, s107, s125, s22, s132], russische Serie [s101, s93, s94], Metaanalyse mit 5 Studien [s38]Uneinheitlich: schwache negative, eine positive, größte Fall-Kontroll-Studie ohne Befund; Fekundabilität vermindert [s74]Ratte, Maus, Zellen [s87, s84, s104, s127, s27, s04, s103, s110, s10]AUA/ASRM und EAU nennen Triclosan nicht [s39, s19]
TriclocarbanEine Kohorte ohne Befund im Abstract [s112]nicht berichtetMensch in vitro, Ratte [s20, s83, s138]nicht genannt
UV-Filter (Benzophenone)Fünf Einzelstudien [s124, s100, s106, s46, s113] und eine Mischungsstudie [s43]Einzelne Assoziationen (BP-2), keine in [s100], teils umgekehrte Richtung [s46]Maus, Eber in vitro, Ratte [s21, s29, s11, s48, s53, s146, s145]„nicht schlüssig" [s39]
ParabeneSieben Studien [s112, s52, s64, s51, s12, s118, s120]Überwiegend kleine negative AssoziationenRatte, Maus [s150, s149, s147, s130, s76, s47]„nicht schlüssig" [s39]
Aggregierte KörperpflegeEine große Querschnittsstudie [s89]Kaum Assoziationennicht zutreffendnicht genannt
TätowierungenEine Querschnittsstudie [s18]Keine Assoziationnicht gefundennicht genannt
Haarfärbemittelkeinenicht beurteilbarRatte, Maus, Mensch in vitro [s133, s42, s141, s137, s14]nicht genannt
Reinigungsmittel (QAC)keine (Hautdesinfektion [s114])nicht beurteilbarMaus, Mensch in vitro [s128, s122, s32, s26, s131]nicht gesondert genannt [s39, s19]
Duftstoffeeine aggregierte Studie [s89]Kaum AssoziationenRatte (HHCB, Benzylbenzoat), Hepatozyten (Cyclamenaldehyd) [s60, s61, s69, s80]nicht genannt

Die überlappenden Kohorten (EARTH [s97, s22], Paarkohorte [s112, s113], dänische Geburtskohorte [s89, s18, s09], russische Serie) sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu zählen. Von den Humanstudien stammen, soweit die Abstracts das Land nennen, viele aus China [s72, s123, s59, s52, s64, s43, s12, s62], Dänemark [s09, s106, s67, s89, s18], den USA [s97, s22] und Spanien [s100, s46]; auf Länder mit anderem Triclosan- oder UV-Filter-Gebrauch sind sie nur eingeschränkt übertragbar. Die Recherche konnte mehrere Datenbanken nicht auswerten (unter anderem CNKI, SciELO, LILACS, eLIBRARY.ru, DergiPark, AWMF); das Fehlen von Studien in diesen Räumen ist damit nicht bewiesen.

Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung zu Design und typischen Grenzen bis UV-Filter: Studien mit Benzophenon-Biomarkern
  6. Parabene und Phthalate als Begleitstoffe in Körperpflegeprodukten bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Lesehilfe und Evidenzbasis bis UV-Filter: Humanstudien
  8. UV-Filter: Tierversuche und Zellversuche bis Zusammenschau der Studienlage
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Chinesisch
  12. Japanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle