Kupfer ist ein essenzielles Spurenelement und bei hohen Konzentrationen toxisch; entsprechend uneinheitlich sind die Befunde. Studien zu Kupfer im Trinkwasser und Spermienqualität liegen in den Quellen nicht vor; gemessen wird Kupfer in Serum, Blut, Urin oder Seminalplasma, in Berufsgruppenstudien auch in der Luft. Kupfer-Intrauterinpessare betreffen eine andere Fragestellung (Kupfer im weiblichen Genitaltrakt) und sind nicht Gegenstand dieses Kapitels.
Wong et al. 2001 [s266]: „The impact of calcium, magnesium, zinc, and copper in blood and seminal plasma on semen parameters in men" (Der Einfluss von Calcium, Magnesium, Zink und Kupfer in Blut und Seminalplasma auf die Samenparameter des Mannes), Reproductive Toxicology. Design und Population: 107 fertile und 103 subfertile Männer lieferten Blut und Samen. Methodik: Calcium und Magnesium kolorimetrisch, Zink und Kupfer per Flammen-Atomabsorptionsspektrometrie, Samenanalyse nach WHO 1992. Ergebnisse: Die Konzentrationen von Calcium, Magnesium, Zink und Kupfer in Blut und Seminalplasma unterschieden sich zwischen fertilen und subfertilen Männern nicht. Schwache Korrelationen zeigten Zink im Blutplasma mit Spermienzahl (rs = 0,18), Motilität (rs = 0,15) und abnormer Morphologie (rs = 0,13), Zink und Magnesium im Seminalplasma mit der Spermienzahl (rs = 0,17 beziehungsweise 0,16) und Kupfer im Blutplasma mit der Motilität (rs = 0,25); die Korrelationen zwischen Calcium, Magnesium und Zink im Seminalplasma waren stark. Die Autoren schließen, dass die Bestimmung dieser Elemente in Blut und Seminalplasma in dieser Gruppe nicht zwischen fertilen und subfertilen Männern unterscheide. Stärken: nach Fertilitätsstatus aufgeteilte, vergleichsweise große Stichprobe; zwei Matrices. Schwächen: alle Korrelationen schwach (rs ≤ 0,25), keine Konfidenzintervalle im Abstract, ältere WHO-Kriterien; Mehrfachvergleiche.
Yuyan et al. 2008 [s245]: „Are serum zinc and copper levels related to semen quality?" (Hängen Serumzink und Serumkupfer mit der Samenqualität zusammen?), Fertility and Sterility. Design und Population: multizentrische Studie in China an Männern von 20 bis 59 Jahren; ausgeschlossen waren Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane, Tuberkulose und berufliche Schwermetallexposition. Methodik: Samenqualität sowie Serumzink und -kupfer; fünf Kupfergruppen; multiple logistische Regression. Ergebnisse: Die progressive Motilität unterschied sich zwischen den fünf Kupfergruppen, aber multiple logistische Analysen zeigten keinen signifikanten Effekt höherer oder niedrigerer Serumkupferwerte auf die Spermienqualität. Bei niedrigem Serumzink war das Risiko einer Asthenozoospermie höher; das Cu/Zn-Verhältnis war in der Gruppe mit abnormer progressiver Motilität höher als in der Normalgruppe. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract, keine Teilnehmerzahl; die Studie legt den Schwerpunkt auf Zink.
Aydemir et al. 2006 [s253]: „Impact of Cu and Fe concentrations on oxidative damage in male infertility" (Wirkung der Kupfer- und Eisenkonzentrationen auf oxidative Schäden bei männlicher Infertilität), Biological Trace Element Research (Türkei). Design und Population: Fall-Kontroll-Studie mit 60 subfertilen und 40 fertilen Männern. Methodik: Kupfer und Eisen in Serum und Seminalplasma, Glutathion, Malondialdehyd (Maß der Lipidperoxidation) und reaktive Sauerstoffspezies. Ergebnisse: Spermienzahl und -beweglichkeit waren in der subfertilen Gruppe niedriger (P < 0,001). Kupfer war bei den Subfertilen sowohl im Serum (P < 0,001) als auch im Seminalplasma (P < 0,05) höher; Eisen war im Seminalplasma höher (P < 0,001), im Serum bestand kein Unterschied. Die Autoren sehen Kupfer und Eisen als mögliche Vermittler oxidativer Schäden. Stärken: Kupfer in zwei Kompartimenten gemessen, Fall-Kontroll-Vergleich mit klar definierten Gruppen. Schwächen: Der Abstract nennt keine Konzentrationswerte; Kupfer und Eisen werden gemeinsam betrachtet; Assoziation, keine Kausalität; Kupfer als möglicher Befundträger der Subfertilität kann auch Folge sein.
Abdul-Rasheed 2010 [s233]: „Association between seminal plasma copper and magnesium levels with oxidative stress in Iraqi infertile men" (Zusammenhang zwischen Kupfer- und Magnesiumgehalt im Seminalplasma und oxidativem Stress bei irakischen infertilen Männern), Oman Medical Journal. Design und Population: Fall-Kontroll-Studie in Bagdad (September 2007 bis Februar 2008): 78 infertile Männer (Alter 33,01 ± 4,20 Jahre; Oligozoospermie n = 43, Azoospermie n = 35) und 41 fertile Kontrollen (30,29 ± 2,30 Jahre). Methodik: Kupfer und Magnesium im Seminalplasma per Atomabsorptionsspektrometrie, Malondialdehyd kolorimetrisch mit dem Thiobarbitursäure-Test. Ergebnisse: Das Seminalplasma-Kupfer war in der azoospermen Gruppe signifikant erniedrigt (P < 0,001) und in der oligozoospermen Gruppe nicht signifikant erniedrigt; Magnesium war in allen Infertilitätsgruppen signifikant erniedrigt (P < 0,001), Malondialdehyd signifikant erhöht (P < 0,001). Schwächen: Die Gruppen sind nach Samenbefund gebildet (bei Azoospermie fehlen Spermien, und der Seminalplasma-Befund kann durch die Zusammensetzung des Sekrets mitbestimmt sein); Kontrollen etwa drei Jahre jünger; keine Adjustierung im Abstract; Mittelwerte nicht im Abstract. Einordnung: Die Richtung (niedrigeres Kupfer) steht im Gegensatz zu [s253] (höher bei Subfertilen) und [s121] (kein Unterschied).
Akinloye et al. 2011 [s227]: „The impact of blood and seminal plasma zinc and copper concentrations on spermogram and hormonal changes in infertile Nigerian men" (Der Einfluss der Zink- und Kupferkonzentrationen in Blut und Seminalplasma auf Spermiogramm und Hormone bei infertilen nigerianischen Männern), Reproductive Biology (Nigeria). Design und Population: Fall-Kontroll-Studie an 60 infertilen Männern (40 Oligozoospermie, 20 Azoospermie) und 40 fertilen Kontrollen. Methodik: Zink und Kupfer in Serum und Seminalplasma per Atomabsorptionsspektrometrie, korreliert mit Spermiogramm und Hormonen. Ergebnisse: Das Serumzink war bei Oligozoospermie signifikant höher als bei Azoospermie und Kontrollen (P < 0,01). Kupfer war in allen Gruppen im Serum höher als im Seminalplasma, Zink im Seminalplasma höher als im Serum (P < 0,05). Das Cu/Zn-Verhältnis im Seminalplasma war bei den Kontrollen signifikant höher als bei den übrigen Gruppen (P < 0,01), ein niedrigeres Verhältnis fand sich also bei den Infertilen. Das Serumzink korrelierte invers mit der Spermienzahl (P < 0,01), das Seminalplasma-Zink invers mit der Vitalität. Einordnung: Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s245] (höheres Cu/Zn-Verhältnis bei abnormer Motilität im Serum); Matrix (Serum oder Seminalplasma), Population und Land unterscheiden sich. Kleine Gruppen, keine Adjustierung im Abstract; die Aussage betrifft vor allem Zink.
Aljaser et al. 2021 [s121]: „Effect of trace elements on the seminal oxidative status and correlation to sperm motility in infertile Saudi males" (Wirkung von Spurenelementen auf den oxidativen Status des Samens und Zusammenhang mit der Spermienbeweglichkeit bei infertilen saudischen Männern), Saudi Journal of Biological Sciences. Design und Population: Fall-Kontroll-Vergleich in Riad: 40 normozoosperme fertile und 30 asthenozoosperme infertile Männer. Methodik: im Seminalplasma ROS, Malondialdehyd, Gesamtantioxidanskapazität, Selen, Kupfer, Zink und Magnesium. Ergebnisse (Mittelwert ± Standardabweichung, fertil gegenüber Asthenozoospermie; Zahlen aus dem frei zugänglichen Volltext, den das Rechercheprotokoll gelesen hat): Beweglichkeit 59,12 ± 6,82 gegenüber 29,73 ± 4,88 % (P < 0,001), Konzentration 78,41 ± 6,83 gegenüber 48,83 ± 5,80 Mio./mL (P < 0,01), normale Morphologie 46,34 ± 4,67 gegenüber 31,61 ± 4,56 % (P < 0,05). Kupfer 165,56 ± 40,13 gegenüber 159,88 ± 36,01 (Einheit laut Tabelle mg/L; kein signifikanter Unterschied), Zink 141,7 ± 30,23 gegenüber 119,8 ± 30,75 mg/L (P < 0,01), Magnesium 13,14 ± 3,65 gegenüber 7,11 ± 3,88 mg/L (P < 0,01), Selen 60,73 ± 18,12 gegenüber 43,12 ± 19,65 µg/L. Korrelationen mit der Gesamtbeweglichkeit: ROS r = −0,48 (P = 0,001), Malondialdehyd r = −0,39 (P < 0,01), Zink r = 0,381, Selen r = 0,33, Magnesium r = 0,18, Kupfer r = −0,028 (P = 0,11, nicht signifikant). Schwächen: kleine Gruppen; die Einheit der Kupferwerte wurde der Tabelle entnommen und nicht auf Plausibilität geprüft; die Streuungen sind klein; Aluminium, Mangan und Fluorid wurden nicht gemessen.
Marzec-Wróblewska et al. 2016 [s189]: „The employment of IVF techniques for establishment of sodium, copper and selenium impact upon human sperm quality" (Der Einsatz von IVF-Techniken zur Klärung des Einflusses von Natrium, Kupfer und Selen auf die Qualität menschlicher Spermien), Reproduction, Fertility and Development. Design und Population: 168 Männer in der Infertilitätsabklärung; Gruppe I normozoosperm (n = 39), Gruppe II mit pathologischem Spermiogramm (n = 129). Methodik: Natrium, Kupfer und Selen im Samen, Glutathionperoxidase (GPx) im Seminalplasma. Ergebnisse: Selen (nicht aber Natrium oder Kupfer) und GPx waren bei Normozoospermen signifikant höher; zwischen den Gruppen unterschied sich Kupfer nicht. Signifikante Korrelationen bestanden zwischen schneller progressiver Motilität und Kupfer, zwischen normaler Morphologie und Selen sowie Kupfer und zwischen Spermienkonzentration und Kupfer sowie GPx; Koeffizienten stehen nicht im Abstract. Einordnung: Der Gruppenvergleich zeigt für Kupfer keinen Unterschied, die Korrelationen sind jedoch positiv. Ein positiver Zusammenhang von Kupfer mit Spermiencharakteristika steht im Gegensatz zu den Studien mit ungünstigem Kupferbefund.
Camejo et al. 2011 [s228]: „Selenium, copper and zinc in seminal plasma of men with varicocele, relationship with seminal parameters" (Selen, Kupfer und Zink im Seminalplasma von Männern mit Varikozele, Zusammenhang mit Samenparametern), Biological Trace Element Research. Röntgenfluoreszenz-Analyse (Total Reflection X-Ray Fluorescence; nach Angabe der Autoren erstmals in der Samenanalyse eingesetzt) von Selen, Kupfer und Zink bei Männern mit Varikozele. Selen war bei Varikozele niedriger als bei Normozoospermen, Zink und Kupfer unterschieden sich nicht; Selen korrelierte mit Konzentration, Motilität und Morphologie, Zink mit der Spermienzahl, und es bestand eine positive Korrelation zwischen Zink und Selen. Die Stichprobengröße steht nicht im Abstract. Einordnung: Sonderpopulation (Varikozele); Kupfer ohne Befund.
Shinohara et al. 2005 [s255]: „[Trace elements and sperm parameters in semen of male partners of infertile couples]" (Spurenelemente und Spermienparameter im Samen männlicher Partner infertiler Paare), Nihon Eiseigaku Zasshi (japanisch, englischer Abstract). Design und Population: 113 Samenproben freiwilliger männlicher Partner infertiler Paare. Methodik: 14 Elemente (Natrium, Kalium, Phosphor, Calcium, Zink, Magnesium, Eisen, Kupfer, Selen, Mangan, Zinn, Kobalt, Nickel, Cadmium) per Atomabsorption, Fluorometrie oder Kolorimetrie; Konzentrationen auch in Seminalplasma und Spermienanteil. Ergebnisse: Reihenfolge der Konzentrationen im Samen Na > P, K > Ca > Zn > Mg > Fe > Cu, Se > Mn > Sn, Ni, Co, Cd. Selen im Samen lag bei normalen Parametern (Konzentration ≥ 20 × 10⁶, Zahl ≥ 40 × 10⁶) bei 99,4 ± 37,4 ng/mL gegenüber 72,1 ± 33,9 ng/mL bei abnormen Parametern (P < 0,001); die Korrelation zwischen Selen und Spermienkonzentration betrug r = 0,853 im Spermienanteil, 0,512 im Gesamtsperma und 0,292 im Seminalplasma (P = 0,003). Selen, Phosphor, Zink, Kupfer, Eisen und Mangan zeigten kleine signifikante Korrelationen mit Konzentration, Volumen oder Abnormalität; die Autoren sehen nur Selen als guten Indikator, für die anderen Spurenelemente, darunter Kupfer und Mangan, ergaben sich keine klaren Zusammenhänge. Einordnung: Die Studie liefert für Kupfer und Mangan einen Nullbefund bei geringer Stichprobe.
Katayose et al. 2004 [s257]: „Effects of Various Elements in Seminal Plasma on Semen Profiles" (Wirkungen verschiedener Elemente im Seminalplasma auf Samenprofile), Journal of Mammalian Ova Research (Japan). Design und Population: Querschnittsstudie an 128 infertilen Männern, 50 Elemente im Seminalplasma; zusätzlich ein In-vitro-Versuch. Ergebnisse: Von 19 durchgehend nachweisbaren Elementen korrelierte nur Kupfer signifikant mit der Beweglichkeit; die Richtung ist im Abstract-Auszug nicht angegeben. Cadmium (P = 0,067, Gesamtzahl) und Zink (P = 0,052, Beweglichkeit) verfehlten die Signifikanz knapp. In vitro blieb der Beweglichkeitsverlust nach 50 µg/mL Kupfersulfat auch nach Zugabe von EDTA bestehen, bei Zink (300 µg/mL) war er durch EDTA reversibel. Einordnung: Die einzige Studie in den Quellen mit Humanmessung und In-vitro-Test zu Kupfer; Konzentrationen im In-vitro-Versuch sind nicht mit Körperkonzentrationen vergleichbar.
Zhang et al. 2010 [s238]: „[Correlation of the contents of trace elements in male body fluids with sperm quality]" (Zusammenhang der Gehalte an Spurenelementen in männlichen Körperflüssigkeiten mit der Spermienqualität), Zhonghua Nan Ke Xue (chinesisch, englischer Abstract). Design und Population: 113 Männer in Nanjing; Calcium, Magnesium, Kupfer, Zink, Eisen und Blei in Blut und Seminalplasma per Atomabsorption. Ergebnisse: Blei, Kupfer, Zink und Eisen im Blut korrelierten signifikant mit denen im Seminalplasma, Calcium und Magnesium nicht; Seminalplasma-Calcium korrelierte positiv, Seminalplasma-Blei negativ mit Motilitätsparametern; im Blut korrelierte Zink negativ mit der Motilität. Kupfer erscheint im Abstract nicht als signifikanter Prädiktor. Einordnung: Ein Nullbefund für Kupfer; interessant ist die Übereinstimmung von Blut- und Seminalplasmakupfer.
Li et al. 2014 [s208]: „Cadmium, Chromium, and Copper Concentration plus Semen-Quality in Environmental Pollution Site, China" (Cadmium-, Chrom- und Kupferkonzentration und Samenqualität an einem umweltbelasteten Standort in China), Iranian Journal of Public Health. Design und Population: 95 Männer (Zhejiang): Männer aus einem belasteten Gebiet und Kontrollen, 2011 rekrutiert. Methodik: computergestützte Samenanalyse; Cadmium, Chrom und Kupfer im Seminalplasma per Graphitrohr-Atomabsorption; Spearman-Korrelationen. Ergebnisse: Die Seminalplasma-Mittelwerte von Cadmium, Chrom und Kupfer waren im Belastungsgebiet höher als bei den Kontrollen; Chrom korrelierte negativ mit der Gesamtbeweglichkeit und dem Anteil morphologisch normaler Spermien, Kupfer negativ mit dem Anteil morphologisch normaler Spermien. Schwächen: kleine Stichprobe, unadjustierte Rangkorrelationen im Abstract; Wohnort als Expositionsmarker; Zahlen fehlen im Abstract.
Calderón et al. 2018 [s167]: „Serum Retinol, Folic Acid, and Copper Are Associated With Sperm Abnormalities in Men With Obesity" (Serumretinol, Folsäure und Kupfer sind bei Männern mit Adipositas mit Spermienanomalien verbunden), Journal of the American College of Nutrition. Design und Population: 30 Männer mit mäßiger bis schwerer Adipositas und 10 schlanke Kontrollen. Methodik: Hormon- und Lipidprofil, Serumzink, -kupfer, -retinol, α-Tocopherol, 25-Hydroxyvitamin D, Cobalamin und Folsäure; Samenanalyse nach WHO. Ergebnisse: 14 von 30 Männern (47 %) hatten abnorme Samenbefunde (33 % verminderte Motilität, 27 % niedrige Konzentration). Patienten mit abnormem Sperma hatten niedrigere Folsäure (P = 0,005) sowie höheres Östradiol (P = 0,015) und höheres Serumkupfer (P = 0,033) als schlanke Kontrollen. Die Gesamtmotilität korrelierte invers mit BMI (r = −0,433; P = 0,005), Östradiol (r = −0,475; P = 0,002) und Kupfer (r = −0,416; P = 0,012) und positiv mit Folsäure (r = 0,522) und Retinol (r = 0,350). Schwächen: sehr kleine Stichprobe, Sonderpopulation (Adipositas), Kupfer gemeinsam mit BMI und Östradiol betrachtet, sodass eine Konfundierung durch das Körpergewicht naheliegt; viele Vergleiche.
Calderón et al. 2020 [s136]: „Circulating Zinc and Copper Levels are Associated with Sperm Quality in Obese Men after Metabolic Surgery: A Pilot Study" (Zirkulierende Zink- und Kupferspiegel sind bei adipösen Männern nach metabolischer Chirurgie mit der Spermienqualität verbunden: eine Pilotstudie), Nutrients. 20 Männer, zwei Jahre nach metabolischer Chirurgie im Vergleich zum Ausgangswert. Testosteron, FSH und Inhibin B stiegen; Serumkupfer, Zink und Ferritin sanken; 33 % hatten Zinkmangel, 27 % Kupfermangel, 20 % Eisenmangel; alle neu untersuchten Patienten hatten mindestens einen abnormen Spermaparameter. Serumzink korrelierte mit der progressiven Motilität (r = 0,577; P = 0,031), Serumkupfer nur schwach und knapp nicht signifikant mit der Motilität (r = 0,115; P = 0,051). Einordnung: Pilotstudie mit 20 Teilnehmern in einer Sonderpopulation; der Befund wird als Hinweis auf Malabsorption gedeutet und ist für die Allgemeinbevölkerung kaum übertragbar. Der angegebene r-Wert von 0,115 bei P = 0,051 wirkt rechnerisch ungewöhnlich und wird so aus dem Abstract wiedergegeben.
Kiziler et al. 2015 [s199]: „Comparison of Before and After Varicocelectomy Levels of Trace Elements, Nitric Oxide, Asymmetric Dimethylarginine and Malondialdehyde in the Seminal Plasma and Peripheral and Spermatic Veins" (Vergleich der Spurenelement-, Stickstoffmonoxid-, ADMA- und Malondialdehydspiegel im Seminalplasma sowie im peripheren und spermatischen Venenblut vor und nach Varikozelenoperation), Biological Trace Element Research. Vorher-nachher-Vergleich an 29 Patienten mit Varikozele (Tekirdağ, Türkei): Eisen, Zink, Kupfer, Stickstoffmonoxid, ADMA und Malondialdehyd in Seminalplasma, peripherem und spermatischem Venenblut. Malondialdehyd war nach der Operation niedriger (P = 0,022, 0,001 und 0,034), Stickstoffmonoxid niedriger (P = 0,025 und 0,001), ADMA höher (P = 0,003 und 0,001); keine signifikanten Unterschiede bei Spurenelementen und Spermienzahl (P > 0,05). Kupfer änderte sich also nicht. Kleine Gruppe ohne Kontrolle.
Samir et al. 2024 [s59]: „Male reproductive hormone disorders among copper smelter workers" (Störungen männlicher Reproduktionshormone bei Beschäftigten einer Kupferschmelze), Toxicology and Industrial Health (Ägypten). Design und Population: Vergleich von 40 Beschäftigten einer Sekundärkupferschmelze (Exposition gegenüber Kupfer, Blei und Arsen) mit 40 nicht exponierten Arbeitern. Methodik: Serumkupfer, Blutblei, Serumarsen, FSH, LH, Testosteron und Malondialdehyd; Korrelationen und lineare Regression. Ergebnisse: Kupfer, Arsen, Blei, FSH und LH waren signifikant höher, Testosteron signifikant niedriger. Serumkupfer korrelierte positiv mit FSH und Malondialdehyd; Testosteron korrelierte negativ mit Kupfer und Arsen; im Regressionsmodell blieb Serumkupfer signifikant negativ mit Testosteron verbunden. Schwächen: kein Spermiogramm, gemeinsame Exposition (isolierte Kupferwirkung nur modelliert), keine Zahlenwerte im Abstract, kleine Gruppen.
Telisman et al. 2000 [s267]: „Semen quality and reproductive endocrine function in relation to biomarkers of lead, cadmium, zinc, and copper in men" (Samenqualität und reproduktive endokrine Funktion in Beziehung zu Biomarkern von Blei, Cadmium, Zink und Kupfer beim Mann), Environmental Health Perspectives. Design und Population: 149 gesunde männliche Industriearbeiter (20 bis 43 Jahre) in Zagreb: 98 mit leichter bis mäßiger beruflicher Bleiexposition und 51 Referenzpersonen. Methodik: Blutblei, ALAD, Erythrozytenprotoporphyrin, Blutcadmium, Serumzink, Samenzink, Serumkupfer sowie Samen- und Hormonparameter. Ergebnisse: Blei war mit sinkender Spermiendichte, Gesamt-, motiler und vitaler Spermienzahl, progressiver Motilität und Prostata-Sekretionsparametern sowie mit erhöhter Kopfanomalie, Testosteron und Östradiol verbunden (jeweils P < 0,05). Die multiple Regression zeigte zusätzlich einen signifikanten Einfluss (P < 0,05) von Cadmium, Serumzink, Serumkupfer, Rauchen, Alkohol oder Alter auf bestimmte Parameter; diese Effekte seien meist von geringerem Rang und geringerer Intensität als die Bleieffekte gewesen. Selbst mäßige Blei- (Blutblei unter 400 µg/L) und Cadmiumexpositionen (Blutcadmium unter 10 µg/L) könnten die Samenqualität vermindern. Einordnung: Welche Kupfereffekte im Einzelnen auftraten, nennt der Abstract nicht; die Studie ist vor allem eine Bleistudie.
Bergamo et al. 2016 [s184]: „Human semen as an early, sensitive biomarker of highly polluted living environment in healthy men: A pilot biomonitoring study on trace elements in blood and semen and their relationship with sperm quality and RedOx status" (Menschliches Sperma als früher, empfindlicher Biomarker einer stark belasteten Wohnumgebung bei gesunden Männern: eine Pilot-Biomonitoringstudie zu Spurenelementen in Blut und Sperma und ihrer Beziehung zu Spermienqualität und Redoxstatus), Reproductive Toxicology. Design und Population: Pilotstudie in Kampanien (Italien) mit 110 gesunden Männern aus Gebieten mit hoher oder niedriger Umweltbelastung durch illegale Abfallentsorgung. Ergebnisse: Das Sperma der „High-Impact“-Gruppe enthielt mehr Zink, Kupfer und Chrom und weniger Eisen und zeigte verminderte Motilität und einen höheren DNA-Fragmentationsindex; antioxidative Marker (Gesamtantioxidanskapazität TAC, Glutathion GSH) und Enzymaktivitäten waren niedriger; der Anteil immotiler Spermien korrelierte invers mit TAC und GSH. Einordnung: Trinkwasser wird im Abstract nicht gesondert als Expositionsquelle untersucht; die Belastung betrifft den Wohnort insgesamt (mehrere Stoffe und Wege), sodass Kupfer nicht isoliert bewertet werden kann.
Kupfer in Mehrelementstudien. Ungünstige Zusammenhänge zeigten die Seminalplasma-Studien [s223] (inverse Korrelation mit der Spermienkonzentration, r = −0,312; P = 0,029; höheres Kupfer in der abnormen Gruppe, P = 0,024), [s183] (positive Beziehung zum Anteil DNA im Kometenschweif, Spermien-DNA-Schäden), [s148] (Kupfer im Samen negativ mit der Beweglichkeit), [s37] (risikoerhöhend für abnorme Samenqualität in Einzel- und Gemischmodellen), [s29] (höher bei Asthenozoospermie; niedrige Kupferwerte mit höherer Konzentration) und [s15] (Kupfer invers mit progressiver und Gesamtmotilität); im Urin [s122] (Kupfer negativ mit der Gesamtspermienzahl, β = −1,30; P = 0,028); geografisch geschätzt [s40] (Kupfer als vierter Faktor nach Quecksilber, Arsen und Cadmium). In [s30] war Kupfer dagegen mit höherer Spermienkonzentration korreliert. Keinen Befund für Kupfer nennen die Abstracts von [s204], [s191], [s132], [s125], [s100], [s99] und [s101]; die japanische Clusterstudie [s42] fand einen Cluster mit höheren Kupfer- und anderen essenziellen Elementgehalten und besserer Beweglichkeit.
Zwischenbilanz Kupfer. Das Bild ist uneinheitlich. Höhere Kupferwerte bei schlechterer Samenqualität zeigen die Metaanalyse [s20], mehrere Seminalplasma-Studien (siehe oben) und kleine Studien aus der Türkei [s253] und aus Adipositas-Kollektiven [s167]. Keinen Unterschied zeigen [s266, s245, s121, s228, s189, s255, s238, s199] und die Metaanalyse [s182]; ein niedrigeres Kupfer bei Azoospermie berichtet [s233]; das Cu/Zn-Verhältnis geht in [s245] und [s227] in entgegengesetzte Richtungen. Schwache positive Korrelationen von Kupfer mit Motilität oder Konzentration finden sich in [s266, s189, s30]. Gemeinsam ist den Studien, dass sie eine Kupferkonzentration in Körperflüssigkeit messen, nicht die Kupferaufnahme; ob und wie Trinkwasserkupfer dazu beiträgt, ist nicht untersucht. Eine Erklärung für die Widersprüche kann in Matrix (Serum, Seminalplasma, Urin), Konzentrationsbereich, Fertilitätsdefinition, Land und Nachweismethode liegen; die Abstracts erlauben keine Entscheidung.