Epigenetik und Spermien-RNA: Vererbung über den Vater · Kapitel 16 von 24 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Russisch bis Türkisch

Russisch

Umfang und drei Gruppen. Der russische Literaturbestand besteht aus drei Gruppen: (a) Arbeiten um die Biobank der „Russian Children's Study“, überwiegend englischsprachig und teils US-geführt (Massachusetts, Michigan) mit russischen Mitautoren; (b) russischsprachige klinische Studien und Übersichten in nationalen Fachzeitschriften, die über CyberLeninka frei zugänglich sind; (c) molekularbiologische Grundlagenarbeiten aus Moskau und St. Petersburg zu piRNA, 5-Hydroxymethylcytosin und Seminal-RNA. In der Quellenliste tragen 18 Quellen das Kennzeichen Russisch.

Kohorte und Biobank. Die größte Stichprobe zu Spermien-sncRNA und Spermienmethylom aus dem gesamten regionalen Material stammt aus der Russian Children's Study, einer Kohorte von 516 Jungen, die mit 8 bis 9 Jahren eingeschlossen wurden und mit 18 bis 19 Jahren Samenproben abgaben:

  • Zur intraindividuellen Variabilität wurden bei 164 jungen Männern Samenproben im Abstand von 6 bis 8 Tagen gewonnen. Untersucht wurden 319 Proteine im Seminalplasma und 777 in Vesikeln sowie 409 sncRNA in Vesikeln (darunter 78 tsRNA) und 265 sncRNA in Spermien (darunter 15 tsRNA). Niedrig variabel (Variationskoeffizient innerhalb der Person unter 15 % und Intraklassenkorrelation über 0,90) waren 46 sncRNA der Vesikel und 9 der Spermien. Nur eine Minderheit der früher als Fertilitätsmarker vorgeschlagenen Kandidaten erfüllte das Stabilitätskriterium [s72]. Methodisch ist das die wichtigste Arbeit zur Frage, ob ein einzelnes Ejakulat die RNA-Signatur eines Mannes repräsentiert; über Vererbung oder klinische Wirkung sagt sie nichts.
  • Zur Dioxin-Exposition (TCDD) wurde die Vollgenom-Bisulfit-Sequenzierung der Spermien zwischen der höchsten (n = 4) und der niedrigsten (n = 4) peripubertären TCDD-Gruppe verglichen; 52 differenziell methylierte Regionen unterschieden die Gruppen [s309]. Mit vier Männern je Gruppe ist das ein Vorbefund; die Autoren sprechen selbst von einer begrenzten Stichprobe. Die Stärke liegt in der prospektiven Messung der Exposition vor der Spermiengewinnung.
  • Eine Methodenarbeit an 67 fraktionierten Proben verglich zwei Kits zur Herstellung von Small-RNA-Bibliotheken [s228].

Eine Rattenkohorte (Wistar, perinatale BDE-47-Exposition der Muttertiere; Tierversuche in Massachusetts genehmigt) wurde für mehrere Auswertungen mit russischer Beteiligung genutzt: Die Spermienmethylierung wurde durch BDE-47 an Tag 65 erhöht und an Tag 120 gesenkt [s311]; in Kontrolltieren fanden sich 5319 altersabhängige differenziell methylierte Regionen [s225]; 249 miRNA, 908 piRNA und 227 tRNA-abgeleitete RNA unterschieden sich zwischen den Altersgruppen (6 Tiere je Zeitpunkt und Gruppe) [s258]. Die Auswertungen beruhen auf denselben Tieren und sind nicht unabhängig.

Russischsprachige klinische Studien (CyberLeninka). Sie sind pragmatisch ausgerichtet (ART-Erfolg, DNA-Fragmentierung, Chromatinreife) und nutzen klinikverfügbare Methoden wie TUNEL, Elektronenmikroskopie und qPCR; genomweite Sequenzierung findet sich nur in den englischsprachigen Kohortenarbeiten.

  • „Methylierung des SNRPN-Gens bei infertilen Männern ohne Mutationen in bekannten Kandidatengenen“ (Андрология и генитальная хирургия, 2021) [s240]: 49 Männer, nach Ausschlüssen 44; aberrante SNRPN-Methylierung in 11,4 % der Fälle, zusammen mit molekulargenetischen Veränderungen bei 20 % der Patienten. Das Abstract nennt keine fertile Kontrollgruppe; „aberrant“ bezieht sich auf Schwellen der Autoren.
  • „Expression exosomaler microRNAs miR-34a und miR-210 bei männlicher Infertilität“ (Вестник урологии, 2024) [s132]: 150 Männer (96 idiopathisch infertil, 54 fertil); der exosomale miR-34a-Pool war erniedrigt (p = 0,0116). Der ART-Zusammenhang war für miR-210 mäßig (0,437993) und für miR-34a mit 0,135314 praktisch bedeutungslos; das Abstract nennt für den miRNA-Unterschied weder Effektgröße noch Konfidenzintervall.
  • „Störung der Chromatinkondensation und DNA-Fragmentierung der Spermien: gibt es eine Korrelation?“ (2017) [s331]: 211 Männer in drei Gruppen; der Anteil unreifen Chromatins lag bei Männern mit Schwangerschaftsanomalien oder ART-Misserfolg der Partnerin bei 29,26 ± 13,49 gegenüber 22,43 ± 9,54 in der Kontrolle (p = 0,006); beide Merkmale waren weitgehend unabhängig. Das betrifft die Chromatinpackung, nicht die Methylierung.
  • Eine Studie zur Spermienselektion nach dem Membran-Zetapotenzial fand 16,3 % gegenüber 19,38 % Gameten mit abnormal kondensiertem Chromatin gegenüber der Dichtegradientenzentrifugation (p < 0,01); die Stichprobengröße nennt das Abstract nicht [s130].
  • Zur Altersbestimmung aus Sperma-DNA liegt aus Belarus ein methylierungsbasiertes Modell vor (467 Männer; mittlere Vorhersagegenauigkeit 3 Jahre) [s239]; das ist ein forensischer Zweck.
  • Genetisch, nicht epigenetisch: In einer Moskauer Studie unterschied sich die Genotypverteilung der MTHFR-Polymorphismen C677T und A1298C zwischen 127 infertilen und 68 fertilen Männern nicht [s250].

Grundlagenarbeiten. St. Petersburger Immunfluoreszenz zu 5-Hydroxymethylcytosin: Der Anteil stark hydroxymethylierter Ejakulat-Spermien lag bei Patienten aus infertilen Paaren zwischen 0,12 und 21,24 % gegenüber 0,02 bis 0,46 % bei Spendern (P < 0,0001) und korrelierte negativ mit normaler Morphologie (r = −0,567) [s319]. Zur Kontrolle von Transposons im menschlichen Hoden beschreibt eine Arbeit zwei Modi mit piRNA [s320]. Ein Kurzbericht vermutet, dass doppelsträngige RNA im Seminalplasma Eizellen beeinflussen könnte (Hypothese ohne Funktionstest im Abstract) [s329]. Mäusehoden nach 21 bis 24 Tagen im Weltall zeigten auf Genexpressionsebene erhöhtes Tet2 und erniedrigtes Hdac1 [s274].

Tierversuche zu väterlicher Exposition. Alkohol der Väter vor der Paarung ging mit veränderter Aktivität männlicher Nachkommen einher; die Autoren vermuten verminderte Methylierung, gemessen wurde sie nicht [s117]. Bleiacetat über sieben Wochen veränderte das Verhalten von F1 und F2; die Ursachen werden diskutiert, nicht gemessen [s317]. Beim Hahn hatten Küken aus gefrorenem Sperma 36 % weniger Hodenkanälchen (p < 0,05) [s12]. Eine systematische Übersicht zur präkonzeptionellen Bestrahlung (236 Treffer, 30 eingeschlossen) fand beim Menschen überwiegend kein signifikantes Gesundheitsrisiko der Nachkommen, in Mausexperimenten ein erhöhtes Krebsrisiko [s89].

Übersichten und Besonderheiten. Russischsprachige Übersichten behandeln microRNA in der Spermatogenese [s351], genetische und epigenetische Regulation (mehr als 90 geprägte Gene und Loci auf 13 Chromosomen) [s363], eine PRISMA-Übersicht zur Epigenetik bei männlicher und weiblicher Infertilität (530 PubMed-, 57 eLibrary- und 23 Google-Scholar-Treffer vor Ausschlüssen) [s131], Spermienchromatin und DNA-Fragmentierung [s238] und das Konzept der väterlichen Ursprünge von Gesundheit und Krankheit (POHaD) neben DOHaD [s285]. Thematisch fällt die Orientierung an Umweltexposition (Dioxin, Flammschutzmittel, Hitze, Cadmium, Weltraumflug, ionisierende Strahlung, Blei) und am väterlichen Alter auf. Zeitschriften sind unter anderem Andrologiya i genital'naya khirurgiya, Vestnik urologii, Urologiia, Akusherstvo, ginekologiya i reprodukciya, Molekulyarnaya biologiya, Gigiena i sanitariya, Voprosy onkologii, Ekologicheskaya genetika und Biosfera.

Leitlinien und Register. Leitlinien oder Register zum Thema wurden nicht gefunden.

Erreichbarkeit. eLIBRARY.ru lieferte HTTP 403 und war nicht erreichbar; es wird nur über CyberLeninka und zitierende Arbeiten sichtbar. CyberLeninka war über die Suchschnittstelle erreichbar (18 russische Suchbegriffe), die Artikelseiten lieferten Abstract und Metadaten, bei schneller Folge teils HTTP 503; Volltexte wurden nicht abgerufen. Der Europe-PMC-Volltext-Endpunkt lieferte für drei Arbeiten (darunter die beiden Kohortenarbeiten) HTTP 500.

Arabisch

Eigene Literatur: keine arabischsprachige Primärstudie. In den erreichbaren Quellen findet sich keine arabischsprachige Primärstudie zur Spermienepigenetik; die Quellenliste der Gesamtstudie enthält keine Quelle mit arabischem Sprachkennzeichen. Europe PMC lieferte mit dem Sprachfilter Arabisch keinen Treffer zum Thema. Crossref-Suchen mit arabischen Begriffen (Spermien, Methylierung, Epigenetik, Infertilität, miRNA, Seminalflüssigkeit) lieferten Rechtsgutachten zu Spermakonservierung, Agrar- und Veterinärstudien, Managementwissenschaft und Nachrichtenartikel, aber keine einschlägige Studie. Ob das an der fehlenden Abdeckung arabischer Zeitschriften in den Indizes liegt oder daran, dass die Forschung dort überwiegend auf Englisch erscheint, kann die Recherche nicht trennen.

Englischsprachige Literatur aus dem arabischen Raum. Sie gliedert sich in fünf Cluster:

  • Rauchen, globale Methylierung, Protamin und Histon (Saudi-Arabien, Jordanien, Gaza). Bei 35 Rauchern und 19 Nichtrauchern lag Histon H2B bei 292,27 ± 58,24 gegenüber 109,1 ± 43,70 ng/10⁶ Spermien (p = 0,001); als objektiver Expositionsmarker wurde Cotinin im Seminalplasma gemessen [s371]. Bei 109 Männern war die globale Methylierung der Raucher höher (7,08 ± 1,77 gegenüber 4,85 ± 2,72 ng/µl; P < 0,001) [s304]; bei 123 Männern waren PRM1- und PRM2-mRNA bei Rauchern niedriger [s263]; bei 53 normalen Männern und 75 Patienten war das Verhältnis von Histon- zu Protamin-Transkripten bei Patienten höher, mit dem Hinweis der Autoren auf Validierungsbedarf [s264]; bei 120 Samenproben waren 36 (30 %) bakteriell infiziert [s315]. Die Gruppe der Islamic University of Gaza (Laqqan, Yassin) führte drei große Querschnittsstudien durch: 500 Proben mit 300 Shisha-Rauchern [s151], 900 Proben mit je 300 Wasserpfeifen-, Zigarettenrauchern und Nichtrauchern [s152] sowie ein Array-Screening (15 gegen 15 Männer) mit Validierung in einer unabhängigen Kohorte (200 starke Raucher, 100 Nichtraucher) [s189]. Wasserpfeifen- beziehungsweise Shisha-Rauchen ist eine regional typische Exposition. Sehr große Effekte (zum Beispiel DNA-Fragmentierung 73,4 % gegenüber 9,3 %) sind ungewöhnlich und sprechen nach Einschätzung des Berichts für einen Selektions- oder Methodeneffekt, der nur mit Volltext und Rohdaten prüfbar wäre. Ein weiterer Artikel mit Laqqan als Erstautor ist als zurückgezogen gekennzeichnet; seine Zahlen werden nicht verwendet.
  • Saarbrücker Kooperation mit jordanischer und palästinensischer Beteiligung. Siehe Abschnitt Deutsch: miR-19a/b-3p [s178], miRNA in Spermien und Embryo-Kulturmedium bei 61 ICSI-Paaren [s242], miRNA im Hodengewebe azoospermer Männer (197, 68 und 46 differenziell exprimierte miRNA bei Sertoli-Zell-Only, gemischter Atrophie und Keimzellarrest) [s367], Einzelspermien-RNA (Validierung an 65 subfertilen und 30 fertilen Männern) [s91], SPAG7 und regulierende miRNA bei 87 Männern [s134].
  • Irak. Bei 88 Männern war im Seminalplasma die SRD5A2-mRNA bei Asthenozoospermie hoch-, bei Oligozoospermie und Azoospermie herunterreguliert [s36]; in einer zweiten Studie wurden bei 120 Männern vier miRNA gemessen, wobei die „normale“ Gruppe nicht als nachweislich fertil beschrieben ist [s179]; eine Rattenstudie fand nach Amöbeninfektion eine Nicht-CpG-Methylierung an einem SPATA6-Locus [s68].
  • Ägypten. Cadmium und MT1A-Methylierung bei 33 infertilen und 33 fertilen Männern in Alexandria [s100]; globale Spermienmethylierung bei 104 infertilen und 60 fertilen Männern, wobei höhere Werte mit guter Embryoqualität verbunden waren [s255] (die entgegengesetzte Richtung zum Befund aus Gaza bei höherem Alter [s160]); Vitamin-D-Rezeptor-Methylierung bei 60 idiopathisch infertilen und 40 fertilen Männern [s221]; Seminal-miRNA bei Varikozele bei 220 Männern [s344]; Protamin 2 bei 70 infertilen und 64 fertilen Männern in Mansoura [s348]; Rattenstudien zu elterlicher DEHP-Exposition [s58] und väterlicher beziehungsweise mütterlicher Adipositas [s164]. Zwei ägyptisch affiliierte Arbeiten sind als zurückgezogen gekennzeichnet, ihre Zahlen werden nicht verwendet.
  • Tunesien, Marokko, Libanon, Saudi-Arabien, Emirate. Zwei Arbeiten mit tunesischer Autorenschaft nutzten die Picardie-Kohorte (siehe Französisch). Marokko: eine Methodenarbeit zur RNA-Isolation aus Spermien [s63] und eine Rattenstudie zu väterlichem Cannabinoid in der Adoleszenz [s266]. Libanon: Nachkommen alter Rattenväter mit höherem Blutdruck unter L-NAME [s188] und eine Übersicht zur väterlichen Adipositas [s324]. Saudi-Arabien und Emirate: eine Rattenstudie zu Leptin und Histon-zu-Protamin-Verhältnis [s292] und Übersichten [s169, s38, s168].

Regionale Besonderheiten. Wasserpfeifen-Rauchen als typische Exposition [s151, s152], Cadmium aus Muscheln in Alexandria [s100], Varikozele als wiederkehrendes Thema [s344]. Die Altersrichtung der globalen Methylierung ist widersprüchlich: höher bei älteren Männern [s160], niedriger bei über 40-Jährigen in der Picardie-Kohorte [s150].

Leitlinien und Register. Weder arabischsprachige Leitlinien noch Register zum Thema wurden gefunden.

Erreichbarkeit. Europe PMC und Crossref waren erreichbar. Mandumah lieferte HTTP 429 und danach eine leere Weiterleitung, e-Marefa HTTP 404, ASJP und IASJ hatten keine Verbindung, Arab World Research Source (EBSCO) ist kostenpflichtig und war ohne Zugang. OpenAlex lieferte HTTP 429, CORE und BASE HTTP 403. Die Abdeckung des arabischen Raums ist damit unvollständig.

Türkisch

Umfang und Struktur. Die Türkei stellt mit 40 Quellen den größten regionalen Block des Teils C und hat die dichteste Kette humaner Fall-Kontroll-Studien zu Promotormethylierung (Samsun, Gazi, Akdeniz, Ankara). In der Quellenliste tragen 11 Quellen das Kennzeichen Türkisch (teils zusätzlich Englisch); dazu kommen englischsprachige PubMed-Arbeiten aus der Türkei.

Kohorten und Studien am Menschen. Den größten Anteil stellt die Arbeitsgruppe der Ondokuz-Mayıs-Universität in Samsun (Güneş, Hekim, Aşcı). Sie vergleicht Spermien-DNA infertiler und fertiler Männer und koppelt Methylierung mit TUNEL-Fragmentierung und Anilinblau-Färbung (Hinweis auf histonreiche, unreife Chromatinpackung):

  • MLH1 und MSH2: 127 Männer (75 idiopathisch infertil, 52 fertil oder normozoosperm); die Methylierung wurde nur bei 39 und 40 Männern bestimmt; MLH1 korrelierte positiv mit dem Anteil Anilinblau-positiver Spermien (r = 0,401) [s220]; in einer Pilotstudie mit 10 oligozoospermen und 29 normozoospermen Männern war MLH1 bei Oligozoospermie stärker methyliert (p = 0,0013), die ROC-Fläche betrug 61,1 % bei Sensitivität 22,2 % [s302].
  • XRCC1 und ERCC2: 77 Männer mit Oligoasthenoteratozoospermie, 51 Kontrollen; XRCC1-Methylierung bei Patienten höher (p = 0,0056) [s223].
  • BRCA1 und BRCA2: 73 Patienten, 20 Kontrollen; keine signifikante Beziehung zwischen DNA-Fragmentierung und Promotormethylierung, also ein Nullbefund [s267].
  • MTHFR: Zwei Studien kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. In einer Studie der Gazi-Universität (Pyrosequenzierung, 40 gegenüber 40) war die Promotormethylierung bei Infertilen höher (11 % gegenüber 4,3 %; p = 0,01) [s322]; in einer Samsuner Studie (methylierungsspezifische PCR; 35 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie, 46 mit schwerer Oligozoospermie, 49 Kontrollen) war der Promotor bei 51 % der Kontrollen methyliert, ohne Unterschied (p = 0,621) [s222]. Eine mögliche methodische Erklärung: Pyrosequenzierung quantifiziert den Methylierungsgrad, die methylierungsspezifische PCR liefert nur ja oder nein.
  • Geprägte Gene: 30 fertile, 30 oligozoosperme und 30 Männer mit normaler Spermienzahl; bei Oligozoospermie war GNASAS häufiger hypermethyliert (OR 2,460; 95-%-Konfidenzintervall 1,315 bis 4,603) [s112]. Das ist das einzige türkische Humanbeispiel mit Konfidenzintervallen. Eine Studie an 38 Männern fand niedrigere Spermien-miR-574 bei idiopathisch Infertilen (p = 0,031) und mehr histonreiche Spermien (p = 0,002) [s07].
  • RNA im Seminalplasma: Bei 23 oligozoospermen und 25 normozoospermen infertilen Männern war das tRNA-Fragment 5'tRF-Glu-CTC bei Oligozoospermie höher (p = 0,024); der Befund betrifft Seminalplasma, nicht Spermien, und die Aussage zur Schwangerschaft ist statistisch nicht gestützt [s52]. Eine Studie mit 6 Männern mit Varikozele, 9 idiopathisch Infertilen und 9 Fertilen fand niedrigere hsa-miR-145-5p bei Varikozele (p = 0,029) [s101]; dieselben Daten stehen in einem Projektbericht (Projektnummer 221S002), der keine unabhängige Replikation ist [s197].
  • Chromatin und Protamine: In 100 ICSI-Samenproben waren TNP1 (p = 0,036) und PRM1 (p = 0,04) bei hoher DNA-Fragmentierung herunterreguliert [s47]; Polymorphismen in PRM1, PRM2 und YBX2 bei 100 infertilen und 100 fertilen Türken sind ein genetischer, kein epigenetischer Befund [s293].
  • Forensisch: Ein Panel aus 12 CpG-Stellen (115 Männer im Alter von 20 bis 71 Jahren) erreichte mittlere absolute Fehler von 3,81 bis 4,1 Jahren [s95].

Tiermodelle und Gewebe. Die Ankaraner Gruppe (Uysal, Şükür, Çınar) zeigte in Hodenbiopsien bei nichtobstruktiver Azoospermie eine graduelle Abnahme von DNMT1 und globaler Methylierung von der Hypospermatogenese bis zum Sertoli-Zell-Only-Syndrom [s281]; weitere Arbeiten betreffen Mäuse unter fettreicher Diät [s170] und diabetische Ratten [s27]. Die Fırat-Gruppe untersucht Wirkungen von Verapamil und Carbamazepin auf miRNA in Hoden und Spermien der Ratte (n = 15 je Gruppe bei Verapamil) [s259, s231] und die Kryokonservierung beim Widder [s218]. Die Abstracts nennen oft keine Stichprobengrößen; eine Vererbung wurde nicht untersucht.

Väterliche Weitergabe. Die einzige türkische Gruppe, die Vererbung direkt untersucht, ist die Erciyes-Universität in Kayseri (Rassoulzadegan als Koautor): Zwei Mauslinien, die der Hochfettdiät widerstanden, übertrugen den neu erworbenen Phänotyp mit ihrer Spermien-RNA nach Mikroinjektion auf empfängliche Linien [s199]; die väterliche Hochfettdiät erhöhte bei F1 und F2 die Expression adipogener Proteine, mit erhöhter miR-199a-5p [s71]; sechs miRNA waren im Serum von 45 Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung erniedrigt, in Mausmodellen auch in Spermien [s253]. Die Abstracts nennen keine Stichprobengrößen für die Mausversuche, und die Elternbefunde bei Autismus sind Serum-, nicht Spermienwerte.

Zeitschriften, Leitlinien, Register. Nationale Zeitschriften sind Androloji Bülteni, Journal of the Turkish German Gynecological Association, Turkish Journal of Urology, Ahi Evran Medical Journal und Current Research in Health Sciences mit teils zweisprachigen (türkisch/englisch) Abstracts; TR Dizin führt 10 Quellen der Studie. Zu den TR-Dizin-Einträgen gehören Übersichten zu zellfreien Seminalnukleinsäuren [s245], DNA-Mismatch-Reparatur [s224], Bisphenol A [s280], epigenetischer Reprogrammierung in der assistierten Reproduktion [s423] und Spermienbiologie [s19] sowie rein bioinformatische Arbeiten ohne Probanden [s161, s23]. Eine Übersicht mit Trajektorienmodellierung geht von einem Rückgang der mittleren Spermienkonzentration um etwa 50 % seit den 1970er Jahren aus (Beschleunigung von 1,16 % auf 2,64 % pro Jahr) und weist selbst auf erhebliche Unsicherheit der Projektion hin [s04]. Leitlinien oder Register zur Spermienepigenetik wurden nicht gefunden. Die Samsun-Gruppe nutzt einheitlich TUNEL und Anilinblau als Vergleichsmerkmale; das erlaubt Vergleiche, birgt aber das Risiko stark korrelierter, nicht unabhängiger Befunde. Die Evidenzbasis ist überwiegend klein und korrelativ (typisch 24 bis 200 Probanden).

Erreichbarkeit. TR Dizin war über die JSON-Schnittstelle erreichbar. DergiPark leitete die Suche auf eine Bot-Verifikationsseite um und war nicht erreichbar; seine Inhalte werden nur über TR Dizin sichtbar. Europe PMC war die Hauptquelle.

Sprachübergreifender Vergleich. Die zwölf Räume unterscheiden sich weniger in den Antworten als in der Art des Materials. Metaanalysen, große Kohorten und alle drei Leitlinien liegen auf Englisch vor; die Leitlinien enthalten keine Empfehlung zu Methylierungs-, RNA- oder Histontests. Chinesisch liefert viele kleine klinische Studien mit wenigen großen Querschnittsreihen (Shanxi) und eine große Zahl von Mausstudien; Japanisch ist überwiegend tierexperimentell und konzeptuell an DOHaD/POHaD angelehnt; Koreanisch ist in den erreichbaren Quellen kaum vertreten. Russisch trägt die größte Biobank zu Spermien-sncRNA (Russian Children's Study) und klinisch-pragmatische Studien; Türkisch die dichteste Folge von Fall-Kontroll-Studien an Reparaturgenen und MTHFR; Arabisch ist nur über englischsprachige Arbeiten greifbar. Französisch und Spanisch liefern vor allem frühe Übersichten (2004 bis 2012), Deutsch, Italienisch und Portugiesisch keine einschlägige Primärliteratur in den erreichbaren Datenbanken. Befunde widersprechen sich auch über Grenzen hinweg: MTHFR-Promotormethylierung (höher in [s322], ohne Unterschied in [s222]), die Richtung der H19-Veränderung bei Oligozoospermie [s249, s385], die Altersabhängigkeit der globalen Methylierung ([s160] gegenüber [s150]) und das Ausmaß der Rauchbefunde ([s321], [s291], [s290], [s151], [s152]). Kein Sprachraum liefert einen Nachweis, dass ein spermiengetragenes epigenetisches Merkmal beim Menschen ein Merkmal des Kindes verursacht; die kausalen Belege stammen aus Nagerversuchen, und menschliche Daten zeigen Assoziationen mit hohem Verzerrungsrisiko. Was nicht erreichbar war (CNKI, Wanfang, CiNii, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, SciELO, LILACS, Cairn, Dialnet, Mandumah, DergiPark und weitere), fehlt in dieser Studie; das Fehlen von Literatur ist deshalb in mehreren Sprachräumen ein Befund über den Zugang, nicht über die Forschung.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Metaanalysen mit gepoolten Effektschätzern bis Leitlinien
  5. Erzählende Übersichten
  6. Methylierung geprägter Gene und männliche Infertilität bis Alter des Vaters
  7. Adipositas, Diabetes, Bewegung und Ernährung bis Autismus-Spektrum-Störung und väterliche Spermienmethylierung
  8. Spermien-RNA, Samenplasma und Hodengewebe beim Menschen bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Lesehinweis und Evidenzrahmen bis Systematische Übersichten und Metaanalysen
  10. Humanstudien zur Spermien-DNA-Methylierung
  11. Humanstudien zu Spermien-RNA bis Humanstudien zu Nachkommen und Mehrgenerationenmustern
  12. Tierversuche und Reichweite und Lücken der Studienlage
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  25. Diagramme
  26. Quellen s01–s142
  27. Quellen s143–s285
  28. Quellen s286–s430
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle