Dieser Abschnitt bespricht die Beobachtungsstudien am Menschen: Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien, Kohorten- und Registerstudien, Mendelsche Randomisierung und Fallserien. Fast alle sind klein und stammen aus einzelnen Zentren; viele liegen nur als Abstract vor, was jeweils vermerkt ist. Beobachtungsstudien können Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursachen; die wichtigste Störgröße ist die Adipositas, die sowohl OSA als auch niedriges Testosteron begünstigt. Studien, deren Schwerpunkt ein Interventionsteil ist (CPAP-Verlauf, Operation, Mundschiene, Testosterongabe), gehören in das Interventionskapitel; wo sie einen Querschnittsteil enthalten, wird dieser hier besprochen. Tierversuche und Leitlinien sind nicht Gegenstand dieses Kapitels.
Die Gliederung folgt den Fragen: nächtliche Hormonprofile und frühe Arbeiten (1), Klinikquerschnitte zur Höhe des Testosterons (2), schwer adipöse Männer (3), bevölkerungsbasierte Studien und Mendelsche Randomisierung (4), Samenqualität und Fertilität (5), Schlaf ohne Apnoe-Diagnose als Nachbargebiet (6), erektile Funktion und Sexualfunktion (7) und eine Gesamteinordnung (8).
1. Frühe Arbeiten und nächtliche Hormonprofile
Die frühesten Arbeiten (1988 bis 2005) untersuchten kleine Gruppen mit engmaschigen Hormonprofilen. Sie sind für die Frage wichtig, ob die Testosteron-Absenkung bei OSA mit der Sauerstoffsättigung oder mit der Schlaffragmentierung zusammenhängt, haben aber wegen ihrer Größe kaum statistische Aussagekraft.
Santamaria et al. 1988 [s189]: reversible Fortpflanzungsstörung bei Männern mit OSA. Konsekutive Fallserie von 24 Männern mit anschließender kontrollierter Operationsstudie bei 12 Männern. Das Gesamttestosteron lag bei OSA (n = 15) bei 9,18 ± 0,92 nmol/l gegenüber 11,55 ± 0,90 nmol/l bei Schnarchern (n = 9; Mittelwert ± Standardfehler; p < 0,05); die Gonadotropine unterschieden sich nicht. Die OSA-Gruppe war älter (51 ± 3,9 gegenüber 44 ± 3,1 Jahre). Das Testosteron korrelierte mit der minimalen nächtlichen Sättigung (r = 0,589; p < 0,02). Nach Uvulopalatopharyngoplastik (Interventionsteil) stieg es von 13,31 ± 1,07 auf 16,59 ± 0,72 nmol/l (p < 0,02), ohne Änderung von BMI, Prolaktin, LH oder FSH; alle sieben Männer mit zuvor vermindertem sexuellem Interesse berichteten danach normale Libido. Stärken: früher Nachweis eines Sättigungsbezugs, Kontrolle der Gonadotropine. Schwächen: sehr kleine Gruppen, Altersunterschied, keine Placebokontrolle bei der Operation; der Abstract nennt keine Adjustierung.
Grunstein et al. 1989 [s186]: neuroendokrine Funktionsstörung bei Schlafapnoe. Querschnitt (225 Männer) und Längsschnitt (43 Männer mit schwerer OSA, 3 Monate nasales CPAP). Mit steigendem Schweregrad (Entsättigungsindex, mittlere minimale Sättigung) waren IGF-I, Gesamt- und freies Testosteron sowie SHBG niedriger; LH, FSH, Prolaktin, Thyroxin und Cortisol unterschieden sich nicht. Die Minderung blieb nach Anpassung für Alter und Adipositas bestehen. Im Längsschnitt (Interventionsteil) stiegen IGF-I, Gesamttestosteron und SHBG, nicht aber das freie Testosteron. Stärken: mit 225 Männern für die Zeit eine große Gruppe, Anpassung für Adipositas. Schwächen: Längsschnitt ohne Kontrollgruppe, der Abstract nennt keine Effektgrößen.
Kouchiyama et al. 1989 [s187] (Nihon Kyobu Shikkan Gakkai Zasshi; japanisch mit englischem Abstract; Vorhersage des Ausmaßes der nächtlichen Sauerstoffentsättigung beim Schlafapnoe-Syndrom durch Abschätzung des Testosteronspiegels). Kleine physiologische Studie an 15 Männern ohne Medikamente, die wegen Schnarchens oder Übergewichts kamen. In der ersten Nacht wurde ab 22 Uhr alle vier Stunden Blut über einen Katheter entnommen, aus der zweiten Nacht wurde die Gesamtdauer der Sättigungsabfälle um mehr als 4 % berechnet. Gruppe 1 (höchstens 80 Minuten; n = 7) hatte den Testosteron-Gipfel um 6 Uhr, Gruppe 2 (mehr als 80 Minuten; n = 8) um 10 Uhr. Der Quotient der Werte um 10 und um 6 Uhr korrelierte signifikant mit der Gesamtdauer der Sättigungsabfälle (Koeffizienten im Abstract nicht genannt); aus dem Streudiagramm leiteten die Autoren ab, ein Quotient über 1 weise auf mehr als etwa 80 Minuten Sättigungsabfall hin. Einordnung: Die Studie betrifft den zeitlichen Verlauf des Hormons, nicht den Absolutwert. Schwächen: 15 überwiegend übergewichtige Männer ohne gesunde Kontrollen, BMI als Störgröße nicht berücksichtigt, Hormon und Sättigung in verschiedenen Nächten, im Abstract keine p-Werte.
Kouchiyama et al. 1989 [s188] (Depression of testosterone secretion in male patients with respiratory failure; deutsch: Verminderte Testosteronsekretion bei männlichen Patienten mit respiratorischer Insuffizienz). Klinisch-endokrinologische Querschnittsstudie, Fallzahl im Abstract nicht genannt. Untersucht wurden Männer mit chronischer Hypoxie bei respiratorischer Insuffizienz, ausdrücklich ohne Schlafapnoe, in drei Gruppen nach arteriellem Sauerstoffpartialdruck (unter 60 Torr; 60 bis unter 70 Torr; altersgleiche Kontrollen). Urin- und Serumtestosteron waren in der Gruppe mit der niedrigsten Sauerstoffspannung signifikant niedriger als bei Kontrollen. Im LHRH-Test zeigte sie eine verstärkte relative LH-Antwort und einen verzögerten Gipfel; im hCG-Test gab es keinen Unterschied. Das Verhältnis 17-Hydroxyprogesteron zu Progesteron nahm mit zunehmender Hypoxie ab. Die Autoren deuten das als Minderfunktion von Hypothalamus und Hypophyse bei erhaltener Hodenantwort (Deutung der Autoren). Stärken: dynamische Funktionstests. Schwächen: keine Fallzahl und keine absoluten Werte im Abstract, anhaltende statt intermittierende Hypoxie, keine Berücksichtigung von Alter, Adipositas und Medikamenten im Abstract; die Übertragbarkeit auf OSA ist begrenzt.
Bratel et al. 1999 [s181]: Hypophysenreaktivität, Androgene und Katecholamine bei OSA. Prospektive Kohorte, 16 Männer, davon 11 nach 7 Monaten nasalem CPAP nachuntersucht. Vor Therapie waren LH und TSH unternormal, Cortisol und nächtliches Noradrenalin im Urin erhöht, die Androgene normal. Unter CPAP (Interventionsteil) sanken Prolaktin, TSH und Katecholamine, die Basalwerte von LH und Testosteron änderten sich nicht. Schwächen: kleine Gruppe, Ausfälle, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Normale Androgene bei erniedrigtem LH sprechen in dieser Gruppe für eine zentrale Komponente, nicht für ein primäres Hodenversagen, ohne dass die Fallzahl eine Verallgemeinerung trüge (Einordnung der Bearbeitung).
Luboshitzky et al. 2002 [s179]: verminderte Hypophysen-Gonaden-Sekretion bei Männern mit OSA. Fall-Kontroll-Studie, 10 Männer mit OSA gegen 5 Kontrollen; LH und Testosteron wurden alle 20 Minuten von 22 bis 7 Uhr bestimmt. LH-Fläche unter der Kurve (AUC) 24,9 ± 10,2 gegenüber 43,4 ± 9,5 IU/l·h (p < 0,005), Testosteron-AUC 67,2 ± 11,5 gegenüber 113,3 ± 26,8 nmol/l·h (p < 0,003); vier von zehn Männern mit OSA hatten morgens hypogonadale Testosteronwerte. Die Unterschiede waren unabhängig von Alter und Adipositas. Die nächtliche Hormonmenge korrelierte negativ mit dem Respiratory Disturbance Index, nicht mit der Hypoxie. Stärken: dichte Hormonprofile, Prüfung auf Störgrößen. Schwächen: 10 gegen 5 Männer; Gruppenunterschiede bei so kleinen Gruppen sind für Zufallsbefunde anfällig.
Luboshitzky et al. 2005 [s171]: veränderte LH- und Testosteronsekretion bei Männern mittleren Alters. Fall-Kontroll-Studie: 5 adipöse Männer mit OSA, 5 nach Alter und BMI gepaarte Kontrollen und 6 schlanke junge Gesunde, nächtliche Profile. LH und Testosteron (Mittelwert, AUC) waren bei OSA niedriger; der Gruppeneffekt für Testosteron nach BMI-Anpassung betrug p = 0,03 (Mittel) beziehungsweise p < 0,003 (AUC). Die Autoren führen den Rückgang auf Adipositas und Alter und weniger auf Schlaffragmentierung und Hypoxie zurück. Schwächen: je fünf Männer pro Gruppe; ein Befund, der nach BMI-Anpassung signifikant bleibt, aber aus fünf gepaarten Männern stammt, ist nicht belastbar (Einordnung der Bearbeitung). Das Ergebnis steht in einer Linie mit [s179], widerspricht aber der eigenen Deutung der Autoren, die den Effekt vor allem der Adipositas zuschreiben.
Gambineri et al. 2003 [s173]: Testosteron bei adipösen Männern mit OSA. Fall-Kontroll-Studie, 15 Männer mit abdominaler Adipositas und OSA gegen 15 gepaarte Männer mit Adipositas ohne OSA. Gesamt- und freies Testosteron waren niedriger; sie korrelierten negativ mit Entsättigungsindex und minimaler Sättigung, auch nach Anpassung für BMI und Taillenumfang. Stärken: Kontrollgruppe mit gleichem Adipositastyp, Anpassung für Fettverteilung. Schwächen: Polysomnographie wurde nur bei Epworth-Wert über 10 durchgeführt (Selektion; die Kontrollen waren damit möglicherweise nicht vollständig OSA-frei), kleine Gruppen.
Einordnung. Die sechs Arbeiten mit Hormonprofilen oder -werten [s189, s186, s179, s171, s173, s181] sprechen übereinstimmend für eine verminderte nächtliche Hormonsekretion bei OSA und für eine zentrale Komponente (normales oder niedriges LH, erhaltene Hodenantwort in [s188]). Jede einzelne ist klein; in drei Arbeiten bleibt der Befund nach Anpassung für Adipositas bestehen [s186, s179, s173], in einer wird er der Adipositas zugeschrieben [s171].
2. Klinikquerschnitte zur Höhe des Testosterons
Die Studien dieses Abschnitts vergleichen Männer mit OSA mit Kontrollen oder untersuchen den Zusammenhang von Schweregrad und Testosteron innerhalb von Patientengruppen. Es sind überwiegend kleine, aus Schlafambulanzen rekrutierte Gruppen; Kontrollen sind häufig Schnarcher oder Personen aus anderen Ambulanzen und damit nicht gesund im strengen Sinn.
Kirbas et al. 2007 [s167]: OSA, Rauchen und Gesamttestosteron. Querschnittsstudie am Schlafzentrum der Dicle-Universität in Diyarbakır (Türkei). 96 Männer (mittleres Alter 43,3 Jahre; Spanne 25 bis 60), 55 (57,3 %) mit OSA (AHI mindestens 15), 42 (43,8 %) aktive Raucher. Das mittlere Gesamttestosteron war bei OSA signifikant niedriger (3,4 gegenüber 3,9 ng/ml); zwischen Rauchern und Nichtrauchern bestand kein Unterschied. In der multiplen Regression korrelierte Testosteron negativ mit BMI und AHI, nicht mit Alter und Packungsjahren. Stärken: Regression mit BMI, Alter und Packungsjahren; Rauchen ausdrücklich als Störgröße geprüft. Schwächen: Die Differenz von 0,5 ng/ml ist klein; p-Werte und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract; Querschnitt; Selektion aus einer Schlafklinik.
Canguven et al. 2010 [s155]: Testosteron und Krankheitsschwere. Fall-Kontroll- beziehungsweise Querschnittsstudie, 36 Männer mit OSA und 30 Kontrollen. Das Serumtestosteron lag bei 462,8 ± 160,3 ng/dl bei OSA und 486,9 ± 163,2 ng/dl bei Kontrollen (p > 0,05). Innerhalb der OSA-Gruppe bestand eine negative Korrelation zwischen Testosteron und AHI (r = -0,502; p < 0,01). Die IIEF-5-Werte unterschieden sich nicht (17,5 ± 5,9 gegenüber 17,4 ± 4,7). Der BMI war bei OSA höher (30,1 ± 0,8 gegenüber 26,9 ± 0,4; p < 0,01). Einordnung: Der Gruppenmittelwert unterscheidet sich nicht, innerhalb der OSA-Gruppe fällt das Testosteron mit steigendem AHI; da die OSA-Gruppe zugleich einen höheren BMI hat, bleibt offen, wie viel auf OSA und wie viel auf das Gewicht zurückgeht. Der Abstract gibt keine für den BMI adjustierte Korrelation an.
Molina et al. 2011 [s153] (Brazilian Journal of Otorhinolaryngology; portugiesisch; Bewertung der Serumtestosteronspiegel bei Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom). Retrospektive Querschnittsstudie, 103 Männer aus einem Register: 23 % hatten ein erniedrigtes Testosteron, diese Männer hatten einen höheren BMI sowie niedrigeren Hämatokrit und Hämoglobin. Schwächen: retrospektiv, keine Kontrollgruppe ohne OSA, damit keine Aussage zur Häufigkeit gegenüber Männern ohne OSA.
Bercea et al. 2015 [s124]: Müdigkeit und Serumtestosteron. Fall-Kontroll-Studie, 15 adipöse Männer mit OSA gegen 15 Kontrollen: Testosteron 3,55 ± 0,7 gegenüber 4,26 ± 1,1 ng/ml (p = 0,049). Testosteron war der einzige unabhängige Prädiktor für körperliche Müdigkeit (p = 0,033) und verminderte Aktivität (p = 0,002). Schwächen: sehr kleine Gruppe, p-Wert knapp unter 0,05, mehrere Prädiktoren getestet ohne erkennbare Korrektur.
Dong et al. 2015 [s126]: Sexualhormone nach Schweregrad bei Ostasiaten. Querschnittsstudie am Union Hospital in Wuhan (HNO-Klinik). 116 Männer mit Polysomnographie in drei Gruppen: Kontrollen (n = 10; AHI unter 5/h), leichte bis mittelschwere OSA (n = 15; AHI 5 bis unter 30) und schwere OSA (n = 91; AHI mindestens 30), jeweils mit Untergruppen nach Adipositas. Morgens nach dem Aufwachen wurden Testosteron, Prolaktin, Östradiol, FSH und LH bestimmt. Es gab keinen signifikanten Gruppenunterschied (p > 0,05) und keine Korrelation zwischen AHI und Hormonen; Testosteron war signifikant negativ mit dem BMI korreliert (p < 0,05). Die Autoren schließen, der BMI wirke direkt auf das Testosteron, und eine Korrelation zwischen OSA-Schweregrad und Sexualhormonen bestehe möglicherweise nicht. Stärken: Polysomnographie, einheitlicher Blutentnahmezeitpunkt, Adipositas-Untergruppen. Schwächen: sehr ungleiche Gruppen (10, 15 und 91), geringe Trennschärfe, nur Gesamttestosteron im Abstract. Einordnung: Gegenpol zu den Metaanalysen [s59, s46]: Hier erklärt der BMI den Testosteronwert, nicht die OSA. Mit nur zehn Kontrollen kann die Studie einen mittleren Effekt nicht sicher ausschließen (Einordnung der Bearbeitung).
Ghiciuc et al. 2016 [s116]: Speichelprofile von Testosteron und Cortisol. Beobachtungsstudie mit 17 Männern: 10 mit OSA, 7 Kontrollen. Bei OSA fand sich morgens ein Hypocortisolismus und abends ein niedrigeres Testosteron; das Testosteron/Cortisol-Verhältnis war morgens höher und abends niedriger. Schwächen: kleine Gruppen, Speichelmessung aus wenigen Zeitpunkten.
Viana et al. 2017 [s110]: nächtliche Hypoxämie und niedriges Testosteron bei nicht adipösen Männern. Retrospektive Auswertung von 523 Akten (Diagnose 2013 bis 2016); eingeschlossen waren 153 nicht adipöse Männer (BMI unter 30) mit Testosteron aus einer Blutprobe am Morgen nach der Schlaflaboruntersuchung. 47 (30,7 %) hatten ein Testosteron unter dem Referenzwert, 44 davon (93,6 %) waren übergewichtig (p = 0,029). Nach BMI-Anpassung bestanden Korrelationen mit dem Entsättigungsindex, dem Sauerstoff-Nadir unter 80 % und der REM-Dauer. Bei normalgewichtigen Männern waren nur drei Männer über 50 Jahre mit Nadir unter 80 % betroffen. Die Autoren schließen, Hypoxämie und Übergewicht seien mit niedrigem Testosteron verbunden, bei Normalgewichtigen nur bei Männern über 50 Jahren. Schwächen: retrospektiv, keine OSA-freie Kontrollgruppe, geringe Zahl in der Untergruppe der Normalgewichtigen, Auswahl aus dem Aktenbestand einer Klinik.
Madaeva et al. 2018 [s95] (Zhurnal Nevrologii i Psikhiatrii imeni Korsakova; russisch; Pathophysiologische Aspekte des neuroendokrinen Regulationssystems bei Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom; die kyrillischen Originaltitel lagen nicht vor, die Datenbank führt nur die englische Fassung). Querschnittsstudie, 51 Männer von 46 bis 55 Jahren: 37 mit schwerer OSA (BMI 34,2 ± 1,8 kg/m²) und 14 Kontrollen (BMI 28,2 ± 2,1), OSA nach AASM-Kriterien polysomnographisch gesichert. Gemessen wurden TSH, freies T4, T3, Cortisol, Prolaktin, Testosteron, LH und FSH mit einem radioimmunologischen Verfahren. Bei schwerer OSA waren freies T4 und TSH niedriger (p < 0,001), Prolaktin und Cortisol höher (p < 0,001), LH, FSH und Testosteron niedriger als bei Kontrollen (p < 0,001). Die Kombination aus niedrigem LH und FSH bei niedrigem Testosteron spricht in diesem Datensatz für eine zentrale Komponente (Einordnung der Bearbeitung, nicht der Autoren). Schwächen: Der BMI-Unterschied von rund sechs Punkten ist ein starker Störfaktor, im Abstract nicht herausgerechnet; Kontrollgruppe nur 14 Männer; keine Absolutwerte und Konfidenzintervalle im Abstract.
Batura-Gabryel et al. 2019 [s83]: Nesfatin-1 und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Prospektive Fall-Kontroll-Studie, 72 Männer mit OSA und 19 Kontrollen: LH, Nesfatin-1 und Testosteron ohne Unterschied (p = 0,87, 0,24 und 0,08). Nesfatin-1 korrelierte weder mit LH, Testosteron, AHI noch Entsättigungsindex. Ein Negativbefund in vergleichsweise großer Gruppe; der p-Wert für Testosteron (0,08) schließt einen Unterschied nicht aus.
Mohammadi et al. 2020 [s77]: Testosteron/Cortisol-Verhältnis. Fall-Kontroll-Studie, 39 Männer mit OSA (10 leicht, 16 mittelschwer, 13 schwer) und 13 Kontrollen. Gesamt- und freies Testosteron unterschieden sich nicht (p > 0,1); Cortisol war bei schwerer OSA höher (p < 0,01); das Testosteron/Cortisol-Verhältnis war bei schwerer gegenüber mittelschwerer OSA niedriger (p = 0,01). Schwächen: sehr kleine Untergruppen (10, 16, 13), Vergleich innerhalb der OSA-Gruppen statt mit Kontrollen.
Šiarnik et al. 2020 [s79]: Tagesschläfrigkeit und Testosteron. Prospektive Querschnittsstudie, 291 habituelle Schnarcher mit Polysomnographie. Unabhängige Prädiktoren des Testosterons waren der BMI (β = -0,282; p < 0,001) und der Entsättigungsindex (β = -0,150; p = 0,043); das Testosteron stand in keinem unabhängigen Zusammenhang mit Tagesschläfrigkeit. Stärken: relativ große Gruppe, multivariable Analyse. Schwächen: nur Schnarcher als Population, Selektion in einer Schlafambulanz; der Effekt des Entsättigungsindex ist halb so groß wie der des BMI und liegt knapp unter der Signifikanzgrenze.
Mostafa et al. 2021 [s67]: Sexualfunktion bei Männern mit OSA (Ägypten). Fall-Kontroll-Studie an der Suez-Kanal-Universität: 45 gesunde Freiwillige und 45 Patienten mit OSA; gemessen wurden BMI, Gesamttestosteron, FSH, LH, IIEF-5 und Hamilton-Depressionsskala, Polysomnographie nur bei Patienten. Alle Bereiche der Sexualfunktion waren bei Patienten niedriger (p < 0,01), der Hamilton-Wert höher (p < 0,0001), Testosteron und LH niedriger (p < 0,0001). Korrelationen mit der Krankheitsschwere: Alter r = 0,48 (p = 0,001), BMI r = 0,48 (p = 0,001), Hamilton-Wert r = 0,34 (p = 0,014), IIEF-5 r = -0,29 (p = 0,045), Testosteron r = -0,29 (p = 0,046), LH r = -0,104 (p = 0,049). Stärken: gesunde Vergleichsgruppe, Hormone und Sexualfunktion zusammen erfasst, Depression als Störgröße. Schwächen und Unstimmigkeit: Der Koeffizient für LH (r = -0,104) ist bei 45 Personen mit p = 0,049 nicht vereinbar, denn ein so kleiner Koeffizient wäre bei dieser Fallzahl nicht signifikant (statistische Plausibilitätsüberlegung der Bearbeitung); er wird wie berichtet wiedergegeben und ist als mögliches Druck- oder Rechenversehen zu lesen. Ergebnisse zu FSH nennt der Abstract nicht. Die Kontrollen erhielten keine Polysomnographie, OSA ist bei ihnen nicht gemessen ausgeschlossen; Anpassung für Alter und BMI wird nicht berichtet.
Ak et al. 2013 [s138]: Qualität des Sexuallebens bei OSA. Fall-Kontroll-Studie (Querschnitt) mit Golombok Rust Inventory of Sexual Satisfaction (GRISS), strukturiertem klinischem Interview und Hormonbestimmung (FSH, LH, Prolaktin, Testosteron, Östrogen); Gruppengrößen stehen nicht im Abstract. Die Apnoe-Gruppe hatte einen höheren BMI und niedrigere LH- und Testosteronwerte. Bei der sexuellen Zufriedenheit gab es zwischen den Gruppen und innerhalb der Apnoe-Gruppe nach Schweregrad keine Unterschiede. Die Autoren schließen, das Sexualleben sei trotz veränderter Hormone klinisch nicht beeinträchtigt gewesen. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract, Fallzahlen unbekannt.
Kadıhasanoğlu et al. 2023 [s41]: Gesamttestosteron und OSA-Schwere. Fall-Kontroll-Studie in einem Schlaflabor (Autoren aus Istanbul und Ankara, veröffentlicht in Comprehensive Medicine, nur Abstract). 74 Männer: 44 mit schwerer OSA (AHI mindestens 30) und 30 Kontrollen (AHI unter 5); die Gruppe mit schwerer OSA wurde zusätzlich nach dem Median des HOMA-IR geteilt. Gesamttestosteron bei schwerer OSA 321 ± 108 gegenüber 395 ± 101 bei Kontrollen (p = 0,004; die Einheit nennt der Abstract nicht). Bei schwerer OSA war es mit CRP, Fibrinogen, HOMA-IR, AHI, Entsättigungsindex, REM-AHI und Nicht-REM-AHI verbunden (jeweils p < 0,05). Nach Berücksichtigung von BMI und Alter in der multiplen Regression blieb das Testosteron signifikant mit dem AHI verbunden (β = -0,415; p = 0,006). In der Untergruppe mit HOMA-IR von mindestens 3,54 war das Testosteron gegenüber Kontrollen niedriger (p = 0,001), Entzündungsindex, CRP, Fibrinogen, HbA1c, Leberenzyme und Parathormon waren höher. Die Autoren sehen einen unabhängigen Zusammenhang zwischen OSA-Schwere und Testosteron. Stärken: Adjustierung für BMI und Alter, breites Labor, Vergleich mit Gesunden. Schwächen: Querschnitt (die Richtung bleibt offen, wie die Autoren selbst anmerken); nur Gesamttestosteron; Einheit nicht angegeben; Volltext gesperrt.
Yosunkaya et al. 2015 [s128] (Türkiye Fiziksel Tıp ve Rehabilitasyon Dergisi; türkisch; Kann das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom bei Männern ein Risikofaktor für eine frühe Osteoporose sein?). Fall-Kontroll-Studie, 24 Männer mit OSA und 22 Kontrollen (aus berichteten Anteilen erschlossen); Morgenblutentnahme nach der Polysomnographie; Wachstumshormon, IGF-1, Gesamttestosteron und SHBG mit ELISA, freies Testosteron mit Radioimmunoassay; Knochendichte per DEXA. Kein signifikanter Unterschied bei Hormonen und T-Werten. Knochendichte unter -2,5 bei 5 von 24 (OSA) gegen 0 von 22 (Kontrollen; p = 0,05). Die Autoren sehen keinen Hinweis auf frühe Osteoporose und keine klare Beziehung zu den Hormonen. Schwächen: kleine Gruppen, geringe Teststärke, Fragestellung war die Knochendichte; der BMI der Gruppen steht nicht im Abstract. Einer der wenigen Negativbefunde zu Gesamt- und freiem Testosteron.
Ogun et al. 2026 [s15]: Prolaktin und antioxidative Kapazität bei OSA. Querschnittsstudie (Medicine), 55 Teilnehmer (Kontrollen n = 12 mit AHI unter 5; leichte und mittelschwere OSA n = 22; schwere OSA n = 21), Polysomnographie, nüchternes Serumprolaktin, Gesamtantioxidationsstatus (TAS). Als Ausschlusskriterium nennt der Volltext Hämoglobinschwellen für Frauen; die Stichprobe war vermutlich nicht rein männlich. Prolaktin nahm mit der Schwere ab (22,7 ± 9,8, 14,7 ± 7,2 und 12,7 ± 7,3 ng/ml; p = 0,007), ebenso TAS (1,181 ± 0,068, 1,122 ± 0,065 und 1,111 ± 0,057 mmol/l; p = 0,021). Prolaktin korrelierte mit dem AHI (r = -0,360; q = 0,017) und der längsten Apnoedauer (r = -0,288; q = 0,044), TAS mit dem AHI (r = -0,419; q = 0,013). Der direkte Vergleich der Korrelationen ergab keine Unterschiede (alle p ≥ 0,65); die Autoren bezeichnen die Befunde als hypothesengenerierend. Stärken: Korrektur für multiples Testen (Benjamini-Hochberg), Volltext. Einordnung: Die Arbeit betrifft Prolaktin, nicht Testosteron; die Richtung (niedriger bei schwerer OSA) widerspricht dem Befund bei schwerer OSA in [s95] (Prolaktin erhöht), ohne dass sich der Widerspruch auflösen ließe (unterschiedliches Geschlecht, Methode, Ausschlusskriterien).
Zhang et al. 2016 [s123] (Querschnittsteil): erektile Dysfunktion und Sexualhormone bei OSA. Querschnittsstudie mit Verlaufsteil (Archives of Sexual Behavior, Zhongshan Hospital der Universität Xiamen). 207 Männer (44,0 ± 11,1 Jahre) in vier Gruppen nach AHI: Schnarchen (n = 32), leichte (n = 29), mittelschwere (n = 38) und schwere OSA (n = 108); IIEF-5 und morgens Prolaktin, LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron. ED bestand bei 60,6 % der OSA-Patienten und 72,2 % der schweren Fälle. Schwere OSA gegenüber Schnarchen: Testosteron 14,06 ± 5,62 gegenüber 17,02 ± 4,68 (p = 0,018; Einheit im Abstract nicht genannt), IIEF-5 16,33 ± 6,50 gegenüber 24,09 ± 1,94 (p = 0,001); die übrigen Hormone unterschieden sich nicht. Der CPAP-Verlauf bei 53 Männern (drei Monate; keine Hormonänderung, IIEF-5 verbessert) gehört zum Interventionskapitel. Stärken: vier Schweregradgruppen, mehrere Hormone, Referenz Schnarchen. Schwächen: Schnarcher sind keine gesunde Referenz; die Adjustierung für BMI wird im Abstract nicht berichtet.
Li et al. 2016 [s118] (Fall-Kontroll-Teil): nasales CPAP bei Patienten mit OSA, ED und Hormonen. Fall-Kontroll-Studie mit Verlaufsteil (Respiratory Medicine, Zhejiang Hospital Hangzhou): 153 Patienten mit OSA und 60 Kontrollen. ED lag bei 47,1 % der OSA-Patienten und 13,3 % der Kontrollen vor, Patienten mit OSA hatten niedrigere Sexualhormonwerte; OSA-Patienten mit ED hatten höhere Schweregrade sowie niedrigere FSH- und Testosteronwerte als OSA-Patienten ohne ED (p < 0,05). In der multivariaten Regression beeinflusste das Testosteron die ED. Der einmonatige CPAP-Verlauf bei 32 Patienten gehört zum Interventionskapitel. Schwächen: absolute Hormonwerte im Abstract nicht genannt.
Einordnung des Abschnitts. Von den Studien mit Vergleichsgruppe finden acht niedrigeres Testosteron bei OSA [s167, s67, s41, s95, s138, s123, s124, s118], eine findet es nur in der Beziehung zum AHI innerhalb der OSA-Gruppe [s155], und vier finden keinen Unterschied oder keinen Zusammenhang [s126, s83, s77, s128]; in [s123] unterschieden sich nur Testosteron und IIEF, nicht die übrigen Hormone. Nach Anpassung für den BMI bleibt der Zusammenhang in [s41], [s79] und [s110] bestehen; in [s126] erklärt der BMI den Testosteronwert. Die Querschnitte sind überwiegend klein, die Kontrollgruppen heterogen, und die Messmethoden wechseln; die Richtung ist plausibel, die Größe des Effekts nicht gesichert (Einordnung der Bearbeitung).
3. Schwer adipöse Männer
Bei schwerer Adipositas sind OSA und niedriges Testosteron beide sehr häufig; die Studien dieses Abschnitts versuchen, den Beitrag der OSA unter gleichmäßig hohem Körpergewicht abzugrenzen.
Hammoud et al. 2011 [s152]: Schlafapnoe, Fortpflanzungshormone und sexuelle Lebensqualität bei schwerer Adipositas. Querschnittsstudie, 89 Männer mit BMI von mindestens 35 kg/m² vor einer Magenbypass-Operation (Alter 46,9 ± 11,0 Jahre; BMI 47,8 ± 8,7). Nach Anpassung für Alter und BMI lag das freie Testosteron bei keiner oder leichter Apnoe bei 74,4 ± 3,8 pg/ml, bei mittelschwerer bei 68,6 ± 4,2 pg/ml und bei schwerer bei 60,2 ± 2,92 pg/ml (p = 0,014). Hypopnoe-Index sowie der Anteil der Schlafzeit unter 90 % und unter 80 % Sättigung korrelierten ebenfalls negativ mit dem Testosteron. Die sexuelle Lebensqualität war bei Apnoe geringer. Stärken: Anpassung für Alter und BMI, Sättigungsmaße. Schwächen: Querschnitt in einer sehr speziellen Population (Kandidaten für Adipositaschirurgie); die Ergebnisse gelten für freies Testosteron, nicht für Gesamttestosteron oder Samenqualität.
Tančić-Gajić et al. 2021 [s70]: OSA und niedriges Testosteron bei schwer adipösen Männern. Beobachtungsstudie, 104 Männer mit BMI von mindestens 35 kg/m², nach AHI in drei Gruppen: unter 15 (n = 20), 15 bis 29,9 (n = 17), mindestens 30 (n = 67). Gesamttestosteron 16,6 ± 6,1, 15,2 ± 5,3 und 11,3 ± 4,44 nmol/l (p < 0,001); freies Testosteron 440,4 ± 160,8, 389,6 ± 162,5 und 294,5 ± 107,0 pmol/l (p < 0,001). Auch nach Anpassung für Alter, BMI, Score des metabolischen Syndroms und seine Komponenten blieben AHI und Entsättigungsindex signifikant mit Gesamt- und freiem Testosteron verbunden. Stärken: Anpassung auch für das metabolische Syndrom. Schwächen: Die Gruppen unterschieden sich stark im Alter (29,1, 43,2 und 45,2 Jahre) und im BMI; die Gruppe mit AHI unter 15 war mit 20 Männern klein; Altersunterschiede von bis zu 16 Jahren können das Testosteron selbst beeinflussen.
Amodeo et al. 2026 [s04]: OSA und CPAP im funktionellen Hypogonadismus bei Adipositas. Querschnitt mit 204 stationären Männern mit komplizierter Adipositas ohne bekannten Hypogonadismus und kleiner Längsschnittgruppe (Volltext ausgewertet). 187 Männer hatten eine OSA-Diagnose, 112 eine „dekompensierte" OSA (AHI beziehungsweise Entsättigungsindex über 30). 127 von 204 hatten niedriges Gesamttestosteron (höchstens 10,4 nmol/l), 45 davon unter 6,0 nmol/l; bei 76,6 % der Männer mit Hypoandrogenämie und gemessenen Gonadotropinen lag eine hypogonadotrope Form vor (LH unter 9,4 mU/l). Gesamttestosteron bei dekompensierter OSA 8,38 ± 4,41 gegenüber 9,78 ± 5,12 nmol/l (p = 0,002); bei Einteilung nur nach vorhandener OSA-Diagnose kein Unterschied (p = 0,951). In der Regression blieben dekompensierte OSA (β = -0,165; p = 0,014), BMI (p = 0,039), Typ-2-Diabetes (p = 0,006) und C-reaktives Protein (p = 0,003) unabhängig mit dem Testosteron verbunden; SHBG (bei 51 Patienten) unterschied sich nicht (p = 0,79). Bei 14 neu diagnostizierten Patienten stieg das Testosteron nach drei Monaten CPAP um 3,75 nmol/l (± 4,11; p = 0,009); dieser Interventionsteil gehört in das Interventionskapitel. Stärken: nach Angabe der Autoren die größte bisher untersuchte Gruppe adipöser Männer für diese Frage; Anpassung für Entzündung und Diabetes. Schwächen: Längsschnitt mit nur 14 Männern ohne Kontrolle; stationäre Selektion; einzelne Tabellenangaben sind auffällig (zum Beispiel p = 0,017 für einen Altersunterschied von 57,13 gegenüber 55,90 Jahren; Triglyceride 166,31 im Gesamtkollektiv gegenüber 99,41 und 113,92 in den Gruppen) und wurden wie berichtet wiedergegeben. Dass nur die Einteilung nach Schweregrad, nicht nach bloßer Diagnose einen Unterschied zeigt, stützt eine Dosis-Wirkungs-Lesart, erlaubt aber wegen des fehlenden Vergleichs mit adipösen Männern ohne OSA keinen Schluss auf eine eigenständige OSA-Wirkung (Einordnung der Bearbeitung).
Einordnung. Unter adipösen Männern bleibt in allen drei Studien ein Zusammenhang zwischen OSA-Schwere und Testosteron nach Anpassung bestehen [s152, s70, s04]. Alle drei sind Querschnitte in selektierten Gruppen mit hohem BMI und entsprechend hoher Prävalenz niedriger Werte (127 von 204 Männern in [s04]). Das Ergebnis lässt sich daher nur auf adipöse Männer übertragen.
4. Bevölkerungsbasierte Studien, Registerdaten und Mendelsche Randomisierung
Große Studien schaffen es eher, Störgrößen zu kontrollieren, und bilden Männer außerhalb von Spezialambulanzen ab. Ihre Schwäche liegt in der Erfassung der OSA, die oft per Fragebogen, Diagnosecode oder Heimmonitor erfolgt.
Barrett-Connor et al. 2008 [s163]: Testosteron, Schlafqualität, Schlafarchitektur und Schlafstörungen bei älteren Männern. Kohorte älterer Männer aus sechs US-Zentren, Querschnittsauswertung. 1.312 Männer ab 65 Jahren; Gesamttestosteron 2000 bis 2002, etwa 3,4 Jahre später Aktigraphie und Polysomnographie zu Hause. Niedriges Testosteron (unter 250 ng/dl) war mit geringerer Schlafeffizienz, mehr nächtlichem Erwachen, weniger Tiefschlaf, höherem AHI und mehr Schlafzeit unter 90 % Sättigung verbunden. Alle Zusammenhänge waren nach Anpassung für BMI oder Taillenumfang abgeschwächt oder verschwunden. Schlussfolgerung der Autoren: Der Zusammenhang werde weitgehend durch Adipositas erklärt. Stärken: große bevölkerungsnahe Gruppe, objektive Schlafmessung. Schwächen: nur ältere Männer, Testosteron und Schlafmessung etwa dreieinhalb Jahre auseinander, Gesamttestosteron als einziges Maß im Abstract.
Kische et al. 2016 [s117]: Sexualhormone und Schlaf in der Allgemeinbevölkerung. Bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie (SHIP-TREND, Deutschland) mit 204 Männern und 213 Frauen; Hormone massenspektrometrisch. Bei Männern war das Gesamttestosteron altersadjustiert mit dem AHI verbunden (OR 0,62; 95-%-KI 0,46 bis 0,83); nach multivariabler Adjustierung war der Zusammenhang nicht mehr signifikant, ebenso beim freien Testosteron und beim SHBG. Bei prämenopausalen Frauen blieben freies Testosteron und SHBG mit dem AHI verbunden. Die Autoren sehen Körperzusammensetzung und Lebensstil als wesentliche Bestimmungsgrößen. Stärken: Massenspektrometrie, Allgemeinbevölkerung, Männer und Frauen getrennt. Schwächen: nur 204 Männer, die Einzelheiten der Adjustierung nennt der Abstract nicht, Querschnitt.
Clarke et al. 2020 [s72]: OSA ist keine unabhängige Determinante des Testosterons (MAILES). Kohorte MAILES, Querschnittsauswertung, nur Abstract. 623 Männer (41 bis 86 Jahre) mit Fasten-Morgenblut 2010 bis 2012 (Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie) und Polysomnographie zu Hause. Mittelwerte: Alter 59,0 ± 10,2 Jahre, Testosteron 16,8 ± 5,3 nmol/l, SHBG 32,9 ± 13,1 nmol/l, BMI 28,6 ± 4,2 kg/m², AHI 14,9 ± 13,7; OSA bei 51,5 %. Zwischen AHI und Testosteron bestand ein inverser Zusammenhang (p = 0,01), der nach Adjustierung für Alter, BMI und SHBG verschwand. Die Autoren schließen, Adipositas und nicht OSA bestimme das Testosteron. Stärken: Massenspektrometrie, große Kohorte, Polysomnographie zu Hause. Schwächen: Es gingen nur 623 von 1.869 Männern in die Analyse ein (Auswahlverzerrung möglich); SHBG als Adjustierungsgröße kann selbst vom OSA-Zustand oder vom Gewicht abhängen, sodass die Adjustierung einen Teil eines tatsächlichen Effekts wegnehmen könnte (Einordnung der Bearbeitung, nicht der Autoren).
Guo und Wang 2025 [s23]: Sexualsteroide und OSA, NHANES 2015 bis 2016. Querschnittsanalyse (Medicine), 3.331 Erwachsene ab 20 Jahren, davon 1.674 mit OSA nach Selbstangabe (Fragebogen). Gewichtete logistische Regression, Splines, ROC-Kurven. Univariat war höheres Testosteron mit höherem OSA-Risiko verbunden; nach Adjustierung war höheres Testosteron mit geringerem Risiko verbunden (OR = 0,69; 95-%-KI 0,54 bis 0,90) mit einem nichtlinearen Schwelleneffekt. Niedriges SHBG war mit höherem Risiko verbunden (OR = 0,71; 95-%-KI 0,59 bis 0,85), robust über Modelle und Untergruppen. Östrogene waren nicht assoziiert. Die Fläche unter der ROC-Kurve für ln(SHBG) betrug 0,595, das heißt begrenzte Unterscheidungskraft. Schwächen: selbstberichtete OSA statt Polysomnographie; Männer und Frauen im Abstract gemeinsam dargestellt (Testosteron wirkt geschlechtsspezifisch unterschiedlich); Querschnitt; die Umkehrung des univariaten Befunds nach Adjustierung zeigt, wie stark Störgrößen den Befund bestimmen, die im Abstract nicht benannt werden.
Ji et al. 2026 [s12]: OSA und Sexualhormone bei US-amerikanischen Männern, NHANES 2015 bis 2016. Querschnittsanalyse (Sexual Medicine), 2.218 erwachsene Männer; OSA-Risiko nach dem adjustierten Multivariable Apnea Prediction Index (in Terzile eingeteilt); Hormone per Isotopenverdünnungs-Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie und Immunoassays; gewichtete Regression, Splines, Mediationsanalyse. Im voll adjustierten Modell war höheres OSA-Risiko mit niedrigerem ln(Gesamttestosteron) (β = -0,23; 95-%-KI -0,40 bis -0,06) und niedrigerem ln(SHBG) (β = -0,49; -0,66 bis -0,31) verbunden, nicht mit freiem Testosteron oder Östradiol. Testosteronmangel war in der Hochrisikogruppe häufiger (43,83 % gegenüber 12,70 %; für den kontinuierlichen Score OR 3,85; p = 0,04, grenzwertig). SHBG vermittelte einen wesentlichen Teil des Zusammenhangs (p < 0,001). Die Autoren beschreiben ein Profil aus niedrigem Gesamttestosteron und niedrigem SHBG bei erhaltenem freiem Testosteron, stark vom BMI abhängig. Stärken: Massenspektrometrie, breites Hormonpanel, nationale Stichprobe. Schwächen: OSA-Risiko nur per Fragebogenindex, Querschnitt. Einordnung: Das Profil (Gesamttestosteron und SHBG niedrig, freies Testosteron erhalten) ist mit einer überwiegend gewichtsvermittelten Absenkung des Gesamthormons vereinbar (Einordnung der Bearbeitung); zur Samenqualität enthält die Studie keine Daten.
Agrawal et al. 2024 [s33]: Schlafstörungen sind mit Testosteronmangel und ED verbunden. Retrospektive Registerauswertung (TriNetX) an Männern von 40 bis 70 Jahren mit Propensity-Score-Matching. Testosteronmangel war bei Schlafapnoe häufiger (OR 1,66; 95-%-KI 1,65 bis 1,67), ebenso bei Insomnie (OR 1,74; 1,73 bis 1,76) und zirkadianer Rhythmusstörung (OR 2,63; 2,54 bis 2,73). ED: Schlafapnoe OR 1,02 (1,01 bis 1,03), Insomnie 1,30 (1,30 bis 1,31), zirkadiane Störung 1,54 (1,49 bis 1,59). Stärken: sehr große Zahlen, Vergleich dreier Schlafstörungen. Schwächen: Abrechnungsdaten, Diagnosecodes statt Messwerten; die extrem engen Intervalle spiegeln die Größe des Datensatzes, nicht die Genauigkeit der Erfassung; der ED-Effekt bei Schlafapnoe ist praktisch null (OR 1,02), während er bei Insomnie größer ist; der Zusammenhang kann auch durch Erkennungsverzerrung entstehen, wenn Männer mit Schlafstörungen häufiger auf Testosteron untersucht werden (Einordnung der Bearbeitung).
Andersen et al. 2026 [s06]: Schlafstörungen und ED, zwei Ausgaben der EPISONO-Studie. Bevölkerungsbasierte Kohorte in São Paulo, Brasilien (Epidemiologic Sleep Study), Männer von 20 bis 80 Jahren. Längsschnitt 2007 bis 2015 (Inzidenz n = 256, Prävalenz n = 300) und Querschnitt 2018 (n = 314), jeweils mit Polysomnographie und Testosteron. Die Inzidenz der ED betrug 10,55 % im Verlauf und war bei Männern über 50 Jahren höher. Prädiktoren im Längsschnittmodell: Alter (OR 1,09), depressive Symptome (OR 1,05), niedriges Gesamttestosteron (OR 2,69); psychisches Wohlbefinden war mit niedrigerem Risiko verbunden (OR 0,87). Im Querschnitt 2018 lag die ED-Prävalenz bei 20,06 %; Alter erhöhte (OR 1,07), das psychische Wohlbefinden senkte die Chance (OR 0,65). Der AHI vermittelte den Effekt des Alters auf das Gesamttestosteron statistisch signifikant; im Modell mit ED als Ergebnis wirkte das Alter, nicht der AHI. Fazit der Autoren: OSA und ED seien assoziiert, aber nicht unabhängig vom Alter. Stärken: einzige bevölkerungsbasierte lateinamerikanische Studie dieser Frage, Polysomnographie, Längsschnitt mit Hormonmessung. Schwächen: Der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle; die Fallzahlen für ED sind klein; Mediationsmodelle in Querschnittsdaten setzen eine zeitliche Ordnung voraus, die nicht besteht.
Lu et al. 2024 [s36]: Schlafmerkmale und männliche Fruchtbarkeit, Mendelsche Randomisierung. Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit acht Schlafmerkmalen (unter anderem Schnarchen) und drei Fruchtbarkeitsmaßen (männliche Infertilität, abnorme Spermien, bioverfügbares Testosteron). Der genetisch vorhergesagte Chronotyp war mit bioverfügbarem Testosteron verbunden (IVW OR = 1,07; 95-%-KI 1,04 bis 1,12; p = 0,0002). Für andere Schlafmerkmale fand sich kein Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit männlicher Fertilität. Stärken: Verfahren gegen Störgrößen und umgekehrte Verursachung. Schwächen: Gute genetische Instrumente für OSA selbst fehlen; „Schnarchen" ist nur ein grober Ersatz; ein OR von 1,07 ist klein.
Cole et al. 2018 [s92] und Lundy et al. 2020 [s76]: OSA und Polyzythämie in Registern unter Testosterontherapie. Beide Arbeiten betreffen Männer unter Testosteronrezept und kehren die Frage um: Was geschieht mit der Atmung beziehungsweise dem Blutbild, wenn Testosteron gegeben wird? Cole et al. (retrospektive Kohorte, 3.422 Männer von 40 bis 64 Jahren mit Testosteronrezept 2006 bis 2010, 1:1 gepaart, mediane Beobachtung 17 Monate): Thromboembolien gleich häufig (p = 0,239), kardiovaskuläre Ereignisfreiheit besser (p = 0,004; koronare Herzkrankheit p = 0,008); OSA-Risiko höher (2-Jahres-Risiko 16,5 %, 95-%-KI 15,1 bis 18,1, gegenüber 12,7 %, 11,4 bis 14,1). Lundy et al. (retrospektive Aktenauswertung, 474 hypogonadale Männer unter Testosteronersatz 2015 bis 2019): 62 (13,1 %) hatten eine Polyzythämie (Hämatokrit mindestens 52 %); OSA war damit verbunden (p = 0,002; adjustiertes OR 2,09; 95-%-KI 1,17 bis 3,76; p = 0,01). Von 37 Männern mit Polyzythämie und OSA hatten 52,8 % eine schlechte CPAP-Adhärenz. Schwächen beider: Abrechnungsdaten beziehungsweise Einzelbehandler, retrospektiv; Erkennungsverzerrung möglich (Männer unter Testosteron werden eher auf Schlafapnoe befragt); die Abstracts zeigen nicht, ob die OSA vor oder nach Beginn der Behandlung entstand. Beide Studien beantworten nicht die Frage dieses Kapitels (OSA und Testosteronmangel), sondern die nach der Sicherheit der Gegenrichtung; sie stehen hier, weil sie zum selben Wechselspiel gehören.
Einordnung des Abschnitts. Die bevölkerungsbasierten Studien mit guter Hormonmessung [s163, s117, s72] finden nach Anpassung für Körpergewicht keinen eigenständigen Zusammenhang; die NHANES-Auswertungen [s23, s12] finden einen Zusammenhang für Gesamttestosteron und SHBG, nicht für freies Testosteron; die Registerauswertung [s33] findet einen Zusammenhang auf Diagnosecode-Ebene; die Mendelsche Randomisierung [s36] liefert für Schnarchen keinen Hinweis auf eine Wirkung auf die Fruchtbarkeit. Das ist ein konsistentes, wenn auch methodisch uneinheitliches Bild, das für eine überwiegend gewichtsvermittelte Absenkung des Gesamttestosterons spricht, ohne einen kleinen eigenständigen OSA-Effekt auszuschließen (Einordnung der Bearbeitung).