Kurz zusammengefasst

Hitze-, Kälte- und Wasserexposition

Die Hoden liegen außerhalb der Bauchhöhle im Hodensack – eine anatomische Besonderheit, die sich evolutionär nur bei wenigen Säugetieren durchgesetzt hat und einen guten Grund hat: Spermienproduktion (Spermatogenese) läuft optimal bei einer Temperatur ab, die etwa 2-4°C unter der Körperkerntemperatur liegt, also bei ungefähr 34-35,5°C statt 37°C. Der Hodensack reguliert diese Temperatur aktiv über den Musculus cremaster, den Musculus dartos und ein Gegenstromwärmetauschersystem in den Blutgefäßen des Samenstrangs (Plexus pampiniformis). Schon geringe, andauernde Temperaturerhöhungen können diesen fein austarierten Mechanismus stören. Eine grundlegende experimentelle Arbeit von Mieusset und Bujan zeigte, dass eine künstliche, tagsüber aufrechterhaltene Erhöhung der Hodentemperatur um lediglich 1-2°C ausreicht, um die Spermatogenese so stark zu unterdrücken, dass sie testweise als hormonfreie männliche Verhütungsmethode untersucht wurde – der Effekt war nach Beendigung der Erwärmung innerhalb eines Jahres vollständig reversibel (Mieusset & Bujan, 1994). Eine Metaanalyse zu hoher Umgebungstemperatur bestätigt, dass Hitzeexposition Samenvolumen, -konzentration, -beweglichkeit und -morphologie beeinträchtigen kann (Hoang-Thi et al., 2022). Auch aus der Arbeitsmedizin gibt es seit Langem konvergierende Hinweise: Ein klassisches Review zu beruflicher Hitzeexposition beschreibt bei Berufsgruppen mit chronischer Wärmebelastung – etwa Bäckern, Schweißern oder Berufskraftfahrern mit mehr als drei Stunden Fahrzeit täglich – eine deutlich verlängerte Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin im Vergleich zu nicht hitzeexponierten Kontrollgruppen; bei Bäckern wurden innerhalb von drei Monaten nur 14 % Schwangerschaften erreicht gegenüber 55 % in der Kontrollgruppe (Thonneau & Mieusset, 1998). Diese arbeitsmedizinischen Befunde liefern zusätzliche, von der Freizeit- und Alltagsforschung unabhängige Evidenz dafür, dass chronische Erwärmung des Hodensacks ein real wirksamer, nicht nur theoretischer Risikofaktor ist. Dieser Cluster beleuchtet, welche Alltagssituationen – von Sauna über Laptop bis Kaltbaden – diese Temperaturbalance real beeinflussen und wie belastbar die jeweilige Studienlage tatsächlich ist.

Klassische (finnische) Sauna

− negativ Evidenz: niedrig
Regelmäßige, intensive Saunanutzung (z.B. 2x/Woche, 80-90°C) kann Spermienzahl und -beweglichkeit vorübergehend senken, mit vollständiger Erholung nach mehreren Monaten Pause.

Die Sauna ist der am besten untersuchte Einzelfaktor dieses Clusters, wenn auch mit überwiegend kleinen Stichproben. In einer häufig zitierten thailändischen Studie wurden gesunde Männer zwei Wochen lang saunaexponiert; mittels computergestützter Spermienanalyse (CASA) zeigte sich eine signifikante Abnahme von Bewegungsparametern wie der durchschnittlichen Bahngeschwindigkeit (VAP), der Kurvengeschwindigkeit (VCL) und der lateralen Kopfauslenkung (ALH). Diese Veränderungen normalisierten sich bereits eine Woche nach Beendigung der Saunanutzung wieder vollständig (Saikhun et al., 1998) – ein früher Hinweis auf die grundsätzliche Reversibilität hitzebedingter Effekte. Deutlich aufwendiger war eine italienische Studie der Universität Padua: Zehn normozoosperme Männer besuchten über drei Monate zweimal wöchentlich eine finnische Sauna bei 80-90°C für jeweils 15 Minuten. Am Ende der Expositionsphase zeigte sich eine starke Beeinträchtigung von Spermienzahl und -beweglichkeit (p<0,001), während die Sexualhormone im Blut unverändert blieben. Zusätzlich waren der Anteil von Spermien mit normalem Histon-Protamin-Austausch, normaler Chromatinkondensation und normaler Mitochondrienfunktion reduziert, begleitet von einer molekularen Hochregulation von Hitzestress- und Hypoxie-Genen im Ejakulat. Alle Veränderungen waren jedoch sechs Monate nach Beendigung der Saunanutzung vollständig reversibel (Garolla et al., 2013). Bemerkenswert ist, dass die Erholung mehrere Monate dauerte, was zur Länge eines vollständigen Spermatogenesezyklus (rund 74 Tage plus Nebenhodenpassage) passt. Nicht alle Untersuchungen finden jedoch klinisch bedeutsame Effekte bei gelegentlicher, kurzer Saunanutzung, und die Gesamtzahl der bislang direkt untersuchten Männer ist mit unter 50 Probanden über alle Studien hinweg gering. Für Männer mit aktivem Kinderwunsch oder bereits eingeschränktem Spermiogramm wird dennoch häufig empfohlen, regelmäßige, intensive Saunagänge (mehrmals wöchentlich) in der Phase vor einer Zeugung zurückhaltend zu dosieren, während gelegentliche Saunabesuche vermutlich unproblematisch sind. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Frequenz und Einzelexposition: Eine einzelne, gelegentliche Saunasitzung führt zu einem kurzfristigen Temperaturanstieg, der physiologisch rasch wieder ausgeglichen wird, während erst die wiederholte, über Wochen bis Monate aufrechterhaltene Exposition die in den Studien gemessenen Verschlechterungen auslöst – ein Muster, das sich in praktisch allen Hitzestress-Untersuchungen dieses Clusters wiederfindet und für die individuelle Risikoabwägung entscheidend ist.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Finnische Sauna (regelmäßig, 2x/Woche, 80-90°C)-niedrignicht_quantifiziert (statistisch signifikant, reversibel nach 3-6 Monaten)Garolla et al. (2013), Hum Reprod

Infrarotkabine

− negativ Evidenz: niedrig
Direkte Studien zu Infrarotsaunen und Spermienqualität fehlen; physiologisch besteht kein Grund, sie für unbedenklicher zu halten als klassische Sauna.

Für Infrarotkabinen liegen praktisch keine direkten Studien zu Spermienparametern vor. Physiologisch unterscheidet sich die Infrarotsauna von der klassischen Sauna dadurch, dass die Lufttemperatur niedriger ist (meist 45-65°C statt 80-100°C), die Wärme aber direkt über Infrarotstrahlung in tiefere Gewebeschichten eindringt und dort ebenfalls einen spürbaren Anstieg der Körperkern- und damit vermutlich auch der Skrotaltemperatur bewirkt. Da der für die Spermatogenese entscheidende Parameter nicht die Lufttemperatur, sondern die tatsächliche Hodentemperatur ist, gibt es keinen physiologischen Grund zur Annahme, dass Infrarotkabinen grundsätzlich unbedenklicher wären als klassische Saunen – eine direkte Temperaturmessung am Hodensack während Infrarotanwendungen wurde in der verfügbaren Literatur allerdings nicht gefunden. Die Empfehlung, Infrarotkabinen als vermeintlich "sanftere" Alternative unbegrenzt zu nutzen, ist daher nicht durch Daten gedeckt; sie beruht auf der Übertragung der Befunde zu klassischer Sauna und allgemeiner Testishyperthermie (nicht sicher belegt für Infrarot spezifisch). Bis belastbare Humandaten vorliegen, ist eine vergleichbar zurückhaltende Nutzung wie bei der klassischen Sauna die vorsichtigere Annahme. Infrarotkabinen werden zwar häufig mit niedrigeren Lufttemperaturen betrieben (üblicherweise etwa 45-65°C gegenüber 80-100°C bei der klassischen Sauna), doch dieser Unterschied betrifft primär die Raumluft und nicht zwangsläufig die tatsächliche Gewebetemperatur, da Infrarotstrahlung anders als heiße Luft direkt in tiefere Hautschichten und das subkutane Gewebe eindringt und dort Wärme erzeugt. Anwenderinnen und Anwender berichten subjektiv oft von einem intensiven Schwitzen bereits bei moderaten Lufttemperaturen, was für einen relevanten Anstieg der Körperkerntemperatur spricht – für eine verlässliche vergleichende Risikoeinschätzung gegenüber der klassischen Sauna fehlt jedoch weiterhin eine direkte Messung am Hodensack.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Infrarotkabine (regelmäßig)-niedrignicht_quantifiziert (keine direkten Humanstudien, Extrapolation aus Sauna-/Hitzestressforschung)Mieusset & Bujan (1994), Int J Androl (physiologische Grundlage)

Dampfbad / Hamam

− negativ Evidenz: niedrig
Keine spezifischen Studien vorhanden; die Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit erschwert die Hautkühlung und könnte den Hitzestress-Effekt eher verstärken.

Auch für Dampfbäder und Hamams (traditionelle orientalische Dampfbäder) existieren keine spezifisch darauf ausgerichteten Studien zur Spermienqualität. Konzeptionell lassen sich Dampfbäder am ehesten der Kategorie der "feuchten Hitzeexposition" zuordnen, wie sie in der Forschung zu Whirlpools und heißen Bädern beschrieben wird: Der Körper – und damit auch der Hodensack – ist über einen längeren Zeitraum einer Umgebungstemperatur ausgesetzt, die über der normalen Skrotaltemperatur liegt, kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit, die die Verdunstungskühlung der Haut zusätzlich einschränkt. Diese Kombination aus Wärme und eingeschränkter Kühlungsfähigkeit der Haut könnte den hyperthermischen Effekt auf den Hodensack im Vergleich zu trockener Sauna eher verstärken als abschwächen, was jedoch bislang nicht direkt gemessen wurde (nicht sicher belegt). Die Aufenthaltsdauer in Hamams ist zudem oft länger als in einer klassischen Sauna (teils 30-60 Minuten statt 10-15 Minuten je Durchgang), was die kumulative Hitzedosis auf das Skrotum potenziell erhöht. Mangels direkter Studien bleibt die Bewertung auf Analogieschlüssen aus der Sauna- und Warmwasserforschung angewiesen; eine eigenständige, belastbare Risikoeinschätzung für Hamam-Besuche ist derzeit nicht möglich. Hinzu kommt, dass Hamam-Besuche in vielen Kulturen traditionell mit begleitenden Praktiken wie Peeling, Massage und mehrfachem Wechsel zwischen unterschiedlich temperierten Räumen verbunden sind, was die tatsächliche kumulative Wärmedosis für den Hodensack im Vergleich zu einer einzelnen, klar definierten Saunasitzung schwerer abschätzbar macht.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Dampfbad / Hamam (regelmäßig, >30 Min.)-niedrignicht_quantifiziert (keine direkten Studien, Analogieschluss)Shefi et al. (2007), Int Braz J Urol (Konzept der "feuchten Hitze")

Thermalbad / heiße Quellen

− negativ Evidenz: niedrig
Wassertemperaturen über Körpertemperatur bei längerem Aufenthalt fallen unter dieselbe 'Nasswärme'-Kategorie wie Whirlpools; eigenständige Studien fehlen.

Thermalbäder und natürliche heiße Quellen erreichen je nach Anlage Wassertemperaturen von 34°C bis über 40°C und werden damit physiologisch am ehesten mit Whirlpools und heißen Bädern vergleichbar, für die eine etwas breitere Datenlage existiert (siehe nächster Abschnitt). Die entscheidende Variable ist auch hier die Kombination aus Wassertemperatur und Aufenthaltsdauer: Als "problematische" Nasswärme-Exposition wurde in der Forschung eine Immersion des Körpers in Wasser, das wärmer als die Körpertemperatur ist, für mindestens 30 Minuten pro Woche über wenigstens drei Monate definiert (Shefi et al., 2007). Viele Thermalbadbesuche – etwa ein sonntäglicher Wellness-Ausflug mit 20-30 Minuten im 36-38°C warmen Becken – dürften unterhalb dieser Schwelle liegen, während regelmäßige, längere Aufenthalte in heißen Quellen mit Temperaturen über 38-39°C (wie sie in manchen Thermalregionen üblich sind) das kritische Expositionsmaß eher erreichen oder überschreiten können. Separate Studien speziell zu Thermalquellen fehlen; die Einschätzung stützt sich auf die Übertragung der Whirlpool-/Warmbadedaten und die allgemeine Temperatur-Spermatogenese-Beziehung. Für Männer mit aktuellem Kinderwunsch oder bereits grenzwertigem Spermiogramm ist bei häufigen, langen und sehr heißen Thermalbad-Aufenthalten dieselbe Zurückhaltung sinnvoll wie bei Whirlpools. Ein zusätzlicher, praktisch relevanter Aspekt ist, dass viele Thermalanlagen aus kreislaufmedizinischen Gründen ohnehin nur begrenzte Aufenthaltszeiten im heißesten Becken empfehlen (häufig 15-20 Minuten mit anschließender Abkühlphase), was die kumulative Hitzedosis für den Hodensack im Vergleich zu einem ununterbrochenen, längeren Saunagang tendenziell begrenzt – ein Effekt, der die Selbstregulation durch übliche Badeetikette eher günstig erscheinen lässt, aber nicht eigens am Hodensack nachgemessen wurde.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Thermalbad / heiße Quellen (regelmäßig, >38°C, >30 Min./Woche)-niedrignicht_quantifiziert (Analogieschluss aus Whirlpool-Daten)Shefi et al. (2007), Int Braz J Urol

Whirlpool / Jacuzzi (heißes Wasser)

− negativ Evidenz: niedrig
Regelmäßige Nutzung von heißem Wasser über Körpertemperatur (>30 Min./Woche, >3 Monate) ist mit reduzierter Spermienqualität assoziiert; nach Beendigung oft deutliche Erholung.

Für Whirlpools und Jacuzzis liegt mit der 2007 an der University of California San Francisco durchgeführten Studie eine der prägnantesten – wenn auch kleinen – Arbeiten des gesamten Clusters vor. Untersucht wurden elf unfruchtbare Männer (Durchschnittsalter 36,5 Jahre) mit anamnestisch regelmäßiger "Nasswärme"-Exposition, definiert als Eintauchen des Körpers in Whirlpool, Jacuzzi oder heißes Bad bei einer Temperatur über der Körpertemperatur für mindestens 30 Minuten pro Woche über wenigstens drei Monate. Nach Beendigung dieser Gewohnheit zeigten fünf der elf Männer (45 %) eine deutliche Verbesserung: Die Gesamtzahl beweglicher Spermien stieg im Mittel um 491 %, wobei der Anteil beweglicher Spermien von durchschnittlich 12 % auf 34 % zunahm. Die sechs Männer ohne Besserung unterschieden sich von den Respondern vor allem durch einen deutlich höheren Tabakkonsum (im Mittel 5,6 Packungsjahre gegenüber 0,11 bei den Respondern), was auf ein Zusammenspiel mehrerer schädigender Faktoren hindeutet (Shefi et al., 2007). Eine neuere, deutlich größere epigenetische Kohortenstudie (144 Männer aus der allgemeinen Bevölkerung, nicht selektiert nach Fertilitätsstatus) fand, dass kürzlich zurückliegende Nutzung von heißem Bad, Whirlpool oder Sauna in den letzten drei bis fünf Tagen vor der Probenabgabe mit niedrigerer Spermienkonzentration und niedrigerer Gesamtspermienzahl assoziiert war, zusätzlich zu nachweisbaren Veränderungen der DNA-Methylierung im Spermien-Genom (Hart et al., 2025). Beide Studien deuten auf einen real messbaren, bei entsprechender Disposition (z. B. Rauchen, bereits eingeschränkte Fertilität) klinisch relevanten Effekt hin, auch wenn die Stichproben für eine "hohe" Evidenzeinstufung nach strengen Kriterien zu klein bleiben. Methodisch bemerkenswert an der neueren Kohortenstudie ist, dass sie über den klassischen Endpunkt "Spermienzahl" hinausgeht und mittels genomweiter Methylierungsanalyse (Infinium MethylationEPIC v2.0 BeadChip) sieben Genabschnitte (CpG-Stellen) identifizierte, deren epigenetisches Methylierungsmuster mit kürzlich zurückliegender Whirlpool-, Sauna- oder Heißbadenutzung assoziiert war (Hart et al., 2025) – ein Hinweis darauf, dass Hitzestress nicht nur die Zahl und Beweglichkeit der Spermien, sondern möglicherweise auch deren epigenetische Programmierung verändert, mit noch unklaren Langzeitfolgen für die Nachkommen.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Whirlpool/Jacuzzi (>30 Min./Woche, >3 Monate)-niedrigstark (491% Anstieg motiler Spermien bei Respondern nach Beendigung)Shefi et al. (2007), Int Braz J Urol

Solarium (Wärmeaspekt, ohne UV-Wirkung)

? unklar Evidenz: niedrig
Keine direkten Studien zur reinen Wärmewirkung von Solarien auf die Spermienqualität; UV-Effekte sind ein separates Thema.

Solarien werden im öffentlichen Diskurs gelegentlich sowohl als vermeintlicher Testosteron-Booster (über UV-Licht) als auch als Risikofaktor für die Spermienqualität (über lokale Erwärmung) diskutiert. Für die reine Wärmekomponente – unabhängig von der UV-Strahlung, die in einem anderen Cluster behandelt wird – gibt es keine dedizierten Studien, die Hodensack- oder Skrotaltemperatur während einer Solariumsitzung direkt gemessen haben. Die Liegedauer in modernen Hochdrucksolarien beträgt meist nur 9-20 Minuten, was im Vergleich zu Sauna- oder Whirlpool-Sitzungen kurz ist; zugleich liegt der Körper meist direkt auf einer temperierten Liegefläche mit UV-Röhren in unmittelbarer Nähe zum Hodensack, wenn keine schützende Kleidung getragen wird. Ob die resultierende lokale Erwärmung ausreicht, um spermatogenetisch relevant zu sein, ist unbekannt (nicht sicher belegt). Belastbarer belegt ist hingegen, dass die mit Solariennutzung verbundene UV-Exposition der Hodenhaut das Hautkrebsrisiko erhöhen kann, was jedoch ein eigenständiges gesundheitliches Risiko und kein primärer Spermienqualitäts-Faktor ist und daher hier nicht vertieft wird. In der öffentlichen Diskussion kursiert zudem die Behauptung, gezielte "Hodenbräunung" könne den Testosteronspiegel steigern; die dafür oft angeführte, sehr alte und methodisch fragwürdige Quelle gilt in der aktuellen Fachliteratur nicht als belastbarer Beleg, und seriöse Übersichten raten explizit von dieser Praxis ab, da einem spekulativen und unbewiesenen Nutzen ein belegtes Hautkrebsrisiko am empfindlichen Hodensack gegenübersteht.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Solarium (Wärmekomponente, regelmäßig)?niedrignicht_quantifiziert (keine direkten Studien zur Wärmekomponente)Keine direkte Primärstudie identifiziert; Einordnung nach allgemeiner Hitzestress-Physiologie (Mieusset & Bujan, 1994)

Laptop auf dem Schoß (Wärmekomponente)

− negativ Evidenz: niedrig
Ein eingeschalteter Laptop direkt auf dem Schoß erhöht die Skrotaltemperatur messbar um 2,6-2,8°C, zusätzlich zur haltungsbedingten Erwärmung durch geschlossenes Sitzen.

Der Laptop auf dem Schoß ist einer der am klarsten physikalisch vermessenen Faktoren dieses Clusters, auch wenn die direkte Verbindung zu Spermienparametern in denselben Studien nicht mitgemessen wurde. Eine Arbeitsgruppe um Sheynkin maß bei jungen Männern die Skrotaltemperatur mittels Thermosensoren während der Nutzung eines eingeschalteten Laptops in typischer Sitzhaltung. Dabei stieg die Skrotaltemperatur rechtsseitig um 2,8°C und linksseitig um 2,6°C – signifikant mehr als die 2,1°C Anstieg, die allein durch die sitzende Position mit geschlossenen Oberschenkeln (ohne Laptop) verursacht wurden. Damit trägt sowohl die reine Sitzhaltung als auch die zusätzliche Wärmeabgabe des Geräts zur Skrotalerwärmung bei (Sheynkin et al., 2005). Da für eine ungestörte Spermatogenese eine Hodentemperatur benötigt wird, die 1,9-3,9°C unter der Körperkerntemperatur liegt, bewegen sich diese gemessenen Anstiege genau in dem Bereich, der laut experimentellen Hitzestress-Studien (Mieusset & Bujan, 1994) die Spermienproduktion bereits hemmen kann. In einer Folgestudie derselben Gruppe wurde untersucht, ob eine isolierende Unterlage zwischen Laptop und Oberschenkeln (z. B. ein Kissen oder eine Schutzplatte) den Temperaturanstieg abmildern kann; solche Barrieren reduzierten die Wärmeübertragung, konnten die haltungsbedingte Grunderwärmung durch das geschlossene Sitzen jedoch nicht vollständig verhindern (Sheynkin et al., 2011). Zu betonen ist: Beide Studien maßen die Skrotaltemperatur, nicht direkt die Spermienqualität – der Rückschluss auf eine tatsächliche Beeinträchtigung des Spermiogramms bei chronischer, mehrstündiger täglicher Laptopnutzung auf dem Schoß ist physiologisch plausibel, aber nicht in einer eigenen Interventionsstudie mit Spermiogrammen bestätigt. Praktisch bedeutsam ist dabei die Erkenntnis, dass zwei unabhängige Wärmequellen zusammenwirken: die reine Sitzhaltung mit eng aneinanderliegenden Oberschenkeln (die bereits für einen Großteil des gemessenen Temperaturanstiegs verantwortlich ist) und die zusätzliche Geräteabwärme. Als einfache Gegenmaßnahmen werden in der Literatur die Nutzung des Laptops auf einem Tisch statt auf dem Schoß sowie, falls dies nicht möglich ist, eine isolierende Unterlage zwischen Gerät und Oberschenkeln genannt, auch wenn Letztere laut Sheynkin und Kollegen die haltungsbedingte Grunderwärmung allein nicht vollständig kompensieren kann (Sheynkin et al., 2011).

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Laptop direkt auf dem Schoß (täglich, mehrere Stunden)-niedrignicht_quantifiziert (Temperaturanstieg von 2,6-2,8°C dokumentiert, Effekt auf Spermiogramm extrapoliert)Sheynkin et al. (2005), Hum Reprod

Enge Unterwäsche / eng anliegende Hosen

− negativ Evidenz: niedrig
Überwiegend enge Unterwäsche (Slips statt Boxershorts) ist in der bislang größten Studie mit niedrigerer Spermienkonzentration assoziiert, ältere Studien fanden jedoch keinen Effekt.

Die "Boxershorts-oder-Slip"-Frage ist einer der wenigen Faktoren dieses Clusters mit einer wirklich großen Studie, deren Ergebnis allerdings älteren, kleineren Arbeiten widerspricht. Die bislang größte Untersuchung analysierte 656 Männer mit 1.186 Samenproben aus einem Fertilitätszentrum und erfasste zusätzlich zu klassischen Spermiogrammparametern reproduktive Hormone und Spermien-DNA-Schäden. Männer, die überwiegend Boxershorts trugen (53 % der Teilnehmer), hatten eine 25 % höhere Spermienkonzentration, eine 17 % höhere Gesamtspermienzahl und eine 33 % höhere Zahl beweglicher Spermien pro Ejakulat als Männer, die überwiegend eng anliegende Unterwäsche (Slips, Boxerbriefs, "Jockeys") trugen. Zudem war der follikelstimulierende Hormonspiegel (FSH) bei Boxershorts-Trägern 14 % niedriger – ein Hinweis darauf, dass der Körper bei eng anliegender Unterwäsche kompensatorisch stärker zur Spermienproduktion angeregt werden muss, was auf eine tatsächliche Beeinträchtigung der Hodenfunktion hindeutet (Mínguez-Alarcón et al., 2018). Diese Befunde stehen jedoch im Widerspruch zu einer älteren, ebenfalls nicht kleinen Studie an 97 subfertilen Männern, die weder Unterschiede in der Skrotaltemperatur noch in Spermienkonzentration, -beweglichkeit oder -morphologie zwischen Boxershorts- und Slip-Trägern fand und vor einer "übertriebenen" Darstellung des Hyperthermie-Effekts warnte (Munkelwitz & Gilbert, 1998). Ein aktuelles narratives Review versucht, diese widersprüchliche Literatur einzuordnen: Es bestätigt eine physiologisch nachweisbare Skrotaltemperaturerhöhung von etwa 1°C durch eng anliegende Unterwäsche, verweist aber auch auf eine Kohortenstudie, die trotz unterschiedlicher Samenparameter keine signifikanten Unterschiede in der Zeit bis zur Schwangerschaft zwischen Boxershorts- und Slip-Trägern fand. Das Review kommt zu dem Schluss, dass die Wahl der Unterwäsche einen moderaten, biologisch plausiblen, aber klinisch nicht eindeutig belegten Effekt auf die Spermienproduktion hat, und empfiehlt, sie als unterstützende, nicht als evidenzbasierte Maßnahme zu betrachten (Zleczewski et al., 2026). In der Gesamtschau ist die Richtung des Effekts (locker begünstigt) plausibel, die Studienlage aber uneinheitlich genug, um sie nur als niedrige Evidenz einzustufen. Bemerkenswert ist der in der großen Studie beobachtete Hormonmechanismus: Ein kompensatorisch erhöhter FSH-Spiegel bei Trägern enger Unterwäsche gilt in der Reproduktionsmedizin als Zeichen dafür, dass die Hirnanhangdrüse die Hoden stärker zur Spermienproduktion anzutreiben versucht, weil die periphere Produktion bereits eingeschränkt ist – ein indirekter, aber biologisch plausibler Beleg dafür, dass es sich nicht nur um einen statistischen Zufallsbefund handelt, sondern um eine echte kompensatorische Gegenregulation des Körpers.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Enge Unterwäsche/Hosen (überwiegend eng vs. locker)-niedrigmoderat (25% niedrigere Spermienkonzentration bei überwiegend enger Unterwäsche)Mínguez-Alarcón et al. (2018), Hum Reprod

Beheizte Autositze

− negativ Evidenz: niedrig
90 Minuten auf einem beheizten Autositz erhöhen die Skrotaltemperatur auf bis nahe an die Körperkerntemperatur, zusätzlich zur Erwärmung durch langes Sitzen selbst.

Für beheizte Autositze existiert eine methodisch saubere, aber auf reine Temperaturmessung beschränkte Studie: 30 gesunde Männer saßen jeweils 90 Minuten auf einem beheizten bzw. einem unbeheizten Autositz, während ihre Skrotaltemperatur kontinuierlich per Sensor erfasst wurde. Auf dem beheizten Sitz stieg die durchschnittliche Skrotaltemperatur nach einer Stunde auf 37,3°C (ein Proband erreichte sogar 39,7°C), verglichen mit 36,7°C auf dem unbeheizten Sitz. Da die für eine ungestörte Spermienproduktion günstige Temperatur bei etwa 35-36°C liegt, also 1-2°C unter der Körperkerntemperatur, bewegte sich die gemessene Skrotaltemperatur mit beheiztem Sitz bereits nahe an der Körperkerntemperatur selbst – ein Bereich, der nach den experimentellen Hitzestress-Daten die Spermatogenese beeinträchtigen kann (Jung et al., 2008). Die Autoren betonen, dass die häufige Nutzung beheizter Autositze einen zusätzlichen Hitzestressfaktor zu der ohnehin schon durch langes Sitzen verursachten Skrotalerwärmung darstellt – Vielfahrer und Pendler mit langen, beheizten Autofahrten summieren damit potenziell zwei sich addierende Wärmequellen. Eine direkte Erhebung von Spermiogrammparametern nach chronischer Nutzung beheizter Sitze wurde bislang nicht durchgeführt; der Rückschluss auf die Spermienqualität bleibt daher eine plausible, aber nicht unmittelbar bewiesene Extrapolation aus den gemessenen Temperaturwerten. Diese Einschätzung wird jedoch durch die arbeitsmedizinische Literatur zu Berufskraftfahrern gestützt: Bereits eine tägliche Fahrzeit von mehr als drei Stunden ist unabhängig von einer Sitzheizung mit einer signifikant verlängerten Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin assoziiert, was auf die Kombination aus anhaltender Sitzhaltung, eingeschränkter Luftzirkulation im Genitalbereich und – bei entsprechender Ausstattung – zusätzlicher Sitzheizung zurückgeführt wird (Thonneau & Mieusset, 1998). Für Vielfahrer mit beheizten Sitzen könnten sich diese beiden Effekte demnach addieren.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Beheizte Autositze (regelmäßig, >60 Min. am Stück)-niedrignicht_quantifiziert (Temperaturanstieg auf bis zu 37,3°C/39,7°C dokumentiert, kein direkter Spermiogramm-Endpunkt)Jung et al. (2008), Fertil Steril

Fieber / fieberhafte Erkrankung

− negativ Evidenz: hoch
Fieber während der Spermatogenese senkt Spermienkonzentration und -beweglichkeit deutlich und erhöht die DNA-Fragmentierung; die Erholung dauert 10-12 Wochen.

Fieber ist der Faktor dieses Clusters mit der konsistentesten und am besten reproduzierten Wirkung – und zugleich ein anschauliches Beispiel dafür, dass nicht nur äußere, sondern auch körpereigene Wärme die Spermatogenese empfindlich stört. In einer klassischen dänischen Längsschnittstudie gaben 27 gesunde Männer über 16 Monate monatlich Samenproben ab und führten parallel ein tägliches Fiebertagebuch. Fieber während der meiotischen Phase der Spermatogenese senkte die Spermienkonzentration im Mittel um 32,6 %, Fieber während der postmeiotischen Phase (Spermiogenese) um 35,0 %; pro zusätzlichem Fiebertag sank die Konzentration in diesen Phasen um weitere 7,1 % bzw. 8,5 %. Auch der Anteil morphologisch normal geformter Spermien sank (-7,4 % nach Fieber während der Spermiogenese, mit -1,6 % pro Fiebertag), während der Anteil unbeweglicher Spermien um 20,4 % anstieg (Carlsen et al., 2003). Eine Fallstudie an einem fertilen Probanden mit zweitägigem Fieber von 39-40°C lieferte ergänzend detaillierte Verlaufsdaten: Die Gesamtspermienzahl war an den Tagen 15, 37 und 58 nach dem Fieber signifikant reduziert und normalisierte sich erst an Tag 79; die Beweglichkeit war an den Tagen 15 und 37 vermindert und erholte sich bis Tag 58. Besonders auffällig war der Anstieg des DNA-Fragmentierungsindex um 24 % (Tag 15) bzw. 36 % (Tag 37), der sich erst nach rund zwei bis drei Monaten wieder normalisierte (Sepaniak et al., 2007). Dieses Muster – deutliche, aber über zwei bis drei Monate vollständig reversible Beeinträchtigung von Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Integrität – ist über verschiedene Studienkohorten und fiebererregende Erkrankungen hinweg (einschließlich neuerer Untersuchungen im Kontext von COVID-19-Infektionen mit hohem Fieber) auffallend konsistent reproduziert worden, weshalb Fachleute in der Praxis dazu raten, ein Spermiogramm frühestens zehn bis zwölf Wochen nach einer fieberhaften Erkrankung durchzuführen, um ein durch Fieber verzerrtes, zu niedriges Ergebnis zu vermeiden. Auch während der COVID-19-Pandemie wurde dieses Muster an deutlich größeren Kohorten erneut bestätigt: Mehrere Untersuchungen an SARS-CoV-2-infizierten Männern fanden vorübergehend reduzierte Spermienparameter, wobei fieberhafte Krankheitsverläufe als ein zentraler, wenn nicht sogar der wesentliche Treiber der beobachteten Verschlechterung diskutiert werden – nicht notwendigerweise das Virus selbst. Diese Konvergenz unabhängiger Krankheitsmodelle (saisonale Infekte in Dänemark in den 1990er-Jahren, ein einzelner hochfiebriger Infekt in Frankreich, großangelegte COVID-19-Kohorten weltweit) ist ein wesentlicher Grund, warum der Fieber-Effekt im Vergleich zu den meisten anderen Faktoren dieses Clusters als vergleichsweise gut abgesichert gelten kann.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Fieber >38,5°C über mehrere Tage (letzte 3 Monate)-hochstark (32,6-35,0% niedrigere Spermienkonzentration, reversibel nach 10-12 Wochen)Carlsen et al. (2003), Hum Reprod

Chlorwasser / Schwimmbad

− negativ Evidenz: niedrig
Häufiger Besuch chlorierter Hallenbäder in der Kindheit ist mit niedrigeren Testosteron- und Inhibin-B-Spiegeln im Jugendalter assoziiert; die reine Wassertemperatur ist meist kühlend, nicht erwärmend.

Bei chlorierten Schwimmbädern muss zwischen zwei unterschiedlichen Wirkmechanismen unterschieden werden: der reinen Wärmeexposition (meist gering, da Schwimmbadwasser oft kühler als Körpertemperatur ist) und der chemischen Exposition gegenüber Chlorierungsnebenprodukten, die über die durchlässige Skrotalhaut und beim Schwimmen auch über Inhalation aufgenommen werden können. Eine belgische Studie an 361 männlichen Jugendlichen (14-18 Jahre) verglich diejenigen, die in der Kindheit überwiegend chlorierte Hallenbäder besucht hatten, mit solchen, die Bäder mit Kupfer-Silber-Ionisierung statt Chlorung nutzten. Der kumulative Besuch chlorierter Hallenbäder in der Kindheit war stark invers assoziiert mit den Serumspiegeln von Inhibin B und Gesamttestosteron im Jugendalter – Jungen mit hoher Chlorbad-Exposition hatten um rund 20 % niedrigere Inhibin-B- und Testosteronwerte als Jungen aus kupfer-silber-ionisierten Bädern (Nickmilder & Bernard, 2011). Inhibin B gilt als indirekter Marker der Sertolizellfunktion und damit der Spermatogenesekapazität, wurde in dieser Studie jedoch nicht direkt mit einem Spermiogramm bei Erwachsenen verknüpft; zudem handelt es sich um eine einzelne Beobachtungsstudie an Jugendlichen, deren Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die akute Wirkung von Schwimmbadbesuchen bei erwachsenen Männern übertragbar sind. Andere Untersuchungen zu Desinfektionsnebenprodukten im Trinkwasser fanden dagegen keine konsistente Assoziation mit Spermienparametern bei erwachsenen Männern, was die Datenlage insgesamt uneinheitlich macht. Die Wärmekomponente selbst dürfte bei normal temperiertem Schwimmbadwasser (meist 26-28°C) eher kühlend als erwärmend auf den Hodensack wirken und ist damit kein Hitzestressfaktor im engeren Sinne. Anders zu bewerten wäre ein beheiztes Schwimmerbecken oder Therapiebecken mit Temperaturen über 32-34°C, das eher der Kategorie Whirlpool/Thermalbad zuzuordnen wäre – hierzu liegen jedoch keine eigenen Chlorwasser-spezifischen Daten vor. Insgesamt betrifft die belegte Wirkung bei Schwimmbädern also primär eine chemische, nicht eine thermische Belastung, was diesen Faktor von den übrigen, rein temperaturbasierten Faktoren dieses Clusters unterscheidet.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Chloriertes Schwimmbad (häufig, seit Kindheit)-niedrigmoderat (ca. 20% niedrigere Inhibin-B-/Testosteronspiegel im Jugendalter)Nickmilder & Bernard (2011), Int J Androl

Salzwasser / Meerwasser

0 kein Effekt Evidenz: niedrig
Keine direkten Studien vorhanden; Meerwasser ist meist kühler als Körpertemperatur, sodass eher ein neutraler bis leicht kühlender als ein schädlicher Wärmeeffekt zu erwarten wäre.

Zu Salzwasser bzw. Meerwasser und Spermienqualität konnte keine direkte Studie identifiziert werden. Physiologisch betrachtet ist Meerwasser meist deutlich kühler als die Körpertemperatur (je nach Region und Jahreszeit oft zwischen 12°C und 26°C), sodass ein Aufenthalt im Meer – anders als Whirlpool, Thermalbad oder Sauna – eher zu einer Abkühlung als zu einer Erwärmung des Hodensacks führen dürfte und damit tendenziell eher günstig als ungünstig für die Spermienproduktion wäre, sofern man die Temperaturkomponente isoliert betrachtet. Ein möglicher zusätzlicher Aspekt ist der hohe Salzgehalt, der theoretisch osmotische Effekte auf die empfindliche Skrotalhaut haben könnte; hierzu liegen jedoch keinerlei Humandaten vor. Mangels jeglicher direkter Studienlage lässt sich weder eine positive noch eine negative Wirkung von Meerwasserexposition auf die Spermienqualität belegen; die plausibelste Einschätzung ist ein neutraler bis allenfalls leicht günstiger (kühlender) Effekt (nicht sicher belegt). Auch indirekte Hinweise, etwa aus bevölkerungsbezogenen Studien zu Küstenregionen mit hoher Meerwassernutzung, wurden im Rahmen dieser Recherche nicht gefunden; dieser Faktor bleibt damit eine der größten Wissenslücken innerhalb des gesamten Clusters und eignet sich in einem Rechner allenfalls als neutral zu bewertende Angabe ohne belastbaren Vorhersagewert.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Salzwasser/Meerwasser (Baden)0niedrignicht_quantifiziert (keine direkten Studien; physiologische Plausibilität für neutralen bis kühlenden Effekt)Keine direkte Primärstudie identifiziert; Einordnung nach Temperaturphysiologie

Kaltes Wasser, Eisbaden und Kaltduschen (Hodenkühlung)

? unklar Evidenz: niedrig
Gezielte, moderate lokale Hodenkühlung verbessert nachweislich die Spermiendichte; für Ganzkörper-Kälteexposition wie Eisbaden fehlen direkte Humanstudien zu Spermienparametern fast vollständig.

Dieser Faktor ist deshalb besonders interessant, weil er zwei physiologisch unterschiedliche Fragen vermischt, die in der öffentlichen Diskussion oft nicht sauber getrennt werden: gezielte, lokale Kühlung des Hodensacks einerseits und allgemeine Ganzkörper-Kälteexposition (Eisbad, kalte Dusche) andererseits. Für die gezielte lokale Hodenkühlung liegt eine kontrollierte Interventionsstudie der Universität Gießen vor: 20 unfruchtbare Männer mit eingeschränktem Spermiogramm und Vorgeschichte eines Hodenhochstands trugen über acht bis zwölf Wochen nachts eine Vorrichtung, die über einen Luftstrom im Leistenbereich die Skrotaltemperatur um im Median 0,8°C senkte. Nach acht Wochen hatte sich die Spermiendichte verdoppelt (von 23,9 auf 38,0 Millionen/ml), nach zwölf Wochen betrug sie 39,6 Millionen/ml; Beweglichkeit und Morphologie veränderten sich dabei nicht signifikant (Jung et al., 2005). Eine frühere Arbeit derselben Forschungsgruppe zu nächtlicher Skrotalkühlung kombiniert mit Verhaltensänderungen (Vermeidung von Sauna, engen Hosen etc.) fand ähnlich günstige Effekte bei Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie (Jung et al., 2001). Diese Befunde sprechen für einen klar positiven Effekt gezielter, moderater lokaler Kühlung auf die Spermienzahl. Ganz anders sieht die Datenlage für Ganzkörper-Kälteexposition wie Eisbaden oder kalte Duschen aus: Hier fehlen direkte Studien zu Spermienparametern beim Menschen fast vollständig, und die verfügbare Forschung konzentriert sich überwiegend auf Testosteron und allgemeine Stressmarker mit widersprüchlichen Ergebnissen. Eine Studie an Winterschwimmern fand nach einer vollen Wintersaison einen leichten Anstieg der Testosteronkonzentration im Vergleich zu einer inaktiven Kontrollgruppe, allerdings bei nur 10 Probanden (Teległów & Maciejczyk, 2024). Andere Untersuchungen zu kurzfristiger Kälteexposition (etwa bei arktischer Kälte) fanden dagegen keinen signifikanten Testosteronanstieg oder sogar eine durch Kälte supprimierte LH-Ausschüttung. Insgesamt ist plausibel, dass kurze, moderate Kälteexposition des Hodensacks selbst (z. B. kalt duschen mit gezieltem Abkühlen des Genitalbereichs) der Spermienproduktion analog zur nächtlichen Kühlung eher zuträglich sein könnte, während die Wirkung von Ganzkörper-Eisbädern auf Hormone und Spermienqualität beim Menschen schlicht nicht ausreichend erforscht ist – eine typische Lücke, in der die physiologische Plausibilität der direkten Studienlage vorauseilt. Auch die populäre Vorstellung, dass regelmäßiges Eisbaden oder Kaltduschen den Testosteronspiegel spürbar steigert, findet in der verfügbaren Forschung keine einheitliche Bestätigung: Während die genannte Winterschwimm-Studie einen leichten Anstieg beschreibt, fanden andere Arbeiten zu kurzzeitiger Kälteexposition keinen signifikanten Unterschied oder sogar eine durch verminderte LH-Ausschüttung erklärte Suppression. Für die praktische Einordnung bedeutet das: Wer gezielt und moderat die Genitalregion kühlt (etwa kurzes kaltes Abduschen des Hodensacks), bewegt sich im physiologisch plausiblen Bereich der positiven Kühlungseffekte; wer dagegen von Ganzkörper-Eisbädern eine nachgewiesene Verbesserung der Spermienqualität erwartet, überschätzt die aktuelle Beweislage.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Kaltes Wasser/Eisbaden/Kaltduschen (regelmäßig)?niedrignicht_quantifiziert (gezielte lokale Kühlung: stark positiv belegt/+100% Spermiendichte; Ganzkörper-Kälte: kaum Humandaten zu Spermienparametern)Jung et al. (2005), Int J Androl

Varikozele-bedingte lokale Erwärmung (kurz)

− negativ Evidenz: hoch
Eine Varikozele stört die Kühlfunktion des Plexus pampiniformis und führt zu lokaler Hodenüberwärmung, die mit verschlechterter Spermatogenese korreliert (ausführliche Behandlung der Varikozele in anderem Cluster).

Die Varikozele – eine Krampfadererweiterung des Plexus pampiniformis im Samenstrang, meist linksseitig – wird ausführlich in einem anderen Themencluster zu anatomischen und urologischen Faktoren behandelt. An dieser Stelle sei nur der Temperaturmechanismus kurz eingeordnet, da er direkt zum roten Faden dieses Clusters gehört: Der Plexus pampiniformis fungiert normalerweise als Gegenstromwärmetauscher, der das warme arterielle Blut auf dem Weg zum Hoden kühlt. Bei einer Varikozele führt der gestaute, zurückfließende venöse Blutstrom zu einer lokalen Überwärmung des betroffenen Hodens. Eine aktuelle japanische Fallstudie mit chronologischer Messung der Skrotalhauttemperatur bei zwei Patienten mit linksseitiger Varikozele zeigte eine bilaterale Erhöhung der intratestikulären Temperatur, die eng mit einer messbaren Verschlechterung der Spermatogenese korrelierte (Kaizuka et al., 2025). Größere Untersuchungen bestätigen einen signifikant erhöhten 24-Stunden-Mittelwert der Skrotaltemperatur bei Männern mit Varikozele im Vergleich zu Kontrollen, verbunden mit eingeschränkten Spermienparametern und erhöhten FSH-Spiegeln. Der zugrunde liegende Zellmechanismus scheint über oxidativen Stress und nachfolgende Apoptose der Keimzellen zu verlaufen. Da die Varikozele einen anatomisch fixierten, meist chirurgisch behandelbaren lokalen Wärmefaktor darstellt statt eines vermeidbaren Verhaltensfaktors, wird sie hier nur als Beleg für den generellen Zusammenhang zwischen Skrotaltemperatur und Spermatogenese angeführt; die klinische Einordnung und Behandlungsoptionen finden sich im entsprechenden anderen Cluster.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Varikozele (diagnostiziert)-hochnicht_quantifiziert (in diesem Cluster nur kurz behandelt, ausführlich in anderem Cluster)Kaizuka et al. (2025), Cureus

Quellen

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