Schlafapnoe und nächtlicher Sauerstoffmangel · Kapitel 9 von 20 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Interventionsstudien: CPAP, Operation, Mundschiene bis Tierversuche und Zellstudien

Interventionsstudien: CPAP, Operation, Mundschiene

Die Interventionsstudien sind überwiegend klein, kurz und ohne Placebo- oder Scheinkontrolle; Fragebogenendpunkte sind für Erwartungseffekte anfällig.

CPAP und Hormone. Meston und Kollegen (2003) führten die größte Sham-kontrollierte Studie durch (101 Männer, ein Monat nasales CPAP): Testosteron und SHBG waren anfangs negativ mit dem Schweregrad korreliert; aktive Behandlung erhöhte SHBG und senkte TSH (p ≤ 0,03), ein Testosteroneffekt wird im Abstract nicht genannt; die Autoren deuten die SHBG-Unterdrückung als Hinweis auf sekundären Hypogonadismus [s177]. Macrea und Kollegen (2010) verfolgten 14 Erwachsene (10 nach 11 bis 39 Monaten CPAP mit objektiven Nutzungsdaten): Nur Prolaktin änderte sich signifikant, nicht FSH, LH, Testosteron, Cortisol und Leptin [s157]. Vlková und Kollegen (2014) sahen nach einer Nacht mit CPAP keine Änderung der Speichel-Sexualhormone [s135]. Knapp und Kollegen (2014) untersuchten 27 Männer mit Typ-2-Diabetes und Schlafapnoe nach drei Monaten CPAP: Gesamt- und freies Testosteron (12,7 ± 4,5 nmol/l bzw. 0,26 ± 0,07 pmol/l; die Einheit des freien Testosterons ist so im Bericht angegeben) und der SHIM blieben unverändert (p > 0,20), der ADAM-Score sank von 6,2 ± 2,1 auf 5,0 ± 2,6 (p = 0,015) [s131]. Celec und Kollegen (2014) fanden bei 67 Männern und 22 Frauen mit schwerer Schlafapnoe nach einem und sechs Monaten CPAP keinen Effekt auf Testosteron oder Östradiol (keine Kontrollgruppe, Adhärenz im Abstract nicht genannt) [s129]. Zhang und Kollegen (2016; 207 Männer) sahen nach drei Monaten CPAP bei 53 Männern mit schwerer Schlafapnoe keine Änderung der Sexualhormone, aber eine Verbesserung des IIEF-5 (18,21 ± 4,05 und 19,21 ± 3,86; p = 0,001; Reihenfolge wie im Abstract) [s123]; im Querschnittsteil hatten Männer mit schwerer Schlafapnoe ein niedrigeres Testosteron (14,06 ± 5,62 gegenüber 17,02 ± 4,68; p = 0,018; Einheit im Abstract nicht genannt) und einen niedrigeren IIEF-5 (16,33 ± 6,50 gegenüber 24,09 ± 1,94) als einfache Schnarcher, die Erektionsstörung hatte bei 60,6 Prozent aller und 72,2 Prozent der Männer mit schwerer Schlafapnoe bestanden. Li und Kollegen (2016) fanden bei 153 Männern mit Schlafapnoe und 60 Kontrollen erektile Dysfunktion in 47,1 gegenüber 13,3 Prozent; bei 32 Männern mit schwerer Schlafapnoe und Dysfunktion stiegen nach einem Monat CPAP IIEF-5, FSH, LH und Testosteron (p < 0,05), ohne Kontrollgruppe und ohne Angabe absoluter Werte [s118]; das widerspricht [s137, s123]. Grewe und Kollegen (2026) werteten zwei randomisierte Zwei-Wochen-Studien zum CPAP-Entzug aus (70 Patienten, 58 Männer; Voraussetzung mindestens ein Jahr adhärente CPAP): Das Absetzen ließ die Apnoe wiederkehren (AHI +31,8/h; 22,8 bis 40,6), aber Testosteron, Androstendion, Gestagene, DHEA-S, LH und FSH änderten sich nicht signifikant; DHEA stieg (0,86 ng/ml; 0,17 bis 1,56) [s11]. Der Zeitraum von zwei Wochen ist kurz, und in einer der beiden Studien fehlten einzelne Hormone. Madaeva und Kollegen (2017) berichteten bei 69 Männern mit altersbedingtem Androgenmangel (34 mit CPAP über zwei Monate, 24 Kontrollen, nicht randomisiert) eine Normalisierung des nächtlichen Erektionsmusters und einen nicht signifikanten Testosteronanstieg [s107]; in einer zweiten Arbeit (26 Männer, CPAP gegenüber CPAP plus Testosterongel 50 mg täglich, zwei Monate) verdoppelte sich unter der Kombination das Gesamttestosteron (p < 0,05), und nächtliche Erektionsparameter besserten sich gegenüber CPAP allein, während sich die Polysomnographie in keiner Gruppe änderte [s108]. Dass ein Testosterongel den Testosteronwert erhöht, ist erwartbar und sagt nichts über die körpereigene Bildung unter CPAP. Zhuravlev und Kollegen beschrieben in zwei Veröffentlichungen derselben Patientengruppe (72 Patienten, davon 32 mit erektiler Dysfunktion; 24 davon mit Testosteron unter 12 nmol/l) eine Pilotserie ohne Randomisierung [s164, s162]: Von 8 Männern mit normalem Testosteron besserten sich unter Vardenafil allein 6 (75 Prozent); von 24 Männern mit Hypogonadismus hatten 5 unter CPAP plus Testosteronundecanoat plus Vardenafil nach drei Monaten eine normale Erektionsfunktion, 8 von 19 (42 Prozent) besserten sich unter Vardenafil allein. Die Wirkungen der drei Maßnahmen sind nicht trennbar.

CPAP, Mundschiene und Operation, Sexualfunktion. Hoekema und Kollegen (2007) verglichen randomisiert ein Mundstück (20 Abschlüsse) mit CPAP (27): Nach zwei bis drei Monaten änderten sich GRISS und Testosteron nicht signifikant [s166]. Husnu und Kollegen (2015) fanden bei 62 Männern mit Schlafapnoe und 28 ohne einen nicht signifikant niedrigeren IIEF-5 und nach drei Monaten CPAP einen Anstieg von 16,63 ± 5,91 auf 20,92 ± 6,79 (p = 0,001), ohne Kontrollgruppe für die CPAP-Phase [s127]. Melehan und Kollegen (2018) randomisierten 61 Männer mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe und erektiler Dysfunktion in einer 2x2-Studie (zwölf Wochen CPAP oder Sham-CPAP, Vardenafil oder Placebo): CPAP änderte den primären Endpunkt Erektionsfunktion nicht, erhöhte schlafbezogene Erektionen und Gesamtzufriedenheit sowie die arterielle Steifigkeit; bei adhärenter Nutzung besserten sich Erektionsfunktion und Verlangen [s96]. Pascual und Kollegen (2018) rekrutierten 150 Männer mit neu diagnostizierter mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe (Prävalenz der Dysfunktion 51 Prozent) und randomisierten 75 Männer mit Dysfunktion in einer offenen, parallelen Studie auf drei Monate CPAP gegenüber einem im Abstract nicht näher benannten Vergleichsarm: Zwischen den Armen unterschied sich nur die sexuelle Zufriedenheit (p = 0,027), die Erektionsfunktion nicht signifikant (p = 0,060); hormonelle Profile blieben unverändert [s99]. Taskin und Kollegen (2010) randomisierten 40 Patienten mit schwerer Schlafapnoe auf CPAP oder ein Antidepressivum: Nach einem Monat stieg der IIEF-5 von 15,71 ± 5,12 auf 19,06 ± 3,94; Ergebnisse der Kontrollgruppe nennt der Abstract nicht [s158]. Li und Kollegen (2004; chinesisch) randomisierten 27 Patienten (15 nasales CPAP, 12 Kontrollen) für einen Monat; der Abstract nennt keine Zahlen und enthält eine widersprüchliche p-Angabe [s172]. Coban und Kollegen (2020) fanden bei 54 Männern mit schwerer Schlafapnoe nach drei Monaten CPAP (ohne Kontrollgruppe) einen Anstieg des IIEF-15-Gesamtwerts von 22,68 ± 8,65 auf 24,27 ± 7,58 (p = 0,014), also um 1,59 Punkte (Rechnung aus den berichteten Mittelwerten), und Verbesserungen von Prostatasymptomen und Nykturie [s74]. Kim und Kollegen (2024) berichten bei 87 Männern drei Monate nach CPAP-Beginn eine signifikante Verbesserung des IIEF ohne Korrelation mit der Nutzungsdauer; Zahlen fehlen [s35]. Chorvoz und Kollegen (2026) fanden bei 54 Paaren nach zwei Monaten CPAP bessere Partnerschaftsanpassung (Dyadic Adjustment Scale +1 bei Partnern, +2 bei Patienten), stabil nach sechs Monaten, und ähnliche Tendenz bei sexueller Zufriedenheit [s08]. Dasdemir Ilkhan und Kollegen (2021) verfolgten 247 Männer mit vorzeitigem Samenerguss: Der Arabic Index of Premature Ejaculation (AIPE) lag bei Kontrollen bei 26,18 ± 3,88, bei mittelschwerer Schlafapnoe bei 18,71 ± 3,43 und bei schwerer bei 17,85 ± 3,83; nach einem Jahr CPAP stieg er auf 23,25 und 24,18 [s63]; die Studie betrifft die Ejakulation, nicht die Samenqualität. İrer und Kollegen (2018) sahen bei 126 Patienten Unterschiede von Prostata- und Sexualfragebögen nach Schweregrad und Verbesserungen nach drei Monaten CPAP, ohne Zahlenangaben im Abstract [s94]. Üre und Kollegen (2014; türkisch) fanden bei 25 Männern nach zwölf Wochen CPAP einen Rückgang der erektilen Dysfunktion von 84 auf 40 Prozent (21 von 25 gegenüber 10 von 25; p = 0,003) ohne Zusammenhang mit polysomnographischen Werten [s134]. Ceylan und Kollegen (2013; türkisch) beobachteten 141 Patienten, von denen nur 23 nach drei Monaten (CPAP oder Operation) erneut antworteten; der IIEF-Anstieg war signifikant (p < 0,001), 84 Prozent gingen jedoch in die Nachbeobachtung nicht ein [s139]. Khafagy und Kollegen (2012) berichten bei 80 Männern mit erektiler Dysfunktion nach drei Monaten CPAP oder Operation bessere Erektionsfunktion ohne Zahlenangaben im Abstract [s148].

Mundschiene, Operation. Zhang und Kollegen (2014; chinesisch) behandelten 40 Männer mit Schlafapnoe-bedingter Dysfunktion drei Monate mit einer Unterkieferprotrusionsschiene (37 ausgewertet): IIEF-5 stieg bei AHI über 30 stärker (3,36 ± 2,48) als bei AHI bis 30 (1,12 ± 1,27; p < 0,05), ohne Kontrollgruppe [s136]. Zhang und Kollegen (2016; chinesisch) randomisierten 90 Patienten mit schwerer Schlafapnoe auf Schiene, Tadalafil 10 mg täglich oder beides (87 ausgewertet): IIEF-5-Zunahme 2,66 ± 1,63, 2,77 ± 1,74 und 4,18 ± 1,19 (Kombination gegenüber den Einzelarmen p = 0,009 und 0,026) [s122]; es gab keinen Placeboarm. Peng und Kollegen (2022) fanden bei 48 Männern drei Monate nach transoraler Roboterchirurgie einen AHI-Rückgang von 53,10 ± 25,77 auf 31,66 ± 20,34 und einen IIEF-5-Anstieg von 20,98 ± 3,32 auf 22,17 ± 3,60 (p = 0,007), ohne Zusammenhang der IIEF-Änderung mit der AHI-Änderung [s58]. Feng und Kollegen (2022) berichten bei 135 Teilnehmenden eine Prävalenz erektiler Dysfunktion von 64,52 Prozent (schwere Schlafapnoe 73,02 Prozent); minimale und mittlere Sauerstoffsättigung sagten sie voraus, Sexualhormone waren nicht korreliert; sechs Monate nach Uvulopalatopharyngoplastik wurde eine Verbesserung berichtet, ohne Vergleichsgruppe und ohne Zahlen im Abstract [s50].

Testosteron und Atmung im Schlaf: die Gegenrichtung

Eine eigene Gruppe von Studien fragt umgekehrt, was zugeführtes Testosteron mit der Atmung im Schlaf macht. Die Befunde sind für die Gesamtstudie wichtig, weil niedriges Testosteron mit Schlafapnoe einhergeht, zugeführtes Testosteron die Atmung im Schlaf aber zumindest zeitweise verschlechtern kann.

Matsumoto und Kollegen (1985) gaben fünf hypogonadalen Männern sechs Wochen lang Testosteronenanthat (200 mg intramuskulär alle zwei Wochen) [s191]: Der hypoxische Atemantrieb sank von 158 ± 39 auf 88 ± 19 (p < 0,05); bei einem Mann entstand eine Schlafapnoe, bei einem weiteren verschlechterte sie sich deutlich, mit Sättigungsabfall, Herzrhythmusstörungen und Hämatokritanstieg; der REM-Anteil stieg von 14 ± 3 auf 22 ± 2 Prozent. Fünf Männer, keine Kontrollgruppe. Schneider und Kollegen (1986) beobachteten bei 11 hypogonadalen Männern einen Anstieg der Apnoen und Hypopnoen von 6,4 ± 2,1 auf 15,4 ± 7,0 pro Stunde (p < 0,05, stark streuend), bei unveränderter Atemwegsweite (gemessen bei vier Männern) [s190]. Stewart und Kollegen (1992) gaben acht Männern mit Schlafapnoe eine Woche lang den Androgenblocker Flutamid: kein Effekt auf Schlaf, Chemosensitivität oder Apnoe, ein nicht signifikanter Trend zu niedrigerem RDI im Nicht-REM-Schlaf (41 ± 4 gegenüber 34 ± 3; p = 0,09) [s184]. Liu und Kollegen (2003) untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden Placebo-Cross-over-Studie 17 gesunde Männer über 60 Jahre mit Testosteronestern in hoher Dosis (500, 250 und 250 mg im Wochenabstand): Die Schlafzeit war etwa eine Stunde kürzer, die Hypoxämie etwa 5 Minuten pro Nacht länger, der RDI insgesamt und im Nicht-REM-Schlaf um etwa sieben Ereignisse pro Stunde höher (alle p < 0,05); Atemwegsweite und Funktionsmaße blieben unverändert [s175]. Das war eine hohe, kurze Dosis bei gesunden älteren Männern.

Hoyos und Kollegen (2012) randomisierten 67 adipöse Männer mit schwerer Schlafapnoe unter Diät doppelblind auf 1.000 mg Testosteronundecanoat oder Placebo in den Wochen 0, 6 und 12 (18 Wochen) [s146]. Nach sieben Wochen verschlechterte Testosteron den Entsättigungsindex um 10,3 Ereignisse pro Stunde (95-%-Konfidenzintervall 0,8 bis 19,8; p = 0,03) und die Zeit mit Sättigung unter 90 Prozent um 6,1 Prozentpunkte (1,5 bis 10,6; p = 0,01); nach 18 Wochen waren beide Unterschiede nicht mehr signifikant (4,5; -5,4 bis 14,4 bzw. 2,9; -1,9 bis 7,7). Das Ausgangstestosteron beeinflusste das Ergebnis nicht (Wechselwirkungen p > 0,35). Dieselbe Studie wurde in weiteren Arbeiten ausgewertet: Nach 18 Wochen (Testosteron n = 33, Placebo n = 34; AHI 39,9 ± 17,7 pro Stunde) besserten sich Insulinsensitivität, Leberfett, Muskelmasse (1,6 kg; 0,69 bis 2,5), Augmentationsindex und respiratorischer Quotient, nicht aber Gewicht und metabolisches Syndrom [s147]. In einer Teilgruppe von 21 Männern stieg Testosteron um 5,65 nmol/l (0,51 bis 10,8), ohne signifikanten Gruppenunterschied der Chemoreflexe; nach sechs bis sieben Wochen korrelierte die Testosteronänderung mit der hyperoxischen Rekrutierungsschwelle (r = 0,55; p = 0,03), diese mit der Zeit unter 90 Prozent Sättigung (r = 0,57; p = 0,03), nach 18 Wochen nicht mehr [s140]. Testosteron steigerte das sexuelle Verlangen (p = 0,004), nicht Erektionsfunktion oder Lebensqualität; bei Ausgangswerten unter 8 nmol/l stiegen Vitalität (p = 0,004), und Niedergeschlagenheit (p = 0,002) und Nervosität (p = 0,03) sanken; die Autoren wollen diese kleinen Besserungen gegen mögliche Atemwirkungen abgewogen sehen [s119]. Zu beachten sind adipöse Männer unter Diät und breite Konfidenzintervalle; die Veröffentlichungen [s146, s147, s140, s119] sind eine einzige Studie.

Shigehara und Kollegen (2018) analysierten in einer Subanalyse der EARTH-Studie hypogonadale Männer ohne Schlafapnoe mit Schlafstörung (je 24 mit und ohne Testosteronersatz): Nach zwölf Monaten waren Schlafstörung, erektile Symptome und Verlangen unter Testosteron besser; Zahlen fehlen im Abstract, Schlafapnoe war ausgeschlossen, Aussagen zur Schlafapnoe sind daher nicht ableitbar [s101]. Cole und Kollegen (2018) verglichen in einer retrospektiven Kohorte 3.422 Männer (40 bis 64 Jahre) mit Testosteronrezept gegenüber gepaarten Kontrollen (mediane Beobachtung 17 Monate): Thromboembolien waren gleich häufig (p = 0,239), die kardiovaskuläre Ereignisfreiheit besser (p = 0,004), das Zwei-Jahres-Risiko einer Schlafapnoe-Diagnose aber höher (16,5 Prozent, 15,1 bis 18,1, gegenüber 12,7 Prozent, 11,4 bis 14,1) [s92]; Abrechnungsdaten und Erkennungsverzerrung sind möglich. Lundy und Kollegen (2020) fanden bei 474 hypogonadalen Männern unter Testosteronersatz in 13,1 Prozent eine Polyzythämie (Hämatokrit mindestens 52 Prozent); Schlafapnoe war verbunden (adjustierte OR 2,09; 1,17 bis 3,76); von 37 Männern mit Polyzythämie und Schlafapnoe hatten 52,8 Prozent eine schlechte CPAP-Compliance [s76] (retrospektive Aktenauswertung eines Behandlers).

Leitlinien

Alle Leitlinien wurden als Veröffentlichungen mit Abstract abgerufen; die Volltexte von AUA, EAU, ESHRE und AWMF wurden nicht gelesen. Bei der Leitlinie der Chinese Thoracic Society enthält der Abstract den gesamten Empfehlungstext. Dargestellt ist, was die Abstracts sagen; die Empfehlungen sind Inhalt der jeweiligen Leitlinie und keine Empfehlung dieser Studie.

Endocrine Society, Testosterontherapie bei Hypogonadismus (2018). Die Task Force aus zehn Fachleuten und einem Methodiker empfiehlt, einen Hypogonadismus nur bei Männern mit passenden Symptomen und Zeichen und eindeutig, wiederholt niedrigem Serumtestosteron zu diagnostizieren, mit nüchtern am Morgen gemessenem Gesamttestosteron als erstem Test und Bestätigung durch Wiederholung [s91]. Bei Werten nahe der unteren Normgrenze oder bei Zuständen, die SHBG verändern, soll freies Testosteron (Gleichgewichtsdialyse oder zuverlässige Formel) bestimmt werden. Gegen den Beginn einer Testosterontherapie spricht sich die Task Force bei Männern mit naher Kinderplanung und bei einer Reihe von Zuständen aus, darunter ausdrücklich „untreated severe obstructive sleep apnea“ (unbehandelte schwere obstruktive Schlafapnoe), außerdem Brust- oder Prostatakrebs, tastbarer Prostataknoten, PSA über 4 ng/ml, erhöhter Hämatokrit, schwere Symptome der unteren Harnwege, unkontrollierte Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten und Thrombophilie. Unter Therapie sollen Symptome, Nebenwirkungen, Testosteron und Hämatokrit sowie das Prostatakrebsrisiko im ersten Jahr nach einem standardisierten Plan überwacht werden. Es ist die einzige abgerufene Leitlinie, deren Abstract Schlafapnoe nennt.

AUA, Testosteronmangel (2018). Die Leitlinie einer multidisziplinären Gruppe (systematische Übersicht der Mayo Clinic, Aussagen nach Evidenzgrad A, B, C als starke, mäßige oder bedingte Empfehlungen) befasst sich mit der Beurteilung von Männern mit Testosteronmangel und der sicheren Therapie, mit Zusatzaussagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Prostatakrebs und Fertilitätserhalt; sie betont die genaue Bestimmung des Gesamttestosterons, von Symptomen und Zeichen und die Überwachung unter Therapie [s97]. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt.

AUA/ASRM, männliche Infertilität (Aktualisierung 2024). Für die Aktualisierung wurden 4.093 neue Abstracts gesichtet, 125 erfüllten die Einschlusskriterien, 22 Studien bildeten die Evidenzbasis [s34]. Neu sind überarbeitete Schwellen für Tests auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Indikationen für eine Magnetresonanztomografie des Beckens bei infertilen Männern und Hinweise zur Verwendung von Hodengewebespermien bei Männern ohne Azoospermie. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt.

EAU, männliche Infertilität (2025). Die zusammenfassende Veröffentlichung betont die gründliche urologische Abklärung aller Männer mit Fertilitätsproblemen, die parallele Abklärung der Partnerin zur gemeinsamen Entscheidung über Zeitpunkt und Strategien sowie die Beratung infertiler Männer und von Männern mit abnormen Spermienparametern über die damit verbundenen Gesundheitsrisiken [s28]. Neu sind zwei Abschnitte zu Exomsequenzierung und Probiotika und eine deutlich aktualisierte Evidenz für die Diagnostik. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt.

EAU, Messung und biochemische Bestätigung des Hypogonadismus (2026). Die Zusammenfassung der Empfehlungen betont die Messung des Gesamttestosterons nüchtern am Morgen (7 bis 10 Uhr); Immunoassays gelten als akzeptabel, wenn die Flüssigchromatografie mit Tandem-Massenspektrometrie nicht verfügbar ist; ein Wert von höchstens 12 nmol/l bleibt die empfohlene Schwelle zur Diagnose des symptomatischen Hypogonadismus; SHBG und aus Gesamttestosteron, SHBG und Albumin berechnetes freies Testosteron sollten bei Zuständen erwogen werden, die SHBG verändern, und die Daten zur breiteren Anwendung seien begrenzt [s10]. Das ist für die Schlafapnoe-Studien relevant, weil mehrere ein niedriges Gesamttestosteron bei niedrigem SHBG und erhaltenem freiem Testosteron beschreiben [s12, s23, s177]. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt.

Australische Leitlinie zur männlichen Infertilität (2025). Die ersten australischen evidenzbasierten Leitlinien empfehlen als Erstuntersuchung Anamnese, körperliche Untersuchung einschließlich Skrotum, Samenanalyse und gleichzeitige Untersuchung der Partnerin; weitere Abklärung durch Fachleute mit Hormonuntersuchung und Hodenvolumen; zusätzliche Tests nach Indikation (Spermien-DNA, genetische Tests, Bildgebung); Behandlung einer klinischen Varikozele bei Infertilität mit entsprechenden Indikationen; bei nicht obstruktiver Azoospermie bevorzugt die mikrochirurgische testikuläre Spermiengewinnung [s24]. Die Behandlung soll die Beratung zu veränderbaren Risikofaktoren und begleitenden Gesundheitsproblemen einschließen. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt; ob der Volltext veränderbare Risikofaktoren wie Schlaf nennt, wurde nicht geprüft.

Vergleichende Analyse WHO 2025 gegenüber AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE. Achermann und Kollegen (2026) stellen fest, dass die WHO-Leitlinie eine Public-Health-Perspektive mit standardisierten Diagnosealgorithmen und zentraler Rolle der Samenanalyse wählt, während AUA/ASRM und EAU spezialistenorientiert sind (Hormon- und Gendiagnostik, breites Therapiespektrum) und ESHRE und NICE paarzentriert mit begrenztem männerspezifischem Fokus vorgehen [s01]. Die WHO nehme zu Antioxidanzien eine neutrale Haltung ein und gebe spezifische Empfehlungen zur Varikozele; Evidenzlücken bestünden bei Antioxidanzien, Hormontherapien und weiterführender Diagnostik. Schlafapnoe wird im Abstract nicht erwähnt.

Chinese Thoracic Society, Schlafapnoe bei Erwachsenen (2025). Die evidenzbasierte Leitlinie (AGREE II und RIGHT, 18 Schlüsselfragen) empfiehlt, die Allgemeinbevölkerung ohne Risikomerkmale nicht routinemäßig zu untersuchen; zu den typischen Symptomen, die zum Screening führen, zählt sie ausdrücklich „reduced sexual function“ (verminderte Sexualfunktion), zu den Risikogruppen „middle-aged and older men“ (Männer mittleren und höheren Alters) [s07]. Zur Diagnostik gelten Polysomnographie als Goldstandard und der Heimtest für unkomplizierte, klinisch vermutete mittelschwere bis schwere Schlafapnoe; der Schweregrad wird vor allem nach dem AHI eingeteilt, ergänzt durch die nächtliche minimale Sauerstoffsättigung als Maß der Hypoxämielast. Als Erstlinientherapie bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe (AHI mindestens 15 pro Stunde) wird Überdruckbeatmung genannt (Empfehlungsgrad 1, A), CPAP als Standardmodus; Mundschienen sind bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe und bei schlechter Verträglichkeit von Überdruck vorgesehen, Operationen nur bei deutlichen anatomischen Auffälligkeiten und Unverträglichkeit von Überdruck. Für Nachsorgebesuche bei Überdrucktherapie nennt die Leitlinie eine Woche, einen Monat und drei Monate, danach alle sechs bis zwölf Monate. Zu Testosteron, Hormonen, Spermienqualität oder Fertilität enthält der Abstract keine Empfehlung.

Tierversuche und Zellstudien

Die Tiermodelle unterscheiden sich stark vom Muster der menschlichen Schlafapnoe: Hypoxie wird als Dauerhypoxie, als Höhenhypoxie oder als intermittierende Hypoxie mit sehr verschiedenen Sauerstoffprofilen angewendet, die Tiere sind meist jung und schlank, Schlaffragmentierung und Hyperkapnie fehlen oft, und mehrere Studien liegen nur als Abstract vor. Dosis, Dauer und Spezies sind nicht übertragbar. Die Studien sind nach Fragestellung geordnet.

Intermittierende Hypoxie, Spermien und Fruchtbarkeit. Torres und Kollegen (2014) setzten 18 Mäuse 60 Tage lang täglich sechs Stunden einer periodischen Hypoxie aus (20 Sekunden bei 5 Prozent Sauerstoff, dann 40 Sekunden Raumluft) und führten danach Paarungsversuche durch [s133]. Die Expression von Gpx1 sank um 38,9 Prozent und die von Sod1 um 34,4 Prozent im Hoden (p < 0,05); die progressive Spermienbeweglichkeit fiel von 27,0 ± 6,4 auf 12,8 ± 1,8 Prozent (p = 0,04); der Anteil trächtiger Weibchen betrug 0,33 ± 0,10 gegenüber 0,72 ± 0,16, die Zahl der Feten je Paarung 2,45 ± 0,73 gegenüber 5,80 ± 1,24. Es ist die einzige gefundene Studie, die Spermienbeweglichkeit und tatsächliche Fruchtbarkeit nach einem schlafapnoe-nahen Hypoxiemuster verbindet; die Gruppen sind klein, es wurde nur das Hypoxiemuster ohne Schlaffragmentierung nachgeahmt. Wang und Kollegen (2020) setzten Ratten sechs Wochen intermittierender Hypoxie aus: Gesamtspermienzahl und Beweglichkeit waren niedriger (p < 0,05), die Samenkanälchen strukturell verändert, Leptin, JAK und STAT im Hoden erhöht (p < 0,05) [s80]; die Zuordnung zur JAK2/STAT6-Achse stützt sich zusätzlich auf eine Netzwerkanalyse aus Datenbanken und ist hypothesengenerierend, Fallzahlen nennt der Abstract nicht. Zhang und Kollegen (2018; chinesisch) untersuchten 30 Kaninchen in drei Gruppen zu je zehn (Schlafapnoe-Modell durch Atemwegsverengung, Modell plus Unterkieferprotrusionsschiene, Kontrolle) über acht Wochen [s103]. Im Modell waren Sauerstoffsättigung, Spermienzahl, Vitalität und Beweglichkeit niedriger und der Anteil fehlgebildeter Spermien höher (p < 0,05); die Schienen-Gruppe unterschied sich nicht von der Kontrolle; Sättigung und Teratozoospermierate korrelierten (r = -0,614; p < 0,001). Die Korrelation lässt offen, ob der Sauerstoffmangel die Spermien schädigt oder beide Folge derselben Obstruktion sind; Hormonwerte nennt der Abstract nicht. Cikutovic und Kollegen (2009) ließen Ratten sechs Zyklen zwischen 3.400 m und Meereshöhe wechseln: Samenkanälchen und Keimepithel waren dünner, die Spermienzahl niedriger ohne Erholung nach 84 Tagen, und es gab weniger Nachkommen [s159]. Vargas und Kollegen (2011) setzten Mäuse 33,2 Tage einer simulierten Höhe von 4.200 m aus: mehr Teratozoospermie und DNA-Schäden, stärker bei kontinuierlicher als bei intermittierender Hypoxie; Ibuprofen und Melatonin milderten dies teilweise [s154].

Hypoxie und Testosteronbildung: gegensätzliche Befunde. Mehrere Studien fanden unter Hypoxie ein niedrigeres Testosteron. Zhang und Kollegen (2012) beschrieben bei Mäusen unter 10 Prozent Sauerstoff über 28 Tage eine Herunterregulation von StAR und 3β-HSD und ein niedrigeres Testosteron [s151]. Zhang und Kollegen (2013) fanden bei Ratten nach 17 Tagen Dauerhypoxie (10 ± 0,5 Prozent Sauerstoff) niedrigeres Serumtestosteron bei höherem LH und FSH; die Herunterregulation von StAR, 3β-HSD und Cx43 ging mit einer Hochregulation von NADPH-Oxidase-Untereinheiten, ER-Stress-Markern und p66Shc einher, und Apocynin und Raisanberin normalisierten das Bild nach Angabe der Autoren „zumindest teilweise“ [s142]. Dieses Muster (niedriges Testosteron bei erhöhtem LH und FSH) spricht für eine primäre Beteiligung des Hodens; die Autoren benennen das nicht ausdrücklich so. Wang und Kollegen (2019) fanden in Modellen von COPD, Schlafapnoe (Maus) und Hypoxie, dass NRF1, StAR und Testosteron im Hoden abnahmen; Reporter-, Chromatin-Immunpräzipitations- und Mutationsversuche zeigten die Bindung von NRF1 an den Star-Promotor an zwei Stellen, und die Autoren sehen darin die Hauptursache des Testosteronabfalls bei Hypoxämie [s90]; Fallzahlen nennt der Abstract nicht. Wilson und Kollegen (2018) setzten junge (3 Monate) und mittelalte (12 Monate) Ratten acht Tage intermittierender Hypoxie aus: Mittelalte Tiere hatten unabhängig von der Hypoxie weniger Testosteron, mehr oxidativen Stress und mehr sexuelle Funktionsstörung; die Hypoxie senkte Testosteron und verschlechterte das Sexualverhalten nur bei jungen, gonadal intakten, nicht bei kastrierten jungen Tieren mit Testosteronersatz [s102].

Dem stehen Befunde mit erhöhtem Testosteron gegenüber. Cho und Kollegen (2019) fanden bei Ratten nach 14 Tagen intermittierender Hypoxie (12 Prozent Sauerstoff, acht Stunden täglich) ein höheres Plasmatestosteron bei niedrigerem LH, mit mehr LH-Rezeptor und CYP11A1 (nicht StAR), höherem VEGF und mehr Hodengefäßen [s84]; die Autoren sehen eine teilweise Vermittlung über Induktion des LH-Rezeptors, Angiogenese, CYP11A1- und 17β-HSD-Aktivität und kalziumabhängige Wege. Hwang und Kollegen (2009) fanden bei Ratten nach vier Tagen intermittierender Hypoxie (12 Prozent Sauerstoff, acht Stunden täglich) ein höheres Plasmatestosteron und eine gesteigerte Testosteronproduktion isolierter Leydig-Zellen, abhängig von Adenylatzyklase, cAMP, L-Typ-Kalziumkanälen und steroidogenen Enzymen [s160]. Die Richtung hängt also von Modell, Dauer, Sauerstoffkonzentration und Expositionsmuster ab; die Abstracts prüfen das nicht.

Hormone und Hodenfunktion in der Höhe und unter Dauerhypoxie. Akin und Kollegen (2022) setzten 32 Ratten in vier Gruppen 28 Tage 10 Prozent Sauerstoff aus (mit und ohne Chloroquin): Histopathologie, Apoptose und Expression von HIF-1α, HSP70, HSP90 und GADD153 nahmen zu (P < 0,05); das Serumtestosteron sank mit der Angabe „P > 0,05“ im Abstract (möglicherweise ein Druckfehler), Chloroquin milderte alle Parameter [s48]. Guven und Kollegen (2014) hielten Ratten zwei Wochen in einer hypobaren Kammer: Das Keimepithel war in einigen Samenkanälchen niedriger, es gab Vakuolisierung, Basalmembrandefekte und mehr Gefäße; HIF-1α-positive Sertoli- und Leydig-Zellen und caspase-3-positive Keimzellen waren häufiger, Erdostein milderte dies; Spermienparameter und Hormone wurden nicht erhoben [s130]. Mohammed und Kollegen (2022) untersuchten 72 Ratten in Hochland (Abha) und Tiefland (Jazan) mit Rückkehrgruppen: Spermienzahl und Beweglichkeit nahmen in den ersten drei Wochen der Höhenexposition ab, am stärksten in der Gruppe HG3 (-57,3 Prozent bei der Zahl, -39,1 Prozent bei der Beweglichkeit); nach Rückkehr ins Tiefland erholte sich die Zahl weiter, die besten Rückkehrgruppen (RG3, RG4) erreichten 109,3 ± 6,057 und 113,9 ± 8,967 gegenüber 129,2 ± 11,67 bei den Tiefland-Kontrollen (Einheit im Abstract nicht genannt) [s57]. Im Volltext stieg der Anteil abnormer Spermien bei HG3 auf 61,01 ± 8,38 gegenüber 10,15 ± 2,27 bei Kontrollen und normalisierte sich nach drei bis vier Wochen im Tiefland vollständig, die Zahl nicht. Abstract und Volltext nennen unterschiedliche Höhen (2.800 gegenüber 3.150 m) und Gruppenstrukturen; die Hypoxie ist stetig, Temperatur- und Klimaunterschiede werden nicht erwähnt. Shevantaeva und Kosyuga (2006; russisch) fanden nach einmaliger akuter hypobarer Hypoxie bei Ratten weniger Zellen des Keimepithels, weniger Sertoli- und Leydig-Zellen und eine geänderte Laktatkonzentration; am 60. Tag nach der Behandlung war die Zellzusammensetzung noch nicht wieder normal (Gruppengrößen und Zahlen fehlen) [s168]. Khmel'nitskii und Tararak (1991; russisch) beschrieben bei Ratten in der Höhe gehemmte Synthese und Freisetzung gonadotroper Hormone und Störungen von Barrierefunktion und Stofftransport in Sertoli-Zellen; am Ende des zweiten Monats war die Freisetzung deutlich gehemmt bei erhaltener hoher Syntheseleistung (rein morphologisch, ohne Zahlen) [s185]. Apsaliamov und Kollegen (1993; russisch) sahen bei Ratten nach 10 bis 12 Minuten klinischem Tod mit Wiederbelebung mehrkernige Zellen im Keimepithel mit Maximum am zweiten bis dritten Tag als Zeichen degenerativer Veränderungen; das Modell (Herz-Kreislauf-Stillstand) hat mit nächtlicher Hypoxie bei Schlafapnoe nur den Sauerstoffmangel gemeinsam [s182]. Goriacheva und Kollegen (1993; russisch) fanden bei wenig hypoxieresistenten Ratten größere Tagesschwankungen und einen höheren Corticosteron-Anstieg auf eine zusätzliche Hypoxie, aber keinen Unterschied bei Testosteron und Insulin [s183]. Grek und Kollegen (2002; russisch) sahen bei akuter Hypoxie einen stärkeren Corticosteron-Anstieg bei wenig resistenten Tieren (179 gegenüber 24 Prozent) und bei Tieren mit hohem Corticosteron einen intensiveren Stoffwechsel von Testosteron in der Leber über Isoformen der Cytochrom-P-450-3A-Familie [s178]; das betrifft den Abbau, nicht die Hodenfunktion. Rizzoto und Kollegen (2018) fanden bei acht narkotisierten Schafböcken, dass bei sinkender Einatemsauerstoffkonzentration (100, 21 und 13 Prozent) der Hodenblutfluss von 9,6 ± 1,7 auf 12,9 ± 1,9 ml/min je 100 g stieg (p < 0,05), die Sauerstoffversorgung erhalten blieb und die Hodentemperatur um etwa 1 °C stieg [s100]; das gilt für akute Hypoxie. Ganouna-Cohen und Kollegen (2023) fanden, dass bei orchiektomierten Mäusen intermittierende Hypoxie (6 Prozent Sauerstoff, 14 Tage) die Apnoen nach Seufzern stärker verstärkte als bei intakten Tieren; das legt nahe, dass Androgene die Stabilität der Atmung beeinflussen könnten (Deutung der Bearbeitung, im Abstract nicht geprüft) [s39].

Neuere Mechanismusarbeiten. Li und Kollegen (2025) untersuchten Samen von 24 Höhenbewohnern, 6 Patienten mit pathologischer Hypoxie und 19 Kontrollen sowie ein Mausmodell (n = 5) und Zellversuche: Hypoxie senkte Septin2 in Spermatogonien und deren Proliferation (G1/S-Arrest) über eine Stabilisierung von PP2A und AKT-Dephosphorylierung; der PP2A-Hemmstoff Okadasäure stellte bei hypoxischen Mäusen Fruchtbarkeit und Spermienqualität wieder her, PP2A-Agonisten verschlimmerten die Defizite; Hormone und Sexualfunktion wurden nicht untersucht, und Okadasäure ist ein Laborwerkzeug [s26]. Yin und Kollegen (2026) beschreiben, dass chronische Hypoxie über die ASXL2-EZH2-Achse den Übergang runder zu länglichen Spermatiden blockiert: Verminderte ASXL2-Expression senkt die Bindung von EZH2 am CEP162-Promotor, CEP162 konkurriert mit TUBA3A um TUBB3 und destabilisiert axonemale Mikrotubuli (Strukturen des Spermienflagellums); bei infertilen Männern sind ASXL2 und EZH2 vermindert [s18]; Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

Schlafentzug ohne Apnoe. Karimi und Kollegen (2023) fanden bei Ratten mit Schlafentzug weniger Spermien, geringere Beweglichkeit und einen niedrigeren Anteil langsam progressiver Spermien; Olivenöl verbesserte nur die Zahl der Sertoli- und Leydig-Zellen, nicht Spermienzahl und Beweglichkeit [s42]. Li und Kollegen (2025) fanden nach fünf Tagen kontinuierlichen Schlafentzugs bei Ratten eine niedrigere Spermienkonzentration und -beweglichkeit, niedrigeres Serumtestosteron und eine verkürzte Transitzeit der Spermien im Nebenhoden, mit hochregulierten Entzündungsgenen in der Cauda epididymidis; Erholungsschlaf milderte den Schaden; eine begleitende Mendelsche Randomisierung zeigte eine Assoziation von Schlafstörungen und männlicher Infertilität beim Menschen [s25]. Rizk und Kollegen (2020) untersuchten 30 Ratten (je 10): Spermienzahl 49,42 ± 2,88 (Kontrolle), 16,15 ± 1,07 (Schlafentzug) und 38,86 ± 4,34 × 10⁶ (Schlafentzug plus Vitamin C); Testosteron 3,95 ± 0,11, 1,79 ± 0,14 und 3,48 ± 0,25 ng/ml; Cortisol, Corticosteron und IL-6 stiegen, die antioxidative Kapazität sank; im Hoden sank die Nrf2-Expression und stieg die von NF-κB [s78]; fünf Tage Schlafentzug sind akuter Stress und kein Modell chronischer Schlafstörung. Chen und Kollegen (2025) hielten Mäuse 7, 14 oder 21 Tage in Schlafrestriktion und beobachteten 35 Tage Erholung: Spermienqualität und Hodenfunktion nahmen zeitabhängig ab und erholten sich nicht vollständig; StAR und HSD17B3 waren vermindert und der Keap1-Nrf2-Weg gestört, mit anhaltendem oxidativem Stress und Keimzellapoptose [s21].

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. 1. Frühe Arbeiten und nächtliche Hormonprofile bis 4. Bevölkerungsbasierte Studien, Registerdaten und Mendelsche Randomisierung
  6. 5. Samenqualität und Fertilität bei OSA und 6. Schlaf ohne Apnoe-Diagnose als Nachbargebiet
  7. 7. Erektile Funktion und Sexualfunktion und 8. Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  8. Datengrundlage und Lesehinweise bis Samenqualität und Fertilität bei Schlafapnoe und gestörtem Schlaf
  9. Interventionsstudien: CPAP, Operation, Mundschiene bis Tierversuche und Zellstudien
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Spanisch
  13. Chinesisch bis Arabisch
  14. Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle