Fluorid, Trinkwasser, Nanopartikel und Metalle · Kapitel 20 von 22

Glossar

Akrosom: Kappenartige Struktur am Spermienkopf mit Enzymen, die für das Eindringen in die Eizelle nötig sind.

Alkalische Phosphatase, saure Phosphatase, LDH, SDH, γ-GT: Enzyme, deren Aktivität im Hodengewebe oder Seminalplasma als Marker der Gewebefunktion oder des Gewebeschadens bestimmt wird.

Androgenrezeptor (AR): Rezeptor, über den Testosteron und verwandte Hormone wirken.

Antioxidative Gesamtkapazität (TAC, T-AOC): Maß für die Fähigkeit einer Probe, oxidative Stoffe abzufangen.

Apoptose: Programmierter Zelltod. Marker sind unter anderem Caspase-3, Bax (fördernd) und Bcl-2 (hemmend).

Asthenozoospermie: Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

Azoospermie: Fehlen von Spermien im Ejakulat.

Benchmark-Dosis (BMDL): Rechnerisch bestimmte untere Grenze einer Dosis, bei der ein vorab festgelegter Effekt auftritt; dient in der Toxikologie als Bezugspunkt.

Blut-Hoden-Schranke: Barriere zwischen Blut und Keimepithel im Hoden, gebildet vor allem durch Verbindungen zwischen Sertoli-Zellen. Sie schützt Keimzellen vor Stoffen aus dem Blut.

BKMR (Bayesian Kernel Machine Regression): Statistisches Verfahren für Gemische von Expositionen, das nichtlineare Zusammenhänge und Wechselwirkungen zulässt.

Cadmium: Schwermetall, in den Studien häufig als Vergleichsstoff genannt.

Caspase-3, Caspase-1: Enzyme des programmierten Zelltods beziehungsweise der Entzündung (Pyroptose).

Comet-Assay (Kometentest): Verfahren zum Nachweis von DNA-Strangbrüchen in einzelnen Zellen; geschädigte DNA bildet beim Auswerten einen „Kometenschweif".

Cuproptose: Kupferabhängige Form des Zelltods, bei der Kupfer an Enzyme des Citratzyklus bindet; in den Studien als Mechanismus des Kupferüberschusses diskutiert.

Desinfektionsnebenprodukte (DBP): Stoffe, die bei der Trinkwasserdesinfektion mit Chlor und ähnlichen Mitteln entstehen, zum Beispiel Trihalomethane (THM) und Halogenessigsäuren (HAA).

DNA-Fragmentationsindex (DFI): Anteil der Spermien mit geschädigter DNA.

Dosis-Wirkungs-Beziehung: Zusammenhang zwischen Menge eines Stoffes und Stärke der Wirkung; kann linear, U-förmig oder umgekehrt U-förmig sein.

Ejakulatfraktion: Teil des Ejakulats, der in einer bestimmten Phase der Ejakulation abgegeben wird; die Fraktionen unterscheiden sich in Spermiengehalt und Elementzusammensetzung.

Endokrine Disruptoren: Stoffe, die das Hormonsystem stören können.

FSH (follikelstimulierendes Hormon): Hormon der Hypophyse, das die Spermienbildung über Sertoli-Zellen anregt.

Flagellum: Geißel der Spermien, zuständig für die Fortbewegung; sie besteht aus Axonem (9+2-Mikrotubulistruktur) und umgebender Faserscheide.

Fluorose: Chronische Fluoridvergiftung, zum Beispiel mit Zahn- und Knochenveränderungen; „endemische Fluorose" bezeichnet ihr gehäuftes Auftreten in bestimmten Regionen.

GnRH: Hormon aus dem Hypothalamus, das die Ausschüttung von LH und FSH steuert.

GRADE: System zur Bewertung der Sicherheit (Qualität) von Evidenz in vier Stufen (sehr niedrig, niedrig, moderat, hoch).

GST (Glutathion-S-Transferase), GSTM1, GSTT1, GSTP1: Entgiftungsenzyme; Genvarianten (Nullgenotypen) können die Empfindlichkeit gegenüber Schadstoffen verändern.

Glutathion (GSH), GPx, SOD, Katalase: Antioxidative Moleküle und Enzyme des Schutzsystems gegen oxidativen Stress.

Hodenindex, gonadosomatischer Index: Verhältnis von Hodengewicht zu Körpergewicht bei Versuchstieren.

ICP-MS, ICP-OES, AAS: Messverfahren zur Bestimmung von Elementen (Massenspektrometrie beziehungsweise optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma; Atomabsorptionsspektrometrie).

Inhibin B: Von Sertoli-Zellen gebildetes Hormon, das FSH hemmt und als Marker der Sertoli-Zell-Funktion und Spermatogenese gilt.

In vitro: Im Reagenzglas oder an Zellkulturen, nicht im lebenden Organismus.

i. p., i. v., Schlundsonde: Applikationswege im Tierversuch: in die Bauchhöhle, in die Vene oder per Sonde direkt in den Magen.

Kapazitation: Reifungsvorgang der Spermien im weiblichen Genitaltrakt, der die Befruchtungsfähigkeit herstellt.

Konfidenzintervall (KI): Bereich, in dem der wahre Wert mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit (hier meist 95 Prozent) liegt; schließt es 1 (bei Odds Ratios) oder 0 (bei Mittelwertdifferenzen) ein, ist der Effekt nicht signifikant.

Kreatininadjustierung: Umrechnung von Urinwerten auf die Kreatininkonzentration, um die Verdünnung des Urins auszugleichen.

LD50: Dosis, bei der die Hälfte der Versuchstiere stirbt; wird in manchen Studien als Bezug für die Dosiswahl verwendet.

Leydig-Zellen: Zellen im Hoden, die Testosteron bilden.

LH (luteinisierendes Hormon): Hormon der Hypophyse, das die Testosteronbildung in den Leydig-Zellen anregt.

Malondialdehyd (MDA), TBARS: Messgrößen für Lipidperoxidation, also oxidative Schädigung von Fetten in Zellmembranen.

Metaanalyse: Statistische Zusammenfassung der Ergebnisse mehrerer Studien. Ein Umbrella-Review fasst mehrere systematische Übersichten und Metaanalysen zusammen.

Mitochondriales Membranpotenzial (MMP): Maß für die Energieversorgung der Zelle; bei Spermien eng mit der Beweglichkeit verbunden.

Motilität: Beweglichkeit der Spermien; unterschieden werden Gesamtbeweglichkeit und progressive Beweglichkeit (vorwärts gerichtet).

Nanopartikel, Nanoplastik: Partikel mit Abmessungen im Bereich von etwa 1 bis 100 Nanometern (Nanopartikel) beziehungsweise Kunststoffteilchen dieser Größenordnung (Nanoplastik).

Normozoospermie: Samenparameter innerhalb der Referenzwerte der WHO.

Odds Ratio (OR): Maß für die Stärke eines Zusammenhangs; Werte über 1 bedeuten ein erhöhtes Chancenverhältnis in der Gruppe mit Exposition.

Oligozoospermie: Verminderte Spermienkonzentration. OAT (Oligoasthenoteratozoospermie): gleichzeitig verminderte Konzentration, Beweglichkeit und normale Morphologie.

Oxidativer Stress, ROS: Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und antioxidativen Schutzsystemen.

Pyroptose, Ferroptose, Autophagie, Mitophagie, Nekroptose, PANoptose: Verschiedene Formen des Zelltods beziehungsweise des zellulären Abbaus, die in den Mechanismusstudien untersucht werden.

Querschnittsstudie: Studie, die Exposition und Befund zu einem Zeitpunkt erfasst; sie erlaubt keine Aussage zur zeitlichen Abfolge. Fall-Kontroll-Studie: vergleicht Personen mit einem Befund (Fälle) mit solchen ohne (Kontrollen). Kohortenstudie: begleitet eine Gruppe über die Zeit.

Sertoli-Zellen: Stützzellen im Hoden, die die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden.

SHBG: Sexualhormon-bindendes Globulin, Transportprotein im Blut, das einen Teil des Testosterons bindet.

SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz): Effektmaß einer Metaanalyse, das Unterschiede zwischen Gruppen in Einheiten der Standardabweichung ausdrückt.

Spermatogenese: Bildung der Spermien aus Spermatogonien (Stammzellen) über Spermatozyten und Spermatiden. Sie verläuft in Zyklen; manche Tierstudien wählen die Expositionsdauer so, dass sie mindestens einen Zyklus umfasst (zum Beispiel 54 ± 3 Tage bei der Ratte [s226], 49 Tage bei der Maus [s210]).

Spermienkonzentration, Spermienzahl: Anzahl pro Milliliter beziehungsweise pro Ejakulat.

Seminalplasma: Flüssiger Anteil des Ejakulats ohne Spermien, gebildet vor allem in Bläschendrüse und Prostata.

StAR, P450scc, 3β-HSD, 17β-HSD, CYP17A1, CYP11A1: Eiweiße und Enzyme der Testosteronbildung (Steroidogenese).

Teratozoospermie: Erhöhter Anteil von Spermien mit abnormer Form.

THM, TTHM: Trihalomethane beziehungsweise die Summe der Trihalomethane; TCAA (Trichloressigsäure) und DBAA (Dibromessigsäure) sind Halogenessigsäuren.

TUNEL-Test: Verfahren zum Nachweis von DNA-Fragmentierung in Zellen.

U-förmige Beziehung: Dosis-Wirkungs-Beziehung, bei der sowohl niedrige als auch hohe Werte mit ungünstigen Befunden verbunden sind; bei einer umgekehrt U-förmigen Beziehung liegt das Optimum in der Mitte.

Viabilität (Vitalität): Anteil lebender Spermien.

WQS (Weighted Quantile Sum Regression): Statistisches Verfahren für Gemische, das jedem Stoff ein Gewicht für seinen Beitrag zum Gesamteffekt zuweist. cPIP: bedingte Einschlusswahrscheinlichkeit einer Variablen in BKMR.

Wilson-Krankheit (Modell „toxic milk"): Erbliche Störung des Kupferstoffwechsels mit Kupferspeicherung; in Mäusen als Modell für Kupferüberschuss verwendet.

WHO-Referenzwerte: Referenzbereiche der Weltgesundheitsorganisation für das Spermiogramm, deren Fassung (zum Beispiel 1992 oder 2010) sich in den Studien unterscheidet.

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Lesart bis Mangan beim Menschen
  6. Kupfer beim Menschen
  7. Metallgemische und Mehrelementstudien
  8. Berufsgruppen und belastete Wohnregionen bis Gesamtbewertung der Beobachtungsstudien
  9. Wie die Evidenz hier gelesen wird bis Aluminium: Studien am Menschen und In-vitro-Versuche
  10. Aluminium: Tierversuche bis Kupfer: Tierversuche und Zellversuche
  11. Mehrelement-Studien mit Aluminium, Mangan und Kupfer bis Nanopartikel: Tierversuche
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Koreanisch
  15. Russisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s139
  25. Quellen s140–s280
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle